1 Jahr lang wohin es uns treibt 🌎
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  • Day216

    Kuala Lumpur

    September 10 in Malaysia ⋅ ☁️ 31 °C

    Am Samstagvormittag geht es dann mit dem sehr bequemen Bus von Singapur nach Kuala Lumpur. Die Fahrt dauert knapp 5h und der Grenzübertritt ist denkbar einfach und in 5 Minuten erledigt.
    Willkommen in Malaysia 🇲🇾.

    Wie schon in Singapur, fällt auch hier die Vielfalt der Völker und Religionen auf.
    Die Vorfahren der jetzigen Bewohner Malaysias kamen wohl aus dem Süden Chinas und siedelten sich um 300 v. Chr. im heutigen Malaysia an. Da der Handel zwischen China und Indien schon früh einsetzte, wanderten auch Hindus und
    Buddhisten ins Land ein. So kamen Gruppen aus Java, aus Thailand (dem früheren Siam), aus Sumatra, aber auch Menschen aus Persien und weiteren Ländern ins Land.
    In der frühen Neuzeit um 1500, als das Interesse der europäischen Mächte an den Reichtümern Asiens wuchs und sie mit ihren Schiffen die Welt eroberten, erreichten die Portugiesen als erste Malaysia. Interessiert waren sie vor allem am Handel mit Gewürzen, die man in Europa nicht kannte und die damals so wertvoll wie Gold waren. Dann kamen die Niederländer und schließlich die Briten, die Teile des heutigen Malaysia in ihren Machtbereich brachten und zur britischen Kronkolonie machten.

    1957 wurde Malaysia unabhängig von Großbritannien, war aber weiter Teil des Commonwealth, so dass das Land seine richtige Unabhängigkeit als Staat erst 1963 erhielt. Denn 1963 wurde die Föderation Malaysia gegründet, mit Singapur im Süden und Sabah und Sarawak im Norden Borneos. Singapur verließ die Föderation im Jahr 1965. Seit diesem Jahr ist das Land ein parlamentarische Wahlmonarchie. Das bedeutet, in den verschiedenen Regionen des Landes herrschen Sultane, die alle fünf Jahre einen König aus ihren Reihen wählen. Insgesamt gibt es 13 Bundesstaaten, von denen neun wie in früherer Zeit als Sultanate geführt werden. Dazu kommt die Hauptstadt Kuala Lumpur. Deshalb hat die Landesflagge auch 14 Streifen, eben die 13 Bundesstaaten plus die Hauptstadt. Dazu kommen drei Bundesterritorien.

    Als wir in der malayischen Hauptstadt ankommen, schüttet es aus Eimern und wir lassen uns erst mal in unsere Unterkunft in Chinatown, direkt auf der Pentaling Street, fahren. Hier gibt es vor allem T-Shirts, Hosen, Sonnenbrillen, Uhren und alles andere was schnell (und gefälscht) über den Tresen geht. In den Seitenstraßen öffnen langsam die Strassenküchen und überall duftet und brutzelt es.
    Wir essen scharfes Chili Chicken und planen indessen unseren morgigen und einzigen Tag in der Stadt.

    Am nächsten Morgen geht es nach einem guten Kaffee in einem hippen Lokal zu Fuß durch die Stadt. Zum Glück ist Kuala Lumpur recht kompakt und man kann die meisten Orte innerhalb einer halben Stunde erreichen, auch wenn es bei den Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit meist dennoch ziemlich schweißtreibend ist. Ziemlich markant sticht bei uns in Chinatown bereits der sog. PNB 118, vollständig Merdeka PNB 118 Tower, auch KL118 heraus. Dieser noch nicht ganz fertiggestellte Wolkenkratzer ist mit 678 m das höchste Gebäude in Malaysia, das höchste Gebäude in Südostasien und das zweithöchste Gebäude der Welt. Es überholte somit den 634 m hohen Tokyo Skytree. Der Name ist von den 118 Stockwerken abgeleitet, die das Gebäude hat. Enthalten sind vorwiegend Büros und Hotelzimmer, sowie einige Apartments. Viele Bewohner der Stadt kritisieren das Milliardenprojekt als verschwenderisch, insbesondere der Weiterbau während der Corona-Pandemie, die viele Bürger durch die Lockdowns in Existenznöte führte, verschärften diese Meinung. Die Spitze des Hauses wird daher auch vielfach als Mittelfinger beschrieben 🥲. Wir finden das Gebäude auch nicht sonderlich schön in der Umgebung, auch wenn die Höhe natürlich beeindruckend ist. Eine Eröffnung ist für Ende 2022 geplant.

    Zuerst steuern wir nun aber den Dataran Merdeka (Merdeka Square) an, auf dem das Sultan Abdul Samad Gebäude steht, welches damals zu der Zeit des Sultans Abdul Samad als Verwaltungsgebäude für das Commonwealth Kolonialreich gebaut wurde. Einige nennen die Uhr dort oben auch den „Big Ben Malaysias“. Heute beherbergt es die obersten Gerichte Malaysias und die Ministerien für Information, Kultur und Kommunikation.

    Auf dem Weg dorthin kommen wir an der Jamek Moschee vorbei, die als älteste einst als Hauptmoschee der Stadt fungierte und an der Mündung des Sungai Gombak River in den Klang River liegt. Dieser wird auch (für uns unverständlich) als River of live bezeichnet wird. Die malaysische Regierung initiierte 2011 das River of Life-Projekt, um den verschmutzten Klang-Fluss in eine blühende und lebendige Uferpromenade mit kommerziellem Wert zu verwandeln. Das gesamte Projekt wurde in mehrere Komponenten unterteilt: Flussreinigung, Flussverschönerung und Kommerzialisierung und Tourismus. Es heißt, früher soll der Fluss einst schlammig, düster und schmutzig gewesen sein und trauriger Weise ist es auch das, was wir hier jetzt sehen. Mag sein, dass es nach der Fertigstellung der Flussverschönerung hier mal anders aussah, lange kann das aber nicht angehalten haben 🤨😞.

    Zentraler Fixpunkt und auch unser nächster Stopp sind natürlich die Petronas Towers, mit 452 Metern Höhe ehemals das höchste Gebäude der Welt. Aber auch ohne den Titel, den mittlerweile das Burj Khalifa in Dubai inne hat, haben die vom Mineralölkonzern Petronas gebauten Zwillingstürme nichts von Ihrer Anziehungskraft verloren und sind Besuchermagnet Nr. 1. Und das zu Recht, wie wir finden. Uns gefällt die modern und leuchtend anmutende Architektur, die mit den achteckigen Sternformen der Türme an den Islam angelehnt ist.
    In den unteren Etagen gibt es eine riesige, wenn auch exklusive Mall und hinter den Türmen befindet sich mit dem KLCC eine riesige Grünanlage mit einem überdimensionierten Spielplatz für die Kids.
    Wenn man mag, kann man die Petronas Towers hochfahren – möchten wir aber nicht, weil dann ja in der Skyline irgendwie das wichtigste Bauwerk fehlt.

    Nach einem ausgiebigen Fotoshooting meldet sich nun aber langsam der Hunger und wir laufen weiter in das Viertel Kampung Baru, in dem es exzellentes Straßenessen geben soll. Auf dem Weg dorthin läuft man auch vielfach durch die Hintergassen der Lokale und wünscht sich das ein oder andere Mal, diese von Müll, Gestank und Ratten gespickten Plätze nicht gesehen zu haben 🤢😷. Aber wir lassen uns nicht abschrecken und landen in der Jalan Alor und hier im Bamboo Restaurant. Und wir werden nicht enttäuscht, das Essen ist lecker und günstig und macht uns nach dem mittlerweile halbtägigen Marsch durch die Stadt wieder satt und fit. Anschließend gehen wir noch in ein weiteres Lokal auf ein Bier und warten bis die Sonne untergeht.

    Denn nun wandern wir noch zum Abschluss des Tages den kleinen Hügel zum Menara Kuala Lumpur, dem Fernsehturm der Stadt, hinauf.
    Er ist mit 421 Metern der höchste Fernsehturm Malaysias und der siebthöchste der Welt. Er steht auf dem 90 Meter hohen Bukit Nanas (deutsch: Ananashügel) in der malaysischen Hauptstadt und ermöglicht somit den Blick von oben auf die Petronas Towers. Außerdem gibt es zwei Sky Boxes, die komplett verglast über der Stadt hängen und in denen man (genau 100 Sekunden) schicke Photos machen kann 😅. Einen Photographen gibt es auch, die Bilder kann man dann für teures Geld kaufen, aber man kann auch einfach das eigene Handy oder die eigene Kamera benutzen.
    Die Aussicht ist wirklich toll, die Pretonas Towers erstrahlen förmlich in der Nacht und die Größe des PNB 118 kommt von hier auch noch einmal richtig zu Geltung.

    Nach diesem Ausflug geht es dann auch schon nach Hause und ins Bett, da der nächste Tag schon wieder Reisetag ist und es Zeit wird, das Grossstadtleben erst mal wieder zu verlassen.
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    Traveler

    Absolut irre Bilder! sagenhaft!

     
  • Day215

    Singapur 2 - noch mehr Bilder

    September 9 in Singapore ⋅ 🌧 27 °C

    Die zwanzig Bilder pro Footstep reichen für Singapur bei weitem nicht, daher geht es hier weiter 😄.

    Traveler

    wow :D sehr cool! Und wieder geiles Essen 😍

    Traveler

    Sooooo gutes Essen 🤩

    Traveler

    Man sieht es 😍 das Steak hätte ich auch gerne probiert 🤤🦁

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  • Day213

    Singapur 1

    September 7 in Singapore ⋅ 🌧 28 °C

    Nach zwei 8h-Flügen kommen wir von Johannesburg über Doha mit reichlich Zeitverschiebung in Singapur an. Alles Gepäck ist diesmal mitgekommen und so fahren wir erstmal zu unserer Unterkunft in die berühmte Arab Street im muslimischen Viertel Kampong Glam.
    Da Singapur als eines der reichsten Länder (und Städte) weltweit gilt und zu einer der Städten mit den weltweit höchsten Lebenshaltungskosten zählt, kommen wir hier in einem sog. Space Pod unter. Im Grunde ist es ein Schlafsaal, die Betten befinden sich hier nur in Kapseln, die man verschließen kann und mit einer Klimaanlage ausgestattet sind. In einem Schlafsaal ist Platz für 15 Leute, es gibt Einzel- und Doppel-Pods. Wir haben Glück und können schon vor dem eigentlichen Check-in unser Doppel-Pod beziehen und uns nach dem langen Flug in dem sauberen Gemeinschaftsbad frisch machen.
    Trotz des deutlich spürbaren Jetlags, spazieren wir am frühen Mittag durch unser Viertel und lassen die ersten Eindrücke Singapurs auf uns wirken.

    Singapur ist ein Insel- und Stadtstaat und der flächenkleinste Staat Südostasiens.
    Nach frühen Jahren politischer Krisen und trotz fehlender natürlicher Ressourcen entwickelte sich die Nation innerhalb von 50 Jahren zur boomenden Wirtschaftsmetropole und einem wichtigen Finanz- und Handelsplatz. Singapur hat einen hohen Stellenwert bei wichtigen sozialen Indikatoren: Bildung, Gesundheitsversorgung, Lebensqualität, persönliche Sicherheit und öffentlicher Wohnungsbau mit einer Wohneigentumsquote von 91 Prozent 😳. Singapurer genießen eine der längsten Lebenserwartungen, die schnellsten Internetverbindungsgeschwindigkeiten und eine der niedrigsten Kindersterblichkeitsraten der Welt. Auch als Urlaubsziel westlicher Touristen ist sie beliebt. International umstritten ist jedoch das sehr strenge Recht des Landes, das neben der Einschränkung der Pressefreiheit auch Körperstrafen für eine Reihe von – nach europäischem Maßstab – als Ordnungswidrigkeiten zu betrachtenden Taten bis hin zur Todesstrafe bei schweren Verbrechen besonders zur Abschreckung vorsieht. Es greift sehr weit in das öffentliche und alltägliche Leben ein und pönalisiert auch Dinge mit hohen Strafen, die anderswo als völlig harmlos gelten. Zur Bestrafung werden nach wie vor die Todesstrafe durch Erhängen und das öffentliche Auspeitschen verhängt. Ein paar Beispiele für für uns eher überzogene Strafen:

    1. Seit 1992 gilt in Singapur ein absolutes Kaugummiverbot. Kaugummis dürfen nicht eingeführt oder verkauft werden. Ausnahmen gibt es nur für medizinisch oder zahnhygienisch erforderliche Produkte. Wer aus dem Nachbarland Malaysia durchreist, muss Kaugummis in einem verschlossenen Behälter verstauen. Grund für den "Kaugummi-Bann" war die Verschmutzung von Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Höchststrafe für den Verkauf beträgt rekordverdächtige 100.000 Dollar.

    2. Trotz so viel Fortschritt, hapert es (wie in noch so einigen Staaten auf der Welt) an der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Liebe, Sex zwischen Männern wird mit zwei Jahren Gefängnis bedroht. In Singapur wird das Gesetz heute zum Glück kaum mehr durchgesetzt. Dennoch scheiterten Bemühungen, das Verbot aufzuheben, zuletzt im Jahr 2014.

    3. Unter den in Singapur extrem weit gefassten Begriff des "Vandalismus" kann vieles fallen, das aus Sicht des sauberen Landes den öffentlichen Raum unansehnlich macht. Echte Sachbeschädigungen oder sogar Graffiti wird sehr streng – mit mehrjährigen Haftstrafen – bestraft. Als Vandalismus kann es aber auch schon gelten, Plakate, Banner oder Flaggen an einer nicht dafür vorgesehenen Stelle aufzuhängen.

    4. Wer sein Gerät über ein fremdes Wi-Fi mit dem Internet verbindet, begeht in Singapur nach dem Computermissbrauchs- und Cybersecuritygesetz auch dann "Hacking", wenn dieses gar nicht passwortgeschützt ist. Bestraft wird das Delikt mit bis zu 10.000 Dollar Geldstrafe oder gar bis zu drei Jahren Gefängnis.

    Man kann die Liste noch beliebig erweitern und es ist klar, dass vieles kaum und nur sehr selten verfolgt werden kann. Dennoch hat eine solche Gesetzgebung und vor allem die dazugehörigen hohen Strafen ein besonderes Geschmäckle 😐.
    Zigaretten darf man übrigens auch nicht einführen. Das heißt, auch nicht eine offene Packung oder auch nur eine Einzelne. Die wenigen, die wir noch aus Südafrika dabei hatten, haben wir aber dann doch einfach im Rucksack belassen, als wir gesehen haben, dass beim Ausgang beim Flughafen kein Mensch irgendetwas kontrolliert 🤷🏻‍♀️ und sie hier deutlich teurer sind. Nur beim Rauchen selber muss man natürlich auch aufpassen, wo man dies tut, es gibt dafür meist extra ausgewiesene Ecken 😂.

    Als wir durch unser muslimisches Viertel spazieren, laufen wir also durch eine wahnsinnig saubere und ordentliche Gegend, man könnte fast vom Boden essen und der Verkehr ist mehr als geregelt und entspannt. Wir essen hier erstmal sehr leckeres orientalisches Essen und müssen uns im Anschluss dann doch für ein bis zwei Stunden hinlegen 🙈. Am Abend raffen wir uns aber noch einmal auf um der Zeitverschiebung entgegenzuwirken und spazieren nun noch zum Marina Bay, wo wir dann vor dem berühmten Marina Bay Sands Singapore Hotel stehen und die Skyline der Stadt bei Nacht bewundern können. Man sieht und spürt das Geld hier an jeder Ecke, Luxusgeschäfte, Luxusautos, Luxushotel…
    Allerdings sieht es hier auch wirklich toll aus und die ganze Ecke rund um die Marina Bay ist sehr gelungen, wie wir finden und es macht richtig Spaß, beiall der Ordnung durch die Stadt zu spazieren. Und so kommen wir von unserem kleinen Spaziergang, der dann doch 2,5h dauerte, zurück zu unserer Kabine und fallen tot müde ins Bett! Jetlag erfolgreich verhindert 👌.

    Am nächsten Tag machen wir uns erstmal auf den Weg nach Little India und dort zum sog. Tekka Centre. Dieser Markt bietet unendlich viele (hauptsächlich) indische Köstlichkeiten zu erschwinglichen Preisen, welches wir erst mal testen und für sehr gut befinden. Nach dem Essen schlendern wir noch durch die vielen Stände, es gibt einfach alles hier und das natürlich auch im totalen Überfluss. Weiter der Serangoon Rd folgend, kommen wir an indischem Tempeln vorbei und das ganze Stadtbild ist hier wirklich rein indisch geprägt. Vor allem die zahlreichen Goldschmuck- und Stoffläden fallen besonders auf 😃.

    Anschließend geht es nach China Town und durch die hier sehr bunt geschmückten Straßen. Wir besuchen den Buddha Tooth Relic Temple der erbaut wurde, um die Zahnreliquie des historischen Buddha zu beherbergen. Es wird behauptet, dass die Reliquie von Buddha, von der sie ihren Namen hat, in einem eingestürzten Stupa (buddhistisches Bauwerk) gefunden wurde. Heute kann man diesen Zahn im Tempel, umgeben von unendlich viel Gold, besichtigen und neben ihm meditieren (Fotos nicht erlaubt). Auf dem Dach des Tempels befindet sich noch eine Art Garten mit einer lebensgroßen Gebetsmühle und tausenden kleinen Buddhas, die an den Wänden aufgestellt sind. Wir finden es hier ganz schön, die Stimmung ist angenehm und entspannt und alles riecht nach Räucherstäbchen 🤩😍.

    Auf dem Weg zurück, kommen wir noch an toller Streetart, der sog. Wall Mural Art by Yip Yew Chong vorbei, die uns mit ihren Details wirklich umhaut.
    Und dann stehen wir plötzlich vor einem kleinen Laden, von dem wir denken, es handelt sich um eine Schokoladenmanufaktur. Erst beim näheren Hinschauen stellen wir fest, dass es sich um gebratene und karamellisierte Fleischplättchen handelt 😂. Eines müssen wir auch probieren, aber so richtig toll finden wir es beide nicht. Schokolade hätte uns vermutlich glücklicher gemacht 🥲.

    Auf dem Weg durch die Hochhäuser Singapurs, sehen wir immer wieder vollständig bewachsene Wolkenkratzer, die wie ein grosser Garten aussehen. Und das hat seinen Grund. Singapur ist einer der am höchsten verdichteten Staaten der Welt. Da die Tagestemperaturen im Jahresdurchschnitt bei 32 Grad Celsius liegen und es starke Monsunregen gibt, ist die Architektur besonderen Belastungen ausgesetzt. Das klassische Hochhaus jedoch – einst für gemäßigte Klimazonen entworfen – entspricht weder den kulturellen, noch den klimatischen und regionalen Gegebenheiten tropischer Gebiete, denn seine Seitenwände sind der Sonne meist schutzlos ausgeliefert und die Fassade gegenüber der Umgebung abgedichtet, was Klimaanlagen unverzichtbar macht. Um ihre Gebäude zu verschatten, schöpfen einige Architekten in Singapur aus dem Potenzial von Pflanzen, setzen Bäume auf Balkone, lassen struppige Kletterpflanzen an der Fassade ranken und holen ganze Parkanlagen in das Innere. Mittels poröser Fassaden kann der Wind durch die Gebäude strömen und damit für natürliche Abkühlung gesorgt werden. Einige Gebäude besitzen auch ein spezielles Monsunfenster, das auch bei starken Regenfällen geöffnet werden kann, ohne dass Wasser ins Innere gelangt.
    Diese sogenannten Green Houses Sorgen nebenbei noch für frischen Sauerstoff. Und auch die Regierung will Hochhaus-Beton in sauerstoffproduzierendes Grün verwandeln. Das lohnt sich für Bauherren und Gärtner, denn die Hälfte der Kosten übernimmt der Staat. Es geht um Nachhaltigkeit, die Nutzung von Sonnenlicht und Regenwasser, den Verzicht auf Klimaanlagen, darum den Energieverbrauch zu senken. Das klingt doch mal fortschrittlich!

    Am frühen Abend geht es wieder zur Marina Bay, weil wir hier am Vorabend gesehen haben, dass es ein Food Festival gibt, welches wir unbedingt besuchen wollten. Wir kriegen hier tatsächlich wahnsinnig leckere Kleinigkeiten, ein kühles Bier und eine tolle Sicht auf die beleuchtete Stadt. Mit müden Beinen laufen wir die letzten Kilometer anschließend nach Hause und freuen uns auf das wirklich bequeme und gut gekühlte Bett. Auch die zweite Nacht schlafen wir hier gut und trotz der vielen Menschen in einem Raum, ist es erstaunlich ruhig 👍🏽.

    Für den nächsten und letzten Tag haben wir uns den Gardens by the Bay, einen riesigen Naturpark am Marina Bay, der unter anderem die berühmten Supertree Groves, den Flower Dome und den Cloud Forest beheimatet, vorgenommen.
    Die beiden Wintergärten Flower Dome und Cloud Forest sollen ein energieeffizientes Schaufenster nachhaltiger Bautechnologien sein und einen Allwetter- Edutainment - Raum innerhalb der Gärten bieten.
    Der Bau der Gewächshäuser ist in zweierlei Hinsicht besonders. Erstens, indem man ein so großes Glasdach ohne zusätzliche innere Unterstützung (wie Säulen) haben kann. Zweitens, weil die Konstruktionen stark darauf abzielen, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Regenwasser wird von der Oberfläche gesammelt und im Kühlsystem zirkuliert, das mit den Supertrees verbunden ist. Die Supertrees werden sowohl zum Ablassen heißer Luft als auch zum Kühlen von zirkulierendem Wasser verwendet.

    Der Flower Dome ist das größte Gewächshaus der Welt, das im Guinness-Buch der Rekorde 2015 mit 1,2 Hektar aufgeführt ist und ein kühl-trockenes mediterranes Klima nachbildet. Es verfügt über eine wechselnde Ausstellung, das Blumenfeld und acht weitere Gärten. Diese acht Gärten zeigen exotische Blumen und Pflanzen aus dem Mittelmeerraum und halbtrockenen Regionen aus fünf verschiedenen Kontinenten.
    Während wir uns aber dieses Gewächshaus ein wenig farbenfroher vorgestellt haben, sind wir um so mehr vom Cloud Forest begeistert.
    Dieses Gewächshaus bildet die kühlen, feuchten Bedingungen in tropischen Bergregionen zwischen 1.000 Metern und 3.000 Metern über dem Meeresspiegel nach, die in Südostasien, Mittel- und Südamerika zu finden sind. Es verfügt über einen 42 Meter hohen „Wolkenberg“, der mit einem Aufzug erreichbar ist, und Besucher können den Berg über einen Rundweg hinabsteigen, wo ein 35 Meter hoher Wasserfall sie mit erfrischender kühler Luft versorgt.
    Der "Wolkenberg" selbst ist eine komplizierte Struktur, die vollständig mit Epiphyten wie Orchideen, Farnen, Bromelien und Anthurien bekleidet ist und wirklich toll aussieht. Auch der Rundweg um den Berg herum ist durch die Höhe und damit einhergehende Aussicht richtig toll gemacht und gefällt uns super gut.

    Zum Abschluss geht es noch zu den Supertrees.
    Das sind die 18 baumartigen Strukturen, die die Landschaft der Gärten mit Höhen zwischen 25 und 50 Metern dominieren. Sie sind vertikale Gärten, die eine Vielzahl von Funktionen erfüllen, darunter das Pflanzen, Beschatten und Arbeiten als Umweltmotoren für die Gärten.
    Die Supertrees beherbergen Enklaven von einzigartigen und exotischen Farnen, Weinreben, Orchideen und auch eine riesige Sammlung von Bromelien wie Tillandsien und anderen Pflanzen. Sie sind mit Umwelttechnologien ausgestattet, die die ökologische Funktion von Bäumen nachahmen: Photovoltaikzellen, die Sonnenenergie nutzen, die für einige der Funktionen der Supertrees (z. B. Beleuchtung) verwendet werden kann, ähnlich wie Bäume Photosynthese betreiben, und das Sammeln von Regenwasser zur Verwendung in Bewässerungs- und Springbrunnendisplays, ähnlich wie Bäume Regenwasser für das Wachstum aufnehmen. Die Supertrees erfüllen auch Lufteinlass- und -auslassfunktionen als Teil der Kühlsysteme der Wintergärten. Das ist schon wirklich verrückt und faszinierend. Die beleuchteten Bäume wollen wir uns aber dann noch am Abend vom Dach des Marina Bay Sands anschauen 🤩.

    Daher heißt es dann auch schon bald zurück zum Hotel fahren und ein wenig schick machen. Wir haben nämlich einen Tisch im Restaurant Cé La Vie reserviert und freuen uns schon sehr, über den Dächern Singapurs zu essen und sich einmal unter die Reichen und Protzigen zu mischen 😜.
    Und es war einfach toll.
    Das Ambiente war total angenehm und entspannt, die Kellner super nett und das Essen der Wahnsinn!!
    Unsere absoluten Highlights waren das Steak, das so unglaublich zart war, dass wir nicht sicher waren, ob das wirklich Fleisch ist, die Wasabi „Sauce“ zu den Zucchini Blüten und der Weißwein, der so viele Geschmäcker nach einander im Mund abspielte und einfach Spaß machte.
    Zum Abschluss gab es noch eine tolle Sicht auf die beleuchteten Supertrees und wir fuhren um einiges ärmer, aber glücklich, auch so etwas mal erlebt zu haben, wieder zurück in unsere Kapsel, von wo aus es am nächsten Tag weiter nach Kuala Lumpur gehen soll.
    Singapur ist auf jeden Fall ein Erlebnis, in vielerlei Hinsicht wahnsinnig fortschrittlich, aber manchmal irgendwie auch ein wenig unwirklich.
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  • Day212

    Südafrika - ein Rückblick

    September 6 in South Africa ⋅ ☀️ 26 °C

    Unser Rückblick zu 5 Wochen Südafrika 🇿🇦

    Unsere Route zusammengefasst:
    Kapstadt 🚘 Muizenberg
    Muizenberg 🚘 Kap der guten Hoffnung
    Kap der guten Hoffnung 🚘 Hermanus
    Hermanus 🚘 Kap Agulhas
    Kap Agulhas 🚘 Knysna
    Knysna 🚘 Tsitsikamma National Park
    Tsitsikamme National Park 🚘 Port Elizabeth
    Port Elizabeth 🚘 Drakensberge
    Drakensberge 🚘 Johannesburg

    Unsere Highlights:

    Kapstadt - zwei Wochen entspannen, sich ausbreiten, ein wenig Alltag erleben, den ersten Regen seit Wochen genießen und die wunderschöne Stadt ganz ohne Zeitdruck erkunden.

    Kap der guten Hoffnung - neben dem obligatorischen Bild am Schild, die wahnsinnige Bucht des Díaz Beach alleine für sich (nur mit einem Strauß) erleben.

    Hermanus - natürlich die Wale, aber auch die wunderschöne Wanderung durch die Berge mit Blick auf die Küste (und Wale!) 🤩.

    Kap Agulhas - südlichster Punkt Afrikas und bis hierhin eine tolle, wilde und raue Küste, die wir so sehr genossen haben (und uns den ein oder anderen Fisch beschert hat 😏).

    Drakensberge - nach der Garden Route eine komplett andere Landschaft in Südafrika und einer herausfordernden und sehr lohnenswerten Wanderung zu den Tugela Falls.

    Polizisten mit einer Fußball-Cap „schmieren“.


    Das hat genervt:

    Port Elizabeth - vielleicht war es aber auch nur eine Momentaufnahme 🤷🏻‍♀️.

    Vielleicht nicht genervt, sondern eher traurig gemacht hat uns, dass die Apartheid zwar offiziell abgeschafft wurde, es aber tatsächlich noch Jahre dauern wird, bis hier wirklich gleiche Verhältnisse geschaffen sind.

    Das wir „diese Denke“ selbst öfters in unseren Köpfen gemerkt haben, ohne es zu wollen und ohne im sonstigen Alltag wirklich damit konfrontiert zu werden. Brainfuck!

    Der Blick auf die Townships auf unserem Weg - erschreckend und kaum zu glauben, wie einen Kilometer weiter die prachtvollen Villen der überwiegend weißen Bevölkerung in bester Lage stehen.

    Load Shedding - auch wenn wir es nicht oft miterlebt haben, ist es so ungewohnt für uns gewesen, nicht jederzeit Strom zu haben und sich anders arrangieren zu müssen. Dass dies hier schon seit Jahren so läuft und die „Schuldigen“ bekannt sind,
    lässt einen etwas sprachlos zurück.

    Baboons!! 🐒🤬

    Wir sind uns am Ende jedenfalls einig gewesen, dass wir nicht das letzte Mal hier gewesen sind, das Land hat uns so sehr gefallen und dabei haben wir fast nur die Küste gesehen.
    Aber neben der schönen Natur, hat uns die Freundlichkeit der Menschen, gerade auch in den Großstädten und von den nicht so gut situierten, das Gefühl gegeben, wirklich willkommen zu sein. Noch mehr, für uns kam ehrliches Interesse und Freude darüber zum Ausdruck, dass wir ihr Land bereisen. Und unsicher haben wir uns zum Glück zu keiner Zeit gefühlt (und haben es auch nicht darauf angelegt). ❤️❤️❤️
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  • Day208

    Johannesburg

    September 2 in South Africa ⋅ ☀️ 22 °C

    Am Freitagnachmittag kommen wir in Johannesburg an und beziehen eine tolle Loft-Wohnung, die wir über AirBNB gefunden haben und die im hippen und sicheren Viertel Maboneng liegt. Wir sind die letzten vier Tage unserer Südafrikareise hier und haben vor allem noch ein paar organisatorische Dinge zu erledigen. Unser Gastgeber führt uns nach unserer Ankunft noch ein bisschen durch das Viertel und zeigt uns ein paar schöne Ecken und Läden, wo er zufällig auch jeden kennt 😏 und meint, hier kann man sich sehr sicher fühlen und frei bewegen, nur auf sein Handy sollte man aufpassen.

    Für uns heißt es jetzt aber erst mal wieder Wäsche waschen und alles ausräumen, bevor wir dann am Abend noch ein wenig durch das Viertel streifen.
    Johannesburg ist leider immer noch bekannt für seine hohe Kriminalitätsrate und auch in unserem vermeintlich sicheren Viertel ist auf jeden Fall Vorsicht geboten. Dennoch fühlen wir uns hier wirklich wohl und schauen von einer Bar im ersten Stock dem bunten und geschäftigen Treiben auf der Straße zu, immerhin ist es Freitag Abend und vor allem die jungen Leute haben sich ordentlich rausgeputzt und fahren auch zahlreich in ihren Mercedes, BMW und weiteren (meist deutschen) hochpreisigen Karosserien vor.

    Als wir zurück in das Loft kommen, stehen wir erst mal im Dunkeln…der Strom ist ausgefallen.
    Wir denken zuerst, es ist mal wieder Zeit für „Load Shedding“.
    In Südafrika ist seit vielen Jahren das sog. Load Shedding Teil des Lebens der Bevölkerung. Load Shedding bedeutet, wenn die Nachfrage nach Strom das verfügbare Angebot übersteigt, müssen geplante Versorgungsunterbrechungen durchgeführt werden.
    Es ist eine kontrollierte Art, den verfügbaren Strom zwischen allen Strom-Kunden der Firma Escon (die für 95% der Stromversorgung verantwortlich ist) zu verteilen.
    Nach Angaben des Energieversorgers werden betroffene Bereiche nicht länger als zwei Stunden am Stück unterbrochen, Kunden können in den meisten Fällen im Voraus über Unterbrechungen informiert werden. Es wird auch auf Rotationsbasis durchgeführt. Engpässe im Stromsystem bringen das Netz aus dem Gleichgewicht, was zu einem Zusammenbruch führen kann; durch das geplante und kontrollierte Drehen der Last soll das System stabil bleiben. Was für uns (noch?) völlig verrückt klingt, hängt hier leider nicht zuletzt mit den kriminellen Machenschaften und absolutem Fehlmanagement des Energieversorgers sowie untätiger Regierung zusammen.

    Am nächsten Morgen stellt sich allerdings heraus, dass der Strom immer noch nicht wieder da ist und es sich nicht um das Load Shedding handelt. Unser Vermieter sagt, gegen Mittag sollte alles wieder funktionieren 😑.
    Also fahren wir erst einmal wie geplant mehrere Postämter ab, wir wollen unsere Campingsachen nun doch endlich los werden, nachdem wir sie bereits in Südafrika aufgrund der Kälte nicht mehr gebrauchen konnten und in Asien auch nicht brauchen. Allerdings stellt sich das Unterfangen als nicht so leicht heraus. Das erste lokale Postamt verweigert die Annahme wegen der Größe des Paketes 😳, das zweite sagt uns, die dürfen keine Campingsachen verschicken, weil es so etwas hier nicht gibt 🤨 und als wir schließlich bei DHL landen, soll der Spaß über 300 € kosten und damit ein Vielfaches mehr als an Wert überhaupt im Paket ist. Also fahren wir frustriert mit dem Paket wieder nach Hause und wissen noch nicht so richtig, was wir jetzt damit machen sollen. Der Strom ist immer noch nicht da und wir sind bereits langsam genervt, da uns das Loft für die Selbstverpflegung reichlich wenig bringt, wenn weder Kühlschrank noch Herd oder sonstige Küchengeräte funktionieren 😔.
    Da wir es aber nun nicht ändern können, gehen wir in ein kleines Lokal, in dem auch viele andere Backpacker und Locals herumhängen und machen uns dann eben hier mit all den netten Leuten noch einen gemütlichen Nachmittag, bevor wir uns auf den Weg ins unglaublich riesige FNB Stadium (auch Soccer City genannt) machen. Es spielen die Kaizer Chiefs aus Johannesburg gegen die Mannschaft AmaZulu aus Durban. Schon von weitem hört man die uns noch all zu gut bekannten Vuvuzelas dröhnen und wir freuen uns, mit den anderen Fans hier zu sein. Das Stadion der Fußballweltmeisterschaft 2010 ist natürlich viel zu groß, um es jetzt für solche Fußballspiele auch nur annähernd voll zu bekommen, immerhin passen hier knapp 95.000 Menschen rein 😱. Die heute ca. 15.000 Gäste 🤣 haben aber riesigen Spaß und machen eine tolle Stimmung, so dass ich mich eigentlich mehr auf sie als auf das Spiel konzentriere.
    Dieses geht dann auch unspektakulär mit 0:0 aus, aber die 3,50 € pro Ticket waren es auf jeden Fall wert. Auf dem Weg nach draußen, werden wir noch von einer jungen Frau und ihrer Familie nach einem Foto gefragt, weil es sie sehr freut Touristen beim Spiel „ihrer“ Mannschaft zu sehen und verabschieden uns dann zurück in unser Viertel. Da viele aus dem Lokal von heute Mittag auch zum Spiel gegangen sind, haben wir uns nach dem Spiel dort wieder getroffen und haben noch einen super lustigen Abend mit Leuten aus aller Welt 😍.
    Als wir schließlich nach Hause kommen, geht immerhin auch der Strom wieder, nur der Kühlschrank streikt weiterhin…

    Am nächsten Tag stand nun nur noch das Apartheid Museum an, welches ich gerne sehen wollte, was uns dann allerdings ein wenig enttäuschte. Es ist ein sehr schöner und ziemlich großer Bau, zu Beginn gibt es zwei Eingänge, für die Weißen und die Nicht-Weißen. Zu welcher Gruppe man gehört, entscheidet das Ticket für den Eintritt nach dem Zufallsprinzip und entsprechend wählt man den Einfang. Es folgen viele (wirklich unglaubliche) Schilder und Bilder zur damaligen Rassentrennung, bevor es dann leider für uns etwas unübersichtlich wurde. Es ist alles aus dem letzten Jahrhundert dargestellt, viele Bilder mit noch mehr Text aber ohne, dass man auf Anhieb die Reihenfolge oder richtige Richtung der Ausstellung verstehen würde, was das Ganze sehr anstrengend macht. Außerdem gab es noch eine extra Nelson Mandela Ausstellung, die zwar auch ganz interessant aber für uns viel zu vollgepackt war. Da haben wir uns irgendwie etwas mehr erhofft 😔.

    Passend hierzu hatten wir überlegt, ob wir das größte Township Südafrikas besuchen sollten. Das South Western Townships (kurz: Soweto) ist eine „Stadt“, die während des Apartheidsystems als Township für Schwarze entwickelt wurde. Mit mittlerweile über 3,5 Millionen Einwohnern ist das Township die größte städtische Siedlung von Schwarzen in Afrika mit einer reichen politischen Geschichte. Soweto war das Zentrum politischer Kampagnen, die auf den Sturz des Apartheidstaates abzielten. Der Studentenaufstand von 1976, auch bekannt als Soweto-Aufstand, begann in Soweto und breitete sich auf den Rest des Landes aus.
    Damals, ab dem 16. Juni 1976 erschütterten Schüler- und Studentenproteste Soweto, die sich gegen eine Direktive der Regierung richteten, in den höheren Schulklassen zur Hälfte auf Afrikaans statt auf Englisch zu unterrichten. Die Unruhen forderten über 500 Opfer. Soweto wurde somit zum Symbol des Kampfes gegen die Apartheid und der Soweto Day – heute Youth Day – erinnert seit 1995 als Nationalfeiertag an dieses Ereignis.

    Sowetos Wachstum war phänomenal – aber ungeplant. Trotz der Versuche der Regierung, den Zustrom schwarzer Arbeiter in die Städte zu stoppen, zogen Wellen von Wanderarbeitern vom Land und aus den Nachbarländern hierher, um in der Stadt des Goldes nach Arbeit zu suchen. Auch heute leben hauptsächlich Schwarze in Soweto. Viele Menschen aus ländlichen Gebieten kommen in den Stadtteil, um in angrenzenden „weißen“ Stadtteilen von Johannesburg und umliegenden Nachbargemeinden Arbeit zu finden. Doch passende Jobs sind rar und somit entstehen innerhalb kürzester Zeit immer neue kleine Armutssiedlungen.
    Und Soweto wird eben auch zunehmend von Touristen besucht. Viele Gebiete in Soweto, wie Dube oder die Extensions (deutsch „Erweiterungen“) wie Diepkloof Extension, werden vom schwarzen Mittelstand bewohnt und gehören damit zu den sichersten Gebieten in Johannesburg. Informelle Siedlungen wie Kliptown hingegen sind von Ärmeren oder den Ärmsten bewohnt und gehörten, wie einige Favelas in Brasilien, zu den gefährlichsten Orten der Welt. Es gibt heute unzählige Touranbieter, die dich zu Fuß, auf dem Fahrrad oder per Tuk-Tuk durch das Township bringen, vorbei an den damaligen Wohnorten der beiden Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela und Desmond Tutu in der Vilakazi Street und natürlich auch in die Armenviertel.

    Wir haben uns aber schlussendlich gegen eine Tour entschieden. Auch wenn dort zum Teil mittlerweile vom Tourismus profitiert wird, waren wir von der Idee, mit Kamera und Guide durch die aller ärmsten Viertel zu laufen, um uns diese Armut mal anzuschauen, nicht weiter zu begeistern. Nicht, weil wir die Augen davor verschließen wollen, sondern den Mehrwert für die Leute dort und uns nicht erkennen konnten. Die meisten Touren sind hochkommerziell und so undurchsichtig, dass einem nicht klar wird ob und welches Geld den Bewohnern zu Gute kommt. Zudem bleibt uns immer der Gedanke an einen Zoo im Kopf.
    Um Armut und üble Wohnverhältnisse zu sehen, reicht es durch andere Viertel in Johannesburg (oder Südafrika) zu fahren. Auf unserer „Post-Tour“ kamen wir dabei bereits an so vielen unglaublich üblen Ecken vorbei, dass wir einen Eindruck bekommen haben. Denn klar ist auch, wählt man eine solche Tour, will man nicht die mittlerweile gut situierten Viertel sehen…
    Lange Rede, kurzer Sinn, wir haben nach einigen hin und her überlegen Soweto bewusst ausgelassen.

    Schlussendlich müssen wir auch sagen, dass Johannesburg für uns kein Hauptziel auf der Reise durch das Land war und es ist eben leider auch immer noch so, dass hier (z.B. im Vergleich zu Kapstadt) noch die meisten Teile (nach unserem Empfinden) wenig gut und sicher zu besuchen sind. Von daher hatten wir eine kurze und für uns schön gestaltete Zeit mit lieben Leuten und nun heißt es für uns nur noch, den Mietwagen abgeben, alles für den nächsten Flug nach Asien zu packen und vorzubereiten und dann früh schlafen zu gehen.
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  • Day205

    Drakensberge

    August 30 in South Africa ⋅ ☀️ 5 °C

    Von Port Elizabeth bis zu unserer Unterkunft nahe der Drakensberge sind es fast 11h Fahrt, sodass wir noch eine kurze Nacht in Bloemfontain bleiben und dann mit aufgestockten Lebensmitteln und viel Vorfreude am nächsten Tag zu den Drakensbergen aufbrechen.
    Kurz vor unserem Ziel wird Manu (mal wieder 😅) von der Polizei rausgezogen, diesmal 28 km/h zu schnell. Zugegeben, auf den leeren, immer geradeaus führenden Straßen, merkt man oft gar nicht, wie schnell man fährt. Der nette Polizist zeigt Manu den Bußgeldkatalog und sagt, wir sollen die umgerechnet ca. 65€ im nächsten Ort bezahlen 😒. Als wir uns aber dann mit den zwei Polizisten und der Polizistin weiter unterhalten und gefragt werden, wo wir her kommen, will die Polizistin erstmal ein Foto mit uns zwei Deutschen, um es ihren Freunden zu zeigen 😂. Nun hakt der andere Polizist auch noch nach, wo denn unsere Euros seien und ob wir nicht was typisch Deutsches oder Whiskey dabei hätten. So langsam dämmert es uns, um was es hier geht und da kommt uns die bereits ausrangierte, weil durch das ständige Packen völlig verformte Cap von Manu in den Sinn. Ich krame sie schnell Unterboden ganzen Gepäck aus dem Auto und schon steht ein freudestrahlender Polizist mit einer typisch deutschen Fussballmütze von Eisern Union neben Manu und wir sparen uns mal wieder ein paar Euros 🤣🤩.

    Nach diesem Erlebnis ist es nicht mehr weit bis zur Unterkunft, einer Art Ferienanlage, die bereits etwas in die Jahre gekommen ist. Da auch hier direkt im Nationalpark die Unterkünfte deutlich teurer sind, haben wir uns für diese außerhalb liegende entschieden, auch wenn die Fahrt ein wenig länger ist. Aber immerhin haben wir eine eigene Küche und wunderschöne Sonnenuntergänge von der Terrasse. Nach einer kurzen Joggingrunde am Nachmittag machen wir heute aber nichts mehr, da es am nächsten morgen früh losgeht.

    Und so sitzen wir um 07:00 Uhr im Auto und können schon auf dem Weg die massiven Berggipfel der Drakensberge bestaunen.
    Die Drakensberge sind das höchste Gebirge im südlichen Afrika und erreichen maximal 3482 Meter. Die Zulu nennen die Drakensberge wegen der zahlreichen Schluchten, Kämme, Höhlen, Überhänge sowie Zinnen uKhahlamba (deutsch: „Wand der aufgestellten Speere“). Im Jahr 2000 wurde mit dem Ukhahlamba-Drakensberg Park ein Teil des Gebirges auf die Liste des UNESCO-Welterbes gesetzt, der 2013 zum Maloti-Drakensberg-Park erweitert wurde.
    Das Gebirge wird in die nördlichen, zentralen und südlichen KwaZulu-Natal-Drakensberge eingeteilt, wobei der südliche Teil der am wenigsten erschlossene ist. Wandern kann man überall hervorragend und wir haben uns aufgrund unserer Route und des Tugela Wasserfalls, sowie des sog. spektakulären Amphitheaters (eine acht Kilometer lange, fast senkrechte Felswand, die 1000 Meter hoch ist) für den nördlichen Teil entschieden.

    Nach ca. 1,5 h Fahrtzeit kommen wir dann auch schon an der letzten Lodge vor dem Wanderweg an, wo wir unser Auto parken und uns für den „Shuttle-Bus“ anmelden, der uns bis zum Startpunkt der Wanderung bringt. Die 7 Km bis dorthin sind eine solch katastrophale Straße, dass wir es diesmal nicht einmal mit unserem eigenen Auto versuchen 😅 und stattdessen mit 6 weiteren Wanderern auf der gepolsterten Ladefläche eines Pick-Up Platz nehmen. Nach 30 Minuten ist es dann geschafft und wir können den Wanderweg starten, nachdem wir uns noch schnell in das Hiking Register eingetragen haben, damit die Herren hier am Parkplatz wissen, ob am Abend alle Wanderer zurück sind.

    Der von uns gewählte Sentinel Hike soll einer der schönsten und beeindruckendsten Hikes in Südafrika sein, nicht nur, weil er einen mit einer bombastischen Aussicht über das Amphitheater Felsmassiv belohnt, der ganze Weg ist gespickt mit wundervollen Blicken auf das weite Land von Kwazulu-Natal und Freestate.
    Der Weg schlängelt sich zu Beginn teils gepflastert angenehm die Bergseite hinauf und wird allmählich zu einem festen, aber sicheren Trampelpfad mit jetzt schon wundervollen Aussichten. Zum Ende hin gibt es zwei Möglichkeiten, um auf das Plateau zu kommen und wir müssen uns entscheiden, ob wir ca. 60 Meter an Kettenleitern nach oben klettern oder den etwas anstrengenderen Weg über die sogenannte Gully-Route, eine Felsspalte wählen.
    Wir haben uns im Vorfeld einige Bilder der Leitern angesehen und entscheiden uns für die Gully-Route 😅. Das Kraxeln durch die Felsspalte macht sogar richtig Spaß, ist aber wirklich ganz schön anstrengend, denn es geht gute 100 Höhenmeter mehr oder weniger senkrecht die Felsscharte nach oben. Der Weg führt über teils lose Felsbrocken, teils über rutschiges Geröll, aber schließlich haben wir es geschafft und stehen auf dem Plateau, auf ca. 3.140m Höhe 😍. Wir laufen über das Plateau bis nach vorne an die Felskante und es eröffnet sich ein wirklich phänomenaler Weitblick über das Land und das Amphitheater mit dem Tugela-Wasserfall, dem zweit höchsten Wasserfall der Welt und dem höchsten in Afrika. Knapp 1000 Meter stürzt das Wasser über fünf Stufen in die Tiefe. Allerdings nicht im Südafrikanischen Winter, in dem wir uns gerade befinden. Aufgrund der Trockenheit und der Kälte plätschert hier nur ein kleines Rinnsal hinab, manchmal gespickt mit ein paar Eisbrocken. Das wussten wir aber zum Glück vorher und sind daher nicht enttäuscht und können stattdessen den Flusslauf des Tugela bis zur Kante begehen, wo das Wasser ansonsten in die Tiefe stürzt. Tugela ist ein Zulu-Wort und heißt „plötzlich“. Wahrscheinlich, weil der Fluss oben auf dem Plateau so plötzlich über die Kante stürzt.
    Wir machen hier oben eine kleine Pause, stärken uns mit den mitgebrachten Broten und genießen die Sonne, die uns warm ins Gesicht scheint.
    Als wir uns auf den Weg zurück machen, beschließen wir nun die Leitern zu nehmen, da wir die Felsspalte nicht wieder herunter kraxeln wollen. Noch motiviert steigen wir ohne viel zu überlegen in die erste Leiter und hangeln uns herunter. Die Leitern sind wackelig und nicht wirklich fest in der Wand verankert, was bei uns beiden dazu führt, dass wir sehr langsam und verkrampft herunter steigen und meine Beine immer mehr unkontrolliert herumschlottern 🙈.
    Aber wir haben es geschafft und atmen erst mal durch. Nun steht aber die noch deutlich längere und mit einem Überhang versehene Leiter vor uns. Wir schauen uns die anderen Wanderer an, die ohne Probleme los klettern und versuchen uns irgendwie zu überwinden. Aber es funktioniert nicht. Wir fühlen uns total unsicher, die kurze Leiter hat uns schon alles abverlangt und die war deutlich „einfacher“. Also beschließen wir schlussendlich, das kleinere Übel zu wählen und klettern diese wieder zurück nach oben und laufen den Umweg zurück zur Felsspalte. Glücklicherweise ist das herunterkraxeln gar nicht so schlimm wie erwartet, wenn auch trotzdem anstrengend. Und so kommen wir irgendwann gesund und munter wieder unten an und freuen uns, diese schöne Wanderung gemacht zu haben. Zurück zum Auto geht es wieder über die Buckelpiste auf dem Pick-up und dann weiter zu unserer Unterkunft. Mit müden und schweren Beinen machen wir uns einen gemütlichen Abend und verbringen den nächsten Tag am Sterkfontein Dam Nature Reserve, einem großen Stausee, mit Angeln, lesen und in der Sonne liegen.
    Erst am Abend fahren wir zurück, kochen uns Abendessen und genießen den letzten Abend am Lagerfeuer mit einem kühlem Bier und einer wunderschönen Landschaft, bevor es zu unserem letzten Stopp in Südafrika weitergeht.
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    Traveler

    Au weia,das war ja eine Tour!!!Aber Ausblicke!wunderbar!

     
  • Day202

    Port Elizabeth

    August 27 in South Africa ⋅ ☀️ 19 °C

    Auf unserer weiteren Route nach Johannesburg machten wir einen kurzen Stopp in Port Elizabeth. Hier haben wir uns (zum Glück) etwas außerhalb in einem wunderschönen Haus direkt am Fluss einquartiert.
    Die als eine der freundlichsten und sichersten Städte Südafrikas angepriesene Hafenstadt zeigt sich uns am Sonntagmorgen absolut unschön. Insgesamt ist nicht viel los, aber die Menschen die wir sehen, sind alles zwischen volltrunken, high, halbtot und gerade völlig am durchdrehen, sodass wir keinerlei Lust haben und es uns auch nicht geheuer ist, auch nur aus dem Auto auszusteigen, geschweige denn Fotos zu machen.
    Von daher bleibt es bei einem kurzen Stopp in dieser Stadt, bevor es zu unserem eigentlichen Ziel, die Drakensberge geht.
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    Traveler

    Das hört sich ja schrecklich an. passt auf euch auf. Gute Weiterreise 👋🍀💙

    Traveler

    Schön war es wirklich nicht, aber that’s life, oder? Vielleicht haben wir auch einfach nur einen wahnsinnigen Samstagabend verpasst 😅.

    Traveler

    so kann man es auch sehen 🤣

     
  • Day200

    Knysna und Tsitsikamma National Park

    August 25 in South Africa ⋅ ⛅ 16 °C

    Heute geht es weiter in Richtung Tsitsikamma Nationalpark, wo wir eine kleine Wanderung zu einer Hängebrücke machen wollen, die über den Storms River führt, kurz bevor er in den Ozean mündet. Da die Unterkünfte in dem Nationalpark aber deutlich zu teuer sind, entscheiden wir in der ca. 1h westlich davon liegenden Lagunenstadt Knysna zu übernachten.

    Die ca. 50.000 Einwohner Stadt ist besonders wegen ihrer Lage ein beliebtes Ziel entlang der Garden Route. Eine rund 20 Quadratkilometer große Salzwasserlagune (Knysna Lagoon) liegt unmittelbar zwischen der Stadt und dem indischen Ozean. Lediglich eine ziemlich schmale felsige Einfahrt (Knysna Heads) ermöglicht den Zutritt vom Meer aus. Im Hinterland erheben sich die wunderschönen Outeniqua-Berge.
    In der Lagune werden die berühmten Knysna Oyster (Austern) gezüchtet, welche man am Hafen fast überall probieren kann (aber nicht muss 😉).
    Als wir in Knysna ankommen, hat sich eine dicke graue Wolkenschicht über uns gebildet und der Wind fegt uns mal wieder ordentlich um die Nase. Manu macht sich trotzdem mit seiner Angel auf zur nicht weit entfernten Thesen Island, auf der hauptsächlich Luxusunterkünfte und einigen Touranbieter beheimatet sind, während ich einen kleinen Streifzug durch die Gegend mache. Das Wetter ist aber dermaßen ungemütlich, dass wir uns nach einiger Zeit auf der Insel in einem Lokal am wärmenden Feuer wiederfinden.

    Am nächsten Tag ist das Wetter zum Glück sonnig und eigentlich hätten wir hier deutlich länger bleiben können, denn das Örtchen und die Umgebung ist (zumindest bei schönem Wetter) traumhaft schön. Bei Ebbe sieht man in der Lagune nun auch die vielen Austern-Fischer. Aber für uns geht es weiter in den Tsitsikamma Nationalpark, aber zuvor starten wir den sogenannten Knysna Heads noch einen Besuch ab. Dabei handelt es sich um die markanten Felsen, welche das Eingangstor zwischen dem indischen Ozean und der Lagune bilden. Die Royal Navy sagte sogar mal, dass es einst die gefährlichste Einfahrt der Welt war. Nicht wenige Schiffe fanden hier ein tragisches Ende, was heute wiederum die vielen Taucher freut. Vor der Einfahrt findet man einige Wracks, welche man bei einem Tauchgang erkunden kann. Von den spektakulären „Köpfen“ aus haben wir eine wunderschöne Sicht über die Lagune, die enge Durchfahrt und den Indischen Ozean.

    Auf dem weiteren Weg in Richtung Nationalpark überfahren wir die Bloukrans Bridge, die mit einer Höhe von 216 Metern über dem Tal, die höchste Brücke Afrikas ist. Zu was sollte sie sich daher besser eignen als zum Bungee Jumping? Wir machen hier einen kurzen Stopp und schauen uns die Verrückten einmal aus der Nähe an.
    Die Wagemutigen müssen zunächst unter der Brücke mit einer Zipline bis zur Mitte der Brücke fahren und können sich dann dort die 216 Meter in die Tiefe stürzen und damit einen der höchsten Bungee Jumps der Welt überstehen.
    Wir würden beide bereits an der „Anfahrt“ über die Zipline scheitern und sind uns einig, dass uns das Zusehen genügt 🫣.

    In dem kleinen Ort Stormsrivier machen wir Halt in dem total netten Lokal „Papa Afrika“ und bekommen eine der besten Steinofenpizzen serviert, die wir seit langem probieren durften. Der Laden ist total gemütlich mit bunt zusammengewürfeltem Interieur, kleinen Katzen und einer unglaublich herzlichen Bedienung, sodass wir gut gelaunt, gestärkt und fröhlich zur Wanderung aufbrechen. Der Weg führt von den Klippen stetig bergab durch den Tsitsikamma Wald, in dem uns mal wieder die netten Baboons über den Weg laufen, aber diesmal zum Glück in Ruhe lassen 😅. Schon auf dem Weg können wir die 77 Meter lange Hängebrücke erblicken und sind nach einer guten halben Stunde bei ihr angekommen. Da sie nur sieben Meter über dem Storms River hängt, haben wir trotz der etwas wackeligen Angelegenheit keine Probleme, sie zu überqueren und können die schöne Natur genießen.

    Anschließend geht es den gleichen und jetzt deutlich schweißtreibenderen Weg wieder hinauf, mit ein paar letzten schönen Blicken hinab, bevor es schon weiter geht.
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  • Day197

    Kap Agulhas

    August 22 in South Africa ⋅ ☀️ 17 °C

    Nach einer guten 2h Fahrt von Hermanus kommen wir am Nachmittag am Kap Alguhas an.
    Der erste bekannte europäische Seefahrer, der 1488 Kap Agulhas erreichte, war natürlich wieder mal der Portugiese Bartolomeu Dias. Cabo das Agulhas ist portugiesisch für ‚Kap der Nadeln‘. Vermutlich gaben ihm die Seefahrer den Namen wegen seiner zahlreichen Felsen und Riffe. Das Aufeinandertreffen verschiedener Meeresströmungen führt oft zu hohem Wellengang, die Gewässer um Kap Agulhas gelten deswegen und wegen der Riffe als sehr gefährlich. Eine andere Theorie besagt, dass im 15. Jahrhundert dort die Kompassnadel genau zum geographischen Nordpol zeigte, d. h. die magnetische Deklination genau 0° groß war.
    Das Kap Agulhas ist der südlichste Punkt des afrikanischen Kontinents, nicht, wie oft angenommen, das Kap der Guten Hoffnung. Der 20. Meridian, der in etwa auf dem Kap Agulhas liegt (genau verläuft er ca. 150 m östlich), stellt die geografische Grenze zwischen Atlantischem und Indischem Ozean dar.

    Wir sind hier in einer schönen Wohnung direkt am Wasser einquartiert und der Wind fegt uns schon gut um die Ohren. Nach unserer morgendlichen Wanderung in Hermanus gehen wir am Abend noch zum besten Italiener im Ort (viel Auswahl gibt es hier nicht 😅) und schauen anschließend im Irish Pub im Nachbarort Struisbaai vorbei. Hier trifft sich die Dorfbevölkerung am Abend auf ein bis 15 Bier 😅 und wir bekommen von einem netten Herren direkt zwei Oyster-Schnäpse ausgegeben. Irgendwann geht er uns aber mit seiner etwas penetranten Art auf die Nerven und wir beschließen lieber nach Hause zu gehen und fallen auch ziemlich müde ins Bett.

    Am nächsten Morgen mache ich den großen Fehler, „entspannt“ an der Küste joggen zu gehen und merke auf dem Rückweg, wieso es bis dahin so überraschend einfach lief 😅. Der Gegenwind ist jetzt so dermaßen heftig, dass ich ständig Pausen machen muss und laut fluchend und fix und fertig zurückkomme. Zum Glück haben wir in der Wohnung eine richtige Wellnessoase als Badezimmer und die Badewanne ruft förmlich nach mir 🛁 🙈.

    Danach geht es erstmal zur Wäscherei und anschließend in den Fischerladen für Manu, damit er sich für die nächste Angeleinheit eindecken kann. Immerhin zählen die Gewässer um das Kap zu den fischreichsten der südafrikanischen Küste 🤩😋.
    Allerdings ist es an der felsigen Küste gar nicht so einfach, eine gute Stelle zu finden und so fahren wir einige Kilometer der Küste ab und landen am Ende am kleinen Hafen von Struisbaai. Hier stehen bereits ein paar Angler und so versucht auch Manu kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch sein Glück, während ich kleinen Fingerottern beim Abendessen zuschaue 😍 und den wahnsinnigen Sonnenuntergang bewundere.
    Am Abend finden wir uns dann wieder im Irish Pub ein, um in Manus Geburtstag reinzufeiern, werden aber bereits um 23 Uhr zur letzten Runde aufgefordert 😔. Immerhin können wir den Barkeeper aber noch zwei Biere für zu Hause abschwatzen, damit wir irgendwas zum Anstoßen haben 🙈🥳.

    Manus Geburtstag verbringen wir dann wieder am Hafen beim Angeln und nach dem gestrigen ersten, aber nur kurzen Versuchen, dem Wechsel zu Muscheln und anderem stickenden Zeug 🤢 als Köder und einem kleineren Haken, beißen dann auch zwei der schönen, großäugigen Fische an 🤩. Heute ist es noch windiger als die Tage zuvor und so machen wir immer wieder kleine Pausen in dem nahe gelegenen Lokal am Hafen. Das ununterbrochene Peitschen des Windes ist auf Dauer ganz schön anstrengend und natürlich auch irgendwann kalt.

    Nun stand nur noch der obligatorische Besuch des südlichsten Punktes Afrikas an. Auch hier ist ein Schild aufgestellt und die Grenzlinie der beiden Ozeane vermerkt, sowie eine riesige 3D Karte des Kontinents. Auch hier bläst es uns fast ins Meer und wir müssen das Handy richtig fest halten, sodass wir uns hier nicht lange aufhalten (können).

    Ansonsten gibt es hier am Kap nichts weiter zu sehen, der kleine, sich aber noch in Betrieb befindliche und damit zweitälteste funktionierende Leuchtturm Afrikas, ist aktuell zur Besichtigung geschlossen, hier und überall in der Gegend wird wie verrückt gebaut. Gefühlt in jeder freien Grünfläche steckt ein „zum Verkauf“ - Schild, wir würden gerne in 10 Jahren noch einmal vorbei kommen und sehen, was sich hier alles verändert hat 😐.
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  • Day193

    Hermanus

    August 18 in South Africa ⋅ 🌧 14 °C

    Nach der Kap-Halbinsel geht es weiter auf der Garden Route in Richtung Osten. Unser nächster Halt heißt Hermanus, ein kleiner Küstenort, der ein beliebtes Ziel für Walbeobachtungen ist. Und genau deswegen fahren wir auch dorthin.
    Die knapp 2-stündige Fahrt regnet es aus allen Löchern und wir können die Küstenstraße nicht wirklich genießen. Allerdings bekommen wir noch einen kleinen Einblick in ein riesiges Township, an dem wir vorbeifahren und welches im Regen zu versinken droht und wirklich erschreckend arm aussieht.

    Als wir Hermanus immer näher kommen, hört es vereinzelt immer wieder auf zu regnen und wir beschließen, das schlechte Wetter bei einem guten Mittagessen auszusitzen.
    Auch hier haben wir ein kleines Airbnb gebucht und freuen uns, am nächsten Tag bei etwas trockenerem Wetter den sogenannten Cliff Path zu wandern und nach Walen Ausschau zu halten.
    Hermanus gilt als einer der besten Walbeobachtungsplätze der Welt. Die südlichen Glattwale kommen aus den kalten Gewässern der Antarktis nach Südafrika, um hier ihren Nachwuchs zu bekommen. Vor Hermanus befinden sich die Lieblingsplätze der Wale. Es ist möglich, vom Land aus bis 100 der majestätischen Tiere gleichzeitig zu sehen. Besonders eindrucksvoll sind die Sprünge der Wale. Dazu schießen die Tiere rückwärts aus dem Wasser, um dann mit viel Getöse wieder auf der Wasseroberfläche zu landen. Dieses Verhalten absolvieren die Wale bis zu 5 Mal hintereinander. Forscher meinen, dass dieses Walverhalten eine Mischung aus Spiel und Kommunikation ist.

    Und so machen wir uns auf den mehreren Kilometer langen Klippenpfad, an dem an einigen Stellen die im Meer schwimmenden Wale bis auf 10 m an das Ufer heran kommen können. Bereits nach einer kurzen Wanderzeit sehen wir vor uns auf einem
    Felsvorsprung schon einige Menschen stehen und auf das Meer blicken und beeilen uns, dort hin zu kommen. Und da sind sie, unsere ersten zwei Wale. Zwar doch etwas weiter vom Ufer weg, aber dennoch sehr gut sichtbar 😍😍. Und sie springen tatsächlich immer wieder aus dem Wasser und lassen sich mit viel Gespritze wieder auf das Wasser fallen. Wir sind total hin und weg. Wir laufen den Cliff Path noch etwas weiter und kommen so den Walen an einem weiteren Vorsprung dann noch etwas näher. Das ist wirklich mal ein Erlebnis, ohne lange Bootstour auf offener See können wir sie hier einfach vom Land aus beobachten ❤️ und kommen ihnen doch nicht zu nahe.

    Während der Hochsaison soll durch Hermanus immer ein Walrufer laufen, der die Touristen über die Walsichtungen informiert und außerdem als beliebtes Fotoobjekt dient. Der Walschreier ist einzigartig auf der Welt, daher finden ihn heute wohl auch leider nicht. Aber die Wale sehen wir ja zum Glück auch ohne ihn 😅.
    Auf dem weiteren Weg kommen wir an einem Gezeitenbecken vorbei, dem sog. Fick’s Pool, in dem auch heute kälteunempfindliche Schwimmer ihre Bahnen ziehen 🥶. Am Gearing’s Point, ein früherer Aussichtspunkt für Fischer und Schaulustige, die die Fischerboote beobachteten, die mit ihrem täglichen Fang einliefen, kann man auch heute noch die tolle Aussicht genießen und einige schöne Statuen bestaunen.

    Am nächsten Tag geht es nach einer kurzen Joggingrunde an der Küste zum Hermanus Country Market, der jeden Samstag stattfindet. Hier gibt es neben lokalem Kunsthandwerk und Kleidung auch jede Menge Köstlichkeiten zum Probieren. Die Sonne scheint und die Menschen sitzen draußen auf Holzbänken, trinken Wein und schlürfen Austern. Da es diese hier nur im Sechserpack gibt, trauen wir uns (noch) nicht, welche zu bestellen, genießen aber das bunte Treiben und die die ausgelassene Stimmung sehr.
    Ein nettes Pärchen macht uns dann noch darauf aufmerksam, dass am nächsten Tag eine Bodysurf Competition im Nachbardorf stattfindet und da gehen wir dann natürlich auch erst einmal hin. In den doch ganz schön rauen Wellen, die nur an wenigen Stellen nicht auf Felsen sondern Strand aufschlagen, kämpfen ein paar junge Herren liegend auf kleinen Surfbrettern um die besten Kunststücke in, auf und unter den Wellen. Hier ist gefühlt das ganze Dorf zusammengekommen, die Leute sitzen in der Sonne am Ufer, Kinder spielen in dem kleinen Fluss, der ins Meer fließt und alle jubeln den Surfern zu. Es macht richtig Spaß, hier dabei zu sein.

    Die ganze Gegend hier ist wirklich traumhaft schön, die kleinen Orte an der Küste sind doch recht nobel mit tollen Häusern und Grundstücken, aber zwischen den Ortschaften sieht man dann auch wieder das andere Bild. Denn auch hier eröffnen sich uns riesige Townships, eingezäunt und mit nur einigen wenigen geteerten Straßen, dafür mit Hunderten kleinen und größeren Blechhütten, die vor Wind und Wetter so gut wie keinen Schutz bieten und die schwarze Bevölkerung, die mit Kind und Kegel am Straßenrand versucht, irgendetwas an den Mann und die Frau zu bringen. Diesen Menschen bleibt vermutlich von der Schönheit der Gegend nicht so sonderlich viel ☹️.

    Am Tag unserer Abreise aus Hermanus geht es noch einmal die Berge hinauf. Das Fernkloof Nature Reserve bietet sich hervorragend zum Wandern an und wir machen eine kleinen, 8 km langen Rundweg mit Blick auf die Bucht und sehen sogar von hier oben noch einen Wal seine Sprünge vollführen 😍😍. Wir sehen von hier aus in den gegenüberliegenden Bergen noch die drei Staudämme, die hintereinander auf verschiedener Höhe erbaut wurden. Den sog. 3 Damm Weg bis zum ersten Staudamm nehmen wir daher auch noch direkt mit. Einst wurden die Staudämme zur Wasserversorgung gebaut, heute wird zumindest der untere im Sommer hauptsächlich als Schwimm- und Plantschbecken genutzt. Momentan ist es aber deutlich zu frisch dafür und wir machen uns nach dieser morgendlichen und schönen Sporteinheit nun auf den Weg zum südlichsten Punkt Afrikas.
    Allerdings nicht ohne nun doch noch eine kleine Auster zu probieren.
    Unser Résumé: wir haben (viel) Schlimmeres erwartet, nach allem, was man so gehört hat. Sie haben die Konsistenz, die Muscheln eben haben und sind im Geschmack schon etwas salzig (+ zitronig, wenn man mag). Manu fand sie ganz ok, muss sie aber nicht noch mal haben, ich fand sie fast schon lecker und würde sie vermutlich auch noch einmal bestellen 😋. In jedem Fall gibt es sie hier an der Küste überall frisch und super günstig für ca. 1,50 € das Stück 🤩.
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