Hannover
30.–31. heinäk. 2024, Saksa ⋅ ⛅ 29 °C
Wir sind dann mal weg. Hannover-Istanbul-Sansibar.
Jede*r einen Rucksack, das muss reichen. Wir haben uns gut mit Blantyre vernetzt und bekommen jetzt schon mehr Angebote, mit Kindern, Jugendlichen und anderen Künstlern aus der dortigen Musik- und Tanzszene gemeinsam zu arbeiten, als gedacht. Unser Haus ist vermietet, Jule wird vor Ort managen! Kater Mikesch weiß gar nicht, was für ein Glück das ist... aber wir! Durch das Entrümpeln und Loslassen in Kopf und Haus hat sich die Entscheidung zum Auszeitjahr schon jetzt gelohnt. Wir sind kurz nach Mitternacht dann auch wirklich mal startklar!Lue lisää
Stone Town
31. heinäk.–4. elok. 2024, Tansania ⋅ ☁️ 29 °C
1. Station auf Zanzibar: 4 Nächte Tarawanda House im Herzen der trubeligen Stone Town. Von krassen Düften zwischen Gewürzkultur und Liveschlachtung, von Sklavenhistorie zu Symbolkunde der Haustüren bis Simkartenbetreuung und Beratung "afro-ditisierender" Jasmindüfte hat Guide Ahmed alles gegeben. Der Umgang mit Angeboten aller Art und Handeln um Alles wird schnell Routine. Meerbaden ist wie Badewanne, aber mit Sonnenuntergang. Klack, Licht aus.
Wir sind, Dank einer Hannoveraner Kollegin, zu Gast in der "Dhow Countries Music Academy". Hier wird Taarab gespielt, ein vom um 1880 auf Sansibar regierender Sultan eingeführter Musikstil, der eine Mischung aus arabischen, indischen und ostafrikanischen Traditionen beinhaltet. Gibt's echt nur hier. Bevor wir das gezeigt bekommen, müssen wir erstmal kleine Workshops geben. Moritz hat sofort eine Handvoll Jugendliche zum Trommeln (gewünscht war noch für Elise am Klavier, also alles wie zu Haus) und Annette zeigt dem Art-Director und preisgekrönten Multiinstrumentalisten Tryphon Querflötengriffe. Alles zusammen wird natürlich im Büro aufgeführt.
Die Historie des Sklavenhandels ist noch schrecklicher als erwartet und im Museum/Monument dargestellt. Beim Markt der Einheimischen sind wir tatsächlich die einzigen Touris und die krassen Unterschiede zwischen Mittelschicht und Elend stimmen uns sehr nachdenklich. Wir genießen trad. Speisen mit einem Taarab-Konzert, schwimmen, Volleyball, wilde Wege zu Wechselstuben und ein Filmfestival. Am letzten Abend haben wir fast Orientierung durch das Straßengewirr - das war Stone Town, Zanzibar.Lue lisää

MatkaajaDas klingt total spannend und vor allem so schön, dass es überhaupt nicht nach einer typischen Touristenreise klingt. Ich folge euch sehr gerne weiter. 🤗🙋🏼♀️
Kendwa, Zanzibar
3.–9. elok. 2024, Tansania ⋅ ☁️ 27 °C
Jetzt fängt der Strandurlaub an. Mit Tuktuk und Daladala fahren wir nach Norden und genießen dort das Meer, den Strand, die Sonnenuntergänge und lernen den hier typischen Urlaubstrubel kennen.
Die Zanzibari sind alle sehr hilfsbereit, auch neugierig und durchaus geschäftstüchtig, und wir bewegen uns hier recht sicher.
Trotzdem fühlt sich der krasse Unterschied zwischen unserem westlichen Urlaubsstil und dem einheimischen Lebensstandard oft unangenehm an.Lue lisää
Korallenriff auf Mnemba-Island
6. elokuuta 2024, Tansania ⋅ ☀️ 27 °C
Schon beim Strandspaziergang am Vortag checken wir Tauch- und Schnorchelangebote. Wir finden Ismael, einen in Nungwi aufgewachsenen Tauchlehrer, der uns das Korallenriff vor der Insel Mnemba empfiehlt und diese ruhige Klarheit besitzt, die unter Wasser so wichtig ist. Ohne Tauchausweis geht nix, hat Moritz aber dabei - Kroatien vor 10 Jahren, da muss abends noch Theorie gebüffelt werden, Annette prüft.
Morgens ein schnelles Dachterrassenfrühstück und wir werden am Strand unseres Hotels "Sun-Sea-Bar" (ha-ha) abgeholt. Das Neopren macht uns gute Figur und hält warm, was bei dem Wellenritt gut tut. Wir haben jede*r unseren Guide und sind zu Gast in der Welt des indischen Ozeans mit Blick von oben oder eben unten. Die Korallen sind überwiegend totgrau, dafür die Pflanzen und Fische umso farbenfroher. Sehr aufregend, starke Strömung, lecker Obstsnack, 2. Schnorchel- bzw. Tauchgang (Löwenfische!) und zurück über die Nordspitze Tansanias (Nungwi), wo sich sogar Delphine zeigen. Abends die üblichen Bilder und ein besonders gemütliches Strandrestaurant, wo wir uns beim Warten noch eben Tattoos machen können. Stechen tun unsere Ohren aber schon selber: irgendeine Wasserschnecke schleckte toxisch Annettes Ohrläppchen und Moritz' Innenohr findet keinen Druckausgleich. Vielleich hilft doch ein Tattoo? Delphin, Löwenfisch? Hakuna Matata! Überhaupt ist dieses "kein Problem" die grundsätzliche Lebenshaltung, sei der Lebenskontext auch noch so schwierig - bewundernswert!Lue lisää
Green Village Spice Farm
9. elokuuta 2024, Tansania ⋅ ⛅ 29 °C
Auf unserer Fahrt in den Süden der Insel machen wir Halt bei einer Spice Farm, die von der Dorfgemeinschaft von Uzini geführt wird. Sansibar wird ja auch die Gewürzinsel genannt, viele Sorten gedeihen hier hervorragend. Guide Shabby erklärt uns sehr ausführlich, wie Zimt geerntet wird, warum Vanille so teuer ist (die Parasitenpflanze braucht täglich Pflege, die Blüten werden von Hand bestäubt), lässt uns verschiedene Pflanzenarten raten (Annette gewinnt die Challenge), gibt Tipps zur Verwendung als Heilmittel (Pfeffer gegen Asthma, Zimtwurzel und Basilikum gegen Erkältung, Zitronengras gegen Bluthochdruck (große Sorte) oder niedrigen Blutdruck (kleine Sorte)). Der Exportschlager ist die Nelke, wer einen Nelkenbaum fällt, kommt ins Gefängnis und wer beim Ernten vom Baum fällt, braucht die Behandlung nicht selber bezahlen. Wow!
Wusstet ihr, dass eine Ananaspflanze nur eine Frucht trägt, und das nur zweimal im Jahr? Und der Kokosnusspflücker klettert die bestimmt 18 Meter hohe Palme ohne Netz und doppelten Boden hoch und gibt oben noch eine artistische Darbietung mit Call-and-respons-Gesängen. Da wir am Ende noch eine Weile auf das Taxi warten müssen, bekommt Annette noch eine Extra-Stunde im Palmenblätterflechten. Mein erster selbstgeflochtener Schlips, toll!Lue lisää
Bwejuu, Zanzibar
9.–15. elok. 2024, Tansania ⋅ ☀️ 29 °C
Nach dem Zwischenstop auf der Spicefarm kommen wir über eine nagelneue Straße an der Ostseite Zanzibars an. Die Regierung baut so eine Straße in dem Wissen, dass sich nach ein paar Jahren die Menschen dort ansiedeln und Landwirtschaft betreiben. Nördlich des bekannten Kitesurferparadies Paje liegt unser nächstes 6-Tageziel Bwejuu. Abseits der Hauptstraße sind, wie immer, steinige Sandwege, Wellblechbaracken und improvisierte Verkaufsstände. Unser Fahrer hat Schwierigkeiten, das "Fontaine Garden Village" zu finden, es ist eine Oase im Nirgendwo.
Abseits solcher Anlagen, die es ohne ausländische Investoren nicht gäbe, liegen Brachland, Bauruinen und viel Müll, der oft am Straßenrand verbrannt wird. Gekocht wird mit Kohle oder Gasflaschen, nicht trinkbares Wasser steht den Haushalten über 500-10.000l-Fässern zur Verfügung, Stromausfälle oder Peaks werden mit Dieselgeneratoren kompensiert. Die Kraft der Sonne bleibt ungenutzt, weil weder Investitionen noch Infrastruktur für Solarpanels vorhanden ist.
Wir spüren trotzdem einen anderen Erholungswert als in Kendwa, es ist schön zum Kochen selbst einzukaufen und für alles gibt es einzelne Läden und die dann vielfach. Die Marktwirtschaft ist also krass frei, fast ungeregelt.
Die Crew in unseren Garten- Lodges ist unglaublich zugewandt. Dann ist da noch ein Engländer, dauernd an der Theke, dauernd Musik, dauerbreit und das von 4 monatiger Dauer..., arme Crew.
Am Strand scheinen die jungen männlichen Massai den Tourismus zu nutzen, um sich als Arbeitskraft, Beschützer, Vermittler und Verkäufer anzubieten. Die typischen Gespräche sind: Hey! Jambo! How are you? What's your name? Where are you from? Ah, Germany - alles gut? Servus!(einmal sogar Moin!) Lecker, lecker. Bayern München is good. Und dann werden Spieler genannt und sich gewundert, dass wir null Ahnung haben, Annette wird es verziehen. Mit großem Ehrgeiz spielt zur Dämmerstunde gefühlt jeder Anwohner am Strand in einer Fußballmannschafte (frau schafft parallel das Essen zu kochen), und - wenn die Tide es erlaubt - trauen sich einige Mutige vom hölzernen Sprungturm herunter (oftmals die Leitern wie hochgekommen).
Während am letzten Tag Moritz einen Arztbesuch macht, fährt Annette nördlich nach Michamwi und paddelt in den dortigen Mangrovenwäldern.
Ein kritisches Fazit:
Nur um Palmen, Strand und Wasserfarbe zu sehen (und zu posten!) bräuchten wir nicht nach Sansibar fahren. Ja, es sind produzierte Sehnsuchtsbilder, aber die Gewöhnung daran geht schnell. Und in Hannover sind die gleichen Temperaturen... An Vielem, was geboten und von uns Touristen konsumiert werden soll, klebt etwas Kolonialistisches. Wir konnten ein wenig die Menschen, Speisen (Zanzibar-Mix!), die Musikkultur (Taraab, Bongo Flava!) und Herzlichkeit kennenlernen, aber es braucht die Bereitschaft, ins Ungewisse, Unplanbare zu leben. Hier passiert alles im Jetzt. Du willst irgendwo hin? Frag! Jemand holt jemanden, der einen kennt und ein irgendjemand fährt dich oder zeigt dir die Haltestelle. Wann fährt der Bus? (was für eine Frage!) 'Natürlich dann, wenn er kommt' ist die Antwort. Wir sitzen drin. Warum fährt er nicht? 'Natürlich erst, wenn er voll ist.' Logisch eigentlich. Unterwegs steigen noch so viele Menschen mit Waren aller Art (ja, auch gackernde Säcke mit Luftlöchern) ein, dass sich die Bedeutung von "voll" komplett verschiebt.
Wir sind sehr glücklich, unser Auszeitjahr begann in Sansibar! Alle Probleme warten nur kurz, um gelöst zu werden. Genau das heißt "Hakuna matata", wir hören es in jedem 3. Satz. Bisher für uns ein kulturell angeeigneter Disneyslogan, hier gelebtes Mantra. Pole, pole!Lue lisää
Jozani Forest
11. elokuuta 2024, Tansania ⋅ ⛅ 28 °C
Das Spektakel "Sonne küsst Wasser" verlagert sich durch unseren neuen Standort auf morgens - es ist 6:15h, unser Lodge Hüttendorf schläft noch. Am Strand allerdings ist reger Betrieb, Fischer kommen zurück und Morgenfitness scheint beliebt.
Ein bedeckter, schwüler Tag mit Regenschauern - wir entscheiden uns für den "Jozani Forest" mit endemischen Affenarten (roter Stummelaffe) und Elefant Shrews.
Natürlich ist die geführte Waldtour ein Touristending, also überzogene Eintrittpreis (davon 2/3 Taxes) aber wir suchen später bewusst Orte auf, wo wir unter den Locals sind: im öffentlichen Kleinbus (Daladala), auf kleinen Dorfwegen, beim Krämer und im einfachsten Streetfood sehen wir keine Touristen.
Dafür im Jozani umso mehr, der Guide zeigt etwas viel Routine. Es ist immer etwas besonderes, wilde Tiere in Freiheit aus nächster Nähe zu beobachten! (außer Moskitos)
Die Küste wird hier von einem 3 km breiten streng geschützten Mangrovenwald befestigt, das imposante Wurzelwerk im Meer verhindert Sturmschäden und Abtrieb. Glück, dass Ebbe ist.
Es ist Sonntag, Tücher und Hemden in leuchtenden Farben werden am Strand ausgetragen. Junge Männer auf knetern auf Mopeds oder sie promenieren per Rad. Frauen ist dies, nicht zuletzt durch die Kleiderordnung, verwehrt. Ihre Köpfe tragen kunstvoll allerlei Waren in abgesägten Kanistern.
Wir tanzen zum Elektrostyle "Bongo Flava" (Beats aus Dar es Salam) mit Einheimischen in "unserer" Freiluftbar.Lue lisää
Tarangire Nationalpark
16.–18. elok. 2024, Tansania ⋅ ⛅ 27 °C
Mit dem Inlandflug nach Arusha, der Großtadt zwischen Kilimaniaro und Serengeti Nationalpark, beginnt eine Woche vorgebuchter Luxusurlaub. Wir werden vom Anbieter Bobbytour vom Propellerflieger aus Zanzibar zum Hotel gebracht und können über das Verkehrsgewimmel nur staunen. Wir haben nichts Vergleichsweises erlebt, auch nicht außerhalb Kaltenweides.
Leo, unser Guide und Fahrer für die nächste Woche auf Safari macht einen kompetenten und sehr sympathischen Eindruck.
Park Nr. 1 von 4 ist Tarangire, in der Sprache der Massai "Lasst uns den Durst löschen" . Tatsächlich durchzieht die Ebene ein Fluss, der immer wieder die Wildtiere anzieht, insbesondere in der jetzigen Trockenzeit. Wir sind tief beeindruckt, in nur wenigen Stunden Affen, Löwen, Elefanten, Zebras, Strauße, Giraffen, Sekrtetärvögel sowie "red and yellow babit bird", hier im Restaurant 'Termitenhügel' und noch viele andere Tiere
beobachten zu dürfen, teilweise in sehr aufregender Nähe.
Das funktioniert nur, wenn sich alle an die Regeln halten und die Tiere uns Menschen in Jeeps ignorieren können. Allerdings hängt viel davon ab, in welchem Tempo und wie viele Fahrzeuge sich nähern und was das Tier gerade tut. Eine Löwengruppe beim Mittagsschlaf bringt nichts aus der Ruhe, wir vertrauen drauf, denn ins offene Fahrzeug bräuchte es nur einen Satz. Eine Elefantenmutter hingegen ist dünnhäutig, wenn Baby Dickhaut auf die Pelle gerückt wird.
Das Camp bietet uns Lehmhütten, die wunderbar Temperatur halten, eine Tanz, Musik und Akrobatikpräsentation (natürlich zu Spendenakquise) und die erste Begegnung mit unserem Koch "Chef Yussuf", der, wie Guide Leonard, nur für uns die nächste Woche da sein wird.Lue lisää
Serengeti
17.–21. elok. 2024, Tansania ⋅ ⛅ 28 °C
Früh starten wir zusammen mit unserem Koch (genannt "chef") Yussuf und dem Guide und Driver Leonard vom Panorama Camping aus in Richtung Serengeti. Das sind rund 260 km, da aber nur der erste Teil asphaltiert ist, zieht es sich. Wir fahren am Kraterrand des Ngorongoro entlang, in den wir aber erst auf der Rückfahrt hinabfahren werden. Außerdem passieren wir die Oldupai-Schlucht, die auch die Wiege der Menschheit genannt wird. Hier wurden 1959 Knochen des sogenannten Nussknackermenschen und später noch prähistorische Fußabdrücke gefunden, die bewiesen, dass hier ideale Lebensbedingungen für die Vorfahren des Menschen geherrscht haben.
Gleich hinter dem Gate zur Serengeti begegnen wir den ersten Löwen, die einfach so neben der Straße liegen. Diese Faszination wird uns die nächsten Tage begleiten, denn die Wildtiere haben gelernt, Fahrzeuge mit Menschen drin nicht als Feinde anzusehen. Die Bereiche, in denen gejagt wird, sind streng getrennt von denen, in denen ausschließlich "Game-drives" stattfinden.
In den nächsten 4 Tagen fahren wir aus unserem einfachen Zeltcamp zu verschiedenen Zeiten raus, mal zum Sonnenauf- oder -untergang, und entdecken jedes Mal wieder Neues. Wir nehmen uns die Zeit, das Verhalten der Tiere über länger zu beobachten, und nicht nach dem Foto gleich wieder weiter zu fahren.
In der Zwischenzeit zaubert uns Yussuf sehr leckere lokale Mahlzeiten unter wirklich einfachen Bedingungen. Jede Reisegruppe bringt ihren eigenen Koch mit, in der Gemeinschaftsküche geht es dann hoch her. An einem Abend darf ich Yussuf über die Schulter schauen, wie er mit einer Gasflamme unser Menü mit Vorsuppe, Hauptgang und frisch gebackenem Brot zubereitet.Lue lisää
Ngorongoro & Manyara
21.–23. elok. 2024, Tansania ⋅ ☁️ 21 °C
Nach 3 Stunden Rumpelpiste verlassen wir die Serengeti und erreichen den berühmten Kraterrand im Ngorongoro Nationalpark. Wir brettern die 600m steil in dieses Weltnaturerbe hinab und befinden uns im 20km breiten Krater inmitten einer hohen Populationsdichte von Wildtieren. In diesem Park, anders als im Serengeti, dürfen die Massai leben und es herrscht, fast einmalig weltweit, ein Nichtangriffspakt zwischen diesen Menschen und Raubtieren. Mehr zum Krater unter http://de.wikipedia.org/wiki/Ngorongoro
Der See im Krater hat eine hohe Salzkonzentration, zusammen mit der frischen Brise bei 18 Grad haben wir Nordseefeeling, fast alles angezogen, was wir dabeihaben, allerdings passen die Flamingos, Kronenkraniche und Pelikane nicht ganz in dieses Bild. Neue Begegnungen für uns waren Pumbas, die sich mit ihren Antennenschwänzen zum Grasen auf die Ellenbogen stützen und tausende Gnus, die sich zum Weiterziehen vorbildlich einreihen. Immerhin sehen wir ein Nashorn in der Ferne, müssen dafür aber einen Autokorso hinnehmen, denn so eine Attraktion verbreitet sich per Funk unter Guides und Rangern.
Dies führt uns wieder die Ambivalenz vor Augen: ganz mit der Natur verbunden sein ("Nourishment for the soul, Consulting for the heart") aber dafür braucht es hunderte km im Dreitonner-Geländewagen, Camps mitten im Naturpark, Fahrer und Koch. Wir können nur hoffen, dass die hohen Eintrittgelder (ca. 100$ pro Tag/Person) teilweise beim Natur- und Tierschutz ankommen. Guide Leonard bezweifelt dies aufgrund der korrupten Regierung.
Nach einer Wiederbegegnung im Panorama-Camp mit den Lehmiglus brechen wir zum letzten Safaritag auf, verabschieden uns von unserem Küchenchef Yussuf und lernen einen völlig anderen Nationalpark kennen: zwischen einer Bergkette und dem 60km langem Manyara-See liegt wie eine Riesenoase der ganzjährig feuchte Wald des Manyaraparks. Überbordene Vegetation macht es schwieriger, die Tiewelt zu entdecken, es sei denn, die Affenhorden oder Elefanten nutzen aus reinem Pragmatismus auch den Besucherfeldweg - lässt sich einfach gut vorankommen 😉.
Löwen liegen hier auf Bäumen, eine besondere Eigenart.
Mehr: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lake-Manyara-Na…
Die fruchtbare Region außerhalb des Parks versorgt weite Teile mit Reis und Bananen, wir probieren gleich mal die rote Sorte und sind damit auf Rückreise nach Arusha, haben Zeit für spannenden Austausch mit Leonard, der uns versichert, ab jetzt nicht mehr Guide, sondern unser Freund zu sein.Lue lisää
Arusha/Kilimanjaro
22.–26. elok. 2024, Tansania ⋅ ⛅ 23 °C
Die Safaris und die ganzen Stunden im Auto auf den staubigen Pisten haben uns doch recht erschöpft und so freuen wir uns, dass wir in Arusha bei Hope und Robert, unsere Hosts für die nächsten 4 Tage, eine kleine private Oase gefunden haben. Wir schlafen lange, werden 3x am Tag bekocht, liegen im Bananengarten und bearbeiten die Safarifotos, waschen Wäsche und werden von den beiden ganz familiär umsorgt. Robert (26) macht einen Spaziergang mit uns durch sein Village, in dem viele Verwandte von ihm leben. Unterwegs erzählt er sehr offen über sein Leben in Arusha und stellt frei heraus viele Fragen, die uns manchmal schmunzeln lassen, z.B. ob man bei uns auch in Dollar zahlen kann oder ob es so wie hier für die selbe Ware verschiedene Preise für Schwarze/ weiße Menschen gibt. Interessant fanden wir, dass er noch nie in der Serengeti oder auf dem Kilimanjaro war. Den Schulausflug in die Serengeti hat er als Vierzehnjähriger geschwänzt, um sich für das Eintrittsgeld lieber neue Turnschuhe zu kaufen, heimlich natürlich. Und der Plan, nach der Schule als Träger anzuheuern, um auf den Kili zu kommen, scheiterte am Geld für eine Lizenz, die man sich vorher hätte kaufen müssen.
Unsere Vorstellung, am Fuße vom Kilimanjaro und Mount Meru ein paar Wanderungen machen zu können, erweist sich als schwierig bzw. nicht bezahlbar. Unser Safari-Guide Leonard organisiert uns eine Ein-Tages-Wanderung am Kilimanjaro, mit schlappen 360 Dollar die teuerste Wanderung, die wir je gemacht haben. Das können wir uns nicht mehrmals leisten. Überhaupt gibt es hier das Konzept "Wandern" nicht. Bis auf die Gipfelbesteigungen wird in Tansania nichts in den Bergen gemacht. Es gibt keine Wanderwege oder Gebiete, in denen man einfach herumlaufen kann. Das liegt zum Teil natürlich an den Wildtieren, aber auch daran, dass Touristen nur mit Eintritt, Fahrdienst, Guide und Träger in die Natur dürfen, es sollen ja so viele wie möglich daran verdienen. Das frustriert uns, und wir müssen nun überlegen, wie wir die Tage bis zu unserem gebuchten Flug nach Malawi am 7.9. füllen können. Mal sehen, was die nächste Station Dar Es Salaam bietet.
Am letzten Tag sind wir mit Hope und Robert zum Barbecue mit Freunden eingeladen. Da wir von 22km Wanderung (1100m den Kili hoch und wieder runter auf rutschigem Weg) platt sind, bleiben wir im Garten und schauen den Hühnern beim Brutzeln zu. Und wir brauchen immer wieder auch Zeit zum Organisieren der nächsten Abschnitte, zur Vorplanung des BAF (Blantyre Arts Festival) und zum Blog-Schreiben.Lue lisää
Dar es Salam
26.–30. elok. 2024, Tansania ⋅ ☁️ 29 °C
Was für eine Stadt! Wir wissen sofort: gut, dass wir nur 4 Nächte gebucht haben, inzwischen schauen wir sehr entspannt 2 Tage vorher, wohin es weitergeht und wo wohnen. Jeder Tag in dieser Stadt gräbt an deiner Lebenserwartung. Aber langsam, langsam - pole, pole: der VIP Bus aus Arusha ist eine laute Rumpelkiste mit kreischendem Keilriemen beim Zwischengas zum Schalten, aber Luxusreisen gegenüber den Daladalas. Bei 8 angekündigten Fahrstunden ist das auch nötig und wir haben uns bewusst gegen einen Inlandflug entschieden. Wir sehen viel von Land und Leuten, nach 13 Std. tatsächlicher Fahrt sind wir in Dar es Salam. "Himmel des Friedens" nannte ursprünglich ein Sultan seinen Palast an diesem natürlichen Hafenbecken, etwas südlicher als Zanzibar. Niemand ahnte, dass sich Dar, oder cooler "Bongo", zur heimlichen Hauptstadt und zweitgrößten Hafenmetropole Ostafrikas entwickeln würde.
Bis zum Hotel im Zentrum sind es dann im Stockdunkeln noch 10km im Tuktuk, souverän benennen wir einen großzügigen Preis und vermeiden so Gehandele und zeigen dem Fahrer, wo er abbiegen soll.
Das Zimmer ist leider schäbig, daher nix wie raus: beeindruckender Fischmarkt, Kirchen (mit 4-5 Messen am Tag, immer mit Chor und Band) botanischer Garten, Regierungs- und Botschaftsviertel ohne Straßenverkauf, Nationalmuseum mit differenzierter Historie zum britischen und deutschen Kolonialismus sowie zur Wiege der Menschheit. Aber sonst kaum Kultur, nur Handel.
Die Stadt ist wahnsinnig quirlig: Gehwege sind komplett mit Waren zugepflastert, Fahrspuren werden von Motorradfahrern in alle Richtungen genutzt, Autos drängeln, Tuktuks quetschen sich in 3. Reihe auf einer Fahrbahn und dazwischen laufen wir. Ach ja und die 8 Mio. Einwohner*innen. Wobei die eine Hälfte Handel betreibt und die andere durch die Stadt läuft oder fährt. Die mehrgeschossige Markthalle Kariakoo ist nach einem Brand noch nicht wieder aufgebaut, daher bieten tausende Händler ihre Waren direkt auf Straße sitzend an. Manchmal entdecken wir eine Struktur, so wie in Hannover die kleine Packhofstraße alle nur "Schuhstraße" nennen: Da wechseln straßenweise Autoteile zum Tiermarkt oder Haushaltswaren zu Gemüse. Stell dir jetzt keinen Laden vor! Alles auf der Straße! Aber meist geht das Angebot bunt durcheinander, die Devise ist verkaufen! Irgendwie, irgendwo, irgendwas! Aber wer?
Uns scheint, dass es ein Überangebot und zu wenig Kaufkraft gibt. Das bedeutet: Aufmerksamkeit um jeden Preis: Hupen, Rufe, Winken, Pfeifen, Megaphone. Auch raffinierte visuelle Werbung: der Kanister mit Kaltgetränk wird auf dem Kopf balanciert oder auf der Schirmmütze das Warenangebot angenäht.
Das ist so ganz freie Marktwirtschaft.
Hier könnte Lindner sehen, wo der Haken daran ist.
Als weiße Menschen fallen wir immer auf, denn wir sind, wie sooft, die einzigen. Außerdem stehen wir in der Gegend rum, sind weder Käufer noch Händler, also fehl am Platz. Was passiert dann? Freundliche Blicke, neugieriger Austausch und natürlich auch Kaufavancen, die mit Wertschätzung für die Sache und Respekt zum Händler viel einfacher ablehnbar sind als den Kontakt barsch oder ängstlich zu verneinen. Wenn das geklärt ist, ergeben sich immer wieder gute Gespräche.
Die allermeisten Touristen bleiben üblicherweise im Hotel, werden von dort zu den gebuchten und geführten Unternehmungen kutschiert und fliegen nach Sansibar, zu Safari oder Kaffeefarm und wieder nach Hause.
Die Sinne sind nach 2 Std. Innenstadt überreizt: Schwüle, Tempo, Geräuschpegel, ungewollte Kommunikation ohne Pause. WIR! BRAUCHEN! KAFFEE! Das ist hier so nicht üblich. Es gibt 10x mehr Banken als Cafés, alternativ auf dem Bürgersteig rauchige Plörre aus Thermoskanne. Der Vorsatz "das Fremde wahrnehmen ohne zu urteilen" hört genau hier auf. Tee geht dafür immer: Junge Männer schleppen Kessel durch die Straßen unter denen eine Pfanne mit glühenden Kohlen geschnallt ist, das Teesortiment mit Bechern in der anderen Hand. Weitere praktische Dinge im Land von denen wir lernen können: eine Schnellbusspur an den Ausfallfallsttaßen, Möglichkeiten zum Händewaschen überall, wo es Essen zu kaufen gibt (also überall), Arschduschen an wirklich jeder Toilette, Plasiktütenverbot, tiefgekühlte Gläser für's Bier, Security für alles Mögliche. Personal scheint im Überschuss vorhanden zu sein. Ein kolonialistischer Gedanke blitzt aber auch auf: hey, wie wäre es mit Verkehrswende? Fußgängerzone, Abgas-TÜV, Frischwasserleitungen, Frauenfußball - äh und: Cafés?
Ein Strandtag auf Msasani Peninsula (also Halbinsel) nördlich der Stadt tut gut, baden, ganzen Fisch essen ohne Besteck. Hier gibt es Kunst, Pärchen beim Fotoshooting und Familienausflüge, wieder keine weißen Touris. Irgendwas machen wir richtig.
Der letzte Abend in Hyatt Rooftopbar international verleiht dieser Stadt einen für uns untypisch und europäischen Abschluss mit rotem Teppich, Schaumwein, Blick aus dem 8. Stock, Fledermäusen, Menue und Bar. Auch mal schön!Lue lisää
Kipepeo
30. elok.–4. syysk. 2024, Tansania ⋅ ☀️ 27 °C
Nur 12 km weiter südwestlich von Dar tut sich eine andere Welt auf.
Nach dem Trubel genau die richtige Entscheidung: Türkise See, weißer Strand mit toller Brandung, Ruhe.
Die Hütte direkt hinter dem Strand ist spartanisch eingerichtet, aber das Moskitonetz dicht. 150m von der Wasserkante entfernt schlafen wir mit Wellenrauschen entspannt ein, kein Hupen, Rattern oder Megaphon.
Die Empfehlung, den bewachten Strandabschnitt nicht zu verlassen ignorieren wir natürlich und finden nur wenige hundert Meter weiter bei den Fischern alternative, leckere und natürlich deutlich günstigere kulinarische Angebote als im Bungalow-Restaurant. So verzichten wir auf kontinentales Frühstück und starten den Tag mit den typischen frisch gebackenen Fladen, Omelett und - Fischsuppe!
Die Begegnungen mit den local people (ausnahmslos männlich) sind von gegenseitigem Interesse und Respekt geprägt. Es kommen Fragen zur Familie, zu Jahreszeiten aber auch zu Werten und Politik. Wie wir in Deutschland Menschen mit dunkler Haut benennen? Geht es bei einen solchen Frage um Sprache oder Ausschluss des N-Wortes? Wie finden wir eigentlich Adolf Hitler? Warum haben Menschen auf der Welt keine gleichen Rechte? Warum laufen Touristen mit freiem Oberkörper im Dorf oder sogar im Restaurant herum und missachten dadurch die hiesige Kultur?
Die Gegend ist unter der Woche ruhig, aber am Wochenende wird es von den flüchteten Städtern richtig voll. Super, hier baden auch Frauen und Mädchen ohne volle Montur! Lachende Kinder, zuzwinkernde Eltern, verstohlene Blicke von Jugendlichen (und das liegt nicht daran, dass Moritz einen seiner komischen Hüte trägt). Sogar ein Selfie mit uns ist gewünscht, einfach weil wir fremd sind. Diese Willkommenskultur fühlt sich toll an und das an einem Tag, wo in Thüringen rechtsextrem gewählt wird.
Damit wir nicht nur auf der Liege faulenzen, buchen wir kurzentschlossen einen Katamaranausflug. Den Strand und die vorgelagerten Inseln mal aus einer anderen Perspektive zu sehen und nochmal mit Schnorcheln schwimmen zu können, freut uns. Leider spielt das Wetter nicht mit, es wird sogar so stürmisch, dass wir abbrechen müssen und durch den strömenden Regen und hohen Wellen schnell zurück an den Strand fahren. Unser Skipper ist einer der besten Segler von Tansania und erzählt uns begeistert von den Rennen, die er fährt. Leider ist wohl Segeln als Sport hier nicht so populär, und so mangelt es natürlich mal wieder an Geld und Support.
Am letzten Tag leihen wir ein Kajak, um in den Mangroven zu paddeln. Das geht auch nicht auf eigene Faust, und so lassen wir uns gerne 2 Stunden durch die Wasserwege zwischen den Bäumen hindurch führen.Lue lisää
Pugu Kazimzumbwi
4.–7. syysk. 2024, Tansania ⋅ ☀️ 29 °C
Etwas wehmütig verabschieden wir uns vom indischen Ozean, lassen uns dafür am Abreisetag aber bis in den Nachmittag Zeit. Unser privater Host in Flughafennähe entpuppt sich als Horst: kurzfristige Absage, unerfülltes Alternativversprechen, abgebrochene Kommunikation. Air-bnb ist eh doof, nervige App, Textbaustein-Bot statt Hilfe. Ab zur Konkurrenz!
Die 20km durch die Peripherie der Großtadt legen wir in der erprobten Kombi aus Tuktuk und Daladala zurück, es fühlt sich inzwischen gut an, einfach einzusteigen, Hauptsache die Richtung stimmt - alles andere klärt sich auf der Fahrt. Zum absurden Verkehrsaufkommen bringt eine kilometerlange Baustelle das Chaos auf ein für uns vorher nicht vorstellbares Level mit Popup-Matschpisten und Verkehr von allen Seiten entsprechend der Hackordnung. Wir im Tuktuk also unteres Viertel. 😬
In diesem Stil finden wir am nächsten Tag auch das Naturreservat "Pugu Kazimzumbwi Forest", das schon seit Dar es Salam auf unserer Wunschliste steht. Also kein Nationalpark, keine Raubtiere oder horrende Gebühren, einfach Wandern.
Natürlich niemals ohne Guide und Steuern, aber Glücksfall Benjamin ist studierter Landwirt und saunett, irgendwie ist das immer so.
Wir lernen bspw. die für das Gebiet namensgebende Pflanze Pugu (einer endemischen Parasitenschlingpflanze) kennen und welcher Baum für Papierherstellung oder für Ballaphone oder für Gummi ist. Eine Rinde, aus der täuschend echtes Blut austritt wird gern von Theatern genutzt.
Das Gebiet mit Wald, anspruchsvollen Pfaden, See, Höhle und Aussichtspunkt auf Dar es Salam macht schweiß- und regennass aber glücklich.
Die Angst vor Moskitos und der Tse-Tse-Fliege erweist sich sogar hier im feuchtwarmen Wald als unbegründet und entsprechend bleibt unsere Profischutzausrüstung abermals quasi unbenutzt.
Mit einem Schreib- und Planungstag im Hotel und an einem einfachen Draußenrestaurant mit Pflanzen und Pool klingt unsere Zeit in Tansania aus, denn Museum o.ä. ist auch hier Fehlanzeige oder zu weit entfernt.
Unsere Vorstellung von Tansania aus Reiseführern und Recherche stimmt nur teilweise mit der von uns erlebten Realität überein: Beschränkung in der Bewegungsfreiheit gibt es nur in der Natur und die Sicherheitbedenken lösen sich bei vorausschauendem Verhalten auf, und wie schade wäre es, aus Angst und Unsicherheit auf die Kontakte zu verzichten. In Tansania bist du immer und überall willkommen. Karibu!
Klaus zitiert seinen Vater in einer Memo: "schafft euch Erinnerungen". Das ist mit den ersten knapp 6 Wochen gelungen! Auf ins nächste Abenteuer, der Flieger nach Blantyre braucht nur zwei Stunden.Lue lisää
Ankommen in Blantyre
7.–21. syysk. 2024, Malawi ⋅ ⛅ 26 °C
Wir freuen uns sehr, nach über einem Monat in ganz verschiedenen Unterkünften jetzt hier in Blantyre für die nächste Zeit ein festes Zuhause zu haben. Und was für eins: ein geräumiges Zimmer, Bad, Gemeinschaftsnutzung von Esszimmer, Wohnzimmer, Küche, Fernsehzimmer, Terrasse und Pool mit den Vermietern, einem Iren und einer Malawierin nebst Zweijähriger Tochter. Zwei bezaubernde Housewifes und ein Gärtner halten alles in Schuss und dann noch nicht zu vergessen die drei Hunde, die allerdings nur draußen sind. Wir fühlen uns sofort sehr wohl und nehmen dafür gerne in Kauf, dass wir nicht ganz zentral wohnen.
Nach und nach finden wir uns immer besser in der Stadt zurecht und finden schnell die Hannover Avenue mit dem Hannover House, das aber nur ein Bürogebäude ist. Entgegen vieler Beschreibungen vorab finden wir auf den Märkten und in den Shops meistens alles, was wir brauchen und auch der Geldautomat spuckt verlässlich die Scheine aus. Der größte Geldwert sind die 5000 Kwatcha Scheine, die 2€50 wert sind, der kleinste Schein ist 20 Kwatcha, also 1 Cent. Da hat man meist die Tasche dick voll.
Schöne Ecken hat Blantyre nicht, auch keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten. Das älteste Haus ist von 1882 aus der Kolonialzeit. Also machen wir uns an den Wochenenden auf in die Umgebung.
Unser erster Wanderausflug gestaltet sich recht schwierig, da unser armer Taxifahrer sich über kilometerlange Buckelpisten quälen muss, um uns zum Wanderparkplatz zu bringen. Der Michiru Mountain ist leider in den letzten Jahren illegal nahezu komplett abgeholzt worden. Die Not der armen Menschen hier ist so groß und die Regierung lässt einfach alles so laufen. Deshalb ist unsere Wanderung durch die Baumstümpfe und die verbrannte Erde ganz schön trostlos.
Ohne Hilfe aus dem Ausland, wie z.B. bei dem Jacaranda Cultural Center oder der dazugehörigen Jacaranda school geht es hier leider nur sehr schlecht. Im JCC finden wöchentlich Konzerte statt, dort treffen sich meist mehr Expads als Einheimische, aber die Konzerte sind toll und die Atmosphäre ausgelassen.
Am Sonntag fahren wir mit dem Minibus in den Süden (40km 2 Stunden) zum Thyolo House, das in einem kleinen Wäldchen zwischen den Teeplantagen liegt und genießen ein paar Stunden lang die grüne Natur.Lue lisää
Bandproben BAF
16.–28. syysk. 2024, Malawi ⋅ ☀️ 29 °C
BAF meint Blantyre Arts Festival, das es seit 2009 gibt, immer mit erheblicher Unterstützung des Kulturbüro Hannover. Die hiesige Finanzierung gestaltet sich als besonders schwierig, da der Regionalzuschuss aufgrund der Inflationskrise abgesagt wurde und Sponsoren wie UNESCO zögern. Bei einem Fundraising in Deutschland sind unsere Freunde und Familien quasi die einzigen Spender*innen. DAAAAANKE Euch!!
Lust auf Musikmachen haben wir alle und so geht es trotz der unsicheren Rahmenbedingungen los: Herzstück der Band von malawischer Seite ist der weit über Blantyre hinaus bekannte Singersongwriter Agorosso. Hör mal rein: https://www.youtube.com/watch?v=kuaZ0_Qf8DU&…. Es ist für uns einerseits Ehre mit ihm zu musizieren und andererseits ist er als Autodidakt sehr in seinem Stil zu Haus, so dass für ihn unsere beiden typisch deutschen Rockpopsongs eine große Herausforderung darstellen "Blaue Augen" (Annette Humpe/Ideal -Danke Stephan für den Tipp!) und natürlich "Mensch" vom Herbert G. Die Songs entpuppen sich rhythmisch und strukturell komplexer, als man beim nichtanalytischen Hören ahnt aber eben solche Formabweichungen und Polyrhythmik machen Hits von damals unsterblich. "Unsere" Band ist hochmotiviert, wissbegierig und instrumental sehr geübt. Mit Blick auf die hiesigen Möglichkeiten zur musikalischen Bildung zollen wir höchsten Respekt vor diesen Leistungen und doch sind die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Musiker sehr unterschiedlich. Gut, dass wir, nach einigem Druck auf den Oberorganisator Thom, nun 11 Proben á 3 Std. vor uns haben.
Der Weg zum Probenraum ist steinig und lang: von unserer Unterkunft (Kabula Hill) über Limbe (dort Buswechel) zum Stadtteil Bangwe, wo höchste Armut und Kriminalität den Alltag bestimmen, sind es eigentlich 18km, aber die benötigen manchmal 2 Stunden und fordern von uns volle Konzentration, beachtliche Höhenunterschied zu Fuß und Gelassenheit. Sich in einem Toyotabus, der für 14 Passagiere gedacht ist, sich mit 23 Körpern zu arragieren ist physisch wie psychische Arbeit. Damals bei der Auswahl der Schutzimpfungen wurden wir nach der Nähe zur einheimischen Bevölkerung gefragt. Wenn wir das so genau gewusst hätten... Die Blantyer tragen alles mit unglaublicher Unaufgeregtheit. Anders ein Huhn, das auf dem Schoß neben uns auch mitfahren muss.
Die nächsten Bilder zeigen den täglichen Weg durch Bangwe und dann die Atmo im Probenraum. Das Wohnzimmer, gemietet für 5€ täglich inklusive Mixer und Boxen, kann die Familie nicht nutzen, da wir uns breitmachen. Von links im Bild: Aaron am Bass, Dannil an der Leadgitarre, der Techniker Madalitso, Annette an der Querflöte, Antonio mit Percussion, Moritz an den Keys und Agorooso Rhythmusgitarre. Und singen tun wir alle. Sogar so sehr, dass wir es wagen den Kanon "Nach dieser Erde" in der Fassung von Gerd Kern zu singen, Thema des Festivals ist schließlich Nachhaltigkeit/Klimawandel und Co.
Auf dem Zettel nach dem Video der ersten Probe des alten Liedes kannst du sehen, wie sich die Malawier die Aussprache des sperrigen dt. Textes sehr erfolgreich in ihre Lautschrift übertragen. Geplagt sind wir von längeren Stromausfällen, für e-Bass und Keyboard doof, aber der Eimer gibt ein wenig Resonanz. 😉
Ohne Geld für die Busfahrten können die Musiker nicht kommen, also schießen wir das vor, weil Orga-Thom die zweckgebunden Zuwendungen aus Hannover für andere Dinge ausgegeben hat, was uns sehr ärgert und zu etlichen Diskussionen führt. Eine Minimalversorgung der Band mit Getränken und Ingwerteigteilen übernehmen wir hingegen sehr gern.
Ab dem 3. Tag kennt uns der Stadtteil, statt skeptischer Blicke und Betteln werden wir in den Läden und auf der Straße begrüßt und insbesondere die Schulkinder laufen uns hinterher, wir müssen hunderte "Highfive" geben. Die Marktauswahl ist saisonal stark beschränkt, heute gibt's halt Tomaten...
Nach einem Probenvormittag müssen wir, zurück an der Hauptstraße, nur noch das richtige Verkehrsmittel mit dem richtigen Ziel finden!
Das eigentliche Ziel ist natürlich die Festivalbühne am 6.10. , wir beiden empfinden uns ja eher als Pädagog*innen und weniger als Rampensäue, freuen uns aber darauf und besonders darüber, dass die intensive Arbeit mit Musik Freundschaften wachsen lässt.Lue lisää
Mulanje Mountain
27.–30. syysk. 2024, Malawi ⋅ ☀️ 20 °C
Mit nur 2 Tagen Vorlauf entscheiden wir uns, das Wochenende in den Bergen zu verbringen. Unser Host Robert, gebürtiger Ire und seit 16 Jahren in Malawi, ist aktives Mitglied im Wanderverein und vermittelt uns Schlüssel für das Equipment in den Hütten, Guide und Porter und gibt Tipps für eine gute Route.
Also geht es Freitag Mittag gleich nach der Bandprobe von Bangwe aus mit dem Minibus los. Nach 1 1/2 Stunden Rumpelfahrt und einer Taxifahrt sind wir am Startpunkt Likhubula am Fuße des Bergmassivs. Am Samstag Morgen geht es früh los, wir haben ein bisschen schlechtes Gewissen, weil der Porter in Schlappen unterwegs ist und wir ihm schon ganz schön viel Proviant etc. aufhalsen. Es geht 1400m bergauf, eine schöne Unterbrechung ist der natürliche Pool im Flusslauf mit sehr erfrischende Wasser.
In der Hütte angekommen kochen wir Nudeln mit Sauce und lernen zwei sehr nette Niederländerinnen kennen, die abends am Lagerfeuer mit hervorragendem Wissen über Fußballspieler aus afrikanischen Ländern bei unserem Guide punkten. Nicht nur Musik verbindet...
Der 2. Wandertag ist der anspruchsvollste: erst 5 Stunden rauf zum Gipfel Sapitwa, 3002m, über sehr viele große Felsen und zurück, kurze Mittagspause und dann noch 3 Stunden zur nächsten Hütte. Die beiden Niederländerinnen haben die gleiche Route wie wir, so dass wir auch den zweiten Abend mit Essen und Klönen verbringen.
Am Montag geht es dann von 2000m wieder runter zum Ausgangspunkt. Moritz kämpft mit Schmerzen in den Knien beim Abstieg (ein Familienleiden?), so machen wir gemütlich und haben noch eine Schwimmmöglichkeit am Wasserfall.Lue lisää
Blantyre Arts Festival
6.–7. lokak. 2024, Malawi ⋅ ⛅ 23 °C
Ja, das BAF...
Die zusammenfassende Bilanz: "Der Weg ist das Ziel gewesen". Das Festival selbst ist insgesamt eine Enttäuschung mit nur 400 Gästen, katastrophaler Orga vor Ort, stundenlangen Wartezeiten, schlimmen Sound, kaltem Wind und Musikern, die am Ende des Tages nicht mehr auf die Bühne konnten, weil der Zeitplan komplett geschreddert war und es ohne Bühnenbeleuchtung um 6pm stockeduster ist.
Das könnte nun nach dekadenter Kritik und europäischer Arroganz klingen aber ehrlich, dafür sind wir zu lange hier und wissen, was alles gut funktionieren kann und dafür haben wir von der Finanzierung und vom Management zu viel mitbekommen. Natürlich ist die Bühnentechnik und Instrumentenausstattung simpel aber das hätte schön werden können, wenn, wie geplant, der Soundcheck für unsere Band "GerMala" um 8h stattgefunden hätte.
Damit sind wir beim 3. Bild, wir also 7:40h da aber Bühne braucht noch 2 Std, so die Ansage. Tatsächlich wurde es 1h mittags mangels Stromkabel.
Die Band ist sehr angepisst. Es ist nicht nur wegen der Zeit, sondern wegen Fahrtkosten, Verdienstausfall (z.B. Antonios Job in seiner sonntäglichen Gospelband) und Anschlussterminen, die Musiker leben ja davon!
Wir also erstmal zur Streetparadeneröffnung, wo hervorragende trad. Trommler und Tänzer*innen aufwärmen und dann die herbeiorganisierten Protestschildträger*innen auf dem Umzug lautstark begleiten. Die Blantyer Bevölkerung ist leider nicht vertreten, aber besser eine medienwirksame Delegation als nix für den Umwelt- und Klimaschutz.
Die hilfreichen Hände der 4 FSJ-ler*innen Mona, Emilie, Yanna und Hendrik sind immer mit dabei.
Wir latschen also ne Stunde hinter dem schlimm lauten Sprecherauto, niemand kommt dazu. Ankunft auf dem leeren Festivalgelände, wo eigentlich bereits Programm laufen sollte. Die angereisten Gruppen aus Zimbabwe wundern sich, wo sie hier gelandet sind und legen dann mittags eine irrwitzige Performance mit Hochgeschwindigkeitschoreographie vor. Es präsentieren sich auch der "Aware and fair Club", Ballettmäuse und der "Freundeskreis Malawi", dem wir natürlich auch angehören. Silvia Hesse als Vorsitzende wird hier als Mutter der Partnerstädteschaft und Initiatorin/Geldgeberin diverser toller Projekte überaus wertgeschätzt.
Ohne Soundcheck müssen wir, entgegen aller Pläne, als erste Band auf die Bühne, es fehlt an allem, 15min on Stage ohne Songs fühlt sich für uns und das Publikum wie Kaugummi an.
Die Ansage, unseren langgeprobten Auftritt zeitlich zu halbieren, ignorieren wir komplett und ziehen durch:
1) Jessie (Agorosso)
2) Mensch (Grönemeyer)
3) Kanon "Nach dieser Erde" (in Version von Gerd Kern)
4) Mwayatsa Moto (Agorosso)
5) Blaue Augen (A. Humpe/Ideal)
Alle Songs bilden gemeinsame Arrangements und gegenseitige sprachliche Verwebungen ab.
Für die Umstände sind wir zufrieden aber freuen uns auf ein erweitertes Clubkonzert-Programm im "Jacaranda Culture Center" mit technisch guten Bedingungen und Leuten, die für uns kommen werden.
Bis heute haben die Musiker keinen Kwacha von der Festivalorganisation bekommen, dafür aber reichlich Hinhaltung und Beschwichtigung. "Let's see".
Durch den "Freundeskreis Malawi" und das Kulturbüro Hannovers finden wir eine gute Zwischenlösung und können so das Vertrauen zur Band festigen und eklatante finanzielle Bedürfnisse teilbefriedigen. Dank an Silvia an dieser Stelle!
Agorosso schreibt in den Bandchat einen Kommentar, der als Abschluss für unser erstes Projekt stehen möge:
"We thank you so very much, Morris and Annetti for trusting us, and believing in us.
Extra more, we thank you for taking care of us using your own resources. You understood us, regardless of our different characters and backgrounds.
We've learnt alot from you guys.
May the light and love in you florish more and more🙏🏾👏🏽"Lue lisää
Blantyre im Oktober
7.–24. lokak. 2024, Malawi ⋅ ☀️ 27 °C
Nach dem Eintrag "Ankommen in Blantyre" könnte es nun heißen "Angekommen in Blantyre". Wir fühlen uns in der Wohnung und in der Stadt zu Hause, haben Beziehungen aufgebaut, halten Balance zwischen Ehrenamtsengagement und Freizeit. Wir beginnen einige liebe Menschen und gewohnte Dinge zu vermissen, es fühlt sich nach einem Quartal Unterwegssein aber nach wie vor an, wie die einzig richtige Entscheidung.
Unseren pädagigischen Projekten und den notwendigen Ausflügen raus aus der Stadt geben wir eigene Titel in den Fußabdrücken, hier also ein bunter Mix, was sonst noch so läuft, orientiert an den Bildern:
Die 60jährige Unabhängigkeit und gleichzeitig die Partnerschaft zwischen Malawi und Deutschland wird in Lilongwe nicht nur mit der fetten Torte gefeiert, sondern mit ranghohen Politiker*innen und einer Hannoveraner Delegation. Silvia hätte uns gern dabeigehabt, aber zu der Zeit stand die letzte BAF-Bandprobe an. Apropos Musikmachen: Dannil, "unser" Leadgitarrist ist im wöchentlichen Jacaranda Clubkonzert Headliner, er ist Sanitärinstallateur leider ohne Job, da alle Aufträge unter der Hand und nur über Beziehungen vergeben werden. Auch durch unsere Zusammenarbeit mit Agorosso ist er nun besser in der Musikerszene vernetzt und versucht davon zu leben. Bei einigen Songs an diesem Abend spielen wir mit.
Die 100 Töpfe sind Kohlekocher, natürlich ökologisch nicht optimal aber derzeit alternativlos. Ein tolles Spendenprojekt des Freundeskreises, von dem alleinerziehende Frauen in schwierigsten Lebenssituationen profitieren. Probier mal 15kg Lehm auf dem Kopf zu balancieren mit Baby auf dem Rücken...
Hochschwanger besuchte uns Lydia mit Silvia Anfang Juni in Musikschule und im Birkenhof (hallo Waldhalle!), interessiert an Fairtrade, Pädagogik und Feminismus. Nun besuchen wir die Aktivistin zu Haus und lernen ein weiteres Detail der heimischen Küche kennen: Okra, ein supergesundes, schleimiges Gemüse mit Heilungskräften. Ehepartner Harris ist Fotograf und begleitet daher auch die Projekte (zum Glück nicht das Essen von Okra). So eine tolle junge Familie, leben etwas außerhalb, gleich hinter den Teeplantagen geht die Sonne unter...
Jeden Tag passieren wir die Hannover Avenue in Blantyre, heute wird nach 60 Jahren das Update eingeweiht, leider schon krummgefahren. Presse, chauvinistischer Stadtteilbürgermeister, Aware 'n' fair Project, alle dabei.
Wir (und auch mein Schwesterherz im Peru-Blog) haben schon einiges zum Thema Hühner gebracht, aber dieser Lebendtransport mit 4x5 Tiere darf nicht fehlen. Das Schwein (allerdings tot) quer auf einem anderen Mopedgepäckträger geschnallt, ließ sich fotografisch nicht einfangen, stell's dir einfach vor!
Die jungen Herren mobben sicherlich nicht, aber für's Verkaufen (außer Obst/Gemüse) sind Frauen eher nicht zuständig. Lass uns das Foto anti Antimobbing nennen.
GerMala-Band tritt mit dem BAF-Programm und 5 weiteren Songs im Jacarana Culture-Center auf. Wir haben neue Songs von Agorosso und Dannil im Gepäck sowie von den Ärzten, die sind die beste Band der Welt laut den Ärzten. Wir spielen aber auch instrumentalen Walzer, Bossa und Blues. Letzteren müssen wir tatsächlich der Band beibringen, überraschend, wir dachten Blues geht immer. Die Probe am Nachmittag vorm Auftritt ist kacke, Agorosso ist bestohlen worden, er ist echt down, vor allem fehlt seine Gitarre und auch Aarons Bass ist kaputt, 2 Std. wilde Telefonei statt nötiger Proben. Dafür klappt der Auftritt richtig gut, auch der NDW-Rock gefällt dem Publikum (insbesondere den vielen Expats), es wird getanzt.
Wir besuchen eine schulübergreifende Musik/Theater-Performance der Secondaryschools. "Udolo Wanga" ("ich steig durch") mit Schwerpunkt sexuelle Selbstbestimmung (Homosexualität steht hier, wie im Kontinent üblich, unter Strafe). Zurück müssen wir ausnahmsweise auf Motorrädern, wenn du es möchtest, fahren die auch gemütlich-defensiv- ja möchten wir.
Kaum ist richtig Sommer, klagen sogar die Blantyrer über 35°C, na - dafür sind wir doch hier! Wenn wir am Wochenende keinen größeren Ausflug machen, genießen wir so gut es geht die Zeit in Blantyre, z.B. im Mandalahaus (das älteste in Malawi von 1885, vorher gab's halt keine Backsteinbauten!), lassen uns unterhalten von der Zisekese-Band (= Kronenkorkenschellenkranz) oder laden nette Menschen zu uns ein. Hier mit Valentina und Mona vorm Pool. Die "Men's dead fingers" trees blühen inzwischen! Ab und zu genießen wir auch den Familienanschluss, wir sind beim ersten Baden ohne Heulen der knapp Zweijährigen dabei.
Muttertag wird hier ernsthaft gefeiert, die wichtige Rolle soll ja manifestiert werden für die anderen 364 Tage im Jahr. Männer posten im Socialmedia-Status die in Schale geworfene Mutter oder auch Ehefrau, es ist sogar schulfrei! Wir geben also keine Workshops, laden erst Dannil zur Musiktheorie ein (chords progression auf seinen Wunsch!) und dann Sila, allen hier aus dem Film "Baba's Song" als Kinderstar bekannt. Wir fädeln ihm einen Gastauftritt bei unserem GerMala-Projekt ein und laden ihn zu einer Reise (Fußabdruck "Chingialire") und natürlich zum Essen ein, wo wir wegen eines WIRKLICH heftigen Gewitters lange ausharren und uns später komplett durchregnen lassen.
Die Schulwoche geht gewohnt weiter und Dannil (er will noch mehr Musiktheorie!) zeigt uns sein sehr bescheidenes Zimmer am Hang des Sochehills. Krasser Aufstieg für ihn täglich. Du siehst den Berg im Hintergrund, wo nach Abholzung nun eine Gerölllawine mehrere Opfer forderte.
Eine besondere Begegnung sei noch erzählt: kurz vor unserer Schule St. Pius steuern wir einen kleinen Hof mit Schrott an und fragen nach klingenden Gegenständen für unser "Musizieren ohne instrumentale Ausstattung". Es wird jedoch ALLES irgendwie weiterverwendet, aber mit einer Spende läuft's. Chef Walter: "I want to be part of this project". Soundobjekte kriegen wir zwar doch nicht, aber er möchte uns unbedingt seine Sprache über Lieder beibringen. Kaum sitzen wir, kommen Neugierige und diskutieren über die richtige Melodie und Begleitung eines Liedes und wir singen zusammen auf dem Recyclinghof über einen räuberischen Hund, der aufgeschlitzt wird, um die kleinen Fische aus seinem Bauch zurückzuholen, siehe Geste im Video. Das ist eine sooo typisch-herzliche Situation!Lue lisää
Zomba
11.–13. lokak. 2024, Malawi ⋅ ☁️ 26 °C
Der nächste Wochenendtrip führt uns ins 60km entfernte Zomba Plateau, ein Naturschutzgebiet seit 1913, höchster Punkt 2003m. Mit Minibussen dauert die Fahrt natürlich. Die Lodge ist wunderschön gelegen in einem großen Garten, geführt von einem Niederländer, der uns mit der Planung der Ausflüge sehr gerne behilflich ist. Am Freitag Nachmittag machen wir nur eine kleine Wanderung zu den Williams Wasserfällen. Samstag steht dann eine 28km Wanderung auf dem Plateau mit Führer an. Wir staunen mal wieder, wie groß die Not der Menschen ist, an Feuerholz zu kommen. Das Plateau ist aber trotzdem noch schön grün. Highlights auf der Wanderung: Ein Aussichtspunkt, den Queen Elisabeth 1958 besucht hat (nur per Hubschrauber) und ein Aussichtspunkt, den der letzte äthiopische Kaiser, Haile Selassie besucht hat. Er ist für die Anhänger der jamaikanischen Rastafari-Bewegung die Wiederkehr Jesu. Außerdem konnten wir in einen tiefen Erdspalt schauen, in den der Überlieferung nach die Leichen der Lepraepedemie entsorgt wurden und auf wundersame Weise daraus entschwanden (wahrscheinlich durch unterirdisch fließende Flüsse). Am Wegrand gibt es jede Menge gelber Himbeeren zu pflücken, sehr lecker.
Für den Sonntag Vormittag haben wir uns für 2 Stunden Mountainbikes ausgeliehen und fahren unterhalb des Plateaus und durch die Stadt Zomba. Wir vermissen das Fahrradfahren, aber bei den Temperaturen reichen 2 Stunden völlig aus. Ein Besuch des botanischen Gartens rundet unseren Ausflug ab.Lue lisää
Monkey Bay & Cape Maclear
25.–29. lokak. 2024, Malawi ⋅ ⛅ 29 °C
"Wie bitte? Ihr wart noch nicht am Malawi-See?" Geht ja gar nicht! Wir sollen das unbedingt im noch im Oktober machen, vor Beginn der Regenzeit. OK, nächste Schulwoche abgesagt, zum UMP Festival recherchiert, VIP-Tickets besorgt, Besuch bei Ben im Anschluss organisiert und Silla dazu eingeladen, siehe nächster Fußabdruck "Chingalire". Irgendwas vergessen?
Mist, alle Übernachtungen weg, außer 500$ aufwärts. OK, dann pennen wir an der Monkeybay 18km vom Festival. Fahren da Busse? Fährt überhaupt irgendwas?
Die Benzinkrise geht in die 2. Woche, Taxifahrer übernachten in kilometerlangen Warteschlangen, der Schwarzmakt zu horrenden Preisen blüht. Aber wir haben ja diese Tickets, also ziehen wir das durch!! In der Nacht vor einer völlig ungewissen Abfahrt finden wir Dank des Facebook unserer Host Tikhala einen privaten Fahrer für 35$ täglich, Sprit exklusive - finde den Fehler. Zum Glück wird über die grüne Grenze des nahen Mozambique per Motorrad in ALLEN erdenklichen Gefäßen Benzin geschmuggelt, reden wir nicht über Kosten sondern freuen uns nicht gestrandet zu sein.
Ja - und dann, nach 7 Std. Fahrt für schlappe 240km, stranden wir tatsächlich in der der Affenbucht, wunderschön abgelegen. Es ist wenig Strand geblieben, da der Wasserspiegel dieses weltweit neuntgrößten Sees trotz langer Trockenzeit viel zu hoch ist. Die simplen Hütten dieser Unterkunft werden schon mit Sandsäcken geschützt.
Es ist Freitag Nachmittag, wir wollen nicht zu viel Programm verpassen auf zum alljährlichen UMP Musikfestival, das idyllisch direkt am Ufer liegt. Als die Sonne im Meer versinkt hat das Programm von Mittags noch nicht begonnen, irgendwie ein Deja-Vue, zumindest nix verpasst.😇 Anders als in Blantyre mit eigenem Auftritt, warten wir entspannt am Strand auf die Bühnenacts und genießen die Atmo. Headliner, so lernen wir, treten nie vor Mitternacht auf, egal was im Programm dazu steht.
Wir lernen draus und lassen uns, siehe 3. Foto, in unserer Monkeybay Zeit, entdecken per Boot die Präsidentenferienanlage, den Hafen über den Güter aus dem Norden Malawis 540km auf dem Wasserweg ankommen, sehen ein Dorf, das ohne Straße, Strom oder Schule nur vom Fischen lebt und erleben, wie Seeadler vor unseren Augen Fische aus dem Wasser greifen.
Am Samstag ist beim UMP mehr los, uns nerven irgendwann die DJs, die testosterongesteuert das Publikum anschreien, genießen sehr die traditionellen Künstler*innen und freuen uns auf die Livebands.
Von So bis Di finden wir direkt am Cape Maclear eine schöne Lodge, machen einen schweißtteibenden Ausflug mit beglückender, wilden Badestelle und können zu Fuß zum Festivalgelände am 3. Tag.
Am letzten Abend ohne UMP bekommen wir am Ufer unserer Lodge trad. malawische Lieder mit (leider sehr runtergekommenden) Trommeln. Wir sind gebeten auch was zeigen aus unserem Land - zufällig haben wir da was vorbereitet...
Die Abfahrt nach Lilongwe zieht sich, einkaufen und Schwarzmarktsprit braucht seine Zeit, Taxi-Stevie nervt und die geschrottete Autoelektronik kann nicht kühlen, stattdessen spielt das Rauschradio auf voller Lautstärke sobald der Motor läuft. 😬
Im Hochland reihen sich die Mangostapel am Straßenrand zum Zehntelpreis.
Es ist sooo heiß und wir sind sehr froh in Lilongwe Silla einzuladen. Aus der Hauptstadt sind es nun nur noch 30km ins Dorf Chingalire, wo wir die nächsten 5 Nächte verbringen.Lue lisää
Chingalire Homestay mit Ben
29. lokak.–3. marrask. 2024, Malawi ⋅ ☁️ 30 °C
Kann es sein, dass wir schon über die Wärme und Offenheit der Malwier geschwärmt haben? Die Leute in Chingalire sind das im Besonderen! Über Silvia hatten wir bereits in Hannover Kontakt zu Ben Michael Mankhamber, einem sehr bekannten Singersongwriter auch über Malawi hinaus. In der Rolle des Bandleaders und als Vaterfigur ist er in dem berührenden Kinofilm "Babas Song" von 2009 zu sehen. https://m.youtube.com/watch?v=Bg3TagOnxSw
Die Verbindung zu Silla begann mit der gemeinsamen Arbeit am Set und besteht noch. Wir sammeln Silla also in Lilongwe auf und schließen Ben wenige Minuten nach der Ankunft in dem 30km von der Hauptstadt entfernten Dorf Chingalire in unsere Herzen. Ben folgte 2010 dem Wunsch des Dorfes, ihn als Nachfolge seines Vaters zum "Chief of the village" zu berufen. Sein Musikerleben in Blantyre gab er dafür auf und steckte seitdem seine Kreativität, Energie und Wissen in die Entwicklung des Dorfes. So stehen wir heute hier in einem Gästehaus mit sozialen Draußenmöbeln, Photovoltaik, modernen Plumsklos, Museum, Ökoanbau, Bühnen für Chor und Tanztraining. Ein Multifunktionsraum mit Kino entsteht gerade, ein eigener Radiosender ist geplant. Wir sind begeistert, gerührt, tief beeindruckt und werden in alles, soweit möglich, mit einbezogen. Ohne Unterstützung, insbesondere aus Hannover, wäre das nicht möglich und Ben ist in seiner ruhigen, klaren und herzlichen Art wie ein Magnet für andere Menschen. Sogar seine Band ist ihm in dieses Dorf gefolgt -alles klar.
Wir sind als Gäste, wie letzten Monat 10 Schüler*innen aus der IGS List (Hannover) hier, über die Rolle als Rhythmiklehrkräfte folgt ein Extrabericht im Anschluss.
Manager Chikondi, also die rechten Hand Bens, zeigt uns alles im Dorf, Joseph bekocht uns und mit Bens Profimusikern haben wir 3 schöne Sessions. Gäste-, Dorf- und Familienbereich sind getrennt aber durchlässig, bei Bens Architektur steht immer die Kommunikation im Vordergrund.
Drei Ereignisse haben uns besonders berührt:
1) der private Liederabend mit Ben ("hey Manager, please go for me in that meeting and say I can't because of another important meeting here") 😊
2) Eine Tanz/Trommelperformance von Jugendlichen der umliegenden Dõrfern auf hohem Niveau und mit Pflichtteilnahme von uns in getrennten Frauen- Männerchoreografien, die natürlich extra einfach gehalten waren. Trotz unserer Tanzerfahrung schwierig genug! Auch wir sollten dann etwas beibringen, zum Glück haben wir ja das Fidularepertoire schon seit dem Studium drauf...
3) Wir sind zum Gottesdienst im nächsten Dorf eingeladen und eigentlich ist die 30minütige Fahrt auf der Pritsche des Chingalire-Trucks schon das Beste: der Kinderchor schmettert durchgängig Lieder, wir singen mit was geht, halten uns mit den Kindern auf der rappeligen Ladefläche aneinander fest und alle strahlen ein Glück aus, so dass es fast wehtut. Leben kann so einfach sein.
Schon sind die 5 Nächte rum, es heißt Abschiednehmen. Gut, dass uns Ben und Sohn Mike persönlich in Lilongwe ins richtige Auto stecken, so kommen wir schnell und fast bequem für 25 Euro nach Hause (Blantyre), dafür brauchst du Insider.
Hey, reist du mal nach Malawi? Dann besuch Chingalire und schau nach den beiden Mangobäumen "Morris and Anita".Lue lisää
Workshops in Chingalire/Lilongwe
30. lokak.–3. marrask. 2024, Malawi ⋅ ☁️ 29 °C
Unser Aufenthalt bei Ben in Chingalire bedeutet auch, dass wir an verschiedenen Institutionen Workshops geben dürfen. Das ist ein wirkliches Geben und Nehmen.
Der erste findet bei Music Crossroads Malawi statt, einer von Jeunesse Musicales gegründeten und unterstützten Organisation, die hier in Malawis Hauptstadt einen Studienort für angehende MusikerInnen geschaffen hat.
Wie hier üblich, fließen die Informationen nur spärlich (wie viele Teilnehmende, gibt es Instrumente, drinnen oder draußen, Tafel/Stühle vorhanden, Level etc.), wir planen viel und wild ins Blaue hinein, aber Moritz bringt die ca. 50 Studierenden gut in Bewegung. Trotz aller Affinität zu Musik und Tanzfreude sind sie es nicht gewohnt, rhythmikmäßig in und mit der Gruppe zu arbeiten. Nach Übungen mit ungewohnten Akkordabfolgen und einer abschließenden Wetterimprovisation fällt das Feedback sehr positiv aus und wir sind zwar komplett durchgeschwitzt, aber sehr zufrieden. Schön zu erleben, dass ein junger Mann mit Down-Syndrom (auf den Bildern im quietschgrünen T-Shirt) hier ganz selbstverständlich integriert ist und am Schlagzeug glänzt.
Den zweiten Workshop geben wir im Nachbarort von Chingalire an einer privaten Primaryschool, sehr gut ausgestattet natürlich mit europäischen Geldern. Grundschule geht hier bis zur 8. Klasse, und bei unserer Draußenaktion für die ganze Schule sind sogar die Kitakinder dabei, also knapp 300. Uff! Aber hier gibt es einen geigespielenden Musiklehrer und eine Musik-AG, in der die 8 Kinder Geige und Blockflöte lernen. Außerdem Keyboard, Gitarre und Trommeln für uns, wow! So starten wir mit der Instrumentalgruppe, spielen dann allen das Ergebnis vor und schicken anschließend alle mit dem kleinen Wüstenfuchs von F. Vahle in die Wüste. Leider ist das Betreten des Rasens verboten. Am Schluss bleiben noch 20 Minuten, um mit einer Gruppe von 20 Kindern drinnen Rhythmik zu machen.
Als drittes sind wir eingeplant, mit 10 Pädagogik-Studierenden der Uni Lilongwe am Samstag Morgen um 8 einen WS für Musik im Kindergarten zu machen. Sie arbeiten unter der Woche schon und studieren am Wochenende. Mit Methoden zur Liedeinführung und Grundbewegungsarten mit musikalischer Begleitung gehen die 2 Stunden schnell herum, wir haben das Gefühl, da könnte man noch sehr viel vertiefen. Aber auch hier ist es nur eine Stippvisite, die hoffentlich ein bisschen was hinterlässt.Lue lisää
Music-Club 2ndary School
4.–16. marrask. 2024, Malawi ⋅ ⛅ 30 °C
Unser Rhythmikprojekt in St. Pius ist abgeschlossen, wir nehmen das gern als Anlass, über unsere musikpädagigische Arbeit in Blantyre zu berichten. Insgesamt waren das dort 16 Einheiten á 90min in 5 Wochen, gestartet direkt nach dem BAF am 7.10. und dazwischen lag die Woche mit Lake-Malawi und Chingalire.
St. Pius war schon aus Hannover geplant mit dem Schulleiter Louis Zulu, Gründungsmitglied von "Aware and Fair", vermittelt von Silvia.
Diese Secundaryschool hat Schüler*innen auf der schwächsten von 4 Stufen, quasi die 9. bis 12. Klasse Hauptschule. Die Klassenstärke ist ca. 50, wir kommen nach der Unterrichtskernzeit um 14:15 zur Clubtime, also jede kann machen, was sie will (oder muss).
Viel anspruchsvoller kann eine Zielgruppe kaum sein, oder?
In zwei Altersgruppen zu arbeiten ist nicht organisierbar, täglich andere Rahmenbedingungen und wechselnde Teilnehmende - das ist anfangs noch aufregend, bald eher nervig.
Von Schulseite gibt es kaum Unterstützung (alle haben zu tun oder frei), es gibt kein einziges Instrument, auch kein kleines oder altes. Das hatte uns Louis im Vorgespräch allerdings angekündigt.
Also sammeln wir zusammen die Alternativinstrumente: Bodypercussion, Möbel, Naturmaterialien, Selbstbauinstrumente aus Küche, Schrottplatz und gelben Sack und natürlich die eigene Stimme. Dass die Schülis Hunger, Bewegungsdrang, jeden Tag andere Interessen und ständig Pubertät haben - ja, das haben wir unterschätzt.
Aber sie sind neugierig, wollen Tanzen, Singen, rhythmisch- musikalische Spiele, wollen also auch in ihrer Freizeit in der Schule lernen, es muss aber immer Freude machen, jedem einzelnen, möglichst niederschwellig. Erfüllen wir das nicht, wird der Raum einfach verlassen... Um etwas gemeinsam über mehrere Stunden/Tage/Wochen zu entwicken, braucht es Durchhaltevermögen, Mitbestimmung, Struktur, sich-Zurücknehmen und eine kontinuierliche Gruppe. Ja, das üben wir und bleiben eher prozessorientiert. 😉 Draußen arbeiten ist mit vielen Zuschauenden (Primaryschool in blau, 3. Bild) verbunden und Klang wie Konzentration ist schnell weggeweht, also bleiben wir meist im Raum, machen dort verrückte Dinge wie Stuhlkreis oder Tanzen.
Als unsere Art pädagogisch zu handeln klar ist, bringen wir die 21 Boomwhackers mit, die wir den IGS-List Schülis im Juni in die Koffer legen durften, denn mit bunten Kunststoff-Klangröhren hatten wir keine Lust auf Safari in Tansania zu gehen.
Spielerische Klangexperimente, Improvisationen, leitereigene Vierklänge, einfache Melodien (malawische Nationalhymne!) und akkordisches Begleiten von Songwünschen wird ab nun den "MusicClub" bestimmen. Trotz 25jähriger Erfahrung mit Boomwhackers bleibt es bei aller Freude anstrengend und wir verzichten auf eine abschließende Präsentation.
In den letzten Stunden hospitiert Gitarrist Dannil, seine Vision ist eine Musikschule - dafür geben wir ihm gerne die Boomwhackers mit auf den Weg.
Der Abschied Mitte November ist laut und herzlich, wir spenden die MusicClub-Gitarre der Schule, wenigstens ist der nette Bibliothekar Mr. Makaka zur Übergabe da (letztes Bild).Lue lisää
Blantyre im November
8. marrask.–8. jouluk. 2024, Malawi ⋅ ⛅ 27 °C
Zuerst denkst du ja immer: wow, 3 Monate, da geht alles. Und plötzlich sind zwei Drittel um: Hallo November! Wir schließen unsere Rhythmikprojekte ab, erledigen den Formalteil dazu, werden krank und gesund und haben einige neue und viele bekannte Begegnungen.
Mit Silvia können wir Agorossos Arbeit über die Finanzierung einer Gitarre wertschätzen (1. Bild), nachdem sein Haus ausgeraubt wurde. Er schreibt: "Thank you for all the support you have given me. You are special angles."
Unser letztes Jacaranda Cultureclubconcert ist mit modernen Jazztönen und wie immer einem unterhaltsamen Manager Waliko, der demokratisch die Publikumswünsche ernst nimmt, egal ob VIP oder back benchers. Mit ihm als Weltenbummler verabreden wir uns zum Austausch über Musikethnologie, natürlich will er auch mit uns singen, es scheinen die anderen Gäste in dem Café gutzuheißen.
Wir laden Lydia (die Aktivistin, die uns Anfang Juni bei unseren Arbeitsstätten in Hannover hochschwanger besuchte hatte), Mann Harris (Fotograf) und Baby June zu uns ein. So eine bezaubernde und politische, junge Familie! Wir planschen, kochen, klönen.
Das kompletto Huhn im nächsten Bild gehörte allerdings nicht zu unserem Menü (hier läuft ein heimlicher Chicken-Pic-Contest mit einem gewissen Peru-Blog 😉) sondern zum Alltag in "unserer" Küche, die auch von der Haushilfe Fanny genutzt wird. Als wir ein hirseähnliches Getreide mörsern, wird Moritz die Arbeit schnell abgenommen. Die Dame hat nicht nur mehr Bizeps, sondern auch eine weitläufige Antwort auf die Frage, warum Männer solche Arbeit nicht zu machen haben: "You men never know, when it's enough." Aha.
Einen besonderen Kontakt hält Silla zu uns (siehe Footprint "Chingalire"), er hat uns einen Songtext geschrieben, besucht uns, wir texten und proben gemeinsam. Durch Grippe/Halsentzündung/Fieber entsteht eine Zwangspause, so dass sich die letzten 2 Malawiwochen ordentlich verdichten: Sillas Kumpel hat ein Tonstudio (= Mic, PC, Software, Keyboard), er legt souverän die Spuren und Mehrstimmigkeiten an. Gut, dass wir analysiert hatten, dass Silla gern halbe Takte einschiebt, denn nicht nur wir, sondern auch der Tonmeister will wissen, wo die Zählzeit 1 liegt! Trotz der stimmlichen Eingeschränktheit macht es bei 32°C, Gewitter und Stromausfall großen Spaß. Den Song findest du im Cloudlink der Folge "Bye bye Blantyre".
Violet wird zwei Jahre, sie ist uns in den Wochen ans Herz gewachsen und umgekehrt. Wir kaufen ihr Holztiere im traditionellen Stil, unterstützen damit die lokalen Künstler/Händler und wollen dem hier üblichen Plastik- und frühkindlichem Medienzirkus eine Alternative bieten. Nach der Kidsparty mit Hüpfeburg kommt der Part für die Großen. Plötzlich ist der Whisky leer, ein Joint kreist... geht doch.
Das klingt alles nach Freizeit und ist es auch. Parallel laufen neue (Sonderschule) und begonnene Projekte (St. Pius und Rhythmikworkshops) und wir schauen, dass sich das Ehrenamt in Maßen hält, sonst ist es kein Auszeitjahr mehr. 🤔
Wir hatten kurz vor Abreise einen ausführlichen aber finanziell schmalen Projektantrag zur internationalen Bildung vom Kulturbüro Hannover bewilligt bekommen. Immerhin erhalten wir 17% der Projektkosten und können so Honorare für Musiker oder die Instrumente teilfinanzieren. Dafür braucht es dann aber eine präzise Kostenabrechung entsprechend des Projektplanes, eine Doku und seeehr viele Belege. Büroarbeit auf dem Smartphone ist doof, übrigens!
Bei den Konzerten mit GerMala hat sich Agorosso so sehr an Annettes Dazwischengeflöte und Moritz' Strophe frei nach Herbert G. gewöhnt, dass er seinen Song Jessie nochmal mit uns aufnehmen möchte. Das Tonstudio der Jacaranda ist eine andere Liga, und zufällig kommt der französische Financier (also Botschafter und Gefolge) just vorbei, als wir da sind.
Apropos Band: im November treten wir noch 2x auf: zum Stakeout im Amaryllishotel kommen erst die Musiker eine Stude nicht und dann nur wenige Zuhörer (aber Rob und Tikhala!), wahrscheinlich wegen des heutigen Starkregens und Hagel. Die Infrastruktur steckt sowas nur schwerlich weg, Straßenverkehr und Stromversorgung kommt zum Erliegen, denn natürlich beschert auch hier der Klimawandel zu viel Wasser in zu kurzer Zeit, obwohl die Niederschlagsmenge im Mittel gar nicht die gewohnten Werte der beginnenden Regenzeit von 170mm überschreiten.
Unser letztes Konzert spielen wir nur mit Dannil und Antonio, denn im schnuckeligen Baumhaus-Cafê ist wenig Platz. Wir spielen ein paar Songs mehr von Dannil, ein bisserl Jazz & Bossa, sogar Pachelbelstyle. Harris kommt angereist, um uns hier Adieu zu sagen, sehr sweet.
Das letzte Wochenende verbringen wir sehr gern und ganz viel mit unseren lieben Gastgeber*innen: Freitag Karaokeabend, wo wir erstaunlich viele Songs beitragen, Samstag Fahrt nach Zomba, diesmal nicht zum Wandern sondern zu Tikhalas Großmutter, die dort auf dem Lande schon in den 50ern eine Vor- und Grundschule privat aufbaute, weil sich staatlicherseits nicht genügend um Bildung gekümmert wird. Noch heute fließen die Einnahmen der Gästezimmer in Blantyre (also unsere Miete) in dieses Projekt, auf den letzten 3 Bildern zeigt Rob das Schulgelände, ein Klassenraum besonderen Renovierungsbedarf (vllt. mit deiner Unterstützung?) und ein Abschlussfoto über 3 Generationen. Wir runden das Tikha, Rob und Violet - WE mit Schwimmen, Tischtennis, gemeinsam Essen, Filmabend und Gottesdienstbesuch ab. We are family!Lue lisää








































































































































































































































































































































































































































































Mo reist
Kairo kurz überflogen
Mo reist
Airport Istanbul ist voll cool
Matkaaja
Hat was von Klimt 😅