• Aaron Winkler
  • Aaron Winkler

Zwei Jahre Lateinamerika

Une aventure de 695 jours par Aaron En savoir plus
  • Manaus

    14 déc.–23 janv. 2025, Brésil ⋅ ⛅ 32 °C

    Manaus ist für uns beide eine ganz besondere Station. Für Vívian bedeutet es die Rückkehr in ihre Heimatstadt nach fast zwei Jahren des Reisens und für mich ist es das erste Mal, dass ich ihre Familie kennenlerne. Wir werden herzlich empfangen und mit hausgemachtem, köstlichem Essen verwöhnt.
    Schon bald habe ich die Gelegenheit, mehr von ihren Verwandten und auch Freunden kennenzulernen. Da die meisten von ihnen nur Portugiesisch sprechen, fällt mir die Verständigung anfangs noch schwer. Doch mit der Zeit verbessere ich meine Sprachkenntnisse erheblich und kann nach einigen Wochen bereits flüssige Gespräche führen.

    Wir unternehmen häufig Ausflüge ins etwa eine Busstunde entfernte Stadtzentrum, auch um die schöne Weihnachtsdekoration auf dem zentralen Platz Largo de São Sebastião zu bewundern. Ein weiteres Highlight ist das hier gelegene Teatro Amazonas, das wir besuchen, um uns ein tolles Weihnachtsmusical anzusehen, das überraschenderweise sogar kostenfrei ist.

    Das Weihnachtsfest verbringen wir ruhig und beschaulich im kleinen Kreis. Es gibt traditionelle, selbstgemachte Weihnachtsgerichte und gemeinsam bestaunen wir das Mitternachtsfeuerwerk, das den Abend krönt.
    Der Silvesterabend stellt für mich ein weiteres neues Erlebnis dar. Zu vorgerückter Stunde besuchen wir Freunde von Vivians Eltern und das Essen wird erst gegen 23 Uhr serviert. Es folgt ein wahres Festmahl, das vom Feuerwerk zum Jahreswechsel unterbrochen wird. Nach Mitternacht genießen wir eine Auswahl an leckeren Desserts, die das Fest wunderbar abrunden.

    Gemeinsam mit Freunden von Vívian unternehmen wir Ausflüge in verschiedene Teile der Stadt. Unter anderem ins noble Viertel Ponta Negra, das sogar über einen Sandstrand am Rio Negro verfügt.
    Ein weiteres Highlight ist unser Besuch des botanischen Gartens MUSA. Dieser liegt am Stadtrand und damit am Übergang zum Regenwald. Hier haben wir die Möglichkeit, viel über die Flora und Fauna des Amazonas zu erfahren. Es ist faszinierend, einheimische Fischarten, Schlangen und Spinnen aus nächster Nähe zu sehen.
    Ein weiteres bemerkenswertes Erlebnis bietet uns der Besuch im Forschungsinstitut INPA, das sich auf die Tiere des Amazonas spezialisiert hat. Dort begegnen wir Manatis, Riesenottern und Kaimanen. Ich habe sogar die Gelegenheit, eine Vogelspinne auf der Hand zu halten, was für mich eine eindrucksvolle Erfahrung ist.

    Die Zeit in Manaus wird für mich auch zu einer kulinarischen Entdeckungsreise. Vívian und ihre Eltern bringen mir die regionale Küche näher und ich probiere zahlreiche Spezialitäten. Ein besonderes Highlight ist das sonntägliche Fischessen, bei dem entweder Tambaqui oder Jaraqui serviert wird. Die Fische werden entweder gebraten, über Holzkohle gegrillt oder als Eintopf zubereitet und schmecken allesamt hervorragend. Dazu entdecke ich exotische Früchte wie Tucumã und Cupuacu, die mir schnell ans Herz wachsen und die ich immer wieder gern genieße.

    Am letzten Wochenende vor meiner Abreise unternehmen wir zu viert einen tollen Tagesausflug ins etwa zwei Autostunden entfernte Presidente Figueiredo. Die Region ist bekannt für ihre zahlreichen Wasserfälle und Flüsse, von denen wir zwei verschiedene besuchen. Außerdem können wir einige große Höhlen entdecken. Der Tag ist entspannt und besonders das Bad im angenehm kühlen Wasser und die Massage des herabprasselnden Wasserfalls sind eindrucksvolle Erlebnisse.

    Der Abschied nach sechs sehr schönen Wochen fällt uns allen schwer, denn die Zeit mit Vivians Familie war außergewöhnlich und voller unvergesslicher Momente. Wir haben viel miteinander erlebt, gelacht und uns gegenseitig ins Herz geschlossen. Die herzliche Gastfreundschaft ihrer Familie, die kulinarischen Entdeckungen und die gemeinsamen Ausflüge haben diesen Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ich bin unglaublich dankbar für die Erfahrungen und die Menschen, die ich in dieser Zeit kennenlernen durfte.
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  • Recife

    24–29 janv. 2025, Brésil ⋅ ☀️ 30 °C

    Nach meiner Zeit in Manaus reise ich zunächst allein weiter, da Vívian noch etwas länger bei ihrer Familie bleibt. Mein Weg führt mich an die Nordostküste Brasiliens, in die Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco, Recife. Mit dem Flugzeug und zwei Zwischenstopps in Belém und São Luís erreiche ich schließlich mein Ziel.

    Die Lage der Stadt ist einzigartig. Sie erstreckt sich entlang der Küste und wird von mehreren Flüssen durchzogen, was ihr den Beinamen Venedig Brasiliens eingebracht hat. Zahlreiche Brücken verbinden die verschiedenen Stadtteile und verleihen Recife ein ganz besonderes Stadtbild. Besonders in den zentralen Vierteln sind die Wasserwege allgegenwärtig, und immer wieder eröffnen sich neue Perspektiven auf die Mischung aus modernen Hochhäusern und historischer Architektur.

    In der historischen Altstadt namens Recife Antigo gibt es eine Vielzahl an gut erhaltenen Kolonialbauten zu entdecken. Bunte Fassaden, gepflasterte Straßen und lebendige Plätze mit prunkvollen Kirchen prägen das sehenswerte Viertel. Ein weiteres spannendes Zeugnis der Vergangenheit ist die Casa da Cultura de Pernambuco. Dieses ehemalige Gefängnis wurde zu einem Kulturzentrum umgestaltet, in dem heute kleine Läden mit traditionellem Kunsthandwerk, Souvenirs und regionalen Spezialitäten untergebracht sind. Die engen, gewölbten Gänge und die alten Zellen, die nun als Geschäfte dienen, erinnern noch an die ursprüngliche Funktion des Gebäudes und verleihen dem Ort eine besondere Atmosphäre.

    Die Stadt verfügt über einige sehr schöne Strände und ich erkunde den bekanntesten von ihnen namens Praia de Boa Viagem mit einem Mietfahrrad und genieße dabei die frische Meeresbrise. Jedoch werde ich mitten auf der Strecke von einem plötzlichen, heftigen Regenschauer überrascht und bin innerhalb weniger Minuten komplett durchweicht. Mir bleibt aber nichts anderes übrig, als klatschnass weiterzufahren. Der kilometerlange Strand ist aufgrund seines hellen Sandes und der palmengesäumten Promenade ein beliebter Anziehungspunkt. Doch immer wieder warnen Schilder vor Hai-Attacken, da sich hier besonders viele Bullenhaie tummeln. Trotz der Warnungen genießen viele Einheimische und Touristen das warme Wasser, allerdings nur in Ufernähe.

    Ein kurioses Detail fällt mir immer wieder auf: an vielen Stellen gibt es riesige Statuen von farbenfrohen Hähnen. Sie sind eine Hommage an den „Galo da Madrugada“, dem größten Karnevalsumzug der Welt, der jedes Jahr durch die Straßen der Stadt zieht und dessen Wahrzeichen eben dieser Hahn ist.
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  • Olinda

    25 janvier 2025, Brésil ⋅ ☀️ 30 °C

    Von Recife aus ist es nur eine kurze Fahrt nach Olinda, einer Stadt, die mit ihrer kolonialen Schönheit und künstlerischen Atmosphäre sofort verzaubert. Schon beim ersten Spaziergang durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen fallen mir die farbenfrohen Häuser und die beeindruckende barocke Architektur ins Auge. Olinda strahlt eine besondere Gelassenheit aus, die sich stark von der Hektik Recifes abhebt.
    Durch die Hügellage eröffnen sich immer wieder fantastische Ausblicke auf das Meer und die Skyline der benachbarten Metropole, deren moderne Hochhäuser einen spannenden Kontrast zur historischen Kulisse vor Ort bilden.
    Besonders bekannt ist Olinda für seinen Karneval, der sich stark von dem in Recife unterscheidet. Hier ziehen keine Sambaschulen durch die Straßen, sondern riesige, bunt bemalte Puppen, die sogenannten „Bonecos Gigantes“. Manche dieser Puppen sind über vier Meter hoch und stellen berühmte Persönlichkeiten oder Fantasiegestalten dar.
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  • Porto de Galinhas

    28–30 janv. 2025, Brésil ⋅ ☀️ 30 °C

    Von Recife aus geht es für mich per blablacar lediglich 50 Kilometer weiter in Richtung Süden nach Porto de Galinhas, einem der bekanntesten Strandorte Brasiliens. Trotz seiner Beliebtheit unter Einheimischen und Touristen hat sich der Ort eine entspannte Atmosphäre bewahrt.
    Die Hauptattraktion sind die Piscinas Naturais, natürliche Schwimmbecken, die sich bei Ebbe zwischen den Korallenriffen bilden. Das Wasser ist kristallklar und voller bunter Fische, die man schon mit bloßem Auge erkennen kann. Während viele Besucher mit einer der traditionellen Jangadas, kleinen Holzflößen mit bunten Segeln, hinausfahren, entscheide ich mich, die Riffe zu Fuß zu erreichen. Bei hüfthohem Wasser wate ich durch das warme Meer und gelange schließlich zu den natürlichen Becken. Dort angekommen, bestaune ich die unzähligen tropischen Fische, die neugierig um mich herumschwimmen
    Das Aussehen des Strandes verändert sich mit dem Rückkehr der Flut stark, denn von den Riffen ist nun nichts mehr zu sehen. Es bleiben nur die kokosnussbehangenen Palmen, der feine Sand und die sanften Wellen.
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  • Maragogi

    1 février 2025, Brésil ⋅ ⛅ 29 °C

    Eine weitere Fahrt mit blablacar in Richtung Süden entlang der Küste bringt mich ins etwa 60 Kilometer entfernte Maragogi im Bundesstaat Alagoas.
    Die kleine Stadt bezeichnet sich selbst als die Karibik Brasiliens und um mir einige dieser traumhaften Strände ansehen zu können, miete ich mir ein günstiges Fahrrad. Damit fahre ich über die feinen Sandstrände in Richtung Norden und lege mehrere Stopps ein.
    Mein erster Halt führte mich zum Caminho de Moisés, einer Sandbank, die sich bei Ebbe über 800 Meter weit ins Meer hinein erstreckt. Im knöcheltiefen, warmen Wasser tummeln sich zahlreiche Touristen, von denen viele mit dem Boot anreisen. Schwimmende Bars auf kleinen Holzflößen sorgen für eine lebhafte Stimmung, die dem Ort einen fast festivalartigen Charakter verleiht.
    Weiter ging es zum Praia de Antunes, wo ich kurz innehielt, um das harmonische Zusammenspiel von feinem Sand und den sanften Wellen zu genießen.
    Doch der Höhepunkt des Tages war der Praia do Xaréu. Hier verbrachte ich einen sehr entspannten Nachmittag unter Kokospalmen und mit Blick auf das wunderschöne, türkise Meer.
    Glücklicherweise ist der Tag eher bewölkt, sodass es nicht zu heiß wird und die gelegentlichen, leichten Schauer bieten eine angenehme Abkühlung.
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  • Maceió

    2–7 févr. 2025, Brésil ⋅ ⛅ 30 °C

    Nach etwa zwei Stunden Fahrt mit der günstigen Mitfahrgelegenheit erreiche ich Maceió, die Hauptstadt des Bundesstaates Alagoas.
    Die Stadt wird von mehreren Stränden gesäumt, von denen der Praia de Ponta Verde wohl der schönste ist. Der feine, weiße Sand, das klare, türkisfarbene Wasser und die hohen Kokospalmen verleihen diesem Stadtstrand eine tropische Leichtigkeit. Hier herrscht reges Treiben: Spaziergänger, Radfahrer und Strandverkäufer beleben die Promenade, während draußen im Wasser kleine Jangadas schaukeln.
    Hier liegt auch der Marco dos Corais, ein Ort mit Geschichte. Früher stand hier der Yachtclub der Stadt, heute ist das Gelände in eine moderne Uferpromenade mit Restaurants und Aufenthaltsbereichen umgestaltet worden. Der Platz lädt dazu ein, das Meer aus nächster Nähe zu genießen und bietet schöne Blicke auf den Strand und den Leuchtturm.
    Mein Spaziergang durch das Zentrum von Maceió offenbarte eine ganz andere Seite der Stadt. Wer hier ein malerisches koloniales Altstadtviertel erwartet, wird enttäuscht. Historische Gebäude gibt es nur wenige. Stattdessen prägen in die Jahre gekommene Bauten des 20. Jahrhunderts das Stadtbild.
    Um dennoch einen Eindruck von der kolonialen Vergangenheit der Region zu erhalten, fahre ich in das nahegelegene Marechal Deodoro. Diese kleine Stadt, die einst die erste Hauptstadt Alagoas war, verfügt über ein mehr oder weniger gut erhaltenes historisches Zentrum. Beim Bummeln durch die gepflasterten Straßen entdecke ich einige kleine, farbenfrohe Häuser und mehrere barocke Kirchen. Ihren Namen verdankt sie Marechal Deodoro, dem ersten brasilianischen Präsidenten.
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  • Aracaju

    7–11 févr. 2025, Brésil ⋅ ⛅ 29 °C

    Nach einer komfortablen fünfstündigen Busfahrt erreiche ich Aracaju, die Hauptstadt des Bundesstaates Sergipe. Die Stadt ist bekannt für ihre hohe Lebensqualität und wirkt im Vergleich zu Maceió deutlich moderner und sauberer.
    Meine Unterkunft liegt in der Nähe des Praia da Atalaia, einem sehr breiten Sandstrand im Süden der Stadt. Hier säumen hohe Kokospalmen die Promenade, und das klare, türkisfarbene Wasser lädt zum Baden ein. Die gepflegten Anlagen und zahlreichen Freizeitmöglichkeiten machen diesen Strand zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Besucher.
    Das Zentrum von Aracaju hat einiges zu bieten. Besonders beeindruckt mich das Museu da Gente Sergipana, das auf interaktive Weise die Kultur und Geschichte des Bundesstaates Sergipe präsentiert. Die beiden großen und hübschen Plätze, der Praça Fausto Cardoso und der Praça Olímpio Campos, laden mit ihren grünen Anlagen und historischen Gebäuden zum Verweilen ein.
    Zudem verfügt die Stadt über mehrere Märkte, die unmittelbar nebeneinander liegen und alle möglichen Produkte anbieten. Hier findet man frisches Obst, Gemüse, lokale Handwerkskunst und vieles mehr. Ein Bummel durch die lebhaften Gassen der Märkte bietet einen authentischen Einblick in das tägliche Leben der Bewohner und die kulinarischen Spezialitäten der Region.
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  • Lençóis

    11–13 févr. 2025, Brésil ⋅ ⛅ 29 °C

    Von Aracaju aus bringt mich eine fünfstündige Mitfahrgelegenheit in den nächsten Bundesstaat namens Bahia und in dessen Hauptstadt Salvador. Dort übernehme ich einen Mietwagen und setze noch am selben Tag meine Reise fort: Sieben Stunden fahre ich gen Westen, begleitet von drei Mitreisenden, die ich ebenfalls über BlaBlaCar gefunden habe. Unser Ziel ist die sehr bekannte Region der Chapada Diamantina.

    Nach einem langen Tag ist mein erster Stopp ist das charmante Städtchen Lençóis, in dem ich einige Nächte verbringe. Die Region verdankt ihren Namen den Diamanten, die hier im 19. Jahrhundert entdeckt wurden und einen regelrechten Boom auslösten. Einst war die Gegend von Goldsuchern und Abenteurern geprägt, die die Landschaft auf der Suche nach Reichtum durchwühlten. Heute bildet der Parque Nacional da Chapada Diamantina einen krassen Kontrast zur damaligen Ausbeutung: 1985 gegründet, schützt er die einzigartige Natur der Region, die von beeindruckenden Felsformationen, tiefen Tälern und unzähligen Wasserfällen geprägt ist.

    Ein besonderes Highlight ist der Besuch der Gruta da Lapa Doce, der zweitgrößten Höhlen Brasiliens mit einer kartierten Länge von etwa 42 Kilometern. Für Besucher sind rund 850 Meter zugänglich, die in geführten Touren erkundet werden können. Die Höhle beeindruckt mit majestätischen Stalaktiten und Stalagmiten, die über Jahrtausende entstanden sind. Der größte Saal der Höhle misst beeindruckende 60 Meter in der Breite. Der Zugang erfolgt über einen kurzen Abstieg, gefolgt von einem Spaziergang durch die faszinierende Unterwelt.

    Ein weiteres tolles Erlebnis ist der Ausflug zum Poço do Diabo, einer malerischen Badestelle, die über eine kurze Wanderung entlang des Rio Mucugezinho erreichbar ist. Am Ziel erwartet mich ein erfrischendes Naturbecken mit einem beeindruckenden Wasserfall, der zum Schwimmen und Entspannen einlädt. Da ich erst am späteren Nachmittag ankomme, habe ich die Idylle ganz für mich allein.

    Den krönenden Abschluss bildet der Aufstieg zum Morro do Pai Inácio, einem der bekanntesten Aussichtspunkte der Chapada Diamantina. Der Aufstieg ist zwar steil, aber in etwa 20 Minuten zu bewältigen. Oben angekommen, werde ich mit einem atemberaubenden 360-Grad-Panoramablick über die umliegende Landschaft mit majestätischen Tafelbergen belohnt.
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  • Caeté-Açu

    13–15 févr. 2025, Brésil ⋅ ☀️ 28 °C

    Nach einigen Tagen in Lençóis setze ich meine Reise fort und fahre in das kleine Dorf Caeté-Açu, das im Vale do Capão liegt. Die rund 75 Kilometer lange Strecke führt über eine teils holprige Straße, die sich durch die hügelige Landschaft der Chapada Diamantina schlängelt. Hier ändert sich die Atmosphäre komplett: Während Lençóis mit seinen kolonialen Häusern noch eine touristische Basis bietet, ist Caeté-Açu ein Ort für Aussteiger, Hippies und Naturverbundene. Kleine Cafés mit veganem Essen, alternative Unterkünfte und eine entspannte Stimmung prägen das Bild.

    Von hier aus starte ich eine der spektakulärsten Wanderungen der Chapada Diamantina: den Aufstieg zur Cachoeira da Fumaça. Mit 340 Metern Fallhöhe zählt dieser Wasserfall zu den höchsten Brasiliens – allerdings führt er nicht immer Wasser. Besonders in der derzeit herrschenden Trockenzeit bleibt von dem imposanten Sturzbach oft nur feiner Sprühnebel übrig, der vom Wind in die Höhe geweht wird und ihm seinen Namen verleiht – „Rauchwasserfall“. Die Wanderung ist anstrengend, besonders der steile Anstieg zu Beginn, doch oben angekommen, bietet sich ein schwindelerregender Blick in die tiefe Schlucht. Wer sich am Aussichtspunkt weit genug an den Rand wagt, wird mit einer tollen Vogelperspektive auf den Wasserschleier mit tanzenden Regenbögen belohnt. Dank des derzeit relativ geringen Wasserstandes bietet sich außerdem eine einzigartige Möglichkeit. Dem Flussbett folgend, kann man bis zur Absturzkante des Wasserfalles laufen und das Spektakel aus nächster Nähe beobachten. Ein Nervenkitzel der besonderen Art.

    Am nächsten Tag führt mich eine weitere Wanderung zum Rio Preto. Der Weg schlängelt sich durch die dichte Vegetation, vorbei an kleineren Bächen und Felsen, bis ich die ersten Wasserfälle erreiche. Hier gibt es mehrere Badestellen, jede mit ihrem eigenen Charakter: Manche laden mit ruhigen Naturpools zum Entspannen ein, andere beeindrucken mit kräftigen Strömungen und steilen Felswänden. Das kühle Wasser ist eine willkommene Erfrischung nach der Wanderung – ein perfekter Abschluss für meine Zeit im Vale do Capão.
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  • Salvador

    15–22 févr. 2025, Brésil ⋅ ☀️ 31 °C

    Nach einer langen, aber kurzweiligen Fahrt kehre ich nach Salvador zurück. Die knapp 500 Kilometer von Caeté-Açu lege ich wieder mit drei Mitfahrern zurück – eine gute Gelegenheit für Gespräche und um die Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen.

    Salvador, mit knapp drei Millionen Einwohnern, ist nicht nur die drittgrößte Stadt Brasiliens, sondern auch eine der geschichtsträchtigsten. Als erste Hauptstadt des Landes spielte sie eine zentrale Rolle in der Kolonialzeit und ist bis heute das kulturelle Herz Bahias. Vor allem afrikanische Einflüsse prägen die Stadt – sei es in der Musik, im Essen oder in den religiösen Traditionen.

    Mein erster Weg führt mich ins Pelourinho, das historische Zentrum Salvadors. Kopfsteinpflasterstraßen schlängeln sich vorbei an pastellfarbenen Kolonialbauten, prunkvollen Kirchen und kleinen Plätzen. Trotz seines touristischen Charakters hat das Viertel eine besondere Ausstrahlung – Straßenmusiker spielen Samba oder Axé, und aus kleinen Bars dringt Livemusik. Ein Stück weiter lande ich im ruhigeren Carmo, wo die Gassen breiter und die Atmosphäre entspannter ist. Hier scheint das echte Leben der Stadtbewohner durch.

    Der markante, etwa 90 Meter hohe Elevador Lacerda verbindet die Ober- und Unterstadt miteinander und erinnert mich an die Aufzüge in Lissabon.
    In der Unterstadt besuche ich den Mercado Modelo, einen der bekanntesten Märkte der Stadt. In dem historischen Gebäude gibt es Kunsthandwerk, Souvenirs und lokale Spezialitäten.

    Zurück in der Oberstadt zieht es mich zur Casa do Carnaval da Bahia, einem interaktiven Museum, das sich ganz dem Karneval widmet. Hier gibt es Kostüme, Musik und viele Geschichten rund um dessen Traditionen zu erleben.

    Ein weiteres Highlight ist die Basílica do Senhor do Bonfim. Schon von weitem sieht man die unzähligen bunten Bänder, die die Kirchenzäune schmücken. Die sogenannten „fitas“ sind nicht nur ein Souvenir, sondern ein Symbol für Wünsche und Segen.

    Auch wenn ich den eigentlichen Karneval nicht miterleben werde, hatte ich das Glück, einen Vorgeschmack zu bekommen: die Lavagem de Itapuã. Diese traditionsreiche Feier, die seit 120 Jahren zelebriert wird, ist eine Mischung aus religiösem Fest und Karnevalsumzug. Direkt am Strand von Itapuã versammeln sich Musiker, Tänzer und Gläubige, um die Straßen mit Trommeln und Gesängen zu erfüllen. Es ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus katholischen und afrobrasilianischen Elementen – ein perfekter Einblick in die Seele Salvadors.
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  • Tulum

    24 févr.–3 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 29 °C

    Nach zweieinhalb Monaten in Brasilien heißt es Abschied nehmen. Ein Land voller Farben, Rhythmen und unvergesslicher Momente liegt hinter mir, doch ein neues Abenteuer steht bevor. Mein Weg führt mich nach Mexiko. Die Anreise per Flugzeug mit einem Zwischenstopp in der brasilianischen Hauptstadt Brasília verläuft zwar reibungslos, doch am Flughafen Cancún stoße ich zum ersten Mal auf dieser Reise auf unerwartete Hürden bei der Einreise. Der überforderte Grenzbeamte will mir nicht wie üblich die maximalen 90 Tage gewähren. Erst nach einigem Überzeugen und Verhandeln bekomme ich schließlich knappe sechs Wochen eingetragen.

    Bevor es weitergeht, verbringe ich zwei Tage allein in Cancún, dann ist es soweit: Ich hole André und Doreen vom Flughafen ab. Nach anderthalb Jahren ohne persönliches Treffen ist das Wiedersehen emotional und herzlich. Noch am selben Abend fahren wir mit dem Mietwagen gemeinsam weiter nach Tulum. Dort erwartet uns eine für meine Verhältnisse ungewohnt luxuriöse Wohnung, in der wir eine Woche verbringen.

    Die sogenannte Riviera Maya, an der Tulum liegt, bietet eine Fülle an Sehenswürdigkeiten. Eines der bekanntesten Highlights sind die Ruinen von Tulum, die auf einer Klippe über dem karibischen Meer thronen. Ursprünglich unter dem Namen Zamá bekannt, gehört sie zu den wenigen Mayastätten direkt an der Küste und ist zudem von einer schützenden Mauer umgeben. Ihre Blütezeit liegt zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert, als sie ein bedeutender Handelsstützpunkt ist. Heute zieht die Anlage nicht nur wegen ihrer Geschichte, sondern auch wegen der spektakulären Kulisse Besucher an. Zwischen den alten Mauern tummeln sich zahlreiche Leguane, die sich auf den warmen Steinen sonnen. Direkt unterhalb der Ruinen erstreckt sich der Traumstrand Playa Pescadores, dessen weißer Sand und türkisfarbenes Wasser die perfekte Kulisse für eine Abkühlung nach der Erkundung der Stätte bieten.

    Ein weiteres Highlight ist die Gran Cenote. Cenoten sind natürliche Kalksteinlöcher, die mit Süßwasser geflutet sind. Sie sind Teil eines weitverzweigten unterirdischen Wassersystems und spielten für die Maya sowohl eine religiöse als auch eine praktische Rolle, da sie als heilige Stätten und wichtige Wasserquellen dienten. Es gibt verschiedene Arten von Cenoten: offene, halboffene und Höhlen-Cenoten. Jüngere Cenoten sind meist noch von einer Felsdecke überdacht, während ältere sich mit der Zeit zu offenen Wasserlöchern wandeln.
    Die Gran Cenote ist ein halboffenes Exemplar und besonders bekannt für ihre beeindruckenden Felsformationen, die sich über und unter Wasser erstrecken, sowie für ihre Schildkröten und Fledermäuse, die in den Höhlen leben. Beim Schnorcheln eröffnet sich eine faszinierende Unterwasserwelt aus Tropfsteinen und schimmernden Lichtspielen.

    Gleich zweimal besuchen wir das Biosphärenreservat Sian Ka’an. Unser erster Versuch endet allerdings frühzeitig, da die extrem schlechte Küstenstraße das Weiterkommen nahezu unmöglich macht. Bevor wir jedoch umkehren, entdecken wir einen menschenleeren Naturstrand – eine willkommene Entschädigung. Auch ein Abstecher in die nahen Mangroven sorgt für einen besonderen Moment.
    Beim zweiten Anlauf wählen wir eine andere Route und unternehmen eine private Bootstour durch die türkis leuchtenden Lagunen Laguna de Muyil und Laguna Chunyaxché. Das Highlight: Am Ende der Tour lassen wir uns mit Schwimmwesten ausgestattet durch einen natürlichen Mangrovenkanal treiben. Das Wasser ist angenehm warm und die Umgebung fast surreal friedlich.

    Auch in Tulum selbst genießen wir entspannte Momente. Nur wenige Minuten von unserer Unterkunft entfernt liegt ein idyllischer Strand. Einer der wenigen in der Gegend, der glücklicherweise kostenlos zugänglich ist.

    Bereits nach den wenigen Tagen hier kann ich deutlich spüren, was es bedeutet, dass die Halbinsel Yucatán als internationales Urlaubsziel sehr beliebt ist: Auf Massentourismus ausgelegte Hotelzonen, die den Großteil der Küste für sich beanspruchen, hohe Ticketpreise und dazu an vielen Stellen ein Mangel an Authentizität.
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  • Cobá

    26 février 2025, Mexique ⋅ ☀️ 29 °C

    Ein weiterer Tagesausflug führt uns nach Cobá. Die alte Maya-Stadt liegt rund 45 Kilometer nordwestlich von Tulum, eingebettet in dichten Wald und fernab der Küstenorte der Riviera Maya.

    Cobá war in seiner Blütezeit zwischen 600 und 900 n. Chr. eine der bedeutendsten Städte der Maya-Kultur. Mit einer geschätzten Bevölkerung von bis zu 50.000 Menschen und einem weitreichenden Netzwerk aus Handelswegen spielte sie eine zentrale Rolle in der Region. Noch heute zeugt ein beeindruckendes Merkmal von dieser Vergangenheit: die sogenannten Sacbé. Diese gepflasterten Dammwege verbinden verschiedene Teile der Stadt und reichen teils über Dutzende Kilometer hinaus bis zu anderen Maya-Zentren.
    Das Gelände der archäologischen Zone ist weitläufig und wir erkunden es zu Fuß. Die schattigen Wege schlängeln sich durch den Wald, vorbei an alten Tempeln, zerfallenen Mauern und mehreren Ballspielplätzen, den sogenannten Juego de Pelota, auf dem das rituelle Maya-Spiel ausgetragen wurde. Dieses Spiel hatte nicht nur sportlichen, sondern auch religiösen Charakter. Die Spieler durften den schweren Kautschukball nur mit Hüfte, Ellenbogen und Knien berühren und mussten ihn durch steinerne Ringe an den Seiten des Spielfelds befördern. Der Ausgang der Spiele konnte über Prestige, Macht und sogar Menschenopfer entscheiden.
    Der Höhepunkt unseres Besuchs ist der Nohoch Mul-Tempel, mit 42 Metern die höchste Pyramide auf der Yucatán-Halbinsel. Die Stufen sind steil, und der Aufstieg ist heute nicht mehr erlaubt, doch selbst vom Fuße des Bauwerks aus ist die Größe beeindruckend.

    Nach Stunden in der Hitze sehnen wir uns nach Abkühlung. Nur wenige Kilometer von Cobá entfernt liegt die Cenote Multum-Ha, eine geschlossene Höhlencenote, die über eine hölzerne Wendeltreppe erreicht wird. Sie liegt 18 Meter unter der Erde und reicht stellenweise bis zu 30 Meter in die Tiefe. Das Wasser ist tiefblau, kühl und kristallklar. Die Atmosphäre in der Halbdunkelheit, umgeben von Tropfsteinen, ist magisch. Die meiste Zeit haben wir den Ort ganz für uns allein, ein seltenes Erlebnis in dieser sonst oft überlaufenen Region.

    Im Gegensatz zu den Inka und Azteken, besteht das Volk der Maya bis heute fort und so halten wir auf dem Rückweg in der kleinen Maya-Gemeinde Ahau Chooc. Einer der Bewohner empfängt uns mit einem warmen Lächeln und führt uns über das Gelände. Er zeigt uns verschiedene Pflanzen, erklärt ihre traditionellen Verwendungszwecke und gibt uns Einblick in die hier betriebene Imkerei mit der stachellosen Biene Melipona, deren Honig von den Maya seit Jahrhunderten als Heilmittel geschätzt wird. Der krönende Abschluss: frische Tacos, die direkt über dem offenen Holzfeuer zubereitet werden.
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  • Chichén Itzá

    3 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 33 °C

    Auf unserem Weg von Tulum nach Mérida legen wir einen Stopp an einem der beeindruckendsten Zeugnisse der Maya-Zivilisation ein: Chichén Itzá. Um die größten Touristenmassen zu umgehen, brechen wir früh auf und erreichen die Anlage pünktlich zur Öffnung. Doch selbst zu dieser Stunde sind bereits zahlreiche Besucher vor Ort. Glücklicherweise ist das Gelände weitläufig genug, sodass es nie überfüllt wirkt. Weniger angenehm sind die zahllosen Händler, die innerhalb der Ruinenanlage ihre Stände aufgebaut haben und fast überall dieselben Souvenirs anbieten.

    Chichén Itzá war zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert eines der bedeutendsten politischen, wirtschaftlichen und religiösen Zentren der Maya. Die Stadt lag strategisch günstig an mehreren Cenoten, die nicht nur als Wasserquelle dienten, sondern auch eine zentrale Rolle in Zeremonien spielten. Heute zählt Chichén Itzá zu den sieben neuen Weltwundern und ist eine der bekanntesten archäologischen Stätten der Welt.

    Das beeindruckendste Bauwerk ist die Kukulkán-Pyramide, auch El Castillo genannt. Mit ihren exakt 365 Stufen – eine für jeden Tag im Jahr – ist sie ein Meisterwerk der Architektur und Astronomie. Während der Tagundnachtgleichen im Frühjahr und Herbst erzeugt das Sonnenlicht an den Treppenstufen einen wandernden Schatten, der wie eine Schlange aussieht und die Gestalt des gefiederten Schlangengottes Kukulkán symbolisiert.

    Neben der Pyramide erkunden wir den Juego de Pelota, das größte bekannte Ballspielfeld der Maya-Welt, sowie die sogenannte Grupo de las Mil Columnas, eine riesige Säulenhalle, die einst überdacht war. Interessant ist auch die Cenote Sagrado, eine große, von steilen Wänden umgebene Wassergrube, die als Opferstätte diente. Archäologische Funde belegen, dass hier sowohl wertvolle Gegenstände als auch menschliche Opfergaben dargebracht wurden.

    Ein weiteres architektonisches Highlight ist der Complejo de las Monjas, ein Gebäudekomplex mit außergewöhnlich filigranen Fassadenverzierungen. Die Ornamente zeigen abstrakte Muster, geometrische Formen und mythologische Figuren, die typisch für den Puuc-Stil sind – eine der architektonischen Strömungen, die in Chichén Itzá zu finden sind. Tatsächlich vereint die Stadt mehrere Stilrichtungen: Neben dem Puuc-Stil zeigen andere Strukturen starke Einflüsse aus Zentralmexiko, insbesondere der Tolteken, deren Ankunft die Architektur und Symbolik der Stadt nachhaltig veränderte.

    Beim Rundgang fällt es schwer zu begreifen, dass die Maya für den Bau dieser gigantischen Anlage weder Metallwerkzeuge noch das Rad oder Lasttiere zur Verfügung hatten. Jeder Stein wurde mit einfachsten Mitteln behauen, transportiert und aufeinander geschichtet – eine Leistung, die noch heute staunen lässt.
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  • Mérida

    3–7 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 32 °C

    Mérida empfängt uns mit kolonialem Charme und einer besonderen Eleganz. Die Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán gilt als kulturelles Zentrum der Region und beeindruckt mit ihren pastellfarbenen Fassaden, grünen Parks und prächtigen Herrenhäusern. Besonders eindrucksvoll ist der Paseo de Montejo, eine breite, von alten Bäumen gesäumte Prachtstraße, die im 19. Jahrhundert nach dem Vorbild der Pariser Boulevards angelegt wurde. Hier reihen sich imposante Villen wohlhabender Henequén-Barone aneinander. Überreste einer Zeit, in der Mérida durch die Produktion von Henequén und Sisal, beides Agavenfasern, die zur Herstellung von Seilen, Säcken und Textilien genutzt wurden, zu einer der reichsten Städte Mexikos wurde.

    Im historischen Zentrum besuchen wir unter anderem die Catedral de San Ildefonso, die älteste Kathedrale des amerikanischen Festlands. Sie wurde im 16. Jahrhundert auf den Ruinen einer Maya-Pyramide errichtet und besticht durch ihre massive Bauweise und die schlichten Steinfassade.
    Nicht weit entfernt liegt der grüne Palacio de Gobierno, dessen Wände mit monumentalen Wandgemälden von Fernando Castro Pacheco verziert sind. Die Bilder erzählen eindrucksvoll die Geschichte Yucatáns, von der Blütezeit der Maya über die spanische Eroberung bis zur Henequén-Ära.

    Unser Aufenthalt fällt in die Karnevalszeit und so besuchen wir einen der großen Umzüge. Das Spektakel findet nicht in der Altstadt, sondern auf einem eigens errichteten Festgelände außerhalb der Stadt statt. Tausende Besucher strömen herbei, laute Musik schallt aus den Lautsprechern und von den bunten Wagen regnet es Werbegeschenke. Traditionelle Elemente sind dagegen kaum zu finden, was das Ganze für meinen Geschmack etwas zu kommerziell macht. Die ausgelassene Stimmung ist dennoch ansteckend, und es macht Spaß, das bunte Treiben zu beobachten.

    Nach den lebhaften Tagen in Mérida unternehmen wir einen Ausflug in die Küstenstadt Progreso am Golf von Mexiko. Die Stadt ist vor allem für ihren kilometerlangen Pier bekannt, der weit ins flache Meer hinausragt und an dem regelmäßig große Kreuzfahrtschiffe anlegen. Wir verbringen einen entspannten Tag am Strand, genießen die frische Brise und das ruhige Wasser. Bevor wir zurückfahren, besuchen wir eine von Maya geführte Saline in der Umgebung. Hier wird uns von einem lokalen Arbeiter der traditionelle Prozess der Salzgewinnung erklärt. Ein spannender Einblick in ein altes Handwerk, das seit Generationen nach den gleichen Methoden betrieben wird.
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  • Izamal & Cenote Xkekén

    7 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 33 °C

    Auf dem Rückweg zur Karibikküste machen wir Halt in Izamal, einer der ältesten Städte Yucatáns. Schon von Weitem leuchtet uns die Stadt in einem warmen Gelbton entgegen. Fast alle Gebäude hier sind in derselben Farbe gestrichen, was Izamal einen unverwechselbaren Charakter verleiht.
    Im Zentrum thront das mächtige Franziskanerkloster San Antonio de Padua, das, wie schon die Kathedrale in Mérida, im 16. Jahrhundert auf den Ruinen einer Maya-Pyramide errichtet wurde. Sein weitläufiger Innenhof mit den umlaufenden Arkaden zählt zu den größten Klosterhöfen Amerikas. Während wir durch die Bögen schreiten, wirkt der Platz beinahe verlassen, nur ein paar Einheimische sitzen im Schatten der Mauern. Izamal ist kein lauter Touristenmagnet, sondern strahlt eine angenehme Ruhe aus.
    Neben dem kolonialen Erbe sind auch die Spuren der Maya-Kultur hier allgegenwärtig. In der Stadt verteilt liegen mehrere Pyramiden, darunter die große Pyramide Kinich Kakmó. Anders als viele andere Pyramiden auf Yucatán ist sie frei zugänglich, und so steigen wir die groben Steinstufen hinauf. Von oben bietet sich ein weiter Blick über die gelben Häuser der Stadt bis zum Horizont.

    Nach der Mittagshitze setzen wir unsere Fahrt fort und legen einen letzten Stopp an der Cenote Xkekén ein, einer Höhlencenote nahe Valladolid. Über eine schmale Steintreppe steigen wir hinab in die Tiefe, bis wir in einer halbdunklen Grotte stehen. Ein einzelnes Loch in der Decke lässt Lichtstrahlen herein, die das türkisfarbene Wasser zum Leuchten bringen. Die Tropfsteine hängen wie lange Speere von der Decke und das Wasser ist angenehm kühl. Eine perfekte Erfrischung, bevor wir die letzte Etappe unserer Fahrt zurück nach Cancún antreten. Zuvor wollen wir noch unseren Hunger stillen und stoßen zufällig auf ein schickes Restaurant ganz in der Nähe, in dem wir uns kulinarisch verwöhnen lassen.
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  • Cancún

    7–11 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 29 °C

    Cancún ist unsere letzte Station an der Karibikküste und zumindest unsere Unterkunft könnte kaum besser sein. Wir haben eine tolle Wohnung mit Meerblick und genießen den weiten Blick über das türkisfarbene Wasser.
    Die Stadt selbst hinterlässt dagegen keinen bleibenden Eindruck. Riesige Hotelkomplexe dominieren das Bild und weder das Zentrum noch die Zona Hotelera haben viel zu bieten, abgesehen von den Stränden.
    Einer der schönsten ist der Playa Delfines. Feinster weißer Sand, strahlend blaues Wasser und dank des starken Windes beeindruckende Wellen, die das Baden zu einem echten Vergnügen machen. Besonders angenehm ist, dass die sogenannten Palapas, strohgedeckte Sonnenschirme, hier zur freien Verfügung stehen und etwas willkommenen Schatten in der gleißenden Karibiksonne bieten.

    Für eine kleine Abwechslung fahren wir nach Puerto Morelos, eine beschauliche Küstenstadt etwas weiter südlich. Hier wollen wir eine Schnorcheltour zum vorgelagerten Riff unternehmen. Beim ersten Versuch macht uns der Wind jedoch einen Strich durch die Rechnung. Am nächsten Tag haben wir aber mehr Glück. Mit einer super netten Crew und ein paar anderen Reisenden fahren wir mit dem kleinen Boot hinaus.
    Das Mesoamerikanische Riff, zu dem auch das hiesige gehört, erstreckt sich von hier aus bis nach Honduras und ist nach dem australischen Great Barrier Reef das zweitgrößte Korallenriff der Welt.
    Nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt, halten wir an der ersten von zwei Schnorchelstellen. Unsere beiden Guides führen uns durch die faszinierende Unterwasserwelt, machen uns auf verschiedene Bewohner aufmerksam und sorgen dafür, dass niemand zu weit abdriftet.
    Die Sicht ist hervorragend und wir haben Glück: Neben bunten Schwärmen kleiner Riffische begegnen wir mehreren großen Barracudas, einer Muräne, mehreren Langusten und sogar einer Grünen Meeresschildkröte, die gemächlich durchs Wasser gleitet und sich am Seegras satt frisst. Besonders beeindruckend sind aber die majestätischen Gefleckten Adlerrochen, die mit ihren weit ausgebreiteten Flossen lautlos über den Meeresboden schweben. Auch die Korallenwelt ist vielfältig, mit riesigen Fächerkorallen, Hirnkorallen und filigranen Formationen, die in der Strömung schwingen.

    Dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen, denn die zwei Wochen, in denen mich Doreen und André besucht haben, sind viel zu schnell vergangen. Wir hatten eine intensive, aber trotzdem entspannte Zeit und konnten viele schöne Momente teilen.
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  • Palenque

    12–14 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 32 °C

    Am 500. Tag meiner Reise durch Lateinamerika geht es für mich wieder alleine weiter. Nachdem ich mit einem Nachtbus die Halbinsel Yucatán verlassen habe, erreiche ich Palenque, eine kleine Stadt am Rand des dichten Regenwaldes im Bundesstaat Chiapas.

    Mein eigentliches Ziel liegt jedoch ein paar Kilometer außerhalb: die archäologische Zone von Palenque, eine der faszinierendsten Maya-Stätten Mexikos.
    Die Ruinenstadt, deren Blütezeit zwischen 600 und 800 n. Chr. lag, beeindruckt nicht nur durch ihre Architektur, sondern auch durch ihre Lage. Umgeben von dichtem, sattgrünem Dschungel, tauchen die majestätischen Bauten zwischen riesigen Ceiba- und Mahagonibäumen auf, während im Hintergrund das tiefe Grollen der Brüllaffen durch die feuchte Luft hallt. Besonders imposant ist der Templo de las Inscripciones, ein pyramidenförmiges Bauwerk, in dem das Grab des mächtigen Herrschers Pakal entdeckt wurde. Seine kunstvoll verzierte Grabplatte zählt zu den bedeutendsten Fundstücken der Maya-Welt.
    Ein weiterer spannender Fund in Palenque ist das Grab der Reina Roja. Die mit rotem Zinnoberstaub bedeckte Frau war vermutlich eine Maya-Königin, jedoch bleibt ihre Identität ein Rätsel. Die prächtigen Grabbeigaben zeugen von allerdings ihrem hohen Status.
    Ich erkunde die weitläufige Anlage und steige schließlich die Stufen des Templo de la Cruz hinauf. Oben angekommen, eröffnet sich ein atemberaubender Blick über das grüne Blätterdach des Regenwaldes, aus dem die steinernen Ruinen herausragen. Die Mischung aus antiker Architektur und unberührter Natur macht diesen Ort wirklich einzigartig.
    Bis heute wurden nur etwa 10 % der antiken Stadt Otolum ausgegraben und erforscht. Viele der Ruinen sind noch immer von dichtem Grün überwuchert.

    Außerdem unternehme ich einen Ausflug zu den Wasserfällen von Roberto Barrios, etwa 30 Kilometer von Palenque entfernt. Im Gegensatz zu den bekannteren Agua Azul oder Misol-Ha ist dieser Ort noch vergleichsweise ruhig. Nur wenige Besucher sind hier und so habe ich die grünlich schimmernde Flusslandschaft fast für mich allein. Über mehrere Kaskaden ergießt sich das Wasser in natürliche Pools, die von üppigem Grün eingerahmt sind. Ich lasse mich von den Strömungen treiben, klettere über die glatten Felsen und genieße die Stille, unterbrochen nur vom Rauschen des Wassers und dem Zwitschern der Vögel im dichten Blätterdach.
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  • San Cristóbal de las Casas

    14–16 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 25 °C

    Meine nächste Station ist San Cristóbal de las Casas, eine der schönsten Städte im Hochland von Chiapas. Eigentlich liegt es gar nicht so weit von Palenque entfernt, doch die Busfahrt dauert fast zehn Stunden. Zwar gibt es eine direkte Verbindung durch die Berge, doch aufgrund häufiger Überfälle auf Reisebusse in der Vergangenheit wird diese Strecke gemieden. Stattdessen nehmen die Busunternehmen den langen Umweg über Tuxtla Gutiérrez in Kauf.

    Nach einigen Monaten im Flachland, geht es wieder in höhere Lagen, denn San Cristóbal liegt auf etwa 2.100 Metern. Es besticht mit seinen bunten Kolonialhäusern, kopfsteingepflasterten Straßen und lebhaften Plätzen. Die hübschen Fußgängerzonen Andador de Guadalupe und Anador de Carmen sind gesäumt von Cafés, kleinen Läden und Marktständen, an denen indigene Kunsthandwerke verkauft werden. Über der Stadt thront die Iglesia de Guadalupe, von deren Vorplatz sich ein herrlicher Blick über die Dächer bietet. Auch von der Iglesia de San Cristóbalito, die auf einem Hügel im Westen liegt, genießt man ein schönes Panorama. Besonders freue ich mich über die blühenden Jacaranda-Bäume, deren violette Blüten mich sofort an Buenos Aires erinnern, der letzte Ort, an dem ich sie in solcher Fülle gesehen habe.

    Neben der kolonialen Architektur ist San Cristóbal auch für seine indigene Kultur bekannt. Ich besuche die nahegelegenen Gemeinden San Juan Chamula und Zinacantán, die jeweils ihre eigenen Traditionen bewahren. Beide Orte werden von Tzotzil-Maya bewohnt, einer der größten indigenen Gruppen in Chiapas. Chamula ist berühmt für seine Kirche, in der katholische und indigene Riten. Schon beim Betreten umfängt mich der schwere Duft von Wachs von tausenden Kerzen und Kiefernnadeln, die den gesamten Boden bedecken. Es gibt keine Kirchenbänke, sondern die Gläubigen knien in kleinen Gruppen auf dem Boden und führen jeweils ihre eigenen Zeremonien durch. Dabei werden weitere Kerzen angezündet, laut gebetet, Coca-Cola getrunken, um durch das anschließende Rülpsen die Seele zu reinigen und schließlich Hühner als Opfergabe für ihre Rituale dargebracht.
    Der Besuch dieser besonderen Kirche hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
    In Zinacantán hingegen dominiert die Textilkunst und der Anbau verschiedenster Schnittblumen, die auf einem kleinen Markt angeboten werden.
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  • Oaxaca de Juárez

    17–21 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 28 °C

    Mit dem Nachtbus erreiche ich am frühen Morgen Oaxaca. Schon auf dem Weg zu meiner Unterkunft spüre ich, dass diese Stadt etwas Besonderes ist. Die frische Morgenluft, das weiche Licht und die noch ruhigen Straßen schaffen eine fast magische Atmosphäre. Je weiter ich mich dem Zentrum nähere, desto mehr zieht mich der Charme Oaxacas in seinen Bann.

    Die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates liegt auf etwa 1.500 Metern Höhe und gehört zu den kulturell und architektonisch bedeutendsten Städten Mexikos. Ihre Altstadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe, was angesichts der gut erhaltenen Kolonialarchitektur, der kopfsteingepflasterten Straßen und der zahlreichen Kirchen kaum verwundert. Oaxaca war historisch ein wichtiger Schnittpunkt zwischen indigenen Kulturen und spanischer Kolonialherrschaft und das ist bis heute in Stadtbild und Alltagsleben spürbar.

    Besonders zur aktuellen Jahreszeit präsentiert sich die Stadt in leuchtenden Farben: Unzählige Bäume stehen in voller Blüte, ihre kräftigen Rosa- und Violetttöne ergänzen sich wunderbar mit den ockerfarbenen Fassaden der Häuser und erzeugen ein malerisches Farbspiel.

    Am Zócalo, dem zentralen Platz der Stadt und lebendigen Treffpunkt unter schattigen Bäumen, gönne ich mir eine kalte Trinkschokolade. Eine regionale Spezialität, die herrlich erfrischt.
    Im Mercado 20 de Noviembre, dem kulinarisch Herzen Oaxacas, probiere ich weitere regionale Spezialitäten. Zum Beispiel die Mole Oaxaqueño, eine tief aromatische Sauce aus Chili, Schokolade und dutzenden Gewürzen, sowie Tlayudas, knusprig gebackene Tortillas, großzügig belegt mit Bohnenmus, Käse, Avocado und wahlweise Fleisch.

    Unter den vielen sehenswerten Kirchen gefällt mir der Templo de Santo Domingo de Guzmán besonders gut. Die Fassade ist eher schlicht, aber das Innere überrascht mit überbordendem Barockschmuck, vergoldeten Ornamenten und kunstvollen Deckenfresken.
    Direkt daneben befindet sich das ehemalige Kloster, das heute das Museo de las Culturas de Oaxaca beherbergt. Das Museum zeigt Exponate zur Geschichte, Ethnographie und Kunst der Region, darunter auch zahlreiche Fundstücke aus Monte Albán.

    Diese Ruinenstadt liegt nur wenige Kilometer außerhalb Oaxacas auf einem Bergrücken über dem Tal. Als einstiges Zentrum der Zapoteken, später auch von den Mixteken genutzt, zählt Monte Albán zu den bedeutendsten präkolumbischen Stätten Mexikos. Zwischen dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 9. Jahrhundert n. Chr. war die Anlage politisches, wirtschaftliches und religiöses Zentrum der Region. Noch heute beeindrucken die großzügigen Plätze, Tempel, Grabanlagen und das astronomisch ausgerichtete Observatorium. Auch Blick von oben über das Tal von Oaxaca ist beeindruckend.
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  • Puebla

    21–24 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 26 °C

    Nach gut fünfstündiger Busfahrt nach Norden erreiche ich Puebla. Die Stadt liegt auf etwa 2.100 Metern Höhe, eingerahmt von zwei imposanten Vulkanen: dem schneebedeckten Pico de Orizaba, mit über 5.600 Metern der höchste Berg Mexikos und dem markanten, oft rauchenden Popocatépetl mit 5.400 Metern.

    Puebla überrascht mich mit ihrer Eleganz und dem prächtigen kolonialen Erbe. Besonders rund um den Zócalo, dem zentralen Platz der Stadt, entfaltet sich ihr Charme. Unter schattigen Bäumen treffen sich Einheimische, Straßenmusiker spielen auf und die imposante Kathedrale mit ihren hohen Türmen aus dunklem Kalkstein wacht über das bunte Treiben.
    Ein markantes Merkmal des Stadtbildes ist die Talavera-Keramik, die viele Hausfassaden ziert. Die kunstvoll bemalten Kacheln erinnern mich an die Azulejos im portugiesischen Porto: farbenfroh, detailreich und voller Geschichte.

    Beim Schlendern durch die Altstadt lande ich im Viertel Los Sapos, wo sich am Wochenende gut besuchte Flohmärkte zwischen bunten Fassaden ausbreiten. Ganz in der Nähe liegt das Barrio del Artista, wo lokale Künstler in kleinen Ateliers arbeiten und ihre Werke direkt auf der Straße präsentieren. Eine charmante Mischung aus Kunst, Alltag und gelebter Kreativität.

    Ein weiteres kulturelles Highlight ist das Museo Amparo, das sowohl moderne als auch präkolumbische Kunst zeigt. Besonders beeindruckend ist die Dachterrasse des Museums: Von hier oben eröffnet sich ein weiter Blick über die Dächer Pueblas, auf Kirchenkuppeln, Kolonialfassaden und in der Ferne die Silhouette der Vulkane.

    Nur wenige Kilometer westlich von Puebla liegt Cholula, eine kleine Stadt mit großer Geschichte. Ich unternehme einen Tagesausflug dorthin und lasse mich schnell von der besonderen Atmosphäre einnehmen. Im Mittelpunkt steht die größte Pyramide der Welt, zumindest, was das Volumen betrifft. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein natürlicher Hügel, überwuchert von Gras und Bäumen. Doch im Inneren verbirgt sich ein gigantisches präkolumbisches Bauwerk. Oben auf dem Plateau thront heute eine gelb leuchtende Kirche aus der Kolonialzeit. Ein Sinnbild für die Ignoranz der Europäer und die Überlagerung von Kulturen.

    Als ich den Pyramidenhügel erklimme und den weiten Blick über die Ebene genieße, habe ich Glück: Direkt am Fuß der Kirche beginnt eine eindrucksvolle Aufführung. Eine große Gruppe Maya in traditionellen Gewändern und mit auffälligem Federschmuck führt rituelle Tänze auf, begleitet vom tiefen Rhythmus der Trommeln. Dazu werden verschiedene Kräuter zu aromatischem Rauch verbrannt und die Atmosphäre ist intensiv, archaisch und fast tranceartig.
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  • San Miguel de Allende

    24–27 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 29 °C

    Von Puebla aus reise ich per Mitfahrgelegenheit zu meiner nächsten Station, San Miguel de Allende. Mit einem Umstieg in Santiago de Querétaro dauert die Fahrt insgesamt etwa fünf Stunden.
    Die Kleinstadt liegt auf etwa 1.900 Metern Höhe im Bundesstaate Guanajuato und zählt zu den schönsten Kolonialstädten Mexikos. Sie war einst ein bedeutendes Handels- und Kulturzentrum im zentralen Hochland und ist heute ein beliebter Rückzugsort für Künstler, Intellektuelle und Auswanderer, allen voran viele US-Amerikaner, die hier dauerhaft leben oder überwintern. Seine gut erhaltene Architektur, die kulturelle Vielfalt und das milde Klima haben ihm den Status als kulturelles Kleinod eingebracht.

    Das Herz der Stadt schlägt rund um den Jardín Allende, einen von Bäumen beschatteten Platz direkt vor der berühmten Parroquia de San Miguel Arcángel. Die rosafarbene Kirche mit ihren neugotischen Türmen erinnert entfernt an das Ulmer Münster. Eine Reminiszenz an europäische Kathedralen, entworfen von einem indigenen Steinmetz im 19. Jahrhundert, der sich von Postkarten inspirieren ließ.
    Zwischen den schattigen Bänken erklingen immer wieder die Melodien der Mariachi. Das sind Musiker in prächtigen Anzügen, die auf Bestellung Ständchen singen und deren traditionelle Lieder voller Sehnsucht und Leidenschaft durch Trompeten, Gitarren und Geigen getragen werden.

    Ein Spaziergang führt mich durch das charmante Viertel El Chorro den Hügel hinauf zum Aussichtspunkt El Mirador. Der Weg verläuft entlang pastellfarbener Häuser, durch ruhige Gassen und vorbei an blühenden Bougainvillea und Jacarandas. Am Ende wartet ein weiter Blick über die Dächer San Miguels.

    Etwas außerhalb des Zentrums besuche ich die Fábrica La Aurora, eine ehemalige Textilfabrik, die heute Ateliers, Galerien und Designläden beherbergt. Inmitten von Industrieromantik lässt sich hier zeitgenössische Kunst entdecken. Ein schöner Kontrast zur kolonialen Kulisse der Altstadt, auch wenn die Anlage vor allem wohlhabende Ausländer anzieht.

    So habe ich an einigen Stellen das Gefühl, dass es hier fast schon zu viele Ausländer gibt. Die Stadt ist nicht allzu groß, und ihr Anteil ist auffallend hoch. Sie prägen und verändern den Ort, was den authentischen Charakter manchmal etwas verblassen lässt.
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  • Ciudad de México Teil 1

    27–29 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 27 °C

    Von San Miguel de Allende reise ich per Mitfahrgelegenheit weiter in die mexikanische Hauptstadt. Der Umstieg in Santiago de Querétaro klappt reibungslos, nach etwa fünf Stunden Fahrt erreiche ich die riesige Metropole. Mexiko-Stadt liegt auf rund 2.250 Metern Höhe und zählt über 20 Millionen Einwohner in der Metropolregion – eine der größten Städte der Welt.

    Der erste Eindruck ist überwältigend. Besonders eindrucksvoll finde ich den Palacio de Bellas Artes mit seiner opulenten Architektur und der markanten Kuppel aus gelb-orangefarbenen Kacheln. Direkt daneben lädt die grüne Alameda Central zum Durchatmen ein: breite Wege unter alten Bäumen, zahlreiche Fontänen und Straßencafés, in denen sich das Leben der Stadt spiegelt.

    Ein paar Blocks weiter öffnet sich plötzlich ein riesiger, steinener Platz – die Plaza de la Constitución, besser bekannt als Zócalo. Er gehört zu den größten Stadtplätzen der Welt und wirkt mit seiner weiten Fläche fast surreal. Die gewaltige Kathedrale am Rand ist ein Symbol der spanischen Kolonialmacht. Dazwischen entdecke ich eine kleine Gruppe von Maya, die traditionelle Reinigungszeremonien an Touristen durchführen. Mit duftendem Rauch, Federn und rituellen Gesten schaffen sie Momente der Stille mitten im Trubel.

    Gleich neben dem Platz stoße ich auf die Überreste des Templo Mayor, einst eines der wichtigsten religiösen Zentren des Aztekenreichs. Hier wird greifbar, wie sehr sich Geschichte und Gegenwart überlagern: Mexiko-Stadt wurde buchstäblich auf den Ruinen von Tenochtitlán erbaut, der einstigen Hauptstadt der Azteken.

    Etwas weiter nördlich liegt die futuristische Biblioteca Vasconcelos, eine riesige, moderne Bibliothek mit schwebenden Bücherregalen, Pflanzenwänden und beeindruckender Raumwirkung – ein Paradies für Architektur- und Buchliebhaber.

    Ein schöner Kontrast zur Monumentalität der Innenstadt ist die Alameda de Santa María la Ribera. Hier steht nicht nur der prachtvolle Kiosko Morisco, ein filigraner Pavillon aus gusseisernem Ornament, sondern es wird auch getanzt: Jeden Sonntag verwandelt sich der Park in eine große Tanzfläche. Alt und jung, elegant gekleidet oder spontan dazugestoßen – sie alle feiern gemeinsam das Leben mit Cumbia, Salsa und viel Gefühl.
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  • Bosque de Chapultepec

    29 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 27 °C

    Ein weiterer Ort, der mich beeindruckt, ist der Bosque de Chapultepec. Eine riesige, grüne Lunge mitten in der Stadt. Mit über 600 Hektar Fläche zählt er zu den größten innerstädtischen Parks weltweit und bietet zwischen Seen, Wäldern und Museen genug Raum, um den urbanen Trubel für ein paar Stunden hinter sich zu lassen.

    Am höchsten Punkt des Parks thront das Castillo de Chapultepec, das einzige echte Schloss Nordamerikas. Die Räume sind prächtig eingerichtet, mit hohen Decken, antiken Möbeln und kunstvollen Fresken. Heute beherbergt es das Museo Nacional de Historia, das anschaulich die Geschichte Mexikos vom Kolonialzeitalter bis zur Revolution erzählt. Vom Balkon des Schlosses eröffnet sich ein weiter Blick über die Baumkronen hinweg bis in die glitzernde Skyline der Stadt.

    Nicht weit entfernt besuche ich das Museo Nacional de Antropología, eines der bedeutendsten Museen Lateinamerikas. Die Ausstellungen spannen einen beeindruckenden Bogen von der Evolution der ersten Menschen auf dem amerikanischen Kontinent über die großen präkolumbischen Hochkulturen bis hin zur kulturellen Vielfalt Mexikos in der Gegenwart. Besonders eindrucksvoll sind der riesige Azteken-Sonnenstein und die Rekonstruktionen ganzer Tempelanlagen in Originalgröße. Viele der hier behandelten Themen und Fundstücke stehen in Verbindung zu archäologischen Stätten, die ich auf meiner Reise bereits besucht habe. Es ist faszinierend, die historischen Kontexte hier vertieft nachzuvollziehen. Auch die Architektur des Museums selbst beeindruckt: Der zentrale Hof wird von einem riesigen Dach beschattet, das auf einer einzigen Säule ruht, aus der wie ein Wasserfall Regen herabfließt.

    An der Nordgrenze des Parks verläuft der Paseo de la Reforma, eine breite Prachtstraße, die einst nach dem Vorbild der Pariser Boulevards angelegt wurde. Heute säumen moderne Hochhäuser aus Glas und Stahl ihren Verlauf. Inmitten des Verkehrs erhebt sich auf einem Kreisverkehr eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt: der Ángel de la Independencia, eine goldene Siegesgöttin auf einer hohen Säule, Symbol der mexikanischen Unabhängigkeit und beliebter Treffpunkt bei Festen und Protesten.

    Zwischen Geschichte, Gegenwart und viel Grün zeigt sich Mexiko-Stadt hier von einer besonders vielfältigen Seite: monumental, lebendig und tief verwurzelt in ihrer kulturellen Identität.
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  • Ciudad de México Teil 2

    30 mars–1 avr. 2025, Mexique ⋅ ☀️ 28 °C

    Abseits des historischen Zentrums entdecke ich eine ganz andere Seite von Mexiko-Stadt: grüne, ruhige Wohnviertel mit ganz eigenem Charakter. Was mich besonders überrascht, ist der enorme Grünanteil. Kaum eine Großstadt, die ich kenne, wirkt trotz ihrer Größe und Dichte so durchgrünt. Alte Bäume säumen die Straßen, bilden ein schattenspendendes Blätterdach, viele Gehwege sind bepflanzt und durch grüne Streifen von der Straße getrennt. Das schafft nicht nur Raum zum Durchatmen, sondern auch ein Gefühl von Lebensqualität.

    In der Colonia Condesa spaziere ich durch gepflegte Parks, allen voran den Parque México und den Parque España. Besonders gefällt mir die ringförmige Avenida Ámsterdam, die wie ein grüner Boulevard um die alte Pferderennbahn verläuft.

    Direkt daneben liegt Roma Norte, eines der charmantesten Viertel der Stadt. Die Straßen sind gesäumt von Jugendstilfassaden und restaurierten Stadtvillen. Die vielen Cafés, Boutiquen und Galerien fügen sich harmonisch in das grüne Straßenbild ein. Überall alte Bäume, deren Äste wie Bögen über die Gehwege ragen.

    Weiter südlich erreiche ich Coyoacán. Hier lebt die Erinnerung an Frida Kahlo, deren ehemaliges Wohnhaus heute ein vielbesuchtes Museum ist. Doch auch abseits davon hat der Stadtteil viel Flair: kopfsteingepflasterte Gassen, lebendige Plätze und eine fast dörfliche Atmosphäre machen ihn zu einem Ort der Ruhe mitten in der Großstadt.

    Nicht weit entfernt entdecke ich Chimalistac, ein kleines, fast verstecktes Viertel mit alten Villen, engen Gassen und dichten Gärten. Es wirkt wie eine Zeitkapsel aus der Kolonialzeit. Ganz in der Nähe, in San Ángel, besuche ich den Bazar del Sábado, einen Kunst- und Handwerksmarkt mit hochwertigen Arbeiten lokaler Künstler. In den eleganten Innenhöfen und auf den gepflasterten Wegen herrscht samstägliche Gelassenheit.

    Diese Wohnviertel zeigen mir eine andere Seite der Millionenmetropole: lebensnah, ästhetisch, überraschend grün. Und sie lassen mich verstehen, warum viele Menschen hier gerne leben.
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  • Teotihuacán

    31 mars 2025, Mexique ⋅ ☀️ 29 °C

    Den Abschluss meines Aufenthalts in Mexiko-Stadt bildet die Ruinenstadt Teotihuacán. Sie liegt etwas außerhalb der Stadtgrenzen und ist eine der bedeutendste präkolumbische Ruinen Mesoamerikas.

    Teotihuacán war einst eine der größten Städte der Welt. Auf dem Höhepunkt ihrer Blütezeit, zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert, lebten hier vermutlich bis zu 200.000 Menschen. Wer die Stadt erbaut hat, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Sicher ist nur: Die Azteken, die Jahrhunderte später hierher kamen, hielten den Ort für heilig und gaben ihm seinen heutigen Namen: Ort, an dem die Menschen zu Göttern werden.

    Ich beginne meinen Rundgang auf der Calzada de los Muertos, der zentralen Achse, die schnurgerade durch das weite Areal verläuft. Links und rechts säumen die Überreste einstiger Paläste, Tempel und Wohnkomplexe meinen Weg. Die Dimensionen sind gewaltig.

    Am nördlichen Ende der Straße erhebt sich die Pyramide des Mondes, in ihrer Form etwas kompakter, aber fast genauso hoch wie die Sonnenpyramide, die etwas weiter südlich den Mittelpunkt des Geländes bildet. Leider darf man heute nicht mehr auf die Pyramiden hinaufsteigen, zu groß ist die Gefahr, dass der Andrang sie beschädigt. Dennoch lässt sich von unten die monumentale Größe spüren: über 200 Meter Kantenlänge und fast 65 Meter hoch.

    Noch beeindruckender ist für mich der Tempel des Quetzalcóatl, eines der kunstvollsten Bauwerke der Anlage. Reich verziert mit steinernen Schlangenköpfen, Masken und Symbolen, strahlt er eine fast mystische Energie aus. Wie viele andere Gebäude in Teotihuacán wurde auch dieser Tempel im Laufe der Zeit teilweise überbaut. Spätere Generationen errichteten neue Strukturen direkt auf den alten Fundamenten. Das macht die Stadt zu einem vielschichtigen archäologischen Puzzle.

    Auf dem Gelände entdecke ich farbige Wandmalereien, restaurierte Mosaike und Überreste religiöser Symbole. Zeichen einer hochentwickelten Kultur, deren Geschichte noch immer viele Rätsel birgt. Vieles, was ich hier sehe, finde ich in Erinnerung wieder in den Ausstellungen des Anthropologischen Museums. Theorie und Praxis verbinden sich, Geschichte wird greifbar.
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