• Werner Götz
September 2024

Japan und Südkorea

Wir sind in Japan unterwegs, bewegen uns vor allem mit dem Zug durch das Land. Anschließend geht es noch für sechs Tage nach Südkorea, hier mit Auto und Zug Read more
  • Trip start
    September 7, 2024

    Angekommen in Tokyo - erste Impression

    September 8, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 31 °C

    Wir sind heute früh am Flughafen in Tokyo angekommen. Nach ungefähr 22 Stunden via Wien. Ein vorab organisierter Fahrer holte uns ab und brachte uns ins The Gate Hotel Ryogoku. Was rund 90 Minuten dauerte. Das Hotel liegt zentral im Stadtteil Ginza, Tokyos schillerndstes Stadtviertel. Von hier aus lässt sich einiges zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmittel machen. Einchecken kann man erst ab 14 Uhr, also die Koffer abgegeben und zu Fuß die nähere Umgebung erkundet. Ein erster Eindruck, eine sehr saubere und moderne Stadt mit breiten Straßen, Alleen und zahllosen Hochhäusern. Auffallend ist auch, dass verhältnismäßig viele mit schweren Motorrädern unterwegs sind, gern mit Harleys oder italienischen Fabrikaten. Tokyo ist übrigens die größte Stadt der Welt mit etwa 38 Millionen Einwohnern.
    Als erstes ging es zur nahe gelegenen Tokyo-Station, dem zentralen Bahnhof der Stadt. Das 1914 errichtete Bahnhofsgebäude fällt zwischen all den modernen Hochhäusern allein durch die rote Backsteinfassade auf. Dahinter liegt einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt, der das Land durch Hochgeschwindigkeitszüge miteinander verbindet. Rein sind wir aber noch nicht, dazu braucht man ein Ticket. Kommt noch, da wir Japan ja fast ausschließlich mit dem Zug bereisen.
    Die Tokyo Station ist nicht nur ein sehr geschäftiger Verkehrsknotenpunkt, zugleich bietet er eine Fülle von Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und touristische Attraktionen, die den Besuch lohnen. Man könnte bis zum Umfallen einkaufen, ohne allzu weit laufen zu müssen. Rein theoretisch. Denn die Gänge und Passagen im und um den Bahnhof sollen eine Länge von 20 Kilometern haben und über 1000 Geschäfte beherbergen.
    Dabei ist es nur einer von sechs großen Bahnhöfen in Tokyo und bei weitem nicht der größte. Hier im Hauptbahnhof Tokyo Station werden Tag für Tag um die 4000 Züge abgefertigt und rund eine halbe Million Menschen. Der Bahnhof Shinjuku kommt sogar auf täglich über vier Millionen Fahrgäste, und dass, obwohl es fast nur Nahverkehrslinien gibt und kaum Fernverkehr. Zu Stoßzeiten sind es rund 500 Menschen pro Sekunde, die in Züge ein- oder aussteigen, raus und rein kommen sie über einem der mehr als 200 Zugänge.
    Weiter sind wir etwa einen Kilometer zum Kaiserpalast gelaufen. Inmitten eines grünen Areals lebt der Tennō, der japanische Kaiser mit seiner Familie. Der heutige Palast wurde 1888 auf dem Gelände der ehemaligen 1638 errichteten Burg Edo-jō des Tokugawa-Shogunats errichtet. Edo war der Name des alten Tokyo. Einst war die Burg eine der größten der Welt, es ist aber kaum mehr etwas erhalten. Im zweiten Weltkrieg wurde der Palast zerstört und bis 1968 in modernerem Stil wieder aufgebaut. Der größere Teil des 3,4 Quadratkilometer großen Areals ist ebenso wie der Wohnsitz des Kaiser nicht öffentlich zugänglich.
    Für die Öffentlichkeit zugänglich sind aber die Ost-Gärten des Palastes. Erkennen lassen sich noch Reste der massiven Steinwälle der Hauptburg, des zweiten Verteidigungsringes, von Wassergräben und der Wachhäuser. Wir halten uns nur kurz auf, gehen zurück zum Hotel wollen einchecken und uns etwas erholen. Sind doch schon recht lange unterwegs und es hat nicht nur über 30 Grad, sondern es ist auch noch sehr schwül, so dass die gefühlte Temperatur um die 40 Grad Celsius beträgt. Abends als es etwas kühler war, sind wir noch einmal in dem Viertel Ginza unterwegs gewesen.
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  • Tokyo, Meiji Jing und Harajuku

    September 9, 2024 in Japan ⋅ ⛅ 32 °C

    Wir sind mit Noriko Taguchi unterwegs. Sie möchte den Besuchern ihre Heimat näherbringen, arbeitet deswegen seit rund acht Jahren als Guide. Vorher war sie Stewardess bei Japan Airlines. Als erstes geht es zum Meiji Jingu, Tokyos berühmtester Shinto-Schrein, durchdrungen von Geschichte und Spiritualität. Er ist dem Gedenken an Kaiser Meiji und der Kaiserin Shõken gewidmet, deren Regentschaft von 1868 bis 1912 dauerte und die den Wandel Japans vom einstigen isolationistischen Feudalstaat in eine moderne Nation einleiteten. Deswegen bis heute verehrt werden. Zu Neujahr kommen hier an drei Tagen mehr als dreieinhalb Millionen Menschen her. Mit jeglicher Art von Fortbewegung wird es dann schwierig.
    Der 1920 errichtete Schrein besteht aus Zypressenholz mit einem kupfernen Dach und befindet sich in einem Wäldchen, zu dem ein langer, gewundener Kiesweg führt. Ihn betritt man durch mehrere Torii, den japanischen Toren, die vor Schreinen und Tempeln zu finden sind. Die Torbögen sind das Symbol für den Übergang aus der profanen in die spirituelle Welt. Durchschreitet man das Tor, befindet man sich auf heiligem Boden. Vor einen Torii sollte man sich immer kurz verbeugen, um seinen Respekt zu zollen und immer am Rand hindurchzugehen. Die Mitte ist den Gottheiten vorbehalten. Hinter dem Tor findet sich ein Reinigungsbrunnen, man wäscht sich die Hände und Mund. Zuerst wird die rechte Hand gesäubert, dann die linke, dann nimmt man etwas Wasser in den Mund, spült ihn aus und reinigt sich noch einmal die linke Hand.
    Im Schrein selbst sieht man betende Menschen, die Münzen in eine Opferbox werfen. Zuerst verbeugt man sich, um Respekt zu zeigen und wirft die Münze ein. Dann verbeugt sich zweimal und klatscht zweimal in die Hände – damit die Gottheit das Opfer auch wahrnimmt. Nun wünscht man sich etwas in Gedanken und schließ alles mit einer weiteren Verbeugung ab.
    Der Shintōismus ist neben dem Buddhismus die wichtigste Religion in Japan. Es handelt sich um einen Volksglauben, bei der die Kräfte der Natur verehrt werden und der sich aus vielen regionalen Kulten und Glaubensvorstellungen zusammensetzt. Die Kami, die Götter, können Menschen, Tiere, Gegenstände oder abstrakte Wesen sein. Übersetzt bedeutet Shintõ ´Weg der Götter´. Je nach Quelle dürften sich bis zu 100 Millionen Menschen zum Shintõismus bekennen, dementsprechend wird den Schreinen in Japan eine große Bedeutung beigemessen.

    Unser nächster Besuch gilt den nahe gelegenen Stadtteilen Harajuku, ein lebendiges Viertel mit Boutiquen und Geschäften, beliebt vor allem bei jungen Japanern. Das Viertel gilt als eines der wichtigsten Modezentren Japans. Die hier vorwiegend angebotene, etwas punklastige Jugendmode gilt als eigener Stil, der Harajuku-Kei. Neben aufstrebenden trendigen Boutiquen finden sich alteingesessene Geschäfte wie das Dog. Hier soll auch von Mode-Ikonen wie Lady Gaga eingekauft werden.

    Das Mittagessen nehmen wir in einem traditionellen, kleinen Restaurant ein. Gekocht wird vom Chef Tempura direkt am Tresen, alles frisch. Tempura sind frittierter Speisen. Etwa Fisch, Fleisch oder Gemüse. Mit einem Teigmantel aus Weizenmehl, Ei und Wasser versehen werden sie heißem Pflanzenöl frittiert und nur mit Salz als Gewürz serviert.
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  • Tokyo, vom Korakuen-Garten zum Sensoji

    September 9, 2024 in Japan ⋅ ⛅ 34 °C

    Wir sind im Koishikawa Korakuen-Garten. Der Landschaftsgarten im chinesischen und japanischen Stil hat der Landesfürst Ikeda Tsunamasa gegen Ende des 17. Jahrhunderts errichten lassen. Er zählt zu den Nihon-Sanmeien, den drei berühmten Gärten Japans. Ein Rundweg führt einen vorbei an Teichen, Bächen, Büschen und Bäumen mit immer wechselnden Ansichten. Er diente einst dem Fürsten und seiner Familie zur Entspannung.

    Im Stadtteil Asakusa findet sich Tokyos ältester buddhistischer Tempel, der Sensoji-Tempel. Er ist der meistbesuchte Tempel der Stadt. Hinein geht es durch das rote Kaminari-mon. Davor finden sich flankierend die Statuen von Fūjin, dem Gott des Windes, von Raijin, dem Donnergott sowie einem schön geschnitzten Drachen unter einer großen roten Laterne. Entlang des Weges finden sich unzählige Stände, verkauft wird alles Erdenkliche, von touristischem Kitsch bis hin zu Kunsthandwerk im Edo-Stil.

    Betritt man einen Tempel, muss man über eine erhöhte Schwelle treten und darf niemals direkt auf diese treten. Hier gibt es neben dem Reinigungsbrunnen auch Räucherstäbchen, die man zur Heilung oder Reinigung verbrennt. Dabei darf man niemals ein anderes Räucherstäbchen verwenden, um seines anzuzünden. Ansonsten übernimmt man die Sünden des anderen. Der Umgang mit der Opferbox ist analog zu der an einem Schrein nur dass nicht geklatscht wird.
    Im Tempel selbst soll sich eine goldene Statue von Kannon, der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit befinden, die der Legende nach 628 von zwei Fischern gefunden wurde und seitdem immer an diesem Ort verbleibt. Sie wurde aber niemals öffentlich ausgestellt, auch weiß niemand, ob es diese Statue wirklich gibt. Das aber tut dem Ort keinen Abbruch, so pilgern jede Menge Gläubige Tag für Tag der Göttin wegen hierher.
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  • Kamakura - zurück ins alte Japan

    September 10, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 31 °C

    Etwa eine Stunde dauerte die Zugfahrt nach Kita-Kamakura. Von der Station aus machten wir eine Wanderung entlang einiger Sehenswürdigkeiten bis zum großen Buddha. Vorab, es waren fast 13 Kilometer bei über 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Gott sei Dank finden sich hier alle paar Hundert Meter Getränkeautomaten an der Straße, die einem mit kühlen Getränken aller Art versorgen. Die braucht man dringend.
    Kamakura war während des Kamakura-Shogunats von 1185 bis 1333 die Hauptstadt Japans. Heute ist die Stadt mit ihren 180.000 Einwohnern ein beliebtes Ausflugsziel. Finden sich doch eine größere Zahl an Tempeln und Schreinen, die einen in das alte Japan zurückzuversetzen.
    In und um Kamakura finden sich etwa fünf Tempelanlagen, die dem Zen-Buddhismus angehören. Zwei davon besichtigen wir. Der älteste, 1252 gegründet und wichtigste von ihnen ist der Kenchō-ji mit dem Zen-Garten. Er liegt nahe der Bahnstation Kita-Kamakura. Der Tempel wird bis heute genutzt. In der zentralen Buddhahalle steht eine Jizō-Botsatsu-Statue, etwas ungewöhnlich für einen Zentempel. Sie spiegelt jedoch die alte Funktion des Tales wider, als Hinrichtungsstätte. Jizō spendet verlorenen Seelen Trost.
    Etwa 1,5 Kilometer entfernt besichtigten wir dann den Tempel Engaku-ji. Ihn hat man 1282 gegründet, vermutlich zur Ehrung der Krieger, die ihr Leben bei der Verteidigung des Landes 1274 und 1281 gegen Kublai Khan verloren hatten. Alle Tempelbauten hier wurden in Laufe der Zeit erneuert, das aktuell älteste der Bauwerke, die Shariden-Halle hat man zuletzt im 16. Jahrhundert überholt. Hier soll ein Zahn Buddhas aufbewahrt werden. Zu sehen bekommt man ihn aber nicht. Man kann nur Teile des Tempels besuchen, da er heute noch eine große Bedeutung im Buddhismus hat. Die Shariden-Halle selbst ist nur an drei Tagen im November für die Öffentlichkeit zugänglich. Dann strömen Menschenmassen zum Beten her, entsprechend schwierig ist das Hineinkommen.
    Der Tsurugaoka-Hachiman-gu Schrein, das nächste Etappenziel ist Kamakuras wichtigster Shintō-Schrein und dem Gott des Krieges Hachiman geweiht. Er wurde ursprünglich im Jahr 1063 dem 15. Tennō Ojin und seiner Frau gewidmet und 1180 an den jetzigen Standort verlegt und vergrößert. Er gilt als die Seele der Stadt Kamakura. Die Schreingebäude stammen teilweise aus dem frühen 19. Jahrhundert und wurden historisierend im Stil der Momoyama-Zeit errichtet. Der Schrein verfügt über eine von drei Torii unterteilte, von Kirschbäumen und Azaleen gesäumte Allee, sowie über einen japanischen Garten.
    Dann schlenderten wir durch die Wakamiya-Õji, die etwa zwei Kilometer lange Hauptstraße durch Kamakura, gesäumt von vielen Souvenirgeschäften und Restaurants. Besonders hervorzuheben sind die Kamakura-bori, Schnitzereien im Kamakura-Stil.
    Etwas über zwei Kilometer die Straße entlang geht es dann in der sengenden Sonne zum Hase-dera Tempel, gelegen an einem Berghang nahe der Küste. Von hier aus hat man einen großartigen Ausblick über die Stadt Kamakura. Zentrum des Hase-dera ist die große Halle mit der elfköpfigen Statue der Kannon, der Göttin der Barmherzigkeit. Die neun Meter hohe, aus Holz geschnitzte Statue hat man vergoldet. Die elf Köpfe repräsentieren die Stufen der Erleuchtung. Der Legende nach wurde die Statue aus dem 8. Jahrhundert aus der Hälfte eines uralten Baumes geschnitzt. Aus der anderen Hälfte des Baumes soll man die Kannon Statue im Hase-dera Tempel in Nara geschnitzt haben, den wir noch besuchen werden.
    Die berühmteste Attraktion der Stadt ist sicherlich der 1252 errichtete große sitzende Buddha „Kamakura Daibutsu“. Der Daibutsu – übersetzt großer Buddha – von Kamakura ist das Symbol oder Wahrzeichen der Stadt und die am meisten besuchte Attraktion. Gefertigt ist sie aus Bronze und ohne Sockel 11,4 m hoch. Sie wiegt 121 Tonnen und stand einst in einer riesigen Halle. Die jedoch hat ein Tsunami 1498 weggespült, seitdem steht der Buddha im Freien. Nach der Buddha-Statue des Todai-ji in Nara ist der Daibutsu von Kamakura die zweitgrößte Buddha-Statue in Japan.
    Zurück zum Bahnhof ging es mit dem öffentlichen Bus und mit der U-Bahn wieder ins Zentrum Tokyos.
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  • Zugfahren in Japan

    September 11, 2024 in Japan ⋅ ⛅ 31 °C

    Wir verlassen Tokyo nach drei Tagen, es geht mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen nach Nagoya und weiter mit einem Schnellzug nach Takayama, einer kleinen Stadt in der Hida-Alpenregion. Zugfahren in Japan ist etwas anders als in Deutschland. Die Züge sind schnell, sauber und pünktlich. Japans Schienennetz ist sehr gut ausgebaut, sowohl für den Nahverkehr als auch für die Durchquerung des Landes. Insofern bieten sich Reisen durch das Land mit dem Zug an. Besonders bekannt sind die Shinkansen, die mit Geschwindigkeiten von durchschnittlich 260 bis 320 km/h das Land durcheilen. Für die gesamte Strecke von etwa 480 km benötigen wir rund vier Stunden inklusive Umstieg in Nagoya und Wartezeit auf den dann von uns benutzen Eilzug. Zurzeit wird eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Tokyo und Nagoya gebaut – geplante Fertigstellung 2027 – auf dem der Zug dann mit über 500 km/h verkehren soll. Für die 341 Kilometer benötigt er dann 40 Minuten.
    Besonders praktisch ist der Japan Rail Pass, der zu einem Festpreis unbegrenztes Reisen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und Zügen der Japanischen Eisenbahn (JR) auf dem gesamten japanischen Festland ermöglicht. Er ist etwa für 14 oder 21 Tage erhältlich und eignet sich gut für Reisende, die sich länger im Land aufhalten und viel mit dem Zug unterwegs sind. Zu beachten ist allerdings, dass es auch regionale und Nahverkehrsstrecken gibt, die durch den Pass nicht abgedeckt sind. Wir werden in Japan alle Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmittel, sprich Zug und Bus zurücklegen und nutzen Einzeltickets. Ist für uns günstiger. Auf eigene Faust mit dem Zug durch das Land zu reisen, ist im Grunde keine komplizierte Angelegenheit. Man sollte auf den Bahnhöfen nur genügend Zeit einplanen, um auch die richtigen Gleise zu finden. Besonders in Tokyo.
    Etwas anders ist es beim Nahverkehr. Hier nutzt man entweder im Voraus bezahlte Tageskarten, die an diesem Tag unbegrenzte Fahrten mit bestimmten Verkehrsmitteln ermöglichen wie etwa den Tokyo Subway Pass für die Tokioter U-Bahn oder den Kyoto Bus Pass für das Busnetz von Kyoto, der einen Großteil der Stadt und ihre wichtigsten Sehenswürdigkeiten abdeckt. Der Japan Rail Pass gilt für innerstädtische Fahrten nur bei Linien der Japan Rail. Alternativ - und das ist die flexiblere und von uns genutzte Methode - erwirbt man sich eine Suica-Card oder eine Pasmo IC Card, Prepaid-Smartcards, die man auflädt und bei der bei jeder Fahrt die Fahrtkosten automatisch an den Schranken abgezogen werden. Es wird dann auch immer angezeigt, wieviel Geld noch auf den Karten ist, um sie rechtzeitig aufzuladen. Nutzbar ist sie in vielen Metropolen für den Nahverkehr, in Bussen und U-Bahnen. Die Karte fungiert zudem als elektronische Geldbörse, man kann kleine Einkäufe in Zügen, an Verkaufsautomaten, Läden und Restaurants mit dem entsprechenden Suica-Zeichen tätigen oder auch Taxen bezahlen. Das Aufladen der Karte erfolgt an Fahrkartenautomaten oder in Bussen. Es gibt auch eine Welcome-Suica-Card für Besucher, die 28 Tage gültig sind und keine Kaution von 500 Yen erfordern.
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  • Ryokans - traditionelle Gasthäuser

    September 11, 2024 in Japan ⋅ 🌩️ 32 °C

    Angekommen in Takayama sind wir kurz nach 14 Uhr nach einer Fahrt durch eine wunderschöne Berglandschaft. Wir verbringen die kommenden zwei Nächte im Honjin Hiranyoka Kaochan, einem charmanten Ryokan, das traditionelle Atmosphäre mit modernem Komfort vereint. Das Ryokan bietet exzellente Gastfreundschaft, köstliche Mahlzeiten und entspannende heiße Quellen.
    In einem Ryokan zu übernachten, bedeutet aber auch sich mit der Etikette in einem traditionellen Haus zu befassen. Hier lernt man die japanische Kultur mit ihren Sitten und Gebräuchen von einer sehr persönlichen Seite her kennen. Ein paar Beispiele: Die Schuhe zieht man bereits beim Betreten des Foyes aus, Hausschuhe liegen bereit. Die Hausschuhe trägt man im Inneren des Ryokans. Vor Betreten des Zimmers zieht man diese wieder aus, den Raum mit den Tamati-Matten betritt man nur in Socken oder barfuß. Für Spaziergänge im Garten stehen extra Holzsandalen bereit.
    Nachdem man sich im Zimmer eingerichtet hat, bringt der Gastgeber Tee sowie kleine Süßigkeiten. Dann erfährt man auch die Zeiten für das Abendessen. Serviert wird in kleinen separaten Räumen typisch japanisches Essen. Relativ kleine Portionen aber viel Gänge. In unserem Fall waren es neun. Die Mitarbeiter tragen traditionelle Kimonos und das Haus ist im alten japanischen Stil eingerichtet.
    Auch wir tragen im Haus traditionelle Kleidung. Bereit gestellt wird etwa ein Yukata, ein einfacher Kimono. Man trägt ihn im Zimmer oder auch in der Stadt. Den Samue wiederum trägt man ebenfalls im Haus, und auf dem Weg zum Onsen, dem Thermalbad oder als Schlafkleidung. Wichtig beim Kimono ist, die linke Seite über die rechte zu schlagen – andersherum legt man das Gewand traditionell Leichen an. Ein Band hält alles zusammen. Im Winter erhält man zusätzlich einen warmen Überyukata, einen Tanzen.
    Das mit dem Schuhtausch hat aber noch kein Ende. So tauscht man die Hausschuhe bei einem Toilettengang gegen vor der Tür bereitstehe Toilettenschuhe aus. In Ryokans finden sich manchmal noch Toiletten im japanischen Stil, welche im Stehen benutzt werden. Und man sollte nicht vergessen, die Toilettenschuhe beim Verlassen wieder gegen die Hausschuhe zu tauschen. Wir jedoch haben eine Juniorsuite mit eigenem Bad und normaler Toilette, es findet sich sogar ein Whirlpool im Bad. Die Toiletten hier sind bisher alle vollautomatisch, nähert man sich ihnen, öffnet sich der Deckel, der Sitz ist beheizt, gespült wird auch automatisch und der Deckel schließt sich wieder. Optional wird auch der Hintern automatisch geputzt und getrocknet.
    Nutzen sollte man auf jeden Fall den Onsen, das Thermalbad. Japanern finden sich bis zu dreimal am Tag darin: morgens, nach dem Sightseeing und abends. Dabei ist ein Onsen eine Art Gemeinschaftsbad. Man legt seine Kleidung im Vorraum ab und duscht gründlich, traditionell im Sitzen, ehe man in das Wasser steigt. Da man den Onsen ohne Badebekleidung betritt, sind die Bäder für gewöhnlich für Männer und Frauen getrennt.
    Am Rande bemerkt. Tattoos sind verpönt, manche Ryokans verweigern tätowierten Personen sogar den Zutritt, wie unseres. Assoziiert man sie doch mit der Zugehörigkeit zu den Yakuza, der japanischen Mafia.
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  • Takayama - die Altstadt

    September 11, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 31 °C

    Gegen später waren wir noch zu Fuß in der nahe gelegenen Shitamachi unterwegs, der Altstadt. Takayama bezaubert durch alte Holzhäuser, zahlreiche Sake-Brauereien, einem Tempelbezirk und Freilichtmuseum. Natürlich gibt es zahlreiche Handwerksläden meist mit immer den gleichen Waren, teilweise aber auch hochwertige Souvenirs. Landesweit besonders bekannt sind die hiesigen Tischler und Holzschnitzer. Entdeckt haben die Stadt inzwischen zahlreiche einheimische wie ausländische Touristen, so dass es schon mal ganz schön voll werden kann. Nun ja, wir zählen ja auch dazu. Nur mit dem Bummeln sollte man sich beeilen. Machen die meisten Läden doch schon zwischen 16.30 und 17.30 Feierabend.Read more

  • Shirakawago - gebaut wie Hände im Gebet

    September 12, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 33 °C

    Wir machen uns mit dem Expressbus zum Dorf Shirakawago auf, seit 1995 Weltkulturerbe seiner einzigartigen Hauskonstruktionen wegen, den Gassho-zukuri-Bauernhäuser. Das bedeutet so viel „wie gebaut wie Hände im Gebet“. Der Baustil mit den steilen Strohdächern entwickelte sich über Generationen hinweg. Die Dächer müssen großen Schneemengen standhalten, sind ohne Nägel gebaut. Anders als bei Freilichtmuseen sind hier die meisten Häuser bewohnt und privat. Einige sind jedoch für Besucher offen. Beispielsweise das Nagase- oder das Wada-Haus. Letzteres ist ein Vermächtnis der Familie Wada, einst eine reiche Familie von Seidenhändlern. In den größeren Gassho lebten bis zu dreißig Personen unter einem Dach.
    Mit einem dicken Strohdach ist auch der im 18. Jahrhundert errichtete Dorftempel gedeckt. Etwas weiter südlich findet sich der 1300 Jahre alte Shirakawa Hachiman-Schrein, in dem Ende September, Anfang Oktober ein größeres Fest stattfindet mit Shinto-Zeremonien und Drachentänzen. Dabei schenkt man auch eine Stunde lang frisch gebraute Sake aus einem großen Bottich an die Besucher aus, kostenlos.
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  • In Kyoto angekommen

    September 13, 2024 in Japan ⋅ ⛅ 29 °C

    Mit dem Zug geht es von Takayama nach Kyoto, etwa 310 km entfernt. Kyoto ist die kulturelle Hauptstadt des Landes mit über 2000 Schreinen und Tempeln, davon allein 17 Unesco-Weltkulturerbestätten. Wir bleiben drei Nächte. Unser Quartier ist das Dhawa Yura Kyoto, ein modernes Hotel, das minimalistisches Design und Komfort vereint. Angekommen sind wir am Bahnhof pünktlich um 13 Uhr, bis zum Hotel waren es etwa eine viertel Stunde, diesmal mit dem Taxi.

    Etwas später ging es dann in den Bezirk Nene-no-Michi, einem historischen Stadtviertel und Touristenmagnet. Das Viertel grenzt an die Einkaufsstraße Sannenzaka. Hier treffen sich die Besucher aus aller Welt, entsprechend viel ist am Nachmittag los. Nicht selten sieht man Männer und Frauen in den traditionellen Kimonos, meistens handelt es sich um chinesische oder koreanische Touristen, ab und zu auch um Europäer und Amerikaner. Japaner tragen auf der Straße kaum einen Kimono, ist viel zu unbequem und aufwändig. Sie tragen den Kimono nur zu besonderen Anlässen. So sieht man immer wieder Geschäfte, bei denen man sich einen Kimono leihen und sich ankleiden lassen kann, etwa für Fotos an einem Tempel. Wobei die Asiaten für uns sehr schwer zu unterscheiden sind, am ehesten geht es noch bei den Augen. Die der Chinesen sind etwas runder, die der Japaner etwas schmaler. So jedenfalls erklärte es mir ein Einheimischer.
    Sannenzaka ist eine gepflasterte Fußgängerzone, gesäumt von traditionellen Gebäuden und Geschäften - es sollen um die 60 sein - und grenzt an die Straße Ninenzaka, ebenfalls ein Einkaufsparadies. Beide Straßen führen zu zwei berühmten Tempeln, die, als wir gegen 18 Uhr ankamen, schon geschlossen waren. So wie die meisten Geschäfte trotz der Touristenhorden ebenfalls gegen 18 Uhr schließen.

    Nach der Teezeremonie (ist ein separater Post) sind wir die knapp drei Kilometer zurück zum Hotel zu Fuß gelaufen, kommen dabei am Yasaka-Schrein vorbei. Besonders schön wirkt er nachts, wenn die roten Tore angeleuchtet werden. Er ist einer der größten Schreine ganz Japans, wurde im Jahre 656 erbaut und ist dem Wind- und Meeresgott Susanoo und dessen Ehefrau gewidmet. Das Aushängeschild des Schreins ist das rote Eingangstor Romon.
    Anschließend fanden wir noch ein kleines typisch japanisches Restaurant, in dem Teppanyaki angeboten wird. Das ist das Zubereiten von Speisen auf einer heißen Platte, die direkt in den Gästetisch oder am Tresen integriert ist. Teppan heißt wörtlich eiserne Platte. Wir entschieden uns diesmal für ein Nudelgericht mit Rind, Fleisch, Scampi und Tintenfisch. Schmeckte vorzüglich.
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  • Eine Jahrhunderte alte Tradition

    September 13, 2024 in Japan ⋅ ⛅ 32 °C

    Eine Teezeremonie folgt seit Jahrhunderten den immer gleichen Regeln. In einem traditionellen Teehaus weiht uns ein Zeremonie-Meister in die Kunst eben dieser ein. Sie hat ihre Wurzeln im Zen-Buddhismus. Die Tradition reicht in Japan bis ins 8. Jahrhundert zurück. Buddhistische Mönche brachten sie aus China nach Japan. Damals konsumierten Priester und Adelige das kostbare Getränk vor allem aus medizinischen Gründen. Die ersten in Japan angelegten Teeplantagen gab es dann ab dem 12. Jahrhundert. Damals soll der Zen-Meister Eisai Samen die Teepflanze Camelia sinensis aus China mitgebracht und damit den Grundstein für den Teeanbau in Japan gelegt haben. Außerdem heißt es, habe er die Zubereitung von grünem Pulvertee mit heißem Wasser überliefert – und damit die Basis der Teezeremonie mit Matcha, dem fein gemahlenen grünen Tee. Mindestens genauso wichtig bei der Zeremonie ist die Begegnung zwischen Gastgeber und Gästen, die von Harmonie, Ruhe und Respekt geprägt ist. Deswegen sollte jede Begegnung einmalig sein, sprich jede Teezusammenkunft darf mit ihren Teilnehmern nur ein einziges Mal zu dieser Zeit an diesem Ort stattfinden und nicht wiederholt werden. Dahinter steckt das Bewusstsein für die Vergänglichkeit.
    Die Teezeremonie zählt zu den Wegkünsten des Zen, zu denen etwa auch Ikebana oder Kalligrafie gehören. Neben den strengen Regeln zeichnen sich die Wegkünste dadurch aus, dass es nicht auf das Ergebnis ankommt, sondern auf das Erreichen eines meditativen Zustandes. Ein Teemeister zu werden dauert viele Jahre, doch abgeschlossen sei das Lernen und Perfektionieren der einzelnen Schritte niemals. Den Meisterstatus erlangt man nach etwa 15 Jahren.
    Teehäuser besitzen nur zwei Zimmer: Ein Zimmer für die Vorbereitung und einen Raum für die Zeremonie. Das aus Holz oder Bambus errichtete Haus weist zusätzlich die Besonderheit aus, dass es von Innen keine Möglichkeit gibt, nach draußen zu schauen. Der von Matten bedeckte Boden ist für die knieenden Gäste gestaltet worden, darüber hinaus sind Teehäuser bewusst sehr karg eingerichtet, damit die Meditation gefördert wird. Ohne das Teehaus lässt sich eine Teezeremonie nicht vollständig durchführen.
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  • Kyoto - der Fushimi Inari Shinto-Schrein

    September 14, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 30 °C

    Kyoto steht heute auf dem Programm, besser gesagt ein paar wenige Highlights. Dafür begleitet uns als Guide Ms. Akie Watanabe. Die einstige japanische Hauptstadt ist bekannt für die zahlreichen buddhistischen Tempel, die Gärten, Kaiserpaläste, Shintō-Schreine und traditionellen Holzhäuser. Berühmt sind zudem die Traditionen der Stadt, wie das Kaiseki-Mahl, das aus mehreren Gängen genau vorgeschriebener Gerichte besteht und in Begleitung einer Geisha, einer japanischen Gesellschaftsdame eingenommen wird.
    Modernes Kaiseki ist primär ein Zubereitungs-Stil, kombiniert mit einer ausgeklügelten Speisenpräsentation. Die Qualität der Nahrungsmittel hat allerhöchste Priorität. Ziel ist es den essenziellen Geschmack der Zutaten durch die Zubereitung hervorzubringen, anstatt ihn zu verändern. Nur die hochwertigsten und saisonale Zutaten werden verwendet und auf ästhetisch anspruchsvollste Weise angerichtet. Alles wird sorgfältig aufeinander abgestimmt, die Speisen, Essgeschirr, der Raum und dessen Dekoration.
    Wir beginnen unsere Tour am majestätischen Fushimi Inari Shinto-Schrein, wo sich tausende orangefarbene Torii-Tore den Berghang hinaufziehen. Will man den ganzen Weg bis oben gehen und wieder runter, benötigt man über zwei Stunden. Wir begnügen uns in Anbetracht der Temperatur von rund 33 Grad schon am Morgen und der hohen Luftfeuchtigkeit mit einem etwa einstündigen Abschnitt. Man läuft stellenweise durch einen orangefarbenen Tunnel aus den Toren, unterbrochen von einigen Schreinen. Man sagt, es sollen bis zu 10.000 meterhohe Torii sein. Der Fushimi Inari-Schrein ist ein absolutes Muss bei einem Besuch in Kyoto.
    Der Schrein ist dem Shintōismus gewidmet. In dessen Mittelpunkt stehen übernatürliche Gottheiten, die Kami genannt werden und die in Schreinen sowohl zu Hause als auch in öffentlichen Räumen verehrt werden. Man glaubt, dass Opfergaben von Speisen und Getränken den Segen der Kami bringen. Inari, ihr ist der Schrein gewidmet, ist die Kami des Reises, der Fruchtbarkeit, des Sake und Tees, des Wohlstands und des Glücks. Sie wird normalerweise als weiblich angesehen und ist eine wichtige Gottheit im Shinto-Glaubenssystem.
    Orangerot sind die Tore des Schreins, weil man sie mit Füchsen in Verbindung bringt. So sieht man überall auf dem Gelände Bilder und Statuen von Füchsen. Sie gelten als Inaris Boten und manche Menschen glauben sogar, dass sie selbst ein Fuchs ist. Dies hängt vermutlich mit einer Legende über Inari zusammen. Demnach kam die Göttin in einer Zeit der Hungersnot auf einem weißen Fuchs vom Himmel herab. Sie brachte Körner mit, die ausgesät wurden und wuchsen. Es war der Reis. Ine ist das japanische Wort für Reis, und ine-nari, von dem sich der Name der Kami ableitet, bedeutet „wachsender Reis“.
    Die Füchse von Inari sind zudem nicht von dieser Welt. Kitsune sind Füchse mit übernatürlichen Kräften, sie können die Gestalt von Menschen annehmen und bis zu neun Schwänze haben. Sie spielen in der japanischen Folklore viele Rollen, als Schelm, Wächter oder Dämonen. Obwohl die Tore des Schreins in Kyoto farbig sind, glaubt man, dass Inaris Kitsune, die Füchse weiß sind, sind sie doch himmlische Wesen.
    Die Verehrung von Inari geht vermutlich auf das 8. Jahrhundert zurück, als der Schrein in Fushimi errichtet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte weitete sich die Rolle von Inari in der japanischen Gesellschaft aus, sie wurde im 16. Jahrhundert auch die Schutzpatronin der Schmiede und Krieger; später war Inari die Kami der Fischer, verhinderte Brände und beschützte Prostituierte. Man betete zu Inari, damit sie einem Glück bringe, Kinder beschere und Krankheiten wie Zahnschmerzen und Syphilis heile. Als der Reichtum nicht mehr in Reis, sondern in Geld gemessen wurde, wurde Inari für Finanzen und Geschäfte zuständig. Man geht davon aus, dass von den Zehntausenden von Shinto-Schreinen in Japan ein Drittel Inari gewidmet ist, wobei die Zahl der Haus- oder persönlichen Schreine für diesen Kami nicht einmal berücksichtigt wird.
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  • Kyoto - der Sanjusangendo Tempel

    September 14, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 34 °C

    Der Sanjusangendo, ein buddhistischer Tempel ist in Japan legendär, allein durch den zentralen Buddha und die 1001 lebensgroßen goldenen Statuen, die ihn flankieren. Zudem ist die Tempelhalle mit 120 Meter Länge das längste Holzgebäude Japans. Der Name Sanjusangendo (wörtlich „33 Abstände“) leitet sich von der Anzahl der Abstände zwischen den Stützsäulen des Gebäudes ab, einer traditionellen Methode zur Messung der Größe eines Gebäudes. In der Mitte der Haupthalle befindet sich eine große hölzerne Statue einer 1000-armigen Kannon, die auf jeder Seite von 500 Statuen in Menschengröße flankiert wird, die in zehn Reihen stehen. Alle Statuen sind über 700 Jahre alt und werden heute als wichtige Kulturgüter eingestuft, wobei die riesige sitzende Statue als Nationalschatz Japans gilt. Sie sind aus japanischer Zypresse gefertigt und mit Blattgold überzogen. Der Anblick dieser Statuen in ihrer Gesamtheit ist schon etwas Besonderes.Read more

  • Der Nishiki-Markt, Kyotos Küche

    September 14, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 33 °C

    Der Nishiki-Markt, auch bekannt als Kyotos-Küche, war unser nächster Stopp. Auf dem Markt werden frische und haltbar gemachte Lebensmittel angeboten. Man findet ferner ausgezeichnetes Kochgeschirr und elegante Keramiken sowie Gewürze und Papierwaren. Der Markt existiert seit 1310, heute finden sich hier rund 130 Läden, die sich in einer schmalen Passage tummeln, die etwa 400 Meter lang und vier Meter breit ist. Und voll ist von Menschen, die sich durch die Passage zwängen, zum Schauen, Essen oder Einkaufen.Read more

  • Kyoto - Die Burg der Samurai

    September 14, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 34 °C

    Weiter ging es zu der prächtigen Nijo-Burg. Dieser repräsentative Bau wurde vom Gründer des Edo-Shogunats als Residenz in Kyoto erbaut. Das Hauptgebäude hat man 1603 fertiggestellt und es ist bekannt für seine Momoyama-Architektur, die verzierten Schiebetüren und die „zwitschernden“ Nachtigallenböden, die den Haushalt auf die Anwesenheit von Eindringlingen aufmerksam machen sollten. Der Shogun hatte sieben Vorkoster aus Angst vor einer Vergiftung. Bis das Essen bei ihm ankam, dürfte wohl alles immer kalt gewesen sein.
    Die Burg ist Weltkulturerbe und wohl eine der bekanntesten ganz Japans. Die Heimstätte des ersten Tokugawa-Shoguns Ieyasu überragte den nahe gelegenen Kaiserlichen Palast, um die Macht zu verdeutlichen, die der Shogun über den schwächer werdenden Kaiser hatte. Shogun lässt sich in etwa mit „Barbaren unterwerfender großer General“ übersetzen.
    Die Ausstattung des Palastes mit komplexen Holzschnitzereien und dekorativen Paneelen ist luxuriös im Vergleich zum nüchternen Design des kaiserlichen Palastes: ein weiteres Zeichen der Macht und des Wohlstands des Shoguns. Zum Schutz errichteten die Bauherren doppelte Burggräben und eine hohe Mauer mit Wachtürmen, es gab aber nie einen Angriff auf die Burg und nach dem 17. Jahrhundert wurde sie auch nur noch selten genutzt. Der berühmte japanische Architekt Kobori Enshu entwarf den Ninomaru-Palastgarten, einen traditionellen japanischen Landschaftsgarten, der allein schon sehenswert ist.
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  • Kyoto - der Nanzen-ji Zen-Tempel

    September 14, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 36 °C

    Am Fuß der Higashiyama-Berge liegt der Nanzenji Zen-Tempel, eine Oase der Ruhe. Die weitläufige Anlage umfasst ein Aquädukt und mehrere Tempelgebäude. Im Nanzen-ji Tempel gilt es mehrere schöne Gärten zu erkunden. Steingärten des Zen. Derartige Gartenanlagen sind in Deutschland inzwischen aus meist nicht nachvollziehbaren und ideologischen Gründen vielerorts verboten, bei uns sieht man sie als profane Schottergärten an. Das ist in Japan ganz anders. Sie dienen der Meditation und der inneren Ruhe, Insekten würden da eh nur stören.
    Den Tempel hat 1291 Kaiser Kameyama auf seinem ehemaligen Palastgelände gebaut, da er immer wieder Albträume gehabt haben soll. Also zog er einen Mönch zu Rate, der ihm diesen Bau empfahl. Und die Albträume verschwanden. Der Zen-Tempel wuchs im Laufe der Zeit stetig, bis mehrere Feuer alle Gebäude zerstörten. 1597 baute man ihn wieder auf.
    Anschließend ging es zu einem Händler von antiken Samurai-Schwerten und Rüstungen. Die Auswahl erschlug mich zuerst, wie auch die Preise. Handelte es sich doch um jahrhundertealte Originale. Dennoch schlug ich zu, es wurde ein zertifiziertes und registriertes Wakizashi, ein Kurzschwert aus der mittleren Edo-Periode, um 1700 gefertigt. Der Verkäufer besorgt jetzt noch die Ausfuhrgenehmigung des Amtes für Kulturangelegenheiten und erledigt die Zollformalitäten. So in drei Monaten dürfte es dann bei mir sein.
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  • Nara - bei Buddha und den Rehen

    September 15, 2024 in Japan ⋅ ⛅ 28 °C

    Es geht von Kyoto aus mit dem Zug und Bus etwa 90 Minuten nach Nara, von 710 bis 784 das einstige Zentrum und die Hauptstadt Japans. Von der Pracht zeugen bis heute große Tempelanlagen, Schreine und Ruinen und machen den Ort mit rund 350.000 Einwohnern zu einem der wichtigsten touristischen Ziele Japans. Zumal Nara während des zweiten Weltkrieges nicht bombardiert wurde – wie Kyoto auch. So sind die meisten der alten Gemäuer Weltkulturerbestätten der Unesco.
    Beim Spaziergang durch den Nara-Park, der mit Tempeln und anderen historischen Denkmälern übersät ist, warten zahlreiche frei herumlaufende Hirsche und Rehe nur darauf, dass sie gefüttert werden. Es sollen um die 1000 sein und sie laufen mitten unter den Menschen herum, als würden sie dazugehören. Verschiedene Stände bieten Kekse zum Füttern der Tiere an, dann ist man sofort von Rehen umlagert. Besonders witzig, verbeugt man sich vor Ihnen, machen sie das gleiche und senken den Kopf. Manche der Tiere stehen am Wegesrand und verbeugen sich von allein an vorbeilaufenden Leuten, um einen der Kekse zu ergattern. Dennoch, es sind frei wildlebende Tiere inmitten des Parkes und der Stadt, besonders in der Brunftzeit heißt es vor den Hirschen mit ihrem Geweih auch aufzupassen. Wie niedlich die Rehe - besonders die Kleinen – auch sein mögen. Einer Überlieferung zufolge soll zum Schutz der neu gegründeten Stadt um 710 ein aus Westjapan herbeigerufener Kriegsgott auf einem Hirsch erschienen sein. Die Rehe gelten seitdem als heilig und leben hier mit den Menschen seit Jahrhunderten zusammen.
    Wir starten unseren Besuch am Tõdai-ji-Tempel, den der dem Buddhismus tief ergebene Kaiser Shõmu zu Beginn des 8. Jahrhunderts errichten ließ. Die Einweihung um 752 herum soll mit Tausenden von Gästen aus China, Korea und Indien der alles überbietende Höhepunkt der gesamten buddhistischen Welt im 8. Jahrhundert gewesen sein. Der heutige Bau stammt aus der Edo Zeit um 1692, brannte der Tempel doch zweimal nieder. Einiges stammt aus früheren Zeiten, was die Feuer verschont hatten.
    Inmitten der Haupthalle findet sich eine über 16 Meter große Buddha-Statue aus Bronze, mithin die größte des Landes. Die Halle des großen Buddha ist 57 Meter lang, 50 Meter breit und 49 Meter hoch. Damit hat sie nur noch zwei Drittel der einstigen Größe, gehört dennoch zu den größten reinen Holzbauwerken der Welt, wenn es nicht sogar das größte ist.
    Etwas östlich des Todai-ji-Tempels findet sich mit Nigatsu-do ist ein kleinerer Tempel. Vom Todai-ji führt ein schöner, gepflasterte Weg mit von alten Steinmauern flankierte Stufen hinauf. Der Name Nigatsu-dô, oder Halle des Zweiten Monats, leitet sich von einer jährlich im zweiten Monat des Mondkalenders abgehaltenen Zeremonie ab. Das Gebäude soll ursprünglich zwischen 760 und 820 errichtet worden sein und brannte 1667 dann ab. Die heutige Halle ist eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1669.
    Der nahe gelegene Hokke-dô ist die älteste Struktur des Tôdai-ji, sie soll zwischen 740 und 747 erbaut worden sein. Das Bauwerk besteht aus einer Statuenhalle und einer Verehrungshalle.
    Beim Bummel durch den Park war unser nächstes Ziel der Kasuga-Taisha-Schrein, errichtet um 768 mit zahlreichen steinernen und metallischen Laternen. Es soll sich um Naras bedeutendsten Schrein mit vier Hauptgöttern und vielen Glücksgöttern handeln und er gilt als eine der heiligsten Stätten von Japans. Als Schrein zahlreicher Götter lockt er Gläubige und Touristen gleichermaßen an. Der Kasuga Taisha ist für seine Farbenpracht und seine fotogene Kulisse berühmt. Der Schrein wurde früher alle zwei Jahrzehnte neu errichtet. Dieser Brauch wurde bis zum Ende der Edo-Zeit gepflegt.
    Als letztes statteten wir noch dem Kõfuku-ji-Tempel einen Besuch ab, erbaut 669. Als man die Hauptstadt nach Heijo-kyo verlegte, dem heutigen Nara, baute man ihn ab und hier an dieser Stelle wieder auf und nannte ihn in Kofukuji-Tempel um. Er besteht aus mehreren großartigen Gebäuden, etwa der fünfstöckigem Pagode mit 50,1 m Höhe die zweitgrößte Holzpagode in Japan und ein Symbol für die alte Hauptstadt Nara. Die Pagode wurde um 730 erbaut, fünf Mal durch Feuer zerstört und wieder aufgebaut. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1426.
    Besonderheit der Anlage sind zudem zwei achteckigen Hallen, die viele Besucher anziehen. Eine davon, die Hokuendo gilt als die schönste achteckige Halle Japans.
    Die zentrale Goldene Halle, ursprüngliche von 710 bis 724 erbaut, brannte sechsmal vollständig nieder und wurde zwischen 2010 und 2018 hinsichtlich der Dimensionen und des Architekturstils exakt dem Bau aus dem Jahr 710 angepasst. Neben vergoldeten Buddha-Darstellungen sind hier verschiedene Meisterwerke ausgestellt, darunter eine trockenlackierte Statue von Ashura und der Bronzekopf von Yakushi Nyorai, dem Buddha der Medizin.
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  • Kõyasan - der heilige Friedhof

    September 16, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 27 °C

    Wir verlassen Kyoto mit dem Zug nach Gokurakubashi und mit einer Standseilbahn weiter nach Kõyasan. Das auf einer Höhe von 860 m auf einem Hochplateau liegende Kōyosan erreichen wir um die Mittagszeit. Von den rund 4000 Einwohnern dieses mystischen Ortes sind etwa 1000 Mönche.
    Unser erster Besuch gilt dem Okuno-in, den größten und bedeutendsten japanischen Friedhof. Hier ruhen hochrangige Persönlichkeiten der japanischen Geschichte: Kaiser, Shogune, Landesfürsten. Es findet sich auch das Mausoleum von Kobo Daishi. Laut einer Legende soll er immer noch in einem Zustand ewiger Meditation im Mausoleum verharren.
    Das weitläufige Tempelgelände beherbergt über 200.000 Grabstätten. All diese Seelen wollen sich Kobo Daishi nähern und hoffen, dass sie ihren Weg zur Erlösung finden.
    Der zwei Kilometer lange Kopfsteinpflasterweg, der nach Okuno-in führt, ist von jahrhundertealten riesigen, moosbewachsenen Zedern gesäumt. Entlang des Weges finden Sie die Gräber der Könige, Shogune, von Mönchen, Feudalherren, Kriegstoten und anderen berühmten historischen Persönlichkeiten sowie Grabsteine Unbekannter. Jedes Denkmal steht hier für den Wunsch des Verstorbenen nach Nähe zum Kobo Daihi und hält deren Vermächtnis am Leben. Besonders vom Haupteingang aus finden sich zudem zahlreiche neuere Denkmäler und Monumente von japanischen Unternehmen. Auch sie gedenken hier den Ahnen und Kobo Daishi. Faszinierend, an vielen Denkmälern der Firmen finden sich ein kleiner Schlitz, in die man seine Visitenkarte einwerfen kann, zur Kontaktaufnahme. Man bedenke, wir sind auf einem Friedhof. Eine Firma hat ein besonderes Denkmal erstellt, auf großen steinernen Tafeln finden sich zahlreiche kleine Fotos von Mitarbeitern des Unternehmens, die verstorben sind.
    Die Ichi-no-hashi-Brücke kennzeichnet den offiziellen Eingang zum Tempelgelände und ist das Tor zwischen zwei Welten: der weltlichen und der geistlichen. Es wird erwartet, dass Besucher Kobo Daishi mit einer Verbeugung ihren Respekt erweisen, bevor sie das heilige Gelände des Okunoin betreten. Etwas weiter überquert man die Gobyo-no-hashi-Brücke und betritt nach einigen Metern das Innere des Tempels. Fotografieren ist hier natürlich nicht erwünscht.
    Die Torodo-Halle – die Halle der Laternen – liegt vor dem Mausoleum von Kobo Daishi und ist das Zentrum der Verehrung. Das schimmernde spirituelle Heiligtum ist nach den mehr als 20.000 Laternen benannt, die im gesamten Tempelareal ständig beleuchtet sind. Der Zutritt zum eigentlichen Mausoleum ist generell und immer untersagt, um Kobo Daishi nicht zu stören, in seinem Zustand ewiger Meditation. Mönche, Pilger und alle anderen beten vor dem Mausoleum.
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  • Kongobu-ji, das Herz von Kōyasan

    September 16, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 24 °C

    Nach einem gemütlichen Bummel über den Friedhof machten wir uns noch auf zum Kongobu-ji, dem Herz von Kōyasan. In der Edo-Zeit um 1593 erbaut, ist er das Hauptheiligtum des Shingon Buddhismus und mehr als nur ein Ort der Anbetung. Er dient als Hauptverwaltung der Shingon-Schule, einst von Kōbõ Daishi gegründet, dessen Mausoleum wir auf dem Friedhof besuchten. Der sich auf dem Gelände befindliche Banryū-tei, der Garten des Tempels soll mit einer Fläche von 2340 Quadratmetern der größte Steingarten Japans sein. Bei dem Besuch fing es dann erstmals auch richtig zu regnen an, bisher hatten wir immer trockenes Wetter. Irgendwann mussten wir uns dann doch auf den etwas über einen Kilometer langen Weg ins Hotel machen. Wir hatten immerhin einen Regenschirm dabei.Read more

  • Unser Domizil, der Ekoin Tempel

    September 16, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 23 °C

    In Kōyasan bleiben wir eine Nacht, wohnen auf dem Areal des etwa 1000-Jahre alten Ekoin-Tempels. Teilnehmen darf man auch am buddhistischen Morgenritual, dem Goma-Feuerritual und an Meditationen. So findet jeden Morgen um 7 Uhr in der Haupthalle das Morgenritual statt. Dabei sind die Gottheiten Fudo Myoo, Kobo Daishi und das Ryokai-Mandala um das Hauptbild von Amida Nyorai versammelt, während den Geistern jeden Morgen Opfergaben dargebracht werden. Gedenkgottesdienste für die eigenen Vorfahren sind ebenfalls möglich.
    Unser Zimmer ist im japanischen Stil eingerichtet mit einem eigenen, kleinen Garten, recht modern und ziemlich neu. Es ist ein Nebengebäude, im eigentlichen Tempel gibt es natürlich keine Zimmer. Hier findet das Morgenritual statt. Die Zimmer sind mit Tatamimatten ausgelegt und haben Papierschiebewände. Sie sind recht schlicht, groß und die Stühle haben keine Beine, die Sitzfläche liegt bündig auf dem Boden auf. Entsprechend niedrig ist der Tisch. Für uns Europäer gibt es zusätzlich zwei normale Stühle und einen sehr bequemen Liegestuhl. Das Highlight ist sicher unser privates Onsen, das japanische heiße Bad mit Blick auf den eigenen, abgeschirmten japanischen Garten. Es ist immer gefüllt und gut temperiert. Die Mahlzeiten werden nach festgelegten Zeiten serviert - Dinner um 17.30 Uhr, Frühstück nach der Morgenandacht und dem Feuerritual um acht Uhr. Angeboten wird ein umfassendes vegetarische Menü aus der buddhistischen Küche. Vegetarisch ist auch das Frühstück. Die Besitzer und Mitarbeiter sind alles buddhistische Mönche. Diese Unterkunft ist schon etwas Besonderes vom Flair, der Atmosphäre und der Geschichte.
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  • Auf dem Weg nach Fukuoka

    September 17, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 33 °C

    Der heutige Tag ist ein Fahrtag. Es geht von Kōyosan nach Fukuoka in den Süden, rund 626 km entfernt. Zuerst nutzen wir den öffentlichen Bus bis zur Seilbahnstation, mit der Standseilbahn geht es zum Bahnhof von Koyosan und mit einem regionalen Expresszug nach Osaka. In der Stadt nutzen wir dann die U-Bahn, um auf einen anderen Bahnhof in Osaka zu kommen, von dem die Shinkansen losfahren. Mit einem von ihnen, dem Sakura 559 geht es dann nach Fukuoka. Los sind wir um zehn Uhr, angekommen nach einem kurzen Fußmarsch zum Hotel kurz nach 17 Uhr. Alles war pünktlich, bei einer Zwischenstation in Osaka mit etwas Wartezeit reichte es sogar für eine kleine Mahlzeit. Der Vergleich der öffentlichen Verkehrsmittel zwischen Japan und unserer Heimat macht klar, dass wir hier in Deutschland eher dritte Welt sind. In Japan, alles pünktlich, sauber, die bei der Bahn beschäftigten Mitarbeiter extrem freundlich. Ja, auch mehrere Schaffner pro Zug gibt es hier noch, nicht um Fahrkarten zu kontrollieren, sondern um den Fahrgästen zu helfen. Fahrkarten braucht man hier nicht zu kontrollieren, ohne kommt man gar nicht auf die Bahnhöfe oder U-Bahn-Stationen. Und auch nicht mehr heraus. Eine Smartcard, die man aufladen kann, reicht für bald alle Nahverkehrslinien in ganz Japan – egal ob privat oder staatlich, und über den Japan-Rail-Pass für den Fernverkehr habe ich schon geschrieben. Und dann ist das Zugfahren auch noch günstiger als bei uns und der Takt deutlich enger. Es gäbe noch einiges bei dem Vergleich zu sagen, doch Deutschland ist da schon lange kein Maßstab mehr.Read more

  • Fukuoka - Impressionen einer Großstadt

    September 18, 2024 in Japan ⋅ ☀️ 34 °C

    Fukuoka zählt etwa 1,5 Millionen Einwohner und hat eine 2000-jährige Geschichte. Hier findet sich der älteste Hafen Japans, mithin schon immer ein Tor zum asiatischen Festland. Schon die Mongolen versuchten im 13. Jahrhundert über Fukuoka Japan zu erobern. Und scheiterten. Auch für uns geht es von hier aus aufs Festland, morgen, nach Südkorea. Aber noch haben wir den ganzen Tag.
    Heute morgen machten wir uns zu Fuß zuerst mal auf zum Shofukuji Tempel, er gilt als der erste in Japan errichtete Zen-Tempel und wurde 1195 von dem Priester Eisai gegründet, der die Rinzai-Sekte des Zen-Buddhismus aus China nach Japan brachte. Die Tempelgebäude dürfen nicht betreten werden, aber man kann durch die Tempelanlage des Shofukuji schlendern und die Gebäude von außen betrachten.
    Vor der Einführung des Zen in Japan hatte der Buddhismus in Japan bereits eine lange Geschichte, die bis in die 500er Jahre zurückreicht. Die neuen Lehren des Zen, die Eisai auf seinen Reisen in China kennenlernte, propagierten Meditation und Disziplin als Mittel zur Erleuchtung und wurden bei der Samurai-Klasse beliebt, die über die Regierung in Kamakura politische Macht ausübte.
    Die Tempelanlage des Shofukuji weist viele Merkmale eines typischen Zen-Tempels auf, und seine Holzgebäude wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Es gibt eine Reihe von Tempeltoren, von denen das Sanmon-Tor das auffälligste ist. Das große Tor steht vor einem kleinen Teich und einer Brücke und wurde zuletzt im Jahr 1911 wiederaufgebaut.
    Hinter dem Sanmon-Tor führt ein von Bäumen gesäumter Weg zur Butsuden-Halle, in der eine kleine Holzstatue des historischen Buddhas steht. Der Shofukuji verfügt zudem über weitere Gebäude, etwa einen Glockenturm.
    Die nächste Etappe führt uns zum etwas über einen Kilometer Fußmarsch entfernten Sumiyoshi Schrein, meist in der sengenden Sonne und bei Temperaturen von über 36 Grad und 70 - 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Der Schrein ist der älteste aller 2.000 Sumiyoshi Schreine in Japan, gilt als deren Geburtsstätte. Hier verehrt man Uwatsutsuo-no-kami, die Reisende, Fischer und Seeleute beschützen sollen. Deswegen in der Nähe des Meeres gelegen.
    Der Ursprung des Schreins soll auf das Jahr 221 zurückgehen. Den heutigen Schrein baute Feudalherr Kuroda Nagamasa am Anfang der Edo Zeit um 1603 wieder auf, nachdem er mehrfach zerstört wurde. Er wurde seines alten Architekturstils zu einem wichtigen Kulturgut des Landes erklärt. Alle 25 Jahre wird der Schrein restauriert, um diese außergewöhnliche Architektur zu schützen.
    Das gesamte Gelände ist 26.800 Quadratmeter groß und von Natur und Bäumen inmitten der Stadt umgeben. Neben der Haupthalle befinden sich weitere Schreingebäude, kleine Teiche, eine Hochzeitshalle sowie eine antike Rikishi-Statue in Form eines alten Sumoringers.
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  • Fukuoka - Streetfood und edle Küche

    September 18, 2024 in Japan ⋅ ☁️ 34 °C

    Wir treffen uns um 15.30 Uhr für eine längere Food-Tour durch die Stadt mit einem Guide an der Hakata-Station. Ist die Stadt doch für ihre Restaurants und Speisen bekannt, hat sogar eine eigene Touristeninfo für alles rund ums Essen. Mit dem Bus geht es zu unserem ersten kulinarischen Stopp, dem Yanagibashi Rengo Ichiba fish market mit rund 40 Läden. Dieser vor allem morgens belebte Markt ist bietet nahezu alles aus dem Meer und wird von den Einwohnern als „Speisekammer von Hakata“ geschätzt. Im Jahr 1916 wurde ein einzelner Stand, der frischen Fisch vom Ohama-Markt verkaufte, so populär, dass sich andere Stände um ihn scharten. Jetzt am Nachmittag ist schon einiges zu, die Läden bereiten sich auf den Feierabend vor. Dennoch erfahren wir einiges von den hier gehandelten Fischen, probieren auch das eine oder andere frittierte Stück.
    Weiter geht es mit dem Bus und dann in das Untergeschoss eines Kaufhauses von denen es hier Unmengen gibt. Viele in Dimensionen, die für uns unvorstellbar sind. Allein in der Hakaka Station Underground Shopping gibt es mehr als 200 Geschäfte. Und das ist nur ein Einkaufszentrum von vielen Dutzend. Ich war vormittags etwa in einem fünfstöckigen Elektronikmarkt, der von Handys, Drohnen, Elektronikartikeln, Haushaltsgeräten und vielen mehr nur so wimmelte. In diesem einen Laden findet sich vermutlich mehr als in allen Media Märkten und Saturns im Großraum Stuttgart und Mannheim zusammen. Allein die „kleine“ Kameraabteilung - deretwegen ich gekommen war, hat von allen Marken wie Canon, Sony, Panasonic, Olympus, Fuji und auch Leica alle erhältlichen Kameras und Objektive hier, zum Anfassen und Testen. Ich wiederhole wirklich alles. Nur spricht niemand verständliches Englisch, aber auch das lässt sich lösen. Die Preise sind etwa ein Viertel niedriger als bei uns. Als Ausländer kann man zudem noch einmal zehn Prozent an Steuern sparen. Nur muss dann bei der Einfuhr in Deutschland die Einfuhrumsatzsteuer von 20 Prozent und Zollgebühren entrichten. Also ein Nullsummenspiel.
    Zurück zur Food-Tour. In vielen dieser Einkaufszentren findet sich im ersten Untergeschoss Delikatessengeschäfte, Konditoreien und andere Essensstände. in Japan depachika genannt. Man muss auch erstmal auf die Idee kommen wir unser Guide Norry, bei einer Foodtour einen Supermarkt einzubeziehen. Doch das ist genial, denn hier findet sich wirklich alles, was die japanische Esskultur erklärt, und probieren kann man auch einiges. Besonders eine weitere Etage tiefer, wo sich Essensläden, Cafés oder auch zahlreiche Süßwarenläden befinden. In dem Supermarkt klapperten wir die Themen Tee, Fleisch, Fisch und Obst ab. Allein die Fischauswahl und -Fischtheken werfen einen fast um. Es gibt eigentlich alles, was man sich vorstellen kann oder auch nicht. Egal ob vom Wal oder getrocknete Seegurke, die erst mal mehrere Tage gewässert werden muss, bis sie genießbar ist. Nicht selten auch exklusive Waren, deren Preise einen blass werden lassen. Beispiele gefällig: Normale Bananen aus den Philippinen kosten vier Stück um die 2,40 Euro, original japanische – einzeln verpackt in Karton mit Sichtfenster, das Stück rund zehn Euro. Oder Zuckermelonen, in einem abgeschlossenen Schrank aufbewahrt, etwa 10 Zentimeter im Durchmesser, das Stück 205 Euro. Das Stück und nein, ich habe mich nicht verschrieben oder falsch umgerechnet. Da liegt nicht nur eine, sondern ein Dutzend. Oder eine einzelne Rispe mit Weintrauben, kosten gerade mal 170.- Euro. Derartiges Luxusobst dient gern als Geschenk, wandert eher nicht in Salate. Gut, das sind jetzt Extreme, aber deren gibt es hier nicht wenige. Über Preise bei manchen Fischspezialitäten oder hochwertigen Fleisches schweige ich mich aus.
    Zu Fuß sind wir dann in eine traditionelle Sushi Bar gegangen, und haben natürlich auch einiges gegessen. Das Besondere an dieser Art Restaurant. Man isst im Stehen, beliebt besonders bei vielbeschäftigten Angestellten, die keine Zeit haben, sich für eine Mahlzeit hinzusetzen. Man kann sich aber auch Zeit lassen, zumal die Sushi köstlich sind. Die werde ich in Deutschland vermissen, die überall beheizten Toilettensitze ebenfalls. Zu lange sollte man sich in dieser Art Restaurants aber keine Zeit lassen, warten draußen doch schon die nächsten Gäste auf freie Stehplätze an der Theke. An der auch das Essen frisch zubereitet wird.
    Den letzten Halt machten wir ein Stück weiter an einem Yatai-Straßenstand, die Teil der Kultur von Fukuoka sind. An den Ständen soll es das beste Streetfood geben, dass die Stadt zu bieten hat. Wir entscheiden uns für gegrilltes Schwein und dazu einen Pflaumen-Reiswein, der vorzüglich schmeckt. Es ist schon ein Genuss, dem Koch bei seiner Arbeit mit dem offenen Feuer zuzuschauen. Nicht ohne Grund gibt es einen halbhohen Plexiglasschutz, hinter dem es dennoch schön heiß wird, da der Koch schon mal die eine oder andere hohe Stichflamme mit verdampfendem Öl produziert.
    In Fukuoka solle es fast 100 Yatai geben, die am frühen Abend öffnen und sowohl traditionelle japanische Gerichte wie Tempura und Oden als auch die lokale Küche von Fukuoka anbieten. Für Tempura, ein Nationalgericht tunkt man Fisch, Fleisch und Gemüse in einen dickflüssigen Teig aus Tempuramehl, Ei und Eiswasser und frittiert alles in siedendem Öl. Die fertigen Tempura werden dann in einen Dipp aus Sojasauce, Mirin, geraspeltem Ingwer oder Rettich und Dashibrühe getunkt. Das Essen ist knusprig, dennoch nicht fettig: Obwohl in Teig gehüllt und frittiert. Nach Sushi und Teriyaki ist es das beliebteste Gericht Japans weltweit.
    Alles in allem war die gelungene Foodtour ein guter Abschluss unserer Japanreise, bevor es morgen früh nach Südkorea weitergeht. Auffallend ist, dass Japan ein sehr sauberes und modernes Land mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen ist. Die sich selbst gerne zurücknehmen und immer hilfsbereit sind. Hier finden Moderne und Tradition problemlos zusammen, so wie etwa 80 Prozent der Einwohner dem Buddhismus zugewandt sind und weitere 80 Prozent dem Shintoismus. Es kann ja nicht schaden, sich mit beiden gut zu stellen. Aber alles in allem sind viele auch sehr realistisch und nicht unbedingt streng gläubig. So jedenfalls wurde es uns geschildert. Dennoch, die Ahnen spielen eine große Rolle. Für uns Besucher heißt es, sich mit den Traditionen vertraut zu machen und sich als Gast eines fremden Landes zu fühlen und entsprechend zu verhalten.
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  • Busan- angekommen in Südkorea

    September 19, 2024 in South Korea ⋅ ☁️ 32 °C

    Donnerstag, 19. September: Am Morgen geht es erst mal zum Flughafen, weiter mit Korean Airlines in etwa einer Stunde nach Busan, Südkoreas größter Hafenstadt. Angekommen im Land der Morgenstille folgt die Fahrt in unser Hotel für zwei Nächte im Zentrum von Busan, einer 3,7 Millionen-Metropole, zweitgrößte Stadt Süd-Koreas. Da heute noch gutes Wetter ist und für morgen unser erster Regen auf dieser Reise angekündigt wird, geht es gleich raus Richtung Busan Tower, erst mit der U-Bahn, den Rest zu Fuß. Von der Besucherplattform auf etwa 120 m Höhe des Busan-Towers hat man einen guten Überblick über die Stadt und die vorgelagerte Inselwelt. Der Turm liegt im Yongdusan-Park auf dem Drachenkopfberg. Man benötigt aber viel Fantasie, um in der Form des kleinen, gerade mal 69 Meter hohen Berges einen Drachenkopf zu erkennen. Der Turm entstand 1973 als Radio- und Fernsehturm, wurde 2021 umfassend renoviert.
    Unser erster Eindruck von den Menschen her, Japaner und Südkoreaner unterscheiden sich spürbar. Die Südkoreaner wirken wesentlich westlicher geprägt, die Gelassenheit und Rücksichtnahme sind nicht so ausgeprägt wie in Japan, eher wie in Deutschland, man hört erstmals wieder hupende Autos, wenn auch recht selten. Während in Japan die Menschen stärker auf die Gesellschaft ausgerichtet sind und sich entsprechend verhalten, fokussieren sich die Südkoreaner eher auf die Familie. Auch die Höflichkeitsrituale unterscheiden sich zwischen den Ländern – wobei in beiden der höflich Umgang untereinander sehr wichtig ist - und auch das Essen ist unterschiedlich. Bis hin zu den Stäbchen. Während in Japan spitz zulaufende Holzstäbchen zum Essen gereicht werden, sind sie in Südkorea aus Metall und vorne platt geformt. Weiter reicht man hier einen Löffel für den Reis, anders als in Japan. Auch die Sprache und Schrift unterscheiden sich. Ähnlich wie in Japan ist die koreanische Gesellschaft grundsätzlich stark hierarchisch gegliedert. Neben, Geschlecht und familiärem Hintergrund sind auch der Bildungsgrad oder die berufliche Stellung wichtig.
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  • UN-Cemetery-Park und Haedong Yonggungsa

    September 20, 2024 in South Korea ⋅ ⛅ 29 °C

    Am Morgen um neun holte uns Sun Kim im Hotel ab, sie ist unser Guide für die kommenden zweieinhalb Tage. Als erstes geht es zum UN Memorial Park, er ist den gefallenen UN-Soldaten des Koreakrieges von 1950 bis 1953 gewidmet. Es ist der weltweit einzige UN-Friedhof. Damals unterstützen 16 Nationen den Süden militärisch unter US-Führung im Kampf gegen das kommunistische Nordkorea. Die meisten der Gefallenen stammen aus den USA, die damals das größte UN-Truppenkontigent stellten. 2320 Gräber befinden sich heute auf dem 1951 errichteten Friedhof, der seit 1959 unter UN-Verwaltung steht. Die gefallenen US-Soldaten wurden in ihrer Heimat beerdigt. 2006 kam die Wall of Remembrance hinzu, auf der die Namen aller 40896 getöteten UN-Soldaten eingraviert wurden. Jeden Tag um zehn Uhr wird die UN-Flagge von Soldaten feierlich gehisst und um 16 Uhr wieder eingeholt. Es finden sich auch jüngere Gräber auf dem weiträumigen Gelände, hier sind inzwischen verstorbene Veteranen beerdigt, die bei ihren gefallenen Kameraden ihre letzte Ruhestätte finden wollten. Auch einige Ehefrauen damals gefallener Soldaten wurden auf ihren Wunsch hin inzwischen hier bestattet. Einmal im Jahr wird in Korea der Memorial Day zelebriert, ein Nationalfeiertag. Insgesamt dürften im dreijährigen Koreakrieg um die 4,5 Millionen Menschen getötet worden sein, vor allem Zivilisten.
    Die Spaltung des Landes hält bis heute an, an der 243 Kilometer langen und vier Kilometer breiten Demarkationslinie gibt immer wieder vereinzelte Schusswechsel und Zwischenfälle, mehrere Hunderttausend Soldaten - manch Quelle spricht von einer Million - stehen sich gegenüber. Während sich Südkorea zu einer der bedeutendsten Volkswirtschaften entwickelte und seit Ende der 80er-Jahre eine stabile Demokratie ist, ist Nordkorea trotz einer einst besseren Ausgangslage ein unterentwickeltes Land, in dem viele dauerhaft unterernährt sind. Die Wirtschaft ist am Militär ausgerichtet. Das diktatorisch regierte Land ist gemessen am Bruttosozialprodukt mit weitem Abstand das Land mit den höchsten Militärausgaben weltweit.
    Der nächste Stopp war der nahe Busan gelegene buddhistische Haedong Yonggungsa-Tempel, der auf einer Klippe am Meer thront. Erbaut hat man ihn im Jahre 1376. Nach seiner Zerstörung im Jahr 1592 wurde er 1930 rekonstruiert, das Hauptheiligtum 1970. Seinen aktuellen Namen erhielt er 1974, als der Mönch Jeongam von einem weiß gekleideten Buddha träumte, der auf einem Drachen in den Himmel flog.
    Der Weg zum Tempel führt über eine von großen Steinlaternen gesäumte Treppe mit 108 Stufen. Jede der Stufen steht für eine weltliche Begierde im Sinne des Buddhismus. Ist man die Treppe hinabgestiegen sieht man eine kleine steinerne Halbmondbrücke an deren Ende der Tempel auf dem pittoresken Felsen steht.
    Erhöht über dem Tempel thronend überblickt der Große Gwaneum-Buddha des Meeres das Geschehen. Eigentlich ist die Bezeichnung Buddha falsch, denn es ist nur der Bodhisattva Avalokitesshvara in der weiblichen Gestalt der Gwaneum, der Göttin der Barmherzigkeit.
    Anschließend ging es zu einem typisch koreanischen Mittagessen mit zahllosen Speisen, die wir vier uns gemeinsam teilten.
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  • Gamcheon Cultural Village

    September 20, 2024 in South Korea ⋅ 🌧 29 °C

    Weiter ging es zum Gamcheon Cultural Village, ein malerisches Viertel mit bunten Häusern und Kunstwerken. Gamcheon war einst ein Slum, gegründet von Flüchtlingen aus dem Koreakrieg. Nachdem 1950 Truppen aus Nordkorea fast das ganze Land erobert hatten, bis auf das kleine Gebiet im Südosten um Busan, kamen viele Flüchtlinge hier her. Sie erbauten ihre Häuser treppenförmig an den Ausläufern eines Küstenbergs. Im Laufe der Zeit verließen sie das Dorf, Häuser standen leer und verfielen. Das änderte sich ab 2009 dank einer ungewöhnlichen Initiative von Bewohnern, Studenten, Künstlern und der Lokalregierung. Sie begannen das Dorf im Rahmen des Village Art Projects zu schmücken, luden Künstler ein und stellten ihnen leere Räumlichkeiten mietfrei zur Verfügung. Inzwischen hat sich Gamcheon in eine pittoreske Ansammlung von Kunstateliers, Geschäften und Wohnhäusern verwandelt und ist zu einer Touristenattraktion geworden.
    Viele Gassen sind mit Wandmalereien und Skulpturen der Bewohner geschmückt.
    In das Dorf mit seinen weniger als 9.000 Einwohnern kommen jährlich 160.000 Besucher. Es wird gern als Musterbeispiel für eine Stadterneuerung herangezogen. Eine Kooperative der Bewohner hat ein Sozialunternehmen gegründet, um die zahlreichen Souvenirläden, Cafés, Restaurants, das Hostel und den Parkplatz zu verwalten.
    Die Entwicklung stößt aber nicht überall auf Gegenliebe. Zwar wissen alle, dass man ohne die vielen Besucher weiterhin arm wäre und immer mehr im Ort verfallen würde, aber negativ sei, dass die meisten älteren Bewohner das Dorf verlassen hätten und die Händler alle von außen kämen. Einheimische würden ihre Häuser vermieten oder verkaufen. Zudem würden viele von dem Touristenboom gar nicht profitieren. Das aber scheinen nur Einzelstimmen zu sein.
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