Südamerika mit dem Rucksack

August - December 2022
Nachdem ich die letzten 5 Monate Osteuropa mit dem Wohnmobil erkundet habe, schnalle ich mir nun den Rucksack auf den Rücken und bereise Südamerika. Es geht von Kolumbien über Ecuador nach Peru, Uruguay, Paraguay und alles dazwischen wird aufgesaugt. Read more
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    Samaipata - Am Ellenbogen der Anden

    November 5, 2022 in Bolivia ⋅ ☀️ 27 °C

    Da unser letzter Stopp, Cochabamba nur ein Zwischenstopp war, fuhren wir am nächsten Morgen Richtung Samaipata. Ich war etwas betrübt, da meine Powerbank im Hostel gestohlen wurde, an in Ort wo man sich in vermeintlicher Sicherheit wähnt. Noch beim Frühstück erfuhren wir, dass im nahe gelegenen Santa Cruz seit Tagen Straßenblockaden errichtet waren und die Menschen streiken würden. Wir mussten also auf die „alte Straße“ ausweichen und buchten einen kleineren Bus. Dieser war tatsächlich geräumiger und bequemer als erwartet. Es ließ sich eindeutig besser zehn Stunden auf einem gepolsterten Sessel, als auf einer Plastikschale reisen, auch wenn es keine Toilette gab. Dennoch war es eine spannende Anreise. Wie so oft waren wir die einzigen Weißen, wurden hier und da kritisch beäugt und auch wir schauten uns verwundert so manche Szenarien an. So auch der Mittagsstop: die Businsassen strömten in ein kleines Haus, in dem wenige Speisen angeboten wurden. Für umgerechnet 2,20€ bekamen wir zwei Mittagessen. Bei mir, wie so oft, einfach nur Reis mit einem Ei und einer Kartoffel (yey 🙄). Von unseren Mitreisenden wurden die Gerichte innerhalb von wenigen Minuten rein gespachtelt, sodass das Lokal eigentlich sofort wieder leer war, wobei wir noch die Hälfte auf den Tellern hatten. Aus Angst, der Bus würde ohne uns los fahren, schaufelten nun auch wir den Rest hinein. Ich konnte gerade noch auf Toilette gehen, aber auch nur, weil ich den Fahrer gebeten hatte zu warten. Nach dessen dicker Mahlzeit war dieser wieder motivierter und sauste die Serpentinen entlang. Untypischer Weise lief in diesem Bus mal kein Fernseher mit ohrenbetäubender Lautstärke aber die Mitreisenden schafften den Lärmpegel dann auch selbst. Nach Beschallung durch YouTube Videos schauende Eltern, rumrennende Kindern, Beruhigung der Babys mit weiteren Videos, Windel- und Hähnchengeruch waren wir dann irre froh, in Samaipata angekommen zu sein.

    Einer Empfehlung folgend waren wir im Serena Hostel untergekommen. Aufgebaut von einem Niederländer, versprach sein schöner großer Garten, der Blick über das Städtchen von unserer Terrasse und das reichhaltige Frühstück einen wunderbaren Aufenthalt. Dieser Ort wurde tatsächlich zu etwas Besonderem, in vielerlei Hinsicht und zusätzlich durch die tollen Menschen bereichert, die wir in dieser kleinen Oase antrafen. Wir blieben sechs Nächte und genossen den Ort.
    Direkt am nächsten Morgen erzählte uns Gustavo, ein Volontär aus Uruguay, dass er vor hätte mit Theresa, einer weiteren deutschen Reisenden, einen Ausflug zu unternehmen. Kurzer Hand schlossen wir uns an und fuhren zu viert zum El Fuerte, einer Festung aus Prekolonialzeiten. Auf einem großen Felsen konnte man verschiedene Gravuren im Stein, Reste von Hütten und spirituelle Stätten der Inka und anderer Kulturen sehen. Man sah von hier aus auch die Weite der Gegend und wir bekamen richtig Lust, weitere Wanderungen an den folgenden Tagen zu unternehmen. Vor allem war der Nachmittag jedoch deshalb so schön, da wir merkten, dass wir auf einer Wellenlänge schwammen und eine feine Zeit miteinander hatten. Am nächsten Morgen gesellte sich noch Eric hinzu, ein weiterer sehr netter junger deutscher Volontär und komplettierte unsere dufte Runde.
    In den kommenden Tagen lernten wir nicht nur uns besser kennen, sondern auch den Besitzer Bert und das Städtchen Samaipata. Gerade mal ca. 4000 Leute leben dort, wobei eine beachtliche Menge aus verschiedenen Ländern zugezogen sind. Mir wurde Samaipata durch persönliche und Blog-Berichte, als künstlerisches, gelassenes und freundliches Städtchen wärmstens empfohlen. Es gibt in der Tat kleine süße Cafés im Hippie-Stil, farben- und pflanzenreiche Hinterhöfe, schöne Läden zum Schmökern und einen kleinen Markt. Alles recht überschaubar und jeder kennt wohl jeden. Das bekommen wir auch mit, als wir merken was so für Geschichten, vor allem über die Zugezogenen, erzählt werden. Bei mir machte sich immer mehr das Gefühl breit, dass dieses vermeintliche Paradies seine tückischen Seiten hat. Wir lernten immer mehr komische Vögel kennen, unseren Gastgeber eingeschlossen. Bert ist kein einfacher Mensch und unseren lieben Volontäre hatten ihre Schwierigkeiten mit ihm. Selbst uns fiel sofort seine pedantische und penible Art auf. Als weitere Gäste (eine Niederländerin und eine Irländerin) neunzehn Minuten zu spät zum Frühstück kamen, wir aber noch am Tisch saßen, bekamen sie dennoch kein Frühstück. Nach deren vierundzwanzigstündiger Anreise, hatte er kein Verständnis, dass sie erstmal Schlaf nachholen mussten.
    Glücklicherweise war Bert nicht die ganze Zeit präsent und wir alle hatten eine fantastische Zeit zusammen. Wir kochten abends zusammen, scherzten, sprachen in mind. drei Sprachen miteinander und genossen den wunderbaren Garten. Der Blick ins Tal erinnerte mich total an die Toskana in Italien.

    In der Nähe des Hostels gab es ein Refugium für Tiere, die verletzt waren oder gerettet werden mussten. Natürlich wollten wir uns die Tiere nicht entgehen lassen und liefen mit Theresa hin. Eine Schweizerin hat an diesem Ort ein Auffanglager für Affen, Vögel, Schildkröten, Wildkatzen, ein Tapir und viele mehr geschaffen. Sie schien leider nicht sehr gesprächig aber wir durften herum laufen und uns alles ansehen. Leider müssen viele in Käfigen gehalten werden aber ich hatte bei einigen das Gefühl, dass sie auch recht viel Platz haben. Vor allem bei einem Gehege, wo es gestattet war hinein zu gehen, da die Tiere alle zutraulich waren. Wieder einmal konnte ich mit so vielen Tieren kuscheln: ein zutrauliches Wildschwein, ein Reh, dass uns als Salzleckstein benutzte, neugierige Tucans und witzige Agutis (Nagetiere). Selbst ein freilaufendes Äffchen hatte sich kurz auf meine Hand gesetzt. Leider konnten wir nicht so richtig heraus finden, welche Tiere nun wieder ausgewildert werden können oder welche ihr Leben in Käfigen verbringen müssen.
    An einem anderen Tag unternahmen wir eine Wanderung zum Ellbogen der Anden. Es hatten sich in der Zwischenzeit eine Französin, Aurelie im Hostel eingefunden, die mit uns drei Deutschen mit laufen wollte. Unsere kleine Hostelfamilie war mittlerweile auf acht Leute herangewachsen und wir hatten eine gute Zeit zusammen.
    Die Tageswandertour begann bei bestem Sonnenschein. Gabi, eine Argentinierin fuhr uns zum Startpunkt und wir kletterten den Berg hinauf. Ab diesem Punkt wanderten wir den Bergkamm entlang und hatten einen fantastischen Blick über die Bergspitzen. Die Sonne schien mit voller Kraft auf uns herab und man konnte sich denken, warum es hier nur wenige Pflanzen schaffen zu existieren. Nur wenige Hügel weiter begann jedoch der Regenwald, alles war grün und von Wolken bedeckt. Faszinierende Landschaftsformationen so nah beieinander. Unser Ziel war der Fluss im Tal und eine wohltuende Abkühlung im frischen Wasser. Nach einem kleinen Badespaß folgten wir dem Flusslauf und endeten an drei sehr schönen Wasserfällen. Unser Guide war leider sehr wortkarg und auch wieder ein recht spezieller Typ, sodass wir nicht so viel über die Umgebung erfuhren, jedoch hatte ich den Tag und die Natur sehr genossen.
    Samaipata ist wirklich ein Besuch wert und man kann hier wunderbar Zeit verbringen. Bert‘s kleine Oase am Hang ermöglicht einem einen ganz besonderen Aufenthalt und die Einheimischen sind irre nett. Ein wenig hatte ich das Gefühl, dass irgendeiner mal angefangen hat, in diese Gegend auszuwandern und viele gefolgt sind. Dadurch hat sich ein kleines Konglomerat an unterschiedlichen, um nicht zu sagen sehr speziellen Charakteren angesammelt, die alle denken, sie wären zu erst da gewesen. Es gelingt allerdings leicht, denen aus dem Weg zu gehen und die Lage der Stadt und die herrliche Umgebung zu genießen.

    Wieder einmal fiel ein Abschied schwer. Besonders Gustavo und Eric hatten uns eine wunderbare Zeit und ein tolles Frühstück gezaubert. Aurelie blieb noch ein wenig bei ihnen aber die restlichen der Truppe machten sich gemeinsam auf den Weg zur nächsten Station: Sucre.
    Mit einem weiteren Bummelbus, viel Sonnenschein und guter Laune im Gepäck ging es weiter 10 Stunden Richtung Westen.

    Sucre ist neben La Paz eine weitere Hauptstadt und hat mich total begeistert. Bisher fällt es mir, außer man fährt durch das tiefste Hinterland, nicht sonderlich auf, dass Bolivien das ärmste Land Südamerikas ist. Sucre wirkt mit seinen vielen weißen Gebäuden fast schon edel. Die Stadt ist recht unaufgeregt, hat viele große grüne Plätze und einen sehr schönen belebten Markt. Leider fiel mir jedoch dann der Kontrast von arm und reich sehr auf: es gibt viele die betteln müssen, vor allem Indigene und noch schlimmer waren darunter viele Kinder. Wiederum fällt auch in Bolivien auf, dass Einheimische immer etwas spenden.
    Wir nutzen ein Angebot des Hostels und ließen uns von einer zauberhaften Studentin 4 Stunden durch die Stadt führen. Wir aßen bolivianische Schokolade, erfuhren mehr über die Stadt und die indigenen Völker und beendeten unsere Tour an einem Aussichtspunkt mit wunderbarem Sonnenuntergang und anschließendem Hagel. Die Regenzeit beginnt nun mit dem Sommer und es regnete das erste Mal in der Stadt in diesem Jahr.
    Wir nutzten die Zeit in Sucre auch, um einzigartige Fußabdrücke von Dinosauriern zu besuchen. Unweit der Stadt wird limestone abgebaut, wobei eines Tages von einem Deutschen ein Fußabdruck entdeckt wurde. Der Fund wurde zu einer Sensationen, denn biologische Prozesse hatten tausende Fußabdrücke konserviert und am Ende versteinert. Interessanter Weise sind diese auf einer flachen Ebene zu sehen, die fast senkrecht zum Boden steht. Auf Grund von tektonischer Verschiebungen wurde der einst horizontale Seeboden aufgerichtet und wirkt nun wie eine Mauer mit Millionen von Jahren alten Zeugnissen von den Dinos. Die detailgetreuen und lebensgroßen Nachbildungen der Dinosaurier im Außenmuseum waren auch sehr beeindruckend und interessant als Größenvergleich.

    Wir blieben etwas länger als geplant in Sucre, jedoch hatte sich die Zeit wirklich gelohnt. So konnten wir auch unsere nächste Tour etwas besser planen und freuen uns nun tierisch auf ein paar Tage in der größten Salzwüste der Welt. Man muss für diesen Ort Touren buchen, sodass wir ab Montag 3 Tage zu sechst und einem Guide unterwegs sein werden. Ich freue mich wie verrückt auf die kommende Zeit, mitten in der Natur, auf 5000 Meter Höhe in einer ganz speziellen Umgebung.
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  • Day 106

    Teil 1 Salar de Uynuni

    November 15, 2022 in Bolivia ⋅ ☀️ 17 °C

    Die vergangenen Tage in Worte zu fassen ist diesmal keine leichte Aufgabe. Nicht weil es mir nicht gefallen hat, sondern weil mir die Worte für diese einzigartigen Orte fehlen. Ich bin immer noch ganz verzaubert und versuche all die erlebten Momente und gesehene Natur zu fassen. Ich bin so dankbar und glücklich diese Tage erlebt haben zu dürfen!

    Unsere Tour startete von Uyuni aus, einer Stadt über die es sich nicht lohnt zu schreiben. Ich habe selten so eine tote, hässliche, staubige und trostlose Stadt gesehen. Sicherlich weiß man dann aber auch wieder die wunderbaren Orte mehr zu schätzen. Am Office der Agentur lernten wir unseren Guide Franklin und die anderen Mitreisenden kennen. Zu unserer Gruppe kamen zwei Franzosen (Valentin und Jamal) und ein Engländer (Greg). Theresa hatte uns von Sucre aus begleitet, um gemeinsam auf Tour zu gehen. Wir sechs und Franklin stiegen in den Jeep, es konnte los gehen. Erster Stopp war nahe der Stadtgrenze, nämlich ein verlassener Zugfriedhof. In vergangenen Zeiten wurden in den Bergen Mineralien abgebaut, jedoch wurde der Abbau irgendwann eingestellt und man hatte den Eindruck, dass alles danach verkommen ist. Die alten, eisernen Züge ergaben mit der gleichfarbigen Umgebung eine gute Filmkulisse ab. Wir durften ein wenig auf ihnen herum turnen, bis es schon direkt in die Salzwüste ging. Man fährt staubige Straßen entlang bis man auf einmal den flimmernden Horizont sieht und der Boden sich langsam weiß färbt. Und dann steht man da, auf 3.653m und sieht diese riesige weiße Weite vor sich. Mit über 10.000 km² ist diese Salzwüste die größte der Welt. Entstanden ist sie nach dem Austrocknen eines Sees vor ca. 10.000 Jahren. In Teilen ist das Salz 220m dick und kann mit Hilfe eines Regengusses zum weltweit größten Spiegel werden. Selbst Louis Armstrong soll das vom Mond aus gesehen haben. Am Rande zeigten sich ein paar Spitzen der umliegenden Vulkan, jedoch kaum erkennbar, da sie einfach zu weit waren. Die Sonne brannte von oben und lies alles erstrahlen. Man hatte das Gefühl auf Schnee zu stehen und es knirschte laut, als man über die Salz-Kristalle lief. Nach einem ersten Eindruck fuhren wir erstmal weiter, da uns Franklin zu einem Ort fahren wollte, an dem wir ohne die anderen Touris waren. Er fuhr ca. 40 Minuten und die Umgebung änderte sich kaum. Kleinere und größere Berge zeigten sich am Horizont, zogen vorbei und verschwanden dann wieder. Die Weite war fast nicht greifbar. Als wir stoppten, hatten wir ein wenig Zeit um Fotos zu schießen. Die Salzwüste ist auch für bestimmte Fotos bekannt. Durch die Weite kann man sehr schön mit der Perspektive spielen und lustige Effekte erzielen. Also standen auch wir mit einem Dinosaurier und Bierflaschen in der Weite und spielten mit der Tiefenwirkung. Viel Zeit hatten wir nicht und wir merkten schnell, dass das Programm eng getaktet war, um alles sehen zu können und um die weiten Strecken zu schaffen.
    Wir fuhren erneut eine längere Strecke, um die Insel del Pescado zu erreichen. Auf unerklärlicher Weise wachsen dort Kakteen, die bis zu eintausend Jahre alt sind. Außerdem läuft man auf Korallen, die es vor vielen vielen Jahren im See gegeben hat. Wir erkundeten die Insel und genossen den Blick vom höchsten Punkt. Von dort aus konnte man über die Ebene schauen und hatte das Gefühl ein weißes Meer unter sich zu haben. Die Sonne war am untergehen und hüllte alles in ein tolles Licht, sodass man auch den Vulkan Tunupa (5.432m) gut sah. Unser Guide wollte allerdings, dass wir den Sonnenuntergang an einem ganz besonderen Ort genießen konnten und fuhr uns noch ein wenig weiter zur Grenze der Salzwüste. Zwischen den Bergen ging die Sonne dann unter, färbte alles orange und lies die Kälte Einzug halten. Ich fühlte mich dem Himmel ganz nah und irgendwie ganz klein in dieser Weite unter dem orange lilanen Himmel.
    Der Abend endete in einem Salzhotel, das einem weißen Bunker glich. Aufeinander gestapelte, weiße Salzziegel, Räume ohne Außenfenster und Salzkrümel, auf denen man lief. Wir genossen unser serviertes Abendbrot und fielen ins Bett.

    Am nächsten Tag ging es sehr früh los, denn wir hatten ein vollgepacktes Programm vor uns. Über viele löchrige Pisten ging es immer höher und näher an den Vulkan Ollagüe. Von einem Aussichtspunkt hatte man einen fantastischen Blick auf diesen schönen Berg, der zuletzt 1970 Feuer gespuckt hatte. Von dort aus ging es weiter zur Laguna Cañapa, eine der vielen Lagunen, die wir besucht haben. Durch verschiedene Mineralien, wie Sodium, Magnesium, Gips und Borax oder Bakterien färben sie sich in unterschiedliche Töne und durch bestimmte chemische Zusammensetzungen entstehen die weißen Ränder. Bevor sich die Anden aufgetürmt haben, war an dieser Stelle ein Zugang zu Meer. Mit den tektonischen Verschiebungen haben sich nicht nur die Anden nach oben geschoben, sondern sie hoben auch Teile der Meere mit nach oben. So erklärt sich auch der Titicacasee, die Salzwüste und eben auch die Lagunen. Sie sind in ihrer Schönheit kaum zu übertreffen. Gerade die erste, die wir erkundeten, lag perfekt neben den Vulkanen, hatte tiefblaues Wasser, weiße Ränder und Flamingos, die das Wasser durchschnäbelten. Diese Tiere in so einer Höhe bewundern zu können ist wirklich fantastisch und man ist ganz verzaubert von der einmaligen Szenerie. Eine weitere Lagune „Hedionda“ präsentierte uns sogar noch mehr Flamingos, jedoch eine übel riechende Suppe. Dennoch war auch dieser Ort magisch und mit tollen Farbspielen und Bergkulissen. Wir bekamen unser Mittag an diesem Ort. Selten habe ich mit so einem besonderen Blick gegessen. Als wir schon wieder unterwegs zur nächsten Station waren, sahen wir am Wegesrand einen süßen Fuchs, ein Strauß und viele unglaublich flauschige Vikunjas. Diese, nicht domestizierten Tiere werden in Bolivien verehrt und geschützt. Aus ihnen züchtete man dann die Alpakas und Lamas. Wir hatten damit schon viel mehr Tiere, als im Dschungel gesehen.

    Fortsetzung Teil 2….
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  • Day 108

    Teil 2 Salar de Uynuni

    November 17, 2022 in Bolivia ⋅ ☀️ 14 °C

    Fortsetzung von Teil 1:

    Eine weitere Lagune „Corazon“ lag in Herzform vor uns, deren Wasser fast schon mintfarben war. Die Zeit reichte nur für einen kurzen Fotostopp, da wir eine Weile durch die Wüste fahren mussten, um zum nächsten Highlight zu gelangen. Es ging vorbei an bunten Berggipfeln, über Steine und sandige Wege. Ich genoss den Blick auf die vorbei gleitende Landschaft, die von der Sonne geküsst in den schönsten Rot-, Grau- und Brauntönen erschien. Selten habe ich so eine wunderschöne Landschaft gesehen, die auch ohne einen Grünton traumhaft aussieht.
    Wir kamen schließlich an interessanten vulkanischen Felsformationen an, die ein zu Hause für Vizcachas sind. Diese niedlichen Nager saßen da und waren teils neugierig oder sprangen teils mit ihren flotten Füßen über die Felsen. Ich hatte zu Teenie-Zeiten ihre nahen Verwandten, Chinchillas, als Haustiere und hätte die Flauschbälle zu gern mal gekuschelt.

    An diesem Ort war ein nahegelegener Vulkan vor vielen Jahren ausgebrochen und schmiss bei seiner Eruption mit Vulkanbrocken um sich. Diese speziellen Formen schauten wir uns natürlich auch an, zumal speziell einer als Steinbaum „Arbol del Piedra“ bekannt ist und in der Tat unwirklich aussah. Ständig hatte man das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu sein.
    Zum Abend hin erreichten wir die rote Lagune „Colorada“, die all die gesehenen Schönheiten nochmal übertraf. Schwarzer Sand mit goldenen Gräsern, der teils an azurblauem oder teils an rotem Wasser mündete. Dazu weiße Umrandungen und malerische Vulkane am Horizont. Wir konnten uns nur an den Rand setzen, aufsaugen, fühlen, sehen und genießen.
    Zum Abschluss fuhren wir nochmal auf den höchsten Punkt der Tour, auf 4.900m, um die heißesten Quellen zu bewundern. Aus dem 200 Grad heißem Wasser stieg dramatischer Qualm auf, der uns etwas wärmte. Und wäre das nicht alles umwerfend genug gewesen, hatten wir bei der zweiten Unterkunft einen eigenen natürlichen Hot Spring. Wir ließen uns nach dem Abendbrot in die wohltuenden 37 Grad sinken und genossen einen Rotwein unter dem Sternenhimmel auf 4.400m. Das war so irre, dass man dachte, zu Hause glaubt einem das keiner 😁

    Am dritten Tag mussten wir auch wieder früh losfahren, da wir Theresa an die chilenische Grenze fahren wollten, noch einiges zu sehen war und noch über 300km zurück nach Uyuni vor uns lagen. Auf dem Weg zur Grenze hielten wir an einer Wüste mit Gesteinsbrocken, die wohl Salvador Dali für sein weltberühmtes Gemälde als Vorlage verwendet haben soll. Unweit von diesem Ort lag die grüne Lagune „Verde“, in der sich der angrenzende Vulkan Licancabur (5.900m) traumhaft spiegelte. Er markiert gleichzeitig die Grenze zu Chile.
    Man konnte sich an diesen Panoramen einfach nicht satt sehen. Wir trödelten daher etwas und kamen nicht ganz pünktlich an der Grenze an. Dennoch erhaschte Theresa einen Bus, wir verabschiedeten uns nach vielen schönen Tagen miteinander und ließen es uns nicht nehmen, mal kurz über die Grenze zu laufen. Da wir im Zeitverzug waren, bretterte Franklin über die Wege und schüttelte uns ordentlich durch. Ihm war es wichtig, dass wir noch einen ganz besonderen Ort besichtigen konnten und so fuhr er zu einem Tal aus Vulkangestein. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Eine massive Lavafront muss bei einem Ausbruch ins Tal geflossen sein und hatte die verrücktesten Formationen und Canyons entstehen lassen. Dazwischen lag die schwarze Lagune „Misteriosa“, die umgeben von frischen Wiesenflächen war, auf dem Lamas grasten. Dieser Ort hätte auch auf dem Mars sein können und ich hätte zu gern dort mehr Zeit verbracht. Leider mussten wir diesen traumhaften Ort aber recht schnell wieder verlassen, da noch eine lange Strecke vor uns lag. Wir fuhren vorbei an endlosen Weiten, an grünen Gegenden, an staubtrockenen Wüsten und imposanten Bergen bis wir wieder in Uyuni waren.

    Manchmal war ich etwas im Konflikt all diese wunderbaren Landschaften sehen zu wollen aber an einigen Stationen mehr Zeit für Bewunderung gehabt zu haben. Jedoch bin ich über jeden Ort so dankbar und voller Begeisterung. Ich habe selten solche Orte gesehen und bin immer noch dabei, alles zu verinnerlichen. Es ist unglaublich wie schön und einzigartig dieser Planet ist! Durch diese Landschaften zu fahren werde ich für immer in meinem Gedächtnis behalten und bestimmt das eine oder andere mal im Traum zurückkehren. Gern hätte ich die Zeit an manchen Orten angehalten, um sie richtig genießen zu können aber ich weiß leider noch nicht wie das geht. Der Abschied von Bolivien hätte nicht schöner sein können. Nun kann es weiter nach Argentinien gehen 🇦🇷
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  • Day 114

    Vamos a Argentinia

    November 23, 2022 in Argentina ⋅ ☀️ 25 °C

    Nach unseren phänomenalen Erlebnissen in der bolivianischen Salzwüste, befanden wir uns im Dreiländereck von Chile, Bolivien und Argentinien. Letzteres sollte unser nächstes Ziel werden. Eigentlich hatten wir Paraguay als Reiseland angedacht aber nachdem wir so vielen Reisenden begegnet sind, die enttäuscht von dem Land waren und wiederum so viele von Nordargentinien geschwärmt hatten, entschieden wir uns kurzerhand um.
    Unser Start in Argentinien war jedoch etwas beschwerlich. Von Uyuni (Bolivien) gab es nur einen Bus, der uns nachts um 2:00 an der Grenzstadt absetzte. Wir durften im Bus bleiben, der zu einem Gefrierschrank runter kühlte, um noch ein wenig zu schlafen und weil es draußen wohl zu gefährlich gewesen wäre. Ziemlich müde trotteten wir dann 6:30 zur Grenze und stellten uns 3 Stunden in die Schlange. Gerade die Bolivianer wurden mit unnötigen Fragen schikaniert und unendlich warten gelassen. Die Grenzübergänge werden ohne Stempel ausgeführt, man bekommt nur ein Blatt Papier, was gerade für uns Reisende eine große Unsicherheit bedeutete. Aber tatsächlich bekamen wir dann im Laufe des Tages auf argentinischer Seite eine E-Mail mit der Einreisebestätigung zugesandt. Ein bisschen glich dies einem Wunder, da der Polizist, versteckt hinter einer dunklen Scheibe, die von mir aufgeschriebene Mailadresse händisch abtippte, obwohl er nicht mal richtig meine gedruckte Reisepassnummer lesen konnte. Aber wir hatten es über die Grenze geschafft und wollten weiter nach Humahuaca. Dafür benötigten wir Geld, da das Land wieder eine andere Währung hatte. Argentiniens Wirtschaft ist in einem desaströsen Zustand und die Inflation steigt. Das Geld ist nur noch wenig wert, sodass es eine Art zweite Währung, den sogenannten „Blue Dollar“ gibt. Diesen in Pesos umzutauschen, bedeutet den doppelten Wechselkurs zum Euro zu bekommen. Das geht aber nicht, wenn man einfach Geld von der Bank abhebt, sondern man muss das Geld über Western Union transferieren und an einer Stelle in bar abholen. Auch das gestaltete sich etwas schwierig, da man nie weiß, ob man jemanden antrifft, genügend Bargeld vorhanden ist und solche Läden überhaupt existieren. Dennoch ist dieser Blue Dollar gern gesehen und wird für schlechte Zeiten gehortet. Und als Paul dann nach drei Tagen, in einem unscheinbaren Internetcafé Erfolg hatte, fühlten wir uns mit 67.000 Pesos (in Scheinen für 200€) super reich. Leider hatte ich von all dem nicht viel mitbekommen. Mich hatte es nach Ankunft in Humahuaca ziemlich flach gelegt, sodass ich die ersten drei Tage das Bett eigentlich nicht verlassen hatte und weitere 3 Tage ziemlich angeschlagen war. Zum Glück ist Argentinien kulinarisch schon mal eine Wohltat, sodass ich abwechslungsreiches und gesundes Essen ans Bett gebracht bekommen hab ☺️ Paul konnte sich auch ganz gut beschäftigten und knüpfte mal wieder Kontakt zu den einheimischen Fußballspielern. In diesem Falle zu einer Mädelstruppe, die einfach Spaß am Sport hatten und ihm auf knapp 3000m mit dem Ball weg gerannt sind. Es ist doch faszinierend wie diese Sportart in jedem Winkel der Erde eine Leidenschaft und Gemeinschaft auslöst. Gerade zu diesen WM-Zeiten bei uns beiden ein stark diskutiertes Thema.

    Humahuaca ist ein nettes, kleines und hippes Dörfchen, mit süßen Läden und tollen Restaurants, die sogar vegane Optionen anbieten. Vor allem aber ist die Umgebung sehenswert. Wir schauten uns den Berg der 14 Farben an, das Städtchen Iruya und die sogenannte „Quebrada de las Señoritas“ Schlucht. Letzteres habe ich besonders genossen, da ich wieder wandern konnte und wir uns Zeit für den Ort genommen haben. In diesem Nationalpark kann man zwei Schluchten erlaufen, die durch Plattentektonik vor 3 Millionen Jahren entstanden sind. Die roten Felsen geben einen dramatischen Kontrast zu den dahinter liegenden Schwarzen und die entstandenen Felsformationen wirken irgendwie skulptural. Eine der Schluchten kann man nur mit einem Guide betreten aber es lohnt sich, denn die Felsstrukturen und Farben sind ebenso faszinierend. Außerdem lernten wir auf diese Weise noch ein paar ArgentinierInnen kennen und die ein oder andere Geschichte über den Ort. Obwohl ich so gut wie nichts verstehe, da der argentinische Akzent sehr stark ist und all mein gelerntes Spanisch gefühlt nichts bringt. Die Sonne brannte und auf dem Weg zu den Canyons standen in der Weite riesige Kakteen, als wäre man in einem US-amerikanischen Nationalpark gelandet. Ich würde, trotz der intensiven Sonne, empfehlen, zur Mittagszeit den Ort zu besuchen. So strahlt die Sonne im Zenit in den Canyon hinab und man sieht später die Señoritas in einem schönen Licht.

    Die Stadt Iruya ist ganz schön, aber hier ist der Weg das Ziel. Mit dem Bus fuhren wir 3 Stunden hin, hatten ca. anderthalb Stunden Zeit, um dann wieder 3 Stunden zurück zu fahren. Der Weg war irre holprig und die gerade mal 74km fühlten sich recht weit an, aber es war besser als nur im Bett zu liegen. Dennoch konnte man bei der Fahrt die unterschiedlichen Landschaften auf engstem Raum von Argentinien sehen. Grüne Täler mit Bachlauf folgen auf Wüsten mit Kakteen, um dann von schroffen Felsen abgelöst zu werden. Durch die enthaltenen Mineralien im Stein, erscheinen die Felsen in vielen unterschiedlichen Farben, die teilweise unnatürlich erscheinen.
    Dies konnten wir auf eindrucksvolle Weise bei den „Cercanía de los 14 Colores del Hornocal“ sehen. Der Berg mit den 14 Farben sieht wirklich so aus, als wäre er nicht von dieser Welt. Ein vergleichbares Bild kennt man vielleicht aus Peru, dem „Rainbow Mountain“, der von Touristen überrannt wird. Aus diesem Grund hatte ich mich auch schweren Herzens gegen einen Besuch entschieden aber wenn man vor lauter Menschen keine Natur mehr sieht, ärgert man sich vielleicht im Nachhinein. Außerdem hatten wir den Berg in Argentinien empfohlen bekommen und wurden in keiner Weise enttäuscht. Wäre es mir besser gegangen, wäre wir auch dort hin gewandert und hätten nicht den Bus genommen. So ging uns dieses Naturwunder jedoch nicht verloren und wir hatten etwas Zeit, das Panorama fast für uns alleine zu bestaunen. Die beiden Naturhighlights sind ein absolutes Muss, wenn man hier in der Gegend sein sollte!

    Es geht nun weiter nach Salta. Ich freue mich auf die Busfahrt durch Nordargentinien. Das, was ich bisher aus der Busscheibe sehen konnte, beeindruckt mich sehr. Landschaftlich komplettiert Argentinien auf jeden Fall das Bild von Südamerika, da es recht bizarr und monumental wirkt. Es ist schön in einem Land unterwegs zu sein, von dem man sich noch kein Bild gemacht hat. Vor allem wenn man denn endlich mal weiter kommt. Wir sind wieder on the road 🚎 ☀️💪🏽
    Wir haben uns in einem sehr günstigen Airbnb einquartiert. Seit Monaten sind wir mal wieder in einer Wohnung, für uns, mit Balkon und Blick über Salta. Es fühlt sich wunderbar an und hier kann ich auch wieder ganz gesund werden.
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  • Day 122

    Cafayate - die Berge und der Wein

    December 1, 2022 in Argentina ⋅ ⛅ 25 °C

    Empfehlungen folgend sind wir von Humahuaca nach Salta gefahren. Es erwartete uns ein wunderschönes Airbnb, das wir ganz für uns hatten. Als wir in Salta ankamen, lief das Fußballspiel Argentinien gegen Mexiko und Paul wollte gern mal die Stimmung der Locals aufsaugen. Fußball kann in Argentinien mit einer Religion verglichen werden. Jung, alt, Frauen und Männer tragen fast alle blau weiß und verehren Messi. Und auch wenn mich das alles nicht interessiert und ich gerade diese WM äußerst kritisch sehe, hatte ich in dieser kleinen Bar, am Straßenrand, mitten unter den Einheimischen meine Freude daran, die Energie zu beobachten, die dieser Sport auslöst. Es waren 32 Grad und wir befanden uns mal wieder etwas tiefer als 2000 Meter. Die Hitze war wie ein Brett und mir kam der Gedanke, dass so eine Südamerika-Reise doch ganz schön heftig für den Körper sein kann. Man wechselt ständig die Klimazonen, ist in extremem Höhen unterwegs, nachts ist es oft kalt, am Tag jedoch sehr warm und die Luft verändert sich von sehr trocken zu sehr humid. Dafür wird das Bier, gleichermaßen wie Prosecco in Eiskühlern serviert und verschaffte uns eine wohltuende Abkühlung.

    Zu Salta kann ich ehrlicherweise nicht viel berichten. Manchmal kann die Betrachtungsweise so subjektiv sein. Für mich war in Salta echt nichts los. Attraktionen, wie eine Seilbahn auf einen Aussichtspunkt oder eine der höchst gelegenen Eisenbahnen funktionierten nicht oder war zu teuer. Nach dem Ersuchen von Tipps bei der Tourismusinfo waren wir eigentlich noch mehr enttäuscht. Es gab keine Empfehlungen für die Stadt selbst, die Museen waren geschlossen und alles andere wäre mind. 2 Stunden Fahrtzeit entfernt. Was das in Südamerika bedeutet, wissen wir mittlerweile zu gut. Also schlichen wir durch die Stadt, auf der Suche nach einem kalten Getränk und einer Western Union Filiale, die uns Geld geben würde (dies klappte dann am 3. Tag). Es ist aber eben auch mal schön, die Unterkunft zu genießen und zu nutzen. Am letzten Abend fanden wir noch ein bezauberndes Restaurant (Estación Belgrano) und genossen den Sommerabend.

    Wir freuten uns sehr auf unser nächstes Ziel. Kleinere Stadt, etwas milderes Klima und mit Aussichten auf eine tolle Umgebung. Schon die 4 stündige Anfahrt nach Cafayate war der Wahnsinn. Innerhalb von wenigen Metern änderte sich die Landschaft komplett. Mal war man auf dem Mond, dann auf dem Mars, zwischenzeitlich in einem Nationalpark in Arizona und dann kamen wieder grüne Täler neben bunten Felsen zum Vorschein. Es war wirklich ein Träumchen, was da alles am Busfenster vorbei zog. Und auch das Städtchen versprach viel mehr unser Ding zu sein. Klein, gemütlich, mit toller Atmosphäre, kleinen süßen Läden und einem schönen Hostel mit netten Leuten. Zwei davon (Lauren und Michael aus London) luden wir direkt ein, um mit uns am nächsten Tag eine Radtour zu machen.

    Ziel war es, vom sogenannten Schlund des Teufels „Garganta del Diablo“ zurück in die Stadt zu radeln. Es erwarteten uns 50km und ein fantastisches Flusspanorama. Schon der Start am Teufelsschlund war der Knaller. Selten hat mich eine Felsformationen so begeistert. In den vergangenen Monaten sind wir ja schon zu einigen Highlights gewandert aber die Wirkung dieses 200 Millionen Jahren alten Ortes war irre faszinierend. Irgendwie bedrohlich und gleichzeitig majestätisch, als würde man wirklich in einen Schlund hineingezogen werden.
    Ab diesem Punkt ging es dann mit den Rädern zurück Richtung Cafayate. Wir hielten an einigen besonders schönen Felsen und Panoramen, liefen bzw. fuhren weiter in die Canyons hinein und genossen die Berge, die an uns vorbei zogen. Viele Mineralien färbten die Steine bunt und tektonische Bewegungen ließen sie einzigartig aus der Erde ragen. Aylen, unser Guide wusste viel über die Steine und deren Entstehung und war sogar flexibel, auf meinen Wunsch einzugehen, eine bestimmte Felsformation „Los Castillos“ zu erkunden. Am Ende unterschätzte unsere nette Führerin ihre 50km Tour allerdings mächtig. Wir mutmaßten, dass sie womöglich die Tour zum ersten Mal machte und sich der Fitness ihrer Mitfahrenden nicht bewusst war. Gerade Lauren, die nie das Fahrrad in London benutzte, hatte an den Steigungen ihre Probleme. Wir brauchten zwei Stunden länger und die letzten 10km waren für meinen Po auf dem harten Sattel die Hölle. Die geliehenen Mountainbikes erschwerten mit ihren dicken Reifen den Weg auf einer Asphaltstraße mit Gegenwind sehr, sodass wir uns ganz schön abgemüht haben. Unserer super fitten, fünfundzwanzig jährigen Baumkletterin machte das nur wenig aus und sie dachte wohl, dass das alle so leicht weg stecken wie sie. Am Ende konnten wir ihr ehrliches Feedback geben, hatten einen wundervollen Tag zusammen, haben unglaubliche Landschaften gesehen und mit Aylen und ihrem Freund Rodrigo zwei liebenswürdige Menschen kennengelernt. Da sie auch in unserem Hostel schliefen, hatten wir mit ihnen weitere schöne Begegnungen und Abende.

    In das Örtchen Cafayate verliebte ich mich sofort und wir fühlten uns so wohl, dass wir sechs Nächte blieben. Die letzten Wochen der Reise fühlen sich nun so an, als ob wir das Jahr ein wenig ausklingen und nochmal die wunderbaren Monate Revue passieren lassen. Cafayate war ein herrlicher Ort dafür. Die Stadt wirkte super gemütlich, die Menschen sind alle herzlich, die Restaurants servieren fantastisches Essen und überall rannten Hunde rum. Teilweise sind diese Straßenhunde und teilweise gesellten sich die Haustiere dazu aber eigentlich ist die ganze Stadt ihr zu Hause und sie werden liebevoll von allen geduldet. Dazu standen auf dem Hauptplatz Esel herum und hielten den Rasen kurz, ohne Leinen oder Menschen, die sie weg schickten. Die schöne städtische Atmosphäre wurde dann auch noch durch eine traumhafte Umgebung bereichert. Wir erkundeten diese durch eine Wanderung zu einem malerischen Wasserfall und genossen den landschaftlichen Spielplatz durch Klettern, über Steine im Fluss hüpfen und durch die Landschaft streifen. Einen anderen Abend stiegen wir in die hiesige Weinanbaukultur ein und genossen eine Weinverkostung in richtig netter Gesellschaft. Auch wenn der Wein am Ende meinen Geschmack nur wenig getroffen hatte, lernten wir einen Italiener, einen Nordamerikaner und eine Schweizerin kennen und verbrachten einen sehr lustigen Abend miteinander. Außerdem war der Ladenbesitzer Chato ein Riesen Schatz und bezaubernd in seiner Art.

    Wieder einmal fiel ein Abschied von einem Ort etwas schwer. Wir knuddelten alle, die im Hostel arbeiteten und deren Freunde, die nun auch unsere waren. Diesen Ort habe ich besonders genossen und bin dankbar, dass uns unserer Weg dorthin geführt hatte. Aber es ist auch immer wieder schön die Sachen zu packen und weiter zu ziehen, zumal wenn sich diese Momente nun dem Ende neigen. Bevor es nach Buenos Aires, dem fast letzten Stop für dieses Jahr geht, haben wir uns noch ein Highlight vorgenommen und sind nun langsam auf dem Weg Richtung Iguazú-Wasserfälle. Ein paar Zwischenstopps, schöne Fahrten durch das tolle Argentinien, über 30 Grad und über 1000km liegen nun vor uns, ich bin gespannt.
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  • Day 130

    Posadas

    December 9, 2022 in Argentina ⋅ ⛅ 39 °C

    Unsere Reise führte uns weiter von San Miguel de Tucuman nach Posadas. An dem Zwischenstopp Richtung Iguazúwasserfällen kamen wir mit einer Nachtfahrt nach 17 Stunden Busfahrt an. Damit hatten wir schon mal 900km geschafft und waren nun im tropischen Klima angelangt. Eine Wand von knapp 40 Grad erwartete uns und lies uns bereits im Stehen mächtig transpirieren.
    Paul hatte eine Unterkunft herausgesucht, die uns mit einer Poolanlage Abkühlung verschaffte und in der man sich ein wenig wie im Bali Urlaub fühlte. Posadas ist eine Betonwüste, in der man sich nicht unbedingt aufhalten möchte. Also fuhren wir mit dem öffentlichen Bus etwas weiter außerhalb und nahmen die weitere Anfahrt zum Hotel gern in Kauf. Außerdem hatten wir von dort aus die Möglichkeit mit den Rädern zum Fluss Paraná zu radeln und völlig verschwitzt ins kühle Nass zu springen. Die Grenze zu Paraguay verläuft durch diesen Fluss, sodass wir hätten rüber schwimmen können. Eine starke Strömung und die Breite des Flusses erschwerte das Vorhaben jedoch ein wenig. Wir genossen diesen Ort sehr, entspannten spät abends im üppig umgrünten Pool und gönnten uns ein kühles Bierchen unter den Palmen. Zu sehr machten wir es uns jedoch nicht bequem, denn wir wollten ja weiter zum letzten Highlight dieser Reise.
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  • Day 131

    Iguazú Wasserfälle

    December 10, 2022 in Argentina ⋅ ⛅ 35 °C

    Nach weiteren 5 Stunden mit dem Bus kamen wir von Posadas in Puerto de Iguazú an. Wegen der Hitze sind in dieser Gegend Pools in den Anlagen völlig normal, sodass auch unser Hostel eine „Erfrischung“ für uns bereit hielt. Mit der Ankunft stolperten wir in ein Argentinien Spiel bei der WM und schauten uns das Fan Spektakel an: Frauen weinen, die Emotionen brennen durch und es wird bis zur Heiserkeit gesungen… mir eine unbekannte Welt. Es ist allerdings ganz cool, zu dieser Zeit in Argentinien zu sein.

    Wir nahmen nochmal ca. 1.300km Busfahrt in Kauf, um uns diese einzigartigen Wasserfälle anzuschauen, die an der Grenze zu Brasilien liegen. An den folgenden Tagen gingen wir dann auch gleich zwei mal in den Nationalpark Iguazú. Die Sonne zeigte sich und die Gewitter hielten sich zurück, sodass wir bei Traumwetter diese einzigartige Natur erleben durften. Nicht umsonst sind die Iguazú seit 2011 eines der 7 Naturwunder. Der Fluss Iguazú stürzt sich an dieser Stelle fast 80m in die Tiefe und nimmt 7 Millionen Liter Wasser pro Sekunde mit sich. Es ist irre faszinierend auf so einem Panoramabalkon zu stehen und einfach dem Getöse zu zuschauen. An einigen Stellen sind die Stromschnellen so schmal, dass das Wasser förmlich in die Tiefe hinein fällt und mit lautem Rauschen nur noch Wasserdampf hinterlässt. Umzogen wird das Wasser von einem grünen Rahmen des Dschungels und bietet ein zu Hause für viele Tiere. Selbst Pumas und Jaguare sollen hier leben. Diese anzusehen war uns leider nicht vergönnt, dafür aber viele andere Tiere. Wunderschöne Schmetterlinge, sehr witzige Nasenbären, urzeitliche Leguane und bunte Vögel. Anders als angenommen war der Park richtig schön leer und man konnte die Aussichtspunkte voll genießen. Vielleicht war es gut, etwas später am Tag in den Park gegangen zu sein, die vollen Kassen umgangen und den Park fast für sich gehabt zu haben. Die Magie des Ortes ist wirklich einmalig. Irgendwie beruhigt das Rauschen und man erkennt gleichermaßen die enorme Gewalt der Natur, die unaufhörlich scheint. Da kann man einfach nur davor stehen, aufsaugen und staunen.
    An einem anderen Tag, gingen wir zu einem weiteren Wasserfall, unter dem man auch schwimmen konnte. Unweit vom Eingang wurde uns empfohlen, einen 3km Pfad zu laufen und den Salto Arrechea zu besuchen. Wenn man den Pfad geht, merkt man irgendwann, dass man gar nicht nochmal Eintritt hätte zahlen müssen, da man von der Straße aus einen Zugang hat aber eine Spende an die Pflege der Natur ist ja immer eine gute Investition. Wir schwitzten uns also wieder ordentlich einen ab, bestaunten neugierig was da alles im dichten Dickicht kreuchte und fleuchte und sprangen in die wunderbare Erfrischung. Ein geschätzt 20m hoher Wasserfall prallte auf pechschwarze Steine, die von frischem Grün umgeben waren. Davor bildete sich ein natürlicher Pool und alles war von feinen Wasserpartikeln umgeben. Ein wenig sah dieser Ort unwirklich aus, war aber einfach wieder nur ein Wunder der Natur, an dem auch sehr wenig los war. Wir genossen diesen sehr natürlichen Ort, badeten und liefen wieder zurück.

    Ein wenig trieb es uns in die Stadt zurück, weil wir mal wieder vor dem Problem standen an Geld zu gelangen. Dieses System der zwei Währungen und unterschiedlichen Umrechnungskursen wird irgendwann zusammenbrechen und dem Land und den Menschen ziemliche Unruhen bereiten. Bei weitreichenden Schulden einfach weiter Geld zu drucken hat sich noch nie positiv ausgewirkt. Nach ein paar Versuchen und Tagen hatte es dann glücklicherweise für uns funktioniert und wir konnten die weitere Reiseroute planen.

    Bei diesem heißen und humiden Klima verbindet man auch gerne eine Erkundungstour mit einer Erfrischung. Als wir uns Puerto Iguazú anschauten, ein Städtchen mit Südsee Charme, waren wir auch auf der Suche nach einer Abkühlung. Auf Maps.me war am Fluss ein kleiner Strand eingezeichnet, den wir ansteuerten. Auf dem Weg kamen wir am Dreiländereck vorbei und schauten auf Paraguay und Brasilien. Aus irgendeinem Grund fasziniert mich immer so eine Nähe von Ländern. Einerseits völlig unterschiedliche Kulturen, andererseits sind wir uns doch eigentlich so nah. Nach etwas Kletterei und einem Weg, der sich wie ein Geheimtipp anfühlte, kamen wir am Fluss an und fanden sogar einen kleinen Strand vor. Der Fluss war im Gegensatz zum Pool eine herrliche Abkühlung und wir sprangen nackig rein - was für ein Leben. Damit uns der Boden unter den Füßen nicht völlig entglitt, dachte sich der Himmel etwas dunkler zu werden und sich wie aus Eimern über uns zu ergießen. Innerhalb von Minuten änderte sich das Wetter und wir wurden bis auf die Schlüppi nass, aber liefen glücklich im Regen zum Hostel zurück. Dieses war wieder einmal eins mit toller Atmosphäre und lieben Menschen. Wir lernten Locals aus Buenos Aires kennen und verbrachten lustige Abende miteinander. Uns wurde dadurch auch wieder bewusst, wie das wohl wirken muss, wenn die Argentinier von ihren spärlichen 2 Wochen Jahresurlaub ein paar Tage wo anders verbringen und daneben die Europäer von ihren Monate langen Reisen berichten. Kann man nur immer wieder jeden Tag dankbar sein!

    Wir haben nun ein vorletztes Mal gepackt und ein eigenartiges, schwer zu definierendes Gefühl macht sich breit. Es geht zur letzten Station Buenos Aires. Irre, dass dieses Jahr ein Ende findet aber noch liegen 18 Stunden Bus vor uns und wir können die vorbei ziehende Landschaft genießen.
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  • Day 138

    Buenos Aires und die Abrissparty

    December 17, 2022 in Argentina ⋅ ☀️ 23 °C

    Die angedachten 18 Stunden Busfahrt nach Buenos Aires entwickelten sich zu knapp 22 Stunden und wir kamen ziemlich fertig im Hostel an. Im Bus war leider so ziemlich alles kaputt, an schlafen war kaum zu denken und die vorbei ziehende Landschaft war mit dem Norden von Argentinien nicht zu vergleichen und von Monokulturen geprägt. Dem entsprechend war die fast letzte Busfahrt nicht so ganz meine Lieblingsfahrt aber dennoch mit Vorfreude auf das wärmstens empfohlene Buenos Aires.
    Eigentlich hatten wir in den vergangen Monaten immer versucht, große Städte zu meiden, um mehr von der Umgebung kennenzulernen. Einige Städte waren sehenswert, andere ziemlich herausfordernd. Buenos Aires gehört meiner Meinung nach zu den Städten, die man gesehen haben muss und die mir sehr gefallen hat. Nach so vielen Städten in Südamerika, die ein wenig verkommen und runter gewirtschaftet wirkten, ist die Hauptstadt Argentiniens eine architektonische Augenweide. Soweit ich das beurteilen kann, können da eigentlich nur Bogota und Medellin in Kolumbien mithalten (Quito fand ich ja total doof, auch wenn die Altstadt schön ist). Dazu findet man in Buenos Aires in jedem Quartier einen Park und große Straßenbäume. Ein wenig kam es uns so vor, als wäre die Stadt eine Vorbereitung auf Berlin. Überall in der U-Bahn wird live Musik gespielt, die Menschen sind divers, bunt und freundlich. Das Essen war eine sehr willkommene Abwechslung und es gab endlich viele vegane Restaurants. Zum erstmal sah ich queere Menschen, offensichtlich sicher auf der Straße herumlaufen, sich küssen und die Männer sind wesentlich attraktiver, als in den Ländern zuvor. Durch die viele Zuwanderung (hauptsächlich Italiener) hat sich eine vielfältige Kultur entwickelt, vieles wirkt locker flockig und man sah alle möglichen Haar- und Hautfarben. Vielleicht fühlten wir uns deshalb so wohl, weil es so divers europäisch wirkte aber dennoch der südamerikanische Flair zu spüren war. Ein schöner Mix!

    Ein paar Highlights hatten wir uns für die Stadt vorgenommen, die wir teilweise zu Fuß erreichten oder die U-Bahn nahmen. Das Klima war viel gemäßigter als bei den Iguazú Wasserfällen und verschaffte uns ein paar traumhafte letzte Sommertage. Ein bekannter autonomer Stadtteil in Buenos Aires ist La Boca. Einst ein Arbeiterviertel der Fischer, ist er nun Touristen Hotspot. Das dort alle hinpilgern war uns nicht bewusst und wir hofften eigentlich einen unbekannten Ort erkunden zu können. Vor allem wollten wir uns die markanten bunten Häuschen anschauen. Diese sind aus übrig gebliebenem Wellblech der Schiffe entstanden und mit Restfarbe bestrichen worden. Nun haben sich dort Restaurants angesiedelt, die Umgebung ist sicherer geworden, es wird Tango auf den Straßen getanzt und zack ist der Tourismus nicht weit entfernt. Wir fanden also weder leere Straßen, noch einen Geheimtipp vor. Sicherlich hat es etwas an Charme verloren aber dennoch war der Ort sehenswert. Leider hatten wir nicht ganz so viel Zeit, um abseits der Tourimeile die Straßen zu erkunden, da wir noch auf einer kleinen Mission waren. Ein paar Wochen vorher hatten wir uns in Samaipata in Bolivien, in einem schnuckeligen Laden, in kissenartige Lama Stofftiere verliebt. Ich kaufte es direkt und war jede Busfahrt dafür dankbar. Gern wollten wir mehrere davon mitnehmen aber da man sich gut überlegen musste, wie viel man als BackpackerIn schleppen möchte und kann, war das erstmal keine Option. Aber wie immer kamen wir mit den Besitzern ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass Gabi im Dezember in Buenos Aires auf Familienbesuch sein sollte. Sie offerierte uns die Süßen mitzunehmen und uns zu übergeben. Genau das passierte auch und nach einigem Hin und Her bzgl. des Treffpunktes in Buenos Aires freuten wir uns sehr über ein Wiedersehen und unsere neuen kleinen Freunde.

    Ein weiterer sehenswerter Stadtteil ist Palermo. Ein junger, lichtdurchfluteter, moderner und vibrierender Teil von Buenos Aires, indem sich ein Restaurant an das andere reiht und in vielen Bars keine Wünsche offen bleiben. Auf dem Weg dorthin nahmen wir noch den botanischen Garten mit, eine städtische Oase mit wunderbaren Bäumen, indem wir ein wenig dem Stadttrubel entkamen. Eine kleine Busfahrt entfernt, besuchten wir noch einen süßen Markt, der voll von lokalen Künstlern, HandwerkerInnen und Musik war. Auch die Nächte lernten wir kennen und mischten uns in einer abgeranzten Rockkneipe unter die Einheimischen und wippten mit den Köpfen. Es machte Spaß in der Stadt zu sein, die Atmosphäre aufzunehmen und die Lebendigkeit zu spüren.

    Sicherlich war dieser Eindruck nochmal besonders durch das anstehende WM Finale geprägt. Als hätten wir es nicht besser planen können, waren wir in der Hauptstadt von Argentinien, das Land das im Finale gegen Frankreich antreten sollte. Die ganze Stadt war in Vorbereitungen, es gab kaum ein anderes Thema, die Mode wechselte zunehmend zu himmelblau-weiß und die Anspannung war in jeder Straße spürbar. Die ganze Stadt entwickelte sich zu einem riesigen Public Viewing und wir überlegten uns, wo und ob wir uns in die Menge schmeißen wollten. Schon in der U-Bahn, noch vor dem Spiel, wurde gesungen und gefeiert. Im Park Plaza Seeber mischten wir uns dann unter die Menge und sahen uns das Spiel an. Mehr noch war es spannend den mitfiebernden Argentiniern zu zuschauen. Die Luft brannte, die Menschen beteten, hofften und bangten um den Sieg. Die Stimmung war während des gesamtes Spieles nicht so heiter, wie von uns erhofft, da wohl die Anspannung einfach zu groß war. Bei der katastrophalen Lage und der wenig hoffnungsgebenden Zukunft des Landes auch nicht zu verdenken, dass sich nach so einem Highlight gesehnt wurde. Umso krasser war dann das finale Tor im Elfmeterschießen, nach ewig langen Spielminuten und zitternden Knien. Die Leute rasteten völlig aus und es folgten stundenlange Straßentänze und Partys an jeder Kreuzung. Es herrschte Ausnahmezustand in der Stadt. Auf alles was erklommen werden konnte, wurde drauf geklettert. Millionen Menschen waren auf den Straßen, tanzten, trommelten, sangen und feierten ihren Stolz auf die Nationalmannschaft und das Land. Mit Fahnen auf den Wangen sangen wir mit und ließen uns von der ansteckenden Atmosphäre durchfluten und mittragen. Bei all den vielen Fragen des warum’s bei der dieser WM, war diese Erfahrung für mich einmalig und ganz besonders. Eine größere Abschiedsfeier hätte ich mir nicht wünschen können. Wir waren definitiv nicht nur dabei sondern mitten drin. Auch, als ich abends meinen Nachtbus nach Montevideo bekommen musste. Die Straßen waren voller Menschen und es fuhr kein einziges öffentliches Verkehrsmittel, Taxis kamen nicht durch die Straßen, also musste ich laufen. Paul half mir mit den Rucksäcken und wir schlängelten uns durch die feierwütige Menge. Wir kamen kaum voran, wurde ständig angesungen und liefen mit großen Augen in die ungefähre Richtung des Terminals. Es war irre anstrengend aber gleichzeitig auch so aufregend. Irgendwann gab es eine Straße, in der ein paar Autos durchrollen konnten. Wir hielten zwei Frauen an, die mich lieberweise mitnahmen, mich um das schwere Gepäck erleichterten und direkt zum Bus brachten. Paul drängte sich erneut durch die Menge, zurück zum Hostel, da er von Buenos Aires zurück flog.
    Angekommen am Terminal, glitt ich völlig platt in den Bussitz und konnte kaum glauben, dass die Reise ein Ende gefunden hatte. Es fiel mir schwer die Gedanken zu sortieren, alles selbst zu glauben und meinen Heimweg anzutreten. Nach einer sehr bequemen Busfahrt, einer nächtlichen Grenzüberfahrt nach Uruguay, kam ich 6:00 in Montevideo an. Eine letzte, sehr sympathische Begegnung mit einer Argentinierin, die mit mir die Zeit bis zum Abflug überbrückte, bescherte mir einen warmherzigen Abschied. Nach weiteren 2 Flügen über Madrid bis nach Frankfurt stieg ich dann in den ICE nach Berlin und kam nach insgesamt ca. 38 Stunden Reisezeit an. Es fühlte sich alles wie ein unglaublich schöner Traum an und ich konnte und kann immer noch nicht richtig fassen, dass all diese wunderbaren Monate passiert sind.

    Argentinien wäre ein Land, in das ich unbedingt zurückkehren würde. Die Natur ist spektakulär und muss im Süden noch umwerfender sein. Die landschaftliche Vielfalt sucht seinesgleichen und die Menschen, sind trotz des schwierigen Akzents wirklich ungemein freundlich. Ein wenig fehlte mir die Ursprünglichkeit, da ich die indigenen Gesichter in den Straßen vermisste und das Land sehr europäisch wirkt. Deshalb bin ich auch sehr froh, die Länder vorher gesehen zu haben und dass ich so viel von Südamerika mitnehmen konnte.
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