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Şimdiki
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Weltreise mit unserer Vitila

Ein Abenteuer von Doris & Uwe mit offenem Ende. Okumaya devam et
  • Unfreiwilliges Bad

    16 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    16. April, Tag 25 der Pazifikpassage, Windgeschwindigkeit 10 Ktn, 29 Grad

    Das Frühstück war gerade zu Ende nach durchwachsener Nacht mit einer Vielzahl von Squalls nach 5 Uhr. Als es nicht enden wollte hatte Uwe auch noch meine Frühschicht ab halb 6 übernommen.
    Kurz vor 9 war das Leichtwindsegel wieder oben, kurz nach 10 musste es wieder abgenommen werden, da wir den Kurs nach Gambier nicht mehr halten konnten. Zu sehr war der Wind auf nordöstlich gedreht geblieben.
    Dann plötzlich passierte es. Uwe hatte kurz den Motor angelassen, um das Boot wieder auf Kurs zu bringen. Da begann er zu fluchen und hektisch herumzulaufen. Die Schot vom Leichtwindsegel war nochmal ins Wasser geglitten und zielsicher von der Schraube eingefangen worden.
    „So ein Mist, keine Tauchflasche ist gefüllt!“ ging das Schimpfen weiter. Der Steuerbordmotor musste aber wieder einsatzfähig werden. Die Einfahrt zur Bucht vor Rikitea führt durch Korallenriffe, das erfordert volle Manövrierfähigkeit.
    Schon war Uwe in Badehose und schnappte sich seine Flossen. Das Groß war auch schnell eingeholt worden, wir hatten keine Fahrt mehr drauf. Uwe warf die lange Festmacherleine mit Schlaufe dran am rechten Heck ins Wasser, die wir immer hinten rauslassen, wenn Uwe am Bug draußen herumklettert. Im Falle eines Falles MOB hätte er vielleicht die Chance, wenn er unter dem Kat. durchtreibt, diese lange Leine zu fassen zu kriegen. Vielleicht auch nicht…
    Vergeblich versuchte Uwe die eingeklemmte Leine von der Schraube loszubekommen. Durch die noch kräftigen Wellen hob und senkte sich das Heck mit Wucht, und er musste aufpassen, dass er keinen Schlag gegen den Kopf bekam.
    „Es hat keinen Sinn, gib mir das Messer“. Ich holte unser scharfes Notfallmesser, das immer am Steuerstand einsatzbereit hängt. Leider musste damit die schöne Leine gekappt werden, erst dann bekam Uwe die Schraube frei. Durch die vielen scharfkantigen Muscheln an Rumpf und Schraube handelte er sich auch eine Schnittwunde am Finger ein. Ich startete testweise den rechten Motor und fuhr kurz rückwärts - alles okay.
    Der Held kletterte wieder aus dem Wasser. Entnervt schaltete er jetzt erstmal den Motorvortrieb ein, war ja sowieso kaum Wind. Und beide Leichtwindsegel erstmal matt - aber noch nicht schachmatt.
    Okumaya devam et

  • Pazifik - Tag 24, Entscheidungsfindung

    14 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    145 sm, Wind 5 - 6, früh wolkig mit Squalls, später sonnig, 28°C

    Der Tag an dem wir den 15. Breitengrad überfahren rückte immer näher. Wir hatten uns diesen Breitengrad ausgesucht, um eine schlussendliche Entscheidung zu treffen, ob wir weiter Richtung Gambier oder doch zu dem Marquesas weiterfahren. Der Wetterbericht schwankte ständig zwischen, na geht doch und Katastrophe. Gestern Abend kurz vor dem zu Bett gehen hatte ich noch einmal den aktuellen Lauf angeschaut, und das war gar nicht gut. Ein Tiefdruck direkt über die Inseln mit Windgeschwindigkeiten um die 40 Ktn. Dazu Gewitter und Regen ohne Ende. War das schon das Ende des Traumes von Gambier? Ich war tief enttäuscht und ging mit diesen Gedanken ins Bett. Heute nun musste aber eine Entscheidung her. In solchen Fällen ist es schön, wenn man mit einem Buddyboot unterwegs ist und sich beraten kann. So war es auch Werner der gleich am nächsten Morgen um 01:11 schrieb, „Der Wind wird weniger da unten“. Hoffnung keimte wieder auf. Gleich wurden die neusten Daten ausgewertet und tatsächlich, es sah schon besser aus.
    Inzwischen sind die Würfel gefallen. Aktuelle Prognosen sagen für den 21. und 22. April besseres Wetter mit wenig Wind und Sonnenschein aber auch Gewitter voraus. Drückt die Daumen, dass es dabei bleibt.

    In der Nacht hatten wir mit Wind aus NO zu kämpfen. Vorhergesagt war Ost. Daher hatten wir die ganze Zeit daran zu arbeiten, nicht zu weit nach Süden abzufallen. Für mich hieß es dann gleich bei Tagesanbruch auf das Levante umzurüsten, um mit Wind von hinten wieder Kurs zu halten. Das Setzen gelang auf Anhieb . Was folgte war natürlich wieder mal ein Witz. Kaum war ich mit allem fertig, drehte der Wind bis auf 100°. Den Kurs konnte ich mit dem Segel dann schon halten, hätte ich aber genauso gut mit unserem schönen Gennaker fahren können. Irgendwann gab es dann einen Ruck im Boot. Ich dachte, nanu was war denn das? Da war doch der Bügel der Öse, die die Umlenkung des Niederhalters darstellt, weggeflogen. Das Seil hing nun unter dem vordem Sitz und wurde von diesem noch gehalten. Dafür ist dieser nun aber auch nicht konstruiert. Also bauten wir das Levante wieder zurück, zumal Werner vor Windböen warnte. Unser Gennaker machte dann wieder einen tollen Job. Ich ließ ihn bis kurz vor Mitternacht stehen. Die Winddreher und der böige Wind erforderten aber vollste Konzentration, und so tauschte ich ihn, bevor Doris kurz vor Mitternacht ihre Schicht antrat, gegen die Genua ein. Damit hatte sie es etwas leichter, und mußte nicht ständig den vorgegebenen Windwinkel des Autopiloten adaptieren. Die Nacht wurde dann trotzdem etwas unruhig. Dazu mehr im nächsten Footprint.
    Okumaya devam et

  • Pazifik - Tag 23, Tanz mit dem Baum

    14 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    152 sm, Wind 5 - 6, erst sonnig, dann bedeckt und Regen, 28°C

    So viel Segel aus- und eingerefft wie an diesem einen Tag habe ich mein Leben noch nicht. Segel hoch, Segel runter, das geht ganz schön in die Arme. Doch wie kam es dazu? Anfangs versprach es ein ganz gemütlicher Segeltag zu werden. Die Sonne ging schön auf, leichte Wolken am Himmel, alles schick. Am Nachmittag kam allmählich eine komische Stimmung auf. Alles wurde so diesig, die Konturen verschwammen. Es war aber keine richtige Wetterfront, die auf uns zukam, wir waren eigentlich gleich mitten drin. Über uns hatte sich eine riesige Wolke gebildet mit einem Durchmesser von 200 sm, unvorstellbar.
    Von Werner kam dann die Info, er wäre schon im Regen und der Wind spiele verrückt. Es dauerte nicht lange, da kam der Regen auch bei uns an, und mit ihm ging der Wind hoch und änderte die Richtung. Was dann kam waren ständige Windwechsel an Intensität und Richtung. Die Folge, ständig mussten die Segel angepasst werden. Werner war es auch, der mich darauf aufmerksam machte, dass etwas in der Luft liege… Gemeint hatte er den sog. Cape-Index. Dieser steht für, ich zitiere mal wieder:

    CAPE steht für Convective Available Potential Energy – auf Deutsch etwa konvektiv verfügbare potenzielle Energie.
    Das ist vereinfacht gesagt der „Treibstoff“ für Schauer und Gewitter: Je höher der Wert, desto mehr Energie steckt in der Luft für starke Aufwinde. 
    Für die Praxis:
    • niedrig: wenig Gewitterpotenzial
    • mittel: Schauer und einzelne Gewitter möglich
    • hoch: kräftige Gewitter wahrscheinlicher
    • sehr hoch: bei passender Auslöse starkes Gewitterrisiko, teils mit Starkregen, Böen und Hagel 
    Wichtig ist aber:
    Ein hoher CAPE-Wert allein bedeutet noch nicht automatisch Gewitter.
    Es braucht zusätzlich oft einen Auslöser, zum Beispiel Konvergenz, Fronten, Hebung oder lokale Erwärmung. CAPE zeigt also das Potenzial, nicht die Garantie. 
    Als grobe Orientierung:
    • unter 100 J/kg: meist harmlos
    • ab 300 J/kg: Schauer/Gewitter möglich
    • ab 1000 J/kg: kräftigere Gewitter möglich
    • über 2000 J/kg: bei passender Lage auch unwetterartig

    Der hohe Energiegehalt in der Luft war also daran Schuld, dass sich diese riesige Wolke bilden konnte. Zum Glück nahmen die wechselnden Winde mit der Zeit ab, und wir konnten einigermaßen durch die Nacht segeln.
    Vorher gab es aber noch einen Schreck. Es war wieder einmal ein Quietschen zu hören, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Diesmal kam es vom Ende des Baumes, und was ich da oben entdeckte war nicht so lustig: Der Unterliekstrecker hatte sich durchgescheuert und hing nur noch am seidenen Faden. Diese Leine hält das untere Ende des Segels. Um das Seil loszubekommen, musste ich es aber kurz mit der Winsch anziehen, um eine Klemme zu lösen. Das war aber schon zu viel für den seidenen Faden, mit einem Ruck riss das Seil durch. Ich kletterte wieder mal hoch zum Baumende. Dieses hatte ein ordentliches Spiel und bewegte sich mit Wind und Wellen ruckartig hin und her. Irgendwie musste ich das Segel aber wieder nach hinten straff ziehen. Ich strebte also zunächst einen Kurs am Wind an, die Genua dazu anziehen, das Groß fieren, um den Druck herauszunehmen. Danach suchte ich eine neue kurze Leine - davon kann man ja nie genug griffbereit haben - und befestigte damit oben am Baumende das achterliche Schothorn an einer Ringöse. Der Baum wollte für diese Operation ohne Narkose allerdings nicht stillhalten, ich mußte ihn immer wieder einfangen, mit der Ersatzleine in der Hand, und mein Konstrukt schließlich mit einem festen Knoten zusammenziehen. Doris saß mit oben und filmte. Eines weiß ich sicher, wenn ich bei solch einer Aktion mal baden gehe, ist dies zumindest für die Nachwelt auf eine Filmrolle - heutzutage etwas weniger romantisch auf einen Chip - gebannt. Wie gut war es auch, dass ich das Segelende noch anderweitig am Baum befestigt hatte, sonst wäre es frei ausgeschlagen. Da hört der Spaß dann auf.
    Okumaya devam et

  • Pazifik - Tag 22 Chin. Hochseeflotte

    13 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    152 sm, Wind 5 - 6, sonnig, 28°C

    Beim betrachten der AIS-Karte bekam ich einen riesigen Schreck. Direkt vor uns, wie auf einer Perlenkette aufgefädelt, sah ich Signale von Fischerbooten oder Fischernetzen, was auch immer. Da kann man doch nicht einfach durchfahren, war mein erster Gedanke. Ich will ja nicht an einem Netz hängen bleiben. Und wie es der Zufall will, werden wir diesen Unbekannten natürlich in der Nacht begegnen. Wie gut ist es da, wenn man eine gute Community hat, bei der man gleich mal eine Frage stellen kann, in diesem Fall TO-Pazifik. Wir haben in unserem Verein Transocean inzwischen an die 40 Gruppen mit den unterschiedlichsten Profilen. Schnell kam Entwarnung. Bei den grauen Signalen handele es sich um Bojen, die man im Abstand von mind. 100 m umfahren könne. Hinter den orangen Signalen stecken Fischerboote, da sollte man etwas mehr Abstand halten.

    Das sagt ChatGPT dazu: Die chinesische Fischfangflotte ist nach heutigen Analysen die größte der Welt. Eine aktuelle Auswertung von Oceana kommt zu dem Ergebnis, dass China zwischen 2022 und 2024 mit rund 57.000 industriellen Fischereifahrzeugen etwa 44 % der weltweit sichtbaren industriellen Fangaktivität stellte. 
    Wichtig ist aber der Unterschied zwischen:
    • gesamter chinesischer Flotte: Küstenfischerei, Hochseefischerei, Aquakultur-Logistik usw.
    • Fernfischereiflotte: Schiffe, die weit außerhalb chinesischer Gewässer operieren, also z. B. vor Südamerika, Westafrika oder im Südpazifik. Die FAO beschreibt Chinas Fernfischerei als seit 1985 aufgebaut; für 2022 meldete China dafür rund 2,3 Mio. Tonnen Fang. 
    Für den Pazifik und Südatlantik besonders relevant sind oft die Tintenfischfänger. Frühere Auswertungen von Global Fishing Watch nannten allein für die chinesische Tintenfischflotte rund 352 Schiffe im Raum Südamerika. Diese Boote arbeiten häufig nachts mit sehr starken Decklichtern, um Kalmare anzulocken – deshalb sieht man sie auf See oft schon von weitem als „schwimmende Lichtinseln“.

    Wir konnten diese Boote und Bojen gut umschiffen und hatten uns von unserem ersten Schreck schnell erholt.
    Über diese Art sich weltweit außerhalb nationaler Gewässer am allgemeinen Fischreichtum zu bereichern, geschützte Arten wie z.B. Haie als gern gesehenen „ Beifang“ mit einzuheimsen und durch die Perfektionierung der Fangmethoden den Bestand and Meereslebewesen rücksichtslos und profitgeil zu dezimieren, kann ich mich allerdings sehr aufregen.

    Zum Abendessen gab’s aufgewärmte Fischsuppe und ein Stück Frittata.
    Okumaya devam et

  • Pazifik - Tag 21 Segelgarderobe

    12 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    12. April, Etmal 159 sm, 5 - 6 Bft, sonnig, 29°C

    Bei uns ist die Hauptantriebsmaschine unser Segel. Das sollte bei allen Segelbooten so sein. Manchmal kommt es Einem aber so vor, als hätten manche Skipper noch nichts davon gehört. Aber das ist ein anderes Thema.
    Bei uns kommen die Segel hoch, sobald irgendein Lüftchen weht. Die Hauptmaschinen sind unsere Genua mit 45 qm und unser Hauptsegel, das Groß, dieses hat 70 qm. Im Moment sind diese beiden Stoffteile im Dauereinsatz, da wir seit Eintritt in die Passatzone südlich des 6. südlichen Breitengrades durchweg kräftigen Wind haben. Diese Segel haben den Vorteil, dass sie gerefft, und so den verschiedenen Windgeschwindigkeiten angepasst werden können. Mit bis zu 40 Ktn scheinbarem Wind kann man was damit anfangen, mit immer kleinerer Fläche natürlich. Diese Segel bestehen aus einem dicken Dacrontuch und sind sehr belastbar.
    So richtig Spaß macht das Segeln aber dann, wenn wir unsere Leichtwindsegel auspacken können. Diese bestehen aus einem leichten Polyesterstoff und wiegen gerade mal 75g/m2. Dadurch stehen sie auch schon gut bei geringen Windgeschwindigkeiten. Kommen diese hochspezialisierten Produkte zum Einsatz, herrscht, wie der Name schon sagt, weniger Wind. Das hat zur Folge, dass sich auch meistens weniger Wellen herumtreiben. Es ist nämlich das Geschaukele, was uns gerade am meisten auf unserer Reise stört. Man kann überhaupt kaum gerade gehen, zur Toilette tastet man sich an den Schränken entlang und man muß stets im Blick haben, wo man mit dem wenigsten Schaden mit dem gesamten Körper hinknallen kann, wenn eine Superwelle Einen komplett aus dem Stand wirft. Für diese Sportart des ständigen muskulären Ausbalancierens auf dreidimensional wackelnden Standplatten zahlt man in Deutschland ordentlich Geld…
    Unser größtes Segel mit 156 qm ist das Levante. Der bekanntere Begriff ist „Parasailor“. Dieser Name steht aber schon für die Firma selbst, deshalb haben wir ihn uns abgewöhnt. Man sagt ja auch nicht „ich fahre mit dem VW hin“, wenn man nur meint, man fährt mit dem Auto hin.
    Unser Segel ist von Oxley. Ein symmetrisch geschnittenes Tuch mit einem Flügel, der außer für Vortrieb auch für Auftrieb am Bug sorgt und bei stärkeren Böen Druck entweichen lässt. Dieses Segel kann ich von 180°, also direkt vor dem Wind, bis zu 90°, also Wind direkt von der Seite, oben haben. Dies geht allerdings nur bei sehr geringem Wellengang und max. 15 Ktn Wind. Wenn wir das Levante fahren können, fühlt es sich an, als würde unsere Vitila über das Meer dahinschweben. Ein wirklich schönes Erlebnis. Auf unserer Reise über den Atlantik konnten wir dieses Segel zu 95% der Fahrt einsetzen.
    Unser neustes Tuch - das Alte war auf den St. Blas Inseln zerrissen - ist unser neuer Gennaker mit 96 qm. Dieses feine, blau-weiße Tuch eignet sich für leichte Winde bis 15 Ktn und wird eingesetzt für halben Wind (Wind direkt von der Seite) und raumen Wind (von schräg hinten). Es ist enorm, was dieses Segel bei den richtigen Bedingungen an Vortrieb bringt! Ein Plus von 1,5 Ktn gegenüber der Genua ist keine Seltenheit. Es darf sich in der Regel der Gesellschaft des Groß erfreuen.
    Bei dem Wind, der die letzten Tage wehte, blieben die leichten Tücher aber schön im Sack.
    Heute begrüßte mich wieder mal die Sonne mit einem schönem Aufgang, und sie strahlte den ganzen Tag mal mehr mal weniger, sagen wir mal, energieneutral. Außerdem bescherte uns der Wind ein neues Rekordetmal von 159 sm. Hätte es nicht eine Seemeile mehr sein können? Hätte sich im Logbuch hübscher ausgemacht.
    Die Wellen sind immer noch hoch. Mein Blick wandert nach wie vor häufig in die Wetterkarte, wie sich der Wind/Sturm in Gambier entwickelt, und es bleibt spannend.
    Zum Abendbrot gab es Hähnchenbrust mit Gnocchi und Gemüsefrittata.
    Okumaya devam et

  • Pazifik - Tag 20 Stromversorgung

    11 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    Etmal 154 sm, bedeckt, gegen Nachmittag sonnig, 5 - 6 Bft., 28 °C; Reststrecke ca. 1300 sm

    Was einige Segler auf einer Ozeanpassage unterschätzen ist die Stromversorgung. Was in der Ankerbucht gerade so funktioniert, reicht dann draußen auf dem Ozean oft nicht mehr aus.
    Heute Vormittag war die Sonne komplett verdeckt, dadurch kaum Ertrag. Am Nachmittag kam sie dann zwar heraus, sehr schön für’s Gemüt, der Energiebilanz brachte es aber nichts mehr, da die PV-Paneele schon von den Segeln verschattet wurden.
    Viele unterschätzen außerdem, dass der Autopilot die ganze Zeit läuft, und der hat richtigen Energiehunger. Je nachdem wie gut er eingestellt ist, und wie gut die Segel getrimmt werden, kann man diesen Bedarf des Autopiloten zwar etwas im Zaum halten, bei hohen Wellen von hinten hat er trotzdem einen hohen Energiebedarf, da er hier wesentlich mehr arbeiten muss.
    Von einem anderen Segler auf unserer Strecke wissen wir, das er in der Not einen Kühlschrank zeitweise abschalten musste. Zum Glück hatte erzusätzlich eine Windfahnensteuerung dabei, die er jetzt aktivieren und so seine Energiebilanz verbessern konnte.
    Wir haben den großen Luxus einen Generator mit 9 kW an Bord zu haben, den wir abends nach Bedarf laufen lassen. Die letzten Tage mit Bewölkung am Vormittag musste er jeden Tag eine Stunde ran und füllte die Akkus noch zusätzlich auf. Ein funktionierendes System, auch mit Reserven, ist also für so eine Passage enorm wichtig. Ich würde aus meiner Erfahrung jedem Langzeitsegler zum Einbau eines Generators raten, oder zumindest ein kleines mobiles Gerät (z.B. kleiner Honda 2,2 kW) in Bereitschaft halten, v.a. wenn man mehrere Kühlschränke, einen Froster und/oder eine Klimaanlage betreibt. Dann bekommt man bei bedecktem Wetter nicht gleich Herzflattern und muss um seine eingefrorenen Steaks (oder Gemüse …. 🤣) bangen, oder gar die halbe Nacht am Steuerrad hängen.
    Heute blies der Wind weiterhin aus voller Puste, Minimum 16 Ktn., meist 19 - 23, in Spitzen 27, wir kommen dementsprechend gut voran. An der Wetterfront gibt es auch neue Hoffnung. Im Moment sieht es so aus, als ob wir doch direkt bis Gambier durchsegeln können. Wir behalten es im Auge und informieren euch.
    Zum Abendessen gab es heute nochmal indisches Curry mit Hühnchen. Da der grüne Salat inzwischen ausgegangen ist, startete heute die „Coleslaw Zeit“. Diese ursprünglich niederländische Erfindung wurde in der Tat von den Amerikanern zu seiner heute bekannten Art weiterentwickelt. Er besteht aus Weisskraut, Möhren und Zwiebeln, alles fein gehobelt, vermengt mit der typischen weißen Salatsoße mit leicht süßlichem Charakter. Eine der wenigen Kreationen, mit der - nach meiner Meinung - die USA die Kulinarik der Welt bereichert haben.
    Okumaya devam et

  • Pazifik - Tag 19, Planänderung

    10 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    156 sm, morgens wolkig, nachmittags sonnig, 6-7nBft, 28°C

    Beim gestrigen Blick auf die Wetterkarte ist uns fast die Kinnlade runtergeklappt. Werner hatte eine Bildvorschau für den 22. April von den Gambierinseln geschickt, und da war alles pink! Das beutet Windgeschwindigkeiten über 40 kn. Das möchte Keiner haben. Im Tagesverlauf stellte es sich dann nicht mehr ganz so schlimm dar. Aber auch heute sind die Aussichten nicht gerade vielversprechend. Es muss also wieder mal ein Plan B her.

    Wir Segeln erst einmal weiter südwestlich bis zum 15. Breitengrad. Von da geht es weiter westwärts. Ergibt sich dann ein klares Bild ohne Sturm bei der Ankunft, biegen wir wie geplant nach Süden ab. Das ist die bevorzugte Variante. Wenn dies nicht möglich ist, wenden wir uns schräg nördlich Richtung Marquesas, nicht die erste Wahl, aber eine Möglichtkeit. Immer noch besser als in einen Sturm zu geraten…
    Ansonsten hatten wir heute einen trüben Morgen mit Squalls im Doppelpack. Der Wind war uns weiterhin treu, und die Wellen schaukelten uns nach wie vor ordentlich durch. Man könnte sagen, man gewöhnt sich dran, schön ist es aber nicht. Es polterte immer wieder mal, wenn wieder ein Gegenstand eine Etage tiefer wollte und sich unbemerkt rollend und rutschend zum Rande des Tisches oder der Anrichte vorgearbeitet hatte…Die Schubladen fliegen auch immer mal krachend auf und verkanten sich in ihrer Halterung, auch wenn man noch so drauf achtet sie i m m e r zu verriegeln. Schäden haben wir bisher aber noch keine zu beklagen.
    Obst und Gemüse gehen langsam zur Neige. Die letzte Ananas musste ich zu Marmelade verarbeiten. Die letzte Paprika und Avocados sowie grüner Salat sind verspeist . Zitronen gegen Skorbut 😉 und Orangen, sowie Äpfel halten sich noch. Auch etwas Auberginen und 1 Zucchini sind noch da, und erstaunlicherweise auch noch viele Cocktailtomaten. Relativ unbeeindruckt von der langen Überfahrt zeigt sich, und das war bekannt, Weißkohl, etwas empfindlicher ist Rotkohl.
    Heute Abend sollte also der Fischkopf vom Mahi Mahi in Form einer Fischsuppe zur Aufführung kommen. Dazu wurde der Kopf mit der Schnittfläche nach unten zuerst angebraten, nebst dem typischen Suppengemüse (Karotten, Lauch, Sellerie) und natürlich Zwiebeln. Auch ein zweites Stück vom Fisch, der Nacken, gesellte sich in den Topf. Aufgegossen wurde mit 1 Glas Wein, dann Wasser, und noch zwei Brühwürfel darin aufgelöst. Nach 30 Min. Köcheln wurden die Fischstücke/ Kopf entnommen, und Uwe löste nach dem Abkühlen das Fleisch heraus. Besonderes Augenmerk ist hier auf das sogenannte „Bäckchenfleisch“ zu legen. Es handelt sich um die sehr kurzfasrigen, zarten Kaumuskeln des Fisches. Es läßt sich mit etwas Geschick im Ganzen herauslösen und hat etwa die Größe von zwei Walnusshälften.
    Parallel hatte Doris noch die Handvoll Fischfleischstücke angebraten, die ich, neben den Filets im Ganzen, noch beim Zerlegen des Tieres gewonnen hatte. Dann wurde die Suppe abgeseiht, um evtl. Hautteile und andere nicht-willkommene Kopfteile des Fisches herauszufiltern. Die Gemüsestücke vom Anbraten suchte die Köchin aber heraus, und gab sie zusammen mit den gesamten Fleischstücken in den Sud zurück. Zum Gericht vervollständigt wurde die Suppe durch gekochten Basmatireis, der einfach die letzten Minuten dazugegeben worden war. Es schmeckte umwerfend, leicht nach Fisch, und wenn man Glück hatte identifizierte man sogar ein Stück vom Bäckchen und konnte es genießen.
    Okumaya devam et

  • Pazifik - Tag 18 Stiller Ozean ?

    9 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    156 sm, wolkig mit Aufheiterungen, 6 - 7 Bft., 28°C

    Wer hat dem Pazifik nur den Namen „stiller Ozean“ gegeben? Ich fühle mich wie in einer Waschküche. Rings um mich brodelt das Wasser. Wenn sich eine Welle direkt am Bootsrumpf bricht, schiesst sie in hohem Bogen über unser Heck. Zum Glück haben wir seitlich eine Abdeckung aus Stoff mit Kunststofffenster, welche das salzige Ozeanwasser von unserem Sitzbereich fernhält. Seit zwei Tagen sind wir nun schon in diesem Starkwindfeld gefangen aus dem es kein Entweichen gibt. Heute soll es noch bis Nachmittag weiter stürmen, dann sollte Besserung in Sicht sein.

    Ich hab schnell mal bei ChatGPT nachgeschaut:
    Der Stille Ozean heißt so, weil ihn Ferdinand Magellan bei seiner Durchfahrt 1520/1521 nach dem Sturm um Kap Horn bzw. durch die Magellanstraße als ungewöhnlich ruhig erlebte. Er nannte ihn deshalb auf Spanisch „Mar Pacífico“, also „friedliche / ruhige See“.
    Wichtig dabei:
    Der Name ist eher ein historischer Eindruck als eine objektive Beschreibung. Der Pazifik ist natürlich keineswegs immer still oder friedlich — er kann genauso rau und gefährlich sein wie jeder andere Ozean.
    „Pazifik“ kommt also von:
    • lateinisch pacificus = friedensbringend, ruhig
    • daraus spanisch Pacífico
    • auf Deutsch Stiller Ozean

    Die Beschreibung können wir also zum Teil bestätigen. Um Galapagos herum war er uns sogar etwas zu still. Im Moment gebärdet er sich etwas zu windig, im Mittel könnte es dann ganz gut passen 😉.

    Mit Besserung war es dann doch nichts. Die Wellen türmten sich fortgesetzt 3 m hoch und der Wind reichte bis 28 kn. Die Nacht hindurch fuhren wir im zweiten Reff. Squalls waren nur wenige unterwegs, und sie haben uns auch nicht direkt getroffen. Etwas Gutes brachte der kräftige Wind doch mit sich: Wir haben einen neuen Rekord im Etmal erreicht, 156 sm.
    Nachdem vorgestern ein wohl größerer Fisch meine rosa Angelschnur komplett durchtrennt hatte und mit unserer Zahnpastatube verschwunden war, war ich zunächst zum traurigen Nichtangler geworden. Doris fand aber noch zwei vorsorglich mal aufbewahrte leere Zahnpastatuben im Badschrank. Also setzte ich mich heute hin und bastelte einen neuen Köder, diesmal wieder mit Stahlvorfach. So ging’s ja nicht, einfach die Köder stibitzen! Als alles fertig war ließ ich mein Werk gleich zu Wasser, und es dauerte tatsächlich kaum eine Stunde, und wieder konnte ich so einen stattlichen Mahi Mahi aus dem wirbelnden Wasser ziehen. Doris schüttelte zunächst sorgenvoll den Kopf, schaffte es dann aber doch, die 2 Filets noch im Froster-Tetris unterzubringen. Auch den Kopf nahm sie diesmal entgegen, und ich darf mich wieder mal auf eine Fischkopf Suppe à la Vitila morgen freuen.
    Zum Abendessen gab es aufgewärmten Mahi Mahi mit der leckeren Sahnesoße, und ein paar der Tortellini waren auch noch da.

    Doris hatte, wie meistens, die erste Wache ab 21.00 Uhr. Es verlief alles soweit normal, wenn man sich mal an das Tosen, Schaukeln und Brausen auf dem Boot, das durch die stockdunkle Nacht fährt, gewöhnt hat. Kurz vor unserem üblichen Wachwechsel um 23.30 Uhr weckte mich das Schlagen unserer Genua und Doris‘ aufgeregtes Rufen „Uwe, komm schnell mal hoch!“ Leider vergaß ich beim halbnackt Hochstürmen meine Brille unten am Bett, so dass ich Mühe hatte, auf den Instrumenten etwas zu erkennen. Was war passiert? Der Wind hatte abrupt um 60 oder 70 Grad gedreht und uns beim Segeln nach Windwinkel komplett vom Kurs abgebracht. Aus achterlichem Wind war plötzlich Segeln am Wind geworden. Doris hatte schon von Autopilot auf Handsteuerung gewechselt und war hektisch am Kurbeln, aber der Kurs blieb völlig falsch. Ich übernahm das Kurbeln am Steuerrad und spähte nach den verschiedenen Gradanzeigen und Windwinkeln. Aber der Wind spielte völlig verrückt, wir drehten uns hin und her, und eine Patenthalse ließ nicht lange auf sich warten. Die Segel bockten und schlugen. Ich behielt jedoch Ruhe und Nerven - war inzwischen auch gänzlich aufgewacht - und allmählich kehrte der Wind wieder in seine ursprüngliche Richtung zurück. Der Routenpfeil auf Navionics richtete sich wieder auf die Gambier Inseln aus, und der Autopilot durfte wieder übernehmen. Um mich nochmal hinzulegen war es aber nun auch zu spät. Das gleiche Theater wiederholte sich eine Stunde später noch einmal. Jetzt war ich aber darauf gefasst und hatte eine Brille auf der Nase 😉, konnte somit sofort den Kurs korrigieren. Die restliche Nacht lief dann alles reibungslos ohne Aufreger.
    Okumaya devam et

  • Pazifik - Tag 17, mit Vitilazeit

    8 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    146 sm, 6 - 7 Bft., sonnig, 28°C

    Auf dem großen Ozean haben Zeit und Raum eine andere Dimension, und so haben wir auf unserem Boot die Vitilazeit eingeführt. Wie kam es dazu?
    Wir sind ja der Meinung, daß unsere modernen Handys die Zeitzonen automatisch umstellen. So ist es zumindest eingestellt, und bei Flügen in andere Länder funktionierte das bisher auch ganz prima. Kaum auf dem Flughafen gelandet hat man schon die neue Uhrzeit auf dem Display.
    Aber mitten auf dem Ozean ist eben Manches anders. Jedenfalls wunderte ich mich schon seit einigen Tagen, daß es Abends immer länger hell blieb, und der Sonnenaufgang immer länger auf sich warten ließ. Beides per se keine unangenehmen Erscheinungen. Wer hat es des Abends nicht gern etwas länger hell und kann morgens noch bis halb acht im Dunklen schlafen. Heute wurde es mir dann doch etwas spanisch, und ich fragte unser Partnerboot, wie spät sie es denn hätten. Kurze Zeit später kam die Antwort, bei ihnen war es tatsächlich noch zwei Stunden früher!
    Da brauchte ich mich denn auch nicht zu wundern, daß ich auf meine Nachricht von sieben Uhr noch keine Antwort bekommen hatte. Wir hatten es durch zwei Zeitzonen hindurch tatsächlich verpasst, unsere Uhren anzupassen. Auch unsere Handys hatten im alten Zeittrott weitergemacht. Und von hartnäckigen Radio- oder Fernsehmeldungen zur anstehenden Zeitumstellung, bis es auch der dümmste Hinterwäldler begriffen hat, blieben wir hier verschont. Was war nun zu tun?
    Nach reiflicher Überlegung fanden wir es aber dennoch belämmert, die Uhren gleich auf einmal um zwei Stunden zurückzustellen. Dieses - an sich korrekte - Vorgehen hätte dann aber zur unangenehmen Folge gehabt, daß es erneut früh dunkel werden würde, und morgens das Ausschlafen des letzten Nachtschicht Führenden durch rasche Helligkeit beeinträchtigt werden würde.
    Also, was macht man in einem solchen Fall? Der Captain haut mit der Faust auf den Tisch und spricht ein Machtwort: Die Uhren werden nur eine Stunde zurückgestellt, basta. Das ist eben jetzt die „Vitilazeit“. Das läuft hier bei uns ganz pragmatisch und nicht wie in der Europäischen Union, wo jahrzehntelange Abstimmungen laufen.
    Ansonsten spielen wir hier den ganzen Tag Berg- und Talbahn, und das ganz ohne Eintritt. Es geht immer 3 m hoch und 3 m runter. Ab und zu gibt’s noch eine Dusche gratis dazu. Schaukelfest sollte man aber schon sein, sonst gibt’s Fischfutter. Hat bisher ganz gut geklappt, unsere Gleichgewichtsorgane haben offenbar in den Pazifikmodus umgeschaltet.
    Okumaya devam et

  • Pazifik - Tag 16 Bergfest

    7 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    146 sm, 5 - 6 Bft. Sonnig-trüb, 28°C

    Der heutige Tag stand unter dem Motto Bergfest. Die Frage, die sich mir stellte war, worauf bezieht sich das Bergfest? Zurückgelegte Strecke oder Anzahl der Tage? Wobei ja die zurückgelegte Strecke klar ist, aber was nimmt man als Strecke, die noch vor einem liegt? Vlt. muss man noch einen Umweg segeln?
    Eine Gerade zum Ziel kann man ja in den seltensten Fällen segeln. Na egal, wir haben die zurückgelegte Strecke und die vor uns liegende addiert und durch 2 geteilt. Und da kam nun mal der heutige Vormittag heraus, nämlich 1947,4 zurückgelegt und 1948 sm vor uns. So hätten wir noch rund fünfzehn Tage vor uns, was durchaus angemessen ist.
    Diesen Anlass mussten wir natürlich nutzen um gemeinsam auf die zurückgelegte Strecke anzustoßen.
    Die kommenden Tage haben wir zumindest guten Wind vorhergesagt, und da wird das Tagesetmal etwas nach oben gehen, wobei wir mit den letzen Tagen mit durchschnittlich 144 sm schon ganz zufrieden waren.
    Apropos guter Wind. Der Wind sollte die nächsten Tage bis 28 Ktn auffrischen, das entspricht der Windstärke 7 Beaufort, und das kann man nicht mehr als laues Lüftchen bezeichnen. Die Wellen sollten bis 3,10 m anwachsen, so die Prognose.
    Vor dem Dunkelwerden banden wir folgerichtig auch das 2. Reff ein, genau zur richtigen Zeit, denn mit dem Sonnenuntergang stieg der Wind schon mal auf 25 Ktn an. Hiermit waren wir für die Nacht auf der sicheren Seite. Laut Refftabelle bei raumem Wind konnten wir dann bis 32 Ktn Wind verkraften.
    Die Nacht verlief unter diesen Bedingungen ganz normal. Ein paar Squalls zogen rechts und links an uns vorbei, aber wir hatten ja genug Sicherheit eingerechnet.
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  • Pazifik am Ostermontag - Tag 15

    6 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    144 sm, sonnig, 4-5 Bft

    Die Nacht war etwas durchwachsen. Die erste Schicht übernahm ich diesmal, da ich das Leichtwindsegel noch etwas stehen lassen wollte, die Bedingungen aber grenzwertig waren. Squalls in der Nähe hatten das Wasser wieder sehr unruhig werden lassen, und der Wind wehte auch nicht konstant. Nach zwei Stunden nahm ich dann das gute Stück doch runter, bei 16 Ktn Wind. Als ich wieder zum Steuerstand kam waren es gerade noch 12. Wie war das mit dem ersten April? Weiter ging es dann mit dem Groß, platt vor dem Wind, so konnte ich wieder meinen Kurs halten. So ging es durch die Nacht, sehr bequem, wenig Geräusche, Welle von hinten, aber eben auch nicht besonders schnell.
    Deshalb war meine erste Aktion nach dem Aufstehen die Genua rauszulassen. Was dann folgte war viel Frust. Wir hatten zwischen 16 und 18 Ktn Wind, und ich bekam unser Boot einfach nicht zum Laufen. Im Schnitt 5 Ktn, ich konnte machen was ich wollte. Und dann stand mir vor Augen, dass dies der Kurs der nächsten Tage sein würde. Unser Freund Werner von der „ Bring me the Horizon“ war glatt 1,5 Ktn schneller unterwegs, und das mit einem kleineren Boot, hallo gehts noch? Alles Fummeln und Zuppeln an den Segeln brachte nichts. Ja, die See war sehr unruhig, und wir sind total überladen, aber das will man ja nicht wahrhaben…
    Nach dem Mittag ließ der Wind etwas nach. Damit war die Zeit gekommen, den Trumpf zu ziehen, und der stach wieder: Unser Blauweißes ließ wieder die Lachfalten in meinem Gesicht erscheinen. Mit bis zu sieben Knoten im 10 min. Durchschnitt glitten wir jetzt wieder dahin. Da macht das Segeln doch gleich wieder viel mehr Freude. Wenn es hinten am Achterdeck so richtig rauscht und nicht nur plätschert, dann sind wir richtig unterwegs. Bis kurz vor Mitternacht zog es uns über den Ozean. Kurz vor meinem Schichtende um Mitternacht zog plötzlich der Wind an. Zum Glück hatte ich einen Alarm eingestellt, denn so bekam ich es direkt mit. Ein kleiner Squall, auf dem Radar schwer zu erkennen, zog direkt an unserer Seite vorbei. Schnell holte ich das Segel ein, ist ja mit unserem neuen Endlosfurler kein Problem und schnell gemacht. Weiter ging es mit Genua und Groß. Der Wind sollte ja eh auffrischen und der Segelwechsel hätte ohnehin angestanden.
    Heute gab es zur Feier des Tages Mahi Mahi mit Ingwer-Sahnesauce und Spinattortellini, begleitet von gemischtem Salat, und danach ein Creme Dessert mit Früchten. So lässt es sich leben auf einer Ozeanpassage.
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  • Pazifik - Ostersonntag, Tag 14

    5 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 27 °C

    143 sm, wolkig, 28°C

    Ein Tag über den es eigentlich nicht so viel zu berichten gäbe. Sehr schöne Segelbedingungen, ein schönes Etmal geschafft. Die Sonne hatte sich zwar etwas rar gemacht, aber das war kein Problem, wir haben ja einen Generator an Bord. Diesem hatte ich in Panamá City noch eine zusätzliche Dieselpumpe spendiert. Vorher mußte ich nämlich bei jedem Start vorne an der manuellen Vorpumpe Diesel ansaugen, da der Generator sonst beim Starten zu wenig Kraftstoff bekam und wieder abstarb.
    Nun also der Test nach ungefähr zwei Wochen ohne Benutzung. Ich war ganz mutig, startete nicht direkt von der Luke neben dem Generator aus, sondern über die Fernbedienung. Und siehe da, es funktionierte auf Anhieb.
    Der Tag stand aber trotzdem unter keinem guten Stern. Kurz vor dem ins Bett Gehen wollte ich noch einmal die Segel trimmen. Doch was war das? Die Großschot wollte gar nicht ausrauschen, und das bei Druck im Segel. Das war schon sehr komisch. Ich kletterte also flugs im Dunkeln auf das schwankende Oberdeck zum Baumende, um nachzuschauen. Es stellte sich heraus, dass sich der lange flatternde Reißverschluss des Lazybag im Block vom Baum verfangen hatte, er war ganz tief und fest reingezogen. Mist! Ziehen half leider nicht, was nun?
    Doris wurde unten schon unruhig und fragte hoch, was ich so lange in der Nacht da oben rumturnte. Für solche Fälle hab ich eine Talje (Flaschenzug) parat. Über einen Stoppersteg an der Schot befestigt und die andere Seite am Travellerschlitten, so sollte es doch wohl funktionieren. Denkste, das erste Bändsel riss gleich mal Mitten entzwei. Alle weiteren Versuche scheiterten. Konsterniert saß ich da. Doris meinte, kannst Du das nicht morgen bei Tageslicht machen? Sicherlich gut gemeint, aber sollte ich in der Nacht das Segel bergen müssen, hätte ich verloren, es wäre ja nicht gut gegangen. Da war guter Rat teuer, ich überlegte hin und her. Die Anwendung von Gleitöl oder Seifenlauge, Doris’ Idee, nichts führte nur zur geringsten Bewegung des im Block festsitzenden Stoffteils.
    Mit einer Grimpzange (Zange die sich arretiert) am Reißverschluss ansetzen und alles aus dem Block ziehen funktionierte auch nicht. Vielleicht würde ein anderer Zugwinkel, direkt am Baum, etwas bewirken? Nächster Versuch. Nichts. Keine Regung. Dann half der Baum selber mit: durch eine Welle ruckte er kräftig ein, ba-a-mmm, mit einem tüchtigen Knall löste sich der Reißverschluss aus seinem Gefängnis, und ein Seitenteil des Blockes verabschiedete sich gleich mit. Not-Reparatur also doch noch geglückt.
    Inzwischen war es aber schon 22:00 Uhr geworden, da wollte ich eigentlich schon eineinhalb Stunden geschlafen haben…
    Zum Abendessen hatte es Hühnchenschenkel mit Blumenkohl und Kartoffelbrei gegeben. Und weil Feiertag war hatte Doris als Nachtisch ein Sahne -Dessert mit beschwipsten Orangen und Ananas gezaubert. Hat wieder alles super geschmeckt.
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  • Er wollte sich wohl nur die Zähne putzen

    3 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 28 °C

    Eigentlich verlief Tag 12 bisher relativ geruhsam, wir segelten nach Windwinkel 125 Grad stabil Richtung Südost.
    Unsere demütige Äquator-Taufe gestern hatte wohl Erfolg: Die ganze letzte Nacht und heute ganztags kein einziger Squall. 15-18 kn Windgeschwindigkeit. Nur die Wellen waren teilweise recht unangenehm gegeneinander laufend. Aber auch das wurde gegen Abend ein wenig besser.
    Da wir heute Karfreitag haben und keinen Fisch mehr im Froster, bestärkte ich Uwe heute Nachmittag, doch wieder mal unsere Tradition des Angelns mit einer leeren Zahnpastatube aufzunehmen.
    Gesagt getan, Uwe bastelte alles zusammen an die rosa etwas dickere neue Angelschnur incl. Bleigewicht und - schwupps, ab damit ins Wasser. Wie schon fast alle Tage vorher. Die Aktion war auch gleich wieder vergessen 🙄.
    Just eine Stunde später bimmelte jedoch unerwartet unser Index-Glöcklein an der sich durch den Fisch dehnenden Gummischnur. Aber der Fisch war klein und machte sich beim Heranholen auch wieder los. Angeln heute erledigt.
    War‘s also doch nichts mit dem geregelten Karfreitag Abendessen.
    Selbiges mit aufgewärmtem, auch sehr leckerem, Shepherd‘s Pie strebte gerade seinen Ende zu, da bimmelte es erneut laut am Heck backbords. Bezeichnenderweise wieder am Köder der Zahnpastatube, nicht am gekauften Plastiktintenfisch.
    In Ruhe noch zu Ende gegessen, soll er etwas müde werden…
    Und tatsächlich, es hatte ein ordentlicher Mahi Mahi angebissen, 80 cm lang, 2 Mahlzeiten schwer. Das war der erste Biss nach Monaten erfolglosen Angelns! Und das eindeutig erzielt wieder mal mit unserer leeren Zahnpastatube. Das gibt ein feines Osteressen 😌.
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  • Pazifik - Tag 12

    3 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    135 sm, sonnig, 28°C

    Wir sind wohl genau zur richtigen Zeit gestartet, jedenfalls fühlt es sich im Moment so an. Seit wir an Galapagos vorbei sind und den Wind gefunden haben, geht es nun richtig voran. Aber warum genau zur richtigen Zeit? Wir hängen genau hinter einer riesigen Wolke fest, und wären wir zwei, drei oder auch einen Tag früher gestartet, befänden wir uns jetzt genau mittendrin. Nicht nur dass wir dann keine Sonne für unsere PV-Anlage hätten, es würden auch ständige Gewitter unsere Begleiter sein, und das braucht man ja nun wirklich nicht. Da mag der Eine oder Andere denken „da segeln wir doch glatt mal dran vorbei“. Naja die Wolke hat eine Abmessung von 770 x 300 SM, das ist größer als die Bundesrepublik, und wir sind mit gerade mal 6 Ktn unterwegs. Wegsegeln - Fehlanzeige. Man könnte mal einen Tag die Segel runter nehmen, aber die Schaukelei ist dann auch nicht so angenehm, und du treibst dahin, wo du nicht hin willst. Manchmal muss man eben auch mal ein bisschen Glück haben.

    Die Nacht war wieder super, viel Wind, für Doris fast ein bisschen zu viel…. Muss man sich erst einmal wieder dran gewöhnen. Keine Squalls weit und breit, und der volle Mond erhellte die Nacht. Die Wellen waren etwas konfus, das macht das Gehen auf unserem Kat etwas anstrengend. Normales Essen und auch Kochen, sowie andere kleine Tätigkeiten sind aber nach wie vor möglich, im Gegensatz zu einem Mono 😉.
    Den nächsten Tag über herrschte bestes Segelwetter. Dank Tipps von Werner konnte ich unsere Segelperformance etwas verbessern: Mit einer App, die die Segelgeschwindigkeit in kurzen Zeitintervallen misst, kann man die Segelstellungen sehr gut anpassen, da man den Effekt gleich sieht. Die Geschwindigkeit auf der Logge ist dazu viel zu unruhig, da sie wellenbedingt ständig hin und her wechselt.
    Von unserem unerwarteten Angelglück heute hat Doris ja schon in einem anderen Footprint berichtet.
    Durch die Nacht ging es dann auch flott im hellen Mondlicht und wieder ganz ohne Squalls.
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  • Pazifik - Tag 11

    2 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 27 °C

    144 sm, sonnig, 28°C

    Die ganze Nacht hindurch wehte der Wind beständig, mal mehr mal weniger stark, so um die 12 - 14 Ktn. Der Mond war unser treuer Begleiter, und kein einziger Squall trübte das Segelvergnügen. So kann es weiter gehen.
    Am Vormittag ist die See immer etwas unruhig, Wellen kommen von überall her, so scheint es. Das macht die Segelei am Morgen etwas schwierig. Man kann kaum laufen, ohne sich festzuhalten. Da ist das Frühstückmachen etwas schwierig. Wir erklären uns das so: überall in der Nähe gehen Squalls hernieder mit höheren Windgeschwindigkeiten. Die dadurch entstehenden Wellen breiten sich nach allen Richtungen aus, und dadurch entstehen dann diese Kreuzseen.
    Zum Mittag hin lässt es dann meistens nach.
    Nach dem Frühstück packten wir dann wieder mal unseren Levante aus. Dies war im Nachhinein eine gute Wahl. Wir segelten mit Wind von Achtern ziemlich genau auf dem 5. Breitengrad entlang. Links von uns entwickelte sich ein Wolkensystem mit einigen Squalls. Werner segelte einen südlicheren Kurs und bewegte sich hinein. Später berichtete er von einigen Squalls, denen er hatte ausweichen müssen. Wir hatten keinen einzigen. Schließlich war es nachmittags so ruhig, dass wir es wagten, unsere Äquatortaufe nachzuholen. Erst die Ansprache, dann das Wasser. Lustig war’s!
    Erst am Abend kurz vor Sonnenuntergang wechselten wir auch wieder auf die Standardgarderobe und segelten auch südwärts. Die Wolken lösten sich zunehmend auf und bis Mitternacht war alles ruhig.
    Zum Abendessen gab es heute Pizza.
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  • Die nachgeholte Taufe….

    2 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ ☀️ 27 °C

    Es war uns schon klar, dass Neptun wahrscheinlich mit gewissem Stirnrunzeln unser Treiben nach unserer Äquatorüberquerung am 29.3. beobachtete…. „Mögen die mein Wasser nicht? Haben die mich vergessen? Werden die gar übermütig? Nanana…. Muss ich heute vielleicht meinen Sack mit den Squalls nochmal hervorholen ?“
    In Anbetracht dieser Möglichkeit beschlossen wir heute Mittag in Gegenwart unseres schön fliegenden Levante diese Taufe irgendwie nachzuholen. Aber ging das überhaupt? Kann man sowas nachholen?
    Was tun in dieser prekären Lage? Richtig - Chat GPT fragen. Für diese Antwort zur möglichen Stimmung von Neptun uns gegenüber brauchte er ziemlich lange 😉. Sachfragen sind ihm eindeutig lieber…
    Dann, nach bangen Sekunden, die Erlösung! Er versicherte uns, dass sich Neptun sehr wohl noch freuen würde, und dass die Äquatortaufe nicht zwingend am Tag der Überquerung sein muss. Sicherheit an Bord geht vor!
    Auch Menschen werden ja in sehr unterschiedlichem Abstand zu ihrer Geburt getauft, ohne dass ihnen bekannterweise Nachteile daraus erwachsen.
    Trotz noch wogender See machten wir uns an Planung und Durchführung der Wasseraktion. Neptun ließ uns immerhin bei der Zeremonie nicht über Bord gehen (Taufe in Rettungswesten wäre blöd gewesen, da sie vielleicht ausgelöst hätten 🤪).
    Na da schauen wir mal, wie wir durch die kommenden Nächte kommen, ob Neptun den bewussten Sack wieder in die Ecke gestellt hat.
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  • Pazifik - Tag 10

    1 Nisan, Pazifischer Ozean ⋅ ☀️ 27 °C

    146 sm, sonnig, 29°

    Wir hatten uns heute auf wenig Wind eingestellt. Die Doldrums gehen ja ungefähr bis zum 6. Breitengrad, und wir waren gerade auf dem 3. Der Wetterbericht hatte auch nur wenig Wind in Aussicht gestellt. Werner hatte schon einen guten Vorsprung von 16 sm herausgesegelt. Dies war aber auch dem geschuldet, dass ich mit 45° ziemlich hoch am Wind segelte, Werner hingegen direkt auf das Ziel Gambierinseln zuhielt, und so um die 10° raumer fuhr. In Erwartung, dass der Wind nachließ, wollte ich auf diese Weise etwas Höhe für das Leichtwindsegel herausfahren, welches ich ja erst ab 70° Windeinfallswinkel nutzen kann.
    Aber wieder einmal hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Wind hielt sich einfach nicht an die Vorhersage, sondern blies munter weiter mit 16 Ktn. Bei der ruppigen See einfach zu viel für den Reacher... Erst am Nachmittag ließ der Wind etwas nach, so dass ich kurz vor zwei unser blau/weißes Tuch hochzog. Nun sprintete ich Werner hinterher. Bei dieser Disziplin bin ich wieder im Vorteil. Von Werner und Resi war aber auf dem Plotter nichts mehr zu sehen. Erst am Abend, als wir unsere Koordinaten ausgetauscht hatten, wurde klar, dass ich schon 18 sm weiter südlich unterwegs war, in etwa gleicher Höhe wie unser Partnerboot.
    Was uns heute außerdem noch erwartet hatte war eine große Dünung von 3,0 m Höhe, die auf uns zuhielt. Gespannt warteten wir wie dieses sich anfühlen würde. Da die Wellen aber sehr gemächlich alle ca. 14 s sich erhoben und senkten, war gar nicht so viel davon zu spüren.
    Ein wirklich schöner Segeltag ging mit einem tollen Sonnenuntergang zu Ende.
    Zum Abendbrot gab es aufgewärmten Mahi Mahi, dazu die bald letzten Reste grünen Salat, von Doris liebevoll im Wasserbad aufgepäppelt (Doris meinte, sie sei zur „Salatflüsterin“ geworden) verbunden mit Cocktailtomaten, Orangenspalten, etwas Weisskrautstreifen und Feta. Alles mundete auch wieder sehr gut.
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  • Pazifik - Tag 9

    31 Mart, Pazifischer Ozean ⋅ ☁️ 26 °C

    113 sm (46 Segel, 39 Motorsegeln, 23 Motor), wolkig, 29°

    Unser Plan war es, so schnell wie möglich unterhalb des 6° Breitengrades zu kommen. Den südlichen Kurs hatten wir auch schon gesetzt. Das Vorhaben verging uns aber, als wir in der Nacht die riesige Gewitterzelle vor uns sahen, in die wir direkt hineinsteuerten. Kurzer Erfahrungsaustausch mit Werner, und wir einigten uns, dass wir vorerst auf dem 2° Breitengrad blieben. In der weiteren Nacht erwischte Doris sogar eine Schicht mit ganz gutem Wind, der dann natürlich nachließ, als ich die Wache um 5:30 übernahm…. Was folgte waren sehr unangenehm schlagende Segel, die ich schließlich komplett barg. Gegen acht Uhr erschien dann wieder leichter Wind, und ich setzte unseren Gennaker. Bloß gut, dass wir dieses neue Leichtwindsegel noch rechtzeitig in Panamá von unseren Freunden mitgebracht bekommen hatten.
    Leider hielt der Wind nicht lange. Wir nutzen diese Gelegenheit, um uns im Meer kurz frisch zu machen. Herrlich war das mal wieder! Kurze Zeit später musste ich den Gennaker wieder bergen.
    Die Frage die sich nun stellte war, wann biegen wir nach Süden ab? Auf dem 2. Grad konnten wir nicht bleiben, da gab es keinen Wind. Unten war dieses blöde Wolkenband. Wären wir bloß gestern direkt nach Süden gefahren, da hätten wir es schon hinter uns und wären sogar unbeschadet durchgekommen. Hinterher ist man immer schlauer.
    Am Nachmittag gegen drei Uhr sah ich Richtung Süden eine blaue Wolkenlücke. Zwei Blicke auf die Wetterapp, das könnte etwas werden. Kurze Konferenzschaltung mit Werner, er war mit der Kurskorrektur einverstanden. Also ab in den Süden.
    Nach einer Stunde, wir waren immer noch mit dem Motor unterwegs, kam der Wind, aber genau auf die Nase, blöd. Wir rückten weiterhin nur langsam vor. Irgendwie kamen wir aus der Bannmeile der Galapagosinseln nicht heraus. Ein erneutes intensives Studium der Wetterapp ergab: Abfallen um 30° müsste jetzt möglich sein. Nach einem kurzen klärenden Telefonat mit Werner fielen wir wie geplant ab und bewegten uns mit Motorunterstützung und guter Geschwindigkeit weiter.
    Bis Mitternacht fand danach allerdings ein ständiger Wechsel zwischen Segeln und Motorsegeln statt: Zu langsam, der Kurs konnte nicht gehalten werden usw. Einige Squalls verlangten auch nach unserer Aufmerksamkeit, groß eingreifen mussten wir aber nicht. Erst nach Mitternacht wurde der Wind so beständig, dass wir durchweg segeln konnten. Das nutzte Werner auch gleich dazu, um uns wegzusegeln, der treulose Geselle. Wir sind in der Disziplin „hoch am Wind mit wenig Wind“ nicht die Schnellsten…
    Zum Abendessen gab es Shepherdˋs Pie. Es bestand aus 3 Schichten: Zuunterst gebratene Auberginen, dann 1 Schicht Hackfleisch mit Gemüse und darüber eine Schicht Kartoffelpüree. Und weil ich es so liebe obendrauf noch Röstzwiebeln. Megalecker.
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  • Pazifik - Tag 8

    30 Mart, Pazifischer Ozean ⋅ 🌙 27 °C

    113 sm (65 sm Segel, 48 sm Motor), wolkig, Regen, Wind 3 - 22 Ktn

    Wir motorten noch bis ca. morgens um eins, da nahm der Wind wieder auf 8 Ktn zu und ich konnte den Motor abstellen. Später um sechs kam dann wieder unser Leichtwindsegel zum Einsatz.
    In der Ferne waren schon die Wolken der innertropischen Konvergenzzone (ITCZ) zu sehen. Diese sorgt für Regen und kräftige Gewitter. Der Wind blies immer noch ausreichend, und wir kamen gut mit unserem Gennaker voran. Doris hatte gut geschlafen und kam etwas später aus dem Schlafgemach. Alles ging dann seinen gewohnten Gang, Frühstück machen, schön essen, bisschen ins Handy schauen. Da dachte ich mir : kuck doch mal nach oben, wo Werner so bleibt, und wie ich auf meinen Plotter schaue, sehe ich ein gewaltiges Regenechos im Radar. Uff, der ganz Himmel vor uns war auch schon schwarz. Jetzt schnell das Leichtwindsegel rein und das erste Reff ins Groß, man weiß ja nie was kommt. Keine fünf Minuten später kamen die ersten Böen angeflogen, und im Nu war der Wind auf 18 Ktn geklettert. Der Regen ließ dann auch nicht mehr lange auf sich warten. Also immer, Holzauge sei wachsam.
    Nach Wochen ohne Regen und mit schwachem Wind kann es eben auch mal wieder anders kommen. Eine ganze Weile fuhren wir dann mit Genua und erstem Reff bis in die nächste Flaute. Und wenn Wind kam, war’s von der falschen Seite. Was dann folgte wünscht man sich nicht: Segel hoch, Segel runter, Schlagen der Segel, Motor an, Motor aus …
    Der einzige Lichtblick war das gute Essen. Es gab Kaiserschmarrn mit Apfelmus, Puderzucker und frischem Obst, ein Gedicht. Gegen 21.00 Uhr konnten wir dann sogar wieder die Segel setzen und der Wind hielt bis Mitternacht. Doris genoß auf diese Weise eine entspannte erste Wache mit wenig Geschaukel und gutem Vortrieb, teilweise über 5 Knoten.
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  • Pazifik - Tag 7

    29 Mart, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 27 °C

    109 sm (48 Segel, 61 Motor) , Wind 2 - 3 Bft, sonnig, 30°

    Heute ist es nun soweit, wir werden den Äquator überqueren. Doch zunächst motoren wir durch die ganze Nacht, mit Segelunterstützung. Dadurch kommen wir auch mit geringer Drehzahl gut voran. Das hilft Diesel sparen, man weiß ja nicht was noch kommt, und der Ozean ist weit.
    Wir timen die Überfahrt so, dass wir noch in Ruhe frühstücken können, und gegen 9:00 Uhr Panamesischer Zeit die Null-Linie überqueren. Galapagos hat nämlich schon wieder eine neue Zeitzone, und wir müssen erneut die Uhren umstellen. Also, wenn es in Deutschland um 12:00 Uhr mittags ist, liegen wir noch im Bett, weil es bei uns dann erst 5:00 Uhr anzeigt.
    Wie gesagt, um kurz vor neun überqueren wir den Äquator und stoßen mit einem Glas Sekt an. Kurze Zeit später treffen wir uns mit Werner und Resi, machen unsere Boote aneinander fest, und gratulieren uns zur geschafften Äquatorüberquerung. Aus dem geplanten gemeinsamen Neptunfest wird aber leider nichts, da die Festmacherleinen unserer Boote zu sehr an den Klampen reissen, so daß wir Angst um deren Stabilität haben. Also machen wir kurz danach die Leinen wieder los und segeln weiter Richtung Gambier. Die Taufe wird bald nachgeholt.
    Aber erst einmal müssen wir vorbei an den Galapagos-Inseln, die sich uns weiterhin in den Weg stellen. Beachten muss man hier, daß ein Mindestabstand von 40 sm eingehalten werden muss. Das wird akribisch überwacht. Dazu soll es eine AIS-Verstärkung auf den Inseln geben. Wir werden genug Abstand einhalten, um die armen Ordnungshüter nicht am Sonntag auf den Plan zu rufen.
    Die Weiterfahrt gestaltet sich aber dann doch etwas schwierig. Da Wind und Strömung uns eh schon Richtung Galapagos schieben, habe ich gleich am Autopilot die Windsteuerung mit dem höchsten Windwinkel von 70° für unser Leichtwindsegel eingestellt. Hier fährt man eben keinen eingestellten Kurs, sondern nimmt alle Winddreher mit und kann so auch günstigeren Wind nutzen. Das funktioniert anfangs auch prima, und ich kann den Kurs auch ganz gut halten. Dann kommt aber auf einmal eine derart heftige Strömung von links, die uns mit 1,5 Ktn zur Inselgruppe schiebt. Kurz vor 19 Uhr wechsle ich deswegen auf die Genua. Mit ihr kann ich 25° höher am Wind segeln. Leider sind wir aber damit auch gleich 1,5 Ktn langsamer unterwegs. Um kurz vor 20 Uhr muss ich dann doch noch einen Motor dazunehmen, da der Wind schon zeitig beschlossen hat, zu Bett zu gehen, und wir wieder drohen ins Naturschutzgebiet einzulaufen.
    Doris hat uns derweil zum Abendbrot mit karamelisierten und gebackenen Kochbananen (Plantains) verwöhnt. Außerdem ist nochmal aufgewärmtes Curry mit Reis aufgetischt worden, welches auch wieder sehr lecker schmeckt.
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  • Besuch bei Neptun persönlich !

    29 Mart, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 27 °C

    Heute haben wir Tag 9 unserer Überfahrt. Zum Frühstück wurde die letzte Passionsfrucht verspeist- welch trauriges Ereignis 😢.
    Aber danach gab es was Schönes zu Genießen: wir waren so langsam, standen fast mit 1,4 ktn., so dass Uwe den Anfang machte und das Duschen und die Körperpflege heute ins Meer verlegte. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und folgte nach. Natürlich erst als er wieder an Bord war. Festhalten an der Leine mit Schlaufe am Ende war Pflicht.
    Uwe zeigte sich entsetzt über die Menge der bereits angesiedelten Entenmuscheln: „Entsetzlich! Es ist ein Wunder, dass wir überhaupt noch fahren!“
    Es war für mich einprägsam, dass 1,5 ktn doch so einen Zug an der Leine im Wasser verursachen, dass man sich etwas anstrengen muss, sich wieder zur Leiter zu hangeln. Sehr erfrischendes Bad mit 3000 m Wasser unter uns.
    Danach war entspanntes Sitzen in der Slylounge angesagt. Nach erneutem Studieren der Wettervorhersagen entschlossen wir uns zusammen mit der „Bring me the Horizon“ den Kurs auf direkt südlich zu ändern. Wir wollen endlich zu den Passatwinden. Einmal muss man dabei durch die Innertropische Konvergenzzone durch. Warum also nicht heute, es sind keine größeren Gewitterzellen vorhergesagt 🙈. Um 15.17 Uhr Ortszeit wurde der neue Kurs angelegt.
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  • Pazifik - Tag 6

    28 Mart, Pazifischer Ozean ⋅ ☁️ 27 °C

    109 sm, (41 sm Segel, Motorsegel 68 sm), sonnig 31°

    Es ist früh am Morgen. Vor zwei Stunden habe ich die Mitternachtsschicht übernommen. Der Wind dreht weiter auf Süd. Den Kurs kann ich schon lange nicht mehr halten. Ich ziehe den Gennaker noch etwas straffer, um auf 60° am Wind zu kommen. Empfohlen für das Segel sind 70°. Es ist machbar, aber zu welchem Preis? Als ich aufs Vorschiff gehe, sehe ich, dass das Segel am Kajak und am Seezaun reibt. Das tut mir in der Seele weh. Ich entscheide, die Genua muss raus. Ich versuche halbherzig Doris zu wecken, da wir Segelmanöver eigentlich zu zweit machen wollen. Sie schläft aber fest, und Segel einrollen, zumal mit unserem neuen Endlosfurler, und die Genua setzen ist ja auch kein Hexenwerk. Also Rettungsweste an und los. Keine fünf Minuten später ist alles gerichtet. Ich setzte nun Kurs 45° am Wind und kann den Kurs östliche Galapagosinsel wieder halten. Mit 4 - 5 Ktn geht es weiter.
    Auch heute begrüßt mich wieder ein schöner Sonnenaufgang. Das Gekneife um die Höhe am Wind geht allerdings weiter. An tolle Etmals ist dabei nicht zu denken, aber der Weg ist das Ziel, und wir haben es ja nicht eilig.
    Den Vormittag bestimmen dann Vorratsarbeiten den Ablauf: Lebensmittel müssen noch portioniert und vakuumiert werden, und so wandern Käse, Nüsse, Speck und Salami in die Tüten, um wenig später rigoros die Luft abgesaugt zu bekommen. Die so entstandenen Päckchen werden dem Tetris von Vorratsboxen und Kühl- und Gefrierschrank zugeführt…
    Gegen Mittag wird dann der Wind so wenig, dass wir kaum noch 3 kn segeln, und der Autopilot hat Mühe, den Kurs zu halten. Es ist Zeit, den Motor zu aktivieren, auch wenn es weh tut. Bei einer derart langsamen Geschwindigkeit versetzt es außerdem unser Boot so stark, dass an Kurshalten im Traum nicht mehr zu denken ist. Inzwischen bekommen wir 1,5 Ktn Strömung genau von der Seite. Da kann sich Jeder ausmalen, wo wir bei 2,5 Ktn Fahrt ankommen würden.
    Mit Motor und Segel als Unterstützung kommen wir wieder gut voran. Der Wind, unser „treuer“ Begleiter, bleibt den ganzen weiteren Tag mau, und so geht es mit Motorunterstützung in den Abend hinein.
    Zum Abendessen gibt es indess wieder ein Highlight. Doris zaubert aus unseren Vorräten lecker panierten Mahi Mahi mit Gemüse der Saison, Salat und Bratkatoffel.
    Die Nacht verläuft dann wieder sehr ruhig, abgesehen vom Motorgebrumme.
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  • Pazifik - Tag 3

    25 Mart, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 28 °C

    126 sm, Wind 2 - 5 Bft,, sonnig 28°

    Die ganze Nacht hindurch ist leichtes Segeln angesagt. Immerhin ist so viel Wind, dass unser Levante stehen bleiben kann. Weitere Vorkommnisse gibt es keine.
    Nach dem Frühstück legt der Wind wieder zu bis max. 19 kn und wir kommen gut voran. Die Sonne scheint den ganzen Tag und die Wellen halten sich im Zaum.
    Wir erledigen wieder einige Dinge. Doris widmet sich Steuerangelegenheiten, ich räume weiter auf und setze mich an die Buchhaltung, wozu ich in letzter Zeit nicht mehr gekommen bin.
    Kurz vor dem Sonnenuntergang entschließe ich mich noch, das Levante, welches uns so schön über den Ozean gezogen hat, durch das Groß und den Gennaker zu ersetzen. Der Wind soll in der Nacht drehen und da ist es mir lieber die neuen Segel schon oben zu haben.
    Zum Abendessen gibt es Eierkuchen. Mitten beim Essen bekommen wir plötzlich Besuch: Quer übers Cockpit kommt ein fliegender Fisch geschossen, landet plumpsend neben Doris auf der Bank und deckt sich gleich mal mit einem Kissen zu. Ca. 50 cm weiter rechts und er hätte Doris voll getroffen. Das hätte dann auch eine ordentliche Wirkung gehabt, handelt es sich doch um ein relativ großes Prachtexemplar dieser Gattung.
    Segeltechnisch geht es dann wieder ruhig in die Nacht. Unser Levante bleibt stehen und treibt uns wieder ruhig an.
    Als ich mich später noch einmal nach oben setze, hat sich doch noch einmal Besuch eingestellt. Sitzt doch ein Tölpel direkt neben mir auf dem Lazybag und genießt es, sich hier auszuruhen. Ich habe Mitleid mit ihm und lasse ihn gewähren …
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  • Pazifik - Tag 2

    24 Mart, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    131 sm, Wind 2 - 5 Bft, 27° sonnig

    Wir haben heute Nacht gut geschlafen. Das ist ungewöhnlich. Normalerweise brauchen wir so 2-3 Tage, bevor wir entspannt schlafen können. Das macht Mut.
    Ansonsten gibt es heute nichts Spannendes zu berichten.
    Segelmäßig sind wir mit gerefftem Groß durch die Nacht gesegelt. Am Vormittag habe ich die Genua dazugenommen. Da der Wind direkt von hinten kam, habe ich die Segel als Butterfly gesetzt. Mit ca. 7 Ktn pflügten wir durchs Wasser.
    Am Nachmittag ließ der Wind nach, irgendetwas musste ich nun tun. Zuerst entschied ich mich, die Genua durch den Reacher zu ersetzt. Das Leichtwindsegel stand aber nicht gut und schlug immer wieder. Also nun doch die große OP. Groß und Gennaker runter und das Levante gesetzt. Mit diesem kann ich auch segeln, wenn der Wind nicht mehr genau von hinten kommt.
    Jetzt sitze ich hier , schaue wie das riesige rotweisse Tuch uns über das Wasser zieht und genieße den schönen Sonnenuntergang.
    Der Wind lässt allmählich nach bis auf 6 Ktn. Er wird auch immer unsteter. Wir entscheiden, dass ich heute ausnahmsweise die erste Wache übernehme und gegebenenfalls Änderungen am Segel vornehme. Wenig später muss ich auch das Segel aus der mittleren Postition in eine seitliche schiften. Hierzu muss ich die Schoten und Niederhalter neu anpassen. Die ganzen Nacht hindurch weht der Wind sehr schwach. Die Sterne prangen in überwältigender Schönheit am Himmel, v.a. nachdem der Mond untergegangen ist. Die heutige Nacht ist sehr lau.
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  • Pazifik - Tag 1

    23 Mart, Panama ⋅ ⛅ 26 °C

    75 sm (59 Segel, 16 Motor), sonnig, zwischen 0-23 kn Wind

    Heute geht es nun los, die große Fahrt zu den Gambier Inseln. Ungefähr 4000 sm müssen wir zurücklegen, um wieder einen Fuß aufs Land setzen zu können. Bis dahin sind uns wieder Seglerbeine gewachsen.
    Bevor es jedoch losgeht, gibt es noch Einiges zu erledigen. Den Motor vom Dinghi muss ich an der Reling verstauen und das Dingi fest verzurren. Die Filter vom Wassermacher will ich noch tauschen, diese sind durch das trübe Wasser total verschmutzt. Zwischendurch kommen Resi und Werner noch einmal kurz zu Besuch. Gemeinsam stimmen wir uns auf die Überfahrt ein und spendieren den Göttern der Meere einen ordentlichen Schluck Rum.
    Pünktlich um 12:00 Uhr starten wir unsere Reise. Was aber fehlt ist der Wind. Drei Stunden müssen wir motoren, bevor eine leichte Brise einsetzt. Der Wind kommt aus 90°, beste Voraussetzung für unser neues Leichtwindsegel. Also schnell alles klar gemacht und das Segel hochgezogen. Schön wie es so im Wind steht und unsere Vitila vorantreibt.
    Nun sind noch einige Dinge zu erledigen. Bald werden wir unser Starlink auf den Ozeanmodus umstellen müssen. Bevor dies geschieht, lade ich noch einige Karten für unseren Plotter und die Handys herunter. Zum Glück bleibt die unbegrenzte Internetverbindung lange genug für diese Downloads erhalten.
    Zum Abend hin wird der Wind immer stärker und ich setze die Genua. Dabei beobachte ich, wie neben mir Delphine im Wasser mit unserer Bugwelle spielen. In einiger Entfernung sehe ich einen Wal an die Oberfläche kommen. Viel zu weit weg, um ihn zu fotografieren.
    Was aber sehr unangenahm ist, eine seitliche Dünung wird immer höher und setzt Doris ganz schön zu. Sie nimmt eine Tablette, wird müde und legt sich etwas hin. Ich mache es mir derweil auf der Brücke bequem. Es ist schon dunkel, als etwas gegen unser Boot rumst. Mehrmals höre ich das Poltern. Böse Erinnerungen werden wach. Ein Bekannter von uns musste nach einer Kollision mit einem Baumstamm kurz hinter Panama sein Fahrt unterbrechen und seinen Katamaran reparieren lassen, was zu einer reinen Odyssee wurde. Ich schnappe mir also gleich eine Taschenlampe und leuchte ins Heckwasser, aber es ist nichts zu sehen. Die Bilgenkontrolle ergibt kein Wasser, also nochmal Glück gehabt. Die weitere Nacht verläuft dann ohne nennenswerte Ereignisse. Außer ein paar Frachtschiffen, die in einer Seemeile Entfernung an uns vorbeifahren. Wir achten darauf, dem Verkehrstrennungsgebiet, das von Panama City nach Westen führt, nicht zu nahe zu kommen.
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