Entlang der Küste
28 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 21 °C
Ich freue mich, dass ich nicht nochmals durch das Baustellengewühle fahren muss, sondern den Weg direkt entlang der Küste nehmen kann. Das spart Kilometer und vor allen Dingen Zeit. Doch als wir an den Abzweig nach Maqna kommen, erwartet uns die Polizei mit der Mitteilung, dass die Strecke gesperrt sei. Super. Jetzt müssen wir einen Umweg von knapp 100km fahren, um unser Ziel zu erreichen. In Al-Bad angekommen, biegen wir also wieder nach Maqna ab. Man könnte ja auch.... Doch nein, weshalb sollte man Schilder mit Informationen aufstellen? Als wir schließlich nur noch 5km von Maqna entfernt sind, stoßen wir mal wieder auf einen Polizeiposten, der uns erklärt, dass die Zufahrt nach Maqna gesperrt ist. Es soll nicht sein. Weshalb schreibt man das nicht an? Somit können wir weder die Mosesquelle noch ein nördlich gelegenes Wadi erreichen. Heute läuft es nicht rund.
Also alles wieder zurück nach Al-Bad. Diese Sperrung ist dem NEOM Projekt geschuldet. Hoffentlich ergeht es uns morgen nicht weiter so. Wir wollen in eine Gegend, in der das NEOM Projekt Trojena gebaut wird. Also Daumen drücken, dass dort nicht auch alles gesperrt ist und wir umkehren müssen.Meer informatie
Felsengräber Al Bad‘
28 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 19 °C
In der Taloase mitten in der Region Tabuk befinden sich am Rande der kleinen Ortschaft Al Bad‘ die Ruinen einer antiken Stadt. Es gibt Vermutungen darüber, dass es sich dabei um die Überreste der biblischen Siedlung Midian handeln könne. Einen wissenschaftlichen Konsens darüber gibt es allerdings noch nicht. Offizielle Ausgrabungen in der Region werden erst seit 2017 koordiniert. Aus diesem Grund ist das Gelände aktuell auch noch nicht für Touristen geöffnet. Am Rand der Ruinen findet man aber dennoch einen guten Grund, den Umweg nach Al Bad‘ in Kauf zu nehmen. Das Einflussgebiet der Nabatäer reichte bis weit in das heutige Saudi-Arabien hinein. Um Handelswege auszubauen und zu sichern wurden auch verschiedene Siedlungen gegründet.
Die Felsengräber hier in Al-Bad‘ auch bekannt als Mugha’ir Shu’ayb sind definitv einen Besuch wert. Sie sind zwar bedeutend kleiner und einfacher gehalten, als ihre berühmten Nachbarn in Jordanien. Dennoch weisen viele von ihnen die typischen Dekormerkmale auf. Dazu gehören vor allem die mit Säulen und Symbolen verzierten Eingangsportale, die in die eigentlichen Grabkammern führen. Einige der Säulen münden in ionische Kapitelle, was den großen Einfluss griechischer Kultur auf die Nabatäer zeigt.
Viele der Fassaden sind von der Witterung stark in Mitleidenschaft gezogen worden und bereits teilweise eingestürzt. Einige der Dekorationen sind nur noch schemenhaft erkennbar. Es ist klar, dass dieser historische Stätte zu wenig Aufmerksamkeit zum Erhalt zukommt und ohne größeren Aufwand die Felsengräber in einigen Jahren völlig der Erosion zum Opfer fallen könnten.
Im Moment sind wir einfach nur glücklich, dass die Anlage geöffnet ist und wir nicht wieder vor verschlossenen Toren stehen. Während man in Hegra das Gefühl hatte nicht einmal atmen zu dürfen, um die Gräber nicht zu beschädigen, interessiert es hier niemanden, was man macht. Wir dürfen alleine in das Areal, uns völlig frei bewegen und uns alles so lange wir wollen ansehen. Sind die Gräber nicht genug wert? Ja, ihr Zustand ist nicht der Beste. Das Gestein ist zu weich und der Erosion stark ausgesetzt. Dennoch freuen wir uns sehr, nochmals nabatäische Gräber in dieser Region zu sehen. Im Ausstellungsraum werden noch die anderen archäologische Stätten von Al-Bad beschrieben. Al-Bad wird hier als offenes Museum bezeichnet, in dem seit der Steinzeit Kulturen lebten. Natürlich sind wir neugierig und steuern gleich die ersten Orte an. Alle haben eines gemeinsam: sie sind von einem hohen abgeschlossenen Zaun umgeben. Warum wirbt das Museum, wenn es nichts zu sehen gibt und geschlossen ist? Das ist doch sehr enttäuschend.
Al-Bad ist alles nur nicht touristisch. Ich hatte schon immer ein ungutes Gefühl wegen der Hotelreservierung. Booking.com hat mir sogar empfohlen umzubuchen. Tja und jetzt - am angegebenen Ort gibt es das Hotel jedenfalls nicht. Wir kontaktieren es und erhalten die Nachricht, dass es geschlossen ist. Da hat man es nicht für nötig gehalten, uns dies mitzuteilen. Jetzt stehen wir hier.... Wir fahren einige Hotels, die google uns nennt, an, doch da ist nichts. Schließlich finden wir eines. Doch das erscheint mir zu grausig. Also fragen wir in einem Pizza-Imbiss nach. Das scheint das beste "Restaurant" im Ort zu sein. Man nennt uns ein Hotel. Doof, dass die Hotels für uns nicht erkennbar sind, da alles nur auf arabisch angeschrieben ist. Wir schauen es uns an. Oh weh... Doch was ist die Alternative? Eine Nacht im Auto? Dann verlangt er einen horrenden Preis und ich reagiere erst einmal überhaupt nicht. Plötzlich ist das Ganze 100SAR günstiger. Immer noch unverschämt. Hier wird unsere Notlage ausgenützt. Was bleibt? Ich zahle.
Was haben wir nun? Ein Zimmer mit 4 Wänden um uns herum. Mehr nicht. Die Betten sind dreckig. Ich weiß nicht, wie viele darin schon geschlafen haben. Es gibt weder Klopapier noch Handtuch. Haben wir beides. Klopapier brauchen wir aber nur. Heute fällt das Bad aus. Der Kaugummi klebt auf der Karaffe, Zahnstocher liegen auf dem Boden, das angefangene Duschgel liegt im liederlichen Bad. Jede öffentliche Toilette ist hier sauberer. Am liebsten würde ich doch im Auto schlafen. Leider haben wir keine Inlay-Schlafsäcke dabei. Die wären heute die absolute Rettung. Ich zähle die Minuten, bis ich hier wieder raus kann und überlege, wie ich das Bett beschlafbar mache. So widerlich habe ich bisher nur einmal geschlafen.Meer informatie

ReizigerOh je- das ist wirklich übel. Ich wünsche Euch, dass es besser weitergeht

ReizigerBei diesem Ort hatte ich immer schon ein ungutes Gefühl, was die Übernachtung angeht. Deshalb habe ich auf Booking,com Rat auch nochmals umgebucht. War trotzdem nichts. Die Nacht ist um. Auf Kopftüchern kann man auch schlafen. Es war dennoch besser als das Auto.

ReizigerIch wäre einfach ins Auto. Sitz nach hinten und schlafen. Das was du schreibst klingt ja fürchterlich.

ReizigerJa es war grausig. Im Auto wird es nachts zu kalt. Wir haben ja nichts dabei. Keine Decke, Schlafsack oder ähnliches. Wenn ich weiß, das solche Nächte anstehen, bin ich ja vorbereitet. Dann ist das kein Problem.
Wadi Rum Saudi-Arabiens
29 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 16 °C
Heute starten wir sehr früh. Raus aus dieser Bude. Die Sonne scheint. Alles ist prima. Zunächst fahren wir nochmals kurz zu den Gräbern und fotografieren sie im herrlichen Morgenlicht. Leider haben sie noch nicht geöffnet. Aber durch das Tor geht es auch.
Unsere Nordrunde durch das biblische Saudi-Arabien kann beginnen. Die Landschaft ist schön. Aber noch nicht spektakulär. Das wird sich bald ändern, sobald wir rechts abbiegen. Und ja, dort ändert sich alles. Mal wieder ist die Strecke wegen des NEOM Projekts gesperrt. Hier wird das Skiresort Trojena gebaut. Dort sollen 2029 die olympischen Winterspiele stattfinden. Nach der gestrigen Erfahrung hatte ich das ja schon befürchtet. Somit hätten wir einfach 3 Nächte in Tabuk verbringen können und von dort unsere Touren machen. Ich wollte Zeit und Kilometer sparen und daher haben wir in Duba und in Al-Bad übernachtet. Wie gerne hätte ich darauf verzichtet. Und jetzt dürfen wir den großen Bogen nach Tabuk dennoch fahren, weil der Weg durch die Berge gesperrt ist. Klasse. Und natürlich gab es wieder keinerlei Hinweisschilder. Erst am Ort der Sperrung, vor der Schranke, weiß man, dass gesperrt ist.
Also im riesigen Bogen zurück nach Tabuk. Jetzt haben wir doch noch Zeit in das Museum zu gehen. Man muss es ja positiv sehen. Doch das riesige Museumsgebäude ist leer und von der alten Hejaz Bahnstation dürfen wir lediglich drei Häuschen besichtigen. Der Rest, neun Gebäude, sind Offices. Da wird wieder genau hingesehen, ob wir auch ja kein Foto machen. Das hat sich jetzt aber gelohnt. Es ist 12 Uhr Mittag und unser Tagesprogramm ist geplatzt.
Vielleicht läuft es heute besser als in Maqna. Wir fahren dreimal mit der Kirche ums Dorf und versuchen von Süden in die Berge zu kommen. Es scheint zu klappen. Die Zufahrt ins Wadi Rum Saudi-Arabiens ist frei. Der Wind ist schon den ganzen Tag stark und nimmt jetzt noch deutlich zu. Wir geraten in einen Sandsturm. Zuerst sind es nur einige rote Feuerteufel, die in wildem Tanz über die Fahrbahn jagen, sich in den Himmel schrauben und über das Plateau davonsausen. Die Luft ist rötlich verfärbt, genauso wie die Berge und der Sand. Toll sieht das aus. Wenn sie uns erwischen, rauscht und rieselt der Sand um das Auto und für einen kurzen Moment sehen wir nichts. Doch dann nimmt der Sturm zu und die Teufel werden größer. Immer wieder müssen wir anhalten und warten, weil wir absolut nichts mehr sehen.
Vor knapp 2 Wochen ist hier das Tiefdruckgebiet mit dem Schneesturm durchgezogen. Deutlich sieht man die Spuren des Wassers. Heute ist es ein Sandsturm. Wenn die roten Teufel durchgezogen sind, klart es recht schnell auf. Die roten Berge und Felsformationen erheben sich. Pilze ragen in den Himmel. Plötzlich rauscht ein Auto wild mit der Lichthupe blinzelnd auf uns zu. Mitten in der Wüste. Mit Händen und Füßen wird erfragt, ob das unser Auto an der Straße sei. Ob alles ok ist. Ja, alles ist prima. Da ist sie nun wieder, die Freundlichkeit der Bevölkerung. Eine tolle Gegend. Uns hat vor einigen Jahren Wadi Rum in Jordanien schon so begeistert. Heute ist es nicht anders. Was hat die Natur da nur wieder erschaffen.
Irgendwann erreichen wir das Ende der Straße und auch des Tals. Auf dem Rückweg versuchen wir noch einige Abzweige und entscheiden uns dann, doch noch in die Berge hochzufahren. An der Kreuzung steht im Moment kein Safety Car für das NEOM Projekt und somit fahren wir durch. Die Landschaft ist völlig anders als im Paralleltal. Nicht mehr rot, sondern braun. Keine Felsformationen, sondern Berge. Und zwar die höchsten des Landes. Schließlich erreichen wir den Jabal Al-Lawz mit 2556m Höhe. Hier wurden Moses die 10 Gebote auf den Steintafeln übergeben. Unterhalb des Berges befindet sich der Altar der goldenen Kuh. Da Moses so viel Zeit auf dem Berg verbracht hat, dachten seine Gefolgsleute, er sei Tod und haben einen neuen Gott angebetet. Die Kuh. Als Moses zurückkam, zerstörte er die Kuh und sie zogen mit den Gebotstafeln über Mount Nebo bis ins Heilige Land.
Wenige Kilometer hinter Jabal Al-Lawz wurde die Straße wieder gesperrt. Wir sind froh, dass es für uns heute gepasst hat. 30 Kilometer weiter nördlich standen wir heute Morgen und durften nicht weiter. Somit haben wir den Norden umkreist und auch noch durchfahren. So viele Kilometer. Aber schön war es und wir sind zufrieden, dass es doch noch geklappt hat.
Die Sonne geht unter. Uns kommt langsam ein Auto entgegen. Der Beifahrer führt sein Kamel am Strick. So bringt man auch sein Tier nach Hause. Modernes Kameltreiben. Wir freuen uns an diesem Anblick und nachdem wir uns zugewunken haben, zieht jeder seiner Wege.
Wer also den Norden Richtung Jordanische Grenze in näherer Zukunft bereisen möchte, sollte alle Touren von Tabuk aus unternehmen. Dort sind die kleinen Straßen offen. Mit etwas Glück müsste es klappen. Die große Verbindungsstraße nach Norden Duba - Neom - Haql sind fahrbar.Meer informatie

Reiziger2029 werden die Asiatischen Winterspiele in Saudi-Arabien abgehalten, beschlossen vom asiatische Olympia-Komitee. Da kann man nur den Kopf schütteln 😭.

ReizigerGenau. Das ist verrückt. Deshalb muss Trojena auch fertig werden. Skifahren in tiefer Wüste. Aber vor knapp 2 Wochen war dort der Wintereinbruch mit Schnee.

ReizigerEs laufen wohl Gespräche mit China und Südkorea, die Winterspiele in Saudi-Arabien abzugeben! Noch eine schöne Reise 🙋🏽
Dumat Al-Jandal - Marid Castle
30 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 13 °C
Unser heutige Strecke Richtung Sakaka führt uns durch die Wüste. Nur Wüste. Nur roter Sand. Kaum ein Hügel, kaum ein Fels. Endlose rote Weite. Man könnte dies jetzt als trostlos empfinden. Aber nein - das Gegenteil ist der Fall. Durch dieses Nichts wird einem die Größe bewusst. Man entschleunigt, obwohl wir zügig fahren, weil um uns herum die Welt stehen zu bleiben scheint. Wir fahren und fahren, fast 5 Stunden, und alles bleibt schlicht rot. Ein unglaubliches Erlebnis. Hier wird diese Unendlichkeit der Landschaft besonders deutlich.
Die Arabische Halbinsel wird von den trockensten Wüsten und unwegsamen Gebirgen durchzogen. Daher spielen in der Siedlungsgeschichte dieser Region Oasen eine große Rolle. Zwischen diesen wasserspendenden Ortschaften spannte sich das Netz der lukrativen Karawanenrouten. Handelsreisende konnten sowohl ihre Vorräte auffüllen, als auch Schutz vor Überfällen erhalten. Die Oasenstädte erhoben für diesen Service Zölle und konnten entlang der wichtigen Routen großen Reichtum aufbauen.
Dumat al-Jandal ist eine dieser Oasen und gehörte einst zu den Reichen der Nabatäer und Römer. Sie liegt weit im Norden Saudi Arabiens in der Wüste Nefud an der Kreuzung zweier historischer Handelsrouten der Nabatäer. Unter ihnen florierte der Handel in der Region und die Stadt gewann an Bedeutung. Um diesen strategisch wichtigen Posten zu schützen, mussten auch Verteidigungsanlagen errichtet werden. Die Festung Marid, die auf einem natürlichen Hügel am Rande der ehemaligen Siedlung steht, entstand.
Mit der Verlegung der Handelsrouten entlang der Küstenstraßen verlor Dumat al-Jandal an Bedeutung. Heute kann man die verworrenen Straßen der Stadt erkunden, auf das Minarett der Omar Moschee klettern und natürlich die Festung nach belieben erkunden. Man fühlt sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.
Der untere Teil des Bauwerkes wurde aus Steinen errichtet. Die oberen Mauern sind aus Lehm. In der Befestigungsanlage befinden sich mehrere Innenhöfe und Türme. Manche Wehrtürme sind sogar 12m hoch. Bei einem Spaziergang durch die Burgkorridore und beim Betreten der ehemaligen Räumlichkeiten fühlt man sich wie auf einer Zeitreise. Die rundlichen Lehmtürme erheben sich gegen den blauen Himmel. Wunderschön. Es finden sich viele schöne Aussichtspunkte mit Blick über die grüne Oase. Auch in Usbekistan haben wir schon alte Lehmfestungen gesehen. Doch diese waren kaum noch erhalten. Das Marid Castel hingegen ist ein Traum.
Die Omar ibn al-Khattab Moschee ist bekannt für ihre Architektur, die der frühen Prophetenmoschee in Medina ähnelt. Das 12m hohe Minarett sieht man von mehreren Stellen aus der Burg. Dahinter erstreckt sich, schon fast unterirdisch, eine der ältesten Moscheen der Welt. In den steinernen Säulengängen der Moschee sind Teppiche ausgebreitet. In den kleinen Wandnischen liegen Exemplare des heiligen Korans. Solch eine Art Minarett habe ich noch nie gesehen. Ich bin begeistert. Diese Bauwerke sind ein Grund, weshalb ich nach Saudi-Arabien reisen wollte.
Neben der Moschee beginnt das alte Lehmdorf. Viel ist davon nicht mehr übrig, aber einige Lehmhäuser wurden teilweise wieder aufgebaut. Auf der anderen Seite des imposanten Marid Castel liegt das moderne Museum. Ein grandioses, elegantes Bauwerk, das sich in die Landschaft einfügt. Glückwunsch an den Architekten. Wir werden freundlich empfangen, trinken Café und Tee und führen sehr interessante Gespräche. Als wir schließlich das Museum besichtigen wollen, werden wir enttäuscht. Es öffnet in einem halben Jahr und wird gerade mit Artefakten bestückt. Wir sind zu früh. Aber es hat sich schon gelohnt, dieses Gebäude zu sehen. Die Ausstellung wird bestimmt grandios.
Öffnungszeiten täglich 10 - 18 Uhr, Freitag 13-18 Uhr Eintritt freiMeer informatie
Rajajil Säulen
30 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 15 °C
Ein kurze Fahrt führt uns nach Rajajil. Ich biege rechts von der großen Straße ab und folge einigen LKWs. Plötzlich endet die Straße. So etwas kommt vor. Aber bisher ging es immer weiter. Hier nicht. Doch was machen die LKWs? Einige Betonblöcke, um die Straße abzusperren, sind etwas verschoben worden. So geht es im Slalom durch die Blöcke, dann ein Stück offroad, wieder durch Blöcke, dann ein Stück geteert. Meine LKWs biegen auf eine andere Piste ab, aber ich weiß ja nun, wie man das macht. Einfach weiter, obwohl alles gesperrt ist und es überhaupt keine Straße gibt. Ohne meine „Vorfahrer“ wäre ich da nie hineingefahren. Und dann sind wir auch schon da.
Die Rajajil-Säulen, auch bekannt als „Stonehenge Saudi-Arabiens“, sind eine mysteriöse Stätte südlich von Za’abal Castle. Rajajil bedeutet „Ansammlung von Männern“ , da die Säulen aus der Ferne einer Gruppe stehender Männer ähneln. Sie gilt laut Historikern als das älteste Denkmal der Region. Schätzungen zufolge stammen die Säulen aus der Zeit um
4 000 v. Chr. Der Ursprung des Denkmals ist rätselhaft und die Rajajil-Säulen sind mit vielen Mythen verbunden. Auf dem Gelände sieht man mehr als 50 Gruppen mit je vier der 2-3m großen, antiken Säulen mit ihren thamudischen Gravierungen. Die Steinsäulengruppen sind zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang hin ausgerichtet. Sie könnten somit für astronomische Berechnungen verwendet worden sein.
Es wird aber auch für möglich gehalten, dass die Säulen Orientierungspunkte für Handelsrouten waren: Al-Jawf war ein wichtiger Zwischenstopp auf mehreren antiken Handelsrouten. Eine der ältesten Landrouten der Geschichte verlief vom Jemen parallel zur Küste des Roten Meeres durch Medina, Al-Ula und Mada'in Saleh. Sie bog nach Nordosten nach Al-Jawf ab und führte dann Richtung Damaskus und Türkei. Die Steine könnten ein Wegweiser für die Kreuzung gewesen sein und den sichersten Weg angezeigt haben, um den rauen Sand des Großen Nafud zu umgehen.
Uns erwartet ein wunderschönes, neues Besucherzentrum. Wir werden mit saudischem Kaffee und Datteln bewirtet. Das ist jetzt Kaffee Nummer drei. Es gibt sowohl frische Datteln, als auch welche, die in einem Pulver, das ein wenig wie Schokolade schmeckt, aber keine ist, gewendet wurden und wie Pralinen aussehen. Sie schmecken herrlich. Wir werden durch das kleine Museum geführt und sehen uns einige sehr gut aufbereitete Videos über die Region und über die Ausgrabungsstätte an. Toll gemacht. Eine Dame entschuldigt sich in sehr gutem Englisch, dass sie kein Englisch kann, während unser Guide eine Sprache spricht, die Englisch sein soll, ich aber überhaupt nicht verstehen kann. Doch die Dokumentationen machen alles wett.
Im Anschluss daran geht es zu den Rajajil Säulen. Wir dürfen in das Gelände rein. Ganz nah an die Säulen ran. Keiner hat Angst, dass wir etwas kaputt machen könnten. Wir werden nicht bewacht. In Al-Ula haben wir wirklich Schaden genommen, wegen dieser verrückten Bewacherei. Es gibt sie sonst nirgends im Land.
Die Säulen sind absolut faszinierend. Wenn man nur wüsste, welche archäologische Interpretation die Richtige ist.
Öffnungszeiten täglich 10-18 Uhr, Freitag 13-18 Uhr, Eintritt freiMeer informatie
Sakaka - Za‘abal Castle
30 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 16 °C
Der Tag neigt sich dem Ende entgegen und wir haben auch beinahe unser Tagesziel erreicht.
Sakaka ist eine historisch bedeutsame Stadt, da ihre Geschichte bis zu den Nabatäern zurückreicht. Zaabal Castle wurde wahrscheinlich auf alten Ruinen errichtet, deren Ursprünge in der Zeit der Nabatäer liegen. Die Za’abal Burg thront seit ca. 400 Jahren auf einem hohen Felsvorsprung. Sie besteht aus vier Türmen, die durch eine einzige Mauer verbunden sind. Dadurch entstand ein Hof, in dem sich Wasser sammelte, das dann in die Brunnen der Stadt geleitet wurde. Die Lage auf dem Felsen ist imposant. Die Burg überblickt die gesamte Oase. Ein toller Ort.
Unter der Burg findet man Überreste von Lehmhäusern, den sogenannten Al-Dula Neighborhood. Viel ist von den alten Häusern leider nicht übrig geblieben.
In der Umgebung erheben sich viele tolle Felsen. Wir klettern auf einige hinauf und haben von dort einen schönen Blick auf die Festung. Dabei entdecken wir auf dem Gestein alte Petroglyphen, die wir uns begeistert ansehen. Viele Kamele sind hier abgebildet.
Der Sisra-Brunnen ist einer der ältesten Brunnen in der Region und stammt ebenfalls aus der Zeit der Nabatäer. Er liegt in der Nähe des Za’ abal Castle. Im Felsen im Inneren des Brunnens kann man den Eingang eines Kanals sehen, der während der nabatäischen Zeit im ersten Jahrhundert n. Chr. dazu diente, Wasser zu Bauernhöfen zu transportieren. Der 15m tiefe Brunnen wurde in den Stein gehauen. Man konnte das Wasser über eine Treppe erreichen. Hier gibt es ebenfalls ein neu gestaltetes, tolles Besucherzentrum, in dem wir Kaffe Nummer vier zu trinken bekommen. Ich spüre schon, wie man Herzschlag zunimmt. Kaffee am frühen Abend. Ich trinke nie Kaffee. Das kann eine Nacht werden. Wahrscheinlich bin ich so munter, dass ich ohne Pause direkt nach Riyadh durchfahren könnte.
Das Besucherzentrum ist wieder sehr informativ und toll gestaltet. Die Frau, die uns führt, spricht tolles Englisch. Das macht richtig Spaß. Nach einigen Videos, in denen auch Orte genannt werden, die ich noch nicht kannte und die wir heute noch googeln werden, sehen wir uns die Quelle an, steigen nochmals in die Felsen, um weitere Petroglyphen zu finden (erfolglos) und sehen uns den Sonnenuntergang über dem Za‘ abal Castle an. Das ist ein wunderschöner Abschluss eines tollen Tages. Heute passt alles. Alle Straßen geöffnet, keine Umwege. Perfekt.
Öffnungszeiten täglich 10-18 Uhr, Freitag 13-18 Uhr, Eintritt freiMeer informatie
Petroglyphen von Jubbah
31 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 15 °C
Einige Kilometer liegen mal wieder vor uns. Wir fahren durch die tiefrote Wüste. Düne reiht sich an Düne. Nicht spektakulär, aber schön. Alle Dünen sind mit grün grauem Gesträuch bewachsen. Das perfekte Futter für Kamele. Wir fahren im Rhythmus der Dünen bergauf und bergab, während der Hochgeschwindigkeitszug eine gerade Trasse erhalten hat. Für ihn wurden alle Dünentäler aufgefüllt. Für uns zum Glück nicht, sonst wäre die Fahrt doch sehr eintönig. Gegen Mittag tauchen in dem weiten Feld plötzlich 4 Berge auf. Die einzigen in der gesamten Umgebung. Sie sind unser Ziel und definitiv nicht zu übersehen.
Einen weitreichenden Einblick in das Leben auf der arabischen Halbinsel bieten Petroglyphen, die überall im gesamten Land auf Felsen hinterlassen wurden. Die verschiedenen Fundstellen geben bis heute Rätsel auf und bringen uns zum Staunen.
Eine der umfangreichsten Fundstellen findet man in der Oasenstadt Jubbah. Hier erstreckt sich die Wüste Nefud, ein schier endloses, trockenes Gebiet aus Sand und Geröll. Und mitten drin ragt der Fels Jabal Umm Sanman aus dem Sand. Er ist überzogen mit Petroglyphen.
Das Gelände um den Jabal Umm Sanman ist ziemlich weitläufig und teilweise nur schwer zugänglich. Daher – und auch zum Schutz vor Vandalismus – kann das Gelände nicht frei erkundet werden. Es wurden Podeste errichtet, um die höhergelegenen Petroglyphen ohne unnötige Kletterpartien anschauen zu können. Doch zunächst betritt man wieder ein sehr schön gestaltetes Visitor Center und wird mit Kaffee und Datteln versorgt. Danach erfolgt eine Erklärung zur Umgebung und einige wieder sehr schön gestaltete Videodokumentationen. Wir entdecken dabei noch weitere Orte, die wir uns in Jubbah unbedingt ansehen wollen. Unser Tagesprogramm füllt sich.
Es finden sich hier vor allen Dingen Abbildungen verschiedener Tiere. Aber auch frühe Formen der arabischen Schrift durchziehen große Flächen des Geländes. Vereinzelt gibt es sogar Abbildungen in menschlicher Form. Wir entdecken den König an einer Felswand, dann einen Jäger, der die Tiere mit einem Boomerang erlegt und einen weiteren Jäger, der mit Pfeil und Bogen auf der Jagd ist. Diese drei Figuren sind lebensgroß und unheimlich beeindruckend, noch nie habe ich so schöne Darstellungen gesehen.
Die Abbildungen lassen sich auf einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren datieren. Die ältesten stammen aus der Jungsteinzeit (ab ca. 8.000 v. Chr.) bis hin zur Eisenzeit (ca. 1.000 v. Chr.).
Anhand der Bilder wird die Veränderung des Klimas und der Lebensbedingungen auf der Arabischen Halbinsel sichtbar. Heute ist Saudi Arabien ein extrem trockenes Land. Die ältesten Abbildungen in Jubbah zeigen jedoch, dass es vor einigen Jahrtausenden hier noch ganz anders ausgesehen haben muss. Vogelstrauße haben hier gelebt. Neuere Abbildungen zeigen vor allem Tiere, die deutlich besser an trockene und karge Landschaften angepasst sind. Das Kamel dominiert fortan die Felswände. Anhand von Jagdszenen erkennt man die Domestizierung der Tiere. Aber auch viele Steinböcke und Gazellen finden sich an den Felswänden.
Ein weiteres Highlight ist ein Pferdegespann das einen Wagen zieht. Dieses liegt einige Kilometer entfernt. Ein Fahrer bringt uns dorthin und schließt auf. Eine tolle Abbildung.
Der Jabal Umm Sanman ist unglaublich faszinierend. Nicht nur die Petroglyphen, sondern auch die außergewöhnlichen Felsformationen, die sich in der Landschaft finden. Ein toller Ort.
Öffnungszeiten täglich 10-18 Uhr, Freitag 13-18 Uhr, Eintritt freiMeer informatie
Jubbah - ein toller Ort
31 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ 🌬 19 °C
In der Videopräsentation des Besucherzentrums entdecken wir zwei weitere Orte, die wir in Jubbah unbedingt sehen wollen.
Der Al-Naif Palast ist eine wunderschöne Anlage in typischer Lehmbauweise, die mir so gut gefällt. Wir werden freundlich begrüßt und trinken (mal wieder) Kaffee und essen Datteln. Dieses Prozedere gehört einfach zur saudischen Gastfreundschaft. Danach besichtigen wir die Räume des alten Lehmhauses. Alltagsgegenstände, die zum Leben in der Wüste mit den Kamelen gehören, sind hier ausgestellt. Es ist schön gemacht und gibt Einblick in das Leben mit der Wüste. Am besten gefällt mir der große, alte Brunnen. Er wird mit Kamelen betrieben. Sie ziehen an Seilen die Lederbeutel mit dem Wasser aus dem über 30m tiefen Brunnen. Dieses fließt direkt in die Falaje und gießen die Palmen. Diese Brunnen gibt es schon seit mehreren 100 Jahren.
Danach besichtigen wir eine alte Lehmstadt. Auch hier beginnen wir wieder mit Kaffee, Datteln, Orangen und Bananen. Alles wächst in der Oase. Danach laufen wir durch das Lehmdorf. Die Häuser können hier von Innen angesehen werden. Wir erkunden Lagerräume, die Küche, Schlafplätze und sehen zu, wie der Kaffee zubereitet wird. Zunächst werden die Bohnen über dem Feuer geröstet, dann gemahlen und danach direkt mit heißem Wasser aufgekocht. Auch hier gibt es wieder diesen beeindruckenden Brunnen. Zum Abschluss erhalten wir jeder noch eine Schale mit Datteln. Ich freue mich sehr, da ich Datteln sehr gerne esse.
Da es sich hier um private „Museen“ handelt, muss zum ersten Mal Eintritt gezahlt werden, was wir sehr gerne machen. Hier ist nur Bares Wahres und ich bin froh, dass ich noch welches habe, denn eigentlich kommt man mit der Kreditkarte bestens durchs Land.
Zufrieden machen wir uns auf nach Ha‘il. Unseren letzten Streckenabschnitt für heute. Kaum verlassen wir Jubbah, tauchen wir wieder in die rote Dünenwelt ein. Diese bleibt unser treuer Begleiter, bis wir den Stadtrand von Ha‘il erreichen.Meer informatie
Ha´il - A´arif Fort
31 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 19 °C
Die Hauptattraktion in Ha’il ist das kleine, aber sehr schön restaurierte A’arif Fort. Es liegt auf dem Gipfel des gleichnamigen Jabal A'arif und wurde 1840 aus Stein und Lehm erbaut. Ha´il lag auf der Pilgerroute zwischen Iraq, Türkei und Mekka und hatte eine strategisch wichtige Lage. Die Festung wurde errichtet, um vor Bedrohungen zu schützen. Die Zitadelle verfügt über mehrere Wachtürme. Von oben hat man einen herrlichen Panoramablick auf die Stadt. Später wurde A’arif Fort zur Feier des Ramadan-Halbmonds genutzt und seine Kanone verkündete mit 7 Schüssen das Fastenbrechen und den Beginn des Fastens im heiligen Monat Ramadan.
Am späten Nachmittag besteigen wir den Jabal A‘arif und besichtigen das Fort. Eine schöne Anlage in typischer Lehmbauweise. Wir treffen dabei auf zwei sehr nette Saudis, die auch noch englisch sprechen und uns die Geschichte des Forts erzählen. Außerdem erzählt er uns, was die traditionelle Kleidung ausmacht und dass die Kaftane im Winter aus weicher, dunkler Wolle hergestellt sind, während im Sommer weiße, dünne Kaftane getragen werden. Und es stimmt, sein Kaftan fühlt sich herrlich warm an.
Die Festung gefällt uns sehr gut. Verwinkelte Gasen, Nischen, tolle Türme. Wir fühlen uns wieder in eine andere Zeit zurück versetzt.
Der Qishlah-Palast steht mitten in der Stadt. Es handelt sich um ein quadratisches, zweigeschossiges Gebäude aus Steinen und Lehm, das in den 1930er Jahren als Kaserne für die Truppen von König Abdulaziz diente. Später wurde es in ein Gefängnis umgewandelt. ein riesiges beeindruckendes Gelände, das uns irgendwie in seinen bann zieht.
Der große Barzan-Palast umfasst eine Fläche von mehr als 300.000 Quadratmetern. Das Gebäude hatte 3 Etagen. Leider wurde der Palast in den 1920er Jahren zerstört. An seine einstige Pracht erinnert heute noch ein verbliebener Turm.
Am Abend bummeln wir noch über den Suq. Naja, wir versuchen es zumindest. Einen Suq wie wir ihn aus dem Oman oder Jordanien kennen, haben wir hier noch nicht gefunden. Auch heute werden wir solch einen Suq nicht finden. Kein Obst, kein Gemüse, keine Gewürze. Er ist modern, kleine Geschäfte reihen sich in einer Art Fußgängerzone aneinander. Es wird viel Gold verkauft, Abayas und Kaftane, Parfüm und Weihrauch. Der Weihrauch ist hier in Holzform zu kaufen, aus dem Oman kennen wir das als Harz. Touristen werden auf diesem Suq kaum etwas finden, Die Saudis kaufen hier ein. Die Damenwelt scheint Einkaufen zu lieben. Viele edel aussehende Tüten werden nach Hause getragen. Und ich? Mir fällt auf, dass ich hier gemustert werde. Ständig ruhen dunkle Augen auf mir. Beobachtend, neugierig, überrascht. Es sind nicht die Männer, sondern die Frauen, die mich ansehen. Wir fallen auf. Ich falle auf. Als einzige in westlicher Kleidung und vor allen Dingen ohne Kopf- und Gesichtsbedeckung. Hier gibt es außer uns keine Touristen. Sie sind zwar in der Stadt. Aber der Guide führt seinen Bus nicht auf den Suq, sondern auf direktem Weg ins Hotel. Es ist unsere erste Reisegruppe, der wir hier begegnen. Sie kommen aus Athen. Ansonsten haben wir allenfalls mal zwei westliche Touristen pro Tag gesehen, wenn überhaupt. Das Land hat praktisch noch keinen Tourismus. Somit falle ich auf und werde beäugt. Nicht negativ. Aber ungewohnt, so angesehen zu werden. Eine interessante Erfahrung.Meer informatie
Einen guten Rutsch
31 december 2025, Saoedi-Arabië ⋅ 🌬 19 °C
Wo auch immer ihr gerade auf der Welt seid, wir wünschen euch einen guten Rutsch ins Jahr 2026 und weiterhin viele tolle Reiseerlebnisse!
Liebe Grüße aus Saudi-Arabien.

ReizigerGanz liebe Grüße zurück und auch Euch einen guten Rutsch, alles Gute fürs neue Jahr, voll mit Gesundheit, Frieden und vielen schönen Reiseerlebnissen. Wir sind gerade in Cochrane, bevor wir uns wieder in eine fast Internet freie Zone begeben.

ReizigerDanke, euch auch einen guten Rutsch und alles Gute und viele tolle Reisen in 2026. 🍀🐷🎆🛫🥂🤗
Fayd
1 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 14 °C
Es war ein Silvester ohne Silvester. Keine Böller, kein Krach, kein Licht. Da hier ein anderer Kalender gilt, ist Silvester kein Thema. Ich konnte somit wunderbar schlafen. Wir starten entspannt in einen herrlichen Morgen. Immer wieder gibt es auf der Strecke die Polizei Checkpoints. So auch heute. Ich werde Slow. Was immer auch Slow bedeutet, dem Polizisten heute war mein slow zu fast. Ich muss halten. Ich zeige ihm den Führerschein und er hat keine Ahnung, was ich ihm da zeige, bzw. was er sich da gerade anschaut. Er will das gleiche Dokument von Moritz. Aber er hat ja noch gar keinen Kartenführerschein, sondern nur den für begleitetes Fahren, was es nur in Deutschland gibt. Was ihm also zeigen? Ich eiere herum. Erklären kann ich es ihm nicht. Schließlich will ich zum Kofferraum die Pässe holen. Das will er dann aber nicht. Ich bekomme meinen Führerschein zurück und höre ein mahnendes Slow - beim nächsten Mal. Heute war ich eigentlich langsam. Sonst bin ich immer schneller durchgefahren. Nunja. Slow ist eben nicht Slow.
Zügig erreichen wir Fayd. Es hat noch geschlossen, aber wir werden freundlich hereingebeten und dürfen uns schon das Museum ansehen. Wie immer: ein tolles Besucherzentrum. Sehr informativ. Als wir nach einer knappen Stunde alles durchgelesen, die Videodokus angesehen und den Kaffee getrunken haben, geht es aufs Gelände.
Fayd war vor Hunderten von Jahren eine blühende Oasenstadt. Wie die meisten Städte der Region, lag sie auf der Handelsroute und dem alten irakischen Pilgerweg, dem so genannten Darb Zubaydah, nach Mekka. Nach einiger Zeit entstand hier nicht nur eine Siedlung, sondern auch die 750 Meter lange Festung Al-Kharash, die von einer 7m hohen Mauer umgeben ist und 10 Türme hat. Es gab riesige Zisternen (22 Meter breit und 2 Meter tief) und ein großes Bewässerungsnetz. Die Gebäude von Al-Kharash wurden aus schwarzem Basalt aus den umliegenden Lavafeldern erbaut. Darin unterscheidet sich Fayd von den anderen antiken und mittelalterlichen Zitadellen.
Das Museum von Fayd zeigt das Leben in der antiken Stadt mit Artefakten wie Mühlsteinen, Juwelen, Tonkrügen, Töpferwaren und Weihrauchgefäßen.
Viel ist von der alten Oasenstadt nicht übrig geblieben. Einige Außenmauern und Häuser wurden restauriert. Durch die Videodokus kann man sich aber das damalige Leben sehr gut vorstellen. Man spaziert mit anderen Ideen durch die Steinhäufen. Fayd ist auf jeden Fall ein Ort, den man nicht auslassen sollte.Meer informatie
Al-Hamra Vulkankrater
1 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 20 °C
Wir verlassen Fayd und fahren in die nähere Umgebung, weil es hier viele Vulkane gibt. Eigentlich haben wir unser Ziel vor Augen. Doch dann sticht mir ein Bergmassiv ins Auge. Da will ich ihn. Stück für Stück arbeiten wir uns Richtung diesem Tafelberg - ein gewaltiger Vulkan. Wir kommen gut an ihn heran. Saudis lieben Rast- und Spielplätze. Sie legen diese für 100e Autos an. Wir haben noch nie jemanden dort parken sehen. Solch einen Platz entdecken wir auch hier. Wir stoppen mit Blick auf den Vulkan, klettern über eine Mauer und können nun an der Abbruchkante entlanglaufen. Es ist aber nicht die Abbruchkante des Vulkans, sondern der Landschaft. Hier gibt es nur eine Farbe: dunkles rostbraun. Kein Grün, keine Pflanze, kein anderes Gestein. Eine riesige, rostbraune Steinwüste. Die Lavabomben liegen überall. Kleine, große, riesige. Es ist eine Kraxelei. Teilweise sind die Lavabomben durch die Temperaturunterschiede gesprengt worden. Wir steigen auf und erleben immer grandiosere Ausblicke. Uns ist noch nicht klar, dass wir nach einigen Metern in eine riesige Kaldera blicken werden. Ist das ein Anblick. Atemberaubend. Es verschlägt uns die Sprache. Klar ist nur, wir müssen und wollen weiter. Wir wollen sie umrunden. Nein, das ist zu weit. Wir wollen aber den kompletten Blick in die Kaldera. Als wir zurückblicken, sehen wir weit entfernt unser Auto. Mal wieder ein kleiner Punkt. So weit sind wir schon gelaufen? Man merkt es kaum. Die Landschaft zieht uns in ihren Bann. Saudi-Arabien flasht uns mal wieder. So klettern wir noch etwas weiter, steigen immer höher am Rand entlang, bis wir schließlich in den ganzen Krater blicken können. Das Tiefdruckgebiet vor zwei Wochen hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Im Krater steht noch Wasser. Darin spiegeln sich die Kraterberge. Es ist schlicht spektakulär.
Auf dem Rückweg entdecken wir, dass diese Traumnatur Al-Hamra Krater genannt wird. Eigentlich wollten wir hier überhaupt nicht her, sondern zu einem ganz anderen Vulkankrater. Er liegt einige Kilometer weiter in dieser herrlichen Landschaft.Meer informatie

ReizigerVon dem Krater hatte ich schon Aufnahmen gesehen und fand ihn da schon toll. Klasse Aufnahmen 👏

Reiziger… oder war es ein anderer Krater dort? Auf alle Fälle wunderschön.

ReizigerEs gibt dort viele Krater. Insgesamt eine wunderschöne Ecke des Landes. Nur für uns. Keine anderen Menschen vor Ort.

ReizigerDiese Landschaften sind wirklich ein Traum und so andere Farben, als bei uns … wobei heute … Du wirst dann sehen.

ReizigerDas hatte auch der Overlander geschrieben, wo ich seinerzeit von diesem Gebiet las. Mein ehemaliger CFO hat als Kind in Saudi-Arabien gelebt, da sein Vater dort arbeitete. Er schwärmte immer sehr von den landschaftlichen Schönheiten des Landes.

ReizigerDie Landschaften sind auch grandios. Ein tolles Reiseland. Aber noch ganz am Anfang des Tourismus. Sehr schön für uns. Wir sind eingetlich immer allein .

ReizigerEs freut mich so für Euch, dass Ihr die richtige Wahl getroffen habt 👍.
Al Hitaymah Vulkankrater
1 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 21 °C
Weiter geht es durch die rotbraune Landschaft. In der Ferne erheben sich die Vulkanberge. Nach einiger Zeit erreichen wir den Abzweig zum Al Hitaymah Krater. Die Piste sieht gut aus. Das müsste mit meinem Auto machbar sein. Los geht es. Zunächst fester Gravel, dann heftiges Wellblech und schließlich Sand. Der wird immer tiefer und ausgefahrenen. Mir wird heiß. Es kommen Senken. Kann ich noch zurück? Dann wird es wieder fester und ich will schon aufatmen, als es noch viel schlechter wird. Das Auto schwimmt. Das geht nicht. Ich schaffe das nicht. Ich halte, drehe vorsichtig im Sand, um mich ja nicht festzufahren. Zurück. Doch auf dem Rückweg sieht manches, was auf dem Hinweg nicht so schlimm aussah, viel schlimmer aus. Mir wird wieder heiß. Was einmal ging, muss auch ein zweites Mal gehen. Und ja. Wir kommen wieder auf festen Grund. Schade, aber das geht mit diesem Auto wirklich nicht. Nächstes Mal muss ein 4x4 her. Wir fahren noch ein Stück in die Berge und ich entdecke einen großen Greifvogel. Dann fotografiere ich eben den, statt des Vulkankraters. Ein Auto hält neben mir. Ob ich einen Kaffee möchte und nach Ha‘il fahre. Nein, ich will weder Kaffee noch fahren wir nach Ha‘il. Da kommen wir her. Der Saudi fährt weiter und wir auch. Er wartet aber auf uns und zeigt uns ein toll auf den Berg gebautes Haus. Ein Cafe. Er will uns hinauffahren. Wir sollen die Aussicht genießen. Nun gut, warum nicht? Sein Auto kämpft sich durch die Felsen. Teilweise geht es blanken Fels hinauf und hinunter. Wer baut so ein Café? Doch sein 4x4 kämpft sich nach oben und schafft die Strecke mit Bravur. Wir erreichen unser Ziel. Die Aussicht ist spektakulär zumal unten eine große Herde Kamele durch den Sand läuft. Sie umkreisen mein Auto. Es sieht toll aus. So viele. Das Café ist nicht besetzt. Aber der Ausblick ist wunderschön. Plötzlich ist Moritz Besitzer einer Uhr und einer Sonnenbrillle. Hm. Außerdem werden wir gefragt, ob wir Hilfe brauchen, ein Hotel, sonstiges. Nein, alles bestens. Dann komme ich auf die Idee und frage, ob ich mit meinem Auto den Al Hitaymah Krater erreichen kann. Nein - niemals. Aber er bringt uns gerne hin. Wenn er wüsste, dass wir fast schon dort waren. Mit meinem Auto.
Wir machen sogar noch einen Umweg zu einem anderen, riesigen Krater, in dem mittlerweile einige Oasendörfer liegen. Alle verlassen. Wir sehen auch gleich den Grund. Das Wasser, vor allen Dingen das von vor 2 Wochen, hat tiefe Krater und Canyons ins Erdreich gespült. Sie enden im Moment kurz vor dem Dorf. Hier kann man nicht mehr leben. Die unheimliche Kraft des Wassers wird hier sichtbar. Erschreckend und beängstigend. Der Ausblick in den Oasenkrater ist aber toll. Es folgt ein kurzes Telefonat. Dann biegen wir schon wieder ab, halten vor einem Haus und drei Kisten Datteln, die dort schon auf uns warten, landen neben mir auf dem Sitz. Ja, er hat von Datteln gesprochen. Ich dachte an ein 500g Päckchen. Aber doch nicht drei riesige Kisten. Mal sehen. Am Abend stellen wir fest, das es sich um 12kg Datteln handelt. Wie sollen die nach Deutschland fliegen?
Weiter geht es und schon biegen wir auf die Kraterpiste ab. Aus Jeepperspektive sieht die Piste noch viel schlimmer aus. Gott, wie konnte ich da überhaupt fahren? Aber irgendwie ging es ja offensichtlich. Er saust durch den Sand, wir fliegen über das Wellblech und spüren es kaum. Tiefsand, Steine - kein Problem. Nach fünf Minuten sind wir unterhalb des Kraterrands. Ich will aussteigen und hochsteigen. Kommt nicht in Frage. Ein Saudi läuft nicht. Das Auto kämpft sich kurz die Felsen hoch. Geschafft. Und der Ausblick? Ohne Worte. Wahnsinn, spektakulär, atemberaubend, grandios…… Wir blicken in den Krater. Unten steht Wasser. Die Kraterwände spiegeln sich. Die Wasserstelle ist von einer weißen Salzschicht umgeben. Im Hintergrund, in der Mulde des Kraterrandes, thront in der Ferne der nächste Vulkan. Und mal wieder: wir sind geflasht. Wir genießen diesen wundervollen Ort und fahren dann wieder zurück. Nicht auf der zerfurchten Piste, sondern daneben. Und dieses daneben ist wunderbar. Das hätte ich mit meinem Auto auch geschafft. Ich muss lernen weniger in Wegen und Pisten, sondern mehr in Richtungen zu denken. Eigentlich kenne ich das doch schon aus der Mongolei. Kurz bevor wir die Straße erreichen, werden wir noch auf einen Kaffee eingeladen. Wir können nicht ablehnen, obwohl es schon spät ist. Es folgt wieder ein Telefonat und als wir ankommen - ja wo eigentlich, ist der Kaffee schon fertig. Wir sind uns nicht sicher, ob es das Privathaus eines Bekannten ist. Wir werden begrüßt. Ich bin zurückhaltend. Aber ich erhalte von allen einen Handschlag im Gegensatz zu manch deutscher Politikerin. Mit Kaffee, Tee und Datteln werden wir bewirtet. Es werden viele Fotos gemacht und mit Google Übersetzer klappt auch die Kommunikation halbwegs. Wir sind eingeladen wieder zukommen. Gleich drei Übernachtungsmöglichkeiten stehen uns zur Verfügung.
Dann brechen wir auf. Wir müssen noch zu unserem Auto zurück, bevor sich unsere Wege trennen. Moritz hatte vor dem Café seine Socken verschwinden lassen. Schließlich stecken sie schon den ganzen Tag schwitzend in den Schuhen. Die nicht vorhandenen Socken sind offenbar aufgefallen. Auf dem Rückweg erhält er neben zwei Handyhüllen auch noch 2 Paar Socken. Was soll ich sagen? Ablehnen zwecklos. Als wir beim Auto ankommen, werden die riesigen Dattelkisten in mein Auto verfrachtet. Widerstand zwecklos. Das ist kein Problem am Flughafen. Die Datteln an sich vielleicht nicht. Aber die Menge. So viele Kilos…. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass es 12kg Datteln sind.
Wir bedanken uns, verabschieden uns und so schnell wie Fahad vor drei Stunden aufgetaucht ist, ist er auch wieder verschwunden.
Wir sind etwas ratlos. Was haben wir da erlebt? Saudische Gastfreundschaft in Reinkultur. Warum wurden wir angesprochen? Warum werden wir eingeladen, beschenkt, herumgefahren? Einfach so? Es gibt keinen Eigennutz. Es war alles viel zu viel. Beschenkt werden wollten wir ja überhaupt nicht. So etwas kennen wir in unserer Welt nicht mehr. Ich werde noch lange darüber nachdenken. Mal sehen, in welche Richtung sich meine Gedanken noch bewegen.Meer informatie
Unayzah - Musawkaf Suq
1 januari, Saoedi-Arabië ⋅ 🌙 18 °C
Wir setzen unsere Reise nach Buraydah - Unayzah fort. Es sind noch knapp drei Stunden Fahrt. Drei Stunden, in denen ich viel nachdenke und am Ende nicht schlauer bin. Meine Gedanken werden kurz vor 16 Uhr unterbrochen. Es ist Gebetszeit. Überall entlang der Autobahn halten Autos und die Männer breiten eine Matte im Sand aus, richten sie nach Mekka und beten. Hier wird der Glaube in tiefer Überzeugung oder besser gesagt, aus tiefem Glauben täglich gelebt. Auch das ist etwas, was in unserer Welt nicht mehr stattfindet. Ich wage das jetzt mal so zu schreiben. Weitere Gedanken wandern durch meinen Kopf. Was denkt man hier von uns? Was sagt man aber zu uns? Kann ich die Menschen hier auch nur ansatzweise einschätzen? Viele Gedanken - ich werde keine Lösung finden.
Kamele fressen das karge, stupfige Grün. Riesige Wasserflächen, gleich Seen, verlaufen entlang der Strecke. Das Tiefdruckgebiet….. man kann seinen Spuren folgen und seinen Weg klar erkennen. Heute haben wir sehr viele Kamele gesehen. Auch hier entlang der Autobahn sind sie. Sie waren eigentlich überall. Wunderschön.
Unsere Reise sollte ursprünglich in Riyadh beginnen und in Jeddah enden. Letztes Jahr gab es aber Anfang Januar in Jeddah heftigste Unwetter und Überschwemmungen. Das kommt im Januar durchaus vor. Daher habe ich die Reise umgekehrt und wir haben in Jeddah begonnen und enden eben in Riyadh. Zum Glück. Wären wir bei der ursprünglichen Planung geblieben, wären wir in Riyadh in das Tiefdruckgebiet geraten.
Wir erreichen Unayzah, als es dunkel wird. Der Tag ist im Winter einfach eine Stunde zu kurz. Würde die Sonne allerdings erst um 18:30 Uhr untergehen, würde mir wahrscheinlich wieder eine Stunde fehlen. Wir checken im Hotel ein und brauchen nur noch ein Abendessen.
Wir fahren zum Musawkaf Suq. Irgendwann bin ich bei meinen Recherchen über diesen Namen gestolpert, habe mich aber nicht weiter informiert, was sich dahinter verbirgt. Es ist ein UNESCO Kulturerbe. Ein uralter Suq aus einer anderen Zeit. Das wunderschöne Lehm-Ensemble besteht aus vielen kleinen Geschäften, aber auch aus einem Museum, das in einem alten Haus der Najd Architektur untergebracht ist. Besonders schön gestaltet sind die Türen. Türen aus Palmholz, die traumhaft schön bemalt sind. Das verwinkelte, alte Gebäude strahlt eine unglaubliche Atmosphäre aus. Wir entdecken einen Dattelspeicher aus damaliger Zeit, einen großen Brunnen und Aufenthaltsräume.
Das gesamte Suqareal verbreitet den Zauber vergangener Zeit. Jetzt fehlen nur noch Kamele, die mit Weihrauch beladen aus der Wüste kommen und über Nacht einen Unterstand suchen. Schade, dass es hier kein Restaurant gibt, in dem man den Abend nach einem tollen Tag ausklingen lassen kann.Meer informatie

SYLWIA B.Deine Erlebnisse machen es spannend für mich. Die Hingabe zum Glauben - ich hoffe, es auch beobachten zu können. Ich meine nicht in einer Moschee. Sondern mitten am Tag. Weit weg von Häusern des Glaubens. Das gibt natürlich zu denke. Die abendlichen Aufnahmen sind wirklich sehr heimelig - mit sehr viel Flair.
Al Qassim - Kamelmarkt
2 januari, Saoedi-Arabië ⋅ 🌙 7 °C
Das Kamel nimmt in der Beduinenkultur einen besonderen Platz ein. In Saudi-Arabien sind Dromedare nach wie vor sehr geschätzte Tiere. Hier werden die arabischen einhöckrigen Kamele gehalten. Sie werden traditionell sowohl als Nahrungs- als auch Lederquelle geschätzt. Die besten und teuersten Exemplare sind reinrassige Renntiere. Das Kamelrennen hat tiefe Wurzeln in der Kultur des Landes.
Am Stadtrand von Buraydah befindet sich der größte Kamelmarkt der Welt. Jeden Morgen um 6 Uhr werden hier Tausende Dromedare, sowie Sättel und andere Zubehöre gekauft und verkauft. Ein Besuch auf dem Markt ist eine hervorragende Möglichkeit, die arabische Kultur kennenzulernen. In den frühen Morgenstunden herrscht hier reges Treiben. Die Hirten lassen die Tiere aus den Gehegen raus, Käufer und Verkäufer verhandeln laut, die Dromedare werden streng unter die Lupe genommen. Es werden aber auch Rinder, Schafe, Ziegen und Geflügelvieh versteigert. Zu kaufen sind auch die dazu gehörenden Eier. Tauben sind auch begehrte Vögel. Es gibt nicht nur unsere Grauen, sondern auch bedeutend schönere Modelle. Ich weiß nicht, ob wir schon ein bisschen spät für den Markt sind. Da es um 6:00 noch Nacht ist, kommen wir kurz vor sieben. Er begeistert uns nicht all zu sehr. Der Ziegenmarkt in Nizwa war da ein ganz anderes Erlebnis.Meer informatie
Al Mithnab
2 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 14 °C
Heute beginnt der letzte Teil unseres Roadtrips durch Saudi-Arabien. Am Abend werden wir Riyadh erreichen.
Nach unserem gestrigen Tag an den Vulkankratern haben wir den kleinen alten Suq in Al Mithnab nicht mehr geschafft. Das wollen wir heute nachholen. Doch es ist Freitag. Freitags geht hier gar nichts. Ich hoffe, dass wir von unseren Plänen heute wenigstens ein wenig erleben dürfen. Vor einer Woche war das ja schon ziemlich schwierig. Freitags darf man hier nur Natur einplanen oder einen Bummel-Schlaftag.
Wir erreichen also diesen herrlichen, kleinen Ort mit seinen wunderschönen beigen Lehmhäusern und den weißen Zinnen. Ein Kleinod. Wir laufen drumherum, aber leider sind alle Tore verschlossen. Wie schade. Die Häuser sind auch alle ziemlich versteckt. Von außen sieht man sie praktisch nicht. Kurz bevor wir enttäuscht zum Auto zurückkehren, sehen wir ein angelehntes, großes Tor. Wir können also doch hinein. Und gerade weil Freitag ist, wird Innen ein Flohmarkt aufgebaut. Alle kleinen Geschäfte sind geöffnet und wir können über diesen wunderschönen alten Suq bummeln. Noch ist fast niemand da. Aber wir sind auch früh dran. Ein Ort, der mich begeistert. Die alte Najd Lehmarchitektur ist das, was mich hier in dieser Gegend so fasziniert. Dazu die bunten, alten, wunderschön gestalteten Türen, die jedes kleine Geschäft verschließen. Und was wird verkauft? Herrliches Gerümpel. Einfach alles wurde aufgehoben. Alte Cola Flaschen teils mit Inhalt, Waschmittel, Verpackungen, Bügeleisen, Fernseher…. Ein Eldorado für Antiquitätenfans. Man sollte eigentlich einfach ein Museum daraus machen. Unglaublich.Meer informatie
Ushaiqer
2 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 18 °C
Durch herrlich rote Dünen fahren wir Richtung Ushaiqer. Heute begleiten uns die Kamele links und rechts der Straße. Immer wieder überqueren sie und wir müssen warten. Wir halten an und folgen ihnen in die Dünen. Natürlich sind sie an Menschen gewöhnt, aber dass sie so neugierig sind und einen beschnüffeln, habe ich nicht erwartet. Es ist nochmals ein wunderschöner Anblick, wie sie majestätisch, absolut lautlos, so würdevoll durch die Dünen schreiten.
Irgendwann stellt Moritz fest, dass zwischen unserem Ort hier und jetzt und Mekka Deutschland liegt. Ganz Deutschland. So klein ist unser Land. Oder besser gesagt, so riesig ist Saudi-Arabien. Sechsmal so groß wie Deutschland.
Das Dorf Ushaiqer ist eines der ältesten Lehmdörfer in der Najd-Region. Die ersten Bewohner ließen sich vor etwa 1500 Jahren hier nieder. Der Ort ist von einer Mauer mit einer Reihe Wachtürmen umgeben. Durch eines der massiven Holztore gelangt man in den eigentlichen Ort und kann wahllos durch die Straßen schlendern und sich in dem Labyrinth der historischen Siedlung zu verlieren.
Typisch für Ushaiqer sind die braunen Lehmfassaden mit einer leicht rötlichen Färbung. Fenster und Türen sind nach obenhin dreieckig, genau wie die Zinnen auf allen Dächern. Alle Konturen und dekorativen Elemente wie Säulen sind mit einem weißen Material überzogen, wodurch die Häuser wie Lebkuchen wirken.
In der Geschichte war Ushaiqer vor allem für Gläubige auf ihrer Pilgerreise nach Mekka von großer Bedeutung. Daher gibt es es in diesem kleinen Ort eine überraschend große Anzahl an Moscheen. Über 20 sollen es sein. Aus meiner Sicht ist die schönste von ihnen die Fulaigiyeh Moschee im Herzen des Dorfes.
Einige der nicht mehr bewohnten Häuser wurden von ihren Besitzern restauriert und können mittlerweile als Museum besucht werden.
Ich bin so erleichtert, als ich sehe, dass es kein geschlossenes Dorf, also ein Freilichmuseum ist, sondern dass wir hinein können. Ushaiqer ist ein Traumort. Hier erleben wir nochmals den Oman. Wir laufen völlig frei durch herrliche Gassen mit wunderschön restaurierten Lehmhäusern. Aber dann gibt es eben auch noch sehr viele unrestaurierte Gebäude. Wir klettern hinein, entdecken manchmal noch Schränke, wunderschöne alte Türen. Die Treppen sind teilweise so abgelaufen, dass sie einer Rampe gleichen. Die eingestürzten Wände sind tolle Kulissen. Durch Löcher blicken wir auf andere Gebäude. Einmal gibt der Boden deutlich nach, als wir beide darauf stehen. Schnell weg hier. Einen Stock tiefer landen, mit der gesamten Decke müssen wir jetzt nicht. Es ist unglaublich spannend, diese lost places zu erobern. Das hat uns im Oman begeistert und heute tut es dies wieder. In diesem kleinen Ort herrscht eine unglaublich schöne Atmosphäre. Es ist ganz still. Die Vögel zwitschern immer wieder. Die Sonne scheint und es ist richtig warm. Die weißen Spitzen der Ummauerungen leuchten in den blauen Himmel. Und in den Häusern und Gängen ist es angenehm kühl. Das ist eben das tolle am Naturmaterial, dass es perfekt zum Klima passt. Vielleicht ist Ushaiqer gerade so besonders schön, weil Freitag ist. Niemand arbeitet und wir können ungehindert durch die Häuser stöbern. Andere Touristen sind nicht hier. Einziger Wehmutstropfen: die beiden kleinen Museen sind geschlossen. Man kann nicht alles haben. Ich stelle mir den Ort am Abend magisch vor, wenn die vielen Laternen angezündet sind und die kleinen Gassen in ein warmes Licht hüllen. Ushaiqer ist definitiv einer meiner Lieblingsorte in Saudi-Arabien. Ein kleines Juwel.Meer informatie
Shaqra
2 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 24 °C
Nachdem uns am Morgen in Al Mithnab von Shaqra vorgeschwärmt wurde und dass es viel schöner als Ushaiqer sei, sind wir nun sehr gespannt, was uns erwartet. Denn schöner als Ushaiqer geht es eigentlich nicht. Shaqra hätte ebenfalls einen kleinen Suq wie wir ihn heute Morgen schon gesehen haben. Doch dieser ist wirklich geschlossen und abgesperrt. Wir entdecken ein paar hübsche Lehmhäuser. Aber alles ist weitläufig und hat keine Atmosphäre. Auch das Viertel mit den teilweise noch zerfallenen Häusern überzeugt uns nicht. Alles nett, aber wenn die Zeit nicht reicht, kann man Shaqra getrost weglassen.
Wir laufen durch eine letzte Gasse und werden von einem Mann in sein Haus eingeladen. Er restauriert dieses gerade und baut es in ein Hotel um. Das, was wir jetzt schon sehen können, begeistert. Das wird ein sehr schönes Hotel werden. Wenige Zimmer, Naturfußboden, Nischen und Elemente der Najd Architektur an den Wänden. Wunderschöne kleine Innenhöfe, in denen Oliven wachsen. Ein zauberhafter Ort. Somit gibt es doch eine Besuchsempfehlung für Shaqra.
Wir gucken um eine letzte Ecke und da Freitag ist, hat sich dort eine ganze Großfamilie vor dem Haus versammelt. Man begrüßt uns, einer der Männer spricht englisch und lädt uns zum Mittagessen ein. Er muss aber erst noch seine Mutter fragen. Die Söhne kommen jeden Freitag ins Haus der Eltern zum Mittagessen. Ob die Töchter auch alle kommen? Gesehen haben wir keine und erwähnt hat sie diesbezüglich auch niemand. Und so sitzen wir kurze Zeit später beim Freitags-Mittagessen einer arabischer Familie. Authentischer geht es nicht. Ich bin unsicher, wo ich hinsoll. Doch ich soll einfach mittenrein unter alle Männer. Der Wohn- und Essensraum ist mit Teppich ausgelegt, auf dem alle sitzen. Entlang der Wand steht eine riesige Sitzumrandung. In zwei Gruppen sitzen die Männer um zwei riesige Platten mit Reis und Huhn. An einer dieser Platten sitzen wir nun auch, man isst mit der Hand. Wir bekommen aber sofort einen Löffel in die Hand gedrückt. Gott sei Dank. Ich mische dann das Hand und Löffel essen. Das klappt gut. Um diese riesige Platte stehen kleine Schalen und Teller mit Salat und Gemüse, die je nach Geschmack unter den Reis gemischt werden. Es schmeckt sehr lecker. Wir werden natürlich ausgefragt und fragen zurück. Einer der Männer hat in Belgien gelebt und deshalb klappt die Kommunikation. So kann ich dann bei 22 Geschwistern auch fragen, wie viele Frauen denn der Vater hat. Es sind vier. Aber mittlerweile hat man nur noch eine Frau, alles andere ist unüblich geworden. Man macht natürlich Fotos von uns. Als man aber fragt, ob man welche machen darf und ich bejahe, unterbindet das der Vater. Sofort verschwinden die Handys. Das ist Autorität. Schließlich sitzen hier nur erwachsene Männer mit eigenen Familien. Am Nachmittag werde ich zu einer der Schwestern eingeladen und Moritz soll zu den Kindern. Doch leider können wir diese Einladung nicht annehmen, da wir noch nach Riyadh fahren müssen. Schade, das wäre bestimmt ein sehr interessantes Erlebnis geworden. Nach dem Essen waschen wir Hände (zum Glück) und ich werde der Mutter vorgestellt. Sie ist neugierig, wer ihr Mittagessen verspeist. Eine nette Frau, die hier zu Hause gekleidet ist wie wir. Mittlerweile sehe ich die Abaya ganz anders. Sie gleicht eigentlich dem Mantel bei uns. Wir verlassen das Haus, außer im heißen Sommer, ja auch mit Jacke oder Mantel. Nichts anderes ist die Abaya. Und es gibt wunderschöne. Die Gesichtsverschleierung ist natürlich ein anderes Thema. Als wir wieder in das Esszimmer kommen, ist die Essensplatte verschwunden und der Tee gerichtet. Blitzschnell ist das passiert. Wir sitzen nun auf der Sitzumrandung und trinken Tee.
Nun stellt sich die Frage, wie wir uns verabschieden. Doch das wird uns leicht gemacht, denn unser Übersetzer muss los und so schließen wir uns ihm an. Wir werden herzlich verabschiedet und sind eingeladen, jederzeit wieder zukommen. Wir gehören jetzt zur Familie. Das ist saudische Gastfreundschaft, die so ganz anders gelebt wird, als bei uns. Unglaublich. Auf unserer weiteren Fahrt denke ich noch viel über dieses Mittagessen und die Herzlichkeit nach.Meer informatie
Tharmida Oasis Fort
2 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 25 °C
Von Shaqra geht es weiter nach Tharmida. Über die Befestigungsanlage ist nicht viel bekannt. Sie wird auch Qasr Al Anakar genannt. Der Palast wurde 1724 n. Chr. von dem damaligen Prinzen von Tharmida erbaut. Das Fort ist in gutem Zustand und wurde wunderschön renoviert. Neben dem Fort befinden sich die Ruinen der ehemaligen Stadt. Sie sind nicht restauriert und man kann durch die alten Gassen schlendern. Dies machen wir hier noch einmal ausgiebig. Wir entdecken alte Schranknischen und wunderschön verzierte Wände. Der Regen ist ein großes Problem für die Lehmdörfer. Wir sehen deutlich, wie das Wasser die Wände hinunter gelaufen ist und sich Lehmberge am unteren Ende der Hausmauern sammeln. Die Türen sind fast bis zur Hälfte ihrer Höhe im Lehm versunken und sind heute wie einbetoniert. Diese Dörfer gehen verloren, wenn man sich nicht schnell um sie kümmert. Es wird ein harter Zweikampf zwischen Dorf und Regen werden. Wer am Ende der Gewinner sein wird? Ich fürchte der Regen.Meer informatie

SYLWIA B.Verstehe ich das richtig, dass der Regen das Gemäuer zerstört? Das hätte ich nicht erwartet. auf unseren bisherigen Reisen haben wir gelernt, dass die Völker immer eine clevere Lösung für ihr Vorort-Problem gefunden haben. Eins wo man zum Staunen gezwungen wird. Und da nicht? 🤔

ReizigerJa, der Regen zerstört alles. Die Dörfer wurden aber nicht wegen des Regens verlassen, sondern wegen fehlender Elektrizität und Wasseranschluss. Als wir im Oman waren, hatte es Anfang Dezember sehr viel geregnet. Einige der wunderschönen Lehmburgen wurden daraufhin erstmal wegen Einsturzgefahr und Zerstörung geschlossen.
Riyadh
2 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 24 °C
Heute erreichen wir Riyadh. Es ist wie ein kleiner Kulturschock, nachdem ich heute Mittag noch im tiefen, roten Wüstensand vor den Kamelen stand und jetzt auf die unglaubliche Skyline Riyadhs blicke. Der Gegensatz ist so unglaublich, wie das gesamte Land.
Riyadh ist der Geburtsort des modernen Saudi-Arabiens. Hier trifft der Charme der alten Welt auf die Vision des 21. Jahrhunderts. Die Stadt ist zwar von Wüste umgeben, der Name bedeutet übersetzt aber „die Gärten“. Er bezieht sich auf die Vergangenheit der Gegend, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Das Land um die mittelalterliche Stadt herum hatte damals einen fruchtbaren Boden. Viele Kanäle haben die Felder und Bäume mit Wasser versorgt.
Heute ist Riyadh eine lebendige Metropole mit einem florierenden Finanz- und Geschäftszentrum und einer wachsenden Kulturszene. Die Mischung aus Mittelalter und Moderne verzaubert. Die faszinierende, jahrhundertealte Geschichte entdeckt man in stimmungsvollen Souks, faszinierenden Museen und antiker Architektur. Es ist aber auch eine quirlige Metropole mit glitzernden Hochhäusern und moderner Skyline. Hochhäuser in einer Skyline, die andere Städte vor Neid erblassen lassen, zahlreiche, große Malls, in denen sämtliche Luxusmarken dieser Welt vertreten sind und die besonders in den Abendstunden von Scharen von schwarz gekleideten Abaya-Trägerinnen mit Gesichtsschleier bevölkert werden. Die saudische Damenwelt liebt das Shoppen.
Dies erleben wir auch gleich nach unserer Ankunft, als wir uns in das Getümmel eines Suqs stürzen. Der Taiba-Markt gilt wohl als berühmtester Markt in Riad. Er befindet sich in einem großen Gebäude mit labyrinthartigen Gassen und fast 500 Geschäften. In den Shops werden moderne und traditionelle Konfektionskleidung, Kosmetik, Schmuck, Schuhe, Haushaltsartikel sowie Räuchergefäße und Adlerholz angeboten. Hier gibt es auch einen großen Gold Suq.
Doch ich werde in Saudi-Arabien von den Suqs enttäuscht, Wo sind Obst und Gemüse, wo Weihrauch und Gewürze? Süßigkeiten, Datteln, Düfte? Die Suqs hier haben glänzende Marmorfußböden. Die Geschäfte sind zwar klein, aber ihr Name prangt in leuchtender Schrift über der Tür. Flair gibt es keinen. Eine moderne, einstöckige Einkaufsmeile, mit Fußgängerzone. Bereits in Tabuk und Sakaka war ich von den Suqs enttäuscht. Da war aber noch die kleine Hoffnung, dass ich den Richtigen einfach noch nicht gefunden habe. Den Richtigen, so wie ich ihn mir vorstelle, gibt es in Jordanien, im Oman, in Marokko und Ägypten. Aber hier nicht.Meer informatie
Riyadhs Metro
3 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 13 °C
Saudi-Arabien ist bemüht, sich mit architektonischen Superlativen an der Weltspitze zu platzieren. Ein Weiterer kam nun 2025 in Riyadh dazu. Die Stadt verfügt seit Anfang letzten Jahres über eine supermoderne Metro mit 6 Linien, 85 Stationen und 176km Gesamtlänge. Sie gilt als das größte Metrosystem im Nahen Osten und - jetzt kommt der Superlativ - hat das längste fahrerlose Schienennetz der Welt. Auf diesem sind 190 Züge mit 452 Wagen unterwegs. Um der Bevölkerung den Umstieg vom Auto auf die Bahn zu erleichtern, gibt es 19 Park-and-Ride-Plätze mit bis zu 600 Stellplätzen. Die Tickets sind äußerst günstig. So zahlt man für 3 Tage etwa 4,00€. Die Bahn fährt im 6 Minuten Takt.
Auch wir entscheiden uns dafür, das Auto lieber stehen zu lassen und die Metro zu nutzen. Außerdem bin ich auch nicht traurig nach so vielen Kilometern zwei Tage Autourlaub zu haben. Eine Station liegt ganz nah an unserer Unterkunft (in der Dummheit gut gebucht 🤣 - damals gab es noch keine Metro) und die Sehenswürdigkeiten sind so sehr leicht zu erreichen. Mit dem Auto würden wir im Stau viel mehr Zeit benötigen.
Aber auch in der Metro kommt es zu Stau. Allerdings Stau der anderen Art. Die Geschlechtertrennung wird natürlich auch hier zelebriert. Das führt dazu, dass zur Rush Hour in den Single Abteilen für Männer kein Reinkommen mehr möglich ist, während in den Family Wagen, die auch Frauen benutzen, reichlich Platz ist. Zum Glück bin ich eine Frau und Moritz gilt gerade noch als nicht erwachsen und wir können problemlos im Family Wagen fahren. Über den Türen stehen jeweils Aufschriften mit Family und Single. So weiß jeder, wo er hin muss. Das wird auch kontrolliert. Allerdings sind die Abteile nicht abgetrennt. Kommt die Bahn und man will noch schnell hinein, kann man wie bei uns in die nächstgelegene Tür einsteigen und dann in seinen Bereich laufen.
Als wir die Metro zum ersten Mal betreten, sind wir von der schlichten Eleganz der Station überrascht. Alles ist absolut sauber und übersichtlich. Farben und Namen (jede Linie ist farblich gekennzeichnet) weisen einem den Weg und überall steht Personal, das ebenfalls weiterhelfen will. So viel Hilfe. Wozu? Das System erklärt sich doch selbst. Wer hat, hält nun wie in anderen Großstädten dieser Welt seine KK an den Scanner und zahlt 4 SAR (0,90€) pro Fahrt. Da ich heute nur eine KK dabei habe, erhält Moritz eine Metrokarte für 3 Tage, die 30 SAR kostet und ich fahre mit der KK. Am Ende ist seine Metrokarte deutlich günstiger.
Was uns nun erwartet, habe ich nicht erwartet. Die Metrostationen sind eine Sehenswürdigkeit für sich. Es gibt sozusagen das Standardmodell. In Naturfarben gehalten, schlicht und elegant. Eine schöne Einstiegsröhre in die Unterwelt. Rolltreppen und Fahrstühle funktionieren und wer weitere Hilfe benötigt, wird gerne in einen Rollstuhl gesetzt und zur Bahn gebracht.
Doch dann gibt es auch noch die anderen Stationen. Die architektonischen Highlights. Eigentlich sind das Kunstinstallationen. Die Station des Financial Districts KAFD wurde vom renommierten Architekturbüro der Architektin Zaha Hadid entworfen. Ein futuristisches Design, fließende Formen. Inspiriert von alter arabischer Architektur, aber auch von den fließenden Formen der Landschaften, des Wüstensandes, der Dünen. Weich, rund, schwungvoll. Innen dominieren großzügige Hallen ohne einen einzigen rechten Winkel. Überall weiche, fließende, organische Linien - eine Augenweide aus jedem Blickwinkel. Ein monströses Bauwerk, das doch Leichtigkeit ausstrahlt zwischen den Bürohochhäusern. Ein echtes Meisterwerk moderner Baukunst.
Auch andere Stationen sind wunderschön gestaltet. Die stc Metro Station erinnert mich an die Gesteinsschichten der Felsen, die wir überall im Land gesehen haben. Von Gerber Architekten (Deutschland) gestaltet, gehört auch sie zu den „ikonischen Bahnhöfen“. Eine filigran wirkende Glasfassade scheint überdimensionale Gesteinsschichten zu tragen. Erst auf den zweiten Blick und aus der Distanz erschließt sich die Eleganz des letztlich doch überraschend wohlproportionierten Bauwerks.
Am besten gefällt mir die Station Qasr Al Hokm mit dem unterirdischen Garten. Geschwungene Formen in warmen, hell beigen Farben umrahmen den Garten. Über ihm thront eine versilberte, gewaltige Schale, die alles spiegelt und reflektiert. Das glänzende Dach leitet das Licht nach unten, spendet Schatten und schafft einen begrünten Innenbereich. Ein grandioses Kunstwerk. Die Station wurde als eine der schönsten der Welt ausgezeichnet. Und die Dimensionen? Alles ist so unglaublich riesig und geradezu verschwenderisch dimensioniert. Hier können zig Tausende Menschen untergebracht werden. Aber da sind nur wir. Es dauert schon einige Minuten, um den Aufgang vom Außenbreich zur Metro hinaufzulaufen. Dieser Gigantismus im gesamten Land ist unbeschreiblich. Straßen, Wege, Kreisel und eben auch die Metrostationen - alles ist überdimensioniert. Aber geschmackvoll, stilvoll, elegant. Was hier gebaut wird, ist wunderschön. Ohne Ausnahme.Meer informatie
KAFD - Finacial District
3 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 15 °C
Nachdem wir von Zaha Hadids Metrostation schon restlos begeistert sind, betreten wir den Financial District. Hier reiht sich ein architektonisches Hochhauswunder an das nächste. Höher, schöner, eleganter, graziler, ausgefallener, grandioser…. Welche Adjektive soll ich verwenden? Man findet geometrische Formen in unterschiedlichster Art und Farbe. Das Material der Fassaden ist teils schlicht naturfarben, dann spiegelnd, asymmetrisch angeordnet. So entdeckt man in der Fassade des einen Hauses schon das nächste, unterbrochen von einem Park mit Palmen und Oliven. Grandios geschwungene Brücken verbinden Gebäude und Wege. Um diese zu verkürzen wird noch eine Monorail gebaut, die sich in luftiger Höhe gleich einer Achterbahn ohne Loopings um die Gebäude windet. Schade, dass sie sich noch im Bau befindet. Einige Bereiche sind daher noch abgesperrt. Auch Moscheen und jede Menge Restaurants und Geschäfte finden sich hier. Da Saudis gerne Essen und Shoppen wird auf die Work Life Balance geachtet.
Die Moscheen entdeckt man kaum. Es sind moderne, schlichte Gebäude. Man könnte fast sagen quadratisch, praktisch, gut in Quaderform. Mal wieder schlicht und elegant. Die Minarette gleichen Aussichtstürmen. Kein Schnickschnack, keine Schnörkel. Ein grandioses Gesamtensemble. So eine hochmoderne Stadt habe ich hier nicht erwartet. Hier katapultiert sich Saudi-Arabien an die Weltspitze.
Aber es gibt dafür mal wieder Regeln. Und zu meiner Überraschung stören sie mich nicht mehr. Genau darüber habe ich mich zu Beginn des Urlaubs so aufgeregt und geärgert. Man darf mal wieder nicht fotografieren. Handy ja. Kamera - man schaut genau auf das Objektiv. Bis 70mm sind erlaubt. Ich habe 55mm. Alles gut. Ich darf. So erklärt es mir der erste „Aufpasser“. Doch es gibt ja so viele. Und so muss ich unzählige Male die Kamera zeigen. Einige können kein Englisch, verstehen nicht und die Regeln sind auch nicht für alle transparent. Für jeden Aufpasser gilt etwas anderes. Nunja. Ich packe die Kamera irgendwann weg. Eigentlich braucht man das Weitwinkelobjektiv, das im Hotel liegt und definitiv kein Tele. Hier hat man offenbar Bedenken, dass ich die Finanzgeschäfte eines Bankarbeiters im 95. Stockwerk mit der Kamera direkt vom Computerbildschirm abfotografieren könnte.
Wir genießen diesen außergewöhnlichen Ort. Wechseln von Licht zu Schatten, Wärme zu Kälte. Die Hochhausriesen spenden verdammt viel Schatten und dort ist es kalt. Wir beenden unsere Runde an der Metrostation und fahren nun in den älteren Teil der Stadt. So denken wir zumindest.Meer informatie
Nationalmuseum und Murabba Palace
3 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 22 °C
Das National Museum of Saudi Arabia wurde 1999 gegründet. Es ist Teil des historischen Zentrums von König Abdulaziz. Ein modernes Gebäude, im typisch saudische Stil. Klare Formen, zarte Farbe, elegant und grandios. Die Außenanlagen mit dem Park sind eine Oase der Ruhe. So viele Palmen, das Wasser plätschert und die Vögel zwitschern. Blumen blühen hier. Sind wir in einer Großstadt? Im Moment fühle ich mich wieder in die Oasenwelt zurückversetzt, die wir gestern verlassen haben.
Unter den 3 700 Artefakten des Museums findet man prähistorische Tiere (wie das Mastodon), Gegenstände aus der Steinzeit und Antike, Steinplatten von den Rajajil Columns, Petroglyphen von Jubbah, eine Nachbildung von den Lion Tombs von Dadan und 500 Jahre alte Manuskripte des Korans. Sogar ein 2,75 Tonnen schwerer Meteorit, der in der Wüste gefunden wurde, ist ausgestellt.
Wir erleben hier unsere gesamte Reise in Kurzversion. Das ist eine wunderschöne Zusammenfassung der letzten 2 Wochen. Und wir erkennen, wir haben die wichtigen Orte besichtigt und nichts vergessen. Ja ein bisschen Eigenlob. Gut recherchiert und geplant.
Wie alle Besucherzentren des Landes ist das Nationalmuseum natürlich erst recht wunderschön gestaltet. Es finden sich nicht nur Ausstellungsvitrinen. Das Museum ist als Raum gestaltet. Wir laufen durch Festungen, entlang von Gräbern und Tempeln und durch Suqs. Wer nicht vor Ort war, scheint jetzt vor Ort zu sein. Außerdem gibt es wieder schöne Videodokumentationen. Die ohnehin schon tollen Artefakte werden hier wunderschön in Szene gesetzt.
Öffnungszeiten ab 9Uhr, Eintritt frei
Der Murabba Historical Palace befindet sich hinter dem Nationalmuseum. Es bietet einen Einblick in das Leben der saudischen Königsfamilie. Ähnlich wie bei den traditionellen Gebäuden wurde der Palast in Najd-Architektur erbaut. Die Königsresidenz hat einen quadratischen hübschen Innenhof, der von weiß getünchten Säulengängen umgeben ist. Auch hier wachsen Palmen und es herrscht eine herrliche Stille. Leider kann man den Palast gerade nur von außen besichtigen.Meer informatie
Fort Masmak
3 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 25 °C
Das Al Masmak Palace Museum liegt im Herzen Riyadhs. Die Festung nimmt eine wichtige Rolle in der Geschichte Saudi-Arabiens ein. Das Fort wurde von König Abdulaziz, dem Gründer des heutigen Saudi-Arabiens, eingenommen. Mit der Eroberung fiel Riyadh in die Hände der Familie Saud. Die Herrscherfamilie führte von hier mehrere Feldzüge. Die gesamte Historie ist im Museum schön dargestellt. Hier treffen wir zum ersten Mal im Land auf die größte Anzahl an Touristen. Wo sind sie die letzten 2 Wochen gewesen? Irgendwie gibt es sie ja. Wir haben sie aber nie gesehen. Zu unserem Glück. Hier in Riyadh trifft man auch auf deutsche Reisegruppen und mehrere Individualreisende. Aber alles in einer Größenordnung, die man an einer Hand abzählen kann.
Der Al Masmak Palace liegt am Rand der Altstadt. Diese ist mittlerweile komplett restauriert. Man findet keine vom Regen zerstörten Lehmhäuser mehr. Es sind schöne Gassen, die teilweise von Sonnensegeln überspannt sind. Die meisten von ihnen sind noch abgesperrt. Das gesamte Viertel ist noch nicht eröffnet. Keine Ahnung, ob sich in Zukunft hinter jeder Tür ein Geschäft verbergen soll. Das wäre dann ein riesiges Shoppingareal. Ob dieses dann touristisch sein wird? Ich habe auf der gesamten Reise keine einzige Postkarte entdeckt. Es besteht bis jetzt keine Gefahr, in einen Einkaufsrausch zu verfallen und das Gewicht für den Koffer zu sprengen. Wir natürlich schon mit unseren 12 kg Datteln. Aber wer außer uns hat schon 12kg Datteln geschenkt bekommen? Außerdem können wir noch weitere 46kg Datteln transportieren, da jeder von uns 2x23kg Freigepäck hat.
Ich frage mich schon während der gesamten Reise, ob die Männer hier alle hyperaktiv sind. Ständig sind die Finger an der Gebetskette und finden keine Ruhe. Man könnte sie doch bestimmt auch einfach in der Hand halten, ohne ständig an ihr herum zu spielen. Die Saudis legen wirklich jeden Meter mit dem Auto zurück und wenn es keine Automöglichkeit gibt, nimmt man das Golfcart oder den Aufzug. Bloß nicht die Füße benützen und laufen. Moritz folgert daraus, dass die überschüssige oder eingesparte Energie ja irgendwo entladen werden muss. Man bearbeite also die Gebetskette.
An der anderen Seite des Forts schließt sich die Imam Turki Bin Abdullah Grand Mosque an.
Die Moschee von Imam Turki Bin Abdullah heißt auch Grand Mosque von Riyadh. Sie wurde im Neo-Najd-Stil erbaut. Die Minarette der Moschee weisen eine Mischung aus osmanischen und ägyptischen Stilen auf. Sie ist mal wieder schlicht und elegant und fällt als Moschee kaum ins Auge. Es ist eine der größten Moscheen in Saudi-Arabien: 17 000 Menschen kann sie aufnehmen.
In direkter Umgebung liegt mit Suq Al Zal ein sehr alter Markt. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1901 zurück. Er soll eine Fundgrube traditioneller orientalischer Artefakte sein. Der Name des Marktes bedeutet wörtlich „Teppichmarkt“. In den Geschäften werden aber auch Parfüm, handgefertigte Ledersandalen, traditionelle Gewänder (die sogenannten Thawbs) und Damenbekleidung verkauft. Dieser Suq kommt meiner Vorstellung von Suqs zumindest optisch schon etwas näher. Keine Marmorglanzstraßen. Doch leider war er fast komplett geschlossen. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Alles öffnet nur am späten Nachmittag. So viele Nachmittage kann man gar nicht haben.
Die hohe Safat-Uhr steht auf dem gleichnamigen Platz zwischen dem Souq al Zal und der Masmak Festung. Der Uhrturm wird auch als Big Ben von Riad bezeichnet. Er verkündet seit den 60-er Jahren die genaue Uhrzeit. Man kann sie auch in 2km Entfernung hören. Der Alsafat Square hat eine dunkle Geschichte. Früher fanden auf dem Platz freitags öffentliche Hinrichtungen statt. Heute dient der Alsafat Square als Veranstaltungsort und als Treffpunkt für öffentliche Ereignisse.Meer informatie

SYLWIA B.Habt Ihr wirklich die 12 Kilo Datteln nach Hause genommen? was machst Du damit? Ich esse jeden Morgen drei davon. Also hier in Maskat. Ist sozusagen mein Powerriegel für den Tag ✌🏻

Reiziger12kg sind eingeschweißt. Die halten lange. 5kg haben wir schon verschenkt. Datteln im Speckmantel sind auch sehr lecker. Wir haben auch noch 1kg frische, offene Datteln. Aber die verschwinden alle mit der Zeit. Datteln und Mango sind meine Lieblingsfrüchte. Wir haben auf dem Rückflug jeder 2x23kg Freigepäck gehabt. Da wären noch viele Datteln reingegangen. Aber im ersten Moment hat mich schon fast der Schlag getroffen, als ich realisiert habe, dass es 12kg sind. Er hat eigentlich von 4kg gesprochen und das ist schon viel. Aber wir hatten nicht viel Gepäck im Koffer. Beide Koffer wogen knapp 20kg mit den Datteln.

SYLWIA B.In Kalifornien, auf der Dattelfarm, werden Datteln auch mit Milch gemixt. Oder zu Eis verarbeitet. Alles lecker
Kingdom Tower
3 januari, Saoedi-Arabië ⋅ ☀️ 23 °C
Der 2002 fertiggestellte Kingdom Tower ist ein 99-stöckiges Gebäude und hat eine Höhe von 302 Meter. Der Wolkenkratzer ist das Wahrzeichen Riyadhs. Er verfügt über eine 65 m lange gläserne Brücke, die einen atemberaubenden Blick auf die Stadt bietet. Die Skybridge befindet sich in der 99. Etage und ist für Besucher zugänglich. Man erreicht die Himmelsbrücke mit zwei Aufzugsfahrten in ca. 2 Minuten. Die Aussicht ist spektakulär. Durch die Glasfenster hat man einen Blick in alle Richtungen. In der Ferne sieht man auch den ebenfalls berühmten Al Faisaliah Tower mit der Glaskugel. Zum Glück ist er recht nah und verschwindet nicht im Dunst. Die Luft ist sehr schlecht. Ich weiß nicht, ob vom Smog oder Wüstensand. Das KAFD kann man jedenfalls kaum erkennen. Dennoch ein toller, stimmungsvoller Blick von der Himmelsbrücke über die Skyline. Wir sind erstaunt, wie steil die Brücke ist, wenn man sie überquert. Von unten sieht die Krümmung nicht so stark aus. Wenn man sich bewusst macht, dass unter dieser Brücke nichts ist, dass man 302m über dem Boden läuft, wird das Laufgefühl nochmals ein ganz anderes und der Name Himmelsbrücke könnte nicht besser passen.
Öffnungszeiten 11-16 Uhr und 16-23 Uhr. Es sind zwei Zeitslots. Eintritt 138 SAR.
Wir nehmen den Späten und sehen die Skyline zur Tages- und Nachtzeit. Auch hier darf man nur mit dem Handy fotografieren. Aber wenn niemand schaut….
Das Kingdom Center beherbergt das Four Seasons Hotel und ein schickes Einkaufszentrum, das gerade renoviert wird. An meine Lieblingsmall, das ICONSIAM in Bangkok, kann es aber auch nach intensiver Renovierung niemals heranreichen.
Die König-Abdullah-Moschee befindet sich im 77. Stock des Kingdom Towers und ist die höchst gelegene Moschee der Welt.
Nördlich vom Kingdom Center, auf der anderen Seite der Straße befinden sich einige Cafés, in denen sich die müden Füße erholen können und man einen herrlichen Blick auf den Skyscraper hat.
In der Nacht ist der Kingdom Tower auch ein toller Anblick. Die Skybridge ist in dieser Zeit beleuchtet und wechselt in kurzen Abständen die Farbe.Meer informatie

ReizigerMich erinnert er an einen Flaschenöffner. Aber der Walk über die Himmelsbrücke hatte schon was. Ein toller Turm.













































































































































































































































































































































































































































































SYLWIA B.Ätzend!!! Daumen sind gedrückt