• quaglia
  • quaglia

EastWestSideStory

quaglia tarafından 84 günlük bir macera Okumaya devam et
  • Sarlat-la-Canéda

    16–18 Eyl 2024, Fransa ⋅ 🌙 15 °C

    Heute also Sarlat -la-Canéda, die Hauptstadt des Périgord Noir, kulinarisches Epizentrum des Périgord. Ob Sommertrüffel, die viel wertvollere und geschmacklich einzigartige Wintertrüffel (leider erst ab Dezember) oder alles an Kulinarik, das um Ente und Gans hier angeboten wird: Hier gibt es die besten Produkte. Die 'Route du foie gras' nimmt hier ihren Anfang. Zudem gilt die Stadt als die Schönste des Périgord. Wenn man durch Sarlat bummelt, verwundert es nicht, dass in diesem Ambiente Filme wie Les Misérables oder Cartouche gedreht wurden. Neben dem alten Pest- und Feuerturm aus dem 12. Jhdt. und der frühgotischen Kirche sind es die vielen prachtvollen Renaissance- und Barock-Häuser, alle aus gelbem Sandstein gemauert, oder das italienisch anmutende Bischofspalais, die der Stadt Unverwechselbarkeit geben. Woher der Reichtum der vergangenen Tage stammt? Die Stadt hatte im Hundertjährigen Krieg trotz mancher Niederlage stets treu zum französischen König gestanden und wurde nach erfolgreichem Ende des Krieges ab Mitte des 15. Jahrhunderts vom König mit zahlreichen Stadtrechten belohnt. Diese staatliche Dankbarkeit währte bis in die neuzeitliche Gegenwart. In den 70er Jahren wurde Sarlat im Auftrag des französischen Präsidenten als erste der vielen historischen Städte vollständig restauriert. Für Sarlat gilt bis heute: Treue macht sich bezahlt!
    Als wir heute morgen das historische Zentrum betraten, setzte aber erst einmal der Flucht-Reflex ein. Zeitgleich mit uns müssen einige Busse eingetroffen sein. Der gemütliche Stadtbummel mutierte zu 'stop and go'. Uns blieb nur die Flucht in die Randbezirke. Erst ab Mittag trauten wir uns wieder ins Zentrum. Und oh Wunder, die Stadt bot sich ruhig und beschaulich. Der Bummel durch Gassen, Paläste und in Kirchen währte bis in den frühen Abend. Und natürlich gehörte ein kulinarischer Halt dazu: Wir haben in einem kleinen und sehr ursprünglichen 'prähistorischen' Restaurant fürstlich gespeist. Es ist schon erstaunlich, wie die Restaurants des Périgord und deren Köche für Preise zwischen 25 und 40 Euro (letzteres ist dann annähernd Sterne-Küche) anspruchsvolle, leckere und das Auge ansprechende Dreigang-Menus auf den Tisch zaubern. Und bei den Weinen gibt es mit 20 bis 25 Euro für die Flasche schon Gewächse, die aller Ehren wert sind. Die deutschen Gastronomen sollten/müssten hier in die Lehre gehen. Nach dem Essen ein Besuch des schmucken Barock-Theaters, ein Glas Pécharmand vor dem Geburtshaus von Étienne de La Boétie und dann, zurück auf unserem Platz, noch Sonne am Pool.
    Ob Sarlat nun wirklich die Schöne oder die Schönste des Périgord ist, kann dahinstehen. Jedenfalls ist Sarlat die Stadt, die touristisch die meisten Menschen anlockt, was auch in der Nachsaison immer spürbar bleibt.
    Okumaya devam et

  • Bergerac: Ohne lange Nase

    19 Eylül 2024, Fransa ⋅ 🌙 18 °C

    "Oh diese Nase!” Das berühmte Zitat aus dem komödiantischen Versdrama von Edmont Rostand wird wohl für immer und ewig mit Bergerac verbunden bleiben. Obwohl de Bergerac, der ja nicht nur Theater-Figur war, sondern auch mehr als 200 Jahre vor dem Theaterstück leibhaftig gelebt und gedichtet hat, mit Bergerac so gar nichts zun tun hat. Dennoch widmen sich zwei prominente Standbilder der überaus langen, knolligen und deshalb so gerühmten Nase eines Dichters, die dieser Dichter niemals in die Angelegenheiten dieser Stadt 'hineingesteckt' hat. Aber was soll's: Die Standbilder schmücken die Stadt aufs Allerschönste. Dabei hat die Stadt Bergerac diese Nase gar nicht nötig. Die Hafenstadt ist insbesondere durch Weinhandel mit den Niederlanden und England zu erheblichem Wohlstand gelangt und hat städtebaulich, atmosphärisch und kulturell jede Menge zu bieten. Für uns ist sie eine der Favoritinnen für die Bestenliste. Zudem: Die Lage an der hier bereits stattlichen Dordogne verleiht zusätzliches Flair. Und natürlich überall der Wein aus Montravel, aus Pécharmant, aus Montbazillac, und und ... . Die Weine der Appellationen präsentiert das Maison des Vins im historischen Kreuzgang einer Abtei. Diese Abtei haben genau die Jesuiten und Rekollekten erbauen lassen, die am Ende der Religionskriege die tüchtigen französischen Hugenotten/Calvinisten aus der Stadt gewaltsam vertrieben haben, denen die Stadt ihren Wohlstand verdankte. Also ein Prunkbau genau derjenigen, die den Niedergang der Stadt eingeleitet haben. Auf der herrlichen Terrasse der Abtei - die Jesuiten lieben bekanntermaßen das gute Leben - haben wir nicht nur ein Gläschen, sondern auch das tolle Fluss-Panorama genossen. Hinter der Abtei klettert die Altstadt die steilen Ufer der Dordogne hinauf und verliert sich in zahllose Gassen und gemütliche Plätze. Überall sind die hier so typischen Fachwerkhäuser anzutreffen: Dicke schwarze Balken und dazwischen kein Flechtwerk, sondern der massive und rötlich-gelb strahlende Sandstein der Region, schräg geschichtet und in Form schmaler, fein bearbeiteter Ziegel. Auch Fachwerk kann richtig 'was hermachen'!
    Wer sich in all den Gassen verliert und sich orientieren will: Die Standbilder des Cyrano sind kaum zu übersehen!
    Das war ein schöner letzter Tag im Périgord, hier im Périgord pourpre.
    Morgen geht's nach Spanien!
    Okumaya devam et

  • Donostia

    21 Eylül 2024, Ispanya ⋅ ☁️ 18 °C

    Gestern taten wir einen gewaltigen Schritt nach Süden. Zunächst durch die flache Gascogne. Ab Biarritz zeigten sich dann die ersten Gipfel der Pyrenäen und von da war es nur noch ein Katzensprung hinab in die Bucht von Donostia-San-Sebastian. Die kleine Pass-Straße hinauf auf den Igueldo - auf diesem Hausberg von San Sebastian liegt unser Campingplatz - ist nach wie vor abenteuerlich, bietet aber zugleich tolle Panoramen über die Weite des Atlantiks. Nach unserer Ankunft führten wir noch ein nettes Gespräch mit unseren südenglischen Nachbarn und - nach den Köstlichlichkeiten des Périgord - gab es ein 'einfaches' spanisches Abendessen: Paella Valenciana und Kabeljau auf karamelisierten Zwiebeln ;).
    Heute wurden wir von einem geschenkten Sonnentag überrascht: Seit Tagen ist für dieses Wochenende und für die gesamte Atlantikküste Dauerregen vorhergesagt. Er kam auch, nämlich gestern Nacht. Er wird auch wieder einsetzen, nämlich heute Abend, und er wird den morgigen Sonntag anhalten. Heute aber kam zu allgemeinem Erstaunen die Sonne heraus! So genossen wir bei herrlichen 25 Grad und Sonnenschein den Bummel längs der 5 Kilometer langen Bucht von San Sebastian. Da auch die Einheimischen diesen späten und unerwarteten Sommertag genießen wollten, begegneten uns am Strand, in der Stadt und, wo wir uns sonst noch so herumgetrieben haben, gut gelaunte Menschen. Es fiel nicht schwer, uns von dieser Stimmung 'anstecken' zu lassen. Wir sind am Sandstrand längs und dann bis hinauf die Felsspitze des Kaps, den Pasealekua berria balcón, gebummelt. Der Blick dort über die Bucht und den offenen Atlantik ist phantastisch. Danach ging's in die Altstadt. Ganz San Sebastian, so unser Eindruck, war dort auf den Beinen und bot ein fröhliches, kunterbuntes Treiben. Die Pintxo-Bars waren bis auf die Straßen hinaus gefüllt, die Theken bogen sich unter den Pintxos: Halbierte und gefüllte Seeigel, Anchovis auf Lachs und Paprika, Gambas und Glas-Aale auf frischer Mayonnaise, Jamon aus Jabugo, gebackene Kartoffel-Törtchen mit roter Paprika und einem Blutwurst-Brät, und das alles serviert auf knusprigen Brotscheiben. Dazu Gutes aus den spanischen Weinanbau-Gebieten. Nach einem solchen Tag kann man gut verstehen, warum im 19. Jahrhundert die spanische Königin Maria Christina die Stadt zur königlichen Sommerresidenz erhoben hat. Bis heute ist San Sebastian auf eine charmante Weise mondän geblieben. Kurz zusammengefasst: Unser auf dieser Tour erste Kontakt mit Spanien und dem Atlantik ist mehr als prima gelungen.
    Okumaya devam et

  • Spanische Grandeza: Burgos

    22–24 Eyl 2024, Ispanya ⋅ ⛅ 13 °C

    Sehenswerte Fahrten sind kurzweilig. Die Fahrt hierher nach Burgos war kurzweilig! Zunächst ging es entlang der steilen und felsigen Atlantikküste weiter nach Westen, dann vorbei an der baskischen Hauptstadt Vitoria-Gasteiz und vorbei an der Rioja hinauf auf die kastilische Hochebene. Burgos liegt knapp 900 Meter hoch. Die landwirtschaftlich sehr ertragreiche Hochebene, die Burgos umgibt, ist gesäumt von oft felsigen Bergen, die bei der Passage eindrucksvolle Panoramen bieten.
    Burgos ist die Keimzelle der spanischen Nation und Heimatstadt des spanischen Nationalhelden El Cid. Sie war Hauptstadt der kastilischen Königin Isabella I., die mit ihrem Mann Ferdinand, König des eher kleinen Aragon, die Mauren endgültig besiegte und Ende des 15. Jhdt. aus Granada vertrieb. Diese historische Bedeutung spürt man von Anfang an, wenn man die Stadt betritt: Den Eingang zur Altstadt markiert der Arco de Santa Maria, und, kaum hat man ihn durchschritten, steht man vor der gewaltigen Kathedrale, eine der Prachtvollsten weltweit. Dann die herrlichen Plätze wie die Plaza Mayor, aber dann auch und vor allem die Burgoleses, wie sich die Einwohner der Stadt selbst nennen. Am Sonntag promenieren die Burgoleses durch ihre Parks, ihre Gassen und über ihre Plätze. Vom Campingplatz führt ein ca. fünf Kilometer langer Radweg fast ausschließlich durch eine für Spanien erstaunlich grüne Parkanlage und längs des Rio Arlanzón zum Arco, dem ältesten Stadttor von Burgos. Der Burgolese und die Burgolesin sind stilsicher gekleidet. Das gilt auch für die Kinder, selbst wenn sie mit Ball und anderem Spielgerät auf der Plaza herumtollen. Diese Bürger von Burgos wollen tatsächlich, so Monikas und mein Eindruck, Grandeza zeigen. Allerdings flaniert man nicht nur. Man isst auch stattlich zu Mittag, mal in einem der vielen guten Restaurants (eine hiesige Spezialität scheint gebackenes Lamm zu sein), mal in den Pintcho-Bars. Hier wird die kleine typische Mahlzeit nicht mehr wie im Baskenland 'Pintxo' geschrieben. Die Kastilier sind als Begründer der ja durchaus nicht unumstrittenen spanischen Nation überzeugte Zentralspanier und keine Rebellen. Wir haben auf der Plaza Mayor in der untergehenden Sonne gesessen und haben dieses Schaupiel genossen. Genossen haben wir auch die Musik. Ab 18 Uhr spielte eine achtköpfige Band auf großer Bühne auf der Plaza Mayor groß auf, während wir unseren Kaffee und die abendliche Wärme der letzten Sonnenstrahlen genossen. Eine spanische Redensart lautet : Der Sommer in Burgos dauert vom Tag des heiligen Jakobus bis zum Tag der heiligen Ana, und das wäre exakt vom 25. Juli bis zum 26. Juli. Wahrscheinlich ist das ein Spruch der Südspanier, aber er hat einen Kern Wahrheit. Schon jetzt sinken die Temperaturen selbst in dieser südlichen Region des Nachts auf bis zu sieben Grad und Monika packt alle verfügbaren Decken um sich. In einer richtig guten, uralt- traditionellen Pintcho-Bar, gegründet 1813, haben wir ein paar leckere Kleinigkeiten aufgetan, begleitet von einem der sehr guten Rotweine Spaniens aus dem Ribera del Duero, einem Condado de Haza, das Glas für 'stattliche' 3,20 Euro. Nach den Spezialitäten in Frankreich und nun den hiesigen verstärkt sich mein Gefühl: Wir werden in Deutschland von vielen mittelmäßigen Gastronomen finanziell 'über den Tisch' gezogen. Das ist hier qualitativ, vom Service und den Preisen eine andere Welt!
    Morgen lockt etwas Kulturprogramm, u.a. die Kathedrale Santa Ana.
    Okumaya devam et

  • Ein Sight-Seeing-Tag - Eine Kathedrale

    23–24 Eyl 2024, Ispanya ⋅ ⛅ 16 °C

    Allgemein gilt: Kennst Du eine gotische Kathedrale, kennst Du fast alle anderen gotischen Kathedralen. Der Satz mag in vielen Fällen gelten. Aber wer alle gotischen Kathedralen Europas besucht haben mag, kennt nicht die Catedral de Burgos, die der Jungfrau (jungen Frau) Maria geweiht ist. Und er ahnt nicht, was gotische Baukunst in Kastilien zu leisten vermag.
    Aber beginnen wir mit dem Anfang: Heute Morgen, bei bewölktem Himmel und spärlichen Temperatur-Graden, war bei mir Zeitungslektüre (Es lebe das Patriarchat!!), bei Monika Waschtag/-morgen angesagt. Was sich so an Schmutz-Wäsche angesammelt hatte, wurde in die Lavadora des Campingplatzes gepackt und anschließend getrocknet. Die Kleiderschränke sind für die weitere Fahrt wieder gefüllt.
    Danach gab es bei blauem Himmel eine entspannte Radtour nach Burgos. 'Dank' der Jacobs-Pilger hatte sich vor der Kathedrale zwar eine kleine Warteschlange gebildet, in dem riesigen Bauwerk war man aber weitestgehend ungestört. Was wir sahen, hat uns überwältigt. Das, was wir nach Eintritt in die Kirche für das Längsschiff hielten, entpuppte sich später lediglich als Querschiff. Anders gesagt, die Ausmaße des Baus sind gewaltig. Das Hauptschiff ist von 14 Seitenkapellen umringt, jede mit dem für Burgos so typischen und einzigartigen Sternengewölbe gekrönt. Jede Innenausstattung ist erwähnenswert. Die zentrale Vierung ist ein Sternengewölbe, das sprachlos zurücklässt. Dann die goldene Treppe: Weil die Kirche in einen Felshang hinein gebaut wurde, benötigt der Eingang für die Bürger der höher gelegenen Stadtteile eine Treppe, die acht Höhenmeter überwindet. Diese Treppe, pure Renaissance, wurde europaweit so stilbildend, dass die berühmte Treppe der Pariser Oper nach ihrem Vorbild gebaut wurde. Die Apsis des Hauptschiffs und ihr weltberühmter gotischer Altar (dort 'hören andere Kathedralen auf, weil dort die Außenwand ist) sind mit drei Seitenkapellen umbaut und die Hinterwand der Apsis mit sechs gewaltigen Steinreliefs feinster gotischer Bildhauerkunst verkleidet. Obwohl Agnostiker, bin ich von diesem Sakralbau einfach nur beeindruckt. Wir haben Stunden in der Kirche verbracht. Denn es gibt noch die Reste der überbauten romanischen Basilika, den unteren und oberen Kreuzgang, und, und, ... . Nicht zu vergessen: Ein Barock-Altar, auf dem Ferdinand, der königliche Gatte der alles beherrschenden Isabella, ganz persönlich die 'bösen Mauren' mit der christlich-katholischen Lanze Mores lehrt.
    Danach gab's Stadtbummel, wieder Pintchos und der für Famile Wachtel in Spanien obligatorische Schuhkauf. Anders als üblich, nicht für mich, sondern für meine Gattin.
    Eben haben wie alles eingepackt und das WoMo für Madrid startklar gemacht.
    Zusammengefasst: Ein Tag für eine Kathedrale. Die allein war diesen Tag mehr als wert!
    Okumaya devam et

  • Mit Zwischenstop nach Madrid

    24 Eylül 2024, Ispanya ⋅ ⛅ 18 °C

    Die Nacht machte eines deutlich. Spanien ist katholisch und vor allem jesuitisch. Die Glocken des nahegelegenen Klosters (Grab von Isabella I) haben, positiv formuliert, unseren Schlaf 'begleitet'. Und man muss wissen: Alle Kirchenglocken hier, nicht nur die der Kathedrale, haben eine Art jesuitischen, also aggressiv-stählernen und bekehrend-fordernden Klang. Auf deren Schlaf-Begleitung hätten wir gerne verzichtet.
    Danach gab es einen Fahrtag Richtung Madrid und eine kleine ländliche Zwischenstation namens Covarrubias. Das kaum bekannte 500-Seelen-Dorf liegt ca. 40 Kilometer abseits in der kastilischen Hochebene, also in den Pampas. Es war vor knapp 800 Jahren die Wiege des später königlichen Kastiliens. Eine uralte Burg, ein altes Kloster und ein stattliches Tor zeugen davon. Da kaum jemand vorbei kommt, waren Besichtigungen leider nicht möglich. Eine Statue der Mutter des ersten Grafen von Kastilien schmückt den kleinen Platz zwischen Abtei und Burg. Zudem: Alte Fachwerk- und Steinhäuser, ein winziger Markt , zudem ein paar repräsentative Häuschen, die von uralten romanischen Säulen gestützt werden. Diese Bauweise steht in der stolzen Tradition so mancher römischer Päpste, die ebenfalls alte Bauwerke als Steinbruch für ihre Bauten genutzt haben. Der kleine Markt machte uns klar, wie man abseits aller Wege an Schuhe oder Kleider kommt. Die bringen die Markthändler ins Dorf. Und ganz besonders in Covarrubias: Mülleimer im Fachwerk-Look. Originell war auch die kleine Bodega: Soy una Bodega diferente, stand auf ihrem kleinen Schild. Und sie hielt ihr Versprechen, war also wirklich die etwas andere Bodega: Weinproduktion von nur ein paar Flaschen, Verkorkungsapparatur und alles, was so zur Weinerzugung dazu gehört, passte in den kleinen Raum. Und der Wein? Gar nicht übel!
    Auf dem Weg durch die Pampas, inmitten des Nirgendwo plötzlich eine gewaltige Statue des nationalen El Cid. Wie wir erfuhren, folgten wir seiner kriegerischen Spur. Die wird heute Camino des El Cid genannt und ist dem ungleich berühmteren Camino de Santiago nachempfunden. Die so sehnlichst erwarteten touristischen Wanderer findet man zur Zeit aber nur als Statuen am Wegesrand.
    Danach dann der Weg Richtung Madrid, der uns über die nicht sehr bekannte, aber dennoch eindrucksvolle Sierra Guadarrama mit dem Peñalara (2430 Meter) führte. Unsere Passhöhe waren stolze 1450 Meter.
    Jetzt sind wir auf einem Camping angelangt, der uns in 30 Minuten mit der Metro an das Zentrum Madrids anbindet. Und: Wir sind gefühlt im Süden. Pinien säumen den Platz und es waren stolze 24 Grad im Schatten. Auch heute Nacht wird das Thermometer wohl nicht unter 15 Grad sinken.
    Morgen dann Tag 1 in Madrid!
    Okumaya devam et

  • Weltstadt Madrid

    25–28 Eyl 2024, Ispanya ⋅ ☁️ 20 °C

    Gegen Mittag sind wir per Metro in 25 Minuten nach Madrid. Und sechs oder sieben Stunden später haben wir noch nicht den Ansatz eines Überblicks über diese riesige dreieinhalb Millionenstadt. Begonnen haben wir unsere Stadt-Tour, wie für Touris üblich, am Theater Real, der weltberühmten Oper. Von da zum Palacio Real. Die Plazas vor und hinter diesen Gebäuden: Groß und sehenswert. Wie vor königlichen Palästen üblich: Historisch verkleidete Wachsoldaten, hier auch zu Pferde. Der Besuch im Palast gilt als Touri-Pflicht, auf die wir gerne verzichtet haben. Selbst mit Online-Tickets hieß es 'line up'. Nichts für uns! Manchmal lohnt sich die Lektüre überregionaler Flagship-Zeitungen: In FAZ uhnd WELT wurden die erst kürzlich wieder zugänglichen Colecciones Reales empfohlen, die Sammlungen der spanischen Königshäuser: Beginnend mit dem 15. Jhdt., endend mit dem späten 19. Jhdt. Kurz zusammengfasst: Der Besuch lohnte sich. Grandios!
    Völlig überraschend kamen Monika und ich kostenlos in diesen Genuss. Schwerbehinderte zahlen keinen Eintritt und Monika als Begleiterin ebenfalls nicht. Mit 'fast' schlechtem Gewissen haben wir das Angebot angenommen.
    Das Museum ist drei Stockwerke tief in einen Hang hineingebaut, steht zwischen Palast und Kathedrale und zeigt vom Ende der Reconquista  bis zu den letzten Bourbonen, was die luxuriöse Sammel-Leidenschaft königlich-spanischer Gemüter über die Jahrhunderte zusammengetragen hat. Das reicht von einzigartigen Kunstwerken bis zu Kuriositäten wie z. B. einem chirogymnastischen Gerät aus 1830, an dem die Pianisten des Königshauses ihre Finger erstarken lassen konnten, bis zu einer wirklich imposanten Gemälde-Sammlung mit Bildern von Raphael, Tizian, Tintoretto, Rubens, van Dyk, Velazquez oder Goya und Wandteppichen, so filigran gewebt, dass sie kaum von Gemälden zu unterscheiden waren. Besonders beeindruckend: Goyas Bilder, der als erster die Damen und Herren des königlichen Hauses so schonungslos malte, wie er sie sah, der mit dem Skandalbild der Herzogin von Alba das erste spanische Aktbild schuf und der den Impressionismus bereits Jahre vor den bekannten französischen Impressionisten 'erfand'. Ein kleines Gemälde der Sammlung über die Aufstände der Spanier gegen die Franzosen (Desastres de la Guerra/erstmalige Verwendung des Begriffs 'Guerilla') führt einem vor Augen, wie weit Goya damals der vermeintlichen Avantgarde voraus war. Das waren tolle zwei/dreiStunden!
    Danach über die Calle Mayor zum Mercado de San Miguel und dort, nach all der kulturellen Kulinarik, eine kulinarisch-nahrhafte Stärkung. Die Hallen waren voll und alle dort irgendwie guter Stimmung. Platz an einem der Tische war Mangelware, aber wir konnten für uns persönlich den Mangel abstellen. Alles, was angeboten wurde, war lecker und sehr unprätentiös. Austern z.B. werden hier mit Holz-Besteck verzehrt. Für uns: Spanischen Käse, Langustenschwänze und Chipirones, die kleinen spanischen Tintenfische. Lecker!
    Um den Plaza Mayor haben wir uns dann in das Gewirr von Gassen und Einkaufstraßen gewagt und verirrt. Dort zahllose Jamon-Belota-Läden, die ganze Schinken - täuschend echt übrigens- auch als Kissen anbieten, Kunst-Galerien, Traditionsrestaurants, etc. Ziemlich erschöpft ging es dann heim zum WoMo.
    Die Stadt hier wird uns noch länger beschäftigen!
    Okumaya devam et

  • Madrid erfahren: Der 'Kiez' Chueca

    26 Eylül 2024, Ispanya ⋅ 🌙 19 °C

    Die touristischen Hotspots von Madrid, allerdings in der Variante 'Wachtel' waren gestern. Heute war schlicht und einfach Stadtbummel angesagt, und zwar durch eins der eher weniger bekannten Altstadtviertel names Chueca: Das Viertel bietet eine interessante Mischung. Es ist Geschäftsviertel, aber auch - wohl wegen der Geschäftsleute und der vielen 'normalen' Bewohner - ein Viertel mit vielen kleinen Restaurants und Bars, einer Vielzahl kleiner Boutiquen, abseits der allseits bekannten Labels. Und es besteht neben den modernen Bauten aus zahllosen kleinen Gassen, vielen alten und altehrwürdigen Wohnhäusern, letztere mit edel renovierten Eingängen und Treppenhäusern, und den Alltagsgeschäften wie Bäckereien, die leckeres, auch dunkles Brot anbieten. In Berlin würde man sagen: Ein Kietz, der alles bietet, was man zum Leben so braucht. Wir haben alles gefunden, was wir brauchten: Monika hat ein schönes Stück Oberbekleidung aufgetan, und wir haben gemeinsam ein traditionsreiches, über 100 Jahre altes Restaurant besucht, in dem viele Spanier ihre Mittagspause verbrachten und in dem es für unglaubliche 17 Euro zwei Gänge, Wein und Wasser gab. Mir wurden z.B. Safran-Reis mit Meeresfrüchten, eine Tortilla mit Krabbenschwänzen und kleinen Glas-Aalen serviert, dazu ein Glas Verdejo und Café Solo. Das nächste Ziel war die Plaza des Cibeles mit den hier so typischen, sehr imposanten neoklassizistischen Gebäuden, u.a. das Cervantes Institut, die spanische Entsprechung des deutschen Goethe Instituts, die riesige Stadtverwaltung, die spanische Nationalbank, Ministerien und das Tribunal Supremo de Justicia, das höchste spanische Gericht. Direkt vis à vis die Bar el Supremo, in der kurz vor Ende der hier bis halb vier dauernden Mittagspause noch einige Justiz-Beschäftigte ihren Café Solo in der Sonne genossen. All diese Gebäude sind sehr repräsentativ, geradezu monumental. Von der Plaza aus tat sich dann die madrilenische Prachtstraße, die Gran Via, mit riesigen Menschenmassen für uns auf und wieder mit dem für Madrid so typischen Baustil. Das war's dann auch schon.
    Madrid gefällt uns so gut, dass wir um einen Tag verlängern. Morgen geht es ins Künstler-Viertel!
    Okumaya devam et

  • Madrid: Al tercero

    27 Eylül 2024, Ispanya ⋅ ☀️ 19 °C

    Madrid zum Dritten/al tercero. Wieder waren wir mit der Metro, einem sehr sauberen, stets pünktlichen Angebot des Madrider ÖPNV, in 25 schnellen Minuten im Madrider Zentrum. Unser Vorhaben heute stand unter einem einzigen Motto: Go slow. In nur ca. 15 Gehminuten von der Metro-Station liegt das etwas größere Stadtviertel Malasaña. Es gilt ein wenig als Aussteiger- und Künstlerviertel. Die Galerien oder Werkstätten solcher Künstler haben wir trotz Suche leider nicht gefunden. Dafür aber jede Menge Street-Art. Das, was wir in Germany oft abwertend Gentrifizierung nennen, ist in diesem Viertel weniger weit fortgeschritten als gestern in Chueca. Neben den Hauptgassen und Plätzen, in und auf denen auch wohlhabendere Madrider und einige Touristen flanieren, finden sich viele andersartige Ecken. Dort vorherrschend sind Grafitties, manchmal Häuser mit Leerstand, alternative Kneipen und jede Menge Bars, die erst des Abends öffnen. Das gilt auch für den zentralen Platz des Viertels, die Plaza dos de Mayo. Dort ist die alternative Gastronomie zuhause. Malasaña ist ein Viertel der Kontraste und der Transformation. Das ist ähnlich wie in Kreuzberg oder dem Prenzlauer Berg vor 10 bzw. 20 Jahren. So dicht am Zentrum gelegen, wird sich in den nächsten Jahren so manches im Immobilienbereich wandeln. Wir haben bestimmt 5 Stunden die Gegend erkundet. Unser obligatorisches Mittagsmenü (hier ab 14.30 serviert) war erneut hervorragend, zwei Gänge, dabei u.a. ein gebackener Loup de mer für 15 Euro. Für diesen Preis gibt's zuhause ein Medenspiel-Essen. In einer der Gassen haben wir zudem ein kleines Geschäft gefunden, in dem der Inhaber uns ganz klassisch mit seinem schweine-scharfen Messer den Jamón Ibérico de Bellota für heute Abend herunterschnitt.
    Jetzt geht unsere Madrider 'Auszeit' , die ungewöhnliche vier Tage und Nächte währte, zu Ende.
    Morgen zieht es uns nach Salamanca. Die Universität dort zählte einst zu den ersten und besten Universitäten Europas. Auch heute sind unter den 150 000 Einwohnern ca. 50 000 Studenten, wir sind gespannt.
    Okumaya devam et

  • Road to Salamanca

    29–30 Eyl 2024, Ispanya ⋅ ☀️ 16 °C

    Gestern Morgen ging's los in Richtung Salamanca, die westlichste der zentralspanischen Städte.
    Der Campingplatz in Madrid ist inzwischen sehr gut gefüllt. Junge Leute mit kleinsten und kleinen, immer spartanischen Zelten verbringen ihr 'Wochenende in der Hauptstadt'. Trotz durchfeierter Nacht treibt die nächtlich-morgendliche Kälte sie schon früh in die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Vielleicht spielt aber auch die verkehrsgünstige Lage eine Rolle: An den Längsseiten des Campingplatzes befinden sich Hauptstraßen, links, etwas erhöht, rattert der ein oder andere Zug, und über uns sind Flugzeuge vom nahegelegenen Flughafen hör-, fast fühlbar. Trotzdem haben wir gut geschlafen, und der Himmel ist makellos blau.
    Der Madrider Straßenverkehr ist trotz des Samstags ziemlich quirlig. Bald geht's aber dann schon mit unserem WoMo bergauf. Unser Ziel: Der Palast El Escorial, den Philipp II. im frühen 16. Jhdt. für sich und seine katholisch-priesterliche Entourage errichten ließ. Daher ist auch ein großes Kloster angeschlossen. Der riesige Komplex liegt vor einer mächtigen westlichen Gebirgskette, knapp 40 Kilometer westlich von Madrid. Wenn man dieses Monument von einem Palast umrundet, versteht man, warum das 16. Jahrhundert das spanische Jahrhundert genannt wird, und man bekommt eine Ahnung, über welche Macht und welche Goldströme der spanische Staat damals verfügte.
    Von der Stadt Escoril ging es dann die Berge hinauf. Oft knapp oberhalb der Baumgrenze, führten uns die Passstraßen nach Westen. In ca. 1200m Höhe sahen wir immer wieder die typischen spanischen Dehesas, karge Weiden mit vereinzelten Steineichen und Bergkiefern. Und dort standen die ganz offensichtlich sehr berggängigen Rindviecher, oftmals schwarze Stiere. Ansonsten pure Kargheit und schroffe Felsen. Die Straßen waren mit Markierungsstangen für den winterlichen Schneefall gewappnet. 50 Kilometer vor Salamanca ragte inmitten dieser Einöde das stattliche Avila heraus, eine mittelalterliche Stadt mit dem weltweit größten und intakten Mauerring. Wir fuhren daran vorbei, denn vor drei Jahren haben wir dieses sehenswerte Gemäuer schon einmal besichtigt und umrundet.
    Jetzt sind wir auf einem toll ausgestatteten Platz, 5 Kilometer vor Salamanca, angekommen. Da das Wetter für die nächsten drei Tage pure Sonne und Salamanca als junge und zugleich prachtvolle historische Stadt mit viel Lebensart viel Kurzweiliges versprechen, werden wir einige Tage hier verbringen.
    Der heutige Morgen ist allerdings noch sehr frisch, ein Halsschutz ist angesagt. Die Nacht bei 7 Grad erinnert uns an den beginnenden Herbst. Über Tag sind bis Mitte der Woche regelmäßig 25 Grad und mehr versprochen. Ab Ende der nächsten Woche geht es zum Sonnetanken strikt nach Süden.
    Okumaya devam et

  • Salamanca sin Salamanca

    29 Eylül 2024, Ispanya ⋅ 🌙 15 °C

    Wir sind jetzt einen Tag in Salamanca, genau genommen in St. Marta de Tormes, einer kleinen Vorstadt , 5 Kilometer von der Altstadt Salamancas entfernt. Salamanca haben wir aber noch nicht gesehen. Der Grund: Ein entzündeter Zeh, der Monika das Laufen sehr erschwert. Und das ist bei den 10 bis 16 Kilometern, die wir lt. Schrittzähler je Stadtspaziergang so unter die Füße nehmen, ein zu großes Handicap. Also war bei herrlichen fast 30 Grad (nachts immer noch einstellig) Faulenzen angesagt - dachten wir. Der wunde Zeh hinderte meine Gattin nicht daran, die gesamte Bettwäsche einer reinigenden Prozedur zu unterziehen. Bei dem Wetter benötigte sie noch nicht einmal den Trockner. Nachmittags sind wir mit dem Rad nach Santa Marta de Tormes und auf die Isla de Soto. Letztere ist eine fabelhafte kleine Flussinsel, die zwischen zwei Flussarmen des Tormes liegt. Diese Insel mit ihren ca. 20 Hektar bietet eine Menge an Attraktivem: Sie ist Skulpturenpark, Naturschutzgebiet, bietet alte Findlinge und einen Wald alter und mächtiger Pinien, in dem so mancher der Bürger seine Pinienkerne selbst erntet. Dabei nehmen die Einheimischen einen Stock, um die Früchte aus dem Zapfen zu klopfen. Danach zerteilen sie die harte Schale des Pinienkerns mit einem Stein und legen so den essbaren Teil frei. Monikas Fahrrad wurde von einem fallenden Riesenzapfen nur knapp verfehlt. Ein Treffer hätte einen Krankenhausbesuch erfordert.
    Die zwei renaturierten Flüsse führen trotz der Trockenheit erstaunlich viel Wasser. Zwei Fußgänger- und Fahrradbrücken verbinden die Insel mit der Stadt und - auf der anderen Seite - mit einem phantastischen Sportpark: Fußball, Rugby, Baseball, Pádel- und Tenniscourts, Beach-Volleyball, Basketball und ein fast professioneller Gokart-Kurs. Ich habe ein derart konzentriertes, breit gefächertes und modernes Sportangebot so noch nicht gesehen. Und am heutigen Sonntagnachmittag war da 'der Teufel los'. Die meisten Plätze waren belegt von Freizeit-Teams und die begleitet von Musik, Essen und guter Laune. Das alles hatte bei dem prima Wetter die Anmutung eines Sport-Festivals, betrieben mit ausgelassener Stimmung, großem Können und ebensolchem Ehrgeiz. Jetzt haben wir eine Ahnung, warum Spanien eine derart erfolgreiche Sportnation ist. Frauen beim Sport haben wir dort allerdings nirgends gesehen...
    Zum späten Nachmittag fuhren wir zurück ins Städtchen. Auf dem Weg 'erntete' Monika einige der prächtigen Pinien-Zapfen für die Weihnachtsdeko.
    Im Dorf gab es ein paar kleine Tapas und der sonnige 'Faulenzer-Tag' neigte sich dem Tages-Ende zu.
    Okumaya devam et

  • Salamanca sehen und ... bleiben!

    30 Eylül 2024, Ispanya ⋅ 🌙 19 °C

    Salamanca war die 'conditio sine qua non' der diesjährigen Spanientour. Wir, also ich, wollten diese alte Universitätsstadt im zentralspanischen Hochland unbedingt sehen. Etwas ganz Besonderes ist es dann, wenn die Realität eine solche ausgeprägte Wunschvorstellung noch übertrifft. So war es!!
    Wo soll ich anfangen?
    Die Radtour längs des Tormes und durch die renaturierte Uferlandschaft war sehens- und erlebenswert. Auf dem Hinweg jede Menge Schulklassen, die hier im Grünen ohne aufwändige Geräte und Sporthallen Schulsport betrieben. Auf dem Rückweg dann auf einem sandigen kleinen Feld ein ehemaliger Torrero, der schon in der Madrider Arena aufgetreten ist, mit seinen drei Schülern. Die erklärten mir auf Nachfrage: Ihr Ziel sei es, Profi zu werden. Wir haben ihnen und ihrem Stil- und Bewegungstraining gebannt zugeschaut. Und natürlich waren sie ausgestattet mit der Muleta, dem dunkelroten Tuch des Torreros, und einem Degen, während ihr Lehrer als erfolgreicher Matador ein größeres, zweifarbiges Ehrentuch schwenkte.
    Und Salamanca selbst zeigte sich von seiner besten Seite: Zunächst die Villa Lis, DAS Jugendstil-/Art-Déco-Museum in Europa, dessen Gebäude selbst prächtiges Ausstellungsstück ist. Unglaublich ist die bleiverglaste Decke des Eingangssaales, die Jugendstilfassaden, noch beeindruckender die filigranen Ballerina-Figurinen aus Bronze, Emaille, Porzellan und Onyx. Zudem gibt es ein original Jugendstil-Café, in dem der Café Solo aus einer uralten Messing-Espresso-Maschine strömte.
    Der bekannte Dom war außen ähnlich imposant wie der von Burgos. Die Innenausstattung und die Seitenkapellen waren aber weit weniger spektakulär, die Kunstwerke im Inneren weniger berühmt und alles für unseren Geschmack zu sehr barockisiert. Aber dennoch eine besondere Kirche und Bischofssitz. Viel sehenswerter als die neue (16. Jhdt.) war die alte, aus dem 12./13. Jahrhundert stammende, sehr viel schlichtere, kleinere und frühgotische Kathedrale.
    Die Universität von Salamanca ist eine der traditionsreichsten und ältesten Europas. Obwohl es zu spät für die üblichen Besuchszeiten war, durften wir noch einen Blick ins Innere werfen. Wir sahen die alte Bibliothek durch die gläserne Eingangspforte, den Senats-Saal und den Sitzungsraum des Präsidiums, und schließlich den Innenhof, alles beeindruckte. Zur alten Universitäts-Aula hatten wir leider keinen Zutritt mehr. Seit ich diese Alma mater gesehen habe, weiß ich: Die alte Ludoviciana, gegründet immerhin 1736, in allen Ehren! Aber irgendetwas habe ich in meiner Universitätslaufbahn doch 'falsch' gemacht!
    Als letztes bewunderten wir die Plaza Mayor, die sicher eine der eindrucksvollsten Plätze Europas ist, oft mit dem Tuchmarkt von Krakow, dem Campo von Siena oder San Marco in Venedig in einem Atemzug erwähnt.
    Heute haben wir nur den Teil der Altstadt gesehen, der zum Weltkulturerbe zählt.
    Aber für uns gilt ja: Salamanca sehen und ... bleiben! ..., obwohl schon Porto lockt.
    Okumaya devam et

  • Adiós Salamanca

    1 Ekim 2024, Ispanya ⋅ ⛅ 19 °C

    Heute also das moderne (?!) Salamanca, also der Teil der Innenstadt, der nicht zum Weltkulturerbe zählt. Und der hat durchaus Charme. Die Gebäude stammen zumeist aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. All das, was später hinzu kam, haben die Salamantiner mit dem typischen gelben Sandstein und in der Optik 'ihres' Fin de Siècle nachgebaut. Man kann insoweit Salamanca durchaus als kleine Schwester Madrids bezeichnen. In Madrid allerdings wirken die Gebäude dieser Epoche alle monumental, in Salamanca eher filigran.
    Zusammengefasst: Die goldenen Monumente Salamancas stehen unverrückt an ihrem Ort, die Plaza Mayor, die Universität, die Kirchen, die Römerbrücke, und, und, und ... . Der andere Teil der Innenstadt bietet grüne Plätze, schöne Gebäude mit tollen verglasten Erkern aus Holz oder Metall, eine ausgedehnte und attraktive Fußgängerzone. An deren Ende wartet überraschend ein Kirchlein aus dem 11. Jahrhundert, romanisch, mit uralten Fresken und einem Priester, der uns erklärte, dass diese älteste Kirche der Stadt früher die Kapelle der kastilischen Könige in Salamanca gewesen sei.
    Wir sind einige Zeit an den Auslagen und Schaufenstern längs gebummelt, haben die Zeit aber nicht vertrödelt, sondern nutzbringend verbracht. Käuflich erworben wurden Gewürze für zuhause, Hülsenfrüchte für die WoMo-Küche und für Monika ein wärmender Mantel für die frostigen Zeiten 'at home'. Zudem haben wir in einem der besseren Restaurants der Stadt gegessen (immerhin mit 3 Gabeln ausgezeichet/was auch immer das bedeuten mag). Pointe des Essens: Monika hat in drei Wochen Périgord sorgfältig und kulinarisch erfolgreich Rillettes, Pâte und Foie Gras von Ente oder Gans zu vermeiden vermocht. Hier in Salamanca allerdings hat sie es 'erwischt'! Der von ihr gewählte Salat war mit geräucherter Entenbrust und mit Canónigos , was Google mit 'Kanonen' übersetzte. Die Canónigos entpuppten sich zu unserer Überraschung jedoch als Foie gras pur. Die Lösung dieses kleinen kulinarischen Problems: Ich kam in den Genuss von Foie gras und der wirklich köstliche, karamelisierte Ochsenschwanz, der jede Anreise wert und die Spezialität des Hauses ist, wurde partnerschaftlich geteilt. Eine derart dunkle und köstliche Sauce gilt es zuhause nachzukochen! Eine echte Herausforderung.
    Für den Rest des Tages gab es noch einmal Weltkulturerbe. In der alten Bibliothek der Universität sahen wir den beeindruckenden 'El Cielo de Salamanca', ein Gewölbe-Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, das die Sternbilder und deren Bedeutung für die Navigation der spanischen Seefahrer darstellt. Dann noch ein Blick in die alte Kathedrale, auf die älteste funktionstüchtige Orgel Europas, auf mittelalterliche Grablegen und einen gotischen Hauptaltar mit zahllosen goldfarbenen Ikonen.
    Das war es in Salamanca.
    Jetzt heißt es 'Adiós Salamanca'. Olá Porto!
    Okumaya devam et

  • Atlantische Waschküche

    3 Ekim 2024, Portekiz ⋅ ☁️ 18 °C

    Gestern haben wir bei ersten Regentropfen Salamanca verlassen. Die Fahrt Richtung Portugal ließ sich zunächst trocken an. Auf der weiten Hochebene um Salamanca reihten sich die uns aus Niedersachsen so vertrauten Schweineställe mit ihren Futtersilos und den typischen niedrigen und geduckten Stallgebäuden. Manche von ihnen besaßen derartig industrielle Ausmaße, dass das 'Geruchs-Klima' über Minuten selbst im Auto 'verdorben' war. Die Schweinezucht, die inzwischen dank immenser ökologisch-politischer Auflagen aus Deutschland vertrieben wird, hat hier eine neue Heimat gefunden. Wie beim Strom ist Deutschland inzwischen auch Netto-Importeur von Schweinen. Die werden hier, ganz anders als in Niedersachsen, fast gänzlich ohne Tierschutz-Auflagen 'produziert'. Manche dieser Anlagen sind durch hohe Zäune und Flutlicht-Masten vor unerwünschten Besuchern geschützt. Von den so gerühmten, frei laufenden spanischen Pata-Negra-Sauen, die den ebenso teuren wie berühmten spanischen Bellota liefern, war auf der gesamten Strecke keine Spur.
    Bereits kurz vor der portugiesischen Grenze setzte Regen ein, der sich alsbald in eine Art Dauer-Wolkenbruch wandelte. Von den Panoramen, die das mächtige Gebirge und die zahlreichen tielfen Flusstäler üblicher Weise bieten, sahen wir nichts. Die Fahrt glich einer Achterbahn, steile Anstiege, steile Abfahrten, stets kurvig. Das alles als Endlos-Schleife, die erst kurz vor der Atlantikküste endete. Auch dort schüttete es aus Eimern. Auf unserem Camping- Platz 'Salgueiros' stand das Wasser knöcheltief.
    Am Abend sind wir noch zu einem kleinen Imbiss ins 'Aqua', ein schönes direkt am Strand gelegenes Restaurant. Aber insgesamt grauer Strand, graues Meer, grauer Nebel!
    Zum Abschluss des Tages ein leckeres Essen hinter Glas, aber direkt am Wasser. Der an sich herrliche Blick auf den Atlantik fiel aus, auch für den ganzen Tag heute. Dieser Nebel und Dauer-Niesel drücken schon ein wenig auf die Stimmung!
    Dennoch sind wir in einer Art Niesel-Pause mit dem Rad die paar Kilometer auf dem Küsten-Radweg nach Vila Nova de Gaia gefahren. Das gewohnte bunte Treiben am Strand und auf der Promenade des Städtchens fand heute nicht statt. Die Tische der kleinen Straßenrestaurants blieben verwaist. Der ansonsten herrliche Blick auf das jenseits des Douro an den Klippen klebende Porto war grau unterlegt.
    Porto und Vila Nova sind und bleiben, trotz der sehr regen und z.T. luxuriösen Bautätigkeit in Fluss- und Meer-Nähe, Städte der Gegensätze. Einerseits Villen und Appartments, die ab mindestens 500 000 Euro zu erwerben sind. Andererseits gibt es öffentliche Waschstellen und öffentliche Trockenplätze für die Wäsche all derer, die weder über Waschmaschinen noch Platz zum Trocknen verfügen.
    Auf unserem Campingplatz teilen sich die Camper ihre Plätze mit einheimischen 'Residenten', die hier in einfachen und einfachsten Zelt-Unterkünften leben.
    Was also tun bei diesem Wetter? Wir flohen ins Innere der Portweinproduktion. Am Abend zuvor hatte uns ein Einheimischer die recht unbekannte Porto-Quinta 'Cockburn's' empfohlen. Sie liegt nicht unten am Douro-Ufer, sondern steil bergauf etwas versteckt im Innern von Vila Nova. Die Anfahrt per Rad war schon eine kleine Herausforderung. Ein altes Gemäuer, von außen betrachtet wenig einladend, aber drinnen kein Regen.Es gab mit uns sechs weitere Menschen, die in den Genuss einer geführten Besichtigung dieser Portwein-Kellerei kamen. Eine charmante junge Frau führte uns durch die uralten Keller, vorbei an uralten Fässern, an Barriques, an Fudern mit 1000 Liter Fassungsvermögen bis hin zu riesigen Gebinden von bis zu 10 000 Litern. In einem dieser Fässer lagerten noch 8 300 Liter einer Colheita von 1935.
    Zu besichtigen war auch die alte Fass-Macherei, in der Cockburn's seine Fässer noch selbst 'renoviert'. Sie werden in die einzelnen Fassdauben zerlegt, diese werden befeuchtet, innen abgeschliffen und dann wieder neu zusammengesetzt. Sehenswert!
    Das gesamte Kellergewölbe ist uralt. Es stammt, wie die gesamte Firma aus 1825, Wände und Decken oft von schwarzem (erwünschten) Schimmel überzogen, der das Keller-Klima auf natürliche Weise reguliert. Zum Abschluss ein Flaschenlager, in dem die uralten Schätze, z.B. Jahrgangsport aus 1870, gelagert sind.
    Die abschließende Portweinprobe wird, ebenso wie die Besichtigung, in Erinnerung bleiben. Ein toller 'fine white Port' mit toller Frische und Säure, ein Ruby 'Cockburn's Special Reserve' tiefrot und mit viel Frucht und dann ein gealterter Tawny, blass orangerot mit Walnuss- Noten, Vanille und schön oxydiert. Wir haben für die Daheimgebliebenen und für uns einiges mitgenommen.
    Okumaya devam et

  • Und es gibt sie doch!

    4 Ekim 2024, Portekiz ⋅ ☁️ 19 °C

    Über Nacht ist der gestern noch so undurchdringlich wirkende Nebel abgezogen. Durch die letzten Fetzen des Hochnebels ahnt man: Heute könnte es ein Rendezvouz mit der Sonne geben! So ab 10 Uhr war klar, dass der Optimismus der Meteorologen wohl berechtigt war. Leider wird heute der einzige Sonnentag für die nächsten acht Tage sein.
    Gegen 11 Uhr sind wir über den phantastisch ausgebauten Atlantik- Radweg nach Porto gefahren, an der sonnigen Felsküste längs zur Eiffel-Brücke, einer der ersten großen Stahl-Brücken, die Gustav Eiffel später überall in Europa gebaut hat. Die Räder direkt am Douro gut weggeschlossen, ging es von Vila Nova de Gaia über die Brücke ans Porto-Ufer. Porto wusste uns bei unserem dritten Besuch erneut zu verzaubern. Dass diese Stadt an den Klippen oberhalb des Flusses klebt und dort hoch hinaus strebt, merkt man, wenn man den Fußweg bis ganz oben wählt. Das tun nur wenige, denn als Alternativen gibt es einen Aufzug und eine Standseilbahn. Der Weg lohnt sich nicht nur wegen der Panoramen, sondern auch, weil er noch durch das alte, kaum renovierte, oft verfallende Porto führt. Hier stehen sie noch, die alten, mit Azulejos verkleideten Wohnhäuser, die nicht von Geschäften okkupiert sind, in denen immer noch die Tripeiros, die ursprünglichen Einwohner der Stadt, leben. Von Haus zu Haus sind Wäscheleinen gespannt, an denen das frisch Gewaschene getrocknet wird. Was man in Porto mit diesen Azulejos vermag, zeigt der alte Bahnhof der Stadt, in dessen großer Eingangshalle mit den Kacheln historische Momente des einst großen Portugal erzählt werden. Auch ansonsten git: Das gesamte historische Zentrum der Stadt Porto ist ein Schmuckkästchen, das Jahrhunderte überdauert hat. Wir haben es geschafft, lt. Schrittzähler 14 Kilometer bergauf und bergab zu laufen und waren abends entsprechend geschafft. Aber kein Schritt war zu viel. Einzig enttäuschend war der neu renovierte Mercado Bolhaho, dessen prestigeträchtige Renovierung 2024 zwar mit dem 'International Architecture Award' ausgezeichnet worden ist, der sich aber eher zu einer touristisch erfolgreichen 'Fress'- und Souvenirmeile zu Höchstpreisen entwickelt hat. Um unseren Akuthunger zu stillen, wollte Monika eine Spitztüte mit bereits geschnittenen Manchegoscheibchen erstehen. Bei einem Preis von € 15,- verblieb der Käse beim Anbieter. Wir haben dann auf den Treppen zur zweiten Etage eine Weile gesessen, dem Treiben zugesehen und sind in der benachbarten Manteigaria, der Fábricia de Pastéis de Nata, eingekehrt. Dort werden nach wie vor die köstlichen süßen Pasteten, gefüllt mit Vanille-Sahne, angeboten. Dazu ein Café Solo und ein Port. Lecker! Zurück ging es dann durch einige der prachtvollen Gassen der Altstadt, aber auch durch das 'modernere 'alte Porto, das mit seiner Archtitektur immer noch belegt, wie reich dereinst die Kolonialmacht Portugal war.
    In Vila Nova dann noch ein Blick in die traditionsreiche Casa Portuguesa do Pastel de Bacalhau, in der man den tradtionsreichen Porto-Imbiss, Kartoffelklöße gefüllt mit Bacalao und Käse, anbietet.
    Zum Abend ein hervorragendes Menü in der Casa Helena in der Nähe unseres Platzes.
    Das war es dann wohl mit Porto für dieses Jahr. Morgen herrscht Dauerregen.
    Morgen ins Landesinnere, ins Alentejo!
    Okumaya devam et

  • Das Alentejo und seine Hauptstadt

    5 Ekim 2024, Portekiz ⋅ ☁️ 26 °C

    Bei Regen ging es los in Richtung Alentejo. Die ersten zwei Stunden der Fahrt waren unspektakulär. Wegen der insgesamt über 400 Kilometer nutzten wir zunächst die Autobahn, ab Santerem, wo wir auch den Tejo überquerten und das als nordwestliches Tor zum Alentejo gilt, dann die N 112. Zunächst sahen wir noch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Aber bald schon dominierte sandiger Boden und eine karge, trockene und hügelige Landschaft. Die Städtchen sind eher arm, die Häuser in dem für die Landschaft typischen Weiß gekälkt. Anders als üblich, herrschten jetzt Anfang Oktober kühle 20 Grad. Der Sommer hat sich irgendwohin verzogen. Wohin ist, unklar. Aber auf jeden Fall ist er nicht mehr hier in Portugal. Die Straße zog schnurgerade, sehr holprig, aber gut zweispurig durch die Landschaft. Bei der Überquerung der wenigen Gewässer mussten wir uns mit dem Gegenverkehr einigen. Denn für ein WoMo sind die Brücken nur einspurig zu nutzen. Skurril: Auf dem Stahlgerüst so mancher dieser schmalen Brücken saßen Storchennester, einige von klappernden Störchen besetzt. Auch skurril, zumindest für den deutschen Blick: Bei den anstehenden Parlamentswahlen wird auch für die CDU plakatiert, allerdings mit Hammer & Sichel sowie dem Sonnenblumen-Symbol der Grünen. Des Rätsels Lösung: CDU ist hier eine Gemeinschaftsliste aus Kommunisten und Grünen. Der Vorsitzende dieser Öko-Sozialisten heißt übrigens nicht Friederich Merz.
    Auf den letzten hundert Kilometern vor Évora dann nur noch Korkeichen-Dehesas, die von Schafherden oder kleinen Rindern besiedelt waren, oder Pinien- und Eukalyptus-Haine. Letztere nicht nur zu sehen, sondern auch deutlich zu erschnuppern.
    Viele der Korkeichen waren bereits geschält und in der Umgebung gibt es kleine 'Fabriken', die den gewonnenen Kork verarbeiten.
    Die riesigen Pinien-Haine gehören zu repräsentativen Haziendas. Da deren Gebäude weitab der Straßen irgendwo im Nirgendwo liegen, fallen sie dem vorbeifahrenden Touristen nur durch die üppigen Tor-Einfahrten am Straßenrand auf.
    Das, was die Pinien liefern, wird umfänglich genutzt. Zu allererst die Pinienkerne, deren üppige Preise wir von zuhause kennen. Das Holz wird entweder im Winter verheizt oder zu Holzkohle verarbeitet. Wir sahen eine Köhlerei, die aus fünfzig oder gar mehr Meilern bestand. Scheite aus Pinienholz werden um einen schmalen zentralen Kamin herum zu einer Art Kugelhaufen aufgeschichtet und dann mit Laub und Erde fast luftdicht abgedeckt. Wenn der Meiler dann einmal angezündet ist, kokelt und raucht er für mehrere Tage oder gar Wochen vor sich hin. Das taten diese Meiler so intensiv, dass ihr Rauch über ein oder zwei Kilometer in Nase und WoMO haften blieb. Neben den Meilern lag dann auch das Resultat der ganzen Prozedur. Wenn sich die meisten der Bestandteile des Pinienholzes in der Hitze verflüchtigt haben, bleibt Holzkohle. Die aus Pinienholz zählt bekanntlich zu der teuersten.
    Jetzt sind wir in Évora angekommen. Der Platz ist komfortabel und stadtnah. Zum Abend sind wir kurz in die alt-ehrwürdige Universitätsstadt gegangen, haben ein wenig auf der Praça do Rigaldo gesessen und uns in einer kleinen Gasse einen kleinen Imbiss gegönnt.
    Okumaya devam et

  • Quo vadis Évora?

    6 Ekim 2024, Portekiz ⋅ ☁️ 19 °C

    Die Universitäts- und Bischofsstadt Évora liegt tief im Landesinneren und zählt zu den faszinierenden Städten Portugals. Die Altstadt ist von einer Ringmauer umschlossen und alles innerhalb der Mauer zählt zum Weltkultur-Erbe Évora. Eines aber unterscheidet Évora von den anderen Weltkultur-Erbe-Städten, die wir bisher gesehen haben. Denn man spürt hier in der Hauptstadt des Alentejo, wie sehr die Heimat des Fado von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung Portugals abgehängt ist. Auch die in jedem Führer erwähnten Highlights der Stadt sind erkennbar von Verfall bedroht, wie z.B. die Universität, der erzbischöfliche Dom, die Praça do Giraldo und der uralte Aquaedukt. Der Putz blättert, die Farbe ist verwaschen, gut renovierte Innenstadt-Häuser stehen direkt neben leer stehenden, von Armut oder Verfall gezeichneten Gebäuden. Einerseits gibt dieses Nebeneinander von Kulturerbe-Historizität und Alltag, von Pracht und Verfall der Stadt eine ganz besondere Note. Andererseits bleibt ungewiss, welche Entwicklung die Stadt und ihr reiches Erbe in Zukunft nehmen wird.
    Portugal ist nach wie vor eine arme Nation und das Alentejo dessen ärmste Region. Der öffentlichen Hand fehlt das Geld, überall.
    Bevor wir heute Nachmittag durch die Stadt geschlendert sind, haben wir zunächst mal die südliche Wärme, am Pool genossen. Monika hatte sich allerdings, es war mal wieder Wäsche angesagt, eine zeitlang verabsentiert. Beim Stadtspaziergang haben wir uns einfach treiben lassen. Viele der Weltkulturstätten hatten wir ja schon vor drei Jahren besucht. Besonders zu erwähnen ist wieder die Capella dos Ossos, in der das erzkatholische 'Memento mori' auf denkwürdige Weise auf die Spitze getrieben wird. Das war im 17. Jahrhundert, als die Kapelle entstand, einfach Mode! Im alten Dom haben wir einige Takte Chormusik gehört. Der durchaus bekannte Chor der Kathedrale bot polyphone Musik des 17. Jahrhunderts. Und natürlich waren wir wieder beeindruckt vom Nebeneinander des Augustus-Tempels aus dem 1. Jahrhundert und der Kathedral-Basilika aus dem 12. Jahrhundert. Einzigartig ist auch der uralte römische Aquaedukt, dessen Bögen seit dem Mittelalter dazu genutzt werden, um Wohnstätten hinein zu bauen.
    Der Tag hat mal wieder Spaß gemacht. Zum Abschluss ein Alentejo-Wein und ein Plausch am Wohnmobil, begleitet vom heute laut vernehmlichen Konzert der Zickaden.
    Okumaya devam et

  • Ria Formosa - das 'mar calmo'

    8 Ekim 2024, Portekiz ⋅ ⛅ 19 °C

    Unser gestriges Programm lautete: Fahrt Richtung Ost-Algarve. Der Weg dorthin führte uns durch das südöstliche Alentejo. Auch hier wieder menschenleere Landstriche, karge Hochebenen, tief eingeschnittene Fluss-Täler, deren Flüsse kaum Wasser führten, der gebirgige Parque Natural do Vale do Guadiana und längs der Straßen Eukalyptus-Bäume, deren 'Sauna-Duft' uns zwar nicht schwitzen ließ, aber das gesamte WoMo füllte. Manche der Dörfer dort im Naturpark warben mit dem hier heimischen Luchs. Auf Straßenschildern wurde vor querenden (nicht 'queeren' ) Luchsen gewarnt.
    Nach ca. vier Stunden kurzweiliger und kurvenreicher Fahrt dann die Ria Formosa. Dieses 'Mar Calmo', wie die Fischer die Ria hier nennen, ist ein schmaler und ruhiger Streifen Atlantik, eine 60 Kilometer lange Meeres-Lagune, die durch eine Barriere von sechs schmalen Sandinseln vor der Dünung des offenen Atlantiks geschützt ist. Mit kleinen Fährbooten gelangt man in weniger als fünf Minuten an die recht einsamen Strände des offenen Atlantik. Landeinwärts zieht sich ein Labyrinth von Kanälen, Inseln, Sumpfgebieten und Sandbänken, berühmt für seine Fauna (vor allem die hier tatsächlich rosafarbenen Flamingos) und für seine Salzgewinnung, das Flor de Sal.
    Wir haben, dicht bei dem Städtchen Tavira und inmitten des hübschen Dorfs Cabanas, einen guten Campingplatz gefunden, der jetzt in der Nachsaison fast leer ist.
    Zur untergehenden Sonne gab's noch einen Spaziergang ins Dorf, an die Ria Formosa und zu einer kleinen Bar. Die war so gemütlich, dass sie für die nächsten Tage unsere Anlaufstelle für den 18- Uhr-Termin, den Wachtel'schen 'Jour fixe', sein wird. An der langen Uferpromenade gibt's zahlreiche nette Restaurants, viele kleine Boote, auch kleine Fischerboote (größere Boote schaffen die Passage in die Ria nicht). Direkt am Wasser dann auch die typischen Holzschuppen der Fischer, in denen sie ihr Arbeitszeug verstauen, insbesondere Reusen und Leinen für den Fang der 'Lulas', der hier kulinarisch so geschätzten Tintenfische.
    Heute war dann pures Nichtstun angesagt. Das Wetter, d.h. vor allem die südliche Sonne, spielte mit. Die Temperaturen waren mehr als angenehm und die Pool-Landschaft des Platzes mehr als einladend. Wir teilten den Pool mit nur wenigen anderen Menschen. Schwimmen, lesen, 'vor sich hin dösen' und Sonne tanken: Herrlich!
    Abends radelten wir ins Dorf zu unserem 'Jour fixe', zu einem Glas Wein und gebackenem Lulas. Das war's und es war genug!
    Okumaya devam et

  • Radtour mit Hindernissen

    9 Ekim 2024, Portekiz ⋅ 🌙 18 °C

    Heftiger Regen trommelte schon frühmorgens auf das WoMo-Dach. Das blieb die Begleitmusik bis zum frühen Nachmittag. Aber auf die Wetterfrösche war Verlass. Ab zwei Uhr zogen die letzten Schauer ab und der stürmische Wind legte sich ein wenig. Übrig blieb das, was man böig nennt.
    Wir haben dann unsere Räder flott gemacht. Quer durch das von Sielen, moorigen Abschnitten und zahlreichen Salinen-Becken durchzogene Hinterland der Ria Formosa führt der gleichnamige Radweg nach Tavira. Die Tour ließ sich gut an. Fahrradbrücken zur Überquerung der Siele und kleinen Flüsschen, landeinwärts Palmen, ab und an ein typisches, in portugiesischem Weiß gekälktes Haus. In und an den Salinen wurde gearbeitet. Ende der Sommersaison ist die Zeit, in der Meersalz und auch das Flor de Sal geerntet wird. Zunächst wird es an die Ränder der Becken gezogen, getrocknet, bis es seine strahlend weiße Farbe hat, mit Baggern auf LKW geschaufelt und abtranportiert. Was wir dann wenige Kilometer vor Tavira sahen, machte uns sprachlos. Es waren keine Eisberge oder Schneegipfel, die da schneeweiß den Weg säumten, aber mächtige Gipfel aus purem Salz. Als ich den ersten von Nahem betrachten wollte, war meine Kurventechnik jenseits des Radweges brillant. Aber dann stieß ich an meine fahrerischen Grenzen. Schon nach wenigen Metern lauerte gemeiner, lehmiger Matsch, vom Dauerregen des Vormittages zusätzlich durchweicht. Die Reifen sammelten dieses Lehm- Matsch-Gemisch auf, pressten es perfekt in den Raum zum Schutzblech, die Räder blockierten und ich stand mit meinen sauberen Schuhen und meiner frisch gewaschenen Hose knöcheltief im Matsch. Einen Sturz konnte ich nur knapp verhindern. Für jeden, der ein wenig Freude an Schadenfreude hat, der perfekte Slapstick. Mit Stöckchen, Papier und Pfützen haben wir in konzertierter Aktion mein Rad und mich wieder fahrbar gemacht und uns Richtung Tavira bewegt. Dort ein Himmelsgeschenk: eine Tankstelle mit Waschbox, Hochdruckreiniger und ganz viel Schaum. Die Moral von der Geschicht' : Kein Unglück ist so groß, dass man nicht irgendeinen Nutzen daraus ziehen könnte. Mein Fahrrad und auch Monikas glänzen wie schon lange nicht mehr. Die Schuhe waren durchweicht, aber stadtfein! So stand einem Bummel durch das Städtchen nichts mehr im Wege. Eine alte Burg, eine schöne weiße Kirche, zwei attraktive Fluss-Ufer-Promenaden, nette Gassen und Geschäfte, gemütliche Bars, Cafés und angenehm wärmende Sonne. Und ... Unmengen an Engländern. Wir konnten uns nicht des Eindrucks erwehren, dass sich die Engländer für den Verlust ihres ehemaligen Kolonialreichs hier in Tavira, nicht unweit von Gibraltar, entschädigen wollen. Die zumeist alten Damen und Herren - der Alters-Schnitt ist so hoch, dass selbst wir ihn nicht zu senken vermögen - tragen zum Zeichen ihres ungebrochenen Abenteuer-Mutes und ganz gleich, ob die Sonne scheint oder nicht, Sonnenhüte: teils geflochten, teils aus Stoff, gern auch aus Leder.
    Im nächsten Jahr fahren wir nach England. Das Land muss im Herbst recht menschenleer sein!
    Bei dieser Überzahl 'behüteter' Comic ähnlicher Insulaner lasse ich meine Kopfbedeckung, die mich seit Jahren in den Süden begleitet, nun lieber im WoMo, Sonnenschutz ist zur Zeit eh kaum nötig.
    Nach dem Bummel durch Tavira radelten wir dann - komplikationsfrei - zurück nach Cabanas und zu unserem Jour Fixe in der kleinen Bar an der Ria Formosa.
    Okumaya devam et

  • Footprint zum Thema: Trockene Füße

    12 Ekim 2024, Ispanya ⋅ ☁️ 17 °C

    Ein Hurrican über dem Atlantik schaufelt den Regen nicht nur an die portigiesische Küste. Auch auf Gibraltar, Tarifa und Cadiz prasseln die Regenmassen nieder. Der erste Regentag in Tavira verlief noch recht glimpflich. Morgens waren sogar 'einige Stunden Sonne drin', die wir am Pool genossen haben. Die Gewitterzentren zogen südlich an uns vorbei an die spanische Küste. Abends gab es sogar in einer kleinen Roof-Top-Bar einen Drink im Freien, freilich in Daunenjacke, sowie Thun und Schwertfisch vom Grill. Der zweite Regentag fesselte uns allerdings ans WoMo. Selbst das gebuchte Abendessen im Noelia, einem vom Michelin gelobten Restaurant, fiel im ganz wörtlichen Sinne ins Wasser. Am dritten Tag weckte uns prasselnder Regen und die Donnerschläge eines nahenden Gewitters. Auch die Prognose versprach kaum Besserug und der stürmische Wind war so heftig, dass Monika unsere Fenster per Handarbeit sichern musste. Wir hatten die Nase voll und ergriffen die Flucht!
    Start bei strömendem Regen, in strömendem Regen über den Guadiana, den portugiesisch-spanischen Grenzfluss, in strömendem Regen vorbei an Sevilla, in dem wir vor zwei Jahren zusammen mit Alexandra drei herrliche Tage bei 30 Grad und Sonne verbracht haben, und dann bei allmählich spärlicherem Niederschlag in die Vorgebirge der Sierra Nevada. In Granada: Zwar bewölkt, aber sommerlich. Der Campingplatz liegt an einem Hang oberhalb von Granada. Für ein WoMo wie unseres ist das 'Einparken' schon abenteuerlich, aber gelungen. Zum Abend dann ein kleiner Imbiss und von der Terrassenlage oberhalb der Stadt ein traumhafter Blick hinab auf die Lichter von Granada. Den genossen wir mit trockenen Füßen. Seit drei Tagen also der erste Reise-Footprint, der mit 'trockenen Füßen' verfasst wird. Morgen dann Granada, über das Luciano Pavarrotti so herrlich sang: "Granada, tierra soñada por mi. "
    Okumaya devam et

  • Granada

    13 Ekim 2024, Ispanya ⋅ ☁️ 20 °C

    Granada ist jeden Ton jener Arie wert, die ein Mexikaner vor fast 100 Jahren dieser Stadt 'auf den Leib' geschrieben hat.
    Es ist nicht nur die prachtvolle Erscheinung der weltweit berühmten Alhambra (die wir bereits vor Jahren besucht haben), die Granada als legendären Ort Spaniens auszeichnet. Da ist auch der Albaicín, das älteste und nasridisch geprägte Stadtviertel, das auf und an den Hängen eines Bergrückens erbaut wurde, der dem Hügel der Alhambra direkt gegenüber liegt. Wenn man sich der Mühe unterzieht und bis zum Aussichtspunkt dieses Bergrückens, dem Mirador San Nicolás, hinaufklettert, hat man einen phantastischen Blick auf den Nasriden-Palast und die dahinter liegenden Gipfel der bis zu 3 500 Meter hohen Sierra Nevada. Auf dem Bergrücken Albaicín gibt es einige nette Cafés und Restaurants mit herrlichem Blick auf die Stadt und die Berge, die keine Phantasie- Preise wegen ihrer guten Lage einfordern. Wir haben einen Tisch auf der Terrasse einer Bar direkt gegenüber der Alhambra ergattert, von dem wir den phantastischen Blick wie auf ein Gemälde genießen konnten. Die Straßen-, besser 'Gassen'führung des Viertels und manche Häuser am unteren Hügel stammen aus der Zeit der Mauren. Das gesamte Viertel gewährt auch heute noch einen Blick in die Kultur dieses letzten Bollwerks muslimischen Glaubens auf der iberischen Halbinsel. Es gibt enge Souks mit viel touristisch-arabisch anmutendem Angebot und dunkle, arabisch scheinende Restaurants und Bars, die in ihre kulinarischen 'Höhlen' locken wollen. Skurril: Inmitten des maurischen Bazars werden Krippenfiguren der 'Heiligen drei Könige' zum Verkauf geboten. Mehr Reconquista geht nicht. Eine Ausnahme im Multikulti des EU-Europa.
    Und natürlich ist Granada das mächtige Symbol der erfolgreichen spanisch-christlichen Reconquista. Um diese zu feiern, haben die spanischen Könige für viel Geld bauen und künstlerische Kreativität einkaufen lassen: Da ist die gewaltige Kathedrale, die erste im Stil der Renaissance auf spanischem Boden. Da ist die Real Audiencia y Chancillería, die auf Geheiß von Isabelle I. von Kastilien erbaut wurde und bis heute das höchste Gericht südlich des Tejo beherbergt. Dann ist da die Capilla Real, in der das Königspaar der Reconquista beigesetzt ist und vor der an diesem Wochenende des spanischen Nationalfeiertages Massen von Spaniern, darunter auch viele Schulklassen, Schlange standen. Und es sind die zahllosen Brunnen, die die Rückeroberung und die spanische Vormachtstellung des 'goldenen Zeitalters' feiern, wie etwa der, der Columbus zeigt, während er der Königin die Pläne seiner Entdeckungsreise darlegt, und, und, und ... .
    Über all das hinaus ist Granada eine moderne, wohlhabende, sehr gelassen wirkende Stadt: Die Gran Via verströmt Eleganz, die Plätze sind lebendige Orte dieses Lebenstils und viele Restaurants bieten, trotz des Tourismus, ausgezeichnete Küche. Die haben wir natürlich genossen.
    Zugleich allerdings belegen Protest-Plakate, dass das Leben in der Stadt unter dem massiven Alhambra-Tourismus leidet und die Bürger an dem Overtourism etwas ändern wollen. Die Alhambra ist nach dem Vatikan die meistbesuchte Tourismus-Attraktion Europas.
    Wir haben den Tag in Granada genossen. All das hier ist immer wieder einen Besuch wert. Monika und ich stellen erneut fest:
    Y viva españa!
    Okumaya devam et

  • Hinab zum Mare mediterraneum

    14 Ekim 2024, Ispanya ⋅ ☁️ 21 °C

    Inzwischen sind wir am Cabo de Gata angekommen. Unser Platz liegt inmitten einer alten Vulkan-Landschaft direkt am Mittelmeer. Der nächste Ort, Las Negras, ist ein kleines, recht ursprüngliches Fischerdorf und in 20 Minuten Fußweg leicht zu erreichen.
    Der Weg von Granada hierher war mehr als spektakulär. Zunächst ging es am Nordrand der Sierra Nevada entlang. Die Straße lag über weite Strecken höher als der Brenner. Mehrfach wurden uns zwischen 1400 und 1500 Meter angezeigt. Nach Nord-Osten hin, bevor wir eine karge, unwirtliche und staubtrockene Karstebene durchquerten, verwandelt sich die Sierra in eine einzigartige Landschaft. Auf zweihundert Quadratkilometern sind dicke Lösschichten zu einer Art Lös-Felsen verdichtet, der allerdings deutlich weicher ist als normales Felsgestein. Dieses gelbliche Gestein bildet Felskamine, Hügel, die mehrere hundert Meter hoch sind und dann steil, fast senkrecht abbrechen. Das alles formte eine Landschaft, die einem mexikanischen Western entsprungen zu sein scheint.
    In die aus 'weichem Fels' bestehenden Abbrüche - insbesondere in der Gegend um Guadix - haben Menschen Wohnhöhlen gegraben. Diese Art Wohnsiedlung gibt es bereits seit der Bronzezeit, hat also eine 'gewisse' Tradition, die bis in die Jetztzeit reicht. Denn die Wohnhöhle kann ein durchaus angenehmer Ort sein. Im heißen Sommer und z.T. unwirtlichen Winter halten diese Wohnungen ohne viel Kühlung oder Heizung angenehme 20 Grad. Klimaanlagen haben wir an diesen Wohnstätten trotz der andalusischen Hitze nicht gesehen. In grauer Vorzeit waren die Höhlen eine attraktive Alternative zum Haus- oder Hüttenbau, da Baumaterial nicht notwendig ist und einfaches Werkzeug zum Graben reicht. Als Rauchfang dienen gemauerte Kamine, die dann irgendwo aus dem Boden oberhalb der Höhle hervorragen.
    Die modernen Höhlen werden parallel zum Hang gebaut, sind in der Front mit weiß-gekälkten Wänden oder sogar mit Klinkern verkleidet, größere Fenster lassen natürliches Licht in die vorderen Räume. Die historischen Höhlen haben eine schmale Fassade, die gerade für Tür und ein Fenster Platz boten. Lt. Prof. Dr. Google müssen die heutigen Bewohner der gegrabenen Wohnungen weder auf Strom noch Wasser verzichten und müssen nur zum Telefonieren auf die Straße gehen, da das Gestein auch vor dem Mobilfunknetz schützt. Als wir etwa 1990 hier auf dem Weg nach Murcía durchgefahren sind, war von den modernen Tuff-Höhlen noch nichts zu sehen. Damals herrschten hier pure Armut und Abgeschiedenheit.
    Von Guadix aus ging es quer durch die wasserlose Karst-Ebene hinunter ans Mittelmeer. Als wir vom Gebirge auf die Ebene hinabsahen, staunten wir über die verschneiten Täler. Was da an weißen Flächen zu sehen war, entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als riesige Gewächshaus-Plantagen von der Größe unzähliger Fussballfelder, alle mit weißen Zeltplanen überzogen. Unter diesen Planen wachsen Tomaten, Gurken, Paprika, Erdbeeren, Melonen und Zucchini, und das unabhängig von jahreszeitlichen Schwankungen. Da Wasser hier nirgends zu fördern ist, wird es in Pipelines aus dem spanischen Norden hierher geleitet. Wie ich bei einem Besuch in der Rioja erfuhr, geschieht dies sehr zum Unwillen der baskischen Nordspanier. Der insgesamt größte Teil des hier 'erwässerten' Gemüses geht nach Deutschland. Was wir sahen, gilt als die größte Obst-und Gemüseplantage der Welt!
    Der Rest des Weges führte uns auf schmaler Straße durch die hiesige Vulkan-Landschaft, diesmal ohne Gewächshäuser, und dicht ans Mittelmeer. Der Camping- Platz hier hat einen kleinen eigenen Strand. Alles ist von kargen Felsen gerahmt, die wir demnächst erkunden werden.
    Jetzt wollen wir das warme mediterrane Klima genießen!
    Okumaya devam et

  • El pequeño paraíso en el mediterráneo

    17 Ekim 2024, Ispanya ⋅ 🌙 16 °C

    Wir haben unser kleines Paradies am Mittelmeer gefunden. Nach den vielen Städten und einzigartigen Kulturstätten, die 'ganz zufällig' auf unserer Route lagen, sollte es im Süden Badeurlaub sein. Da das Wetter in Porto (Waschküche) und Tavira (Dauerregen, unterbrochen von Wolkenbrüchen) partout nicht mitspielen wollte, fiel unsere Wahl nach längerer Befragung von Karte, Perplexity (unserem neuen KI-Begleiter) und diversen Wetterplattformen -Gott sei Dank- auf die gebirgige und einsame Küste des Naturschutzgebietes rund um das Cabo de Gata. Erholung pur ist hier angesagt!
    Das Tüpfelchen auf dem I: Man versprach uns hier im WEcamp sogar 'dark, brown bread'. Einschränkung, mit einem Lächeln hinzugefügt, 'spanish'. Das 'dark, brown' stellte sich als leicht 'graingesprenkelt' heraus..
    Nachdem mich an den ersten Tagen eine Infektion plagte und an den Pool bannte - mehr war nicht möglich - sind wir gestern an der Küste längs nach Las Negras: Immer wieder traumhaft schöne Ausblicke auf das weite und im Küsten-/Strandbereich glasklare Wasser. Bei mehr als 25 Grad war auch der böige Wind (bis zu 60 Km/h) keine Plage. Der Weg zeigte sich attraktiv und der Ort den kleinen Marsch mehr als wert. Weiße Gebäude, nette Gassen, wenige, fast nur vereinzelte Touristen, eine verwaiste kleine Strandpromenade, schöner Strand und zwei oder drei gute Restaurants, die geöffnet hatten. Für auch nachsaisonal verblüffende 15 Euro gab es: Venusmuscheln, fangfrische Sardinen, zuckersüße Piña, ein Stück Eistorte und einen Café solo. All das fanden wir nicht nur 'in Ordnung', sondern richtig lecker. Zudem Blick auf Strand, Meer und Sonne! Nach einigen notwendigen Einkäufen im vermutlich einzigen kleinen Supermercado - vor allem mal wieder ein gutes Brot - ein 'felsiger' Verdauungspaziergang zurück in die benachbarte Bucht, in der, schön versteckt, unser Campingplatz liegt.
    Das war's dann auch schon. Abgerundet wurde der Tag von den letzten Sonnenstrahlen am Pool und einem Absacker in der Strandbar. Wie sagen die Spanier so schön: "Todos los dias son bonitos si eliges verlos asi." – Alle Tage sind schön, wenn Du Dich dazu entscheidest, sie so zu sehen. Diese Entscheidung ist uns leicht gefallen.
    Okumaya devam et

  • Kraxelei*

    18–21 Eki 2024, Ispanya ⋅ 🌙 16 °C

    Die Wandertafel versprach uns eine anspruchsvolle Wanderung hin zu einem Mirador, einem Aussichtspunkt. Diese Erwartung wurde mehrfach enttäuscht.
    Zum einen war es keine Wanderstrecke, die wir unter unseren Joggingschuhen hatten, sondern überwiegend ein Klettersteig. Denn die Küste des Naturdenkmals Cabo de Gata-Níjar steigt steil, felsig und schroff aus dem Meer und unser Pfad führte uns mitten hinein in diese Felsenküste. Über uns Felswand und reinblauer Himmel, unter uns Gestein und das tiefblaue Mittelmeer.
    Zum anderen gab es nicht einen Mirador. Die Aussichtspunkte waren stattdessen wie Perlen auf der Kette aneinandergereiht. Nach jeder Wegbiegung und jeder Höhe fiel unser Blick auf schmale Buchten und skurrile Felsformationen aus Vulkangestein, auf das tiefblaue, auch mal silbrig flimmernde Meer, und, und.. . Mit Goethe gesprochen: "Die Augen gingen uns über."
    Uns begegnete nur ein einziges Paar. Totale Abgeschiedenheit: Außer Wind, Wellen und unseren Kraxel-Geräuschen war nichts zu hören. Für eine Küstenstraße oder eine noch so kleine Siedlung ist es zu unwirtlich. Diese Strecke heute gehört zu den Faszinierendsten, die wir bisher gelaufen sind!
    Für mich, ausgestattet mit einer 'kleinen Portion' Höhenangst, hatte die Tour zusätzlich zu all dem einen 'besonderen' Reiz. Da mir aber 'die Augen übergingen', wurde fast jeder Anflug von Schwindel mühelos verdrängt.
    Zum Ende des Hinwegs sind wir abseits des Pfades den Fels hinab auf eine gewaltige Felsplatte geklettert: Nur wenige Meter über dem Meer gelegen, auf drei Seiten von tiefblauem Wasser umspült und der Fels von Wind und Wogen geglättet. Über uns der Mirador und westlich die alte Burganlage 'San Pedro', die trotz ihrer mächtigen Mauern nur bei genauem Hinsehen von den umgebenden Naturfelsen zu unterscheiden war. Unser Platz für die Rast!
    Nach herrlicher Pause ging es auf demselben Weg zurück, denn einen Rundwanderweg gibt es hier nicht.
    Nach soviel Erlebnis und einer massiven Portion Sonne gab's zwei Cervezas. Die wurden uns in Gläsern serviert, die aus der Tiefkühlung kamen. Eiskalt gezapft, bildeten sich unter dem Schaum kleine Eis-Schlieren. Perfekter Abschluss einer perfekten Tagstrecke.
    Abends haben wir ausnahmsweise 'unsere Küche angeworfen'. Serviert wurden Galloway-Steak vom WoMo-Grill und spanische Gemüse!
    Im Limerick gesprochen:
    Um Kühe auf Weiden zu lassen,
    ich kann es bis heute nicht fassen,
    lebt man vegan.
    Das mit Pastoren-Elan!
    Den Trend mussten wir heute verpassen!
    Okumaya devam et

  • Adiós al Mediterráneo

    19 Ekim 2024, Ispanya ⋅ ⛅ 18 °C

    Unser letzter Tag am Mittelmeer lockte noch einmal den Sonnenanbeter in uns. Vormittags ein Bad im etwas abgekühlten Mittelmeer. Monika war von diesem so besonderen, weil seltenen Genuss derart begeistert, dass sie versucht war, nach Las Negras durchzuschwimmen. Dann aalten wir uns die letzten Stunden in der Sonne am Pool, und zum späteren Nachmittag ging es über Land und zu Fuß nach Las Negras. Dort erfasste uns die herrlich entspannte Sonntags-Stimmung, zunächst in der Bar direkt am Strand mit einem kleinen Verdejo. Danach wählten wir zum Abschied vom Meer unser Abendessen aus der Abteilung 'Pescado' .
    Im Licht des Vollmondes wanderten wir über dem Meer zurück zum WoMo.
    Morgen fahren wir nach Madrid zu einer Tour-Kultur! Vor fünf Wochen stand eher der Stadtbummel auf dem Programm, nun besuchen wir zwei die größten und bekanntesten Museen Madrids, den Prado und das Museum Reina Sofia. Ein weiterer wesentlicher Punkt auf der Kulturtour ist die Anschaffung einer warmen Hose für Monika. Das werden gewiss zwei ausgefüllte Tage..
    Okumaya devam et