• Marvin van der Grinten
  • Marvin van der Grinten

Transafrika Westroute

335-päiväinen seikkaillu — Marvin Lue lisää
  • Tag 148, 0 Km/18631 Km

    24. tammikuuta 2025, Nigeria ⋅ ☁️ 30 °C

    Es geht den dritten Tag in Zentrum von Lagos. Im Süden gibt es mit Lekki den angeblich besten und sichersten Teil der Stadt. Lekki unterscheidet sich vom Rest der Stadt darin, dass hier Villen hinter hohen Mauern stehen, manche davon luxuriös, andere heruntergekommen. Zwischen den Villen das übliche Bild aus Armut und Kleinkriminalität gepaart mit Müll und Gestank. Alles außerhalb vom Auto oder den schwer gesicherten Privatgeländen wie auch meinem Hotel fühlt sich einfach maximal unsicher an, auch wenn bis zum Tagesende nichts passieren wird. In Lekki gibt es die größte Kunstgalerie Afrikas und auch wenn Kunst eigentlich nicht unbedingt mein Ding ist, ist die Galerie unglaublich.
    Nicht weit weg von der Galerie liegt der Stadtstrand von Lagos, also laufen wir die kurze Strecke von rund 15 Minuten. Immer wieder werden wir mit 'Master' oder 'Boss' von den auf den Straßen herumlungernden Leuten angesprochen, einzelne springen auf und laufen ungefragt bis zum Strand mit uns. Auch wenn der Strand bewacht ist, fühlt es sich weiterhin nicht gut an, hier umherzulaufen. Schließlich kostet der Eintritt zum Strand 10 Dollar, für einen Stuhl im Restaurant möchte man noch einmal zusätzlich 20 Dollar. Essen und Getränke nicht inbegriffen. 30 Dollar ist ungefähr der Monatslohn eines Angestellten in Nigeria, also fahren wir ohne den vermutlich nicht einmal sehenswerten Strand gesehen zu haben zurück zum Hotel.
    Morgen geht es raus aus Lagos, drei volle Tage im Stadtzentrum sind wirklich genug, die Lebensqualität ist in der ganzen Stadt einfach super schlecht.
    Die nächsten Tage werden nun anders im Tagesablauf, die Zeit drängt ein wenig und ich muss mich auf den Weg in Richtung Kamerun machen. So heißt es ab morgen: Auto fahren und Strecke machen.
    Ab heute reise ich wieder in Begleitung.
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  • Tag 149, 379 Km/19010 Km

    25. tammikuuta 2025, Nigeria ⋅ ☀️ 35 °C

    Mit dem ersten Tageslicht geht es los, raus aus Lagos. Es ist noch ziemlich früh als wir uns durch den bereits dichten Verkehr in den Randbezirken kämpfen. Rund um Lagos wird der Müll aus der Stadt an den Seiten der Straßen ausgekippt, dieser türmt sich Meterhoch und über viele Kilometer auf. Der Müll wird durch die dort wohnenden Menschen nach Verwertbarem durchsucht, der Rest wird in kleinen Haufen zu Tausenden verbrannt. Über Kilometer ist die Luft diesig durch den sich ausbreitenden Rauch. Insgesamt ist Nigeria, insbesondere aber rund um Lagos, wirklich extrem verschmutzt. Einer der Orte mit der schlimmsten Umweltverschmutzung an denen ich jemals war. Die Gewässer sind pechschwarz, der Boden zum Teil auch, die Luft stinkt und ist diesig durch die verbrannten Müllberge und die ungefilterten Abgase, überall türmt sich der Plastikmüll an den Seiten der Straße auf. Die Einwohner verrichten ihren Toilettengang direkt ungeniert überall, ich sehe wie die Seitentür eines LKWs aufgeht und während der Fahrt direkt aus der Tür heraus auf die Straße gepinkelt wird.
    Ich tanke noch einmal rund um Lagos voll, die Qualität des Diesels ist ziemlich mies, ich spüre unmittelbar danach den Leistungsverlust des Autos. Nigeria ist leider bekannt für seine schlechte Kraftstoffqualität. Auf dem Weg nach Benin-City gibt es ungefähr alle 5 Kilometer einen Checkpoint, davor staut sich der Verkehr fast jedesmal und es wird vor jedem Checkpoint extrem hektisch. Vorlassen, reinlassen, durchlassen gibt es in Nigeria nicht, jede Lücke wird ausgefüllt, bis zum Kontakt mit dem Nachbarauto. Rund jedes zweite Privatfahrzeug hat ein Blaulicht um sich hier irgendwie einen Vorteil zu verschaffen. An einem Checkpoint schneidet mich ein LKW dermaßen von der Seite, dass ich sofort den Rückwärtsgang einlegen muss, sonst würde mich der Auflieger mitnehmen.
    Nicht jeder Checkpoint ist durch die Polizei besetzt und so gibt es zwischendrin immer mal Checkpoints, die temporär durch Banditen übernommen werden. An keinem Checkpoint in Zivil schafft man es, uns anzuhalten, auch wenn man zum Teil mit Stöcken hinter uns herläuft. Die offiziellen Polizisten sind hingegen alle ausnahmslos freundlich, kein einziges Mal werden wir nach Geld gefragt.
    Sunday verlässt uns nach etwa 200 Kilometern, macht sich anschließend weiter auf den Weg mit dem Sammeltaxi in sein Dorf, wir fahren weiter bis zum Tagesziel Benin-City. Hier kommen wir schon am Mittag an, die Straße war trotz schlechten Abschnitten besser als gedacht. Also entscheiden wir uns, noch rund 100 Kilometer weiter bis Agbor zu reisen. Hier gibt es ein Hotel, ziemlich einfach aber immerhin mit zwei bewaffneten Polizisten direkt am Tor, wir dürfen auf dem Hof im Auto schlafen. Kein schöner Ort, laut und mit dröhnenden Bässen von allen Seiten, aber immerhin gut gesichert.
    Wir essen im Restaurant, es gibt eine riesen Speisekarte mit allen möglichen Gerichten, verfügbar sind jedoch mal wieder nur Nudel und Eier. Soße gibt es keine. Während wir essen hören wir aggressives Geschrei aus dem Hof, die beiden Security sind mit einem Mann zugange und alle drei brüllen sich gegenseitig an. Schließlich lädt der eine der beiden Sicherheitsleute sein Maschinengewehr durch und richtet die Waffe auf den Mann. Unter lautem Schimpfen verlässt dieser schließlich den Hof. Als wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch einmal ein paar hundert Meter nach links und rechts vor dem Hotel zu Fuß gehen möchten, lässt uns der Sicherheitsdienst nicht gehen. Außerhalb vom Hotel sei es in der Stadt "Not safe". Leider ist dies Alltag in Nigeria.
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  • Tag 150, 174 Km/19184 Km

    26. tammikuuta 2025, Nigeria ⋅ ☀️ 34 °C

    Die Nacht beginnt so, dass sich gegen 23 Uhr - ich schlafe gerade so noch nicht - jemand ans Auto lehnt. Ich beobachte ihn aus dem Dach und einige Minuten später übergibt er sich direkt neben dem Fahrzeug, verschwindet dann irgendwo in die Dunkelheit. Na vielen Dank auch. Gegen 4 Uhr in der Nacht werde ich wach, ich höre leise Stimmen direkt am Auto und spüre Unruhe. Ich erkenne zwei Männerstimmen, eine Frauenstimme. Die Drei versuchen, die Türen des Autos aufzumachen, schaffen sie aber nicht. Ich bin ziemlich sicher, dass die Drei nicht kapieren, dass ich im Dach liege, also beobachte ich genau was sie machen während ich sie sehe, sie mich aber nicht. An allen Türen wird gerappelt und gezogen, dann gehen sie zum nächsten Auto. Security sehe ich keinen mehr, das Tor steht die ganze Nacht offen. Die drei checken alle Autos und verschwinden dann vom Hof, die Nacht ist für mich gelaufen. Ziemlich müde starten wir zeitig am Morgen, ich will von diesem Ort so schnell wie möglich weg, eine der schlechtesten Schlafstellen der Reise. Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen, bei der Ankunft am Nachmittag war mir der Platz schon nicht geheuer.
    Über ähnlich viele Checkpoints wie am Vortag geht es weiter nach Osten, bis wir schließlich kurz hinter der Stadt Onitsha den Niger überqueren. Was ein Meilenstein, ich kann es bei der Überquerung der Brücke kaum glauben, dass ich mit dem Auto bis zum Niger gefahren bin. Östlich des Nigers beginnt langsam der 'Middle Belt', einer Region die leider nicht gerade zu den Besten von Nigeria gehört. Nach dem langen Fahrtag von gestern und der schlechten Nacht bin ich froh, dass wir kurz hinter Onitsha ein Kloster finden, auf dessen Gelände wir gut gesichert die Nacht verbringen können. Kirchen und Klöster sind im Middle Belt immer wieder Ziel von Anschlägen, also eigentlich nicht der beste Platz zum Übernachten, dieses Kloster ist jedoch maximal gesichert. Mehrere Wachleute, hohe Mauer, Stacheldraht. Einer der Mönche nimmt uns in Empfang und wiederholt immer wieder, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, der Platz wäre eine Festung. Fühlt sich in jedem Fall besser an als das Loch von gestern Abend. Im Schatten der Bäume gelingt es mir schließlich sogar am Nachmittag etwas Schlaf von der letzten Nacht nachzuholen.
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  • Tag 151, 115 Km/19229 Km

    27. tammikuuta 2025, Nigeria ⋅ ☀️ 36 °C

    Am frühen Morgen gibt es für uns die Möglichkeit, gemeinsam mit den Pilgern aus dem Kloster zu einem heiligen Wasserfall zu laufen. Streng bewacht von mehreren mit Schrotflinten bewaffneten Sicherheitsleuten zieht die Pilgergruppe von rund 100 Personen los. Eine der Pilgerinnen erklärt uns, dass der Weg erst seit einem Jahr wieder zu Fuß und mit Sicherheitspersonal möglich ist, zuvor gab es sieben Jahre keine Möglichkeit den Wasserfall zu besichtigen, derart schlecht war die Sicherheitslage. Viele Pilger sind merklich nervös, wenn keiner der vielen Sicherheitsleute in der Nähe ist, fragen immer wieder rundum "where is the security?". Der Weg führt rund 40 Minuten durch den Wald, anschließend müssen die Schuhe ausgezogen werden. Der weitere Weg führt direkt durch den Fluss, das Wasser ist stellenweise oberschenkeltief. Schon im Fluss legen sich die Ersten ins Wasser, singen und schreien. Schließlich führt der Flusslauf aus einer Schlucht heraus, in die wir hineingehen. Durch die enge, tiefe Schlucht laufen wir bis zum Wasserfall. Die Pilger versuchen das heilige Wasser mit Flaschen und Kanistern aufzufangen, beten sich in Trance, stürzen sich immer wieder in das Wasser. Was für ein spezieller Ort das ist, noch nie habe ich etwas vergleichbares gesehen. Immer wieder schreien die Anwesenden 'Praise the Lord' oder 'God is great ' hinein in den tosenden Lärm des Wasserfalls.
    Irgendwann gegen Mittag sind wir zurück am Kloster und entscheiden uns noch ein Stück zu fahren. Das Tagesziel Abakaliki ist entsprechend der Uhrzeit nur 100 Kilometer entfernt.
    Kaum wieder auf Asphalt, jedoch noch auf einer kleinen Zufahrtsstraße zum Highway, der erste Checkpoint des Tages und der hat es leider direkt in sich. Rund 20 Personen stehen am Checkpoint, ich sehe weder Uniform noch Abzeichen. Lediglich 'Security' steht bei jedem auf der Brust, eine offensichtlich illegale Straßensperre. Ich schaffe es nicht schnell genug durch die Slalomsperren sodass sich die Herren vors Auto werfen. Aggressiv fordernd werde ich zuerst nach Wasser gefragt, schließlich brüllt einer "No, no, no, you give us money!" - ganz sicher nicht. "Open your car! What is inside?" Auch das wird sicherlich nicht geschehen, dass ich hier jetzt das Auto öffne. Mit der Frage "Wie weit ist es bis nach Abakaliki?" bringe ich etwas Verwirrung in das Chaos der immer wiederkehren Fragen nach Geld. "Vier Stunden..." antwortet einer. "Oh, dann müssen wir jetzt weiter, sonst wird es dunkel." Als ich von irgendwo ein 'Okay' höre, gebe ich Gas. Es wird noch gebrüllt und geschrien, sonst geschieht glücklicherweise nichts.
    Es geht noch schnell in einen Supermarkt in der Stadt, auch hier wieder maximal mögliche Sicherheit. Der Supermarktparkplatz ist eingezäunt, jedes Fahrzeug wird bei der Ein- und Ausfahrt registriert, Sicherheitspersonal sichert den Parkplatz und den Supermarkt. Es ist schon unfassbar, was in Nigeria unternommen wird um schon alleine Orte wie diesen Supermarkt abzusichern.
    Auf dem Weg nach Abakaliki gibt es immer weniger Checkpoints und die Wenigen sind in der Regel illegal. Hinter einem LKW zu bleiben und schnell aufs Gas zu treten wenn beispielsweise vier Männer ohne Shirt und mit Stöcken neben einem selbstgemaltem Schild mit 'Stop, Police' stehen hat sich häufig bewährt, anhalten tue ich hier sicherlich nicht.
    In Abakaliki gibt es ein kleines Waisenhaus in dem man uns freundlich empfängt. Die Chefin schläft gerade, also müssen wir warten bis wir das Okay zum Übernachten hinter der Mauer bekommen. Drei Stunden geschieht nichts, schließlich taucht Schwester Coronata auf, um die 60, blaue Robe, großes silbernes Kreuz um den Hals. Sie war schon einmal in Deutschland, bei ihrer Freundin aus Frechen. Düsseldorf liegt nicht weit, da war sie auch schon. Wir rufen gemeinsam besagte Dame in Frechen an, ihre Freundin fragt mich auf deutsch, wieso ich nach Nigeria komme. Nigeria ist nicht sicher. Schwester Coronata sieht das etwas anders. Schön im Süden bleiben, nachts sicher stehen, dann passiert auch nichts. Sie zeigt uns noch ihr Waisenhaus, in dem Kinder bis zwei Jahre untergebracht sind. Die Frage, ob wir übernachten dürfen wurde eigentlich noch nicht beantwortet, ist jetzt aber eigentlich klar. Die Gäste aus Düsseldorf, direkt neben Frechen, dürfen natürlich kostenfrei im Hof schlafen.
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  • Tag 152, 316 Km/19545 Km

    28. tammikuuta 2025, Nigeria ⋅ ☀️ 35 °C

    Nach einer schönen Verabschiedung von den Schwestern im Waisenhaus geht es früh am Morgen los, es soll ein langer Fahrtag werden. Keine fünf Minuten auf der Straße, die Sonne ist seit ca. 20 Minuten aufgegangen, liegt eine Leiche auf der Straße. Quer über beide Fahrbahnen, das Blut auf der Straße ist bereits geronnen, der Mann ist vermutlich in der Nacht überfahren worden. Niemand hält an, alle fahren drumherum, keiner kümmert sich. Vielleicht möchte aber auch niemand der Erste sein, der den Toten meldet um nicht irgendwie mit hineingezogen zu werden. Also fahren auch wir weiter, der Tote liegt mitten in einem belebten Dorf und sicherlich ist man nicht auf die zwei Europäer angewiesen, die gerade zufällig über diese Straße fahren.
    Die Checkpoints nehmen in Richtung der Grenze zu Kamerun wieder zu, fast alle sind freundlich, hier und da wird mal nach Geld oder Geschenken gefragt. Der Satz "Show me some love" soll mir sagen, dass ich doch bitte Geld abgeben möge und ist mein Highlight des Vormittags. An einem Checkpoint prüft man unsere Visa und wir plaudern über Fußball und Bayer Leverkusen, die 'tatsächlich in der letzten Saison kein einziges Mal verloren haben', wie man uns erklärt. Fußball geht in Afrika immer, selbst an kleinen Checkpoints irgendwo im Osten von Nigeria.
    Die Straße wird einsamer in Richtung der Grenzstadt Ikom, kurz dahinter liegt bereits Kamerun. Wie verlockend es doch ist, hier einfach weiterzufahren und nach Kamerun einzureisen, wohl wissend, dass hinter der Grenze die Situation noch viel schlimmer ist als davor. In Westkamerun ist seit Jahren Bürgerkrieg, die Grenze ist faktisch geschlossen und für uns sicherlich kein Durchkommen. Die Landschaft ändert sich deutlich, es sind viel weniger Fahrzeuge unterwegs und endlich wieder Bäume zu sehen. Wir biegen in Ikom auf eine kaputte Asphaltstraße ab und aufgrund der Länge und des Zustandes schlaucht das Stück ziemlich. Ich setze an zwei Stellen hart auf, lege mich schließlich sicherheitshalber einmal unters Auto und sehe, dass Öl aus der Hinterachse läuft. Ob durch das Aufsetzen oder durch Verschleiß, kann ich aktuell nicht herausfinden, sollte ich aber zeitnah.
    Die Straße wird schließlich schlechter und schlechter und endet im Nationalpark Afi Mountains, wo es ein kleines Camp direkt im dichten Regenwald gibt. Rund ums Camp gibt es mehrere Gruppen von Affen, unter anderem Schimpansen und Drills. Insbesondere die Drills mit ihrem bunten Gesäß sind ein Genuss anzuschauen. Das Camp ist zwar eingezäunt aber die Drills finden natürlich trotzdem den Weg vorbei am Elektrozaun. Was für ein großartiger Ort in den Bergen Nigerias.
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  • Tag 153, 0 Km/19545 Km

    29. tammikuuta 2025, Nigeria ⋅ ☀️ 34 °C

    Tag 2 im Nationalpark Afi Mountains, ich werde früh am Morgen von den Drills geweckt, die keine 5 Meter neben dem Auto in den Bäumen herumspringen. Was ein schöner Anblick die Primaten aus nächster Nähe zu sehen. Die Schimpansen sind eingezäunt und werden am Morgen und am Abend gefüttert und auch wenn es anders ist, als die Tiere in freier Wildbahn zu sehen ist es toll, deren Verhalten zu beobachten. Nachdem alle Affen satt sind widme ich mich mal wieder dem Auto. Die Undichtigkeit an der Achse sieht zum Glück schlimmer aus als sie ist und die Dichtung vom Achsdifferential sollte bis Südafrika halten.
    Ganz in der Nähe vom Camp gibt es einen ehemaligen Baumwipfelpfad, der mittlerweile leider eingestürzt ist. In einem der nahegelegenen Flüsse gibt es anschließend die Möglichkeit mitten im dichten Regenwald zu baden. Leider hört man die laufenden Kettensägen, die den Nationalpark stetig weniger werden lassen, Tag und Nacht. Sollte sich daran nicht bald etwas ändern, wird der Nationalpark bald nicht mehr existieren.
    Dennoch ist das Camp im Nationalpark genau das Richtige nach den letzten Fahrtagen um sich zumindest für einen Tag zu erholen.
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  • Tag 154, 0 Km/19545 Km

    30. tammikuuta 2025, Nigeria ⋅ ☀️ 34 °C

    Früh am Morgen soll es weiter gehen, es stehen noch mindestens drei lange Fahrtage an, bis wir die Grenze nach Kamerun erreichen. Ich sitze im Auto, starte Heiner, lege den Rückwärtsgang ein und fahre rund einen Meter, als plötzlich der Motor ausgeht. Im ersten Moment denke ich: 'okay, abgewürgt'. Doch so ist es leider nicht, der Motor startet nicht mehr. Mehrere Stunden suchen wir den Fehler, von Kurbelwellensensor über Steuergerät, Einspritzung bis hin zu Sicherungen und Relais wird alles im Ausschlussverfahren geprüft. Ich rufe mehrfach in Deutschland bei einem mir gut bekannten Defendermechaniker an, bekomme noch weitere Hinweise aber nach 4 Stunden bin ich eigentlich da, wo ich am frühen Morgen auch schon war: das Auto läuft nicht mehr.
    Die Lage ist nun also so, dass ich mitten im Regenwald von Nigeria stehe, zwar gut und sicher, aber es hier keine Unterstützung von Außen geben wird. Der Campbetreiber nimmt mir die Illusion, das Fahrzeug irgendwie in eine der nächsten Städte abzuschleppen und selbst wenn ich den Fehler hier finden sollte heißt das noch nicht, dass ein mögliches Ersatzteil verfügbar ist. Gegebenenfalls in Lagos, rund 20 Autostunden entfernt, aber da hab ich nichtmal einen Dieselfilter bekommen. Der einzige Mechaniker weit und breit arbeitet im Camp, hat aber leider so gut wie keine Ahnung von Autos. Sein Rat: warten bis es wärmer wird, dann springt er schon an. Schön wäre es aber die Realität ist eine andere.
    Irgendwann stelle ich mir die Frage, wie lange tut es die Batterie, wie viele Startversuche habe ich noch bis hier Ende ist.
    Während ich alles tausche, was in irgendeiner Form zum Fehlerbild passt, pinkelt einer der Affen die gerade in den Bäumen rund ums Camp herumturnen von einem der Äste auf die Windschutzscheibe. Hätte jetzt noch gefehlt, dass er 20 Zentimeter weiter vorne in den zu diesem Zeitpunkt offenen Zylinderkopf pinkelt. Vielleicht bringt es ja Glück, wer weiß. Ich wechsle den Kabelbaum der Einspritzung, tausche den Dieselfilter und die Pumpe, alle Relais und lese mit dem Diagnosegerät alle Sensoren aus die ich auslesen kann. Es gibt eine Möglichkeit, den Druck im Kraftstoffsystem zu erhöhen, auch das mache ich schließlich und nach dem gefühlt einhundersten Startversuch spüre ich plötzlich, wie der Motor mit erhöhtem Druck im Dieselkreislauf anspringen will. Er schafft es nur irgendwie nicht. Ich öffne den Rücklauf der Dieselleitung und rechne damit, dass mir Diesel entgegenkommt, tut es aber nicht. Es ist Luft im Dieselkreislauf, warum auch immer. Ich presse also die Luft heraus, versuche erneut zu starten und nach insgesamt 7 Stunden Schwerstarbeit am und unter dem Auto springt der Saunickel auf einmal mit viel georgel und weißem Rauch an. Mir fällt ein Stein vom Herzen, auch wenn er beim nächsten Startversuch wieder nicht anspringt. Irgendwie kam oder kommt Luft ins System. Es gibt ein Rückschlagventil in der Dieselleitung, welches kaputt sein könnte, auch ein Riss in irgendeinem der Dieselschläuche könnte es sein. Natürlich kann auch schlechter Kraftstoff dafür gesorgt haben, dass der Filter zu ist. Ich warte ein paar Stunden, baue dabei alles wieder in den Ursprungszustand zurück, starte Heiner erneut. Die Diva spring an, als wäre nichts geschehen. So soll es dann morgen im zweiten Anlauf endlich weitergehen, wohl wissend, dass technische Probleme auf der schwierigen Offroadpiste durch die Berge von Nigeria und Kamerun in den nächsten Tagen nicht unbedingt besser wären als hier.
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  • Tag 155, 282 Km/19827 Km

    31. tammikuuta 2025, Nigeria ⋅ ⛅ 37 °C

    Die Nacht endet für mich um 5 Uhr, es ist noch mindestens eine Stunde stockdunkel. Wir müssen uns langsam sputen, die Regenzeit rückt näher und auf keinen Fall wollen wir Regen auf der Straße in den Bergen haben. Außerdem muss meine Reisebegleitung Nigeria spätestens in 4 Tagen verlassen. Ich starte Heiner mit dem ersten Sonnenstrahl, er springt an, ich höre aber Luft durch die Dieselpumpe gluckern. So lange er anspringt, werde ich das Geräusch ignorieren, Ersatzteile hätte ich dafür vermutlich sowieso nicht dabei und sollte er noch einmal Startprobleme haben, weiß ich immerhin wo ich suchen muss.
    Es geht raus aus dem Nationalpark und irgendwann am Vormittag durch die Stadt Katsina Ala. Wir tanken die Autos randvoll, hier gibt es den letzten guten Diesel für die nächsten 1000 Kilometer. Neben den beiden Reservekanister habe ich zusätzlich noch einen 10 Liter Wasserkanister gekauft, auch dieser ist jetzt voll. Während wir tanken bildet sich eine Menschentraube von rund 50 Personen um uns, alle gucken neugierig was wir hier tun. Es gibt keinen Supermarkt mehr aber immerhin kleine Straßenstände an denen ich Obst, Wasser und Bier finde. Schließlich geht es weiter nach Takum. Die Straße zwischen Katsina Ala und Takum war bis vor einigen Jahren nur mit Polizeieskorte zu befahren, da es hier zu Entführungen gekommen ist, jetzt ist alles friedlich und wir dürfen alleine weiter. Alle Checkpoints sind super freundlich, wir werden fast immer durchgewunken. Kein einziges Mal werden wir nach Geld gefragt. Die Beamten reißen häufig beide Arme in die Luft um uns zu winken. Auf diesem Stück werden die Häuser nach und nach deutlich einfacher, die Dörfer bestehen aus mehreren Rundhütten aus Lehm, gedeckt mit Stroh. Aufgrund der vielen Schlaglöcher zieht sich die Strecke länger als gedacht, das Tagesziel werden wir nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, also suchen wir uns ein Hotel kurz hinter Takum, wo wir im Auto übernachten können. Es gibt auch ein Restaurant im Hof des Hotels und nach den vielen Stunden im Auto geht es dort zuerst hin. Die Köchin liegt auf einer Matratze und schläft, wird dann aber geweckt um etwas zu Essen zu kochen. Ich Frage nun also, was es gibt. "Endormi", ihre knappe Antwort. "Was ist das?" "Na Endormi halt. Mit Eiern." "Ja, aber was ist das? Huhn oder Gemüse oder was sonst?" Ihre Antwort: "Food".
    Gut, dann also zweimal Endormi mit Eiern. Sie kommt sogar noch einmal zurück und fragt, ob sie das Endormi mit den Eiern mischen soll. Ich weiß ja nicht, was es ist, also besser nicht. Endormi und Eier bitte separat.
    Nach einer guten Stunde gibt es........Vorhang auf: Nudeln mit Ei, beides miteinander vermischt. Leider gibt es im Hotel und auch im Restaurant keinen Strom, also gibt es nur warmes Bier - immerhin.
    Leider wird sich in den nächsten Tagen im Tagesablauf vermutlich nicht viel ändern. Wir fahren solange weiter an der Grenze zwischen Nigeria und Kamerun entlang bis wir das Bürgerkriegsgebiet in Kamerun umfahren haben. Um nicht zu weit in den Norden und damit in Richtung Boko Haram zu fahren, planen wir den ersten möglichen Grenzübergang bei Banyo zu nehmen und hier Nigeria zu verlassen. Auch wenn die Grenze seit vier Tagen immer sehr nahe war, wird es noch mindestens zwei, vermutlich eher drei Tage dauern, bis wir tatsächlich in Kamerun einreisen.
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  • Tag 156, 270 Km/20097

    1. helmikuuta 2025, Nigeria ⋅ ☀️ 29 °C

    Es geht weiter in Richtung Kamerun. Wir starten zeitig, da die Strecke nach und nach immer schlechter werden soll. Wir fahren durch die Stadt Bali, hier gibt es an einer Tankstelle tatsächlich noch einmal Diesel, also fülle ich den ersten leeren Ersatzkanister noch einmal voll. Wir kaufen auch noch einmal neues Trinkwasser, wer weiß, wie lange wir für die Straße nach Kamerun benötigen. Das Stück hinter Bali ist wunderschön, die ersten Berge tauchen auf, trockene Steppe mit einzelnen Lehmhäusern und Rinderherden, ein Traum von Afrika. Die Straße ist hier ein recht langes Stück erstklassig, also kommen wir trotz vieler Fotostopps gut voran und erreichen unser Tagesziel bereits am Mittag, wir entscheiden uns also weiter zu fahren. Die Einwohner in der Bergregion sind unglaublich freundlich, immer wieder schreit man uns 'Safe Journey' zu. Ich empfinde Nigeria als das freundlichste Land der bisherigen Reise.
    An einem der vielen Checkpoints, wir werden ausnahmsweise einmal angehalten und nicht durchgewunken, öffne ich die Seitenscheibe. Plötzlich knallt es und im ersten Moment denke ich, die Scheibe sei geplatzt. Ist sie zum Glück nicht, nur schließen kann ich sie nun auch nicht mehr. Na endlich ist wieder mal was am Auto kaputt, wurde nach 48 Stunden ja auch Zeit! Mit offenem Fenster weiterfahren ist eigentlich keine Option, alleine schon um den Staub größtenteils draußen zu lassen. Also baue ich kurz hinter dem Checkpoint die Seitenverkleidung der Tür ab. Der Endanschlag vom Fensterheber ist abgebrochen, zum Glück bekomme ich die Scheibe wieder in die Schiene hineingefummelt. Ich bin gespannt, wie oft das wohl noch passieren wird, bis ich lerne, die Scheibe nicht mehr ganz herunterzufahren.
    Am Nachmittag erreichen wir die Passstraße rauf in die Berge, die Straße wird jetzt deutlich schlechter. Schließlich suchen wir hier einen Übernachtungsplatz, fragen in einem der kleinen Dörfer auf dem Weg die Dorfältesten, doch so richtig sicher ist man sich nicht, ob man uns im Dorf übernachten lassen möchte. Als ich die Horde Kinder sehe, die sich innerhalb kürzester Zeit ums Auto ansammelt, bin ich auch nicht mehr sicher, ob ich hier bleiben möchte.
    Der Middle Belt und damit die unsichere Region von Nigeria liegt seit gestern hinter uns, somit wäre Wildcampen wieder eine Option. Der Dorfchef erklärt uns hingegen, dass es ein kurzes Stück weiter eine Naturschutzorganisation gibt, wo wir die Nacht stehen können. Die Strecke dorthin ist nur 2 Kilometer lang, wir brauchen jedoch 45 Minuten für das kurze Stück, derart schlecht ist der Straßenzustand.
    Schließlich erreichen wir das Hauptquartier der Naturschutzorganisation und tatsächlich ist der Stellplatz unfassbar schön. Mitten im dichten Wald, kühl (wir sind fast auf 2000 Meter Höhe), frei von Moskitos und dazu kostenlos. Am späten Abend bekommen wir ungefragt Essen von einer der Damen, die für die Angestellten der Organisation kocht, vorbeigebracht. Vollkommen unerwartet haben wir den für mich schönsten Stellplatz in ganz Nigeria gefunden.
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  • Tag 157, 93 Km/20190 Km

    2. helmikuuta 2025, Nigeria ⋅ ⛅ 30 °C

    Die Nacht ist eiskalt, zum ersten Mal seit Reisebeginn fällt das Thermometer unter Null. Heizung, Decken, warme Kleidung, alles wird gebraucht. Am nächsten Morgen soll es nun also losgehen, die schwierigste Piste zwischen Düsseldorf und Kapstadt wartet. Die Straße war früher eine Schmugglerroute, mittlerweile gibt es einen kleinen Grenzposten ungefähr auf der Hälfte der Strecke. Insgesamt warten ungefähr 120 Kilometer schwieriges Terrain auf uns. Tatsächlich sind die ersten 10 Kilometer nicht besonders herausfordernd, danach ändert sich der Zustand der Piste. Es wird schwierig, es ist jedoch nicht die anspruchsvollste Straße der bisherigen Reise. Es gab schwierigere Straßen in Mauretanien und auch in Sierra Leone. Auch wenn wir nur sehr langsam vorankommen, ist die Straße traumhaft zu fahren, vielleicht eine der schönsten bislang. Tiefe Täler, hohe Berge, immer wieder Viehherden am Straßenrand. Über viele Stunden sehen wir kein Dorf, keinen Checkpoint, fast keine Menschen. Die Piste ist staubig und innerhalb kürzester Zeit ist alles im Auto versaut, der Staub kriecht in jede noch so kleine Ritze.
    Wir erreichen am Nachmittag so ziemlich die einzige Stadt auf der Strecke, Mayo Ndaga, rund 500 Wellblechhütten durchzogen von der staubigen Straße. Ich frage beim Militär, ob wir vor dem Camp übernachten können, doch gut findet der Chef diese Idee nicht. Wir sollen lieber bei der Polizei fragen, sagt er. Die Polizeistation sieht alles andere als einladend aus, viel Trubel auf den Straßen und steil am Berg gebaut. Also fahren wir am späten Nachmittag noch ein Stück weiter und finden keine 5 Kilometer hinter der Stadt einen wunderschönen Stellplatz mit Blick ins Tal. Der Stellplatz ist leider direkt von der Straße einsehbar, aber es ist nach wie vor fast niemand unterwegs, also bleiben wir die Nacht hier. Eine warme Nacht wird es sicherlich auch heute nicht, schon kurz vor Sonnenuntergang fällt das Thermometer wieder auf knappe 10 Grad. Die Außendusche mit kaltem Wasser zu nutzen ist am Abend eine alternativlose Herausforderung, der Staub muss vom Körper runter.
    So ist dies voraussichtlich die letzte Nacht in Nigeria. Nigeria empfinde ich, vor allem westlich des Nigers, als hartes, dreckiges und gesetzloses Land. Je weiter es für mich in den Osten ging, umso schöner, sicherer und freundlicher wurde es. Es ist schon ein bisschen schade, morgen weiter nach Kamerun zu fahren und nach Guinea bin ich mir zum zweiten Mal auf der Reise sicher: irgendwann, werde ich noch einmal herkommen.
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  • Tag 158, 65 Km/20255 Km

    3. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ 🌙 25 °C

    Es geht weiter in Richtung Kamerun. Die Grenze ist noch 20 Kilometer entfernt, die Piste in diesem Stück etwas besser, also kommen wir ausnahmsweise gut voran. Schon nach einer Stunde sind wir in der letzten Stadt von Nigeria. In einem kleinen Holzverschlag sitzen mehrere Männer, einer davon tauscht Naira gegen Franc. Ich gebe ihm also die Plastiktüte mit dem Stapel Geldscheinen, der noch immer rund 20 Zentimeter hoch ist und er mir im Gegenzug sieben Scheine der Währung Kameruns. Endlich passt das Geld wieder ins Portemonnaie.
    An der winzigen Grenze ist überhaupt nichts los, niemand außer uns ist anwesend. Kurzer Small-Talk, alles wird gestempelt, raus aus Nigeria. Nach rund 5 Kilometern die erste Stadt Kameruns, hier darf der Zoll aber die Papiere für das Auto nicht stempeln. Die Einfuhr erfolgt in der nächsten großen Stadt, 4 Autofahrstunden entfernt. Auch die Polizei hat keinen Stempel. Während Corona hat man allen Grenzstationen die Einreisestempel abgenommen und diese Grenze ist so winzig, dass der Stempel bislang nicht zurückgekommen ist. Also kein Stempel im Pass und kein Stempel im Carnet.
    Der Weg bis zur ersten Stadt, die als Stadt bezeichnet werden kann, ist leider richtig schlecht, der schlechteste Teil der Piste. Insbesondere der Staub ist hier extrem, ich glaube noch nie an einem solch verstaubten Ort gewesen zu sein. Der feine Staub liegt rund 10 Zentimeter auf dem harten Felsen und beim darüberfahren fliegt der Staub in alle Richtungen. Kilometerweit, stundenlang. Ohne Klimaanlage kann ich die Fenster unmöglich geschlossen lassen, also finde ich mich einfach damit ab, das Auto in den kommenden Tagen wieder einmal gründlich reinigen zu müssen.
    Wir erreichen schließlich Banyo, gehen zuerst zum Zoll und lassen das Carnet abstempeln. Auch hier läuft alles korrekt und ohne Probleme. Die Versicherung, die ich seit Ghana habe, gilt für Kamerun nicht mehr, also muss ich zuerst eine Versicherung für das Auto finden, bevor es weitergeht. Die einzige Versicherungsagentur in der ganzen Stadt hat glücklicherweise geöffnet, es sitzt eine einzelne Dame an einem unordentlichen Schreibtisch. Dann beginnt das Spektakel. Sie braucht alle Unterlagen, die ich irgendwie dabei habe. Selbst die Übersetzung für den Fahrzeugschein, diese hat bislang noch nie jemand benötigt. Dann wird zunächst alles im Detail durchgelesen und schließlich werden alle Daten mit einem Finger, Buchstabe für Buchstabe in den Computer eingetragen. Nach jedem Buchstaben wird eine kurze Pause gemacht und hin und wieder wird für ein paar Sekunden aus dem Fenster geschaut. Die Dame möchte wissen, an welchem Ort ich meine Führerscheinprüfung gemacht habe und welche Nummer die Zulassungsstelle hat. Als ob das irgendjemand hier in Afrika interessiert. Ich sage ihr einfach irgendetwas, das wird dann schließlich eingetragen. Dann wird, nachdem alles irgendwann fertig eingetragen wurde, alles noch einmal kontrolliert und dann ausgedruckt. Anschließend wird der Ausdruck noch mit dem Bildschirm verglichen. Sicher ist sicher. Siebenmal wird meine Versicherung ausgedruckt und mir zur Unterschrift hingelegt, ein Exemplar bekomme ich, die anderen sechs werden auf einen der unzähligen Berge von Papier gelegt, die sich an den Wänden des Büros auftürmen. Zwei Stunden später ist das Auto endlich versichert. Mittlerweile ist es so spät am Nachmittag, dass wir nicht mehr weiterfahren können, also steuern wir eines der Hotels in der Stadt an. Auf Hotelparkplätzen im Auto zu schlafen ist für mich mittlerweile der 'Place-to-be'. Im Restaurant gibt es Hühnchen und frittierte Banane. Was eine gelungene Abwechslung zu Nudeln mit Ei.
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  • Tag 159, 114 Km/20369 Km

    4. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ☀️ 36 °C

    Bevor es am frühen Morgen weitergeht, fülle ich beide Ersatzkanister in den Tank. Die letzte Tankstelle gab es vor vielen hunderten Kilometern und der Verbrauch ist auf der Offroadpiste deutlich höher gewesen, wenn alles gut läuft komme ich mit dem jetzt fast vollen Tank gerade so bis Yaounde, der Hauptstadt Kameruns. Die erste 'richtige' Tankstelle, die dann auch Diesel hat wird es vermutlich erst dort, in mehr als 600 Kilometern geben.
    Die Straße auf dem weiteren Weg in Richtung Süden bleibt schlecht, die Landschaft ist schön, aber sehr eintönig. Staub wechselt sich mit Schlaglöchern und Wellblech ab, die einzige Abwechslung auf diesem Stück. Zum Glück habe ich das Auto gestern nur oberflächlich sauber gemacht, der Staub ist wieder überall. Mittlerweile gibt es links und rechts der Straße dichten Bewuchs, die Pflanzen die direkt an der Straße wachsen sind alle tot. Der Staub legt sich dermaßen auf die Blätter, dass kein Sonnenstrahl mehr zur Pflanze durchdringt und fast alles im Abstand von rund 10 Metern links und rechts der Straße abgestorben ist. Auch wenn die Piste nicht besonders anspruchsvoll ist, hätten Heiner und auch ich nichts gegen Asphalt, aber da müssen wir uns wohl noch einen Tag gedulden. Seit Nigeria stelle ich fest, dass die Leute etwas unfreundlicher geworden sind. Winken wird nicht mehr überall erwidert, auch werden nicht mehr vor Freude über die Touristen beide Arme in die Luft gerissen, es wird eher skeptisch geguckt.
    Auf halber Strecke steht eine Schule direkt an der Straße, die Kinder spielen gerade Fußball auf dem Hof. Wir fragen einen der Lehrer, ob wir die Schule besichtigen dürfen und umringt von Kindern und Lehrern, die gleichermaßen Interesse an uns zeigen, werden wir durch die zwei vorhandenen Räume geführt. Alle wollen fotografiert werden und sind neugierig, wie Schule in Europa funktioniert.
    Schließlich erreichen wir irgendwann nach einem zähen Fahrtag die Stadt Tibati und den Asphalt. Damit ist der schwierige Teil der Strecke bis Südafrika abgeschlossen, bevor der erste Regentropfen fällt. Die letzten 300 Kilometer bei Regen fahren zu müssen, daran hätte ich gar nicht denken wollen. Zumindest bis Brazzaville, der Hauptstadt Kongos soll es nun keine schlechten Straßen mehr geben. Die überstandene Piste feiern wir am Nachmittag. Es gibt eine Autowäsche für Heiner und ein kaltes Bier für mich. Das haben wir beide uns verdient.
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  • Tag 160, 455 Km/20834 Km

    5. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ⛅ 31 °C

    Wir fahren kurz nach Sonnenaufgang weiter in Richtung Süden. Ich suche vor Abreise noch eine Tankstelle, es gibt jedoch nur Buschtankstellen und diese haben alle keinen Diesel. Die nächste Tankstelle ist 400 Kilometer entfernt, müsste gerade so reichen. Es ist noch kühl, nachts fällt die Temperatur weiterhin in den einstelligen Bereich und die Straßen sind fast komplett menschenleer. Mit dem Licht, der kühlen Luft und der guten Straße ist es ein wunderbares Gefühl durch Afrika zu fahren. Die Straße in Richtung Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, ist erst letztes Jahr fertig geworden und somit brandneu, welch ein Kontrast zu den letzten Tagen. Die Straße ist ein Genuss zu fahren, kein Schlagloch, keine Kontrollen, links und rechts dichter Urwald mit dicken Bäumen, die meterhoch in den Himmel wachsen. Für mich persönlich der bislang mit Abstand schönste Teil zwischen Düsseldorf und Kapstadt. Die kleinen Dörfer links und rechts neben der Straße sind noch ein stückweit ärmlicher als zuvor, oft nur aus Palmenblättern oder Stroh gebaut. Ich frage mich, wie man zur Regenzeit in diesen Hütten wohl leben kann. Immer wieder sehen wir LKW mit dicken Holzstämmen auf der Straße, oft sind die Stämme mit chinesischen Schriftzeichen markiert. Nach vielen Stunden im Auto erreichen wir die Stadt mit dem wunderschönen Namen Nachtigall und einen weiteren Meilenstein der Reise, wir überqueren den mächtigen Sangha-Fluss, der Kamerun in Nord und Süd aufteilt.
    Mit den letzten Tropfen Diesel erreiche ich nach mehr als 4 kompletten Fahrtagen die erste Tankstelle kurz vor Yaoundé, die glücklicherweise auch Diesel hat. Der Tankwart fragt mich, ob ich ihm ein Bier geben könnte. Er bekommt eine Cola aus dem Kühlschrank - kein Alkohol am Arbeitsplatz.
    Wir erreichen Yaoundé am späten Nachmittag, es wird voll und hektisch, kilometerlange Staus schon vor der Stadt. Um uns das größte Chaos für morgen aufzubewahren, fahren wir vor dem Zentrum von der Hauptstraße ab und zu einer Kirche, wo wir die Nacht im Auto verbringen können. Ich glaube ich war in Afrika in mehr Kirchen als in meinem gesamten Leben zuvor, Kirchen sind hier oft gute Übernachtungsplätze, häufig umzäunt und bewacht - so auch hier. Der Oberpriester empfängt uns, ins Bett haben wir um 20:30 zu gehen. Falls wir das nicht möchten, können wir gerne vor dem Tor parken. Hier herrscht noch Ordnung!
    Kaum steht das Auto, höre ich Donner in der Ferne. Kurze Zeit später ist sie dann da, als hätte sie darauf gewartet, dass wir über die Staubpiste hinweg sind: die Regenzeit. Ich kann es kaum glauben, aber es schüttet. Der erste Regen seit genau 118 Tagen. Auch wenn dies erst die Anfänge der Regenzeit sind und es noch nicht jeden Tag 24 Stunden lang Dauerregen geben wird, wird der Regen in den kommenden Wochen für eine vollkommen andere Reise sorgen.
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  • Tag 161, 9 Km/20843 Km

    6. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ☀️ 33 °C

    Es gibt mal wieder einen Orga-Tag, vor allem die Wäsche ist fällig. Jedes Teil ist einfach vom roten Staub eingesaut. Direkt an der Kirche gibt es eine Wäscherei, die die Kutten der Mönche wäscht und für 5€ stopfen die beiden Damen meine Wäsche mit in eine der Trommeln. Ich fahre anschließend zu einem Supermarkt in der Stadt, auch hier wird es höchste Zeit neu aufzustocken. Der Supermarkt ist wie leergefegt und als ich die Preise sehe, weiß ich auch wieso. 15€ für ein Sixpack Wasser, wer von den Einwohnern kann sich solche Preise leisten. Da ich keine Lust habe, für Obst und Gemüse mehr als den 20-fachen ortsüblichen Preis zu zahlen, halte ich auf dem Rückweg noch bei einem kleinen Markt. Es gibt unter anderem rote Bananen, habe ich in meinem Leben erst ein einziges Mal vor vielen Jahren in Mexiko gegessen.
    Weil es am Kloster ruhig und sicher ist, bleibe ich eine weitere Nacht und bin am Nachmittag mit etwas beschäftigt, was es schon sehr lange nicht mehr gegeben hat: Nichtstun.
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  • Tag 162, 67 Km/20910 Km

    7. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ⛅ 29 °C

    Der zweite Tag in Yaoundé ist gekommen und heute steht mal wieder ein Behördengang an. Ich habe noch immer keinen Einreisestempel und auch kein Visum im Pass, aktuell habe ich nur den Ausdruck des bereits vor Wochen beantragten e-Visums. Ich muss also zum Flughafen nach Yaoundé und hier das Visum in den Pass geklebt bekommen. Da der Flughafen am anderen Ende der Stadt liegt, geht es durch den dichten Verkehr in Richtung Süden. Yaoundé reiht sich, was volle Straßen und Chaos angeht, in die Liste der anderen großen Städte Afrikas wie Dakar, Freetown oder Abidjan ein, es gibt einfach viel zu viele private Taxi, die dazu im dichten Verkehr immer wieder einfach anhalten, losfahren, überholen, so wie es die Fahrgäste gerade benötigen. Jeder macht einfach das, was er will. Aggressives Hineinfahren in eine volle Kreuzung hilf auch hier, ist die Straße voll muss man einfach losfahren, irgendeine Lücke tut sich schon auf. Die Hupe schlägt die grüne Ampel.
    Am Flughafen angekommen wird ersteinmal das Auto von innen und außen kontrolliert, ob irgendwas verbotenes an Bord ist. Anschließend gebe ich meinen Personalausweis ab und erhalte einen Sicherheitspass für das Terminal. Weiter durch die Personenkontrolle und den Scanner, schließlich an den Schalter an dem ich Fingerabdrücke und Fotos abgeben kann um schließlich mein Visum zu erhalten. Alle sehr freundlich, alles sehr schnell. Ich frage bei der Polizei im Terminal, ob man den Pass stempeln kann. "Wieso hast du keinen Stempel im Pass?" fragt der Beamte mich. "Ich bin mit dem Auto eingereist und an dem kleinen Grenzposten gab es keinen Stempel." meine Antwort. Er prüft wortlos meinen Pass, auch die Autopapiere die ja mittlerweile einen Stempel haben, schließlich stempelt er ohne weiter nachzufragen auch meinen Pass. Ich verlängere im Flughafen meine SIM-Karte, tanke das Auto und die beiden Kanister wieder randvoll, fahre mit meiner Reisebegleitung zum Ölwechsel, hole Bargeld bei der Bank, schließlich ins Restaurant. Anschließend wieder durch den zähen Verkehr zurück zur Kirche.
    Der Oberpriester empfängt uns nun schon den dritten Tag, will uns aber morgen loswerden. "Um 08:00 Uhr gibt es eine Hochzeit in der Kirche. Bis dahin müsst ihr hier verschwunden sein!" sagt er mehr als deutlich. Schade, mitten in der Hochzeitsgesellschaft zu Campen hätte sicherlich auch etwas gehabt. Vielleicht hätte ich mich am Morgen auch am Buffet bedienen dürfen, wer weiß.
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  • Tag 163, 273 Km/21183 Km

    8. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ⛅ 33 °C

    Bevor die Hochzeit an der Kirche am frühen Morgen beginnt, packe ich ein, verabschiede mich von meiner Reisebegleitung und fahre alleine raus aus Yaoundé und rein nach Douala. Hört sich einfach an aber schon das Verlassen von Yaoundé dauert zwei Stunden. Normalerweise recherchiere ich vor jeder Stadt die 'bösen' Viertel und versuche nicht hineinzufahren aber der Stau ist einfach so dicht, dass ich an einer Stelle falsch abbiege und plötzlich in einem der härteren Viertel von Yaoundé fahre. Solange der Verkehr rollt habe ich damit kein Problem, aber so ist es leider nicht. Ich stehe nach kurzer Zeit und bin nach rund einer Stunde ohne Zwischenfälle durch den dichten Stau wieder auf einer der großen Straßen, lediglich an die Seitenscheiben wurde geschlagen. Nach Douala gibt es ebenfalls einen brandneuen, vierspurigen Highway, mitten durch den Regenwald. Auf der Straße begegnet mir pro Stunde rund ein weiteres Fahrzeug. Der Highway ist irgendwann zu Ende, es geht auf der Landstraße weiter. Die Temperaturen steigen deutlich, es ist wieder über 30 Grad warm. Auf der Landstraße gibt es wieder unzählige Kontrollen, fast alle halten mich an. Wird mein Lächeln und mein Winken nicht erwidert weiß ich direkt, dass es spannend wird. An einer Stelle möchte man die Papiere sehen, dann den Feuerlöscher und das Warndreieck. Der super unfreundliche Polizist nimmt sein Gewehr von der Schulter in die Hand und läuft um das Auto, bisher habe ich ihm keinen Anlass dazu gegeben. Er reklamiert die getönten Scheiben im Heckbereich und das ist mein Zeichen plötzlich kein Französisch mehr zu sprechen. "Je ne comprends pas" als Antwort auf jeden Satz. Mangels Englischkenntnisse seinerseits ist keine Konversation mehr möglich, lediglich den letzten Satz, dass ich weiterfahren darf, verstehe ich dann irgendwann.
    Douala taucht schließlich auf, was sich mit dichtem Stau bemerkbar macht. Zwei Spuren, eine in jede Richtung und auf jeder Spur mindestens zwei Fahrzeuge nebeneinander, auf dem Mittelstreifen ein weiteres Fahrzeug, welches zickzack Mal in die eine Richtung, mal in die Andere fährt. Auf dem staubigen Seitenstreifen noch eine weitere Fahrzeugreihe. An einer Stelle sehe ich im Gegenverkehr einen Tuktukfahrer dösen, er schließt nicht sofort die Lücke nach vorne. Ein Polizist eilt herbei und schlägt dem Motorradfahrer mit der flachen Hand ins Gesicht. *Zack*, so jetzt wird gefälligst weitergefahren.
    Auch in Douala wird, wie in Lagos, der Müll in die Vororte gefahren und irgendwann angezündet, allerdings nicht so viel wie in Lagos. Dichter schwarzer Rauch wabert trotzdem durch die Randbezirke.
    Ich erreiche irgendwann das reservierte Hotel, Heiner passt nicht in die Garage und muss zwangsläufig an der Straße stehen. Das gefällt weder ihm noch mir, also sage ich an der Rezeption, dass ich die Reservierung storniere falls man keinen sicheren Ort für das Auto findet. Nach einer Stunde schafft man es, ich parke zwei Meter vor der Hoteleingangstür direkt neben dem Security.
    Ich hätte Douala gerne ausgelassen, aber habe mich hier für den kommenden Tag mit meiner langjährigen Freundin Clarisse verabredet. Hoffentlich wird es die letzte große, chaotische Stadt in Afrika bis Angola sein.
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  • Tag 164, 0 Km/21183 Km

    9. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ☁️ 32 °C

    Am Vormittag treffe ich Clarisse. Clarisse wohnt in Douala und ist hier geboren, die Stadt mit einer Einheimischen zu besichtigen ist für mich sehr angenehm, ich muss einfach nur hinterherlaufen und mich um nichts selber kümmern.
    Ich treffe Clarisse an der einzigen wirklichen touristischen Sehenswürdigkeit die Douala zu bieten hat, dem Kunstmuseum. Das Museum hat geschlossen, also einigen wir uns darauf direkt ins Restaurant zu gehen. Die einheimische Küche kam in den letzten Wochen deutlich zu kurz und ich bitte Clarisse darum, mit mir an einen Ort zu fahren an dem es typisches kamerunesisches Essen gibt. Mit dem Taxi geht es nach Bonamoussadi, dem Ausgehviertel von Douala. Clarisse sucht ein nettes kleines Restaurant aus in dem es Gerichte wie Kati-Kati, Ndole und Eru gibt. Sagt mir alles nichts aber Clarisse macht das schon. Für mich gibt es Ndole, das berühmteste Gericht Kameruns, eine Mischung aus Erdnüssen und Blättern untermengt mit geräuchertem Fisch und Garnelen. Clarisse bestellt Eru, getrocknete Kuhhaut gemischt mit Blättern und Couscous. Wir ziehen anschließend weiter, unbedingt soll ich einen Straßenkebab probieren. Auch wenn ich durch die Erdnusssauce schon ziemlich satt bin, passt der Kebab noch rein. Das Essen schmeckt gut und ist eine gute Abwechslung zu den letzten Wochen.
    Kurz vor Sonnenuntergang ist die Food-Tour beendet und ich 'rolle' im Taxi nach Hause. Es ist Sonntag, die Straßen einigermaßen frei. Vor uns fahren die üblichen Mototaxis, dichtes Gewusel ohne richtigen Stau. Auf einem der Motorräder sitzen drei Personen, nichts ungewöhnliches. Plötzlich beschleunigt eines der anderen Motorräder deutlich und der hinter dem Fahrer sitzende Beifahrer entreißt der Frau auf dem Motorrad mit den drei Personen die Handtasche. Die Handtasche verschwindet schnell in einer weiteren Tasche und bevor irgendjemand reagieren kann sind die beiden Typen, beide um die 20 Jahre und mit Basecap tief ins Gesicht gezogen in einer der Gassen verschwunden. Der Taxifahrer erklärt mir anschließend, dass Handtaschendiebstahl hier nicht verfolgt wird und er solche Situationen schon viele Male gesehen hat. Liest man die Kriminalitätsstatistik von Douala und Yaoundé, stimmt die Aussage vermutlich leider.
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  • Tag 165, 203 Km/21386 Km

    10. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ☀️ 30 °C

    In Kamerun ist heute und morgen Feiertag, was zur Folge hat, dass ich relativ entspannt aus dem Stadtzentrum von Douala herauskomme. Staus gibt es so gut wie keine, allerdings ist der Smog am frühen Morgen schon bzw. noch ziemlich dicht, es ist ziemlich diesig. Kurz hinter Douala biege ich in Richtung Kribi ab, mein Tagesziel für heute. Direkt am ersten Checkpoint hält man mich an. Der Beamte kommt mit meinen Dokumenten nicht klar und holt seinen Chef. Dieser merkt leider direkt, dass ich nur die Kopien von Pass, Führerschein und Fahrzeugschein rausgegeben habe, also verlangt er nach den Originalen. Keine gute Entwicklung, die Originaldokumente gebe ich eigentlich nie heraus, aber hier besteht man drauf. Anschließend bemängelt er, dass mein Fahrzeugschein nicht auf französisch ist, also gebe ich ihm auch die Übersetzung bzw. den internationalen Fahrzeugschein. Er sieht das Datum der nächsten Hauptuntersuchung (03/2023) und wirft mir vor, ohne HU unterwegs zu sein. Die aktuelle HU ist auf der Rückseite handschriftlich mit Stempel der Behörde eingetragen, aber die akzeptiert er nicht. Ich gebe ihm also den TÜV-Bericht und dieser ist natürlich auch nicht auf französisch, also akzeptiert er diesen auch nicht. Plötzlich fragt er, ob ich jemanden bei der deutschen Botschaft in Douala kenne. "Nein, wieso?" antworte ich. Jetzt wirft er mir vor, ich wäre meiner Pflicht nicht nachgekommen, mich direkt bei der Botschaft meines Landes zu melden. Eine solche Pflicht kenne ich nicht und diese gibt es ganz sicher auch nicht. Es ist unfassbar, welche Kreativität man zum Teil an den Kontrollen erfährt und welche nicht existierenden Gesetze man sich hier schnell neu ausdenken kann.
    Es folgt eine zehnminütige Diskussion über korrekte bzw. nicht korrekte Dokumente und ich rechne schon damit, hier noch lange stehen zu müssen, als er mir irgendwann widerwillig und einzeln meine Dokumente zurückgibt. Die Polizeikontrollen in Kamerun sind bislang sehr zäh, fast nie wurde ich einfach durchgewunken und ständig gibt es irgendwelche fadenscheinigen Behauptungen über irgendetwas was 'strengstens verboten' ist.
    Irgendwann nach dem Checkpoint bemerke ich ein Fahrzeug hinter mir, welches mir schon relativ lange folgt. Der mir folgende Hummer hat rundum getönte Scheiben und macht keine Anstalten zu überholen, egal wie langsam ich fahre. Beschleunige ich, beschleunigt er auch. Ich fahre schließlich nach ungefähr 30 Minuten rechts ran, deute ihm an, dass er mich überholen soll, doch auch er fährt rechts ran. Ich fahre ein kurzes Stück, halte wieder an, so auch er. Schließlich rollt er mit Schrittgeschwindigkeit neben mich und öffnet die Seitenscheibe. Ich sehe einen schwarzen Mann am Steuer, eine weiße Frau auf dem Beifahrersitz. Die Frau fragt mich auf französisch, ob ich Marvin bin. Ich hätte mit Raub, Entführung oder dem Präsidenten gerechnet aber sicherlich nicht damit, dass zwei wildfremde im Urwald von Kamerun plötzlich meinen Namen kennen. Dieser hat sich aber offenbar herumgesprochen und so wussten die beiden von einem blauen Defender und einem Deutschen namens Marvin von irgendwelchen anderen Reisenden. Wir plaudern kurz, machen ein paar Selfies und anschließend geht jeder seines Weges.
    Ich komme in Kribi an und weiß von einem Hotel am Strand, welches die Übernachtung im Auto zulässt. 5 Minuten vor Ankunft wieder ein Checkpoint, natürlich werde ich wieder angehalten. Führerschein, Fahrzeugschein (jeweils mit Übersetzung), Pass, Carnet de Passage, Nachweis der Gelbfieberimpfung, Nachweis der Coronaimpfung. Der Polizist findet nichts zum Beanstanden und will nun ins Auto schauen. Ich muss alle Schränke öffnen, anschließend will er noch den Feuerlöscher sehen. Es bleibt korrekt und ohne Frage nach einer Zahlung für irgendetwas, die Kontrollen sind trotzdem zeitraubend und kosten jedes Mal 10-15 Minuten.
    Das Hotel bietet keinen schönen Schlafplatz und es ist ziemlich voll, schließlich ist Feiertag. Für eine Nacht wird es allerdings wohl gehen.
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  • Tag 166, 313 Km/21699 Km

    11. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ☁️ 30 °C

    Am Abend regnet es mehrfach und den Plan, am Morgen weiter in Richtung Republik Kongo zu fahren verwerfe ich noch in der Nacht. Es gibt eine Verbindung zwischen Kribi und der Republik Kongo, ziemlich nah an der Grenze zu Gabun und Äquatorialguinea, die Straße ist aber in schlechtem Zustand. Bei Regen soll die Straße unbefahrbar sein und ich habe sicherlich kein großes Interesse daran, alleine und ohne Empfang mitten in einer schlammigen Urwaldpiste stecken zu bleiben. Also muss ich wieder zurück nach Yaoundé, ein Umweg von 250 Kilometern.
    Ich bin morgens wie üblich früh wach und besichtige vor Abfahrt noch die Lobe-Wasserfälle. Die Besonderheit: die Wasserfälle stürzen direkt ins Meer. Tatsächlich habe ich erst ein einziges Mal einen ähnlichen Wasserfall auf den Färöer Inseln gesehen. Der Strand ist noch menschenleer und ich frage einen der Fischer, ob er mich mit seinem Boot für ein paar Euro an den Wasserfall fährt, was er dann auch tut. Die Lobe-Wasserfälle sind ein absolutes Highlight in Kamerun und ich bin froh, den Umweg hierher gemacht zu haben.
    Schließlich mache ich mich auf den Weg zurück in die Hauptstadt Kameruns. Die Straßen sind ziemlich leer, es ist noch immer Feiertag, also haben die Polizisten nichts zu tun und halten mich auch heute wieder regelmäßig an. Pro Stunde Fahrzeit kalkuliere ich 15 Minuten Zeit am Checkpoint, was in Kamerun leider dann auch der Realität entspricht.
    Schließlich folgt eine Kontrolle, bei der ich schon von weitem den korpulenten Polizisten seine Pfeife in den Mund nehmen sehe, er springt anschließend auf die Fahrbahn und hält mich an. Er nennt mich 'Amigo', fragt nach den üblichen Dokumenten. Natürlich sind alle Dokumente korrekt, also bin ich gespannt, was als nächstes kommt und welche ausgedachten Regeln wir heute so im Angebot haben. Zuerst geht es wieder einmal um die getönten Scheiben im Heckbereich, das geht so nicht! Nach fünfminütiger Diskussion sieht er ein, dass seine Argumente ins Leere laufen. Er geht dreimal ums Auto und wirft mir nun vor, ich hätte keine Reflektorstreifen am Heck. Ich bin mir sicher, dass dies nur für LKW und Taxis vorgeschrieben ist aber er ist der Meinung, ich bräuchte unbedingt diese Reflektorstreifen. "So, das kostet jetzt 5000 Franc (7.50€)" Um zukünftig hier keine offene Flanke mehr zu bieten, nehme ich mir vor, die Reflektorstreifen für ein paar Cent irgendwo zu kaufen. Ich diskutiere noch ewig über die 5000 Franc aber er besteht auf die Strafe. "Gut, dann schreib mir ein Ticket, dann zahle ich die Strafe bei der Bank." Der Polizist hat nichtmal einen Stift, um irgendwas auf einen nicht vorhandenen Strafzettel zu schreiben, also sagt er mir, ich kann nur bar zahlen - natürlich. Tja, Bargeld habe ich keins, zum Beweis zeige ich ihn das tatsächlich leere Portemonnaie. Er wird sauer, fragt mich ziemlich angefressen wie er denn jetzt heute Abend sein Bier bezahlen soll...? "Ich habe eine Dose Bier im Kühlschrank. Dann will ich aber nichts mehr von irgendeiner Strafe hören." Die kalte Dose Bier ist nun viel interessanter als die 5000 Franc, es ist ja schließlich auch schon 11:00 Uhr am Vormittag. Ich schenke ihm also die Dose Bier, die er direkt am Seitenfenster aufreißt und fast in einem Zug austrinkt. Wir plaudern anschließend noch kurz über dies und das, lachen hier und da während er mit der Bierdose im offenen Fenster wie an einer Theke lehnt, schließlich darf 'Amigo' weiter.
    Bis nach Yaoundé folgen weitere Kontrollen, allerdings in kleinerem Kaliber. Auch der Verkehr bleibt einigermaßen entspannt, Feiertag sei Dank. Ich parke wieder an der mir bekannten Kirche und werde morgen früh weiter in den Süden in Richtung Republik Kongo aufbrechen.
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  • Tag 167, 123 Km/21822 Km

    12. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ☁️ 33 °C

    Ich quäle mich final raus aus Yaoundé, der Stau ist am frühen Morgen schon ziemlich dicht und das übliche Chaos bricht aus. Ich brauche rund zwei Stunden um aus der Stadt herauszukommen. Die Polizei ist auf dem Weg in den Süden deutlich entspannter als auf der Tangente zwischen Yaoundé und Douala, die Kontrollen dauern oft nur ein paar Minuten, manchmal werde ich tatsächlich durchgewunken. Eine sehr schöne Abwechslung zu den letzten Tagen. Nach rund zwei Stunden Fahrzeit biege ich auf eine einfache Erdpiste ab, die mitten durch den dichten Urwald geschlagen wurde. Die Piste endet am Fluss Nyong, dem nach dem Sangha zweitgrößten Fluss Kameruns. Am Fluss frage ich einen der lokalen Fischer, ob man mich mit einem der dort liegenden Boote ein Stück den Fluss hochfahren kann, hier steht der größte Baum von Kamerun, angeblich 1150 Jahre alt. Wir machen einen Preis aus, ich bestelle für die Rückkehr Fisch mit frittieren Bananen in einem lokalen, kleinen Restaurant. Schließlich werde ich auf einem ausgehöhlten Baumstamm zwei Stunden den Fluss hinaufgepaddelt. Der dichte, unberührte Wald geht hier bis unmittelbar an das dunkle Wasser, einzelne Fischer sind damit beschäftigt etwas zu fangen. Der Ort ist wunderschön und auch der große Baum, den wir schließlich erreichen ist etwas ganz besonderes. Die Einheimischen verehren den Baum als Heiligtum, niemand darf ihn fällen. Wir paddeln zurück, ich gehe ins Restaurant und der bestellte Fisch ist mittlerweile fertig. Es gibt Wels, der ohne vorher ausgenommen worden zu sein auf den Grill geworfen wurde. Das Fleisch ist super fettig und die noch blutigen Eingeweide, die mir immer wieder entgegenkommen sind auch nicht wirklich appetitlich. Ich bin mir sicher, dass die Einheimischen die bitteren Eingeweide ebenfalls essen, ich esse so gut ich kann drumherum.
    Ich fahre anschließend noch ein kurzes Stück weiter, mitten im Wald gibt es eine Ecolodge, die mich gegen ein Abendessen im wirklich unfassbar schönen Restaurant kostenfrei übernachten lässt. Das Essen ist glücklicherweise deutlich besser als noch am Nachmittag.
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  • Tag 168, 189 Km/22011 Km

    13. helmikuuta 2025, Kamerun ⋅ ⛅ 32 °C

    Es geht weiter in Richtung Republik Kongo. Die gut ausgebaute Teerstraße wird zunehmend einsamer, es sind mittlerweile kaum noch Fahrzeuge unterwegs. Es wird schnell immer grüner, der Urwald geht auch hier bis unmittelbar an die Straße heran. Zwischendrin gibt es immer mal wieder einfachste Behausungen aus Holz und Lehm, hin und wieder leuchtet eine Energiesparlampe am Hauseingang. Ab und an gibt es einen Checkpoint, alle bleiben korrekt. Davon abgesehen gibt es nichts außer der Straße und dem Wald. In den einzelnen Dörfern auf dem Weg gibt es manchmal eine Kirche am Straßenrand, die Kirchen sind im Gegensatz zu den Häusern fast immer in gutem Zustand. An der Straße verkaufen die Einheimischen stellenweise gejagtes Buschfleisch von irgendwelchen Tieren die sie gerade erlegt haben. Die Entwaldung und die illegale Jagt setzen auch hier der Natur ziemlich zu. Trotzdem ist die Strecke traumhaft zu fahren, die Nord-Süd Tangente durch Kamerun bleibt für mich auch in diesem Abschnitt die bislang schönste Strecke Afrikas.
    Die Republik Kongo ist mehr als eine Tagesreise entfernt, also suche ich mir rund 200 Kilometer vor der Grenze am Nachmittag einen Übernachtungsplatz. Von der kaum befahrenen Straße zweigt ein kleiner Pfad auf eine große Lichtung ab. Ich fahre hinein und finde einen traumhaften Stellplatz direkt am dichten Regenwald. Rund 300 Meter weiter den Pfad entlang steht ein einzelnes Haus, ich steige aus dem Auto und gehe zu Fuß dorthin. Ein älterer Mann sitzt oben ohne auf der einfachen Veranda, ich grüße ihn freundlich und er mich freundlich zurück. Ich frage ihn, ob er etwas dagegen hat, dass ich auf der Lichtung übernachte. Er hat nichts dagegen, zeigt mir sogar noch die beste Ecke und geht dann zurück auf seine Veranda. Die Geräusche des Waldes, der Insekten, der Vögel ist unbeschreiblich. Leider enthüllt der Platz schon nach kurzer Zeit auch seinen Nachteil: der Platz ist voll von Schwarzfliegen, die beißen und sich durch so gut wie nichts vertreiben lassen.
    So wird dies vermutlich meine letzte Nacht in Kamerun sein. Es besteht das Risiko, morgen nicht in die Republik Kongo einreisen zu dürfen, das Visum ist erst ab dem 01.03. gültig. Ich versuche dennoch morgen die Grenze zu überqueren und hoffe nicht, die über 500 Kilometer zurück nach Yaoundé fahren und dort zwei Wochen Zeit absitzen zu müssen.
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  • Tag 169, 361 Km/22372 Km

    14. helmikuuta 2025, Kongo ⋅ ☁️ 32 °C

    Am frühen Morgen ist kurz nach Sonnenaufgang der Stellplatz eingehüllt in dichtem Nebel. Ich starte früh, länger als 05:00 Uhr schlafe ich seit Wochen kaum mehr. Die Landschaft ändert sich nicht, Wald, Straße, rote Erde, fertig. Ab und zu stehen oder liegen LKW am Straßenrand, die nach einem Unfall oder Schaden mitten im Wald aufgegeben wurden. Die Straße bleibt erstklassig, kein Hubbel, kein Schlagloch und mitten durch den Urwald gezogen.
    An einem der wenigen Checkpoints hält man mich an, ich steige aus dem Auto damit alle Passdaten in ein Buch geschrieben werden können. Von der Seite kommt ein uniformierter Herr, Handfeuerwaffe im Gürtelhalfter, AK47 in der Hand und fragt mich, ob ich ihn bis zur Grenze mitnehmen kann. Wie kann ich ihm diesen Wunsch nur ausschlagen. Also fahre ich die letzten 100 Kilometer in Militärbegleitung auf dem Beifahrersitz. Während der Fahrt erzählt mir der Soldat, wie er gegen Boko Haram im Norden und die Rebellen im Westen gekämpft hat, dabei auch immer wieder Leute im Kampf getötet hat und jetzt froh ist, die sichere Grenze im Süden zu sichern. Er berichtet auch, dass in den Bäumen auf dem Weg zur Grenze ab und an Gorillas zu sehen sind, natürlich zeigen sie sich heute nicht.
    An einer kleinen Mautstation sind 500 Franc zu zahlen (75 Cent), ich frage ob ich kostenfrei durchfahren darf, schließlich bin ich hier ein Chauffeur im Sinne der Staatssicherheit! Zahlen muss ich trotzdem. Immerhin sind alle weiteren Checkpoints jetzt urplötzlich ganz schnell erledigt, es wird ein Foto vom Pass geschossen, fertig.
    An der Grenze verabschiede ich mich von meinem Mitreisenden und tanke das Auto noch ein letztes Mal randvoll. Die Reservekanister sind es ebenfalls, zusätzlich zwei alte Wasserkanister die ich im Beifahrerfußraum habe. Es besteht das Risiko, bis Brazzaville in rund 1200 Kilometern keinen Diesel zu bekommen. Diesel ist seit vielen Monaten Mangelware in der gesamten Republik Kongo. Der Diesel an der Grenze ist pechschwarz, angeblich ist das immer so, sagt der Tankwart. Kein Wunder, dass sich die Dieselfilter mit der schwarzen Pampe so schnell zusetzen.
    Schließlich geht es zur Grenze, wo die Ausreise aus Kamerun keine 5 Minuten dauert. Pass her, Carnet her, Stempel rein, au revoir.
    Schließlich geht es rüber auf die kongolesische Seite. Im Büro ist der einzige Herr der nicht uniformiert ist auch gleichzeitig der Herr über den Einreisestempel. Er streitet sich gerade mit einem anwesenden Nordafrikaner auf französisch, irgendwas passt mit dem Visum nicht. Kein gutes Zeichen, mit meinem passt ja schließlich auch etwas nicht. Noch während beide lauthals diskutieren nimmt er meinen Pass entgegen und schreibt vollkommen abwesend alle Daten in ein Buch, dann höre ich den Stempel. Keine 3 Minuten an der Grenze bin ich also schon eingereist. Auch der Zoll ist easy, kurzer Small-Talk über den Sinn des Lebens, den Sinn der Reise, "Was, du hast keine Kinder???" schließlich noch zum SIM-Kartenverkäufer. SIM-Karte kaufen, einsetzen und aufladen dauert etwas, als ich plötzlich den unfreundlichen Herren ohne Uniform vor dem Büro in meine Richtung "Mzungu!" brüllen höre. Auf Suaheli bedeutet Mzungu 'Weißer', ich habe also wieder anzutanzen. Nicht gut, hätte ich die Sim doch besser erst im nächsten Dorf gekauft. Ich rechne fest damit, dass er den Einreisestempel wieder für ungültig erklärt, er hat schließlich in seinem großen dicken Buch jedoch nur vergessen, die Passnummer einzutragen. Nochmal Glück gehabt.
    Auf der weiteren Strecke sind die Menschen wieder freundlicher als noch in Kamerun, es wird mehr gewunken und gelächelt. Die Straße bleibt den ganzen Tag so, wie sie in Kamerun aufgehört hat.
    Es gibt einzelne Wildstellplätze am Straßenrand, ich brauche jedoch unbedingt eine Dusche, also fahre ich in die nach 100 Kilometern erste kleinere Stadt der ganzen Strecke. Es gibt ein einzelnes, einfaches Gästehaus wo ich nach viel Diskussion die Erlaubnis bekomme im Auto zu schlafen. Nicht schön, nicht ruhig, aber die Aussicht auf eine Dusche schlägt gerade einfach alles.
    Irgenwann am späten Nachmittag frage ich dann nach der besagten Dusche. "Du willst jetzt schon duschen? Das Wasser muss erst hergebracht werden." Einige Minuten später kommt dann ein Motorrad auf den Hof, bringt zwei Kanister mit Wasser, welches er gerade aus dem Fluss geschöpft hat. In der Zeit, in der ich vor dem Auto sitzend auf Wasser warte komme immer wieder Einheimische zum betteln vorbei. Es geht um Wasser, Bier oder um Geld für Bier.
    Der Lärmpegel, den die Motorradfahrer, die Hähne und die betrunkenen Locals machen, wird mir heute Nacht hoffentlich egal sein. Ich bin unglaublich kaputt vom vielen Fahren und wenig Schlafen der letzten Tage.
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  • Tag 170, 190 Km/22562 Km

    15. helmikuuta 2025, Kongo ⋅ ☁️ 34 °C

    Ich muss mich am frühen Morgen sputen, zeitnah muss ich in der ersten richtigen Stadt seit hunderten Kilometern sein: Ouesso. Also fahre ich früh los und durchquere den letzten Abschnitt bis Ouesso wieder einmal den dichten Regenwald. Die einzelnen Dörfer sind abgeschnitten vom Internet, Elektrizität, Wasser. Was muss das ein Leben sein, hier dauerhaft in diesem unberührten Wald zu leben.
    Auf der Strecke nach Ouesso gibt es einen Checkpoint der Nationalparkranger, alle Autos werden nach illegal gejagtem Wildfleisch durchsucht, so auch meins. Der erste Checkpoint, der seit Reisebeginn in meinen Augen Sinn macht.
    Rund um die Straße gibt es hunderttausende Schmetterlinge, über viele Stunden sehe ich sie auf der Straße sitzen und umherfliegen.
    Ich erreiche schließlich Ouesso, es gibt vier Tankstellen, drei davon sind geschlossen, die vierte hat keinen Diesel. Ich hatte gehofft, hier tanken zu können, aber an der Tankstelle erklärt man mir, den nächsten Diesel gibt es in rund 500 Kilometern, sofern es eine Lieferung gegeben hat.
    Ich fahre schließlich zu einem Hotel, das angeblich beste der Stadt. Hier treffe ich zwei Herren, die bereits an der Lobby auf mich warten. Einer der beiden, Ugor, wird mich morgen mit einem Boot in die Zentralafrikanische Republik fahren. Es war wichtig, heute schon gegen Mittag einzutreffen, da unendlich viel vorab zu organisieren ist. Die beiden nehmen zuerst meinen Pass entgegen und machen sich auf den Weg zur Polizei, um die Ausreise zu besprechen. Währenddessen packe ich alles zusammen, was ich in den nächsten 8 Tagen benötige, vorher werde ich nicht zurück in die Republik Kongo kommen. Das Auto bleibt solange an dem Hotel stehen. Es ist zugegeben nicht einfach, Zeug für 8 Tage in einen kleinen Rucksack und eine Tüte zu bekommen, aber anders geht es nicht.
    Die beiden Herren kommen irgendwann zurück, die Ausreise ist organisiert. Dass die beiden überhaupt hier stehen und ich morgen mit dem Boot die 200 Kilometer flussaufwärts in die Zentralafrikanische Republik fahren kann, dessen ist eine monatelange Abstimmung und Organisation vorausgegangen.
    Kapitän Ugur bittet um eine frühe Anreise, die Fahrt wird 16 Stunden dauern, da der Sangha aktuell zu wenig Wasser führt und sich die reguläre Reisezeit somit verdoppelt. 05:30 Uhr Abreise ist für mich aktuell glücklicherweise eine normale Zeit geworden.
    So geht es also morgen früh hoffentlich einigermaßen reibungslos in den Nationalpark Dzanga Sangha, einer der schwierigsten zu erreichenden Nationalparks von Afrika. Reiche Reisende lassen sich einfliegen oder fahren tagelang durch Kamerun und zahlen zehntausende Euro um hier die Waldelefanten zu sehen. Ich muss glücklicherweise 'nur' 16 Stunden mit dem Boot fahren.
    Leider ist die Zentralafrikanische Republik alles andere als ein sicheres Reiseland, somit muss Heiner zwangsläufig in der Republik Kongo stehen bleiben, die Einreise mit dem Fahrzeug ist mir zu riskant. Die ganze Zentralafrikanische Republik ist eigentlich unbereisbar, der Aufenthalt im Nationalpark ist davon als einziges ausgenommen.
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  • Tag 171, 0 Km/22562 Km

    16. helmikuuta 2025, Keski-Afrikan tasavalta ⋅ ☁️ 35 °C

    Es ist noch stockdunkel als ich an der Lobby des Hotels abgeholt und zum Hafen gefahren werde. Kapitän Ugur steht mit 10 Kanistern Benzin und einem Boot bereit um mich in die Zentralafrikanische Republik zu fahren.
    Es ist frisch und mit dem Fahrtwind sogar fast schon kalt, als wir aufbrechen. Dichter Nebel liegt auf dem Wald und dem Fluss, die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch und innerhalb kurzer Zeit ist alles klamm, bis irgenwann schließlich die Sonne aufgeht und den Nebel verdrängt. Das Boot hat kein Dach, was ich aber schon wusste, also schütze ich mich so gut es geht gegen die Sonne, aber auch gegen die Zugluft und den Lärm des Motors. Ugor muss immer wieder um die Sandbänke herummanövrieren, wir bleiben mehrfach stecken und müssen das Boot von Hand von der Sandbank zurückdrücken. Sand setzt auch der Kühlung des Motors zu, den Ugur immer wieder reinigt. Trotzdem kommen wir gut voran. Auch auf dem Wasser gibt es mehrere Checkpoints, Ugur besticht schnell, sodass wir zügig weiter kommen. Mal gibt es einen Liter Benzin, mal Zigaretten, mal direkt Bargeld. Nach fünf Stunden erreichen wir Bomassa, die letzte Stadt der Republik Kongo. Wir liegen sehr gut in der Zeit, Ugur sagt, dass er letzte Woche bis hierher schon 12 Stunden gebraucht hat. Schnell werde ich aus der Republik Kongo ausgestempelt, es geht schließlich weiter in die Zentralafrikanische Republik. Ich habe für die Einreise kein Visum, ist aber eigentlich auch egal. Für 50€ drückt man an der winzigen Grenze ein Auge zu und gewährt mir die Einreise, auch ohne Visum. Das offizielle Visum hätte das vierfache gekostet und außerdem halte ich mich eh nur im Nationalpark auf, also wird auch niemand nach dem Visum fragen.
    Nach der Einreise in die Zentralafrikanische Republik überqueren kleine aus Baumstämmen geschnitzte Pirogen immer wieder mit Holzpaddeln oder Stangen den Sangha, zum Teil derart beladen, dass wir abbremsen müssen, damit unsere Wellen nicht in die kleine Piroge schlagen. Auch sehe ich an einer Stelle ein Hippo im Fluss treiben, Sekunden später taucht er jedoch schnell ab. Vom Fluss aus wirkt die Zentralafrikanische Republik unglaublich ärmlich, es gibt kein einziges Gebäude das nicht aus Stroh und Lehm bestehen. Die Einwohner baden im Fluss, waschen dort Wäsche, ab und an auch mal ein Motorrad.
    Nach etwas mehr als zehn Stunden kommen wir endlich an, immerhin deutlich schneller als gedacht. Ich übernachte in einer schönen Lodge direkt am Fluss, werde herzlich empfangen und trinke nach zehn Stunden in der prallen Sonne endlich ein eiskaltes Bier an der Bar.
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  • Tag 172, 0 Km/22562 Km

    17. helmikuuta 2025, Keski-Afrikan tasavalta ⋅ ⛅ 22 °C

    Ich treffe am Morgen Leonce, ein Ranger aus dem Dzanga Sangha Nationalpark, der mich zusammen mit zwei weiteren lokalen Führern die nächsten Tage durch den Park führen wird. Mit einem alten Landcruiser mit ausgeleierten Stoßdämpfern fahren wir tief hinein in den Nationalpark. Immer wieder müssen die drei aussteigen und Bäume von der Piste räumen, die die Elefanten umgeknickt und auf die Straße geworfen haben. Nach einer Stunde Fahrzeit erreichen wir das Camp der Ranger und gehen zu Fuß weiter und somit noch ein Stück tiefer in den Wald. Bis vor einigen Jahren gab es immer wieder Jäger aus dem Tschad oder Sudan, die mit Maschinengewehren ganze Elefantenherden umgebracht und deren Stoßzähne nach China verkauft haben, mittlerweile hat die Regierung überall Ecoguards installiert, die ebenfalls schwer bewaffnet den Park schützen. Seitdem hat sich die Elefantenpopulation deutlich erhöht. Im Park gibt es Gorillas, die Chancen einen davon zu sehen sind aktuell leider sehr schlecht, der Silberrücken der Gruppe wurde vor einigen Monaten von einem anderen Gorilla im Kampf getötet und der Rest der Gruppe hat sich danach im Park verteilt, leider wird es Jahre dauern bis es wieder gute Aussichten auf eine Gorillasichtung gibt. Ich muss mich also 'leider' mit einer Gruppe Mangaben abgeben, zu der wir rund eine Stunde zu Fuß durch den Wald laufen.
    Auf dem Weg sehe ich zum ersten Mal Termiten, kommt man den Termiten zu nahe, fängt der ganze Waldboden an zu rasseln. Über die kleinen Pfade, die die Elefanten über die Jahre in den Wald gelaufen haben finden wir schließlich die Mangabengruppe. Rund 150 Tiere die im Wald Nahrung suchen, eine Stunde begleiten wir die Primaten.
    Wir ziehen schließlich weiter, kommen auf eine der großen Lichtungen des Nationalparks, die hier Bai genannt werden. Es riecht nach Wildtier, ähnlich wie bei uns im Zoo. Plötzlich schreit ein Gorilla, nicht weit entfernt. Die drei Guides bleiben stehen, sind selber überrascht hier einen Gorilla zu hören, den wir letztendlich leider nicht mehr sehen können. Schließlich kommen sie. Der Grund weshalb ich den weiten Weg vom Kongo bis hierher auf mich genommen habe: die Waldelefanten. Die Elefanten wühlen den Boden auf um das Salz aufzunehmen, dadurch verfärben sich deren Stoßzähne braun, ähnlich wie bei uns, wenn wir zu viel Kaffee trinken. Elefanten mit braunen Stoßzähnen sind einmalig auf der Welt und existieren ausschließlich hier in Dzanga Sangha. Nach vielen Stunden zu Fuß durch den Wald gehen wir schließlich wieder zurück zum Rangercamp und fahren anschließend wieder zurück zur Lodge. Der Fahrer muss auf dem Rückweg einmal anhalten, weil in der Ferne Elefanten die Straße kreuzen.
    Nachmittags öffne ich schließlich meinen Geburtstagskuchen aus der Dose. Was ein toller Tag, was ein tolles Geburtstagsgeschenk!
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