Tag 173, 0 Km/22562 Km
18 de fevereiro de 2025, República Centro-Africana ⋅ ☁️ 34 °C
Nachdem sich der Nebel am Morgen irgendwann verzogen hat, machen wir uns auf zur Dzanga Bai, dem eigentlichen Highlight des Parks. Die Dzanga Bai ist die größte Lichtung und durch das viele Salz, was im Boden ist, kommen die Waldelefanten hier sehr gerne hin um das Salz aus dem Boden aufzunehmen. Wir fahren ein kurzes Stück, dann bekomme ich Instruktionen wie ich mich bei einer Begegnung mit einem Elefanten auf dem Weg zur Bai zu verhalten habe. Dann laufen wir ungefähr 45 Minuten durch den dichten Regenwald. Wir überqueren den Dzanga zu Fuß, glücklicherweise ist der zweite Fluss, der dem Nationalpark seinen Namen gibt, aufgrund der noch nicht richtig begonnenen Regenzeit hier nur etwa knietief. Als wir schließlich weiter durch den Wald laufen stoppen beide Ranger abrupt. Rund 20 Meter vor uns bewegen sich die Äste und ich sehe einen Rüssel im Dickicht. Wie gut, dass ich die Instruktionen genau befolge und statt stehen zu bleiben reflexartig versuche rückwärts zu laufen. Leonce hält mich fest, keiner spricht mehr, der Elefant schaut uns an und wir ihn. Wir sind definitiv viel zu nah dran, selbst im Kölner Zoo ist mehr Abstand zu den Elefanten und da ist noch ein Zaun dazwischen. Weder mir, noch dem Elefanten ist heute nach Konfrontation und so dreht er sich nach einigen Sekunden weg und verschwindet in den dichten Wald. Da hat er aber Glück gehabt!
Wir erreichen schließlich die Bai und als ich auf den Aussichtspunkt hochsteige und von oben auf die Lichtung schaue, kann ich kaum glauben was ich sehe. Ich habe schon oft wilde Elefanten gesehen, in Botswana, Tansania, Namibia, aber so etwas, das habe ich noch nie gesehen. Es sind rund 150 Elefanten auf der Lichtung. Die Elefanten sind damit beschäftigt, den Boden umzupflügen, sie kommunizieren und interagieren mit dem Rüssel und vertreiben schwächere Artgenossen von den Wasserlöchern. Es gibt sekündlich neue Motive und dass gleichzeitig auch noch eine Horde Büffel und rund 50 Bongos anwesend sind, ist eigentlich nebensächlich. Neben mir und den beiden Rangern ist nur ein Wissenschaftler anwesend, sonst habe ich diesen Ort vollkommen für mich alleine. Am Mittag ändert sich durch die Hitze und das Sonnenlicht die Farbe der Elefanten von dunkelgrau ein bisschen ins Goldene. Wir machen uns nach Stunden zurück auf den Weg zur Lodge, wo bei einem Feierabendbier das Gesehene in irgendeiner Form glücklicherweise gut verarbeitet werden kann.Leia mais
Tag 174, 0 Km/22562 Km
19 de fevereiro de 2025, República Centro-Africana ⋅ ⛅ 29 °C
Ich leihe mir am Vormittag Zelt, Thermomatte und Decke und fahre gemeinsam mit Leonce rund zwei Stunden weiter in den Süden, raus aus dem Kern des Nationalparks. Tief im Wald gibt es noch einzelne Pygmäenvölker und eines davon ist unser Ziel. Die Pygmäen, die wir besuchen sind vom Volk der Baaka, eines der letzten Eingeborenenvölker Zentralafrikas die vollkommen abseits der restlichen Zivilisation im Wald leben. Natürlich müssen wir im Dorf noch gefühlt 30 Leute mitnehmen, die alle auf der Ladefläche Platz finden. Schon auf der Ladefläche wird gesungen und getrommelt. Wir steigen irgendwann aus dem Auto, rundum Kilometer nichts als dichter Urwald. Wir laufen weitere 20 Minuten zu einer kleinen Lichtung, hier halten sich die Baaka auf. Der Preis dafür, dass ich die Nacht hier im Zelt verbringen darf, ist eine Stange Zigaretten, Zucker und Kaffee, Leonce weiß genau, was gebraucht wird. Während ich mein Zelt aufschlage, bauen einzelne der rund 50 Personen die hier leben eine ihrer Hütten aus Blättern, die meisten schlafen außerhalb der Regenzeit unter freiem Himmel. Wir essen gemeinsam Maniok mit einer Soße aus Blättern und Erdnüssen, schließlich beginnt die Jagd der Baaka. Die Jäger stellen sich auf und anschließend probiert man Antilopen im Wald mit Netzen zu fangen. Diese Methode der Jagt ist hochspezialisiert und wird hier von Generation zu Generation weitergegeben. Frauen und Männer jagen zeitgleich und damit die Jagd im dichten Wald einfacher ist, haben alle Frauen kurzgeschorene Haare. So richtig verstehen, wer hier welche Aufgabe hat tue ich nicht, aber irgendwie schaffen es die Baaka eine der kleinen Antilopen aus dem Wald zu scheuchen, diese verfängt sich dann in einem der aufgestellten Netze. Es wird nicht jedes Mal etwas gefangen, also ist die Freude groß. Die Antilope wird ohne Hilfsmittel, also mit bloßer Hand umgebracht. Die Jagd der Baaka begleiten zu dürfen ist sicherlich keine Touristenveranstaltung und eines der authentischsten Erfahrungen dieser Reise.
Eine der älteren Damen erklärt mir auf dem Rückweg die verschiedenen Anwendungen der Pflanzen des Waldes, für so gut wie jede Krankheit gibt es hier ein Naturheilmittel.
Den gesamten Nachmittag hindurch werde ich von Schwarzfliegen umkreist, ich trage zum ersten Mal ein Moskitonetz über dem Gesicht. Außer einem kleinen Stück an den Fingern ist keine Haut zu sehen, ich kann kaum glauben, dass die Baaka nichts gegen die Fliegenbisse unternehmen, jeder Biss juckt einige Stunden später unglaublich.
Nachdem die Antilope am Nachmittag zerteilt und gegrillt wurde, geht es an den Fluss. Auch hier hat man eine Technik, die kleinen Fische die im Uferbereich schwimmen zu fangen. Es wird ein Damm errichtet, dann das Wasser aus dem entstandenen Bassin geschöpft, anschließend können die kleinen schleimigen Fische aufgesammelt werden.
Natürlich bin ich unendlich dankbar, für einen Tag (und eine Nacht) Teil dieses Lebens zu sein, ich schaffe es jedoch nicht mir vorzustellen, wie das Leben hier dauerhaft wohl sein mag, auf einem Niveau vielleicht vergleichbar wie Europa zur Steinzeit. Ob auch ich die kleinen schleimigen Fische essen würde, wäre ich hier im Wald der Zentralafrikanischen Republik geboren? Sehr wahrscheinlich wäre es so.Leia mais
Tag 175, 0 Km/22562 Km
20 de fevereiro de 2025, República Centro-Africana ⋅ ☁️ 34 °C
Die Nacht ist super kurz, die Baaka holen nach Einbruch der Dunkelheit die Trommeln raus und singen bis rund 2 Uhr in der Nacht. Um 4 Uhr ist schon wieder so viel Unruhe im Camp, dass die Nacht also auch für mich vorbei ist. Viel Schlaf gab es für mich im letzten halben Jahr nicht unbedingt.
Als ich aufstehe, sehe ich einzelne Personen, die vom Krach noch nicht aufgeweckt wurden nur in einem Tuch eingewickelt auf dem harten Steinboden schlafen. Für mich war schon die dünne Isomatte zu wenig - alles eine Frage der Gewöhnung.
Es fängt am Morgen an zu regnen, was die Organisation rund um den Abbau des Zeltes erschwert. Plötzlich fängt es an zu stürmen, lose Äste fallen auf die Lichtung und ich weiß eigentlich schon, was jetzt kommen wird: 3 Minuten später schüttet es. Einige der Baaka packen ihr Zeug zusammen und wollen die zwei Stunden mit ins nächste Dorf gefahren werden, man möchte die Chance nutzen, dass mal ein Auto anwesend ist. Während es also schüttet machen wir uns zu Fuß auf bis zur nächsten Piste, wo der Fahrer auf uns wartet. Wie gut, dass ich jegliche Regenbekleidung in der Lodge hab liegen lassen, die Baaka haben allerdings auch keine, also was solls, werden wir halt alle nass.
Die Ladefläche des Toyotas voll mit Baakas fahren wir zurück zur Lodge, auf der Rückbank sitzen fünf weitere Personen, fehlt eigentlich nur noch, dass mir ein Baby auf den Schoß gesetzt wird. Im Innenraum sind alle komplett durchnässt und der Geruch ist entsprechend, sicherlich trage auch ich einen Teil dazu bei.
Durch den Sturm sind mal größere, mal kleinere Bäume aus dem Weg zu räumen, ist der Baum dicker als mein Unterarm, springen alle von der Ladefläche und jeder hackt mit seiner Machete irgendwo auf dem Holz herum, bis der Baum kurze Zeit später kein Hindernis mehr darstellt.
Als die erste Hütte irgendwann auftaucht, springen alle vom und aus dem Auto, hier möchte man scheinbar hin. Es wird gekichert, gewunken und gelächelt als wir uns verabschieden. Ich bin mir sicher, dass solche Völker bald nicht mehr existieren und das auch hier bald ein technologischer Fortschritt einsetzt. Es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, dann gibt es hier Taschenlampen, Solarpanel und Handyempfang.
Ich nutze den freien Mittag für die Organisation der nächsten Wochen und fahre schließlich am Nachmittag mit Leonce und einer kleinen Piroge zur lokalen Weinplantage. Jeder Einwohner der kleinen Stadt hat hier das Recht, eine der Palmen zu bewirtschaften und seinen eigenen Wein herzustellen. Der Palmensaft fermentiert automatisch zu Wein, nachdem er aus der Palme in eines der Kanister gelaufen ist. Der Wein schmeckt süßlich, ein bisschen wie Eiswein bei uns.
In den Palmen gibt es neben dem Wein auch Raupen, die von den Einheimischen gesammelt und gegessen werden. Die Raupen sind riesig, zwei davon passen gerade so in meine Hand.
Wir paddeln zurück und nach der Palmenweinverkostung verkoste ich am Abend noch eines der lokalen Biere, die es in der Bar der Lodge gibt.Leia mais
Tag 176, 0 Km/22562 Km
21 de fevereiro de 2025, República Centro-Africana ⋅ ☁️ 27 °C
Es geht morgens zu Fuß durch den Wald, viele Tiere sind in der Nacht oder am frühen Morgen aktiv und ich hoffe eines davon zu entdecken. Leider habe ich kein Glück und nach zwei Stunden hab ich einen Elefanten tief im Dickicht gesehen, der Rest bleibt leider im Verborgenen. Durch den dichten Wald zu wandern ist trotzdem schön.
Ich habe noch immer das Zelt und die Ausrüstung, also fahre ich mit Leonce am Nachmittag noch einmal zur Dzanga Bai. Am Ufer des Dzanga-Flusses, den wir auch heute wieder zu Fuß durchqueren sitzen am Nachmittag tausende Schmetterlinge in allen möglichen Farben. Auf der Lichtung sind auch heute wieder genauso viele Elefanten anwesend wie noch vor zwei Tagen, das Licht am Nachmittag lässt die Szenerie jedoch noch einmal anders wirken. Wir schlagen unsere beiden Zelte direkt auf dem Hochstand auf, während die Elefanten unten das übliche Spiel veranstalten. Niemand sonst ist anwesend, außer den Elefanten, den Büffeln und einer Milliarde Schwarzfliegen. Nichts hilft außer sich komplett zu bedecken. Sich bei 30 Grad Handschuhe zu wünschen hatte ich auch noch nie. Immerhin verschwinden die Quälgeister am Abend, überlassen das Feld den Moskitos.
Über den Köpfen der rund 100 Elefanten das Zelt aufzubauen und deren Gesänge bis tief in die Nacht zu hören, das ist trotz der vielen Insekten etwas ganz besonderes.Leia mais
Tag 177, 0 Km/22562 Km
22 de fevereiro de 2025, República Centro-Africana ⋅ ☁️ 34 °C
Am frühen Morgen vom Lärm der Elefanten geweckt zu werden ist ungefähr genauso schön wie dazu einzuschlafen. Wir bauen unsere beiden Zelte ab und begeben uns kurz nach Sonnenaufgang auf den Rückweg. Am Nachmittag steht zum Abschluss noch eine Wanderung zu einem Wasserfall an, dazu müssen wir 30 Minuten mit dem Boot fahren. Leonce hat alles organisiert, pünktlich steht er, der Kapitän und das Boot bereit. Nur ist leider kein Benzin da, hat der Kapitän vergessen zu organisieren. Leonce ist außer sich, nach kurzer Diskussion ruft der Kapitän jemanden an, der Benzin bringen soll. Nach einer halben Stunde kommt auch jemand mit einem Motorrad, hat aber kein Benzin dabei. "Ach Benzin braucht ihr, okay dann fahre ich mal welches holen." Der Herr fährt also wieder. Nach einer Stunde kommt er zurück, ohne Benzin. Die Tankstelle hat geschlossen. Leonce ruft den Tankwart an, dieser soll noch einmal die Tankstelle öffnen. Der Tankwart ist aber natürlich nicht in der Nähe, also muss er erst herfahren, dann muss der Herr auf dem Motorrad zur Tankstelle und das Benzin bringen. Mit einer Verzögerung von drei Stunden fahren wir endlich los und ich bin skeptisch, ob wir überhaupt noch losfahren sollten, es ist eigentlich schon viel zu spät. Wir starten trotzdem und fahren nach 5 Minuten mit dem Boot auf eine Sandbank auf, was noch einmal 15 Minuten kostet. Irgendwann kommen wir am Startpunkt der Wanderung an, die Sonne steht schon super tief und ich habe keinerlei Ausrüstung dabei, gleich im Dunkeln zurück zum Boot zu wandern. Wir starten also total gehetzt den Berg rauf, erreichen den Wasserfall nach 15 statt 20 Minuten. Der Wasserfall ist leider aktuell ein Stein, es gibt keinerlei Wasser was hier derzeit fließen könnte. Wie gut, dass wir den halben Tag gebraucht haben um hierher zu kommen. Mit dem letzten Licht erreichen wir glücklicherweise das Boot, fahren ohne weitere Zwischenfälle im Dunkeln zurück.
Leider verlasse ich die Zentralafrikanische Republik morgen wieder in Richtung Republik Kongo, ich könnte noch Wochen hierbleiben, für mich der bislang schönste Ort der ganzen Reise. Kapitän Ugor, der mich vor einer Woche hergefahren hat, soll morgen um 6 Uhr mit seinem Boot bereitstehen. Hoffentlich hat er dann auch Benzin dabei.Leia mais
Tag 178, 0 Km/22562 Km
23 de fevereiro de 2025, Congo ⋅ ☁️ 30 °C
Die Nacht ist um 4 Uhr zu Ende. In der Ferne zieht ein Gewitter auf und da die Zimmer der Lodge keine Scheiben an den Fenstern haben, schläft man quasi draußen. Es blitzt und donnert noch tief in der Nacht, dann kommt der Regen - und was für einer. Mir ist direkt klar, das die Rückfahrt mit dem Boot spannend werden kann, falls es nicht aufhört. Das Boot hat kein Dach. Ich habe eine gute Regenausrüstung dabei, wasserdichte Schuhe, Hose, Jacke, alles wird angezogen. Ich packe den Rucksack in den Regenschutz und alles an Elektronik in den wasserdichten Packsack. Der Rest kann ruhig nass werden. Ich verlasse das Zimmer und stelle nach den ersten Metern fest: der Regen ist noch viel schlimmer als er sich angehört hat. Es schüttet, so wie ich es früher in der Schule im Erdkundeunterricht auf Bildern über den Regenwald gesehen habe. Alles was nicht wasserdicht verpackt ist, ist schon nach 100 Metern bis zum Bootsanleger komplett nass. Es ist noch dunkel, ich stelle mich am Bootsanleger unter und ich weiß eigentlich schon, dass wir so nicht losfahren können. Kapitän Ugor kommt kurze Zeit später, stellt sich ebenfalls unter und sagt mir, wir müssen warten bis der Regen aufhört. Wir haben ungefähr 10 Stunden Fahrt vor uns und ich plane schon eine Zwischenübernachtung irgendwo auf der Strecke, es gibt zwei schäbige Gästehäuser auf ungefähr der Hälfte. Nach zwei Stunden Wartezeit wird der Regen plötzlich weniger, Ugor macht jetzt Druck, er will losfahren. Ich werfe alles ins Boot während er mit einer abgeschnitten Plastikflasche gefühlte hundert Liter Regenwasser aus dem Boot schöpft, anschließend starten wir. Es wird heller und heller, der Regen hört auf und dadurch, dass der Sangha jetzt viel mehr Wasser führt müssen so gut wie keine Sandbänke mehr umfahren werden. Wir verlassen die Zentralafrikanische Republik und es zieht sich wieder zu. Hinter uns sehe ich es schon wieder heftig auf den Sangha regnen, Ugor gibt Vollgas um vor dem Regen zu fliehen aber auch von vorne ziehen tiefschwarze Gewitterwolken auf, schließlich fängt es wieder an zu schütten. Wir fahren schon halb durchnässt die letzten Meter bis zur Grenzstation der Republik Kongo, Ugor wirft die Regenschutzplane über alle Sachen, er holt sogar seine 200 Stangen Zigaretten, die er gerade nach Kongo schmuggelt, aus dem doppelten Boden der Sitzbank nach vorne unter die Plane. Wir beide kriechen ebenfalls unter besagte Plane und warten erstmal ab. Wasser läuft überall ins Boot, so richtig trocken bleibt eigentlich nur die Elektronik im wasserdichten Packsack. Nach einer Stunde ist der Regen auf einem normalen Niveau und wir können das Boot verlassen. Ugor möchte sich gerne die 5000 Franc (7.50€) sparen, die man hier bei dem korrupten Polizisten als Gegenleistung für den Stempel abgeben muss, also sagt er mir, ich soll unter der Plane bleiben. Wir holen den Stempel dann später in Ouesso, da will keiner Schmiergeld. Leider kommt der Grenzbeamte runter zum Boot und ist nicht unbedingt erfreut als er sieht, dass wir zu zweit sind. Er schimpft mit Ugor und fragt mich, wieso ich nicht mit zum Büro gekommen bin. "Ich habe auf die Sachen aufgepasst" schwindel ich schnell, so richtig glauben tut er das nicht, aber immerhin stempelt er im Anschluss im Büro meinen Pass. "Normalerweise kostet das 5000 Franc, weil es so regnet lasse ich euch heute mal so fahren." Na da haben wir aber Glück mit dem Wetter.
Die letzten Stunden bis Ouesso ziehen sich, es regnet immer wieder und durch den Fahrtwind ist es total kalt. Total durchnässt kommen wir am späten Nachmittag tatsächlich irgendwann an, ich brauche erst einmal eine heiße Dusche, bevor ich das Auto fertig packe und alles für den kommenden Fahrtag vorbereite.Leia mais
Tag 179, 261 Km/22823 Km
24 de fevereiro de 2025, Congo ⋅ ⛅ 34 °C
Es geht wieder auf die Straßen der Republik Kongo. In Ouesso versuche ich noch einmal alles aufzufüllen. Zuerst geht es in den Supermarkt aber es gibt fast ausschließlich Produkte aus Plastik, ein paar wenige Dosen mit Lebensmitteln, kein Obst, kein Gemüse und keine Kühlung. Ich fahre weiter zur einzigen Bank in der Stadt, möchte Geld abheben doch bei der Auszahlung kommt eine Fehlermeldung. Die 300€ werden trotzdem abgebucht. Dann weiter zu den beiden Tankstellen in der Stadt, beide haben keinen Diesel. Fängt ja schon gut an. Ich verlasse Ouesso, werde kurz darauf von der Polizei angehalten und der Polizist ist der Meinung, die Person auf dem Foto im Pass wäre nicht ich. Es gibt eine lange Diskussion, ich zeige ihm alles an Dokumenten was ich habe aber er ist trotzdem der Meinung, der Pass würde jemand anderem gehören. Ich gebe irgendwann auf und zucke nur noch mit den Schultern und antworte mit 'doch' bei jedem Mal wo er wiederholt, dass das nicht mein Pass ist. Irgendwann gibt er dann auch auf und lässt mich fahren. Nach Geld fragt er nicht (was ich schon die ganze Zeit erwartet habe), was ein komischer Checkpoint.
Es geht weiter durch den dichten Regenwald, auch heute begleiten mich zehntausende Schmetterlinge. Es gibt über Stunden keinen Empfang und keine anderen Fahrzeuge auf der Straße. Die Straße führt durch den riesigen Odzala Nationalpark, anschließend ändert sich die Umgebung. Dichter Wald wird zu bewaldeter Steppe, überall riesige Wiesen voll mit sattem grünen Gras.
Ich erreiche die Stadt Makoua am Nachmittag. Durch Makoua verläuft der Äquator, was durch ein für Afrika beeindruckendes Monument gekennzeichnet ist. Was ein Meilenstein, mit dem Auto bis zum Äquator gefahren zu sein. Es gibt tatsächlich eine Straße, die von meiner Wohnung in Düsseldorf bis hierher zum Äquator geht.
Ich muss zugeben, dass es für mich ein emotionaler Moment ist, auf der Südhalbkugel angekommen zu sein.
Ab heute habe ich dann die Sonne im Rücken und nicht mehr den ganzen Tag voll auf der Windschutzscheibe.
Es gibt eine Tankstelle in Makoua, auch hier gibt es keinen Diesel. Vielleicht in drei Tagen, nächste Woche oder irgendwann, sagt der Tankwart. Nichtmal auf dem Schwarzmarkt gibt es Diesel, nur Benzin. Ich bin mittlerweile 600 Kilometer in der Republik Kongo gefahren und keine einzige Tankstelle hatte Diesel, das ganze Land scheint trocken. Mit dem Diesel im Tank und in den Kanistern komme ich noch rund 700 Kilometer, die Grenze nach Angola ist über 1000 Kilometer entfernt. Ich muss also in den nächsten Tagen irgendwo Diesel finden.
Ich bleibe die Nacht in Makoua, es gibt ein kleines schäbiges Hotel in der Stadt, ich schlafe im Auto. Nebenan gibt es ein Restaurant, es gibt keine Speisekarte also frage ich die Kellnerin was es zu Essen gibt. "Huhn?" "Ist aus." "Fisch" "Erst heute Abend, muss noch gefangen werden." "Gut, was gibt es dann?" "Wir haben noch einen Affen in der Tiefkühltruhe" Um den Handel mit illegal gejagtem Buschfleisch nicht zu unterstützen, bestelle ich etwas vegetarisches. Sie kann ein Omelette mit Erbsen machen. Damit es nicht zu langweilig schmeckt, schneidet sie schnell noch eine Wurst ins vegetarische Mittagessen. Ich frage, aus was für Fleisch die Wurst denn ist? "Aus Fleisch halt" lautet die Antwort. "Rindfleisch?" "Ja, Rindfleisch". Später kommt die Kellnerin noch einmal zurück, ist doch kein Rindfleisch, sondern Huhn. Schmeckt aber nicht wie Huhn.
Immerhin war die Wurst nicht einst ein Affe... hoffentlich.Leia mais
Tag 180, 280 Km/23103 Km
25 de fevereiro de 2025, Congo ⋅ ☁️ 30 °C
Am späten Abend reinige ich den Motorkühler, unzählige Schmetterlinge haben leider auf dem Kühler ihren Tod gefunden. Sehr schade aber leider gab es keine Chance den vielen Tieren auszuweichen. Auch bekomme ich am Abend eine Nachricht der Bank: das Geld, welches abgebucht wurde aber nicht aus dem Automaten kam wurde zurückgebucht. Zum Glück habe ich mich am Vormittag direkt in der Filiale der Bank beschwert, damit gerechnet, dass die kongolesische Bank das Geld zurückbucht, habe ich jedoch nicht.
Am nächsten Morgen geht es weiter, die Republik Kongo zieht sich länger als ich vorher gedacht habe und so steht heute wieder ein ganzer Fahrtag an. Die Landschaft bleibt spektakulär, weite Flächen bewachsen mit dichtem Gras und einzelnen Bäumen. In der Ferne ziehen pechschwarze Regenwolken auf, was die ganze Szenerie noch eindrucksvoller macht als die vielen Wochen wolkenfreier Himmel. An der Straße gibt es immer mal wieder einen Schwarzmarkt mit Benzin aus Fässern, falls irgendwann mal eine Tankstelle Diesel oder Benzin hat, wird dieser von den Anwohnern direkt leergekauft und anschließend für den doppelten Preis an der Straße angeboten. Auf dem Schwarzmarkt gibt es auch heute nur Benzin, keinen Diesel. Ich halte an jeder Tankstelle an, die es auf dem Weg gibt, auch an denen die abgesperrt sind und frage nach Diesel, oft werde ich schon von weitem weitergewunken. Jeder sagt das gleiche: "In der nächsten Stadt gibt es welchen" ist dann aber nicht so. An einem Checkpoint werde ich angehalten, diesmal nicht um meinen Pass zu zeigen, sondern um eine junge Frau mit ihrem Kind mit ins nächste Dorf zu nehmen. Ich spüre, dass der Regen kurz davor ist anzufangen, also nehme ich die beiden mit. Als sie im nächsten Dorf aussteigen fängt es an zu schütten. Der Scheibenwischer läuft rund 10 Sekunden auf maximaler Stufe als plötzlich die Plastikaufhängung eines der beiden Scheibenwischerbläter bricht. Ich muss anhalten und bei strömendem Regen aussteigen, der Schirm hat bei dem Sturm überhaupt keine Wirkung, innerhalb von Sekunden bin ich komplett nass. Damit ich wenigstens weiterfahren kann reiße ich das gesamte Wischerblatt ab und fahre total durchnässt erstmal nur mit einem Scheibenwischer weiter. Irgendwann kommt eine Tankstelle, es gibt natürlich auch hier keinen Diesel aber wenigstens ein Dach. Ich habe drei Ersatzscheibenwischer dabei und auch drei neue Plastikhalter, bekomme an der Tankstelle alles repariert. Kurze Zeit später sehe ich an einer weiteren Tankstelle ein Fahrzeug tanken. Es gibt tatsächlich Diesel! Nachdem ich in der Republik Kongo eine Strecke gefahren bin, die soweit ist wie von Hamburg nach München gibt es hier tatsächlich den ersten Diesel, ich habe an jeder einzelnen Tankstelle bis hierher gefragt. Ich fülle alles auf und finde kurze Zeit später eine Bank, deren Automat tatsächlich auch noch Geld ausgibt. Auch finde ich eine Ananas am Straßenrand, die Versorgung wird für mich also langsam besser. Bisher empfinde ich die Versorgungslage in der Republik Kongo als die schlechteste von ganz Afrika, es mangelt an allem.
Am Nachmittag erreiche ich mein Tagesziel, ein Hotel mitten im Nirgendwo, das beste der ganzen Republik Kongo. Vielleicht gibt es kein besseres Hotel im Umkreis von 1000 Kilometern. Pfaue laufen durch den Garten, es gibt einen offenen Ballsaal und ein gehobenes Restaurant, es ist unglaublich chic. Es ist nur leider niemand anwesend, kein Personal, kein Gast, das Hotel ist komplett verwaist. Bei strömendem Regen laufe ich 15 Minuten durch den Hotelkomplex und finde niemanden. Es stehen einzelne Geländewagen auf dem Hof, bei näherem Hinschauen sind alle kaputt oder haben platte Reifen. Die Autos wurden irgendwann mal hergefahren und dann vergessen. Ich will eigentlich schon fahren, als ich in einem der Gebäude dann doch jemanden antreffe. Die Zimmer sollen 100€ die Nacht kosten, für 15€ kann ich im Auto schlafen. Es wird eine Dame ins Restaurant beordert um mir Essen zu kochen, das Essen schmeckt überraschend gut. Im Restaurant steht der Weihnachtsbaum noch immer in der Ecke, in der Bar gibt es nur noch ein paar halbleere Flaschen mit Hochprozentigem. Nicht zum ersten Mal auf der Reise frage ich mich, wozu dieser Ort wohl dienen mag.Leia mais

Viajanteeigentlich ist die Funktion ganz einfach zu erklären. Irgendwie muss man ja die Gelder der Entwicklungshilfe parken, ausgeben oder waschen! Und nicht vergessen, Kongo ist eines der Länder mit den höchsten Vorkommen an Koltan. Deshalb ist gerade in der DR Kongo mehr oder weniger Krieg.Die lokalen Landlords schwimmen in Geld!
Tag 181, 181 Km/23284 Km
26 de fevereiro de 2025, Congo ⋅ ☁️ 30 °C
Der kühle Wind am Morgen ist nach vielen vielen Wochen der Hitze eine sehr angenehme Abwechslung. Es ist auch heute stark bewölkt und die fehlende Sonne in Kombination mit dem kühlen Wind und den endlosen Feldern sorgen für eine total schöne Atmosphäre am Morgen. Die Landschaft ist im Zentrum der Republik Kongo noch einmal vollkommen anders, hügelige Steppe soweit man schauen kann, wirklich unfassbar schön. Ich habe das Gefühl nicht mehr im Kongo sondern in der Mongolei oder in Schottland zu sein, in ganz Afrika habe ich noch nie eine ähnliche Landschaft gesehen. Die Straße wird schlechter, bleibt im allgemeinen aber gut. Direkt an der Straße finde ich einen Gashandel, der mir eine meiner beiden Campingazflaschen auffüllen kann. Man hat den passenden Adapter, das passende Gas und sogar eine moderne Waage um die richtige Menge abzuwiegen. Niemals hätte ich gedacht so etwas hier im Kongo zu finden. Die wenigen Mitarbeiter die hier arbeiten sind alle sehr neugierig, wer ich bin und wieso ich mit dem Auto von Europa bis hierher gefahren bin. Man ist so stolz auf die moderne Abfüllanlage, dass man mir eine Führung durch die kleine Gasfabrik anbietet. Ich muss zuerst zum Chef, er verbietet mir zu fotografieren, erteilt mir dann aber die Absolution zur Besichtigung. Ich muss eine blaue Warnweste und einen Helm anziehen, Sicherheit ist in Afrika nach wie vor sehr wichtig, anschließend darf ich zu der Abfüllstation, wo man mir genau erklärt, wie das Gas gehandhabt wird. Die ganze Firma macht in der halben Stunde eigentlich nichts anderes als sich um mich zu kümmern, ausgenommen der Chef.
Mit vollen Gastanks fahre ich irgendwann von der Hauptstraße runter und auf eine kleine Offroadpiste. Die Piste führt direkt über die hügeligen Felder bis in den Lefini Nationalpark. Am Camp der Ranger parke ich für die Nacht, niemand ist anwesend, das niemand hier ist wusste ich jedoch schon. Vollkommen alleine mitten in der Natur zu sein ist schon etwas besonderes. Sollte morgen einer der Ranger auftauchen, besteht hier die letzte Möglichkeit für mich, Gorillas auf dem Weg nach Südafrika zu sehen. Hoffentlich taucht morgen sowohl ein Gorilla, als auch ein Ranger auf.Leia mais
Tag 182, 0 Km/23284 Km
27 de fevereiro de 2025, Congo ⋅ ☀️ 32 °C
Am Morgen sind drei Ranger im Camp. Wir besprechen kurz, wie der Tag ablaufen kann, anschließend fahre ich mit einem der Dreien mit dem Schnellboot über den Fluss. Wir haben Bananen, Ananas und Aubergine an Bord und die drei Gorillas, die auf den Inseln rund um den Fluss leben wissen das natürlich. Plötzlich steht er am Ufer. 300 Kilo, schwarze Haare, silberner Rücken. Der erste westliche Flachlandgorilla den ich in meinem Leben außerhalb eines Zoos sehe. Was für eine Erscheinung, sein Geruch und seine Körperhaltung sind fast schon angsteinflößend. Wir fahren ziemlich nah mit dem Boot an die Insel, der Gorilla ist keine 3 Meter mehr entfernt. An Bord kommen kann er nicht, Gorillas haben Angst vor Wasser. Er grunzt, will jetzt endlich eine Aubergine haben, schließlich hat er extra hier am Ufer auf uns gewartet. Er bekommt seine Aubergine, ich dafür ein Foto von ihm. Auch die anderen beiden Gorillas sehen wir später, nicht ganz so nahe aber trotzdem noch total beeindruckend.
Wir fahren noch eine weitere Stunde auf dem Fluss, dessen Wasser stellenweise pechschwarz und dessen Ufer dicht bewachsen sind.
Schließlich verlassen wir das Boot und besteigen einen der Berge am Flussufer. Während der Ranger barfuß läuft, die ganze Zeit telefoniert und oben nicht einmal außer Atem scheint, brauche ich als wir endlich oben ankommen fast eine Herz-Lungen Maschine. 6 Monate im Auto rächen sich jetzt. Immerhin lohnt sich die Ackerei, der Blick vom Gipfel auf den Fluss und die weite bewaldete Steppe ist traumhaft. Auf dem Rückweg zum Camp sehen wir noch eine Gruppe Flusspferde im Wasser. Der Ranger reagiert recht hektisch und gibt Vollgas, er sagt mir, dass Flusspferde auch für uns auf dem Boot sehr gefährlich sein können. Angst vor Wasser, wie der Gorilla, haben sie in jedem Fall nicht.Leia mais

ViajanteIst das wunderschön!!!! Schön für dich, dass es geklappt hat und du die Gorillas tatsächlich noch sehen konntest.
Tag 183, 160 Km/23444 Km
28 de fevereiro de 2025, Congo ⋅ ☁️ 33 °C
Eigentlich hatte ich vor, Großstädte in Afrika nach Kamerun grundsätzlich zu meiden, die Verlockung nach fast drei Wochen wieder einen Supermarkt oder ein ordentliches Restaurant zu finden ist jedoch zu groß, also mache ich mich auf den Weg nach Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo. Je näher ich der Stadt komme, umso bewohnter wird es. Die Dörfer werden größer, die Straße ist irgendwann vierspurig, sogar eine Mautstation gibt es. Die Tage in der Natur sind somit erst einmal vorbei. Brazzaville ist ziemlich entspannt, kein Vergleich zu Yaoundé, Lagos oder Douala, ich fahre ohne einen einzigen Stau bis ins Stadtzentrum. Zwischen Mauretanien und Kamerun waren fast alle großen Städte ähnlich, chaotische Straßen, Märkte, viel Betrieb, Brazzaville ist deutlich entspannter. Ich halte an einem großen Hotel, habe den Tipp bekommen, dass es ein gutes italienisches Restaurant im Hotel gibt. So ist es auch!
Zwei Reisende, mit denen ich viele Wochen in Westafrika zusammen war, haben mir außerdem den Tipp gegeben, dass es die Möglichkeit gibt am Tennisclub von Brazzaville zu übernachten. Von der portugiesischen Besitzerin werde ich super freundlich empfangen, es gibt Duschen, bei denen man einen Wasserhahn aufdrehen kann und oben aus der Dusche kommt Wasser! Außerdem eine Toilette mit einer richtigen Spülung, ohne Eimer danebenstehend. Die Nacht auf dem großen Parkplatz ist dazu kostenfrei. Auch wenn sich Italien oder Spanien für einen Städtetrip sicherlich besser anbietet als die Republik Kongo, werde ich die nächsten Tage nutzen um Brazzaville zu erkunden.Leia mais
Tag 184, 39 Km/23483 Km
1 de março de 2025, Congo ⋅ ☁️ 34 °C
Ich verlasse den Tennisclub und mache mich auf den Weg zum Supermarkt. Keine 500 Meter gefahren gibt es einen Kreisverkehr, vierspurig und mit sieben Ausfahrten, durch den riesigen Kreisverkehr führen nochmal zwei Spuren quer durch die Mitte hindurch. Im Kreisverkehr steht die Polizei und natürlich hält man von allen Autos die hier gerade fahren nur mich an. Die weißbehandschuhte Dame ist super unfreundlich, ich stehe mitten auf einer der Spuren und sie will die Papiere sehen. Ich sage ihr, dass ich erstmal irgendwo ranfahren will, also weist sie mich an, in eine der sieben Ausfahrten zu fahren - in die Richtung, in die ich gar nicht will. Jegliche Diskussion wird ihrerseits sofort unterbunden, genau dort soll ich reinfahren. Im Rückspiegel sehe ich sie mit einem anderen Polizisten sprechen, dann kommt sie zu meinem Auto und sagt, ich darf weiterfahren. Wie gut, dass ich jetzt extra die Ausfahrt genommen habe, die ich eigentlich gar nicht nehmen wollte.
Auf dem Weg zum Supermarkt herrscht unglaubliches Chaos an allen Banken und an allen Geldautomaten. Überall stehen riesige Menschenmassen an. Ob es am neuen Monat liegt, der heute begonnen hat oder ob die Versorgungskrise auch das Bargeld betrifft? Zum Glück habe ich noch genügend Geld und muss mich hier nicht stundenlang in die Schlange anstellen. Glücklicherweise ist die Versorgung im Supermarkt gut, es gibt alle Produkte genauso wie in Europa.
Ich versuche in Brazzaville etwas zu besichtigen, aber eigentlich hat alles dauerhaft geschlossen. Brazzaville eignet sich zum Einkaufen, zum Essen gehen, aber leider nicht zum Sightseeing. Ich fahre also raus aus der Stadt, sehe auf dem Weg zum ersten Mal den Kongo-Fluss. Was ein Gefühl, mit dem Auto bis zum Kongo, dem größten Fluss Afrikas gefahren zu sein. Ich fahre zu den Kongo-Stromschnellen, es gibt ein toll gelegenes Restaurant von dessen Terrasse man einen direkten Blick auf den Fluss hat. Leider ist das Essen ungenießbar.
Auf dem Rückweg zum Tennisclub werde ich zum zweiten Mal von der Polizei angehalten. Nachdem alle Papiere geprüft sind geht es mal wieder um die getönten Scheiben. Die Scheiben im Heckbereich zu tönen ist ein schweres Verbrechen und illegal im Kongo, erklärt er mir. Jetzt geht das schon wieder los, ich denke nicht, dass diese Regel existiert, da 90% der Fahrzeuge getönte Scheiben haben und selbst wenn, ist mein Fahrzeug nicht im Kongo zugelassen. Also beginnt die Diskussion, mittlerweile spule ich schon fast ein einstudiertes Programm ab. Ich bin auch langsam echt stinkig und bringe das auch zum Ausdruck, natürlich soll hier wieder einmal Geld in Bar und ohne Quittung gezahlt werden. In Afrika wird die Resilienz manchmal echt auf die Probe gestellt, die Polizei ist wirklich vom Senegal bis zum Kongo potenziell korrupt. Mittlerweile bin ich schätzungsweise 1000 Mal auf dem Weg von Europa nach Südafrika von der Polizei angehalten worden und kein einziges Mal habe ich Geld gezahlt, alles habe ich ausgesessen. Klappt auch im Kongo, nach 10 Minuten winkt er mich weiter. Ich fahre am Nachmittag zurück zum Tennisclub für eine weitere Nacht auf dem wirklich ruhigen Besucherparkplatz. Brazzaville werde ich morgen früh wieder verlassen.Leia mais
Tag 185, 265 Km/23748 Km
2 de março de 2025, Congo ⋅ ☁️ 33 °C
Es könnte alles so einfach sein, einfach mit dem Auto über die Brücke von Brazzaville nach Kinshasa, ich wäre am Nachmittag in Angola. Das Problem: die Brücke gibt es nicht. Zwischen Brazzaville, 2 Millionen Einwohner und Kinshasa, 16 Millionen Einwohner, direkt gegenüber und nur durch den Kongo-Fluss getrennt, gibt es nur eine chaotische Fährverbindung. Eine Brücke soll seit Jahrzehnten gebaut werden, scheitert aber immer an irgendwelchen Dingen. Ich wäre sogar bereit, mich auf die Fähre einzulassen, aber Fahrzeuge müssen mit einem Kran auf die Fähre gehoben werden, drauffahren geht nicht. Bis man mit der Fähre dann irgendwann auf der andere Seite angekommen ist und das Fahrzeug ausgeladen wurde, vergeht ungefähr eine Woche. Es gibt also eigentlich keine sinnvollere Alternative um viel Geld und viele Nerven zu sparen, ich muss die 700 Kilometer Umweg über Cabinda fahren. Cabinda gehört bereits zu Angola, ist eine Exklave und somit vom 'eigentlichen' Angola getrennt. Der Weg muss also über die Ost-West Tangente der Republik Kongo, über Cabinda und anschließend über die Demokratische Republik Kongo nach Angola führen.
Ich verlasse somit Brazzaville wieder nach Norden und biege nach rund zwei Stunden nach Westen ab. Es gibt einen vierspurigen Highway fast bis nach Cabinda, die Straße ist wunderschön über hügeliges Land gebaut und mautpflichtig. Eines muss ich der Republik Kongo lassen, die Straßen sind allesamt in bestem Zustand und führen durch wunderschöne Natur. Außerhalb von Brazzaville werde ich, wie an allen Tagen zuvor, an jedem Checkpoint direkt weitergewunken. Ich komme gut voran und finde am Mittag ein kleines und überraschend gutes Hotel. Eine Nacht in einem Bett kann sicherlich nicht schaden.Leia mais
Tag 186, 208 Km/23956 Km
3 de março de 2025, Congo ⋅ ⛅ 30 °C
Es geht weiter in den Westen der Republik Kongo. Ich brauche dringend Bargeld, muss außerdem die SIM-Karte wieder aufladen, also halte ich in Dolisie, einer mittelgroßen Stadt an. Am Geldautomaten möchte ich Geld ziehen, auch hier kommt das Geld nicht raus, wird aber abgebucht - jetzt schon zum zweiten Mal. In der Bank eine riesen Schlange, hunderte Leute warten vor den Schaltern. Ich muss also im Nachgang versuchen, den Betrag irgendwie zurück zu bekommen, immerhin war es keine große Summe.
Hinter Dolisie ändert sich die Umgebung, weite grasige Steppe weicht wieder einmal dichtem Regenwald, die Straße führt über unzählige Kurven die Berge hinauf. Die Natur in der Republik Kongo ist vom ersten Tag bis jetzt einfach unvergleichlich und unglaublich schön. In der Nähe des höchsten Punkts der Bergstraße führt ein kleiner Pfad in einen Nationalpark. Am Ende der Offroadpiste gibt es ein kleines Dorf, Dimonika, deren Einwohner fast alle Goldgräber sind. Schon auf der Anreise sehe ich Anwohner Gold in einem der vielen kleinen Flüsse waschen. Am Ende des Dorfes gibt es ein riesiges Anwesen, ein Gebäude aus der Kolonialzeit. Auf dem Anwesen wohnt Jan, ein Auswanderer aus Belgien. Mit Jan habe ich bereits vor einigen Tagen geschrieben, ich darf neben seinem Haus im Auto übernachten. Die Gegend rund um den Nationalpark und die Goldgräber ist meine letzte Station in der Republik Kongo, bevor es in drei Tagen über die Grenze nach Cabinda geht.Leia mais
Tag 187, 0 Km/23956 Km
4 de março de 2025, Congo ⋅ ☁️ 29 °C
Am späten Abend lädt mich Jan zum Essen in sein Haus ein. Es gibt kein fließendes Wasser und nur dann Strom, wenn die Sonne scheint oder der Generator läuft. Es gab einst Strom, aber die Kabel und Leitungen die durch die Stadt gezogen wurden sind irgendwann von den Anwohnern entfernt und verkauft worden. Im Licht der Kerzen sitzen wir also in einem der Zimmer des alten Hauses an einem langen Tisch, während wir gemeinsam zu Abend essen. Jan hat eine lange Geschichte im Kongo, hat irgendwann einmal das Haus gekauft und sich hier niedergelassen, was den Goldgräbern im Tal überhaupt nicht gepasst hat. Der Ober-Goldgräber hatte damals ein Kopfgeld auf ihn angesetzt, weil man die Sorge hatte der 'Weiße' würde den Goldhandel übernehmen. Es hat Jahre gedauert, bis er akzeptiert wurde. Die Stadt Dimonika, welche am Fuße des alten Kolonialgebäudes liegt, ist ein verruchtes Nest von Glücksrittern und Kriminellen, die ohne irgendeine Lizenz im Nationalpark nach Gold graben und sich hier zum Teil vor dem Gesetz verstecken. Niemand möchte hier fotografiert werden, das macht mir Jan schon am Abend klar, das Anwesen rund um das Kolonialgebäude soll ich nicht alleine verlassen. In der Stadt gibt es große Probleme mit Drogen und Alkohol, nach der harten Arbeit im Wald dröhnt sich am Abend jeder im Dorf zu, selbst die Kinder. Bis zum Sonnenaufgang höre ich laute Musik von den vielen Bars bis hoch zum Auto.
Mit einem Mitarbeiter von Jan geht es am Morgen zu Fuß durch den Wald. Es gibt einen alten Goldgräberstollen, in dem es mittlerweile kein Gold, dafür jede Menge Fledermäuse und Insekten gibt. Wir laufen anschließend durch Dimonika, eine Stadt die ohne weiteres als Szenerie für einen Wild-West Film dienen könnte. Es fehlt eigentlich nur noch Clint Eastwood oder Christoph Waltz, dann wäre es perfekt. Die in der Stadt stehenden Kolonialgebäude wurden durch die Goldgräber okkupiert, der Rest der Stadt hat sich darum formiert. Es gibt Glücksspielautomaten, unzählige Bars und jede Menge Alkohol zu kaufen. Die Einwohner sind alle freundlich aber gleichzeitig skeptisch, Touristen sind okay, solange sie nicht nach Gold suchen.
Am Nachmittag ziehen wir weiter, zu Fuß tief in den Wald, um die Goldgräber bei der Arbeit zu beobachten. Die Goldnuggets müssen hier nicht gewaschen werden, sondern sind so groß, dass sie mit dem Metalldetektor aufgespürt werden können. Die Goldsucher graben ein tiefes Loch in den Boden, der Aushub wird dann breit ausgelegt und mit dem Metalldetektor abgesucht. Man gräbt bis zu 12 Meter in die Tiefe, die Löcher stürzen regelmäßig ein und begraben immer wieder Arbeiter darin, die dann für Ringe und Armbänder ihr Leben lassen müssen.
Plötzlich zieht ein Sturm auf - ja, es ist noch immer Regenzeit. Aus dem Wald rennen von überall Goldgräber ins Tal, wir mittendrin. Es schüttet bereits, als wir eine der vielen Bars erreichen. Wir müssen uns unterstellen, es stürmt, blitzt und donnert. Nach dem Regen rennen die Goldgräber, die sich mit uns untergestellt haben direkt wieder raus, die Chance ist hoch, dass der Regen jetzt Goldklumpen aus dem Wald schwemmt, die dann direkt auf der Lehmstraße liegen könnten. Ich suche natürlich mit, finde aber zum Glück keinen. Schließlich möchte ich den Ort übermorgen verlassen, ohne dass ein Kopfgeld auf mich angesetzt ist.Leia mais
Tag 188, 0 Km/23956 Km
5 de março de 2025, Congo ⋅ ☁️ 31 °C
Jan organisiert am Morgen zwei Mototaxis und gemeinsam mit einem seiner Mitarbeiter fahren wir tief hinein in den Wald. Die Straße ist schlecht, super schlecht. Ich bin mir sicher, dass die Straße mit einem Auto unpassierbar ist, die schlechteste Straße der ganzen Reise. Viele Male muss ich absteigen, weil das Motorrad im tiefen Schlamm stecken bleibt oder weil es zu gefährlich ist, zu zweit auf einem Motorrad weiter zu fahren. Nach rund einer Stunde Fahrzeit kommen wir in einer winzigen Goldgräberstadt an, viel kleiner als Dimonika. Häuser aus Holz und Wellblech sind rund um die Lehmstraße gebaut, es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser, kein Empfang, weshalb das Dorf auch Noreseau (zu Deutsch: Kein-Netz) genannt wird. Die Stimmung in dem Dorf ist unglaublich bedrückend, fast alle Anwesenden sind schon am frühen Morgen von hartem Alkohol betrunken oder auf irgendwelchen Drogen - und jetzt fährt hier ein Weißer durch das Dorf. Wir gehen zum Dorfchef, der als einziger noch nicht betrunken ist und zahlen für sein Bier, schmieren ihn mit 5000 Franc (7.50€), damit wir akzeptiert werden. Auch wenn wir von vollkommen zugedröhnten Goldgräbern umringt sind, lässt man uns in Ruhe.
Auch rund um das Dorf gibt es Stollen, wir besichtigen einen davon. In den Stollen wird noch immer nach Gold gegraben, erst kürzlich ist einer eingestürzt und hat ein Kind begraben. Ich bin froh, als wir wieder draußen sind. Wir besuchen schließlich die Goldgräber. Im Gegensatz zu gestern arbeitet man hier tief im Wald, nutzt Pumpen und Waschstraßen um das Gold zu finden. Die Umweltverschmutzung ist massiv, Bäume werden gefällt, der gesamte Boden umgegraben. Das Wasser ist braun vom darin aufgelösten Sand und Lehm, auslaufende Betriebsstoffe der Generatoren und Pumpen färben das Wasser in allen Farben des Regenbogens. Schon das Mitführen einer Kamera in der Tasche sorgt für heftige Anfeindungen, niemand möchte hier fotografiert werden. Alle Goldgräber sind von der harten Arbeit extrem durchtrainiert, schon die Kinder sind muskulös. Täglich über zehn Stunden schwere körperliche Arbeit, oft im knietiefen Wasser, dazu ständig in Lebensgefahr durch einbrechende Stollen, herunterfallende Steine und die laufenden Maschinen ist für mich persönlich unvorstellbar.
Wir besichtigen noch eine weitere Ausgrabungsstelle, an der die Arbeiter gerade eine Schildkröte im Wald gefunden haben. Die Schildkröte ist bereits gekocht, als wir eintreffen, wird anschließend samt Innereien aufgeteilt und verspeist. Man bietet mir ein Stück der Schildkröte an, anschließend wildes Marihuana, angeblich viel stärker in der Wirkung als gezüchtetes Marihuana. Ich lehne beides ab.
Ich war an vielen schlimmen Orten in Afrika, habe viele schlechte Arbeitsbedingungen gesehen und auch hier wird mir wieder einmal bewusst, dass das Gold, was wir zu Hause haben oder welches für irgendwelche Technik notwendig ist, nicht einfach irgendwo herkommt sondern unter härtesten Bedingungen und größtmöglicher Umweltzerstörung hier im Wald vom Kongo gefunden wird.
Zum Abschluss frage ich einen der anwesenden, wie oft denn Touristen herkommen. "Sehr oft" seine mich überraschende Antwort. "Erst letztes Jahr waren zwei Chinesen da".
Meine Reise in der Republik Kongo endet mit einem letzten Abendessen bei Jan. Die drei Tage in seinem Haus und in der Gegend der Goldgräber waren für mich persönlich das Highlight vom Kongo, vielleicht sogar der ganzen Reise. Ich könnte hier durchaus noch Tage oder gar Wochen bleiben, irgendwas macht der Ort mit mir. Leider muss ich morgen weiter.
So wird dies die letzte Nacht in der Republik Kongo sein. Sollte alles nach Plan laufen, fahre ich morgen über die Grenze nach Angola in die Exklave Cabinda. Mit Grenzübertritt beginnt gleichzeitig auch die dritte und letzte schwierige Phase dieser Reise: Cabinda und die anschließende Durchquerung der Demokratischen Republik Kongo.Leia mais
Tag 189, 276 Km/24232 Km
6 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 28 °C
Jan fragt mich am Abend, ob ich wohl seine Frau am kommenden Morgen mit nach Pointe Noire nehmen könnte. Für mich kein Problem, schließlich ist der Platz neben mir zur Zeit sowieso frei. Sein Schwiegervater wohnt 50 Meter von der Grenze zu Angola entfernt, im Gegenzug soll dieser schon alles für die Einreise organisieren. Wir fahren also am Morgen zu zweit die anfangs noch gute Straße bis nach Pointe Noire. Alles das, was die Republik Kongo bislang zu bieten hatte, verschwindet bei der Einfahrt in die Stadt. Es ist plötzlich heiß und schwül, die Straße schlagartig unglaublich schlecht. Es gibt Staus und ein Chaos, welches ich seit Yaoundé nicht mehr hatte. Wir brauchen über zwei Stunden um die Stadt zu passieren. Die Straße zur Grenze bleibt schlecht, der Schmuggel von Kraftstoffen aus Cabinda in Richtung der Republik Kongo ist deutlich zu sehen, alles was fahren kann wird genutzt um Diesel und Benzin für 14 Cent in Cabinda zu kaufen, über die Grenze zu bringen und dann für über einen Euro im Kongo zu verkaufen.
Ich treffe Jans Schwiegervater an der Grenze, ein alter Mann mit Krückstock und Gehfehler. Er kennt jeden an der Grenze, stellt mich überall als seinen Sohn vor. Der 'Sohn' eines der Dorfältesten der Grenzstadt wird dermaßen bevorzugt behandelt, dass ich an den langen Schlangen direkt nach vorne darf und innerhalb von 5 Minuten aus dem Kongo ausgereist bin. Zum Glück hat niemand den Schwindel bemerkt, keiner hat gesehen, dass ich eigentlich weiß bin.
Auf der Seite Angolas bleibt Jans Schwiegervater bei mir, hat hier aber keine Macht mehr. Der Einreiseprozess ist unglaublich zäh, nichts ist optimiert. Ein ökonomisches Kalkül, der Prozess wird unnötig in die Länge gezogen um die illegale Ausfuhr von Diesel und Benzin so wenig reizvoll wie möglich zu machen. Als Beispiel werden die Passdaten mal wieder in irgendein Buch geschrieben, die unfreundliche Dame kann nur leider nicht schreiben und malt so Buchstabe für Buchstabe nach. Auch wird das Auto fotografiert, dieses muss dafür in einer zuvor exakt beschrieben Stelle geparkt werden. Ich stehe einen Meter zu weit hinten, darf also wieder einsteigen, den Motor anmachen und den Meter vorfahren.
Den Pass abstempeln zu lassen und die Einfuhr des Fahrzeuges zu organisieren dauert samt dem Zirkus drumherum mehr als zwei Stunden. Am späten Nachmittag ist die Einreise endlich irgendwann erledigt, Jans Schwiegervater verlässt mich ohne irgendwas für seine Dienste zu verlangen. Schließlich bin ich sein Sohn! Er bekommt trotzdem etwas als Gegenleistung.
Ich versuche an der Grenze eine Versicherung für das Auto zu bekommen, es gibt jedoch keine. Mir bleibt also nicht übrig als die nächsten zwei Tage ohne Haftpflichtversicherung bis in die Demokratische Republik Kongo zu fahren. Versicherungen zahlen bei einem Unfall in Afrika generell sowieso nicht, der Nachweis wird ausschließlich für Polizeikontrollen benötigt.
Es ist schon ziemlich spät, als wir am Abend kurz vor Cabinda-Stadt unser Hotel erreichen. Leider ist das Hotel ausgebucht. Es ist Donnerstag, es gibt 50 Zimmer, es steht kein einziges Auto vor dem Hotel aber 'es ist ausgebucht'. Die Frage, ob es möglich ist im Auto zu übernachten wird natürlich verneint und nach 10 Stunden Fahrzeit samt Grenzübertritt ist uns nicht danach, das kurze Stück im fast Dunkeln weiter nach Cabinda-Stadt zu fahren. Wir drehen also um und fragen an einem Restaurant, ob wir die Nacht auf dem Parkplatz stehen dürfen, welcher überraschend ruhig und schön ist. Eine Alternative hätte es zu der Uhrzeit nicht mehr gegeben, wir sind froh, überhaupt einen Platz für die Nacht gefunden zu haben.
Es geht morgen direkt wieder raus aus Cabinda und über die Grenze in die Demokratische Republik Kongo. Cabinda fühlt sich aktuell gut an, auch wenn es Probleme mit Separatisten und Rebellen in diesem kleinen Abschnitt Angolas gibt, auf den Straßen gibt es eine hohe Militärpräsenz.
Ab heute reise ich wieder in Begleitung.Leia mais
Tag 190, 176 Km/24408 Km
7 de março de 2025, República Democrática do Congo ⋅ 🌩️ 30 °C
Am frühen Morgen beginnt er, der Tag an dem ich in die Demokratische Republik Kongo einreisen werde. Es gäbe eine unregelmäßig fahrende Fähre von Cabinda-Stadt nach Angola, aber Nutzen steht leider in keiner Relation zum Aufwand, also kann es eigentlich nur über Land weiter gehen. Wir fahren durch die Innenstadt von Cabinda, optisch keine Augenweide. Die Straßen sind maximal kaputt, Wellblechhütten ziehen sich die Berge hinauf, Müll überall. Es wird portugiesisch gesprochen, was mich im Zusammenspiel mit dem optischen Eindruck der Stadt wieder einmal an ein Armenviertel in Rio de Janeiro erinnert. Auf dem Weg gibt es zig Tankstellen, vor allen lange Schlangen von bis zu 200 Autos. Oft beginnt die Schlange von Fahrzeugen schon weit bevor die Tankstelle überhaupt zu sehen ist. Für Diesel und Benzin wird hier im wahrsten Sinne des Wortes tagelang angestanden, schon morgens schlafen die Leute in den Autos vor den noch nicht geöffneten Tankstellen. Ähnliches Bild vor Geldautomaten, Supermärkten, Getränkehandel.
Es geht zügig zur Grenze, die Seite von Cabinda ist easy und in 20 Minuten erledigt. Man stempelt das Carnet in einem Schuppen, in dem sich Berge von losen Papieren in den Ecken auftürmen.
Dann geht es auf die andere Seite, in die Demokratische Republik Kongo. Die Pässe werden eingesammelt, schließlich auch der Nachweis der Gelbfieberimpfung. Dann geschieht nichts mehr. Stundenlang sitzen wir auf einer Holzbank in der Ecke. Der Chef ist nicht da, er ist der Einzige der den Stempel in den Pass drücken darf. "Wann kommt der Chef?" frage ich. "Bald." die Antwort. Nach zwei Stunden gewährt man uns, das Fahrzeug schon einmal beim Zoll zu deklarieren. Wir sitzen 30 Minuten in einem Zimmer während der Beamte uns Fragen wie "Wieso habt ihr nicht gebetet, bevor ihr den Raum betreten habt" fragt. Die 30 Minuten dienen ausschließlich der Befragung mit irgendwelchen absurden Fragen, schließlich weist er eine seiner Mitarbeiterinnen an, dass wir die Fahrzeuge einführen dürfen.
Es geht zurück zur Polizei, der Chef ist noch nicht da, also warten wir eine weitere Stunde. Schließlich kommt jemand, gekleidet in Zivil zu uns und fragt auf französisch: "Na, schon müde?" Wir sitzen fast vier Stunden auf der Holzbank und wissen nicht, wann es weitergeht und ob überhaupt, also ja, wir sind müde. "Gut, hier eure Pässe, dann dürft ihr jetzt einreisen." Leider nur die halbe Wahrheit, wir müssen noch ins Büro der Gesundheitsbehörde, da liegen seit vier Stunden die Impfnachweise, jetzt muss noch alles von den Impfpässen in ein Buch geschrieben werden. Schließlich dürfen wir weiter, beide Autos an, rückwärts vom Hof, als 5 bewaffnete Polizisten zu uns kommen. "Aussteigen, alles ausräumen, alle Schränke auf, die Autos werden jetzt durchsucht." In der Demokratischen Republik Kongo ist man noch nicht bereit für Touristen und das wird sicherlich auch noch ein paar Generationen dauern. Am mittlerweile späten Mittag dürfen wir dann irgenwann wirklich weiter. Dass mir die schwierigste Prüfung des Tages noch bevorsteht, weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
An der Grenze gibt es auch hier keine Versicherung für Heiner, also geht es ohne weiter.
Die Straße wird zur Piste, Tiefsand und Schlamm wechseln sich ab. Überall Autos mit unzähligen Kanistern, die Diesel über die Grenze von Cabinda schmuggeln. Irgendwann gibt es wieder Asphalt, zeitgleich beginnen die Polizeikontrollen. Wir werden zig mal angehalten, ich muss aussteigen, die Schränke öffnen, den Pass vorzeigen. Wir kommen nach Boma, unserem Tagesziel. An einer unübersichtlichen Kreuzung fahre ich in eine Einbahnstraße, welche nicht durch ein Schild gekennzeichnet ist, sondern dadurch, dass mir ausschließlich Fahrzeuge entgegen kommen. Bevor ich drehen kann, steht ein Polizist an meinem Seitenfenster. Er ist außer sich, schreit mich an, was mir denn einfällt. Kein Argument ist jetzt mehr wirksam. Dann kippt die Stimmung. Er ist der Meinung, wir wären Terroristen. Mehrfach sagt er, er wird uns gleich erschießen, formt mit den Fingern eine Pistole und hält sie sich an den Kopf. Es geht hier nicht um Schmiergeld, dass ist mir mittlerweile klar. Die Situation ist ernst, richtig ernst. Im Kongo gibt es derzeit Krieg und wir wären hier um seine Stadt zu überfallen, so die Annahme. Es eilt eine seiner Kolleginnen herbei aber diese bekommt ihn nicht beruhigt. Plötzlich sagt er, er nimmt uns fest, macht mit seinen Händen die Geste von Handschellen. Er sammelt Pass und Führerschein ein, setzt sich auf ein Motorrad, wir sollen folgen. In Boma gibt es ein großes Polizeirevier, hier halten wir an. Er übergibt unsere Dokumente an seinen Chef, spricht mit ihm in einer mir nicht bekannten Sprache. Dieser kommt nun zu uns und das erste was er tut ist uns anzuweisen ab sofort kein Deutsch mehr untereinander zu sprechen, die Situation entwickelt sich nicht gut. Wir folgen in ein klimatisiertes Büro, in dem der Polizeichef sitzt. Er begrüßt uns immerhin freundlich, sagt dann aber wir sollen schon einmal bei der deutschen Botschaft in Kinshasa anrufen. Die gesamte Konversation läuft auf französisch, keiner der anwesenden Polizisten spricht englisch. Ich erkläre dem Chef, dass ich die Nummer nicht kenne, erzähle darauf los, was wir hier machen, wieso wir da sind und dass nicht einmal klar ist, wieso wir überhaupt festgenommen werden. Der Vorwurf des Terrorismus wiegt schwer, wir könnten Waffen dabei haben - haben wir aber nicht. Er telefoniert nun selber mit der kongolesischen Einwanderungsbehörde, ist die ganze Zeit nicht unfreundlich, wird dann aber plötzlich nett zu uns. Er wünscht, dass wir eine gute Zeit in Boma haben, fragt noch wo wir übernachten. So schnell wie die Stimmung auf der Straße gekippt ist, so schnell entspannt es sich hier. Schließlich dürfen wir gehen, auch wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon mit einer Nacht in der Zelle gerechnet habe.
Mittlerweile ist es fast dunkel als wir die Kirche von Boma ansteuern. Hier lässt man uns die Nacht bleiben, während es plötzlich an zu Gewittern und zu Schütten beginnt.
Ich hatte vor der DR Kongo von Anfang an Respekt, es gibt mannigfaltige Probleme im ganzen Land, Rebellen, autonome Gruppierungen, die jüngsten Geschehnisse im Osten des Landes. Das der erste Tag jedoch gleich so beginnt, damit hatte ich nicht gerechnet. Bis zur Grenze nach Angola sind es noch 120 Kilometer, eine Tagesreise. Sollte alles gut laufen, die Polizei morgen gnädig sein und die Grenze nicht wieder unendlich lange dauern, ist dies die erste und letzte Nacht in der Demokratischen Republik Kongo.Leia mais
Tag 191, 290 Km/24698 Km
8 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 29 °C
Mit dem ersten Sonnenstrahl geht es los. Bis zur Grenzstadt Matadi sind es über 100 Kilometer, Matadi ist bekannt für einen Stau, der sich täglich quer durch die Stadt zieht und eigentlich alles lahmlegt. Die Stadt zu durchqueren dauert ungefähr einen Tag, also wollen wir so früh wie möglich ankommen, in der Hoffnung, dass der Stau am frühen Morgen noch nicht allzu groß ist. Von Boma schnell nach Matadi zu fahren ist eigentlich möglich, die Straße ist gut, es gibt jedoch viele Polizeikontrollen, jede einzelne hält uns an, jede einzelne prüft eine gefühlte Ewigkeit die Dokumente. Wir kommen erst nach über zwei Stunden Fahrzeit in Matadi an, viel zu spät um staufrei durchzukommen. Es gibt hier eine imposante Brücke über den Kongo die direkt ins Stadtzentrum von Matadi führt. Der letzte richtige Meilenstein vor Kapstadt, den Kongo nun endlich zu überqueren ist geschafft. Hinter der Brücke soll es noch 1.4 Kilometer geradeaus gehen, bevor die Straße zur Grenze abzweigt. Einen solchen Stau, ein solches Chaos wie auf diesem kurzen Stück habe ich bislang in Afrika noch nicht gesehen. Die Straße ist eigentlich viel zu schmal für die großen LKW, oft muss eine Seite die andere passieren lassen. Darunter mischen sich tausende Motorräder, Fußgänger und eigentlich alles sonst was fahren kann. In beide Richtungen gibt es einen unglaublichen Stau, für die 1400 Meter brauchen wir mehr als zwei Stunden. Die Polizei versucht den Verkehr zu regeln, die Beamten sind aber machtlos. An der einzigen Tankstelle seit dem Grenzübertritt herrscht natürlich auch das Chaos, keine Chance für mich heute hier noch dranzukommen. Ich verabschiede mich von meinen Reisebegleitung, die weiter nach Kinshasa fahren, ich biege alleine rechts nach Ango-Ango, der Grenzstadt ab. LKW blockieren die Fahrbahn, die Straße hat tiefe Löcher, es dauert nochmal eine weitere Stunde für die letzten vier Kilometer in der DR Kongo.
An der Grenze ist man freundlich, es gibt Helfer die unentgeltlich alle Formalitäten erledigen. Ich habe keine Kopien mehr vom Reisepass, also muss ich einen Dollar zahlen um den Kopierer nutzen zu dürfen. Nach rund einer Stunde reise ich nun endlich nach Angola ein.
Die DR Kongo wird mir als das schlechteste Land in Erinnerung bleiben, in dem ich jemals gewesen bin. Vielleicht gibt es irgendwo bessere Orte in diesem großen, chaotischen Staat, wer weiß. Falls es sie gibt, werden diese Orte in meinem Leben vermutlich an mir vorbei gehen.
Mit der Einreise nach Angola verlasse ich das letzte französisch-sprechende Land auf meiner Reise. Gleichzeitig verlasse ich Zentralafrika, bin schon bald in der Touristenregion des südlichen Afrikas. Alle planbaren Hürden dieser Reise liegen jetzt hinter mir. Mit Grenzübertritt wird mir bewusst, dass es sehr wahrscheinlich klappen wird, mit dem Auto in Südafrika anzukommen. Selbst ein Motor- oder Getriebeschaden wären jetzt hier vermutlich wieder reparabel.
Die Straße bis zum Tagesziel, der Stadt M'Banza Kongo wechselt zwischen gut und schlecht, Wald gibt es fast keinen mehr. Es fängt an zu regnen, der Boden wird weich, ist aber eigentlich auch egal. Ich muss dringend tanken, fahre mit dem letzten Tropfen in die Stadt, vielleicht sind noch 150 Milliliter im Tank. Dann kommt, was ich schon ahne. An der einzigen Tankstelle in M'Banza Kongo ist die Schlange rund 400-500 Fahrzeuge lang. Die Schmuggler kaufen den Sprit im gesamten Norden Angolas leer. Ich fahre bis vorne hin, vier Security mit Schlagstöcken sorgen am Kopf der Warteschlange für Ordnung. Ich frage höflich, ob man mich irgendwie vorlassen könnte. Immer wieder sagen mir die Security, ich muss mich hinten anstellen. Zu meiner Überraschung und sehr zum Unmut aller hier seit Stunden, vielleicht Tagen Wartenden lässt man mich plötzlich dann doch vor, ich hab nur noch rund 10 Fahrzeuge vor mir. Während die Masse hinter mir tobt, einzelne zu meinem Auto kommen und mir die Meinung auf portugiesisch geigen, erheben die Security hinter mir zum ersten Mal die Schlagstöcke in Richtung einzelner richtig aufgebrachter Motorradfahrer. Nach rund einer Stunde tanke ich 65 Liter für insgesamt 1.50 €. Eine komische Art von Marktwirtschaft, man könnte durch höhere Preise eigentlich ganz leicht den Schmuggel eindämmen.
Es ist bereits früher Abend, ich fahre zu einem geöffneten, jedoch verlassenen Hotel in der Stadt. Kakerlaken laufen die Zimmerwände hoch, als man mir das Zimmer präsentiert. Es gibt kein Strom, kein heißes Wasser. Wie gut, dass ich im Auto schlafen und diesen Tag nach 12 Stunden endlich beschließen kann.Leia mais
Tag 192, 478 Km/25176 Km
9 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 31 °C
Ich entscheide mich am Morgen, die 450 Kilometer nach Luanda in einem Tag zu fahren. Ich starte früh und verlasse M'Banza Kongo, besichtige auf dem Weg noch schnell die alte Kirche im Stadtzentrum. Auf dem Weg aus der Stadt heraus ist die Warteschlange vor der Tankstelle, die um halb 7 noch nicht einmal geöffnet ist, schon rund 500 Meter lang, dazu aus zwei Richtungen kommend. Die weitere Strecke nach Luanda ist traumhaft zu fahren, hügelige Wiesen mit grünem Gras und großen Felsen ziehen sich über hunderte Kilometer. Es gibt Polizeikontrollen, alle sind sehr freundlich, ich werde oft direkt durchgewunken. Es gibt einzelne Kontrollen, die Geschwindigkeitsmessungen durchführen, solche Geräte habe ich seit Marokko nicht mehr gesehen. Bis kurz vor Luanda gibt es noch einzelne Lehm- oder Strohhütten, als die Hauptstadt Angolas dann auftaucht, zeigt sich wie weit man in der Entwicklung bereits ist. Es gibt Kinos, Shopping-Malls und Fast-Food Ketten. Hochhäuser säumen die breiten, staufreien Highways, die Leute tragen Anzüge und Parfum. Ich esse in einer der Malls zu Mittag, habe die Wahl zwischen verschiedenen Restaurants, alles was auf der Karte ist ist natürlich auch verfügbar. Beim Mittagessen realisiere ich zum ersten Mal, dass die Zeit des Verzichts und die Zeit in unterentwickelten Ländern Afrikas nun final vorbei ist.
Ich habe in Luanda die Wahl zwischen gleich zwei guten und bekannten Stellplätzen, dem Jachthafen oder einem richtigen Campingplatz in einem Vorort. Ich entscheide mich für den Campingplatz, der sich als Paradies hinter Mauern entpuppt. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal warm duschen konnte, hier geht es. Es steht noch ein zweiter Defender auf dem Platz, die beiden Damen, denen das Auto gehört habe ich vor zwei Jahren in Finnland getroffen, jetzt sieht man sich hier zufällig und unabgesprochen wieder. Die Welt ist klein.
Ich werde die nächsten Tage in Luanda nutzen, um wieder alles in die Reihe zu bekommen und alles zu reparieren, eigentlich ist fast alles irgendwie kaputt. West- und Zentralafrika haben ihre Spuren hinterlassen.Leia mais

ViajanteWillkommen 🥂🍻! zurück in der normalen Reisewelt! Es war wirklich ein Erlebnis dir jeden Tag über mehrere Monate in wirklich unterhaltsamer Art zu folgen, man oder besser wir hatten wirklich das Gefühl, jeden Tag direkt dabei zu sein! Weiterhin eine gute Reise im südlichen Afrika!

ViajanteWir freuen uns natürlich auch auf deine Abenteuer in Angola, Namibia und ZA!
Tag 193, 11 Km/25186 Km
10 de março de 2025, Angola ⋅ ☀️ 31 °C
Gestern durfte ich heiß duschen, heute darf es Heiner. Ich bin zuerst damit beschäftigt, den Innenraum zu reinigen. Ausräumen, sauber machen, einräumen dauert vier Stunden. Ich mache mich anschließend auf den Weg zur Waschanlage, halte unterwegs bei einer Pizzeria und kaufe neue Schuhe und Flipflops. Die Schuhe sind seit Wochen schon drüber, die Flipflops wurden in der Republik Kongo nachts vor dem Auto stehend von einem Hund angekaut. Luanda ist seit Jahrzehnten in den Top-5 der teuersten Städte der Welt, zwischendrin auch immer mal wieder auf dem ersten Platz. Die Preise im Randbezirk, in dem ich mich noch aufhalte, sind noch normal. Für das Mittagessen zahle ich 8€, für beide Paar Schuhe zusammen 10€.
Dann geht's zur Waschanlage, es sieht noch aus wie Afrika, es gibt aber Auffahrrampen und Hochdruckreiniger. Zwei Stunden reinigen zwei Herren das Auto von oben und von unten, mit Schaum und mit Bürsten. Der rotbraune Dreck läuft die ganze Straße runter. Dass sich einer beim Waschen auf die Motorhaube stellt, gehört mittlerweile ja eigentlich schon zum Pflichtprogramm. Immerhin zieht er vorher die Schuhe aus.
Ich warte auf einem Stuhl im Schatten, werde in den zwei Stunden oft angebettelt, auch viele Händler kommen zu Fuß und bieten Handyhüllen oder Bananen an. Eigentlich stand für heute noch die Haftpflichtversicherung für das Auto an, ich fahre seit Cabinda unversichert, aber es ist mittlerweile schon fast dunkel. Wie gut, dass es mindestens noch einen zweiten 'In-Ordnung-bring-Tag' geben wird.Leia mais
Tag 194, 0 Km/25186 Km
11 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 31 °C
Ich beschäftige mich fast den ganzen Tag mit der Fahrzeugtechnik. Lenkung, Getriebe, Achsen, alle Flüssigkeiten. Es ist glücklicherweise weniger kaputt als ich befürchtet habe. Der Simmering zwischen Motor und Getriebe ist undicht, ich verliere auf 1000 Kilometer rund einen Liter Öl. Der muss jetzt durchhalten, bis Heiner wieder zurück ist, das Getriebe ziehe ich hier sicherlich nicht vom Motor, wenn es nicht unbedingt sein muss. Der Lack hat ordentlich gelitten, gehört halt dazu.
Am späten Nachmittag finde ich eine Stunde Zeit um kurz am Pool zu liegen. Auch die Moskitos haben Freude daran, dass ich mich dort hinlege.
Nach wie vor ist der Ort traumhaft zum entspannen, um etwas zu reparieren und zu organisieren. Full Service mit Wäschservice, Frühstück, Mittag- und Abendessen inbegriffen. Trotzdem geht es für mich morgen weiter ins Stadtzentrum von Luanda.Leia mais
Tag 195, 30 Km/25216 Km
12 de março de 2025, Angola ⋅ 🌙 28 °C
Ich mache mich auf ins Stadtzentrum von Luanda. Noch bin ich in Cacuaco, einem Vorort von Luanda der leider nicht besonders für seine Sicherheit bekannt ist. Die weite Entwicklung Angolas ist hier noch nicht zu erkennen, es ist ziemlich arm. Ich muss den Highway verlassen um zuerst eine Haftpflichtversicherung für Heiner zu organisieren, also steuere ich eines der Versicherungsbüros abseits der Hauptroute an. Das Büro ist super modern und passt eigentlich nicht in das bestehende Umfeld, bewaffnetes Sicherheitspersonal bewacht den Eingang zum Büro. Es gibt keinen Parkplatz, Heiner muss solange an der Straße stehen. Das Abschließen der Versicherung geht schnell und ist reibungslos, auch für europäische Fahrzeuge.
Ich fahre ein kurzes Stück weiter, gehe in einem großen Supermarkt einkaufen. Die rund 10 Sicherheitsleute, die den Parkplatz bewachen, tragen Schrotflinten um die Schulter. Was bin ich froh, dass wir in Europa all das nicht brauchen.
Ich finde eine Bank, versuche Geld zu wechseln. Bargeld zu bekommen war in Angola bisher grundsätzlich ein Problem, an den Automaten gibt es immer lange Schlangen. Die Bank ist ähnlich bewacht wie der Supermarkt, ich muss Sonnenbrille und Mütze absetzen, darf dann eintreten. Ich gebe Euro und Reisepass ab, dann telefoniert man unzählige Male, ich warte bestimmt 30 Minuten am Schalter. Irgendwann sagt man mir, Bargeld wechseln geht doch nicht. Immerhin gibt es einen Geldautomaten ohne Schlange, an dem ich scheibchenweise 60€ abheben kann.
Der Highway ins Zentrum von Luanda ist breit und größtenteils ohne Markierung, so passen mehr Fahrzeuge nebeneinander. Stau gibt es keinen, die Polizei ist dafür jedoch omnipräsent, an jeder Kreuzung wird kontrolliert. Ich werde kein einziges Mal angehalten, bin trotzdem froh im Zweifel den Versicherungsnachweis zu haben.
Der Stadtkern von Luanda taucht auf, riesige Hochhäuser zieren den langgezogenen Hafen. Es wirkt ein bisschen wie Lagos, jedoch ohne den Stau. Die Straße durch den Hafen ist breit und modern, Palmen säumen die Straße. Ich steuere schließlich den Jachthafen an, hier gibt es die Möglichkeit auf dem Parkplatz kostenlos zu übernachten. Nicht umsonst ist dieser Platz berühmt, man parkt direkt an der Wasserkante mit Blick auf den Hafen und die Skyline von Luanda.
Am Nachmittag steuere ich Carlotas Beauty Salon an und während die Damen um mich herum die Nägel gefeilt bekommen schneidet mir einer der Friseure die Haare.
Direkt im Hafen gibt es ein unglaublich gutes Fischrestaurant, welches am Nachmittag schon super voll ist. Ich bekomme den letzten freien Tisch und Garnelen mit Pommes.
Eigentlich wollte ich heute noch einen Teil von Luanda besichtigen, aber es ist mittlerweile schon wieder einmal viel zu spät. Es ist unglaublich, dass mittlerweile drei ganze Tage fast ausschließlich für Organisation und Besorgungen draufgegangen sind.Leia mais
Tag 196, 0 Km/25216 Km
13 de março de 2025, Angola ⋅ ⛅ 28 °C
Ich besichtige am Morgen zu Fuß das Stadtzentrum Luandas. Es gibt einen Fußweg vom Jachthafen einmal komplett um die Lagune, es ist kein einziger anderer Tourist und so gut wie kein Einheimischer zu sehen. In Luanda wird aus Sicherheitsgründen eigentlich nicht zu Fuß gegangen, wie man mir später erklären wird. Rund um die Lagune und später auch im Stadtzentrum fühlt es sich für mich nicht unsicher an, auch wenn die Statistiken etwas anderes sagen. Was mir jedoch auffällt, sind zum Einen die vielen Obdachlosen. Ich werde unzählige Male, häufig auch von Kindern, angebettelt. Ich bin an manchen Stellen froh, kein portugiesisch zu sprechen und außer 'Hey Amigo' nicht zu verstehen, was man gerade von mir möchte. Zum Zweiten fällt der krasse Kontrast in Luanda auf. Zwischen den vielen Obdachlosen mischen sich Männer im Anzug und Krawatte, gerade im Bankenviertel. Hochhäuser mit Glasfassade stehen neben total heruntergekommen Gebäuden, moderne Sportwagen parken neben total kaputten alten Autos, vor der Skyline der Wolkenkratzer fischen Männer klassisch mit Pirogen und Netzen. Im Stadtzentrum sind an vielen Fassaden noch die Spuren des Bürgerkriegs zu sehen, welcher fast 30 Jahre angedauert hat.
Es gibt im Zentrum ein Museum, in dem alle Währungen Angolas der letzten 300 Jahre ausgestellt sind. Hinter Panzerglas liegt ein 13 Kilo schwerer Goldbarren, welcher durch zwei Öffnungen mit den Händen hochgehoben werden kann. Diese 'Sehenswürdigkeit' hat sich der Staat Angola 1 Millionen Euro kosten lassen.
Nicht weit weg vom Hafen gibt es eine Shopping-Mall, die in Größe und Verfügbarkeit von Geschäften durchaus mit den Einkaufszentren in Dubai oder Abu Dhabi mithalten könnte. Eine Stadt, wie ich sie noch an keiner anderen Stelle in Afrika gesehen habe.Leia mais
Tag 197, 0 Km/25216 Km
14 de março de 2025, Angola ⋅ ⛅ 29 °C
Der letzte Tag in Luanda ist gekommen. Da ich ab heute wieder in Begleitung reise, besichtigen wir gemeinsam die Festung im Stadtzentrum. Es ist unglaublich heiß, es geht kein Wind und der steile Pfad hoch zur Festung ist eine Herausforderung, oben angekommen bin ich eigentlich schon durch für den Tag.
Die Festung selbst ist schön renoviert, es gibt rundum tolle Ausblicke auf Luanda. Auch hier wiederholt sich das Gesehene von gestern, links Slums und Bettler, rechts Banken und Anzugträger. Wir schlendern ein Stück durch die Bucht, werden hier wieder einmal unzählige Male und penetrant angebettelt. Die Bettler laufen einige Minuten parallel mit, es wird ununterbrochen nach 'Dinheiro' oder 'Kwanza' gefragt. Es ist sehr schade dass der erdölreiche Staat Angola dieses Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich nicht in den Griff bekommt.Leia mais





















































































































































































































































































































































































































































































Viajante
Grandios 🥰
Viajante
Unglaublichliche Bilder und Eindrücke, Danke das wir das mit Erleben dürfen.