• Matthias Helwig
  • Matthias Helwig

Twenty twenty-five

Et åpent eventyr av Matthias Les mer
  • Reisens start
    6. februar 2025

    SUNSHINE EXPRESS

    6. februar 2025, Nederland ⋅ ☁️ 3 °C

    Es gibt keinen konkreten Anlass, aufzuschreiben, was passiert oder passiert ist, mich bewegt, staunend am Rande der Straße stehen lässt, an dem das Geschehen vorbeirast wie ein Formel-Eins-Wagen an einer Tribüne, Wwwrrroammm, kurz um dem Tempo um mich herum noch etwas hinzuzufügen.Im Hintergrund verschwimmt der Ort, an dem es geschieht.
    Ich schreibe diese Zeilen in der Bar des Motel One in Rotterdam im fünften Stock, kurz vor Mitternacht, nachdem ich SUNSHINE EXPRESS gesehen habe, Dritter Film zum Abschluss des zweiten Tages in Rotterdam.
    Zwei Griechen sind noch kurz vorher gekommen, um den Tag auslaufen zu lassen. Drei Filme heute gesehen und Delfshaven besucht, neben vielem Gedanken über KI, meine Frage an Lorin, ob das Gesehene bald Wirklichkeit wird, damit meinend das Entstehen eines künstlichen Menschen, programmiert mit einem ständig weiter lernenden, aufeinander aufbauenden Programm. Wie wird das Lernen in 20, 30 Jahren vorangehen, wenn die Computer oder Roboter alle Lexika in Sekundenschnelle aufsaugen können. Lorin ist da optimistisch, keinesfalls angstvoll. Im Hintergrund reden die Griechen über Germany. Plötzlich sind die Fragen der letzten Jahrzehnte nicht mehr relevant, das Kämpfen für Gleichberechtigung oder eine lebenswerte Zukunft. Macht und Geldgier sind zurückgekehrt als Lösung. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die Folgen davon wieder das Augenmerk auf die Armen und Ausgebeuteten richten wird. Bis dahin wird man versuchen, dabei zu sein, bei den Mächtigen und Reichen, hoffen, dass es ihnen gelingt die anderen mitzunehmen, ihnen zu helfen. Das amerikanische System. Zuletzt einen iranischen Film gesehen. Was ist Wirklichkeit? Solange die Bomben fallen, sind sie Fake, sagte der Regisseur, Realität werden sie erst am Boden, wenn sie wirklichen Tod und Grauen auslösen. Eine Gruppe reist nach Hermia, dem Paradies. Es hat eine Hymne, Lili Marlewn nachempfunden, und an den Bahnhöfen hört man Fußballfans aus Dortmund. Jeder erhält einen Auftrag. Es ist ein Spiel. Doch Wirklichkeit und Fiktion mischen sich mehr und mehr, Spieler werden ausgeschlossen, verlassen den Zug, während der Zug wirklich zum Zug wird, in ein Kriegsgebiet kommt. Nur drei Teilnehmer bleiben übrig, kommen in Hermia an. Zwei steigen aus, der Schaffner traut sich nicht. Er bleibt im Zug.
    Ich denke an die Flugzeuge des 11. September im Fernsehen, an Apokalypse Now und an den amerikanischen Präsidenten heute, der die gleichen Assoziationen hat wie der verrückte, durchgeknallte General Kurz in diesem Film. Jeder wusste, dass er verrückt war, dass das Wahnsinn war, was er tat, mensxhenverachtend. Heute nimmt man es hin. Eine Nachricht eben. Palästinenser sollen einfach umgesiedelt werden. Amerika baut eine weitere Riviera im Gazastreifen auf. Das Volk macht mehrheitlich mit. Genauso auch bei uns. Die Mehrheiten haben sich verschoben, dank sozialer Medien. Was früher gleich war, fortschrittliche Entwicklung des Menschen gegenüber machterhaltende Tendenzen des Bestehenden, hat sich verschoben. 60 Prozent wollen heute diese Rückkehr zu einer Schönfärberei der Vergangenheit, die restlichen 40 Prozent Austausch, Kommunikation, Kompromiss, gleichberechtigungssuche, Verständnis, dabei immer stiller werdend. Es gibt keine Vision mehr für sie, kein Land, in dem das Recht gilt. Wir befinden uns schon mitten im Untergang des römischen Reiches. Aber innerhalb dessen lebt es sich gut. Wir schauen uns eine moderne Stadt an, bewundern die Architektur der Wolkenkratzer oder der alten Häuser am Hafen, als die Boote noch den Weizen ans Meer beförderten und andere ausfuhren, um weit nach Westen ein neues Land zu erobern. Lorin und ich gingen in einem Essenshaus zu Mittag essen, das Hausmannskost anbot. Rückkehr für die Touristen zu Holzstühlen und selbstgebackenen Kartoffeln. Überteuert, nicht besonders gut, selbst ich hätte es besser hingekriegt und Gülay sowieso. Der dritte Film heute war eine zutiefst private Geschichte. Das Mädchen im Film war elf wie ich, als der Vater schwer erkrankte. Ich erinnerte mich an meinen eigenen Rückzug. Und dann an all die anderen Menschen aus meinem Leben, die schon gegangen sind. Und das schöne Bild, dass man ihnen irgendwann wieder begegnet, in einer anderen Welt.
    Die Musik spielt weiter hier, die Griechen reden noch immer miteinander, Rotterdam liegt dunkel hinter den Fenstern. Ich könnte weiter und weiter schreiben, aber lese vielleicht noch ein wenig. Han Kang, die wirklich würdige Literaturnobelpreisträgerin, ein Buch über die Hülle und die Schale und das, was wir selber darüber denken und uns einbilden.
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  • HALF MOON

    8. februar 2025, Nederland ⋅ ☁️ 7 °C

    Ein Samstag der Bilder und der Blicke nach oben, immer wieder eine Hochhaus- oder die spiegelnde Rundung des Depot-Museums hinauf , oder eben hinaus über die Nieuwe Maas,, befahren nur von Wassertaxis oder einem Schiff nach Dordrecht. Nach wolkenverhangenem Morgen Aufklaren, Sonnenschein und die Rotterdamer auf den Straßen. Der erste Film hinterließ nicht viel außer ein wenig Kopfschütteln, der zweite HALF MOON dann schon um mehr, über einen syrischen Klarinettisten, der Künstler wurde, mit anderen Musikern nach den Klängen des Lebens sucht, der Vertreibung, des Leids. Der halbe Mond wacht über den einschlafenden Kindern, die andere Hälfte über denen, die in dieser Nacht leiden und sterben. Die Inszenierung dieses Gesangs in Osnabrück war der Höhepunkt des Films. Dazu sein Konzert in einer Ruine in Beirut. Allen gewidmet, die weiter singen werden, heißt es am Ende. Ein mutiger Mann passend zu dem Artikel des Chefredakteurs von THE NEW YORKER, der an Nawalny und andere Heroen erinnert. Er selber wäre nicht nach Russland zurückgekehrt, ich wohl auch nicht. Ich bin in Gilching, im Fünf Seen Land geblieben. Der Gedanke beschäftigte mich noch weiter auch während des Spaziergangs mit Lorin oder des Cafébesuchs. BY AMI. Voller farbiger Accessoires, einem pinken Schrank, einem riesigen gemalten Pferd an der Wand. Darunter eine Gruppe türkischer Mädchen, eines davon in Brautkleid. Lorin meinte, 23 Jahre alt. Am Nebentisch in Schwarz zweihundert Frauen mit dick aufgespritzten Lippen, sich auch die ganze Zeit fotographierend. Ich wäre überrascht, wenn sie sich für die weiteren Weltläufte interessierten. Aber vielleicht täusche ich mich. Lorin fragt, warum die ärmeren Bevölkerung nicht die wählt, die sich um sie kümmern wollen und deren Wahlprogramm ihnen Verbesserungen verspricht. Eine gute Frage. Weil man emotional wählt. Die Hoffnung. Das, was die sozialen Medien verheißen. Keine großen Zusammenhänge, einfach ein Gefühl. Man müsste mehr reden. So wie im niederländischen Schwarzweiß-Beitrag DREI TAGE FISCH. Der Vater kommt ein letztes Mal in die Niederlande, weil er nach Portugal emigrierte will. Zurück lässt er seinen erwachsenen Sohn, dem nichts im Leben gelingt, der dennoch für das Miteinander steht, für die Erinnerung an die Großmutter, an die Kindheit. Doch die beiden reden nicht miteinander. Einzige Annäherung ist in der Kirche, als der Vater dem Sohn seinen gerade gezogenen Backenzahn gibt. Eine leichte Berührung dazu. Am Ende kann der Vater kaum erwarten, dass der Zug abfährt. Es ist nichts mehr zu sagen. Alles gut.
    Zum Abschluss der Publikumsgewinner des Festivals. I AM STILL HERE, bald auch in den deutschen Kinos. Er beginnt 1970 in leuchtenden Sommerfarben am Strand von Rio. Eine lebendige Familie, fünf Töchter, ein Sohn, dazu eine Mutter, die alles zusammen hält, eine Haushälterin, ROMA fällt einen sofort ein und bleibt auch der Vergleich. Hier nicht Mexiko, sondern Brasilien. Der Vater, Rubens, ist Architekt und war mal liberaler Abgeordneter. Die ganze Familie strahlt den Geist der 70er aus, den Fortschrittsglauben, die Suche nach Gleichberechtigung, die Möglichkeit im Ausland. Vater und Mutter haben dafür gekämpft. Die älteste Tochter soll in London studieren. Das Haus ist weiträumig, das Leben prall, vor allem die Momente der Gemeinsamkeit, der kleinen und gleichzeitig so großen Freuden mit den Kindern. Der Einbruch geschieht schnell und grausam. Rubens wird verhaftet, zieht sich noch einen Anzug an und dann steigt er ins Auto. Er wird nicht mehr wiederkommen. Wenig später wird die Mutter mit der zweitältesten Tochter ins Gefängnis gebracht. Gut, dass wir das Lager in Kambodscha letztes Jahr gesehen haben. Es vermittelte einen Eindruck der Grausamkeit, dessen, wozu Menschen in den 70ern möglich waren, während es uns gut ging. Die Mutter kommt frei, sie muss alles ändern, hat kein Geld mehr, die Familie muss Rio verlassen. 20 Jahre später sagt eine Tochter, dass sie da das Gefühl hatte, dass der Vater nicht wiederkommt. Ich denke an die Mühle, von der meine Mutter immer wieder erzählte. Auch hier die Momente der Gemeinsamkeit. In den 90ern erhält die großartige Mutter im Film die Bestätigung der Gräueltaten und des Ablebens ihres Mannes. 2014 versammelt sich die Familie nochmals. Die Mutter hat inzwischen Alzheimer. Doch noch einmal kommt die Nachricht von ihrem Mann Rubens Paiva. Einer jener großen Männer, die für die Demokratie nicht nur standen, sondern für sie bis in den Tod gingen. Bilder von ihm und der Wirklichkeit beenden den Film, der mich am Ende zu Tränen rührt.
    Ich gehe über die weiß angestrahlt Erasmusbrücke umgeben von amerikanisch anmutenden Skylines hoffnungslos ins Hotel zurück.
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  • Jan Mayen und das Riesenrad

    9. februar 2025, Nederland ⋅ ☁️ 6 °C

    Bereits wieder am Flughafen. Menschen über Menschen, welcher Zufall wäre es, in den Schlangen jemanden zu treffen, den man kennte, und doch war es mal so, im Kommen und Gehen auf Santorin, als ich dort mit Marian ankam. Lese währenddessen in einem neuen Buch von Han Kang. Es geht um die Diktatur in Südkorea 1980, die Folterungen und schon sind die Bilder des gestrigen Films da oder der umgebauten Schule in Phnom Penh. Gruppen, so heißt es im Text, fördern das, was angelegt ist, aber vielleicht nie zum Ausdruck gekommen wäre. Den Folterer, den Stürmer auf das Kapitol, den Messerstecher, Folterer, aber auch den Helden, den in diesem Moment ungeglaubt Mutigen.
    Auf der Bahnfahrt von Den Haag nach Amsterdam saß mir ein junges Paar schräg gegenüber. Sie lehnte ihren Kopf auf seine Schulter, hatte die Augen geschlossen. Ein vielleicht alltägliches Bild, ein schönes Paar voller Innigkeit, doch es berührte mich. Alles ist möglich, auch in der Zukunft. Man muss nur weiter Vertrauen haben, immer wieder.
    Auf der Mole von Scheveningen drehte sich das Riesenrad. Daneben sprangen neben einem Turm von einem 40 Meter hohen Kranaufbau Menschen in die Tiefe, im letzten Moment gehalten von einem Bungee-Seil. Der Hintergrund grau, fast unbewegt, sowohl am Himmel als auch auf der Meeresoberfläche.
    Revolutionäre müssen heute Programme schreiben können, Informationen infiltrieren, vielleicht beim Kauf eines Tickets. Vergangen die Zeit kleinster Zettel.
    Ich komme mit den digitalen Systemen zurecht, natürlich, aber das Vertrauen liegt noch woanders. Kommende Generationen werden nichts mehr von meiner Welt kennen, ganz einfach. Was werden sie lernen, kaum mehr, was mir wichtig erschien, erster, zweiter Weltkrieg, Scheitern der Demokratie, Gründe dafür, ich erinnere mich an den israelischen Film, in dem die Kleinkinder natürlich im Kindergarten die Wahrheiten der herrschenden Regierung erfuhren, vom gelobten Land bis zu Bibi, der sie vielleicht rettet. Dabei gibt es immer etwas im Davor und im Daneben - nur nicht, wenn wir den Blick verschließen.
    Das Riesenrad drehte sich weiter, wir aßen ein paar Fries und einen Apfel-Pfannkuchen. Dazu ein smoothie und eine Schokolade. Auf der Reling landete eine Möwe u d wir redeten darüber, welches Land wohl hinter dem Horizont läge. Schottland, Island, Norwegen - mir fiel Jan Mayen Island ein. Google sagte uns, dass 18 Forscher dort lebten.
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  • Kopfsteinpflaster

    15. februar 2025, Tyskland ⋅ ☁️ 2 °C

    Es sind oft nur Zufallsgedanken, die im Strom der Bilder, Erinnerungen, Termine, Vorhaben hängenbleiben. Schneefall, eine Kreuzung in Berlin, im Hintergrund der Martin Gropius Bau und im Blick auf die Straße der gebogene Verlauf einer zweitreihigen Kopfsteinpflasterspur im Teer-Straßenbelag. Hier verlief die Mauer. Ich habe sie noch gesehen, habe hinübergesehen auf leere, überwachte Plätze, weiße Wachttürme, Menschen darin. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass es Geschichte werden würde, nurmehr Kopfsteinpflaster als Erinnerung.
    Zeitzeuge werden. Berlin. Ich sitze im Café am neuen See. Auch dies schon wieder umgebaut. Früher aus Holz mit Kaminfeuer irgendwo am Rande. Apfelkuchen mit Sahne, natürlich. Heute gibt es keine Sahne und das neue Personal an der Kaffeemaschine hat wohl Probleme, heißt es. Früher war ich immer im Schleusenkrug. Mein Vater hatte davon erzählt. Seitdem war ich fast jedes Jahr dort gewesen. Große Glasscheibe Ausflügler, genauso wie heute, mit Kinderwagen, Kleidung der 50er Jahre, wahrscheinlich auch der 30er des letzten Jahrhunderts, Gespräche über die Geschehnisse der jeweiligen Zeit. Wieviel konnte man je Einfluss nehmen. Man wusste vieles, genauso wie man es heute weiß. Gestern Abend im Fernsehen bei Wahldiskussionssendungen hängengeblieben, fast wundersam für jemanden, der kein Fernsehen schaut. Lassen sich die Leute wirklich davon beeinflussen? Oder ist es nur ein Vorbeirinnen von Bildern und Geräuschen. Die frühere Trennung zwischen Kommentar und Nachricht ist im Entertainment völlig verwischt und wird auch nicht kenntlich gemacht. Die Markus-Lanz-show mit vier Gästen ging vor allem darum, die Meinung des Moderators kundzutun. Ist das heute Gang und gäbe. Wo fangen die kleinen Puzzlesteine an, die zur Aufwiegelung führen, zur Aufweichung von Grenzen, zur Respektlosigkeit. Politische Prozesse werden negiert, Politiker verlassen sie selber und reagieren auf das, was gerade passiert. Dadurch werden Themen, die eigentlich wichtig wären, nicht mehr behandelt. Wir sind daueraufgeregt und lernen durch das Fernsehen, dass es durch ruhige Abwägung heutzutage zu keinem Ergebnis führt, sondern dass Anschreien, Herabmachen, Ausweichen die öffentlich dargestellten Verhaltensmuster sind.

    Und das Kino? Ja, dort gibt es noch Filme, die fast anachronistisch noch Wege aufzeichnen, tieferliegende Beweggründe behandeln, abwägen, meist aber nicht in deutschen Filmen. Empfänge, darauf Gespräche, wer was macht. Eitelkeiten. Lebensentscheidungen. Gier mach Wahrnehmung, Darstellen von Macht. Wo will man hin, was schafft man davon, wie zufrieden wird man, auch eine Frage in dem taiwanesischen, vor allem auch für Architekturfans interessanten Film über eine Familie. Er ist Arzt, reich, einflussreich, allen geht es äußerlich gut. Nur sehnt sie sich nach der Liebe ihrer Jugend. Eine ältere Frau, die mit ihrem Mann den Weg schon bis ans Ende gegangen ist, die nun Gutes tut, Künste fördert, drängt sie, bei dem Mann zu bleiben. So schlimm ist es nicht. Sie versucht es, immer wieder, aber am Ende ist ihre Sehnsucht stärker, ihr Wissen um ihr eigenes Leben ...bevor sie erblinden wird.

    Es war einer von vielen Filmen. Am spannendsten weiter das Thema Israel/Palästina. Eine Geschichte im Film über 80 Jahre. Ein palästinensches Paar kann die Organe ihres von Israelis erschossenen Sohn in einem Krankenhaus in Haifa sieben wartenden Patienten spenden. Sollen sie das? Um eventuell einen Israeli zu retten, der, wenn er groß ist, auf sie schießt. Sie machen es. 25 Jahre später sucht sie den Israeli auf, der das Herz ihres Sohnes hat. Er sieht den Vorgang eher technisch, es gäbe kein palästinensisches Herz. Sie schaut ihn an und fragt angstvoll, ob er in der Armee gedient hätte. Nein hat er nicht, wegen seinem Herzen...
    ALL THAT IS LEFT OF YOU, späterer Titel IM SCHATTEN DES ORANGENBAUMS
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  • Vorher, da war nicht nichts

    16. februar 2025, Tyskland ⋅ ☁️ -2 °C

    Wie jeden Morgen gehe ich zum Potsdamer Platz, gerade an einem Bild der Gegend Anfang des letzten Jahrhunderts und noch früher vorbei, Postkutschen, dann Straßenbahn, die zugehörige Kleidung, unter mir die Kopfsteinpflasterlinie, vorher die Ruinenfassade des Anhalter Bahnhofs, in meinem Kopf der letzte Film von gestern und die Begegnung mit Viktor Ronen. Überraschenderweise hatte ich ihn auf der Toilette nach dem Film PETER HUJARS DAY gesehen. Viktor stand neben mir, sich ebenfalls wie ich die Hände waschend, wir schauten zum Spiegel auf, zögerten und erkannten einander. Wir hatten uns Jahrzehnte nicht gesehen. Natürlich hatte ich seinen Weg verfolgt. Als Studenten hatten wir zusammen im Gärtnerplatztheater als Statisten gearbeitet. Dann hatte ich Kinder bekommen, Familie, die sogenannte Karriere aus dem Blick verloren. Hatte ich mich bewusst dafür entschieden? Ich weiß es nicht, ob ich die Alternative wirklich gesehen habe. Und wen̈n Herr Velten nicht tödlich verunglückt wäre und ich sein Geschäft übernommen hätte, wäre vielleicht alles anders gekommen. Es war ein Autounfall gewesen. Mit seiner Frau war er auf einem Geburtstag gewesen. Er war mit seinem Wagen von einem Termin gekommen, sie mit einem anderen von zuhause in Herrsching am Ammersee. Dorthin wollten sie zurück, fuhren hintereinander, die Frau voraus. Ein Laster und dahinter ein Auto kamen ihr hinter einer Kuppe entgegen. Als sie sie passierte, überholte der Autofahrer, rasch, entschlossen, ein wenig wild. Frau Velten wusste, dass ihr Mann hinter der Kuppe gleich auftauchen würde. Sie konnte nur in den Rückspiegel schauen, dieser kurze Moment, diese Millisekunde, in der er noch nicht sichtbar war, dehnte sich, Sie spürte den Regen, sie nahm die Rücklichter des bereits bremsenden LKW wahr, die grüne Landschaft, eine Gruppe Kühe, von denen eine den Kopf wandte, und trat auf die Bremse, als hinter ihr das Auto ihres Mannes erschien, im Rückspiegel konnte sie nicht sein Gesicht erkennen, nicht seinen Schrei hören, sein erstauntes Schweigen vielleicht, auch nicht den Versuch, noch das Lenkrad herumzureissen, sondern nur das Aufeinanderprallen, Ineinander-Verschmelzen der Karosserien, des Blechs, Gummis und Plastiks, des Durchbohren des Fleisches und der Knochen. Herr Velten war sofort tot.
    Es änderte mein ganzes Leben.
    Ich dachte eher an den eben gesehenen Film, als ich Viktor Ronen erkannte. Das kann nicht wahr sein, sagte er und ich dachte das Gleiche, mich an die Berichte über Oscarverleihungen erinnern, in denen der Schreiber hoffte, irgendwo auf der Toilette Brad Pitt oder George Clooney zu treffen. Viktor Ronen sah gut aus, leicht gebräunt, nicht zu stark verwaltet, mit kurzgeschnittenen grauen Haaren. Die Augen wie immer groß wirkend unter breiten dunklen Augenbrauen, so als müssten sie alles wahrnehmen, was um einen geschähe, selbst die Handtuchhalter, die Wärmetrockner, das aus Nichtfunktionalität schwarz bedeckte Urinal, den Aufkleber auf den Fliesen über einen Aufruf zur Demokratie.
    Du hast den Film auch gesehen, fragte Viktor, da wird keiner reingehen.
    Das ist sicher, aber wir beide haben ihn schon gesehen und mir hat er gefallen.
    Viktor nickte, während er sich weiter die Hände trocknete. Ich dachte daran, dass ich vorher nie von Peter Hujar gehört hatte, vielleicht noch von Allen Ginsberg, den er an diesem Tag fotographiert hatte, oder von Susan Sonntag. Später wurden die Stones oder Donovan erwähnt, doch das Besondere an diesem Film war die Stimmigkeit oder die Atmosphäre. So als hätte das Gespräch der Beiden wirklich in den 70er stattgefunden, gedreht auf Super Acht, mit einer begrenzten Länge, weil nicht mehr in eine Kassette auf der Kamera passte, mit einer großen Körnigkeit, auch Weichheit des Filmmaterials. In der kleinen Wohnung verging ein Tag, mit Blicken auf New York, auf den Hudson, auf dem Bett, an einem Tisch, in aller Ruhe, ohne jedes Mobiltelefon. Die beiden redeten miteinander, aufgenommen von einem winzigen Tonbandgerät. Erst Jahre später wurde das abgestimmte Manuskript entdeckt, nicht das Originalmaterial. Es war verschwunden bei einem Umzug oder einem Aufräumen bei Linda Rosenkrantz. Sie lebt noch immer, inzwischen 91 Jahre alt. Ich war damals mit anderem beschäftigt als der New Yorker Kunstwelt. Und doch fühlte ich mich diesem langsam vergehenden Tag nahe, diesem Verschieben der Schatten, diesem Auf- und Abgehen im Raum, diesem Warten auf die Worte des anderen, diesem plötzlichen Tanz, Drehen im Raum, dieser Sehnsucht nach dem Sinn. Was haben die Beiden an diesem Tag gemacht? Nur geredet, nur einander zugehört, wirklich nur? Es war kein produktiver Tag in der immer noch oder schon wieder herrschenden Ansicht des dauernden Arbeitens, Anhäufens von Mehr, Bestätigen des Wachstums.
    Wir waren inzwischen aus der Toilette getreten, ganz kurz das gemeinsame Empfinden bestätigend. Um uns waren die Menschen in ihre Handys vertieft oder schon in der entschlossenen, zielgerichteten Bewegung zum nächsten Film. Ich muss weiter, sagte auch Viktor Ronen, aber lass uns treffen, wie lange bist du noch hier? Wir tauschten unsere Nummern aus, verabredeten uns für einen der nächsten Tage, dann wandte er sich ab und verschwand in der Menge. Sein schwarzer Mantel wehte um seinen aufrechten Körper.
    Ich hatte Hunger, beschloss noch essen zu gehen und dort die Fotographien von Peter Hujar zu googeln.
    Es sind schon wieder fast 30 Stunden seitdem vergangen, nur noch ein paar Minuten fehlen zu dem Geburtstag, der früher das Rentenalter, heute auf alle Fälle die Seniorenermäßigung in Kraft treten lässt . Natürlich ist es nur eine Zahl. Im ersten Moment die erstaunte Wahrnehmung des gelebten Lebens. Ein Film heute - er hieß January 2 - spielte am Tag eines Umzugs nach der Trennung des Paares. Die sieben Fahrten zwischen den verschiedenen Wohnungen drückten, wenn man genau hinschaut, das gesamte Leben aus, nicht nur all die Gefühle des sich trennenden Paares, sondern auch die Räume, die dies korrespondieren, die Architektur, die der neuen Wohnung, der Eltern, der alten Wohnung, des engen Autos. Ein Tag, so reich. Ein Leben, wie glücklich sollte man immer darüber sein. Ich vergesse es manchmal, bin immer noch gehetzt. Es wird weniger. Die Empfänge, das Gerede interessiert mich überhaupt nicht mehr. Ich sehe die Mittfünfziger, die noch einmal Karriere machen wollen. Habe ich selbst so empfunden. Wahrscheinlich. Daraus ist Gauting entstanden, in einem Jahr der völligen Überforderung, aber das sehe ich erst jetzt so. Genau ein Jahr ist die Netzhautablösung her. Heute kann ich wieder hinausgehen und die Welt betrachten. Auch hier nur Dankbarkeit, ja Glück. Vor ein paar Tagen habe ich meinen siebten Enkel im Arm gehabt. Er wird wahrscheinlich sicher das nächste Jahrtausend erleben. Was sind das für Zeiträume! Geschichte wird für mich spürbar: Dass sie weitergeht, dass Weltreiche kommen und auch wieder vergehen, was für den Einzelnen oft kaum vorstellbar war. Heute am Checkpoint Charlie vorbeigegangen, Jugendliche posierten mit ihren Handys vor dem kleinen mit Sandsäcken geschützten Grenzwärterhäuschen. Ich bin noch über die Friedrichstraße in die DDR gefahren und musste Geld umtauschen, kaufte mir in einer Buchhandlung ein schwarzes Büchelchen vom Aufbauverlag. War es nicht TRANSIT von Anna Seghers? Es war auch während einer Berlinale gewesen, damals ausschließlich im Westen der Stadt. Ich war noch nicht mal 30 Jahre alt gewesen, meine Tanten und Onkel hatten alle noch gelebt, die eigenen Kinder waren noch nicht in die Schule gegangen. Viktor Ronen kannte ich schon. Ich bin gespannt, ob ich ihn nochmal treffe.
    Es wird Zeit, dass ich das Licht ausmache und dem Traum die Möglichkeit gebe, die dahinfließenden Erinnerungen mit imaginären Bildern zu ersetzen. Gute Nacht!
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  • Girls&Gods

    28. mars 2025, Østerrike ⋅ ☁️ 10 °C

    Seltsam, jetzt ist der kurze Eintrag gelöscht und die Lust nochmals zu wiederholen, was man gedacht hat, ist gering. Wir sitzen schon wieder im Zug zurück nach München. Nach vier Tagen Dauerregen wirken die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings wie eine Befreiung.
    Letzter Film heute war ein Debattenfilm, der viele Fragen aufwarf oder einen damit konfrontiert, was gut ist neben Alm den Wegschaumomenten, die uns umgeben und die uns geradezu aufgeräumt werden. Die ukrainisch stämmige Aktivistin und Feministin Inna Shevchenko begibt sich zu Mitstreiterinnen überall auf der Welt innerhalb aller Religionen. Viele Fragen werden aufgeworfen. Wie stellt man sich zur Freiheit des Körpers, Freiheit der Wahl, zu Abtreibung, weiblicher Religionsausübung, Stellung in der Gesellschaft. Fast alle innerhalb der Religion beziehen sich auf ursprüngliche Texte oder Auslegungen. Von denen man sich natürlich entfernt hat. Liebe, Nächstenliebe, Vertrauen. An einer Stelle heißt es, dass man über 1700 Auslegungen gefunden hat, um sich davon zu entfernen. Sätze, bei denen man hängen blieb. Die Religion und die Befolgung der Regeln gibt Sicherheit. Freiheit steht dieser Suche danach, auch nach Geborgenheit, entgegen. Sie ist unbekannt. Man hat Angst davor. In den letzten Jahren, vor allem durch und nach Corona, hat sich die Gewichtung zur Sicherheit verschoben, damit auch in letzter Konsequenz zu Militarismus und Krieg. Wir reden ihn in unserem Sicherheitswahn mehr und mehr herbei. An einem englischen College gab es eine theoretische Abstimmung darüber. 50 zu 37 Stimmen - für die Regeln der Religion. So dürften die Mehrheitsverhältnisse derzeit auch sein.

    Sonst manch Informatives, über Beirut nach der Hafenexplosion, über den Niger, die Touaregs, die Verantwortung Europas und gleichzeitig das Scheitern jedes Engagements, über Asylsuchende auf dem Bürglikopf, fernab jeder Zivilisation, fast wie ein Gefängnis. Im Kopf viele Gedanken, viele nur organisatorischer Art, deswegen - trotz Dauerregen - dankbar über jede Ablenkung, Lorins Besuch, gutes Essen jeden Abend, gestern mit einem Besuch in der Hotelbar seinen Abschluss findend, zusammen mit der österreichischen Filmbranche um Ulrich Seidl.
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  • San Francisco. Westwärts 1&2

    16. april 2025, Tyskland ⋅ ☁️ 24 °C

    Ich stehe in der Warteschlange der Passkontrolle am Flughafen von San Francisco. Es wird noch eine Weile dauern. 12 Stunden Flug liegen hinter mir, Essen über Reykjavik, ein Snack über Grönland, dann noch einer über der kanadischen Tundra. Namen, die ich in der Jugendzeit für meine Romane verwandte, nun flaches grünes oder von den Gletschern glatt geschrubbtes Felsland auf einem kleinen Bildschirm. Die kurz vor der Reise gekaufte Biographie über Rolf Dieter Brinkmann begleitet mich. Auch sie wirft mich zurück in die Jugendzeit. Rom. Blicke. Westwärts 1&2. Wie habe ich diese Bücher aufgesogen, in meinen Schreibstil einbezogen, mich davon beeinflussen lassen, wohl auch noch, als ich mit Werner und Heinz die große USA/Kanada-Tour unternahm, 1981 wahrscheinlich, und keine Ahnung hatte, wohin mich das Leben führen würde, keine Ahnung von 2025 hatte, keine Vorstellung.
    Wo haben wir uns damals getroffen? Wie? Es gab noch kein Internet, kein social media. Ich erinnere mich vage an ein Telefongespräch und daran, dass sie Licht wohl im Yosemite Park abgeholt haben. Vielleicht werde ich in der nächsten Woche ein paar Erinnerungen auffrischen.
    Kurz vor der Abreise haben wir gestern BLADE RUNNER angesehen unter anderem eine Zukunftsvision von 2017. Überhaupt nicht wurden die social media Kanäle vorausgesehen. Man hat es sich nicht vorstellen können oder es nicht für wichtig befunden. Die Kommunikation schien wohl in Ordnung unter den Menschen. Es besuchte nicht mehr.
    Während des Fluges sah ich auf die Reihen von angeschalteten Monitoren vor den Fluggästen in ihren engen Sitzen. Auf den Bildschirmen die Bilder der Serien, Filme, Ereignisse aus aller Welt in allen Sprachen. Was wohl Brinkmann dazu gesagt hätte?
    Nach zwei Stunden Warten konnte ich die Kontrolle passieren, ganz ohne Probleme, sogar mit einem Lächeln der dunkelhäutigen Beamtin verabschiedet. Fahrt mit der Bahn in die Innenstadt. Vororthäuser aus Holz, farbig gestrichen, zweistöckigen mit Flachdach, großes Auto vor der Garage, ein Kalifornier wusch es gerade mit seinem Schlauch. Das Hotel hässlich, unpersönlich, zu weiträumig, steril, das Zimmer klein, 19. Stock, Zimmer auf die Innenstadt. Kein Adapter für europäische Kabelanschlüsse, ich machte mich auf den Weg. Es war kalt, ich trug meinen Anorak, die Straßen eher leer, irgendwie Armut, Obdachlose. Ich suchte nach einem Restaurant, falafel taco und Wasser, der Himmel grau.
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  • Fight ignorance, not immigrants

    17. april 2025, Forente stater ⋅ ☁️ 12 °C

    Durch die lange Schlange an der Cable-Car-Station abgeschreckt nahm ich einfach die Yellow Train zur Station 24th Street Mission. Als ich ausstieg, war ich überrascht, vielleicht nach der gestrigen, etwa drückend wirkenden Atmosphäre in der Innenstadt, vielleicht weil ich wohl doch zu wenig Filme über San Francisco gesehen hatte.
    Der Mission Distrikt ist spanischen Ursprungs, die Straßenschilder sind erst mal zweispurig, die Häuser fast alle zweistöckig, aus Holz im viktorianischen Stil, Treppe hinauf in die Wohnung, unten eine Kellerwohnung oder eben eine Garage. Die Straßen weiträumig. Am Ende von ihnen ein Hügel wie bei uns nur aus den weitest entfernten Vororten möglich. Bohèmeleben, -Läden, aber auch Gitter davor. LGBTG-Viertel. Cafés, kleine Läden und vor allem großflächig bemalte Wände. Muralismo. Wie könnte man ein Stadtviertel dadurch reicher machen! Bunter, interessanter. Immer wieder sind dies die Ideen von Bürgermeister oder anderen autoritären, die sich nach 20, 30 oder 50 Jahren so richtig auszahlen.
    Ich sitze in einem Café, das Leben ist entspannt, so sehr, dass ich mich frage, wo die ganzen Menschen sind. Keine Staus, kein Geschiebe durch die Straßen, quasi Schwabing mit breiten Avenues. Gegenüber macht ein Mann mit seinem Laubstaubsauger seine Einfahrt sauber. Dann eine Kindergartengruppe mit grün gekleideten kleinen Kindern, spanisch sprechend, ein Mann mit Hund, eine Frau trägt ihren auf dem Arm. Klare Aussagen zur politischen Freiheit. FIGHT IGNORANCE NOT IMMIGRANTS in einem Schaufenster. Bin ich im Trump-Amerika?
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  • Poesia Café

    17. april 2025, Forente stater ⋅ ☁️ 13 °C

    Breiter, oft benutzter, fleckiger Holztisch, es ist kalt, zwei Männer am Nebentisch, unterhalten sich über Politik, immerhin, ein Tisch weiter ein Mann mit Kopfhörern, vor sich ein Tabletten, draußen an zwei Stehtischchen, schwarz, zwei Frauen, im Hintergrund an einer Wand ein Eureka-Lounge-Banner, unweit des Rainbow Walks in Castro, Striche in Regenbogenfarben über allen vier Fußgänger Überquerungen, sonst noch leere Bürgersteige, es dauert immer, bis die Stadt erwacht.

    In der Metro eine Frau, blond, könnte sogar gut aussehen, kaum zu erkennen aber unter schwarzem Parka, mit vor Kälte wohl geröteten Händen einen Rollkoffer mit großer Aufschrift PAPPAS BEER umklammernd, in der anderen noch eine Plastiktüte, zur Seite kippend, dass ich schon aufspringen wollte, dann sich haltend, wegdösend und erstaunlicherweise die nächste Station CHURCH erahnend, hinauswankend. Es macht mich immer betroffen, vielleicht auch unsicher, gewahr, wie schnell eventuell der Schutz meines Passes, meiner Kreditkarte hinweggerissen werfen kann.

    Felicita, Amore, Azzurro sanft aus den Lautsprecherboxen, nicht ganz passend zu zugeknöpftem Anorak, Mütze.
    Wieder ein anderes Viertel, nicht explizit spanisch-mexikanisch, scheint mir. Different vielleicht.
    Gestern noch der Ausflug zur Golden Gate Bridge. Wie wohl an jedem Tag klart es hier ab Mittag aus. Die Sonne strahlt am durchgehend blauen Himmel. Der Bus führte mich über die Hügel in ein sonnendurchflutetes Strandviertel, mich an die Stimmung von REIFEPRÜFUNG erinnern, als Benjamin im Café sitzt und hofft, Elaine wieder zu treffen. Viele Restaurants, Bars, Strandhäuser, dann die breite Promenade, der Yachthafen, ich stieg aus, zog die Schuhe aus, spürte den Sand, während Kitesegler vor der Kulisse der Alcatraz Insel ihre Segel spannten, auf Finnschwertern dann dahinradren, über die Bay hinweg. Langsam näherte ich mich der berühmten Brücke, vorbei an Crissy Fields, einem ehemaligen Militärstützpunkt, vorbei an weiß getünchten Holzhäusern aus der Zeit, immer im Blick die roten Stahlaufbauten und die Stelle, an der James Stewart in VERTIGO Kim Nowak aus dem Pazifik fischte. Ich dachte an die anderen San-Francisco-Filme und stellte mir die Frage, ob ich mal wieder eine Filmreihe machen sollte. Aber wie lange will ich das Kino überhaupt noch machen?
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  • Pick up joy

    18. april 2025, Forente stater ⋅ ☁️ 11 °C

    Inzwischen ist ein weiterer Tag angebrochen, natürlich, wie ich es kenne, alles in grau und kaum mit anderen Menschen erfüllt - auf den Straßen. Hier dagegen füllt sich das brasilianisch orientierte cafedecasas rasch. Vor mit stehen ein Cappuccino, ein Orangensaft und ein Kokoshefebrot - rosco da Coco - leicht gewärmt. Die Einrichtung und die Wände sind in Weiß gehalten, neben mir spielt eine Familie Karten, mir eine schöne Erinnerung an all die Momente gebend, die ich selbst mit meinen Kindern hatte. So innig, so in sich geschlossen. Dass kaum die Umgebung auffiel oder registriert wurde.
    Die Cable Car führt direkt hier vorbei, ich habe den 30er-Bus genommen, wie gestern Abend und an den Vortagen. Langsam prägt sich die Topographie der Stadt ein. O Farrell, Stockton, Mason, and so on.
    Gestern abend habe ich beschlossen, kein Mietauto zu nehmen, sondern in ein billigeres Hotel in einem anderen Viertel umzuziehen und von dort Ausflüge zu unternehmen. Es fühlte sich plötzlich richtig an. Mehr zu sich zu kommen, nicht dauernd Neues zu suchen, den Tag damit zu verbringen, sich zu organisieren. Außerdem dort zu sein, wo mehr Leben ist, wo sich die Menschen aufhalten. Downtown ist, so wahrscheinlich auch anderswo, nur Geschäftsort, kaum auch der Ort für gutes Essen.

    PICK UP JOY. Die Dinge positiv zu nehmen, das scheint mir hier ganz anders als bei uns zu sein. Manchmal ist es schwierig, vielleicht auch kaum mehr möglich, wenn man die Nachrichten zu sehr an sich heranlässt. Oder das Mitgefühl, das man durch Kinofilme über andere Länder, Situationen oder Konflikte lernt. Gestern in HONEYMOON über einen ukrainischen Intellektuellen, - Künstlerpaar am Vorabend der russischen Invasion. Sie beschließen zu bleiben uns verbringen sechs Tage still in ihrem Apartment, ohne auffallen zu wollen. Es hätte ein Horrorfilm werden können, ist aber eher einer der Annäherung, der Festigung der Beziehung, ohne die Wut auf die Aggressoren zu verzichten. Die Hauptdarstellerin will sie tot sehen, bis in die siebte Nachfolgegeneration hinein. It's not a conflict. It's war.
    Neue Erfahrungen als Beglückung zu sehen, ist ungewöhnlich. Sind sie es, auch wenn sie zunächst mal schlechte sind? Der zweite Film gestern Abend THE DEVIL SMOKES handelte über fünf Kinder, die von Eltern in Mexiko verlassen werden und mit der Großmutter ihre Fantasiewelt leben, bis die Fürsorge sich ihrer annimmt - wahrscheinlich. Am Ende betet der kleinste von ihnen, dass Mama und Papa zurückkommen sollen. Dann bläst er die Kerzenflamme vor sich aus und geht aus dem Zimmer. Doch eine Geisterhand entfacht sie aufs Neue, so dass sie im Schlussbild brennt.
    Der gestrige Tag war von einer langen, langen Wanderung durch die Stadt geprägt. Eindrücke über Eindrücke. Menschen im Café, Menschen im Museum, am Strand. Gegenüber hat sich eine inzwischen fünfköpfige Männer Gruppe eingefunden, viel diskutieren, reden, retired, zur Linken ein Mann wie Bill Clinton, ausschweifend mit den Händen seine Argumente anbringen. Gerade führt aber der Mann unter der schwarzen eng anliegenden Mütze das Wort. Stammtisch im cafedecasa.
    Als wäre der Name des Museums inmitten des Golden Gate Parks Omen gewesen, drehte sich die Ausstellung zwar um Paul McCarthneys Fotographien im Zeitraum 1963 und 1964, doch beim im wahrsten Sinne des Wortes näheren Hinsehen vor allem um die Jugend, die Ausgelassenenheit, Joy, den Unglauben über dies Beatlemania, das Genießen einfach, Staunen, ohne zu wissen, was kommen würde. Anfangs traten die Beatles noch mit den Künstlern der damaligen Zeit auf, dann waren sie die Stars. Die anderen Künstler von damals kennt kaum einer mehr, die Beatles fast jeder immer noch. Sie haben mit etwas verändert in dieser Welt, oder waren einfach Ausdruck eines Zeitgeistes, einer Entwicklung, die kommen musste.

    Die Ausstellung war sehr gut besucht, 32 Dollar Eintritt, viele ältere Leute natürlich, viele Fotos kaum der Rede wert bzw. nur, wenn sie diese Jugend wiedergaben.
    Vom morgendlichen Café in Castro einem Berg hinaufgestiegen, am Ende von einem roterdigen Felsen über San Francisco bis zum Meer blicken konnte, überwölbt von grauen Wolken. Weiter durch ein sehr wohlhabend wirkendes Viertel mit vielen architektonischen Verzierungen an den Fassaden. Der daran anschließende Park war riesig. Eine breite Straße für Läufer und Radfahrer, auf Glasflächen verteilte gelbe Plastikstühle zum Verweilen, die Möglichkeit, den botanischen Garten, das japanische Teehaus oder einen Blumenmarkt zu besuchen, jedes für 30 Dollar. Ich verzichtete und ging weiter zum Museum, dessen Ausstellungsankündigung ich nur durch Zufall an einer Bushaltestelle gelegen hatte.
    Eine Sektion kümmerte sich um amerikanische Sammlungen. Im Gegensatz zu früher haben sie inzwischen ihre ausgeprägte Geschichte. Die Nähe zu Europa gibt es nicht mehr. In meiner Jugend hat man noch ein bisschen auf die Kulturlosigkeit des Landes heruntergeladen, weil man an die vielen Einwanderer samt ihrer Kultur dachte. Aber was damals 15 oder 25 Jahre her war, ist heute 75 oder 80 Jahre her. Generationen sind nachgewachsen und die Bilder drücken mehr und mehr Eigenständigkeit aus, kulminierend in Edward Hoppers Werken. Auch hier wurde eines ausgestellt, die main street zeigen an Hand einer Abzweigung in die Technik, den Wohlstand, das Öl. ESSO prangt rechts oben am Bildrand.
    Isaac Julien war eine weitere Ausstellung des Museums gewidmet. Nochmals eine andere Geschichte, Ausbeutung der schwarzen Bevölkerung, in der Geschichte, der Kunst an Hand einer Installation mit drei Leinwänden.
    Wieder im Freien suchte ich den Weg zum Pazifik. Er war etwas länger als ich dachte und ich hatte mal wieder kein Wasser dabei. An einem foodtruck endlich lernte ich, wie man erschwinglich ein bisschen Essen bekam und etwas zu trinken. Nur Cola. Wasser oder etwas anderes wurde nicht angeboten. Ich war müde - die Zeitverschiebung machte mir immer noch zu schaffen - und ich legte mich zwischen die Dünengräser. Der Pazifik. Mächtige Wellen, aber immer noch zu schwach für die paar Surfer. Strandläufervögel. Das Meer.

    Viele Gedanken. Die Wellen, das Rausche n begünstigen diese immer wieder. Wohin, wer, woher?

    Von einem Moment auf den anderen kam die Sonne heraus. Ich bemerkte es fast gar nicht, weil ich mit dem Bus nach Marina Heights unterwegs war. Plötzlich war sie wieder da. Diese Klarheit des Blau, als der Bus von dem ocean beach Strand zur golden gate Bridge hochfuhr, dort eine Menge Touristen entlud und auch wieder aufnahm, im Hintergrund die roten Aufbauten und Seile der Brücke. Mit Tempo ging es hinunter, das erste Mal an diesem Tag hell und herzerweitend, gleißend, wenn auch noch nicht wärmend. Ich mischte mich unter die Ausflüge. Es war Freitagabend. Pick up joy.
    Nochmals wanderten die Gedanken zurück zu der Reise vor 45 Jahren. Niemand von uns wusste, was aus uns werden würde. Wir blieben irgendwo stehen und besahen uns die Brücke. Im Hintergrund die Stadt, damals noch ein paar Hochhäuser weniger. Sind wir hineingefahren, daran vorbei?

    Der Cappuccino ist ausgetrunken. Die beiden jungen Männer debattieren weiter über das kommende Leben und die Politik, eine ältere Dame bestellt Uhr wohl übliches Frühstück. Zwei Tische weiter schreibt ein junger Mann etwas in sein Notizbuch. Senza Madonna erklingt aus den Lautsprechern.
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  • Berkeley

    19. april 2025, Forente stater ⋅ ⛅ 12 °C

    Natürlich suchte ich den Brunnen, an dem Dustin Hoffmann saß und auf Elaine wartete. Ich denke, ich fand ihn, auch wenn er ganz anders aussah, neu betoniert war und nur im extremen Teleobjektiv so wirken konnte.

    Berkeley also und Calday - Empfang der neuen StudentInnen. Ein riesiges Gelände, dazwischen Parkflächen, Waldstücke und eine Reihe japanisch anmutenden blühender Kirschbäume. Darunter wurde auch wirklich in japanisch wirkenden Outfits posiert und Kitsuke probiert. Etwas weiter schon die Vorbereitungen, die wohl am Abend in einer Gala im Stadion ihren Höhepunkt finden würden. Allein die Größe musste einen stolz machen. Der Studienbeginn war ein Ereignis, mit Eltern, Professoren, alten und neuen StudentInnen. Ich umrundete das riesige Gelände, stand am Ende vor dem veraltet anmutenden Eingang des Edwards Stadiums, im Stil des Brutalismus würde ich sagen.

    In einem Studentenlokal, wartend auf eine zu große und leider nicht gut schmeckende Pizza, dachte ich über den Film mach, den ich gesehen hatte. CUTTING THROUGH THE ROCKS. Die Zuschauer waren begeistert. Es gab eine standing ovation im Kino. Ja, so wäre man in Berkeley, hieß es, sich klar von San Francisco abgrenzen, warum auch immer. Der Film handelte von einer Iranerin, die es im Nordwesten des Landes schaffte in ein lokales Council gewählt zu werden. Ihr Vater hatte sie sehr unterstützt, bis er gestorben war. Seitdem war sie allein geblieben, hatte als Hebamme 400 Kinder zur Welt gebracht und fuhr Motorrad. Sie wurde auch wirklich gewählt, verlor aber durch Gerichtsprozesse schnell die Möglichkeit etwas zu gestalten. Vieles an dem Film wirkte gestellt, in Diensten des cineastischen Vorgehens, wie die Regisseure ausführten. Ist das der Weg zur Wahrheit? Das Schlussbild mit den sechs jungen Frauen, die hintereinander Motorrad fahren, wirklich ein Fortschritt? Es ist eindeutig inszeniert.

    Ansonsten...kein so vollgestopfter Tag, das Röhren der Seelöwen, ihre Spiele miteinander am Pier 39, ein Riesenrad wie in Scheveningen auf der Mole, ein steiler Felsen zwischen den Hochhäusern, ein paar interessante architektonische Fassaden und die Sauna des Hotels, das ich morgen verlasse.
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  • Strolling around on a sunday morning

    20. april 2025, Forente stater ⋅ ☀️ 12 °C

    Nicht wissen, was von einem liegt, den Moment nehmen, der sich bietet, den Weg einschlagen, von wem man vorher nichts wusste. Plötzlich steht man vor dem drittgrößten Martin Luther King Memorial in den USA und liest wieder Zeilen, Aussprüche, die ein ganzes Leben bestimmen können, aber oft nur könnten, weil man sie vergisst. Ein klug gewähltes Denkmal, nur ist es hinter den Wasserfällen kalt, obwohl die Schriften einen wärmen. Oder ist es so gewollt?
    Die Frage stellt sich natürlich immer wieder auch im Museum, das wie viele andere schon an sich ein besonderes architektonisches Ereignis ist, viel bombastischer als das kurz vorher in der Maiden Lane gesehene, von Frank Lloyd Wright konzipierte kleine Gebäude, dessen Inneres vermutlich ein Vorläufer des Guggenheim Museums war. Die Maiden Lane war vor 100 Jahren noch die Straße mit der schlimmsten Prostitution und 100 Morden im Jahr. Wer hätte vermutet, dass 100 Jahre später an dieser Stelle nur die feinsten Boutiquen ihre Waren ausstellen würden?
    Künstler sind ihrer Zeit voraus, stellen, wenn sie gut sind, die Fragen nicht nur ihrer Generation. In dem San Francisco Modern Art Museum gibt es eine ganze Etage von German Art after 1960. Gerhard Richter an erster Stelle, die Ansicht von Madrid, die auf den ersten Blick wie eine zerbombte Ruinenstadt wirkt, das Meer daneben, das monströs wirkt, ewig, ohne all unsere Emotion, Interpretation oder Wissen. Es ist einfach da. JANUS interessierte mich wegen des diesjährigen Festivalplakates, aber auch die anderen Werke beeindrucken mich tief, mehr als die Werke von Anselm Kiefer oder Sigmar Polle. Höhepunkt auf dieser Etage war aber die Installation THE VISITOR. In einem großen, schwarz gehaltenen Raum zeigten 13 Leinwände (ich habe sie ehrlich gesagt nicht gezählt, nur aus der Erinnerung) die Aufführung einer Musik, gleichzeitig aufgeführt in den verschiedenen Zimmern einer isländischen Villa. Eine so starke Aussage von gemeinsamer Kreativität habe ich selten gesehen. Vor allem nach einem zögerlichen Beginn der Vorbereitung auf jeder Leinwand, zu der dann andere nach und nach 'erwachten' waren die Töne und der Gesang ein Ereignis.
    Ich sitze in der Sonne auf der Gartenterrasse des Museums. Fünfter Stock, umgeben von Wolkenkratzern vor blauem Himmel. In der Sonne ist es warm, am Boden suchen Tauben nach Essensresten. Wenn man aus den riesigen Fenstern des Museums schaut, wirkt die Aussicht selber wie eine Kunstfotographie an sich oder auch ein Bild von Hopper.
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  • El Capitan

    20. april 2025, Forente stater ⋅ ☀️ 14 °C

    Ein weiterer Tag geht zu Ende, die Luft ist warm, wir stehen auf einem typisch amerikanischen Parkplatz, denn zuasphaltiert ist wahrlich alles, was möglich ist. Das Essen ist mäßig, genauso die Getränke, fast food eben, dazu Süßgetränke, in diesem Falle eine Salatbar, das ist noch das Beste. Dazu die dauernde Frage nach dem Tip, dem Trinkgeld, auf jeder Bezahlung, mit Karte sowieso. Beginnt bei 18 Prozent...der Busfahrer, der den Tag mit uns bestritt, hat schon dreimal davon gesprochen. Es wandert in seine Tasche, er wirbt förmlich dafür...hmmm, vielleicht sollten sie mal ihr System der Bezahlung ändern. So haben es die Chefs natürlich einfach zu diskutieren. Dabei sind die Preise eh schon doppelt so hoch wie bei uns.

    Gerade passieren wir einen Laden, wo man alle möglichen Waffen erstehen kann. Was soll man da sagen? Am Morgen las ich die New York Times, die gute alte Times, die schon Gesine Crespahls Leben begleitete. In einer Öffnung den Lesern hin stellte sie ihre Missionen oder Vorstellungen da. Da ist sie viel weiter als die SZ. Einfach Position beziehen. Die Trump-Wähler wurden gefragt, ob sie inzwischen ihre Stimmabgabe bedeuten. Leider nein, kein einziger. Endlich tut einer mal was und der Spruch, dass all die Veränderungen momentan zu Härten führen können, am Ende aber more gain bedeuten, verfangen eindeutig. Und ich vermute, dass auch bei uns eine wachsende Bevölkerungsmenge den völligen Wechsel, Abbau aller Subventionen, Unterstützungen, auch Kultur will. Es scheint mir zu kommen, noch vier Jahre vielleicht nurmehr. Dazu- in Berkeley, der Studentenstadt sind drei Kinos geschlossen worden, die Kinos, in denen das San Francisco Filmfestival stattfindet, sind schäbig und nur zur Hälfte besucht. Das Gefühl beschleicht einen, dass das Kino tot ist und auch nicht mehr belebt werden kann. Die Zahlen daheim zeigen es, sie sind, wenn man ehrlich wäre, nicht einmal der Rede wert, zwischen 0 und 10 und meist BesucherInnen, die mit Kino groß geworden sind. Keiner, mit dem ich mich hier unterhielt, ging noch ins Kino. Heute sprachen wir über FREE SOLO und ich wurde nur gefragt, ob es ihn auf Netflix gäbe.

    Oder wird ein Wunder geschehen? Auf dem gestrigen Abendspaziergang entdeckte ich ein Monument, das zuerst wie eine Ruine wirkte. Riesige griechische Säulen umgeben ein hoch aufragendes Säulengeviert, das eine geschmückte Kuppel trägt. An dem künstlich angelegten See ist es ein Relikt einer Weltausstellung aus dem Jahre 1915, auf der die neuen Errungenschaften dargeboten wurden - telefonieren über den Atlantik, und so weiter. In Blickweite in einem Park befinden sich die One-Letterman-Buildings. Ich musste mich Erft kundig machen, auch wenn die kleine Jodastatue schon den richtigen Weg wies. Hier war Lucasfilm untergebracht, Gier waren die ganzen StarWars Filme konzipiert wurden, vor allem die letzten. Auch sie haben die Welt verändert, auch hier gab es ein Vorher und ein Nachher.

    Dagegen stehen die Erlebnisse dieses Tages auf einer scheinbar ganz anderen Skala. Das Yosemite Valley existiert einfach, wie die Bären, die Berglöwen, die Squirrels oder Skunks. Die Natur ist überwältigend, die Wasserfälle krachend, berstend, rauschend, donnern, monströs, kraftvoll, mächtig, vor 45 Jahren, als ich das erste Mal da war, und heute. Dennoch sind die Änderungen unübersehbar. Immer mehr Waldbrände haben den Wald zu einem Meer von grauen Toren Stecken werden lassen. Es regnet nicht mehr von April bis November. Das Gras wird immer trockener, die Flüsse, die wir heute noch sahen, die pompösen Wasserfälle, versiegen im Laufe des Jahres.

    Ich stieg zum Yosemite Fall hoch, übersah dabei die Zeit, zu der ich wieder am Bus sein sollte, rannte hinunter, kam dennoch zu spät, was zum Glück aber keine Auswirkungen hatte. Danach besichtigten wir noch Sequoia-Bäume, oder besser die Überreste davon. Die mächtigen Riesen, vor 2000 Jahren entstanden, hatte auch das Feuer hingerichtet. Ihre Stämme lagen quer zum weg. Der, durch den man früher den Waldweg gelegt hatte, ragte außer dem noch sichtbaren Tor für die Fuhrwerke schwarz verkohlt und erheblich verkürzt in den Himmel.

    Ein langer Tag, die Sonne ist untergegangen und der Yosemite-Park wird wahrscheinlich jetzt wieder eher der Natur gehören, bis morgen die nächsten Touristenladungen auftauchen. El capitan, dieser von Gletschern glattgeschliffene Granitberg, steht davon unberührt im Schnee, Regen oder morgen wahrscheinlich wieder in der Sonne.
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  • 8 millions and 800 thousand

    22. april 2025, Forente stater ⋅ ☀️ 14 °C

    Ganz langsam senkt sich die Nacht über die Chestnut Street, den Palace of fine arts und die Golden Gate Bridge in der Ferne. Der Himmel wird dunkler und dunkler, die Lichter treten mehr und mehr vor dem sich dunkel färbenden blauem Himmel heraus. LET IT BE erklingt aus dem Spotify-Kanal, den ich eingeschaltet habe. Ich sitze am Fenster meines Motelzimmers. Wenn ich die Beatles jetzt höre, werde ich eine Weile an die Fotoausstellung im DeYoung-Museum denken. Der letzte Abend in San Francisco ist angebrochen. Meine Füße tun weh. Mehr als 20 km jeden Tag gegangen. Knieschmerzen, die nicht vergehen und die mich ärgern. Voller Wehmut schaute ich den jungen SportlerInnen auf dem Sportplatz zu. Baseball, Rugby, Tennis, Laufen. Überall Jogger, immer und überall. Die Welt der Vororte ist hier anders aus als bei uns, wirkt lebendiger, jünger, weniger ernst, ehrlich gesagt.
    Zum Sportthema passt der Film, den ich als letztes im San Francisco Filmfestival soeben gesehen habe. JULIETTE KEEPS SILENT, zweifellos wieder ein guter Film, diesesmal aus Belgien. Juliette spielt Tennis. Im erden Bild, die alle aus starren Kameraeinstellungen bestehen, rennt sie immer wieder hinaus. Bekommen wir sie zu fassen. Ja. Immer mehr wird sie sichtbar, Mittelpunkt der Bilder. Ihr Trainer ist Übergriffe geworden. Sie war von ihm abhängig. Eine Mitspielerin mit dem gleichen Trainer hat sich das Leben genommen. Doch Juliette redet nicht. Zu sehr ist sie abhängig. Nur langsam langsam löst sie sich. In Andeutungen, sowohl bildlich wie textlich. Einmal meint man, dass der Film.zu Ende ist und alles offen lässt, doch dann holt er noch einmal aus, bringt den Übergriffe des Trainers zum Ausdruck. Juliette wird reden.
    Spotify schlägt Sounds of Silence vor. Ich denke an Berkeley, bleibe dabei, als auch noch Mrs. Robinson ertönt. Die Geschichten sind bald 60 Jahre her, ich bin mit ihnen aufgewachsen, inzwischen gehören sie zum Repertoire der alten Leute. Da ist nichts zu ändern. Ich denke an den inzwischen betonierten Brunnen im Universitätsgelände.
    Heute wollte ich einen ereignislosen Tag haben, vor allem nach den morgendlichen Schwierigkeiten daheim, nachdem mich der Wecker um 4.30 Uhr Ortszeit aus Versehen weckte. Mein Gehirn sprang an, ich richtete die Dispo, schaffte es danach noch einmal einzuschlafen, suchte eine Bäckerei, beschloss dann einen Bus zu nehmen und lernte im Laufe des Tages endlich die Geheimnisse der Clipper-App, die mich durch den Nahverkehr der Stadt die ganze Zeit mit vielen Tücken brachte. Überquerte Die Golden Gate Bridge, stieg am oberen Ende von Sausalito und ging wir immer mit schmerzenden Knie die Serpentinen herunter vorbei an Häusern, die architektonisch immer wieder interessant an den steilen Hang mit prachtvollen Aussicht gebaut waren. Unter den davor stehenden Wagen war auch ein Mercedes 500. Die Anwesen mussten Millionen kosten - und wirklich, in einem Schaufenster an der Promenade von Sausalito, wurden die Anwesen von Engel&Völkers, auch hier also, angeboten. 8,895.000 Dollars. Ist das noch verhältnismäßig? Gerecht? Sinnvoll?
    Viele solcher Gedanken an diesem Tag, aber auch über meine Unfähigkeit, bei der es fast erstaunlich ist, dass ich irgendwie weitergekommen bin. Ich wartete an einer Bushaltestelle, mit klarem Plan, zum Muir Woods Monument zu fahren, samt genauer Taktung, da mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Rückkehr schwierig werden könnte. Ich wartete also. Der Wind blies stark, dehnte mich, um die Knie zu entlasten, eine schwarz gekleidete Frau mit Rucksack ging vorbei, bemerkenswert, weil sonst niemand hier spazierenging oder zu Fuß sein Ziel suchte wartete 13.05 Uhr sollte der Bus kommen, was war 13.03 Uhr, ich schaute, kein Bus, nur der übliche Strom der Fahrzeuge in Richtung Freeway, ich schaute wieder, endlich kam der Bus, ich stieg ein, nein Clipper funktionierte mal wieder nicht, aber ich sollte mich einfach setzen, tat dies, schaute in mein Handy, suchte nach der Route, schaute auf, runzelte die Stirn, schaute ins Handy, fand die Route nicht mehr und - wusste, dass ich im falschen Bus war. Die Busfahrerin bestätigte es, lud mich am Freeway ab. Ich war frustriert, überquerte Die Autobahn, um an der Busstation zurück zu warten. Autos, LKW s und Busse donnerten vorbei wie damals, als ich wirklich gedacht hatte, per Anhalter aus Flagstaff wegzukommen. 44 Jahre später hatte sich an der Absurdität der Situation nichts verändert.
    Dann kam ein Bus, Eintritt an diesem Tag war frei, warum, wusste der Busfahrer auch nicht, und ich gelangte nach Marin City kurz vor Sausalito. Ich hatte einen anderen Plan. Hausboote anschauen, sehr liebevoll dem Ort vorgelagert, einen Kaffee trinken, ebenfalls liebevoll von einem Portugiesen zubereitet, dabei die Kontaktlinse zu reinigen, die durch den Wind und die somit hineingetragenen Staubkörner Schmerzen verursachten, und die Fähre nach San Francisco zurückzunehmen, vorbei an Alcatraz, wieder mit Blick auf Golden Gate Bridge, aber auch der langen Oakland Bridge. Das Leben ist, wie es ist, auch wenn man Pläne über den Haufen schmeißen muss.
    Auf der Fähre posierten drei spanisch sprechende Mädchen, aber auch zwei dunkelhäutige Mädchen, vor den Piers boten Mexikaner und ihre Familien Essen an, spielten eine Musik ab und bewegten sich dazu, ein UPS Fahrer hielt neben mir und fragte, ob ich Bob wäre. Er lachte dabei. Ich verneinte. Haben wir schon mal einen lachenden UPS Fahrer bei uns gesehen? Sie dachten oder verglichen sich auf alle Fälle nicht mit dem 8,895.000 Dollar-Angebot für ein Haus in Sausalito.
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  • Pazifik

    23. april 2025, Forente stater ⋅ ☁️ 12 °C

    PAZIFIK - so nannte ein gewisser Balboa das Meer vor sich, als er es sah, still und weit vor sich. So wurde es der Stille Ozean, obwohl er wahrhaft auch stürmisch sein kann. Er breitet sich vor mir aus und zuerst sind es einfach nur erst einmal nur die Vorstellungen davon. Im Süden gibt es wohl bis zur Antarktis nur Wasser, eine ganze halbe Erdkugel. Und nach Osten sind es 12 Stunden inzwischen nach Hause.
    Um sechs Uhr sind die Straßen bereits relativ gut gefüllt, wahrscheinlich ist es mittags eher kaum auszuhalten. Wir werden sehen.
    Nach einem eher grauen Restmorgen in San Francisco mit Besuch der Lombardstraße, die an einer Stelle so steil ist, dass sich die gerade Straße doch einmal in Serpentinen auflöst. Bekannt aus vielen Filmen. Genauso natürlich Meister Joda vor dem Presidio-Lucasfilm-building. Weniger wohl Andy Golsworthys unspektakuläre, aber dadurch umso beeindruckendere Woodline. Eukalyptusstämme bilden die sich schlängelnde Form, langsam wird sie vergehen, doch noch spielen Kinder damit, ist es Kunst in der Natur, bewusst vergehende Kunst.
    Sehr froh gewesen, Vincent zu treffen, mit ihm während des Fluges ohne jedes Esse n reden zu können, durch die dunkle Nacht zum Hotel zu fahren, schließlich noch auf dem Sun Deck im zehnten Stock auf der Terrasse zu sitzen, begleitet vom Wind und dem Rauschen des Pazifiks.
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  • Seemandelbaum kurz vor Sonnenuntergang

    24. april 2025, Forente stater ⋅ ⛅ 25 °C

    In Windeseile sind vier Tage vergangen und es blieb kaum Zeit etwas zu erzählen, wegen Müdigkeit und auch Erschöpfung. Schließlich bin Vincent zusammen, um 2ü Jahre jünger, berstend vor Energie und Plänen, was man noch alles machen könnte.
    Nach einiger Überlegung beschlossen wir - noch etwas mitgenommen vom Jetlag - am Donnerstag ein Mietauto zu nehmen und Hawaii zu erkunden. Wir fuhren aus Honolulu heraus, hielten an der Küste, unter uns das Meer in seinen türkisenen Farben über Sand und Stein. Weite. Ein Felsen wie eine riesige aus dem Meer wachsende Hundeschnauze, keine Wale, kleiner Imbiss zwischendurch, Orte wie amerikanische Vorortsiedlungen, dann immer wieder steil abfallende grüne berühmte, aus Vulkanen entstanden, zackig, kantig, ohne die Felsen wie bei uns.
    Schließlich ein weiterer Halt bei den SEVEN BROTHERS, einer kleinen Burgerkette im Norden Hawaiiis. Die Bedienung mit seinen hellen blauen Augen wie das typische Bild eines amerikanischen Surfers. Die Burger waren sehr gut, da nicht so fettig. Schließlich in der Hoffnung auf Sonnenuntergang ein Strand, ein bisschen Baden im Pazifik, im Schatten der Katappen- oder Seemandelbäume Gespräche über die Familie, Vergangenheit, Zukunft und die Weltlage. Die Sonne verschwand bald hinter den Wolken. Wir fuhren nach Honolulu zurück, kauften ein, um im Hotel zu essen, oben auf der Dachterrasse, genossen noch kurz im warmen Abendwind den Blick über Promenade, schauten dem Verkehr zu, bis zu den Hochhauslichtern im Hintergrund.
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  • Aihualama Trail

    25. april 2025, Forente stater ⋅ ⛅ 27 °C

    Am Morgen versuchte ich mich erst einmal nach einem für mich längeren Jogging Ausflug- im Vergleich zu Vincent sind das alles Spaziergänge und keine Entfernungen- zu ordnen und die restlichen Tage, durchaus auch mit CHATGPT zu planen, kam aber durch die digitalen Medien mal wieder in Schwierigkeiten. Denn ich schloss nach Bezahlung des Fluges nach Kuaii mein Fenster zu schnell, hatte keine Email bekommen und fand es auch im Verlauf nicht wieder, da CHATGPT wohl einen anderen Browser benutzt hatte. Aber im Chat mit der Airlines schaffte ich es dann doch, nur mit meinem Namen auch die Bestätigungsnummer zu bekommen.
    Ein weiteres Problem war, dass der Busfahrer nur Bargeld nahm, ich also wieder aussteigen und erst einmal Geld wechseln musste. Nachdem dies erledigt war, gelangte ich nach einiger Zeit in die Vororte an den Hügeln von Honululu. Von dort führte die Straße zum Visitor Center des Manoa Waterfall Trails. Ein Hühnerfamilie gackerte um den Eingang herum. Der Weg führte rasch in eine erstaunliche Natur, mit riesigen Bäumen, schirmenden Kronen, unzähligen Farnen oder Pflanzen mit ausladenden Stengeln und Blättern, natürlich auch Palmen. Sehr viele Wanderer natürlich. Kurz vor dem Wasserfall bog ich auf den geplanten Aihualama-Trail ab und nun umgaben mich nur mehr dichte Bambuswälder. Zügig ging es voran, nur an wenigen Stellen etwas beschwerlich, ansonsten über viele Wurzeln, später rutschigere Stellen. Ich nahm mir vor, bis spätestens 1530 Uhr hoch zu steigen, um rechtzeitig zurückzukommen. Um kurz vor drei Uhr erntete ich schon meinen Lohn. Ein Point of view mit erhöhter Bank. You made it, rief mir die junge Frau eines Paares entgegen. Dafür fotographierte ich alle beide. Als sie gegangen waren, genoss ich den weiten Ausblick auf andere Ridges, noch höhere Berge, den freeway im Tal und sogar schon das Ende der Insel. Ich war stolz und zufrieden mit mir.
    Der Abstieg war dann problemlos, die Rückfahrt lange, durch Vororte, das Museumsviertel und die vom Menschen und Verkehr gefüllte Kuhio Avenue, die zum Hotel führte.
    Abends kam Vincent noch rechtzeitig zum Essen und wir erzählten uns noch dies und das, bevor ich einen der Filme auf meiner Liste für das Festival sichtete. Filme gibt es genug. Früher hatte ich immer Angst, ich bekäme kein Programm zusammen. Das hat sich geändert, jetzt werden mir sogar Filme angeboten.
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  • Es kam, wie es kommen musste

    26. april 2025, Forente stater ⋅ ⛅ 26 °C

    Manche Tage beginnen nicht ganz optimal und setzen wich dann so fort. Ich hatte vergessen, mein Handy über Nacht zu laden und instinktiv wusste ich, dass das noch schwierig werden würde.
    Zunächst brachen wir früh auf, konnten sogar noch einen Besuch bei 11 Bakery einschieben, um zwei krapfenähnliche, mit Vanille und Zimt gefüllte Süßigkeiten zu erstehen. Vincent kaufte mir sogar einen Kaffee, aber eben einen normalen und der macht mich eher nervös.
    Vom Ende der zweiten Bushaltestelle mussten wir bis zum Beginn des w noch entlang des freeways und durch einen ganzen Vorort laufen, angesetzt dafür waren 70 Minuten. Vor den Garagen der typisch amerikanischen Häuser standen viele kaputte Wägen mit flat tyres oder anderen Schäden. Seltsam. Nach 45 Minuten waren wir auf dem Spielplatz, wo der Trail begann. Die Gespräche trieben uns voran. Es gibt viel um die Vergangenheit, Monika, Situationen damals, eigene Erkenntnisse über mich. Seltsam für mich, dass ich für andere eher stur oder voller klarer Vorstellungen wirke. Ich höre es ja von vielen. In mir ist das gar nicht so, lasse ich mich eher von äußeren Einflüssen leiten, entscheide ich mich spät, aber dann wieder denke ich, dass doch etwas Wahres dran ist. Auch zu wenig am Ende zu sprechen. Ich sage es so, weil in meinem Gefühl habe ich doch alles andere schon x-mal vorher besprochen.
    An einem ausgetrockneten Flussbett fand Vincent in hohen Gräsern und bei genauer Lektüre der Karte den Trail nach oben. Moanalua Valley und Tripler Ridge Trail. Nach wenigen Minuten Anstieg fühlte ich, dass ich zum einen nie Vincents Geschwindigkeit mithalten konnte und zum anderen einfach nicht fit war. Ich ließ ihn vorlaufen, spürte aber mehr und mehr und trotz Pausen, dass mir die Energien ausgingen. Trotz einer Banane und einem Liter Wasser fühlte ich mich der Sonne ausgesetzt. Dennoch setzte ich mir das Ziel, wenigstens den ersten Aussichtspunkt zu schaffen. Der Trail war steil und rutschig, dann wieder sehr stark ausgetreten und vor allem diesesmal kaum im Schatten. Kurz vor Erreichen meines Ziels kam mir Vincent schon wieder entgegen. Er hatte es inzwischen bis ganz oben und zu frei weiteren Gipfeln geschafft. In weniger als einer Stunde...tja, bewundernswert. Zusammen kämpften wir uns zu meinem Ziel. Ich keuchte. Dann stiegen wir ab. Ich rutschte aus, ich glitt weg, ich konnte einfach nicht mehr. Hatte Durst. Keine Energie. Der arme Vincent. Er wartete, versuchte aufzumuntern. Irgendwie schaffte ich es herunter, hatte aber vergessen, das Handy wieder auszuschalten. Dadurch hatte es gar keinen Akku mehr. Wir hatten gehofft, ein Taxi zu bestellen, konnten es aber nicht mehr, da Vincent kein Internet hatte.
    Der Weg führte erst einmal weiter. Über mehrere ausgetrocknete Flüsse vorbei an dieser Pflanzenpracht und einem Stein, der mit seinen Steinzeichnungen vom Leben vor Tausenden von Jahren kündete. Ich dachte an die Steineinkerbungen in Kambodscha irgendwo im Dschungel nach einem kleinen Anstieg. Mit Lorin ging ich noch den Fluss hinunter, eine Frau betete vom Gefühl eine der alten Göttinnen an, ich kehrte erst um, als ich mich an die Gefahr der Landminen erinnerte.
    Vincent erzählte die Geschichte, die er seinen Kindern erzählt hatte. Von dem Bild, in das man hineinspringen könnte und in dessen Welt man dann wäre. Wie bei Mary Poppins. Ich dachte an eine Zwei-Tages-Tour zum Krottenkopf mit Katharina. Die ganze Zeit musste ich eine Geschichte erzählen, um sie bei Laune zu halten.
    Wir erreichten den Spielplatz, hielten kurz an, überlegten, was wir tun könnten. Es gab keine andere Wahl. Zurückgehen, durch den Vorort, entlang des freeways. Keiner erzählte mir dabei Geschichten. Habe ich schon erzählt, dass ich eine Stunde vorher schon fix und fertig war? Wir gingen und gingen, versuchten der Alternativlosigkeit Positives abzugewinnen. Daran sind wir Deutschen ja auch Weltmeister.
    Ohne Handy weiß man auch nicht den Ort des Bushaltestelle. Vincent besorgte erst einmal in einem Militärhospital auf der Kuppe eines weiteren Hügels Wasser
    Ein Autofahrer wies uns den Weg zur Bushaltestelle, wir hatten kein Wechselgeld, doch Vincent in seiner sonnigen, Zutrauen schaffenden Art gelang es, mit dem Busfahrer einen Deal auszuhandeln und für zwei Fahrten zu bezahlen. Der nächste Busfahrer - Linie 2 nach Waikiki - lachte, als er den Zettel sah, der ihm das beschrieb und fragte, ob wir ihn in der Schule gefälscht hätten. Natürlich ließ er uns durch. Ich war nur noch müde und durstig, imaginierte Dusche und Fruchtsaft. Wir kamen in den abendlichen Stoßverkehr. Zu Fuß wären wir schneller als der Bus. Wir stiegen also aus. Ich kaufte einen Fruchtsaft. Dann ging ich die letzten Kilometer zum Hotel. Die Dusche wartete. Sagte ich schon, dass ich bereits vier Stunden vorher am Ende war und keine Kraft mehr hatte?
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  • Diamond Head

    27. april 2025, Forente stater ⋅ ⛅ 25 °C

    Dieser Sonntag ist schon wieder der letzte Tag auf Hawaii und irgendwie nähert sich die heimatliche Arbeit wieder. In der Früh nach dem morgendlichen Laufen durch den Park, ehemaliges Pferderennbahnareal und gestrigen Treffpunkt für Boyz II Men, die wir beide nicht kennen, die Dispo für die nächste Woche gemacht, dann am Strand gelegen, den Surfern und Volleyballspielern zugesehen, schließlich mit Vincent noch in dem Diamond Head National Park gegangen, einen Vulkankrater direkt neben der Stadt. Von der Kraterkante einen weiten Ausblick auf das Meer und die die Hügel hinaufwachsende Metropole. Imposant der klar gezeichnete Krater, den die Hawaiianer als Kultstätte ehrten. Später Militärstützpunkt. Ein glitzerndes Mineral wurde fälschlicherweise für Diamanten gehalten. So entstand der Name. Nach der Besichtigung des Bunkers wurden wir von einer amerikanischen Familie aus Cincinnati angesprochen, natürlich mit deutschen Beziehungen. Eine deutsche Weltreisende hielt am Ausgang an und fragte uns, ob sie uns ein Stück mitnehmen könnte. Zufälle...

    Langsam wurde es dunkel, wir gingen nochmals die Promenade entlang, bewunderten die letzten Surfer in der Dämmerung, Jugendliche um die 12, die auf den Wellen ritten, bis sie kurz vor der Mauer der Mole abschwangen. Zusammen mit den Tausenden anderer Touristen ließen wir uns noch etwas treiben, beobachteten sie, so wie es überall im Urlaub immer wieder interessant ist, einfach dieser seltsamen Spezies Mensch zuzuschauen, nur zuzuschauen.
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  • Kauaii

    28. april 2025, Forente stater ⋅ ☁️ 25 °C

    Beim Abschied von Honolulu stehe ich neben einem Kindergarten. Die Luft ist warm und erfüllt vom Lachen und Kreischen der 4- bis 6-jährigen. Im Hintergrund die schroffen grünen Berge, um die sich die ersten Wolken bilden. Am Nachmittag soll es regnen. Und am Strand im blauen Meer die ersten Surfer, Schwimmer, Spaziergänger. So wird es jeden Tag sein, leicht zu erinnern, wenn ich daran zurückdenken werde.

    Ausgedacht haben hier mir für den Abschluss Kauaii. Wie empfing mich die Insel. Grau und Dauerregen. Ich beschloss, gleich ein Mietauto zu nehmen, im Prinzip problemlos, doch bis jetzt weiß ich nicht, ob die Fernbedienung funktioniert. Erste Fahrt also durch Platzregen und über teilweise überschwemmte Straßen bis Kapaa. Vielleicht hätte ich mal vorher genauer über die Stelle lesen sollen, dass hier einer der regelrechten Orte der Welt(!) liegt. Tja zu spät. Bisher noch keine Sonne.

    Online hatte ich bereits die schlimmsten Rezensionen über das Hostel gelesen, der Eindruck war ähnlich bzw. Ich hatte wirklich so was noch nicht gesehen. Zweistöckigen heruntergekommenen Holzhaus, an die Kolonialzeit erinnernd. Eingang verschlossen, zum Glück konnte ich einen Mitbewohner ansprechen, der in einem Zimmer ohne Fenster vor sich hindöste. Cool uninteressierter Rezeptionist. Schlafraum mit acht Betten. Ich bekam das obere von einem Stockbett. Blick über parkähnlichen Garten direkt aufs Meer. Ich machte mir mein Bett, die Decke war wohl auch ein Bettbezug. Wir werden sehen. In einem Regal hat jeder seinen Part. Später kam eine dürre, weiß gedrehte Figur herein, den ich erst nicht verstand, bis er mir bedeutete, dass er weiter im Schweigen leben und nicht angesprochen werden wollte. Das kann ja heiter werden. Draußen regnete es weiter. Ich suchte ein Restaurant. Doch alle waren geschlossen oder irgendwie verfallen.
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  • Kapa'a Beach Hostel

    28. april 2025, Forente stater ⋅ ☀️ 22 °C

    Der Himmel ist strahlendblau, die Sonne über den Palmen aufgegangen. So wird es nicht bleiben. Ich muss mich beeilen, um noch etwas von diesem Wetter mitzubekommen.
    Café. Warte auf meinen Cappuccino. Es ist gleich sieben Uhr früh, aber hier ist es bereits gut gefüllt.
    Noch einen langen Spaziergang unternommen, gestern. Was für ein Kontrast. Regennasse Promenade direkt am Meer, riesige Wasserpfützen, Gärten, etwas heruntergekommene Holzhäuser, im Garten mal einfach ein Auto, alles darauf ausgerichtet. Daneben das Meer, irgendwie Trott der Welle sanft, eine Frau wies mich darauf hin, dass wohl jemand Delphine kurz vorher gesehen hatte, doch es war nur das Meer da, scheinbar unendlich. Vorher die teuerste Pizza meines Lebens, 31 Dollar, zwar sehr groß und zu viel für mich, aber nicht schlecht.
    Und zum Abschluss des Tages - ohne Werners Kommentar gelesen zu haben - machte ich das, was er empfohlen hatte. Einen Film für das Festival leider bei schlechtem Internet sichten.
    Die Umgebung dazu? Junge Weltraveller, am Handy oder auch im Austausch, vor allem eine junge Deutsche, die permanent redete, erzählte, Tipps gab. Die Jungs lagen mehr auf ihren Betten ode fläzten auf den Couchen, das Handy in der Hand. Einig waren sich aber alle, dass das hier das schlechteste Hostel auf ihrer Reise war. Einfach gesagt wirkte es so, als wäre es seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten sich selbst überlassen. Blauer anstrich, durchgelaufene, von Nässe vollgesogene Treppen, Internet mal da, mal nicht, Elektrizität genauso, irgendwie muffiger Geruch. Wenn man hinausging, musste man mehrere Schlafzimmer durchqueren. Das Wasser tropfte hier und da, auch aus der Dusche, wäre vielleicht ein größerer Strahl in diesem Falle besser gewesen. Aber alles cool. Ich machte die Augen zu und dachte, dass auch diese Nacht vergehen würde. Sie tat es.
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  • Waimea Canyon

    29. april 2025, Forente stater ⋅ ☀️ 24 °C

    Am Ende wird eine gute Geschichte wirklich gut oder lohnt sich eine ganze Fahrt. Nachdem dem eher deprimierenden Regentag öffnete sich der Himmel und blieb blau, später zwar bewölkt, aber mit weiter Sicht. Der Hyundai Tucson brachte mich nach Waimea durch eine immer grüner werdende weite Landschaft, die an sich schon das Herz öffnete. Saftiges helles Grün, manchmal durchsetzt von einem Weg mit rotbrauner Erde. Nach einem längeren Gespräch mit Michael Pfaff auf seiner Autofahrt nach Köln bog ich auf die Straße zum Waimea Canyon und damit zweifellos dem Höhepunkt der Reise entgegen.

    Manchmal lässt sich Natur schwer in Worte fassen. In ihrer überwältigenden, jahrtausendelangen Ausformung erstaunt sie unser Auge. Klar kennen wir den Grand Canyon und ja, ich war da auch schon mal, und er war größer und steiler und vor allem in vielen je nach der Tageszeit changierenden Farbe leuchtend, aber dieser Waimea Canyon brachte, zumindest am Anfang noch etwas hinzu - Ruhe und einen grünen Wald- und Buschteppich über der eigenartigen roten Erde, aber auch den Kissingen, graugelben Abbrüchen.

    Am Anfang, vielleicht durch das Gespräch mit Michael, wandte ich mich der Landschaft zu, die sich von der Kante der Schlucht zum Meer hin senkte. Ein Hahn krähte und ein Traktor tuckerte verborgen im hohen Gras. Ich musste an die Rhön denken, 8 Uhr morgens auf Kauaii Island.

    Etwas später, an einem weiteren Aussichtspunkt, war leider die Ruhe weg und zwar vor allem durch die Hubschrauberflüge. Das Geschäft schien gut zu laufen, manchmal waren bis zu vier der Touristenhubschrauber in der Luft und bestimmten fortan den Klangteppich. Durch eine weitere Erinnerung von zuhause- Angela Helwig fragte, ob sie am Wochenende vorbeikommen könnte - kam. Ich wieder auf die Idee, die Reisen der Anna Schulze, meiner Urgroßmutter Ende des 19. Jahrhunderts - mit den mir bekannten Reisegeschichten anderer Generationen zu verbinden. Fast 150 Jahre waren seitdem vergangen. Inzwischen fuhr ich mit einem für mich schon mit all seinen Gadgets kaum mehr verständlichen Mietauto zu einem fernen Canyon auf der anderen Seite der Welt, gelenkt von Google Maps mit Erklärungen aus dem Internet - und schaue den Hubschraubern zu, die die Touristen noch näher, noch spektakulärer an die Höhepunkte des Landes bringen.

    Am nächsten Aussichtspunkt begann der Black Pipe Trail Loop. Ich zögerte. Hatte kein Wasser dabei. Schaute in der App mach. Der erste Teil war leicht, nur sehr glitschig. Meine Schuhe waren nicht die richtigen. Und ich hatte kein Wasser dabei. Der weitere Trail sollte steil sein, mit sehr glitschigen Stellen. Hmmmm, ich hatte kein Wasser, na gut, trotzdem, ein bisschen- und am Ende sollte es einen Wasserfall geben, also Wasser. So ging ich los, der Weg ging steil, aber machbar, Vincent würde sagen, ein Spaziergang hinunter, Wand sich am Canyon in breiten völlig ausgewaschenen wegen entlang und landete schließlich wirklich an einem kleinen Wasserfall, 300 Meter unter der Kante des Canyons. Ein Hahn empfing mich auch hier, dazu ein paar Touristen, weswegen ich erst nicht wagte, was zu trinken. Musste aber sein, wusste ich. Also aus der hohlen Hand geschöpft und wieder zurück. Der Aufstieg gelang überraschend gut und stärkte damit ein wenig das nach dem Disaster vom Samstag entstandene Selbstbewusstsein.

    Die Beine und Schuhe völlig verdreckt gelangte ich am Auto an und fuhr weiter in den Park hinein, gelangte an ein Museum und ein Kiosk, in dem wirklich ein Sängerpaar Countrysongs intonierte. Er trug einen Hut, sie ein langes Kleid mit Rüschen, einen Sommerhut und darunter eine Nickelbrolle, wie aus den 70er Jahren gefallen. Mit heller klarer Stimme intonierte sie wunderschön die bekannten Songs.

    Everybody s got a hungry heart....
    Everybody needs a place to rest
    Everybody wants to have a home
    Don’t make no difference what nobody says

    Dann kam der schon lange erwartete Regen und alles verschwand Weißgrau der Wolken. Die Hähne und Hennen streunten aber weiter unbeeindruckt über die Wiesen und durch die Wälder.
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  • Da ist das Paradies nicht mehr weit

    29. april 2025, Forente stater ⋅ ☀️ 26 °C

    Muss das sein, würde meine Mutter fragen. Musst du noch was draufsetzen, es ist doch ein schöner Tag gewesen. Richtig, aber wie erwartet war das Wetter an der westlichen Küste Kauaiis wunderbar, eher nur noch mit ein paar Wolkenflecken im Sonnenlicht. Und das schuf immer wieder beeindruckende Bilder, neongrün im Grün, weißglitzerndes Meer gegenüber dunklen Wellen. Der erste Strand, auf den ich stieß in Kaleka, war so weit, dass ich sofort den Wagen stehen ließ und zu den Wellen ging. Nur wenige Autos und Badegäste auf dem Sand. Das Meer unendlich nach Westen, mit zwei kleinen Inseln am Horizont. Ich konnte immer wieder dem Moment vor dem Brechen der Welle lauschen, dem kurzen, stummen Wölben, bevor sich alles entlud und am weiten Strand in ausgedehnten Rundungen auslief. Ich ging lange, erst ohne T-Shirt, dann sicherheitshalber mit.

    War das genug? Es war so schön, es gab nichts mehr zu toppen, ich wollte nur noch das Ende der Straße sehen, denn die Insel war nicht zu umrunden. Geradeaus führte sie an einer Militärbasis samt Abschussrampe für pazifische Mittel- oder Langstreckenraketen schon in Sichtweite der Bergkette, die das weitere Durchkommen verhindern würde, zu einer Blockierung der Straße - aha, das Ende - und links auf einen Feldweg, der klar gekennzeichnet war: Weiterfahrt nur mit 4-wheel-drive Auto. Nun ich hatte nicht nachgeschaut, aber mein Hyundai Tucson Sah nicht nach so einem Fahrzeug aus allerdings hatten wir auf diversen Fahrten mit den verschiedensten Mietwagen mit Lorin und Elia die schlimmsten Bergstrecken auf Kreta und in Portugal überwunden.

    Junge, muss das sein, hörte ich wieder meine Mutter. Es war der Punkt 58 in den 101 things to do in Kauaii. LEAVE A FOOTPRINT IN THE SAND AT MÄHÄ'ULEPÜ. Ich hätte ihn überlesen. Unspektakulär. Zum Glück las ich ihn aber erst später, nach der Fahrt über tiefe Schlaglöcher, Wasserlachen, vorbei an mannshohem Schilfgras, manchmal geheimnisvoll aufgewertet durch einen Vogelruf. Die Minuten vergingen. Langsam, langsam näherte ich mich der Küste. Die entgegenkommenden Autos waren bis zu den Dächern verschmutzt von Dreckfontänen. Ich fuhr vorsichtiger, schließlich war es ein Mietauto. Irgendwann, vielleicht nach einer halben Stunde bog ein Weg nach links ab ich wusste, über die Düne. Noch einmal Schlaglöcher, dann völlig unverhofft ein überdachter Picknickplatz. Und von dort weg, bereits in tiefem deinem Sand ein Pfad zum Meer. Er öffnete sich, als er von den Dünen herunterführte, öffnete sich auf einen schier unendlichen Strand, leer, begrenzt von den steilen abfallenden Bergen auf der einen Seite und dem Ausblick auf die beiden kleinen Inseln und die Sonne auf der anderen Seite.
    Das Paradies war von hier aus nicht mehr weit.
    Die ganze Reise hatte sich in diesem Moment gelohnt.
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  • Abschied von Kauai'i

    30. april 2025, Forente stater ⋅ ⛅ 23 °C

    Ich sitze in der Abflughalle, viel zu früh, weil für das Mietauto sonst noch ein Tag berechnet worden wäre. Fast noch im Dunkeln im Hostel aufgewacht, wie immer mit Rückenschmerzen, was nervt, da ich mich in den letzten zwei Wochen wahrlich genug bewegt habe. Aber nicht zu ändern. Cappuccino und Bananabread wieder im Java Kai Café. Enorm viel junge Leute, wie auch draußen auf den Straßen, alle irgendwie alternativ.

    Ich beschloss noch bis zum nördlichen Ende der Hauptstraße zu fahren, dem Henea State Park, in dem der sagenhafte Trail mit über 30 Stunden Länge startet, für uns nicht machbar.

    Die Landschaft machte mich einmal mehr sprachlos. Die Natur wuchert in den unterschiedlichsten Grüntönen vor spitzen Bergketten, dem blauen Meer oder zahlreichen aus den Bergen kommenden Flüssen.

    Am Tunnel Beach machte ich schließlich Halt, badete noch einmal im Pazifik und ging bis zum Ke'es Beach, der der letzte erreichbare Strand vor der Natürlich-Küste ist. Man kann sie nur erwandern oder wieder mit dem Hubschrauber erkunden. Schöne Strände natürlich, aber der Höhepunkt war gestern gewesen und meine Gedanken wanderten mehr und mehr nach Hause, auch wenn das noch viele Warte- und Flugstunden entfernt war.

    Kauai'i war sicher noch einmal das Erlebnis, das diesen weiten Flug wirklich sinnvoll gemacht hat, und natürlich die Stunden mit Vincent, ein wenig auch die Herausforderungen auf den verschiedenen Trails, im Yosemite Park oder in Moanalua, oder gestern im Waimea Canyon. Dazu in San Francisco die Unterkunft und das Leben von Marina Heights, die Museumsbesuche, das stundenlange Wandern durch die verschiedenen Distrikte der Stadt, schließlich die Überfahrt mit der Fähre von Sausalito zum Pier 1 in San Francisco.

    Draußen scheint die Sonne, die Flugbahn endet im Meer, ein Flug nach Maui wird ausgerufen. Insel-hopping. Ich denke an die Studenten, die sich das alles schon leisten können, auch einen Hubschrauberflug. Was das mit ihnen machen wird, wenn sie einmal die Macht und die Gestaltung der Welt übernehmen? Touristen warten auf den Heimflug, neue kommen an. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, egal ob hier oder anderswo. Wir können und wollen alles sehen. Caelum, non animum mutant, qui trans mare currunt, heißt es.
    Ich hoffe auf Senecas Verkürzung: Animum debes mutare non caelum.
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  • Vienna shorts

    29. mai 2025, Østerrike ⋅ ⛅ 19 °C

    Ich sitze in der Straßenbahn zu Lorin hinaus, immer nach Westen aus Wien heraus, wie mir der Stand der Sonne zeigt. Sie geht bald unter. Kurzfilmfestival, neue Stadtviertel von Wien, eine Fotoausstellung über MAGNUM, ein Kaiserschmarrn im Café Weimar, ein Apfelstrudel mit Sahne im Café Prückel, dazu eine Ahnung von möglicher Ruhe im Blick auf die geplüschten Sessel, die ausliegenden Zeitungen, die hohen Räume, manchmal Stukkaturen, Spiegel, kurz Wohnzimmer seit 1913, wie das Café Prückel wirbt.
    Leider ist die Realität noch nicht so. Letzte Woche habe ich einen Vortrag über das Kino und das Festival gehalten. Was macht ein Kinobesitzer? Er organisiert und versucht Lösungen zu finden. Das Klo in Starnberg, der Türgriff in Gauting, der Sessel in Reihe 15, die falsche Platzeinteilung bei seniorenfilmen in Seefeld, usw, usw. Ich am Handy und ich sehe meine Kinder, wie sie mir zuschauen. Kein Wunder, dass das keiner machen will, an einem Tag, den sie Vatertag nennen.
    Im Arsenal, wo es einen Panzersaal gibt, aber auch die Probebühne für das Burgtheater, befand sich im Fotomuseum die MAGNUM- Ausstellung. An Hand berühmter Fotographien wurde das Auswählen, Entstehen und die Kunst der Fotographie gezeugt, James Dean als junger Mann zwischen Weltruhm und Farm in Indiana, Mohammed Alis Faust, Chruschtschow und Nixon im Gespräch, schließlich eine Spurensuche um 'Michael' und den Lost Lake, den es wohl wirklich in Idaho gibt.
    Anschließend doch die ursprünglich schon anvisierte Donauinsel, Entspannung neben Padelanlage und Donauwellen, die bei wenig Schiffsverkehr ans Ufer schlagen.
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