• Начало поездки
    11 августа 2024 г.

    Vor der Tour: Unser Plan

    8 августа 2024 г., Германия ⋅ ⛅ 24 °C

    From the east to the westside: two sides of one story

    Die Überschrift ist Programm: Vom Nordosten Polens, von der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad, bis zum portugiesischen Sagres, dem südwestlichen Kap Europas: Das ist die Route für 2024.

    Für die ersten drei Wochen gilt: Warum in die Ferne schweifen? Unser Nachbarland Polen wird Monika und mir viel Unentdecktes und Unbekanntes bieten. Denn dies ist unsere erste gemeinsame Reise in das osteuropäische Kulturland. Natürlich stehen die großen Vier auf dem Programm: Danzig, die alte Hansestadt an der Ostsee. Warschau, die Hauptstadt Polens, die am meisten unter den Folgen des deutschen Überfalls 1939 gelitten hat, die aber zugleich der Ort war, an dem Willy Brandt mit seinem Kniefall die Polen um Vergebung bat und die Aussöhnung einleitete. Dann Krakau, die schillernde Residenz der polnischen Könige, mit  Wawel, dem Königsschloss, der berühmten Kathedrale und dem einzigartigen Tuchmarkt. Zum Abschluss lockt dann Breslau, die Hauptstadt Niederschlesiens, die mit ihrer Dominsel, der prächtigen Universität und dem Rathausplatz zum Weltkultur-Erbe zählt. Vor, zwischen und nach diesen Städten warten die alten Naturlandschaften des Ermlands, der masurischen Seen und der Weichsel auf uns, natürlich auch die Wirkungsstätten des Kopernikus und die Marienburg, Hauptburg des Deutschritterordens. Auf all das und manches Mehr sind wir gespannt und freuen wir uns.

    Danach wenden wir uns nach Westen und reisen in unser Nachbarland Frankreich. Hier gibt es aber keine Rundreise! Nach kurzem Zwischenstop im Burgund ist das Périgord unser Ziel, ein landschaftliches, (prä-)historisches und kulinarisches Kleinod im Südwesten Frankreichs. Wir starten in den grünen Hügellandschaften des  ‚Périgord vert', dann nehmen wir uns Zeit für das ‚Périgord noir', seine tiefen Flusstäler, die altertümlichen Dörfer, die heimliche Hauptstadt Sarlat, und wir besichtigen natürlich die weltberühmten prähistorischen Kultstätten. Durch das ‚Périgord blanc' mit seinen Trüffelmärkten (zur Zeit leider nur Sommertrüffel) geht es in das purpurne Périgord mit seiner Hauptstadt Bergerac. Hier ist pure Weinlandschaft, mit hervorragenden Roten, knackigen Weißen und dem weltberühmten Süßwein Monbazillac.
    Talleyrand, der französische Diplomat und Staatsmann, soll einmal über das Périgord gesagt haben: "In England gibt es dreihundertsechzig Religionen und drei Saucen, im Périgord drei Religionen und dreihundertsechzig Saucen." Also fast für jeden Tag des Jahres eine originäre Sauce.
    Wir werden uns über zwei oder drei Wochen von all dem beeindrucken lassen: Von der Küche des Périgord, die nicht nur wegen ihrer Saucen-Vielfalt als die Beste Frankreichs gilt, von der Vielfalt der Weine, von den prähistorischen Höhlenmalereien der Cro-Magnon-Kultur, von den romantischen Flusstälern, den Burgen und von der Schönheit der kleinen Dörfer und Festungsstädte.

    Danach betreten wir zum Teil ‚bekanntes' Gelände. Zunächst längs des Atlantiks nach Nordspanien, dann über Burgos und Segovia in die altehrwürdige Universitätsstadt Salamanca, unser Hauptziel im Nordwesten Zentralspaniens. Nach einer Stippvisite in dem von uns so geliebten Porto wenden wir uns gen Süden. Durch das Landesinnere Portugals fahren wir Richtung Sagres und campen am südwestlichsten Punkt Europas. Von da entlang der Algarve nach Fuseta oder Tavira. Dort einige Tage Badeurlaub, bevor es ins maurische Südspanien geht. Cadiz, Jerez und Cordoba sind mögliche Stationen. Vielleicht wagen wir auch den Sprung hinüber ins nordafrikanische Marokko. Abschließend genießen wir Valencia, die milde Novembersonne,  das warme Mittelmeer und das Flair dieser herrlichen Stadt.
    So unser Plan. Aber seit Brecht wissen wir:
    „Ja, mach nur einen Plan!
    Sei nur ein großes Licht!
    Und mach dann noch 'nen zweiten Plan.
    Gehn tun sie beide nicht."
    Nun: Wir werden sehen, was uns gelingt und was nicht. Wir sind guten Mutes!
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  • Start gelungen

    11–12 авг. 2024, Германия ⋅ ⛅ 25 °C

    Um halb Neun haben wir den Heimathafen Duisburg verlassen, um 15 Uhr sind wir in den Zielhafen, den Yachthafen Berlin Köpenick, eingelaufen. Und hier - perfektes Seewetter: Blauer Himmel, ein paar Schönwetterwolken, eine leichte Brise und Sommersonne. Wir sitzen zwar nicht an den Stränden der Nordsee oder des Atlantik, aber an den Ufern des Langen Sees, der Dahme, der Spree oder des Müggelsees, die Köpenick zu einer Insel inmitten all dieser Gewässer machen. Deshalb war Copanik auch eine der letzten slawischen Fluchtburgen, die erst im 12. Jahrhundert unter Kaiser Otto I. und von Albrecht dem Starken erobert wurde. Nach kurzer Entspannung an den Quais des Yachthafens ging es für zwei Stunden in die Köpenicker Altstadt. Auf den beiden Flüssen und dem Langen See ein Gewimmel von Freizeitbooten: Motoryachten, Partyflöße, Traditionalisten, flott bewegte Ruderboote. Wir sind hier im Paradies für Freizeitkapitäne. Und die Stimmung ist überall heiter-entspannt. Selbst die bronzene Statue des Hauptmanns von Köpenick, dem Carl Zuckmayr mit seinem Theaterstück ein literarisches Denkmal gesetzt hat, ließ sich zu einem leichten Lächeln verleiten. Wir haben den Spätnachmittag im Strandclub 'Freiheit fünfzehn' und auf dem Traditionssegler 'Ars vivendi' genossen. Danach gute Küche beim Italiener, hier im alten Fährhaus des Yachthafens. Jetzt lassen wir bei einem Glas Wein die Abendsonne langsam, aber spektakulär über Berlin versinken. Wir sind im Urlaub angekommen!Читать далее

  • Polen: Erstkontakt, Toruń und Pierogi

    12 августа 2024 г., Польша ⋅ 🌙 16 °C

    Polen: Erstkontakt und Pierogi

    Nach dem Morgenkaffee am Langen See fuhren wir durch endlose, fast menschenleere Waldgebiete Richtung Frankfurt/Oder. Dann, wie von einem anderen Stern, ein gewaltiges Industrie-Areal, hochmodern, fast futuristisch. Und irgendwo dann auch der Schriftzug: ‚TESLA'. Da war sie, die brandneue Industrieansiedlung, die von vielen Natur-Bewegten vorort so heftig kritisiert wird. Als ahnungsloser Westler geht einem letztlich nur eine Frage durch den Kopf: Woher, wenn nicht von diesem Arbeitgeber, sollen hier in Brandenburg und inmitten dieser Waldeinsamkeit die Arbeitsplätze kommen? Die riesigen, vollen Mitarbeiterparkplätze zeugen von der gewaltigen Zahl der neuen Arbeitsplätze.

    Danach die polnische Grenze. Wir konnten Richtung Polen ohne Kontrolle passieren, auf der Gegenseite allerdings ca. 4 Kilometer zumeist LKW-Stau. Die Bundespolizei kontrolliert ganz offensichtlich mit hohem Eifer und genauem Blick. Für die Rückfahrt sollten wir Autobahn-Grenzübergänge dringend vermeiden.
    Dann über Poznan nach Toruń. Auch hier in Polen findet man entweder Birken- oder Kiefernwald. Wenn nicht das, dann Mais-Monokulturen, soweit das Auge reicht. Also viel Landwirtschaft. Die Pilz-Saison scheint grandios. Herrliche Pfifferlinge werden längs der Straßen am Waldesrand angeboten, einmal sogar zusammen mit einigen Geweihen, die effektvoll auf der Kühlerhaube präsentiert wurden. 'Die Hörner' ließ ich mir von meiner Gattin 'nicht aufsetzen', wenngleich sie unbedingt dort anhalten wollte.. Demnächst werden wir zugreifen, aber nur bei den Pfifferlingen. Plötzlich, kurz vor Toruń, am Wegesrand eine der seltenen und deshalb berühmten protestantischen Holzkirchen. In diesen erzkatholischen Landen war den Lutheranern der Kirchbau untersagt. War er ihnen ausnahmsweise erlaubt, dann durften sie neben den prachtvollen und für Jahrhunderte gebauten Steinkirchen der Katholiken nur eine kleine, fast ärmlich wirkende Holzkirche errichten, also ein vergängliches Bauwerk. Nach fünfstündiger Fahrt Toruń. Der Campingplatz, recht leer, liegt an der Weichsel. Und über die Weichselbrücke sind wir nach 10 Minuten in der Toruńer Altstadt. Zum Abend ein kurzer Bummel dorthin. Der erste Eindruck: Das Altstadtzentrum, komplett Weltkultur-Erbe, prunkt mit Originalbauten vom Mittelalter bis ins Barock, vor allem aber mit Backstein-Gotik. Anders als in vielen anderen historischen Welt-Erben hat diese Stadt, die immer noch als Geheim-Tipp gilt, Patina. Vieles ist noch nicht auf Hochglanz und historische Prächtigkeit hin renoviert. Das macht wirklich Eindruck. Morgen dazu mehr. Und dann das besondere Polen-Erlebnis: Die Pierogi in einer Pierogarnia, die uns von den Toruńern wärmstens ans Herz gelegt wurde. Pierogi, von unserer in Polen geborenen Haushaltshilfe empfohlen, sind Teigtaschen und gibt es im Ofen gebacken und/oder gedünstet und/oder in Butter geschmort. Gefüllt waren sie mit Black Pudding (=Blutwurst), mit Hähnchen oder Schweineschulter und Kraut und mehr. Das alles … fett, mächtig, riesig portioniert und, wohlwollend formuliert, sehr speziell und einzigartig im Geschmack. Wir streckten bereits früh die Messer und Gabeln und widmeten uns, beide vom Magenverschluss bedroht, dem leckeren polnischen Bier. Pierogi werden wohl ein einzigartig- einmaliges Polen-Erlebnis bleiben. Zurück ging es dann entlang der Weichsel-Promenade. Hier unzählige junge, gut gelaunte Menschen, zumeist Studenten. Dazu einige moderne und zugleich stimmungsvolle Pavillons, auch zwei kleine Party-Schiffe. Hier war die so alte Stadt so richtig jung. Morgen werden wir hier etwas länger verweilen.... und uns jung fühlen ????
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  • What a wonderful day in ... Toruń

    13 августа 2024 г., Польша ⋅ ☀️ 22 °C

    Nach kühler Nacht, wir haben hier des Morgens tatsächlich äußerst angenehme 13 Grad, und gemütlichem Morgen machten wir uns um 10.30 Uhr auf den Weg in die Altstadt. Zurück waren wir dann erst zum frühen Abend. Und von den acht/neun Stunden in Toruń war uns keine einzige Minute langweilig. Mal ganz einfach gesagt: Toruń ‚haut uns vom Hocker'. Was war da alles zu sehen und zu erleben! Das eindrucksvolle Museum für zeitgenössische Kunst.  Die imposante Sammlung des ehemaligen polnischen Tennisspielers Fibak gehört zu den bedeutendsten des Landes und das sah man auch. Da waren die unzähligen hanseatischen Gassen, die Kaufmannshäuser, mal top-restauriert, mal am Rande des optischen Verfalls (aber immer mit intakter Baustruktur!). Da waren die imposante Ruine der Deutsch-Orden-Burg, die Kopernikus-Universität, das Strafgefängnis, das eher einer Burg denn einer Strafvollzugsanstalt gleicht, der alte Markt mit dem Kopernikus-Denkmal (Terrae Motor Solis caelique Stor Motord/Der die Erde bewegt und die Sonne und den Himmel anhält), da war das historische Puppentheater mit seiner Spieluhr, die die Puppen tanzen ließ, die kleine gemütliche Weinkneipe und das „Take Eat Easy“, das fürwahr keine einfache, sondern eine high-end-Küche bot und uns das Essen nicht nur leicht, sondern zum wahren Vergnügen machte. Und zum Schluss war da die Abendstunde am Ufer der Weichsel, im Liegestuhl und im warmen Licht der untergehenden Sonne.

    Anders formuliert: Es war heute eigentlich nicht viel los in Toruń, aber uns hat's vergnügt!
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  • Ankunft bei den Deutsch-Orden-Rittern

    14–17 авг. 2024, Польша ⋅ 🌙 21 °C

    Die kurze, ca. 150 Kilometer lange Anfahrt führte uns durch eine jetzt auch attraktive polnische Landschaft, weil zunehmend hügelig und geprägt von Mischwäldern. Der WoMo-Platz in Malbork lässt kaum Wünsche offen. Wir stehen direkt, also mit Kühlerhaube und Frontscheibe, an einem kleinen See, linker Hand fließt die Nogat, die dereinst die Burggräben der Marienburg speiste, und über den Fluss hinweg haben wir einen Panoramablick auf die Marienburg, das größte backstein-gotische Gebäude dieses Planeten. Dazu morgen mehr.
    Kurzfristig wollten wir schon heute besichtigen und morgen nach Gdansk weiterreisen. Wir haben uns dagegen entschieden und sind schon jetzt mit dieser Entscheidung 'im Reinen'. Heute also nur ein gemütlicher Spaziergang um die gewaltige Burganlage. Vorbei an massiven Toranlagen, ging es zunächst zu einer imposanten Reiterstatue des polnischen Königs Kasimir IV, der zusammen mit dem preußischen Bund irgendwann Mitte des 15. Jahrhundert den Deutsch-Ritter-Orden kriegerisch und wirtschaftlich in die Knie zwang. Eine Statue des Hermann von Salza, des Begründers der Burg, sucht man allerdings vergebens. Der wird in Polen, obwohl sein Orden bedeutende zivilisatorische Errungenschaften dort einführte, ausschließlich als Besatzer gesehen. Dann weiter entlang der malerischen Flusslandschaft und zum Abschluss des Spaziergangs ein Piwo in der Außenanlage der Burgwirtschaft. Dort kamen wir in den Genuss einer hervorragenden polnischen Küche. Als veritabler Skeptiker, was Burg- und auch Rathausrestaurants betrifft, wurde ich hier eines Besseren belehrt. Das Restaurant, Mitglied einer Verbindung von Restaurants, die sich europaweit der Pflege der lokal-regionalen Küche verschrieben haben, wurde diesem Anspruch mehr als gerecht. Ich hatte eine frische, in Butter gebratene Forelle aus der Nogat, dazu geröstete Mandeln und gebratene Rote Bete. Monika freute sich über ein Gericht aus hausgemachten Nudeln, Sauerkraut und heimischen Pilzen. Alles Klassiker der hiesigen Küche und perfekt zubereitet. Jetzt sitzen wir in der Abendsonne, direkt am Wasser und lassen den Tag dahinstreichen. Einem Filmtitel folgend, könnte man sagen: "Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss."
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  • Day of Knights: Marienburg

    15 августа 2024 г., Польша ⋅ ☀️ 30 °C

    Day of Knights nicht etwa, weil ich mich, gewappnet, gegürtet und als Ritter gewandet, meiner Dame Monika gegenüber in höfischer Minne geübt hätte. Day of Knights deshalb, weil die polnischen Kinder, verkleidet als Burgfräulein und Ritter, in und um die Burg herum und voll Begeisterung ihr Mittelalter spielen. Auch wir sind begeistert, aber auf andere Weise. Denn nach dem Besuch der Marienburg muss ich meine persönliche Rangliste der europäischen Burganlagen neu sortieren. Bisher teilten sich der Palacio Real de Olite und die Festung von Carcassone den ersten Platz. Jetzt aber werden beide auf die Ränge verwiesen. Die Ordensburg der Deutschen Ritter in Marienburg/Malbork ist einzigartig. Schon von der Gesamtfläche ist sie noch vor der Prager Burg die größte Burganlage der Welt. Seit 1309 Hauptsitz des Ordens, entstanden über mehr als 100 Jahre hinweg die Vorburg, die Mittelburg und die Hochburg. Durch die mächtige Toranlage der Vorburg, die als letzte entstand, gelangt man in die Mittelburg. Sie ist nicht nur Festungsanlage, sondern als Sitz des Hochmeisters auch ein beeindruckender gotischer Palast. Der Rittersaaal, auch Remter genannt, beeindruckt durch grazile gotische Bögen und Säulen, ist stattliche 9 Meter hoch und über 35 Meter lang. Noch beeindruckender: Der sich anschließende Hochmeisterpalast. Er ist unter gotischen Bauten einzigartig. Er konnte, wohl wegen seiner meisterhaften Architektur und Statik, nie kopiert werden. Der Hauptsaal weist unzählige gotische Stützbögen auf, die alle von einer einzigen grazilen, mittig angelegten Säule aus schwarzem Marmor getragen werden. Das macht staunen. Die Feinde des Ordens unter Hochmeister Heinrich von Plauen versuchten damals, die im Remter versammelten Ordensritter zu vernichten, indem sie mit einer Kanonenkugel die tragende Säule zerstören wollten. Die Kugel ging fehl und schlug über dem Kamin ein, wo sie noch heute 'feststeckt'.
    Die Hochburg als ältester Teil der Anlage ist im Wesentlichen eine militärische Festung. Aber auch sie prunkt, weil sie die Festung eines Ritterordens ist, mit Kreuzgängen, mit der Marienkirche, die ein hochgotisches Kunstwerk ist, und mit dem Goldenen Tor, durch das die Ritter zum allmorgendlichen Gebet die Marienkirche betraten. Zudem sehenswert die Wirtschaftsräume: Mittelalterliche Mühle, Großküche, Heizöfen, die aus dem Keller heraus warme Luftströme erzeugen und den Hochmeisterpalast erwärmen, und, und ... .Wir lernten, dass die Ritter nur Met und Bier tranken... . Wir haben Stunden in der Burg verbracht, die wie im Fluge vergangen sind. Erwähnenswert auch: Der Audio-Guide nutzt GPS-Daten des Benutzers und gab uns, je nach Aufenthaltsort innerhalb der Burg, stets die passenden, aber auch angenehm kurz gehaltenen Informationen. Digitale Technik trifft auf imposante Historie und macht letztere verständlich. Toll!
    Danach mal wieder: Burgrestaurant und polnischer Bigos, ein Sauerkrauteintopf sowie Kartoffelkuchen mit saurem Gurkensalat und Roten Beten. Wir fangen an, die polnische Küche zu lieben, zumindest in der Variante dieses Restaurants.
    Der Abend dann an unserem See. Morgen Richtuing Gdansk.
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  • Gdańsk

    16–18 авг. 2024, Польша ⋅ ☁️ 27 °C

    Bevor wir irgendetwas von Danzig sahen, machte uns zunächst der Campingplatz sprachlos. "Dank" des langen Wochenendes mit Mariä Himmelfahrt war die Stellplatzsuche am Freitag alles andere als eine schöne Himmelfahrt, eher ein Himmelfahrtskommando. Nur die Reservierung verschaffte uns ein kleines Stell-Plätzchen, das uns immerhin die Platzierung der Stühle neben dem WoMo ermöglichte. Neben einigen Holländern und Deutschen sind die Polen in Überzahl. Sie sind weniger wegen Danzig, sondern eher wegen des nah gelegenen Ostsee-Strandes (mit Blick auf Werft und Hafen) hier. Und der war noch voller als der Campingplatz. Eine kurze Stippvisite gestern hat uns gereicht!
    Dann aber endlich Danzig, diese Hansestadt, die in der frühen Neuzeit ebenso wie im 20. Jahrhundert einen festen und bedeutenden Platz in der europäischen Geschichte beanspruchen kann. Mitte des 17. Jahrhunderts war sie die größte Stadt zwischen Moskau und Amsterdam, dominierte den Ostseehandel, war Dreh- und Angelpunkt des europäischen Bernstein-Handels und zudem die größte deutschsprachige Stadt dieser Zeit. Dann im 20. Jhdt. der deutsche Angriff auf die Danziger Westerplatte, mit dem am 1. September 1939 das Elend des zweiten Weltkriegs begann. Und schließlich 1980/81 der Aufstand der Gewerkschaft Solidarność (Solidarität), ohne den die friedliche Revolution in der DDR 1989 kaum möglich geworden wäre.
    Die Westerplatte haben wir nicht besucht.
    Aber das historische Danzig mit Rechtstadt (Główne Miasto), Altstadt (Stare Miasto) und Speicherinsel (Wyspa Spichrzów) und die alten Hafengebiete der Mottlau haben wir erwandert. Und wir haben das alles nicht nur erwandert, sondern auch genossen: Die Straßen und Gassen mit ihren schmalen hohen Bürgerhäusern und deren kunstvoll verzierten Giebeln und 'Beischlägen', den terrassenähnlichen Vorbauten. Die Flaniermeile der Długa/Langgasse mit ihren Brunnen, ihren prunkvollen Kaufmannspalästen. Das Goldene und das Grüne Tor. Den historisierenden Auftritt der Georgsbruderschaft vorm Zeughaus. Den Stockturm, in dessen Peinkeller Monika in Fesseln gelegt wurde. Das alte Hafengebiet, in dem es vor Freizeitbooten nur so wimmelte. Und dann den Straßenmarkt mit seinem Kunsthandwerk, die Bernsteinboutiquen- Danzig nenntsich die 'Stadt des Bernsteins-, die gemütlichen Cafés und das Danziger Jopenbier, das seit dem 15. Jahrhundert hier gebraut wird. Ich denke, wir haben in den zwei Tagen wenig ausgelassen. Unsere Füße waren nach den etlichen Kilometern zwar wund, aber das war es uns mehr als wert! Ich denke, die Bilder werden etwas davon zeigen können.
    Dann waren wir natürlich am Eingang der Danziger Werft, haben dort das Denkmal der gefallenen Werftarbeiter besichtigt und waren im hypermodernen europäischen Zentrum für Solidarität, das sich allerdings, von der EU finanziert, für meinen Geschmack etwas zu 'schick', nämlich hyperschick gibt. Der Museumsshop mit seinen unzähligen Wałęsa-Figuren ist ein herrliches Beispiel dafür, wie Geschichte zur finanzträchtigen Folklore werden kann. Am eindrücklichsten für Monika und mich: Der alte Versammlungssaal, in dem Lech Wałęsa das Abkommen unterzeichnete, in dem die polnische Regierung der Gewerkschaft den Zugang zu den Massenmedien und das Streikrecht zuerkennen musste. Die Zeit unmittelbar danach und das polnische Kriegsrecht habe ich bei meinen Besuchen der Uni Łodz in den frühen 80er Jahren recht hautnah erlebt. In dem kleinen Café, in dem damals die Gewerkschaftler ab und an zusammenkamen, haben Monika und ich, wie das Foto zeigt, heute auch zusammengehockt.
    Jetzt, nach zwei ereignisreichen Tagen, sitzen wir müde, aber zufrieden und glücklich auf unseren Stühlen, dicht ans WoMO gerückt, und pflegen die wunden Füße mit einem Glas Riesling und Grauburgunder.
    Morgen auf nach Masuren!
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  • Welcome to paradise

    18 августа 2024 г., Польша ⋅ ☁️ 24 °C

    Paradies ist zwar kein Ort, sondern ein Zustand. Dennoch kann ich sagen: Wir haben einen kleinen Platz an einem der masurischen Seen gefunden, der den besagten Zustand zumindest kräftig befördert.
    Aber von Anfang an: Recht früh morgens sind wir vom Platz bei Danzig aufgebrochen. Wir wollten den ersten Stau, den auf dem Platz, dringend vermeiden. Gelungen! Dann Richtung Ermland und zum oberländischen Kanal. Und schon die erste Verwirrung: Der Zielort, der lt. Internet ein attraktives Plätzchen zur Besichtigung des alternativen Schiff-Transportes dort böte, war eine Ansiedlung von drei, sehr arm anmutenden Häusern und einem Marien-Kapellchen, mehr allerdings nicht. Die Fahrt dahin war so abenteuerlich, dass wir schon früh einige Zweifel hatten. Und diese Zweifel waren berechtigt. Dann aber, nach weiteren 45 Minuten über schmale Straßen und durch das arme und ländliche Polen, endlich der oberländische Kanal mit seiner so spektakulären Schiffshebewerk-Alternative. Denn hier, in der Welt fast einmalig, fahren die Schiffe auf einen im Wasser versenkten Transportwagen auf, werden verzurrt und dann mit dem Wagen und dank eines raffinierten Seilwerks über Land und die hier so häufigen kleinen Hügel zur Kanal-Fortsetzung jenseits des Hügels transportiert: Ein Werk preußischen Erfindergeistes. Wir hatten Glück und konnten, da ein Schiff gerade heranglitt, die gesamte Prozedur 'live' besichtigen. Eindrucksvoll!
    Danach dann Richtung Masuren zur 'ruska Wieś, einem Tipp von WoMo-Nachbarn in Thorn. Der Platz liegt unweit der russischen Grenze. Auch dorthin, das war wohl heute unser Schicksal, eine Art Odyssee. Denn Google Maps war dem Straßen-Neubau in einem der östlichsten Teile der Masuren nicht gewachsen und leitete uns derart in die Irre, dass wir uns, was den Staßenzustand betraf, wieder im östlichsten Balkan wähnten. Aber mit viel Mühe und einer zusätzlich investierten Stunde fanden wir die 'russische Wiese'. Und die hat Format: Zur Begrüßung drehte ein Adlerpärchen seine Runden über dem See. Der Platz selbst ist klein, in Terrassen angelegt und liegt unmittelbar an einem großen See. Zwar ziemlich abseits von allem, aber dafür ruhig, mit malerischem Blick über das Wasser, ausgestattet mit Paddel- und Ruderbooten, einem kleinen Sandstrand und - morgens - einem Brötchenservice. Soviel Zivilisation muss sein. Nach knapp 330 Kilometern Fahrt auf kleinen Landstraßen hängen wir hier ab, sind ein wenig über den See gerudert, ein wenig geschwommen und haben uns zum ersten Mal auf dieser Tour das Abendmahl selbst zubereitet. All das zusammengenommen, hat uns an diesem versteckten Ort der Masuren dem Zustand nahe gebracht, den man als fast paradiesisch bezeichnen könnte.
    Zur Nacht hin Wetterleuchten über dem See. Die Schwüle und die Unwetter, die NRW vor Tagen heimgesucht haben, erreichen uns jetzt in abgeschwächter Form hier. Kein Unwetter, aber ein optisches Spektakel.
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  • Kleine Landpartie ans Wasser

    19 августа 2024 г., Польша ⋅ ☁️ 19 °C

    Nach zwei/drei Morgenstunden am See ging es in einer kleinen Landpartie (50 Kilometer) durch die masurischen Wälder zum Hafenstädtchen Mikolajki. Auf dem Weg ein kurzer Stopp in Wojnovo. Dort lebt bis heute eine kleine strenggläubig-orthodoxe Gemeinde, die einstmals das zaristische Russland verlassen musste. Sie waren nicht bereit, den Zaren als Oberhaupt ihrer Kirche anzuerkennen. Der Große Fritz hat ihnen dann in Masuren, dem damaligen Preußen, 'Asyl' gewährt. Bedingung: Teile der unwirtlichen und wilden Wälder Masurens urbar machen. Das haben sie auch getan. Und bis heute hat diese inzwischen kleine Glaubensgemeinschaft ihre alte Kultur bewahrt und lebt sehr abgeschirmt ihr sehr eigenes und selbstbestimmtes Leben. Zugang zu Kirche, zu Kloster und zu den Wohnstätten wird nicht gewährt.
    Dann auf dem Weg nach Mikolajki sehen wir an den zahllosen kleinen Flüssen, die die Seen verbinden, Kanu-Vermieter: Ein offensichtlich lohnendes Gewerbe.
    Mikolajki ist eine zwischen Moderne, Tourismus und Althergebrachtem, zwischen neuem Reichtum und Armut schwankende Hafenstadt, die, obwohl im Binnenland gelegen, fast die Atmosphäre eines Seehafens vermittelt. Am Yachthafen modernste Hotels, eines sogar mit fünf Sternen, eine Unmenge an großen und kleinen Yachten, Charterboote und natürlich auch die übliche Tourismus-Meile. Im Hinterland des Ortes dann eher traditionelles, z.T. auch armes Polen. Wir haben das alles in einem ersten abendlichen Bummel ein wenig kennengelernt und uns danach in einem sehr guten Restaurant mit traditionell-polnischer Küche verwöhnen lassen: Masurische Fischsuppe und slawische Pierogi mit Sauerrahm für mich, Himbeer-Suppe und Wildbraten vom masurischen Wildschwein, serviert mit Roten Beten, für Monika. Lecker! Morgen geht's da noch mal hin. Das war soooo gut! Und deshalb gilt morgen für uns: Never change a good restaurant.
    Der Campingplatz liegt fußläufig zum Hafen. Wir haben, dank Reservierung, einen schönen großen Platz. Heute zum späten Abend ist ein 'Rollendes Hotel' hier eingetroffen. Ein Bus mit ca. 25 Sitzplätzen und ebenso vielen, ich würde sagen, Schlaf-Schubladen. Skurril!
    Morgen wollen wir, wenn das Wetter mitspielt, per Rad an und um die hiesigen Seen. Schon jetzt ist 'sure': Masuren was surely a good choice.
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  • See- und Waldeslust

    21 августа 2024 г., Польша ⋅ ☁️ 18 °C

    Während ich diese Zeilen schreibe, erleben wir doch tatsächlich den ersten richtigen Regen unserer Polenreise. Vorgestern und gestern war das Wetter fast mediterran, gestern Abend sogar begleitet von einem veritablen Zikaden-Orchester.
    Dienstag, also gestern, war eine Radtour angesagt. Zunächst auf anforderungsreichen Sandwegen - denn Polen ist auf Sand gebaut: das ist wörtlich und nicht metaphorisch gesagt - und durch die dichten und fast menschenleeren masurischen Wälder bis zu einer kleinen Seil-getriebenen Fähre, mit der wir den Jezioro Mikołajski querten. Weiter ging es auf bewaldeter Strecke mit Zwischenstation an mehreren malerischen Buchten und dann schließlich zum Ufer des Jezioro Sniardrwy, dem größten See hier bei Mikolajki, etwa 34 Quadratkilometer größer als der Chiemsee. Dieser und die anderen Seen beherbergen Aale, Zander, Welse, Plötze (karpfenähnlich) u.a. In den Buchten tummeln sich viele kleine und größere Motor- und Segelyachten, vereinzelt auch von Clubs sportlich bewegte Ruderboote. In den Häfen außerhalb des 'mondänen' Mikołajki liegen einfache Boote, manchmal direkt neben dem Schilf, die Gastronomie, wenn es denn eine gibt, ähnelt eher einem Imbiss und Wasser gibt es manchmal nur aus einer altertümlichen Wasserpumpe. Während die Boote auf dem Wasser schaukeln, werden selbst gesuchte Steinpilze in der Sonne getrocknet oder frisch geerntete Cranberries zum Verzehr angeboten: Freizeitkultur, sehr einfach, sehr entspannt. Auf der Fahrt durch die Wälder dann mehrfach Schilder mit der Aufschrift: Vorsicht - gefährliche Pferde. Kein Scherz, sondern der Hinweis darauf, dass hier Wildpferde gezüchtet werden, unmittelbare Nachkommen der Tarpans, die die einstmals so gefürchteten mongolischen Krieger fast durch ganz Europa getragen haben. Am Ufer des Śniardwy-Sees fanden wir einen Pferdehof und auf dessen Weiden einige dieser Tiere, die mit ihrem Aalstrich sehr an die westfälischen Wildpferde in Dülmen erinnern. Nach 45 Kilometern Radstrecke in unserem Heimathafen angekommen, verbrachten wir dort einige schöne Abendstunden in fast südlicher Atmosphäre.
    Wer hier im Mikolajki segelt, sonstwie Boot fährt oder an den Ufern radelt, muss nicht Meer/mehr sehen. Die vier Seen, die vom Hafen aus direkt erreichbar sind, bieten Meer/mehr als genug.
    Heute dann ein ausgedehnter Spaziergang an den Seeufern von Mikołajki, mit Rast in zwei gemütlich- luxuriösen Bars, in denen wir die Zeit verstreichen ließen, den Flaneuren, den jungen und weniger jungen Anglern und dem Spiel der zahllosen Boote zusahen. Auf dem Rückweg hat Monika, wie ein Foto zeigt, einen Satz grätenloser Fische aufgetan. Wie küchentauglich die sind, werden wir allerdings nicht ausprobieren.
    Nun lassen wir die Zeit in Masuren in einem letzten Abend ausklingen.
    Noch erwähnenswert: Wir haben hier auf dem Platz ein uns sehr beeindruckendes Elternpaar kennengelernt. Sie sind mit ihrem sehr schwer behinderten und an den Rollstuhl gefesselten Sohn Felix in Polen und Ungarn unterwegs. Ihr WoMo ist ein 18 Tonner von Phönix, den er, Ingenieur, behindertengerecht umgebaut hat. Wir waren und sind fasziniert von der lebensbejahenden Art, in der diese Eltern ihr familiäres Schicksal nicht nur tragen, sondern positiv leben. Ob auf Kanutour, beim abendlichen Essen, beim Spaziergang oder hier auf dem Platz: Der Junge ist stets vollwertiges Mitglied der kleinen Familie, der Umgang mit ihm ist liebevoll, fürsorglich, aber immer auch konsequent. Diese Familie hat bei uns Eindruck hinterlassen!
    Morgen Warschau!
    P.S.: Gestern Abend ist hier eine für mich neue Art von Zeltbus eingetroffen. Ein geländegängiger LKW mit 15 Sitzplätzen und ebensovielen Zeltschlafplätzen auf dem Dach. Mit dem Gefährt geht es, so die Auskunft bei Nachfrage, über abseitige Wege direkt an die Ufer der Seen. Das alles als Pauschalangebot. Die Stehplätze an den Seen sind von der hiesigen Tourismusbehörde genehmigt.
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  • Our first Warschau

    23 августа 2024 г., Польша ⋅ ☁️ 22 °C

    Gestern Start Richtung Warschau. Die Fahrt über 350 Kilometer führte uns ausschließlich über Landstraßen, zu Beginn in Masuren über schmale Pisten, auf denen der Gegenverkehr durchaus herausfordernd war. Die letzten 150 Kilometer das typisch eintönige polnische Landschaftsbild: Birken- oder Fichtenwälder, alternativ Maisanbau oder Weidewirtschaft, das Land flach wie ein Brett. Aber überall die Wegkreuze und/oder Marienbilder - Symbole eines zumindest in ländlicher Gegend tief katholischen Landes.
    Und erwähnenswert, weil das unser gestriges Abendessen rettete: Am Straßenrand käuflich erworbene Pfifferlinge. Köstlich!
    Unser Campingplatz liegt 30 Busminuten vom Zentrum Warschaus entfernt, ist klein, sehr sauber und recht ruhig.
    Heute Morgen ging es per Bus in die polnische Hauptstadt. Über die Weichsel hinweg bot sich uns die sehenswerte Skyline des modernen Warschau. In den 80ern gab es dort nur einen Skyscraper, nämlich den heutigen Kulturpalast, von dem damals meine polnischen Kollegen zu sagen pflegten: Das einzige Geschenk, das Polen je von der Sowjetunion erhalten hat und je erhalten wird. Genau genommen war es sogar ein Geschenk von Stalin und deshalb mehr als verhasst unter den Polen. Heute ist der Kulturpalast eingerahmt von modernsten und berühmten Hochhäusern. So manche sind von berühmten Architekten, z. B. von dem in Polen geborenen Daniel Libeskind, entworfen. Dieser moderne Part von Warschau bleibt für morgen reserviert.
    Dennoch war der erste städtische Warschau-Kontakt heute ein Teil des modernen Warschaus, nämlich das moderne, sehr transparente Universitätshauptgebäude. Ein phantastischer Bau, umgeben von einem ebenso faszinierenden botanischen Garten, der sich in Terrassen bis auf das Dach des Gebäudes erstreckt und herrliche Blicke auf Weichsel und Stadt ermöglicht. Da er in den Touri-Führern nicht allzu oft erwähnt wird, ist der Garten ein schönes, grünes und nicht überlaufenes 'Fleckchen Warschau'.
    Danach: ein gemütlicher Bummel Richtung 'Royal Route', die vorbei an Palästen, Kirchen und überlebensgroßen Statuen berühmter Polen Richtung Alt- und Neustadt führt. Besonders interessant: Das Denkmal des polnischen Nationaldichters Adam Mickiewicz. Interessant vor allem deshalb, weil dieser Dichter der Romantik über die polnische Nation zu einer Zeit dichtete, zu der es diese gar nicht gab. Aber welche Epoche konnte nationale Sehnsucht besser in Worte fassen als die der Romantik. Das war ja auch das Ding so manchen deutschen Romantikers.
    Vor dem Bummel durch das historische Warschau aber gab es noch eine kurze Stippvisite im historischen Museum, das aktuell eine Foto-Ausstellung über das Warschau vor und nach dem Warschauer Aufstand präsentiert. Die Bilddokumente über die Zerstörungen im 'Jewish District', also dem Warschauer Ghetto, sind verstörend.
    Bevor es dann auf den touristischen Pfaden durch Alt- und Neustadt ( 16. Jhdt.) ging, gab es vor dem Museum eine kleine, aber köstliche Stärkung, u.a. mit unserem neuen Lieblingsgetränk Espresso Tonic auf Eis. Dazu frisch zubereitet und sehr innovativ: Polnisch-italienische Brote. Kultur und Esskultur sind eben doch nahe Verwandte, wie das kleine Bistro des Museums überzeugend nachwies!
    Die Alt- und die Neustadt haben wir dann gemächlich durchwandert. Es war nicht sehr voll, die Atmosphäre war sommerlich-entspannt. Ein Drehorgel-Spieler lieferte mit alten Melodien und schönem Bariton die passende Begleitmusik. Wir hatten viel Freude auf diesem Spaziergang. U.a. haben wir auch das kleine Restaurant entdeckt, in dem meine polnischen Kollegen und ich 1987 eingekehrt sind.
    Zum Schluss führte uns der Weg über die Weichsel hinweg in das oft empfohlene Stadtviertel Praga. Wir waren nicht sehr angetan. Denn es bestand im Wesentlichen aus einem schick renovierten ehemaligen Fabrik-Komplex, in dem früher u.a. Vodka hergestellt wurde und in dem nun die Schickeria bei Sushi und anderen international angesagten Kulinarika ihre Zeit verbringt. Nett anzusehen, aber sehr austauschbar. Allerdings gab es in Praga auch noch einige authentische Spuren des Vorkriegs-Warschau zu betrachten.
    Jetzt nach knapp 20 Kilometern Stadtspaziergang sind wir erschöpft, aber sehr zufrieden am WoMo.
    Gleich noch ein paar Pierogi und dann Kopfkissen!
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  • Warzawa, die zweite!

    24 августа 2024 г., Польша ⋅ ☀️ 30 °C

    Die Nacht war unruhig. Die polnische Eiche über uns hatte über Nacht beschlossen, ihre Eicheln auf uns abzuwerfen. Die umstehenden hohen Pinien taten es ihr mit ihren harten Zapfen gleich. Das war für unser GFK-Dach kein, für unsere Ohren und unseren Schlaf ein erhebliches Problem. Eine Art von Dauerbeschuss und eben auch eine Art von 'Dauer-Wecker'.
    Heute dann hochsommerliche 30 Grad, pure Sonne und erneut ein toller Stadtspaziergang (wieder ca. 18 Kilometer). Bei der Überquerung der Weichsel unter uns eine kleine, mitten im Fluss liegende Sandinsel. Auf dem feinen Sand, der jedem Nordseestrand Ehre machen würde, machten sich schon die ersten Warschauer bereit zum samstäglichen Sonnenbad. Das entsprechende Wasser-Bad in der Weichsel ließ man jedoch tunlichst aus. Mehr als die Füße wurde nicht benetzt und mehr gibt die Wasserqualität hier auch nicht her.
    Der weitere Weg war leicht zu finden: Der Libeskind-Tower Złota 44, mit 52 Stockwerken und 192 m das höchste Wohnhaus Europas, wies uns den Weg ins moderne Warschau, auf die Einkaufs- und Flaniermeilen im Zentrum der Stadt und zum Warschauer Kulturzentrum. Nach einem kurzen Blick auf das Technik-Museum ab ins Luxuskaufhaus des Vitkac- Zentrums. Yves Saint Laurent, Gucci, Giorgio Armani, Stella McCartney, Givenchy, Brioni, Dolce & Gabbana, dsquared2 und andere: Eine derart verdichtete Präsentation von Luxus-Marken sucht man in Berlin, Frankfurt, Hamburg oder Düsseldorf wohl vergebens. Auch München muss sich strecken. Und als Sahnehäubchen, nachdem Monika ein schickes Erinnerungsstück erstanden hatte, das Roof-Top-Restaurant, das uns bei erfrischendem Espresso-Tonic einen tollen Blick über Warschau bot.
    Danach Kulturpalast: Das alt- stalinistische Hochhaus erstrahlt in neuem Glanz, obwohl immer noch mächtig renoviert wird. Nebenan ein sehr belebtes und alternatives Jugendkultur-Zentrum. In dem gab es dann für uns ein verspätetes zweites Frühstück. Das Angebot war originell und vielfältig und entsprach in etwa dem, was man in Berlin in einem trendigen Hipster-Café erwarten dürfte. Die Wahl fiel schwer, gelang aber. Die Frühstückskarte liegt als Foto anbei. Im Schatten des Stalin-Towers und umgeben von jungen Menschen, war das ein ebenso gelungener wie notwendiger Zwischenhalt. Die hochsommerlichen Temperaturen forderten Tribut.
    Dann noch einmal Richtung Altstadtmarkt, vor allem aber zur Gedenkstätte für die beim Warschauer Aufstand gefallenen Polen, also dem Ort, an dem Willy Brandt mit seinem Kniefall das polnische Volk um Vergebung für die deutschen Verbrechen bat. In einem kleinen Park gelegen, nahebei ein schöner Springbrunnen und ein wenig abseits der touristischen Attraktionen, ist dies ein Ort, um inne zu halten.
    Abschließend dann noch durch einige Nebengassen der heute sehr quirligen Altstadt, ein Abschiedsbier, das hier in Polen immer schmeckt, und dann einige Kilometer entlang der Weichsel zum Bus-Stop.
    Morgen nach Kazimierz: Unterkunft am Polny Port, einem Campingplatz mit Yachthafen und inmitten des Weichsel-Naturparks.
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  • Genius loci

    25–27 авг. 2024, Польша ⋅ 🌙 23 °C

    Wir haben ihn gefunden, unseren Genius loci in Polen: Einen kleinen Ort, an dem ein Genius wohnt, der ihm eine besondere Atmosphäre, Einzigartigkeit und in der Abenddämmerung sogar etwas Mystisches verleiht. Wir stehen kaum zwei Meter vom Weichselufer entfernt, auf einer kleinen Halbinsel und inmitten einer der letzten völlig naturbelassenen Flusslandschaften Europas. Der nächstgelegene Ort ist Kazimiers Dolny, ein vor langer Zeit einmal bedeutender Weichselhafen. Hinter uns ein kleiner verschlafener Bootshafen und mit uns hier am weitläufigen Ufer noch ein weiterer Camper und - in einiger Entfernung - zwei Zeltnachbarn.
    Ansonsten Natur-Stille, also nur der abends auffrischende Wind, das Rauschen der Weide, unter der wir stehen, und das leise Glucksen des vorbeiziehenden Wassers. Ab und an ein vorbeiziehendes Boot. Nach den sehr aktiven Tagen in Warschau wohltuend!
    Zum späten Nachmittag noch ein Abendessen mit Carpaccio von Roten Beten, einem Pfannenschnitzel und einem leckeren Bier.
    Danach den Tag gemächlich auspendeln lassen.
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  • Kazimiers Dolny: Renaissance pur

    26–29 авг. 2024, Польша ⋅ ⛅ 26 °C

    Heute morgen war, so die Verabredung, Nichtstun angesagt. Monika kündigte dieses Agreement bereits frümorgens auf. Zunächst, indem sie durch unser Dachfenster im Heck die Weidenzweige kappte, die nächtens qietschend über das Dach strichen und den Nachtschlaf störten. Dann, indem sie - leistungsorientiert, wie sie ist - einem Freiluft-Fitness-Park zustrebte. Ihr zufriedenes Lächeln nach gelungenem 'work-out' machte mir klar, was demnächst auch bei mir wieder anstehen könnte!
    Nach kurzem Besuch beim Bäcker dann am grünen Ufer der Weichsel Frühstück. Mit dem frisch erstandenen Hefegebäck füllte ich die Kalorien auf, die Monika zuvor verbrannt hatte.
    Nach einigen Stunden des Lesens und Chillens dann hinein in das kleine Städtchen Kazimiers Dolny (der Zusatz 'Dolny' zur Abgrenzung vom gleichnamigen Stadtteil Krakaus). Es hat heute vielleicht knapp 3000 Einwohner, war aber seit dem späten 16. Jahrhundert über mehr als hundert Jahre eine wichtige Zoll- und Handelsstation. Aus dieser Epoche wachsenden Wohlstands stammen hier zwei imposante Renaissance-Kirchen, ein elegantes Rathaus, ebenfalls der italienischen Renaissance nachempfunden und mit einem sehenswerten Dachrelief geschmückt, zahlreiche Bürgerhäuser mit Wänden, die Jahrhunderten standhielten, gewaltigen Dächern und noch gewaltigeren Schornsteinen. Der Winter hier ist kalt. Kazimiers Dolny war in seiner Blütezeit neben Lublin das architektonische Zentrum der polnischen Renaissance. Über dieser historischen Kulisse thront auf einem grünen Hügel eine seit dem 13. Jahrhundert immer weiter ausgebaute Wehrburg mit frei stehendem Bergfried. Wir haben Hügel, Burg und Turm erklommen.
    Und überall hier Kobuty Dolny, eine Spezialität, ein Hefegebäck, das bei genauem Hinsehen einen stolz-gefiederten Hahn abbildet. Das Motiv, das im Ort auch zahlreiche Boutiquen, Galerien und die offiziellen Gebäude schmückt, verdankt sich einer Legende: Ein wachsamer Hahn, also das, was in Rom die kapitolinischen Gänse waren, rettete die Stadt, und zwar vor den Machenschaften des Teufels, der der aufstrebenden Stadt den Wohlstand neidete.
    Nach einem leckeren Bier auf dem 'mal nicht vollen Marktplatz werden wir bei untergehender Sonne den Grill aufbauen. Irisches Steak, polnische Gemüse und ein oder zwei Gläser deutschen Weins werden den Abend am Weichselufer mehr als erträglich gestalten.
    Nachdem wir in Polen so oft die Europa-Flagge gesehen haben, ist das unser deutsch-polnisch-irischer Betrag zum Gelingen der EU! Es endet der heutige Blog: Monika ruft zum wachtel'schen 18-Uhr-Termin!
    Der Rest des Abends: Idylle!
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  • Die nationale Pilgerstätte der Polen

    28–30 авг. 2024, Польша ⋅ 🌙 24 °C

    Gestern sind wir nach 350 Kilometern in Krakau angekommen. Hier ist ein angenehmer Campingplatz, stadtnah, im Grünen und sehr ruhig.
    Heute gibt es die Stadtbesichtigung. Sehr hohe Erwartungen neigen dazu, nie oder nur selten in Gänze erfüllt zu werden. Vorab: Krakau rechtfertigt seinen Status als Weltkulturerbe, als historisch-touristischer Hotspot voll und ganz. Der alte Markt, der wohl größte mittelalterliche Marktplatz Europas, die Tuchhallen, die hochgotische Marienkirche mit ihrem verzaubernden Inneren und dem einzigartigen Veith-Altar, der Wawel-Hügel mit Königspalast, Kathedrale und den Grablegen fast aller polnischen Heroen (nicht nur Könige, sondern auch Widerständler, Literaten und der bei einem Flugzeug-Absturz getötete Lech Kaczynski), all das beeindruckt. Aber zugleich macht Krakau als erste polnische Stadt unserer Tour auf mich den Eindruck, nicht nur von, sondern auch für den polnischen wie internationalen Torurismus zu leben. Viele historische Gebäude wirken, anders als in Thoruń, in Gdansk oder Warschau, in denen sie auch noch bewohnt sind, eher wie historisierende Kulisse. Und auch die Gastronomie verstieg sich zu Preisen, die wir so aus den anderen genannten Städten bisher nicht kannten.
    Eine etwas preiswertere kulinarische Besonderheit- die Amerikaner werden es nicht gern hören- ist der Bagel, der hier überall unter dem Namen 'Obwarzanek' angeboten wird, als solcher bereits 1394 in einem Dokument des polnischen Königshofs erwähnt wurde und als Krakauer Traditionsprodukt seit 2010 EU- weit geschützt ist.
    Krakau war doch eindrucksvoll.
    Der Eindruck des alles dominierenden Tourismus änderte sich, als wir in das ein wenig auswärts gelegene und jüdisch geprägte Viertel Kazimierz gelangten. Vor dem II. Weltkrieg war Krakau die viertgrößte jüdische Gemeinde in Polen.
    65 000 Krakauer Juden stellten 25% der Gesamtbevölkerung der Stadt. Sie lebten mehrheitlich in Kazimierz, einer ursprünglich von Krakau getrennten Stadt, die erst zu Beginn des 19. Jh. ein Stadtteil Krakaus wurde. Die Stadt, benannt nach ihrem Gründer, dem König Kazimierz dem Großen, war seit Ende des 15. Jh. und in Folge der Krakauer Pogrome (Ende 15. Jhdt.) Heimstatt der jüdischen Gemeinde. Da Polen, trotz dieser Pogrome, im damaligen Europa als ungewöhnlich toleranter Staat galt, siedelten über die Jahrhunderte hinweg hier zahlreiche jüdische Gruppen deutscher, italienischer oder auch spanischer Herkunft.
    Das immer noch zu spürende internationale Flair, die drei Synagogen, die vielen Namensschilder früherer Bewohner, die vielen hebräischen Inschriften zeugen davon, dass Kazimierz seit Mitte des 16. Jh. ein Zentrum jüdisch-intellektuellen Lebens war. Auch heute gibt es noch eine kleine jüdische Gemeinde, deren Jugend-Kultur-Zentrum mutig und offensiv für die Freilassung der israelischen Hamas-Geiseln eintritt. Eine der Synagogen durften wir besuchen. Danach bummelten wir durch das teils auch ärmliche Viertel, fanden zahlreiche kleine jüdische wie arabische Restaurants, alte Plattenläden, Handwerkerläden, Uhrmacher, sahen sehr viele junge Menschen, hörten auf einem Platz nahe der alten Synagoge Klezmer-Musik, tranken dort ein Glas (vielleicht) koscheren Weins. In diesem Viertel, nur wenige Gebäude waren renoviert, gab es ganz offensichtlich noch preiswerten Wohnraum für die vielen jungen Menschen, die neben einigen jugendlichen deutschen Reisegruppen das Bild des Stadtteils prägten.
    Danach dann aber doch noch ein Glas Wein auf dem so schick herausgeputzten Tuchmarkt, der nun weniger belebt war, und mit herrlichem Blick auf die Marienkirche. Zur vollen Stunde dann vom Turm der Kirche herab das Turmbläsersignal Hejnał, das musikalische Erkennungszeichen Krakaus.
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  • Good old Germany: Leipzig

    31 августа 2024 г., Германия ⋅ ☁️ 24 °C

    Die letzte Station der Ostroute unserer EastWestSideStory ist Leipzig. Der Step dorthin war mit gut 700 Kilometern recht ambitioniert. Aber Polens Straßen machen das möglich! Nach den ersten 200 Kilometern: Ein Déjà-vu für uns Ruhrpott-Kinder. In der Industrieregion von Katowice gab es doch tatsächlich noch betriebstüchtige Kohlekraftwerke, Kokereien und auch Stahlwerke. Wahrscheinlich werden die Polen hier alles in Betrieb lassen, demnächst modernste CO2-Capture-Storage-Technik anwenden und sich so die teuren Umwege ersparen, die wir in Deutschland zu gehen pflegen.
    Der Platz in Leipzig, ein Knaus-Campingpark, liegt stadtnah an einem See, bietet großzügig Platz und eine Waschbärfamilie, die sich gerne bei den Campern und deren Hinterlassenschaften bedient.
    Am nächsten Morgen waren wir nach 20 Minuten ÖPNV in Leipzig. Die Gebühr von 60 Euro für den 'freundlichen Innendienst' der Verkehrsbetriebe, den ein Schild in Bus und Bahn ankündigt, hätten wir fast 'berappen' müssen. Denn die nicht so freundliche App der Verkehrsbetriebe verweigerte leider bei Kontrolle ihren Dienst. Aber wir blieben hartnäckig und widersetzten uns. Leipzig ist schließlich die Stadt des friedlichen Widerstandes.
    Ganz eindeutig: Die Stadt hat Spaß gemacht!
    Zunächst der historische Bahnhof, um 1900 gebaut, mit einer Länge von 300 Metern und 27 Gleisen: Eine Kathedrale der ehemals durchaus funktionstüchtigen deutschen (genauer: preußisch-sächsischen) Eisenbahn.
    Dann das historisch so vielfältige Stadtbild von Leipzig. Um nur Weniges zu nennen:
    Die romanisch-gotische Nikolai-Kirche, die mit klassizistischem Innenschmuck, mit der Luther-Kanzel und natürlich mit ihrer herausragenden Rolle in 1989 glänzt.
    Die hochgotische Thomas-Kirche, u.a. mit der Bach-Grablege.
    Dann die zahlreichen Gebäude aus Renaissance und Barock, die prachtvollen Jugendstilfassaden und Jugendstil-Passagen bis hin zur Modernität der Universität und der vielen Büro-Hochhäuser. Nicht zu vergessen: Die geradezu phantastischen Innenhöfe, die es in fast unüberschaubarer Zahl gibt, die fast alle von Gewerben und weniger für den Tourismus (Berlin) genutzt werden und die zumeist mit herrlichem Jugendstil prunken und zum Verweilen einladen.
    Natürlich gibt es auch neben der BRD-Gegenwart Leipzigs eine ordentliche Portion DDR-Nostalgie, an die wir mit Rotkäppchen- Sekt im Hinterhof anknüpfen mussten.
    Zudem ist Leipzig Kulturstadt. Hier werden sogar Socken mit den Konterfeis deutscher Geistesgrößen (auf dem Foto leider Beethoven, nicht Bach) verkauft! An Kulturgütern sind ansonsten noch zu erwähnen:
    Zunächst der Auerbach-Keller, in dem der leibhaftige Goethe als Student zechte und in dem sein faustischer Mepisto zum ersten Mal den Versuch unternahm, dem Doctor Faustus die Seele zu nehmen, indem er ihn zu dem entscheidenden Satz verführen wollte: "Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön. Dann magst du mich in Fesseln schlagen." Nun, wir wissen, dass dieser Versuch in Auerbachs Keller fehlschlug! Wir haben auf einen Besuch des Kellers verzichtet. Das Restaurant erinnert doch in Optik und Speisekarte sehr an die übliche deutsche Rathauskeller-Gastronomie.
    Dann Johann Sebastian Bach, der Musikdirektor und Thomaskantor zu Leipzig. Sein Denkmal vor der Thomaskirche ist sehenswert!
    Und natürlich Gottfried-Wilhelm Leibnitz: Früher Aufklärer und Namensgeber der Leipziger Universität, dessen Statue den modernen Innenhof des Universitätshauptgebäudes schmückt. Sein zeitloses Werk könnte so manchem zeitgeistigen Moralisten der Berliner Politik eine durchaus pragmatischere Weltsicht eröffnen: Wenn er/sie ihn denn kennen oder - geschweige - gar einige Zeilen seines Werkes lesen würde/könnte!
    Zum Abschluss zu erwähnen ist der hypermoderne, weit überteuerte, architektonisch sehr gelungene, aber völlig überdimensionierte Kubus (Verwaltungs- und Redaktionsgebäude) des MDR, weitaus größer als das entsprechende Universitätsgebäude und sinnfälliger Beleg dafür, wie leichtfertig und teils sogar korrupt der MDR und der Öffentlich-Rechtliche-Rundfunk der Republik lt. Einschätzung des Bundesrechnungshofes mit den üppigen Zwangsgeldern seiner Gebührenzahler umzugehen pflegte. Aber was soll's?
    Für Leipzig halten wir fest: Die Stadt ist mehr als eine Reise wert!
    Jetzt geht's zunächst einmal nach Duisburg zu einem viertägigen Zwischenhalt. Dann in den Westen, Burgund, Périgord, Spanien und wohl Portugal warten auf uns!
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  • Pitstop und Start zur Westside

    5 сентября 2024 г., Германия ⋅ ☁️ 20 °C

    Ein Pitstop 'Duisburg' war erforderlich. Unsere Reifen hatten auf der Rückfahrt von Leipzig einen völligen Kollaps erlitten. Vier neue CrossClimate mussten innerhlb von zwei Tagen her. Das kostete Zeit, Nerven und einige Mühe. Aber nichts ist unmöglich. Das war Pitstop fast auf Formel-1-Niveau! Nebenher gab es Tennis mit unseren Mannschaftskollegen/innen, Gartenpflege, Wäschepflege und einen Abend mit Freunden.
    Heute morgen dann Aufbruch zu den 'neuen Ufern' von Europas Südwesten.
    Erstes Ziel in Frankreich: Lyon. Aber die ca. 700 Kilometer sind uns zu viel des Guten. Also erster Halt in der von uns so geliebten Mittelhardt ,der Region, in der Monikas favorisierte Rieslinge heranreifen. Die Weinernte hier hat bereits begonnen. Und die Arbeit macht offensichtlich durstig: Ein Traktor neben uns an der Tanksäule 'soff' 40 Liter!
    Wir stehen jetzt in Forst, direkt unterhalb des Forster Kirchenstück, dem lt. Kataster teuersten Weinberg Deutschlands.
    Bei strahlendem Sonnenschein ging es per pedes durch die berühmten Weinbergslagen von Forst und Deidesheim zum Deisesheimer Hof. Dort ein kleiner Imbiss, ein Riesling vom Reichsrat von Buhl und - auch wichtig - die Vorbestellung der Martins-Gans für unsere Männer-Weintour Ende November. Im Urlaub den nächsten Urlaub vorbuchen: Welch ein Luxus!
    Die Pfalz, speziell die Mittelhardt, ist mal wieder jede Minute wert. Sonne, kühlende Brise, Winzerdörfer und alte Winzerhöfe, guter Wein 'aller Orten', zudem leckeres Essen im Deidesheimer Hof, ein Abend mit sehr netten WoMO-Nachbarn aus Pinneberg und jetzt, zu später Stunde, ein heftiges Gewitter, das uns ins WoMo zwingt. Und des Nachts: Ein gewaltiges Zikadenkonzert. Man sagt völlig zurecht, die Mittelhardt sei die Toskana des Nordens.
    Morgen dann Frankreich!
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  • Lyon: Savoir vivre (lyonvivre)

    7 сентября 2024 г., Франция ⋅ ☁️ 26 °C

    Gestern über 600 Kilometer Wegstrecke nach Lyon. Zunächst durch das liebliche Elsass und längs der Vogesen, dann durch das Jura und das Comté: Eine schöne Tour.
    Der Campingplatz in Lyon ist stadtnah, die vier Sterne sind aber wohl nur dem Pool zu verdanken. Immerhin: In fußläufiger Entfernung ein kleines Restaurant, das uns des Abends verpflegte.
    Heute dann Lyon. Die Stadt war zu Zeiten Cäsars und der gallischen Helden A&O immerhin die Haupstadt Galliens, allerdings nicht ganz so berühmt wie deren kleines, widerständiges Dorf.
    Bisher war Bordeaux die Stadt meiner Wahl in Frankreich, und das nicht nur wegen ihrer Weine. Aber nun, nach sieben Stunden Stadtbummel, ist Lyon die Benchmark und setzt den Maßstab: Die historische Stadt scheint, wenn man sie zu Fuß erobern will, geradezu grenzenlos. Da ist rechts der Saône das Vieux Lyon, die Stadt des Mittelalters, mit zwei Kathedralen, zahllosen Gassen, mit den uralten, auch heute noch bewohnten Innenhöfen und Durchgängen (Traboules) und natürlich mit seinen in ganz Frankreich berühmten Bistros (Bouchons). Lyon gilt, wie wir erleben durften, als das pulsierende Herz der französischen Küche. Wer sich hier in Speisekarten vertieft, kann dabei verloren gehen.
    Über Vieux Lyon thront der Fourviere-Hügel mit einer Sacré-Coeur-ähnlichen Basilika aus dem 19. Jhdt. und dem galloromanischen Amphi-Theater (auf den Aufstieg haben wir verzichtet!). Dann zwischen Saône und Rhône die Presqu'île, der Stadtteil des 17. Jahrhunderts, mit breiten Boulevards, die heute z.T. prachtvolle Einkaufsmeilen sind, mit vielen Prachtbauten, repräsentativen Plätzen, Restaurants allerorten und den Boulangerien, die Brioche aux pralines anbieten (Brioche, gefüllt mit himbeer-rot-gefärbten, gerösteten Mandeln). Links der Rhône die Les Halles 'Paul Bocuse'. Und dann noch das Uhrenmuseum, das Marionettentheater, und, und, ... .
    Natürlich haben wir in der Stadt des Paul Bocuse in einem der Bistros gespeist. Unsere Wahl ist geglückt. In einem kleinen, etwas abseits gelegenen Bistro in Vieux Lyon gab es eine Pastete von der Gans mit einem Herz aus Foie gras, Seehecht in einer Bouillabaisse-ähnlichen Sauce, dazu geröstete Polenta und Zwiebel-Tempura, dann Humus mit glasierten Möhren, Bavette vom Boeuf und abschließend dreierlei Käse. Alles excellent! Und der Beaujolais Cru aus dem nahen Broully passte perfekt. Küche und Keller waren eines Bocuse würdig.
    Zum Abend hin zeigte die Welten-Uhr in der Kathedrale Saint Jean uns an: Die Zeit in dieser denkwürdigen Stadt neigt sich dem Ende.
    Inzwischen sind wir müde und glücklich retour. Leichter Regen hat eingesetzt, aber wir genießen die Gemütlichkeit unseres WoMos.
    Morgen dann ins Périgord.
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  • à travers les provinces françaises

    9 сентября 2024 г., Франция ⋅ ⛅ 22 °C

    Gestern ging es knappe 500 Kilometer abseits der Mautstraßen quer durch Frankreich.
    Unsere Route führte uns durch das Beaujolais, in steilem Aufstieg hinauf auf die nördlichen Ausläufer des Zentralmassivs, durch die Auvergne und den Parc Naturel Régional des Volcans, einen der größten Naturparks Frankreichs, dann zu einer Rast in dem kleinen Ort Saint Pourçain und von dort an Limoges und den zahlreichen Limousin-Rindern vorbei nach Brantôme ins nordöstliche Périgord Vert.
    Die Fahrt war kurzweilig, bot einige Passstraßen, eindrucksvolle Gebirgspanoramen, das eine oder andere, oftmals (romantisch?) dem Verfall preisgegebene Château und zunächst zahlreiche weiße Charolais-Rinder und dann, um Limoges, die braun gefärbten Limousin-Rinder. Die Fleisch-Zucht scheint ein einträgliches Gewerbe zu sein. Dank Monikas klugen Einkäufen in einer Boulangerie waren wir stets gut verpflegt.
    Zur Halbzeit der Tour eine wohlverdiente Pause in Saint-Pourçain-sur-Sioule, einer kleinen, aber historisch durchaus bemerkenswerten Gemeinde im Département Allier/Auvergne-Rhône-Alpes. Die Ursprünge der Stadt reichen bis in die Antike zurück. Sie rühmt sich, das älteste Weinanbaugebiet Frankreichs zu sein. Die fruchtigen Rot- und Roséweine aus Saint-Pourçain wurden im Mittelalter an königlichen Tischen serviert und erfreuten sich auch bei den Päpsten in Avignon großer Beliebtheit. Heute ist das kleine Städtchen fast in der Bedeutungslosigkeit versunken. Allerorten Verfall und leerstehende Häuser. Nur der alte Marktplatz, das Weinmuseum, zahlreiche schwarz-weiße Plakat-Photos und vor allem die wunderschöne romanisch-gotische Kirche Sainte-Croix, in der gestern der Diozösan-Bischof ein festliches Hochamt feierte und die mit einem fast einmaligen hölzernen Dachgewölbe aufwartet, bezeugen heute diese große Geschichte des kleinen Ortes. Und: Der Café au lait, genossen auf dem Marktplatz, direkt vor dem Hôtel de Ville, war klasse!
    Zum späten Nachmittag erreichten wir dann unser Ziel. Der Campingplatz liegt an dem Flüsschen Dronne. Wir stehen direkt am Ufer des schmalen Flusslaufs. Ab und an ziehen einige Kanus oder kleine Touristenboote vorbei, ansonsten herrliche Stille. Allerdings gehen die Temperaturen in den Keller. Trotz Sonne werden Mitte der Woche noch 18 Grad und nachts 5 Grad erwartet.
    Der Ort Brantôme ist von der Dronne umflossen, uralt und wegen seiner Abtei bekannt, die nach der Legende im Jahre 769 von Karl dem Großen gegründet wurde. Der Altarraum der alten Kirche befindet sich in der Höhle einer Klippe, die an die Dronne grenzt. Ihr Glockenturm ist der Älteste in ganz Frankreich. Morgen (oder übermorgen) werden wir das alles besichtigen.
    Heute ist Faulenzen angesagt. Der Platz verlockt dazu mit der Dronne ebenso wie mit dem großen, gepflegten Pool. Es ist Nachsaison. Außer uns stehen hier nur noch einige Engländer, Niederländer und Franzosen.
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  • Périgord vert

    10 сентября 2024 г., Франция ⋅ ☀️ 20 °C

    Gestern Abend gab es noch einen kleinen Spaziergang ins romantisch beleuchtete Brantôme. Und, quelle surprise, wieder einmal führte uns der Weg zu einem netten und diesmal sehr einfachen Restaurant. Mein Eindruck: Für Gourmands. Aber weit gefehlt, auch Gourmets kamen hier auf ihre Kosten. Auf unserem Tisch: Ein einfacher, aber leckerer Bergerac sec, eine gewaltige Scheibe Foie gras de Canard mit Aprikosen-Purée, Blätterteig-Pastete, gefüllt mit Kalbfleisch, Morcheln und Steinpilzen, ein knuspriges Confit von der Entenkeule, dreierlei Käse und ein Montbazillac. Um Monika zu zitieren: Martin auf Wolke 7 zum Quadrat.
    Heute gab es dann einen ausführlichen Blick auf und in die Abtei von Brantôme, gegründet im 8. Jhdt. von Charlemagne, der auch die Reliquien des heiligen Sicarius, eines kindlichen Märtyrers, spendete. Solcherlei Reliquien füllten in mittelalterlichen Zeiten die Schatullen der Mönche. Die folgten zunächst frommen Einsiedlern und lebten, wie die Einsiedler, in den Höhlen der Kalkstein-Klippe, die sich über der Dronne erhebt. Später dann, dank sprudelnder Einnahmen, wurde gebaut. Allerdings machten marodierende Wikinger 100 Jahre später alles dem Boden gleich. Im 11. und 12 Jhdt. dann ein prachtvoller Wiederaufbau, von dem bis heute der romanische Glockenturm, immerhin der älteste Frankreichs, erhalten geblieben ist. Erwähnenswert: Dieser Turm ist weithin sichtbar, obwohl nur 15 Meter hoch. Des Rätsels Lösung: Er steht nicht, wie üblich, vor der Kirche, sondern auf einem Kalkfelsen weit oberhalb des Kirchenschiffs. So spart man Baumaterial und hinterlässt, ganz im Sinne der Neuzeitigen, einen kleinen ökologischen Fußabdruck. Dennoch: Die Mönche des Mittelalters wussten, wie und wo sich das französiche 'savoir vivre' verwirklichen lässt. Dank der zahllosen Pilger und deren Spenden, man hatte kostbare Reliquien und lag am Jakobsweg, sieht man noch heute gewaltige Treppenhäuser, große Säle, eine prachtvolle Kirche. Hinzu kommt die herrliche Lage direkt am Fluss und in einer Gegend, die für ihr gemäßigtes Klima berühmt ist. Auch der 'Lust'-Garten der Mönche zeugt von deren Lebensart. Im historischen Ambiente diese Lustgartens steht heute ein romantisches Vier-Sterne-Hotel, dessen Küchenchef immerhin stolze zwei Kochmützen beim Gault Millau erkocht hat. Hier lässt sich lustwandeln. Wir können das bestätigen!
    Die Höhlen, in denen die ersten Mönche siedelten, sind auch heute noch zu sehen, aber leider nur von außen zu besichtigen.
    Ein Grund: Die Abtei ist seit der französischen Revolution säkularisiert. Die Höhlen dienten seitdem teils als Forellenzucht, teils als Steinbrüche. Inzwischen müssen sie neu gesichert werden. Allerorten drohen Felsstürze. Andere Teile des Klosters beherbergen heute die Mairie und einige Kunstausstellungen. Alles sehr sehenswert!
    Nach 'getaner Arbeit', die uns wie immer kaum schwer fällt und schwer fiel, ein Einkauf französischer Leckereien. Heute Abend gibt es kalte, aber sicher essenswerte Küche am Ufer der Dronne.
    Morgen: Die Hauptstadt des Périgord, Périgueux.
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  • Standortwechsel

    11 сентября 2024 г., Франция ⋅ 🌧 18 °C

    Regentropfen, die auf dein Dach da klopfen, ... : Damit begrüßte uns der heutige Tag und er wollte das auch partout nicht ändern. Also fuhren wir durch das wolkenverhangene Périgord vert in Richtung unseres neuen Campingstandortes, der leider gut 9 Kilometer abseits von Périgueux liegt. Komoot bietet allerdings eine mit insgesamt nur 160 Höhenmetern recht altersgemäße Radtour zur Kathedrale der Stadt an. Morgen heißt es also: In die Pedale treten.
    Der Weg heute bot uns einen attraktiven Zwischenhalt, nämlich das kleine Dorf Bourdeilles und dessen gewaltige Festung, das Château de Bourdeilles. Mit Regenjacke und Schirm 'bewaffnet', machten wir uns auf zur Burg. Hohe Mauern, ein mächtiger Donjon, der Wehr- und Wohnturm zugleich war, und ein imposanter rechteckiger Wohntrakt. In dem nächtigte dereinst Karl IV. von Frankreich, auch der 'Schöne' genannt. Sehr viel später wurde der Bau für Katharina von Medici, die hier zeitweilig lebte, im Renaissance Stil umgestaltet. Und, um der Vollständigkeit die Ehre zu geben: Auch Eleonore von Aquitanien, die mächtigste Frau des europäischen Mittelalters, verbrachte Monate in dieser Burg. Und diese Burg steht heute noch, und zwar unerschütterlich! Die heutigen Architekten könnten sich ein Beispiel an der Nachhaltigkeit mittelalterlicher Baukunst nehmen. Die haben damals für Jahrhunderte gebaut!
    Zu Füßen der Burg das kleine Dorf und das sehr malerische, weil tief eingeschnittene Flusstal der Dronne. Eine romantische Kulisse! Manche der Häuser sind sogar in die Strömung des kleinen Flusses hineingebaut, dann aber, wie ein Schiff, mit spitz zulaufendem Bug.
    Der Besuch der Burg war auch deshalb besonders reizvoll, weil dort weder Schirm noch Regenjacke vonnöten waren.
    Nach der Besichtigungstour gingen wir hinunter ins Dorf in eine kleine Bar der Hostellerie 'Donjon' und aßen eine köstliche Galette mit 'fromage et jambon'. Die Bar hatte Charme (siehe das fotografierte Aquarell)!
    Inzwischen sind wir auf dem Campingplatz eingetroffen. Der Standort hat gewechselt, das Wetter ist geblieben.
    Morgen und auch für die nächsten 6 Tage ist wieder Sonne angesagt.
    Der Campingplatz schließt Sonntag. Man merkt es ihm und dem Personal an, alles und alle schon ein wenig 'abgenutzt'. Interessant ist allerdings, wie sehr im Sanitär- und Poolbereich die Bedürfnisse der Kinder angesprochen werden. Während Juli/August ist das hier wohl ein Paradies für junge Familien.
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  • Hauptstadt mit 30 000 Einwohnern

    12 сентября 2024 г., Франция ⋅ 🌙 13 °C

    Heute Morgen waren es 11 Grad, im Plus-Bereich. Wir wollen nicht klagen, denn es scheint eine Art Wintersonne vom makellos blauen Himmel. Bei diesen Temperaturen sind wir nicht, wie geplant, mit dem Fahrrad, sondern mit dem WoMo nach Périgueux. Es gibt einen großen Stellplatz direkt an der Isle und in nur 800 Metern Entfernung zur Altstadt.
    Jetzt im September ist Nachsaison. Die Zahl der Restaurants und der inzwischen z.T. geschlossenen Hotels und Hostels lasssen erahnen, wie touristisch es hier im Juli/August zugeht. Jetzt aber erobern die Périgourdins, wie sich die Bewohner dieses Landstrichs selbst nennen, ihre Hauptstadt zurück. Gelassenheit, Ruhe und Gemächlichkeit scheinen das Leben nun zu prägen. Wenn man genau das wünscht, ist man hier und jetzt genau richtig. Wir erlebten einen Touristen-Magneten fast gänzlich ohne Touristen. Dennoch sind fast alle Restaurants geöffnet, man findet problemlos einen guten Tisch, eine nette Bedienung und ein gutes Essen. Wir wurden dieses Mal an den Les Halles von Périgueux fündig. Zum Mittag gab es einfache Kost: Je zwei Saucisses de Canard aux Lentilles, danach zum Café eine Tarte. Es passte alles perfekt. Nicht nur das Essen, auch die Sonne wärmte!
    Die Stadt ist malerisch. Es gibt viele kleine Gassen, fast alle Häuser im typischen Périgord-Stil mit ihren dicken Naturstein-Mauern, Türmchen, Erkern, Kalkstein-Dächern. Alles schön anzusehen und mit dem Charme des südwestlichen Frankreichs. Dann die geradezu gewaltige romanische Basilika aus dem 11./12. Jahrhundert, deren romanische Kuppeln allerdings im 19. Jahrhundert vom Archtitekten von Sacré-Cœur mit eher unpassenden 'Türmchen im Zuckerbäcker-Stil' gekrönt, manche sagen, verunstaltet wurden.
    Heute zum späten Nachmittag genossen wir dann noch ein Sonnenbad an der Pool-Landschaft des Campingplatzes. Für ein Bad war es zu kühl. Das Klima aktuell ist Erfrischung genug!
    Morgen nach Lascaux und zur sixtinischen Kapelle der Cro-Magnon-Menschen.
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  • Périgord noir

    13–15 сент. 2024, Франция ⋅ 🌙 11 °C

    Ein Step von lediglich 60 Kilometern und wir erreichten Montignac-Lascaux im Périgord noir. Die Ortsschilder hier weisen eine skurrile Besonderheit auf: Beim Ortseingang stehen die Ortsnamen auf dem Kopf, beim Verlassen sieht es 'normal' aus. Die Landschaft gewinnt immer mehr Charakter. Die Flusstäler sind tiefer ausgeschnitten, die Hügel höher und ab und an sehen wir auch die ersten Weingärten.
    Der Campingplatz in Montignac: Hervorragend! Mit Innen- und Außenpool, kleinem See, großen Stellplätzen, 500 Meter zur Altstadt, dicht an der Vézère und ca. 1500 Meter zu den Höhlen von Lascaux. Neben uns einige freundliche Engländer, die hier die Mehrheit der Touristen stellen, und ein nettes Paar aus Viersen. Niederrhein ist allerorten!
    Montignac ist ein größeres Dorf, aber diese Gemeinde ist quicklebendig. Wieder begegnet uns das typische historische Siedlungsbild des Périgord, aber hier sind wirklich alle Häuser bewohnt, die Straßen und Gassen nach Schul-Schluss voller Kinder und Jugendlicher. Eine sehr nette Deutsche mit israelisch-englischer Lebensgeschichte, die seit ca. 35 Jahren hier lebt, bestätigte unseren Eindruck. Trotz Landflucht mancher junger Menschen sei dieser Teil des Périgord jung, lebendig und voller Zukunft. Zu Tourismus, Land- und Bauwirtschaft kämen so manche kulturell bewegten Aussteiger, vor allem Engländer, die hier spirituelle Zentren, z. B. des Buddhismus, gründeten und dabei durchaus Geld mitbrächten.
    Der Ort Montignac ist wirklich schön. Der alte Teil klebt an den Kalkstein-Klippen oberhalb der Vézère (den haben wir uns noch gar nicht angeschaut!), der jüngere Teil des Dorfes, auch schon zwei Jahrhunderte alt, erstreckt sich an der rive droite und ist nicht weniger schön. Wir unternahmen dort einen kurzen Spaziergang und erwarben schon einmal Walnuss-Öl, Blocs de foie gras de canard et de oie, einige Pasteten und Rilettes. Manches für den Verzehr auf der Tour, einiges für das heimisch-kulinarische Überleben. In einer der pittoresken Gassen des Dorfes fanden wir eine kleine Gedenktafel, die an Marcel Ravidat erinnert, einen der vier jungen Männer, die die jungsteinzeitlichen Malereien der Lascaux-Höhle am 12. September 1940 entdeckt haben.
    Heute Abend dann ein Dinner, das in Erinnerung bleiben wird. Für mich Foie gras mit Meringue aus Eiweiß und Ingwer, dazu Feigenbrot und kleine Früchte, danach eine Roulade von der Caille (der Wachtel!), gefüllt mit Foie gras und dazu rote Bete, kleine eingelegte Zwiebel und rote Bete-Mousse. Monika hatte Confit vom Lachs mit geeistem Fenchel, danach Confit von der Ente. Das Essen war nicht nur köstlich, sondern, wie die Fotos belegen, eine Augenweide: Kulinarik auf Sterne-Niveau. Aber hier, im Périgord, darf man so etwas fast erwarten. Die Preise? Etwa das, was bei uns in Duisburg ein mittelprächtiger Italiener zu verlangen pflegt. Nach den Tagen hier verbietet sich, zumindest nach unseren letztjährigen Erfahrungen, all das, was man in Griechenland anzubieten wagte!

    Auf dem Heimweg vom Essen dann noch ein Blick auf den hiesigen 'Nationalsport' Rugby. Unter Flutlicht hatten die hiesigen Athleten um die 200 Zuschauer. Speziell beim 'Ruck' zählte allerdings eher Masse als Athletik. Aber alle auf dem Feld und auf den Rängen waren 'in der Sache bewegt'.
    Jetzt noch ein wenig Ausklang in den eigenen vier Wänden.
    Morgen zunächst auf den Wochenmarkt hier, dann 12.30 Uhr in die Höhlen von Lascaux. Wir sind gespannt.
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  • Schwelle zu einer anderen Welt

    14–17 сент. 2024, Франция ⋅ 🌙 13 °C

    Wer die Höhlen von Lascaux betritt, tritt über eine Schwelle zu einer anderen, einer 40.000 Jahre vergangenen Welt. Die Felszeichnungen der jungsteinzeitlichen Cro-Magnons sind zwar nicht im Original zu erleben, aber dennoch vermittelt das Faksimile, das die Franzosen bis auf Bruchteile von Millimetern genau in die Klippen von Lascaux hineingebaut haben, einen Blick in diese Welt. Schon nach wenigen Schritten wähnt man sich in der Original-Höhle, u.a. auch, weil wir die Höhle mit nur wenigen Besuchern teilen mussten. Und dann: Auf knapp dreihundert Metern Höhlenlänge, im Saal der Stiere, in der Apsis, im 'Schiff' und im Seitengang der Raubtiere sehen wir 2000 gemalte oder geritzte Tierzeichnungen und eine einzige Menschendarstellung. Am meisten beeindruckend: Der Saal der Stiere. Ein über fünf Meter hoher Stier, dazu zwei Auerochsen, begleitet von zehn Wildpferden und einem mysteriösen Tier, das an ein Einhorn erinnert. Vielleicht nahm der Mythos vom sagenumwobenen Einhorn hier seinen Anfang.
    Wenn man diese authentischen, aber von den Details der Wirklichkeit abstrahierenden Zeichnungen sieht, die durch feinste Wiederholung von Umrissen sogar Bewegung zu suggerieren vermögen, dann fühlt man sich tatsächlich an die Abstraktionen des frühen 20. Jahrhunderts erinnert, mit denen die Klassiker der Moderne die Malerei revolutionierten. Man nehme nur die späten Impressionen Picassos zum Stierkampf, vom Meister mit schwarzer Tusche auf weißes Papier geworfen. Sieht man die Konturen der Höhlen-Maler, glaubt man zu ahnen, dass Picassos Inspiration aus der Kunst der Naturvölker oder dieser Jungsteinzeitler stammt.
    Zusätzlich zu dem Höhlen-Faksimile bietet Lascaux IV phantastische Erklärungen oder tolle Möglichkeiten, sich selbst - allerdings an Laptops - z. B. als Steinzeitkünstler zu erproben. Monika reüssierte dabei. Auch erwähnenswert: Das Klima in den nachgebauten Höhlen ließ uns frieren wie dereinst die Steinzeitmenschen.
    Vor dem Besuch von Lascaux IV:
    Heute Morgen ein Bummel über den kleinen Markt und Einkauf von etwas Käse.
    Nach Lascauc IV: Einkauf von Confiture de Cochon und Paté de Canard au Montbazillac und anderen Leckereien. Zur Belohnung ein kleines Glas 'Noir de Cerf' in der Bar unserer Wahl. An der Theke der Bar eine Vereinigung junger Männer aus dem Dorf. Alle waren bestens versorgt mit Pastis. Ohne zu übertreiben: Die Luft um die Jungs war gesättigt von dem Lakritz-Duft ihrer Getränke.
    Die frisch erworbenen Leckereien gibt's heute Abend im WoMo. Außerhalb des WoMos ist trotz eines durch und durch sonnigen Tages ab 19 Uhr Frieren angesagt.
    Vor dem Abendessen gab es noch ein sehr kurzweiliges Gespräch mit sechs Engländern, die, wie wir, die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages genießen wollten. Die Nacht wird garstig kühl.
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  • Périgord *noir: Montignac->Sarlat

    15 сентября 2024 г., Франция ⋅ ☀️ 22 °C

    An sich wäre der heutige Tag unter der Rubrik 'Fahrtag' abzubuchen. Bei den kleinen Distanzen, die wir uns hier vornehmen, sind Fahrtage aber eher Auto-Wandertage oder Sightseeing-Erlebnisse. Heute also von Montignac nach Sarlat und das über kleine, oft einspurige Straßen, immer eng an der Vézère entlang oder aber tief hinein in das Ufergebirge des Flusses. Und allerorten kleine Burgen oder sog. Gentilhomières, Herrenhäuser oder Burgen des 'kleinen' Landadels. Dann wie Perlen an einer Kette schmucke Dörfer. In einem der kleinen Weiler die Hostellerie 'Himalaya', komplett ausgebucht. Sie ist eines der buddhistsischen Zentren, von denen uns in Montignac ja schon berichtet wurde. Das mäßig originelle Motto des "vivre libre" verbunden mit buddhistischer Religionsromantik ködert offensichtlich auch heute noch.
    Ebenfalls prägend für das Périgord noir ist die 'Élevage des Granges: Vente directe' , Gänsefarmen, in denen die Tiere in Freilandhaltung leben können und die allerlei Köstlichkeiten von der Gans anbieten.
    Zudem immer wieder die hell leuchtenden Kalkklippen an den Ufern der Vézère, in deren Höhlen unsere menschlichen Vorfahren, seien es die Neandertaler oder der frühe Homo sapiens, Heimstatt fanden. Deshalb auch immer wieder der Hinweis auf prähistorische Fundstätten, Museen, etc. Die Prähistorie ist so omnipräsent, dass sie es sogar auf die Briefkästen der gegenwärtigen Bewohner geschafft hat.
    Unser heutiger ausführlicher Zwischenstopp war Saint Leon sur Vézère, eines der vielen Dörfer, die hier zum Verweilen einladen. Besonders erwähnenswert: Eine alte Burg, der Donjon aus dem 12. Jahrhundert. Das Herrenhaus stammt im wesentlichen aus dem 15. Jahrhundert. Neben schön ausgestatteten Räumen der Herren von Saint Leon gibt es u.a. einen Salle de justice mit Monika in Amt & Würden, einen Weinkeller, einen kleinen Lustgarten mit einer über 300 Jahre alten Zeder und einen Dachstuhl, 900 Kilogramm schwer und, obwohl aus dem 14. Jahrhundert, immer noch funktionstüchtig. Zudem ist dort eine der ältesten Kirchen, die ich je gesehen habe. Teile stammen aus dem 10. Jahrhundert, sind also aus vorromanischer Bau-Epoche. Im Ort schmale Gassen, nette Cafés, eines von einem Künstlerehepaar betrieben, das den New Yorker Skulpturenpreis gewann. In letzterem gab es für uns einen Café und ein leckeres französisches Baguette-Sandwich. So verstrich der Tag. 60 Kilometer Strecke und alles in allem mehr als 7 Stunden unterwegs. Das Périgord noir verzaubert.
    Jetzt stehen wir auf einem sehr gut ausgestatteten und - wie alle Plätze hier - nicht sehr teuren Platz, mit Innen- und Außenpool, Tennisplatz und nur 900 Meter entfernt von Sarlat, der heimlichen Hauptsatdt des hiesigen Landstrichs.
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