Restday: Gorges du Verdun
26 juillet 2024, France ⋅ ☀️ 31 °C
Die beiden bekannten Gesichter heißen Tabea und Christoph:)
Nach einem ausgiebigen Frühstück wandern wir in die Gorges du Verdun. Das ist gar nicht so einfach, da es nicht so viele Wanderwege gibt und man teilweise Straße laufen muss. Um uns dies und einige Höhenmeter auf dem Rückweg zu ersparen, entscheiden wir spontan, durch die Schlucht zurück zu schwimmen. Leider haben wir keinen Drybag für unsere Sachen mitgenommen, sodass wir nach einem Anhaltertretboot
für unser Gepäck ausschau halten. Mit Erfolg, zwei SchweizerInnen sind so freundlich es für uns zu transportieren und so schwimmen wir los, weichen den Booten aus und hüpfen das ein oder andere Mal ganz unelegant ins Wasser. Nach gut 1,5 oder 2 km erreichen wir das Ende der Schlucht und fiden die SchweizerInnen mit unserem Gepäck am Strand wieder.
Schwimmen macht hungrig und so geht es direkt zum Campingplatz, wo wir uns einen kleinen Schmaus aus Datteln im Speckmantel, Melone, Käse und Oliven gönnen.En savoir plus
Gorges du Vedun von oben
27 juillet 2024, France ⋅ ☀️ 26 °C
Lac du Verdun - La Souche
Heute wird noch einmal ein Blick von oben auf die Gorges du Verdun geworfen. Dafür sind zwar einige Höhenmeter zu bewältigen, aber die Panoramastraße lohnt sich. Ein kurzer Fahrradtausch mit Christoph – 50 kg Packesel gegen einen Carbonflitzer – macht zumindest ein paar der Höhenmeter deutlich entspannter. Nach gut 30 km trennen sich unsere Wege. Tabea und Christoph fahren auf der anderen Seite der Schlucht zurück zu ihrem „Camper“, und ich radle nach Osten weiter. Eigentlich wollte ich noch ein paar Kilometer machen, bin aber schon etwas müde und finde ein wunderbares Plätzchen an einer alten Brücke. Hier bleibe ich und nutze die Zeit für ein paar Reparaturarbeiten an meinen Klamotten.En savoir plus
Nicht meine Welt; Bilanz Frankreich
28 juillet 2024, Italie ⋅ ☀️ 28 °C
La Souche - Irgendwo zwischen Monaco und Italien
Nach einer ruhigen, zeltfreien Nacht und erstem Frühstück geht es zunächst nach La Bastide. Dort decke ich mich mit frischem Brot und Käse vom Markt ein und verputze direkt eine weitere Leckerei (irgendein Kuchen mit Cremefüllung). Im Anschluss geht es durch eine steppenartige Berglandschaft. Erste Teslas und andere teure Autos deuten bereits darauf hin, dass man sich der Küste der Reichen nähert.
Etliche Kilometer vor der Küste sind die Berge schon deutlich stärker besiedelt. Campen würde bereits hier, aber auch an der Küste schwierig werden. Campingplätze sind natürlich ungemein teuer und ich stelle mich bereits auf eine lange Fahrt ein.
Eine erste, sehr schöne Abfahrt durch die Gorges du Loup führt mich an den Wasserfällen Saut du Loup vorbei. Nach ein paar weiteren Kilometern mit teilweise gutem Radweg komme ich in Vence an, einer kleinen, sehr touristischen, aber schönen Stadt.
In Nizza angekommen, werden die Touristenmassen, die ich bisher gesehen habe, nochmal bei Weitem übertroffen. Straßen, Restaurants und Strände sind gut gefüllt. Sympathisch ist mir das Ganze hier allerdings nicht. Die Privatjets am Flughafen, immer mehr und teurere Autos und vollgeschminkte Gesichter zeigen doch ein spezielles Klientel, das sich hier – unter anderem – bewegt. Es wirkt anonym und egozentrisch, und je weiter ich nach Monaco komme, desto mehr nimmt dies zu.
Es dämmert bereits, als mich kurz vor Monaco ein Jogger anspricht, so wie man als Radreisender eben häufig angesprochen wird. Woher kommt man? Wohin fährt man? Was macht man? Wo schläft man? Und dann fragt er, wie als würde er jemanden nach der Uhrzeit fragen, ob ich ihm für 100 Bucks einen Blowjob geben würde - kein Scherz. Ich brauche eine Weile, bis ich checke, dass er das wirklich gerade gefragt hat. Doch er wiederholt es, ich habe mich nicht verhört. Was laufen hier bitte für kranke Leute rum? Oder macht das Geld die Leute hier krank?
Mir reicht es hier nun auf jeden Fall. Es ist krass, wie unwohl und auch unsicher man sich plötzlich in einer Gegend fühlen kann, wenn eine solche Frage kommt. Ich beschließe, noch so weit zu fahren, bis die Welt wieder etwas normaler wird und ich eine Gegend erreiche, in der ich mich halbwegs wohlfühle. Dabei durchquere ich noch Monaco, wo der Reichtum in Superjachten, Casinos und Automarken, die ich noch nie zuvor gesehen habe (und vor allem nicht in dieser Menge), gipfelt.
In einer Art Späti besorge ich mir noch einen Energydrink und fahre bis nach Italien weiter. Die Straße hinter der Grenze ist wegen herabfallender Deckenteile eines Tunnels gesperrt, was natürlich kein Problem für ein Fahrrad ist und einen potenziell ruhigen Ort zum Übernachten verspricht.
Es ist bereits fast halb drei, als ich eine Art Ausweichbucht oder einen alten Rastplatz finde und hier für ein paar Stunden mein Zelt aufschlage.
Bilanz Frankreich II (nach Andorra):
Strecke: 956 km
Kürzeste Strecke: 48 km
Längste Strecke: 142 km
Platten: 0
Reisetage (davon Radeltage): 11 (10)
Zelt (davon Campingplatz): 8 (2)
Unter freiem Himmel: 3
Verloren: Wassermelone
Geschenkt bekommen: Cantaloupe-Melone, Honig
Kaputtgegangen/Ersetzt: -
Wetter: Puh, heiß, aber zum Glück gibt es viele öffentliche Trinkwasserquellen
Essen: Baguette, Käse, die Reduziertbox bei Lidl und Super U
Auch das zweite Mal in Frankreich hat mir sehr gut gefallen. Es gibt einfach sehr viele Radfahrende und überhaupt sind die Franzosen und Französinnen – so mein Eindruck – offene, unternehmungslustige und freiheitsliebende Menschen. Die Natur war mit den Pyrenäen, den südlichen Ausläufern des Massif Central und der Provence einzigartig vielfältig und hat mir unglaublich gut gefallen, ganz im Gegenteil zur Côte d’Azur (und Monaco). Noch besser und noch mehr mitnehmen würde ich sicherlich mit ein paar Französischkenntnissen, doch das gilt sicherlich für jedes Land.En savoir plus

VoyageurEs käme Dir vermutlich weniger anonym vor, wenn Du dort ebenfalls mit einem Privatjet angekommen wärst. Dann hätten Dich sicher sofort irgendwelche Schickimickis mit Bussi links und Bussi rechts begrüßt :-D Für 100 Bucks? Der Typ ist echt sowas von krank. In Monaco kostet das doch mindestens 300!

VoyageurBerichte doch bitte mal, wie Du es geschafft hast, eine Wassermelone zu verlieren - Ist die bei der Abfahrt weggerollt?

VoyageurNur dass wir uns richtig verstehen, wir sprechen doch von diesen fußballgroßen, grünen Früchten? Die kann nicht weg sein! Du hast nur nicht richtig hingesehen. Schau' doch noch einmal in sämtliche (Hosen-)Taschen! Vermutlich findest Du sie demnächst wieder, wenn Du ganz etwas anderes suchst, so ist das ja meistens ;-)
Irgenwo - Finale: Es wird wieder schöner
29 juillet 2024, Italie ⋅ 🌩️ 32 °C
Irgendwo zwischen Frankreich und Italien - Finale Ligure
Nach nur gut drei Stunden Schlaf sitze ich wieder auf dem Rad. Einige Autos kommen hier doch in der Unwissenheit vorbei, dass der Tunnel gesperrt ist, was längeres Schlafen unentspannt macht. Außerdem ist der Ort – bis auf die Aussicht – nicht ganz so schön.
Ich rolle hinab in den ersten italienischen Ort und kann ein kurzes Bad (und eine Stranddusche) am ruhigen und noch leeren Strand genießen. Der frühe Vogel fängt den Wurm, denn die vollen Mülleimer deuten darauf hin, dass hier später richtig was los sein wird. Bisher sind es nur wenige Jogger, Spaziergänger und zwei Radler, die direkt am Strand übernachtet haben.
Nach dem erfrischenden Sprung ins Meer gibt es noch einen Wach-mach-Cappuccino zur Schlafmangelkompensation und ein Pistaziencroissant. Hier an der italienischen Küste gefällt es mir schon deutlich besser als auf dem gestrigen Abschnitt.
Auch die Fahrradinfrastruktur ist mit einem langen und streckenweise gut ausgebauten Küstenradweg super, auch wenn die Gegend natürlich wieder mal ganz schön touristisch und (rücksichtslos) kommerziell ausgebeutet wird. Campingplätze direkt am Strand, die 44 Euro kosten sollen und dabei wirklich heruntergekommen aussehen, sprechen Bände.
Ich fahre deshalb noch weiter bis nach Finale Ligure. Dort liegt ein großes Klettergebiet und die Gegend kommt mir sehr viel sympathischer vor – zu Recht, wie ich die nächsten Tage feststellen werde. Ich finde einen kleinen Campingplatz in den ruhig gelegenen Bergen, der nur 11 Euro kostet und wo ich die nächsten Tage verbringen werde, um die Zuarbeiten meiner Co-AutorInnen einzuarbeiten und den letzten Schliff der Reviewbearbeitung vorzunehmen.En savoir plus
Finale Paperarbeit in Finale Ligure
30 juil.–4 août 2024, Italie ⋅ ⛅ 32 °C
Finale Ligure bzw. Finalborgo und der Campingplatz gefallen mir super. Hier herrscht ein ganz anderer Vibe. Endlich sind die Leute wieder entspannt und „normal“ im Vergleich zur Küste. Ich bleibe fünf Nächte hier und es stellt sich fast ein Alltag ein:
Morgens Frühstück auf dem Campingplatz und dabei mit den anderen Leuten (vorwiegend Klettererinnen und Kletterer) quatschen. Dann 5 km runter nach Finalborgo rollen und im Workshop-Bistro (hier arbeiten viele Menschen mit Beeinträchtigungen) einen Cappuccino trinken. Danach geht es in die angrenzende Bücherei zum Arbeiten. Die Mittagspause kann bei einer kleinen Gerichtsauswahl oder einfach einem Stück Pizza oder Focaccia ebenfalls im Bistro gemacht werden. Es ist wirklich ein wunderschöner und entspannter Ort, an dem abends auch noch viele Kulturveranstaltungen stattzufinden scheinen.
Einen Abend schaue ich mir noch das ebenfalls angrenzende Archäologische Museum an. An einem anderen Tag lerne ich in der Bücherei Elisa kennen, die hier für ihren Doktor (mittelalterliche ligurische Literatur und Sprachen) in den Archiven recherchiert hat und mich noch auf ein Bierchen einlädt. So stelle ich fest, dass auch in Italien Tapas bzw. Aperitivi üblich sind und bekommenoch ein paar Tipps, was es noch alles zu sehen gibt. An einem anderen Abend treffen wir uns noch zu einem Livekonzert, das einer ihrer Freunde in einer Bar an der Küste gibt.
Wieder an einem anderen Tag nimmt mich Chiara (ebenfalls auf dem Campingplatz), die eigentlich ihren Doktor in Hamburg macht, aber viel remote arbeiten kann, mit ihrem Auto zum gemeinsamen Coworking in der Bibliothek nach Finalborgo mit. Sue gibt mir noch einen Geheimtipp auf meiner weiteren Strecke: einen über einen Seitentunnel eines Eisbahntunnels nur zu Fuß oder Fahrrad erreichbaren Strand.
Abends essen wir noch gemeinsam mit ihrem Kletterkumpel im Restaurant neben dem Campingplatz und treffen noch eine lokale Kletterlegende (laut den Bildern im Restaurant waren hier auch sondt schon viele weltberühmte Kletterer).
So lässt es sich eigentlich ganz gut leben, ich müsste nur noch Geld fürs Paperschreiben bekommen. Vielen Dank auf jeden Fall an Chiara und Elisa, für die gute Zeit und vielen Tipps!
Am Freitag wird das Paper eingereicht und ich nutze den Tag noch für eine Wanderung zur Grotta dell'Edera, alten Ruinen und einer einsamen Kapelle. Einem Kletterduo, dem ich noch den Weg zur Grotta dell'Edera beschrieben habe, gabelt mich auf dem Rückweg mit ihrem Camper auf, sodass ich mir einige Höhenmeter spare – klein ist die Welt!
Finale war wirklich klasse und ich werde sicherlich mal für einen Kletterurlaub hierher zurückkommen, allerdings zu einer anderen Jahreszeit. Die Temperaturen betrugen nämlich 33 Grad tagsüber und um die 26 Grad nachts bei einer Luftfeuchtigkeit von 60 bis 80 %.En savoir plus
Finale Ligure - Masso: Kunst und Küste
3 août 2024, Italie ⋅ ☀️ 30 °C
Am späten Vormittag verlasse ich den Campingplatz und verabschiede mich von Chiara und ihren Kletterfreunden. Ich bekomme noch ein paar Tipps für Übernachtungsplätze, die auf dem Weg liegen. Den ganzen Tag geht es an der Küste entlang, 50 % Straße, 50 % Radwege. Ganz Italien und Teile der Niederlande, Deutschlands und der Schweiz scheinen sich hier an den Stränden versammelt zu haben. Doch obwohl die Küste rappelvoll ist, ist sie noch immer schön und nicht unangenehm touristisch.
Ich passiere ein paar Parks, Kunstwerke und Genua, halte aber ansonsten gar nicht so häufig an. Nach den Pausentagen sind die Beine frisch und wollen den ganzen Tag treten. So schaffe ich es zwar nicht ganz bis zum empfohlenen Wildcampingstrand, aber dafür wieder mal zu einer Kapelle mit Aussicht.En savoir plus
Masso - Monte Porcia: Verborgene Pfade
4 août 2024, Italie ⋅ ☁️ 27 °C
Morgens erklimme ich die restlichen Höhenmeter, um in das Dörfchen Framura an die Küste zu kommen. Die gut 700 m hohen Berge reichen hier fast bis ans Meer heran, was bereits einen Tag mit vielen Auf und Abs verspricht.
Nach gut zweieinhalb Stunden Fahrtzeit erreiche ich Framura, eine Kommune, die aus fünf kleinen Dörfchen besteht. Trotz der bergigen und durch das Meer eingeengten Lage ist das Örtchen mit einer Bahnlinie, die die Küstenorte verbindet, überraschenderweise gut angebunden. Neben der neuen Bahntrasse existiert auch wieder eine alte, die nun als Fahrrad- und Fußgängerweg dient und sämtliche Touristen in den Ort lockt. Die Strecke lässt sich nicht nur gut fahren (keine Steigung), sondern ist durch die vielen Tunnel auch angenehm kühl.
Im zweiten Tunnel soll sich laut Chiara ein Weg zu einem verborgenen Strand und Wildcampingplatz befinden. Tatsächlich zweigt nach ein paar 100 Metern ein kleiner Nebentunnel ab. Mit Mülltonnen (scheint offiziell toleriert zu sein) und abgestellten Fahrrädern ist er nicht zu übersehen. Ich schließe mein Rad im Tunnel an und bewege mich auf die halb verschüttete Öffnung zu. Auf der anderen Seite liegt ein Pfad, der durch einen kleinen Pflanzendschungel führt. Links und rechts gehen überall kleine Pfade ab, die auf kleine Hügelchen oder Lichtungen führen. Auf diesen stehen einige Zelte oder gespannte Hängematten. Ein Geheimtipp ist das hier wohl nicht mehr, dennoch sehr schön und ungestört. Zwei weitere Pfade führen zum Felsstrand hinab. Beim Baden muss man aufgrund der Steine und Felsen in der Brandung etwas aufpassen, doch der kurze Hüpfer ins – wenn auch sehr warme – Wasser ist es wert.
Nach dieser kurzen Expedition geht es weiter durch die schattigen Eisenbahntunnel - bestens geeignet für die Mittagspause. Pausen kann man sowieso nicht genug machen, weshalb ich direkt 3 km weiter noch eine Cafépause in Bonassola einlege. Hier überlege ich so lange über den weiteren Weg, dass die Zeit soweit voranschreitet und ich mich für die kürzere Strecke entschließe - so kann man auch Entscheidungen treffen.
Bevor es wieder in die Berge geht, erledige ich noch den Einkauf fürs Abendessen, was hier interessanterweise selbst am späten Sonntagnachmittag kein Problem ist. Nach ein paar weiteren Höhenmetern finde ich heute ausnahmsweise etwas früher einen Ort mit wunderbarer Aussicht. So kann ich im Sonnenuntergang mein neues Top-Campingessen, Gnocchi-Tomate-Mozzarella-Topf mit Kräutern aus der Provence, kochen.En savoir plus
Essenstracker und Rechnereien
5 août 2024, Italie ⋅ ☁️ 25 °C
Monte Porcia - ≈Gaiano:
8:06 Uhr:
1/4 Packung Haferflocken mit Wasser, einem Löffel Honig und einer Handvoll Nuss-Frucht-Mischung: ca. 470 kcal + ? + ca. 125 kcal
Ca. 11 Uhr: Nach einem Berg rauf und runter Kaffeepause in einem traditionellen Dorfcafé, wo sich gefühlt alle älteren Herrschaften versammelt haben: Cappuccino und Cornetto con Pistachio: ? + ca. 300* kcal
12:41 Uhr: Supermarkteinkauf, Kefirdrink trinken und Banane snacken: ca. 331 kcal + ca. 100* kcal
15:01 Uhr: Apfelpause im nächsten Anstieg ca. 75 kcal
16:00 Uhr: "Mittagspause", um das Gewitter vorüberziehen zu lassen, 300 g Brot, 200 g Humus, 1 Tomate, Parmesan, Honig, Tomaten-Gemüsepaste: geschätzt ca. 85*0 kcal + 630 kcal + ?
21:?? Uhr: Abendessen: Brot und Hummusreste, ca. 200 g Pasta Aglio e Olio, Tomaten-Gemüsepaste und Parmesan: ca. 720 kcal + 400* kcal + ?
Gesamtkalorienzufuhr ungefähr: 4000+ kcal
Etappenlänge: 101 km, 1700 hm
Das entspricht damit grob einem Verbrauch von 0,5 l Diesel (37,4 MJ/l*) oder Benzin (34,9 MJ/l) pro 100 km und schlägt damit jeden Verbrenner.
*basierend auf nichtwissenschaftlicher Google-Recherche
Erfreuliche Zusatznachricht: Das überarbeitete und am Freitag wieder eingereichte Paper wurde übers Wochenende akzeptiert. Juhu, eine "Sorge" weniger!En savoir plus
≈Gaiano - ≈ Revere: Parma, Parmesan, Po
6 août 2024, Italie ⋅ ⛅ 33 °C
Aufgrund meines nicht ganz optimal gelegenen Wildcampingplatzes breche ich bereits um 6:30 Uhr auf. Erster Stopp ist das Museo del Pomodoro (Tomatenmuseum) und Museo della Pasta, leider sind beide heute geschlossen.
Im Anschluss kompensiere ich meinen frühen Start mit einer extra langen Cappuccino- und Croissantpause im nächsten Café. Dann geht es weiter nach Parma. Die Stadt besticht nicht gerade durch besonders schöne Architektur, allerdings gibt es hier neben ganz viel Parmesan und Prosciutto ungewöhnlich viele Fahrradfahrer. Sehr erfreulich.
Die Museen in Parma hatten bereits vermuten lassen, dass es heute kulinarisch wird. Als ich die Stadt verlasse, finde ich mich auf dem Food Valley Bike Radweg wieder, dem ich eine Weile folge. Ich passiere einige Parmesankäsereien und passend dazu eine Barilla-Produktionsanlage.
Irgendwann erreiche ich den Po und lande damit wieder auf dem Eurovelo 8. Erfreulicherweise führt dieser auch noch Wasser, auch wenn der Spiegel vermutlich deutlich höher sein sollte, wie sehr große Sandbänke und überhaupt die Breite des Flusses vermuten lassen. Der Fluss scheint die Lebensader der umliegenden Landwirtschaft zu sein. Wobei Lebensader es nur zur Hälfte trifft. Viele – vermutlich ehemalige – Höfe sind verlassen und verfallen. Sieht hier ein bisschen so wie in Brandenburg, wenns in Brandenburg halt so aussieht.
Ansonsten ist der Radweg am Fluss – wie einige Brücken – zwar nicht immer bestens in Schuss, lässt sich allerdings gut fahren und führt gerade am Anfang entlang vieler alter Industriebrachen. Hinter jeder Flussbiegung gäbe es hier eigentlich etwas zu erkunden (später geht es allerdings kilometerlang auf dem Deich entlang und wird etwas eintönig). Stellenweise sind auch einige Picknickplätze oder Caravanplätze vorhanden. So finde ich auch heute Abend an einem Bootsclub ein ruhiges Plätzchen mit öffentlicher Toilette und fließendem Wasser.En savoir plus
≈Revere - ≈Ferrara: Gewitter
7 août 2024, Italie ⋅ ⛅ 35 °C
Heute war unzufriedenstellend, spät ins Bett und spät losgekommen. Nach kurzem Fahren folgte dann eigentlich auch schon die Mittagspause, um die Hitze zu überbrücken. Erholsam war sie dennoch nicht, da etliche Mücken, Fliegen und sonstiges Getier störten. Am späten Nachmittag bzw. Abend gab es dann leider auch nicht mehr die Gelegenheit, Kilometer zu machen, ein ordentliches Gewitter unterbrach die Pläne und ließ mich nach erstem Ausharren an einem Gebüsch ins nächste Dorf mit Pizzeria flüchten. Dort gab es erst einmal eine viel zu teure Pizza (eigentlich waren nur Getränke und Bedienung teuer). Na ja, es kann nicht jeder Tag perfekt sein. Immerhin fand ich noch einen durch eine Brücke überdachten Abschnitt des Fahrradweges, wo ich mein Zelt aufschlagen konnte.
Ein kleines Highlight gab es allerdings doch: Wie immer der Cappuccino und Bäckereinkauf in einem kleinen Dorf. Nicht nur schön, weil man hier gemütlich und günstig Kaffee trinken kann, sondern auch, weil die Atmosphäre mit den Dorfbewohnern einfach schön ist und es mich immer wieder freut, wenn trotz Sprachbarriere ein kurzes Gespräch mit dem Cafébesitzer, der Bäckereiverkäuferin oder sonst jemandem aus der Gegend zustande kommt.En savoir plus
Kaltes Bier und kalte Dusche
8 août 2024, Italie ⋅ ☀️ 21 °C
≈Ferrara - ≈Rosolina:
Manchmal ist es ganz spannend, dort zu übernachten, wo es offensichtlich ist und wo Leute vorbeikommen. Der gewittergeschützte Zeltplatz der letzten Nacht lag unter einer Brücke direkt neben dem Radweg. Morgens fuhren die ersten Fahrräder vorbei und Jogger und Spaziergänger liefen vorbei. Zwei ältere Damen sprachen mich an. Mithilfe der Übersetzungs-App berichtete ich kurz von meiner Reise und erkundigte mich dann nach dem nächsten Café. Ein zweites Pärchen kam hinzu und ich erhielt meine Wegbeschreibung auf Italienisch. Die Konversation traf ziemlich genau das, was man im Italienischkurs lernen würde:
„Geradeaus über die erste Kreuzung, dann an der zweiten rechts. Bis zur großen Straße beziehungsweise Kirche. Dort links und dann wenige Meter.“ So ungefähr muss es zu übersetzen gewesen sein. Auch wenn ich nur links, rechts, zweite Kreuzung, Kirche verstand, sitze ich nun im Café – vermutlich jenem, das der Herr mir beschrieben hat.
Die Strecke auf dem Deich ist heute relativ eintönig, und ich strample sie mit Podcast im Ohr vorwärts. So habe ich zur Mittagspause gegen 14 Uhr bereits 70 km geschafft und den Einkauf erledigt. Das bessere Zeitmanagement als gestern belohne ich mir mit einer ausgedehnten Pause, um der Hitze und prallen Sonne auf dem Deich zu entgehen. Als ich um 17 Uhr gerade aufbrechen will, tauchen zwei Marokkaner mit einem Beutel eisgekühlter Bierdosen auf. Da kann ich nicht Nein sagen und erprobe gleichzeitig, welche arabischen und amazighischen Wörter mir noch einfallen. Eine Stunde und zwei Bier später verabschiede ich mich dann aber, um noch ein paar Kilometer zu schaffen.
Erfreulicherweise holt mich kurz darauf eine italienische Radfahrgruppe ein. Die nächsten 20 km mit diesen Pacemakern vergehen so wie im Flug – alleine habe ich mir inzwischen doch häufig ein gemütliches bloß-nicht-schwitzen-Tempo angeeignet.
In Porto Viro trenne ich mich dann von der Gruppe, um nochmal Wasser aufzufüllen. Das ist gar nicht so einfach, wenn ein paar ältere Italienerinnen danebenstehen. Mein Wassersack ist bereits halb voll, als eine ältere Dame im beisein einer zweiten mir energisch zu erklären versucht, dass das Wasser viel zu warm sei. Ich bin noch dabei zu verstehen, was sie gerade sagt, als mir der Wassersack aus der Hand genommen und ausgeschüttet wird. Die Dame drückt nun weiter auf den Wasserspender, in der Hoffnung, dass es kühler wird. Vergeblich, denn der ganze Platz stand tagsüber in der Sonne. Ein dritter Mann eilt hinzu, sagt, dass das Wasser auf der anderen Platzseite kühl sei, schnappt der Frau den Beutel aus der Hand und geht, ihn aufzufüllen. Welche Bemühungen und Freundlichkeit, nur wollte ich das Wasser doch zum Kochen und Duschen nutzen! Na ja, am Abend habe ich wenigstens eine kalte Dusche. ;-)
Ich radle nun ein paar Kilometer weiter bis zur Küste, wo ich auf der Karte wieder einen Picknickplatz und eine Kapelle entdeckt habe. Nur bin ich nicht ganz allein. Beim Abendessen erledige ich so viele Mücken, dass ich gar nicht hätte kochen brauchen. Mit dem Mückenproblem hat man im Winter gar nicht zu kämpfen. Neben der Haltbarkeit bzw. Möglichkeit, frische Lebensmittel zu transportieren, ist das definitiv ein Vorteil des Winterradelns, allerdings würde ich mich da nicht über kaltes Duschwasser freuen. ;-)En savoir plus
≈Rosolina - Cortellazzo: Inselhopping
9 août 2024, Italie ⋅ ☀️ 29 °C
Es war wieder mal ein guter Campspot. Tische, Bänke und eine ruhige Nacht (ohne laute Zikaden). Nur morgens weckten mich die Autos von der nahe gelegenen Straße auf. Doch so komme ich immerhin früh los.
Leider knackt es seit gestern Nachmittag und auch heute wieder etwas am Tretlager oder der Kurbel. Etwas störend, wo es sonst doch eine ruhige Morgenstimmung ist. Vermutlich ist es nur ein Metallspan, zumindest kommt mir das Geräusch bekannt vor und auch Christoph hatte mal darüber berichtet (Danke, das hilft nun 😉). Ich lege kurzerhand einen Stopp ein, schraube die Kurbel ab, reinige die Verbindung, fette neu, schraube alles wieder zusammen und habe von nun an Ruhe. Verrückt, dass ich auf dieser Reise schon häufiger meine Kurbel auseinandergebaut habe als die Reifen geflickt.😅
Ich passiere ein paar Fischerhütten und komme nach ein paar weiteren Kilometern im nächsten Café für den morgendlichen Cappuccino und Toilettengang an. Wie so häufig zu sehen, sitzt auch hier wieder eine große Gruppe älterer Männer einfach beisammen, teilweise minutenlang schweigend, dann sich unterhaltend oder Zeitung lesend und meist gar nichts konsumierend. Einzelne Männer ergänzen und verlassen die Runde, und ich frage mich, warum das hier (wie ja auch in Marokko) eigentlich so ein Männerding ist.
Nach dem Café geht es weiter nach Chioggia, was bereits etwas wie ein kleines Venedig aussieht. Von hier will ich die Fähre durch die Lagunen nehmen. Drei Fährfahrten (Chioggia - Pellestrina - Lido - Punta Sabbioni) und gadt dreißig Euro. Ich überlege lange, ob mir es diesen überteuerten Preis wert ist (für Leute aus der Region kostet es ein Drittel). Am Ende beiße ich in den sauren Apfel. Die Alternative wären 100 km außen rum, größtenteils auf Straße. Am Ende ist es auf jeden Fall eine schöne Strecke und ich kann mich zudem daran erfreuen, wie viele Fahrradfahrende (wenn auch mit hyperschnellen E-Bikes) hier unterwegs sind - auf den kleinen Inseln vermutlich praktischer als ein Auto. Außerdem treffe ich noch Mattia, der mit einem Kumpel einen Wochenendausflug mit dem Rad macht. Bevor die beiden weiter zu seinem Häuschen in (oder heißt das auf?) Venedig fahren, geht es noch gemeinsam an den Strand, wo sich die Menschen Mühe geben, kreative Shelter aus Strandgut zu bauen.
Der letzte Fahranleger in Santa Maria Elisabetta auf Lido gleicht eher einer Bus- oder U-Bahnstation. Im Minutentskt legen hiet Boote an und ab für die Weiterfahrt nach Venedig oder auf die anderen Inseln.
Wieder auf dem Festland angekommen, muss ich mich dann sputen. Es ist schon etwas später, die Sonne geht hier inzwischen bereits gegen 20:30 Uhr unter, und es ist immer noch sehr touristisch, was die Schlafplatzsuche schwieriger macht. In herrlicher Sonnenuntergangsstimmung fahre ich in die Nacht hinein, verpasse einen halbwegs guten Spot am Rande eines Maisfeldes, durchquere ein eingezäuntes Waldgebiet und dann die nächste Stadt, Jesolo. Ich ärgere mich, dass ich mich nicht neben dem Maisfeld niedergelassen habe, dort wäre man zumindest etwas sichtgeschützt gewesen. Als ich bereits im Dunkeln eine Mautbrücke (Fahrräder kostenlos) überquere, frage ich die beiden Brückenwärter, ob es hier einen Platz gäbe, wo ich mein Zelt aufschlagen könnte. Es folgt eine kurze interne Diskussion, in der ich nur animali raushöre und einwerfe: „Animali, no problem“ (was sicherlich mehr Englisch als Italienisch ist). Nach kurzem Überlegen schnappt sich einer der beiden eine große Taschenlampe und führt mich zu einem Feldweg, wo ich im Rhythmus der Volksmusik aus dem nächsten Dorf mein Zelt aufschlagen kann. Wie mir noch erklärt wird, wächst auf dem Feld neben mir Soja. Das muss ich mir morgen noch einmal im Hellen anschauen – schließlich habe ich Soja noch nie live wachsen sehen!En savoir plus
Kriminell werden
10 août 2024, Italie ⋅ ☀️ 35 °C
Cortellazzo - Pallazzolo della Stella
Weit fahre ich heute nicht. Da es hier noch immer touristisch und dicht besiedelt ist, limitiert sich die Strecke durch erreichbare Übernachtungsplätze. Ein kostenloser Caravanparkplatz in Palazzolo della Stella stellt sich im Laufe des Tages als potenzielles Ziel heraus. Auf dem Weg fallen mir – jetzt, wo ich weiß, wie Soja aussieht – etliche Sojafelder auf. Ebenso wie viele Fischerhütten mit Netzkonstruktionen, die ein einfaches Fischen zu ermöglichen scheinen.
In Latisana genehmige ich mir noch ein sehr leckeres Eis, bevor ich die letzten Kilometer zum Caravanplatz antrete, der sich glücklicherweise als Zelt geeignet erweist. Da es noch relativ früh ist, beschließe ich, noch kurz durch die Kleinstadt zu rollen, weit komme ich allerdings nicht. Von ein paar – schrägen Vögeln trifft es glaube ich ganz gut – werde ich zur Seite gerufen, auf Deutsch und Englisch über meine Reise befragt und auf ein Bier eingeladen bzw. drei, da es üblich sei, dass jeder (außer mir) eine Runde schmeißt. Wenn ich die etwas fetzenartige Kommunikation aus einer Mischung aus Englisch und Italienisch richtig verstanden habe, wurde mir auch noch ein Schlafplatz angeboten und eine Einladung zum Essen ausgesprochen. Da der Einladene, allerdings noch eine weitere Runde in der Bar bleiben möchte, verabschiede ich mich doch auf den Caravanplatz.
Hier habe ich nämlich noch vor ein, Verbrechen zu begehen, bevor ich – vermutlich morgen – Italien verlasse. In meinen Taschen befinden sich noch Risottoreis und Guacamole-Reste vom Mittagessen, die unbedingt weg müssen. Was ich nun tue, mag vielleicht schlimmer sein als Pizza mit Ananas, doch ich achte penibel darauf, keine Spuren zu hinterlassen und den Tatort fein säuberlich zu hinterlassen. Dennoch werde ich mich morgen schleunigst auf den Weg nach Slowenien machen.En savoir plus
Römerstadt und Fischerdorf
11 août 2024, Italie ⋅ ☀️ 33 °C
Pallazzolo della Stella - Villaggio Punta Sdobba
Beim Aufbrechen merke ich, dass etwas am Fahrrad nicht stimmt: Spiel in den Lagern des Nabendynamos. Nicht super tragisch, aber auch nichts, womit ich die nächsten tausend Kilometer fahren möchte. Doch heute ist Sonntag, sodass sich da sowieso nichts machen lässt. Ich kann also heute etwas trödeln und erst morgen in Triest ankommen.
Von meinen Caravan-Nachbarn Marcos und seiner Frau, beide aus Brasilien und nun in Italien lebend, werde ich doch auf einen Kaffee eingeladen und bekomme ein paar Weintrauben geschenkt. Wir verständigen uns aus einem wilden Mix aus Sprachen & Google Translator. Die beiden sind sehr kultur-, literatur- und wissenschaftsinteressiert (er ist Psychologe) und wollen auch unbedingt mal nach Deutschland und vor allem Leipzig und eine vollständige Öko-Village (welche das ist muss ich auch nochmal recherchieren) besuchen. Für Fragen wird direkt über Facebook verbunden. Was mir übrigens auffällt, ist, dass Marcos beim Schreiben auf dem Smartphone die 'Streich'-Eingabe nutzt und dies unglaublich schnell aussieht. In Europa sieht man kaum jemanden diese Funktion nutzen, in Brasilien sei es üblicher - interessant.
Beim Weiterfahren fällt mir die zweisprachige Beschilderung auf. Neben Italienisch wird hier (Region Friuli-Venezia Giulia) auch Friulian gesprochen, was laut Wikipedia aus dem Einfluss der umliegenden Sprachen (Deutsch, Slowenisch, Venezianisch, Italienisch) entstand.
Nach wenigen Kilometern fahre ich durch den Bosco Baredi - Selva di Arvonchi, der mit 162 ha das Friuvilan-Venezianische Ebene darstellt. Nicht groß, aber jetzt, wo ich darüber nachdenke, sind mir zuletzt wirklich wenige Wälder begegnet.
In der Mittagshitze radle ich weiter, es sind um die 36 Grad, doch die Luftfeuchtigkeit ist niedrig. Trick 17: Shirt und Haare an den Wasserquellen nass machen, und der Fahrtwind erledigt den Rest. So ist es eigentlich ganz angenehm.
Am Nachmittag fallen mir zunächst ein paar antike Säulen rechts des Radwegs auf. Es folgt ein kleines Städtchen, das zur Hälfte aus Ausgrabungsstätten besteht. Aquileia, eine alte Römerstadt. Laut Wikipedia mit angeblich 100.000 Einwohnern damals eine der größten Städte der Welt, heute sind es nur noch 3.500 [1].
Nach Mitragspause und einem Eis mache ich mich weiter auf den Weg durch die Lagune nach Grado. Schön, wenn nebenan nicht die hochfrequentierte Straße wäre. Grado selbst ist sehr touristisch. Wieder mal ist vieles eingezäunt und jedem Hotel oder Barbetreiber scheint ein Stück Stück Strand zu gehören. Ich frage mich, was die Leute daran so toll finden.
Ein paar Kilometer weiter wird es dann wirklich schön. Es folgt mooriges Lagunen-Moor-Gebiet mit ganz vielen wilden Brombeeren am Straßenrand. Auf der einen Seite liegt das Meer und ein Vogelschutzgebiet, auf der anderen Seite wird Landwirtschaft betrieben und einige Häuser haben große Gärten in denen jede Menge Gemüse angebaut wird und Hühner herumlaufen. Ob die hier wohl Selbstversorger sind?
Ich fahre noch ein kleines Stückchen weiter und kann - nach Nachfrage - auf der Wiese neben einem einzeln stehenden Restaurant mein Zelt aufschlagen. Bevor ich mit dem Kochen beginne, schaue ich mir noch kurz das Fischerdorf Villaggio Punta Sdobba an. Häuschen und Hafen sehen wirklich genauso aus, wie man es sich in einem Fischerdörfchen vorstellen würde.
[1] https://en.m.wikipedia.org/wiki/AquileiaEn savoir plus
Superyachten und Höhlenforscher
12–14 août 2024, Slovénie ⋅ ☀️ 33 °C
Villaggio Punta Sdobba - Trebiciano
Um dem Café und Restaurant, auf dessen Grundstück ich übernachten durfte, etwas zurückzugeben, bestellte ich meinen Cappuccino heute hier. Aufgegangen ist der Plan jedoch nicht ganz, da die Kasse offenbar nicht funktionierte und man irgendwie auch kein Bargeld wollte, ging der Cappuccino aufs Haus. Na ja, dann zahle ich eben mit einer positiven Google-Bewertung.
Die nachfolgende Strecke nach Triest ist anfangs noch schön und wird dann wirklich katastrophal. Auch die Strecke offiziell eine Radroute ist, ist die Fahrradinfrastruktur (insgesamt um Trieste) gottlos. Große Straßen, kleiner oder kein Seitenstreifen und viel Verkehr. Die Stadt selbst hingegen ist im Altstadtkern und hingegen wirklich schön. Auch der alte Hafen und Bahnhof ist mit seinen halb zerfallenden, aber in der sanierung befindlichen Gebäuden spannend anzuschauen und lässt ein schönes Viertel in der Zukunft erhoffen.
Von der Küste aus erspähe ich eine riesige Segeljacht. Da scheint jemand wirklich viel zu viel Geld gehabt zu haben. Mit dem VesselFinder ist das Schiff auch schnell identifiziert und klar, wer dahintersteckt. James-Bond-klischeehaft gehört die SY A [1] dem russischen Oligarchen Andrey Melnichenko und fährt unter der Flagge Sierra Leones. Warum das? Weil die Flagge über das Steuer- und Rechtswesen (auch über Normen und Arbeitsschutz), das auf dem Schiff gilt, entscheidet. Seiten wie die unter [2] bieten eine ganze Reihe an Möglichkeiten (Bankgeschäfte, Wohnsitze, Yachtflaggen, ...), wie die ohnehin schon Reichen Steuern umgehen und noch reicher werden können – falls mal jemand in die Situation kommt, bestimmt hilfreich. Nun, ein bisschen Gerechtigkeit gibt es natürlich doch auf der Welt: Die Yacht darf seit einiger Zeit nämlich vor Ort stehen bleiben, da sie von der italienischen Guardia di Finanza im Rahmen der Russlandsanktionen konfisziert wurde.
Nach diesem kleinen Rechercheexkurs begebe ich mich auf die Suche nach Fahrradläden. Auch wenn ich einige Tipps bekommen habe, ist es gar nicht so einfach. Entweder wird erst am Dienstag geöffnet oder es ist wegen Urlaubs geschlossen. Nach 10 km Fahrt finde ich am Ende aber doch einen Laden, der innerhalb von Minuten und kostenlos das Lager justiert – das Rad läuft wieder rund :)
Nach einem letzten, sehr guten italienischen Eis (Gelateria Con Amore) mache ich mich auf den Weg nach Slowenien. Die ersten Kilometer sind mit krasser Steigung und vielen Autos wieder ein Graus. Dann wird es aber schön, einsam und ruhig. Nach dem ganzen Autolärm heute ist es eine wahre Wonne, wieder in den Bergen zu sein.
Kurz vor der Grenze mache ich an einem Picknickplatz halt. Gegenüber steht ein kleines Gebäude, auf dem ein Mensch auf dem Dach ein Zelt montiert – gute Chancen, dass ich hier auch einfach übernachten kann. Ich frage nach und Raffael – wie ich erst am nächsten Tag erfahre – sagt, dass es kein Problem sei, wenn ich hier ein oder zwei Tage mein Zelt aufstellen würde. Er ist Doktorand und das Gebäude dient der Forschung. Forschung findet natürlich nicht ohne Bier statt und so bietet Raffaele mir noch ein Bier an und zeigt mir Technikraum, Labor und Co. Von hier ausgehend werden die Höhlen in den Bergen und der Fluss, der 300 m (krass) unter uns in einer Höhle verläuft, erforscht (Projekt unter [3,4,5]). Hierfür sind diese Woche extra französische Taucher da, die das durch Wasser verschlossene Höhlensystem weiter erkunden und vermessen. Die Höhle, die zum Fluss führt, ist übrigens im oberen Bereich mit Leitern und sogar mit WLAN ausgestattet – zu Sicherheits- und Kommunikationszwecken.
Neben Höhlen gibt es in dem Karstgestein etliche Dolinen, die bis zu 100 m tiefe trichterförmige Krater bilden.
Auf dem Dach zeltet Rafael allerdings nur, weil heute Sternschnuppennacht ist, und er ein paar Fotos und Aufnahmen machen möchte.
Den nächsten Tag beschließe ich nun doch, hier zu bleiben und mir noch ein bisschen mehr erklären zu lassen. Mir wird der Eingang zur Höhle gezeigt, und ich unternehme eine kleine Wanderung zu einer der großen Dolinen. Dann fahre ich noch einmal über die Grenze nach Sežana. Mein erster Eindruck: Ein starker Preisverfall in den Supermärkten verglichen mit Italien, es gibt wieder häufiger öffentliches WLAN, und die Polizisten scheinen entspannt drauf zu sein, zumindest der, der mich in Zivil ansprach, auch viel mit dem Fahrrad unterwegs war und auf Nachfrage meinte, dass Wildcampen hier (Slowenien) schon geht.
Am Abend gibt es in der „Forschungsstation“ dann sogar noch eine kleine Geburtstagsfeier mit ganz viel Essen. Ein Glück habe ich vorher noch ein bisschen eingekauft, so kann ich zumindest noch einen Salat beisteuern.
[1] https://en.m.wikipedia.org/wiki/A_(sailing_yacht)
[2] https://goodbyematrix.com/boot-anmelden/#:~:tex….
[3] Video: https://youtu.be/v8hLJfE4G_A?si=QqsC2514XI2nCQKP
[4] Zeitungsbericht in eng: https://www.intrieste.com/2023/08/09/timavo-und…
[5] Website auf Italienisch: https://sastrieste.it/index.php/progetti/En savoir plus
Auf nach Slowenien; Bilanz Italien
14 août 2024, Slovénie ⋅ ☁️ 32 °C
Trebiciano - Dvorec Haasberg
Meine Route habe ich heute ein paar Mal angepasst, als ich auf der Karte ein paar Wasserfälle und später über eine Tafel mit drei verschiedenen Radrouten entlang einiger Sehenswürdigkeiten stolperte. Die Radinfrastruktur scheint hier ganz gut zu sein und führt einen über viele kleine und wenig befahrene Nebenstraßen.
Die Wasserfälle waren ohne Wasser tatsächlich relativ unspektakulär, und ich begnügte mich mit einer kurzen Wanderung durch das überwiegend trockene Flussbett.
Nach der Mittagspause traf ich dann Charlotte und Julde aus der Schweiz, mit denen ich eine Weile zusammenfuhr. Der Start in ihren Fahrradurlaub verlief alles andere als entspannt, als sie mit dem Zug nach Ljubljana und ihr Gepäck und Räder nach Zagreb fuhren. Bis auf zwei Taschen mit Klamotten, Schlafsäcken und Isomatten haben sie alles wiederbekommen, beim Ersetzen half dann Decathlon.
Nach einer gemeinsamen Gewitterdurchfahrt trennen sich unsere Wege dann am späten Nachmittag wieder. Ich schaue mir noch kurz die Felsenburg Predjama an, die in der sonst doch ruhigen Gegend von Touristenbussen überschwemmt wird.
Dann geht es weiter nach Planina, wo ich mich trotz fortgeschrittener Zeit noch für einen kurzen Abstecher entscheide und so auf einen kleinen Picknickplatz an einem alten, zerfallenen Herrenhaus (Devorec Haasberg, am Ende des Zweiten Weltkriegs niedergebrannt) stoße. Jenes wird nur noch von ein paar Ziegen und einem Esel bewohnt, drumherum wird allerdings alles gut in Schuss gehalten. Gegenüber steht ein kleines Freilichtmuseum mit alten landwirtschaftlichen Gerätschaften und es gibt ein kleines Café mit Sitzgelegenheit im Freien. Alles ist liebevoll hergerichtet, gut gepflegt und dekoriert. Auf dem Parkplatz stehen bereits einige Camper. Ich frage beim nächstgelegenen Wohnhaus nach, ob ich hier wohl übernachten könnte (die Slowenen sagen immer, sie sprächen ein bisschen Englisch, und dann ist es absolut fließend). Das Zelten stellt kein Problem dar. Ich darf mir auch noch Wasser zapfen und bekomme noch ein bisschen was über die Gegend erzählt: Die Mutter des Mannes kümmere sich vor allem um die Ruine und Instandhaltung, und während der Regenzeit seien die Wiesen unten am Fluss alle überschwemmt, sodass man manchmal mit dem Boot ins Dorf auf die andere Seite fahren müsse.
Ansonsten fiel mir heute während der Fahrt auf, dass in den Gärten oder auf kleinen Feldabschnitten sehr viel Gemüse selbst angebaut wird und in vielen Vorgärten jede Menge Apfel- oder Birnenbäumen steht. Es gab viele Wiesen, auf denen Heu geerntet wurde, und auch die Holzwirtschaft scheint eine wichtige Rolle zu spielen. An den Flüssen sind häufig alte Sägemühlen (inzwischen verfallen und nur noch auf Karten und Infotafeln eingezeichnet) zu finden, und vor fast jedem Haus lagern riesige Brennholzvorräte.
Bilanz Italien:
Strecke: 1000 km
Kürzeste Strecke: 58 km
Längste Strecke: 146 km
Platten: 0
Reisetage (davon Radeltage): 16 (11)
Zelt (davon Campingplatz): 16 (5)
Kaputtgegangen/Ersetzt: Lager Nabendynamo (repariert)
Wetter: heiß (mittags meist um die 35 Grad), teilweise schwül und gewittrig
Essen: Natürlich Pasta, Pizza, Gnocchi-Tomaten-Mozzarella-Topf, der tägliche Cappuccino und gelegentlich ein Cornetto sowie Eis
Eigentlich war ich gar nicht so lange in Italien, dafür fühlte es sich hier aber ganz schön vertraut und heimlich an. Sicherlich trugen dazu meine entspannten und ausgiebigen Caféaufenthalte und die Zeit in Finale Ligure mit einem fast normalen Alltag bei. Zugegebenermaßen war es weniger abenteuerlich, dennoch sehr schön und fühlte sich eher wie ein Urlaub als eine Reise an. Highlights waren definitiv Finale Ligure, die Gegend um bzw. kurz vor La Spezia, die vielen netten Leute, die mir weitergeholfen oder viel gezeigt haben. Und natürlich der tägliche Cappuccino, der ist natürlich Champions League, auch wenn ein Café con Leche auch lecker ist.En savoir plus
Noch mehr Höhlen
15 août 2024, Slovénie ⋅ ☀️ 32 °C
Dvorec Haasberg - Krka
Am Morgen werfe ich noch einmal einen kurzen Blick ins Museum und trinke einen Cappuccino in dem kleinen, gartenhausgleichen Café. Hier scheinen sich auch einige umliegende Dorfbewohner zu treffen.
Für einen kurzen Abstecher in das Rak Škocjan Tal nehme ich noch ein paar extra Höhenmeter in Kauf. Im Park angekommen, gibt es beeindruckende Höhlen, aus denen der Fluss Rak strömt und wieder verschwindet, und natürliche Felsbrücken zu sehen. Wirklich beeindruckend!
Die Radstrecke nach Ljubljana ist dann etwas stärker von Autos (viele Urlauber) befahren und nicht ganz so schön.
In Ljubljana komme ich zuerst an einem recht leeren Ort an und bin zwei Straßen weiter vom Trubel im Altstadtkern erst einmal überrascht. Kein Wunder, denn der Stadtkern ist wirklich richtig schön. Leider spiegelt sich dies auch in den Preisen der Eisdielen, Restaurants und – wie mir eine Einheimische bei einem Bier berichtet – auch extrem in den Mieten nieder (ausuferndes Airbnb lässt grüßen).
Als ich aus der Stadt fahre, ärgere ich mich noch einige Kilometer über das soeben getrunkene, unnötig teure Bier – Probleme muss man haben oder einfach vorher nach dem Preis fragen. Ich fahre noch bis in die Dunkelheit hinein und finde – dank des Tipps eines Einheimischen – einen schönen Platz direkt am Fluss.En savoir plus
Wenig fahren, viel Essen
16 août 2024, Slovénie ⋅ ⛅ 33 °C
Krka - Podlog
Nach einem kurzen morgendlichen Flussbad mache ich mich heute auf nach Žužemberg, das ich gestern schon erreichen wollte (kostenloser Caravanplatz) und mir als hübsches Dörfchen empfohlen wurde. Der Radweg dorthin ist hübsch hügelig und führt wieder einmal durch kleine Dörfchen, in denen fast jeder seinen eigenen Gemüsegarten mit einem Sortiment zu haben scheint, das manchen Supermarkt neidisch machen würde.
Žužemberk entpuppt sich dann wirklich als sehr schönes Städtchen. Bei Croissants und Kaffee lasse ich das Zelt trocknen und schreibe die FindPeguins der letzten Tage. Im Anschluss schlendere ich durch die öffentlich zugängliche Burg, die über der Stadt thront.
Als ich gerade aufbrechen und weiterfahren will, spricht mich (Junge, bin ich schlecht im Namen merken) ein Literaturprofessor aus Köln (das habe ich mir gemerkt), an und lädt mich auf ein Bierchen ein, was darin endet, dass ich wieder in mein Cappuccino-Restaurant zurückkehre und noch ein ganzes Mittagessen ausgegeben bekomme – Dankeschön! Bei unserer Unterhaltung kommt heraus, dass er mit seiner Begleiterin vor ein paar Jahren eine ziemlich ähnliche Strecke wie ich – nur mit dem Motorrad – zurückgelegt hat.
Zugegebenermaßen war das regionale Gericht sehr lecker, für einen Radlermagen jedoch etwas klein, sodass ich nach meinem Aufbruch direkt einen Supermarkt in der nächsten Stadt ansteuere. Unglücklicherweise erspäht mein kulinarisch geschärftes Auge nach dem Einkauf noch einen Bäcker. Natürlich kann ich hier nicht widerstehen, ein paar slowenische Spezialitäten zu kaufen, und habe am Ende wieder mal viel zu viel Essen.
Immerhin hilft Helena, die ich am Supermarkt getroffen habe und die auf dem Weg nach Albanien ist, bei einer gemeinsamen Mittagspause etwas mit.
In der Pause plane ich aufgrund einiger Tipps, die ich die Tage von diversen Leuten erhalten habe, meine Route um und entscheide mich, nicht über Zagreb, sondern weiter südlicher zu fahren. So steht heute dann noch ein kurzer Anstieg und eine Abfahrt in eine weite Ebene nach Črnomelj an. Ich fahre noch ein paar Kilometer aus der Stadt, finde eine kleine Hütte an einem Fluss und hole mir das „Okay“ von Einheimischen für eine Übernachtung ab.En savoir plus
Huch schon Kroatien: Bilanz Slowenien
17 août 2024, Croatie ⋅ ⛅ 34 °C
Podlog - Slunj
Beinahe hätte ich heute die Grenze verpasst, oder anders gesagt, ich fragte mich, was das denn für ein Gebäude mitten in Slowenien sei, das aussieht wie eine Grenzstation. Es waren wohl nicht mehr so viele Kilometer bis zur Grenze gewesen, und trotz eher holpriger, aber durch schöne Natur führender Radwege war ich plötzlich schon in Kroatien.
Der Radweg hier führte vorwiegend über wenig befahrene und asphaltierte Nebenstraßen, vorbei an etlichen snackbereiten Pflaumenbäumen. Leider schlug nach dem Grenzübertritt aber auch das Müll-in-der-Umwelt-Barometer wieder häufiger aus. Auffällig waren zudem viele Grabsteine mit Todesjahren von 1991 bis 1995 an den Straßenrändern. Zusammen mit überdurchschnittlich vielen Männern höheren Alters (≈50+), denen mal ein Bein oder Arm fehlte, traurige Zeugen des Kroatienkrieges bzw. der Jugoslawienkriege. Ob die alten verfallenen und nun auffällig vielen neu gebauten Häuser ohne Fassade ebenfalls damit zusammenhängen, bleibt ungeklärt.
Andrej, den ich bei einem Bier kennenlerne, sagt allerdings, dass es hier vor 10 Jahren noch katastrophal (ich nehme an, die wirtschaftliche Lage) war und jetzt (mit dem Tourismus) langsam besser werden würde. Der Tourismus scheint inzwischen tatsächlich auch hier angekommen zu sein, insbesondere in Form von Rafting und Kajaking. Dies spiegelt sich, wie ich später feststelle, auch in den Preisen für Campingplätze bzw. Camper wider: 15 Euro auf einer Wiese mitten in der Stadt (Slunj) oder 35 Euro etwas außerhalb. Ein Hotel unten am Fluss soll auch gebaut werden, und jemand anderes würde einen Glampingplatz eröffnen.
Ich habe die böse Vorahnung, dass man sich hier vielleicht viel verspricht, am Ende bzw. in ein paar Jahren aber nur einige wenige glückliche Grundstücksbesitzer und Hoteliers profitieren und die Landschaft genauso verschandelt wird und dieselben Probleme auftreten wie an den Mittelmeerküsten und Touri-Hotspots dieser Welt.
Andrej spricht übrigens ein bisschen Deutsch, weil er in einer Tunnelbaufirma in der Schweiz arbeitet. Acht Tage arbeiten, sechs Tage frei in Kroatien und tatsächlich eine ganz solide Bezahlung. Dennoch denke ich, dass er ganz schön am Malochen ist. Der Tourismustraum mit aufstrebender Wirtschaft in der Heimat klingt dann natürlich wirklich gut.
Bilanz Slowenien:
Es war nur ein kurzer Aufenthalt, und den Norden des Landes habe ich gar nicht gesehen. Das, was ich sah, gefiel mir sehr gut. Die Fahrradinfrastruktur war klasse, genauso wie das Angebot an geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Informationstafeln, die meistens auch ins Englische übersetzt waren.
Wichtig ist übrigens immer, etwas Bargeld dabei zu haben. Häufig kann doch nicht mit Karte bezahlt werden.
Kaputgegangen/Ersetzt: Fahrradständer
Essen: Eine Komposition aus italienischer, österreichischer und balkan Küche. Ŝtrudelj und Burek sind sehr zu empfehlen:)En savoir plus
Bellend, regnerische Begrüßung
18 août 2024, Bosnie Herzégovine ⋅ ☀️ 25 °C
Slunj - Bihać
Da ich gestern weder 35 noch 15 Euro für einen Caravanplatz ausgeben wollte, stand mein Zelt am Ende unter einer Laterne zwischen einer Neben- und Bundesstraße. Ungeeignet zum Kochen wurden schließlich nur zwei Möhren, Brot und Kichererbsen aus der Dose verzehrt. Sicherlich einer der schlechtesten Spots, zwar mit Erlaubnis eines Anwohners, aber wenn man sich durch notwendige Ohropax nicht mehr auf sein Gehör verlassen kann, fühlt es sich einfach nicht gut an – zumal in so exponierter Lage. Ob man mir wohl alles aus dem Zelt klauen könnte, ohne dass ich aufwachen würde?
Auf jeden Fall führt der Schlafplatz wieder zu einem frühen Aufbruch. Obwohl die Straße als Fahrradweg deklariert ist, gibt es wohl wenig, was weniger als Fahrradroute geeignet wäre. Unzählige Autos und LKWs (obwohl es früh und Sonntag ist) und kein Seitenstreifen. Stattdessen etliche Schilder mit der Aufschrift „rooms“, „zimmer“, „apartments“. Es ist unglaublich touristisch hier bzw. werden hier wohl die Touristen untergebracht. Gut angebunden durch die Straße ist man sowohl schnell in Richtung Meer, Berge oder Zagreb unterwegs.
Nach gut 20 km bin ich erleichtert, endlich auf die Straße nach Bosnien abbiegen zu können. Hier finde ich auch noch ein authentisches Café, in welchem ich für rekordverdächtige 4 Stunden mit den nichtgeschriebenen Findpenguins aufräume, WLAN genieße und die wichtigsten Elektrogeräte abschließend voll lade (Problem: Solarpanel und Geräte werden in der Sonne so heiß, dass sie nicht mehr ordentlich laden (oder es ist irgendetwas anderes, was ich noch nicht geblickt habe)).
Nach dem Durchprobieren verschiedener Kaffeearten breche ich auf nach Bosnien. Der Grenzübertritt klappt – durch Verwarnungen aus Theos Reisblock problemlos (nicht alle Straßen sind für Nicht-Locals passierbar) – Dankeschön :)
In Bosnien werde ich direkt von drei Hunden, die Fahrräder nicht zu mögen scheinen und einem kräftigen Gewitter begrüßt. Glücklicherweise kann ich unter dem Dach eines Supermarktes unterstellen und vertreibe mir nach ca. 45 Minuten Regen und Mittagessen die Zeit damit, zu schauen, was es hier so zu kaufen gibt. Ein bunter Mix aus westeuropäischen und bosnisch/"türkischen" Produkten und deutschen Elektrogeräten.
Als der Regen nachgelassen hatte, fuhr ich die letzten Kilometer bis Bihać. Auffällig waren vermehrt totgefahrene Tiere auf der Fahrbahn, Streuner und viele deutsche und österreichische Kennzeichen. Es schien sich bei ihnen allerdings gar nicht so häufig um Urlauber zu handeln, sondern um Leute, die in Deutschland oder Österreich lebten und arbeiteten und zum Familienbesuch nach Hause fuhren. Zumindest deuteten die Beobachtungen und Gespräche vor dem Supermarkt darauf hin.
Nachdem ich in Bihać einen anderen Radfahrer aus Berlin getroffen und von ihm ein Hostel empfohlen bekommen habe, beschließe ich nach reiflichem Überlegen aufgrund des immer noch angesagten Gewitters hier zu bleiben. Mein Körper freut sich über die erste richtige Dusche seit ca. 3 Wochen und das erste richtige Bett nach ca. 5 Wochen. Wobei ich wohl erst morgen beurteilen kann, wie erfreulich Letzteres war.En savoir plus
Noch nicht angekommen
19 août 2024, Bosnie Herzégovine ⋅ ☁️ 22 °C
Bihaxć - Martin Brod
Das Bett im Hostel hat mir wirklich erholsamen Schlaf gegeben. Ich wache früh auf, frühstücke gemütlich und unterhalte mich noch lange mit Henry. Aufgrund meiner Gemütlichkeit komme ich leider erst spät los und nehme so nur die Hälfte des regenfreien Vormittags mit. Dieser verläuft leider größtenteils auf einer großen Straße mit teils entspannter und nicht so entspannter Hundegesellschaft. Zwei Fußgänger kommen mir auf der Straße entgegen und erkundigen sich auf gebrochenen englischen Wortfetzen, wie weit es noch bis Bihać ist. Flüchtlinge?
Nach 25 km komme ich dann ins Gewitter, kann mich aber, bevor ich ganz durchnässt bin, unter das Vordach einer Moschee retten. In einer Regenpause fahre ich weiter und erreiche rechtzeitig ein Bistro, als es wieder anfängt, nicht wie Bindfäden zu regnen, sondern wie aus Eimern zu schütten. Ich nutze die Zeit fürs Mittagessen: türkischer Kaffee und Ćevapčići. Letztere werden mit fettig gebratenem Fladenbrot, zwei Scheiben Tomate und frischer Zwiebel serviert. Lecker! Insgesamt harre ich gut zwei Stunden im Bistro aus, bis Gewitter und Regen endlich nachlassen.
Die einzige Straße hier führt immer weiter im Tal am Fluss entlang. Es gibt einige schöne Ecken zu sehen, aber auch viele in die Landschaft geklatschte Neubauten oder Neubaubrachen, die zumindest teilweise für den Tourismus (hotelähnliche Gebäude) gebaut zu werden scheinen. Ich frage mich, wie hier die Genehmigungsverfahren aussehen. Es wirkt etwas so, als könnte man auf seinem Grundstück einfach losbauen, wenn man möchte. Schade, weil es die Natur zu zerstückeln scheint.
Als ich an einem Häuschen haltmache, an dem Sir (Käse) und Rakija beworben werden und ich ein Stück Käse kaufen will, ist es leider aus. Ich nutze aber die Gelegenheit und erkundige mich mit Zeichensprache und Übersetzungs-App, ob ich unten am Fluss zelten kann. Irgendwo scheint es zu gehen, gleichzeitig wird aber immer das Wort „Plati“ wiederholt, ich höre Euro heraus und mir werden mit der Hand „Geldgesten“ und fünf oder zehn Finger gezeigt. Letztere stehen vermutlich für 5 Euro ≈ 10 KM (konvertibilna marka, die spannenderweise früher fest an die Deutsche Mark und nun an den Euro gekoppelt ist). Das ist mir nicht ganz so sympathisch und ehrlich gesagt ist es mir auch noch nie passiert, dass eine Privatperson, die ich frage, ob ich mein Zelt aufstellen kann, Geld verlangt. Ich fahre weiter ins nächste Dorf, wo ein kostenloser Campingplatz auf der Karte eingetragen ist. In Realität ist es erstmal nur ein Picknickplatz neben einem Nationalpark-Infohäuschen. Bei einem Anwohner, der gut Englisch spricht, erkundige ich mich, ob ich hier wohl übernachten könnte. Er ist super hilfsbereit, telefoniert kurz und spricht dann mit den Nationalparkmitarbeitern, die gerade um die Ecke biegen. Kein Problem, ich kann hier einfach mein Zelt aufschlagen. Vorher koche ich aber noch und unterhalte mich mit einer tschechischen Familie, die mir noch ein paar Weintrauben dalässt. Und dann stellt sich heraus, dass ich mich zu früh gefreut habe: Es wird schon dunkel, als noch ein anderer, etwas chefiger aussehender Nationalparkmitarbeiter vorbeikommt und plötzlich doch Geld will. Leider spricht er schlechtes Englisch, und ich habe auch nicht wirklich Lust auf Diskussionen. Ich zahle die sechs Euro, die nun auch nicht teuer sind, finde es aber trotzdem komisch, dass ich nun plötzlich, gerade als die Nacht anbricht, doch noch etwas zahlen muss und quasi keine andere Wahl habe.
Resümee des heutigen und gestrigen Tages: So ganz angekommen bin ich weder in Kroatien noch in Bosnien. Es scheint mir, dass sich hier doch vieles um den Tourismus und ums Geld dreht. Die Autofahrer waren bisher auch nicht die Rücksichtvollsten bei ihren Überholmanövern oder wenn gerade eine große Pfütze zum Radfahrernasspritzen vorhanden war...Hinzu kommen viele streunende Hunde und diverse totgefahrene Tiere.
Mal schauen, wie die nächsten Tage werden...En savoir plus
Kette zusammengepfuscht
20 août 2024, Croatie ⋅ ☁️ 26 °C
Martin Brod - Kovaĉić
Bevor es richtig losgeht, drehe ich noch eine Runde durch Martin Brod. Hier fließen Unac und Una zusammen, und es gibt ganz hübsche Wasserfälle zu sehen. Überhaupt scheint der angrenzende Nationalpark einiges zu bieten, ist aber eher zum Wandern geeignet. Nach dem ersten Anstieg kann ich allerdings noch die Aussicht auf die dicht bewaldeten Berge und die Schlucht, die die Unac in sie gefressen hat, werfen.
Erfreulicherweise ist auf dieser Straße heute nicht so viel los und links und rechts ist viel Natur. Zu meinem halbwegs großen Entsetzen taucht mitten auf der Hochebene dann allerdings eine Müllhalde mit allen Hinterlassenschaften auf, die die Menschheit zu bieten hat. Farbeimer, Klamotten, Sofas, Waschmaschinen, Kühlschränke und wer weiß, was noch (eine Drohne wäre interessant zum Dokumentieren). Zu allem Überfluss ist hier auch nichts abgedeckt oder versiegelt, sodass sich der Müll schön herumverteilen kann. Wie kommt man überhaupt auf die Idee, eine Müllhalde auf einem Berg zu errichten? Es ist doch vorprogrammiert, dass alles langsam nach unten fliegt oder Schadstoffe durchs Wasser hinuntergespült werden. Wie es auch in Marokko schon zu beobachten war, scheint es hier einfach keine (ordentliche) Infrastruktur für die anfallenden Müllmengen zu geben. Auch etliche Flaschen und Dosen am Straßenrand zeigen ein deutliches Müllproblem. Ich denke, dass hier zumindest ein Pfandsystem helfen könnte, allerdings besteht dann immer noch das Problem der finalen Entsorgung oder des Recyclings. Nicht, dass wir da in Deutschland deutlich vorbildhafter wären. Schließlich sind wir Exporteuropameister im Kunststoffmüll [1] und ich möchte nicht wissen (doch eigentlich schon), wo der landet...[2]
Gegen Mittag komme ich in Drvar an. Die Stadt scheint christlicher geprägt zu sein, da ein großes Kreuz auf einem Hügel thront. Die Durchmischung der Religionen in Bosnien ist schon spannend. Die Stadt ist übrigens etwas kleiner als Rahden, hat aber circa fünfmal so viele Cafés (also ca. fünf), die auch noch gut besucht sind. Beim örtlichen Bäcker besorge ich mir mein Mittagessen, das aus einer Art Burek und einer Süßspeise aus ähnlichem Teig mit Pflaumenmarmeladenfüllung besteht. Lecker.
Nach der Mittagspause folgt der zweite Anstieg Richtung Kroatien. Es gibt einige Kriegerdenkmäler zu sehen – diesmal tatsächlich nicht an den Jugoslawienkrieg gedenkend, sondern an Partisanenaufstände (unter Tito) gegen die Besatzung Nazi-Deutschlands.
Ich komme an zwei Ansammlungen verlassener oder nie vollendeter Häuser vorbei und frage mich, was wohl deren Geschichte ist. Hängt dies auch mit dem Krieg zusammen?
Am späten Nachmittag passiere ich die Grenze und bin wieder in Kroatien. An diesem Grenzübergang ist im Vergleich zum anderen wirklich nichts los. Ich fahre noch bis Topolje, decke mich bei einem Restaurant mit Wasser ein und biege in ein Flusstal ab, um einen Übernachtungsspot zu finden. Zuvor treffe ich allerdings noch zwei Mädels, die mit zwei Fahrrädern und einer gerissenen Kette auf der Straße stehen. Ich biete meine Hilfe an und bekomme die Kette zu meiner eigenen Überraschung mit der Niete von einem meiner alten Kettenstücke wieder zusammen. Man hilft, wo man kann (auch wenn das ein Experiment war, von dem ich dachte, dass es nicht funktionieren würde). Als sie zweimal fragt, ob sie mir Geld dafür geben soll, lehne ich zweimal dankend ab. Ich bin dennoch etwas verwundert. Ist es hier üblich, für Kleinigkeiten Geld zu geben (oder zu verlangen, wie gestern, als ich nach einem Schlafplatz fragte)? Ich glaube, ich brauche noch eine Weile, um die Leute und die Kultur hier zu durchblicken.
[1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteil…
[2] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteil…En savoir plus
Live Müllentsorgung
21 août 2024, Croatie ⋅ ⛅ 28 °C
Kovačić - ≈Grab
Heute bekomme ich endlich das Gefühl, angekommen zu sein, denn der Vormittag beginnt mit einem wirklich schönen Abschnitt entlang des Flusses Krka. Dirtroad mit einer Prise Schotter und ohne Verkehr und geringer Besiedlung. Dazu ein paar alte Mühlen, Brücken und der Blick auf das höchste Gebirge (Dinara) Kroatiens.
Auf dem Weg zum "Auge Kroatiens" erkundige ich mich bei einem Haus, an dem Souvenirs und Getränke verkauft werden nach Bäckerei, Supermarkt oder Restaurant. Da hier die nächsten 30 km nichts kommen wird, schmiert mir Lilly ein Sandwich und bietet ihre selbst gemachte Minzlimo an. Sie ist mit ihrem Mann Milan nach langer Zeit Arbeit in Deutschland vor zwei Jahren wieder zurück hierher gezogen. Nun strickt und verkauft sie Täschchen und Souvenirs an die Touristen, die hier vorbeikommen. Ihre Kinder und Enkelkinder leben aber noch immer in Deutschland und kommen gelegentlich zu Besuch.
Wenige 100 m weiter erreiche ich dann das gut besuchte "Auge Kroatiens", eine Quelle, aus der die Cetina entspringt. Ein obligatorisches Foto und dann geht es mit einem kurzen Zwischenstopp, um in den Stausee Perućko jezero zu springen, weiter, bis ich endlich ein Restaurant für ein sehr spätes Mittagessen erreiche.
Nächster Stopp ist dann das kleine Dörfchen Grab. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, Menschen sitzen in den Bars, arbeiten in ihren Gärten und eine Gruppe von drei Jungs angelt in dem Bach, der durchs Dorf führt. Ganz anders sieht es dann ein paar Hundert Meter weiter bergauf aus. Der Graben neben der Straße oder Mini-Canyon, in dem vermutlich der Fluss verläuft, sieht wie eine Müllheide aus, teils noch frisch, teils überwuchert. Als ich mich noch frage, seit wie vielen Generationen die Leute hier ihren Müll abladen und ob dies noch immer gemacht wird, wo es doch Mülltonnen im Dorf gibt, hält hinter mir ein Auto. Ich höre den ersten Sack fallen und sehe den zweiten über die Leitplanke fliegen. Leider bin ich zu spät, um dies zu filmen, doch ein Foto vom Auto kann ich noch schießen - Anzeige geht raus. Was ist los mit den Leuten? Ist da wirklich gar kein Grips in der Birne? Ein Fluss oberhalb des Dorfes, der zum Fischen und Bewässern dient...etwas besseres kann einem kaum einfallen.En savoir plus
Seen und Pässe
22 août 2024, Bosnie Herzégovine ⋅ ⛅ 25 °C
Nach meiner Übernachtung irgendwo in den Bergen geht es zunächst den ziemlich schotterigen und steilen Fahrradweg weiter. Jeder geht glücklicherweise irgendwann in Asphalt über, und ich treffe auf wieder bewohnte Dörfer und drei Wachhunde, die mich erst nach 10-minütiger Beruhigungsarbeit langsam vorbeilassen.
Dann geht es über die Grenze, wo ich mir im nächsten Supermarkt endlich mein Frühstück besorgen kann und anschließend das nächste Café ansteuere. Auffällig sind hier übrigens die vielen Kroatienflaggen an den Häusern. Wie mir die deutschsprachige Tochter der Cafébesitzerin erzählt, erhalten die hier geborenen Menschen neben dem Bosnien-Herzegowina-Pass auch direkt den kroatischen. Teil des etwas komplizierten politischen Systems.
Ebenso spannend: Die Tochter der Cafébesitzerin lebt mit ihrer Familie seit 12 Jahren in Deutschland. Nun ist sie gerade bei ihren Eltern zu Besuch. Mit den Kindern und die Kinder selbst sprechen größtenteils Deutsch, trotzdem besitzen sie und ihr Mann keinen deutschen Pass, sie hätten ja einen kroatischen. Was bedeutet das eigentlich für Deutschland, bei
ca. 435.000
KroatInnen [1] und 438.000 BosniakInnen die in Deutschland leben und arbeiten und ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, aber gar nicht in Deutschland wählen können und nicht repräsentiert werden?
Nach dem Kaffee geht es zunächst hinab zum ersten großen See (Busko jezero) und von dort eine ganze Weile bergauf bis nach Tomislavgrad. Hier gibt es einen Einkaufs- und Burek-Zwischenstopp, bevor es in den zweiten Anstieg zum Blidinje jezero Bergsee geht. Die lange Fahrt verkürze ich mir mit dem von Theo empfohlenen Ballaballa-Balkan-Podcast (Empfehlung).
Im Dunkeln komme ich schließlich am See an, aber leider nicht mehr zu dem von Mina empfohlenen Campspot. Dafür treffe ich Mersad und Alma mit ihren beiden Kindern. Sie stammen ursprünglich von hier, leben nun aber auch seit den 90ern in Österreich. An ihrem Lagerfeuer werde ich auf ein Bier und Brötchen mit Ajvar eingeladen und unterhalte mich noch lange mit ihnen über Bosnien, die Welt und ihre Flucht aus dem damaligen Jugoslawien. Bezüglich der Pässe ist es bei den beiden übrigens ähnlich.
[1] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kroaten_in_Deut…
[ 2] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bosniaken_in_De…En savoir plus
Bundesstraße nach Sarajevo
23 août 2024, Bosnie Herzégovine ⋅ ☀️ 32 °C
Blidinje jezero - Sarajevo
Ich möchte es heute bis nach Sarajevo schaffen und entscheide mich daher für den direkten Weg. Das macht den Radeltag zur Nahtoderfahrung. Insbesondere von Jablanica auf der M17 den Berg hinauf. Auf einer deutschen Autobahn auf dem Seitenstreifen hätte ich mich vermutlich sicherer gefühlt als hier. Die Autos fahren relativ rücksichtslos, schnell und einen Seitenstreifen gibt es nicht. Statt in die Landschaft zu schauen, schaue ich quasi durchgehend in den Rückspiegel. Gute 40 km geht das so, bis ich in Bradina auf eine kleine Straße ausweichen und Höhenmeter gegen Sicherheit und Ruhe eintauschen kann. Oben am Gipfel angekommen, erfreue ich mich über eine kühle Quelle, an der ich eine erholsame Pause einlege, bevor es an die letzten Kilometer nach Sarajevo geht.
Auffällig bei diesem Abenteuer waren übrigens die vielen Restaurants am Straßenrand, an denen Lamm (Jagnjetina) am Spieß mit überdimensionalen betonmischerartigen Drehrädern rotierte (vielleicht kann ich irgendwo noch einmal ein Foto schießen). Und Tanklaster waren hier etliche unterwegs, als würden in ganz Sarajevo heute die Autos befüllt.
Bereits in Sarajevo angekommen, sehe ich in einem Randbezirk eine 40 Personen große Gruppe Flüchtlinge. Sie warten an einer Art Auto-Raststätte neben der großen Straße, die Hälfte hat es sich auf den Schienen der Bahnstrecke nebenan (un)bequem gemacht. Am Rand hält ein glänzend polierter Mercedes mit einem gelben Taxischild auf dem Dach. Geld wird hin und her geschoben. Das Schlepperhandwerk lässt sich live beobachten, wobei ich mich nicht so ganz traue, genau hinzuschauen. Einen der Flüchtlinge spreche ich kurz an und frage nach: Sie kommen aus Afghanistan, sind seit vier oder fünf Monaten unterwegs und wollen nach Deutschland oder so. Das ist alles, was ich verstehe, auch wenn mir etliche andere Fragen durch den Kopf gehen: Was war der entscheidende Moment, Afghanistan zu verlassen? Warum sind es nur Männer? Ist das Verbleiben in Afghanistan für Frauen sicherer als die Fluchtroute? Wie viel kosten die Schlepper und wie läuft das überhaupt ab?
Ansonsten entdeckte ich heute noch neue Geheimtipps für die kostenlose WLAN-Nutzung: Neben Cafés scheinen insbesondere Tankstellen und gelegentlich größere Supermärkte geeignet.
Bilanz: Slowenien - Sarajevo
Kürzeste Strecke: 53 km
Längste Strecke: 124 km
Strecke Gesamt: 834 km, 10881 hm
Platten: 0
Reisetage (davon Radeltage): 10 (10)
Zelt (davon Campingplatz): 8 (1)
Airbnb/Hostel: 1En savoir plus

VoyageurMagst Du mal schauen, was Vucko jetzt macht? --> https://www.youtube.com/watch?v=U8WGhCMfC94


























































































































































































































































Voyageur
Der Felsen ist mir unheimlich - sieht aus wie ein Schädel mit Augenhöhlen und Nasenloch.