Ein Bett im Kornfeld
August 20, 2023 in Turkey ⋅ 🌙 28 °C
Wir lassen es heute ruhig angehen, lassen uns Zeit beim Frühstück im Hotel und checken erst gehen 10 Uhr aus. Nach einem Einkauf starten wir schließlich um halb elf in die heutige Etappe. Nach den ersten 10km machen wir eine kurze Pause an einer Tankstelle, um uns mit einem kühlen Getränk zu erfrischen - natürlich wie so oft nicht ohne einen Smalltalk mit interessierten Leuten vor Ort. Täglich aufs Neue sind Heikos Kenntnisse der türkischen Sprache extrem wertvoll und hilfreich, ohne diese wären wir das eine oder andere Mal sogar recht aufgeschmissen gewesen. Kurz radeln wir nach unserer Rast entlang der Hauptstraße, dann folgen wir einem Abzweig in Richtung des ersten zu bezwingenden Berges. Nach einigen Tagen des Fahrens durch wüsten- und steppenartige Gegenden verändert sich die Landschaft nun merklich. Es wird wieder abwechslungsreicher, die Vegetation nimmt etwas zu, hier und da mischt sich etwas grün in die Wüstenfarben und auch vereinzelte Bäume schmücken die Natur.
Eine Anhöhe mit Wasserstelle bewerten wir als idealen Pausenplatz und bauen unsere Stühle auf. Wir freuen uns über dieses herrliche Fleckchen und auch darüber, dass es heute nicht mehr ganz so heiß ist wie noch in den letzten Tagen. Etwas überraschend ist das Animationsprogramm, welches uns hier geboten wird. Kaum köchelt auf dem Gaskocher das Wasser für unseren Tee, kommen laut bellend und knurrend vier große Hunde auf uns zu gerannt. Nachdem sich kurzzeitig unser Puls dezent erhöht hat, entspannt sich die Lage wieder. Die Tiere machen vor allem Lärm, halten aber stets etwas Abstand zu uns. Und nach einigen Minuten sind wir ihnen scheinbar auch zu langweilig geworden, denn sie stellen das Bellen ein und dösen stattdessen in der Sonne oder begeben sich für ein kühles Bad in die Wasserstelle. Der nächste Programmpunkt ist eine Familie mit zwei Kindern, die im Auto vorbeikommt und bei uns anhält und etwas verweilt. Die Frau hat fünf Jahre in Deutschland gelebt, was die Konversation vereinfacht. Kaum hat sich die Familie verabschiedet, steht plötzlich eine Kuhherde mit einem reitenden Hirten aus Afghanistan hinter uns, die wenige Minuten später von einer großen Schaf- und Ziegenherde abgelöst wird. Über Langeweile können wir uns nicht beklagen. Ganz nebenbei läuft noch der Live-Ticker der 2. Bundesliga, das Ergebnis passt allerdings leider nicht zur herrlichen Pause, 2:4 verliert Holstein Kiel gegen Magdeburg. Wir rollen schließlich weiter auf teilweise unbefestigten, schotterigen und sandigen Wegen durch eine tolle Gegend. Kein Verkehr, eine leichte Brise, wunderschöne Natur, eine erneute Begegnung mit einem Fuchs - eine wahre Freude! Wir radeln am Ende weiter als gedacht, wozu sicher die kühleren Temperaturen beitragen, bei denen es sich deutlich leichter fahren lässt. Nach einem letzten Anstieg auf eine Höhe von 1358m machen wir schließlich Feierabend. Das Zelt stellen wir auf einem Stoppelfeld hinter einem Gebüsch auf, bei einer Tüte Chips bestaunen wir zuerst den Sonnenuntergang und dann die schmale Sichel des Mondes und den Sternenhimmel.Read more
Stoppelfeld 3.0
August 21, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 31 °C
Wie jeden Morgen klingelt der Wecker in aller Frühe, bis zur Abfahrt wird es heute jedoch etwas länger dauern. Nach dem Frühstück checkt Heiko noch die Fahrräder durch, Claudia näht indes eine kaputte Hose. 10 Uhr ist es, als wir unsere fahrbaren Untersätze besteigen und uns auf den Weg machen. Die Morgenstunden genießen wir immer ganz besonders, sie haben so etwas herrlich Frisches, ja, fast Unverbrauchtes. Die Landschaft um uns herum zeigt sich weiterhin so schön wir schon am gestrigen Tag, euphorisch gestimmt radeln wir unseres Weges. Uns fällt auf, dass vermehrt Felsen, welche uns an skandinavische Schärenküsten erinnern, die Gegend prägen. Ein sehr großer Felsen mit begehbaren Höhlen und Gängen befindet sich genau gegenüber unseres auserkorenen Pausenplatzes. Im Schatten eines Baumes wollen wir uns eine Melone vom gegenüberliegenden Feld gönnen. Während unserer gestrigen Pause hatten wir erfahren, dass es im Gegensatz zu Deutschland in der Türkei überhaupt kein Problem sei und nichts mit Diebstahl zu tun hätte, sich auf dem Feld für eine Mahlzeit zu bedienen. Etwas peinlich ist dann allerdings, dass wir beim Aufschneiden der Frucht feststellen, dass es sich um einen Kürbis und nicht um eine Melone handelt. Zu unserer Verteidigung sei gesagt, dass eine verblüffende Ähnlichkeit zu den an den Obstständen erhältlichen Melonen besteht. Tja, was tun, wo die Ernte schon halbiert ist? Kurzerhand landet sie mit unserer letzten Stange Lauch von İsmail im Topf und wird zu einer sehr leckeren Kürbissuppe verarbeitet. Gut gesättigt treten wir die Weiterreise an. Heiko radelt seit gestern mit einem an seinen hinteren Packtaschen festgezurrten "Fahnenmast", an welchem die türkische und die deutsche Flagge wehen. Es scheint, als würde uns seitdem noch etwas mehr freundliche Aufmerksamkeit als vorher ohnehin schon zuteil, nicht selten wehen uns laute "Hallooo"-Rufe hinterher. Die Temperaturen am Nachmittag sind hoch und dazu hält der Weg im stetigen Wechsel kurze, aber steile Anstiege und Abfahrten für uns bereit. Gerade als wir im Rahmen einer kurzen Rast auf einer schattigen Bank laut aussprechen, dass wir inständig hoffen, noch irgendwo Wasser bekommen zu können, taucht ein älterer Herr auf und bietet uns selbiges an. Er schließt ein kleines Tor auf und ermöglicht uns den Zugang zu einem Wasserhahn mit Trinkwasser. Diese kleinen Begegnungen und die aufrichtige Freundlichkeit der Menschen begeistern uns jeden Tag aufs Neue. Eine weitere nette Begegnung ist abermals die mit einer Gruppe von Störchen, welche plötzlich unseren Weg kreuzt und schließlich abhebt und wunderschön durch die Lüfte segelt. Ein Stündchen fahren wir noch, bevor das dritte Mal in diesem Urlaub ein Stoppelfeld den Zuschlag erhält, von uns als Nachtlager okkupiert zu werden. Es ist noch recht früh, so dass wir noch Zeit haben, den einen oder anderen Tee zu trinken, zu lesen, zu dösen, faul zu sein. Wie immer erfolgt der Aufbau des Zeltes mit Eintreten der Dunkelheit und dann ist es auch recht bald Zeit, "Gute Nacht" zu sagen.Read more

Werner und SigridWir freuen 🙂 uns auf jeden neuen Bericht und radeln in Gedanken ein wenig mit LG
Kappadokien
August 22, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 29 °C
Es dauert unsere üblichen zwei Stunden, bis wir am Morgen die bepackten Fahrräder besteigen. Gegen acht Uhr nehmen wir die heutigen 50 km in Angriff, die uns nach Kappadokien führen werden. Es geht zunächst über einige Kilometer auf unbefestigter Nebenstraße bei sanfter Steigung bergauf. Bei Erreichen der Hauptstraße nutzen wir einen Supermarkt mit schattigem Vorplatz für eine Pause. Mit kalten Getränken und ebenso kaltem Joghurt lassen wir uns vor dem Laden nieder, der Betreiber stellt uns extra einen kleinen Tisch auf und bietet uns zwei Stühle an. Der folgende Abschnitt entlang der stark befahrenen Hauptstraße ist ziemlich nervig, aber erstens nicht vermeidbar und zweitens nicht allzu lang. Als wir den Ort Nevşehir erreichen, zweigen wir wieder auf eine etwas ruhigere Straße ab. Inzwischen mehren sich auch die Anzeichen dafür, dass wir uns dem Zielgebiet Kappadokien nähern.
Im Ort Uçhisar mit seinem 60m hohen Burgfelsen können wir dann erstmals die bizarren Felsformationen dieser Gegend bestaunen. Am Fuße eines Felsens pausieren wir und lassen bei Genuss von kurz zuvor auf einem Markt erworbenem frischem Obst mit Joghurt die ersten Eindrücke auf uns wirken. In der Region Kappadokien lagerte sich vor Millionen von Jahren
Tuffasche ab, die durch Vulkanausbrüche in die Luft gestoßen wurde. In unterschiedlichen Farben und Härtegraden entstanden mehrere neue Schichten, bis Wind und Wetter das weiche Material ausspülten und das Härtere übrigblieb. Dieser natürliche Erosionsvorgang hat einst die atemberaubenden Täler, Kegel, Türme und Obelisken geformt. Im Anschluss an unsere Pause verlassen wir nach kurzer Wegstrecke die Straße und begeben und auf eine Sandpiste mitten hinein in diese faszinierende und einzigartige Landschaft. Ziel ist es, einen schönen Platz zu finden, wo wir von unserem Zelt aus den Untergang der Sonne am heutigen Abend und ihren von Heißluftballons begleiteten Aufgang morgen in aller Frühe bestaunen können. Wir folgen der Beschilderung zum "Love-Valley" und treffen unterwegs Mohammad, einen netten und seeehr kommunikativen Chemiker aus Pakistan. Er plaudert munter ohne Punkt und Komma mit uns, erzählt u.a. von der Historie seines Berufes und seinen Plänen für die Tage in Kappadokien. Er bittet noch darum, uns mit unseren Rädern fotografieren zu dürfen, sowas habe er nämlich noch nie gesehen, dann verabschieden wir uns. Nach kurzer Suche finden wir am ungenutzten Rand eines Kürbisackers (es sind keine Melonen...) oberhalb des Love-Valley mit wunderbarem Blick ins Tal sowie auf den beleuchteten Burgfelsen von Uçhisar einen geeigneten Platz für unser Zelt. Vor dem Aufbau und der üblichen Abendroutine sitzen wir noch eine ganze Weile in unseren Campingstühlen, genießen die Aussicht und freuen uns darüber, wie gut es uns geht.Read more
Emre's Stone House Hotel
August 23, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 26 °C
Um 4:30 stecken wir das erste Mal die Köpfe aus dem Zelt, wollen wir doch die aufsteigenden Heißluftballons nicht verpassen. Noch ist nichts zu sehen, aber um kurz nach fünf ist es dann soweit. Wir stellen unsere Campingstühle auf und beobachten, wie im Morgengrauen ca. 200 Ballons vom Boden abheben und durch die Lüfte gleiten. Es ist eine besondere Atmosphäre, die wir auf uns wirken lassen, bis sich das Treiben am Himmel nach dem Sonnenaufgang langsam wieder auflöst. Wir frühstücken, räumen unser Nachtlager und radeln dann entlang des Valleys in Richtung Göreme. Hier wollen wir uns für zwei Nächte ein Zimmer nehmen, um Wäsche zu waschen, Elektronik aufzuladen und uns selbst die eine oder andere Dusche zu gönnen. Der sehr kurze Weg nach Göreme zieht sich ordentlich in die Länge, da sich uns fantastische Aussichten bieten und wir immer wieder Foto-, Film- und Staun-Stopps einlegen. Die Einfahrt nach Göreme wird begleitet von viel Verkehr, lauter Musik und stark zunehmendem touristisch anmutenden Ambiente. Wir entscheiden uns für das kleine "Emre's Stone House Hotel" in einer ruhigen Seitenstraße, wo wir gegen 11 Uhr einchecken. Nach etwas Pause und ausgiebiger Dusche begeben wir uns auf die erste Kappadokien-Wanderung. Auf unserem Weg liegt das "Göreme Open Air Museum", auf dessen Besuch wir jedoch angesichts der vielen Menschen verzichten. Ein bisschen Kultur gönnen wir uns aber trotzdem und besichtigen die ebenfalls auf dem Weg liegende Aynalı Kilise (symmetrische Kirche), die im 11. Jahrhundert erbaut wurde und als eine der bezauberndsten Felsenkirchen Kappadokiens gilt. Ihren Namen trägt sie wegen ihrer geometrischen Ornamente, die sich an den gegenüberliegenden Wänden spiegeln. Der Eingang zur Kirche erfolgt durch einen kleinen Nebenraum. Im Inneren sind die Wände mit einfachen geometrischen Mustern in Rot und Weiß dekoriert. Zum nächsten Raum führt eine Öffnung, die in der Antike durch einen Mühlstein verschlossen war. Dieses System ist auch aus vielen unterirdischen Städten Kappadokiens bekannt. Von hier führt eine schmale und dunkle, in den Fels gehauene Treppe, in eine höhere Etage. Für den Weg sind wir vorab extra mit einer Taschenlampe ausgestattet worden. Die darüber liegende Halle diente seinerzeit als Taubenschlag, wovon zahlreiche Nischen in ihren Wänden zeugen. Ein weiterer Gang durch einen engen Tunnel führt in einen weiteren Raum. Die Erkundung der in den kappadokischen Felsen gehauenen Kirche gefällt uns sehr gut, zumal wir nahezu allein vor Ort sind.
Unsere anschließende Wanderung verläuft hingegen bisweilen etwas holprig. Der Einstieg in das Red Valley präsentiert sich ziemlich steil und unwegsam, was vor allem Claudia nicht ganz geheuer ist und zu allem Überfluss zu einem Sturz mit schmerzendem Handgelenk führt. Wir brechen unser Vorhaben an dieser Stelle ab, stellen aber fest, dass es noch einen weiteren, deutlich weniger steilen Abstieg in das Valley gibt. Wir freuen uns, die Wanderung fortsetzen zu können und sind begeistert von der Szenerie. Leider wird die Freude bald erneut getrübt, da Heiko bei einem Rundflug seine Drohne gegen einen Felsen fliegt. Er kann sie zwar glücklicherweise bergen und nach erstem Eindruck wirkt sie auch intakt, beim Einschalten macht dann aber eine böse Fehlermeldung die weitere Nutzung unmöglich. So ein Mist! Ändern können wir es nicht und so setzen wir unsere Wanderung durch das Red Valley und das sich daran anschließende Rose Valley fort. Unser Plan ist es, am Ende des Weges einen schönen Ort zum Verweilen während des Sonnenuntergangs zu finden. Irgendwie scheint das Glück aber heute nicht auf unserer Seite zu sein. Auf dem auserkorenen und als "Sunset-Point" beschriebenen Hügel angekommen bietet sich uns ein alles andere als ein romantisches Bild. Eingehüllt in einer riesigen Staubwolke, die keine klare Sicht mehr zulässt, herrscht hier Massentourismus pur. Unzählige Quads und Geländewagen donnern durch die Landschaft, diverse Touristengruppen auf Pferden sind unterwegs, aus allen Richtungen dröhnt Musik. Uns lässt das Ganze eher kopfschüttelnd und nachdenklich zurück. Muss das sein? Ausgerechnet hier, mitten in dieser einzigartigen Natur? Mit diesen eher unschönen Eindrücken treten wir den Rückweg zum Hotel an. Wir duschen uns die Staubschicht vom Körper, bevor wir bei etwas zu lauter Musik in einem kleinen Restaurant lecker essen gehen. Unser Baklava-Konsum in diesem Urlaub bleibt weiterhin auf niedrigem Niveau. Heute steht die von uns so geliebte Nachspeise zwar auf der Karte, ist aber nicht verfügbar. So müssen wir also ohne zuckersüßen Sirup-Schock die Nacht überleben.Read more

HALKE ZEPFWir haben schon sehnsüchtig auf den Bericht gewartet. Wir sind froh, dass wir den Massentourismus nicht erleben mussten

Werner und SigridFür diesen tollen Ballon-Anblick wären wir auch früh aufgestanden, wir sind etwas neidisch.
Happy Birthday im Love Valley
August 24, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 30 °C
Heute ist Heikos Geburtstag und dieser startet sehr früh. Ein weiteres Mal stehen wir um halb fünf auf, da wir uns den Tanz der Heißluftballons nochmal aus einer anderen Perspektive anschauen wollen. Es ist noch dunkel, als wir mit unseren Stühlen im Rucksack in die Richtung des wahrscheinlich größten Startplatzes der Ballons marschieren. Auf der Straße herrscht bereits reges Treiben, Transporter um Transporter rollt an uns vorbei, um Ballons und Passgiere zum Ort des Geschehens zu transportieren. Auf der riesigen, plattgewalzten Fläche angekommen stellen wir fest, dass auch die Vermieter von Quads, Geländewagen und Pferden zu dieser frühen Stunde bereits ihren Betrieb aufgenommen haben. Wir platzieren unsere Stühle auf einem kleinen Hügel inmitten des emsigen Treibens. Schon bald formen sich die ersten leeren Stoffhüllen zu großen Ballons, überall um uns herum und zwischen den Felsen leuchten sie und wachsen unermüdlich weiter. Es dauert nicht lang, bis die ersten menschengefüllten Körbe sich vom Boden abheben und in die Lüfte schweben. Im Nu sind die bunten Ballons überall, vor, neben, hinter und über uns. Man weiß gar nicht so recht, wo man hinschauen soll. Wenn der Blick einmal nicht auf das Spektakel in der Luft gerichtet ist, sind auch am Boden wunderliche Dinge zu beobachten. So lassen sich z.B. mindestens zehn Hochzeitspaare, vor allem die Bräute, in dieser Kulisse vor, in und auf verschiedenen Oldtimer-Cabriolets fotografieren.
Wir sitzen auf unseren kleinen Campingstühlen inmitten dieses verrückten Treibens bis die Sonne aufgegangen ist. Dann löst der Spuk sich so schnell auf wie er zwei Stunden zuvor begonnen hat und auch wir trotten müde zum Hotel zurück. Ein Stündchen Schlaf gönnen wir uns noch, bevor wir uns gegen 9 Uhr zum Frühstück auf der Hotelterrasse einfinden. Plötzlich kommen unsere Gastgeberin und ihr kleiner Sohn an unseren Tisch, singen "Happy Birthday" und überreichen Heiko einen kleinen Kuchen mit Kerze sowie eine persönlich beschriebene und bemalte Karte. Wie nett! Nach dem Frühstück packen wir unsere Rucksäcke für eine Wanderung in das Love Valley. Nachdem wir es gestern bereits von oben bestaunt haben, wollen wir heute hinabsteigen und das etwa 2 km lange Tal zu Fuß erkunden. Mit Worten lässt sich kaum beschreiben, durch welch fantastische Szenerie wir uns bewegen. Geologen mögen Fachbegriffe für die
bizarren Felstürme und Kegel und logische Erklärungen für dieses Naturphänomen haben. Es macht aber viel mehr Spaß, diese Vulkanlandschaft zu durchqueren, sich zwischen riesigen Pilzen und Zipfelmützen oder auch Kaminen aus Stein, in denen der Legende nach Feen hausten, wie in einer anderen Welt zu fühlen. Nicht ganz so märchenhaft mutet der Name "giant penises" für eine Gruppe von Felsen an, optisch ist eine gewisse Ähnlichkeit jedoch nicht abzusprechen. Wir genießen die Wanderung sehr, neben der grandiosen Gegend vor allem auch deshalb, weil wir hier fast allein unterwegs sind. Die allermeisten Menschen zieht es scheinbar in die Touristen-Meile von Göreme sowie an den Ort, wo Action geboten wird. Auf den Wanderwegen treffen wir hingegen nur sehr vereinzelt Gleichgesinnte, was uns nach dem gestrigen Eindruck wieder etwas mit diesem Ort versöhnt. Zurück in Göreme decken wir uns mit reichlich frischem Obst und Joghurt ein, was wir uns auf der Terrasse unseres Hotels schmecken lassen. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang spazieren wir zu einer Aussichtsplattform auf einem Hügel. Von hier aus bietet sich ein herrlicher Blick über Göreme und Umgebung im Abendlicht. Ein in einen "Tuffsteinkegel" gebautes Restaurant etwas abgelegen vom Stadtzentrum bildet schließlich das letzte Ziel des heutigen Tages. In traumhafter Atmosphäre lassen wir uns im Garten vor dem Restaurant Heikos Geburtstagsdinner schmecken. Und nicht nur, dass das Essen schmeckt, die Kellner sehr freundlich sind und der Ort wunderschön ist - es gibt zum Nachtisch sogar Baklava!Read more

TravelerHallo ihr beiden zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Claudia deine Fotos und Berichte sind einzigartig. Vielen vielen lieben Dank das wir eurer Reise folgen dürfen und weiterhin tolle und schöne Erlebnisse.

ClaudiaDanke für die Glückwünsche und das Kompliment! Wir freuen uns, wenn ihr Spaß am "Folgen" habt.
Erste Hilfe...
August 25, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 29 °C
Nach dem heutigen Frühstück auf der Hotelterrasse steht nicht wie ursprünglich geplant unsere Weiterreise und auch keine Wanderung auf dem Programm. Der Drohnen-Crash hat uns gestern zu der Recherche veranlasst, ob es irgendwie möglich sein könnte, den Flieger noch während der Reise wieder nutzbar zu machen. Heiko ist dabei tatsächlich auf ein kleines Geschäft in der Stadt Kayseri gestoßen, welchen Drohnen der Firma DJI verkauft und auch einen Reparaturservice anbietet. Ein knapper E-Mail-Kontakt wurde gestern bereits hergestellt, heute werden wir uns auf den Weg nach Kayseri machen. An dem in unmittelbarer Nähe zum Hotel liegenden Busbahnhof müssen wir leider feststellen, dass der früheste Bus erst mittags um halb zwei abfährt. Um die größtmögliche Chance auf eine Reparatur zu wahren, wollen wir aber zumindest ausreichend Zeit mitbringen und nehmen kurzerhand ein Taxi. Nach einer Dreiviertelstunde ist die etwa 70km entfernte Stadt erreicht. Wir lassen uns am eher dezentral liegenden Busbahnhof absetzen und nutzen für die Fahrt in das Zentrum die öffentlichen Verkehrsmittel sowie unsere Füße. Das Geschäft, in welches wir große Hoffnungen setzen, ist schnell gefunden und man nimmt sich auch direkt dem Absturzopfer an. Während uns vom jungen Mitarbeiter (oder Sohn?) zwei Stühle, etwas zu trinken und ein kleiner Kuchen angeboten werden, setzt der mutmaßliche Chef sich unverzüglich an seinen Arbeitsplatz und beginnt mit der Zerlegung der Drohne. Wir sehen gespannt dabei zu, wie er sich in souveräner Manier den winzigen Einzelteilen annimmt, schraubt, poliert, testet...! Leider ist die Kommunikation etwas erschwert, da beide Mitarbeiter kein Englisch sprechen. Über den Google-Übersetzer erfahren wir, dass ein Kamerakabel nicht mehr ganz in Ordnung ist und ausgetauscht werden möchte, zudem ist ein "Arm" der Drohne etwas in Mitleidenschaft gezogen. Der Chef telefoniert wegen des erforderlichen Kabels, leider muss dieses aber aus Istanbul geschickt werden und das würde fünf Tage dauern. Zu lange für uns, so dass die Drohne ohne Kabeltausch wieder zusammengeschraubt wird. Wir sind zunächst etwas niedergeschlagen, aber ein Testflug vor der Ladentür ergibt: Drohne fliegt, Gimbal funktioniert, Kamera filmt, juhuu!!! Der Experte erklärt, dass es zwar trotz seiner "ersten Hilfe" kein Problem sei, die Drohne weiterhin zu nutzen, in Deutschland aber unbedingt die notwendige Reparatur nachgeholt werden sollte. Nicht ohne ein Schmunzeln im Gesicht lässt er Google noch für uns übersetzen, dass wir immer schön vorsichtig fliegen sollen, um einen weiteren Absturz zu vermeiden. Schließlich bittet er uns noch um ein gemeinsames Foto, welches kurz darauf auf seiner Instagram-Seite zu sehen ist. Dankbar verabschieden wir uns und treten mit dem Bus die Rückreise nach Göreme an. Zu einer weiteren Wanderung oder sonstiger Aktivität können wir uns nicht mehr aufraffen, stattdessen sitzen wir um 18 Uhr in einem Restaurant und essen sehr gut. Für den Nachtisch, selbstverständlich Baklava, zieht es uns schließlich in ein anderes kleines Geschäft. Serviert wird uns die köstliche Süßspeise hier von einer jungen Frau, die uns erzählt, dass sie aus Afghanistan stammt. Sie berichtet von dem schweren Leben in ihrem Heimatland und von ihrem Wunsch, nach Kanada zu gehen, wo bereits ein großer Teil ihrer Familie lebt. Abschließend werden wir noch Teil ihrer Sammlung, die aus Fotos von Menschen aus unterschiedlichen Ländern besteht. Das Bild schickt sie uns einige Tage später über Instagram, wo sie seit unserer Begegnung zu den "Followern" unserer Reise gehört. Auf der Terrasse unseres Hotels lassen wir den Abend ausklingen, morgen soll wieder geradelt werden!Read more
Ein Stück Berlin in der Türkei
August 26, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 28 °C
Ein letztes Mal frühstücken wir auf der Terrasse von Emre's Stone House Hotel, danach heißt es packen und Fahrräder beladen. Vor dem Etappenstart gilt es noch, einige Erledigungen im Ort zu tätigen. Im Supermarkt sowie beim Obst- und Gemüsehändler kaufen wir Proviant für den Tag, die Apotheke steuern wir für eine neue Tube Sonnencreme an. Außerdem besuchen wir einen kleinen, aber sehr gut ausgestatteten Camping- und Outdoorladen, wo wir an unserem ersten Kappadokien-Tag erfreulicherweise bereits unseren Vorrat an Gaskartuschen auffüllen konnten. Heiko kauft eine Ersatz-Trinkflasche, da seine inzwischen sehr in die Jahre gekommenen "Cyclassics"-Flaschen diverse Auflösungserscheinungen aufweisen. Der Radelspaß beginnt heute äußerst entspannt, wir dürfen die ersten 5 km begab rollen und dabei die letzten Blicke auf die einzigartige und faszinierende Landschaft Kappadokiens genießen. Im weiteren Verlauf wechseln sich Asphaltstraßen mit Sandwegen und Schotterpisten ab, es geht durch recht welliges Terrain. Eine Abfahrt führt uns bis zu einer Brücke über den längsten Fluss der Türkei, den Kızılırmak, im 7 km östlich von Avanos gelegenen Örtchen Sarıhıdır. Hier bietet sich uns ein herrlich idyllisches Bild, das Panorama ist kitschig schön, das Wasser glitzert in der Sonne, im Hintergrund dominieren majestätisch anmutende felsige Berge, Kinder baden im Fluss, ein Vater angelt mit seinen kleinen Söhnen. Prompt holt Heiko die Drohne aus dem Koffer und entlässt sie zu einem ersten Start nach der erfolgten Reparatur in die Luft. Der Flug verläuft ohne Probleme, Bilder dieses schönen Ortes sind eingefangen und so kann festgehalten werden: Die eintägige Reiseverzögerung mit dem Besuch in Kayseri hat sich gelohnt! Nach einer Abfahrt folgt zumeist ein Anstieg und so sollen wir auch jetzt 200 Höhenmeter aufwärts radeln. Und weil es so schön ist, wiederholen wir das nach der folgenden Abfahrt (und einer angemessenen Pause...) direkt noch einmal. Immerhin lässt es sich gut radeln, die Temperaturen sind angenehm, die Steigung mild und es weht ein leichter, frischer Wind. In dem etwas größeren Ort Kalaba wollen wir eine kurze Rast einlegen und uns ein kühles Getränk gönnen, finden uns aber plötzlich auf zwei Stühlen vor einem Chai-Evi (traditionelles Teehaus) wieder. Ein älterer Herr hat uns mit unseren Kaltgetränken an der Straße stehen sehen und prompt eingeladen. Wie so oft sind wir sofort "Dorfgespräch", die Kunde von den Deutschen mit den Fahrrädern scheint sich stets wie ein Lauffeuer zu verbreiten. Hügelig geht es weiter durch verschiedene kleine Dörfer und bald wird es Zeit, die Augen nach einem geeigneten Platz für die Nacht offen zu halten. Eine Weile fahren wir aufmerksam Ausschau haltend, aber erfolglos weiter. Um uns herum ist alles offen einsehbar, rechts und links überwiegend Felder und Acker, kaum ein Busch oder Baum. Im kleinen Dorf Üçkuyu Köyu (Dreibrunnen-Ort) fragt Heiko eine Frau, die gerade in ihrem Garten arbeitet, ob wir wohl auf dem Feld gegenüber ihres Hauses unser Zelt aufschlagen dürfen. Sie stimmt zu und wir postieren uns mit unseren Rädern an einem ebenen Fleckchen und freuen uns auf den Feierabend. Wir haben noch gar nicht richtig mit dem Zeltaufbau begonnen, da steuert ein Herr auf uns zu. Er habe unsere Flaggen gesehen und zu seiner Frau gesagt: "Da fahren deutsch-türkische Freunde." Seine Frau habe ihm daraufhin aufgetragen, zu uns zu kommen und zu erfragen ob wir irgendetwas brauchen. Er spricht fast akzentfrei deutsch, ein uns bekannter Dialekt ist aber durchaus identifizierbar. Wir erfahren dann auch schnell, dass der Herr aus Berlin kommt, inzwischen Rentner ist und aktuell für längere Zeit in seinem Heimatdorf verweilt, weil er sich in Kayseri eine Zahnprothese anfertigen lässt. Dies koste ihn hier 5000 Euro, während der Berliner Zahnarzt 25000 Euro veranschlagt habe. Auch Kiel ist dem freundlichen Herrn bekannt. Nachdem er viele Jahre als Busfahrer bei der BVG gearbeitet hat, ist er für Flixbus gefahren und hat u.a. auch die Städte Flensburg und Kiel bedient. Als geklärt ist, dass wir alles Notwendige haben und gut versorgt sind, macht der Mann sich auf den Rückweg zu seinem Haus. Heiko beschleicht so ein Gefühl und merkt an: "Mal sehen, was noch passiert. Das war doch noch nicht alles." Es dauert nur wenige Minuten, bis dieses Gefühl sich bestätigt. Der Herr kommt und bietet uns ein leeres Zimmer mit separatem Eingang zum Übernachten an. Wir stimmen zu, laden unseren Krempel wieder auf und folgen ihm zu seinem Haus. Dort angekommen lernen wir dann auch seine Frau kennen, die uns kurz darauf mit Tomaten, Gurken, Äpfeln und Pflaumen aus dem Garten versorgt. Wenig später wird uns noch ein Tablett mit Kaffee serviert. Işık heißt das Ehepaar mit Nachnamen, was übersetzt Licht heißt, leider haben wir uns die Vornamen nicht merken können. Wir erhalten einen Schlüssel für den Nebeneingang und dürfen dort ein möbliertes Zimmer für uns sowie einen daran anschließenden Raum für unsere Fahrräder nutzen. Ein etwas größeres und in dieser Umgebung fast pompös wirkendes Haus gehört dem Neffen unseres Gastgebers. Wie wir erfahren, ist dieser selbstständiger Tiefbauunternehmer in Berlin. Heiko startet einen Drohnenflug über den Ort und macht einige Luftaufnahmen vom Dorf und den Häusern, welche er dem Ehepaar Işık später per WhatsApp zur Verfügung stellt. Ansonsten verbringen wir noch einen sehr angenehmen Restabend: Auf der kleinen Steinterrasse neben dem Berliner Renault Laguna vor unserem Zimmereingang gibt es leckere, von Heiko zubereitete Gemüsepfanne bestehend aus der Ernte der Işıks. Mit einigen Metern Entfernung leistet uns ein sehr nett aussehender Hund Gesellschaft und auch ein Igel schaut kurz vorbei. Bei Tee und Keksen beschließen wir den Abend an diesem kleinen und überaus gastfreundlichen Fleckchen Berlin mitten in der Türkei. Was für ein netter Zufall...Read more
Tal der Mücken
August 27, 2023 in Turkey ⋅ 🌙 25 °C
Um sieben Uhr stehen wir auf und frühstücken draußen vor unserem Zimmer. Etwa zwei Stunden später verabschieden wir uns vom Ehepaar Işık. Vorher gibt es noch ein gemeinsames Erinnerungsfoto und wir bekommen selbstgemachte Hausschuhe geschenkt. Winkend rollen wir schließlich vom Hof, nachdem wir auf spezielle Bitte zugesagt haben, uns zu melden, wenn wir wieder heil in Kiel gelandet sind.
Unser Weg führt durch welliges Terrain, bisweilen bekommen wir es mit kurzen, aber äußerst biestigen Anstiegen zu tun. Im nächsten größeren Ort steuern wir erst einen Supermarkt und anschließend einen Obsthändler an. Der Kauf der Früchte muss allerdings etwas warten, denn vorher "müssen" wir mal wieder einer Einladung zum Tee nachkommen. Auch der Obstverkäufer möchte uns noch zu seinem just gebrutzelten Essen einladen. Dies lehnen wir aber dankend ab, irgendwann muss es ja auch mal weitergehen. Landschaftlich durchfahren wir mal wieder sehr trockene, wüstenähnliche Gebiete mit wenig Vegetation, dafür aber sehr viel Staub. Wir radeln noch eine Weile, bis wir am Ortseingang eines Dorfes einen kleinen Schattenplatz an einem Brunnen entdecken. Hier lassen wir uns zur üblichen Tee- und Kekspause nieder und wecken dabei das Interesse einiger spielender Kinder. Kaum wieder auf dem Rad werden noch im selben Dorf auch erwachsene Menschen auf uns aufmerksam, was eine Einladung auf dem Hof einer Familie zu Tee und köstlichem Ayran zur Folge hat. Auf der Weiterfahrt ist noch ein letzter kleiner Hügel zu bezwingen, bevor wir in einem Dorf unsere Wasservorräte auffüllen und im Anschluss mit der Schlafplatzsuche beginnen. Mal wieder fällt die Wahl auf ein Stoppelfeld, wo wir hinter ein paar Büschen ein ebenes und zumindest etwas sichtgeschütztes Fleckchen auswählen. Wir bekommen allerdings, wenn auch niedlichen, äußerst penetranten Besuch. Zwei kleine Katzen gesellen sich zu uns und klettern ohne Unterlass an uns, unseren Rädern und den Taschen hoch. Die beiden sind durch nichts aufzuhalten und wir scheinen ihnen auch nicht langweilig zu werden. Irgendwann beschließen wir, die Taschen wieder aufzuladen und ein Stück weiterzufahren. Schnell ist ein weiteres geeignetes Stoppelfeld gefunden und unser Lagerplatz vorbereitet. Diesmal sind es dann nicht zwei süße Kätzchen, sondern MILLIONEN von Mücken, die es auf uns abgesehen haben. Nachdem Heiko zunächst versucht, sich der Plagegeister dadurch zu erwehren, dass er sich in die Zeltunterlage einwickelt, geben wir irgendwann genervt auf und verziehen uns reichlich zerstochen ins Zelt.Read more
Gegen den Wind
August 28, 2023 in Turkey ⋅ ☁️ 23 °C
Nachdem der Wecker uns um halb sieben geweckt hat und wir unser Obstfrühstück nebst Tee und Kaffee genossen haben, vertreiben wir uns noch etwas die Zeit am Zelt. Als wir fertig sind mit Lesen, Schreiben, Vokabeln lernen, Fotografieren usw. setzen wir uns um zehn Uhr auf die Räder. Auf einer Schotterstrecke rumpeln wir bei heute etwas bewölktem Himmel und Gegenwind los. Beide sind wir heute irgendwie nicht ganz fit und so dauert es nicht allzu lange, bis wir unsere Fahrt durch die sehr ausgetrocknet wirkende Gegend durch eine erste Pause an einem Brunnen unterbrechen. Kaum sitzen wir, da erfahren wir die nächste der vielen, vielen Freundlichkeiten auf unserer Reise. Hinter der Steinmauer des gegenüberliegenden Grundstücks taucht plötzlich der Kopf eines Mannes auf, der uns begrüßt, auf einen weiteren Brunnen mit besser fließendem Wasser hinweist und uns frisch geerntete Gurken überreicht. Diese nette Geste hellt unsere Stimmung direkt etwas auf, das Gemüse lassen wir uns noch vor Ort schmecken. Und diese Gemüsegabe soll nicht die einzige am heutigen Tag bleiben. Während der Weiterfahrt durch die zunehmend bergige Landschaft überholt uns ein Auto und kommt vor uns zum Stehen. Der Fahrer steigt aus, und präsentiert uns nach einem fröhlichen "Merhaba" den Inhalt seines Kofferraums. Dieser beinhaltet die Ernte aus seinem in Sichtweite liegenden Garten. Wenige Augenblicke später ist das Körbchen an Claudias Fahrrad gefüllt mit Tomaten, Auberginen und Pepperoni. Herrlich! Die Zwiebel, die das Abendessen komplettiert, findet Heiko später am Straßenrand. Durch inzwischen überwiegend landwirtschaftlich genutzte Gegenden geht es weiter, bei deutlich spürbarem Gegenwind arbeiten wir uns aufwärts. Die Bewölkung hat zugenommen, in der Ferne sieht es sogar nach Regen aus und Donnergrollen ist zu hören. Nach einer weiteren Rast bei Tee und Keksen unter einem Baum setzen wir uns weiter dem Gegenwind aus, der eine oder andere abenteuerlich beladene LKW (wir haben uns bereits des Öfteren gewundert...) braust an uns vorbei. Immerhin bleiben wir aber von Regen und Gewitter verschont. Wir lassen die Stadt Sorgun, wo wir einen kleinen Einkauf erledigt haben und Heiko nach der Zwiebel nun auch noch eine große Kartoffel auf der Straße gefunden hat, hinter uns und es macht sich Feierabendstimmung breit. Den folgenden Berg heben wir uns für morgen auf und verschwinden kurzerhand in der Senke eines Stoppelfeldes. Von der Straße kaum noch einsehbar lassen wir uns die heutige Gemüse-Ausbeute schmecken und verabschieden bei einem herrlichen Sonnenuntergang und dem Blick auf die mehr und mehr beleuchtete Stadt Sorgun den Tag.Read more
Campspot with a view
August 29, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 24 °C
Heute starten wir die Etappe gegen halb zehn und bekommen direkt zu spüren, dass der gestern nicht mehr in Angriff genommene Berg sich über Nacht nicht in Wohlgefallen aufgelöst hat. Bei leichter Bewölkung sowie weiterhin Wind von vorne arbeiten wir uns 300 Höhenmeter nach oben. Unerwartet gut und schnell kommen wir voran, was der recht milden Steigung und dem gut zu befahrenen Untergrund zu verdanken ist. Nach Erreichen des vorläufig höchsten Punktes bleibt es hügelig und wir werden mit schönen Aussichten in einer abwechslungsreicher werdenden Landschaft von zunehmend bergigem Charakter verwöhnt. Wir freuen uns sehr darüber, dass sich unter die tagelang dominierenden Beige- und Brauntöne immer mehr Grün mischt. Es tut gut, wieder Bäume zu sehen, mancherorts wirkt die Gegend fast waldig. Bevor wir uns den nächsten Berg vornehmen, stärken wir uns während einer Pause mit Tee und Keksen. Es folgt eine Abfahrt bis ins nächste Dorf, bevor unser Weg weiter 300 hm hinaufführt. Diesmal ist der Aufstieg, bzw. die Auffahrt allerdings mit deutlich mehr Anstrengung verbunden, beträgt doch die Steigung durchgehend zwischen 9 und 12 Prozent. Da kommt die nächste der vielen netten Begegnungen wie gerufen: Während wir uns bergauf schwitzen, hält ein Auto neben uns an und die Beifahrerin versorgt uns mit eiskaltem Trinkwasser, was für eine Wohltat! Der Gipfel ist auf 1557m erreicht und wir sind begeistert. Der Ausblick ist wunderbar und erneut stellen fest, wie gut das viele Grün tut nach der "Wüstenphase". Am liebsten würden wir hier in dieser herrlichen Berglandschaft bleiben, doch ein wenig Strecke sollten wir vernünftigerweise heute noch zurücklegen. Zumindest eine ausgedehnte Pause mit einer Tüte Chips gönnen wir uns aber dann doch vor dieser äußerst hübschen Kulisse. Anfangs reichlich steil rollen wir im weiteren Verlauf über eine Strecke von etwa 20 Kilometern die mühsam errungene Höhenmeter wieder hinab. Mehr als 700 Höhenmeter haben wir bereits verloren, als wir den Ort Aydıncık mit einer großen Moschee erreichen. Hier kümmern wir uns um den Einkauf unserer Verpflegung und radeln dann umgehend weiter, in Sichtweite bereits die nächste Bergkette, die es zu überwinden gilt.
Wir durchqueren den kleinen Ort Kazankaya, nach welchem es ein letztes Mal für heute heißt: Gang runter, Berg rauf! Auf anfangs asphaltiertem und später unbefestigtem Weg werden die Kräfte noch einmal gebündelt und so erreichen wir nach mehr als 1000 erklommenen Tageshöhenmetern ein episches Plätzchen zum Zelten. Angesichts der inzwischen schon recht fortgeschritten Zeit und des nahenden Einbruchs der Dunkelheit bleibt die Küche heute kalt. Aber auch den frischen Salat können wir an diesem herrlichen Ort mit dem fantastischen 360° Panorama sehr genießen. Wir bleiben noch eine ganze Weile draußen sitzen, bis wir irgendwann bei wolkenlosem Himmel den Mond aufgehen sehen.Read more
Melonen-Spätmahlzeit
August 30, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 34 °C
Wir sind bereits vor Sonnenaufgang wach und erfreuen uns an einem herrlichen Morgen an diesem wunderbaren Fleckchen Erde. Entsprechend lassen wir uns auch viel Zeit und sind erst um viertel vor zehn startklar für den heutigen Radeltag. Wie bereits gestern starten wir direkt mit einem Anstieg, zunächst mit Schotter unter den Reifen und später auf mehr oder weniger guter Asphaltdecke. Die Steigungen präsentieren sich, vor allem für Claudia, mit durchgehend mehr als 10 Prozent brutal. 1,5 Stunden brauchen wir am Ende für die sechs Kilometer bis zum Gipfel. Wir radeln noch etwas weiter und halten fortan Ausschau nach einem schönen Pausenplatz. Nicht mehr weit ist es zum nächsten Dorf und wir haben die Hoffnung, dort vielleicht frisches Obst und Joghurt ergattern zu können. Leider ist der Ort doch sehr klein und bietet keinerlei Einkaufsmöglichkeit. Immerhin entdecken wir aber das erste, zwar etwas provisorisch wirkende, aber dennoch richtungsweisende Schild zu unserem nächsten größeren Ziel, der Stadt Amasya. Wir lassen das Dorf hinter uns und finden einen schönen Platz für eine Rast. Und statt Obst und Joghurt gibt es Tee und Kekse, auch gut! Es folgt eine lange Abfahrt, bei der es ähnlich steil abwärts geht, wie wir uns zuvor bergauf ackern mussten. Im Ort Göynücek angekommen bekommen wir zu unserer Freude doch noch den ersehnten Joghurt und drei saftige Pfirsiche. Vor der örtlichen Moschee auf einer Bank lassen wir uns die erfrischende Mahlzeit schmecken, was besonders wegen der heute wieder auf 34 Grad gestiegenen Temperaturen sehr wohltuend ist.
Auf ebener Straße rollen wir weiter, erst auf Asphalt, dann auf Schotterwegen führt uns der Weg durch landwirtschaftlich, vor allem für den Anbau von Mais und Zwiebeln, genutztes Gebiet. Nach abschließenden 80 von am Ende insgesamt 630 erradelten Höhenmetern am heutigen Tag beenden wir die Etappe auf einem kleinen, durch eine Baum- und Buschreihe von der Straße getrennten Stoppelfeld. Nach Kochen und Abendessen will Heiko noch ein angrenzendes, etwas höher gelegenes Feld inspizieren, um ggf. dort das Zelt aufbauen. Gegen diese Idee legen allerdings zwei große Hunde lautstark Einspruch ein. Sie rennen bellend auf Heiko zu, der dann doch lieber langsamen Schrittes den Rückzug antritt. Wir sind froh, dass die Hunde daraufhin ihre "Attacke" einstellen und sich die Situation beruhigt. Eines ist aber auf jeden Fall sicher: Wir werden mit unserem Zelt NICHT auf das obere Plateau ziehen. Nur wenige Minuten später kommt ein Lieferwagen auf das Feld gefahren. Der Fahrer steigt aus, grüßt uns mit einer Handbewegung und stiefelt auf das höher gelegene Feld. Als wir ihn zurückkommen sehen, begeben wir uns zu seinem Auto, um uns die Erlaubnis für die Übernachtung auf seinem Feld einzuholen. Erwartungsgemäß hat der Mann nichts einzuwenden, er hat uns sogar noch eine frisch geerntete Melone mitgebracht. Auf die Gefährlichkeit der Hunde angesprochen erklärt er, dass diese zwar laut, aber nicht bissig seien. Beruhigt kehren wir zu unserem Platz zurück und genießen eine späte, aber äußerst köstliche Melonen-Spätmahlzeit. Als wir anschließend das Zelt aufbauen ist es immer noch sehr warm, von unseren Schlafsäcken werden wir in der bevorstehenden Nacht wohl kaum Gebrauch machen müssen...Read more
Amasya
August 31, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 34 °C
Heute sitzen wir nach frühem Aufstehen und Frühstück bereits um acht Uhr auf den Rädern, nur knapp 30 Kilometer auf ebener und teilweise gar leicht abfälliger Strecke sind es bis zum Ziel Amasya. Die frühere Hauptstadt des griechischen Pontischen Reiches (ca. 300-70 v. Chr.) hat heute etwa 150.000 Einwohner und wartet laut Reiseführer mit gut erhaltenen osmanischen Fachwerkhäusern auf, die entlang des Yeşilırmak ("Grüner Fluss") fast über das Ufer ragen. Dazu kommen seldschukische Bauten, Moscheen und Mausoleen sowie eine römische Festung. Schon während des Radelns ist weit vor unserer Ankunft das imposantes Bergpanorama der Stadt auszumachen. Eigentlich sah unser Plan vor, durch unser frühes Ankommen den Nachmittag vor Ort für Besichtigungen zu nutzen und morgen unsere Tour fortzusetzen. Die Fahrt in den Ortskern am Yeşilırmak entlang vor der sehr beeindruckenden Felskulisse gefällt uns aber so gut, dass wir unabhängig voneinander den Gedanken haben, hier einen kompletten Ruhetag einzulegen. Gesagt, getan - wir steuern ein Hotel an und checken direkt für zwei Nächte ein. Angesichts der frühen Ankunftszeit, es ist gerade erst halb elf, ist das Zimmer noch nicht fertig. Wir nehmen vor dem Hotel an einem Tisch des dazugehörigen Restaurants Platz und bekommen zur Überbrückung der Wartezeit Tee und Gebäck serviert. Nach dem Bezug unseres Zimmers vollziehen wir das übliche Procedere: ausgiebige Dusche, elektronische Geräte mit Strom versorgen, verschwitzte Radel-Klamotten einer Wäsche unterziehen, chillen...! Es ist ein extrem heißer Tag, so dass wir uns heute keine riesigen Aktionen mehr vornehmen, sondern einen eher entspannten Nachmittag und Abend anstreben. Und wie kann man ein solches Vorhaben besser beginnen als mit ESSEN? Bei 38 Grad im Schatten bewegen wir uns ganze 300m, um in das auserwählte Mantı-Evi, welches die landestypischen gefüllten ravioliartigen Teigtaschen in verschiedenen Variationen anbietet, zu gelangen. In einem sehr hübsch gestalteten Innenhof schlagen wir uns die Bäuche voll und schlendern anschließend am Fluss entlang. Der Reiseführer hat nicht zu viel versprochen, schon bei unserer Einfahrt in die Stadt waren wir sehr angetan von den traditionellen osmanischen Villen und Häusern, die die Ufer des Flusses Yeşilırmak säumen. Die bis heute erhaltenen historischen Amasya-Häuser stammen größtenteils aus dem 19. Jahrhundert. Wir flanieren in aller Seelenruhe den Fluss auf und ab, verweilen auf der einen oder anderen Bank und lassen uns durch den Tag treiben. So landen wir auch am Moscheenkomplex namens
"Sultan II. Bayezid Külliyesi". Zwischen 1485 und 1486 im Auftrag des osmanischen Sultans II. Bayezid erbaut bestechen sowohl die Moschee als auch die verschiedenen Nebengebäude durch eine sehr schöne Architektur. Am Rande des Moscheenkomplexes werden wir auf das Minyatür Amasya Maket Müzesi (Miniaturmuseum Amasya) aufmerksam und besuchen selbiges für einen Eintritt von 10 TL. Die Miniaturstadt ist von einem Foto aus dem Jahr 1914 inspiriert und will im Gegensatz zu anderen Miniaturstädten nicht nur die Orte und die Architektur zeigen, sondern ein lebendiges Amasya darstellen. Die angekündigten Licht- und Soundeffekte bewegen sich dann auf einem doch eher niedrigen bis fast niedlichen Niveau, dennoch bereuen wir den Besuch nicht. Im letzten Tageslicht raffen wir uns schließlich doch noch zu einer ersten "kleinen" Besteigung des Berges Harşena auf, auf welchem die gleichnamige Burg thront. Im Fels unterhalb der Burg befinden sich in eindrucksvoller Lage fünf Kammergräber mit Fassaden, die den ersten fünf Königen von Pontos zuzurechnen sind. Viel Zeit bleibt uns nicht, da wir eine gute halbe Stunde vor Ende der Öffnungszeiten am Tickethäuschen auf Höhe der Gräber ankommen. Wir zahlen trotzdem den Eintritt von 25TL und können einen für unsere Ansprüche ausreichenden Eindruck gewinnen. Dass unser Fachwissen allerdings etwas anders gelagert ist, wird deutlich, als Heiko bei einem anderen Besucher sofort die mitgeführte Ortlieb-Lenkertasche auffällt und er diesen als Radreisenden identifiziert. Darauf angesprochen bestätigt sich die Vermutung, noch dazu handelt es sich um einen deutschen Radel-Kollegen. Jannik (Instagram: we_cycle_jannik) ist Anfang zwanzig, hat als Lehramtsstudent für Biologie und Deutsch gerade seinen Bachelor gemacht und ist nun vor Beginn des Master-Studiums auf Weltreise. Eigentlich ist er mit seinem Kumpel Karl gemeinsam unterwegs, aktuell fahren die beiden aber jeweils für zehn Tage getrennt voneinander, um einfach mal das Alleinreisen auszuprobieren. Seit vier Monaten von geplanten anderthalb Jahren sind sie bereits unterwegs, ostwärts soll es weitergehen. Wir steigen gemeinsam vom Felsen ab und "besichtigen" Janniks Fahrrad, im Anschluss quatschen wir bei dem einen oder anderen Tee auf unserer Hotelterrasse weiter. Es wird schon dunkel, als Jannik sich verabschiedet. Sein Plan sieht vor, heute noch etwa 25 Kilometer zu fahren und morgen einen Solo-Wandertag einzulegen. Wir bleiben indes auf der Terrasse sitzen und bestellen uns ein leckeres Abendessen. Der Appetit auf Baklava, welches in unserem Hotelrestaurant nicht auf der Karte steht, zieht uns noch einmal raus auf die "Hauptstraße" am Fluss. Plötzlich herrscht hier eine ganz andere Atmosphäre. Die historische Häuserzeile, die Pontusgräber, die Burg auf dem Felsen und die Moscheen sind aufwändig beleuchtet und eine Fahrspur der Straße ist zugunsten der Fußgänger für Autos gesperrt. Es herrscht ein buntes Treiben, viele Menschen aller Altersklassen sind unterwegs, uns gefällt diese abendliche Stimmung sehr. Nicht von Erfolg gekrönt ist jedoch unsere Suche nach Baklava. Wir drehen ein Runde durch die Stadt, kehren aber am Ende in, bzw. vor einem kleinen Café am Ausgangspunkt unseres Spaziergangs ein, um dort leider nicht Baklava, aber immerhin ein köstliches Stück Kuchen zu essen und einen Gute-Nacht-Tee zu trinken.Read more
"Ruhetag"
September 1, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 32 °C
Morgens um acht begeben wir uns an das sehr reichhaltige Frühstücksbuffet unseres Hotels. Frisch gestärkt rüsten wir uns im Anschluss für einen Marsch auf die gut erhaltene Burg Amasya Kalesi, auch als Harşena Castle bekannt. Die Burg thront ca. 250m über der Stadt Amasya auf dem Berg Harşena. Auch heute ist es wieder sehr heiß, selbst am Morgen ist es schon schweißtreibend, die Zufahrtstrasse bis rauf auf die Burg zu spazieren. Dafür werden wir oben angekommen aber mit einer grandiosen Aussicht über die Stadt belohnt. Wir verbringen eine ganze Weile hier oben zwischen den Mauern der Festung, lassen den Blick in die Ferne schweifen und machen reichlich Bilder aus dieser neuen Perspektive auf Amasya. Zurück im Ort ist Abkühlung mit vier Kugeln Eis pro Person angesagt. Nach kurzem Kleidungswechsel bildet ein Restaurant den nächsten Programmpunkt des heutigen Tages, wir müssen den Pausentag in der Zivilisation schließlich nutzen. Köstliche Joghurtsuppe sowie Dürüm und Pide gönnen wir uns, bevor sich kurzzeitig unsere Wege trennen. Heiko sucht einen Friseur auf und lässt sich die Haare schneiden, Claudia sucht sich indes ein lauschiges Plätzchen zum Lesen. Später wollen wir uns für eine kleine Siesta ins klimatisierte Hotelzimmer begeben, kommen allerdings nur bis auf die Brücke, die zu unserem Hotel führt. Dort stehen drei Menschen mit bepackten Fahrrädern und einer von ihnen kommt uns verdächtig bekannt vor. Tatsächlich handelt es sich bei ihm um Karl (Instagram: we_cycle_karl), den Kumpel vom gestern kennengelernten Jannik. Bei den anderen beiden handelt es sich um Mila und Tobias (Instagram: cycling.together), die bereits seit Mai 2022 mit dem Rad in der Welt unterwegs sind. Wir plaudern etwas und tauschen Erfahrungen sowie Pläne aus. Tobias klinkt sich kurz aus, um in einem Turkcell-Laden seine SIM-Karte aufladen zu lassen. Dieser Plan endet jedoch bereits kurz nach Verlassen der Brücke, von wo aus er mit etwas entsetzt wirkender Stimme Mila heranruft. Als wir gemeinsam bei ihm ankommen, sehen wir das Malheur: Ein Spanngummi, mit welchem Tobias sein Solarpanel am Gepäck befestigt hat, ist in sein Schaltwerk geraten und hat den Umwerfer massiv verbogen. Schöner Mist! Mila googelt nach Fahrradgeschäften im Ort und wird fündig. Einer schließt allerdings in wenigen Minuten und der andere ist zwei Kilometer entfernt. Karl macht sich auf den Weg zu diesem Geschäft, um zu klären, ob dort überhaupt ein passendes Schaltwerk verfügbar ist. Heiko holt währenddessen eine Gripzange aus dem Hotel, die für eine provisorische Reparatur hilfreich sein könnte, und bringt in diesem Zuge direkt kalte Getränke für alle mit. Tobias schafft es, sein Rad wieder in einen fahrbaren Zustand zu versetzen und Karl kommt mit der frohen Kunde zurück, dass das zwei Kilometer entfernte Fahrradgeschäft das benötigte Schaltwerk führt. Das ist dann wohl Glück im Unglück. Wir machen noch ein paar Fotos und tauschen die Namen unserer Social-Media-Accounts aus, dann verabschieden wir uns von den dreien. Via Fahrradgeschäft werden sie die Weiterfahrt in Richtung Samsun antreten, während wir unseren Weg zur Siesta im Hotel fortsetzen. Diese nutzen wir für Telefonate mit den Kindern. Johanna berichtet von der anstehenden Wahl des Landesvorstandes der Grünen Jugend, wo sie erneut als Landessprecherin kandidiert und von Antonia hören wir etwas vom aktuellen Stand ihrer Einarbeitung auf der Intensivstation nach dem jüngst bestandenen Examen und dem derzeit laufenden EMI-Kurs ("Einarbeitung für neue Mitarbeiter im Intensivbereich"). Bei Einbruch der Dunkelheit begeben wir uns wieder nach draußen, da wir die beleuchtete Kulisse der Stadt erneut genießen und fotografieren möchten. Nachdem wir von der Brücke aus einige Fotos von den historischen Häusern geschossen haben, schlendern wir durch die Stadt und am Fluss entlang. Wir werden auf ein Wasserspiel auf dem Fluss, welches seine bunt leuchtenden Fontänen rhythmisch passend zu der durch Lautsprecher hallende Musik in die Höhe schießt, aufmerksam. Wir gesellen uns zu den vielen Menschen, die bereits auf den zum Zuschauen einladenden Stufen sitzen und beobachten das Spektakel eine Weile. Am Fluss entlang spazieren wir schließlich zurück, hier und da lauschen wir kurz der gespielten Straßenmusik. Nach halbherziger Baklava-Suche landen wir zum Abschluss des Tages im selben Café wie gestern und auch heute schmecken uns Tee und Kuchen ganz ausgezeichnet!Read more
Der Wind, der Wind...
September 2, 2023 in Turkey ⋅ ☁️ 18 °C
Ein weiteres Mal erfreuen wir uns am Frühstücksbuffet des Hotels, danach werden unsere sieben Sachen wieder in den Packtaschen verstaut und wir checken aus. Kurz nach zehn ist es, als wir unsere Räder durch die kleinen Gänge, die zum Hotel, bzw. von diesem wegführen, schieben und zwischen bunten Souvenir-Shops in der "Touristen-Meile" ausgespuckt werden. Nun müssen wir nur noch über die Brücke auf die andere Flussseite, was außer uns gerade auch zwei geführte Touristengruppen vorhaben, dann kann wieder geradelt werden. Der Himmel zeigt sich heute bewölkt, es ist insgesamt etwas kühler und laut Wettervorhersage müssen wir auch mit Regen rechnen. Bevor wir den Ort verlassen, versorgen wir uns noch mit den zur Neige gehenden Dingen wie Bargeld, Wasser, Sonnencreme und Taschentüchern. Wir lassen Amasya hinter uns und verleben eine ereignisarme Etappe. Knapp 40 Kilometer fahren wir bei fiesem Gegenwind zunehmend steil bergauf, unterbrochen lediglich von einer Teepause. Während Heiko den Gegenwind als ärgsten Feind auserkoren hat, der ihn zum Fluchen bringt, hadert Claudia mit den steilen Anstiegen. Im Zuge eines dieser Anstiege erfährt sie immerhin aufmunternde Unterhaltung, da der parallel laufende Live-Ticker einen 2:1 Sieg von Holstein Kiel gegen Paderborn verkündet. Positiv erwähnt werden kann zudem, dass es wider Erwarten trocken geblieben ist. Irgendwann haben wir genug von Gegenwind und Bergfahrerei und suchen uns ein Stoppelfeld für die Nacht. Nach dem üblichen, aber immer wieder leckeren Gemüsetopf, zu dem es heute einen Simit (Sesamkringel) gibt, einem Tee und ein paar Keksen ziehen wir uns ins Zelt zurück. Kalt ist es am heutigen Abend und hell leuchtende Blitze am dunklen Himmel kündigen as Vorboten ein Gewitter in der Nacht an.Read more
Lehm und Stroh machen so gar nicht froh
September 3, 2023 in Turkey ⋅ ⛅ 21 °C
Wie erwartet hat es in der Nacht ausgiebig gewittert. Wind und starker Regen haben leider auch für einen kleinen Wassereinbruch im Zelt gesorgt. Wie ärgern uns etwas über uns selbst, da wir die Schwachstellen unseres Zeltes durchaus kennen und der Regen alles andere als überraschend eingesetzt hat. Wir hätten also schlauerweise einige Dinge geschützter lagern können, aber was soll's...! Es ist kein ernsthafter Schaden entstanden und nächstes Mal sind wir (hoffentlich) klüger. Auch am Morgen hängt noch eine bedrohlich düstere Wolkendecke über uns und es fällt vereinzelt Regen. Dennoch raffen wir uns nach dem Frühstück irgendwann auf, bauen das nasse Zelt ab und machen uns gegen zehn Uhr auf den Weg. Dieser führt uns zunächst bergab, wir können also von einem entspannten Etappenstart sprechen. Nach wenigen Kilometern weist uns ein LKW-Fahrer darauf hin, dass wir auf unserem geplanten Weg nicht weiterfahren können und empfiehlt die Rückfahrt und einen Weg über den Ort Ladik. Wieder zurück? Bergauf? Wir versuchen, den Grund für seinen Rat zu ermitteln, was aber sprachlich schwierig ist. Es gesellen sich im Verlauf zwei weitere Herren dazu, die uns ebenfalls von der Weiterfahrt abraten. Auch den Fahrer eines Autos sowie einen alten Mann auf einem E-Scooter bewegen sie zum Umkehren. Wir entscheiden uns schließlich für einen Mittelweg und fahren nicht auf selbem Wege den Hügel wieder rauf, den wir gerade heruntergefahren sind, sondern begeben uns auf eine kleine Nebenstraße. Einer der drei Herren hat diesen Umweg als tauglich benannt. Den wenigen Worten, die wir verstanden haben, in Kombination mit verschiedenen Gesten, glauben wir inzwischen verstanden zu haben, dass unsere geplante Route durch den starken Regen der letzten Nacht so in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass sie unpassierbar ist. Auch auf der gewählten Ausweichroute geht es direkt aufwärts. Anfangs bewegen wir uns noch auf asphaltierter Straße und moderater Steigung bergauf, im Verlauf wird es allerdings eher steiler und ein Schotterweg löst die befestigte Straße ab. So passieren wir einige sehr kleine Dörfer, bis sich gegen Mittag der Weg zur ultimativen Katastrophe entwickelt. Der Schotterweg besteht immer weniger aus Schotter und immer mehr aus schlammigem, klebrigem Lehm. Fahren ist nach kurzer Zeit nicht mehr möglich und das Schieben der Fahrräder wird zum Kraftakt. Der penetrante Lehm setzt sich mehr und mehr überall fest, insbesondere zwischen Schutzblech und Reifen. Immer wieder versuchen wir mit Stöcken, die Räder von dem zähen Zeug zu befreien, aber die Situation bleibt einfach nur zum Schreien. Tatsächlich kommt uns auch der eine oder andere laute Fluch über die Lippen während dieser nervenaufreibenden Schlammschlacht. Die rettende Hauptstraße ist zwei Kilometer entfernt, bis dahin müssen wir es irgendwie schaffen. Es folgt die Anwendung der Tragetechnik: Stück für Stück werden alle Einzelteile einschließlich der Fahrräder in Richtung der Straße getragen. Nach einer Weile bietet sich die Möglichkeit, auf ein angrenzendes Stoppelfeld zu gelangen. In der Hoffnung, dort zumindest die Räder wieder schieben zu können, verfrachten wir alles auf den Acker. Der Untergrund ist zwar tatsächlich etwas besser, aber nun mischt sich das lose Stroh zu dem bereits an den Fahrrädern haftenden Lehm. Tja, andere Menschen bauen Häuser aus dieser Mixtur, uns bringt sie zum Verzweifeln. Betonhart sitzt das Zeug zwischen Schutzblech und Reifen und blockiert alles. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit und raubt uns den letzten Nerv, eine "Schiebtauglichkeit" herzustellen. Über das Stoppelfeld kommen wir dann tatsächlich ein Stück des Weges voran, landen aber am Ende unweigerlich wieder auf der Lehmpiste. Der gleiche Mist fängt von vorne an, die rettende Straße ist eigentlich ganz nah und doch so fern. Am Ende braucht es den kompletten Nachmittag zur Überwindung der zwei Kilometer Lehmweg, die abermals angewandte "Einzelteil-Tragetechnik" rettet uns schließlich auf den Asphalt. Bei Claudias Rad hilft nur der Ausbau des Vorderrades zur Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit. Wir sind bedient und können sagen, dass dies mit Abstand der spaßfreieste Abschnitt des bisherigen Urlaubs war (und hoffentlich auch bleibt)! Die erreichte Hauptstraße sollen wir eigentlich nur überqueren und weiter einer Nebenstrecke folgen. Wir wollen aber für heute jedes Risiko einer weiteren Schlammschlacht vermeiden und bleiben auf der stark befahrenen, aber asphaltierten Hauptstraße. Einen kurzen Stopp legen wir an einem Laden an der Straße ein, wo wir etwas Proviant kaufen und einen Teil davon sofort vertilgen. Im Ort Havsa schwenken wir nach Norden, ab jetzt wird glücklicherweise der Verkehr etwas weniger. Noch etwa zehn Kilometer radeln wir, bevor wir uns für ein Stoppelfeld als Lagerplatz entscheiden. Wir stehen noch mit beladenen Rädern auf dem Feld, als es zu regnen beginnt. Hätte das nicht eine Viertelstunde später passieren können, wenn das Zelt steht, fragen wir uns. Irgendwie ist das heute wohl nicht unser Tag. Immerhin regnet es nur sehr kurz und wir können noch einigermaßen trocken aufbauen. Zum Abendessen gibt es eine gesunde Frusttüte Chips, danach geht es in der Hoffnung auf einen besseren morgigen Tag in die Schlafsäcke.Read more
Rauf und runter, auf und nieder
September 4, 2023 in Turkey ⋅ ⛅ 20 °C
Wie fast täglich kommen wir nach unserer morgendlichen Routine ungefähr um 10 Uhr los. Es ist trocken und bei leichter Bewölkung rollen wir die ersten sieben Kilometer bergab.
Wir folgen der Straße weiter, dürfen allerdings wieder bergauf strampeln. Ein Dorf, welches wir passieren, liegt bereits wieder auf einer Höhe von knapp über 1000m. Bald darauf bietet sich die Möglichkeit, einen Abzweig zu nehmen, um auf unsre ursprünglich geplante Route zu treffen. Der "Lehmstachel" von gestern sitzt aber tief und wir sind (noch) nicht bereit für Experimente. Entsprechend folgen wir weiter der kaum befahrenen Straße. Während unserer üblichen Pause, in der wir uns Simit mit Gurke sowie Tee, Kaffee und Kekse schmecken lassen, müssen wir feststellen, dass wir ab sofort offline sind. Scheinbar ist unser gebuchtes Datenvolumen verbraucht, eine Verbindung mit dem Internet ist auf jeden Fall nicht mehr möglich. Die weitere Fahrt verlangt so einiges von uns ab, in stetigem Wechsel geht es rauf und runter, auf und nieder. Um uns herum sind überall die Glocken vieler verschiedener Tierherden zu hören. Als sich irgendwann Straße und planmäßige Route vereinen, soll es ein letztes Mal für heute bergauf gehen. Inzwischen reichlich geschlaucht und einsetzendem Regen ausgesetzt erreichen wir schließlich den vermeintlich höchsten Punkt. Eigentlich wollten wir hier irgendwo übernachten, doch uns beiden ist die Gegend irgendwie unheimlich. Ist es der Wald? Ist es das trübe Wetter? Liegt es an der begrenzten Sicht? Wir wissen es nicht genau, aber unser Gefühl lässt uns noch ein Stück weiterfahren. Lau unserer Annahme sollte es fortan nur noch bergab gehen, ein paar unerwartete Anstiege haben sich dennoch in den Weg gestellt. Nach knapp 50 Kilometern und einem Tageshöhenmeter-Rekord (1150hm) entdeckt Heiko einen gutaussehenden Platz für die Nacht. Er befindet sich, wie soll es anders sein, mal wieder auf einem Stoppelfeld. Leider sah es heute bezüglich Infrastruktur eher mau aus, so dass wir keine Möglichkeit zum Einkaufen hatten. Unsere Vorräte sind auch quasi leer, so dass wir für das Abendessen auf unsere letzte Zwiebel und die "Notfallnudeln" mit "Notfalltütensuppe" zurückgreifen müssen. Die daraus entstandene Mahlzeit sah interessant aus, war aber durchaus schmackhaft und hat uns satt gemacht. Es ist erst acht Uhr, als wir uns auf die Isomatten legen, während unser Zelt von Nebel eingehüllt wird.Read more
Bafra
September 5, 2023 in Turkey ⋅ ☁️ 26 °C
Der erste morgendliche Blick aus dem Zelt offenbart: NICHTS, also fast nichts. Zu sehen sind dichte, tiefhängende Wolken, in die wir eingehüllt sind, der Rest der Landschaft lässt sich hinter dem Nebel nur erahnen. Man kann von einer trostlosen, aber auf eine gewisse Art auch mystischen und sehr besonderen Atmosphäre sprechen.
Wir frühstücken die restlichen Nahrungsmittel, die sich noch in unseren Taschen befinden, das letzte Trinkwasser wird in Tee und Kaffee verwandelt. Nun, da wir nichts mehr zu trinken und zu essen an Bord haben, bleibt nur die Hoffnung auf eine zeitnahe Einkaufsmöglichkeit oder zumindest einen Brunnen am Wegesrand. Es herrscht eine feuchte Wärme, als wir um halb zehn losradeln. Die Etappe beginnt mit einer Abfahrt, die Sicht ist inzwischen etwas klarer. Die Straße führt uns durch das Pontus-Gebirge entlang eines Canyons, welcher nach einigen Radel-Kilometern zu einem ersten Drohnenflug einlädt. Es ist eine faszinierende Landschaft, durch die wir fahren, und der komplette Gegensatz zu den Tagen in der trockenen, wüstenartigen uns extrem vegetationsarmen Gegend. Während wir weiterhin überwiegend bergab rollen, sind wir umgeben von dicht bewaldeten Bergen, überall wuchert es in sattem Grün und das feuchtwarme Klima hat fast tropischen Charakter. Wir durchqueren winzige Dörfer, nach einem Laden zum Einkaufen halten wir aber vergeblich die Augen offen. Bald haben wir mehr als 700 Höhenmeter verloren und radeln am Fluss Kızılırmak entlang. Inzwischen melden unsere Mägen Hunger an, das Frühstück ist schließlich schon eine Weile her. Als wir am Stausee der Derbent-Talsperre ankommen, stehen wir mal wieder vor der Frage, ob wir an unserer geplanten östlichen Route festhalten oder auf der westlichen Seite auf der wenig befahrenen Straße entlang des Sees fahren. Wir entscheiden uns auch heute für die sichere Variante und Asphalt unter den Reifen. Der See zu unserer Rechten, dazu die hohen Felsen und die Vegetation lassen Erinnerungen an Norwegen wach werden. Als unsere Tachos 34 geradelte Tageskilometer anzeigen, erreichen wir den Ort Kolay. Und dies ist gleichbedeutend mit dem Erreichen des ersehnten Lebensmittelgeschäftes. Der Laden ist klein und hat nur ein sehr überschaubares Sortiment im Angebot, aber für unsere Zwecke ist es ausreichend. Wir füllen unsere Wasservorräte auf und kaufen reichlich kleine, abgepackte Kuchen und Kekse. Die ersten Leckereien vernichten wir noch vor dem Laden, den Rest heben wir für unsere zeitnah angestrebte Pause auf. Nach weiteren fünf Kilometern ist es soweit, auf unseren Campingstühlen sitzend schlürfen wir Tee, futtern Kekse und lassen den Blick über den See schweifen. Sogar einige Sonnenstrahlen bahnen sich inzwischen hin und wieder den Weg durch die Wolken. Auf der Weiterfahrt kommt dann auch die Derbent-Talsperre ins Blickfeld. Sie wurde in den Jahren 1984–1990 von der staatlichen Wasserbehörde erbaut und dient der Energieerzeugung und Bewässerung. Der Stausee dient, was kaum zu übersehen ist, auch für die Fischzucht. Als unterste einer Reihe von Talsperren am Kızılırmak liegt sie 15 km südlich von der Stadt Bafra und etwa 35 km von der Flussmündung ins Schwarze Meer entfernt. Die letzten Kilometer bis Bafra sind auf ebener Strecke schnell zurückgelegt, plötzlich sind wir mitten in einer großen lauten Stadt. Eigentlich wollten wir diese nur durchqueren und heute noch den Strand am Schwarzen Meer erreichen. Wir disponieren aber nach einigen Überlegungen um und planen eine Hotelübernachtung in Bafra. So können wir in Ruhe notwendige Dinge regeln und morgen früh die letzten zwanzig Kilometer ans Meer radeln. Unser erstes Ziel in der Stadt ist ein Turkcell-Laden, um eine neue SIM-Karte zu erwerben. Ein Geschäft ist schnell gefunden, der Besuch in selbigem gestaltet sich sehr skurril. Wir werden von mehreren Mitarbeitenden in Empfang genommen, das Interesse an uns scheint ziemlich groß. Man serviert uns Tee und stets ist jemand an der Tür postiert und hat unsere Räder im Blick. Plötzlich hören wir Claudias Fahrradklingel und stellen fest, dass gleich drei oder vier Turkcell-Mitarbeitende interessiert an unseren Rädern stehen, die Klingel ausprobieren, probeweise ein Rad schieben...! Während eine Mitarbeiterin uns nach leichten Schwierigkeiten erfolgreich eine neue SIM-Karte verkauft, fragen die anderen uns nach unserer Reise, ob wir Kinder haben und so weiter. Etwas verwundert sind wir, dass Heiko für den Kauf der Karte sogar die Namen seiner Eltern angeben muss. Schräg! Das Geschäftliche ist irgendwann tatsächlich vollzogen, fertig sind wir damit aber noch nicht. Die Crew bittet um ein gemeinsames Foto, welches als Selfie vor dem Laden entsteht (...nachdem die Fotografin sich noch schnell die Haare gestylt hat...). Wieder mit dem World Wide Web verbunden machen wir uns als nächstes auf die Suche nach einem Hotelzimmer. Die Auswahl in der Stadt ist laut Google sehr beschränkt und die Bewertungen lesen sich gruselig. Das erste der zwei Hotels in der Nähe schauen wir uns von außen an und beschließen: Entweder wir checken in dem anderen Hotel ein oder wir fahren doch weiter. Das "Sevgi-Otel" zeigt dann aber besser als erwartet, also checken wir ein. Duschen, Steckdosen in Beschlag nehmen, Wäsche waschen..., das übliche Programm bei Übernachtungen in festen Behausungen. Wir erledigen noch schnell den Einkauf für den morgigen Tag, bevor wir in einem Restaurant um die Ecke ausgesprochen köstlich essen. Auf dem Rückweg zum Hotel kehren wir noch in einem Café ein und gönnen uns Tee sowie dezent zu viel Baklava...Read more
Zu Gast beim Leuchtturmwärter
September 6, 2023 in Turkey ⋅ ☁️ 25 °C
Kurz nach Eröffnung des Buffets finden wir uns im Frühstückssaal des Hotels ein. So kommen wir dann auch mit neun Uhr für unsere Verhältnisse recht früh los. Mit reichlich Wasser decken wir uns noch ein und kaufen auf einem überdachten Markt etwas Obst und Gemüse, dann radeln wir stadtauswärts. Bafra hinterlässt einen gemischten Eindruck bei uns. Ziemlich abgerockt wirkte der Ort, irgendwie wuselig und unsortiert. Gleichzeitig haben wir das Gefühl, dass er anders ist als die Städte, die wir zuvor gesehen haben. Vielleicht liegt es an der anderen Region, in der wir inzwischen unterwegs sind, vielleicht ist es auch Zufall, wir wissen es nicht. Geradewegs nach Norden lenken wir unsere Räder, immer meerwärts. Kaum aus der Stadt heraus prägt wieder Landwirtschaft das Bild. Hühner, Kühe und Schafe laufen in der Gegend herum, die aber auch äußerst fruchtbar zu sein scheint. Rechts und links des Weges arbeiten Menschen in den Feldern, auf welchen knallrote Paprika, Pepperoni und Frühlingszwiebeln angebaut werden. Immer wieder weht uns auch der entsprechende Duft um die Nase. Am Wegesrand stehen Granatapfel- und Feigenbäume, an letzterem bedienen wir uns zwischendurch. Weiter am Fluss entlang radelnd erreichen wir bald das Kızılırmak-Delta, bei welchem es sich um das größte Feuchtgebiet im Schwarzmeerraum handelt. Hier wird der Gemüseanbau abgelöst von riesigen Reisfeldern und vereinzelt auch Flächen mit Tabakpflanzen. Diese Gegend ist zudem als Vogelschutzgebiet und international als wichtige Raststätte für Zugvögel anerkannt. Unzählige Vögel unterschiedlicher Art und Größe bekommen auch wir während unserer Fahrt durch das Feuchtgebiet zu Gesicht. Schließlich kommen wir an der Flussmündung an. 1355 km muss das Wasser des längsten Flusses der Türkei, des Kızılırmak, fließen, bis es auf das Schwarze Meer trifft und auch wir mussten für diesen Anblick lange radeln. Es ist ein besonderer Moment, nach den Erlebnissen der letzten Wochen tatsächlich mit den Rädern vor dem Meer zu stehen und es rauschen zu hören. Wir steuern als erstes den Leuchtturm in Fener an, der im Jahr 1880 erbaut wurde. Vor dem Leuchtturm stehen auf recht abenteuerliche Art und Weise drei Bänke und ein provisorischer Tisch auf oder eher zwischen den Felssteinen am Wasser. Wir nutzen diese interessante "Sitzgruppe" für ein Picknick mit Tee, Cappuccino, Sesamstangen und Zitronenmuffins. Mehr als zwei Stunden bringen wir in diesem schönen Ort zu, schauen auf das Meer und lassen es uns einfach gut gehen. Nachdenklich stimmt einen der Gedanke, dass auf der anderen Seite am Horizont die Ukraine ist. Wie Heiko feststellt, ist die Krim nur etwas mehr als 300km von uns entfernt. Kurz nach diesen Gedanken bekommt Heiko ausgerechnet an diesem Ort eine Nachricht von Natascha, der Ehefrau des von uns nach Kriegsbeginn beherbergten und inzwischen an seiner Krebserkrankung verstorbenen Sergii. Sie schickt ein kurzes Video von der Seebestattung, die vor wenigen Tagen in Kiel auf der Ostsee stattgefunden hat. Sergii hat das Meer und während seiner Zeit in Kiel die Ostsee sehr geliebt. Wir senden Natascha ein Bild vom Schwarzen Meer, den Blick auf die Ukraine gerichtet und an Sergii denkend...
Als Option stand es schon im Raum, aber jetzt und hier beschließen wir, die Nacht an diesem Ort zu verbringen. Noch nicht wissend, wo wir das Zelt aufschlagen werden, schnappen wir uns noch einmal unsere Räder und fahren zu einer Mole in Sichtweite. Dort angekommen finden wir zwar keinen Zeltplatz, haben aber erstens nochmal eine schöne Perspektive auf den Leuchtturm und werden zweitens von einem Herrn auf einem Moped angesprochen, der uns quasi zum Zelten am Leuchtturm einlädt. Also zurück zu selbigem, wo wir auch den freundlichen Herrn wiedertreffen, und schon bald ist unser Lagerplatz mit Meerblick eingerichtet. Wir staunen nicht schlecht, als der Mann plötzlich mit einem großen Tablett von seinem Haus zu uns rüber spaziert und frisch zubereitete Gözleme, etwas mundgerecht geschnittenes Gemüse, Feigen und Tee überreicht. Für sich selbst hat er auch einen Tee mitgebracht und damit gesellt er sich eine Weile zu uns. Wir erfahren, dass er der Leuchtturmwärter ist und beantworten die üblichen Fragen zu unserer Reise. Auch seine Frau kommt kurz zu uns an den Strand, herrlich, diese Begegnungen, immer wieder aufs Neue! Am Abend sitzen wir allein am Strand vor unserem Zelt, neben uns knistert ein Lagerfeuer und lassen uns noch ein paar Tomaten und ein Fladenbrot schmecken, selbstverständlich gefolgt von Tee und Keksen. Es ist dunkel geworden und bald gesellt sich der helle Schein des Leuchtturms zum Licht unseres Lagerfeuers, herrlich!Read more
Vierbeinige Gesellschaft im Garten
September 7, 2023 in Turkey ⋅ 🌙 20 °C
Früh am Morgen werden wir Zeugen eines wunderschönen Sonnenaufgangs an diesem fantastischen Ort. Der Leuchtturm strahlt im morgendlichen Licht, das Meer glitzert türkis, eine frische Brise weht ins Zelt - was geht es uns doch gut! Am liebsten würden wir noch ein paar Tage bleiben, so gut gefällt es uns an diesem herrlich ruhigen und so friedlich wirkenden Fleckchen Erde, aber irgendwann muss es ja auch mal wieder vorangehen. So räumen wir also unser Lager nach dem Frühstück und beladen unsere Fahrräder. Vor der Abfahrt schauen wir noch am Haus des Leuchtturmwärters vorbei, um uns zu verabschieden. Nach ein paar gemeinsamen Fotos und einem letzten Blick auf den Leuchtturm radeln wir schließlich von dannen. Es ist ein herrlicher Morgen und wir genießen die Fahrt sehr. Am Wegesrand blüht es bunt, rot schimmernde Libellen schwirren um uns herum, freundliche Menschen winken uns zu. Eine Einladung zum Frühstück kurz nach der Abfahrt schlagen wir dankend aus, sind wir doch gerade erst drei Kilometer gefahren. Immer wieder steigen weiße Vögel, die an Reiher erinnern, aber deutlich kleiner sind, aus den Reisfeldern auf. In unserer Unwissenheit nennt Heiko sie fortan "Reisvögel", denn Reis ist ja schließlich auch weiß. Wasserbüffel, die kurz darauf unseren Weg kreuzen und neugierig an Claudias Fahrradtaschen riechen, werden kurzerhand "Schnüffelbüffel" getauft. Eine Weile führt uns der Weg noch durch die riesigen Reisfelder, bevor wir für etwa zehn Kilometer der Hauptstraße folgen. An einem Stand an der Straße findet eine Melone für die nächste Pause den Weg in Claudias Fahrradkörbchen, an einer Tankstelle werden Wasser- und Keksvorräte aufgefüllt. Die Hauptstraße wieder verlassen und das Meer vor der Nase legen wir eine Pause ein. In einem kleinen Geschäft im Ort Alaçam konnten wir zuvor noch Joghurt und etwas Käse ergattern, ein Fladenbrot haben wir noch in der Packtasche. Die eigentlich für die Pause eingeplante Melone muss am Ende weiter im Körbchen mitfahren, unsere Augen waren wohl größer als die Mägen. Mehr als satt und entsprechend träge sitzen wir bald wieder auf den Rädern und müssen erstmal wieder den richtigen Tritt finden. Dies tun wir an der Hauptstraße, welcher wir bis zum Ortseingang von Yakakent folgen. Hier bietet sich die Möglichkeit, dem Verkehr der großen Straße für eine Weile zu entfliehen. Im dem Küstenort radeln wir direkt am Wasser entlang, wo im Vergleich zu den letzten durchquerten Dörfern viel Leben herrscht. Die Uferpromenade ist von Palmen gesäumt, viele Restaurants reihen sich aneinander und es gibt ausgewiesene Badestrände. Wir bleiben kurz stehen, um ein Foto zu machen, da werden wir schon angesprochen. Mal wieder sind es die Fahnen an Heikos Fahrrad, welche die Aufmerksamkeit eines jungen Mannes auf uns gezogen hat. "Seid ihr aus Deutschland?" fragt er und lädt uns spontan zum Tee ein. Er kommt eigentlich aus Karlsruhe und besucht gerade seine Familie, die hier beheimatet ist. Sehr interessiert ist er an unserer Art des Reisens und stellt entsprechend viele Fragen: Wo schlaft ihr? Was esst ihr? Hattet ihr mal Probleme mit der Polizei? Seid ihr unterwegs mal krank geworden? Was macht ihr, wenn am Fahrrad was kaputt geht? So plaudern wir eine Weile und trinken Tee, bevor wir weiterziehen. Bis zum Ortsende fahren wir noch am Wasser entlang, dann hat uns die Hauptstraße wieder. Nach einigen Kilometern werden wir vor die Wahl gestellt: Entweder können wir weiter auf der befahrenen Straße an der Küste bleiben oder wir nehmen die ruhigere ehemalige Hauptstraße, die etwas von der Küste weg und in die Berge führt. Wir entscheiden nach einigem Abwägen für die deutlich verkehrsärmere Nebenstrecke und nehmen dafür einige Höhenmeter in Kauf. Auf fast 400m arbeiten wir uns hoch und hoffen, einen schönen Platz für unser Zelt mit Meerblick zu finden. Der Wunsch mit der Aussicht wird zwar erfüllt, leider gestaltet sich aber die Suche nach einem ebenen und "unsichtbaren" Fleck für unsere mobile Behausung heute mehr als schwierig. Dazu kommt, dass wir erstmals die Erfahrung machen, dass Menschen unsere Bitte, auf einem Feld oder ähnlichem in der Nähe ihres Hauses zu zelten, ablehnen. Sprachlich bedingte Missverständnisse können wir natürlich nicht ausschließen, aber das löst unser Problem der "Obdachlosigkeit" nicht. Wir haben schon reichlich Kilometer in den Beinen und es wird merklich dunkel und kalt, als Heiko drei Spaziergänger mit Hunden anspricht. Die Konversation ist etwas holprig, aber die Familie zeigt sich auf jeden Fall hilfsbereit. Erst erlauben sie uns, auf einer freien Fläche gegenüber ihres Hauses zu übernachten, bitten uns aber kurz darauf sogar auf ihr privates Grundstück. Direkt vor ihrem Haus dürfen wir unser Zelt auf dem kleinen, eingezäunten Grundstück aufstellen, welches wir und mit zwei Hunden teilen. Die beiden tierischen Gesellen zeigen sich neugierig bis fast ein bisschen aufdringlich, auf jeden Fall aber harmlos. Gerade haben wir im Dunkeln vor dem Zelt unsere Melone als Abendessen verspeist, da öffnet sich die Haustür und die beiden Frauen (mutmaßlich Mutter und Schwiegertochter) balancieren ein Tablett zu uns herüber. Kaffee und frisch gebackener, noch warmer Zitronenkuchen befinden sich darauf, wie nett! Die ältere Dame mag uns wohl auch nicht im Dunkel vor dem Zelt sitzen sehen und lotst uns auf eine beleuchtete Sitzgruppe im hinteren Teil des Gartens, bevor sie sich ins Haus zurückzieht. In freundlicher Gesellschaft der beiden Hunde lassen wir uns Kaffee und Kuchen schmecken, erfreut darüber, dass der Abend noch ein gutes und versöhnliches Ende gefunden hat.Read more
Sinop
September 8, 2023 in Turkey ⋅ ☁️ 23 °C
Eine laute und helle Nacht liegt hinter uns, Heiko hat sich bestmöglich durch die Anwendung von Oropax und Schlafbrille abgeschirmt. Die Hunde in "unserem" Garten und deren Artgenossen in der Umgebung haben fast durchgehend gebellt und unser Zelt stand quasi direkt im Schein einer Straßenlaterne. Als wir um halb sieben etwas gerädert aufstehen und unseren Rückzug vorbereiten, scheinen unsere Gastgeber noch zu schlafen. Zumindest wirkt noch alles still im Haus, selbst der Hund hat nur ein müdes Blinzeln für uns übrig. So lassen wir nur einen schriftlichen Dankesgruß am Eingang des Hauses zurück und verlassen durch das Gartentor das kleine Grundstück. Nach gut drei Kilometern und den ersten 60 Höhenmetern des Tages nutzen wir die erste Gelegenheit mit Meerblick, um uns zum Frühstück niederzulassen. Zunächst wellig und schließlich bergab geht unsere Fahrt weiter und wir erreichen gegen halb elf das Küstenstädtchen Gerze. Einen kurzen Eindruck verschaffen wir uns, indem wir hinunter ans Wasser bis zum kleinen Leuchtturm der Hafeneinfahrt radeln. Nach dieser kleinen Stippvisite in Gerze reihen wir uns wieder in den Verkehr der Hauptstraße ein. Als es die Möglichkeit gibt, auf die weniger befahrene Nebenstrecke bei gleichzeitig mutmaßlich anspruchsvollerem Terrain abzubiegen, lassen wir das Los entscheiden. Das Schicksal lotst uns von der Hauptstraße weg und beschert uns recht bald eine ziemlich holprige Schotterpiste. Noch fahren wir unter blauem Himmel, näherkommende bedrohlich dunkle Wolken lassen aber baldigen Regen vermuten. Nach kurzer Bergauffahrt folgt eine sehr steile Abfahrt, die Claudia angesichts des groben Schotters mit beiden Händen an den Bremsen lieber schiebt. Heiko ist bereits unten angekommen, als Claudia von einer Frau aus einem Garten herangerufen wird. Sie möchte uns unbedingt zum Tee und zum Essen einladen. Parallel scheucht sie im wahrsten Sinne des Wortes ihren Mann durch den Garten, damit er Gemüse für uns erntet. Während sie Claudia davon zu überzeugen versucht, Heiko wieder zurückzulotsen, hüpft er im Laufschritt durch den Garten und pflückt Tomaten, Zucchinis und Pepperoni. Obwohl es eine gute Gelegenheit gewesen wäre, etwas bei diesem netten Paar zu verweilen und dadurch vielleicht sogar den drohenden Regen trocken zu überstehen, bleibt es bei einer Begegnung am Gartenzaun. Die Schotterpiste ist so steil, dass Heiko sie nicht wieder hinauffahren und wahrscheinlich nicht einmal allein hinaufschieben könnte. Also nimmt Claudia die große Tüte Gemüse in Empfang und rumpelt nach Dank und Verabschiedung ebenfalls in die Tiefe. Bald fallen die ersten Tropfen, glücklicherweise scheint aber der größte Teil der dunklen Wolken an uns vorbei zu ziehen. Die Wetterlage und die Wegbeschaffenheit veranlassen Claudia zu dem Vorschlag, doch wieder in Richtung Hauptstraße zu schwenken. Auch auf dieser werden wir nicht geschont, in stetigem Wechsel von Auf und Ab radeln wir der Stadt Sinop entgegen, über die im Reiseführer zu lesen ist: "Malerisch auf einer Halbinsel gelegen und von einer imposanten alten Burg mit der dazugehörigen Stadtmauer bewacht, hat Sinop den schönsten natürlichen Hafen am Schwarzen Meer und wunderbare nahegelegene Badebuchten." Das werden wir uns anschauen...! Die Stadt bereits auf Sichtweite legen wir eine Pause am Straßenrand ein. Wir trinken Tee, verwandeln das Gemüsegeschenk in einen leckeren Salat und rufen Antonia an, um ihr zum 23. Geburtstag zu gratulieren. Ein Bauer, der auf dem angrenzenden Feld arbeitet, sieht uns auf unseren Campingstühlen und bringt uns extra einen kleinen Tisch dazu. Das Meer und den heutigen Zielort Sinop vor Augen gerät unsere Pause bei inzwischen wieder fast blauem Himmel recht lang. Es ist bereits halb fünf, als wir die letzten 15 Kilometer des Tages in Angriff nehmen. Hügel um Hügel nähern wir uns dem Ziel, beide sind wir inzwischen reichlich platt und haben nicht mehr wirklich Lust, bergauf zu fahren. Gute 900 Höhenmeter haben wir in den Beinen, als wir am Hafen von Sinop stehen. Nach kurzer Orientierung steuern wir ein sehr zentral gelegenes Hotel an und checken für zwei Nächte ein, unsere Räder dürfen freundlicherweise im Schaufenster stehen. Ihnen und auch uns wollen wir morgen eine Pause gönnen und einen entspannten Tag verleben. Frisch geduscht gehen wir am Abend noch lecker essen und nach einer kurzen Suche entdecken wir im Anschluss auch noch ein Café mit guter Baklava-Auswahl. Perfekt!Read more
Urlaub im Urlaub
September 9, 2023 in Turkey ⋅ 🌙 22 °C
Wir lassen den Tag gemütlich angehen, heute ich schließlich "Ruhetag", und starten um neun Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel. Am späten Vormittag machen wir uns auf den Weg zum "Sinop Kale Cezaevi". Das ehemalige Staatsgefängnis, das aufgrund des verschärften und menschenrechtsverachtenden Haftvollzugs als "Anatoliens Alcatraz" gilt, wurde als eines der ältesten Gefängnisse der Türkei 1887 im Inneren der Sinop-Festung errichtet. Aufgrund seiner Lage innerhalb einer Festung galt es als Hochsicherheitsgefängnis ohne Fluchtmöglichkeit. Im Jahr 1997 wurde es geschlossen und die Insassen in ein neu errichtetes modernes Gefängnis in Sinop verlegt, 1999 erfolgte die Umwandlung in ein Museum. Wir müssen uns leider mit Außenansichten der Anlage begnügen, da das Hauptgebäude aufgrund von Restaurierungsarbeiten derzeit nicht zugänglich ist. Im Anschluss an die Besichtigung dieses eher "düsteren" Ortes kaufen wir an einem Stand eine große Portion frisches Obst, welches wir in unserem Hotelzimmer zu einem fruchtigen Salat verarbeiten, um kalten Joghurt ergänzen und uns schmecken lassen.
Den Anflug der halbherzigen Idee, möglicherweise doch noch mit unbeladenen Fahrrädern die Halbinsel zu umrunden, verwerfen wir schnell wieder. Stattdessen nehmen wir das Wort "Ruhetag" weiterhin ernst und faulenzen noch eine Weile im Hotel. Am frühen Abend raffen wir uns aber doch noch einmal auf und begeben uns an die frische Luft. In einem sehr skurrilen Geschäft, in welchem wir zufällig landen und in dem es auf engstem Raum scheinbar alles gibt, erwerben wir eine Spülbürste, die uns zur Reinigung unserer Trinkflaschen dienen soll. Den Rest des heutigen Abends begleitet uns das gelbe Plastikteil in Heikos Hemdtasche. Ebenfalls eher zufällig finden wir uns wenig später vor dem Aufgang zum Sinop-Kalesi. Wir steigen die Steintreppen auf die Burg hinauf und freuen uns über einen herrlichen Blick auf den Hafen und das Schwarze Meer. Ein Stündchen flanieren wir noch die quirlige Uferpromenade auf und ab, bevor es uns zum Abendessen in ein Restaurant zieht. Hier bestellen wir beide die regionale Spezialität "Sinop-Mantı", wobei die Besonderheit in der Zugabe von gehackten Walnüssen besteht. Wie so oft lassen wir uns auch heute einen Besuch im Café für Tee und Süßspeise zum Tagesabschluss nicht entgehen...Read more
Anatoliens Nordkap
September 10, 2023 in Turkey ⋅ ⛅ 21 °C
Nach ausgiebigem Frühstück und entspannter Packerei verlassen wir um halb elf das Hotel. Wir navigieren zügig aus der Stadt heraus und finden uns bald auf einer tollen Küstenstraße wieder. Eine kurze Pause auf einer Bank dient einzig und allein dazu, auf das blau-grün leuchtende Meer die tosenden Wellen und die rauschende Brandung zu schauen. Genuss pur! Bereits gestern haben wir beschlossen, nicht an unserer geplanten Route festzuhalten, sondern weiter der Küste zu folgen, um den Naturpark "Hamsilos Tabiat Parkı" und einen kleinen Leuchtturm am nördlichsten Punkt Anatoliens zu besuchen. Aber eins nach dem anderen. Einige Kilometer führt unser Weg noch am Strand entlang, dann geht es bergauf in die waldigere Gegend des knapp 70 Hektar großen Naturparks. Wir passieren ein am heutigen Sonntag recht belebtes Picknickgelände und radeln weiter in Richtung der 400m langen Hamsilos-Bucht. Als "einziger Fjord der Türkei" wird diese bezeichnet, weil
Sie durch ihre Tiefe und die grünen Berge ringsum an Norwegen erinnert. Den skandinavischen Vergleich können wir gut nachvollziehen und bestätigen, als wir für ein geringes Eintrittsgeld zu Fuß den "Fjord" erkunden. Die Fahrräder durften wir nicht mitnehmen, sie warten artig am Eingang auf uns. Der Ort ist wunderschön, an jeder Ecke bieten sich neue, herrliche Ausblicke und es erklärt sich von selbst, dass es sich für die Einheimischen um ein beliebtes Wochenendziel handelt. Gerade das Aufeinandertreffen von
Wäldern und Meer machen die Schönheit dieser Szenerie aus. Nach Staunen, Genießen, Fotografieren, Filmen und Drohnenflug schwingen wir uns wieder auf die Radsättel und fahren zunächst ein Stück der Straße zurück, auf der wir gekommen sind, bevor wir auf einen breiten, sandigen Waldweg abbiegen. Dieser bildet eine Querverbindung zu der Straße, die uns nach İnceburun, dem nördlichsten Punkt Anatoliens, führen soll. Als wir uns dem 25km nordwestlich von Sinop liegenden Ort nähern, sehen wir schon von weitem den zwölf Meter hohen weißen Leuchtturm. Der gemauerte İnceburun-Leuchtturm wurde 1863 hier an den Klippen der Schwarzmeerküste errichtet und ist bis heute aktiv. Er wird von der Familie Çilesiz betreut, die diese Aufgabe in sechster Generation ausübt. Wir sind zwar nicht die einzigen Gäste, haben aber definitiv die größte Ausdauer. Während wir einige Autos kommen und wieder fahren sehen und auch drei Busladungen Menschen für ein "Nordkap-Foto" ausgespuckt und anschließend wieder von dannen gefahren werden, hocken wir etwas abseits auf unseren Campingstühlen und schlürfen Tee. Etwas später knabbern wir köstliche Maiskolben, die vor Ort in einem großen Topf gekocht und verkauft werden. Im kleinen Garten gegenüber bestellen wir ein, zwei, drei Gläser Tee und kommen mit der Betreiber-Familie des Leuchtturms ins Gespräch. Als die Mutter erfährt, dass wir mit dem Fahrrad gekommen sind, versorgt sie uns mit Weintrauben und Kuchen. Um uns herum tobt eine Horde zahme Hühner. Es ist ein herrliches Bild, wie ein kleines Hühnchen auf dem Tisch sitzt und sich mit der Tochter der Familie einen Maiskolben teilt. Auf einem anderen Tisch liegt ein kleiner Hund und genießt Streicheleinheiten, weitere sehr freundliche Hunde stromern in der Gegend herum. Sehr idyllisch! Man erlaubt uns, hier am Leuchtturm zu zelten, was uns sehr freut. Auf einer Kuhkoppel mit Blick auf Leuchtturm, Meer und Küste schlagen wir unser Nachtlager auf. Ein paar Kühe schauen neugierig vorbei, Hunde legen sich neben uns ins Gras, die Hühnerhorde ist ohnehin überall unterwegs und dann schwimmen auch noch ein paar Delfine vorbei. Besser geht es kaum! Es gibt noch Salat und Sonnenuntergang, dann ist Feierabend am Nordkap.Read more
Cengiz & Familie
September 11, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 20 °C
Wir erleben einen wunderbar sonnigen Morgen am Leuchtturm. Die netten Hunde leisten uns Gesellschaft, ansonsten sind wir allein.
Diesen Umstand nutzen wir nach dem Frühstück, um ein paar Touri-Fotos an dem Schild zu machen, welches İnceburun als nördlichsten Punkt ausweist. Schließlich lassen wir noch einen Dankesgruß am Haus der "Leuchtturmfamilie", wo noch alles ruhig zu sein scheint, zurück und radeln etwas wehmütig weiter. Gut und gerne hätten wir noch bleiben können...! Wir sind noch nicht weit gefahren, da hält Heiko plötzlich an und Claudia vermutet, dass er ein Tier oder etwas ähnlich Spannendes erspäht hat. Aber nein: Heiko findet seine eigene Unterhose, die nach der gestrigen Wäsche noch feucht war und zum Trocknen außen an der Tasche hing, zumindest bis sie sich genau hier scheinbar selbstständig gemacht hat. Nicht viel später kommt es zur nächsten ungewöhnlichen Begegnung. Wir treffen zwei Radreisende, die erstens Türken und zweitens älter als wir sind. Bisher haben nur deutlich jüngere Radler unseren Weg gekreuzt und Einheimische haben wir tatsächlich noch nie auf bepackten Rädern gesehen. Vieles an ihren Fahrrädern, eines davon mit kleinem Anhänger, ist "Marke kreativer Eigenbau". Ein über die Isomatte gestülpter Eimer hat multifunktionalen Charakter: Er dient zum Spülen, zum Duschen, und zum Löcher in platten Fahrradschläuchen finden. Das nette Paar spricht überraschend gut englisch und so plaudern wir eine Weile, bevor wir im die jeweils entgegengesetzte Richtung weiterfahren. Das gemeinsame Erinnerungsfoto entdeckt Heiko bereits kurze Zeit später auf Instagram. Auf kleiner, fast autofreier Straße (ein kurzer Verfahrer auf die Hauptstraße ist schnell korrigiert) passieren wir einen See und gelangen kurz darauf an eine Steilküste mit fantastischem Blick auf das Meer und einen langen, fast menschenleeren Sandstrand. In der Ferne können wir sogar noch einmal den Leuchtturm sehen, der inzwischen neun Kilometer (Luftlinie) entfernt ist. Und natürlich können wir nicht anders als hier eine Foto-Film-Genuss-Pause einzulegen (obwohl wir aktuell weder über Wasser für einen Tee noch über Kekse verfügen...). In stetigem Auf und Ab geht es weiter, da kommt die Rast an einem Straßenstand gerade recht. Eigentlich wollen wir nur schauen, ob der Stand etwas für unser Abendessen hergibt. Wir bleiben schließlich für die Länge von drei Gläsern Tee und knabbern dabei frisch gepflückte Weintrauben. Weitere Trauben sowie einige Tomaten überreicht das Standbetreiber-Paar uns darüber hinaus als Geschenk. Wir kaufen schließlich aus der Auswahl verschiedener eingemachter Köstlichkeiten noch ein Glas "Aciko" (ohne so ganz genau zu wissen, um was es sich handelt), dann hat uns die Straße wieder. Als wir ab 17 Uhr die Augen nach einer guten Zeltmöglichkeit offenhalten, dürfen wir zum wiederholten Mal eine zufällige und gleichzeitig tolle Begegnung erleben. Während wir langsam radelnd die Umgebung auskundschaften, kommt plötzlich ein Mann aus einer Hauseinfahrt, nachdem er durch Heikos Fahnen am Rad aufmerksam geworden ist, und spricht uns an. Er heißt Cengis, kommt aus Österreich und ist gerade heute hier bei seiner Familie für einen zweiwöchigen Besuch angekommen. Sein Onkel und sein Neffe gesellen sich dazu und nach wenigen Minuten stehen wir im Garten der Familie, wo wir unser Zelt aufschlagen dürfen. Der ausgesprochen freundliche Onkel entscheidet sich aber noch einmal um und zeigt uns einen anderen Platz. Eine ebene Fläche direkt vor der benachbarten Moschee hält er für am besten geeignet, hier können wir sogar das zur Moschee gehörige Toilettenhäuschen nutzen. Die drei Männer schlagen vor, dass wir in Ruhe unser Lager aufbauen und im Anschluss auf einen gemeinsamen Tee zu ihnen rüberkommen. Wir nehmen die Einladung gerne an und spazieren wenig später zum Grundstück von Cengiz' Familie. Hier lernen wir auch zwei Frauen kennen (die ganzen Namen und Verwandtschaftsverhältnisse sind leider zu viel für unsere Gehirne), die bereits einen Haufen Maiskolben im Garten grillen. Wir knabbern die gelben Körner, dazu werden noch frische Feigen und Weintrauben gereicht, trinken reichlich Tee und haben eine sehr unterhaltsame und lustige Zeit. Schließlich wird auch noch eine im eigenen Steinofen im Garten zubereitete Nachspeise serviert. Nokul heißt sie und ist in dieser Region typisch. Es ist ein lustiger Zufall, dass Claudia diese Nachspeise schon in Sinop auf einer Karte als "ausprobierwürdig" entdeckt hat, es aber nicht zur Testung kam. Umso schöner, dass wir nun in den Genuss kommen, das Nokul schmeckt nämlich tatsächlich ganz ausgezeichnet. Im Laufe des Abends gesellen sich weitere Menschen zu uns, sowohl aus der Familie als auch die deutschsprachigen Nachbarn Nuri und Türkan, die sehr lange in Augsburg gelebt haben. Als es draußen zu kühl wird, ziehen wir alle ins Haus um und die Zeit vergeht wir im Flug. Halb elf ist es bereits, als wir uns nach diesem sehr schönen Abend in unser Zelt zurückziehen. Und auch morgen früh darf der Gaskocher kalt bleiben, Nuri und Türkan haben uns zum Frühstück eingeladen...Read more
Lecker Fisch...
September 12, 2023 in Turkey ⋅ 🌙 16 °C
Wir haben uns für den heutigen Morgen keinen Wecker gestellt und prompt fast verschlafen Etwas hektisch packen wir unsere Taschen und bauen das Zelt ab, um einigermaßen pünktlich bei dem für neun Uhr anberaumten Frühstück bei Nuri und Türkan zu sein. Nuri winkt uns bereits heran, als wir uns mit den beladenen Rädern in die Richtung seines Hauses bewegen. Einen kurzen Abstecher machen wir allerdings noch zu Cengis und seiner Familie. Fast ein wenig emotional verabschieden wir uns und überreichen, wie in diesem Jahr üblich, die Foto-Dankes-Karte von uns. Die Rückseite hat Heiko mit einer Zeichnung von der Moschee und unserem Zelt sowie ein paar Dankesworten versehen, worüber die die gesamte Familie sich sehr freut. Sie werden das "Geschenk" für immer behalten, übersetzt Cengiz uns. Wir erfahren in diesem Zuge auch, dass sein (überaus netter, herzlicher und humorvoller) Onkel das am gestrigen Abend entstandene Gruppenfoto auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat und daraufhin bereits über 60 Reaktionen erhalten hat. Nach einigen Umarmungen und geschüttelten Händen rollen wir schließlich winkend vom Hof und parken unsere Räder eine Auffahrt weiter. Hier haben Nuri und Türkan bereits ein köstliches Frühstück vorbereitet, welches wir auf der Terrasse vor ihrem Haus mit Meerblick genießen. Das Paar hat viele Jahre in Augsburg gelebt und gearbeitet, bevor sie vor drei Jahren ihre Zelte in Deutschland abgebrochen haben und nach Auszahlung der deutschen Rente in ihre türkische Heimat gezogen sind. Wir unterhalten uns angeregt über dies und das, speziell die "Innenansichten" der Einheimischen sind für uns immer wieder sehr interessant und spannend. Etwas abgelenkt werden wir lediglich durch drei herzallerliebste Katzenbabys, die aktuell von Nuri und Türkan versorgt werden. Abgemagert und verwahrlost haben sie die drei Kleinen und ihre Mutter von der Straße aufgelesen und sich ihrer angenommen. Nach etwas Aufpäppelung sollen sie ein neues Zuhause auf einem landwirtschaftlichen Hof finden. Elf Uhr ist es bereits, als wir uns verabschieden und uns mit vollen Bäuchen dem Auf und Ab der Küstenstraße stellen. Kurz hinter dem Ortsausgang des Ortes Ayancık legen wir eine kurze Pause an einer Bushaltestelle ein, um das empfindliche Obst in Form von Weintrauben und frischen Feigen, welches wir seit gestern durch die Gegend fahren, zu vertilgen. Weiter geht es durch ein großes Baustellenareal, wo bis heute an der Beseitigung von Schäden durch eine verheerende Überschwemmung im August 2021 gearbeitet wird. Während wir dieses Gebiet durchqueren, ereilt uns nach nunmehr über fünf Wochen der allererste Defekt dieses Urlaubes: Heiko hat einen Platten am Hinterrad. Frisch geflickt dauert es nicht lange bis zur nächsten kurzen Reiseunterbrechung. Ein junger Radreisender kommt uns entgegen und hält auf ein Pläuschchen an. Wir erfahren, dass er auf Freiburg kommt, gerade sein Physikstudium abgeschlossen hat und nun für etwa ein Jahr, bzw. bis ihm das Geld ausgeht, unterwegs sein möchte. Bis Georgien soll es gehen, danach will er über den türkischen Süden zurück gen Heimat radeln. Recht kreativ und eigenwillig muten Rad und Ausstattung an. So fährt er z.B. mit zwei Scout-Schulranzen als Packtaschen und am Lenker hat er sich einen dicken Ast als ergänzende Griffoption befestigt. Außerdem fällt er dadurch auf, dass elektronische Navigation oder Reisedokumentation auf Social-Media-Kanälen kein Thema sind, sondern er noch ganz klassisch mit Kompass und Karte unterwegs ist. Wir schenken dem jungen Radler noch eine Rolle Kekse und nehmen dann den Berg in Angriff, den er gerade hinter sich hat. Teilweise mal wieder biestig steil geht es vom Meeresniveau hinauf auf 400m. Oben an einer kleinen Moschee angekommen beschließen wir, dass wir uns nun auf jeden Fall reichlich Chips und Kekse verdient haben. Kurz überlegen wir ob wir einfach hier die Nacht verbringen und Heiko inspiziert auch diesbezüglich das Gelände. So richtig geeignet für eine Wildübernachtung scheint der Ort jedoch nicht und so begeben wir uns um halb fünf auf die Abfahrt. Unser Plan sieht vor, die Augen offenzuhalten und die nächste Zeltoption zu nutzen. Die Umsetzung dieses Vorhabens gestaltet sich aber alles andere als einfach: zu besiedelt, zu einsehbar, schlechter Boden. So ist bald das Meer wieder erreicht und wir haben weiterhin keinen Schlafplatz. Doof! Der steinige Strand bietet auch keine Möglichkeit und als wir die kleine Stadt Türkeli durchqueren, bricht bereits die Dunkelheit an. Die Stimmung droht etwas zu kippen, da ereilt Heiko zu allem Überfluss auch noch der nächste Platten am heutigen Tag, diesmal verliert der Vorderreifen Luft. Heiko kümmert sich um die Reparatur, Claudia googelt indes in Ermangelung an Zeltgelegenheit nach Zimmern in der näheren Umgebung. Acht Kilometer sind es bis zum nächsten Hotel, also Licht an und in die Pedale getreten. Wir sind kaum losgefahren, da entdecken wir eine große Außenanlage, die zu einem Fischrestaurant gehört. Einige Männer teetrinkend vor dem Haus sehend halten wir an und fragen kurzerhand, ob wir auf dem Restaurantgelände zelten dürfen. Mal wieder empfängt man uns mit sehr herzlicher Offenheit und sofort wird geklärt, wo wir am besten übernachten können. Als erstes sollen wir uns aber zu ihnen setzen und haben auch direkt ein Glas Tee und eine Schale Obst vor uns stehen. Zunächst unterhalten wir uns, vorwiegend mit einem netten Fernfahrer, mittels Heikos Sprachkenntnissen und dem Google-Übersetzer. Recht bald kommen aber ein weiterer Herr mit seinem Sohn dazu, die ursprünglich aus Deutschland (NRW) kommen. Der Mann ist in Deutschland in der Automobilbranche tätig und hat darüber hinaus hier vor Ort ein Unternehmen gegründet. Direkt neben dem Fischrestaurant baut er aktuell mit seinem Sohn eine Ferienanlage mit 30 Holzhütten. Irgendwie scheinen die beiden auch mit dem Restaurant in Verbindung zu stehen, der 25 Jahre alte Sohn führt uns auf jeden Fall auf die große Außenanlage, auf welcher wir uns "wie zu Hause fühlen" dürfen. Was für eine großartige Wendung dieser Abend doch mal wieder nimmt. Und er ist noch nicht zu Ende. Vor dem Aufbau lädt der Fernfahrer uns zum Essen es, es gibt ausgezeichneten Lachs mit verschiedenen Beilagen sowie eine extrem leckere warme Helva-Nachspeise. Ein paar Teegläser später, satt und von der Freundlichkeit überwältigt begleitet der 25-Jährige uns schließlich mit einer Taschenlampe auf "unsere Zeltwiese". Schnell ist das Zelt aufgebaut und wir liegen mit Meeresrauschen im Hintergrund in unseren Schlafsäcken.Read more
İnebolu
September 13, 2023 in Turkey ⋅ ☀️ 21 °C
Am Morgen den Reißverschluss des Zeltes öffnen und das Meer sehen, hören und riechen - herrlich! Entspannt frühstücken wir, bevor wir unsere sieben Sachen in die Taschen und an die Fahrräder verstauen. Aus dem Fenster des Fischrestaurants weht ein freundliches "Good morning" zu uns herüber und vom blauen Himmel lacht die Sonne. So darf ein Tag gerne beginnen. Um zehn Uhr verabschieden wir uns von den anwesenden Frauen im Restaurant, machen natürlich auch wieder ein Erinnerungsfoto und überreichen unsere Dankeskarte. An dem Gelände mit den bereits im Bau befindlichen Holzhäusern der gestern kennengelernten Bauherren vorbei führt der Weg uns weiter an der Küste entlang. Als wir den letzten Gipfel eines kleinen Bergensembles erklommen haben, steht eine ausgedehnte Mittagspause auf dem Programm. Das Gemüse, welches angesichts der gestrigen Einladung zum Fischessen noch in unseren Taschen weilt, wird gekocht, dazu gibt es Simit, Brot und das kürzlich erworbene Glas Aciko. So sitzen wir hier bei herrlichem Wetter im Schatten einiger Pinien und picknicken, blicken auf das türkisfarbene Meer, ein Anwohner bringt uns frisch gepflückte Dessert-Feigen, Delfine schwimmen vorbei..., kann uns mal jemand kneifen? Es ist schlicht herrlich! Seit geraumer Zeit freuen wir uns immer wieder über die Vielseitigkeit und den Kontrastreichtum dieser Reise, das viele satte Grün dieser Gegend ist besonders nach dem Erleben des tagelangen Radelns durch die karge, wüstenartige Landschaft Zentralanatoliens ein Hochgenuss. Heiko stellt im Rahmen der Pause fest, dass die Frauen vom Fischrestaurant der letzten Nacht scheinbar extra einen Instagram-Account angelegt haben (demircan-ailebalik-lokantasi) auf welchem sie in ihrer Story unsere Dankeskarte teilen. Das daraufhin zugesendete Foto vom Restaurant aus Drohnenperspektive wird kurz darauf als einer ihrer ersten Beiträge veröffentlicht. Auch aus dem Schwarzwald erhält Heiko eine Nachricht: Eine Tochter des Neffen von Cengis schickt Grüße aus Deutschland, nachdem sie das Gruppenfoto auf Instagram gesehen hat. Ach ja, dieses Social-Media...! Bald radeln wir weiter und kämpfen mit oder eher gegen diverse steile Rampen, werden aber auch regelmäßig gebührend durch grandiose Aussichten dafür belohnt. Im Licht des Sonnenuntergangs erreichen wir am frühen Abend unseren Zielort İnebolu, wo wir in einem Hotel ein Zimmer mit Balkon direkt am Meer beziehen. Im Restaurant des Hotels lassen wir uns ein Abendessen schmecken, als Nachtisch gibt es heute in Ermangelung von Baklava warmes Helva. Das kannten wir so noch nicht, hat uns aber ausgezeichnet geschmeckt. Gute Nacht!Read more






































































































































































































































































Travelereure Tour bietet so ein facettenreiches breites Spektrum an das geprägt ist von Hitze, Anstrengung aber auch tollen Eindrücken des Landes + der Gastfreundschaft der Menschen dort. Danke für die tollen Berichte + Bilder.
ClaudiaDurch das breite breite Spektrum wissen wir auf jeden Fall immer, wofür sich die Anstrengung lohnt 😀