• Claudia
  • Claudia

Kurs Südost

April 2016 - open end Meer informatie
  • Harmloser als gedacht...

    27 september, Turkije ⋅ ☁️ 19 °C

    Der heutige Morgen beginnt mit Blümchen, Ständchen, Kerze und Geschenk, da hat wohl jemand Geburtstag. Passend dazu genießen wir noch einmal das gute Hotelfrühstück, welches wir uns auf der Terrasse schmecken lassen, vor uns plätschert der Çoruh-Fluss, hinter uns der Pool. Dann wird es aber auch Zeit, das Luxusleben mal wieder zu beenden. Die Sachen sind schnell gepackt und wir schwingen uns bei herrlich sonnigem Wetter in den Radsattel. Kleine, aber viele Anstiege sollen heute dafür sorgen, dass wir unterwegs reichlich Höhenmeter hamstern. Eine weitere Challenge stellen diverse Tunnel dar, die heute auf unserer Route liegen. Der Gedanke daran, diese engen und dunklen Röhren mit dem Auto- und LKW-Verkehr zu teilen, flösst einem immer wieder Respekt ein. Beide Herausforderungen sollen sich aber als deutlich harmloser als angenommen erweisen. Die App Komoot hat sich scheinbar gehörig zu unseren Gunsten verrechnet: Die Steigungen der heutigen Etappe sind sehr milde und in der Summe werden es deutlich weniger Höhenmeter als erwartet. Und auch die Tunnel stellen sich unproblematisch dar, da sie zum einen beleuchtet und zum anderen mit einem gut befahrbaren Gehweg ausgestattet sind. Schön! So können wir entspannt in die Pedale treten und die herrliche Sicht auf den Çoruh-Fluss und die umliegenden dunkelgrün bewaldeten Berge genießen. Eine nette Begegnung durften wir mal wieder während einer Pause erleben, nachdem uns auch unterwegs mal wieder Wasserflaschen aus dem Autofenster heraus geschenkt wurden. Als wir bei einer Tasse Tee am Straßenrand sitzen, hält ein Auto mit einer Familie an Bord. Nach kurzem Plausch wühlen sie auf der Ladefläche ihres Autos und zaubern frisches Brot und köstliche Weintrauben für uns hervor. Ach ja, die reißen einfach nicht ab, diese warmherzigen Zusammentreffen mit den Einheimischen. Da es sich so gut und entspannt radelt, beschließen wir, weiter als eigentlich vorgesehen zu fahren. Den kleinen Ort Borçka lassen wir hinter uns und stellen uns einem Anstieg, der ursprünglich für morgen auf dem Programm stand. Etwas ungemütlicher gestaltet sich die Fahrt im Verlauf, da sowohl die Bewölkung als auch der Verkehr zunimmt. Vor allem der Straßenlärm ist lästig, aber manchmal gibt es leider keine sinnvolle Alternative. Eine solche ergibt sich aber, als die Straße mal wieder durch einen Tunnel geführt wird. Angesichts der Tatsache, dass es diesmal über fünf Kilometer durch den Berg gehen soll und uns diese Vorstellung nicht wirklich gefällt, nehmen wir eine Alternativroute. Diese führt über einen Berg und handelt uns entsprechend zusätzlich Höhenmeter ein, aber das nehmen wir in Kauf. Ganz nach oben schaffen wir es nicht mehr, die Beine werden müde. Da es grundsätzlich in dieser Gegend nicht einfach ist, einen guten Platz für eine Zeltnacht zu finden, dürfen wir nicht wählerisch sein. Unser Lager errichten wir schließlich am Rande eines aktuell leeren Holzlagerplatzes. Heiko kramt unser letztes Gemüse aus den Packtaschen und kocht daraus ein leckeres Abendessen, als Beilage futtern wir das geschenkte Brot. Leichter Nieselregen setzt ein, als wir uns noch Tee und den einen oder anderen Keks genehmigen. Sehr froh sind wir darüber, dass stärkerer Regen und Gewitter erst einsetzt, als wir schon warm und trocken im Zelt liegen. Das Wetter-Timing klappt bisher perfekt in diesem Urlaub, das darf gerne so bleiben. Mit dem Grollen des Donners und dem Rauschen des Flusses sowie des Windes in den Bäumen treten wir nun recht bald die voraussichtlich letzte Nachtruhe in der Türkei an. Morgen werden wir nach langer Zeit mal wieder eine Grenze überqueren. Wir sind gespannt...Meer informatie

  • KI-gesteuerter Ruhetag

    26 september, Turkije ⋅ ☁️ 23 °C

    Den heutigen "Ruhetag" beginnen wir mit einem guten Frühstück im Hotelrestaurant mit Blick auf den Çoruh-Fluss und die imposanten Felsen in unmittelbarer Nähe. Mit den gefüllten Mägen legen wir dann erstmal wieder eine Pause ein und lassen uns später durch KI einen Plan für den restlichen Tag generieren. Wir geben ein paar Eckdaten vor und Zack, der Ablauf für einen kleinen Ausflug vor Ort steht. Brav halten wir uns an alle Vorgaben, dazu gehört als ersten die Bestellung eines Taxis an der Hotelrezeption. Eine Stadterkundung zu Fuß erachtet die KI am Ruhetag als zu anstrengend. Immerhin beträgt der Höhenunterschied hier auf engstem Raum 500-600m. Die Stadt wurde terrassenförmig an einer extrem steilen Bergflanke über dem Çoruh-Flusstal erbaut, die Gebäude wirken wie an den Hang geklebt.
    Die Höhe innerhalb der Stadtteile variiert entsprechend drastisch. Während unser Hotel in der Talsohle auf Flussniveau (150-200m) liegt, finden sich das historische Stadtzentrum und der Marktplatz mit 500-550m auf halber Höhe des Hangs. So kann in den höchsten Wohnvierteln (750-800m) im Winter bereits Schnee liegen, während es unten am Flussufer noch regnet. Über zahlreiche enge Serpentinen lassen wir uns mit dem Taxi zum Marktplatz hinaufschrauben. Nach kurzer Orientierung und dem Befragen von Passanten lässt sich die Aussage der KI verifizieren, dass hier demnächst ein kostenloser Bus die Sehenswürdigkeit "Atatepe" ansteuert. Mit vielen anderen Ausflüglern quetschen wir uns in den Kleinbus und erleben eine spektakuläre Fahrt hinauf zum Hügel, auf welchem die mit 22 Metern angeblich größte Atatürk-Statue der Welt über der Stadt thront. Wir lassen die imposante Statue neben riesiger türkischer Flagge sowie die spektakuläre Panoramaaussicht auf die Stadt, das Tal und den Çoruh-Fluss auf uns wirken und können in der Ferne auf der gegenüberliegenden Flussseite sogar die steilen Straßen ausmachen, über die wir gestern in den Ort geradelt sind. Anschließend gehorchen wir artig weiter der KI: "Setz dich ins Atatepe-Café, trink einen Tee oder Kaffee und genieß in Ruhe die Aussicht." Alles klar, machen wir! Auch dem nächsten Hinweis leisten wir Folge, er lautet: "Zurück ins Zentrum kannst du dann gemütlich bergab laufen." Nach etwa einer Stunde Fußmarsch, der sich recht bald in den Waden bemerkbar macht, sind wir zurück am Markplatz im Zentrum. In diesem Ort scheint man kaum 10 Meter in der Ebene gehen zu können, es geht entweder steil nach oben oder nach unten. Fahrzeuge winden sich über die engen Serpentinen durch die Stadt, für Fußgänger gibt es unzählige, extrem steile Treppenabkürzungen. Wir sollen jetzt laut KI für unser leibliches Wohl sorgen und da wollen wir natürlich auf gar keinen Fall widersprechen. Also marschieren wir geradewegs zum Restaurant Fidan Sultan El Lezzetleri, was sich als sehr gute Wahl erweist, denn auch hier hat die KI mit ihrer Ankündigung Wort gehalten: "Es handelt sich um ein fantastisches Restaurant für traditionelle und hausgemachte Gerichte. Sie haben echtes, traditionelles Kuymak (heißer, gezogener Käse-Maismehl-Topf) auf der Karte." Da können wir ja gar nicht anders, als eine Portion Kuymak als Vorspeise zu bestellen und tatsächlich schmeckt uns das für diese Region typische Gericht sehr gut. Mindestens ebenso gut bewerten wir unsere Hauptspeisen, den Nachtisch und den köstlichen türkischen Kaffee, den uns die sehr herzlichen Inhaber zum Abschluss spendieren. Es werden noch einige Worte sowie die Adressen der jeweiligen Instagram-Accounts ausgetauscht und ein gemeinsames Foto gemacht, dann verabschieden wir uns. Nachdem wir mit einem Zwischenstopp im Supermarkt kurz vom KI-Ablauf abweichen, sind wir danach sofort wieder gehorsam. Es heißt, der Abstieg zum Hotel sei zu Fuß sehr gefährlich und diesem Risiko wollen wir uns selbstverständlich nicht aussetzen 😉. Ein schnell gefundenes Taxi kreiselt uns wieder 300m in die Tiefe und setzt uns direkt vor dem Hotel ab. Danke KI, das war ein gelungener Ruhetag!
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  • Auf und ab nach Artvin

    25 september, Turkije ⋅ ☁️ 22 °C

    Eigentlich hatten wir den Wecker auf sieben Uhr gestellt, aber bereits eine Stunde früher wird unsere Nachtruhe durch den Auszug einer Gruppe arabischer Männer aus den anderen Zimmern jäh beendet. Es wird gepoltert, laut miteinander gesprochen, Musik gespielt..., an schlafen ist nicht mehr zu denken. Nun gut, dann stehen wir eben auch auf und starten heute mal etwas früher in den Tag. Unser Hotel bietet kein Frühstück an, deshalb packen wir direkt unsere sieben Sachen, beladen die Räder und verlassen dem Ort Şavşat. Die Wolken hängen tief, Nebelschwaden wabern durch die bewaldeten Berghänge, es ist noch empfindlich kühl. Schon nach zwei abwärts gerollten Serpentinen bietet sich eine schöne Sitzgelegenheit mit Panoramablick auf die Berge. Der Gaskocher wird ausgepackt und bald riecht es herrlich nach Kaffee, es ist Zeit für Frühstück. Die Fortsetzung unserer Fahrt lässt uns weiterhin rasant an Höhe verlieren, Haarnadelkurve für Haarnadelkurve schwinden die gestern mühsam erarbeiteten Höhenmeter. Wir passieren die Überreste der Festung von Şavşat, zu unserer linken plätschert der Fluss "Berta-Çayı", der in dem uns umgebenden Karçal-Gebirge entspringt. Gemeinsam mit dem Fluss schlängeln wir uns auf der Straße D010 zwischen Şavşat und Artvin durch die markante, tief eingeschnittene Schlucht oder auch das "Tal des Berta-Flusses" (türkisch: Berta Vadisi). Wir rollen durch eine spektakuläre Kulisse, die an jeder Ecke zum Staunen und Fotografieren einlädt. Die üppige Vegetation hat fast Urwaldcharakter und lässt Erinnerungen an unsere Fahrt in der Schwarzmeerregion vor drei Jahren wach werden. Inzwischen strahlt der Himmel leuchtend blau und die Sonne meint es so gut, dass etwas Sonnencreme fällig wird. Als die Abfahrt durch die landschaftlich beeindruckende Flussstrecke sich dem Ende nähert, legen wir eine Pause ein, um uns für den folgenden Anstieg zu wappnen. Waren wir gestern noch in fast 2500m Höhe unterwegs, sind es nun nur noch 400m, jetzt soll es aber wieder rauf auf 800m gehen. Ach ja, manchmal wünscht man sich, dass von irgendwo zwei große Hände erscheinen, um mit einem kräftigen Schütteln die Erdfalten zu glätten - nur kurz - bis wir drübergerollt sind. Aber das bleibt wohl ein frommer Wunsch, es werden stattdessen die kleinsten Gänge eingelegt und das Damenrad auch gerne mal geschoben. Der Berta-Fluss, welcher uns weiterhin treu begleitet (oder wir ihn...) ist inzwischen zu einem wilden Gebirgsfluss angeschwollen, bald soll er in das östliche Ende des riesigen Deriner-Stausees münden. Es ist bereis halb vier am Nachmittag, als wir uns wieder auf die Höhe von 800m gearbeitet haben. Was machen wir? Vor der Stadt einen Zeltplatz suchen oder in Artvin ein Zimmer buchen? Heiko checkt den einen oder anderen Spot auf Campingtauglichkeit, so richtig geeignet ist aber nichts. Und so schrauben wir uns durch enge Kurven wieder 600m nach unten und checken im "Villa da Otel" ein. Es handelt sich um eine moderne Hotelanlage mit viel bunter Beleuchtung, einer Gartenanlage mit Palmen und Außenpool sowie einem eigenen Restaurant, Wir beziehen dort ein großzügiges Appartement. Welch ein Kontrast zum Zelten auf dem Acker! Wir beschließen, dem Luxus etwas länger zu frönen und zwei Nächte hier zu verbringen. Morgen ist somit radelfrei! Am heutigen Abend besuchen wir noch das Restaurant "unserer" Hotelanlage, lassen uns ein üppiges Mahl schmecken und hängen anschließend in unserem Zimmer ab. Nix mehr los mit den alten Leuten. Gute Nacht!Meer informatie

  • Aus luftiger Höhe hinab nach Şavşat

    24 september, Turkije ⋅ ☀️ 27 °C

    Es ist ungefähr drei Uhr in der Nacht, als scheinbar ein Tier um unser Zelt schleicht, das Schnüffeln ist deutlich zu hören, ebenso das Klappern der Tasse, die draußen an den Packtaschen befestigt ist. Diese Geräusche nimmt jedoch nur Claudia wahr, Heiko hört dank seiner Ohropax nix. Als das Tier, was auch immer es sein mag, mehrfach das Zelt zum Wackeln bringt, möglicherweise ist es über die Zeltschnüre gestolpert, regt auch Heiko sich. Während Claudia stumm und regungslos im Schlafsack liegt und den nächsten Angriff fürchtet, tritt Heiko die Flucht nach vorne an. Er steht auf, verlässt das Zelt, leuchtet mit der Stirnlampe in alle Richtungen und kommt zu dem Ergebnis: "Da ist nix!" Der Mann kriecht zurück in den Schlafsack und schläft weiter, die Frau lenkt sich in den nächsten Stunden mit Lesen ab und freut sich, als es endlich wieder hell wird. Die Nacht war recht kühl, entsprechend freuen wir uns über die ersten Sonnenstrahlen, die sofort für angenehme Wärme sorgen. Bei perfektem Radelwetter starten wir nach unserer üblichen morgendlichen Routine gegen viertel nach neun in die heutige Etappe. Nach sehr kurzem Einrollen wird es direkt schweißteibend. Unterbrochen von kurzen Verschnaufpausen arbeiten wir uns über eine Strecke von ungefähr 13 Kilometer 600 Höhenmeter nach oben und freuen uns sehr auf Chips und Tee kurz nach Erreichen des Gipfelschildes mit der Aufschrift 2470m. Eine ganze Weile sitzen wir in luftiger Höhe in der Sonne und genießen die Ruhe und den Pausensnack. Als wir unsere Fahrt fortsetzen eröffnet sich ein spektakulärer Blick, kaum das wir im Sattel sitzen und die ersten Meter gerollt sind. Während wir bislang durch eine Gegend geradelt sind, die vorwiegend durch geschwungene, kuppenartige und fließend ineinander übergehende Berge geprägt ist,
    eröffnet sich jetzt der Blick auf eine völlig andere Welt. Am Horizont ragen die messerscharfen Felsgrate des imposanten Karçal-Gebirgszuges empor, ein wahrlich grandioses Panorama. In dieser Szenerie zwischen sanften Hügeln und schroffen Felsen sind nun weniger die Muskeln unserer Beine gefragt, vielmehr werden ab jetzt die Handgelenke und die Bremsen gefordert. Bereits der Blick von oben lässt erahnen, was auf uns zukommt: Viele Serpentinen und enormer Höhenverlust. Steil ist die Abfahrt, die sich unter anderem durch kleine Dörfer mit für diese Region typische Holzhäuser windet. Deutlich mehr als 1000 Höhenmeter verlieren wir in kurzer Zeit, auf einmal präsentiert sich die Umgebung nicht mehr schroff und grau, sondern sanft und in satten Grüntönen. Diese vielfältigen Eindrücke sollen natürlich festgehalten werden. Die Drohne wird zum Speichern von Erinnerungen auf die Reise geschickt, wir filmen, fotografieren oder schauen und staunen einfach. Plötzlich und unerwartet ist die Zeit schon recht fortgeschritten, so dass wir die Entscheidung fällen, uns einfach im vor uns liegenden Ort Şavşat einzuquartieren. Das Ziel ist schnell erreicht und wir beziehen ein einfaches Zimmer im zentral gelegenen "Otel 7 mart". Frisch geduscht ist der Plan nun, uns mit einem Restaurantbesuch für die Anstrengungen des Tages zu belohnen. Die Umsetzung gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht. Obwohl in den Straßen reges Treiben herrscht, ist die Auswahl an Lokalen eher mau. Am Ende gibt's einen Adana-Dürum im Kebab-Laden, der laut Google-Rezensionen als Treffpunt der Einheimischen gilt. Nach diesem nicht ganz so feudalen, aber durchaus schackhaftem Abendessen, werden wir noch von einigen Männern, die vor dem gegenüberliegenden "Çay Evi" (Tee-Haus) sitzen, zum Tee eingeladen. Nachdem die Gläser leer und einige Worte ausgetauscht sind, ziehen wir uns ins Hotelzimmer zurück. Hier hängen bereits Akkus u.ä. zum Laden am Netz, denn morgen in der Frühe soll es mit voller Power weitergehen. Auch die müden Radler beenden den Tag, um Energie für die nächste Etappe zu tanken. İyi geceler!
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  • Planänderung

    23 september, Turkije ⋅ ☁️ 17 °C

    Um sechs Uhr ist es hell im Zelt. Claudia widmet sich ihrem Buch, bis auch Heiko sich aus seinem Schlafsack raschelt. Während des Frühstücks poltern plötzlich jede Menge Kühe direkt hinter uns den kleinen Abhang von der Straße auf das Feld hinunter. Als wären wir eine Verkehrsinsel strömen die muskelbepackten Rinder rechts und links an unserem Zelt vorbei, um sich auf dem weiten Feld wieder zu einer grasenden Herde zusammenzufinden. Kurz gesellt der Hirte sich zu uns ans Zelt, die angebotene Zigarette lehnt Heiko dankend ab. Obwohl wir so früh wach waren, ist es dank unserer morgendlichen Trödelei schon neun Uhr, als wir unseren Nachtacker verlassen. Bei Sonne und angenehm warmen Temperaturen fahren wir zunächst in den nicht weit entfernt liegenden Ort Göle. Kurz zuvor passieren wir das erste Straßenschild, welches nach Gürcistan (Georgien) weist und uns daran erinnert, dass es unsere letzten Tage sind, die wir durch die Türkei reisen. In Göle angekommen statten wir einer Bäckerei und dem Supermarkt einen Besuch ab, woraufhin unsere Packtaschen wieder vellgepackt mit Proviant und die Wasservorräte aufgefüllt sind. Vor dem Laden erregen wir wie so oft die Aufmerksamkeit der Einheimischen. Ein Mann, der sich als Eisverkäufer vorstellt, interessiert sich besonders für uns und so kommen wir ins Gespräch. Als er unsere geplante Route auf der Karte in Claudias Lenkertasche sieht, empfiehlt er uns dringend eine Planänderung. Es seien viel zu viele stark befahrende und deshalb für Radfahrer gefährliche Tunnel auf der Strecke. Wir sollten doch lieber den Weg über die Orte Ardahan und Şavşat nehmen, der sowohl weniger gefährlich sls als auch "çok güzel" (sehr schön) sei. Wir merken uns die Ortsnamen und wollen uns die Option später einmal ansehen. Der Eisverkäufer lädt uns noch zu einem Tee ein, bevor wir Göle wieder verlassen und unsere Fahrt fortsetzen. Eine ganze Weile rollen wir durch die Ebene, das Wetter ist weiterhin herrlich. Weiterhin begegnen wir in diesem Jahr deutlich mehr Kuh- als Schafherden und diese sind stets von beeindruckender Größe. Auch jede Menge Pferde sind auf den Weiden zu sehen, immer wieder ein wunderschöner Anblick. Gegen Mittag steht dann die Arbeit des Tages an, der eine oder andere Höhenmeter will mal wieder bezwungen werden. Der Wind meint es gut mit uns und schiebt von hinten, so dass wir schneller als erwartet am Gipfelschild, welches eine Höhe von 2150m ausweist, ankommen. Am nächstbesten Pausenplatz lassen wir uns nieder, schlürfen Tee bzw. Kaffe, essen Sesamkringel mit Schokopaste und lesen. Außerdem checken wir den Routenvorschlag des Eisverkäufers und beschließen tatsächlich, unseren ursprünglichen Plan zu ändern. Die vorgeschlagene Strecke hat zwar mehr Kilo- und auch mehr Höhenmeter, sieht aber angesichts der Wegführung durch einen Nationalpark sehr reizvoll aus. Und die Aussicht auf weniger oder sogar keine Tunnel kommt uns auch sehr gelegen. Wir lassen also auf unserer Weiterfahrt den Abzweig, den unsere Navigationsgeräte anzeigen, links liegen und folgen der Straße nach Ardahan. Flott geht's voran, denn wir dürfen etwa 13km abwärts rollen. Der Stadt Ardahan schenken wir nicht viel Beachtung, sondern belassen es bei einer zügigen Durchahrt. Vielleicht wäre ein Aufenthalt in diesem Ort mit historischer Festung, durch den der Fluss Kura fließt, sogar ganz lohnenswert gewesen, aber wir ziehen es vor, noch ein paar Kilometer zu radeln. Als wir an einem Straßenhändler vorbeikommen, hält er uns an und will uns unbedingt mit Obst beschenken, Widerrede zwecklos! Im Korb an Claudias Fahrrad sammeln sich inzwischen Pflaumen, zwei Sorten Äpfel und rote und grüne Weintrauben, Bananen hatten wir bereits zuvor gekauft. Es bleibt die Frage: "Wer soll das alles essen?" Bis 16 Uhr fahren wir noch durch die Ebene und können heute noch den Blick auf die Berge genießen die wir in den kommenden zwei Tagen erklimmen sollen. Auf einer Wiese, die mit Sicherheit auch wieder für Tierherden-Besuch gut ist, beenden wir die heutige Etappe. Wir teilen uns den Platz mit einem Rind, welches skelettiert und in Einzelteilen als 3D-Puzzle im Gras verteilt ist. Es folgt das übliche Procedere: Tee, Gemüsetopf (heute mal mit Fladenbrot, noch ein Tee, lesen, Schokolade essen, Zelt aufbauen und "Gute Nacht" sagen.Meer informatie

  • Angenehme und weniger angenehme Begegnungen

    22 september, Turkije ⋅ ☁️ 18 °C

    Claudia liest bereits seit einer Weile, als Heiko den Reißverschluss seines Schlafsacks öffnet, einen Blick aus dem Zelt wirft und das erste Wort des Tages spricht: "Sonne!". Tatsächlich ist der Hagelspuk des gestrigen Abends vorbei und die Sonne lacht vom blauen Himmel. Wir lassen es gemächlich angehen, frühstücken in Ruhe, lesen, nehmen eine Feinjustierung an unserem Packtaschenkonzept vor und genießen die Stille dieses Platzes, den wir uns lediglich mit unzähligen Grashüpfern teilen. Die heute Etappe beginnt direkt wieder herausfordernd, es geht weiter bergauf. Am höchsten Punkt, der auf etwa 2340m liegt, wollten wir uns eigentlich die üblichen Gipfelchips und einen Tee gönnen, das verschieben wir aber aus gutem Grund. Der Himmel sieht zunehmend finster aus und so ziehen wir es vor, noch ein Stück zu fahren, um mit etwas Glück eine Gelegenheit zum Unterstellen für den Ernstfall zu finden. Derartige Möglichkeiten sind nämlich sehr rar in dieser Gegend. Als es anfängt zu regnen und Heiko schon sein Kamera-Equipment wasserdicht verstaut, rollt Claudia in die Auffahrt einer Anlage, die mit schweren Toren und Stacheldraht und Kameraüberwachung ausgestattet ist. Fragen kann man ja mal...! Zwei Männer in einem Wachhäuschen entdecken uns sofort und kommen uns entgegen. Auf das Hochsicherheitsgelände könne man uns nicht lassen, "it's too dangerous", aber auf Nachfrage dürfen wir uns in einem kleinen Toilettenhäuschen unterstellen, welches sich außerhalb der Anlage befindet. Gerade rechtzeitig stehen wir in dem Mini-Container, da bricht ein Gewitter mit Platzregen los. Das wäre draußen wahrlich ungemütlich gewesen. Den Männern war schon anzusehen gewesen, dass sie uns nur ungern lediglich das Klo-Haus anbieten konnten. Es dauert nicht lange, da kommen sie mit zwei Bechern heißem Tee und bitten uns auf die Rückbank eines parkenden Autos. Wie nett, so lässt sich ein Unwetter aushalten. Bald ist es wieder trocken und der Himmel zeigt sich deutlich freundlicher. Wir danken den Männern für die Beherbergung und radeln weiter. Leider lässt die nächste dunkle Wolkenfront nicht lange auf sich warten. Heiko entdeckt eine kleine Unterführung, unter der wir bei Tee und Keksen den nächsten Regen aussitzen wollen. Trocken haben wir es auf jeden Fall in der kühlen Unterführung, aber auch draußen bleibt der große Regen aus, die Wolken wollten sich scheinbar an einem anderen Ort erleichtern. Wir freuen uns über die wärmenden Sonnenstrahlen, als wir aus der Unterführung hinaus und zurück auf unsere Fahrräder steigen. Es dauert nicht lange, da hält ein Auto vor uns und die drei Insassen, ein Mann und zwei Frauen, halten uns an. Sie begrüßen uns herzlich und als sie hören, dass wir aus Deutschland kommen, wird umgehend per Videoanruf die Cousine aus Stuttgart dazugeschaltet. Nachdem wir eine Weile geplaudert haben, einige Erinnerungsfotos gemacht waren und der Korb an Claudias Fahrrad mit reichlich Pflaumen gefüllt wurde, setzen wir unsere Fahrt fort. Den im Verlauf dann doch noch einsetzenden Regen empfinden wir gar nicht wirklich schlimm, die Regenjacken halten und warm und trocken. Es überwiegt vielmehr die Euphorie über die fantastische Gegend , die wir zu sehen bekommen. Mitten durch felsige Berge, entlang an einem wilden Fluss windet sich unser Weg durch die Landschaft, bisweilen eröffnen sich gar schluchtartige Perspektiven, große Greifvögel kreisen über unseren Köpfen. Zu letzteren gesellt sich bald auch Heikos Drohne, um diese schönen Eindrücke festzuhalten. Auf der Weiterfahrt erwartet uns eine langgezogene Abfahrt mit sehr seichtem Gefälle, so dass es sich extrem angenehm rollen lässt. Alles andere als angenehm ist hingegen die Begegnung mit drei großen Hunden. Claudia erreicht die Tiere zuerst und zieht deren Zorn auf sich. Nach Absteigen und Stehenbleiben lassen die Hunde etwas ab, behalten die feindliche Radlerin aber im Blick. Jeder Schritt vorwärts motiviert die Hunde wieder zum Angriff, blöd. Also warten, bis hoffentlich ein Mensch vom benachbarten Hof, zu dem die Hunde offensichtlich gehören, zu Hilfe kommt. Inzwischen hat auch Heiko die Stelle erreicht und versucht sich an der Taktik des langsamen Weiterschiebens, die bei früheren Hundebegegnungen immer gut geklappt hat. Aber die Ausnahme bestätigt die Regel, hier und heute entpuppt die Idee sich als nicht erfolgreich. Die drei Hunde knurren, fletschen die Zähne, bellen und lassen nicht von Heiko ab. Das Szenario gipfelt darin, dass nicht nur in die Radtaschen, sondern auch in Heikos Wade, glücklicherweise nur oberflächlich, gebissen wird. Und dann endlich naht Rettung. Die Bäuerin hat Notiz von dem Spektakel genommen, eilt heran, verscheucht ihre Wachhunde und lässt uns passieren. Puh, ein Erlebnis, auf das wir gern verzichtet hätten! Durch welliges Terrain geht die Fahrt weiter, rechts und links auf den Feldern grasen riesige Kuhherden. Ohne weitere Vorkomnisse, nur unterbrochen von einer kleinen Kuchen- und Schokoladenpause radeln wir, bis die Zeit reif ist, einen Nachtlagerplatz zu suchen. An einem Feldrand unterhalb der Straße werden wir fündig und richten uns zunächst mit unserem Mobiliar häuslich ein. Es folgt lesen, schreiben, Nudel-Gemüse-Topf kochen und essen, Zelt aufbauen, in den Schlafsack kriechen und Reißverschluss schließen. Wie bereits gestern, erweist sich unser Timing auch heute als perfekt. Kaum sind wir im Zelt setzt draußen ein ein Gewitter mit starkem Regen ein. Aber egaaal, wir liegen im Trockenen und können entspannt lesen und schließlich die Nachtruhe einläuten.Meer informatie

  • Gerade rechtzeitig das Zeltdach über dem Kopf

    21 september, Turkije ⋅ ☁️ 17 °C

    Juhuuu, heute halten die Leckereien am Frühstücksbuffet das, was ihr Aussehen verspricht. Wir genießen die erste Mahlzeit des Tages, bevor wir im Hotelzimmer den Versuch unternehmen, unsere Taschen taktisch klug für den Radreisestart zu packen. Als all unser Hab und Gut an den Rädern verstaut ist, lassen wir sie noch einmal im Hotel zurück, um die letzten Erledigungen abzuhaken. Etwas kompliziert gestaltet sich der Kauf einer SIM-Karte für unseren mobilen WLAN-Router. Der uns seit Jahren bekannte Anbieter Turkcell will uns keine Karte mehr verkaufen, wie wir am gestrigen Abend bereits erfahren haben. Angeblich brauche man eine Registrierung, ein Reisepass wie in den letzten Jahren sei nicht ausreichend. Wir steuern also erstmals einen Laden der Türk Telekom an, wo ein Pass zum Kauf der gewünschten Karte okay ist. So weit, so gut. Gänzlich unproblematisch ist die Aktion dann aber auch hier nicht. Heikos Pass wird fotografiert, sämtliche Daten und Nummern mehrfach in den Computer getippt und schließlich wird Heiko selbst noch vor der Wand hinter dem Verkaufstresen fotografiert. Danach scheitert allerdings mehrfach die Gesichtserkennung. Aus verschiedenen Perspektiven halten die zwei netten und sehr bemühten Mitarbeiterinnen des Mobilfunkladens Heiko Handys in Glitzerhüllen vor das Gesicht und machen ihm in Zeichensprache Ansagen: Etwas mehr nach rechts, nach links, nach oben, nach unten, grinsen, Augen schließen. Die ganze Aktion sieht reichlich albern aus, führt aber nicht zum gewünschten Erfolg. Innerlich beginnen wir schon, uns auf ein bis zwei Wochen "Digital Detox" einzustellen, da vermelden die beiden Frauen doch noch Erfolg. Wie sie es am Ende hinbekommen haben ist ein Rätsel, aber immerhin können wir nun den Router mit einer SIM-Karte füttern. Ohne problematische Zwischenfälle schaffen wir es anschließend, im örtlichen Supermarkt eine gute Portion Reiseproviant zu kaufen und in den Packtaschen zu verstauen. Ja, und dann geht es tatsächlich los. In Richtung des Festungsberges rollen wir los und lassen Kars hinter uns. Sofort bekommen wir zu spüren, dass es mit der Gemütlichkeit ein Ende hat. Der Weg führt uns direkt 120 Höhenmeter steil bergauf, so dass uns schon nach drei Kilometern der Schweiß auf der Stirn steht. Das geht ja gut los...! Erstmal oben angekommen tritt es sich dann aber deutlich leichter. Eine Weile radeln wir durch die wellige, steppenartig anmutende Landschaft, erste Schafherden ziehen vorbei, der Wind schiebt von hinten, herrlich! Nach knapp 20km ist die erste Pause dieses Urlaubes fällig. Wir bauen unser kleines, aber feines Mobiliar auf und genießen Tee und Sesamkringel mit Nutellaverschnitt aus der Tube. Die Weiterfahrt hat es dann doch wieder in sich. Nach wenigen überwiegend ebenen Kilometern sollen wir unsere Räder wieder aufwärts bewegen. Mal weniger und mal deutlich mehr Steilheit hat der zu bezwingende Berg im Angebot. Zwischendurch erleben wir die übliche Freundlichkeit, die uns schon aus den letzten Jahren bekannt ist und die uns immer wieder so begeistert. Autos hupen und ihre Insassen winken uns zu, einige rufen uns nette Worte zu. Ein Auto hält vor uns, vier Menschen steigen aus und halten uns freundlich an. Nach den gewohnten Fragen, wo wir herkommen und wo wir hinfahren, schenken sie uns reichlich Mandeln und Rosinen. Wir kämpfen uns nach dieser netten Begegnung weiter den Berg hinauf, wollen aber angesichts der recht fortgeschritten Uhrzeit demnächst nach einem Schlafplatz Ausschau halten. In dem Moment, als Heiko einen Platz für unser Zelt erspäht, hören wir in der Ferne Donnergrollen und sehen dunkle Wolken aufziehen. Wir legen eine Punktlandung hin: Als wir gerade im Zelt verschwunden sind und die Reißverschlüsse hinter uns zugezogen haben, prasselt ein heftiger Schauer erbsengroßer Hagelkörner auf die Erde nieder. Wir verstehen im Zelt unser eigenes Wort nicht mehr und sind extrem froh über das perfekte Timing. Viele Blitze zucken am Himmel und auch der Donner tobt sich weiter aus. Wir kriechen in unsere Schlafsäcke und ziehen diese angesichts empfindlich kalter Temperaturen bis oben zu. Die Küche bleibt heute kalt, wir genehmigen uns hauchdünn geschnittene, frittierte und dezent gesalzene Kartoffeln: CHIPS. Das Unwetter hat sich inzwischen verzogen und wir hoffen, dass wir morgen wieder von Sonnenstrahlen geweckt werden.Meer informatie

  • Pompös in Kars

    20 september, Turkije ⋅ ☁️ 21 °C

    Der Wecker läutet um sieben Uhr den Tag der Weiterreise ein. Frisch geduscht begeben wir uns an das sehr gut und vielseitig aussehende Frühstücksbuffet. Wir müssen zwar am Ende feststellen, dass der Geschmack nicht ganz das hält was die Präsentation verspricht, aber wir werden auf jeden Fall satt. Pünktlich um neun Uhr besteigen wir einen typisch kitschig beleuchteten Mercedes-Van und lassen uns zurück zum Flughafen fahren. Trotz diverser Sicherheitkontrollen, die abzuarbeiten sind, haben wir noch reichlich Zeit bis zum Abflug. Diese vertreiben wir uns mit der ersten Urlaubskniffelei, die wir heute mit einem leistungsgerechten Unentschieden beenden. Pünktlich heben wir schließlich ab und fliegen gen Osten. Am frühen Nachmittag erreichen wir den sehr überschaubaren Zielflughafen in Kars. Unser Flieger parkt direkt vor dem Eingang ein, so dass wir aussteigen und direkt ins Gebäude marschieren können. Sehr bald dürfen wir unsere Fahrräder und auch das Gepäck in Empfang nehmen, perfekt! Die anderen Fluggäste des aktuell einzigen Flugzeugs vor Ort sind schnell verschwunden, so dass wir uns völlig ungestört und mit reichlich Platz den Rädern und dem Gepäck widmen können. Viertel nach vier ist es, als wir auf unseren bepackten Drahteseln über einen blauen Teppich (wurde der möglicherweise extra für uns ausgerollt?) den Flughafen radelnd verlassen. Nach gerade einmal sechs Kilometern stehen wir mitten in der Altstadt vor dem für die heutige Nacht gebuchten Hotel, das beste Haus am Platz hat Heiko für uns auserkoren. Die Fahrräder bekommen einen sicheren Platz zugewiesen und wir beziehen ein pompöses Zimmer mit Blick auf den Festungshügel der Stadt. Wir halten uns nicht lange im Zimmer auf, sondern werfen uns in das Getümmel der sehr belebten Straßen. Es ist schön, wieder da zu sein, Dinge wiederzuerkennen, sich an die Erlebnisse des letzten Urlaubes zu erinnern. Es fühlt sich wie ein nahtloses Anknüpfen an die vergangene Reise an. Der Versuch, eine Sim-Karte zu erwerben, scheitert am heutigen Abend zwar, aber immerhin wissen nun schon genau, wo wir morgen früh eine bekommen werden. Dafür gelingt es uns aber, Gaskartuschen zu ergattern, womit wir am Sonntag gar nicht gerechnet haben. Bei dezentem Nieselregen und recht frischen Temperaturen spazieren wir noch etwas durch die Straßen, essen Pide und Lahmacun und werfen einen Blick auf den beleuchteten Festungshügel. Mit etwas Schokolade und Kaltgetränken im Gepäck steuern wir schließlich das Hotel an und lassen den Abend ausklingen. Und morgen geht der Urlaub dann so richtig los, die Räder scharren schon mit den Hufen.Meer informatie

  • Es geht wieder los...

    19 september, Turkije ⋅ ⛅ 23 °C

    Zack, schon hat die Türkei uns wieder. Einige Monate sind vergangen, seitdem wir Kars verlassen haben, nun soll die Reise genau dort fortgesetzt werden. Zu sehr moderater Uhrzeit am heutigen Vormittag sammelt der bewährte "Werner-Shuttle" uns zu Hause in Kronshagen ein und chauffiert uns ohne Zwischenfälle zum Hamburger Flughafen. Danke Papa! Wir entledigen uns unserer verpackten Fahrräder und unserer "Gepäckbündel" am Sperrgepäckschalter und dann ist es auch schon Zeit, das Abflug-Gate anzusteuern. Weniger als drei Stunden dauert es, bis die Millionenmetropole İstanbul sich unter uns ausbreitet. Wir haben aus der Luft einen grandiosen Blick auf die gigantische Stadt, sehen eine riesige türkische Flagge im endlosen Häusermeer wehen und unzählige Schiffe auf dem Bosporus fahren. Das goldene Horn liegt in unserem Blickfeld und sogar einzelne Sehenswürdigkeiten wie der Galataturm und der Topkapıpalast lassen sich ausmachen. Schließlich erreichen wir den Flughafen, an welchen wir inzwischen schon sehr häufig angekommen und abgeflogen sind. In gewohnter Manier rollen wir über die Laufbänder des riesigen Flughafengebäudes in Richtung Exit. Begleitet werden wir von der uns nur allzu bekannten und dauerpräsenten Endlos-Ansage, die man für den Soundtrack des Flughafens halten könnte: "Caution, you are reaching the end of the travelator"! Am Ausgang ist der vorab gebuchte Shuttle schnell gefunden und durch den lebhaften Verkehr geht es zum heutigen Ziel, dem Hotel İstport in Arnavutköy. Sehr freundlich werden wir an der Rezeption empfangen, checken ein und beziehen unser Zimmer. Viel ist heute nicht mehr los mit uns. Im nahe gelegenen Supermarkt besorgen wir Getränke und etwas Obst und Knabbereien, danach folgt der Übergang in den Chillmodus. Und während unsere Fahhräder und das Gepäck auf dem Flughafen übernachten, um morgen hoffentlich im richtigen Flieger mit uns weiterzureisen, begeben wir uns unter die Decken der Hotelbetten.Meer informatie

  • The End

    18 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 25 °C

    Recht entspannt beginnt der heutige Rückreisetag. Es ist noch ausreichend Zeit für das Frühstück im Hotel, der Shuttle zum Flughafen ist für halb neun bestellt. Als das Taxi vorfährt, fragen wir uns kurz, wie Fahrräder und Gepäck in das Auto passen sollen, bis wir erfahren, dass mindestens ein Rad auf dem Dach transportiert werden soll. Zur Befestigung soll lediglich eine dünne Wäscheleine dienen, was uns etwas nervös werden lässt. Heiko hat glücklicherweise noch einen langen Spannriemen griffbereit und befestigt diesen zusätzlich, was uns zumindest etwas beruhigt. Der zweite Karton und das Gepäck werden in das Innere des Autos geschoben, Claudia quetscht sich irgendwie dazwischen. Menschen und Gepäck erreichen am Ende unbeschadet das Ziel, nun ist die Abreise wirklich nicht mehr fern. Am kleinen, sehr übersichtlichen Flughafen von Kars ist das übliche lästige Procedere vor Abflug schnell erledigt. Pünktlich heben wir ab, um nach einem Zwischenstopp in İstanbul in die norddeutsche Heimat zurückzukehren.

    THE END...
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  • Kars

    17 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 22 °C

    Kein Frühstück im Zelt, sondern am Buffett im ehrwürdigen Saal des Palasthotels stellt heute den Start in den Tag dar. Wir verbringen im Anschluss noch eine Weile im Zimmer, bevor wir über die supernette Rezeptionistin Melissa einen Shuttle für die morgige Fahrt zum Flughafen organisieren lassen und uns dann auf den Weg zur Erkundung der Stadt machen. Kars war vor der gestern besichtigten antiken Stadt Ani im 10. Jahrhundert die Hauptstadt des armenischen Königreichs. Und ähnlich wie Ani war sie auch ziemlich umkämpft. So wechselte sie mehrmals zwischen armenischer, mongolischer, osmanischer, türkischer und russischer Herrschaft, bis sie nach dem Türkischen Befreiungskrieg dann der Republik Türkei zugehörig wurde.
    Aufgrund der langen Geschichte der Stadt gibt es hier im Stadtbild die Einflüsse armenischer, georgischer, griechischer, russischer und türkischer Kultur zu sehen. Da es im Verlauf des Tages laut Vorhersage noch regnen könnte, nutzen wir das aktuell schöne Wetter als erstes für einen Besuch der ehemaligen Festung von Kars (Kars kalesi). Ein Spaziergang von etwa 15 Minuten führt uns über eine gepflasterte Straße auf das Plateau eines Hügels, auf welchem die Burg im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Wir schlendern eine Weile durch das Innere der Festungsmauern dieses einst prächtigen Bauwerks, insbesondere erfreuen wir uns aber auch am Ausblick. Immer und überall ist es uns ein Anliegen, eine Vogelperspektive einzunehmen. Und auch hier oben auf dem Festungshügel hat sich diesbezüglich der Aufstieg gelohnt, wir bekommen eine fantastische Aussicht auf die ganze Stadt Kars und die umliegende Landschaft geboten. Selbst unsere Einfahrt in die Stadt mit den Rädern über die entfernten Hügel und die Gegend unseres letzten Zeltplatzes lassen sich ausmachen. Den einsetzenden Regen und ein "kleines" Gewitter können wir wunderbar in einem Lokal auf dem Hügel aussitzen, leckere Käse-Gözleme lassen wir uns hier schmecken. Als es wieder trocken und der Himmel blau ist, machen wir uns auf den Weg nach unten. Am Fuße des Hügels steht in der scheinbar neu angelegten Parkanlage am Fluss Kars Çayı die Kathedrale von Kars, eine armenische Kirche aus dem 10. Jahrhundert. Eine alte Steinbrücke (Taşköprü) verbindet hier unten auch drei Badehäuser, die aber nicht mehr in Betrieb sind. Wir begeben uns für eine Mittagspause erstmal wieder ins Hotel, am Nachmittag setzen wir unsere Kars-Tour fort. Wir lassen uns durch die Straßen der sympathischen Kleinstadt treiben, stöbern durch einige Geschäfte, wobei uns der bunte Mix an kulturellen Einflüssen nicht entgeht. Besonders bekannt ist Kars für Honig und Käse, selbst ein Käsemuseum, welchem wir Banausen aber keinen Besuch abstatten, existiert hier. Wir bedauern, dass ausgerechnet Honig und Käse nicht wirklich flugreisetauglich sind, sehr gerne hätten wir von den Spezialitäten etwas mitgenommen. Einen kurzen Abstecher machen wir noch zu einer bis heute mehrfach restaurierten seldschukischen Moschee aus dem 12. Jahrhundert namens Büyük-Abdiağa-Moschee, die uns bei der gestrigen Einfahrt in die Stadt ausgefallen ist. Wir beenden schließlich den Tag und auch diesen Urlaub mit Erinnerungen an den Ort, wo er begonnen hat, in Gaziantep, auch schlicht Antep genannt: "Antep Pide & Lahmacun" heißt das Restaurant, in dem wir zu Abend essen und den süßen Abschluss lassen wir uns im "Antephan Künefe & Katmer Kars" schmecken. Zur köstlichen Nachspeise gibt es kleine Silberteller mit Obsthäppchen und eine Kanne Tee als Geschenk des Hauses dazu, toll! Es wird bereits dunkel, als wir uns auf den Weg zum Hotel machen. Auf halber Strecke lauschen wir noch ein Weilchen den Straßenmusikern, die wir schon gestern an selber Stelle gehört haben, bevor im Hotel noch eine letzte Aufgabe auf uns wartet: Packen! Sämtliches Equipment verschwindet in zwei gut zusammengeschnürten Päckchen aus IKEA-Taschen und dann dürfen wir uns letztmalig eine gute Nacht auf türkischem Boden wünschen. İyi geceler!
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  • Mission completed

    16 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 24 °C

    Wie üblich stehen wir mit der Sonne auf, lassen uns aber ziemlich viel Zeit und sitzen erst um halb neun im Radsattel. Es ist ein wunderschöner Morgen. Die Sonne scheint, die Luft ist nach reichlich nächtlichem Regen sehr gut und die Temperaturen sind zu dieser Tageszeit noch sehr angenehm. Am Wegesrand blühen Wiesenblumen in den unterschiedlichsten Farben, flauschige Hummeln tummeln sich in leuchtend-pinken Disteln. Die letzten Höhenmeter dieses Urlaubes sind schnell bezwungen, dann rollen wir geradewegs ans Ziel. Über zwanzig Kilometer erstreckt sich die sanfte Abfahrt in die Stadt Kars. Hier steuern wir in der Hoffnung, große Kartons zu ergattern, zuallererst ein Fahrradgeschäft an. Der Ladenbesitzer bejaht die Frage nach Kartons zu unserer Freude sofort und lädt uns auch direkt zum Kaffee an. Er hatte zunächst angenommen, dass wir auch die Verpackung der Räder durch ihn wünschen, dieses Missverständnis lässt sich aber aufklären. Wir verabreden, dass wir zu unserem Hotel fahren und in etwa zwei Stunden zurückkommen und die Kartons abholen. Zu unserer Unterkunft ist es nicht mehr weit, etwas versteckt liegt das Hotel Katerina Sarayı, ein historisches Gebäude aus der russischen Besatzungszeit von Kars, am Fuße des Festungsberges direkt am Flussufer. Was das Radeln angeht, heißt es jetzt und hier: Mission completed! Wir werden sehr freundlich empfangen, beziehen unser Zimmer, welches von rotem Samt und goldenen Verzierungen dominiert wird, und unterziehen uns einer gründlichen Dusche. Frisch und sauber spazieren wir zurück zum Fahrradgeschäft, um die Kartons abzuholen, unterwegs können wir auch noch das für die Verpackung nötige Klebeband und eine Tüte Kabelbinder ergattern. Zurück am Hotel sind wir etwas besorgt, da wieder dunkle Wolken am Himmel zu sehen sind und ein schützender Unterstand oder ähnliches auf dem Hotelgelände nicht zu sehen ist. Das Personal des Hotels hat aber sofort eine Lösung parat. In einer Mischung aus Vorratsraum und Personalküche in einem Nebengebäude wird Platz geschaffen, damit Heiko hier trocken und in Ruhe die Fahrräder flugttauglich verpacken kann. Am frühen Abend ist die lästige Pflicht erledigt und die Abreise so weit es geht vorbereitet. Das gibt uns die Möglichkeit, den morgigen Tag zum Sightseeing zu nutzen. Der heutige Tag klingt mit einem eher mäßigen Essen im Laden einer Kebab-Restaurantkette, etwas Straßenmusik auf dem Rückweg zum Hotel sowie Schokolade und Tee im Zimmer aus.Meer informatie

  • Letzte Outdoor-Nacht

    15 juli 2025, Turkije ⋅ ☁️ 20 °C

    Am heutigen Morgen werden wir noch vor dem Frühstück von der Kuhherde begrüßt, mit der wir bereits gestern Bekanntschaft gemacht haben. Heute werden sie aber nicht von den beiden kleinen Brüdern vor sich hergetrieben, sondern lediglich der größere Junge ist mit seinem Vater unterwegs. Er zeigt sich uns gegenüber sehr schüchtern, vor allem als sein Vater ihn irgendwann mit den Kühen und uns allein lässt. Wahrscheinlich ist er froh, als wir das Zelt abgebaut und unsere Räder beladen haben. Wir schenken dem Mini-Hirten noch eine Tüte Pizza-Cracker, die er mit einem leisen "Teşekkürler - Danke" annimmt, bevor wir ihn mit seinen Kühen auf der Wiese allein lassen und uns auf den Weg machen. Zu Beginn gilt es, die letzten Höhenmeter des Anstieges zu meistern, den wir am gestrigen Tag nicht mehr vollständig gefahren sind. In der Kühle des Morgens ist der höchste Punkt schnell erreicht, ab jetzt ist erstmal nur noch Lenken angesagt, bergab rollen die Drahtesel schließlich ganz alleine.
    Es ist noch nicht mal neun Uhr, als wir unser geplantes Sightseeing-Ziel für heute, die antike Stadt Ani, erreichen. Die historische Stätte öffnet um neun, der große Besucherparkplatz ist noch herrlich leer. Unsere Fahrräder dürfen wir netterweise mit auf das Gelände nehmen und direkt neben dem Ticket-Office parken, wo wir dann zwei Eintrittskarten kaufen. Gerne hätten wir im Café im Eingangsbereich des großen Besucherzentrums noch etwas getrunken, leider findet sich aber hinter den Scheiben des Kühlschranks nur gähnende Leere. Komisch, denken wir, so ein großes Café mit Innen- und Außenbereich, aber nicht mal Wasser ist vorrätig. Aber was soll's, dann beginnen wir eben direkt mit der Besichtigung. Ani war einst armenische Hauptstadt, ist aber seit vielen Jahrhunderten verlassen. Die Ruinen befinden sich rund 42 Kilometer in südöstlicher Richtung entfernt vom Endpunkt unserer diesjährigen Reise, der Stadt Kars, entfernt.
    Die Geschichte der Stadt, die im fünften Jahrhundert als Festung der Armenier gegründet wurde, reicht gute 1.500 Jahre zurück. Um das Jahr 1.000 war Ani eine blühende Metropole. Durch ihre strategische Lage entlang der nördlichen Seidenstraße sowie weitere wichtige Handelsnetze wurde die Hauptstadt des armenischen Königreiches zu einem Zentrum von Kultur und Wohlstand. Bis zu 100.000 Einwohner soll sie gezählt haben, damit gehörte sie zu den bevölkerungsreichsten Städten der Welt. Zu der Zeit wurde Ani auch Stadt der 1.001 Kirchen genannt.
    Geblieben ist von Glanz und Gloria leider nur wenig. Nach Belagerungen, Kriegen und schweren Erdbeben seit dem 12. Jahrhundert verlor Ani allmählich an Bedeutung und geriet in Vergessenheit. Nachdem die Region lange Zeit militärisches Sperrgebiet war, sind seit der touristischen Erschließung heute große Teile der Stadt frei zugänglich. Wir treten also durch die Überreste der massiven Stadtmauer, um die seit mehr als drei Jahrhunderten verlassenen Ruinen der ehemaligen Festungsstadt zu erkunden. Es erinnert nicht mehr viel an die 100.000 Einwohner, die einst in dieser Stadt lebten. Neben den Kirchen mit noch teilweise erhaltenen Fresken und diversen Grundmauern lassen heute nur noch die Überreste eines ehemaligen Palastgebäudes sowie die Zitadelle erahnen, wie die Stadt wohl zur Blütezeit des armenischen Reiches ausgesehen haben mag. Wie schon oftmals und an anderen Orten zuvor überlegt Heiko, wie es wohl wäre, in die damalige Zeit zu reisen und Zeuge des Lebens und Treibens in Ani zu sein. Aber wir müssen uns wohl unsere Fantasie spielen lassen. Über eine Strecke von etwa fünf Kilometern folgen wir den Wegen durch die Geister- oder Ruinenstadt und besichtigen die mehr oder weniger gut erhaltenen Bauten. Besonders angetan sind wir aber auch von der landschaftlichen Schönheit. Die Stadt liegt auf einem Plateau und bietet einen atemberaubenden Blick auf die Schlucht des Flusses Arpaçay, welche hier die natürliche Grenze zu Armenien bildet. Die sehr hübsche und besonders gut erhaltene Kirche Sankt Gregor von Tigran Honent liegt malerisch direkt an der Schlucht mit Blick auf den Grenzfluss. Gute zwei Stunden spazieren wir über die weitläufige antike Stätte und freuen uns sehr, diesen Abstecher gemacht zu haben. Wir erreichen schließlich wieder das Besucherzentrum am Ein- bzw. Ausgang, wo inzwischen reger Betrieb ist. Der Parkplatz ist deutlich voller und viele Menschen strömen in Richtung des Einlasses. Wir sind froh, dass wir so früh vor Ort und fast allein auf dem Gelände unterwegs waren. Gleichzeitig verwundert es uns angesichts der Besuchermenge nun umso mehr, dass auf dem Gelände nicht einmal Getränke zum Verkauf angeboten werden. Wir schnappen uns unsere Räder, die artig neben dem Ticket-Häuschen auf uns gewartet haben und lassen Ani hinter uns. Wir sind noch nicht weit gefahren, da kommen uns zwei Radreisende entgegen - die ersten und einzigen in diesem Urlaub. Die beiden steuern auf uns zu und natürlich halten wir für einen kurzen Austausch an. Bérangère und David kommen aus Frankreich und sind seit acht Monaten mit dem Rad unterwegs, ihr weiterer Weg wird die beiden nach Georgien führen. Nach einer Weile fahren wir weiter, die Franzosen bergab nach Ani und wir bergauf in die entgegengesetzte Richtung. Die Temperatur ist inzwischen bereits wieder ordentlich nach oben geklettert, Schatten suchen wir vergeblich. Leider existiert auch das in Google Maps verzeichnete und gut rezensierte Restaurant nicht, auf welches wir für eine Rast gehofft hatten. Und nicht nur das, zusätzlich ziehen auch bedrohlich dunkle Wolken auf, in der Ferne hören es es bereits verdächtig grummeln. Das Glück ist aber auf unserer Seite, noch im Trockenen erreichen wir eine Tankstelle. Kurz nach Ankunft unter dem schützenden Dach frischt der Wind auf und Regen setzt ein. Binnen weniger Minuten weht es so stark, dass selbst die große Mülltonne droht, über das Tankstellengelände zu fliegen. Heiko checkt seine türkische Wetter-App und stolpert über folgende Unwetterwarnung: "Es werden örtlich schwere Gewitter erwartet. Vorsicht und Vorsichtsmaßnahmen sind bei möglichen Gefahren wie Sturzfluten, Überschwemmungen, Blitzen, Hagel, Tornados, starkem Wind und Verkehrsbehinderungen während der Regenfälle geboten." Tatsächlich fegt ein ausgewachsenes Gewitter über uns hinweg. Und während wir gerade noch auf dem Rad geschwitzt haben, ist uns nun empfindlich kalt. Ein freundlicher Herr hat wohl Mitleid, als er sieht, wie wir uns schlotternd vor Kälte in eine möglichst windgeschützte Ecke des Tankstellengebäudes kauern. Er überreicht uns jedem einen Tee und eine Rolle Kekse. Glücklicherweise ist der Spuk schnell vorbei, die dunklen Wolken ziehen weiter, der Regen hört auf, es wird wieder hell und warm. Ein letztes Mal in diesem Urlaub ernennen wir 25 Kilometer vor unserem Ziel, der Stadt Kars, ein Stoppelfeld zum Zeltplatz. Frische Tomatensuppe mit Nudeln gibt es zum Abendessen, das Dessert besteht aus Tee und Keksen. Die Sonne geht noch einmal besonders hübsch für uns unter und dann bricht sie an, unsere letzte Outdoor-Nacht.
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  • Offline in (vermeintlicher) Stille

    14 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 31 °C

    Nicht unser Wecker ist es, der uns heute aus dem Schlaf reißt, sondern ein Traktor, der auf "unser" Stoppelfeld geknattert kommt. Wie üblich stört man sich nicht daran, dass wir hier die Nacht verbracht haben, sondern ruft uns ein freundliches "Günaydın - Guten Morgen" zu. Während die Männer in aller Herrgottsfrühe ihrer Arbeit nachgehen und Strohballen einsammeln, duftet es vor unserem Zelt bald nach Tee und Kaffee. Auch ein Hirte mit seiner Schafherde zieht im Sonnenaufgang vorbei, unser heutiges Frühstück wird nicht langweilig. Sieben Uhr ist es, als wir uns auf die Straße begeben. Heiko fühlt sich heute ziemlich schlapp und kommt nicht so richtig in den Tritt. Daher passt es ganz gut, dass wir zwar bergauf fahren müssen, die Steigung sich aber sehr milde präsentiert. Ungefähr fünfzehn Kilometer sind wir unterwegs, als wir die Stadt Digor erreichen. Hier füllen wir unsere Vorräte auf, um für heute und morgen ausreichend versorgt zu sein. Es ist zwar heute dezent kühler als gestern, dennoch freuen wir uns über jeden Schatten. Als 27 Kilometer und 500 Höhenmeter absolviert und wir reichlich pausenbedürftig sind, muss mal wieder die Notlösung des Selfmade-Schattens herhalten, da weit und breit kein Sonnenschutz verfügbar ist. Auf der Weiterfahrt eröffnet sich nach Überqueren der Passhöhe ein wunderbarer Blick in die Weite, hinunter in das vor uns liegende Tal und die hügelige Landschaft. Immer mal wieder sehen wir Greifvögel durch die Lüfte segeln. Ein letztes Mal am heutigen Tag führt unsere Route bergauf, den höchsten Punkt erreichen wir jedoch nicht mehr. Im Schatten einer Felsabbruchkante in einer Senke neben der Straße wollen wir eigentlich nur eine Pause machen, kommen am Ende aber nicht viel weiter. Die Gegend hier, durch die sich auch eine kleine Schlucht zieht ist ganz hübsch und wir stellen fest, dass wir unseren Fahrrädern auch gut und gerne Feierabend geben könnten. In etwas Entfernung ist eine Baumreihe an einem Feld zu sehen, das könnte uns in doppelter Hinsicht nützlich sein: Schatten für den Rest des Tages und ein Plätzchen für die Nacht. Nachdem Claudia die Örtlichkeiten aus der Nähe inspiziert hat, packen wir unser Picknicklager am Straßenrand zusammen und poltern einen knappen Kilometer über die Felder an der Schluchtkante zur Baumreihe hinauf. Schnell sind vor Ort Tisch und Stühle wieder aufgebaut. Wir genießen einen kleinen Salat mit Brot sowie Aussicht und Stille. Stille? Leider währt diese nicht lange...! Erst kommt noch ein Traktor mit Anhänger auf das benachbarte Feld gefahren und es werden in Seelenruhe Strohballen eingesammelt (das haben die Jungs heute in der Frühe deutlich schneller erledigt...), danach stellen zwei Kinder unsere Nerven auf eine Probe. Die beiden Jungs, wir schätzen sie auf etwa acht und fünf Jahre, tauchen in unmittelbarer Nähe mit einer Kuhherde auf. Wir erleben nicht das erste Mal, dass Kinder hier ganz selbstverständlich große Tierherden über die Wiesen führen, diese beiden jungen Hirten sind aber doch sehr speziell. Sie ziehen nicht mit den Tieren lediglich an uns vorbei, sondern halten sich ziemlich lange in Sicht- und vor allem Hörweite auf. Und zu hören bekommen wir deutlich. In schöner Regelmäßigkeit dringt der schrille Schrei des jüngeren Kindes in unserer Ohren: "Abiiiii, Abiiii...!" Abi heißt (Großer) Bruder und der Kleine wird nicht müde, immer wieder lauthals nach diesem zu rufen. Wir machen drei Kreuze, als Kühe und Kinder sich nach einer gefühlten Ewigkeit über einen Hang entfernen und endlich wieder Ruhe einkehrt an diesem Ort, der zudem noch ein absolutes Funkloch ist. Unser mobiler WLAN-Router hat keinerlei Empfang, so dass wir zunächst mal offline sind. Inzwischen ist die Sonne untergegangen und es ist an der Zeit, das Zelt aufzustellen. Da ausnahmsweise mal sehr wenig Mücken und nervige Fliegen unterwegs sind, hocken wir noch einen Moment vor dem Zelt auf unseren Stühlen, bevor wir die Nachtruhe antreten.Meer informatie

  • Heiß und hoch

    13 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 32 °C

    Der Wecker beendet unsere Nacht um fünf Uhr, zwei Stunden später sind wir nach Frühstück und der morgendlichen Pack- und Abbauroutine bereit zur Abfahrt. Nachdem der erste Anstieg des Tages bewältigt ist, rollen wir abwärts und sind überrascht von der Landschaft, die uns hier erwartet. Die farbenfrohen Hügel wecken bei Claudia über 30 Jahre alte Erinnerungen an das Wüstengebiet "Painted desert" im Petrified Forest Nationalpark in Arizona unweit des Grand Canyons. Wir machen viele Bilder sowohl vom Boden als auch aus der Luft und freuen uns über die bislang herrliche Fahrt. Ob der malerische Anblick natürlichen Urspungs oder aber in irgendeiner Art und Weise menschgemacht ist, können wir leider nicht in Erfahrung bringen. Die Temperaturen sind wieder hoch heute, da kommt die Pause für einen Einkauf und insbesondere das Kaltgetränk im Ort Tuzluca gerade recht. Ab jetzt sollen wir eine ganze Weile bergauf radeln, was uns bei der vorherrschenden Hitze einiges abverlangt. Die nächste kleine Auszeit haben wir deshalb schon fest im Blick. Bereits während der Reiseplanung zu Hause haben wir uns notiert, dass in wenigen Kilometern ein kleiner Campingplatz mit Teegarten und Restaurant lokalisiert ist, von welchem man zudem noch einen schönen Blick auf die Schlucht hat, welche die Türkei vom gegenüberliegenden Armenien trennt. Wir freuen uns auf diese kleine Oase, als wir uns schweißgebadet und durstig den Berg hinaufarbeiten. Leider werden wir aber bitter enttäuscht. Beim "Acar Camping Çay Bahçesi" angekommen werden wir schlichtweg ignoriert. Durch unsere Recherche wissen wir zwar, dass es einen Teegarten mit Schluchtblick gibt und sehen ihn auch, einen offensichtlichen Zugang können wir aber nicht erkennen. Wir setzen uns also zunächst an einen der drei Tische vor dem Haus mit Straßen- statt Schluchtblick. Weiterhin lassen die drei Männer, die zu diesem Laden gehören, uns jedoch links liegen. Nachdem wir eine Weile dort gesessen haben, ohne dass uns irgendjemand Beachtung schenkt, stehen wir leicht frustriert auf, nehmen unsere Räder und fahren weiter. Schade! Immerhin, und das ist das Gute, ist dieses Erlebnis eine absolute Ausnahme auf unserer Reise. Fies steil geht es für uns weiter bergauf, aber es soll sich lohnen. Auf der ersten Anhöhe angekommen kommen wir dann nämlich doch noch in den Genuss einer fantastischen Aussicht auf die vom Fluss Aras geformte Schlucht sowie Armenien auf der anderen Seite. Im Schatten eines Containers stellen wir unsere Stühle auf, knabbern Salzstangen und strecken die Beine aus. Nicht wenige Autos halten hier auf dem Plateau, um zu schauen und Fotos zu machen. Ein kleines Café oder dergleichen würde sich an dieser Stelle sicher lohnen, denken wir, und bedauern, dass bislang offensichtlich niemand auf die Idee gekommen ist. Wie auch immer, für uns geht es weiter: Heiß & hoch! Mühsam arbeiten wir uns in der Hitze Höhenmeter für Höhenmeter weiter nach oben. Als der steilste Abschnitt geschafft ist, verkriechen wir uns ein Weilchen unter den "personal shadow", den wir mit Hilfe einer kleinen Picknickdecke zu einem "Doppelschatten" erweitern. Nach der folgenden Dreiviertelstunde Sonnenfahrt sind es die drei einzigen Bäume weit und breit, die uns wohltuenden Schatten spenden. Eine innere Abkühlung erfahren unsere Körper etwas später an einer ehemaligen Tankstelle. Die noch vorhandenen Zapfsäulen sind augenscheinlich schon lange außer Betrieb, aber zu unserer Freude wird der dazugehörige kleine Shop weiterhin betrieben. Dies ist sicher eine kluge Idee des Inhabers: Viele Lastwagen stehen am Straßenrand und ihre Fahrer pausieren hier, ein Bus hält vor dem Laden und spuckt eine Ladung Menschen aus und auch recht viele Autos legen einen kurzen Stopp ein. Wir essen Eis und schlürfen eisgekühlte Getränke - was für eine Wohltat! Etwas runtergekühlt und ausgeruht nehmen wir schließlich das letzte Stück der Bergauffahrt in Angriff. Bald erreichen wir die Passhöhe und mit diesem Moment beginnt auch unsere Suche nach einem Übernachtungsplatz. Zum wiederholten Male zieht es uns auf ein Stoppelfeld, etwas unterhalb der Straße lassen wir uns nieder. Chefkoch Heiko zaubert auf dem Gaskocher ein leckeres Abendessen mit Nudeln und Auberginen, die wir gestern von einem Straßenhändler geschenkt bekommen haben. Als die Dämmerung hereinbricht, stellen wir das Zelt auf und nicht viel später liegen wir auf unseren Isomatten. Feierabend!Meer informatie

  • Über Umwege ins Wäldchen

    12 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 35 °C

    Es ist halb sechs, als wir die Zeltreißverschlüsse öffnen und mit dem Blick auf den Ararat-Schneegipfel in den Tag starten. In Ruhe frühstücken wir, im Anschluss lässt Drohnenpilot Heiko seinen kleinen Flieger ein paar Runden über die Landschaft kreisen. Es ist etwa neun Uhr, als wir auf den beladenen Fahrrädern sitzen, so wirklich in die Pedale treten müssen wir aber zunächst nicht. Ganz entspannt beginnt die heutige Etappe nämlich mit einer Abfahrt. Auf unter 900m Höhe geht es am Ende hinab, eine so geringe Höhe haben unsere Messgeräte lange nicht gezeigt. Als wir die Stadt Iğdır erreichen, nutzen wir die Infrastruktur dafür, Wasser und Proviant aufzufüllen. Wir verlassen kurz hinter dem Ortsausgang die Hauptstraße und unsere Sinne nehmen deutlich die Veränderungen durch den Höhenverlust wahr: Wärmer ist es und viel grüner, Bäume gehören wieder zum Landschaftsbild und es herrscht viel landwirtschaftlicher Betrieb. Die von uns gewählte Nebenstraße geht im Verlauf in eine sandige Schotterpiste über. Teilweise ist der Sand recht tief und der Schotter sehr grob, zusätzlich gibt es auf dem kilometerlangen Weg keinen Schatten. Claudia verzweifelt an dem Untergrund und kapituliert. Bei der nächstmöglichen Gelegenheit beenden wir das Gerumpel und tauschen Schotter gegen Asphalt unter Inkaufnahme eines Umweges. Am Rande eines kleinen Dorfes legen wir unter einem Maulbeerbaum eine Pause ein. Das komplette Picknickmobiliar wird aufgebaut, wir machen es uns gemütlich und gönnen uns Chips, Kuchen, Tee und Kaffee. Man kann also sagen, dass wir mehr als satt sind, als zwei Männer auf einem Moped neben uns bremsen. Einer der Männer überreicht uns eine Styroporbox mit einer vollständigen warmen Mahlzeit bestehend aus Reis und Curryhähnchen. Aber das ist nicht alles, zur Lieferung gehört tatsächlich das Komplettpaket. Man reicht uns noch Brot, kalten Ayran, Plastiklöffel, Servietten, ein kleines Tütchen Salz uns sogar zwei einzeln verpackte Feuchttücher, um unsere Hände nach dem Essen säubern zu können. Als wir alles dankend in Empfang genommen haben, knattern die beiden winkend auf ihrem Moped davon. Tja, da sitzen wir nun, gefühlt satt für die nächsten drei Tage und dennoch mit einer Mahlzeit vor der Nase. Den kühlen Ayran trinken wir schließlich direkt, das Essen packen wir uns dann doch lieber ein, um es zu einem späteren Zeitpunkt zu essen. Bei 37 Grad radeln wir weiter und erreichen bald die Hauptstraße, rare Schatteplätze werden stets für eine kurze Erholung genutzt. Einmal dient dazu ein kleiner Baum am Straßenrand, ein anderes Mal hocken wir uns in den schmalen Schatten vom Eingang eines Ladens, der zu einem kostenpflichtigen Picknickgelände gehört. Hier können wir auch kalte Getränke kaufen, was besonders Claudia sehr freut, da sie eine "innere Abkühlung" immer als extreme Wohltat empfindet. Einen letzten Anstieg bewältigen wir noch, bevor es mal wieder Zeit wird für die Schlafplatzsuche. Heiko erspäht einen Feldweg, der zu einem großen, potentiell geeigneten Terrain führt. Am Wegesrand machen wir es uns zunächst auf unseren Campingstühlen bequem und essen Tomatensuppe, die mit der Mahlzeit, die wir geschenkt bekommen und eingepackt haben, verfeinert wird. Später inspiziert Heiko die Umgebung hinsichtlich der Frage, ob und wo ein Zelt platziert werden könnte. Neben einigen hohen Bäumen, oder eher Bäumchen, die in dieser Gegend fast schon als Wald, oder eher Wäldchen, gelten können, richten wir uns schließlich häuslich ein. Als aber alles aufgebaut und verstaut ist, halten einige schwarz gekleidete Männer mit ihren Motorrädern an der nahegelegen Straße. Erst sind es zwei, dann vier und nach einiger Zeit hält noch ein fünfter Motorradfahrer an dieser Stelle. Wir finden das irgendwie merkwürdig und es beschleicht uns ein mulmiges Gefühl. Wahrscheinlich ist unsere Sorge völlig unnötig und irrational, sie veranlasst uns aber tatsächlich dazu, das Zelt trotz bereits hereinbrechender Dunkelheit wieder abzubauen und die Räder zu beladen. Wir wollen lieber ein Stück weiterfahren und einen anderen Platz für die Nacht finden. Als wir vom Wäldchen zur Straße schieben und die Männer erreichen, klärt sich die Situation auf: Einer der sehr jungen Fahrer hatte wohl eine Panne, die anderen sind bei ihm geblieben und ein anwesender älterer Herr war scheinbar angerufen worden und dann dazugekommen, um zu helfen. Wir sind gerade ein paar Meter an der Gruppe vorbeigefahren, da scheint deren Problem gelöst und die Motorräder fahren in unterschiedliche Richtungen davon. Wir halten an, überlegen kurz und machen schließlich kehrt, um unser Zelt ein zweites Mal neben dem Wäldchen aufzubauen. Der Rest des Abends und der Nacht bleibt ruhig, nur noch das Zirpen von Zikaden und das Knarzen der Bäumchen im Wind ist zu hören.Meer informatie

  • Majestätischer Ararat

    11 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 29 °C

    Noch einmal bereiten wir uns ein gutes Hostel-Frühstück vor, dann heißt es Packen und Abschied nehmen. Als das gemeinsame Erinnerungsfoto mit Zafer im Kasten ist, rollen wir winkend vom Hof. Eine Weile müssen wir ohne unsere Navigationsgeräte den Weg finden, der fehlende GPS-Empfang steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem riesigen Militärgelände, an welchem wir entlangradeln. Am Ortsausgang von Doğubayazıt ist das Signal wieder da und so verpassen wir es auch nicht, die Hauptstraße zugunsten einer kleineren Nebenstrecke zu verlassen. Die Landschaft präsentiert sich spektakulär schön: Steppenartige Weiten auf der einen, aber auch eine große sumpfartige Wasserstelle mit grüner Vegetation auf der anderen Seite. Mehrere Störche ziehen am Himmel ihre Kreise, Kühe waten durch das Wasser, wir rollen auf Schotterwegen durch winzige Dörfer. Dominiert wird das Landschaftsbild aber zweifellos vom majestätisch anmutenden Ararat. Wir kommen dem Berg immer näher, was ihn noch einmal deutlich größer und imposanter wirken lässt. Vielleicht ist es auch seine isolierte Stellung, die eine besondere Faszination bei der Betrachtung auslöst. Sehr warm ist es heute und weit und breit bietet sich kein schattiger Platz für eine Pause an. Da wir aber unbedingt vor dem erneutem Erreichen der Hauptstraße eine Rast einlegen möchten, kommt eine neue Erreungenschaft zum Einsatz: Der persönliche Schatten! Claudia ist seit kurzem stolze Besitzerin eines zum Campingstuhl passenden Gestänges mit rechteckigen Tuch, welches schattenspendend am Sitzmöbel befestigt werden kann. So verbringen wir eine Weile am Fuße des Ararat, schlürfen Tee und genießen die Aussicht. Zurück im Radsattel hat uns schnell die Hauptstraße wieder, auf gutem Asphalt arbeiten wir uns mal wieder den einen oder anderen Höhenmeter hinauf. Als wir die Passhöhe erreicht haben und nur entspanntes Abwärtsrollen ansteht, spähen wir bereits rechts und links der Straße nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Wir finden ihn schließlich auf einer kargen Wiese unterhalb der Straße, den wunderbaren Blick auf den Schneegipfel des Ararat im Abendlicht gibt es gratis dazu. Während wir das Panorama genießen und Chips knabbern, hält auf unserer Höhe ein Auto. Zwei Männer steigen aus und lassen sich quasi direkt über uns zum Picknick nieder. Unsere anfängliche Verunsicherung bezüglich dieses "Besuches" löst sich schnell in Luft auf, als Heiko die Böschung hinaufsteigt und sich zu den Männern gesellt. Die beiden sind sehr freundlich, plaudern eine Weile mit Heiko und teilen ihren gekühlten Pfirsichsaft mit uns. Bevor wir uns verabschieden und wieder zu unserem Lagerplatz hinuntergehen, wird uns noch eine Warnung vor hier lebenden Spinnen und Schlangen mitgegeben. Wir quittieren den Hinweis mit einem Lächeln und schauen lieber etwas genauer hin, wo wir mit unseren nackten Füßen in Sandalen so hintreten. Wirklich groß ist die Gefahr heute aber nicht mehr, die Sonne ist bereits untergegangen und wir verziehen uns zügig in das Innere unserer vier Zeltwände.Meer informatie

  • Immer noch faul...

    10 juli 2025, Turkije

    Inzwischen fast schon routiniert bereiten wir unser Frühstück in der Hostel-Küche vor. Während wir essen, kommt die alleinreisende Frau aus Italien mit Zafer zu den Themen Wirtschaft und Politik in der Türkei ins Gespräch. Wir zeigen uns ebenfalls interessiert und lauschen den Ansichten unseres Gastgebers. Spannend ist es, abseits der Medien die Perspektiven von Einheimischen zu hören. Die folgenden Stunden machen wieder ihrem Namen alle Ehre: Ruhetag! Lediglich für ein paar Erledigungen macht Heiko sich gegen Mittag auf den kurzen Weg in die "City" von Doğubayazıt. Er lässt beim Schneider für ein paar Lira zwei Nähte an seinem Hemd und seinem Fleecepullover nähen, bekommt vom Berber eine frische Frisur verpasst und kann die bei Ankunft erworbene Gaskartusche, die leider mal wieder nicht funktionierte, problemlos zurückgeben und sich das Geld erstatten lassen. Mit frischem Obst und Baklava kehrt er zurück und wir gehen wieder dem nach, was wir im diesen Hostel-Tagen so gerne tun: Essen und Faulenzen! Naja, fast..., Heiko nimmt auch noch eine Reparatur an seinem Fahrrad vor. Nachdem der vor einigen Tagen vollzogene Manteltausch nicht den gewünschten Effekt hatte und das Fahrrad nach wie vor leicht "hüpft", hat Heiko bei seiner Stadtfahrt nun möglicherweise das echte Problem entdeckt: Eine Speiche ist gebrochen, die nun durch eine Intakte ersetzt wird, bevor es wieder in den Chill-Modus geht. Erst am frühen Abend raffen wir uns doch noch auf und verlassen die nette Terrasse. Mit unseren unbeladenen Rädern fahren wir nochmal ein Stück hinauf zum İshak Paşa Palast. Wir suchen uns einen netten Platz mit guter Aussicht, machen Bilder im Abendlicht und lassen uns natürlich auch den Sonnenuntergang nicht entgehen. Nach diesem Mini-Ausflug rollen wir die Straße in flottem Tempo wieder abwärts, parken die Räder am Hostel und gehen schnurstracks in unser "Stamm-Restaurant". Ein letztes Mal lassen wir es uns hier noch vorzüglich schmecken, denn morgen ist Schluss mit Völlerei und Faulenzerei - die Reise soll weitergehen!Meer informatie

  • Einfach faul...

    9 juli 2025, Turkije ⋅ 🌙 18 °C

    Der heutige Tag beginnt mit der Idee, dass wir nicht nur zwei, sondern sogar drei fahrradfreie Tage hier im Hostel am Rande von Doğubayazıt verbringen könnten. Gesagt, getan: Heiko teilt unserem Gastgeber Zafer mit, dass wir eine vierte Nacht bleiben werden. Warum tun wir das und was hält uns hier? Es ist dieses nette Hostel, in dem wir uns so wahnsinnig wohl und willkommen fühlen. Tatsächlich können wir die unzähligen begeisterten Google-Rezensionen der als "Travellers Meeting Point" ausgeschilderten Unterkunft nur bestätigen. Die Tage gehen damit los, dass wir uns in der Küche, die gleichzeitig Rezeption und Aufenthaltsraum ist, unser Frühstück zubereiten. Für wenig Geld haben wir die morgendliche Mahlzeit mit gebucht, das System von Zafer unterscheidet sich aber deutlich von anderen Unterkünften. Es gibt weder ein Buffet noch wird uns ein zubereitetes Frühstück vor die Nase gestellt. Stattdessen stellt Zafer morgens frisches Brot bereit, den Rest dürfen sich die Gäste selbst zusammenstellen. Tee und Kaffee dürfen wir uns kochen, so viel wir wollen, und das sogar den ganzen Tag. Im Kühlschrank findet sich alles, was das Frühstücksherz begehrt. Mundfertig geschnitten hat Zafer alles in kleinen Dosen portioniert, u.a. verschiedene Käsesorten, Wurst, Gurken, Tomaten, Oliven, Butter, Honig, Sirup, Wasser- und Honigmelone. Auch Eier finden sich im Kühlschrank, welche die Gäste sich kochen oder braten können. Uns gefällt das Konzept sehr gut, da wir das Frühstück ganz nach unserem Geschmack gestalten können und nichts weggeschmissen wird. Nach der ersten Mahlzeit des Tages begeben wir uns auf die "Terrasse auf Stelzen". Diese ist sehr gemütlich gestaltet und auch hier ist es den Hostelgästen jederzeit möglich, Tee und/oder Kaffee zu kochen. Unschlagbar ist zudem der Ausblick: Eine fantastische Sicht auf den Berg Ararat mit seinem verschneiten Gipfel haben wir, was wir sehr genießen können. Mit seiner Höhe von 5137 Metern ist der erloschene Vulkan und höchste Gipfel der Türkei zwar von fast jedem Punkt der Stadt und weit darüber hinaus zu sehen, unseren Panorama-Platz finden wir aber besonders großartig. Es heißt übrigens, dass der Ararat der Ort ist, der in der Bibel als Landeplatz Noahs mit seiner Arche gegen Ende der Sintflut gemeint ist: "Am siebzehnten Tag des siebenten Monats setzte die Arche auf dem Gebirge Ararat auf."
    (Buch Genesis, Kapitel 8). Wir glauben zwar nicht, dass die Höhe des Meeresspiegels jemals ausgereicht hat, um mit einem Schiff auf oder an diesem Berg zu stranden, beeindruckt von seinem Erscheinungsbild sind wir aber allemal. So können wir uns auch nicht satt sehen und verbringen die meisten Stunden des heutigen Tages auf der Terrasse mit dieser herrlichen, "realen Fototapete". Die weiteren Ereignisse lassen sich kurz zusammenfassen: Heiko verlässt einmalig das Hostel-Gelände, um im nahegelegenen Supermarkt frischen Joghurt für unsere Obstmahlzeit zu organisieren, Zafer kümmert sich um seine Hühner samt Küken und seine Katze mit ihrem niedlichen Nachwuchs, eine Alleinreisende Italienerin und vier Motorradfahrer checken ein. Am Abend essen wir ein drittes Mal in dem bereits bewährten Restaurant und lassen auch heute wieder den Tag auf der Hostel-Terrasse bei Tee und Schokolade ausklingen.
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  • İshak Paşa Sarayı

    8 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 20 °C

    Wir lassen den Tag mit einem entspannten Frühstück angehen und treffen die Entscheidung, nicht nur einen, sondern zwei fahrradfreie Tage an diesem Ort zu verbringen. Am heutigen Vormittag nutzen wir den Luxus der vorhandenen Waschmaschine sowie reichlich Wäscheleine im Freien, um unseren Klamotten mal wieder einen frischen Duft zu verleihen. Ansonsten lassen wir es uns die meiste Zeit auf der herrlichen Hostel-Terrasse mit Blick auf den Berg Ararat gut gehen, auch unsere Mittagsmahlzeit bestehend aus Wassermelone und Joghurt lassen wir uns hier schmecken. Am Ende vertrödeln wir die Zeit so sehr, dass der geplante Besuch des İshak Paşa Sarayı (İshak Paşa Palast) zu Fuß kaum noch lohnt. Etwa 4,5 Kilometer müssten wir spazieren und dabei mehr als 300 Höhenmeter überwinden. Damit wir ausreichend Zeit für die Besichtigung der Anlage haben, ersetzen wir den Fußmarsch durch eine Taxifahrt. Der Gastgeber des Hostels bestellt uns ein Auto und dann dauert es nicht lange, bis wir vor dem beeindruckenden Palast stehen, der sich wenige Kilometer hinter dem Ort vor einer grandiosen Bergkulisse erhebt. Der Palast wurde ab dem Ende des 17. Jahrhunderts vom damaligen kurdischen Machthaber der Stadt Doğubeyazıt gebaut. Die Fertigstellung erfolgte allerdings erst fast ein Jahrhundert später im Jahr 1784 durch den Namensgeber des Bauwerks İshak Paşa. Das imposante Bauwerk ist eines der herausragendsten Beispiele der Architektur des späten Osmanischen Reiches, welches osmanische, seldschukische, georgische, persische und armenische Stilarten vereint und als "türkisches Neuschwanstein" gilt. Wir zahlen den Eintritt und sind gespannt auf das Innere des Palast-Komplexes. Nach und nach erschließen wir uns die verschiedenen Höfe und besichtigen das prächtige Haupttor, sowie die zahlreichen Räume, darunter Moschee, Zeremonienhalle, Bad, Küche, private Gemächer, Mausoleum und Haremsraum. Es faszinieren uns die mit sehr detailreichen Ornamenten verzierten Fassaden. Besonders fällt das kunstvolle Grabmal der Herrscherfamilie auf, das reich mit einer Mischung aus seldschukischen Schnitzereien und persischen Reliefs verziert ist. Außerdem gefällt uns ein Raum an der Nordseite des Palastes sehr gut, denn hier wurde eine Außenwand zugunsten eines Balkons mit Ausblick entfernt. Der Blick auf das Gebirge ist fantastisch, zu sehen ist auch die alte Moschee der ursprünglich an diesem Ort befindlichen Siedlung mit ihrem Minarett und die Mauern der ehemaligen Zitadelle, die sich an dem Berg entlang schlängelt. In den vergangenen Jahrhunderten sind Erdbeben, ständig neu aufflammenden Konflikte zwischen dem Osmanischen Reich und Russland sowie verschiedene Kriege nicht spurlos am İshak Paşa Saray vorübergegangen. So wurde z.B. auch ein großer Teil der Holzkonstruktion zerstört und nie wieder wirklich aufgebaut, so dass bis heute ein modernes, schützendes Glasdach einen großen Teil des Palastes bedeckt.
    Wir halten uns nicht allzu lange im Inneren des Palastes auf, sondern freuen uns jetzt sehr darauf, von außen einen Überblick über das gesamte Ensemble zu bekommen. Wir spazieren in Richtung der alten Siedlung, von den Mauern der Zitadelle aus haben wir den gewünschten Überblick über den Palastkomplex und zusätzlich eine tolle Sicht ins Tal. Über eine weitere schöne Perspektive freuen wir uns, als wir einen kleinen Hügel direkt vor dem Eingang zum Palast hinauflaufen. Nach einigen Bildern gehen wir den Weg hinauf bis zum Ende und landen in einem Lokal. Bei türkischem Tee und Kaffee lassen wir die Aussicht auf uns wirken. Zum Abschluss unseres kleinen Ausfluges ist der Sonnenuntergang hinter der Kulisse des İshak Paşa Sarayı ein wunderbares Erlebnis. Kuppel und Minarett heben sich von einer weiten, scheinbar unendlichen Landschaft ab. Nachdem die Sonne sich für heute verabschiedet hat, treten wir zu Fuß den Rückweg vom Berg hinab in Richtung Doğubayazıt an. Kurz vor Erreichen unseres Hostels kehren wir im selben Restaurant wie schon am gestrigen Tag ein, wo das Essen auch heute wieder köstlich schmeckt. Zurück an der Unterkunft beenden wir den Tag mit Tee und Schokoriegel auf der beleuchteten Hostel-Terrasse, wunderbar!
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  • Abfahrt in eine andere Welt

    7 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 22 °C

    Als wir kurz nach dem Aufgang der Sonne aufwachen und frühstücken stellen wir fest, dass unser Zeltplatz eigentlich viel besser ist als von uns am gestrigen Abend wahrgenommen. Während Claudia sich nach dem Essen mit dem Schreiben von Notizen beschäftigt, kümmert Heiko sich um den Mantelwechsel an seinem Fahrrad. Der erste Eindruck nach Vollendung der Arbeit ist gut, nun dürfen wir gespannt sein, wie das Rad und speziell der Mantel sich unter der täglichen Belastung verhält. Um viertel vor zehn ist unser Lager geräumt und wir bereit zur Abfahrt. Als Claudia bereits an der Straße und Heiko noch auf dem Feld steht, erscheint ein gepanzertes Militärfahrzeug. Auf Höhe von Heiko kommt es zum Stehen und der augenscheinlich auch mit Kameras ausgestattete Geschützturm nimmt ihn nach Seitwärtsbewegung und Absenkung ins Visier. Etwas irritiert schwenkt Heiko das deutsche Fähnchen, welches hinten an seinem Fahrrad befestigt ist. Daraufhin öffnet sich die schwere Tür des Fahrzeugs, ein Soldat kommt zum Vorschein und fragt, ob alles in Ordnung ist oder es ein Problem bzw. Hilfebedarf gibt. Als der Soldat hört, dass alles bestens ist und wir nur hier gezeltet haben, verabschiedet er sich freundlich und taucht wieder in seine Panzerhülle ab. Laut unserer Recherche waren Kanone und Kamera eines taktisch gepanzerten Radfahrzeugs "Otokar Cobra II", das u.a. auch als Späh- und Patrouillenfahrzeug im Bereich des Grenzschutzes eingesetzt wird, auf Heiko gerichtet. Skurril! Wir haben uns zwar inzwischen fast daran gewöhnt, dass unterschiedlich geartete Militär- und Polizeifahrzeuge sowie unzählige Kontrollpunkte (wir werden immer freundlich durchgewunken...) zum üblichen Straßenbild in Kurdistan gehören, eine derartige Begegnung hatten wir aber bislang nicht. Die verstärkte Militärpräsenz begeitet uns auch während des Anstieges, den wir nun zu bewältigen haben. Nur wenige hundert Meter entfernt von uns verläuft parallel die iranische Grenze, was angesichts der auf dem Bergrücken zu unserer Rechten verlaufenden Mauer und den vielen Wachposten unübersehbar ist. Während wir uns von dieser Seite unter Dauerbeobachtung wähnen, sieht es linker Hand gänzlich anders aus. Weite Lavafelder am Fuße des Schildvulkans Tendürek Dağı und wunderschöne Berge am Horizont prägen das Landschaftsbild im Grenzbebiet zum Iran. Nach einiger Anstrengung können wir schließlich einen neuen Höhenrekord von 2581m auf unserer Reise dokumentieren. Die wohlverdiente Pause verschieben wir noch etwas, da wir uns hier auf dem Gipfel quasi auf dem Präsentierteller sämtlicher, uns umgebender Militärposten befinden. Wir rollen also ein Stück abwärts und sobald wir zumindest halbwegs außer Sichtweite sind, lassen wir uns für eine ausgedehnte Pause mit Heißgetränken und Knabbereien am Straßenrand nieder. Und das Tollste ist, dass uns nach dem kleinen Picknick nur noch eine Abfahrt erwartet, die sich über sagenhafte 30 Kilometer zieht. Wir rollen los und es ist, als würden wir in eine neue, eine andere Welt eintauchen. Die Landeschaft ist geprägt von fantastisch aussehenden Hügeln und Bergen in verschiedensten Formen und Farben: felsgrau, sandbeige, grasgrün und rostrot. Der Weg hinab bietet uns so viele schöne Panoramen, dass wir ständig anhalten, staunen und Bilder machen. Dank dieser kurzen Stopps entgehen uns glücklicherweise auch die Tiere am Wegesrand nicht: Noch in luftiger Höhe zeigt sich uns ein Fuchs (glauben wir...), weiter unten flitzen Erdmännchen, von denen die Google-Bildersuche behauptet, es seien Ziesel, über staubige Sandflächen und einige Pferde traben in wildromantischer Art und Weise über die Felder. Deutlich weniger schön hingegen werden wir die Begegnung mit einem Kind in Erinnerung behalten. Der vielleicht maximal achtjährige Junge taucht aus dem Nichts auf der großen Straße auf und wirft einen Stein auf Heikos Hinterrad, während dieser bergab fährt. Als Heiko anhält, wird er von dem Jungen, der auch einen Stock in der Hand hält, bedrängt und um Geld angebettelt. Als auch Claudia den Punkt erreicht, heißt es nur noch: Gas geben! Die Szene beschäftigt uns, vor allem Heiko, noch eine ganze Weile. Gemischte Gefühle machen sich breit, die von Wut bis hin zu Enttäuschung, Traurigkeit und Mitleid reichen. Was veranlasst ein Kind dazu, mit Steinen auf Touristen bzw. das Fahrrad zu werfen? Mit Sicherheit hat dieser Junge wie auch die vielen weiteren Kinder und deren Familien in dieser Gegend alles andere als ein leichtes Leben. Aber mit Steinen zu werfen und danach den Beworfenen um Geld zu bitten...? Die Gedanken um diese Situation fahren eine Weile mit. Trotz allem entgeht uns aber nicht, dass der höchste Berg der Türkei, der Ararat, in unser Blickfeld rückt. Wir erreichen unseren Zielort Doğubeyazıt, wo wir zu unserer Freude eine neue Gaskartusche erwerben können. Die Freude nach dem letzten Kauf hielt ja leider nur bis zu Feststellung an, dass die Kartusche nicht funktioniert. Einen Einkauf erledigen wir noch und steuern dann ein Hostel etwas östlich der Stadt an, welches uns aufgrund der ungewöhnlich tollen Google-Bewertungen neugierig gemacht hat. Schon während der Fahrt können wir den beeindruckenden İshak Pasha Palast in der Ferne erkennen, dem wir morgen einen Besuch abstatten wollen. Es ist etwa 18 Uhr, als wir ohne Probleme die Unterkunft "ARK Hostel & Camp Caravaning" erreichen. Sofort macht die Anlage einen sympathischen Eindruck auf uns, vom Gastgeber Zafer werden wir freundlich empfangen. Wir erfahren, dass wir aktuell die einzigen Gäste sind, was laut Zafer daran liegt, dass viele Reisende wegen der derzeitigen Situation im benachbarten Iran die Gegend meiden bzw. die Reiseroute ändern. Wir beziehen ein großzügiges Zimmer, duschen ausgiebig und sind fasziniert vom Anblick der Berge in herrlichstem Abendlicht. Das Essen in einem nahegelegenen Restaurant ist köstlich und zum Ausklang des Tages genießen wir einen Tee auf der gemütlichen Terrasse unseres Hostels mit Blick auf den Ararat. Was geht es uns doch gut...!Meer informatie

  • Boah, ist das kalt...

    6 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 16 °C

    Die Morgenstunden gemütlich auskosten? Ja, das können wir gut. Vom Aufwachen um halb sechs vergehen fünf Stunden, die dem Frühstück, der Drohnenfliegerei, dem E-Book und dem simplen "Dasein" gewidmet werden, bis wir um halb elf unsere Räder von der Nachtlager-Wiese zurück auf die Schotterpiste bugsieren. Wir holpern nur knappe drei Kilometer unseres Weges, dann ist bereits wieder Pause angesagt. Wir erreichen den 50m hohen Muradiye Şelalesi (Muradiye Wasserfall), welcher nach dem osmanischen Sultan Murad IV. benannt ist, der hier einst seinen Bagdad-Feldzug führte. Er fällt in eine tiefe Schlucht, durch welche der Fluss Bend-i-Mahi Richtung Van-Gölü fließt. Über den Fluss ist eine recht wacklige Hängebrücke gespannt, die es ermöglicht, das Naturschauspiel aus verschiedenen Perspektiven zu bestaunen. Tatsächlich ist es sehr schön anzusehen, wie das Wasser aus unterschiedlichen Höhen in die Tiefe fällt. Von den verschiedenen Aussichtsplattformen betrachten und fotografieren wir den Wasserfall. Neben uns hatten viele weitere Menschen die Idee, am heutigen Sonntag diesen Ort aufzusuchen. Familien picknicken auf den angrenzenden Wiesen, tragbare Samowar-Teekessel werden mit Holz angefeuert, Kinder plantschen vor dem Wasserfall und der Eisverkäufer macht ein gutes Geschäft. Wir schieben unsere Räder durch das nette Treiben und stellen fest, dass auch unsere letzte Mahlzeit schon eine ganze Weile her ist. Für ein Picknick reicht der Inhalt unserer Taschen nicht, also kehren wir spontan in einem Restaurant außerhalb des Geländes an der Straße ein. Wir genehmigen uns eine stattliche Portion Kebab und müssen dann bei den ersten Pedalumdrehungen feststellen, dass dies vielleicht nur eine mittelgute Idee war. Sehr mühsam fühlen sich die ersten Kilometer mit reichlich gefüllten Bäuchen an. Naja, selbst Schuld! Nach kurzer Fahrt auf der Nebenstrecke landen wir mal wieder auf der Hauptstraße, die aber auch eher mäßig stark befahren ist. Parallel windet sich weiterhin der Bend-i-Mahi durch die Schlucht. Zwischendurch hält ein LKW-Fahrer und schenkt uns zwei kleine Flaschen Wasser und eine große Flasche kalte Zitronenlimonade. Bald erreichen wir den Ort Çaldıran, der einen sehr netten Eindruck auf uns macht. Überraschenderweise entdeckt Heiko in einer kleinen Seitenstraße ein kleines Fahrradgeschäft. Da sein Hinterrad seit geraumer Zeit nicht rund läuft und Heiko einen Schaden am Mantel als mögliche Ursache identifiziert hat, besuchen wir das kleine Geschäft. Unsere Hoffnung, einen passenden Ersatzmantel zu bekommen, ist angesichts des äußeren Eindrucks vom Laden nicht besonders hoch, werden aber eines Besseren belehrt. Die zwei maximal zehn Jahre alten Kinder, die während unseres Besuches den Laden schmeißen, können tatsächlich für umgerechnete acht Euro einen Reifen anbieten. Perfekt! Beim anschließenden Gemüsekauf werden wir direkt noch zum Tee eingeladen, im Anschluss laden wir noch Wasser und ein Brot ein, dann geht die Fahrt weiter. Nicht der Hauptstraße, sondern kleineren Wegen auf Asphalt und später Schotter folgen wir und passieren winzige Dörfer. Landschaft, Licht und Atmosphäre sind großartig hier, in der Ferne über den Bergen leuchtet ein Regenbogen, Lavafelder und die umliegenden Berge lassen Erinnerungen an Island wach werden. Gerne würden wir hier übernachten und inzwischen ist auch die Zeit so fortgeschritten, dass die Etappe durchaus ihr Ende finden dürfte. Heiko fragt zwei Männer, die gerade vom Feld kommen, ob es okay wäre, hier zu zelten. Die beiden weisen uns auf Tiere und speziell Bären hin, grundsätzlich könnten wir aber ruhig hier übernachten. Hmmm...! Nach einigem Zögern treibt die Verunsicherung uns doch wieder auf den Radsattel. Es dauert nicht lange, bis wir wieder die Hauptstraße erreichen, die nun entlang der auf dem parallel laufenden Bergrücken liegenden iranischen Grenze führt und durch reichlich militärische Wachtürme sehr genau beobachtet zu werden scheint. Empfindlich kalt ist es mittlerweile, wir haben kräftigen Gegenwind, ein guter Zeltplatz ist nicht wirklich in Sicht..., das Launen-Barometer sinkt! Dezent frustriert entscheiden wir uns irgendwann für den erstbesten Platz, der irgendwie tauglich scheint. Etwas unterhalb der Straße, aber für den Verkehr durchaus einsehbar, nehmen wir erstmal auf unseren Stühlen Platz und kümmern uns um unser leibliches Wohl. Die Küche bleibt kalt, es gibt Salat mit Brot. Apropos kalt: Obwohl wir schon ein bis zwei Schichten Kleidung nachgelegt haben, macht uns die abendliche Kälte zu schaffen. Dass wir im Juli in der Türkei so frieren werden, nein, damit haben wir nicht gerechnet. Um so schöner ist es, als wir nach Zeltaufbau endlich in die warmen Schlafsäcke kriechen und den Reißverschluss bis oben hin zuziehen können.Meer informatie

  • Zwischen Felsen und Mini-Schlucht

    5 juli 2025, Turkije ⋅ ☁️ 21 °C

    "Morgenstund' hat Gold im Mund" - Wir beherzigen diesen Kalenderspruch und verlassen um sechs Uhr die Schlafsäcke für unser Frühstück. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir auch zeitig in die Pedale treten. Seeehr entspannt starten wir in den Tag und so ist es am Ende neun Uhr, als wir unser Stoppelfeld-Hotel verlassen. Entspannt beginnt auch die heutige Fahrt, wir dürfen abwärts rollen. Bald erreichen wir das Ufer des Van-Gölü, welches wir fortan zu unserer Linken haben. Vor einem kleinen Lokal am Strand Beredelek winken ein Mann und sein Sohn uns energisch zu und rufen: "Çay, Çay!" Wir nehmen die Einladung an und rollen auf die andere Straßenseite. Während wir unser Glas Tee schlürfen, erfahren wir, dass zum Lokal auch ein Campingplatz gehört und man hier im See gut schwimmen kann. Kurz überlegen wir tatsächlich, die bislang sehr kurze Etappe zu beenden und einfach hier zu bleiben, entscheiden uns aber schließlich doch dagegen. Der etwa zehnjährige Sohn äußert mittels Gesten den Wunsch, eines unsere Räder fahren zu dürfen. Wir sind angesichts der schweren Beladung eher skeptisch, ob er das hinbekommt, wollen ihm aber den Wunsch auch nicht abschlagen. Der Junge kommt mit Claudias Fahrrad etwa zwanzig Meter weit, bevor er das Gleichgewicht verliert und im Schotter landet. Weder Rad noch junger Fahrer nehmen Schaden, aber seiner Reaktion und seiner Mimik können wir noch mehrmals entnehmen, dass der Junge nachhaltig beeindruckt ist. Kurz vor Aufbruch fragt Heiko den Lokalbetreiber, ob seiner Meinung nach heute Regen zu erwarten ist. Sehr überzeugt winkt er ab: "Yağmur yok - kein Regen!" Wir hatten wegen der im Vergleich zu den Vortagen deutlich kräftigeren und auch eher düsteren Bewölkung andere Befürchtungen, aber der Aussage eines Einheimischen glauben wir natürlich. Etwa eine halbe Stunde später suchen wir klitschnass Unterschlupf unter dem Vordach eines geschlossenen Ladens. Es schüttet nicht nur wie aus Eimern, sondern ein ordentliches Gewitter zieht über uns hinweg. Ob der Herr vom Beredelek-Strand wohl gerade an uns denkt? Wie auch immer..., wir kauern uns auf unseren kleinen Stühlen dicht an die Wand, um einigermaßen geschützt zu sein, trinken einen warmen Tee und futtern Chips. Es dauert nicht besonders lange, da verschwindet die Schlechtwetterfront ebenso schnell wie sie über uns hereingebrochen ist und der Himmel strahlt wieder in herrlichem Blau. Wir können also weiterradeln und sind auch in kürzester Zeit wieder trocken. Zu den Ereignissen auf den nächsten Kilometern zählen ein Wassereinkauf an der Tanke, der Erwerb von Halka Tatlisi (Teig-Ring, der frittiert und danach in Sirup gebadet wird und vor allem Claudia schmeckt...) an einem kleinen Verkaufswagen und die Sichtung einer Storchenfamilie in ihrem Nest. Als wir die Tiere entdecken, breitet gerade ein Storchen-Elternteil die Flügel aus und schwebt davon, vermutlich um Nahrung für den Nachwuchs herbeizuschaffen. Eine ganze Weile beobachten wir die fünf Heranwachsenden, die gar nicht mehr so klein sind, bis wir uns einen netten Pausenplatz suchen. Frisch gestärkt verlassen wir bald die Hauptstraße. Wir queren die Şeytan Köprüsü (Teufelsbrücke) und folgen einer kleinen, sehr ruhigen Nebenstrecke. Zu unserer Rechten schlängelt sich ein Fluss namens Bend-i-Mahi, bei dem es sich um den größten Zufluss des Van-Gölü handelt, durch eine Mini-Schlucht. Die Nebenstraße geht sehr schnell in eine Schotterpiste über, vermehrt türmen sich Felsen zu unserer Linken auf. Am Fuße ebendieser Felsen finden wir auf einer erhöhten Ebene, die man fast Wiese nennen kann, einen schönen Lagerplatz für die Nacht. In nur knapp einem Kilometer Entfernung befindet sich der Yaşar Kemal Şelalesi (Wasserfall), der aus einer Höhe von etwa 40 Metern in die Tiefe stürzt. Da dieser aber laut unserer Recherche nur während der Schneeschmelze Wasser führt und Heikos Drohnenflug das Trockenfallen in den Sommermonaten bestätigt, verzichten wir auf einen Spaziergang zu dieser "Sehenswürdigkeit". Stattdessen chillen wir auf der Wiese, essen Nudeln und bauen irgendwann das Zelt auf. Eine Weile teilen wir uns das Areal mit recht vielen Kühen und ihrem Hirten, weder Tiere noch Mensch scheinen sich aber an unserer Anwesenheit zu stören. Und als es dunkel wird und wir die Nachtruhe einläuten, sind wir auch wieder allein.Meer informatie

  • Katzenbehaart auf's Stoppelfeld

    4 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 22 °C

    Wir frühstücken zwar schon um sieben Uhr, verweilen im Anschluss aber noch recht lange in unserem Luxuszimmer. Als wir dann um halb elf endlich starten wollen, müssen wir feststellen, dass unsere Fahrräder, die sich noch im Aufzug der Tiefgarage befinden, von einem iranischen Auto eingeparkt sind. Wie man es auch dreht und wendet, die Räder sind unerreichbar. Das Hotelpersonal kümmert sich und nach etwa zehn Minuten ist die Fahrerin des Wagens gefunden. Sie entschuldigt sich, setzt das Auto zurück und der Weg zu unseren Vehikeln ist frei. Wir radeln zunächst die gestern spazierten Kilometer zur Festung und dann am Ufer des Van-Gölü weiter. Nach etwa 15 Kilometern erreichen wir unser erstes Ziel des Tages, das "Van Kedisi Evi (Van Katzenhaus)". Ein Hauptanliegen des Van-Kedisi-Evi ist es, die abnehmende Population der Van-Katze zu schützen und einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung zu leisten. Charakeristisch für Van-Katzen sind ihr seidiges langes oder kurzes weißes Fell, ihr hervorragender Jagdinstinkt, ihre Liebe zum Spielen im Wasser und ihre ungewöhnlichen Augen.
    In der Region Van wird die Katze von den Einheimischen „Pişik“ genannt . Je nach Augenfarbe werden die Katzen in drei Gruppen eingeteilt: zwei blaue Augen, zwei bernsteinfarbene Augen oder ein blaues und ein bernsteinfarbenes Auge. Früher verbrachte die Van-Katze die Sommermonate auf den Gebirgskämmen des Erek und ist in den Wintermonaten nach Hause zurückgekehrt. Heute ist die Van-Katze sehr selten und galt vor einigen Jahren sogar als vom Aussterben bedroht. Wir verbringen eine ganze Weile im Katzenhaus und sind insgesamt positiv überrascht. Es ist Besuchern möglich, das Katzengehege zu betreten, die Tiere können aber frei entscheiden, ob sie bleiben oder sich über eine unterirdische Röhre ins Freigehege zurückziehen. Auch gibt es Räume mit einer Art Betten für die Katzen, hier haben Besucher keinen Zutritt. Die Samtpfoten präsentieren sich extrem zutraulich und der Anblick der verschiedenfarbigen Augen ist wirklich faszinierend. Als wir uns sattgesehen und -gespielt haben, setzen wir unsere Reise, mit reichlich weißen Katzenhaaren bestückt, nach einem kleinen Einkauf vor Ort fort. Diesig ist es heute, wir können kaum die Berge in der Ferne ausmachen, die gestern noch deutlich zu sehen waren. Nach etwa zwölf geradelten Kilometern verlassen wir die Hauptstraße und folgen einer Schotterpiste. Es tut gut, mal "autofrei" unterwegs zu sein, da lässt sich die wunderbare Landschaft mit den kargen Bergen gleich noch besser genießen. Im Schatten eines Baumes gibt es Tee und ein kleines Picknick, bevor uns bald darauf die Straße wieder hat. Glücklicherweise hält sich der Verkehr in Grenzen und auch die Sicht ist inzwischen wieder etwas klarer. Nachdem wir uns mit ausreichend Wasser verproviantiert haben, lassen wir uns auf einem Stoppelfeld nieder. Hier gibt es einen leckeren Gemüsetopf vom Gaskocher, anschließend wird das Zelt aufgebaut und der Feierabend eingeläutet.
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  • Van Kalesi

    3 juli 2025, Turkije ⋅ ☀️ 24 °C

    Die Begeisterung über unser Hotel wird auch beim Anblick des Frühstücksbuffets nicht getrübt. Wir freuen uns über die vielen Leckereien und essen zur Abwechslung mal wieder viel zu viel. "Nach dem Essen sollst du ruh'n", lautet das Motto, welches wir nun beherzigen. Das gibt uns Zeit, etwas über unseren Aufenthaltsort zu recherchieren:
    Die Stadt Van mit ihren etwa 370.000 Einwohnern ist auch Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz Van. Am Ostufer des Van-Gölü liegt sie in der Region Ostanatolien ganz in der Nähe der iranisch-türkischen Grenze.
    Van war unter dem Namen Tuschpa seit dem 9. Jahrhundert vor Christus die Hauptstadt des Königreichs Urartu. Mittelpunkt der Stadt bildete damals die Festung auf dem Burgberg (Van Kalesi). Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Herrschaft in Van regelmäßig. Erst im Jahr 1548 gelang es den Osmanen, einen endgültigen Sieg zu erringen und Van unter ihre Herrschaft zu bringen. Während der Weltkriege wurde Van schwer beschädigt und einige Kilometer östlich der alten Festung wieder aufgebaut. Genau diese ehemalige Festung des längst vergangenen urartäischen Reiches ist heute unser Ziel. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg und erreichen nach knapp fünf Kilometern den etwa 100m hohen und lang gestreckten Kalksteinrücken. Direkt am Vansee erheben sich hier majestätisch die Überreste der Befestigungsanlage. Über den Eingang am nördlichen Ende der Burg folgen wir dem Weg hinauf auf den Berg und erkunden die Festung. Die Aussicht auf das weitläufige Gelände ist grandios. In der einen Richtung blicken wir auf den Van-Gölü und auf der anderen Seite erheben sich die Berge hinter der Stadt. Am Fuße des Festungsberges sind die Überreste des alten Van bzw. Tušpa, der Hauptstadt des historischen Königreiches Urartu, zu sehen. Nach dem Abstieg gönnen wir uns vom letzten Bargeld, das sich noch im Portemonnaie befindet, ein kühles Getränk, bevor wir uns auf den Rückweg begeben. Für Bus oder Taxi ist keine Kohle mehr da, also wird erneut marschiert. Als wir das Zentrum erreichen, steuern wir erst einen Bankautomaten und dann einen Obsthandel sowie einen Supermarkt an. Im Hotel angekommen erfreuen wir uns an der von uns so geliebten Mahlzeit aus frischen Früchten mit Joghurt. Den Rest des Tages passiert nicht mehr viel. Tatsächlich ist nämlich zwar die Festung von Van sehr sehenswert, die Stadt selbst aber nicht sooo attraktiv, dass wir uns zu weiteren Erkundungen hinreißen lassen. Erst am Abend macht Heiko noch einen kleinen Spaziergang zu einem Geschäft, welches möglicherweise Gaskartuschen führen könnte. Leider mussten wir nämlich feststellen, dass die kürzlich erworbene Kartusche nicht funktioniert. Blöd! Wenn schon kein Gas, entdeckt Heiko aber auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen kleinen Imbiss, der die leckeren Joghurt-Tantuni im Angebot hat, die uns schon in Tatvan so gut geschmeckt haben. Ein offenes WLAN macht es zudem möglich, Claudia zu kontaktieren und "zum Abendessen zu rufen". Mit leckerem Essen und dem einen oder anderen Dessert-Schokoriegel im Hotel lassen wir den heutigen fahrradfreien Tag ausklingen.
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