• Actualmente en
    🇨🇾 Paphos, Zypern

    Der zweckentfremdete Parkplatz

    Ayer, Chipre ⋅ 🌙 15 °C

    Paphos
    Apartment
    10 km

    In unserem Apartment gibt es eine Waschmaschine, aber wir möchten sie nicht nutzen. Denn die Wäsche müssten wir drinnen trocknen, wir haben keine Terrasse. Außerdem gab schon mal eine Waschmaschine den Geist auf und wir saßen mit der nassen Wäsche da.

    Ich habe einen kleinen Waschsalon gefunden, mit zwei Waschmaschinen und zwei Trocknern. Unser Apartment liegt im Erdgeschoss, sehr praktisch, keine Treppen im Weg. Wir schnappten uns die Räder und düsten zum Waschsalon in der Nähe der Universität. Ein Trockner war kaputt, die drei anderen Geräte arbeiteten. Alles war nur auf russisch erklärt. Mehrere Beutel voller Wäsche standen schon bereit, der Besitzer wird bestimmt gleich aufkreuzen. Wir zogen wieder ab und fanden eine Wäscherei mit guten Bewertungen. Den beiden netten Frauen vertrauten wir unsere Klamotten an. Morgen können wir alles abholen.

    Werner tat mir gestern leid. Er hat das triefend nasse Zelt über den Berg gebuckelt. Das war in diesem Zustand natürlich extra schwer. Deshalb musste er wohl auch ein Stück sein Rad schieben. Auf jeden Fall müssen wir die Stoffhütte schnellstens trocknen. Zu unserem Apartment gehört ein Parkplatz genau vor der Tür. Hier parkten wir einfach zur Abwechslung das Zelt. Festgebunden an Tisch und Stühlen pustete der Wind den Stoff schnell trocken. Zugegeben, die filigrane Stoffhütte hat nicht nur Nachteile. Sie trocknet sehr schnell. Einige Leute gingen vorbei und lachten oder hoben den Daumen. Das hat meine Laune wieder aufgemöbelt, denn im Zeltboden habe ich schon wieder ein Loch entdeckt. Es ist zum Mäuse melken.

    Später lief ich noch ein bisschen umher. In der orthodoxen Kirche in der Nähe stand die Tür auf. Ein Gottesdienst wurde vorbereitet. Die Ausgrabungsstätte in der Nähe war nicht mehr abgesperrt. Und von unserem Parkplatz vor der Tür sieht man ein Bad aus osmanischer Zeit. Ganz Paphos wirkt wie eine Ausgrabungsstätte, mit modernen Häusern dazwischen.
    Leer más

  • Von Null auf Sechshundertsechzig

    23 de febrero, Chipre ⋅ 🌙 13 °C

    Polis - Paphos
    Apartment
    47 km

    Wir haben gut geschlafen an unserem wilden Zeltplatz am Strand. Niemand hustete in der Nähe als es dunkel war. Oder erschreckte uns auf andere Weise.

    Unser Zelt packten wir mal wieder nass ein. Zum Frühstück radelten wir zur Strandpromenade. Dann ging es Richtung Paphos den Berg hoch. Zum Glück nicht gleich in die vollen, doch 11% Steigung ließen nicht lange auf sich warten. Gestern hätten wir uns bei
    Gegenwind schrecklich gequält. Der Wetter-App sei Dank, die recht zuverlässig den Wind anzeigt. Heute war es fast windstill. Schön langsam schoben wir uns den Berg hoch. Hielten an, manchmal schon nach 500 m. Aßen Cookies, tranken Energiedrinks, genossen die Aussicht, stiegen wieder in die Sättel. Wenn es nicht ganz so steil war, schafften wir einen km oder mehr.

    Heute früh hatten wir auf Kaffee verzichtet, wir wollten erstmal den Berg hinter uns bringen. Als ein Café auftauchte, gönnten wir uns eine Pause. Ein älteres Paar trank Kaffee und begrüßte uns nett. Er aus London, sie aus Schottland. Doch schon 20 Jahre leben sie auf Zypern. Zuerst versuchten sie es mit Malta und fühlten sich nicht wohl. Zu viele Hochhäuser, die Natur wird zugebaut, meinte sie kopfschüttelnd. Auf Zypern wurden sie sofort heimisch. Nach Groß Britannien wollen sie auf keinen Fall zurück. Wir plauderten eine ganze Weile während auch wir guten Kaffee tranken. Aus Porzellantassen sogar, und dazu gab es eine Kostprobe vom leckeren Zitronenkuchen. Homemade natürlich.

    Wir schlichen weiter den Berg hoch. Wie auf der Herfahrt wurde es immer kälter, je höher wir kurbelten. Nur im T-Shirt froren wir trotz der Anstrengung plötzlich und fischten unsere Jacken aus der Tasche. Die letzten Höhenmeter schob uns sogar leichter Rückenwind bis zum höchsten Punkt auf 660 m. Dass hier kein Gipfelkreuz auf uns wartete, wussten wir. Trotzdem klopften wir uns gegenseitig auf die Schultern, dass wir ziemlich zügig die vielen Höhenmeter unter die Reifen genommen hatten.

    Zur Belohnung machten wir nun Strecke ohne uns anzustrengen. Aber es war lausig kalt, trotz Jacke. Das Café, wo es auf der Herfahrt so leckere Pommes gab und Mona Lisa über der Damentoilette wachte, war leider geschlossen. Auf Homemade Pommes mussten wir verzichten. Alles klar, heute ist ja Green Monday, wo die Zyprioten Picknick in der Natur genießen.

    Wir schossen weiter den Berg runter und fragten uns, wie wir es vor ein paar Tagen schafften, hier hochzukurbeln. Es war erheblich anstrengender als heute, trotz Rückenwind. Vielleicht sind wir inzwischen besser trainiert. Ich musste einmal anhalten, weil mir schlecht wurde von der rasanten Geschwindigkeit und den Kurven. Bloß nicht dran denken, was passiert, wenn die Bremsen versagen....

    In Pegeia, fast unten, war es wieder schön warm. Wir stoppten kurz am kleinen Supermarkt an der Kirche und rollten die letzte Abfahrt runter zur Hauptstraße, die parallel zum Strand nach Paphos führt. Unzählige Drachen stiegen in den Himmel, Volksfeststimmung nach dem Karneval. Dicht an dicht drängten sich die Autos, alle wollten zum Wasser zu den Picknickplätzen. Wir wurden tatsächlich mal angehupt und knapp überholt.

    Lidl hatte geöffnet, die Restaurants auch. Doch die einheimischen Supermärkte waren geschlossen. Wir hatten Hunger und holten uns ein paar Snacks bei Zorbas, einem Backshop.

    Gestern hatten wir uns ein Apartment gebucht. Wir müssen wieder Wäsche waschen. Und auch nicht schlecht: Wir können endlich duschen.
    Leer más

  • Alter schützt vor Abenteuer nicht

    22 de febrero, Chipre ⋅ ⛅ 15 °C

    Neo Chorio - Polis
    wilder Zeltplatz
    13 km

    Dass wir in Polis noch einen schönen wilden Zeltplatz gefunden haben, überraschte uns. Doch von vorn.

    Bei einem letzten Frühstück am Eingang zum Aphroditebad sprach uns eine Familie aus Moskau an. Zwanzig Jahre leben sie bereits auf Zypern. Als sie hörten, dass wir aus Norddeutschland sind, erzählten sie vom Urlaub am Timmendorfer Strand bei Lübeck. Fast in unserer Nachbarschaft.

    Endlich rollten wir nach Polis. Die Straße war durch ein quer stehendes Polizeiauto gesperrt. Nun wussten wir Bescheid. Hier entlang kommt der Karnevalsumzug. Immer mehr Menschen strömten herbei, viele verkleidet, besonders die Kinder. Laute Musik verhinderte, dass man sich unterhalten konnte. Doch Volksfeststimmung, gute Laune und die Sonne schien. Obwohl in der WetterApp Regen stand. Kinder trugen Tüten mit Konfetti. Für die ganz Alten standen Stühle auf dem Bürgersteig, die bald besetzt waren. Sprühdosen waren der große Renner. Vermutlich war Wasser drin, Werners Rad bekam was ab und ist nicht bunt. Endlich war mit viel Tamtam der Festumzug da. Wir mussten dringend weg. Wenn man sich viel in der Natur aufhält erträgt man solche Lautstärke nicht lange.

    Wir radelten nochmal zum Supermarkt. Heute war nicht viel los. Wir frischten unsere Vorräte auf und kurbelten zum geschlossenen Campingplatz am Strand, einfach aus Neugierde. Die Wege waren größtenteils abgetrocknet. Wir fanden einen Weg zum Wasser, für Autos abgesperrt. Am Ende, kurz vorm Strand, war klar:
    Hier bleiben wir heute Abend.

    Ich lief am Strand entlang und entdeckte ein kleines Zelt. Ein junger Ukrainer übernachtet hier auch. Zwei Frauen kamen mir entgegen und wollten wissen, wie weit man noch am Strand laufen kann. Wir wechselten bald von englisch in deutsch. Die beiden kommen aus Neu Ulm. Eine 85, die andere 86 Jahre alt und immer noch fit und neugierig auf die Welt. Eine erzählt, dass sie mit ihrem Mann Deutschlands Fluss-Radwege erkundete. Die andere wanderte bis nach Rom. Sie hatten noch viel mehr Stories auf Lager und planen die nächsten Reisen. Es war eine Freude, den beiden zuzuhören.

    Sie versuchten einen kleinen Zufluss ins Meer zu überwinden, bekamen aber nasse Füße und nahmen lieber den Weg zur Straße, wo Werner in seinem Helinox Stuhl
    wartete. Dass wir hier zelten wollen, war ihnen klar. Und sollte es nicht klappen, könnten wir auch bei ihnen schlafen. Sie haben hier noch eine Nacht ein riesiges Apartment. Wie wir wollen sie morgen nach Paphos. Vielleicht sehen sie uns aus dem Bus, wer weiß.
    Leer más

  • Nervenkitzel

    21 de febrero, Chipre ⋅ 🌙 14 °C

    Neo Chorio
    wilder Zeltplatz
    23 km

    Heute früh ließen wir das Zelt trocknen und radelten zurück nach Polis. Im Bioladen gab es zum Glück wieder das leckere Sauerteigbrot.

    Der Supermarkt war heute brechend voll. Alle schienen
    für den morgigen Karneval jede Menge Essen einzukaufen. Die Leute waren trotzdem nicht gestresst und bester Laune.

    Wir wollten zum Strand radeln und verpassten die richtige Straße. Nur deshalb fanden wir eine kleine orthodoxe Kapelle mit Aussichtsplattform. Draußen brannte Feuer in einem Metallgehäuse, daneben standen auf einem Tisch Ikonen. Lange dünne Kerzen brannten vor den Heiligenbildern. Immer wieder hielt ein Auto. Einmal stieg ein Mann aus, er war noch jung und konnte nicht gut laufen. Er schaffte es aber zu dem Feuer, zündete damit eine Kerze an und opferte sie den Ikonen. Zwei Frauen betraten die Kirche und kamen bald wieder raus. Erst da merkten wir, dass die Kapelle gar nicht verschlossen war. Wir genossen den Blick auf die Berge, konnten uns kaum losreißen.
    Dann rollten wir endlich zu unserem eigentlichem Ziel, dem Strand.

    Es war inzwischen bewölkt und ziemlich kühl. Ja, ich weiß, wir sind verwöhnt was Temperaturen angeht. Wir setzten uns zu ein paar Frauen auf eine Bank. Sie sprachen nur russisch, wir konnten uns nicht verständigen.

    Gestern Abend war schon klar, dass unser fantastischer wilder Zeltplatz zu schön ist um ihn nur einmal zu nutzen. Also radelten wir zurück zum Eingang vom Aphroditebad. Ich lief durch den kleinen botanischen Garten, der für mich interessanter war als das Aphroditebad selbst. Überall blühen wilde Alpenveilchen, selbst mit Fels- oder Mauerspalten begnügen sie sich.

    Als die Touristen weg waren, rollten wir zu unserem Zeltplatz und stellten unsere Stoffhütte auf. Bald wurde es dunkel und die Sterne funkelten fast wie in der Wüste in Mexiko. Die Mondsichel lag waagerecht dazwischen. Ein beeindruckendes Bild. Nur ein schwacher Lichtschimmer hing noch über den Bergen.

    Wir kuschelten uns in unsere Schlafsäcke. Ich schrieb gerade dieses Tagebuch, als jemand ganz in unserer Nähe hustete. Und wir dachten, wir sind hier allein. Das Rauschen der Brandung hatte das Auto übertönt. Außerdem piepte der Vogel schon wieder inbrünstig. Sofort machten wir Handys und Stirnlampen aus und trauten uns kaum zu atmen. Dann hörten wir wieder das Husten, aber weiter weg. Wir spitzten die Ohren. Autotüren klappten, Leute lachten und redeten. Immer wieder Motorengeräusche, klappende Autotüren und Stimmen. Wie weit entfernt, war schwer einzuschätzen.

    Ich schrieb nicht mehr weiter und nahm auch nicht den eBook-Reader zur Hand. Bloß kein Licht und keine Geräusche. Wir schliefen irgendwann ein.

    Heute früh stand auf der Steilküste ein Auto mit abgedeckten Scheiben. Hier hatte vielleicht derjenige geschlafen, der gestern Abend ein stilles Örtchen suchte und unser Zelt entdeckte. Vielleicht hat er auch absichtlich gehustet. Um uns zu zeigen dass wir entdeckt sind.

    Wild zelten ist immer ein bisschen aufregend. Der letzte Abend war noch etwas mehr: Nervenkitzel.
    Leer más

  • Every day new friends

    20 de febrero, Chipre ⋅ ☁️ 16 °C

    Polis - Neo Chorio
    wilder Campspot (neben Aphrodite Camping)
    33 km

    Werner war heute schon ziemlich früh im Supermarkt nebenan. Die Kassiererin plauderte mit ihm eine ganze Weile, erzählte vom Karneval, auf den sie sich so freut. Am Wochenende wird ausgelassen gefeiert, und Montag ist hier Green Monday, wo die Zyprioten zum Picknick in die Natur ziehen. Der Supermarkt schließt dann schon um 13 Uhr. Wo wir her sind und ob wir zum Karneval noch hier sind wollte sie natürlich noch wissen.

    Um zehn Uhr verließen wir das Apartment und radelten los. Viele Möglichkeiten gibt es nicht für uns. Entweder an der Küste entlang zu unserem Campspots oder östlich Richtung Grenzübergang nach Nordzypern. Und zurück nach Paphos wollten wir noch nicht.

    Wie radelten nach Osten. Eine Picknick Area am Wasser war sehr einladend. Der Strand ist ein Paradies für Steinesammler. Ich bückte mich und fand sofort versteinerte Gräser, eingeschlossen in eine kleine flache Scheibe. Wir rollten weiter, das Gebirge kam immer näher. Bevor die Piste unglaublich steil wird, kehrten wir um.

    In Polis fanden wir einen ruhigen Park und Werner kochte Kaffee. Dann besorgten wir Wasser und kurbelten zu unserem gestern ausgesuchten wilden Zeltplatz. Erstmal hielten wir wieder am Eingang zum Aphroditebad.

    Zwei waschechte Zyprioten sprachen uns an, Fahrer für ein Reiseunternehmen aus Paphos. Ihre Gäste schauten sich gerade die Sehenswürdigkeiten an. Die beiden strahlten einfach nur Zufriedenheit und Lebensfreude aus. Einer trank Orangensaft von Früchten aus seinem Garten. Davon bleibt er gesund, meinte er lachend. Sie lieben ihre Arbeit, denn täglich finden sie neue Freunde aus der ganzen Welt. Und sie lieben das Leben auf Zypern, entspannt und ohne Hektik. Nur die vielen Touristen, die im Sommer kommen, machen ihnen Sorgen. Der Wasserverbrauch ist dann unglaublich hoch, weil die Ausländer zu oft und lange duschen. Für die Zyprioten selbst würden die Wasservorräte immer reichen. Doch manchmal sind im Herbst die Speicherbecken fast leer. Dass wir wild zelten wollen, fanden sie toll. Sie erklärten mir gleich noch, wo in der Nähe eine öffentliche Toilette ist. Einer war mal in Brüssel und enttäuscht, dass die Leute immer nur weg geschaut haben. Hier sehen sich die Menschen in die Augen, reden miteinander und sind zu jeden Ausländer freundlich. Drei junge Wanderer setzten sich in unsere Nähe. "You are Polish?" fragte der eine Fahrer sofort. "Deutsch" kam zurück und kein Wort mehr.

    Die Reisegruppe war wieder da, nette junge Leute aus Indien. Die beiden Fahrer verabschiedeten sich lachend, natürlich konnten sie auch ein paar Worte in unserer Sprache. Wir rollten die letzten Meter zu unserem Zeltplatz und stellten unsere Stoffhütte auf. In der Hoffnung, dass der Wetterbericht recht behält.

    Jetzt liegen wir im Zelt und lauschen der Brandung. Und einem Vogel, der uns unermüdlich ein Ständchen bringt.
    Leer más

  • Ihr habt eure Räder mitgebracht

    19 de febrero, Chipre ⋅ 🌙 10 °C

    Polis
    Apartment
    23 km

    Gestern auf meiner Wanderung zum Strand und durch Polis entdeckte ich einen kleinen Bioladen. Im Schaufenster ein Schild: Sauerteigbrot. Interessant für uns, das müssen wir holen. Inzwischen habe ich es gekostet und mir läuft schon wieder das Wasser im Mund zusammen.

    Die Sonne lachte und wir schnappten uns die Räder. Auf zum Aphrodite Family Eco Camping am Aphroditebad. Wo wir 2024 schon mal beim Wandern campten. Ja, hier wird Aphrodite vermarktet, auch Adonis. Wie in Husum Theodor Storm. Der Platz öffnet erst am 1. März. Vielleicht ist jemand dort und wir können fragen, ob wir ausnahmsweise schon unser Zelt aufstellen dürfen. Doch erst hielten wir am Bioladen. Der Besitzer stand in der Tür und sprach uns gleich deutsch an. "Ihr habt eure Räder mitgebracht." Genau. Der Österreicher und seine Frau betreiben den Laden seit sechs Jahren. Seit einiger Zeit kam ein deutscher Bäcker dazu und sie konnten ihr Angebot erweitern mit leckerem Sauerteigbrot. Ihre Kunden sind hauptsächlich Niederländer, Franzosen, Engländer und Deutsche. Doch das Brot kaufen zunehmend auch Einheimische. Auf dem Rückweg holen wir es ab, dann kann es geschnitten werden.

    Am Eingang zum Aphroditebad hielten wir. Der Kiosk neben dem Parkplatz ist noch geschlossen. Und jede Menge Leihwagen, erkennbar am roten Kennzeichen, waren schon da. Von hier starten auch zwei Rundwanderwege. Aphrodite- und Adonistrail.

    Hubert blieb neben uns stehen: "Ihr habt eure eigenen Räder dabei." Ja, unsere Stahlrösser fallen auf. Huberts Frau Uschi ging schon weiter und kam wieder zurück. Die beiden sind etwa so alt wie wir. Vor vielen Jahren unternahmen auch sie lange Radreisen. Von Österreich, wo sie wohnen bis zum Nordkap und durch Asien zum Beispiel. Jetzt fragten sie sich, warum ihre Reiseräder seit Jahren im Keller verstauben. "Uschi kaufte ein E-Bike und seitdem hängt sie mich ab, das passte nicht mehr." Die beiden schauten sich etwas ratlos an. "Ich muss wieder aufs Rad" meinte Hubert entschieden. Zum Abschied fotografierten uns noch die beiden beim Radeln. Vielleicht sehen wir sie bald wieder. Wir haben sie nämlich zu unserem Outdoorfest nach Schwerin eingeladen. Und sie motiviert, mit den Rädern zu kommen.

    Das Tor zum Campingplatz ist verschlossen. Aber die Besitzerin fährt mit dem Auto los und ich stoppe sie einfach. Nein, jetzt schon unser Zelt hier aufstellen geht nicht. Wir finden ganz schnell eine andere Lösung. Neben dem Platz sind viele ebene Flächen. Bewachsen mit Büschen, die bieten Wind- und Sichtschutz. Morgen Abend werden wir hier einfach unser Zelt aufbauen.

    Auf dem Rückweg finden wir einen ruhigen Strand. Ich erfülle mir meinen Traum und bade das erste Mal auf dieser Reise. Dann holen wir das leckere Brot ab.

    Und wenn es nicht bis morgen reicht, holen wir uns noch eins. Vorm Zelt, am Wasser, wird es noch viel besser schmecken.
    Leer más

  • Wellengang nicht nur am Strand

    18 de febrero, Chipre ⋅ 🌬 12 °C

    Polis
    Apartment

    Letzte Nacht waren wir lange wach. Weil es so laut war. Nicht dass eine Party uns den Schlaf raubte. Es waren die Naturgewalten.

    Regen klatschte gegen das Fenster, Blitze zuckten, es donnerte gewaltig. Der Sturm jagte Palmwedel durch die Luft. Werner öffnete vorsichtig die Tür zur Terrasse. Eine Wasserwand versperrte die Sicht auf das Nachbargebäude. Es war wie im schlechten Film mit gutem Ende: Die Campingplätze sind geschlossen und uns blieb nur ein Apartment. Diese Nacht in unserem filigranen Zelt? Wäre garantiert nicht gut ausgegangen. Alles Schlechte hat was Gutes - und umgekehrt. Man versteht es oft erst im Nachhinein.

    Angekündigt waren nur Windböen bis 77 km/h, alles andere wieder das typische unvorhersehbare Inselwetter. Heute früh fischte der Hotelbesitzer unter anderem Palmwedel aus dem Pool. Darin war letzte Nacht bestimmt ordentlich Wellengang.

    Wir wollten heute zum Aphroditebad radeln, verschoben es aber auf morgen. Es stürmte noch den ganzen Tag, und immer wieder regnete es kurz und heftig. Der Wind soll nachlassen und morgen die Sonne scheinen. Hoffentlich.

    Werner war hier 2024 beim Barber, und ein Besuch bei ihm war wieder fällig. Dieser Barber arbeitet noch ganz old school mit dem Rasiermesser. Er ist schon lange Rentner und hat noch eine ganz ruhige Hand. Ganz sicher liebt er seine Arbeit. Eindeutige Öffnungszeiten gibt es nicht. Wir hatten Glück, dass er gerade da war.

    Werner hatte keine Lust, doch ich lief noch zum Strand und wurde nass und trocken. Der kürzeste Weg führt über den geschlossenen Campingplatz. Der ist tatsächlich zugänglich. Warum eigentlich? Es existiert sogar eine Webseite, die den Platz in höchsten Tönen anpreist. Ich schrieb einfach eine Nachricht und fragte, ob wir hier zelten können. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, sie kam von der Stadtverwaltung. "Der Platz wird zur Zeit renoviert und ist in dieser Saison leider nicht geöffnet." 2024 sah es hier allerdings schon genauso aus. Wenn das so ist, gibt es noch eine Menge zu tun bis zur Wiedereröffnung. Zumindest einen Bagger habe ich entdeckt. Der Hauptweg zum Strand war dermaßen überflutet, dass ich mir einen anderen Zugang suchen musste.

    Auch der Weg am Strand lag teils unter Wasser, irgendwie schaffte ich es trockenen Fußes durchzukommen. Wellen krachten an die Küste, Gischt spritze auf, die Luft voller Salz. Ich sah mir das Schauspiel eine ganze Weile begeistert an, wurde dabei wieder nass vom Regen und trocken vom Wind. Dann bog ich ab und wanderte durch Orangenplantagen und uralten Oliverbäumen zurück zur Hauptstraße.

    Am Busbahnhof nutzte ich die Toilette. Diesmal stand kein Bild auf dem Spülkasten, aber ein wichtiger Spruch an der Tür. Wer will hier schon die Kanalisation sabotieren? Übrigens sind die öffentlichen Toiletten meist in gutem Zustand. Mit Papier, Seife und wichtigen Hinweisen zur Entsorgung des Klopapiers.
    Leer más

  • Die Schattenseiten von Polis

    17 de febrero, Chipre ⋅ ⛅ 16 °C

    Polis
    Apartment

    Heute regnete es mehrmals kurz und heftig. Dazwischen schien die Sonne. Wir liefen mit Regenjacken im Rucksack los, hatten aber immer Glück uns unterstellen zu können.

    Der Campingplatz hier am Strand ist ein lost place, genau wie 2024. Immer noch steht bei Google Maps "temporär geschlossen". Und mehrere Schilder im Ort weisen auf den Campingplatz hin. Nur nicht, dass er verwaist ist. Bestimmt standen schon so einige Camper enttäuscht vor dem Sanitärgebäude, wo Randalierer sich zuschaffen machten.

    Wenn man von der Hauptstraße abbiegt, bietet sich manchmal ein unerwartetes Bild. Einmal standen wir vor einer eingezäunten Ausgrabungsstätte. Ein andermal vor einer Investruine. Das Gras wucherte, der Müll daneben leider auch. Genau wie hinter dem geschlossenen Supermarkt gegenüber. Wieso werden solche Orte zur Müllhalde? Nicht mal die Stadtverwaltung kümmert sich darum. Der Park in der Nähe des Rathauses war sauber. Doch von der Aussichtsplattform darf man nur zum Horizont schauen. Unten, auf einer kleiner Terasse am Hang, sammeln sich leere Flaschen und Büchsen.

    Wieder entdeckten wir heute witzige Figuren, die vermutlich zum Karneval aufgestellt wurden. Vorm Rathaus ein bunter Wagen mit Eisprinzessin-Motiven als Radkappen. Die kleinen Zypriotinnen werden aus dem Häuschen sein.

    Inzwischen blühen immer mehr Bäume. Auch nickender Sauerklee, dessen leuchtend gelbe Blüten sich bei Sonnenschein öffnen. Schon mal ästigen Affodil gesehen? Und Gespenst-Gelbdolde? Wächst hier alles. An einem Pfad zwischen Oliven- und blühenden Mandelbäumen. 2024 fand ich hier auch Mönchspfeffer, heute nicht. Und ganz erstaunlich: Es lag kein Müll herum.
    Leer más

  • Relaxen in Polis

    16 de febrero, Chipre ⋅ ☁️ 16 °C

    Polis
    Apartment

    Waren wir heute faul? Ja, ein bisschen. Und das mit besten Gewissen nach der Bergtour gestern.

    Nein, wir haben nicht nur rumgesessen und die Beine hochgelegt. Mussten wir auch gar nicht. Muskelkater? Haben wir nicht. Erschöpft? Sind wir nicht.

    Wir sind durch den Ort gelaufen. Um festzustellen, was wir alles wiedererkennen. Eine ganze Menge. In der Nähe gab es zum Beispiel einen kleinen Laden, den ein Rentner aus Bayern betrieb. Er bot leckere Lebensmittel an, alles selbst hergestellt. Bouletten und Wurst zum Beispiel. Und samstags gab es immer Mett- und Matjesbrötchen. Viele Deutsche, die hier leben, waren seine Kunden. Doch das Geschäft ist geschlossen. Nicht weil er inzwischen ein Restaurant eröffnet hat, von dem er uns 2024 erzählte. Er ist im letzten Jahr in seiner Wahlheimat Zypern verstorben. Einfach so, mit einem Glas Wein neben sich auf dem Tisch. Auch wenn er zu früh gegangen ist, hier hat er noch einige Jahre seinen Traum gelebt.

    Was sagt uns das? Dass wir weiterhin genau das tun werden, was wir lieben. Und zwar genau jetzt. Wer sagt irgendwann meint nirgendwann. Was wir bisher erlebt haben - davon zeugen unsere viele Flaggen an den Rädern - kann uns niemand nehmen.

    Für seine Erinnerungen ist schließlich jeder selbst verantwortlich.
    Leer más

  • Zwei Ziegen am Berg

    15 de febrero, Chipre ⋅ ☀️ 17 °C

    Kissonerga - Polis
    Apartment
    34 km

    Heute kommen wir uns wirklich vor wie Bergziegen. Steile Rampen, lange steile Steigungen. Ab und zu nur schlappe 5 %, wo wir richtig Tempo machen. Denn der Wind ist so gnädig und schiebt uns an. War genau richtig, heute den Berg in Angriff zu nehmen. Und Gabriel, der Argentinier, machte auch alles richtig. Er kam gestern hier entlang aus der Gegenrichtung und nutzte den Rückenwind.

    Immer wieder mussten wir anhalten und warten, bis unser Herzschlag einigermaßen normal war. Manchmal schob ich ein Stück und Werner radelte oder umgekehrt. Denn bei der Steillage ist es oft schwierig wieder in den Sattel zu kommen.

    Bei 9 % Steigung kam uns ein Café gerade recht. Verwunderte Blicke, erhobene Daumen. Wir orderten kalte Getränke und eine große Portion Pommes. The best Pommes ever! Aus frischen Kartoffeln, lecker gewürzt und kross. Auf der Toilette stand das Bild einer berühmten Dame, leicht verändert. Sie tat mir ein bisschen leid. Witzig war das Bild trotzdem.

    Gestärkt kletterten wir weiter die Steigungen hoch. Ich verfolgte das Höhenprofil von Komoot. Nur noch einen km bis zum höchsten Punkt. Jetzt war eine Taverne sehr einladend. Wir bestellten nur kalte Getränke. Wie am letzten Sonntag strömten die Leute, viele vermutlich nach dem Kirchgang, in das Lokal. Alle Tische waren bereits gedeckt und die Kellner jonglierten Tablets voller Köstlichkeiten. Wir hatten keinen Hunger, wollten nur den Berg hinter uns bringen.

    Nach 17 km waren wir endlich, nachdem wir bei null gestartet waren, auf 650 m über dem Meeresspiegel. Meine Beine waren zwar noch nicht wie Wackelpudding, aber es reichte mit bergan kurbeln.

    Jetzt kamen die Hände zum Einsatz beim Bremsen. Und auf der anderen Seite des Berges wurde es kalt, die Berge lagen plötzlich im Dunst. Werner wollte seine Windjacke erst nicht anziehen, stoppte aber bald und verlangte sie. Wir sausten nach unten, auf einem Mal war die Sonne wieder da und gab den Blick auf Berge und Täler frei.

    Fünf Stunden brauchten wir (mit Pausen) um oben anzukommen, in gut 30 Minuten waren wir wieder auf Meeresniveau. So schnell können schwer erkämpfte Höhenmeter wieder futsch sein. Wir sind wieder in Polis, wo es uns 2024 so gut gefallen hat. Leider ist der Campingplatz direkt am Strand immer noch geschlossen. Und der am Aphroditebad zehn km weiter öffnet erst ab März. Wild zelten funktioniert hier nicht. Uns bleibt nur eine feste Unterkunft.

    Doch erstmal stoppt uns eine nette Männerrunde. Die vier kamen mit ihren Motorrädern aus Limassol und stehen um einen großen Grill, aus dem es verführerisch duftet. Sie können nicht fassen, dass wir die Berge mit Muskelkraft bezwungen haben, finden aber keinen Motor an unseren Rädern. Unter den vielen Flaggen auf unseren Rädern suchen sie nach Zypern. Zum Glück hatte ich die Flaggen-Aufkleber mitgenommen. Ganz aus dem Häuschen fotografieren sie ihre Zypernflagge an meinem Rad. Und mein Tacho mit den fast 60.000 Gesamt-km. Kopfschüttelnd fotografieren sie uns immerzu. Wir reißen uns los, müssen noch eine Bleibe finden.

    Wir radeln zu dem uns schon bekannten Hotel. Es war sauber und gut eingerichtet. Ohne Probleme bekommen wir ein nettes Apartment im Erdgeschoss. Ohne Treppe. Was für ein Glück. Jetzt sind wir hungrig und holen uns im Supermarkt nebenan ein kräftiges Abendbrot. Eigentlich will ich noch Salat machen, doch das verschiebe ich auf morgen. Ich will nur noch duschen und ins Bett.
    Leer más

  • Argentinien trifft Deutschland

    14 de febrero, Chipre ⋅ 🌙 15 °C

    Paphos - Kissonerga
    Hotel
    11 km

    Stimmte heute der Wetterbericht? Teilweise. Der angekündigte Dauerregen wurde durch Sonnenschein ersetzt. Aber die Sache mit dem Wind haute hin.

    Wären wir heute in die Berge geradelt, dann bei böigem Gegenwind. Deshalb machten wir nur ein paar km in die richtige Richtung und suchten uns nochmal eine Bleibe. Auf dem Weg dorthin hielten wir an einem kleinen Café.

    Wir wollten gerade starten und rieben uns die Augen. Ein Reiseradler wechselte die Straßenseite und steuerte auf unsere Räder zu. "I'm from Argentina" rief er uns zu. Über zwei Jahre ist er bereits unterwegs und radelt von Kontinent zu Kontinent. Und dass wir das deutsche Pärchen sind, dass eine Runde um Zypern dreht, hat er sich gedacht. Denn auch er war eine Nacht bei dem Warmshower Bayram in Taşucu. Bayram hatte natürlich von uns erzählt. Die drei jungen Franzosen, die wir trafen, kannte er auch. Wenn es nur wenige Straßen gibt, radelt man sich unweigerlich über den Weg.

    Wer lange alleine auf Tour ist braucht dringend Kontakt zu Gleichgesinnten. Und Gabriel war so was von glücklich uns zu treffen. Im September fliegt er in seine Heimat, dann hat er ganz Europa unter die Reifen genommen. Und wird bald wieder aufbrechen. Diesmal nach Alaska. Zehn Jahre will er insgesamt unterwegs sein. Was für ein unglaubliches Abenteuer! Wenn er nach Deutschland kommt, soll er sich bei uns melden. Doch er ist schon durch unsere Heimat gekurbelt und hat einen Aufkleber von Radlern aus Köln am Rad. Zu den beiden wollen wir Kontakt aufnehmen. Wenn wir nach Argentinien kommen, können wir bei seinem Vater in Buenos Aires wohnen, der hat ein großes Haus. Gute Idee. Zum Abschied umarmt er uns herzlich.

    Wir sind in einer ziemlich runtergekommenen Absteige gelandet. Die Dame an der Rezeption fühlt sich gestört, als ich ihr unsere Buchung unter die Nase hielt. Wir bekamen eine sogenannte Suite mit Meerblick, und das beste ist der Meerblick. Das Geschirr haben wir vor der Benutzung abgewaschen. Aber wir wollen nicht meckern, es geht erheblich schlechter. Wir müssen nur an Mexiko denken.

    Wir können beim Rauschen der Brandung einschlafen. Vorhin waren wir auf der Steilküste und am Strand. Schilder warnen vor gefährlichen Strömungen und dass man hier nicht schwimmen soll. Ein paar Männer in Badehosen trauten sich dann doch nicht ins Wasser. Ich bade gern. Aber nicht bei diesen Wellen. Ich will schließlich morgen noch den Berg nach Polis hochfahren.
    Leer más

  • Der Wetterbericht stimmte

    13 de febrero, Chipre ⋅ 🌧 15 °C

    Paphos
    Apartment

    Heute ist der Tag, an dem der Wetterbericht stimmte. Und wir sind froh, nicht auf der Straße zu sein und unser Zelt aufbauen zu müssen.

    Bis Mittag stürmte und schüttete es. Die Zyprioten brauchen Wasser. Dringend sogar. Deshalb störte es uns nicht. Danach war es immer mal zwischendurch trocken, sogar die Sonne zeigte sich kurz. Wir flitzten los, zuerst zur Ausgrabungsstätte in der Nähe und dann zum Supermarkt. An der Heißtheke holten wir Essen und tranken oben im Restaurant Kaffee aus Porzellantassen. Das ist nicht selbstverständlich. Wegwerfgeschirr ist hier die Regel. Und eine Flut von Plastiktüten im Supermarkt. Eine Menge davon findet sich leider in der Natur wieder.

    Das Meer tobte, Schaumkronen tanzten auf dem Wasser bis zum Horizont. Die Wellen schlugen über die Kaimauer und rissen Algen und Steine mit.

    Als das Gewitter los brach, waren wir heilfroh nicht einen Zeltplatz suchen zu müssen. Also alles richtig gemacht.
    Leer más

  • Die Sache mit der Waschmaschine

    12 de febrero, Chipre ⋅ ☁️ 17 °C

    Paphos
    Apartment

    Heute früh war draußen alles nass. Der Himmel bedeckt, ab und zu regnete es. Allerdings weniger als erwartet.

    Die Sache mit der Waschmaschine gestern war prima. Wir stellten den kleinen Wäschetrockner hin und hingen unser Zeug auf. Heute früh steckte ich noch ein paar Klamotten in die ziemlich neue Waschmaschine - und sie versagte nach kurzer Zeit den Dienst. Zum Glück öffnete sich das Bullauge. Wir fischten das nasse Zeug raus und trabten damit zur nächsten Wäscherei. Einen Waschsalon zum selbst waschen fanden wir nicht. Nach einer Stunde konnten wir die Wäsche abholen.

    Noch nie einen Fehler gemacht? Wir Schlaumeier haben die Wäsche nicht trocknen lassen. Jetzt hängt hier schon wieder nasses Zeug. Und das Fenster lässt sich immer noch nicht öffnen. Wir sperrten die Tür auf und das kleine Fenster im Bad. Ohne Klimaanlage auf Hochtouren sitzen wir sonst in der Sauna.

    In der Nähe ist ein großer Supermarkt. In der Bäckerei gibt es Vollkornbrot, Roggenbrot und russisches Brot. Im Markt abgepacktes Vollkornbrot, hergestellt in Deutschland. Und Regale voller Spezialitäten aus der ganzen Welt. Zur Freude aller Ausländer, die hier lang- oder kurzfristig leben.

    Ich schlenderte noch ein bisschen umher und stolperte fast über eine Ausgrabungsstätte. Ein paar Schritte weiter war ich schon am Wasser. Zu dicht durfte man nicht an die Kaimauer, dann gab es eine Salzwasserdusche. In den Restaurants hier war schon richtig was los.

    Wir holten uns lieber Zutaten für Bohnensuppe und Salat und kochten selbst. Schließlich haben wir gerade eine Küche. Auch wenn Dunstabzug und Licht überm Herd nicht funktionieren. Kochen machte mir Spaß.
    Leer más

  • No foto, no video

    11 de febrero, Chipre ⋅ ☁️ 14 °C

    Episkopi Cantonment - Paphos
    Apartment
    30 km

    Wie durch ein Wunder war unser Zelt heute früh trocken. Das Wunder war der stürmische Wind, der uns gestern Abend das Fürchten lehrte. Plötzlich fing das Zelt an sich zu schütteln. Was ist das denn, wir stehen doch recht windgeschützt? Ja, vor dem Wind am Wasser. Jetzt kamen Böen von den Bergen. Und zwar aus wechselnden Richtungen. Werner kroch aus dem Schlafsack und spannte Sturmleinen. Unsere Stoffhütte wackelte weniger. Dass kürzlich die Zeltstange am Eingang brach, hat unser Vertrauen in die Haltbarkeit unserer transportablen Behausung ziemlich erschüttert. Und sofort kam uns Kroatien in den Sinn, als 2023 unsere stabile Vorgänger-Stoffhütte nach acht Jahren intensiven Gebrauchs zusammen brach. Bei Böen mit 90 km/h. Wenn das hier zum Sturm wird, haben wir das große Los gezogen. Es war nur Regen angesagt. Wieder mal hatte der Brite recht mit seiner Ansage, dass der Wetterbericht auf Zypern selten stimmt.

    Wir konnten nichts tun und nur abwarten. Tatsächlich ließ der Wind nach und wir schliefen irgendwann ein. Regen weckte uns nachts jedenfalls nicht. Heute früh rief Werner: "Alles einpacken ehe es doch noch regnet, das Zelt ist trocken!" So schnell es ging rafften wir unser Zeug zusammen und standen mit den Rädern an der Straße. Hier, auf der Steilküste, blies uns der Wind wieder ins Gesicht. Von oben schaute ich mir den Felsen der Aphrodite an. Dann kurbelten wir los Richtung Paphos.

    Nach zehn km kochte Werner in einer Bushaltestelle bei Sonnenschein Kaffee. Heute haben wir es nicht weit. Und vor allem gibt es nur Hügel statt Berge. Gestern waren wir noch fest überzeugt, im Regen nach Paphos zu radeln. Jetzt verteilen wir großzügig Sonnencreme. Die nächsten Tage soll es regnen, deshalb wartet in Paphos ein Apartment auf uns. Werden wir wirklich Regen aussitzen oder bei Sonne am Strand sein?

    Ziemlich schnell waren wir in Paphos und hielten an einer orthodoxen Kirche. Unglaublich, hier waren wir Ende 2024. In der Nähe hielt der Bus und unser Wanderweg startete an der nächsten Straßenecke. Heute war die Kirche offen, weil eine Frau gerade drinnen Kerzen entzündete. Ich schaute kurz rein. Wir radelten zum Startpunkt unserer Wanderung, einer Orangenplantage. Das Tor war offen. Werner stibitze zwei Früchte. Wir standen auf dem Weg und genossen das außergewöhnliche Aroma. Ein bisschen süß, ein bisschen sauer, ein bisschen bitter. Genau in dem Moment kommt ein Auto um die Ecke, der Fahrer blickte verärgert. Weil wir den Weg versperrten mit den Rädern oder er uns beim Mundraum erwischte?

    Nach ein paar km weiter stoppten wir an der nächsten Kirche. Hier ging es anders zu, irgendwie touristisch. Die Tür war offen. Ich trat ein und erschrak. Aus dem Halbdunkel knurrte eine alte Frau: "No foto, no video." Eintritt wollte sie nicht. Aber man hätte ihr allerhand unnützes Zeug abkaufen können. Die Kirche war hübsch, aber ich vermisste die natürliche Freundlichkeit, die uns sonst hier entgegen gebracht wird.

    Unsere nächste Station war ein Fahrradladen. Nicht weil wir eine Panne hatten. Wir fragten nach Kartons für unsere Räder, weil wir von hier zurück fliegen wollen. Der nette Mann hatte nur kleine Boxen, war aber sehr bemüht uns mehrere zu besorgen und für uns aufzuheben. Er war erstaunt, dass wir die Fähre nach Kyrenia nahmen. Dort stammt er her.

    Für alle Fälle besuchten wir einen zweiten Radladen. Die kannten sich aus und hatten schon oft Radlern mit Kartons für den Flug geholfen. Auch hier können wir fragen, wenn es nach Hause geht.

    Wir rollten durch hübsche Wohngebiete, wo anscheinend keine Einheimischen wohnen. "For Residents" stand dran.

    Dann waren wir wieder an dem Einkaufszentrum, wo wir 2024 so leckeres Essen bekamen. Heute leider nur kalt und die Kartoffeln waren nicht mal gar. Etwas enttäuscht radelten wir zu unserem Apartment. Und die Suche ging wieder los, wie in Larnaka. Nur dass niemand da war den ich fragen konnte. Google zeigte mir jedenfalls ein Haus in der Parallelstraße, wo auch Schlüsselboxen angebracht waren. Hier war ich aber falsch. In einem schmaler Gang zwischen zwei Häusern fanden wir endlich was wir suchten. Heute war wieder Räder die Treppe hoch schleppen angesagt.

    Das Apartment ist hübsch, doch das Fenster lässt sich nicht öffnen. Hätte Werner es mit Gewalt getan, wäre uns vielleicht die Wand entgegen gekommen. Dann eben lüften mit Klimaanlage.

    Es gibt keine Mikrowelle, aber eine Waschmaschine. Darin dreht sich jetzt unsere Wäsche. So sparen wir uns wenigstens den Weg zum Waschsalon.
    Leer más

  • Als Belohnung ein Omelette

    10 de febrero, Chipre ⋅ ⛅ 17 °C

    Limassol - Episkopi Cantonment
    wilder Zeltplatz
    48 km

    Gekochte Eier, Oliven, Roggenbrot (von Lidl) mit Butter und Frischkäse, Briekäse, Nüsse. Und Werners guten Kaffee aus unserer Espressokanne. So sah unser Frühstück aus. Um genug Kraft für die Höhenmeter zu haben, die auf uns warten.

    Zuerst mussten wir aus Limassol raus, was schneller ging als gedacht. Komoot schickte uns durch die Limassol Greens, mit Golfplatz und Waterpark. Und durch ein britisches Gebiet mit britischem Supermarkt. Es gab nichts anderes als in anderen Märkten auch. Noch war die Strecke eben. Wir rollten durch Orangenplantagen. Die Berge waren greifbar nahe.

    Die erste lange Steigung kurbelten wir problemlos hoch, da uns der Wind keine Schwierigkeiten machte. Dann ging es durch Serpentinen wieder runter auf Meeresniveau. Was für traumhafte Aussichten! Ein Auto blieb hinter uns, wir mussten ständig bremsen, um die Kurven zu kriegen. Kein Hupen, kein ungeduldiges Gas geben. Der Autofahrer respektierte - wie fast alle hier - uns Radfahrer. Der Asphalt war gut. Das war bestimmt der Grund, warum uns so viele Rennradfahrer begegneten. Sie kamen uns entgegen und winkten oder überholten uns mit erhobenen Daumen.

    Die nächste Steigung ging teils 10 % hoch. Sie war zum Glück nicht sehr lang. Wieder britische Kasernen. Ein Schild zeigte zur Offiziers Messe. Hier könnten wir uns zum Essen anmelden, meinte Werner. Doch niemand war zu sehen, den wir spaßeshalber hätten fragen können. Wir hielten an einem Buswartehäuschen. Verschließbar mit einer Glastür, innen konnte man eine Neonröhre anschalten und Steckdosen gab es auch. Ein Brett an der Wand diente als Tisch. Wir nahmen auf den beiden uralten Stühlen Platz und futterten Riegel und gekochte Eier.

    Wieder ging es runter und hoch. Jetzt setzte er ein, der gefürchtete Gegenwind. Und der Wetterbericht hatte sich plötzlich geändert. Heute schon Regen? Rechts von uns wurde der Himmel fast schwarz. Kein sicherer Zeltplatz in Sicht, wir kurbelten weiter, stemmten uns gegen den Wind und hofften das Beste. Die längste Steigung hatten wir noch vor uns. Ein kleines Café tauchte auf. Die alte Frau hatte nur wenig anzubieten. Wir kauften Getränke und Kekse. Erleichtert stellten wir fest, dass der Wind die dunklen Wolken weg geschoben hatte.

    Dass wir die nächste lange Steigung bei Gegenwind mit Bravour meistern würden, hatte ich nicht erwartet. Wir brauchten nur zwei Pausen. Kurz bevor wir das erste Mal hielten, hatten uns zwei Rennradfahrer überholt. Der eine meinte auf deutsch "viel Gepäck" und zog lachend an uns vorbei. Jetzt saßen die beiden ein Stück weiter auf der Leitplanke und winkten. Als wir wieder stoppen wollten, tauchte wie aus dem Nichts ein kleines Restaurant auf. Wir waren hungrig, und wie. Werner gönnte sich ein English Breakfast, das gibt es hier den ganzen Tag. Und hatte ich mir mein Omelette nach den vielen Steigungen nicht ehrlich verdient?

    Gesättigt schafften wir die letzten Höhenmeter. Die Abfahrt bot wieder atemberaubende Aussichten. Unten angekommen ging es am Wasser auf der Steilküste weiter. Hier drehte der Gegenwind erst richtig auf. Und wieder ging es steil hoch. Ich dachte ich stehe und musste vom Rad. Ehe mich der Wind wieder auf die Seite legt, wie in Mexiko. Werner stieg auch ab. Wir schoben unsere Stahlrösser nach oben.

    Langsam wurde es Zeit für einen Zeltplatz. Doch nur Wind, Wasser und Berge. Vom Berg kam eine Frau einen Wanderweg hinunter. Werner besah sich die Gegend genauer. Zwischen Weg und Straße ging es in eine mit Gras bewachsene Senke. Wie für uns gemacht. Windgeschützt und von der Straße sieht uns niemand. Nur zwei Wanderer kraxelten auf einen Berg über uns. Und als wir schon im Zelt lagen, hörten wir Stimmen vom Wanderweg.

    Dass noch ein Gewitter aufzieht, hatte der Wetterbericht nicht auf dem Schirm, nur Regen. Es blitzte, donnerte und regnete. Jetzt ist endlich Ruhe eingekehrt. Über Nacht ist wieder Regen angekündigt. Was soll's, das Zelt war morgens sowieso immer nass.
    Leer más

  • Der Hundertste

    9 de febrero, Chipre ⋅ ☁️ 19 °C

    Mari - Limassol
    Apartment
    28 km

    Heute war es soweit auf dieser Reise. Uns begegnete der Hundertste. Wer das ist? Erkläre ich noch. Doch von vorn.

    Wieder packten wir unser Zelt klatschnass ein. Und als wir dabei waren, schaute ein alter Mann vorbei. Er ging am Stock und nickte uns freundlich zu. Von den Häusern am Berghang konnte man uns sehen. Vielleicht kam er daher und war neugierig.

    Kaum waren wir drei km geradelt, tauchte ein Campingplatz auf. Egal, wir hatten neben der Autobahn gut geschlafen. Nach weiteren drei km fanden wir in einem Seitenweg einen Platz fürs Frühstück. Auch hier hätten wir gut versteckt zelten können. Hätte, hätte Fahrradkette...

    Nun brauchten wir noch eine Toilette und hielten an der nächsten Tankstelle. Ein Mann stand an sein Auto gelehnt und beobachtete mich. "Hi" lachte er. "Germany?" Seit zwanzig Jahren lebt der nette Zypriote in Karlsruhe. Noch ist er Entwickler im Fahrzeugbau, aber freigestellt. Weil sein langjähriger Arbeitgeber die Schotten dicht machen muss. Deshalb hat er gerade Zeit und besucht seinen Bruder. Er sucht händeringend Arbeit. Doch nicht hier, er will in Deutschland bleiben. In seiner Heimat sind die Aussichten für ihn noch miserabler. Er will wieder Fahrzeuge konstruieren, das hat er gelernt und macht ihm Freude. Die Politik hat's vermasselt, dass die deutsche Fahrzeugindustrie den Bach runter geht, sagte er enttäuscht. Dann wünschte er uns gute Reise, setzte sich in sein Auto und telefonierte. Vielleicht mit einem neuen Arbeitgeber in Deutschland?

    Nach ein paar langen Steigungen und Abfahrten begannen die Vororte von Limassol und tatsächlich ein guter Radweg, der nach ein paar hundert Meter Geschichte war. Also wieder Straße und rote Ampeln. Nach einigen km der nächste Radweg, wo wir erst eine Auffahrt suchen mussten. Er war schmaler und ziemlich dreckig. Wir rollten durch Glassplitter und kontrollierten die Reifen. Auch dieser Radweg endete. Auf der Straße bremsten uns die roten Ampeln wieder aus.

    Wir stoppten bei Lidl und fuhren kurz vorher schon wieder durch Glasscherben. Auf dem Parkplatz erlebten wir wieder mal die Freundlichkeit und Offenheit der Zyprioten. Wir standen mit den Rädern neben den Behindertenparkplätzen. Ein Auto hielt, die Tür ging auf. Eine Frau drückte Werner den Chip für den Einkaufswagen in die Hand und bat ihn, einen kleinen Wagen zu holen. Mir zeigte sie die langen Narben auf ihren Knien. Sie stützte sich auf ihren Stock und hielt sich am Einkaufswagen fest. So zog sie sich aus dem Auto. Ich wollte ihr beim Einkaufen helfen, doch sie bedankte sich überschwenglich und erklärte, dass sie nun alleine klarkommt. Wir wollten starten, da stand eine andere Frau neben uns. Auch mit Stock. Am liebsten würde sie mit uns mitkommen, aber sie kann nicht mehr, erklärte sie. "What an adventure!" rief sie mehrmals. Dann zeigte sie mir bei Google Maps alle Sehenswürdigkeiten neben unserer Straße. Hier ein altes Amphitheater, dort eine Kapelle und natürlich immer wieder schöne Strände.

    Endlich konnten wir weiter. Unser nasses Zelt musste dringend getrocknet werden. Wir hielten auf einem kleinen Plateau am Strand, hübsch gestaltet mit Bänken. Was blieb uns, wir bauten die nasse Stoffhütte auf und ließen den Wind durchpusten. Die meisten Leute lächelten uns an, manche blieben stehen, schauten sich die Räder an, fragten wo wir her sind. Doch dann tauchte er auf, der Hundertste. Oft werden wir gefragt, wie uns die Menschen auf unseren Reisen begegnen. "Wenn wir hundert treffen, sind neunundneunzig freundlich, interessiert und hilfsbereit. Der Hundertste ist ein Rabauke, Rowdy oder Meckerer." Nun baute sich der Meckerer hinter uns auf. Anscheinend kam er aus dem kleinen Restaurant in der Nähe. Hier wäre eine Picknick Area, schimpfte er. Wir sollen sofort verschwinden. Werner reagierte gar nicht. Ich sagte freundlich, dass wir hier nur warten bis das Zelt trocken ist. Er drehte sich wütend um und weg war er. Doch dann sah ich, wie er uns fotografierte und wild gestikulierend in sein Handy brüllte. Hatte der etwa die Polizei an der Strippe? Inzwischen war alles trocken, wir bauten ab und packten ein. Und blieben sitzen, weil der Blick aufs Meer so schön war. Kein Ordnungshüter kam vorbei, um uns zu rügen.

    Da es schon ziemlich spät war, besorgten wir uns ein Zimmer (zum Glück im Erdgeschoss) und verstauten dort unsere Sieben Sachen. Wir liefen noch durch die Altstadt und warfen einen Blick auf die Route nach Paphos.

    Wir müssen morgen gut frühstücken. Damit wir die Berge hochkommen. Ich freue mich schon auf die Aussichten.
    Leer más

  • Route der Fisch Tavernen

    8 de febrero, Chipre ⋅ ⛅ 16 °C

    Larnaka - Mari
    wilder Zeltplatz
    49 km

    Um 9 Uhr saßen wir heute endlich wieder in den Sätteln. Es war bewölkt und angenehm zu fahren. Ein Radweg führt an der Küste entlang Richtung Flughafen. Doch will man den Radweg nutzen, gilt es eine hohe Bordsteinkante zu überwinden. Der Straßenplaner war anscheinend kein Radfahrer.

    Heute ist Sonntag und nicht viel Verkehr, wir blieben auf der Straße und niemand regte sich auf. Endlich war der Bordstein abgesenkt, wir rollten auf den Radweg und gleich in eine zerschlagene Flasche. Wir hielten an, kontrollierten die Reifen und kurbelten auf der Straße weiter. War genau richtig, denn nun war der Radweg voller Fußgänger. Bisher waren die Radwege - wenn vorhanden - auf Zypern nicht der Hit. Verdreckt, ohne Auffahrt, genutzt von Joggern, kaputt. Manchmal endeten sie nach einem km im Nichts. Oder beidseitig stehen Poller und wir passten mit den Packtaschen kaum durch. Haken wir das Thema einfach ab und bleiben auf der Straße. Hier wird man von keinem Verkehrsminister zurecht gewiesen.

    Hinter dem Flughafen hatten wir Larnaka hinter uns gelassen und kamen nach Kiti. Ein netter Ort und ein bisschen britisch, fand ich. Gleich erfuhren wir von einem jungen Mann, dass ich mich nicht täuschte. Er war mit seinem kleinen Sohn an einer orthodoxen Kapelle, wo wir hielten. Der Kleine, 15 Monate alt, lief neugierig auf unsere Räder zu. Der Vater erzählte, dass sie Griechen sind und hier ein Haus von Briten gekauft haben, die Zypern verließen. Und dass hier viele Briten lebten, die beim Militär beschäftigt waren. Wir plauderten eine ganze Weile. Der Kleine kam übrigens in Griechenland zur Welt, wo die ärztliche Betreuung besser ist.

    Die Straße führte zur Küste. Und hier ging es los mit Gegenwind. Wir hielten an einer Taverne, die gut besucht war. Pork war aus, wir ließen uns zu Fisch überreden. Der war richtig gut und machte satt. Immer mehr Fisch Tavernen tauchten auf, alle waren voll. Anscheinend gehen die Zyprioten sonntags essen.

    Die Straße blieb nicht länger am Wasser, jetzt kamen Industriegebiete und lange Steigungen. So langsam brauchten wir einen Zeltplatz. Wählerisch konnten wir nicht sein. Die Straße verlief nun parallel zur Autobahn.

    Unser Zelt steht unauffällig zwischen Riesenfenchel. Und zwischen unserer wenig befahrenen Straße und der Autobahn. Es gibt bessere Plätze, aber wir sind zufrieden. Wir haben auch schon unter Autobahnbrücken gezeltet, da war es lauter. Und der Muezzin erst, da nehmen wir heute lieber die vielen Autos neben uns.
    Leer más

  • Der Bäcker vom anderen Ende der Welt

    7 de febrero, Chipre ⋅ ⛅ 17 °C

    Larnaca
    Apartment

    Heute ziehen ein paar Wolken durch, doch es ist warm und regnet nicht mehr. Der Wind kommt böig aus Westen. Wenn er nicht dreht, haben wir morgen Gegenwind.

    Ein junger Kalifornier lernte eine hübsche Zypriotin kennen und folgte ihr hierher nach Larnaca. Er erlernte das Bäckerhandwerk und eröffnete (oder übernahm) eine Bäckerei. Klein, urig, beliebt. Nicht nur bei den vielen Westeuropäern, die hier leben. Auch die Einheimischen gehen bei ihm ein und aus. Wir betraten den Laden. " I remember. You were here for a hike." Wir waren wie vom Donner gerührt. Der Mann erkennt uns wieder? Nach 15 Monaten? Und er staunte, dass wir nun mit den Rädern da sind. Ich bestellte wieder Cheese Cake. Eine Kalorienbombe, die auf der Zunge schmilzt. Werner gönnte sich ein Stück Erdbeertorte. Und er hatte noch Dinkelbrot. Gutes Brot zu kaufen war der eigentliche Anlass hierher zu kommen. Der Bäcker kam mit uns raus und zog an seiner E-Zigarette. Wir plauderten noch eine ganze Weile. US-Amerikaner sind Meister des Smalltalks, das hat er immer noch drauf. Und wir hatten es 2016/2017 genau da gelernt, wo er herkommt. Während unseres ersten Sabbaticals in den USA.

    Mit unserem Brot im Rucksack liefen wir zum Wochenmarkt. Samstags bieten hier zahlreiche Bauern aus der Umgebung ihre Erzeugnisse an. Kisten voller Obst und Gemüse reihten sich aneinander. Meist liefen Einheimische durch die Stände und beäugten die Ware. Es gab Nüsse, Honig, Oliven, Olivenöl zum Abfüllen und Olivenölseife. Ich kaufte nichts davon, kein Platz mehr in meinen Radtaschen. Außer kleine zypriotische Bananen, die fast so süß sind wie die in Mexiko.

    In der Altstadt war es uns zu voll. Wir liefen am Strand zurück. Der Wind peitschte hohe Wellen an den Strand, bei denen ich lieber nicht baden gehe. Wir holten uns eine Kleinigkeit zu essen vom Supermarkt.

    Jetzt waren wir gerade im Restaurant hier vor der Tür. Die Deutsche und den Griechen trafen wir nicht. Aber sie hatten recht. Das Gyros war lecker.
    Leer más

  • Der Snack beim Barber

    6 de febrero, Chipre ⋅ ⛅ 18 °C

    Larnaka
    Apartment

    Heute früh ist Werner nochmal eine OP an der Zeltstange gelungen. Wir haben Ersatzelemente dabei und er tauschte das gebrochene Teil aus. Jetzt passt die Zeltstange wieder in den Packsack und muss nicht wie eine Angel am Oberrohr hängen.

    Ja, heute früh regnete es heftig. Schon gestern Nachmittag zeigten sich die ersten dunklen Wolken. Als wir mit einem großen Beutel dreckiger Wäsche losliefen, tröpfelte es nur noch. Wir umrundeten Pfützen und sprangen zur Seite, als Autos durchbretterten.

    Mit unserem Wäschebeutel hielten wir erstmal beim Barber. Im November 2024 waren wir schon mal hier, als wir auf Zypern wanderten. Damals bot man uns leckeren Käse an. Heute eine Spezialität, die an eine Kartoffel erinnert und sich Gubis (wenn ich richtig verstanden habe) nennt. Innen gefüllt mit Fleisch und Zwiebeln. Sehr lecker mit Zitronensaft. Es dauerte nicht lange und der kleine Laden füllte sich. Die Männer futterten Gubis und redeten durcheinander. (Vielleicht auch über uns.) Geduldig warteten sie, bis der Barber mit Werner fertig war und er Gubis probierte. Niemand hatte es eilig.

    Wir trabten mit unserem Wäschebeutel weiter zum Waschsalon. Ein Franzose mühte sich mit der Waschmaschine ab. Uns ging es gleich genauso. So einen runtergekommenen Waschsalon hatten wir noch gar nicht, und wir nutzten schon viele. Nur zwei kleine Waschmaschinen waren noch in Ordnung, an den meisten stand "out of order". Eine Anleitung in englisch war vorhanden, aber die Reihenfolge passte nicht. Irgendwie bekamen wir die Maschine doch zum Laufen. Es gab nur einen schmierigen Wäschekorb, und auf den dreckigen Tischen mochte ich die Wäsche nicht zusammen legen. Mit unserem Beutel jonglierten wir die Fracht zum Trockner, der unkompliziert zu bedienen war. Zumindest zahlten wir für alles nur 7 €.

    Wir brachten erstmal die saubere Wäsche zurück. Dann wanderten wir nochmal los. Wo der Wochenmarkt war, wussten wir noch. Und wieder erzählte die Obstverkäuferin, dass die Mandarinen von ihrem eigenen Baum sind. Ich nahm auch einen Granatapfel mit. Inzwischen komme ich an die Kerne ohne die Küche rot zu sprenkeln.

    Als wir am Strand zurück liefen, wurde es bereits dunkel. Neben dem Eingang zu unserem Apartment ist ein Restaurant. Wir schauten hinein und überlegten laut, ob wir hier morgen essen gehen sollen. Im dem Moment kam ein Pärchen raus. "Hier können Sie gut essen, das ist unser Lieblingsrestaurant" sprach uns die Frau auf deutsch an. Die beiden sind im Oktober aus Deutschland hierher gezogen. Ihr Mann ist Grieche. 23 Jahre lebten sie am Chiemsee. Wir unterhielten uns eine ganze Weile und vielleicht treffen wir die beiden morgen wieder.

    Irgendwann werden wir uns nicht mehr an die sogenannten Sehenswürdigkeiten erinnern, aber an die netten Männer an der Moschee und die Deutsche und den Griechen, die jetzt hier leben, ganz bestimmt. Eine Reise ohne Begegnungen ist wie ein Krimi ohne Musik. Wir hören immer wieder andere Songs.
    Leer más

  • Das alte Haus mit dem schönen Apartment

    5 de febrero, Chipre ⋅ ☁️ 13 °C

    Achna - Larnaka
    Apartment
    33 km

    Unser Zelt war heute früh wieder klatschnass. Kein Wunder bei nur 4 Grad. Wir konnten warten, bis die Sonne da war, denn keine Menschenseele weit und breit. Leider hatten wir die Hülse gestern Abend nicht richtig befestigt und die Stange am Eingang drohte sich wieder durch den Kanal zu bohren. Mit Geduld und Spucke bekamen wir sie raus und die OP an der Zeltstange ging von vorn los. Es war windstill, daher hätte die Zelt-trocken-Aktion bis Mittag gedauert. Wie packten die ziemlich feuchte Stoffhütte ein und radelten wieder zu den Kaffee trinkenden und Karten spielenden Männern. Nicht nur um Kaffee zu trinken, da gibt es saubere Toiletten. Der Wirt zeigte uns, in welchem Schrank Klopapier liegt. Als wenn wir zum Inventar gehören. Außerem rief er gleich: " One with sugar, one without sugar, I know!" Und die alten Männer grüßten lachend.

    Wir radelten los nach Larnaka, wieder vorbei an Kartoffelfelder, die inzwischen abgeerntet waren. Eine kleine orthodoxe Kirche stand offen, ein Auto davor. Ich ging hinein. Bisher waren orthodoxe Kirchen immer verschlossen. Aber hier putzte ein Mann, er erwiderte knapp meinen Gruß. So richtig schien ihm unser Besuch nicht zu passen.

    Wir rollten die steile Rampe von gestern runter und kamen ans Meer. Dann ging es vorbei an eine britische Militärkaserne. Oder besser gesagt mitten durch. Links und rechts Zäune oben mit Stacheldraht und am Eingang ein Soldat mit Knarre. Anscheinend hatten wir Glück hier durchfahren zu können. Wir folgten einfach den Autos und der Komootroute. Diese Straße mittendurch kann nämlich durch Tore verschlossen werden. Das erklärt warum die km nach Larnaka auf den Straßenschildern 15 km mehr anzeigen als Komoot. Wenn hier geschlossene Gesellschaft (oder Kaserne) ist, darf man außenrum und vielleicht noch über einen Berg.

    Wir hielten an einer Tankstelle und holten uns kühle Getränke. Ein paar Autofahrer warteten, dass ihr Karossen von Indern blitzblank geputzt wurden. Wir genossen den Blick auf die Berge, über die zum Glück nicht die Straße führte. Ein paar steile Höhenmeter gab es für uns nur an einer Autobahnbrücke.

    Bald waren wir im Stadtgebiet von Larnaka und stoppten bei Lidl. Wir spitzten die Ohren und hörten viel englisch, niederländisch und deutsch.

    Heute früh hatten wir für drei Nächte ein Apartment in Larnaka gebucht, morgen soll es regnen, vielleicht auch übermorgen. Außerdem brauchen wir einen Waschsalon und Werner sieht schon etwas verwahrlost im Gesicht aus, ein Barber muss her.

    Unser Apartment liegt im 4. Stock. Es zu finden, war ein Kunststück für sich. Google Maps zeigte die angegebene Adresse nicht ganz korrekt. Werner wartete bei den Rädern und ich befragte mehrere Leute. Überall Apartments, aber nicht unser. Als ich die richtige Hausnummer fand, sah der Eingang aus wie unbewohnt. Ich fragte schließlich in einem kleinen Restaurant und hier wusste man Bescheid. Tatsächlich war der unbewohnt wirkende Eingang richtig. An der Treppe ein kleines Schild, aber der Name der Apartments war etwas anders. Ich stieg die Treppe hoch. Im zweiten Stock Büroräume, im dritten auch, im vierten an jeder Tür eine Schlüsselbox. Ich fand unsere Zimmernummer und der Code passte. Jetzt hieß es unsere Sieben Sachen nach oben zu befördern. Erstmal ein paar Stufen. Der Fahrstuhl tat zum Glück was er soll. Mein Rad passte hochkant hinein. Sein Rad schleppte Werner die enge Treppe hoch.

    Niemals hätten wir in diesem Haus ein riesiges Apartment mit Dachterrasse vermutet. Sogar ordentlich und mit Küche. Vor Überraschungen ist man sich nie sicher...
    Leer más

  • Der Preis der Leichtigkeit

    4 de febrero, Chipre ⋅ ⛅ 12 °C

    Achna - Achna
    wilder Zeltplatz
    42 km

    Heute früh war klar. Dieser Zeltplatz ist zu schön, um nur ein Mal genutzt zu werden. Wir radeln durch die umliegenden Orte und kommen zurück. Jetzt steht unser Zelt wieder an der gleichen Stelle und die Sterne leuchten auf uns herab. Doch von vorn.

    Wir schliefen wie die Murmeltiere. Unser Zelt war heute früh nass bei 5 Grad. Wir ließen es in der Sonne trocknen, ehe wir unseren Kram einpackten. Dann kurbelten wir nach Avgorou, dort kauften wir gestern ein. Vor einem Restaurant saßen alte Männer. Sie tranken Kaffee, spielten Karten und laberten. Wir orderten auch Kaffee. Zum Essen gab es dort morgens noch nichts. Wir radelten zu einer Bäckerei und einem Café. Es gab nur Süßes, wir wollten was Herzhaftes. Also zurück zum Supermarkt, wo Werner aus Brötchen und Fisch Fischbrötchen bastelte. Ein junger Inder arbeitet hier und sprach mich an. Er zeigte mir Videos von seinem Freund aus der Heimat, der durch Europa radelte. Mit Turban statt mit Fahrradhelm.

    Wir radelten zu einem Kloster, dicht an der Grenze zu Nordzypern. Außer uns waren keine Besucher da. Wir konnten eine kleine Kirche besichtigen. Man konnte Tee, eingelegtes Obst und Honig kaufen. Alles hier im Kloster hergestellt. Hätten wir gerne gekauft, aber wie transportieren? Der Klostergarten war sehenswert. Eine junge Frau öffnete ein Gitter und zeigte mir ein Grab mit mehreren Marmorplatten und Bildern von Frauen. Wenn ich sie richtig verstanden habe, waren es alles Heilerinnen. Auf der unteren Platte war nur ein Bild, noch keine Daten. Sie zeigte auf diese Frau, die hier die Klostermedizinerin ist. Wenn wir krank sind, könnte sie uns behandeln. Ich bedankte mich und ging. Im Garten saß eine alte Frau. Sie sah aus wie auf dem Bild am Grabstein und war vielleicht die Klostermedizinerin.

    Wir kurbelten nach Xylotymvou. Die Straße führte mehrere km direkt an der Grenze zu Nordzypern entlang. Auf einem Grenzturm stand ein Soldat und spähte durch ein Fernglas. Gleich neben der Straße wurden Kartoffeln geerntet. Bei uns kommen die Erntehelfer aus Polen, hier aus Indien.

    In Xylotymvou führte uns Komoot durch nette Wohngebiete. Die Grundstücke waren gepflegt, kein Müll lag rum. Weiter ging es nach Ormideia zu Lidl. Hier gab es deftiges Roggenbrot. Das weiche Weißbrot ist uns gründlich über.

    Komoot jagte uns eine steile Rampe hoch, dann über eine
    Schotterpiste. Wieder Kartoffelernte. Die Felder werden bewässert. Der Boden ist rotbraun vom Lehm. Zurück in Avgorou war es nicht mehr weit bis zu unserem Zeltplatz. Im fast ausgetrockneten See standen zwei Autos. Und ein paar Männer schossen auf was auch immer. Ein Geländewagen kam den Weg zu unserem Zelt hoch, bog dann aber ab und kraxelte einen steilen Weg auf ein Plateau hoch. Uns beachtete niemand. Jetzt wurde unten und oben geballert. Warum? Keine Ahnung. Machtdemonstration an der Grenze, die nicht weit ist?

    Als Werner ins Zelt kam, krachte es. Die Zeltstange über dem Eingang war gebrochen und bohrte sich durch den Kanal nach außen. Schöner Mist. Ich kroch wieder aus dem Schlafsack. Es war schon kalt und dunkel. Mit Stirnlampen suchten wir Reparaturhülsen und Klebeband. Nun musste die kaputte Stange erstmal aus dem Kanal gefummelt werden. Dann Hülse rüberschieben und festkleben. Und wieder in den Kanal, der nun ein fettes Loch hat.

    Unser Zelt ist noch ziemlich neu. Das Vorgängermodell war robust und acht Jahre unser sicheres Unterwegs-Zuhause. (Während unseres Sabbaticals 2016/2017 war es 250 Tage im Einsatz. Das war erst der Anfang der intensiven Nutzung.) Doch 2023 in Kroatien im Borasturm brachen die Stangen und wir kauften im guten Glauben das Nachfolgemodell. Und haben uns so richtig angeschmiert. Dieses Zelt ist leichter und so filigran, dass es für drei Wochen Nutzung im Jahr plus ein paar Wochenendausflüge gebaut ist. Dann hält es vielleicht drei Jahre durch. Schon nach zehn Wochen Nutzung hatte der Zeltboden Löcher. Wir reklamierten und bekamen ein neues Innenzelt. Das Zeltmaterial ist jetzt sehr dünn und dehnt sich bei Nässe stark aus. Wenn es regnet, haben wir eine Pfütze im Zeltdach. Da kann man noch so gut abspannen, bei starkem Regen muss einer von uns immer den Teich über uns entleeren und kann nicht schlafen.
    Wir zahlen den Preis der Leichtigkeit...
    Leer más

  • Polizeischutz für unsere Räder

    3 de febrero, Chipre ⋅ 🌙 14 °C

    Famagusta/Türkische Republik Nordzypern - Achna/Republik Zypern
    wilder Zeltplatz
    32 km

    Gegen neun Uhr verließen wir das wirklich nette Apartment. Gleich nebenan gab es einen Spielplatz. Hier wollten wir unser nasses Zelt trocknen. Wie kann so ein Platz voller Glasscherben und Plastikmüll sein? Wir entschieden uns für die freie Fläche davor und bauten unsere Stoffhütte auf. Wind und Sonne trockneten sie im Handumdrehen. Besonders der Wind, der immer noch oder wieder stärker blies als erwartet. Schnell noch zum Supermarkt und dann rollten wir wieder im Linksverkehr.

    Wir geben es zu. Ich schrie ein paar Mal Werner an, dass er links radeln muss. Und er brüllte ich soll gefälligst die Straßenseite wechseln. Zurück in Deutschland müssen wir wieder umdenken...

    Wir stoppten an der Burg, unser Ziel war aber der seit etwa fünfzig Jahren verlassene Stadtteil Varosha. Ein Polizist erklärte, dass wir uns Räder ausleihen oder Varosha zu Fuß erkunden können. Mit eigenen Rädern darf man nicht hinein. Doch er würde unsere Räder bewachen. Wir durften sie neben dem Polizei-Container abstellen und liefen mit einem guten Gefühl los. Uns wunderte, dass der Eintritt gratis ist.

    Wie war unser Eindruck? Interessant und bedrückend zugleich. Im mondänen Varosha lebten fast 32.000 Menschen, der Tourismus boomte. Bis die Stadt 1974 besetzt und zum Sperrgebiet erklärt wurde. Alles im Internet nachzulesen. Seit 2020 kann Varosha wieder besucht werden. Die Straßen wurden erneuert, sogar mit Radspur. Wir kamen zum Beispiel am Café Edelweiss vorbei. Daneben eine Station der UN, die wie die UN Fahrzeuge nicht fotografiert werden darf. Die Gebäude sind abgesperrt, man kann aber meist reinschauen. Glasbruch und Rost, zugewucherte Treppen und Eingänge, löchrige Dächer, brüchige Reklame, von Pflanzen aufgebrochener Asphalt. Dass Wissenschaftler hier forschen, wie die Welt ohne Menschen irgendwann aussehen wird, wundert nicht.

    Der Polizist hatte Wort gehalten, unsere Räder waren unversehrt. Etwas bedrückt radelten wir los. Komoot schickte uns über etwas kaputte Nebenstraßen. Dort fanden wir genau, was wir suchten. Ein kleines Restaurant, wo wir die einzigen Ausländer waren. Ich weiß nicht, wie viele Menschen uns hier angelächelt haben. Ich weiß nur, unsere leckere Henkersmahlzeit Köfte in der Türkischen Republik Nordzypern werde ich nie vergessen wegen der freundlichen Leute.

    Noch eine ganze Weile radelten wir am Zaun zu Varosha entlang, mit Schildern dass es sich um eine verbotene Zone handelt und fotografieren verboten ist. Drinnen darf man knipsen, durch den Zaun nicht.

    Und dann war sie auch schon da, die Grenze. Zwei mal Passkontrolle und schwupps waren wir zurück in der EU. Alles etwas teurer hier, stellten wir im ersten Supermarkt fest. Jetzt wird wieder mit Euros bezahlt und weiterhin auf der linken Seite gefahren.

    Erstaunlich dass hier meine sim card von Nordzypern weiterhin funktioniert. Nur an der Grenze war sie tot und ich wollte sie schon austauschen, da erwachte sie plötzlich zum Leben.

    Der Wind war heute immer noch böig und kam - wie soll es anders sein - von vorn. Deshalb sind wir weg von der Küste ins Inland zu einem kleinen See gekurbelt. Zu unserem Entsetzen war das Internet zeitweise ganz weg oder so schwach, dass nichts mehr ging. An einem Supermarkt grüßte ein Mann freundlich und ich fragte ihn, ob es eine besseren Internet Anbieter gibt. Doch er zeigte genau in Richtung unseres Sees, immer geradeaus, dort wird es besser. Tatsächlich tauchte ein Internet Turm auf und mein Handy zeigt wieder 4G. Das ist wichtig, denn heute Abend sind wir nochmal bei Sven Globetrotter im Livestream. Und ohne Internet können wir das schließlich vergessen.

    Der See ist allerdings fast versiegt. Doch wir fanden wir geplant einen guten Platz für unser Zelt. Jetzt scheint der Vollmond bei sternklaren Himmel. So warm wie es am Tag war so kühl ist es jetzt am Abend. Und endlich ist der Wind weg. Da helfen nur die warmen Schlafsäcke.
    Leer más

  • Sturm aussitzen in Famagusta

    2 de febrero, Chipre ⋅ ⛅ 16 °C

    Famagusta
    Apartment

    Der Brite hatte recht. Wenn Regen angesagt ist, muss es gar nicht regnen. Heute regnete es jedenfalls nicht. Aber die Sache mit dem Sturm stimmte. Die Palmen biegen sich noch immer im Wind, auf dem Balkon klappert es. Es war genau richtig, bei diesem Wetter nicht bis zur Spitze er Halbinsel zu radeln. Da weht es garantiert noch viel mehr. Und vielleicht hat es da ja doch geregnet.

    Hatten wir heute Langeweile? Ganz und gar nicht. Schraube locker oder sogar verloren? Hatten wir alles schon. Lässt sich an den Taschen und Rädern leicht vorbeugen. Werner zog heute alle nach.

    Wir nutzten die gute Küche und kauften Zutaten für Bohnensuppe. Ich schnippelte Möhren, Kartoffeln, Porree und Corned Beef. Alles in den Topf und zum Schluss weiße Bohnen dazu. Machte Spaß und schmeckte lecker.

    Und ein bisschen Nichtstun tat auch gut.
    Leer más

  • Im Affenzahn nach Famagusta

    1 de febrero, Chipre ⋅ ☁️ 17 °C

    Bafra - Famagusta
    Apartment
    41 km

    Um 5.37 Uhr dröhnte die Stimme des Muezzins genau über uns vom Minarett. Vor Schreck konnten wir zum Glück nicht aus den Betten fallen, nur von unseren Matten rutschen. Ich hielt mir die Ohren zu. Bald kamen die ersten Moslems zum Gebet. An Schlaf war nicht mehr zu denken.

    Der Nette von gestern Abend wartete schon, dass wir aus unserer Stoffhütte kriechen. "All ok, my friend?" rief er, als Werner zum Vorschein kam. Unser Zelt war außen pitschnass, obwohl es nicht geregnet hatte. Aber es war neblig. Wir mussten unsere Behausung nass einpacken.

    Als wir starteten, lichtete sich der Nebel. Ein paar km ging es hügelig über eine Nebenstrecke, dann kamen wir an die Hauptstraße. Vierspurig mit breitem Seitenstreifen. Und am Sonntag wenig Verkehr. Da wir uns an der Moschee keinen Kaffee kochen und Aufmerksamkeit erregen wollten, hielten wir an einem kleinen Café. Wie die Preise zustande kommen, ist uns ein Rätsel. Wir zahlten für zwei türkische Kaffee 1,20 €. Woanders pro Kaffee teils über 2 €. Der Wirt wünschte uns "Save travels" und wir fanden eine Bushaltestelle, wo wir unser Frühstück verdrückten.

    Leider gibt es hier wie in der Türkei die Marotte, leere Flaschen aus dem Auto zu werfen. Wie schnell bohrt sich ein Glassplitter in die Fahrradreifen. Bei jedem Stopp nehmen wir deshalb die Reifen unter die Lupe. Und siehe da, ein Splitter steckte im hinteren Reifen von Werners Rad. Rechtzeitig entfernt spart man sich oft die Schlauch-OP.

    Wie hinter Girne schießen Apartmenthäuser aus dem Boden. Baustellen über Baustellen. Wir bogen ab nach Iskele zum Supermarkt. Viele Leute winkten aus den Autos. Manche sprachen uns an. Wir redeten mit Händen und Füßen und manchmal klappte es mit englisch. Ein junger Mann kam zum Beispiel gerade aus Nürnberg. Wir sollen zur Geisterstadt Varosha fahren, meinte es. Genau da wollen wir auch hin.

    Varosha ist ein Stadtteil von Famagusta. Bis heute ein Zankapfel im Zypern-Konflikt und seit etwa fünfzig Jahren dem Verfall preisgegeben. Seit ein paar Jahren darf man dieses Gebiet wieder besuchen. Es ist nicht mehr weit bis dorthin. Im Affenzahn sausten wir über den glatten Asphalt. Kein Berg ist im Weg. Wir konnten auf einen Radweg ausweichen. Doch den nahmen die Fußgänger ein und reagierten nicht auf unser Klingeln. Nach einem km mussten wir eh wieder auf die Straße und düsten zügig weiter. In Famagusta angekommen suchten wir ein Restaurant und fanden auf der Karte mehrere in einer Nebenstraße. Doch alle waren geschlossen und hier wohnten die von der Gesellschaft Abgehängten. Ein trauriger Anblick.

    Wir radelten zurück zur lauten Hauptstraße und fanden was wir suchten. Gut gesättigt schauten wir uns den Wetterbericht an. Morgen Sturmböen und Gewitter. Außerdem war klar, dass wir hier im Stadtgebiet keinen Zeltplatz finden können. Bei booking buchten wir ein Apartment für zwei Nächte. Günstig und nur einen knappen km entfernt. Bis zum Einchecken kurbelten wir zu einem kleinen See voller Flamingos. Das Seeufer übersät mit Plastikmüll, worin Hunde nach Essensresten stöberten.

    Nun sind auch wir in einem dieser Apartmenthäuser mit gutem Komfort im 7. Stock. Die englische Anleitung zum Einchecken konnten wir entschlüsseln. Das Haus hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Doch der Fahrstuhl ist neueste Technik mit Fahrstuhlkarte. Nur wer diese besitzt kann ihn benutzen.
    Leer más

  • Der besondere Zeltplatz

    31 de enero, Chipre ⋅ ⛅ 17 °C

    Tatlisu - Bafra
    Zeltplatz neben der Moschee
    42 km

    Letzte Nacht schien der Mond so hell, dass wir keine Stirnlampen brauchten und Schatten warfen. Mystische Stimmung an diesem einmalig schönen Platz

    Ohne zu frühstücken radelten wir zehn km bis Kaplica. Das Beach Resort hier empfahl uns gestern der Brite. Wir allerdings hatten einen 1000 Sterne Camp Spot for free. Weil am Resort ein Market ausgeschildert war, radelten wir dorthin und fanden nur ein Restaurant. Doch erstmal frühstückten wir auf dem Hotelparkplatz. Kaffee tranken wir im Restaurant, denn wir brauchten Toiletten.

    Heute kam der Wind aus Osten. Also Gegenwind, und nicht zu knapp. Und es sind nicht nur Hügel zu bewältigen. Keine gute Kombination. Sollen wir voll im Wind die Küstenstraße der langgestreckten Halbinsel weiterfahren? Oder das Küstengebirge überqueren und zur anderen Seite der Halbinsel radeln? Wind ist überall, aber an der Küste am meisten.

    Wir entschieden uns den Berg übers Gebirge in Angriff zu nehmen. Um an den Abzweig zu gelangen, ging es entweder 10 km auf der Küstenstraße weiter oder parallel dazu eine Nebenstraße nahe der Felsenküste. Komoot wusste nicht, dass die Nebenstrecke immer rauf und runter geht. Komoot zeigte eine fast ebene Strecke. Wir wissen es jetzt besser. Schließlich hatten wir fantastische Aussichten und schon ordentlich Höhenmeter in den Beinen, als es übers Gebirge teils 12 % hoch ging.

    Die Steigung war nicht mein Problem, mein Feind war der Gegenwind. Eine ganze Weile schob ich mein Rad, ich kam nach einer Pause nicht wieder in den Sattel. Nach einer Kurve war der Wind fast weg und das steilste Stück kurbelte ich doch noch. Dann kam die rasante Abfahrt bis Büyükkonuk.

    Ohne Autos und Kartenzahlung wäre hier die Zeit vor fünfzig Jahren stehen geblieben. Im kleinen Laden gab es kein Obst und Gemüse, ansonsten von jedem etwas. In der Bäckerei gegenüber erstand ich zwei Brötchen. Abends merkten wir, dass sie ganz lecker mit Fleisch gefüllt waren. Wir hatten Hunger aber es gab kein Restaurant. Nur eine Moschee natürlich, eine geschlossene Kirche am kleinen Marktplatz und eine orthodoxe Kirche, ebenfalls zu. Hier flossen 2015 sogar EU-Gelder rein. Als wir das lasen und davor ein Reisebus stand, vermuteten wir eine Reisegruppe in der Kapelle. Träume weiter....

    Fünf km weiter das nächste Dorf, fast das gleiche Bild. Eine riesige orthodoxe Kirche dem Verfall preisgegeben, gegenüber eine schmucke Moschee. Auch hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein.

    Das nächste Dorf war hergerichtet, der Supermarkt größer und gut bestückt. Alle Restaurants hatten Samstag Nachmittag bereits geschlossen. Ein netter Mann sprach gut englisch und verhandelte mit dem Fischhändler. Der sollte uns einen Fisch braten. Doch wir kamen langsam in Zeitdruck und mussten weiter. Ein Schlafplatz musste her. Wir kurbelten weiter, aber kein Camp Spot in Sicht. Hier in Bafra fiel uns am Ortseingang der Friedhof auf. Hinter der Mauer war nur lehmiger Acker. Wir kurbelten weiter, in einer Kurve war die Moschee. Ein Mann werkelte an einer Bank, sah uns, riss die Arme auseinander und rief "Welcome". Wir rollten vor die Moschee und wurden überschwänglich begrüßt. Der Mann konnte ganz gut englisch und Werner fragte gleich, ob wir hier unser Zelt aufstellen können. Natürlich. "One God" betonte der Nette immer wieder. Und dass alle Menschen gleich sind, egal welche Religion. Mit einem jungen Helfer, der sich als Mustafa vorstellte, pinselte er die Bänke. Er zeigte Werner das Toilettenhaus. Sauber mit Papier und Seife. Außen sind Seifenbehälter und Wasserhähne für die Fußwaschung.

    Der Nette verschwand recht schnell mit seinem Helfer und kam mit seinem Cousin Erkan wieder. Der wohnt in der Nähe und hilft uns bei Problemen. Ob wir Hunger haben. Nein, wir haben gerade unsere ganzen Vorräte verdrückt. Die beiden zogen ab und wir bauten das Zelt auf. Kaum stand es, rief der Muezzin über uns. Der Nette war wieder da mit noch ein paar anderen Männern. Sie standen um unser Zelt und redeten aufgeregt durcheinander. Sie sahen das erste Mal so eine Stoffhütte und wollten alle reinsehen. Einer meinte, wir könnten auch in der Moschee schlafen, im Vorraum auf den Teppichen. Und wieder wollten sie uns zum Essen einladen, wir lehnten höflich ab. Ich kam erst im Dunkeln dazu, die Matten und Schlafsäcke auszupacken. Die Männer gingen endlich beten.

    Der Nette kam wieder. Zusammen mit Werner stellte er eine Bank hinter unser Zelt. Weil manche Leute den Weg abkürzen und gegen unser Zelt laufen oder radeln könnten.

    Später kam er nochmal und brachte uns kleine Getränkepackungen.

    Mal sehen, wie oft der Muezzin noch ruft. Genau unterm Minarett ist man wie vom Donner, oder besser Allah, gerührt.
    Leer más