• Marvin van der Grinten
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Transafrika Westroute

Uma 335aventura de um dia na Marvin Leia mais
  • Tag 198, 480 Km/25696 Km

    15 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 21 °C

    Wir verlassen Luanda und machen uns auf den weiten Weg nach Calandula. Es ist Wochenende, im Stadtzentrum sind die Straßen dennoch recht voll. Nach einer guten Stunde sind wir aus Luanda raus, die Straße wird jetzt merklich schlechter. Die Strecke nach Calandula zieht sich unheimlich, immer wieder Schlaglöcher, immer wieder LKW die kaum die Berge raufkommen und so die ganze Fahrbahn blockieren. Nach vielen Stunden Fahrzeit verlassen wir irgendwann die Landstraße, biegen auf eine alte und total verlassene Straße ab, deren Zustand überraschend gut ist. Die Straße ist kaum befahren, in rund einer Stunde treffen wir auf lediglich ein oder zwei Motorräder. Gras wächst aus den wenigen Schlaglöchern, Frauen trocknen Fufu am Seitenrand. Die wenigen Dörfer sind sehr einfach, die Häuser wieder aus Lehm gebaut. In der Ferne sehen wir bereits 20 Kilometer vor dem Ziel die Wasserfälle von Calandula, eine der großen Sehenswürdigkeiten Angolas. Die Straße wird nun richtig schlecht, mehr Schlaglöcher als Asphalt, ein Relikt aus Vorkriegszeiten. Wir erreichen den Wasserfall, es gibt ein teures Hotel mit Zimmern, die einen direkten Blick auf den Wasserfall bieten. Im Auto zu übernachten wäre okay, die Zimmer mit dem Blick vom Balkon direkt auf die Abbruchkante des Wasserfalls schlägt jedoch den Hotelparkplatz, also geht es zumindest eine Nacht ins Zimmer - so denke ich zumindest beim Check-In noch.
    So geschieht es dann kurz vor dem Abendessen, dass ich vom Auto zurück zum Zimmer gehe und zufällig sehe, wie sich eine Schlange unter dem breiten Schlitz der Zimmertür hineinschlängelt. Ich reiße die Tür auf und sehe gerade noch, wie sich die Schlange unter dem Kühlschrank verkriecht. Die Rezeptionistin ist außer sich, als ich sie bitte die Schlange zu entfernen. Fast schon hysterisch ruft sie die Hotelchefin und den Hausmeister, dieser rückt schließlich mit zwei Holzknüppeln an. Dass die Schlange nicht mehr lebend aus dem Zimmer herauskommt, ist mir schon klar, darin bleiben geht aber auch nicht. Da sie leider nicht daran denkt, zu verschwinden, verliert sie den Kampf gegen den Hausmeister. Als kurze Zeit später die zweite Schlange zu sehen ist, ist die Entscheidung gefällt. Die Nacht wird im Auto verbracht.
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  • Tag 199, 0 Km/25696 Km

    16 de março de 2025, Angola ⋅ ⛅ 29 °C

    Nachdem sich der Nebel, der am frühen Morgen den gesamten Wasserfall einhüllt, verzogen hat, geht es zuallererst in den Pool. Es ist schon eine Überwindung bei den kühlen Temperaturen in das kalte Wasser zu steigen, man wird jedoch mit einem traumhaften Blick direkt auf den Wasserfall belohnt. Ich glaube nicht, schon jemals in einem Pool mit einem derartigen Blick gewesen zu sein. Es geht schließlich zu Fuß weiter, es gibt einen Aussichtspunkt, den man nach 10 Minuten durch den Matsch zu Fuß erreichen kann. Die Gischt des Wasserfalls ist derart stark, dass der Boden hier dauerbenetzt wird. Entsprechend sieht der Weg aus, entsprechend am Ende auch die Schuhe. Der Aussichtspunkt bietet einen spektakulären Blick seitlich auf den Wasserfall. Ein schmaler Pfad führt schließlich runter bis an die Unterseite der Calandula-Wasserfälle. Der kalte Wassernebel wird hier derart stark umhergeschleudert, dass es keine Möglichkeit gibt, hier trocken wieder wegzukommen. Innerhalb von Minuten ist alles komplett nass.
    Es ist komisch, aber weder an den Aussichtspunkten, noch im Hotelpool ist sonst jemand. Angola wäre sicherlich bereit für internationale Touristen, aber nicht einmal an der vielleicht größten Sehenswürdigkeit des Landes und zeitgleich einem der größten Wasserfällen Afrikas gibt es mehr als eine Handvoll.
    Da der Ort unglaublich schön und gleichzeitig nicht überlaufen ist, entscheiden wir uns dazu eine zweite Nacht im Auto auf dem Parkplatz des Hotels zu übernachten.
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  • Tag 200, 141 Km/25837 Km

    17 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 21 °C

    Tag 200. Nach der zweiten Nacht im Auto verlassen wir das tolle Hotel am Wasserfall und fahren über eine Stunde und über schlechte Straßen bis zur gegenüberliegenden Seite. Hier gibt es einen weiteren Aussichtspunkt und da dieser annähernd auf dem Weg liegt, halten wir hier an. Kaum auf dem Parkplatz, geht es los. Wir werden konstant von mehreren Herren belagert, die alle das gleiche wollen: uns zum Aussichtspunkt führen. Der Aussichtspunkt ist 60 Meter vom Parkplatz entfernt, einen Führer für den sogar ausgebauten Weg braucht man sicherlich nicht, das Häuschen ist bereits vom Parkplatz aus zu sehen. Es ist jedoch egal, wir oft ich 'Nein danke' sage oder ob ich die Herren ignoriere, man folgt uns auf Schritt und Tritt. Immer wieder wird nach Geld gefragt oder ob man beim Fotografieren behilflich sein kann. Bis wir schließlich weiterfahren, werden wir belagert. Super nervig und das genaue Gegenteil von der gegenüberliegenden Seite des Wasserfalls, wo absolut niemand anwesend war.
    Es geht ein Stück weiter über leider nicht wirklich gute Straßen zu den Pedras Negras. Die 'schwarzen Steine' sind eine Ansammlung großer Monolithen, die auf dem sonst flachen Hochplateau liegen. Es gibt ein winziges Dorf mit vielleicht 30 Einwohnern in der Mitte der großen Steine, von dort führt ein Wanderweg bis auf einen der Gipfel.
    Ein unfassbar schöner Platz, von oben auf die Berge und Täler der Steine zu schauen. Es gibt an einer Stelle menschliche Fußabdrücke in den Steinen, niemand weiß wie bzw. wieso diese Abdrücke dort hingekommen sind.
    Den gesamten Ort haben wir mal wieder vollkommen für uns alleine, außer ein paar Dorfbewohnern ist absolut keiner anwesend.
    Beim Herausfahren aus dem Dorf finden wir einen schönen Stellplatz auf einem Plateau direkt vor den hohen Steinen. Am späten Abend kommen ein paar Einheimische vorbei, die nach Wasser fragen, davon abgesehen sind wir auch hier vollkommen alleine. Was für ein schöner Platz zum Übernachten.
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  • Tag 201, 420 Km/26257 Km

    18 de março de 2025, Angola ⋅ ⛅ 26 °C

    Wir verlassen die Pedras Negras um auf einer löchrigen und total kaputten Asphaltstraße weiter in den Süden zu fahren. Die Landschaft ändert sich drastisch. Langgezogene, grasbewachsene Hügel mit vielen Baobab-Bäumen die die Straße säumen. Wir machen Halt in einer der wenigen Städte auf dem Weg, essen für 3€ einen Hamburger mit Ei, Fleisch und einer Tonne Mayonnaise, bevor wir der Traumstraße weiter folgen. Kurz nach der Mittagspause geschieht es dann. Ich fahre durch eine der vielen Kurven der gewundenen Straße, als mir ein entgegenkommendes Fahrzeug mit Handzeichen und Lichthupe zu erkennen gibt, dass ich mich rechts auf meiner Fahrbahn halten soll. Ich rechne damit, dass ein breiter LKW oder eine Engstelle folgt, doch so ist es nicht... Ein paar hundert Meter weiter liegen zwei Menschen auf der Straße. Die Blutsspur zieht sich über die gesamte Fahrbahn und anhand der Position der beiden weiß ich sofort, dass beide tot sind. Die Straße ist stark befahren und es ist hier genauso wie an dem Tag in Nigeria, an dem die Leiche auf der Straße lag: niemand hält an. Jan hat mir im Kongo den Rat gegeben, wenn jemand auf der Straße liegt, vollkommen egal ob er Hilfe braucht oder nicht, halte niemals an. In Afrika gilt die Regel, dass derjenige der Hilft in der Regel schuldig ist. Also bleibt mir nun zum zweiten Mal nichts anderes übrig als auch hier einfach weiter zu fahren.
    Auch wenn die Straßen Afrikas zum Teil hart und gefährlich sind, es unzählige gefährliche Situationen mit kaputten oder zu schnell fahrenden Fahrzeugen gibt, man ständig präsent sein muss, sind die Straßen trotz der Risiken oft dennoch traumhaft zu fahren, so auch im weiteren Teil. Bäume weichen weiten grünen Ebenen, Felsen tauchen auf, die dann zu Bergen werden, anschließend wechselt die Umgebung in einen dichten Regenwald, immer wieder gibt es Lehmdörfer an der Straße, jede Kurve bietet neue Fotomotive. Die Natur Angolas ist ein absolutes Highlight der bisherigen Reise.
    Wir kommen am späten Nachmittag an einer alten Kaffeeplantage an, bleiben hier für die Nacht. Der Stellplatz ist nichts besonderes und wirkt auf mich wie ein Relikt aus Vorkriegszeiten, alles irgendwie chic und schäbig zugleich.
    Dies wird die letzte kühle Nacht im Hochland Angolas sein, bevor es zurück an die Küste geht.
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  • Tag 202, 145 Km/26402 Km

    19 de março de 2025, Angola ⋅ ⛅ 30 °C

    Auf traumhaften Bergstraßen geht es nach und nach wieder zurück ins Flachland. Die Straße windet sich Kurve für Kurve um die kleinen Dörfer, alle Anwohner sind super freundlich, winken, lachen und rufen uns zu während wir vorbeifahren. An einer Kreuzung steht ein alter Panzer, ein Relikt aus vergangenen Tages des Bürgerkriegs. Dann führt die Straße steil hinab ins Tal, es ist glücklicherweise noch kühl, die Bremsen überhitzen aufgrund des konstanten Gefälles über viele Kilometer trotzdem, sodass ich ab und an eine Pause machen muss, zumindest solange bis es im Innenraum nicht mehr nach verbranntem Bremsstaub riecht.
    Wir erreichen am Mittag die Grutas da Sassa, ein weiteres Highlight Angolas. Der Ort ist eigentlich einfach zugänglich, die vielen Kinder und Jugendlichen die in einem der benachbarten Dörfer wohnen sollen Touristen jedoch das Leben schwer machen. Noch nicht einmal auf der Zufahrtsstraße zur Höhle fahrend, läuft schon der erste Jugendliche neben dem Auto her. Die Traube an Kindern und Jugendlichen wird immer größer, als wir ankommen sind es rund 30 Personen. Da ich schon weiß, was hier blüht gehe ich direkt zum Ältesten der Runde und sage ihm, dass ich ihm 4€ gebe, wenn er uns zur Höhle bringt und uns alle Anderen vom Leib hält. Außerdem soll einer der Älteren auf das Auto aufpassen, ich biete ihm 2€ dafür. Leider sind hier in der Vergangenheit Autos aufgebrochen worden, während Reisende die Höhle besichtigt haben. Die beiden willigen ein.
    Zu Fuß geht es steil bergab, nach rund einer halben Stunde sind wir am Höhleneingang. Hier möchte der selbsternannte Führer noch einmal 5€ Eintritt. Auch das wusste ich schon, also dürfen wir die Höhle betreten. Ich habe schon einige Höhlen in meinem Leben gesehen aber diese sprengt alle Dimensionen. Die Höhlenkammern sind rund 200 Meter hoch, ich habe die stärkste Taschenlampe dabei und schaffe es nicht, damit bis zur Decke zu leuchten. Immer wieder gibt es Einbrüche in die riesigen Kammern, durch die Licht hineinfällt. Der Boden ist übersät mit Ausscheidungen der Fledermäuse, die zu Tausenden an der Decke hängen. Der Gestank ist unglaublich, unbeschreiblich. Es fühlt sich an, als könnte Indiana Jones in dieser Höhle den heiligen Gral suchen.
    Plötzlich fällt eine der Fledermäuse wie ein Stein zu Boden, was dazu führt, dass die restlichen Tiere plötzlich wie von Sinnen einmal umherfliegen.
    Ich bin voll mit Fledermauskot an Armen und Rücken, da dies direkt über unseren Köpfen geschieht. Ein Regenschirm hätte geholfen, ich habe natürlich keinen dabei. Als wir diesen einmaligen Ort irgendwann verlassen, denke ich noch, dass das Marburg- oder Ebolavirus bestimmt irgendwann einmal in einer solchen Höhle in Afrika entstanden ist.
    Bevor wir uns auf den Weg zum Auto machen, möchte der Führer natürlich noch einmal extra für den Rückweg bezahlt werden, aber spätestens jetzt ist auch mal gut. Es bleibt also nach kurzer Diskussion bei den vereinbarten 9€, was ich ihm deutlich mache.
    Zurück am Auto ist Heiner rundum voll von Abdrücken von Gesichtern und Händen, alle Scheiben sind eingesaut. Die 2€ für den Aufpasser waren vermutlich gut investiert.
    Die Hauptaufgabe am Nachmittag lautet in der ersten größeren Stadt seit Luanda: Bargeld auftreiben. Bisher habe ich erst an einem einzigen Geldautomaten im ganzen Land Bargeld bekommen und das geht langsam zu Neige. Ich fahre jede Bank der ganzen Stadt an, aber an keiner einzigen Bank gibt es Bargeld. Alle Automaten sind leer, oft höre ich schon beim Aussteigen aus dem Auto "No Dinheiro". Ich frage bei zwei Banken, ob ich Euro oder Dollar tauschen kann, geht aber auch nicht. Ich frage mich also ernsthaft, was man in einer Bank machen kann, an der ich kein Geld tauschen und auch kein Geld bekommen kann. Vielleicht ein Konto eröffnen, aber was mache ich mit einem Konto bei einer Bank, die dann kein Geld auszahlt?
    Ohne frisches Bargeld fahren wir am Abend zum Binga Wasserfall, finden einen Stellplatz am Ufer keine 50 Meter vom Wasserfall weg und auch wenn es schon zu spät ist um den Wasserfall zu erkunden bin ich sicher, dass für Morgen ein weiteres Highlight Angolas auf uns wartet.
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  • Tag 203, 229 Km/26631 Km

    20 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 31 °C

    Wir besichtigen am Morgen den Binga Wasserfall, der keine 50 Meter vom Stellplatz entfernt vom Felsen stürzt. Der Stellplatz war wieder einmal etwas ganz besonderes, die ganze Nacht war das Rauschen des Wasserfalls zu hören. Über den Fluss ist eine Brücke gebaut, diese ist über die Jahre verfallen, also hat man daneben eine zweite, neue Brücke errichtet. Der Blick von der neuen Brücke auf die Alte und den Wasserfall ist ebenfalls sehr schön.
    Wir machen uns auf den Weg zu einem Strandabschnitt im Süden Luandas, finden auf dem Weg eine Bank mit vier Geldautomaten, zwei davon funktionieren und in einem der beiden Geldautomaten ist tatsächlich Bargeld. Mission erfüllt.
    Wir erreichen irgendwann den Strand, es ist niemand anwesend also parken wir auf dem Parkplatz der kleinen Bar, die hier am Strand errichtet wurde, auf dem wir schließlich auch übernachten. Es geht nach langer Zeit für mich mal wieder ins Meer, Wellen und Strömung sind leider zu stark um zu verweilen.
    Keine 20 Minuten im Schatten am Strand sitzend, kommen sechs Männer zu uns, die nun Geld dafür haben wollen, dass wir hier im Schatten sitzen. Wie oft gab es nun schon eine solche Situation, es ist irgendwann einfach echt zum Verzweifeln. Zwischen Marokko und Angola ist es einfach überall das Gleiche und das zum Teil zig mal pro Tag. Wie viele von diesen Konversationen hatte ich nun schon, es ist irgendwann einfach nur noch super nervig. Als ich sage, dass ich in Badehose am Strand kein Geld dabei habe, werde ich dazu aufgefordert meine Kreditkartendaten in eine App in eines der Handys einzutippen. Im ganzen Land gibt es fast keinen Geldautomaten der funktioniert aber der Schatten, von dem irgendein Einheimischer denkt es wäre sein Schatten, der kann angeblich mit Kreditkarte gezahlt werden.
    Da ich sicherlich nicht meine Kreditkartendaten in ein wildfremdes Handy eintippe, folgt die übliche und schon tausendfach angewandte Prozedur: die Diskussion. Irgendwann verschwinden die Besitzer des Strandschattens schließlich, weder mit Geld, noch mit Kreditkartendaten.
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  • Tag 204, 76 Km/26631 Km

    21 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 30 °C

    Wir brechen am Vormittag auf und fahren zunächst weiter in den Norden und fast zurück bis nach Luanda. Der Strand weicht nach und nach einer Steilküste, die schließlich zu einem der eindrucksvollsten Aussichtspunkten Angolas wird, dem Miradouro da Lua. U-förmig ist die Steilküste hier durch Wind und Regen über die Jahrtausende abgebrochen, übrig geblieben sind Karstformationen die in grau, orange und rot schimmern. Da der Aussichtspunkt die meistbesuchte Sehenswürdigkeit des Landes ist, muss man 50 Cent Eintritt zahlen, richtig mit Ticket und Kasse, am Aussichtspunkt gibt es sogar ein kleines Kaffee in dem ich ein überraschend gutes Toast mit Thunfisch bekomme.
    Nicht weit entfernt vom Aussichtspunkt befindet sich die einzige Möglichkeit in ganz Angola mit einem Gleitschirm zu fliegen. Grünes Gras zieht sich bis zur steil abfallenden Klippe, parkt man ganz am Rand der Startwiese darf man sogar im Auto schlafen. Es ist noch immer Regenzeit, also ist es mal stärker, mal schwächer windig und als der Wind dann am Nachmittag deutlich abnimmt, wage ich mich an den Tandemflug. Von oben auf die Steilküste zu schauen ist super eindrucksvoll, die Drehungen des Gleitschirms um an Höhe zu gewinnen vertrage ich leider nicht besonders, mir wird sehr schnell sehr schlecht. Wir landen und ich muss mich erstmal eine Stunde hinlegen. Das Thunfisch-Sandwich bleibt glücklicherweise bis zum Schluss drin.
    Es fängt am Abend an zu Regnen, tiefschwarze Wolken mischen sich mit blauem Himmel. Es kühlt ab und der Blick auf das Meer mit der untergehenden Sonne, den Wolken und der Steilküste ist wieder einmal spektakulär, ein einmaliger Zufallstreffer hier an der Start- und Landebahn der Gleitschirmflieger übernachten zu dürfen.
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  • Tag 205, 43 Km/26674 Km

    22 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 33 °C

    Es geht am Morgen in den Kissama-Nationalpark, welcher unter anderem Giraffen, Zebras und Elefanten beheimatet. Wie fast im ganzen Land spricht man am Eingangstor nur portugiesisch, ich habe bislang nur eine Handvoll Leute getroffen die Englisch sprechen können. Google-Übersetzer hilf zum Glück und irgendwann lässt der Schrankenwächter uns hinein. "Können wir im Park campen" meine letzte Frage an ihn. "Nein, campen ist verboten!" Die Antwort aus dem Google-Übersetzer.
    Die Straße wird zu einer sandigen Offroadpiste, nach rund einer Stunde eine weitere Schranke im Nirgendwo, hier sitzt ein einzelner Herr im Schatten eines Baumes. Auch er spricht kein Englisch, mittlerweile gibt es keinen Empfang also auch keinen Google-Übersetzer mehr. Wir brauchen 15 Minuten bis seine portugiesischen Fragen und meine deutschen Antworten zusammenpassen und er uns nun auch die Schranke öffnet. Wir passieren ein Tor, dahinter 20 Hütten und ein kleines Restaurant. 10 Leute sitzen im Schatten, einer von ihnen spricht gebrochenes Englisch. "Camping? No Problem!" Wir parken also direkt am Fluss, organisieren für den Nachmittag eine Safari und sind froh, die Sandpiste nicht noch einmal zurückfahren zu müssen.
    Am Nachmittag beginnt dann nun die organisierte Safari. Es steht ein Unimog bereit, dessen Sitzbänke eine Mischung aus Sardinendose und Trampolin sind. Dazu ein Motor samt Katalysator aus dem Zeitalter der Dinosaurier, der Gestank von halbherzig verbrannten Diesel ist eigentlich nur bei hohen Geschwindigkeiten auszuhalten. Es geht eine Stunde über holprige Pisten durch den Park, kein einziges Tier ist zu sehen. Ich verfluchte schon die Entscheidung, hergekommen zu sein als plötzlich Zebra, Gnu, Impala und Antilope auftauchen. Ganze Herden ziehen am alten Unimog vorbei, manchmal weiß man gar nicht wohin man zuerst schauen soll.
    Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir wieder an der Campsite an und ich bin nicht nur froh, die Safari gemacht und die ersten Herdentiere des südlichen Afrikas gesehen zu haben, sondern auch jetzt im Dunkeln nicht mehr zum Parkeingang zurückfahren zu müssen sondern mit direktem Flussblick mitten im Nationalpark stehenbleiben zu dürfen.
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  • Tag 206, 125 Km/26799 Km

    23 de março de 2025, Angola ⋅ ⛅ 28 °C

    Am Morgen sind es ausnahmsweise nicht die Moskitos, die auf die Nerven gehen, sondern die wilden Affen, die im Nationalpark leben. Ich schaffe es leider nicht rechtzeitig die Türen von Heiner zu schließen, schon sitzt dort einer der Affen. Jedes Mal wenn ich näher komme baut er sich auf, faucht und macht Geräusche, zeigt keinerlei Furcht vor seinem 20x größeren Gegenüber. Er ist sicherlich bereit zu beißen, ich bin sicherlich nicht bereit dies auch zu tun. Er gewinnt diese Konfrontation also, schnappt sich dann die Milchtüte, die er aufbeißt und schließlich leertrinkt. Ich nutze die Minute um Türen zu schließen und alles ess- und zerstörbare ins Auto zu räumen.
    Nachdem die drei nicht ganz so aggressiven Affen von der Motorhaube verscheucht sind, geht es zurück nach Luanda. Ich habe hier Diverses zu erledigen, bevor es in den Süden Angolas geht. Vor allem noch einmal einkaufen und waschen. Es gibt eine Wäscherei an einer kleinen Brücke, hier muss man an einer Metalltür klopfen und seine Wäsche abgeben, wie von mir bereits vor zwei Wochen an gleicher Stelle erledigt. Leider ist heute Sonntag und niemand öffnet.
    Es geht also mit dreckiger Wäsche weiter zum Supermarkt, hier passt das Fahrzeug nicht ins Parkhaus. Es gibt viele freie Stellplätze an der Straße aber schon beim Hineinfahren in die erste Lücke kommen vier Männer ans Auto, schlagen mit der flachen Hand an die Scheibe, brüllen gleichzeitig dass dies ein super Parkplatz ist und man 'Dinheiro' für die Familie und für neue Kleidung haben möchte, parallel bettelt das erste Kind. Also rückwärts wieder raus aus der Parklücke und zum zweiten Supermarkt, wo dann für Heiner auch Platz ist.
    Es geht am Nachmittag zum ersten Mal seit Beginn der Reise in ein Hotel mit 5 Sternen, alles ist super chic und gleichzeitig super teuer. Spätestens hier spüre ich, dass Luanda als eine der teuersten Städte der Welt gilt.
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  • Tag 207, 17 Km/26816 Km

    24 de março de 2025, Angola ⋅ ☀️ 30 °C

    Der Tag besteht fast ausschließlich darin, am Hotelpool zu liegen. Am Morgen wird der Pool gechlort, zwei Angestellte sind eine gute halbe Stunde damit beschäftigt, weißes Chlorpulver ohne Handschuhe von allen Seiten in den Pool zu werfen. Ein Messgerät zum Bestimmen des Chlorgehaltes gibt es nicht, also machen die Beiden solange weiter bis der 10 Kilo Eimer leer ist. Noch Stunden später wird nicht vollständig aufgelöstes Pulver auf der Wasseroberfläche schwimmen. Als dann irgendwann der Eimer vollständig in den Pool entleert wurde, trinkt einer der Beiden das Poolwasser. Vielleicht hat er Durst, vielleicht wird aber auch so der Chlorgehalt bestimmt.
    Neben einem erstklassig gechlortem Pool bietet das Hotel eine Dachterrasse, von der es einen Rundumblick auf Luanda gibt. Es ist schon erschreckend, wir nah hier Arm und Reich nebeneinander liegen. Keine 200 Meter neben dem Hotel liegt einer der vielen Wellblechsiedlungen der Stadt, auch sonst sieht man von der Dachterrasse die Hochhäuser direkt neben den Bracken stehen. Da wir keine Lust haben, für das Abendessen im Hotel den zehn- bis zwanzigfachen Preis zu zahlen, den es in den umliegenden Straßen kosten würde, fahren wir am Abend zum Hafen, es gibt noch einmal Fisch.
    Ich werde morgen Luanda verlassen und zügig weiter in den Süden Angolas reisen. Das Visum läuft in 13 Tagen ab. Die Regenzeit hat im Süden in den letzten Wochen ziemlich zugeschlagen, wie gut, dass wir so lange wie möglich im Norden geblieben sind.
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  • Tag 208, 525 Km/27341 Km

    25 de março de 2025, Angola ⋅ ⛅ 28 °C

    Am späten Abend geht es vom Restaurant einmal quer durch die Stadt zurück zum Hotel. Eigentlich wollte ich es vermeiden, in Afrika irgendwo in der Nacht Auto zu fahren, heute klappt es leider nicht. Die Straßen sind größtenteils unbeleuchtet, vollkommen dunkel gekleidete Personen laufen über die Fahrbahn, Fahrzeuge haben keine Scheinwerfer...die Liste ist lang. Ich bin froh irgenwann im Hotel anzukommen ohne einen der anderen Verkehrsteilnehmer umgefahren zu haben.
    Am nächsten Morgen geht es raus aus Luanda, ich versuche so weit wie es geht in den Süden zu kommen. Hinter der Stadt Sumbe wird es super einfach und einsam, Motorräder mit Ladefläche ersetzen die SUV der Großstadt, Weiße sehe ich nun keine mehr, Hochhäuser weichen den Strohhütten, die Straße wird schlecht. In der Ferne ziehen schwarze Wolken auf, es regnet. Mittlerweile spüre ich deutlich den Süden, der Winter steht vor der Tür und die Temperatur steigt kaum mehr über 30 Grad.
    Es wird wieder 'afrikanischer', Kinder winken mir an der Straße zu, die Landschaft wird hügelig, grüne Felder ziehen sich von links nach rechts bis zum Horizont.
    Ich erreiche die Stadt Lobito am späten Nachmittag, die löchrige Asphaltstraße hat mir mehr Konzentration abverlangt als ich geglaubt habe, ich bin ziemlich platt. Lobito ist eine charmante Industriestadt mit langgezogenen, breiten Alleen, ein bisschen wie eine Großstadt in Südspanien. Es gibt eine schmale Landzunge im Stadtzentrum, hier gibt es eine Beach-Bar die logischerweise direkt am Strand gebaut wurde. Gegen ein Essen im Restaurant der Bar darf ich direkt auf dem Strand parken. Nach über 500 Kilometern anstrengender Straße bin ich schon am Abend sicher, das Auto morgen keinen Zentimeter bewegen zu wollen.
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  • Tag 209, 0 Km/27341 Km

    26 de março de 2025, Angola ⋅ ☁️ 27 °C

    Am späten Abend frage ich in der Beach-Bar, ob es die Möglichkeit gibt irgendwo Wäsche zu waschen. In Luanda war ich leider nicht erfolgreich. "No Problem", es gibt sogar eine Waschmaschine. Ich soll schonmal alles an Wäsche zusammensammeln und dann ganz einfach am nächsten Morgen abgeben. So gehe ich also mit dem Wäschesack am nächsten Morgen wieder in die Beach-Bar. "Waschen? Nein das geht nicht. Es gibt keine Waschmaschine und auch niemanden, der Zeit hätte um von Hand zu waschen." Eigentlich wundert mich das mittlerweile nicht mehr. Nach knappen 8 Monaten in Afrika weiß ich mittlerweile immerhin wie man Wäsche von Hand so sauber bekommt, als käme sie direkt aus der Maschine, also muss ich wieder einmal selbst ran. In einem benachbarten Hinterhof gibt es einen Wasserhahn und eine Waschwanne und während ich die Wäsche von Hand bearbeite schlachtet einer der Anwohner 3 Meter nebenan eine Gans, die er dann über einem Eimer ausnimmt und rupft. Wir begrüßen uns gegenseitig, dann geht jeder seiner Tagesaufgabe nach.
    Während die Wäsche im heißen Wind trocknet geht es für mich ins Meer, der Strand ist echt einladend, das Meer ziemlich seicht, kaum Wellen.
    Leider muss ich den Vormittag dazu nutzen, das Visum für Namibia zu organisieren. Ab dem 01.04. gibt es für Deutsche eine Visumspflicht, ich schaffe es erst am 05.04. einzureisen. Es gibt zwei Möglichkeiten zur Einreise, entweder man lädt tausend Dokumente in ein Portal und bekommt ein elektronisches Visum oder man fährt einfach zur Grenze und sagt: "Hallo hier bin ich". Es ist schon ein Risiko ohne E-Visum zur Grenze zu fahren, ich rechne nicht damit, dass man 4 Tage nach Einführung des Visums an der Grenze schon mit den neuen Umständen klarkommt. Ich lasse es trotzdem drauf ankommen und versuche es ohne das E-Visum.
    Wir starten schließlich am Nachmittag zu zweit zu Fuß über die Landzunge von Lobito, der 'Restinga'. Während ich am Auto am ganzen Vormittag 'nur' einmal angebettelt werde, hat es der Nachmittag in sich. Die 3 Kilometer bis zum Endpunkt der Landzunge begleiten uns immer wieder Bettler oder Gruppen von jungen Männern, die auf der Straße herumliegen und aufspringen und irgendetwas rufen, zu uns kommen, nebenher laufen. Bettelnde Kinder lassen oft über viele hundert Meter nicht locker. 'Dinheiro' und 'Amigo' sind die beiden portugiesischen Vokabeln die ich heute am meisten höre, manchmal in Dauerschleife. Angola ist bisher das Land der Reise, in dem am meisten und auch am aggressivsten gebettelt wird.
    Wir erreichen irgendwann das Ende der Landzunge, hier betreibt eine der Einwohnerinnen eine kleine Bar. Die Flasche Bier kostet 35 Cent, ist eiskalt und schmeckt nach einer Stunde in der Sonne am Nachmittag echt gut.
    Auch wenn es schön ist, zwei Tage direkt auf dem Strand zu parken und auch zu schlafen, hat Lobito nicht viel mehr zu bieten. Somit geht es für mich morgen bereits weiter und raus aus der Stadt.
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  • Tag 210, 73 Km/27414 Km

    27 de março de 2025, Angola ⋅ ⛅ 30 °C

    Ich verlasse Lobito, bin auch ab heute wieder alleine unterwegs. Bevor ich die Stadt final verlasse, halte ich noch an der Kirche, außerdem gibt es eine Statue in der Bucht, deren Design man sich offenbar in Kopenhagen abgeguckt hat.
    Unweit südlich von Lobito zweigt eine Offroadpiste zur Küste ab, bevor ich morgen weiter in Richtung Süden fahre mache ich hier einen Stopp. Nahe dem Fischerdorf Caota gibt es einen kleinen Geheimtipp Angolas, die Küste fällt hier steil ins Meer ab, an einer Stelle ragt zwischen den Klippen der Steilküste ein Berg auf. Über eine immer schlechter werdende Straße fahre ich mit dem Auto soweit wie ich kann in Richtung des kleinen Berges. Irgendwann wird die Straße zu schmal um weiterfahren zu können. Ich parke auf einer kleinen Lichtung und mache mich zu Fuß auf den Weg zum Gipfel. Es ist super einsam, niemand ist weit und breit. Schon der Weg zum Gipfel ist ein Traum, es gibt nur leider unendlich viele Erdwespen deren Höhlen direkt auf dem schmalen Pfad sind. Ich habe schlechte Erfahrungen mit großen, schwarzen, stechenden Insekten, glücklicherweise sticht mich heute keines davon. In den Bäumen die links und rechts des Pfades stehen, nisten Hornraben, die offenbar wenig Interesse an meiner Anwesenheit haben und mein Vorbeilaufen laut schimpfend kommentieren. Ich erreiche irgendwann den Gipfel, der Blick zu beiden Seiten auf die Steilküste und die Strände ist unglaublich. Angola ist aktuell dabei, sich bei mir auf den ersten Platz aller bereisten Länder in Afrika zu schieben. Ganz in der Nähe gibt es eine Tauchschule und da es zu spät ist jetzt noch weiter in den Süden zu fahren frage ich den Chef der Tauchschule ob ich auf seinem Grundstück übernachten kann. Geht natürlich, es gibt sogar eine Dusche, eine Toilette und sogar Blick auf ein altes Schiffswrack, welches hier vor Jahren vor der Küste gesunken ist.
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  • Tag 211, 415 Km/27829 Km

    28 de março de 2025, Angola ⋅ ⛅ 25 °C

    Ich starte früh, verlasse das Fischerdörfchen und weiß schon am frühen Morgen, was mir an diesem Tag bevorsteht. Es wird jetzt einsam, richtig einsam. Die ersten hundert Kilometer gibt es immer mal wieder ein Fahrzeug, welches mir auf der guten Teerstraße entgegenkommt, auch sehe ich ab und an mal kleine Dörfer. Dies ist irgendwann vorbei. Auch endet die Straße, wird zu einer schlechten Wellblechpiste. Die Straße ist fahrtechnisch nicht anspruchsvoll, ist dafür aber kilometerlang richtig übel. Sobald ich schneller als 15 km/h fahre denke ich, das Auto bricht auseinander. Ich kann mich nur an eine Straße in Mauretanien erinnern, die noch schlechter war. Die Gegend ist super dünn besiedelt, ich sehe sporadisch einzelne Viehherden die von Hirten im Lendenschurz getrieben werden. Die Region ist total authentisch, über hunderte Kilometer kein Empfang, null Tourismus, kein gemauertes Gebäude.
    Plötzlich endet die Wellblechpiste, wird schlagartig zu einem nagelneuen Highway mitten im Nirgendwo. Es macht den Eindruck, als hätte man von Norden und von Süden zeitgleich angefangen die Straße zu bauen und in der Mitte plötzlich kein Baumaterial mehr gehabt. Die Landschaft ändert sich, wird zunächst zu einer Steinwüste, anschließend wird die Steinwüste zu Sand. Immer wieder gibt es Berge links und rechts der Straße, wenn das Meer zu sehen ist, bricht die Küste dort steil ab. Die ganze Region erinnert mich stark an die Westsahara, wunderschön karges, eintöniges und menschenleeres Land. Hätte Heiner hier den Gedanken nicht mehr weiter zu wollen, wäre das sicherlich richtig schlecht, ich bin mir ziemlich sicher Sicher dass hier tagelang keine Unterstützung zu erwarten wäre. Sicherheitshalber, da ich auch heute alleine fahre, habe ich meine Route mit Patrick, einem deutschen Auswanderer in der Stadt Namibe geteilt, die ich am Nachmittag erreiche. Patrick hat letztes Jahr eine altes Gebäude ein Stück außerhalb von Namibe gemietet, ich kann bei ihm im Hof übernachten.
    Ich habe Heiner kaum abgestellt, baue gerade auf, als ich es aus dem Fahrzeug poltern höre. Ein Affe ist hineingeklettert, macht sich gerade über die Lebensmittel her. Reflexartig brülle ich ihn an, ebenfalls reflexartig schnappt er sich das erste was er in die Finger bekommt, die Knoblauchknolle die es vom Aldi in Düsseldorf bis hierher geschafft hat ohne schlecht zu werden. Gerne hätte ich mit dem Knoblauch zum Abschluss in Kapstadt etwas zu Essen gekocht, doch daraus wird nichts. Auf dem Baum sitzend schält der Affe die ganze Knolle und isst jede einzelne Zehe. Da wird jemand heute Nacht Durst haben, geschieht ihm Recht, dem Knoblauchdieb!
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  • Tag 212, 110 Km/27939 Km

    29 de março de 2025, Angola ⋅ ☀️ 29 °C

    Ich verlasse das Anwesen von Patrick bereits am Morgen wieder, plane aber gleichzeitig hier in ein paar Tagen noch einmal zurück zu kommen. Ich drehe eine Runde durch die Stadt Namibe, trotz der relativ vielen Einwohner fühlt sich die Stadt verlassen, fast schon gespenstisch an. Wäre die Erde eine Scheibe, dann wäre Namibe die letzte Stadt bevor man am Ortsausgang die Kante herunterfällt. Viele Gebäude sind verfallen, werden aber gleichzeitig noch genutzt. Rund um Namibe fängt die Wüste an sich die Ruinen langsam zurückzuholen.
    Es gibt einen großen Supermarkt im Stadtzentrum, ich fülle alles an Vorräten auf was geht, insbesondere Wasser. Auch der Tank ist randvoll.
    Bevor ich Namibe verlasse, brauche ich Bargeld. Wie üblich sind an allen Geldautomaten lange Schlangen von rund 50 Personen. Ich bekomme den Tipp zu einer bestimmten Straßenkreuzung zu fahren, an der 5 Männer im Schatten sitzen. Ich öffne die Scheibe und mache mit den Finger in deren Richtung das Zeichen für Geld, die 5 kommen zu meinem Auto und bieten mir Bargeld zum Tausch an. Der Kurs ist deutlich besser als der Wechselkurs an den Geldautomaten, der Schwarzmarkt sorgt wohl dafür, dass reiche Angolaner ihr Geld in ausländische Devisen investieren können statt ihr Bargeld dem Verfall der eigenen Währung zu überlassen.
    Dann verlasse ich Namibe, fahre südlich in den Iona Nationalpark, eine Mischung aus Sand- und Steinwüste mit Canyons und Bergen.
    Ich verlasse kurz vor dem Eingang des Nationalparks die Teerstraße und biege auf ein trockenes Flussbett ab. Der Piste folge ich für zwei Stunden bis ans Meer. Tiefsand und Wellblech wechseln sich ab, die Strecke gehört zu den anspruchsvolleren der Reise.
    Die Piste führt nah am Canyon vorbei, links und rechts wachsen die ersten Welwitschia-Pflanzen, eine Art Kaktus der bis zu 3000 Jahre alt wird. Der Canyon wird schließlich bunt. Rot, braun und gelb wechseln sich schichtweise ab, links und rechts der Straße ragen die bunten Felsen steil nach oben. Was ein einmaliger Ort! Ein weiteres Top-Highlight dieses ohnehin schon wunderschönen Landes.
    Schließlich erreiche ich das Tagesziel, die Flamingo Lodge. Um noch weiter in den Nationalpark fahren zu können, schließe ich mich hier einer kleinen Gruppe von Fahrzeugen an, die morgen um 4:00 Uhr gemeinsam zur 'Baia dos Tigres' im Nationalpark aufbrechen wird.
    Die 200 Kilometer verlaufen auf einer schmalen Sandpiste, welche durch das Meer auf der einen und meterhohe Sanddünen auf der anderen Seite eingerahmt ist. Die Piste ist nur bei Ebbe befahrbar, der schmale Streifen zwischen Dünen und Meer steht bei Flut meterhoch unter Wasser. Das Internet ist voll von Bildern, auf denen Fahrzeuge auf diesem Stück verloren gegangen sind. Damit Heiner nicht so endet, vertraue ich morgen auf die Einschätzung eines erfahrenen Tourenführers bis zur Bucht und zurück.
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  • Tag 213, 167 Km/28106 Km

    30 de março de 2025, Angola ⋅ ☀️ 25 °C

    Mitten in der Nacht fängt es an zu regnen und ich weiß direkt, dass das kein gutes Zeichen ist. Ich stehe um 04:00 Uhr auf, es regnet noch immer und der Tourguide gibt allen zu verstehen, dass der erste Teil raus aus dem Tal und durch das eigentlich trockene Flussbett durch den Regen vielleicht nicht mehr möglich ist. Wir warten eine Stunde, hoffen auf besseres Wetter und darauf, dass der Boden den Regen schnell aufnimmt. Die Zeit drängt, wir müssen spätestens um 10:00 Uhr durch die Dünen sein, bevor die Flut die Piste rund um die Dünen überspült. Um halb 6 können wir nicht länger warten, es ist mittlerweile trocken. Der Sand im Flussbett ist zu einer zentimeterhohen Schlammschicht geworden, stellenweise steht das Regenwasser knöcheltief auf der Piste. Glücklicherweise bleibt die Straße passierbar, so fahren wir kurz nach Sonnenaufgang in den Nationalpark hinein. Nachdem alle Formalitäten erledigt sind, beginnt der schwierige Teil der Strecke. Es warten 80 Kilometer Tiefsand, stellenweise ist die Oberfläche durch die Sonneneinstrahlung verkrustet, darunter noch Wasserreste des Meeres, welches sich durch die Ebbe zurückgezogen hat. Ich kann eigentlich nur Vollgas fahren und das Momentum nutzen, stoppen hätte ein tiefes Einsinken zur Folge. Ich schlittere von links nach rechts, immer wieder bricht das Heck aus, während die Dünen auf der linken Seite der Piste mehr und mehr an Höhe gewinnen. Der befahrbare Bereich zwischen Dünen und Meereskante ist ungefähr 10 Meter breit, ich versuche so nah wie möglich am Wasser zu fahren um auf dem etwas härteren Sand zu bleiben. Am Strand liegen immer wieder tote Delfine oder Robben, die Sandbänke und das Meer drumherum sind voll von beiden Arten. An der Bucht von Tigres gibt es hinter einer flachen Düne einen Bereich, der nicht von der Flut überspült wird, hier übernachten wir, die Rückfahrt kann aufgrund der nahenden Flut erst am nächsten Tag erfolgen.
    In der Bucht liegt eine Insel, auf welcher es vor Jahren eine Fischfabrik gegeben hat, samt Wohnhäuser, Schule und Kirche. Die Fabrik und damit die gesamte Insel wurden vor Jahren aufgegeben und verlassen, die ganze Insel ist mittlerweile eine Geisterstadt. Die Insel ist der eigentliche Grund für die anspruchsvolle Anreise. Leider ist es am Nachmittag stürmisch, das kleine Schlauchboot welches hier bereitsteht kann nicht ablegen. Die zweite und letzte Chance zum Besuch der Insel ist morgen früh, weit vor Ankunft der Ebbe. Während ich die Insel am Abend im Schein der untergehenden Sonne bereits sehen kann, hoffe ich darauf, dass der Wind am frühen Morgen nachlässt und eine Überfahrt möglich ist.
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  • Tag 214, 204 Km/28310 Km

    31 de março de 2025, Angola ⋅ ☀️ 23 °C

    Als ich am Morgen wach werde ist es vollkommen windstill. Ich weiß, die Überfahrt nach Tigres wird klappen. Wir lassen das Schlauchboot zu Wasser und fahren durch die Meerenge, erreichen die Insel nach einer guten halben Stunde, halten mit dem Boot direkt am Ufer der Geisterstadt. Als ich die ersten Schritte über die Insel laufe denke ich noch, in der Ferne Personen zu sehen, doch so ist es nicht. Die Insel ist vollkommen verlassen. Es gibt eine Kirche und einen Kinosaal, Wohnhäuser zieren die einstigen Straßen. Die Sanddünen sind aktuell dabei, die Gebäude zu verschlucken, alles verfällt nach und nach. Durch die vollkommen menschenleeren Straßen zu laufen fühlt sich fast schon angsteinflößend an, als hätte es einen Atomkrieg gegeben und ich bin der letzte Überlebende der nun durch eine der zerstörten Städte läuft. Auf der ganzen Insel riecht es stark nach Verwesung durch die hier verendeten Tiere. Ein Stück außerhalb vom ehemaligen Stadtkern liegt die verlassene Fischfabrik, rote Schornsteine aus Backstein stehen zwischen den Fabrikgebäuden, drohen durch Wind und Erosion bald einzustürzen. Ich traue mich eines der Fabrikgebäude zu betreten, die Maschinen stehen noch genauso da wie zu dem Zeitpunkt, wo man hier alles aufgegeben hat. Es macht den Eindruck, als hätte vor einigen Jahren jemand verkündet: "Wir verlassen heute die Insel, das letzte Boot legt in 30 Minuten ab!".
    Ich besteige den Kirchturm, der Boden der schmalen Wendeltreppe hat Brüche, trägt mein Gewicht aber. Ich muss gestehen, ich hab abgewartet bis der Dickste der 5 Personen der kleinen Reisegruppe oben war ohne einzubrechen.
    Schließlich verlassen wir Tigres und da Dünen, Meerenge und Geisterstadt wohl noch nicht reichen, begegnen wir auf dem Rückweg einer großen Kolonie Seehunde auf einer der Sandbänke. Dass beim Verlassen der Dünen Delfine und Wale nah an der Küste schwimmen und immer wieder zu sehen sind, ist schon fast zu viel für einen Ort.
    Die Rückfahrt ist schwieriger als die Hinfahrt, wir waren zu lange auf der Insel und die Flut kommt, zum Teil schwappen die Wellen des Meeres schon bis unter das Fahrzeug, der befahrbare Streifen ist stellenweise nicht viel Breiter als Heiner selbst. Eines der Fahrzeuge dreht sich bei der hohen Geschwindigkeit im Sand, niemandem ist etwas passiert, das Fahrzeug hat sich auch glücklicherweise nicht überschlagen. Wir buddeln und ziehen das Fahrzeug mit einem der anderen PKW heraus, alles muss schnell gehen. Wenn der verantwortliche Guide anfängt zu rennen um die Schaufeln zu holen oder das Seil anzubringen weiß man, dass man sich beeilen muss. Die Dünen werden schließlich flacher, irgendwann gäbe es auch einen Weg weg vom Strand, wir fahren noch einen kurzen Umweg um eines der Schiffswracks zu besichtigen, welches hier vor Jahren auf Grund gelaufen ist und mittlerweile vom Sand zur Hälfte verschluckt wurde.
    Dann geht es raus aus dem Nationalpark, ich verlasse die kleine Reisegruppe und fahre zurück zu Patrick, der mich am Nachmittag mit selbstgemachter Pizza zurück in seinen Hof lockt. Was für ein unglaublicher, einmaliger Ort dieser Nationalpark doch ist. Dabei habe ich die beiden eigentlichen Highlights des Parks noch gar nicht gesehen. Wie gut, dass ich bei Patrick so lange übernachten kann, wie ich möchte.
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  • Tag 215, 210 Km/28520 Km

    1 de abril de 2025, Angola ⋅ ☁️ 29 °C

    Es gibt noch zwei letzte Sehenswürdigkeiten rund um Namibe, die beide heute auf dem Programm stehen. Ich fahre zuerst zum Arcos, einem Steinbogen der dadurch entstandenen ist, dass der weiche Sandstein hier über die Jahre abgebrochen ist. Es gibt ein winziges Dorf am Ende der Piste, kurz vor dem Steinbogen. Für's Parken und für die Besichtigung möchte der Dorfchef 5€ und ein halbes Laib Brot haben, dafür zeigt mir sein kleiner Sohn den Weg.
    Nach der Besichtigung fahre ich weiter zu den Colinas. Schon von weitem sind die roten Feldnadeln zu sehen, mit dem Auto kann man direkt bis an die Felsen fahren. Mich wundert es, dass dies nicht verboten ist, da mir jedoch den ganzen Nachmittag kein einziger anderer Tourist begegnet, wird das Ranfahren an den Canyon wohl noch erlaubt sein. Ich fahre durch das Gewirr der Gassen, die sich durch die Feldnadeln gebildet haben, hole irgendwann Stuhl und Getränke raus. In den Schluchten ist nichts, absolut gar nichts zu hören. Keine Tiere, kein Wind, keine Stimmen.
    Ich fahre zurück nach Namibe und spüre auf der Rückfahrt ein deutliches Flattern im Lenkrad. Das Flattern trat in den letzten Wochen immer mal wieder auf, war aber noch nie so schlimm wie jetzt. Ich hoffe darauf, dass die Vibrationen von ausgeschlagenen Reifen kommen, schließlich mussten diese in den letzten Monaten einiges an Schlaglöchern mitmachen. Bevor ich morgen Namibe verlasse, werde ich also noch eine Werkstatt anfahren, die Reifen wuchten kann.
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  • Tag 216, 146 Km/28666 Km

    2 de abril de 2025, Angola ⋅ ⛅ 27 °C

    Ich fahre am Vormittag ins Stadtzentrum von Namibe, finde vorher im Internet einen Reifenservice. Tatsächlich gibt es eine Maschine zum Auswuchten der Reifen, also lasse ich alle Reifen nachmessen, in der Hoffnung die starken Vibrationen so zu beseitigen. Dann beginnt das amüsante Spektakel. Niemand spricht englisch, das ist aber mit Google Übersetzer und Hand und Fuß noch zu handhaben. Der Preis steht auch, 4.50€ pro Reifen, nicht günstig für Afrika. Nun soll also der erste Reifen demontiert werden, leider hat die Werkstatt die ausschließlich Reifenservice anbietet und sogar eine Hebebühne und eine Wuchtmaschine hat kein Werkzeug um den Reifen abzuschrauben. Es fehlt die 28er Stecknuss. Gut, bekommen sie meine, die ich dabei habe. Nun hat man leider keine Ratsche, um die Stecknuss aufzustecken. Gut, bekommen sie auch hier meine. Dann kommen sieben 'Gesellen' um die Arbeit zu machen. Nummer 1 bedient die Hebebühne, Nummer 2 löst die Muttern, Nummer 3 bringt den Reifen zur Wuchtmaschine, Nummer 4 hebt den Reifen in die Maschine, Nummer 5 wuchtet, Nummer 6 schlägt die Wuchtgewichte ein und Nummer 7 zieht den Reifen wieder auf. Kein Wunder, dass die Aktion so teuer ist. Davon, dass die Reifen wieder an die gleiche Stelle montiert und nicht einfach irgendwo aufgezogen werden sollen, davon hat man hier noch nie gehört. Auch nicht vom Anziehen der Muttern über Kreuz. Ich weiß bei so vielen Helfern gar nicht wo ich zuerst hinschauen soll, also versucht mich der Herr der an der Wuchtmaschine steht um zwei Reifen übers Ohr zu hauen. Angeblich wäre alles in Ordnung, die Reifen waren aber noch gar nicht in der Maschine. Ich sage ihm also, er soll mir an der Maschine zeigen, dass die Reifen in Ordnung sind und siehe da, auf einmal haben die Reifen doch eine Unwucht.
    Mittlerweile war ich glücklicherweise in genügend Werkstätten in Afrika um hier überall genau hinzugucken.
    Immerhin verlasse ich die Fachwerkstatt als einigermaßen zufriedener Kunde, die Vibrationen sind weg.
    Nördlich von Namibe gibt es eine schöne Offroadpiste vorbei an kleinen Fischerdörfern und durch einen kleinen Canyon, diese möchte ich gerne vor meiner Weiterreise noch befahren. Es fühlt sich an, als wäre die Straße auf einem anderen Planeten, braune Einöde die schließlich zu besagtem Canyon wird, die Straße windet sich hindurch. Nicht so spektakulär wie die letzten Tage, trotzdem ein weiteres Highlight des südlichen Angolas.
    Es ist mittlerweile zu spät um bis zum nächsten Ziel, Lubango aufzubrechen, da der Straßenzustand doch schlechter war als gedacht. Also fahre ich am Nachmittag noch einmal zurück zu Patrick und bleibe noch eine weitere Nacht, auch wenn langsam die Zeit drängt. Mein Visum für Angola läuft in vier Tagen aus, jetzt sollte besser nichts mehr dazwischen kommen.
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  • Tag 217, 252 Km/28918 Km

    3 de abril de 2025, Angola ⋅ ☁️ 21 °C

    Ein wenig wehmütig verlasse ich am Morgen Namibe, es hat mir dort sehr gut gefallen. Auf dem Weg in Richtung Lubango ändert sich die Landschaft drastisch. Innerhalb von 100 Kilometern wird aus der Wüste zunächst eine bewaldete Steppe, schließlich wird es richtig grün. Das Hochland von Südangola taucht auf und die Straße wird zu einer Serpentin. Der Leba-Pass bringt mich innerhalb von 15 Kilometern von fast Meeresspiegelhöhe auf 2000 Meter Höhe. Es wird kühl, in den Bergen hängen Wolken, es regnet. Es gibt einen spektakulären Ausblick auf die Passstraße, leider ist es derart neblig, dass ich nicht einmal aus dem Auto aussteige. Sichtweite gefühlt 15 Meter. Der Ausblick auf die Passstraße soll sehr schön sein, also nehme ich mir vor je nach Wetter morgen noch einmal hierher zurück zu fahren. Ich erreiche kurze Zeit später Lubango, die zweitgrößte Stadt Angolas. Hier gibt es ein bekanntes schweizer Restaurant mit Raclette und Bergkäseverkauf, das Restaurant sieht mit den roten Schirmen im Biergarten aus wie ein Restaurant in den Alpen. Der Keller bringt die Speisekarte, diese ist leider nur auf portugiesisch. Es gibt kein Internet im Restaurant, also auch keinen Google-Übersetzer und keiner der Kellner spricht englisch. Also bleibt mir nichts übrig als das einzige Gericht von der Karte zu bestellen, welches ich im portugiesischen kann - Hamburguesa. Der Hamburger ist unglaublich gut und da ich noch einen weiteren Tag in Lubango bleiben werde, besteht die Option hier noch einmal zum Essen herzukommen.
    Hinter dem schweizer Restaurant endet die Stadt Lubango, es gibt eine Straße hinauf zu einem Aussichtspunkt, dem Tundavala Gap. Lange habe ich überlegt, ob ich zum Aussichtspunkt fahren soll, auf der Zufahrtsstraße und auch am Aussichtspunkt selber gab es in den letzten Jahren immer wieder bewaffnete Raubüberfälle, der letzte vor rund einem Jahr. Nach langem Überlegen entscheide ich mich, dorthin zu fahren. Die Straße ist ziemlich einsam und führt durch ein breites Tal und endet irgendwann in einem Parkplatz. Leider ist der Ausblick von hier ebenfalls heute nicht möglich, trotz schönem Wetter in Lubango ist es oben total neblig, ich kann auch hier keine 15 Meter weit schauen. Mit den Geschichten der Überfalle im Hinterkopf und der schlechten Sicht fahre ich zügig wieder zurück ins Tal, werde aber je nach Wetter morgen noch einen zweiten Versuch unternehmen.
    Leider bemerke ich auf der gesamten Strecke heute wieder einmal das Flattern im Lenkrad. Das Auswuchten der Reifen scheint die Ursache nicht beseitigt zu haben. Auch bekomme ich am Nachmittag eine Störung vom ABS angezeigt, welche auch nach Einstellen des ABS-Sensors nicht verschwindet. Möglicherweise hat ein Radlager ein Schaden, wäre zumindest eine Erklärung für beide Fehler gleichzeitig. Ich nehme mir vor, die Radlager zeitnah zu prüfen.
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  • Tag 218, 51 Km/28969 Km

    4 de abril de 2025, Angola ⋅ ☁️ 22 °C

    Ich prüfe am Morgen zuallererst das Radlager auf Spiel, von dem ich glaube, dass es die Vibrationen erzeugt. Das Radlager ist optisch in Ordnung, ich entdecke jedoch ausgeschlagene Buchsen am Dämpfer der Lenkung, diese könnten die Ursache sein. Glücklicherweise checke ich gleich noch Öl- und Kühlwasser, was mir später noch zu Gute kommen wird.
    Gemeinsam mit zwei weiteren Fahrzeugen fahren wir ins Zentrum von Lubango. Auf einem der Berge steht eine Christus-Statue nach dem Vorbild von Rio de Janeiro, welche hier vom selben Künstler errichtet wurde. Die Statue ist ein Stück kleiner als das Original, beim Blick nach unten fehlen Zuckerhut und Copacabana, dafür steht man anders als in Rio nicht zu Tausenden auf der Aussichtsplattform. Der Blick auf Lubango ist trotzdem großartig. Vor einigen Jahren hat man die Statue restauriert und die Einschusslöcher vom Krieg entfernt, das Gesicht der Statue zeigt trotzdem noch Krater. Vielleicht war die Leiter zu kurz.
    Wir entscheiden uns anschließend, gemeinsam noch einmal zum Tundavala Gap zu fahren, mit drei Fahrzeugen ist das Risiko eines Überfalls in meinen Augen geringer als gestern ganz alleine. Bereits auf der Zufahrtsstraße nach Tundavala fahrend rieche ich plötzlich Kühlflüssigkeit. Hab ich ja am Morgen noch geprüft, sollte eigentlich in Ordnung sein. Der Defender hat den Vorteil, dass bei einem Verlust von Kühlflüssigkeit zuerst die Heizung ausfällt. Ich stelle die Heizung also auf Maximaltemperatur, es wird jedoch nicht warm. Ich halte an, öffne die Motorhaube und sehe schon, dass eine Mischung aus Dampf und Wasser fontänenartig aus dem Ausgleichsbehälter der Kühlflüssigkeit sprudeln. So schnell ich kann mache ich den Motor aus und kippe Wasser nach, von den 11 Litern Kühlflüssigkeit fehlen 6 Liter. Die Ursache des Problems ist schnell gefunden, das Rückschlagventil im Deckel des Ausgleichsbehälters ist abgebrochen, das Wasser verdampft also in die Umgebung. Jetzt kann ganz viel passiert sein, Kolben oder Zylinderkopfdichtung können kaputt sein, da der Motor unkontrolliert zu heiß geworden ist. Der Motor springt an, läuft auch rund. Mögliche Langzeitschäden zeigen sich dann in den nächsten Tagen. Außerdem brauche ich einen neuen Deckel für den Behälter. Natürlich ist zufällig heute Feiertag und alle Händler für Autoteile haben zu. Ich fahre zurück zum Stellplatz von letzter Nacht und will da in Ruhe das Rückschlagventil prüfen, als es kurz nach Ankunft zu schütten anfängt. So bleibe ich also im Auto sitzen und warte den Regen ab, als ich einige Minuten später merke, dass Wasser in den Fußraum läuft. Kein Kühl-, sondern Regenwasser. Im strömenden Regen steige ich aus und sehe, dass die Dichtung der Windschutzscheibe gerissen ist. Das Wasser läuft durch das Armaturenbrett runter in den Fußraum, vorbei an jeglicher Elektronik die sich dahinter befindet. Komplett durchnässt warte ich erstmal ab, bis es aufhört zu regnen. Wegen dem Feiertag kann ich heute natürlich auch keine Dichtmasse kaufen. Immerhin gelingt es mir irgendwann eine halbleere Tube Silikon von einem Anwohner aufzutreiben. Silikon gehört eigentlich ins Bad und nicht ans Auto, aber heute will ich mal nicht so sein. Somit quetsche ich das weiße Duschkabinesilikon in die undichte Naht hinein. Danach mache ich mich an das Kühlsystem. Der Deckel muss neu, soviel ist klar. Ich muss allerdings in zwei Tagen aus Angola raus sein, kann also nicht mehr das Wochenende abwarten und hier einen neuen Deckel kaufen. Ich versuche das Rückschlagventil mit Sekundenkleber zu kleben, was ziemlich gut klappt, ich bin mir allerdings nicht sicher, was passieren wird wenn das Kühlwasser die 90 Grad Celsius erreicht. Löst sich der Kleber, bleibe ich kurz darauf stehen, das ist mir klar. Außerdem hat der Kleber nun auch das Ventil zugeklebt, der Überdruck kann somit nicht mehr entweichen. Sicherheitshalber bohre ich mit einer heißen Nadel ein kleines Loch in den Deckel, klein genug, dass nur wenig Dampf entweicht, groß genug, um den Überdruck abzubauen.
    Bis zur Grenze sind es 400 Kilometer, bis Windhuk 1000, da gibt es ziemlich sicher einen Deckel. Somit ist die weitere Strecke klar, ich lasse links und rechts erst einmal alles liegen und fahre zuerst nach Windhuk, treibe dort einen neuen Deckel und neue Gummilager für die Lenkung auf.
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  • Tag 219, 435 Km/29404 Km

    5 de abril de 2025, Angola ⋅ ☁️ 25 °C

    Bevor ich Lubango verlasse, halte ich in einer kleinen Werkstatt in einem der Vororte der Stadt. Ich habe wenig Hoffnung, probiere hier aber einen Deckel samt Rückschlagventil für das Kühlsystem zu bekommen. Man sucht 10 Minuten im Lager und als es schon heißt, es gäbe keinen passenden Deckel sehe ich im Hof einen Defender stehen. Tatsächlich ist der Deckel mitsamt Rückschlagventil noch da. Für den Deckel muss ich nichts zahlen, ich soll in Windhuk aber einen neuen kaufen und diesen per Post zurückschicken. Was ein Service!
    Keine 10 Kilometer später spüre ich, dass das Vibrieren im Lenkrad zu einem Schlagen wird. Hinzu kommt ein kreischendes Geräusch aus der Vorderachse. Eines der Radlager ist gebrochen. Das Fahrzeug ist noch fahrbereit und mir bleibt erstmal nichts anderes übrig als so weiter zur Grenze zu fahren. Natürlich kann es Folgeschäden geben oder das Lager komplett blockieren, aber es gibt aktuell keine Alternative. Ich habe zwei neue Radlager dabei, aber die wechsle ich sicher nicht einen Tag vor Ablauf des Visums hier am Straßenrand in Angola.
    Ich fahre also rund 450 Kilometer mit dem beschädigten Lager, vorbei an unzähligen Panzern und weiterem Kriegsgerät, welches hier seit dem Bürgerkrieg herumsteht. Angola hat nach der Ukraine noch immer die meisten Landminen aller Länder der Welt, somit ist ein Verlassen der Piste bzw. der Straße nicht die beste Idee. Die Straße zu verlassen ist größtenteils eh nicht möglich, der viele Regen der letzten Wochen hat ganze Landstriche unter Wasser gesetzt. Ich schaffe es trotz der Probleme mit dem Fahrzeug bis kurz vor die Grenze, finde hier jedoch keinen Stellplatz für die Nacht. Die gesamte Region steht auch hier unter Wasser, ein Wildstellplatz fällt aus. Ich frage in den beiden Kirchen der Stadt, ob ich - wie schon so oft - im Hof übernachten darf, doch bei beiden werde ich weggeschickt. Also bleibt als letzte Option nur das teure Hotel in der Stadt. Die Zimmer sehen gut aus, sind aber leider voller Insekten, krabbelnd sowie fliegend. Das warme Wasser funktioniert nicht, nach wenigen Minuten dann auch das kalte nicht mehr.
    Auch wenn der letzte Tag mit Problemen endet, wird dies vermutlich die letzte Nacht in Angola sein, die 30 Tage Visum habe ich morgen voll ausgereizt. Alles in allem war Angola ein Traum und am Ende kann ich sagen, dass Angola für mich persönlich das bislang schönste Land in Afrika war.
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  • Tag 220, 288 Km/29692 Km

    6 de abril de 2025, Namíbia ⋅ ☁️ 26 °C

    Ich fahre früh los, möchte so zeitig wie möglich an der Grenze sein um für alle Eventualitäten die sich ergeben Puffer zu haben. Leider komme ich nicht weit. Die Schläge aus dem Radlager nehmen derart zu, dass ich mich nach 10 Kilometern nicht mehr traue weiterzufahren. Ich habe Angst, dass richtig was kaputt geht, dermaßen stark Vibriert es aus der Vorderachse. Keine 10 Kilometer gefahren bleibe ich also stehen. Heiner ist nicht mehr fahrbereit. Am Straßenrand stehend entferne ich den Radmitnehmer, dahinter befindet sich die Mechanik der Radlager. Die Radlager werden mit einer Mutter mit 52 Millimeter Durchmesser mit einem Drehmoment von 210 Newtonmeter angezogen, was wirklich ordentlich ist. Anschließend wird diese Mutter noch mit Hammer und Meißel verkerbt. Die Verkerbung hat sich bereits aufgedrückt und die Mutter hat sich schon eine halbe Umdrehung gelöst. Das Radlager muss extreme Kräfte auf die Mechanik ausgeübt haben. Ich ziehe also die Radlager nach und fette alles, nach einer guten Stunde kann ich tatsächlich weiterfahren, die Schläge sind deutlich weniger. Beide Radlager müssen trotzdem neu - zeitnah.
    Immerhin wieder Fahrbereit erreiche ich die Grenze. Die Seite Angolas läuft reibungslos, hier werden jedoch zweimal die Tage mit den Fingern nachgezählt, die ich im Land war. Spätestens jetzt muss ich froh sein, das Visum nicht überzogen zu haben. Im kurzen Niemansland zwischen den beiden Grenzposten wechsle ich in den Linksverkehr, zum ersten Mal auf dieser Reise. Dann geht es an die Einreise nach Namibia. Dass ich ohne E-Visum auftauche ist kein Problem, die Chefin der Grenzstation (20 Kilo zu viel, pinke Fingernägel und ein Zebrafell über die Schultern) bearbeitet meine Einreise persönlich und ist sehr nett, alles dauert aber klappt problemlos. Nach drei Stunden Wartezeit geht es rein nach Namibia, ich war zuletzt vor rund 10 Jahren hier. Es gibt Gerüchte über eine unsichere Gegend im Norden rund um die Stadt Oshikango, für mich fühlt es sich jedoch vollkommen normal und sicher an.
    Namibia leidet seit einigen Wochen stark unter dem Regen, der in diesem Jahr deutlich stärker ist als alle Jahre zuvor. Am Nachmittag ziehen in der Ferne auch heute tiefschwarze Regenwolken auf, die sich am Abend dann zu einem Wolkenbruch ergießen. Ich kann kaum aus dem Auto aussteigen, als ich schließlich die Sachsenheim, einen deutschen Campingplatz erreiche. Schon am Einfahrtstor steht ein Schriftzug in deutscher Sprache. Auf dem Stellplatz ist alles erstklassig, abgetrennte Parzellen, heiße Duschen, alles extrem sauber - so wie das Heinz und Erika auf ihrer Wohnmobilreise durch Afrika gerne haben. Es ist schon ungewohnt, in einer solchen Umgebung zu sein, wird aber vermutlich ab sofort zur Normalität gehören.
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  • Tag 221, 1 Km/29693 Km

    7 de abril de 2025, Namíbia ⋅ ⛅ 26 °C

    Ich tausche die Radlager. Ein Radlagertausch ist generell eine Tagesaufgabe, Bremsbacke, Radmitnehmer und Bremsscheibe müssen dazu runter. Glücklicherweise habe ich alles an Ersatzteilen für einen kompletten Lagertausch beider Radlager dabei. Da das Bremssystem demontiert werden muss, muss ich nach dem Tausch die Leitung entlüften, zum Glück habe ich einen Liter Bremsflüssigkeit in Reserve dabei. Alles klappt problemlos. Die alten Lager sind nicht gebrochen, haben aber beide 'gefressen', beide Lager lassen sich von Hand nicht mehr drehen. Durch die heftigen Schläge aus den defekten Lagern ist leider auch der Stoßdämpfer geplatzt. Als hätte ich es geahnt, habe ich beim letzten Stoßdämpferwechsel in Ghana direkt zwei gekauft. Auch wenn mich der sperrige Dämpfer die letzten tausenden Kilometer echt genervt hat, jetzt bin ich froh ihn zu haben.
    Die Lager zu tauschen dauert fast den ganzen Tag, manche Verschraubungen lassen sich nicht lösen, hier und da muss ich beim Werkzeug improvisieren. Der Radlagertausch macht trotzdem genauso viel Spaß wie Elefanten gucken :-)
    Auch wenn bei der Probefahrt wieder alles sanft ist, muss der Stoßdämpfer neu. Heißt für mich, einen weiteren Tag auf dem 'deutschen' Campingplatz.
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  • Tag 222, 12 Km/29705 Km

    8 de abril de 2025, Namíbia ⋅ ⛅ 29 °C

    Ich tausche den Stoßdämpfer. Ein Stoßdämpferwechsel ist im Vergleich zum Radlager recht einfach, nach 3 Stunden ist alles wieder wie an dem Tag, als Heiner damals in England vom Band gelaufen ist.
    Weil ich schon einmal dabei bin, mache ich direkt auch einen Ölwechsel. Einen neuen Filter habe ich mittlerweile. Ich passe gut auf, kein einziger Tropfen Öl kommt auf den Boden.
    Das Altöl steht keine 30 Minuten in 5-Liter Wasserkanistern neben dem Auto, schon möchte einer der Arbeiter vom Campingplatz das Öl haben. Auch den alten Stoßdämpfer kann er gebrauchen. Altöl ist in Afrika eine begehrte Ware, die Fahrzeuge die tiefschwarzen Rauch ausstoßen und in die jeden Tag 5 Liter Öl nachgekippt werden muss bekommen sicherlich nicht Super-Longlife-Öl für 10€ pro Liter.
    Bei der Probefahrt am späten Nachmittag läuft wieder fast alles wie gehabt, keine Vibrationen und keine Schläge mehr, auch wenn beim ABS noch nicht alles passt und nach der Probefahrt noch eingestellt werden muss.
    Die Fahrt nach Windhuk kann ich mir also ersteinmal sparen. Somit kann es morgen endlich mit der normalen Route weitergehen.
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