Verpasste Chance? Hören auf Bauchgefühl!
17–18 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ 🌬 24 °C
Wir haben uns ja gestern vorgenommen, dass wir heute früh aufstehen. Sagen wir so, das hätte auch fast geklappt. Christian hatte gestern Abend schon ein wenig Kopfschmerzen und war sich sicher, dass diese auch ohne die von mit empfohlene Tablette bis heute morgen bestimmt verschwunden sein würden. Auch das hätte fast geklappt. Wir überlegen im Halbschlaf, ob wir uns aufraffen, um uns mit einer Menge anderer früher Würmer in einen Shuttlebus zu quetschen und Bella in einem kühlen Freddie zurückzulassen. Das klingt leider so gar nicht verlockend. Wir merken einfach immer mehr, dass wir uns in den letzten 10 Wochen (waaaaas, so lange sind wir schon unterwegs?!) in unserer kleinen Bubble und in der Weite des Nichts ganz schön wohl fühlen. Einzelne Tage mit Begegnungen von Paaren oder anderen Reisenden sind vollkommen fein. Aber an so touristischen Orten, die vollgepackt sind mit Menschenmassen, fühlen wir uns schnell überfordert. Uns ist natürlich total klar, dass wir selbst genauso Touristen sind, die an genau dem Ort sind, um mal zu gucken.
Wir kuscheln uns nochmal ein und genießen das Vogelgezwitscher Konzert. Wie schön so viele Vögel zu hören, das war in den letzten Wochen ein bisschen weniger geworden, sobald aber ein Fluss in der Nähe ist, gibt es auch wieder ein bisschen mehr Fauna. Bis elf Uhr müssen wir unseren Campingplatz frei gemacht haben. Ein kleines Stimmchen im Hinterkopf meldet sich zwischenzeitlich nochmal, ob wir nicht doch noch ganz schnell machen, uns einen schattigen Parkplatz suchen und einfach mal mit dem Shuttle Bus die kurze Strecke zum Ende des Canyons und wieder zurücknehmen sollten (20km). Irgendwie fühlen wir es einfach wirklich nicht. Wenn wir die Option „Bella im Auto lassen, selbst im Shuttle sitzen, zwischendurch vielleicht raushüpfen und Fotos machen und dann weiter fahren“ abwägen gegen „mit Bella in Freddie mit offenen Türen kuscheln, gemütlich draußen mit Ausblick auf die Berge Kaffee trinken und Eidechsen und Vögeln zuschauen, zusätzlich darauf warten, dass die Kopfschmerztablette wirkt“ dann fällt uns die Entscheidung beiden nicht schwer. Wir werden also die Zeit, die wir den Platz nutzen dürfen, voll auskosten und dann können wir ja schauen, ob wir am Visitor Center parken und dann noch einmal den Trail von gestern gehen.
Die Zeit vergeht recht flugs und wir sind fein damit die Chance verpasst zu haben. Ich bin froh, dass unser beider Bauchgefühl mal wieder ins ähnliche Horn geblasen hat, das ist ja nun auch nicht selbstverständlich. Bevor wir vom Campingplatz runterfahren, rollen wir noch zur Entsorgungsstation um Abwasser- und Pippi-Kanister zu leeren. An der Station angekommen warten wir erstmal eine viertel Stunde, bis die beiden Vorgänger, deren Tank schon lange leer ist, ihre seelenruhige Unterhaltung beendet haben und beiseite fahren. Naja, wir haben ja Zeit.
In der Nähe des Parkplatzes sehen wir schon einzelne Autos ihre Runden ziehen und auf eine Lücke geiern und uns vergeht die Motivation mit Bella den Trail von gestern nochmal zu gehen. Der Parkplatz ist rappelvoll, die Menschenpulks stehen in kleinen Abständen zueinander und von der Schlange an den Shuttles wollen wir gar nicht reden. Jetzt stellt sich bei uns der Gedanke „einfach nur raus hier“ ein. Christian hatte im Vorhinein auf der Maps-Liste der Kongs bereits gesehen, dass der „Belly of the Dragon“ eine kurze nette Wanderung, nicht allzu weit entfernt und hundefreundlich, ein gutes Zwischenziel für den Tag wäre. Wir brauchen zwar noch eine gute Stunde, bis wir aus dem Park raus sind, werden dann aber wieder auf einen leeren Highway gespuckt und können das Fahren wieder richtig genießen.
Kurz nach Mittag kommen wir am „Belly of the Dragon“ an. Auf dem Parkplatz unterhalten wir uns mit einem netten Mann aus Idaho und machen uns währenddessen watschelfertig. Unsere Wander-App sagt uns, dass wir hier 3 Kilometer entspannt spazieren gehen können. Für die Strecke packen wir nur leichtes Gepäck, ein paar Bella-Beutel, Sonnenhüte und Kamera. Der Einstieg des Trails ist der „Drachenbauch“, ein Durchbruch im Sandstein, der unter dem wenig befahrenen Highway durchführt. Man versteht auf jeden Fall, warum dieser so heißt; man fühlt sich ein wenig, als würde man durch den Magen eines riesigen Feuermonsters laufen. Als wir in das Licht hinaus treten, finden wir uns in einer mal wieder wüstenähnlichen, bergigen, sandigen Landschaft wieder und watscheln in einem ausgetrockneten Wasserbett drauf los, nach kurzer Zeit stehen wir vor einer Felswand und überlegen, ob der Trail hier schon zu Ende ist. Ein kurzer Blick auf Christians Handy verrät uns, dass wir einen versteckten Trampelpfad nach oben steigen und dann noch „endlos weiter“ laufen könnten. Na hätten wir das vorher gewusst, hätten wir uns ordentlich was zu Trinken mitgenommen und wären eine richtig große Runde gelaufen. Es ist super schön hier, aber wir nehmen uns vor, nach einer viertel Stunde kehrt zu machen, um der Dehydration entgegen zu wirken. Gesagt, getan, sind wir eine Dreiviertelstunde später wieder an Freddie, schnabulieren einen Apfel und ein paar Mandarinchen und machen uns auf den weiteren Weg.
Unser nächstes Ziel ist eine Slot-Canyon Wanderung, die wir morgen oder übermorgen angehen möchten, bevor wir dann den bekannten Horseshoe Bend und danach den Grand Canyon anfahren wollen. Auf dem Weg liegt die Kleinstadt Kanab, wo wir bei einem Lebensmittelgeschäft anhalten, um ein bisschen Frischkram aufzufüllen. Außerdem machen wir einen kurzen Stopp bei einem Bekleidungsgeschäft, das mit Vans wirbt. Da Christians Checkerboards mittlerweile recht löchrig sind, kauft er hier ein neues Paar. Perfekt!
Wir sind mittlerweile ein wenig hungrig und gönnen uns bei „Big Al’s at the Junction“ zwei Burger, Pommes und als Nachtisch unglaublich gute Shakes. Die Shakes sind eher Softeis, für mich gibt es einen Coffee-Shake und für Christian einen Cheesecake Shake. Hier soll ich auf Wunsch von Christian noch beschreiben, dass auf seinem Shake nicht nur ein Stückchen Käsekuchen war, nein! Im Shake war der Hauptteil eines ganzen Kuchenstücks püriert und mit dem Softeis vermischt! Kurz gesagt, Christian war Fan 😉 Aber auch mein Coffee Shake war wirklich zum Dahinknien und ich bin für Süßes normal nicht so zu begeistern. Im vollsten Zuckerrausch machen wir uns anschließend zufrieden und pappsatt auf den Weg einen Stellplatz in der Nähe des Buckskin Gulch Slot Canyon zu finden. Da hier fast überall das, uns ganz schön ans Herz gewachsene, BLM Land ist, ist die Auswahl riesig. Wir biegen auf eine Sandpiste ab und befinden uns mal wieder in einer anderen Welt. Der Bereich, den wir grade durchfahren gehört zum „Grand Staircase Escalante National Monument“ einem Naturschutzgebiet, das die letzten Tage immer wieder unsere Strecke säumt. Wir fühlen uns hier in diesem Bereich ein wenig an die Mesa des Petrified National Forest erinnert und genießen das über die Pisten ruckeln und zuckeln trotz der Staubpanade, die wir ganz umsonst mitnehmen.
Leider finden wir direkt hier nicht wirklich einen Stellplatz, den wir beide fühlen, also geht es nochmal eine Stunde durch die Natur. Es könnte Schlimmeres geben. Wir kommen an einer weiteren Stichstraße an und finden nach kurzer Zeit einen tollen Stellplatz auf einem Hügel mit einer tollen Weitsicht. Hier bleiben wir. Angekommen wird erstmal dem roten Staub, der seinen Weg auch durch die kleinsten Ritzen geschlossener Türen und Fenster Freddies findet, der Kampf angesagt. Vergebene Liebesmüh, da die frische Brise innerhalb von 10 Minuten wieder alles bepudert hat. Aber es ist okay, wir gehen einfach eine Symbiose mit der Existenz des Staubs ein und sind dankbar dafür, dass durch die Trockenheit keinerlei Mücken oder Geviechs in der Nähe sind.
Da wir beide auch den Rest des Abends nicht mehr hungrig werden, gibt es kein Abendessen. In der Dämmerung gehe ich noch eine Runde mit Bella und Christian packt unser Teleskop aus und versucht mit Hilfe des Stativs und seinem Handy ein Foto vom Mond zu machen. Nach eine guten halben Stunde Ausrichten und Probieren entsteht ein ganz schön cooles Bild.
Für den Rest des Abends steht das Korrigieren von Berichten, Aussortieren hunderter Fotos der letzten Tage und das Bearbeiten dieser auf dem Plan. Außerdem sind schon wieder drei weitere Tage vergangen, die wir schriftlich reflektieren wollen. Nachdem Jan- Philipp sich gewünscht hat, dass Instagram ein bisschen mehr bestückt wird, dachte ich mir vor drei Tagen, dass das bestimmt eine nette Ergänzung wird. Bisher habe ich es nicht wirklich gefühlt und nachdem ich jetzt um 22 Uhr auf mein Handy schaue, sagt es mir, dass ich heute über 5 Stunden mit Foto-Apps, Instagram, Find Penguins und unserer Stellplatz App verbracht habe. Und heute habe ich nicht Mal mehr einen Bericht geschrieben, die meisten Fotos habe ich auch am Laptop bearbeitet (die Zeit kommt also noch oben drauf). Heute bin ich ein bisschen frustriert, dass ich mich unterschwellig mit der Zeit doch darin verliere, die Reise auf mehreren Plattformen festhalten zu wollen. Verpasse ich dadurch nicht zum Teil auch ein wenig die Eindrücke selbst? Damals, als ich auf dem Jakobsweg war, hatte ich nicht Mals mehr einen Fotoapparat dabei und mein Handy habe ich auch nicht zum Fotografieren benutzt, lediglich ein Tagebuch hat mich begleitet und immer noch habe ich bunte und zauberhafte Erinnerungen an diese Reise. Mal schauen, ob Instagram bald wieder eher brach liegt. Ich hoffe, dass ich für mich einen Weg finde, diese Erinnerungen nicht für andere, sondern hauptsächlich für uns festzuhalten (es ist natürlich total schön euch mitnehmen zu können, doch sollte das nicht an erster Stelle stehen, ihr versteht schon).
Auf jeden Fall gehe ich ein wenig geknickt ins Bett, weil ich mich ein wenig in dem ganzen Gebummsels verloren habe, eigentlich immer noch zwei Berichte warten, ich aber einfach absolut keinen Bock habe, mich um zehn Uhr abends noch an einen davon zu setzen. Also mache ich mich bettfertig und Christian tippt einen weiteren Bericht für heute, während ich recht wühlig einschlummere.Leia mais
Kurze Entdeckerpause
18–19 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ 🌬 25 °C
Heute morgen werden wir an unserem Plätzchen auf dem Hügel wach. Ich fühle mich ein wenig hin und her gerissen. Wir haben gestern Abend überlegt, ob es nicht eventuell klug wäre, heute noch einen Tag Päuschen an diesem abgelegenen Ort zu machen und erst morgen den Buckskin Gulch Slot Canyon zu erwandern. Hierzu muss man eventuell auch erwähnen, dass dieser nicht einfach nur ein kleines Schlüchtchen ist, sondern, dass man diesen über 30 km erwandern kann. Es gibt auch Routen ab 15 Kilometern, aber wir wissen jetzt schon, dass es keine kurze Wanderung werden wird.
Nach einem solchen Wandertag fühlt es sich für mich nicht an, was für einen Pausentag spricht. Kleiner Nachteil an diesem Plätzchen hier ist allerdings, dass wir recht exponiert stehen, es keinen Schatten gibt und es heute sonnig und nicht bewölkt werden soll, dazu geht immer mal wieder ein ordentlich staubiger Wind. Christian nimmt mir die Entscheidung aber netterweise ab und spricht sich dafür aus noch einen Tag zu bleiben. Im Verlauf des Tages wird mir immer klarer, dass es eine wirklich gute Idee ist, einen Pausentag vom Entdecken einzulegen mit den Stopps im Hinterkopf, die uns die nächsten Tage noch bevorstehen.
Als die Entscheidung gefallen ist noch hier zu bleiben schalten wir den absoluten Entspannungsmodus ein. Als erstes rufen wir Karin an, die heute Geburtstag hat und halten einen Geburtstagsschnack mit ihr. Danach geht Christian ein kleines Ründchen mit Bella und ich bereite Kaffee vor. All das passiert verrückterweise noch vor halb zehn und um zehn schauen wir mit einem dampfenden Kaffee in der Hand auf die Uhr und freuen uns total darüber, dass ein ganzer Tag voll Nichts vor uns liegt. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn hier um Freddie herum ist wirklich gefühlt nichts 😉. Ich setze mich mit dem Käffchen viel motivierter als gestern an den Bericht, der noch offen ist. Gemütlich auf dem Bett mit einem dicken Kissen als Schreibtisch für den Laptop. Währenddessen entspannt sich Christian mit Handy, Artikeln, Nachrichten und Gedaddel. Als der Bericht fertig ist, schnappe ich eine Runde mit Bella Luft.
Zu Hause habe ich einige Zeit vor der Abfahrt eine Art „Spicy Peanutbutter Ramen“ als mein absolutes Soulfood entdeckt. Ich habe es bestimmt 1-2 mal die Woche mit verschiedensten Gemüse- und Nudeleinlagen gekocht und habe seit Wochen schon ganz schönen Schmach danach. Im Trader Joe hat Christian schließlich vor einigen Tagen Misopaste und Gochujang entdeckt und gestern im Lebensmittelmarkt in Kanab sind wir zufällig über Udon Nudeln gestolpert. Heute gibt es also zum späten Frühstück besagten Ramen mit Zwiebel, Möhre und Brokkoli. In dem Moment, als Christian und ich beide mit fertigem Ramen auf dem Bett sitzen und zusätzlich noch eine Serie schauen ist meine Seeligkeit an nichts zu überbieten. Heute fühlt sich einfach an, wie ein richtig gemütlicher Couch Tag.
Heute morgen dachte ich noch, dass wir momentan ganz schön häufig zwei Nächte am Stück irgendwo bleiben. Im Verlauf des Tages finde ich es aber auch total logisch. Wir haben die letzten drei Tage den Scenic Byway No. 12 bestaunt, danach sofort den Bryce Canyon und dann im Anschluss sofort den Zion. Ich glaube wir waren gestern Abend einfach mal wieder voll mit Eindrücken, die dann hier und heute mal einen Tag sacken dürfen.
Den ganzen Tag über sind die Fenster und die Hecktüren ein wenig geöffnet, so dass eine leichte Brise durch zieht. Trotzdem lümmeln wir die ganze Zeit ziemlich leicht bekleidet rum, weil wir nicht wirklich unter die 28°C kommen. Und ehrlich, hier ist niemand, der sich daran stören könnte, dass Christian zwischendurch in Boxershorts und Vans mit der Axt durch die Gegend läuft um verschiedenste Nägel wieder fest zu kloppen. Es ist schon lustig, wenn man bedenkt, dass wir uns in Europa immer eher dagegen entschieden haben mit Freddie in den Süden zu fahren, weil wir halt keine Klimaanlage haben. Mittlerweile wissen wir ganz gut mit heißen Tagen umzugehen. Mal schauen, welche Länder sich uns mit Freddie noch eröffnen, wenn wir wieder in Europa sind.
Mit einem ausgedehnten Mittagsschlaf, ein wenig Planung für Kanada, noch mehr Schläfchen, mit Bella den Platz erkunden, Gedaddel, Spülen, Putzen und Kuscheln zieht der Nachmittag nur so vorbei. So fühlt sich Entschleunigung an. Heute Abend habe ich uns ein Shakshuka gezaubert und wir lassen den Tag mit Serie noch einmal Spülen und Gassi gehen ausklingen.Leia mais
Bucksin Gulch Slot Canyon
19–20 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 27 °C
Wir werden wieder auf dem Hügel wach und genießen erstmal wieder die tolle Aussicht. Das Wetter sieht vielversprechend für unsere kleine Wanderung aus. Es soll sonnig bis bewölkt werden und zwischendurch ein Lüftchen wehen – perfekt. Während Hanna ein wenig Ordnung schafft, buche ich die Tickets für die Wanderung. Pro Lebewesen, dass an der Wanderung teilnimmt, werden 6$ fällig. Die Einnahmen fließen direkt in die Pflege der Wanderung (z.B. für eine Leiter auf dem Weg), der Parkplätze und der dortigen Toiletten.
Während wir noch unserer normalen Morgenroutine nachgehen und den Kaffee trinken, bereite ich noch ein Müsli für die Wanderung vor. Zusammen mit der Bananenmilch von gestern, wird das dann ein leckerer Snack. Wenig später rollen wir auch schon von unserem Hügelchen mit Freddie runter und staunen erstmal. Die ersten Meter auf der Schotterpiste sind ganz schön wackelig. Wir stellen mal wieder fest, dass man über die Zeit abstumpft, je länger man auf Schotterpisten unterwegs ist.
Allerdings freuen wir uns sehr, als wir wieder auf dem Highway sind. Diese Freude ist aber nur von kurzer Dauer. Der Zubringer zum Wanderparkplatz ist ebenfalls eine Schotterpiste. Und hier ruckelt es die nächsten zehn Kilometer gewaltig in und an Freddie. Normalerweise haben wir bislang immer eine Spur gefunden, auf der die Wellbleche (so sieht das Muster auf der Straße aus) nicht stark ausgeprägt sind. Hier heißt es dann aber Augen zu und durch. Wieder einmal sind wir froh und super dankbar, dass Freddie das bislang alles so über sich ergehen lässt und keine Probleme verursacht. Und bei unserem Ausbau selbst, ist auch alles bestens. Weder die Deckenpanele noch die Elektrik haben sich bisher durch die stetigen Vibrationen beeindrucken lassen.
Am Parkplatz angekommen, füllen wir noch einen Zettel mit den Details zur Registrierung aus, füllen die Trinkblasen und schnüren die hohen Wanderschuhe. Wie praktisch, dass in meinen Schuhen noch das Paar Socken von einer vorherigen Wanderung steckt. Hochmotiviert und gespannt auf den Canyon machen wir uns auf den Weg. Am Parkplatz stehen mit uns nur vier Autos, so wird auch sehr wenig los sein.
Die ersten fünf Kilometer folgen wir mehr oder minder dem Flußbett und laufen entweder durch selbiges oder kleine, sandige Pfade die sich um das Flußbett herum schlängeln. Abgesehen von Fußspuren und ein paar alten Weidezäunen ist hier kaum menschlicher Einfluss sichtbar. Selbst Abfall, den wir sonst noch und nöcher am Wegesrand gewohnt sind, ist nicht zu erkennen. Der einzelne Autoreifen, der uns so halb vergraben in der Biegung des Flussbettes anlacht, ist dann auch mehr Zeuge einer Flut als der bewussten Vermüllung.
Die Landschaft ist dabei ziemlich beeindruckend und wir können uns mal wieder nicht wirklich satt sehen. Das Flussbett ist zum Teil nur wenige Meter breit und liegt höchstens einen Meter unterhalb der Grasflächen. Letztere sind unterschiedlich breit und links und rechts von dem mittlerweile so vertrauten roten Gestein eingefasst. Hier lassen sich auch an allen möglichen Stellen die verschiedenen Sedimentschichten erkennen. Unvorstellbar, dass der Fluss hier über eine nicht greifbare Zeitspanne mehrere hundert Meter breit und bestimmt 30-40 Meter tief gewesen sein muss.
Wir werden beide mit der Zeit dann doch etwas ungeduldig und können es kaum erwarten, endlich am Teil mit dem Slot Canyon anzukommen. Zunächst gibt es dann aber eine kleine Pause. An meinen beiden Zehen schmerzt es ziemlich und ich stelle fest, dass ich die Wandersocken zuletzt im White Sand National Park getragen habe. Der verschleppte Sand im Socken hat dann beim Laufen nicht nur die Hornhaut abgetragen, sondern auch eine ordentliche Blase erzeugt.
Ich befreie die Socken vom Sand, zucke mit den Schultern und blende die Schmerzen so gut es geht aus. Es ist schon komisch, dass ich zum Teil vollkommen durchdrehe, wenn ich ein für mich störendes Geräusch höre, aber solchen Schmerzen dann einfach ignorieren kann.
Nach einem weiteren Kilometer kommen wir endlich an den ersten Stellen des Canyon an und freuen uns alle – inklusive Bella – über den Schatten und den erfrischenden Wind. Hier am Anfang ist der Canyon noch etwas über zwei Meter breit, aber schon mehr als haushoch. Wir sind beide sprachlos und machen erstmal Pause auf einer kleinen, erhöhten Auswaschung am Rand. Während Bella eine Portion Bananenmilch schleckt, genießen wir beide das Müsli und schauen uns direkt die gegenüberliegende Wand des Canyons an. Beim Entspannen wandern auch ein paar kleine Gruppen an uns vorbei und wir halten zwischendurch einen kurzen Schnack mit einem jungen, amerikanischen Paar.
Gestärkt, neugierig und abenteuerlustig mache wir uns dann weiter auf den Weg. Ich versuche beim Sprung von der Auswaschung ein cooles Video mit der Actionkamera zu machen, scheitere aber. Ob es ein einfacher Sprung oder ein doppelter Salto war, müsst ihr Euch an der Stelle also selber denken.
Wir folgen dem Canyon für weitere zwei Kilometer und sind immer wieder erstaunt über die Muster und Formen, die das Wasser in den Felsen gegraben hat. Während an mancher Stelle der Stein komplett ausgewaschen ist, lässt sich an andere Stellen erahnen, wie das Wasser gearbeitet hat, um eben solche Auswaschungen zu erzeugen.
Die Enge des Canyons endet abrupt und wir befinden uns auf einer Art „Lichtung“. In knapp 100 Metern Entfernung sehen wir die Fortsetzung des Canyons, auf der rechten Seite mehr als ein Dutzend kleiner Wandergruppen, die aus oder in Richtung eines „Nebenarms“ des Slot Canyons unterwegs sind. Mit knapp 8 Kilometern auf dem Tacho sind wir beide noch motiviert und wollen nicht direkt dem Weg nach rechts folgen, der in 3 Kilometern zu einem Parkplatz führt. Nachdem sich die „Lichtung“ wieder verjüngt passieren wir ein sportliches Paar, mittleren Alters und sind beide beim Vorrübergehen sehr fasziniert vom professionellen Wanderflußkleid: Badelatschen.
Wir werden nicht probieren, ob Badelatschen das wenig später folgende Umknicken von Hannas rechtem Fuß verhindert hätte, sondern gehen mit den neu gemischten Karten erst einmal so gut es geht um. In den ersten zwei Augenblicken wechseln sich Schmerz, Wut und Tränen in Hannas Gesicht ab. Wir merken, dass es auf der einen Seite nichts furchtbar Schlimmes im Sinne eines Knochenbruches ist, aber ebenfalls nicht so banal, dass es mit dem Richten des Krönchens getan wäre. Hannas erste Worte sind: „Scheiße Christian, das hat zweimal geklonkt“
Es heißt also umkehren und nun dem Pfad in Richtung des nahegelegenen Parkplatz folgen. So gut es geht, versuchen wir unter den Umständen die Pracht des Canyons hier zu genießen. Die Farben in diesem Teil sind nochmal intensiver und der Canyon ist zeitweise so eng, dass er nur als Einbahnstraße zu passieren ist.
Wir passieren auch die eingangs erwähnte Leiter – hier wird Bella kurz getragen, auch wenn sie deutliches Interesse am Erklettern der Leiter bekundet. Ein Unfall am Tag ist da dann doch genug.
Ich werfe zwischendurch immer wieder Blicke in Richtung Hanna – sie kämpft sich tapfer über die steinige und sandige Oberfläche. Rückblickend war ich nach meinem Umknicken in Schottland froh, dass der Parkplatz nur ein paar Hundert Meter entfernt war. Mehr hätte ich nicht geschafft.
Hanna legt auch die letzten Kilometer bis zum Parkplatz tapfer humpelnd zurück und schreibt, nachdem der Handyempfang wieder gegeben ist, um sich ein paar Ratschläge, ihrer kleinen Schwester. Schon praktisch, jemanden vom Fach in der Familie zu haben. Danke Jenny an der Stelle, für die wenig später folgenden Ratschläge und das schnelle Reagieren! Nach einer kurzen Pause am Parkplatz wird der ambitionierte Plan, gemeinsam 6 km entlang der Straße zurück zu Freddie zu laufen bereits vor Jennys Antwort verworfen. Dafür pulst und drückt es dann mittlerweile doch etwas zu sehr.
In der Nähe der aktuellen Position ist gerade niemand auszumachen, der in Richtung Freddies fährt und so verabschiede ich mich von Hanna. In spätestens zwei Stunden sollte ich dann mit Freddie wieder dort sein. Ein wenig froh, über die zusätzliche Bewegung bin ich zugegebenermaßen ja auch – 20 Kilometer hatten wir uns ursprünglich vorgenommen zu laufen.
Trotz der Blase am Zeh gebe ich Vollgas und trinke zwischendurch immer wieder einen kleinen Schluck der verwässerten Bananenmilch. Das Fazit nach zwei Kilometern: es geht ordentlich nach oben, aber ich habe nur knapp 20 Minuten gebraucht. Da wird Hanna also nicht so lange warten müssen. Um die Wartezeit möglichst kurz zu halten, halte ich auch den Daumen raus. Die ersten zwei Fahrzeuge fahren an mir vorüber, beim dritten stehe ich gerade an einem Busch und folge dem Ruf der Natur. Beim vierten Fahrzeug habe ich dann mehr Glück und ein älteres Ehepaar aus Utah nimmt mich mit zum anderen Parkplatz. Beide sind ganz begeistert von der Verschiffung und unserem Sabbatical und geben allerlei Tipps. Über großartige Wanderungen und Hinweise zum nächsten Krankenhaus ist alles Mögliche mit dabei.
Knapp eine dreiviertel Stunde nachdem ich Hanna und Bella zurückgelassen habe, sammle ich die beiden ein. Wir bzw. Hanna verzichtet auf den Besuch im Krankenhaus und wir fahren erstmal in Richtung von Page, der nächstgrößeren Stadt. Dort fülle ich ein paar unserer Vorräte beim Walmart auf und besorge neben Blasenpflastern auch noch zwei verschiedenen Kompressionsstrümpfe für das Sprunggelenk und selbstklebenden Verband. Hinzu kommt dann noch eine Styroporbox und zwei große Packungen Eis zum Kühlen. Nachdem die Einkäufe verstaut, der Müll entsorgt und der Fuß von Hanna verarztet unter einer kleinen Eisschicht liegt, geht es noch zu einem kleinen, lokalen Schnellimbiss und wir essen mal wieder Burger. Definitiv besser als das, was es in der Regel bei Fast-Food-Ketten gibt, aber auch nicht so gut, dass es uns vom Hocker haut (im Falle von Hanna vielleicht sogar besser so 🦶).
Wir rollen wieder aus Page heraus und finden in der Nähe des Highways ein Plätzchen für die Nacht in der Glen Canyon National Recreation Area. Wir sind beide gespannt, wie es dem Fuß von Hanna morgen gehen wird. Sie hält sich auf jeden Fall fleißig an die PECH Vorgehensweise : P ause/ E is/ C ompression/ H ochlegen.Leia mais
Hitze und Abwarten
20–21 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 28 °C
Heute gibt es mal nur einen sehr kurzen Bericht.
Wir haben Freddie gestern Abend so geparkt, dass die Schiebetür in Richtung Norden zeigt und wir so den ganzen Tag über keine direkte Sonne in die Schiebetür bekommen. Morgens ist es dann aber gegen 9 Uhr schon ziemlich warm. Die Sonne ist halt auch schon um kurz vor sechs aufgegangen, wir sind gestern in Arizona angekommen und hier findet die Sommerzeit keine Verwendung. Dank einer Unmenge an Eis, wird der morgendliche Kaffee ein Eiskaffee und verschafft Abkühlung.
Den Tag über verbringen wir auf dem Bett liegend, entspannend und mit Ablenkung. Hanna kühlt bis weit nach Mittag ihren Fuß und findet immer wieder neue Ablagemöglichkeiten für selbigen. Zwischendurch wird der Verband mal etwas nach oben, nach unten, etwas lockerer und etwas enger gebunden – so wie es sich halt gerade richtig anfühlt.
Im Nachhinein ist der Tag dann trotz des Nichtstuns und der fast schon unangenehmen Wärme sehr schnell vorüber gegangen. Wir sind beide gespannt, was die zweite Nacht bringt und welche Farbpracht uns am nächsten Morgen erwartet. Zum Glück halten sich bei Hanna die Schmerzen sehr in Grenzen.Leia mais

Viajante
Hanna, Dir weiter gute Besserung und passt beide weiterhin gut auf euch auf👍😉
Augen zu und durch
21–22 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☁️ 27 °C
Howdy, hier schreibt der Tollpatsch vom Dienst. Nach einem Tag ausruhen und dauerhaft den Fuß hochlegen und weiter komprimieren, bin ich ganz schön gespannt, als ich diesen heute Morgen auspacke. Es zeigt sich ein bunt schimmernder, aber nicht mehr ganz so unglaublich dicker Klumpfuß. Mein Knöchel ist zwar noch ordentlich dick, aber die Bewegung nach oben und unten ist recht frei möglich und tut nicht weh. Ich nehme mir vor, meinen Fuß gut im Wanderschuh zu verpacken und ein paar Meter mit Bella zu gehen. Das funktioniert tatsächlich – zwar mit einem unsicheren Gefühl, aber ohne große Schmerzen.
Als ich zurück zu Freddie komme, hat Christian bereits Kaffee gekocht und wir genießen ihn (also zum großen Teil, es gibt zwischenzeitlich einen kleinen Kaffee-Unfall) und überlegen, wie wir weiter vorgehen. Noch einen Tag bleiben? Ich habe ehrlich gesagt ziemliche Hummeln im Hintern und würde gern weiter auf Entdeckungsreise gehen. Ein Tag mehr auf dem Bett liegen, wird mich auch am nächsten Tag noch keine 20km Wandertouren machen lassen. Beifahrerin kann ich auch mit hochgelegtem Fuß sein. Natürlich ist die Aussicht darauf, dass ich wahrscheinlich in der nächsten Zeit eher ein „aus-dem-Auto-hüpf-und-Foto-mach-Tourist“ sein werde, absolut keine, die mir auch nur annähernd gefällt. Allerdings haben die letzten anderthalb Tage dabei geholfen, dass ich mittlerweile eher dankbar dafür bin, dass mir nichts Schlimmeres passiert ist. Es soll heute außerdem noch wärmer werden, als gestern und da waren es in Freddie schon 34,5°C. Also machen wir uns bereit dafür, auf jeden Fall diesen Platz zu verlassen. Wir wollen noch Wasser auffüllen und nochmal zu Walmart, um frische Erdbeeren zu besorgen und zu schauen, ob und was ich nicht noch für den Fuß gebrauchen könnte.
Die letzten Tage habe ich viel mit Jenny geschnackt und bin so dankbar dafür, dass sie sich, obwohl eine Ferndiagnose natürlich nicht möglich ist, Zeit nimmt, um Hypothesen durchzugehen, mir rückzumelden, was möglich ist und um mir Pros und Contras eines Arztbesuchs vor die Nase zu halten. Eigentlich denke ich, dass es nur ein bisschen Zeit braucht, aber eine leise Stimme meldet sich und fragt, was denn ist, wenn ich doch irgendwas verschleppe, dass die Regenbogenfarben an meinem Fuß schon dafürsprechen, dass irgendetwas grade kaputt ist. Auf dem Walmart Parkplatz überlege ich nochmal mit Christian und komme zu dem Schluss, dass sich dadurch, dass ich in Deutschland auch zum Arzt ginge und wir nicht wissen, wo auf dem weiteren Weg überhaupt ein Arzt erreichbar sein würde, gar keine Frage stellt. Gegen den Arzt spricht, dass ich nicht hören möchte, was ich alles in naher Zukunft nicht machen darf und dass ich die Auslandskrankenversicherung eigentlich nicht nutzen möchte, bzw. dass mir das amerikanische Gesundheitssystem unbekannt ist. Ich merke, dass das leider keine haltbaren Gegenargumente sind. Ich versuche also über die App der Auslandskrankenversicherung einen Ansprechpartner zu erreichen (uns wurde im Vorhinein eingeschärft, dass vor jedem Arztbesuch Kontakt aufgenommen werden muss, da Rechnungen sonst nicht übernommen würden). Die Telefonnummer funktioniert nicht, ich beantrage eine Videosprechstunde (auch über zwei Tage später, wurde meine Anfrage dafür noch nicht beantwortet). Wow, ich habe jetzt schon keine Lust mehr.
Christian findet im Internet eine Nummer unserer Versicherung, die für Fragen in den USA bereitstehen soll. Also rufe ich diese an und ein bedingt höflicher Mann fragt mich nach kurzer Zeit, was ich denn von ihm jetzt genau wolle, ich solle mir einfach einen Arzt aussuchen und dahin gehen. Man müsse nur bei stationären Aufenthalten vorher anrufen. Mittlerweile bin ich kurz davor, einfach auf einen Arztbesuch zu verzichten und zu schauen, was die Zeit bringt. Mit solchen Situationen kann ich nicht gut umgehen. Christian schreibt kurzerhand unseren Versicherungsmann des Vertrauens an, über den wir die Auslandsversicherung abgeschlossen haben. Wir sind super dankbar, dass er uns (obwohl es Sonntag und 22 Uhr abends in Deutschland ist) nach einer viertel Stunde antwortet. In der Zwischenzeit haben wir herausgefunden, dass es leider keinen Orthopäden weit und breit gibt (auch keinen, der montags wieder aufmachen würde). 200 km in die falsche Richtung wäre die nächste Adresse. Allerdings gibt es hier ein Krankenhaus und Christian überzeugt mich, dass es besser ist als Garnichts und ich die Sicherheit, dass nichts verschoben, abgesplittert oder gebrochen ist, brauche.
Nun gut Krankenhaus it is. Man mag es nicht meinen, aber wenn ich mich nicht selbstgewählten unbekannten Situationen und unbekannten Menschen gegenübergestellt sehe, braucht es für mich ganz schön viel Überwindung mich dem zu stellen. Christian bleibt bei Bella - im geschlossenen Auto können wir sie nicht zurücklassen und was soll er neben mir rumsitzen. Bevor ich reingehe, schaue ich, ob meine Kreditkarte noch genügend Verfügungsrahmen bereithält, weil es wohl üblich ist, dass bei Ärzten und im Krankenhaus die Rechnungen sofort beglichen werden müssen.
Ich tapse also zur Rezeption und werde von einer netten Dame empfangen. Diese nimmt auf, was ich für Beschwerden habe, notiert meine privaten Daten und lässt mich zwei Formulare unterschreiben. Diese lese ich mir zwar annähernd durch, bzw. überfliege sie und stelle ein paar Rückfragen; Während des Unterschreibens denke ich mir zwischenzeitlich, dass ich eventuell in einem auch ne Waschnmaschine kaufe, weil ich vielleicht doch nicht alles richtig verarbeitet habe. Nach einer viertel Stunde Papierkram, bekomme ich ein tolles Krankenhausbändchen und soll mich noch kurz setzen, bevor mich eine Krankenschwester einsammeln wird. Nach nicht Mals mehr 3 Minuten werde ich von Mikey eingesammelt, die sich vorstellt und mich erstmal wiegt. Dann gehen wir in ein Behandlungszimmer und Gail kommt dazu. Hier läuft alles auf Vornamensbasis, was die ganze doofe Situation für mich sehr auflockert. Ich packe meinen Fuß aus und beide bewundern die schillernden Farben des Regenbogens und lassen sich erklären, wie das genau passiert ist, während mein Blutdruck gemessen wird und sie mir erklären, dass gleich Cameron der Arzt einen Blick auf den Fuß werfen wird. Als dieser rein kommt begrüßt Gail ihn mit: „You have to see it, it shows all the colours of the rainbow.“ Cameron nickt anerkennend und fragt mich, nach kurzer Zeit, wie das denn genau mit den anderen blauen Flecken an meinen Beinen aussieht, ob bei mir schonmal untersucht wurde, ob ich eine Blutkrankheit habe. Wir erinnern uns kurz an meinen Sturz von unserer Toilette, die Flecken, zieren natürlich aktuell auch noch mein Bein. Ich versichere, dass tatsächlich schonmal geschaut wurde, warum ich so schnell farbig gepunktet bin, und schließe mit den Worten, dass ich leider wirklich sehr tollpatschig bin. Dadurch, dass ich den Fuß recht schmerzfrei bewegen kann, geht Cameron davon aus, dass es sich eher um eine Bänderüberdehnung handelt (wie ich es ja auch sehr gehofft habe), beauftragt aber zur Sicherheit ein paar Röntgenaufnahmen. Mikey, Gail und Cameron verabschieden sich bis später.
Nach kurzer Zeit höre ich auf dem Flur, wie die drei meinen Fuß lebhaft beschreiben und kurz danach geht die Tür auf und Cliff stellt sich vor. Er rollt ein Röntgengerät ins Zimmer und sagt, dass ihm die Buntheit meines Fußes schon sehr angepriesen wurde. Wir unterhalten uns über Slot Canyons, Wandern, Canyoning und Christians und meine Pläne. Nachdem er die Bilder aufgenommen hat, sagt er, dass er diese nun auswerten ginge und Cameron mir dann die Ergebnisse mitteilen werde. In der darauffolgenden dreiviertel Stunde sitze ich in dem Räumchen und schreibe mit Christian, der in Freddie einen Bericht schreibt. Als Cameron reinkommt, gibt er mir sofort ein Daumen hoch und sagt, dass nichts an den Knochen zu sehen ist, es aber sehr gut war, dass ich es habe überprüfen lassen. Ich soll weiter Kompressurverbände nutzen, um die Schwellung und den blauen Fleck daran zu hindern noch mehr Raum einzunehmen. Wandern solle ich erstmal keine lange Strecken. Auftrag an mich ist auf meinen Körper zu hören und darauf zu achten, wie mein Fuß auf Bewegung reagiert, wird es dick und tut weh, weniger machen. Alles sehr logisch soweit und genauso gedacht habe ich es mir auch.
Bevor ich aus dem Krankenhaus watschel, heißt es dann noch am Empfang den ganzen Spaß bezahlen und nochmal 4 Unterschriften dalassen. 880 Dollar ärmer (jedenfalls, bis die Einreichung durch ist) aber erleichtert und dankbar, dass mein Körper so einen ungünstigen Sturz so gut wegsteckt, steige ich in Freddie und berichte Christian. Wir werden heute noch in Page bleiben und auf einem Walmart Parkplatz die Nacht verbringen. Vom Tag ist allerdings noch einiges über, also fahren wir zu einer Wäscherei. Bella hat vor ein paar Tagen während der Fahrt aufs Bett gekotzt (gut, dass wir zwei paar Bettwäsche dabei haben) und zusätzlich dazu ist das letzte Waschen schon wieder über 10 Tage her. Nachdem wir wieder nur saubere Klamotten und Bettwäsche haben tuckern wir mit Freddie in Richtung eines sehr gut bewerteten Restaurants. Hier wird uns gesagt, dass es ein wenig Wartezeit gibt, was uns ganz gut gelegen kommt. Wir geben unsere Nummer an und werden per SMS benachrichtigt, wann unser Tisch frei wird. In der Zwischenzeit geht Christian eine kleine Runde mit Bella, während ich das Bett beziehe.
Im Sunset 89 sitzen wir draußen und können sogar Bella dazu holen, die erstmal von zwei Angestellten vergöttert wird. Auf den Tag gibt’s erstmal einen Sunset Margarita für mich und Bierchen für Christian. Wir bestellen als Vorspeise eine Portion frittierten Rosenkohl mit Gochujang, Leute, köstlich! Das ist schon das zweite Mal in den USA, dass wir Rosenkohl so ganz anders als in Deutschland zubereitet genießen und es ist echt was, was man sich merken kann. Als Hauptspeise bestellt Christian sich ein Steak mit Reis und Brokkoli und einer Suppe als Beilage (verrückte Kombi, aber auch richtig gut). Für mich gibt es einen Unagi Mushroom Burger, der zum Dahinknien ist. Ich glaube es ist der beste Burger, den ich bisher hier gegessen habe und das mag was heißen, denn wir hatten schon ganz schön viele.
Nach dem Essen fahren wir rüber zum Walmart und machen uns recht schnell Bettfertig, um dann noch eine Folge Serie zu schauen. Wat ein Tach, aber wir haben das Beste draus gemacht und ich bin froh das ganze Arztgebummsels auf mich genommen zu haben.Leia mais

ViajanteEs bleibt bei Euch spannend.Ich bin hin und hergerissen von den Reise- und Tollpatschickkeitsberichten die mich an meine....... Tollpatschigkeit erinnern:-) Sorry das Du Hanna da ein paar Gene und Welchigene von mir abbekommen hast 😕
Horseshoe Bend, Navajo Taco&Grand Canyon
22–23 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☁️ 18 °C
Neue Woche, neues Glück. Wir werden auf dem Parkplatz von Walmart wach und ich stelle beim Aufwachen fest, dass wir die letzten fünf Tage in einem Umkreis von knapp 100 Kilometern verbracht haben und wir uns noch immer nicht wirklich an dieser Landschaft satt gesehen haben.
So sind wir dann beide auch sehr neugierig auf den Horseshoe Bend, einer 180° Kurve des Colorado Rivers um einen Felsen. Das Ganze erinnert an die Form eines Hufeisens – daher auch der Name.
Zunächst geht es aber eine Runde mit Bella in der schon wieder sehr knalligen Sonne. Hanna bereitet das Auto vor und wir entscheiden, dass es heute Morgen wieder Eiskaffee zum Frühstück gibt. Ohne eigenes Eis bleibt dann nur der Weg zu einem Schnellrestaurant. Gewappnet mit kalten Getränken erreichen wir dann auch den Parkplatz vom Horseshoe Bend, der nur ein paar Minuten von Page entfernt liegt. Es wird zwar kein Eintritt fällig, aber eine Parkplatzgebühr von 10$.
Nachdem diese bezahlt ist, parken wir taktisch klug im Schatten eines großen Wohnmobils und hoffen den Temperaturanstieg in Freddie etwas in Grenzen halten zu können. Bewaffnet mit einer Flasche Wasser, der Kamera und gutem Schuhwerk, folgen wir den Menschenmassen in Richtung der Flussschlinge. Der Weg dort hin ist abfallend, aber gerade, so dass es Hanna in ihren hohen Wanderschuhen nicht schwer gemacht wird, die nur 1 Kilometer lange Strecke zu meistern. Knapp 15 Minuten später sind wir dann am Aussichtspunkt angekommen und können zwischen den ganzen Menschen immer wieder Blicke in Richtung des Horseshoe Bend werfen.
An der Oberfläche des Flusses lassen sich Kanufahrer ausmachen, die von oben nur wie kleine Punkte aussehen. Wie beeindruckend es sein und mit wieviel Demut es einen erfüllen mag, wenn man auf dem Fluss unterwegs ist. Ich muss an den Film Into The Wild denken, hier paddelt der Protagonist genau an dieser Stelle entlang. Mal wieder begeistert von der Schönheit der Natur geht es auf den Weg zurück zum Auto. Nach einem kurzen Umweg über die Toilette machen wir uns dann auch auf den weiteren Weg. Der nächste Stopp ist der Kaibab National Forest. Um diesen zu erreichen, werden wir aber schon ein paar Kilometer durch den Grand Canyon National Park fahren.
Ziemlich aufgeregt machen wir uns also auf den Weg, knapp zwei Stunden sollen es bis zu unserem Ziel sein. Die Landschaft entlang des Highways ist, wie so oft in Utah bzw. Arizona, beeindruckend und wir lassen unsere Blicke fast ständig hin und her fliegen. Der kräftige Wind sorgt mit der Zeit dafür, dass sich die Temperatur in der Fahrer- und Wohnkabine um die 30 °C einpendelt. So lässt es sich auch einigermaßen gut aushalten.
In der kleinen Ortschaft Cameron, passieren wir den Little Colorado River und entleeren an einer Tankstelle den Abwasserkanister von Freddie. Bei solchen Stopps schauen wir oft, wo es in der Nähe gute „Restaurants“ gibt und unsere Aufmerksamkeit wird schnell auf das „HWY 89 YUMMY SHACK“ gelenkt. Ein kleiner, unscheinbarer Bretterverschlag direkt am Highway. Eine kleine Straßenküche, bei der fast alle Gerichte als Basis Frybread haben. Frybread ist ein Gericht der nordamerikanischen Ureinwohner, ein Fladenbrot aus Teig, das in Öl, Backfett oder Schmalz frittiert wird.
Wir entscheiden uns für einen Navajo Taco und Navajo Burger. Beides ist wahnsinnig lecker und wir schauen beide etwas traurig drein, als sich unsere Portionen dem Ende nähern. Beim Essen unterhalten wir uns noch mit der guten Seele der Straßenküche, einer älteren Dame. Diese erzählt uns, dass die Temperaturen im Sommer hier schon auf mehr als 45 °C gestiegen seien. So sind wir dann auch recht schnell dankbar für die nur knapp 32 °C am heutigen Tag.
Nach der Stärkung geht es weiter und nach 40 Kilometern kommen wir am Eingang des National Parks an. Wir erhalten vom Ranger zwei Flyer zum Park selbst und auch noch ein Hinweisblatt zum Camping im Kaibab National Forest. Auf letzterem sind ein paar Verhaltensregeln festgehalten. Die erste (und wichtigste) Regel besagt, dass wir Spaß haben sollen. Das sollte uns nicht schwerfallen.
Nach ein paar Kilometern führt die Straße dicht am Abgrund vorbei und wir sind vollkommen sprachlos. Uns war klar, dass wir heute durch den Nationalpark fahren. Uns war klar, dass der Grand Canyon nicht umsonst Große Schlucht heißt. Uns war klar, dass diese Schlucht zum Teil mehr als 1600 Meter in die Tiefe abfällt. Uns war auch klar, dass diese Schlucht zwischen 6 und 30 km breit ist. Aber sämtliche Fakten so zu verarbeiten, dass das Bild im Geiste entsteht, dass die Natur vor uns ausgebreitet hat, war dann doch zu viel des Guten. Ich skandiere mehr als zigmal „Holy Shit“ vor mich hin, während Hanna sprachlos neben mir sitzt. Ein paar Minuten später Parken wir Freddie, schalten die Lüftung ein und laufen (im Fall vom Hanna geht das wirklich gut) in Richtung des Desert View Aussichtspunktes.
Unmittelbar unter diesem befindet sich der „Big Bend“ des Colorado River, wo dieser in einer scharfen 90-Grad-Kurve nach Westen seinen bisherigen Kurs nach Süden ändert und direkt in eine große Erhebung des Colorado-Plateaus einschneidet. Mit Blick in Richtung Westen können wir erahnen, wo der Fluss in die schwarzen, engen und engen Tiefen der Granitschlucht stürzt. Fast 29 Kilometer beträgt die Luftlinie bis zum gegenüberliegenden Rand des Canyons, der Colorado River liegt mehr als einen Kilometer unter uns. Obwohl der Aussichtspunkt ziemlich gut besucht ist, blenden wir zwischenzeitlich die Menschenmassen um uns herum aus und lassen die spektakuläre Aussicht auf uns wirken. Vom Grand Canyon der sich in Richtung Westen fast 350 Kilometer erstreckt, lassen sich bei guten Wetterbedingungen fast 80 Kilometer erblicken. Auch wenn die Luft in der Entfernung zu Flimmern beginnt, können wir von hier doch einen Großteil der 80 Kilometer erblicken.
Auf dem Weg zum Auto setzen wir unseren Konsum-Tag fort und stoppen im Souvenirshop und holen uns jeder Kaffee und Eis. Von dort geht es dann weiter in Richtung des Kaibab National Forest. Nach gut 15 Kilometern biegen wir auf die Waldstraße ab und folgen dieser in Richtung Süden. Nachdem wir für knapp zwei Kilometer keinen anderen Camper mehr gesehen haben, halten wir an einer Feuerstelle, parken Freddie und bringen diesen mit Hilfe der Keile in Waage.
Gesättigt und tief beeindruckend, lassen wir den Tag ganz gemütlich ausklingen und verarbeiten das erlebte am Feuer.Leia mais
Schatten tanken & Berichte tippen
23–24 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☁️ 20 °C
Wir werden recht spät an diesem zauberhaften Plätzchen wach. Wir haben gestern ganz schön lange am Feuer gesessen und in Freddie auch noch eine ganze Zeit gequatscht, so dass wir heute ziemlich lange schlafen. Gestern schon haben wir überlegt, dass wir hier mal wieder zwei Nächte verbringen wollen. Die Bäume spenden einen sehr angenehmen Schatten und rauschen wundervoll im Wind. Schatten hatten wir weder die letzten Tage, noch wird uns in den nächsten Tagen viel Schatten begleiten, wenn wir uns nach dem Grand Canyon in Richtung Desert Valley aufmachen wollen. Auf dem Plan für den Tag steht also… Schatten genießen, Berichte schreiben, die Feuerstelle für den Abend vorbereiten und die Seele baumeln lassen. Klingt doch nach einem guten Tagesplan.
Christian geht ein Ründchen mit Bella, während ich Freddie tagesfein mache und der Kaffee auf dem Gasstövchen blubbert. Christian hat die Erdbeeren vom Walmart bereits gewaschen und geschnitten und was würde da besser zu passen als ein Stapel Pfannkuchen. Ich mache mich an den Teig und telefoniere ein Ründchen mit Jenny und Marc. Als Christian wieder da ist, werden die Pfannkuchen ausgebacken und mit Schokoladenstücken bestückt. Draußen am aufgebauten Tisch genießen wir in unseren Stühlen, die wir viel zu selten auspacken, weil es uns zu umständlich ist (😂) das üppige Frühstück. Während wir das tun, denke ich zwischenzeitlich an die American Pancakes von Phil, deren Rezept ich mir erstens nicht gemerkt habe und für die wir zweitens die Zutaten auch nicht in Freddie haben. Unsere sind trotzdem lecker, aber nicht annähernd so fluffig. Vielleicht kommen wir ja irgendwann nochmal in den Genuss von Phils Köstlichkeiten.
Christian recherchiert auf Amazon mal wieder nach Dingen, die auf unserer Wunschliste stehen und macht sich danach schon an den ersten Bericht. Mal wieder haben wir vier Tage Eindrücke in uns aufgesogen, die wir über den Tag auseinanderklamüsern, reflektieren und hier für die Zukunft festhalten wollen. Meine Motivation rennt noch ein wenig nackig durch den Wald und ich trödel noch etwas vor mich hin, bevor ich mich dazu herablasse den ersten Bericht gegenzulesen. Bevor ich dann selbst anfange zu tippen, reiche ich noch die Rechnung des Krankenhauses ein. Der Rest des Nachmittags vergeht und Christian bereitet schonmal die Feuerstelle f ür heute Abend vor. Während ich draußen sitze, sagt er irgendwann „Schau mal nach rechts“ und hält mir das noch halb behaarte und behufte Bein eines Rehs vor die Nase, das er gefunden hat, als er auf der Suche nach Steinen zur Erweiterung des Feuerrings war. Ich stelle mir vor, welche Tierart das Reh wohl zerlegt hat und schweife mit Gedanken weiter zu gestern Abend. Ich male mir nur ganz kurz aus, wie wir wohl auf den Besuch eines Bären oder eines Pumas reagiert hätten. Ich glaube aber sowohl das Feuer, als auch unsere Unterhaltungslautstärke schützen uns eher vor solchen Besuchen. Für den Notfall haben wir tatsächlich mittlerweile ein Bärenspray an Bord, dass uns die Kongs netterweise vermacht haben.
Mittlerweile ist früher Abend, Christian hat gespült und ich werde gleich noch die 5 (!) heute geschriebenen Berichte hochladen und mit Bildern bestücken. Christian wird die nächsten Tage evtl. noch ein paar Videos hinzufügen. Bis jetzt hängt unsere Hängematte noch unbenutzt zwischen zwei Bäumen und Christian wollte sich eigentlich schon längst da rein gemuckelt haben. Vielleicht kann ich ihn ja noch davon überzeugen. Ansonsten werde ich gleich einen Salat machen, dann fachen wir bei der Dämmerung das Feuer an und werden den Abend genießen. Was bin ich dankbar für diese aktuellen Freiheiten, die wir jetzt schon seit 82 Tagen genießen dürfen. Und ja, auch wenn mein Fuß grade ein Mister Klompjes ist, ich bin einfach nur dankbar für diese Reise. Das mit Christian und Bella teilen zu können und einfach mal für sechs Monate nur zu sein und in den Tag hineinleben zu dürfen ist absolut nicht selbstverständlich und so richtig ganz ganz besonders.Leia mais
Abhängen und die "große Schlucht"
24–25 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ 🌬 20 °C
Wir wachen recht früh auf. Da wir wieder auf ca. 2300 Höhenmetern stehen, ist mein Schlaf nicht der Beste (ok vielleicht liegts auch ein klein wenig am Fuß 😉) und ich fühle mich beim Aufwachen ein wenig gerädert. Aber gemütlich ist das Bett trotzdem und so kuschle ich mich noch ein wenig in die Laken. Christian springt aus dem Bett und startet schonmal die Kaffeemühle, die sich heute dazu entscheidet, ein wenig aufzumucken. Nach ein paar Mahldrehungen schaltet sie sich von selbst aus. Immerhin kann man sie wieder einschalten, aber nach ein paar Drehungen passiert das Gleiche wieder, so dauert das Mahlen des Kaffees ein wenig und ich übernehme nach kurzer Zeit, während Christian mit Bella schonmal nach draußen hopst. Ich glaube wir sind die Zerstörer der elektrischen Kaffeemühlen 😐. Wir haben darauf geachtet den Mahlgrad auf die Bohnen anzupassen, machen sie immer nach Benutzung mit dem Pinselchen sauber, aber das war ihr scheinbar nicht genug. Wobei wir sagen müssen, dass die letzte Maschine auch nicht die höchste Qualität hatte.
Wir hatten gestern schon überlegt, uns hier noch einen ganz entspannten Morgen zu machen, bevor wir wieder in den Nationalpark reinfahren. Der Platz hier ist einfach wunderschön. Die Nadelbäume um uns herum duften, der Wald ist so licht, dass die Sonne ihr Strahlen bis zu Freddie schicken kann, man aber dennoch Schattenplätzchen finden kann und der Wind rauscht durch die Nadelkronen. Erinnert uns ein wenig an Schweden. Der Himmel ist blau und sowohl Christian als auch ich würden hier wohl noch eine Nacht bleiben, wenn nicht morgen Regen und Gewitter angesagt wäre. Also genießen wir den Morgen. Während Christian und Bella wieder eintrudeln, drapiere ich für jeden eine Zimtschnecke mit Erdbeeren auf einen Teller. Christian stellt die Stühle und den Tisch auf und wir machen es uns draußen gemütlich. „Draußen zu Hause“ geht mir durch den Kopf und ich lehne mich entspannt zurück. Bella sonnt sich und Christian verlagert seinen Entspannungsmittelpunkt nach dem Aufessen in die Hängematte. Nach kurzer Zeit höre ich ein „Wie geil ist eigentlich Hängematte?!“ aus dem Nylon-Kokon heraus.
Die Zeit verstreicht und als Christian aufsteht gönne ich mir auch eine Runde Hängematte, während Christian spült. Nach und nach machen wir alles für die Abfahrt fertig und verstauen unser Reich der letzten zwei Tage auf 7m² schwarzem Blech. Christian hat bereits nach ein paar Hand-Kaffeemühlen geschaut (unsere elektrische Kaffeemühlen Ära für Freddie ist glaube ich vorbei) und wir machen eine Amazon Bestellung fertig, bevor wir uns dann gegen Nachmittag auf dem Weg zurück zum Grand Canyon machen. Auf der recht kurzen Fahrt zum Visitor Center halten wir noch vereinzelt an Aussichtspunkten und saugen diese unbeschreibliche Aussicht, die nicht von dieser Welt zu sein scheint in uns auf. Ein wenig herausfordernd, sich auf diese Schönheit zu konzentrieren, bei all den Menschen, aber aktuell kriegen wir es ganz gut hin.
Am Visitor Center angekommen, bekommen wir einen guten Parkplatz und machen uns bereit ein wenig zu laufen. Ich verpacke meinen Fuß gut komprimiert, um ordentlich Halt zu haben und hoffe, dass ich wenigstens ein paar Kilometer laufen kann. Ursprünglich wollten wir den Rim-Trail, auf dem auch Hunde erlaubt sind, erobern. Aber die insgesamt 20 km (eine Richtung) entlang des Klippenrandes kann ich mir natürlich gepflegt in die Haare schmieren. Natürlich sind die ersten Kilometer um das Besucherzentrum herum proppenvoll. Die Aussichten sind ohne Frage atemberaubend, once in a lifetime, aber mir gelingt es nur bedingt die anderen Besucher auszublenden. Wir hören viele verschiedene Sprachen; hier wird gerade der Peter lautstark gefragt ob er denn ‚ne Lebensversicherung abgeschlossen hat (höhöhö), während er an einer Klippe posiert und Ute ihm mehrmals zublökt, dass er doch bitte wirklich auf sich aufpassen muss und ob das denn wirklich nötig sei.
Eine Unzahl an Menschen lässt sich knutschend, das Peace-Zeichen zeigend oder auch gestellt in die Ferne schauend ablichten. Ich kanns ja verstehen und et is ja nicht so, als würden wir keine Fotos von uns machen, aber es ist einfach alles eine sehr unwirkliche Situation. Wie gern würde ich bis in die Gefilde laufen, wo die „hop-on-hop-of“ Touristen nicht mehr unterwegs sind, aber et hilft ja nichts. Nach zwei Kilometern drehe ich um und Christian und Bella laufen noch etwas weiter.
Zurück an Freddie angekommen, reiße ich erstmal alle Fenster auf, schaue mir die Bilder an, die wir gemacht haben und daddel ein wenig am Handy herum. Als wir alle wieder an Bord angekommen sind, machen wir uns gemütlich auf den weiteren Weg. Einen kurzen Stopp machen wir bei Starbucks, wo ich (obwohl ich unsicher bin) einen Lavendel Latte Macchiato bestelle. Kann ich nicht empfehlen 😂, Christian bleibt auf der sicheren Seite und genießt einen Frappee. Wir rollen eineinhalb Stündchen in Richtung Hoover Dam und machen uns so um 18 Uhr auf die Suche nach einem abgelegenen Stellplatz. Hier in der Gegend mal wieder gar nicht so schwer, weil der Kaibab National Forest sich bis hierher erstreckt. Wir fahren in den Wald und sind fasziniert von den schönen Stellplätzen, die wir vom Wegrand aus sehen. Viele sind bereits besetzt und so fahren wir ganz schön tief in den Wald, werden aber am Ende mit einem zauberhaften Plätzchen belohnt. Also zauberhaft wird es dann, wenn all der Müll eingepackt ist, der hier rumliegt. Versteh das wer will. Ich frage mich ob die Leute denken, dass es hier im Wald so was wie Heinzelmännchen gibt, die ihnen den Arsch hinterher räumen. Oder ob sie sich selbst an einen so mit Bierdosen und Verpackungen versauten Platz stellen würden, weil sie es so unglaublich heimelig finden. I doubt it!
So, kurze Frust Entladung. Christian geht noch eine Abendrunde mit Bella und ich mache mich an das Abendessen. Heute gibt es eine große Portion Nudelauflauf. Yummi 😋Der Rest des Abends verläuft sehr entspannt und wir kuscheln uns recht früh ins Bettchen.Leia mais
Damn, ein Damm.
25–26 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 27 °C
Die Wettervorhersage hat sich so ziemlich vertan, als ich gegen halb sieben am Donnerstagmorgen aus Freddie schaue. Die Sonne scheint etwas und es ist kein Regen in Sicht. Daher drehe ich mich noch einmal um und genieße die Wärme unter der Bettdecke. In der Nacht ist es draußen recht frisch geworden und so sind es in Freddie auch nur knapp 15 °C.
Eine Stunde später schaue ich dann mal auf den Regenradar und beeile mich dann doch etwas. Eine breite Regenfront ist nicht mehr allzu weit entfernt und sowohl Bella als auch ich haben nichts dagegen trocken zu bleiben. Die Runde im Wald ist wunderschön und ich genieße die frische Luft, die Ruhe und den von Moos und Nadeln bedeckten Waldboden sehr. Zwei Nächte im Wald am Grand Canyon und heute wieder im Wald übernachten zu können, lässt mich merken, wie sehr ich diesen dann doch vermisst habe. Schade, dass dies in Deutschland nicht möglich ist. Wie gut, dass wir mit Schweden, Schottland und irgendwann mal Norwegen ein paar Länder in Europa haben, wo wir dieses Bedürfnis dann gut befriedigen können.
Zurück an Freddie wartet auch schon der geliebte Kaffee auf mich und gewärmt von den ersten Schlucken, entferne ich schon einmal die Thermomatten in der Fahrerkabine. Danach löse ich die Bremse, kupple kurz aus und lassen Freddie von den beiden Keilen rollen. So kann ich diese dann auch direkt trocken verstauen. Auch wenn wir auf unseren Reisen in Europa noch nie schlechte Erfahrungen gemacht haben, war ich beim Verwenden der Keile immer irgendwie zurückhaltend. Vermutlich, weil das Verwenden der Keile direkt nach Übernachten aussieht. Hier in den USA gibt es das Problem nicht und die Verwendung der Keile hat sich zum Glück etabliert. Allgemein kann ich den USA mittlerweile mehr und mehr abgewinnen. Zumindest so lange, wie wir uns so gut wie alleine in der Natur befinden oder wir auf tolle Menschen wie z.B. die Kongs treffen. Nach den Eindrücken am Grand Canyon mache ich mich langsam aber sicher gefasst auf die Fahrt durch Las Vegas in den nächsten Tagen.
Nach Rücksprache mit dem Agenten für die Verschiffung und der Findung eines gemeinsamen Nenners für den benötigten Puffer bis zum ersten Schul- bzw. Arbeitstag, steht fest, dass wir Freddie am 8. August in Halifax abgeben und wenig später auch zurückfliegen werden. Die rund 90 Tage innerhalb Kanadas sind bislang vollkommen ungeplant, wenn man vom einzigen fixen Termin am 17. Juli bei den Red Hot Chili Peppers in Toronto absieht. Ursprünglich wollten wir direkt Anfang Mai in Kanada sein, doch das wird sich um 2-3 Wochen verzögern. Da es noch so früh am Tag ist und wir den einsetzenden Regenschauer noch abwarten wollen, nutzen wir die Zeit sinnvoll und fangen ein wenig an, uns die verschiedenen Ziele in Kanada herauszusuchen.
Mit dem guten Internetempfang am Stellplatz ergibt sich dann auch in gemeinsamer Zusammenarbeit eine recht ausführliche Liste an Punkten. Nachdem alle Marker auf der Karte platziert sind, können wir dann auch direkt einige davon ausklammern bzw. entfernen. Ganz in den Norden, z.B. in die Nahanni National Park Reserve, werden wir es nicht schaffen – dafür ist der Umweg zu groß und das Wetter dann vielleicht auch noch etwas zu frisch. Auch so kommen wir dann auch schon auf etwas über 11.000 Kilometer in Kanada. Wir sind beide gespannt, ob wir in Summe am Ende über 30.000 Kilometer kommen werden. Während unserer Recherche ist der Regen in Schnee übergegangen und auf dem Waldboden ist kurzzeitig eine weiße, pulverige Schicht zu sehen. Die Familie von Maultierhirschen, die dann noch ein paar Meter hinter Freddie langspaziert, lässt das Ganze noch surrealer wirken.
Gegen Mittag rollen wir dann von unserem Stellplatz los, es soll bis kurz vor die Hoover-Talsperre südlich von Las Vegas gehen. Nach ein paar Kilometern verlassen wir dann auch den Wald und folgen die nächsten zwei Stunden von Williams bis Kingsman dem Purple Heart Trail, besser bekannt als der historischen Route 66. Die Straße an sich ist dann zum Großteil auch recht unspektakulär, dafür werden wir dann aber wieder mit großartigen Aussichten links und rechts des Highways belohnt.
Während der Highway am Ort Kingsman vorbei führt, fahren wir durch Kingsman und folgen damit der Route 66. Hier im Ort wird diese auch aktiv touristisch vermarktet. Wir sind beide vom Hunger getrieben und stoppen am Black Bear Diner und gönnen uns ein „richtig“ gesundes und definitiv nicht vegetarisches Frühstück. Herrlich lecker!
Auf dem letzten Teilstück machen wir noch kurz Stopp an einer Tankstelle und füllen unser Frischwasser auf. Der Stellplatz für die Nacht liegt in direkter Nähe zur Hoover-Talsperre an einer Schotterpiste. Da sich kurz vor der Abfahrt zur Schotterpiste Google Maps aufhängt, verpassen wir diese und müssen so die nächste Ausfahrt direkt an der Talsperre nehmen. Es ist mittlerweile kurz vor 18 Uhr und das Schild an dieser verkündet, dass die Talsperre bis 21 Uhr besichtigt werden kann.
Da wir nun schon einmal hier sind, machen wir das ganze dann auch direkt. Zunächst halten wir an einer Kontrollstation und lassen Freddie auf verbotene Gegenstände inspizieren. Danach werden wir mit einer überschaubaren Zahl an anderen Touristen belohnt.
Es ist schwer, den Blick auf die Talsperre in Worte zu fassen. Die weiße Staumauer ist in die zerklüftete Steinlandschaft des Black Canyons eingefasst. Auf der abfließenden Seite geht es knapp 220 Meter in die Tiefe, auf der Stauseite ist die Wasseroberfläche ein paar Dutzend Meter unter uns. Nachdem der Lake Mead 1983 so voll war, dass die Überlaufeinrichtungen das Wasser in das Tal abgeleitet haben, hat der See in den letzten 20 Jahren kontinuierlich an Wasserstand verloren und die Oberfläche liegt heute gut 40 Meter tiefer.
Schwer beeindruckt von einem Bauwerk, dass nur unwesentlich jünger ist als meine Oma, machen wir uns dann in Richtung des Stellplatzes – diesmal auch ohne die Abfahrt zu verpassen. Es gibt ein paar Abschnitte der etwas über 5 Kilometer langen Piste, die gut befahrbar sind. Der Rest ist dann doch schon herausfordernd und wir sind einmal mehr froh, dass wir uns die dicken Reifen vor der Abreise gegönnt haben. Mit einem leicht unsicheren Gefühl, ob wir denn die letzte Abfahrt am nächsten Morgen auch wieder erklimmen können, kommen wir am Platz an. Am ersten Stellplatz in Wassernähe seit längeren werden wir dann auch direkt von einer Unmenge an Mücken begrüßt.
Nach einer gemütlichen Abendrunde mit Bella ziehen wir uns dann in Freddie zurück. Während Hanna auf dem Bett liegt und sich mit einem Buch beschäftigt, zerlege ich unser gasbetriebenes Mückenabwehrgerät. Dieses lässt sich zwar Einschalten, die Flamme erlischt aber immer nach kurzer Zeit. Ich finde keine defekten Teile oder sichtbaren Schäden, aber nachdem alles wieder zusammengebaut ist, funktioniert das Gerät wieder. Ohne den glücklichen Zufall zu hinterfragen, lassen wir den Abend gemütlich ausklingen. Während Hanna sich unter die Decke kuschelt, verzichte ich bei den knapp 26 °C im Bus auf die Decke und versuche so gut es geht, bei dieser Wärme einzuschlafen.Leia mais
Viva los Eselos
26–27 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 18 °C
Es ist Friyay und wir dämmern morgens um kurz nach acht ein wenig vor uns hin, als uns ein markerschütterndes Röhren hinter Freddie ziemlich schnell hellwach werden lässt. Wir erschrecken uns zwar ein wenig, wissen aber, welcher Anblick uns hinter unseren Thermomatten erwarten wird. Wir hatten bereits in der Rezension des Platzes von hier freilebenden Eseln gelesen und uns schon im Vorhinein ganz schön darauf gefreut Bekanntschaft zu schließen. Christian entfährt ein „Die Esel sind da“ und wir klappen die Thermomatten herunter. Bella hat die Ohren aufgestellt und beobachtet ganz genau den hinter Freddie stehenden Esel. Scheinbar handelt es sich um eine kleine 4köpfige Eselsfamilie, die hier irgendwo im Gebirge wohnt und zum Trinken zum Stausee nach unten kommt.
Wir beobachten, wir die vier routiniert die Feuerstellen durchsuchen und die Kleingruppe, die nah bei uns im Zelt geschlafen hat besucht. Von dieser Menschengruppe sitzen drei Mädels mit geschlossenen Türen im Auto, während ein Mann versucht die Esel von den Vorräten abzuhalten und nicht sicher scheint, ob er die Meute streicheln möchte oder sie mit ausgebreiteten Armen verscheuchen möchte. Die Esel zeigen sich mäßig beeindruckt von den Verscheuchungsversuchen.
Christian und ich machen Kaffee, ziehen uns an und sind dann einfach zu neugierig und steigen aus Freddie, den wir so weit schon Tages fit gemacht haben. Die vier erkunden aktuell noch immer den Platz der anderen, die gestern ein Kaninchengehege mit Kaninchen und eine Katze dabeihatten. Es gibt also für die Esel auch einiges zu schnuppern da oben. Christian macht sich mit Bella auf zu einer Morgenrunde, kehrt aber in Rekordzeit wieder zurück, Bella voran. Unsere Rakete hat in Rekordzeit alle Geschäfte erledigt und sich wohl einfach geweigert noch weiter als auch nur ansatzweise nötig zu gehen. Sie hat sich einfach auf den Weg gesetzt und darauf gewartet, dass Christian sich erbarmt umzudrehen, scheinbar wollte sie weiter das Eselspektakel verfolgen. Die Erinnerung an Zitty, den Bella jagenden Esel, scheint vergessen. Al die beiden wieder da sind, kommen die Esel zu uns und wir verbringen einige Zeit mit der sehr menschenfreundlichen Eselsfamilie. Das junge möchte nach kurzer Zeit mit Bella spielen, was dazu führt, dass Bella sich in gewohnter Manier unter Freddie rettet, weil ihr das hopsende, rennende und die Hinterläufe in die Luft kickende Junge ein wenig zu groß für ihre Kragenweite findet.
Die Esel sind super zutraulich, kommen auf uns zu und lassen sich streicheln, knabbern probeweise an meiner Hose und stupsen uns zum Teil an, um weitere Streicheleinheiten zu bekommen. Was ein schöner Morgen in dieser wunderschönen Kulisse. Nach und nach arbeitet die kleine Familie alle Besucher des Platzes ab. Außer uns hat noch ein anderer Camper hier gestanden und eine Gruppe ist am Morgen mit dem Jeep angefahren gekommen.
Wir haben den Morgen das Wetter im Blick, da wir gestern gesehen hatten, dass es heute ordentlich regnen soll. Es wäre sehr klug unsere Rückzug aus dem Tal vor dem Regen anzutreten, da die sandige Schotterpiste auch so schon bei einigen Anstiegen eventuell ihre Tücken bergen könnte. Wir packen also nach einem gemütlichen Kaffee entspannt alles zusammen und machen uns auf den Weg in Richtung… Las Vegas.
Wir beide sind uns schon eine ganze Zeitlang unsicher, was wir mit Vegas anfangen sollen. Sowohl Ernst, als auch Daniel und unser Freund Jan haben uns bereits von Vegas vorgeschwärmt. Allerdings haben wir erwartet, dass ganz schöne Hitze herrschen und wir Bella nicht im Auto lassen wollen würden. Heute zeigt sich aber nun in ganz anderem Gewand und als wir on the road sind tauschen wir uns aus und überlegen, ob sich nicht doch ein Halt anbieten würde. Ein wenig kitzelt uns beide die Neugier dann doch. In den Norden von Vegas müssen wir sowieso, da Amazon uns mal wieder Päckchen hat zukommen lassen, die dort auf uns warten werden. Wir nehmen uns vor, auf jeden Fall durch Vegas zu fahren, die Sphere lockt Christian sehr. Mit einer beeindruckenden Außenhülle, die an eine riesige gläserne Kugel erinnert, zieht die Sphere die Aufmerksamkeit auf sich. Das Innere ist mit modernster Technologie ausgestattet, einschließlich hochauflösender Displays und audiovisueller Systeme, die einzigartige und beeindruckende Erlebnisse ermöglichen. Die flexiblen Innenräume können je nach Bedarf angepasst werden, um Veranstaltungen verschiedener Größen und Art zu beherbergen. 54.000 m² der Außenfläche sind mit 57,6 Mio. LEDs bestückt, die 1,2 Mio. Bildpunkte ergeben und die weltgrößte LED-Wand bilden. Und ja, wenn wir dann schon mal da sind, können wir auch über den Las Vegas Boulevard, den bekannten Strip, fahren und wer weiß, wenn wir‘s fühlen, können wir ja halten und in eines der Casinos reinschnuppern oder so.
Als wir Las Vegas am Horizont erblicken wird uns allerdings die Entscheidung bereits abgenommen. Der Himmel öffnet auch hier seine Pforten und es fängt an ordentlich zu regnen. Erinnert mich ein wenig an Miami. Trotzdem machen wir uns auf in Richtung Sphere und Strip und verbringen die nächsten zweieinhalb Stündchen nicht schlecht staunend in Freddie. Ich lieb´s ja sehr, dass Freddie mir ein unglaublich heimeliges Höhlengefühl gibt, hier haben wir es warm und trocken und dennoch trägt er uns wohin wir grade möchten und bietet und auch bei strömendem Regen unfassbare Ausblicke auf Orte von denen wir schon so viel gehört haben. Ein wenig als könnte man aus seiner Komfortzone heraus dennoch ganz viel erleben und genauso ist es einfach, wie besonders das ist macht mich mehr als dankbar. Ich bin ein wenig überfordert all das Blinken, die digitalen Werbetafeln und verrücktesten Casinos und Hotels zu verarbeiten, aber sitze gleichzeitig grenzdebil grinsend und staunend wie ein achtjähriges Kind im Erlebnispark auf dem Beifahrersitz. Auch Christian ist fasziniert, recht still und teils mir mit, dass dieses Geblinke und diese ganz andere Stadt einen ganz bestimmten Teil seines ADHS – Hirns auf eine ihm unbekannte Weise total stimuliert und ihn super entspannt. Same here … not 😉. Als wir die blinkenden Lichter langsam hinter uns lassen und zu einem Walmart im Wohngebiert fahren, bin ich so müde, dass ich gut und gern ein paar Stündchen Mittagsschlaf machen könnte. Aber es war genau die perfekte Dosis an Großstadt für heute.
Bei Walmart füllen wir unsere Frische-Vorräte auf und machen uns danach auf den Weg zum Amazon Locker. Hier packen wir eine HANDbetriebene Kaffeemühle, einen Sandwichtoaster für den Gasgrill (hihi, was es nicht alles gibt), eine neue Leggins für mich (weil eine meiner eingepackten mittlerweile löchrig ist), eine neue kleine Leckerlitasche für Bella und ein paar andere Schätze aus. Ich denke mir danach, was Freddie eigentlich für ein Platzwunder ist, dass wir schon so viele Bestellungen erfolgreich und ohne Platznot in ihm verstauen konnten.
Nach einem köstlichen Stopp bei einer In´n´Out – Burger Filiale (wie köstlich ist bitte ein „Animal Style“- Burger und die genauso angerichteten Pommes?!) machen wir uns auf aus der wahrscheinlich verrücktesten Großstadt, die ich bisher gesehen habe und bringen einige Kilometer hinter uns. Kurz vor Sonnenuntergang rumpeln wir mit Freddie mal wieder über eine sehr verlassene Schotterpiste und finden ein schönes Plätzchen an der Big Dune in Nevada, die nicht allzu weit vom Death Valley entfernt ist, was wir als nächstes anfahren wollen. Wie verrückt es einfach ist, dass wir uns mittlerweile fast schon daran gewöhnt haben, in unglaublichen Weiten in sehr trockenem und warmem Klima zu stehen und uns dabei aber wirklich so richtig wohlzufühlen.
Heute Abend geht Christian eine Runde mit Bella, ich versinke derweil in meinem neuen Buch von Rebecca Yarros. Wer auf Fantasy steht…: ich war sofort gefangen, als ich gestern Abend angefangen habe in das Buch reinzuschnuppern und freue mich jetzt schon darüber, mal wieder eine Fantasy Reihe mit Drachen und Magie gefunden zu haben, die ich wahrscheinlich „fressen“ werde.
Heute Abend gibt es für uns noch Nachos mit selbst gemachter Guacamole und dann klingt der Abend ganz entspannt aus. Wir sind schon super gespannt, wie sich der nächste Tag zeigen wird und schlafen voller Eindrücke von Eseln und Las Vegas ein.Leia mais
Auf ins Tal des Todes
27–28 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 23 °C
Nachdem wie gestern Abend in der Dämmerung angekommen sind und die herannahende Nacht alles schnell ins Dunkle getaucht hat, können wir heute am Samstagmorgen die Umgebung besser sondieren. Wir stehen auf groben Sand inmitten von vielen kleinen grünen Sträuchern und es erinnert uns beide an die Nacht im Süden von Texas. Der Kontrast zu den Übernachtungen im Wald vor ein paar Tagen ist schon verrückt.
Während Hanna die Morgenrunde mit Bella übernimmt, fahren immer wieder ein paar Trucks mit Anhängern, auf denen sich sportliche Offroadfahrzeuge befinden, am Stellplatz vorbei. Das Ziel sind die Sanddünen in knapp zwei Kilometern Entfernung, die sich bis zu 100 Meter über die Umgebung erheben. Beim Kaffee können wir dann auf der höchsten Düne auch immer wieder kleine schwarze Punkte beobachten, die mit einem Affenzahn die Düne rauf und wieder runterfahren.
Neugierig auf das Tal des Todes machen wir uns eine Stunde später gegen 11 Uhr auf den Weg in Richtung der nächsten Stadt, Beatty. Hier wird Freddie nochmal vollgetankt, die Gallone Diesel ist in Kalifornien bis zu drei Dollar teurer. Das so „gesparte“ Geld wird direkt bei der Tankstelle gelassen. Diese verkauft nicht nur Kraftstoffe, sondern stellt neben Jerky (getrocknetes Fleisch zum Snacken) auch schokolierten bzw. salzigen Knabberkram in Form von Nüssen und Mais her. Dazu gibt es eine Auswahl an Weingummis, die jedes noch so gut bestückte Büdchen im Ruhrgebiet vor Neid erblassen lassen würde. Bewaffnet mit von Sriracha Pulver überzogenem, getrocknetem Mais, sauren Mangobändern und ebenfalls sauren Kirschen konnten wir unsere Fahrt dann fortsetzen. Gut gelaunt wie zwei Kinder, die mit drei gefundenen Groschen den Deal des Lebens abgeschlossen haben, ging es dann fröhlich mampfend weiter in Richtung des Death Valley.
Gut 20 Minuten später überqueren wir dann – das erste Mal ohne großes Begrüßungsschild – die Staatsgrenze nach Kalifornien. Passend dazu lassen wir die Red Hot Chili Peppers mit dem gleichnamigen Lied laufen, während wir der Straße in Richtung des Furnace Creek folgen. Nachdem wir erstmal 300 Meter auf der wild geschlängelten Straße abwärts gefahren sind, machen wir kurz an einer Informationstafel halt. Diese betont deutlich, dass man sich am besten nur vollgetankt und mit ausreichend Wasservorräten auf den weiteren Weg machen soll. Da wir beide Anforderungen erfüllen, fahren wir weiter und rollen die nächsten 15 Kilometer kontinuierlich bergab. Die Aussicht auf das vor uns liegende und von verschiedenen Gebirgen umschlossene Tal ist wahnsinnig.
Obwohl wir noch viele Kilometer entfernt sind, können wir die weiße Oberfläche des Badwater Basin erkennen, wenn auch die Sicht durch das starke Hitzeflimmern verzerrt ist.
Die Vorhersage für den heutigen Tag lag bei 24 °C, während für die nächsten Tage schon deutlich höheren Temperaturen angepriesen wurden. Uns wird schnell klar, dass der Mess- bzw. Vorhersagepunkt nicht auf unserem Fahrweg liegen kann, denn für alle 200 Höhenmeter die wir uns in Richtung Tal bewegen, steigt die Temperatur um uns herum um ein knappes Grad. So sind wir dann auch recht froh den einzigen freien Schattenplatz am Besucherzentrum zu ergattern.
Während Hanna dort die Anmeldung vornimmt und die Karte des Parks abholt, kümmere ich mich ein wenig um unsere trinkfaule Reisebegleiterin im hinteren Teil von Freddie. Bella missfällt die spontane Aufmerksamkeit und ich sehe ihr deutlich an, dass sie einfach gerne weiter pennen will. Ohne großes Erbarmen bekommt sie aber ein paar Pumpstöße aus der Sprühflasche, mit dem verhältnismäßig kühlen Nass, ab.
Bewaffnet mit der Karte können wir dann auch unsere Weiterfahrt zum Badwater Basin besser planen. Der tiefste und zugleich heißeste Punkt Nordamerikas ist zwar nur noch knapp 30 Kilometer von uns entfernt, aber wir hatten vorab gelesen, dass einige Straßen noch gesperrt sein könnten. Ein Tropensturm hatte im letzten August fast die gesamte Jahresregenmenge an einem einzelnen Tag mit sich gebracht und verschiedenen Bereiche des Nationalparks unter Wasser gesetzt. Das Badwater Basin, die Überreste des urzeitlichen Lake Manly, hat in der Regel nur einen Wasserstand von wenigen Zentimetern (genährt von einem unterirdischen Fluss). Nach den Regenfällen war es aber problemlos möglich auf dem See mit einem Kajak zu fahren.
Mit einer Umgebungstemperatur von über 30 °C und einer gefühlt erbarmungslosen Sonne fahren wir dann auf das Wasserbecken zu. Hanna und ich können es nicht fassen, dass wir vor zwei Nächten noch in einer Landschaft unterwegs waren, die einigermaßen gleichmäßig über zwei Kilometer höher liegt als die Straße, über die wir gerade fahren. Über diesem Punkt befindet sich außerdem in anderen Bereichen der Welt die Meeresoberfläche. Am tiefsten Punkt versuchen wir uns vorzustellen, 38 Meter über uns Wasser zu haben. Unmöglich. Ebenso wenig greif- und fassbar ist die Vielfalt der Fauna, die wir dauerhaft entdecken können.
Am tiefsten Punkt angekommen, können wir in die sechseckigen Strukturen ausmachen, in denen sich das Salz ablagert. Es ist ein absolut irres Gefühl, an einem solchen geografischen Extrempunkt angekommen zu sein. Die Aussicht ist ein so ganz andere als am Grand Canyon, aber auf ihrer Art ebenso schwer zu verarbeiten. Wobei letzteres auch einfach daran liegen kann, dass wir beide aufgrund der Hitze und des nur bedingt nachhaltigen Frühstücks etwas matschig in der Birne sind.
Vom Badwater Basin folgen wir der knapp 80 Kilometer langen Straße und sind davon knapp 70 Kilometer vollkommen alleine unterwegs. Wir lassen die Besonderheit des Death Valley auf uns wirken und führen uns noch einmal die Geschichte der Namensgebung vor Augen. Im Jahr 1849 gerieten zwei Gruppen von Reisenden mit insgesamt etwa 100 Wagen in das Tal, als sie eine Abkürzung des Old Spanish Trail suchten. Wochenlang fanden sie keinen Ausweg aus dem Tal und waren gezwungen, mehrere ihrer Ochsen zu verspeisen, wobei sie sogar das Holz ihrer Wagen als Brennholz verwendeten. Schließlich entschieden sie sich, ihre verbleibenden Wagen zurückzulassen und das Tal über den einen Pass zu verlassen. Währenddessen drehte sich eine der Frauen aus der Gruppe um und rief dem Tal ein "Goodbye, Death Valley" hinterher.
Ohne einen Ochsen zu verspeisen schaffen wir es dann ohne Probleme aus dem Death Valley. Das nächste Ziel, der Joshua Tree National Park, ist bereits in das Navi einprogrammiert. Die vier Stunden bis dorthin werden wir aber definitiv nicht mehr fahren. Im Ort Baker stoppen wir ein Stündchen später und halten kurz Kriegsrat. Wir legen fest, einen Stellplatz in der Mojave Wüste in ein paar Meilen Entfernung anzusteuern, fahren aber vorher noch ein paar Meter zu einem griechischen Restaurant. Die guten Bewertungen bei Google und die Lust auf Gyros, Oliven, Feta und eine kalte Cola überlagern dann die innere Stimme, die nach gesundem Essen ruft.
Alles in allem, ist das Essen dann auch lecker und die Zutaten sehr frisch, wenngleich das Preis-Leistungsverhältnis vorne und hinten nicht stimmt. Den Vergleich mit einem griechischem Imbiss aus unserer Ecke würde The Mad Greek defintiv nicht für sich entscheiden können.
Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir dann unseren Platz in der Mojave Wüste, eine kleine Einbuchung an einer Sandpiste umgeben von Lavastein.Leia mais
Ein Tag in der Wüste
28–29 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 25 °C
Wir wachen recht früh in unserer kleinen Lava Nische auf und genießen die absolute Ruhe, wobei man verrückterweise Vogelgezwitscher und Fliegensummen ohne Ende hört. Diese Wüste lebt. Das haben wir gestern Abend schon gesehen, als wir einer sechsköpfigen Mäusefamilie beim Klettertraining zugeschaut haben.
Heute Morgen probieren wir auf jeden Fall das erste Mal unsere neue Handmühle aus und sind wirklich begeistert. Innerhalb von einer Minute ist der Kaffee fertig gemahlen, kein Vergleich zu unserer ersten Handmühle, die wir ganz zu Beginn in Freddie dabeihatten. Diese hatte dazu geführt, dass wir morgens meist keine Lust hatten Kaffee zu machen, weil wir uns ganz schön lange einen Wolf kurbeln mussten. Aber diese neue verspricht ein guter Freund von uns zu werden. Ein bisschen verrückt, dass es die dritte Mühle ist, die auf dieser Reise bei uns einzieht.
Wir beschließen, während der Kaffee blubbert, dass wir noch eine Nacht hierbleiben möchten. Das Wetter ist gut, wir genießen die Ruhe und es ist wirklich wunderschön. Ich freue mich innerlich schon richtig auf einen kompletten Lesetag. Heute Morgen weihen wir aber nicht nur unsere Kaffeemühle ein, sondern auch unseren Sandwichtoast Aufsatz für den Gasgrill. Dieses Teil ist simpel und einfach von der Überlegung her und beschert uns je zwei köstlichste Sandwichtoasts mit Käse, Roastbeef, Zwiebel, Pesto und anderen Soßen. Zu Beginn müssen wir noch ein wenig austarieren, wie lange wir die Toastseiten je über die Flamme halten müssen. Wow, das ist wirklich mal ein luxuriöses Upgrade und wird unsere Campingküche um einen festen Bestandteil an Gerichten erweitern. Da sind wir uns beide sicher.
Nach dem ersten Käffchen und mit einem sättigenden Frühstück im Bauch, gehe ich aber erstmal eine Runde mit Bella, die in jeder kleinen Lava-Nische ein Huschen von Echsen oder besondere Gerüche verfolgt. Ich bin total fasziniert, wie viele Blumen hier blühen und wie bunt gesprenkelt dieser Ort inmitten des schwarzen Lavagesteins und des Sandes ist. Schon in der Chihuahua Wüste in Texas musste ich meine Wüsten-Stereotypen überdenken und die Mojave Wüste belehrt mich erneut darüber, dass Wüsten nicht nur sandig und trocken sein können, sondern es super viel zu entdecken gibt.
Als wir zwei wieder zu Freddie kommen, hat Christian unsere Heckerweiterung (das Sonnensegel) hinten angebracht und darunter eine kleine Sitzecke aufgebaut, die unglaublich einladend ist. Ich mache es mir dort mit Kaffee Nummer zwei, ordentlich Wasser und meinem Kindle bequem und versinke wieder in meiner Fantasy Welt. Ui das letzte Mal, dass ich so versunken bin, war ganz am Anfang unseres Abenteuers, als mir der nette Fischer am Meer Tonnen an Obst und Gemüse geschenkt hat. Wie weit weg diese Erinnerung schon ist, da wird einem erstmal bewusst wie lange wir nun schon reisen dürfen und wie voll unser Rucksack an fantastischen Erinnerungen schon ist.
Der Tag saust tatsächlich an mir vorbei. Christian genießt die Aussicht oben auf dem Bett, verdaddelt die Zeit, recherchiert und lässt ebenfalls die Seele baumeln. Bella leistet mir in der heimeligen Sitzecke Gesellschaft. Während die Sonne ihren Weg verfolgt, ziehen wir im Laufe des Nachmittags hinter Freddie um, kochen nochmal ein Käffchen, genießen zwischendurch noch ordentlich Schnuckerkram, der vom Vortag noch übrig ist, ich ergänze unsere Berichtesammlung mit dem von Las Vegas und wir lassen es uns so richtig gut gehen. Gegen Abend wird es zur Sonnenuntergangszeit ganz schön frisch hinter Freddie, so dass wir Tisch und Stühle, vor unsere Schiebetür drapieren und dort die letzten Sonnenstrahlen des Tages einfangen. Christian, geht eine Abendrunde mit Bella und ich bereite mal wieder eine Runde Ramen vor. Als die beiden wieder da sind, ist es draußen dunkel und über uns erstrahlt ein unbeschreiblich schöner Sternenhimmel. Wir genießen das Abendessen, Christian hat nochmal die nächsten Stationen in unsere Routenplanungsapp eingegeben und wir spielen gerade schon mit dem Gedanken, eventuell nochmal um eine Nacht zu verlängern, einfach weil wir diesen Ort bezaubernd finden und uns hier ganz schön wohl fühlen.
Drei Sternschnuppen und einen Schnack darüber, wie wir die ersten drei Monate unserer Reise reflektieren würden, später, hopsen wir in Freddie, Christian spült, tippt den Bericht vom Death Valley und danach geht es auch schon ganz entspannt mit Buch in der Hand und Grillengezirpe im Ohr ins Bett. Ich bin grade total fasziniert, was man dann doch alles über einen Tag an dem man gefühlt nichts gemacht hat außer zu lesen, so berichten kann.Leia mais
Wüstenkinder
29–30 de abr. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 27 °C
Eine neue Woche fängt an und wir haben gestern Abend noch entschieden, eine weitere Nacht zu bleiben. Wir genießen die Ruhe und Einsamkeit hier gerade sehr. Zusätzlich können wir so auch noch etwas „Kraft“ tanken für die nächsten zwei Wochen. Nach diesem Zeitraum wollen wir in Kanada ankommen, bis dahin warten aber noch fünf Nationalparks und die Fahrt durch zwei Millionenstädte auf uns.
Die Sonne scheint uns heute schon vertreiben zu wollen, aber Freddie wirft den Tag über verteilt genug Schatten, so dass es sich auch heute gut aushalten lässt. Es wird gelesen, geschlafen, mal wieder Nachrichten gehört und ein wenig für das ein oder andere Gimmick für Freddie recherchiert. Wir genießen leckeren Kaffee, Teile einer XXL-Zimtschnecke und genießen am Abend mal wieder den leckeren Bergkäse-Salat.
Ansonsten gibt es von heute nicht viel zu berichten…Leia mais
Spargel in der Wüste
30 de abr.–1 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☁️ 16 °C
Wir starten mit Kaffee und den Resten vom Vortag in den Dienstag. Hanna verspeist genüsslich die Reste vom Bergkäse-Salat und ich opfere mich und esse die Reste der riesigen Zimtschnecke. Wir beobachten dabei, wie der von Freddie auf den Tisch geworfene Schatten langsam, aber sicher kürzer wird und nach Überschreiten einer „Grenze“ auf dem Tisch, werden wir dann auch aktiver.
Hanna übernimmt die gemütliche Morgenrunde mit Bella und ich kümmere mich um den Haushalt. Während ich spüle, die Beutel in den Mülleimern gegen neue ersetze, Tisch sowie Stühle verstaue, die Lüftungsgitter in den Fenstern der Fahrerkabine entferne, von den Keilen rollen und noch gefühlt ein Dutzend anderer Dinge erledige (die bestimmt eh niemanden interessieren), stelle ich zufrieden fest, wie gut und klug unser Ausbau doch ist.
Wir haben in den letzte drei Monaten Ideen ohne Ende gesammelt, was man an bei einem neuen Camper anders machen könnte. Aber da schwingt natürlich in der Hauptsache die Lust am Bauen sowie Basteln und zum anderen auch das Wissen über das Alter von Freddie mit. Alles in allem gibt es aber nichts, was uns die Tage in Freddie unbequem oder umständlich macht.
Das nächste Ziel, der Joshua Tree National Park, ist etwas über zwei Stunden entfernt und wir fahren die meiste Zeit mitten durch die Mojave Wüste, natürlich auf einer asphaltierten Straße. Während wir noch in den Genuss kamen, die letzten Nächte auf knapp 800 Höhenmetern zu leben, geht es während der Fahrt erstmal komplett nach unten und wir befinden uns wieder auf Meereshöhe – von Wasser aber weit und breit keine Spur. Dafür sind es dann knapp 32 °C um uns herum und wir kommen beide gehörig in Schwitzen. Da muss dann zwischenzeitlich auch schonmal die Sprühflasche für Bella für uns herhalten. Kurz vor dem Nationalpark ist dann auch wieder „richtige“ Zivilisation in Sicht und ich überrasche Hanna mit einem Stopp an einem Starbucks. Die beiden Frappes habe ich schon vorher bestellt, so dass Hanna nur kurz reinhüpfen muss, um den kalten Genuss abzuholen.
Wir sind beide sehr froh, dass uns die Topologie des Parks in höhere Gefilde führt und wir immer wieder mit frischer, kalter Luft verwöhnt werden. So schaffen wir es dann auch, die Aussicht auf die berühmten „Joshua Trees“ (zu Deutsch Josua-Palmlilie) zu genießen. Welcher der beiden Namen schöner klingt, mag jeder für sich entscheiden, die Ansicht eines kompletten Waldes aus diesen Bäumen ist dann – mal wieder – atemraubend. Die Bäume werden in der Regel bis zu 150 Jahre alt, wobei es hier im Park auch einzelne Exemplare gibt, die bis zu 900 Jahre alt sein sollen. Hanna hat sich den Artikel über die Bäume bei Wikipedia aufgerufen und erzählt mit der Leidenschaft einer ausgewachsenen Dendrologin, dass diese Bäume zur Familie der Spargelgewächse gehören.
Nach etwa zwei Stunden haben wir dann den „touristischen“ Teil des Parks abgefahren und entscheiden uns, den Park über den südlichen Ausgang zu verlassen. Die Fahrt ist dann relativ gemütlich und wir können zwischendurch noch den Blick auf ein großes Kakteenfeld werfen.
Vom Ende des Parks geht es dann direkt auf die Interstate in Richtung der Stadt der Engel. Etwas über drei Stunden Fahrt sind es dorthin noch und wir entscheiden uns, davon noch maximal eine Stunde zu fahren. Immerhin ist es mittlerweile auch schon 18 Uhr und wir wollen nicht in kompletter Dunkelheit ankommen. Die nächste Stunde entlang der Interstate ist dann für uns alle drei auch sehr herausfordernd. Es geht kontinuierlich in Richtung der Sonne durch das Coachella Tal (hier hat übrigens auch vor Kurzem eines der größten Festivals der Welt stattgefunden) und wie es nun mal mit Tälern auch so ist, bergab. Bei knapp 36 °C haben Hanna und ich dann auch unsere Belastungsgrenze gefunden und sind froh, dass wir unseren Stellplatz für die Nacht in den Bergen von San Bernadino vermuten.
Ein kurzer geplanter Tankstopp sorgt dann erstmal für Fragezeichen in unseren Köpfen. An der Tankstelle gibt es nur Diesel mit einem Bio-Anteil von 20% (B20). Wir fahren also zu einer anderen Tankstelle und hoffen dort auf den anderen, bisher getankten Diesel. Dort gibt es dann aber noch eine ganz andere Art, R99. Anders als B20-Diesel besteht der R99-Diesel aus fast ausschließlichem Biodiesel, mit nur sehr geringen Anteilen fossilen Dieselkraftstoffs. Den Standard-Diesel gibt wohl an keiner der Tankstellen in Kalifornien laut meiner kurzen Suchen im Internet. Wir begrüßen beide den Ansatz, dass durch den Herstellungsprozess der Effekt auf die Umwelt reduziert wird, möchten aber nach Möglichkeit darauf verzichten, uns noch einen Motorschaden einzufangen. Welche der beiden Sorten das geringere Übel für unserem alten Sprinter ist, wird uns auch erstmal nicht klar und wir tanken mutig den B20-Diesel.
Von der Tankstelle aus geht es dann eine Stunde in Richtung des auserkorenen Stellplatzes, dieser liegt aber direkt am Highway und ist richtig vermüllt. Da wir beide das nicht wirklich einladend finden, fahren wir weiter, und zwar bergauf. Freddie ist mittlerweile in eine richtig kühle Brise getaucht und wir genießen die kalte und frische Luft sehr. Es dauert noch fast eine halbe Stunde, bis wir dann in vollkommener Dunkelheit auf gut 2000 Höhenmetern am Stellplatz im Wald ankommen. Wir können das grün um uns herum natürlich nur erahnen, sind aber beide vom Fleck weg verliebt in den Geruch von Wald.
Hungrig wie wir sind, nutzen wir für ein schnelles Abendessen den Sandwich-Maker für den Gasgrill und verarbeiten beide mampfend die Eindrücke des Tages. Vom Warmen über die Hitze in die Kälte, von der Tiefe bis in die Berge. Kein anderes Land, dass wir bislang bereist haben, kriegt diese Kontraste auf so wenig Kilometern unter.Leia mais
Freddie goes to Hollywood
1–2 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 21 °C
Wir wachen unter Vogelgezwitscher und mit Waldgeruch in der Nase auf und als wir unsere Thermomatten herunterklappen zeigt sich der Platz, dessen Umgebung wir gestern im Dunkeln nicht sehen konnten, in einem richtig schönen Gewand. Mitten im Wald auf einer Lichtung und mit einer frischen Brise aber in Sonnenschein getaucht. Zauberhaft!
Christian hopst mit Bella aus Freddie und macht sich auf zu einer Gassirunde, während ich Freddie tagesfrisch zaubere und Kaffee vorbereite. Heut verwerte ich dann auch einige Reste und bereite ein Frühstück vor. Rührei mit Paprika und das alles kommt mit Cottage Cheese, Basilikum Pesto und Salat auf ein paar Frühstücks-Tacos. Hört sich nach einer wilden Mischung an, schmeckt aber wirklich ganz schön lecker.
Christian ist während den Vorbereitungen mit Bella wieder aufgetaucht und tippt die Berichte vom zweiten Wüstentag und dem Joshua Tree National Park. Zwischenzeitlich höre ich draußen einen Vogel, der mich an Tribute von Panem denken lässt und ich pfeife einmal die aus dem Film bekannte Tonfolge der Aufständer. Kurze Zeit später zwitschern mehrere Spottdrosseln die gleiche Melodie und tragen diese durch den Wald. Wie cool. 😍
Mit gut gefüllten Bäuchen und voller Neugier auf die nächste Großstadt, die heute mal nicht in Regen versinken soll, wird noch schnell gespült und Freddie abfahrbereit gemacht.
Wir rollen los und fahren die Bergkette, die wir gestern im Dunkeln erfahren haben, wieder nach unten in Richtung Tal. Mal wieder sind kontrollierte Forstfeuer angekündigt und heute sind wir soweit am Gipfel, dass wir auf dem Weg sogar die Flammen an den Bäumen am Gipfel hochzüngeln sehen können. Das sieht ganz schön beeindruckend aus und lässt uns ordentlich staunen. In dem Waldbereich gibt es unzählige Campgrounds, die zwar aktuell noch geschlossen sind. Wir können uns aber gut vorstellen, dass dieses Fleckchen Erde in den Sommermonaten von etlichen Stadtflüchtlingen als Oase der Natur angefahren werden.
Wir haben noch gute zwei Stündchen bis Los Angeles und sind den Morgen ganz in Ruhe angegangen, weswegen wir erst um 13 Uhr losgehoppelt sind. Aber das ist kein Problem, da wir auch heute nicht damit rechnen, dass wir in L.A. groß umherwandeln wollen. Ursprünglich war die Stadt gar nicht als Stopp eingeplant, da wir aber sowieso an den Stadtgrenzen entlang gefahren wären, habe ich mir einen Blick auf das Hollywood Sign gewünscht. Während der Fahrt ergänzen wir unsere „Want Sees“ mit den Hollywood Hills, dem Hollywood Boulevard, Bel Air und dem Santa Monica Pier.
Zwischendurch kühlen wir uns mit einem weiteren Frappee von Starbucks und genießen die Fahrt bei strahlendem Sonnenschein. Auf der Interstate kurz vor L.A. sind wir dankbar, dass wir stadteinwärts fahren, weil die Gegenspur kilometerweit im Stau feststeckt. Als wir an der ausgewiesenen Abfahrt die Interstate verlassen und in die Stadt eintauchen sind wir angenehm überrascht, wie grün und seicht hügelig diese Ausläufer von L.A. daherkommen. Plamen säumen den Straßenrand, es riecht das erste Mal seit wir unterwegs sind so richtig nach Sommer, die Sonne scheint und wir hören die Red Hot Chilli Peppers. Irgendwie wirkt es durch Palmen und auch sehr viele Grünflächen und Bäume, blühende Sträucher und Blumen luftiger als die anderen Vororte der bisher erkundeten Großstädte. Es kann natürlich auch sein, dass die Abwesenheit von Regen L.A. einfach um einiges charmanter erscheinen lässt als etwa Miami oder Las Vegas auf uns gewirkt haben.
Wir steuern in Richtung Hollywood Sign, das in den Hollywood Hills über dem gleichnamigen Stadtteil L.A.’s prangt. Wir fahren in Richtung Griffith Park und parken in der Nähe des Griffith Observatoriums, einem riesigen Planetarium, das auf dem Mount Hollywood liegt. Nachdem keiner der Parkautomaten funktioniert, lassen wir Freddie so stehen und sind dankbar, dass wir nicht 10$ pro Stunde zahlen müssen. Nachdem wir die Aussicht vom Observatorium aus über die Skyline von L.A. und auch auf das Hollywood Sign haben auf uns wirken lassen, beschließen wir einen kleinen Trail durch den Griffith Park zu laufen, der mit 17 Quadratkilometern der zweitgrößte Stadtpark Nordamerikas ist. Der Hollywood Mountain und die umliegenden Hügel gehören zu den östlichen Ausläufern der Santa Monica Mountains und es wirkt, als würden wir durch die grüne Lunge L.A.`s stapfen. Wir fühlen uns so gar nicht, als wären wir in der zweitgrößten Stadt der USA unterwegs. Sechs Kilometer später kommen wir zufrieden und beeindruckt von Natur und Aussichten wieder bei Freddie an.
Es ist bereits früher Abend und wir rollen los, bereit weitere Eindrücke aus unserem fahrenden Zuhause zu sammeln. Auf dem Weg ins Tal, und zum Hollywood Boulevard passieren wir unglaubliche Villen und Grundstücke, die zum Teil nur zwischen Tor und Hecke aufblitzen.
Am Boulevard angekommen machen wir die 360° Kamera fertig und rollen über den Walk of Fame, der gespickt von Restaurants, Clubs und Touristenschuppen ist. Aktuell wird in L.A. scheinbar das „Netflix is a Joke Fest“ ausgerichtet, weswegen lange Schlangen vor verschiedensten Veranstaltungsorten stehen. Kaum verschwinden die Sterne auf dem Bürgersteig eröffnet sich ein ganz anderes Bild. An den Straßenrändern sind unzählige Zelte aufgeschlagen, die von Obdachlosen bewohnt werden, vor der Heilsarmee steht eine lange Schlange an hilfsbedürftigen, die auf Unterstützung dringend angewiesen zu sein scheinen. Wie nah Tourismus, Reichtum und absolute Armut und Hilflosigkeit beieinander liegen wird hier ganz plakativ deutlich. Es wirkt als würde hier nur „ganz viel“ oder „gar nichts“ nebeneinander existieren, Mittelschicht scheint ein Fremdwort zu sein.
Dem ganzen Thema mit den Gedanken ein wenig nachhängend geht es weiter in Richtung Bel Air. Vom Namen her natürlich bekannt aus der Serie mit Will Smith: „Der Prinz von Bel Air“. Dies ist ein absolutes Nobelviertel, in dem die ganz großen Stars ansässig sind. Unser Ziel ist es natürlich nicht, irgendwelche Promis zu sehen, uns stellt sich einfach die Frage, was an diesem Ort so besonders ist, dass die Stardichte hier von Jay-Z und Beyonce, über Dwayne „The Rock“ Johnson bis hin zu Heidi Klum und unzähligen anderen Stars reicht. Wir rollen bergauf und bergab an vielen gut bewachten und nicht einsehbaren Grundstücken vorbei und genießen derweil die Aussichten, die sich hinter den einzelnen Bergkuppen eröffnen. Es ist verrückt, wie nah am Stadtinneren man hier in der absoluten Ruhe, Natur und „Einsamkeit“ zu sein scheint, obwohl die Grundstückdichte sehr eng ist. Die Aussichten sind wirklich atemberaubend schön, gerade im Sonnenuntergang, der aktuell die schönsten Farbtöne an den Himmel zaubert.
Weiter geht es in Richtung Santa Monica Pier. Hier endete einst die Route 66 und der Pier ist das bekannteste Highlight der gleichnamigen Stadt. Schon von weitem sieht man das leuchtende Riesenrad, das neben einer Achterbahn und anderen Vergnügungshighlights auf dem Pier selbst angebracht ist. Meine Muße hier auszusteigen und über den mit Touristen gespickten Pier zu laufen, hält sich ganz schön in Grenzen. Andererseits sind wir das erste mal seit dem Rutherford Beach (17.03.) wieder am Meer - und ich liebe das Meer 😉. Also lösen wir ein Parkticket für schlappe 15$ und machen uns unter Anfeuerung der Karaoke Sängerin, deren nicht vorhandene Gesangskünste und locken (nicht!), auf in den Trubel.
Wir betreten den Pier und laufen ihn einmal bis zum Ende und beobachten dort einige Fischer, die hier ihre Angeln ausgeworfen haben und auf den großen Fang warten. Wir genießen die Meeresbrise und ich versuche zu verarbeiten, dass ich hier gerade das erste Mal in meinem Leben am Pazifik stehe. Verrückte Welt. Wir sind einfach in den letzten drei Monaten von der Ostküste der Vereinigten Staaten, dem atlantischen Ozean, quer über den gesamten Kontinent bis zur Westküste, dem pazifischen Ozean, gefahren. Wahnsinn, besonders wenn man bedenkt, was wir alles erlebt haben und welch bombastische Natureindrücke wir sammeln durften. Da tut sich ganz schön Demut und Dankbarkeit auf.
Nach dem kurzen Halt machen wir uns auf die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht, wir wissen, dass wir noch ein wenig fahren müssen, auch wenn es mittlerweile schon 21 Uhr ist. Hier im Großraum L.A. sind Stellplätze für eine Nacht rar gesät. Natürlich gibt es vereinzelt Campingplätze, aber über die Kosten dieser wollen wir nicht sprechen. Wir rollen also durch Malibu (auch hier würden wir uns nicht einfach für eine Nacht an den Straßenrand stellen) und fahren in Richtung Landesinneres, da der nächste Halt für uns der Sequoia National Park sein wird. In der Stadt Camarillo gönnen wir uns einen In’n’Out Burger und finden einen großen Parkplatz an einem Outlet-Center, der uns für eine Nacht einen Platz zum Schlafen offenbart.Leia mais
Fahren, quatschen, snacken
2–3 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 27 °C
Die Nacht war ruhig und niemand hat uns vom Parkplatz vertrieben, so dass ich vollkommen erholt wach werde. Ich finde es erstaunlich, dass ich eine halbe Stunde nach einem Fast-Food-Menü inklusive einem Liter Cola einschlafen kann und einen sehr erholsamen Schlaf habe. Viel erstaunlicher findet das auch nach über sechs Jahren immer noch Hanna.
Nach kurzer Überlegung steht der Reiseplan für heute auch relativ zügig fest: Ich gehe eine Runde mit Bella, Hanna übernimmt Freddie. Danach geht es ins Fitnessstudio zum Duschen, anschließend wird eingekauft und ein Kaffee bei Starbucks geholt.
Knapp vier Stunden später ist alles erledigt und wir verlassen Camarillo und fahren an Orangen-, Mandarinen- und Erdbeerfeldern vorbei. Der Geruch erinnert mich ziemlich an meine Arbeitszeit in Andalusien im letzten Jahr, selbst die Beschilderungen sind hier zum Teil auf Spanisch. Der entscheidende Unterschied: es ist alles so viel grüner. Der Highway führt auf dem Weg zur Interstate über einen Berg und wir sind begeistert von der Aussicht. Von der städtischen Umgebung ist nichts mehr zu sehen.
Die Interstate selbst führt erstmal durch die Sierra Pelona Mountains aufwärts und wir sind wirklich froh, dass Freddie uns mit den 150 PS gut und zügig nach oben bringt. Wir steuern auf einen Rastplatz zu, an dem es auch Wasser gibt und verwenden zum ersten Mal überhaupt den Wasserdieb. An einem Ende befindet sich der altbekannte Gardena-Anschluss, am anderen eine flexible Gummitülle, die mittels einer Schelle am (gewindelosen) Wasserhahn befestigt werden kann.
In den nächsten zwei Stunden stehe ich also dreimal am Wasserspender und halte den Druckknopf fest, während langsam das Wasser in den Kanister läuft. Während dann das Wasser aus dem letzterem in unseren Tank umgepumpt wird, bin ich immer wieder beim Videochat mit Tim dabei. Der Austausch ist Balsam für die Seele und so fahren wir dann bestens gelaunt gegen 17 Uhr wieder auf die Interstate.
Keine halbe Stunde später machen wir mal wieder Halt an einem Schnellrestaurant. Ein Werbeplakat für den El Diablo hat mir schon ein paar Meilen lang das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Die Kette „Carl Jr.“ haben wir schon ein paar Mal gesehen, wagen uns aber jetzt das erste Mal hinein. Zum Glück, sowohl der El Diablo als auch der Avocado-Bacon-Burger gehören mit zu den besten Burgern der letzten drei Monate! Gesättigt, sowohl vom Essen als auch für das Erste von Fast-Food geht es weiter zur Tankstelle, an der wir dann nicht wieder den B20-Diesel, sondern den R99-Diesel tanken. Der Bio-Diesel hat uns im Stadtverkehr ziemlich qualmen lassen und wir haben in etwas wie ranziges Speiseöl gestunken.
Wir kommen danach kurz vor Sonnenuntergang im Ort Delano an und steuern zum dortigen Walmart. Wir murren beiden zwar etwas, weil es die zweite Nacht in Folge auf einem „ollen“ Parkplatz bedeutet, aber in Umkreis war einfach nichts Besseres zu finden. Und in der Not Frist der Teufel halt Fliegen.Leia mais
General Sherman Tree
3–4 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 17 °C
Voll mit Vorfreude auf den Besuch im Sequoia National Park werde ich wach und flitze dann auch direkt mit Bella los. Ein schlechtes Gewissen ist vorhanden, immerhin geht es nur entlang des riesigen Einkaufszentrums über die großen Bürgersteige. Bella ist das aber vollkommen egal und es wird jeder noch so kleine Strauch beschnuppert. Mit einer erleichterten und zufriedenen Bella können wir uns dann auch aufmachen. Natürlich nicht ohne uns beim Starbucks für die Fahrt noch einen Kaffee zu holen. Die Bequemlichkeit siegt zur Zeit etwas.
Nach einiger Zeit erreichen wir dann auch die Straße, die zum Nationalpark führt. Diese schlängelt sich entlang der Three Rivers aufwärts und wir genießen den Ausblick auf das glasklare Wasser, dass sich genährt von der Schneeschmelze auf den Weg ins Tal macht. Die Natur wird zunehmend grüner und waldiger. Genau auf solch eine Szenerie hoffen wir auch in Kanada in Kombination mit einem einsamen Stellplatz. Am Eingang des Parks angekommen, stellen wir erfreut fest, dass es das Glück heute gut mit uns meint.
Im letzten Jahr ist ein Teil der Straßen von Schlammlawinen beschädigt worden und zurzeit finden Reparaturarbeiten statt. Die Zufahrt zur Hauptattraktion ist von Dienstag bis Donnerstag von 8 Uhr morgens bis 18 Uhr am Abend nicht möglich, montags und am Freitag nur vor diesen Zeiten und zwischen 12 Uhr und 13 Uhr. Jetzt gerade ist es kurz nach Zwölf an einem Freitag und so hören wir auch auf die Rangerin und fahren direkt los. Die Sperrung beginnt nach etwas mehr als der halben Strecke und bis zum dahinterliegenden Giant Forest benötigen wir in etwa 45 Minuten.
Gute 25 Kilometer lang schlängelt sich die Passstraße kontinuierlich aufwärts in die Berge der Sierra Nevada und es ist ein wirklich wilder Wechsel aus Links- und Rechtskurven die immer wieder von kompletten Spitzkehren unterbrochen werden (mitlesende MX5-Fahrer hätten hier auch Spaß ohne Ende). Die Aussicht in die Schlucht und der Blick ins weitläufige Tal ist der absolute Wahnsinn. Während wir am Besucherzentrum einen einzelnen, riesigen Felsen auf dem Bergkamm nur als verschwommene Struktur ausmachen konnten, wird dieser immer größer und größer.
Es ist schon verrückt, dass sich in dieser Bergkette der größte Berg der USA (ohne Alaska) befindet und auf der anderen Seite der Berge der tiefste Punkt der USA – das Death Valley mit dem Badwater Basin.
Nach einer der vielen Kurven geht ein lautes „wow“ unisono durch die Fahrerkabine, als wir die ersten Bäume der Gattung Sequoiadendron Giganteum erblicken. Diese hier heimische Baumart heißt im Deutschen Bergmammutbaum und gehört zu den größten Bäumen der Welt. Die Exemplare die wir nahe der Straße erblicken sind senkrecht emporgewachsen und auf den ersten gut 30 Metern sind fast keine Seitenwüchse auszumachen. Schmerzen im Nacken werden wohl vorprogrammiert sein. Kurz danach erreichen wir den Parkplatz am Giant Forest Museum, hier fahren schon knapp sechs Fahrzeuge alá Reise nach Jerusalem im Kreis und wir fahren eine Runde mit, aber auch nur, weil wir das Schild mit dem zusätzlichen Parkplatz zu spät sehen und nicht mehr rechtzeitig abbiegen können. Dort unten parken wir abseits im Schatten normaler Bäume und machen erstmal eine kleine Pause.
Heute schlägt bei mir Migräne voll durch und bis die Tablette wirkt, halte ich ein kurzes Schläfchen und werde dann mit einem leckeren Müsli mit frischen Erdbeeren geweckt. Mit neuer Energie und fast ohne die Kopfschmerzen machen wir uns auf in Richtung eines kurzen Spazierganges. Bella schaut ziemlich betroffen drein, aber die Regeln lassen sich halt nicht ändern.
Nach ein paar Metern – zum Teil noch über Schnee – erreichen wir den Big Trees Trail. Dieser ist um eine Wiese angelegt, die nach großen Regenfällen oder nach der Schneeschmelze komplett unter Wasser steht. Am Rundweg selbst sind in regelmäßigen Abständen Informationstafeln angebracht, die die Besonderheiten der großen Bäume beschreiben, aber auch die negativen Auswirkungen des Menschen auf eben diese. Neben einem Restaurant, das direkt zwischen zwei großen Sequoias stand, war es möglich den Fußweg – damals noch eine kleine Straße – mit dem Auto zu befahren. Zum Glück steht mittlerweile der Fokus ganz auf dem Schutz der gigantischen Bäume. Auch wenn diese je nach Standort sehr, sehr schnell wachsen können, sind die ältesten Exemplare hier im Nationalpark zum Teil über 2000 Jahre alt. An einem einzelnen Baum legen wir beide auch kurz die Hand auf die zentimeterdicke Rinde und sind sofort von Ehrfurcht ergriffen. Wenn dieser Baum Geschichten erzählen könnte, wir würden sofort zuhören. Schade, dass hier in so viele Bäume Herzen, Daten und Namenskürzel hineingeritzt wurden.
Da diese Bäume so massiv sind, schaffen sie es aber diese Markierungen und auch Waldbrände zu überstehen, sofern diese in nicht allzu regelmäßigen Abständen stattfinden. Diese Brände brauchen die Bäume auch, damit sich der Boden im richtigen Zustand befindet, damit die Samen aus den Zapfen gedeihen können. An einer Stelle entlang des Weges stehen vier sehr große Exemplare, die auf das gleiche Alter geschätzt werden. Es wird daher angenommen, dass diese nach einem entsprechenden Waldbrand fruchtbaren Grund gefunden haben.
Leider sorgen Waldbrände auch dafür, dass ein Teil der Population vernichtet wird. So wurden 2020 zwischen 10-15% der Bäume beim sogenannten Castle Fire vernichtet, unter anderem auch der neuntgrößte seiner Art, der „King Arthur Tree“. Bei den Waldbränden im Jahr danach fielen weitere 3-8% der Bäume den Bränden zum Opfer. Gründe für die Waldbrände sind Blitzeinschläge, die in den in den letzten Jahren immer trockeneren Wäldern Feuer entzünden, die sich rasend schnell ausbreiten können. Ironischerweise sind dagegen kontrollierte Waldbrände das beste Mittel, um die Bäume zu schützen, auch wenn diese Waldbrände nach aktuellen Studien viel, viel häufiger durchgeführt werden müssen. Unabhängig von den Schutzmaßnahmen ist klar, dass durch die Brände in den letzten Jahren das Ökosystem in Kalifornien nachhaltig gestört wurde.
Mit all diesen Eindrücken und Informationen machen wir uns wieder auf in Richtung Parkplatz. Dank der klugen Uhr finden wir einen Weg, der uns von hinten zum Parkplatz führt und so kommen wir in den Genuss eines Flusses, der wild und zum Teil steil nach unten führt. Ein Mammutbaum, der über diese kleine Schlucht gefallen ist, liegt im Wasser und aus dem Stamm heraus plätschert ein kleiner Wasserfall. Als wenn dies nicht schon beeindruckend genug ist, überqueren wir wenig später diese Schlucht über einen ebenfalls gefallenen Baum, der als offizielle Brücke fungiert.
Während der Fluss sich nun rechts sehr steil und tief durch die Landschaft frisst, folgen wir dem Weg zurück zu Freddie. Der Geruch von Wald, Erde und Natur verzaubert mich in Kindheitserinnerungen an Wanderungen im Odenwald mit meinen Großeltern zurück, während bei Hanna die Erinnerungen an den Wald in und um Happerschoss geweckt werden. Dort hat sie früher mit Geschwistern und Freunden wie Biber Staudämme im Bach gebaut und im so gestauten Wasser Kaulquappen gesammelt. Zumindest so lange, bis die Kirchenglocken läuteten und der Gang nach Hause angetreten werden musste.
Nachdem wir Bella mit einer Runde über den Parkplatz wieder etwas beschwichtigt haben, erreichen wir den Parkplatz in der Nähe des General Sherman Tree. Dieser ist dem Stammvolumen nach dem größten Baum der Welt, wenn auch nicht der höchste. Insgesamt befinden im Nationalpark fünf der zehn größten Sequoias. Überhaupt ist Kalifornien ein Ort der Superlative für Bäume.
Sowohl der größte, höchste und älteste Baum sind hier beheimatet. Der älteste Baum befindet sich im Inyo National Forest, sein genauer Ort wird aber geheim gehalten – vermutlich, damit er noch für lange, lange Zeit der älteste Baum bleiben kann. In ein paar Tagen werden wir im Redwood National Park sein, wo sich der höchste Baum der Welt befindet. Dieser wurde erste 2006 entdeckt und auch hier wird der genaue Standort nicht veröffentlich. Da es aber zu genüge Abenteurer gibt, die sich auf die Suche nach diesem Baum machen, dabei querfeldein wandern und für Schäden im Wald verantwortlich sind, ist das Erreichen das Baumes mittlerweile unter Strafe gestellt – neben einer gehörigen Geldstrafe droht hier auch Haft. Begrüßenswert.
Zurück zum Tag. Der Spaziergang vom Parkplatz führt uns über einen asphaltierten Weg abwärts in Richtung des General Sherman Trees. Dieser ist bereits aus der Entfernung auszumachen, weil er für seine kahle Spitze bekannt ist. Auf dem Weg dorthin lernen wir, dass der größte aller Bergmammutbäume, der „Vater des Waldes“ schon vor Jahrhunderten gefallen ist – wohl vollkommen unabhängig von menschlichen Einflüssen. Er soll über 130 Meter hoch gewesen sein.
Beim General angekommen, ist dieser mit seinem gigantischen Stammdurchmesser und knapp 84 Metern Höhe nur schwer zu greifen. Sich vorzustellen, dass es einen Baum gegeben haben soll, der nochmal 50 Meter höher gewesen sein muss – mit einem ähnlichen Durchmesser – ein Ding der Unmöglichkeit. Auf einem der Fotos ist auch ein Stamm zu erkennen, der vom General abgebrochen ist und sich in den Asphalt gegraben hat. Unvorstellbar, was dies für einen lauten Knall gegeben haben muss.
Zurück am Auto machen wir uns langsam auf den Weg aus dem Nationalpark. Wir suchen uns ein Plätzchen für die Nacht im Sequoia National Forest und werden nach einiger Zeit fündig. Die ersten Plätze lagen noch auf über 1800 Höhenmetern und da ab den frühen Morgenstunden in Höhenlagen vor einen Schneesturm gewarnt wird, wollen wir dann doch auf Nummer sicher gehen.
Während ich in der Dämmerung mit Bella die Gegend um den Platz erkunde, zaubert uns Hanna eine leckere Kartoffelpfanne. Satt, zufrieden aber vor allem zutiefst beeindruckt verbringen wir den Abend und schlafen dankbar ein.Leia mais
Pizza, Matsch und Schnee
4–5 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ 🌫 4 °C
Wir werden hier am Plätzchen mit einer zauberhaften Aussicht wach. Kurz überlegen wir, ob wir noch eine Nacht hier bleiben, da heute im Yosemite National Park, dem nächsten Stopp, den ganzen Tag Regen und morgen auch Schnee angesagt ist. Die Aussicht ist fantastisch, aber wir stehen am Rand eines Schotterplatzes, es fahren immer wieder Autos vorbei und da es hier ab mittags auch regnen soll, werden die Serpentinenartigen Schotterpisten nass wahrscheinlich auch nicht so bombastisch zu fahren sein.
Also entscheiden wir uns für einen gemütlichen Kaffee – und – Berichte – Vormittag und wollen dann schon ein paar der insgesamt gut drei Stunden in Richtung Yosemite National Park düsen. Nachdem Christian eine Runde mit Bella gegangen und Freddie tagesfein ist, tippen und schlurfen wir uns also beide durch den Vormittag.
Gegen Mittag packen wir unsere sieben Sachen zusammen und machen uns mit den ersten Regentröpfchen auf den Weg. Wir rollen durch den Mittag und nach einer knappen Stunde Fahrt grinst Christian mich an und fragt: „Weißt du worauf ich richtig Lust habe heute? (Spannungspause…) ne richtig gute Pizza“ – Ich grinse nur breit und Christian weiß, dass er 100 Gummipunkte mit der Idee geerntet hat. „Na dann hoffen wir mal, dass wir eine gute finden“ – sagt Christian und sein Grinsen wird noch viel breiter, als er keine 100 Meter später den Blinker setzt und auf den Hof eines Pizza Restaurants fährt. Der Schlingel hatte mal wieder vorher alles schon genau austariert – aber die Überraschung ist gelungen. So verbringen wir die nächste gute Stunde in dem Diner – ähnlichen Restaurant und genießen eine, diesmal typisch amerikanische, leckere Pizza. Das ist ein Frühstück nach meinem Geschmack. Ich finde es immer noch faszinierend, dass wir bisher keine extra Kilos angefuttert haben, obwohl in den letzten Wochen FastFood mal wieder etwas höher im Kurs steht. Aber ist ja perfekt.
Der weitere Nachmittag plätschert so dahin, im wahrsten Sinne des Wortes, es gießt zwischenzeitlich doch ganz ordentlich. Ab 17 Uhr machen wir uns langsam auf die Suche nach einem Stellplatz. Kalifornien wird durch die Sierra Nevada (spanisch für: „verschneiter Gebirgszug“) längs geteilt. Hier lag schon der Sequoia National Park und auch der Yosemite ist hier gelegen. Bis weit in den Norden zieht sich die Gebirgskette weiter und schaut man auf Maps nach, reiht sich hier ein National Forest an den nächsten. Das macht es uns einfach in diesem Gebiet Stellplätze zu finden. Heute allerdings suchen wir etwas länger, durch den Regen schwimmen wir ein wenig über die ersten Waldstraßen und ich werde ganz schön nervös. Sich festzufahren wäre wahrscheinlich mal eine Erfahrung, aber ich muss sie nicht heute sammeln. Christian findet das ganze nur halb so wild und navigiert Freddie rutschend aber sicher durch den Wald und wieder auf den Asphalt.
Wir fahren noch ein wenig weiter. Als wir dem Yosemite näher kommen, entdecken wir ein Schild am Straßenrand, das uns darauf hinweist, dass man an bestimmten Tagen aufgrund des hohen Besucherandrangs eine Reservierung für den Yosemite braucht. Kurz nachgeschaut wird uns klar, dass wir heute einen Platz für zwei Nächte suchen sollten. Denn morgen ist Sonntag und an Wochenenden braucht man eine Reservierung und für morgen ist bereits nichts mehr zu holen. Soll uns recht sein, wenn wir einen schönen Platz in der Natur finden, dann bleiben wir dort doch gern zwei Nächte.
Im Sierra National Forest werden wir schließlich fündig. Hier stehen wir auf einer kleinen Lichtung zwischen vielen Bäumen, ein paar andere Camper, manche mit Zelt, manche mit Camper stehen an anderen verwinkelten Plätzchen in unserer Nähe, aber wir haben unsere Ruhe. Da wir mittlerweile wieder ein bisschen höher stehen ist aus dem Regen mittlerweile Schnee geworden und innerhalb von recht kurzer Zeit stehen wir in einem ganz schönen Winterwonderland. Heute Nacht soll es -4°C werden, eine Feuerprobe für die Funktion unserer Standheizung also.
Wir gönnen uns noch ein Käffchen mit Zimtschnecke und abends macht sich Christian auf zu einer Schneerunde mit Bella. Als Frau Flausch aus Freddie rausspringt staunt sie nicht schlecht, wo denn das weiße Nass wohl plötzlich herkommt. Bella liebt Schnee und so rast sie wie eine wilde Wutz durch den Puder. Die Standheizung macht aus Freddie tatsächlich eine nochmal gemütlichere Höhle, als er sonst sowieso schon für uns ist. Als die beiden wieder da sind, kuscheln wir uns in Freddie ein und genießen den Abend in unserem warmen, rollenden zu Hause.Leia mais
Stubenhocker Tag
5–6 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 5 °C
Als wir gestern unter der Bettdecke angekommen sind, haben wir die Standheizung ausgemacht und waren gespannt, wie wir die Nacht so durchstehen. Heute morgen (ehrlich gesagt ist schon fast Mittag) wachen wir auf und ich muss sagen, gefroren habe ich zu keinem Moment und auch Christian schaut mich zufrieden aus verschlafenen Augen an. Es sind immer noch, oder schon wieder knappe 14 Grad in Freddie. Ich kann absolut nicht gut einschlafen, wenn ich spät Kaffee trinke und habe gestern noch überlegt, ob es eventuell schon zu spät ist. Was soll ich sagen, wir haben um 3:20 Uhr das letzte mal auf die Uhr geschaut, nachdem ich den gesamten Abend und die halbe Nacht die letzten Folgen von Germanys next Topmodel geschaut habe 😂
Es ist also nach elf und Christian düst eine große Runde mit Bella, während ich Kaffee mache und was lese. Ich finde es garnicht schlimm, dass der Tag schon so weit fortgeschritten ist, merke aber, dass meine Laune heute irgendwie nicht die Beste ist. Das darf auch mal sein und von daher mache ich uns, als die Schnüffelnase und Christian wieder da sind, Sandwichtoasts als Soul Food.
Der Nachmittag plätschert so vor sich hin, wir lassen die Seele baumeln, lesen, daddeln, schauen eine Folge Fallout und lassen den Tag an uns vorbeiziehen. Abends gibt es Ramen und dann geht’s recht früh ins Bettchen. Ein spektakulär unspektakulärer Tag. Ich muss mir immer mal wieder vor Augen führen, dass mir auch während eines Sabbaticals mit so vielen Privilegien mal nicht die Sonne aus dem A…. scheinen muss, das ist fein und es braucht auch nicht immer einen Grund. Morgen geht es auf zum Yosemite, ich bin dankbar für diesen schönen, ruhigen Waldplatz und die Möglichkeit, mich auch mal einfach zu verkriechen.
Heute ist übrigens dahingehend besonders, dass weder Christian noch ich auch nur ein Foto auf Handy oder Kamera haben, auch kein Video gibt es und so geht der Bericht heute so ganz ohne jegliche Eindrücke online.Leia mais

ViajanteIhr seid jetzt schon so Lange unterwegs und habt sooooooooooooviel gesehen sodaß es glaub ich auch gut tut die Kamara stecken zu lassen und sich mal was auszuruhen 😊❤️ DIE Eindrücke die Ihr übermittelt sind so großartig. Wenn ich allein daran denke welche Bilder ich nie zu Gesicht bekomme hätte ist es so als wäre ich um vieles) Ärmer Danke Euch :-)
Yippiedei Yosemite
6–7 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☁️ 14 °C
Wir sind gestern wohlweißlich recht früh ins Bettchen gegangen, weil wir heute Morgen ein paar „Termine“ haben 😉. Es ist der 06.05. und Hans-Dieter hat Geburtstag. Wir wussten, dass wir ihn in einer Kaffeerunde in Holungen (wo er und Karin gerade zu Besuch sind) gut erreichen würden. Da heißt es dann halt auch mal um sieben Uhr aus den Federn schlüpfen. Aber für die Liebsten stellt man sich doch mehr als gern einen Wecker. Leider ist die Verbindung nicht die Beste und das Bild ist recht verpixelt. Aber für ein gepfeffertes Happy Birthday für Hans-Dieter und ein paar Winkerchen für Karin, Omma Ida, Tante Luise, Heike und den restlichen Besuch reicht die Verbindung immerhin. Richtig schön alle zu sehen, schade, dass die Verbindung nicht für einen ausführlicheren Schnack reicht.
Danach greifen wir sofort wieder zum Telefon, denn wir haben noch ein Date mit frischgebackenen Eltern. Daniel und Rebecca sind seit zwei Wochen Eltern vom kleinen Leo und wir dürfen ihn heute am Telefon kennenlernen. Der Empfang in Duisburg ist besser als der in Holungen und so wird es ein ganz schön langes Videodate. Es ist super schön eine ausgedehnte Schnackrunde zu halten und uns über die so ganz unterschiedlichen Abenteuer der letzten drei Monate von uns Vieren (plus zwei halbe 😉) auszutauschen.
Witzigerweise starten wir nach den Telefonaten dennoch recht früh in den Tag. Christian geht mit Bella, ich bereite Kaffee vor und setze mich an die beiden Kurzberichte der letzten beiden Tage, bevor es dann heute für uns in und durch den Yosemite National Park geht. Der Morgen ist voll, aber richtig schön und anders ereignisreich. Nach dem Schneetag von vorgestern ist es irgendwie verrückt, dass die Sonne heute von einem knallblauen Himmel strahlt und die Temperaturen in Freddie auch ohne Standheizung bei angenehmen 20 und ein paar gequetschten Grad liegen. Das verheißt richtig gutes Wetter für den Yosemite.
Um 13 Uhr schaffen wir es uns vom Stellplatz aufzumachen und sind super begeistert davon, dass wir nur 10 Autominuten von der südlichen Einfahrt zum Yosemite National Park umsonst im National Forest stehen konnten. Das mit den Stellplätzen ist einfach wirklich ein ganz schöner Luxus hier in den USA (ich bin jetzt schon gespannt, wie das in Kanada werden wird und hoffe auf ähnlich entspannte Möglichkeiten). Los geht’s also, vor uns an der Einfahrt warten nur ein paar Autos und dann geht es schon rein in den Park und erstmal zum Visitor Center, an dem wir sowieso vorbeikommen. Hier gibt es eine Dumping Station und wir können Frischwasser auffüllen. All das braucht immer ein wenig, aber hier gibt’s viel zu schauen. Ein riesiger Schmetterling verirrt sich in Freddie, wir stehen sofort neben einem reißenden Fluss, es rauscht und plätschert ordentlich, Bäumen wiegen sich im Wind, um uns herum strecken Granitberge ihre Wände in dem Himmel und das Frischwasser schmeckt so gut, dass wir erstmal sofort eine Flasche leeren. Nachdem das Abwasser leer und unser Frischwasser aufgefüllt ist, halten wir noch am Pioneer Yosemite History Center und wandeln durch ein kleines Freilichtmuseum. Hier ist eine kleine Siedlung alter Holzhäuser und vor jedem findet man die jeweilige Geschichte der Familien, die dort gewohnt haben. Richtig schön aufgemacht.
Nach dem Stopp geht es weiter immer der Nase nach. Hier gibt es kaum Stichstraßen, bzw. die Straße zum Mariposa Grove und auch die zum Glacier Point sind beide wegen Schnee und Eis noch gesperrt, also fahren wir die einzig mögliche Straße immer in Richtung der bekannten Tunnel View. Es geht über Serpentinen auf und ab, zwischenzeitlich leuchten atemberaubende Aussichten hinter der nächsten Kurve auf, Wasserfälle kreuzen die Straße und uns gefällt das bergige, kurvige und waldige und der Duft in der Luft ganz schön gut.
Ein gutes Stündchen geht es so auf und ab. Als wir uns die Karte anfangs angeschaut haben, dachte ich „Wie wenig von der ganzen Parkgröße ist von Straßen erschlossen, da ist man ja bestimmt ganz flugs durch gefahren“. Weit gefehlt. Auch wenn wir heute nur eine Straße entlang fahren werden, die Strecke ist ordentlich und … wahnsinnig schön. Als wir um die nächste Kurve fahren sehen wir einen Wagen am Straßenrand und daneben ein Pärchen mit Kameras und wirklich gigantischen Objektiven. Ich sag ganz lapidar „Uh, vielleicht haben sie Bären entdeckt“ und im nächsten Moment sehe ich einen Bären, wie er ganz verwirrt in Richtung Straße schaut. Christian sieht ihn auch und es braucht einen Augenblick, bis wir das verarbeiten. Christian fährt noch ein Stück weiter und wendet dann. Es ist eine unserer größten Hoffnungen gewesen während unserer Reise Bären in der Wildnis zu sehen, also genau da, wo sie auswählen wohnen zu wollen. Wir parken vor dem Auto des Kamera Paares und sind ganz aufgeregt. Ich erhasche am Anfang einen Blick auf 3 Bären, zwei davon kleiner als der andere und sie sind vielleicht 200 Meter von Freddie entfernt den Abhang herunter. Wahnsinn. Ich mache meine Kamera fertig und steige langsam aus. Leider läuft der Mann von dem Paar gerade mit seinem Teleobjektiv den Abhang herab geradewegs auf die Bären zu (sowas versteh echt wer will), so dass diese sich natürlich abwenden und ins Tal hinab laufen. Ich bekomme die Tiere über den Sucher leider nicht gefunden und gebe meine Kamera an Christian weiter. Wir beide sind ganz baff von dem Schauspiel und bekommen kurze Zeit später wieder einen der kleineren Bären zu sehen, der ziemlich schnell auf einen Baum zuhält und diesen in einem Affenzahn hoch rast. Ich wusste ja, dass Bären klettern können, aber dass sie so gute Kletterer sind hätte ich mir nicht vorstellen können. Der Kleine klettert bestimmt 15 Meter in die Höhe und stellt sich auf eine Astgabel, von der ich mir sicher gewesen wäre, dass der Seitentrieb ihn bestimmt nicht tragen kann. Wahnsinn! Wir schaffen es sogar den Klettermax auf Kamera einzufangen und schauen zu, wie er von seinem Thronplatz aus sein Umfeld genau in den Blick nimmt. Christian geht zum Auto und bereitet dort das Stativ mit unserem Spektiv vor, um eventuell noch besser aus der Ferne beobachten zu können. Währenddessen macht sich der Bär allerdings an den Abstieg und verschwindet aus meinem Blickfeld. Schade.
Wir bleiben noch ein wenig, aber die Bären lassen sich nicht noch einmal blicken. Als wir weiter fahren schauen wir nach, um was für eine Rasse es sich wohl gehandelt hat, denn die Bären waren braun aber recht klein. Beim Nachschauen wissen wir nach kurzer Zeit, dass es Schwarzbären gewesen sein müssen, die oft auch in braun oder blond daher kommen. Hier im Park wohnen zwischen 300 und 500 von ihnen und wir können unser Glück gar nicht fassen, dass wie beide 3 von ihnen erspähen durften. Mit einem breiten Grinsen fliegen wir die nächsten Kilometer über die Serpentinen und um die Kurven und sind ganz beschwingt.
Eine weitere Stunde vergeht, bis wir die bekannte Tunnel View erreichen. Man fährt durch einen Tunnel und dahinter eröffnet sich einem der Blick auf das Yosemite Valley, die riesigen Granitberge, ein Tal aus Wald und den Half Dome, einen Berg aus Granit, der abgebrochen scheint und so eine ganz besondere Form hat. Die Aussichten sind gigantisch und wir rollen in das Tal hinab und halten an dem Brides Vail Fall, einem zauberschönen Wasserfall, der sich ins Tal ergießt und dabei an einen Brautschleier erinnert. Das Wasser, das auf die Steine prallt und in einem reißenden Fluss endet, tönt schon ganz schön laut und prescht durch die Landschaft. Mal wieder sind die Eindrücke so ganz anders und atemberaubend schön.
Wir rollen weiter immer der Straße nach, am Fluss entlang der gesäumt ist von Wiesen, versteckten Picknickplätzchen und Campingplätzen. Einen weiteren Halt machen wir kurz vorm El Capitan einem als Kletterparadies bekannten Granitmonster, dass bekannt dafür ist, dass es sehr herausfordernde Kletterrouten birgt. Hier ist ein großer Picknickplatz mit Blick auf einen Wasserfall, der sich über die Kanten des Granitbergs ergießt und der dadurch besonders schön im Sonnenlicht daherkommt. Wir schanbulieren ein Müsli und genießen ein paar Momente in dieser unwirklich schönen Kulisse. Manchmal muss ich mich selbst kneifen und mir bewusst machen, dass ich hier wirklich sitze und dass all das von der Natur geformt wurde. Eindrücke, die wirklich nur schwer zu greifen sind. Gern würden wir hier Wanderwege und Natur erobern, aber durch meinen Fuß und die Einschränkungen, die es für Hunde gibt, sind uns ein wenig „die Füße gebunden“. Aber wir sind hier und dürfen diesen Ort besuchen, das ist schon so besonders, dass es uns ganz schön glücklich macht. Hier spontan einen Campingplatz Spot zu ergattern ist so gut wie unmöglich. Monate im Voraus wird tatsächlich eine Lotterie für die Plätze eröffnet, auf die man sich mit Reservierungsgebühr bewerben muss und dann geht der Großteil der „Bewerber“ leer aus. So weit im Voraus haben wir noch nie und werden wir auch nie unsere Reisen planen und das ist okay.
Wir fahren nach unserem Stop aus dem Valley hinaus und halten auf Hetch Hetchy zu, ein Valley das bekannt für einen großen Damm ist. Wir haben mittlerweile kurz vor Sonnenuntergang und entscheiden uns dazu, den Damm heute nicht mehr anzufahren, sondern in den Stanislaus National Forest abzubiegen, um am nächsten Tag Hetch Hetchy mitzunehmen. Wir finden einen zauberhaften Spot und fühlen uns sofort wohl. Christian macht sich mit Bella auf und ich bereite Essen vor. Der Abend wird entspannt und der wundervolle Tag arbeitet nach.Leia mais
Wald, Wiese und Wasser
7–8 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 23 °C
Das Verarbeiten der Eindrücke vom gestrigen Tag, hat etwas mehr Zeit benötigt und so gönnen wir uns eine kleine Mütze extra Schlaf. Nachdem Leben in Freddie kommt, sind wir beide ganz verzaubert vom Anblick, der sich hinter den Heckscheiben erblicken lässt.
Wir stehen wirklich mitten in einem traumhaft schönen Wald, um uns herum lautet Bäume und es ist zur Abwechselung mal kein dicht bewachsener Waldboden. Dort wo der Boden nicht von Nadeln bedeckt ist, haben wir den Blick auf ein grünes Grasmeer. Bella kann es mal wieder nicht erwarten und wartet ungeduldig, dass die Tür aufgemacht wird und springt dann auch – natürlich die Erlaubnis abwartend – direkt aus Freddie und läuft erstmal fröhlich über den Platz. Drei Waldkinder sind wir also. Gut, dass es in Kanada vom Wald genug geben wird.
Während der Runde durch den Wald mit Bella kriege ich kaum genug von all dem Grün, den Bäumen und den Geräuschen der Vögel um mich herum. Nachdem wir gestern Abend auf einer Lichtung, die schon zum Yosemite National Park gehört, ein gutes Dutzend Maultierhirsche gesehen haben, habe ich Bella vorsorglich an die Leine genommen. Eine gute Entscheidung, da nach einiger Zeit ein Hirsch mitten auf dem Weg steht und von uns beiden überhaupt keine Notiz zu nehmen scheint. Bella steht angespannt und aufgeregt wie ein Flitzebogen neben mir. Ich warte etwas, räuspere mich dann kurz und werde dann irritiert angeschaut. Der Hirsch verlässt den Waldweg und hinter ihm folgt dann der Rest der Familie, der mich und Bella beim vorüber Gehen genaustens beobachtet. Nach dieser Begegnung fällt mir wieder ein, dass wir gestern – wenn auch in einiger Entfernung – erstmalig Schwarzbären in freier Wildbahn gesehen haben. Verträumt, dankbar und schwer verliebt in all die Natur um mich herum, stehe ich dann wenig später wieder vor Freddie und werde mit „Hallo Gandalf“ begrüßt. Wir schauen beide lachend auf den Wanderstock, den ich gestern Abend schon mit auf der Runde hatte.
Gestärkt mit Kaffee fahren wir los und verlassen diesen wunderschönen Ort. Nach kurzer Zeit sind wir wieder auf der asphaltierten Hauptstraße in Richtung des zweiten Teilbereichs des Nationalparks unterwegs, Hetch Hetchy. Eine knapp 20 Kilometer lange Straße führt oberhalb des Tals zum O’Shaughnessy Staudamm und wir sind beide sehr angetan vom Blick auf das unter uns liegende Tal. Der richtige Blickfang ist aber ein Wasserfall, der sich mächtig in den Stausee ergibt. So richtig ist aber keiner von uns beiden in Aussteiglaune und so fahren wir lediglich die malerische Route entlang. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir fast die ganze Zeit über unsere Vorstellungen von der Zukunft philosophieren und diskutieren. Das Sabbatical war über mehrere Jahre Fixpunkt von Ideen, Erwartung und Planung. Etwas strukturierter was berufliche Vorstellungen, das Reisen, das Wohnen und das Leben angehen, aber ohne ganz konkrete Pläne verlassen wir gegen Mittag dann das Gebiet des Yosemite National Parks und des Stanislaus National Forest.
Das programmierte Ziel im Navi ist die Golden Gate Bridge, uns ist aber schon klar, dass wir diese heute nicht mehr erreichen. Stellplätze gibt es im Gebiet um San Francisco wie Sand am Meer, aber viele der Plätze sind nicht mehr als Parkplätze am Straßenrand. Ich hatte vor unserer Abreise gelesen, dass die Stadt mittlerweile einen Ruf als ziemlich unsichere Stadt hat, und richtig drauf anlegen wollen wir es nicht. Auch wenn wir am Straßenrand recht unscheinbar wirken, lassen sich die auffälligen deutschen Kennzeichen nicht wegzaubern. Das auserkorene Ziel ist ein Walmart-Parkplatz noch vor „Frisco“, bei dem in den Kommentaren der umherfahrende Sicherheitsdienst positiv erwähnt wird. Nach dem zweiten Kaffee des Tages – mal wieder von der Kette aus Seattle – und einer weiteren Tankfüllung, haben wir noch etwas über eine Stunde bis zum Walmart und haben beide von dem Fahrtag so langsam genug. Ich steuere spontan noch einen kleinen öffentlich Campingplatz auf einer Halbinsel an, die auf der einen Seite vom Lake Sherman, auf der anderen Seite vom Sacramento River umgeben ist. Es gibt keine richtigen Stellplätze, sondern nur reguläre Parkplätze und Toiletten; für 35$ könnten wir aber zwei Nächte bleiben und so lösen wir dankbar das Parkticket.
Wir genießen beide eine Runde über den Platz und spazieren am kleinen Strand entlang, schauen einem Angler und einem Kite-Surfer zu. In Freddie angekommen, lassen wir den Abend gemütlich Ausklingen und verputzen eine Runde leckerer Sandwich-Toasts. Welch eine Bereicherung dieses Gadget für knapp 20$ doch ist. Später gibt es noch Nachos mit Guacamole. Hanna gönnt sich beim Rauschen der Wellen von Fluss und See noch eine Fluppe. In ein paar Metern Abstand leisten ihr ein paar Waschbären Gesellschaft, die um die Mülltonnen herum auf der Suche nach verwertbaren sind. Bella ist von der äußerem Form der Waschbären verwirrt, die auf den ersten Blick wie Katzen mit Haltungsschäden aussehen, aber durch ihr freches Keckern fremd für sie erscheinen. Aufmerksam wie ein Wachhund verfolgt sie das bunte Treiben.Leia mais

ViajanteHey Heute ist bei uns Euer Pizzaofen zum Einsatz gekommen. Es war wieder sehr lecker.😊 ( so neidisch ich binnicht bei Euch sein zu können,) sei es mir gestattet Euch etwas neidisch auf selbstgemachte Pizza zu machen. 😍 Es ist wieder mal ein toller Bericht ❤️
And we're goiiiiiiiing to...
8–9 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 17 °C
.... Saaaaan Fraaaaaaan Ciscoooooo
Mittwochmorgen, kurzes Sortieren der Gedanken und das interne GPS hat sich aktualisiert. Wir sind an der Westküste, kurz vor San Francisco. Da es keine fixe Zeit gibt, bis wir den Parkplatz verlassen haben müssen, gehen wir den Morgen entspannt an. Sehr entspannt sogar. Über die Integration in den deutschen Alltag müssen wir uns glücklicherweise noch keine Gedanken machen: zeitlich ist gerade Mal Halbzeit.
Hanna übernimmt Bella und ich mache etwas Ordnung in Freddie und koche den Kaffee. Gerade als es anfängt, köstlich nach diesem zu riechen, hält ein laut brummendes Auto vor Freddie und ich rechne im ersten Moment mit der Müllabfuhr. Es ist aber die Feuerwehr, die alarmiert wurde, weil eine Person Schwierigkeiten im Wasser habe. In kürzester Zeit gesellt sich das Fahrzeug des Einsatzleiters, zwei Polizeifahrzeuge und noch ein Rettungswagen dazu. Innerhalb von Augenblicken bildet sich ein Rudel der Mitcamper, die aufgeregt diskutieren, was denn der Grund für diesen Aufmarsch sein könnte. Die ältere Dame, die hier am Platz die Hausmeisterin ist, erkundigt sich wenig später bei mir, was genau los sei – mehr als die kargen Informationen des Einsatzleiters kann ich ihr natürlich nicht bieten.
Nachdem der Kaffee durchgelaufen ist, setze ich mich in die Sonne und schlürfe diesen. Mit dem Eintreffen von Hanna und Bella hat sich das ganze Spektakel aufgelöst und die Einsatzfahrzeuge verlassen das Gelände wieder. Eine gute halbe Stunde später kommt dann auch der Auslöser des Einsatzes mit seiner Kite-Surfing-Ausrüstung über den Platz gelaufen. Der starke Nordwind hat ihn wohl etwas weit auf den See hinausgeweht, Gefahr für Leib und Leben bestand aber seinem lautstarken Bericht nach glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt. Wir beide haben die Gelegenheit genutzt und von den Fahrzeugen Fotos gemacht: Moritz wird sich drüber freuen.
Am frühen Nachmittag machen wir los und steuern auf die Golden Gate Bridge in etwas über einer Stunde Entfernung zu. Die Idee über die berühmte Brücke zu fahren, hat von Anfang an in unseren Köpfen herum gespukt, allerdings war es kein Ort, den wir zwingend anfahren wollten. Auf dem Weg dorthin, kommen wir aber überein, dass die Brücke für uns dann irgendwie eine imaginäre Ziellinie für die Durchquerung der Vereinigten Staaten ist. So steigt dann auch die Vorfreude mit jeder zurückgelegten Meile. Wir folgen eine ganze Weile dem Highway und durchfahren dann den Baker-Barry Tunnel. Am Ende des Tunnels erwartet uns eine fantastische Aussicht – ähnlich wie ein paar Tage zuvor im Yosemite National Park. Hinter der übernächsten Kurve sind die gigantischen, roten Brückenpfeiler auszumachen, links davon erhaschen wir einen ersten Blick in die Bucht von San Francisco inklusive der berühmten Gefängnisinsel Alcatraz, dahinter taucht die Skyline der Stadt auf. Alles genauso wie ich es mal gelernt habe. Natürlich nicht im Erdkundeunterricht, sondern dank des „kultigen“ Films The Rock mit Sean Connery und Nicolas Cage.
Auch wenn die Golden Gate Bridge „nur“ eine der vielen Brücken ist, die wir bislang auf unsere Reise überfahren haben, ist sie für uns dann doch ein großer Meilenstein und immer noch eine der größten Hängebrücken der Welt. Wir freuen uns wie zwei kleine Kindern und giggeln vor uns hin, während wir bei der Überfahrt natürlich das Lied von Scott McKenzie laufen lassen. Wir haben keinen festen Plan und so cruisen wir gut eine Stunde durch die Stadt und sind beide positiv überrascht und schwer begeistert. Es ist viel, viel grüner als wir es erwartet haben und der Flair begeistert uns beide sehr. Alle paar Minuten können wir einen Blick auf die Bucht erhaschen – natürlich einer der Vorteile, bei einer Stadt die das Profil einer steilen Treppe hat.
Wie steil diese Stadt dann wirklich ist, lässt sich auch nur wirklich erahnen und fassen, wenn man selbst mal durch diese gefahren ist. Freddie macht mal wieder einen großartigen Job, wobei wir hier wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit die Bremsen überholen lassen müssten.
Es geht für uns vorbei an der Endhaltestelle der berühmten Cable Cars und durch das berühmte Hafenviertel, dass bei dem fantastischen Wetter gut besucht ist. Wir sind beide schnell vollkommen überwältigt von all den Eindrücken und haben ein wenig Schwierigkeiten Platz in unserer Erinnerungsschublade zu finden (vor 12 Tagen waren wir am Grand Canyon und seitdem folgte ein Highlight dem anderen). Wir machen Stopp am Golden Gate Beach, setzen uns dort auf den weißen Sand und futtern eine Runde Müsli mit Erdbeeren. Am Strand herrscht ein reges Treiben. Neben uns ein Gitarrenspieler, der seine Riffs übt, an der Wasserlinie Hunde mit ihren Besitzern, Familien mit Kindern und direkt vor uns ein Kite-Surfer, der seinen Schirm ausbreitet und sich bereit für den Start macht. Rechts auf dem Wasser thront erhaben die Insel Alcatraz und links haben wir einen uneingeschränkten Blick auf die Golden Gate Bridge unter der Segelboote auszumachen sind. Es wirkt zwischenzeitlich wie eine optische Kakophonie, aber genau diese hilft uns beiden dann auch das bisher Gesehene zu verarbeiten und doch noch Platz in der Erinnerungsschublade zu finden.
Wir verstauen die Teller in Freddie und spazieren dann über eine Stunde am Strand entlang. Halten immer wieder Inne, bestaunen die Aussicht, schauen Bella beim Toben zu und unterhalten uns mit anderen Hundebesitzern. Der Strand ist nicht reguliert und für alle Arten der Freizeitgestaltung freigegeben und wir sind beide sehr begeistert, dass dies auch ohne Probleme zu klappen scheint.
Auf dem Weg zurück zu Freddie machen wir noch Halt an den Sanitäreinrichtungen und spülen Bella den Sand aus den Pfoten – hier gibt es eine extra Hundedusche. Verrückt. Auf den letzten Metern stimmen wir überein, dass wir den schlechten Ruf der San Francisco zurzeit vorauseilt überhaupt nicht nachvollziehen können. Klar, wir haben nur mal kurz reingeschnuppert, aber da haben wir in anderen Städten in viel kürzerer Zeit schon „Schlimmeres“ gesehen. Wir packen „Frisco“ daher auf die Liste der Orte, die wir nochmal besuchen wollen.
Es ist mittlerweile früher Abend und wir verlassen die Stadt über die Brücke im Feierabendverkehr – dieser ist weniger Schlimm als erwartet. Ich hätte gerne noch den Road-Zipper in Aktion gesehen, aber das gelbe Fahrzeug war am Anfang der Brücke geparkt. Wenn es unterwegs ist, überquert es die flexible Begrenzung in der Mitte und verschiebt diese dabei, so dass entweder vier Spuren stadteinwärts und zwei stadtauswärts führen oder die Spuren in beiden Richtungen gleich verteilt sind. Nachdem wir beide einen letzten Blick auf die Brücke und die Stadt werfen, verlassen wir die Gegend und folgen dem Highway entlang der Küste gen Norden. Während es die ersten paar Kilometer recht zügig voran geht, ordnen wir uns wenig später hinter einer großen Gruppe von Radfahrern ein. Auf den kurvigen und kaum einsehbaren Straßen ist das Überholen einer solch großen Gruppe bergauf nicht möglich und bergab sind die flinken und wendigen Radfahrer Freddie eindeutig überlegen. Wir machen daher zwischenzeitlich kurz in Ausbuchtungen Pause und warten etwas ab, um dann wieder zu der Gruppe aufschließen zu können. Nach einer guten Dreiviertelstunde haben wir es dann aber auch vorbei an dem führenden Radfahrer geschafft.
Die ganze Zeit haben wir dabei aber den Blick auf das Meer und die steilen Küsten genießen können. Hier an der Küste ist die Stellplatzsuche etwas schwieriger, es gibt kein öffentliches Land und die wenigen Ausbuchtungen direkt neben dem vielbefahrenen Highway sind auch nicht wirklich einladend. Wir haben aber Glück und finden einen State Park, der noch freie Plätze hat und bei dem wir uns auch zu später Stunde noch selbst anmelden und registrieren können. Erschöpft, aber selig lassen wir den Abend ausklingen und schlafen irgendwann vor Mitternacht ein.Leia mais
Zu Vino sag ich nie "no"
9–10 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 27 °C
Wir wachen im State Park auf und kommen Abends an und trinken Wein. Fertig…
Das wäre die kürzeste, aber auch treffende Zusammenfassung des Tages, aber natürlich ist der Tag doch ein bisschen gefüllter gewesen. Wir schlafen aus und nutzen den Vormittag um, wie immer, gemütlich mit Kaffee, ein bisschen Lesen und einer Bella Runde in den Tag zu starten. Heute haben wir sogar schon vor dem Aufwachen das Ziel des Tages auserkoren und werden nach einiger Zeit mal wieder einen Harvest Host Spot anfahren. Beim letzten Einkauf habe ich gedacht, dass ich mal wieder Lust auf ein Weinchen hätte und stand wie ein Ochs vorm Berg vor dem Weinregal. Da wir aktuell ja in Kalifornien unterwegs sind (recht bekannt für guten Wein), lag es nah einfach über Harvest Host bei einem Winzer einen Stopp einzulegen, dort ein Tasting zu machen und dann nicht die Katze im Sack zu kaufen, sondern Wein der uns auch schmeckt. Gesagt getan und so haben wir heute also ein Date bei dem Briceland Vineyard und gute drei Stunden Fahrt vor uns.
Nachdem wir noch die Dumping- und Wasser-Station vom State Park mitnehmen geht es dann los auf die Piste. Gestern hat es uns super gut gefallen an der Küste entlang zu fahren, allerdings würde der Küstenweg uns mehr als vier Stunden in Freddie bescheren und so fahren wir durch das Landesinnere. Auch diese Strecke ist super schön. Nachdem wir zu Beginn an mehreren Weinanbaugebieten vorbei rollen, erinnert mich die Landschaft im Folgenden zwischenzeitlich an die Eifel. Wir rollen an hügeligen Grundstücken mit weiten Wiesen vorbei, durch dichte und duftende Wälder. Die Zeit verstreicht wie im Flug und nachdem wir zu Beginn der Fahrt noch ein leckeres Müsli schnabulieren, das Christian heute Morgen noch vorbereitet hat, machen wir 40 Minütchen vor Ankunft beim Vineyard noch an einem Bistro am Straßenrand Halt, um einen sehr gut bewerteten und wirklich köstlichen Burger zu essen. So richtig yummiger Schmackofatz, wie Christian es sagen würde.
Ein knappes Stündchen später rollen wir durch Redwoods, die auch zur Familie der Mammutbäume gehören, sich aber von den Giant Sequoias durch ein paar Charakteristika unterscheiden. Die Coast-Redwoods kommen im Norden Kaliforniens und Süden Oregons vor und bilden hier im Norden Kaliforniens einen Regenwald. Verrückte Welt. Diese Küsten Redwoods haben einen geringeren Umfang als die Giant Sequoias, werden dafür aber höher. Diese Klimazone ist wirklich ganz besonders und wir können uns nicht vorstellen, dass hier Wein angebaut wird.
Um 16 Uhr Ortszeit rollen wir eine kleine Stichstraße aufwärts und entdecken ein kleines Hinweisschild, das auf Wine Tastings hinweist. Hier scheinen wir richtig zu sein. Wir parken Freddie vor einem Holztor, zwischen großen Weinfässern. Christian traut sich auf das Grundstück und macht durch „Hello“ Rufe auf sich aufmerksam, kurz darauf erscheint Rosie, die uns begrüßt und fragt, wie viel Zeit wir zum Einrichten brauchen, bevor sie uns mit dem Tasting begrüßen kann.
Eine viertel Stunde später sitzen wir in einem sehr verwunschenen Garten, es sind 30°C, der Schweiß läuft und um uns herum summt und brummt es. Der Garten ist schön naturbelassen, ein bisschen Wildwuchs hier und da aber trotzdem nicht ungepflegt. Als Rosie die Utensilien aus dem Haupthaus holt, bestaune ich die Bodentiefen riesigen Fenster, die sich über zwei Etagen erstrecken; so schön. Außerdem gibt es noch einen Lagerschuppen und ein Holzhaus, in dem der Wein hergestellt wird. Dass hier Wein angebaut wird, können wir nicht sehen. Ich finde das ganze Anwesen traumhaft und wirklich wunderschön. Wir fühlen uns sofort wohl. Das ganze Grundstück scheint eingelassen mitten in den Redwoods zu sein. Ein wenig erinnert mich das Grundstück an Limbach, dem zu Hause meines schon lange verstorbenen Opas und seiner zweiten Frau in der Eifel. Elisabeth war sehr homöopathisch angehaucht und hat die alte Hühnerfarm in ein wunderschönes Naturparadies verzaubert. Als Kinder haben wir hier oft die Ferien verbracht und demnach fühle ich mich ein wenig in meine Kindheit zurück versetzt.
Rosie ist super offen und plaudert während dem Tasting aus dem Familien Nähkästchen. Andrews (Rosies Mann) Stiefvater und seine Mutter haben das Grundstück um 1965 erworben und sich zwanzig Jahre später mit einer Hippie Kommune daran gemacht selbst Wein herzustellen. Andrew und sein Vater haben aus dem Hobbie eine Berufung werden lassen und Winzerei studiert. Vor 13 Jahren haben Andrew und Rosie den Betrieb und das Grundstück schließlich übernommen und produzieren und vertreiben seitdem alles selbst. Die Trauben für ihre, teilweise preisgekrönten, Weine erwerben sie von Winzereien im County, da ihr Grundstück selbst sich nicht zum Anbau eignet. In den nächsten zwei Stunden probieren wir uns von einem weißen Arneis, über einen Rosé, einen Pinot Noir, einen Sangiovese, einen Syrah bishin zu einem Zinfandel. Alle Weine sind trocken und wirklich lecker, kommen aber nicht an die Schneider Weine unserer liebsten deutschen Winzerei heran. Am Ende kaufen wir vier Flaschen und köpfen sofort den Syrah, den wir den Abend über genießen. Rosie erzählt vom Einbruch des Erwerbs während Covid, wie sich letztes Jahr ein Bär über die Trauben des Sangiovese Weins hergemacht hat und davon, dass einer ihrer Weinbauer seine Weinreben nicht weiter bestellt, weil das Anbauen von Hanf in Kalifornien, dem Staat der über die ganzen USA dafür bekannt ist der größte Gras-Anbauer des Landes zu sein, lukrativer sei. Das erklärt, warum heute während der Fahrt immer wieder der Geruch von Joints Freddie durchzogen hat. Na, da lernt man immer wieder was dazu. Außerdem berichtet sie davon, dass ihre Nachbarn durchaus komisch seien und die Leute die hier wohnen nicht umsonst so abgeschieden lebten. Man könnte durchaus vom wilden Westen sprechen, damals hätte man selbst angebautes Hanf teilweise bis unter die Zähne bewaffnet vor Dieben verteidigen müssen. Sie gibt uns den Tipp an die Hand in Amerika Grundstücke niemals einfach so zu betreten und wenn man es täte, solle man das am besten lautstark einen „happy tune whistelned“ (ein fröhliches Lied pfeifend) tun, damit die Anwohner wissen, dass man nichts Böses möchte. Außerdem gibt sie uns recht, dass Amerika ganz schön vermüllt ist und erklärt es damit, dass die meisten einfach so erzogen wurden, dass es okay sei seinen Müll immer und überall aus der Hand fallen zu lassen, wo man auch geht und steht.
Der späte Nachmittag verfliegt und ist super unterhaltsam. Wir gehen gegen sieben Uhr zurück zu Freddie und während Christian mit Bella noch eine Abendrunde dreht, mache ich mich daran eine Gemüsepfanne vorzubereiten. Nach dem Essen kündigt sich bei Christian leider eine Migräne an, so wird der Abend ein ruhiger und während Christian schon neben mir schlummert, versinke ich in meinem aktuellen Buch und höre dem Konzert der Frösche außerhalb von Freddie zu.Leia mais

Viajante
Was für eine Körperbeherschung 😊 Du hast keine Nudel im Gesicht 👍😎
Einkaufen, Wäsche, Burger und Bier
10–11 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 24 °C
Ob es am Wein gelegen hat, an der Tatsache, dass wir aus den letzten Tagen viel zu verarbeiten haben oder an einer Mischung aus beidem, wissen wir selbst nicht so genau. Der Schlaf war aber definitiv nötig und hätte gerne auch noch etwas länger sein können. Aber um kurz vor zehn darf dann auch schonmal der Tag anbrechen.
Wir stehen mit Freddie unter ein paar Bäumen und sind so vor der Sonne geschützt. Während der Kaffee langsam kocht, machen wir Freddie gemeinsam fertig für den Tag. Wir genießen beide den Kaffee bei offener Tür und den Blick auf die wilde Wiese des Grundstücks. Während Hanna am Bericht tüftelt, mache ich mich mit Bella auf den Weg durch die erbarmungslose Sonne. Über 30 °C sollen es hier heute werden und wir sind gefühlt nicht mehr weit davon entfernt.
Zurück an Freddie, bekommen wir Besuch von Andrew, dem Winzer. Wir erhalten noch ein paar wertvolle Einblicke in die Umgebung, tauschen uns über die Natur und die Veränderungen in der hiesigen Gegend aus. Am Ende kaufen wir noch eine neue Flasche Syrah.
Gegend Mittag machen wir uns auf den Weg gen Norden, aber nicht ohne vorher noch im nächsten Ort kurz beim „The Lost Frenchman“ zu stoppen. Wie der Name vermuten lässt, gibt es hier Pizza und wann hat jemals eine Pizza zum Frühstück nicht geschmeckt. Frisch gestärkt geht es weiter. Parallel zum Highway 101 verläuft die „Avenue of the Giants“, eine etwa 40 Kilometer lange malerische Route an Küsten-Mammutbäumen, den Redwoods, vorbei. Diese stehen dicht an dicht und zum Teil erreicht das Sonnenlicht nicht mal mehr den Boden. Auch wenn es sich bei diesen Bäumen nur um Verwandte der Bergmammutbäume handelt, füllen wir uns sofort in den Sequoia National Park zurückversetzt und genießen die Fahrt fast schweigend.
Nachdem wir die Avenue hinter uns gelassen haben, erreichen wir die Stadt Eureka. Hier leben zwar nur knapp 30 Tausend Menschen, es ist aber die größte Stadt im Umkreis und vor der Grenze zum Bundesstaat Oregon. Wir nutzen die Gelegenheit und kümmern uns um die Dinge, die im Haushalt so anfallen. Der Großeinkauf im lokalen Walmart fällt recht klein aus, da dieser zurzeit renoviert wird und es keine Obst- bzw. Gemüseabteilung gibt. Direkt um die Ecke wird mal wieder im Fitnessstudio geduscht. Danach geht es weiter zu einem Waschsalon, bei dem per Kreditkarte gezahlt werden kann – die letzten physikalischen Dollar haben wir heute Morgen ja gegen die Flasche Wein getauscht.
Während Hanna die Wäsche übernimmt, fahre ich zu einem weiteren Supermarkt und kümmere mich um die fehlenden Einkäufe. Wenig später bin ich zurück am Waschsalon und natürlich ist es mal wieder Freddie, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Während ich die Einkäufe verstaue, die Erdbeeren wasche und zerteile, unterhalte ich mich angeregt mit dem älteren Herrn vom Parkplatz direkt neben Freddie über unsere Reise, den Ausbau, die Vor- und Nachteile eines kompakten Sprinters. Nach einiger Zeit werden wir von der Angestellten der Trockenreinigung neben dem Waschsalon unterbrochen, die um Hilfe bittet – ihr Autoschlüssel befindet sich im verschlossenen Fahrzeug. Der ältere Herr schnappt sich den dargebotenen Kleiderbügel und versucht – leider – erfolglos, das Auto zu öffnen. Hanna ist mittlerweile mit der sauberen und zusammengelegten Wäsche zurück an Freddie und während wir diese wegräumen, können wir der Ausgesperrten lediglich Hilfe in Form eines Handyladegerätes anbieten – der Akku ist so gut wie leer und die Melodie der Warteschleife bei der amerikanischen ADAC-Variante verspricht nicht unbedingt schnelle menschliche Unterstützung.
Gut eine halbe Stunde später machen wir uns dann auf den Weg. Weiterhelfen können wir nicht und zwei weitere Samariter versuchen gerade den Wagen mit Hilfe des Kleiderbügels zu öffnen. Ein weiterer Supermarkt muss angesteuert werden, die Misopaste, für die von Hanna (und mittlerweile auch mir) geliebte Ramensuppe, hat sich dem Ende geneigt und war in den letzten Supermärkten nicht im Sortiment oder ausverkauft.
Nach einer Runde mit Bella in der untergehenden Sonne leiste ich Hanna noch im Supermarkt Gesellschaft. Die Kette Target haben wir schon ein gutes Dutzendmal gesehen, aber tatsächlich heute das erste Mal betreten. Die Produktpalette ist ähnlich umfangreich wie bei Walmart, die Aufmachung im Innern wirkt aber moderner und frischer. Bewaffnet mit der gesuchten Misopaste und ein paar anderen Zufallsfunden machen wir uns auf zurück zu Freddie und dann geht's weiter in den nächsten Ort.
Auf dem Parkplatz des dortigen Gemeinschaftszentrum finden wir in Gesellschaft von einem Dutzend anderen kleinen Vans einen Platz für die Nacht.Leia mais
Hallo Oregon
11–12 de mai. 2024, Estados Unidos ⋅ ☀️ 16 °C
Auf dem Parkplatz herrscht schon reges Treiben, als wir am heutigen Samstagmorgen aufwachen. In unmittelbarer Nähe von uns ist ein kleines Fitnessstudio inklusive Schwimmbad und hier geben sich die Leute die Klinke in die Hand. Während ich mit Bella über den Parkplatz laufe, entdecke ich überall noch weitere Camper. Einige normale PKW sind auch „bewohnt“, mit aller größter Wahrscheinlichkeit nicht, weil die Bewohner das möchten, sondern weil es die Lebensumstände einfach nicht anders hergeben. Dankbar, dass wir uns den Luxus des Sabbaticals leisten können, erkunden wir beide noch ein wenig die Gegend um das Gemeinschaftszentrum.
Wir verzichten auf den morgendlichen Kaffee in Freddie und holen diesen dafür wenig später beim Starbucks ab. Es geht Richtung Norden, dass Ziel in ein paar Tagen ist der Olympic National Park im Bundesstatt Washington und den Weg bis dorthin wollen wir einfach nur zurücklegen, es sind ohne kleinere Umwege auch noch etwas über 1400 Kilometer.
Auf unserer heutigen Fahrt durchqueren wir den/die „Redwood National and State Parks“, einen Zusammenschluss von vier State Parks und einem National Park. Hier befindet sich auch der höchste Baum der Welt – der genaue Standort wird aber geheim gehalten. Für uns geht es dann heute aber auch nur entlang der Straßen, die direkt durch Teile der Parks führen. Unterm Strich hat uns die „Avenue of the Giants“ am Vortag mehr beeindruckt, vermutlich waren wir heute auch nicht wirklich empfänglich für die ganzen Eindrücke. Wesentlich mehr können wir uns dann für den Stopp begeistern, den wir direkt am pazifischen Ozean machen. Unter uns schlagen die Wellen auf der einen Seite gegen eine Steilküste, auf der anderen zerbrechen diese an einem Stand mit schwarzem Kies. Weit im Hintergrund können wir die Wälder mit den Mammutbäumen erkennen. Das Wetter ist mal wieder perfekt und so genießen wir die Sonnenstrahlen auf der Haut sehr.
Wenig später verlassen wir das Gebiet und sind bereits kurz vor der Grenze nach Oregon, als Hanna eine E-Mail mit einer weiteren Rechnung vom Krankenhausbesuch bekommt. Für die Untersuchung und Auswertung der Röntgenaufnahmen durch den Arzt werden weitere 627$ fällig, die ursprünglichen 880$ bezogen sich nur auf die Durchführung der Röntgenaufnahmen selbst. Auch wenn wir noch nicht ganz überzeugt von der Auslandskrankenversicherung sind, möchten wir sie hier in den USA nicht missen.
Es mag Einbildung sein, aber sobald wie die Grenze nach Oregon überquert haben, wirkt alles direkt viel grüner und die Wälder entlang der Straße saftiger. Die nächsten drei Stunden folgen wir dem Highway 101 entlang der Küste, werfen immer wieder Blicke auf das Meer. Wir sind beide mit der recht monotonen Szenerie zufrieden, lauschen einem Hörbuch und warten darauf, dass Freddie uns am Stellplatz für die Nacht „ausspucken“ wird.
Es ist viertel vor acht, als letzteres dann auch geschieht. Für heute Nacht stehen wir auf einem Wanderparkplatz etwas abseits vom Highway. Wir haben hier tatsächlich so gar keinen Internetempfang und können daher auch keinen Bericht freischalten.
Nachdem ich mit Bella eine Runde drehe, bereitet Hanna einen Salat vor. Gestern haben wir uns den Luxus von echtem griechischen Feta gegönnt. Im Bauernsalat griechischer Art kann er sich dann auch so richtig entfalten und fröhlich mampfend schauen wir dabei den aktuellen Ghostbusters-Film. Nachdem Essen ziehen wir auf das Bett um und mir fallen wenige Minuten später beim Schauen die Augen zu.Leia mais



















































































































































































































































































































































Viajante
Guten Morgen. Wow da bnaucht es eine Sonnen /Schnee/Sandbrille :-)
Viajante
Was für eine Höhle 😎
ViajanteDa erinnerte Das Bild worin ich einen Vogel gesehen habe doch eher an einen Drachenkopf :-)