Alle Wege führen nach Rom
27 november 2024, Italië ⋅ ⛅ 20 °C
Am Vormittag teile ich mir die Straßen und Fahrradwege mit einigen Rennradfahrern, was hier wieder ein begehrter Sport zu sein scheint. Auch auf dem Wasser herscht schon reges Treiben und einige Kajaks flitzen durch die Lagune.
Der Küstenabschnitt fährt sich schön, es ist ruhig und ich doch komme langsam voran, weil einige Tiere unterwegs sind, die scheinbar nichts dagegen hatten als ich sie fragte ob ich sie fotografieren dürfte - zumindest hörte ich von keinem ein Nein.
Von der Küste ins Inland folgt dann eine etwas längere Durststrecke mit viel Verkehr, bis ich schließlich auf die Via Francigena, eine alte Römerstraße und heutiger Pilgerweg, treffe, die bis ins Herz Roms führt. Die Via Francigena ist nicht nur eine alte Römerstraße, sie sieht auch so aus: große, von der Zeit und vielen Rädern gezeichnete Pflastersteine, etliche alte römische Gebäude – von Burgen über Kirchen bis zu einfachen Häusern –, Gedenktafeln oder Statuen aus Marmor, und das alles fast ohne Autoverkehr. Leider ist es bereits so dunkel, dass ich keine so guten Fotos machen kann.
Dennoch - oder vielleicht auch gerade wegen der Dunkelheit und einem leichten Nebel - ist der Eindruck unbeschreiblich. Ich habe wirklich das Gefühl, in das alte Rom zu reisen und nicht in eine Großstadt mit mehreren Millionen Einwohnern. Das liegt vor allem daran, dass keine modernen Häuser zu sehen sind (vielleicht auch wegen der Dunkelheit) und neben den alten Bauwerken vor allem Felder und Gutshöfe entlang der Straße existieren. Tatsächlich ziehen sich diese bis ca. 3 km vor das Kolosseum. Dann steht man plötzlich im immer stockenden Verkehr Roms. Durch diesen kann ich mich mit dem Fahrrad aber gut manövrieren und steuere als Ziel direkt das Kolosseum an. Der Anblick ist der perfekte Abschluss dieser Straße. Ich knipse noch ein paar Fotos, bevor ich mich in ein ca. 3 km entferntes Hostel begebe. Auf meine Warmshowers-Anfragen hatte ich leider keine Antwort erhalten.Meer informatie
Rom I: Kolosseum & Forum
28 nov.–1 dec. 2024, Italië ⋅ ⛅ 13 °C
Rom ist wirklich eine außergewöhnliche Stadt, das fiel bereits gestern auf, als ich über die alte römische Straße bis ins Zentrum des alten Roms fuhr. Überhaupt hat man das Gefühl, dass überall hier das alte Rom zu sehen ist. Egal wohin man blickt, in jeder Richtung gibt es alte Gebäude, Tempel, Triumphbögen oder Statuen zu sehen.
Für heute habe ich mir den Besuch des Kolosseums und des Forum Romanum vorgenommen. Am liebsten würde ich dafür noch einmal 25 Jahre alt sein, denn dann kostet der Eintritt nur zwei Euro; aber auch so ist der Preis mit 18 Euro im Vergleich zu Attraktionen in der Türkei wirklich moderat. Auch die Besuchszeit von 75 Minuten scheint nicht so ernst genommen zu werden – zumindest bleibe ich deutlich länger.
Dass das Kolosseum beeindruckend ist, muss ich wohl kaum erwähnen. Einfach Wahnsinn, dass man so etwas bereits früher bauen konnte. Der Name Kolosseum wurde übrigens wohl erst im Mittelalter erfunden – da habe ich im Lateinunterricht wohl nicht so ganz aufgepasst.
Noch beeindruckender als das Kolosseum empfinde ich allerdings das Forum Romanum. Die schiere Anzahl an Triumphbögen, Tempeln, Kirchen und etlichen Säulen in der hügeligen Landschaft zwischen Palatin und Kapitol ist einfach atemberaubend. Und das, obwohl die Gebäude heute größtenteils Ruinen sind. Was für ein Anblick muss dies erst vor 2000 Jahren gewesen sein!
Seit 2000 Jahren hat sich hier allerdings viel getan; inzwischen gibt es WLAN auf dem Forum, sodass man sich etliche Audioguides anhören kann. Dabei ist es gar nicht so einfach, den richtigen bzw. einen guten zu finden. Glücklicherweise komme ich mit einem Amerikaner ins Gespräch, der mir eine Empfehlung gibt: „Rick Steves Audio Europe“ ist weder zu lang noch zu kurz und hat nicht nur etwas zum Forum, sondern auch zu anderen Orten und, wie der Name schon sagt, zu ganz Europa zu bieten.
Es ist verrückt, wie die Römer ihr Imperium von hier so lange Zeit regieren und beherrschen konnten – habe ich doch selbst in den letzten Monaten erfahren, wie lange es dauert, von der einen Seite (Spanien/Marokko) auf die andere Seite (Türkei bzw. eigentlich noch etwas weiter) zu fahren, und das auf modernen Straßen. Genauso erstaunlich ist auch, wie die antike Millionenstadt im Mittelalter nahezu in der Bedeutungslosigkeit versinken und auf circa 10.000 Einwohner schrumpfen konnte.
Kolosseum und Forum nahmen den ganzen ersten Tag in Anspruch, auch weil ich abends noch ein paar Fotos in der Gegend schießen wollte. Am nächsten Tag schlenderte ich dann etwas weiter durch die Stadt und besuchte das Pantheon – vermutlich Pflicht für jeden Ingenieur –, die Spanische Treppe, den Trevi-Brunnen und die Vatikanstadt (von außen) (Fotos im nächsten Footprint). Am Abend traf ich mich mit Vincenzo, den ich aus meinem Erasmussemester kenne, und wir flitzten auf seinem Scooter eine Runde durch Rom, um im Anschluss noch typisch römisches Streetfood (Trapizzino und Supplì) zu probieren und ein Bierchen zu trinken. Der Scooter ist übrigens wirklich die einzige Möglichkeit, in Rom voran zu kommen, da Autos quasi nur stehen und die Öffis ebenfalls limitiert sind – Metrolinien gibt es nur zwei, da eben überall etwas gefunden wird, sobald man anfängt zu buddeln.Meer informatie
Rom II: Pantheon, Vatikanstadt, ...
28 november 2024, Italië ⋅ ⛅ 19 °C
Konspirative Dorfbewohner
30 november 2024, Italië ⋅ ☀️ 11 °C
Rom - Calcata Vecchia
Den Vormittag in Rom habe ich noch genutzt, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Unter anderem eine externe Festplatte, Black-Friday kam passend, zum Fotos sichern. Die Uploadgeschwindigkeiten sind hier (aber auch in Griechenland und dem Osten der Türkei) nämlich so katastrophal, dass ich mich vermutlich ne Woche irgendwo einmieten müsste, um das Zeug in die Cloud zu bekommen.
Später geht es dann auf dem Eurovelo am Tiber entlang aus der Stadt hinaus. Der Abschnitt ist sehr schön zu fahren, und auch einige Rennradler sind unterwegs. Später verläuft der Radweg weiter auf der Straße und ist relativ unspektakulär, sodass ich fast keine Fotos mache. Glücklicherweise komme ich am Abend dann aber noch in Calcata Vecchia vorbei, wo ich im Wald ein paar Picknickbänke ansteuern wollte. Die Stadt scheint aber ganz hübsch zu sein, und so mache ich noch einen kleinen Abstecher in die Altstadt, die auf einem steilen Felsen über dem Tal liegt, und schieße noch ein paar Fotos.
In der alten Stadt haben sich vor allem KünstlerInnen niedergelassen. Gleichzeitig kennen sich die Leute hier alle untereinander, wie das rege Hin- und Hergrüßen beim Schließen der Geschäfte zeigt. Bei einer Vierergruppe vor der Bäckerei nutze ich die Gelegenheit, mich noch kurz zu erkundigen, ob ich unten im Tal wohl zelten könnte. Nun beginnt ein konspiratives Gespräch zwischen den doch etwas alternativen Dorfbewohnern, bei dem mir Christina, so heißt eine, die ganz gut Englisch spricht, erst von ein paar Höhlen und dann von einem Grundstück mit offenem Tor direkt in der Stadt erzählt, dessen Besitzerin wohl immer in Rom sei. Wenn ein weiterer Dorfbewohner vorbeikommt, senkt sie immer die Stimme, flüstert ihre Gedanken und bekommt ein Nicken, dass man hier wohl eine Nacht zelten könnte. Im Flüsterton kommt dann die Wegbeschreibung: Zurück durchs Burgtor, am Olivenbaum vorbei, dann kommt ein Eisentor, welches aber offen ist. Dort müsste ich durch. Und wenn ich Lust hätte, sollte ich später noch in die Bar kommen, wo sie und die Leute aus der Altstadt ein Gläschen trinken würden.
Der Zeltplatz klingt vielleicht nicht ganz so, als wären alle damit einverstanden, aber zumindest klingt er aufregend. Also begebe ich mich zum Zeltplatz (der Weg wird mir dann doch noch von jemandem gezeigt) und husche in einem Moment, wo keiner schaut, durchs Tor. Gar nicht so einfach ohne Geräusche und schwerem Fahrrad, da es auf der anderen Seite direkt steil hinuntergeht. Unten angekommen ist der Platz aber wirklich ganz gut geeignet. Ich schlage mein Zelt auf und schaue dann noch auf ein Bierchen in der Bar vorbei.Meer informatie
Herbstlich mit schönen Wegen
1 december 2024, Italië ⋅ ☀️ 12 °C
Das Zelten hat niemanden gestört bzw. vermutlich hat es niemand gemerkt, da ich mit Sonnenaufgang wach war und schnell alles zusammenpackte. Die frühe Stunde nutzte ich dann direkt für eine kurze Wanderung in die Schlucht und um die Stadt herum (mein Fahrrad schließe ich oben in der Stadt an). Bei dem herbstlichen Wetter war es richtig schön. Neben ein paar alten Höhlenkellern entdeckte ich noch Hinterlassenschaften und Krallenabdrücke eines größeren Tieres. Was das wohl war?
Nachdem ich zurück bin gibt es noch einen Cappuccino in einem der Cafés, dann bereche ich auf und fahre den EV 7 weiter. Der ist heute auch wirklich richtig schön und führt irgendwann durch Haselnuss- und Olivenhaine und maximal auf wenig befahren Straßen entlang. Zum Mittag pausiere ich in einer Bäckerei (die haben in der Regel eine Auswahl an Pizza und Focaccia vom Blech zu guten Preisen) und verputze fünf Stücke Pizza.
Auf der Karte entdecke ich heute bereits früher ein paar Picknickbänke, die zu Spielplätzen gehören. Einen dieser steuere ich an und kann, nachdem ich in der Bar gegenüber nachgefragt, habe auf dem Spielplatz übernachten. Insgesamt scheint die Infrastruktur hier wieder besser zum (Wild-)Zelten geeignet zu sein. Es gibt einfach sehr viele Parks oder Spielplätze mit schönen Bänken :-)Meer informatie

Reiziger
Große, auseinanderfallende Klumpen? Es könnte sich um die Losung eines Wildschweins handeln. Gab es da Wildschweine?

ReizigerAlle Achtung! Ich sehe gerade, du hast den Reschenpass gequert… es ist schon recht kalt in den Alpen. Wir sind gerade in unserem Winterdomizil in Österreich auf 1700 m Höhe und erleben eiskalte Nächte. Leider liegst du außerhalb unserer Richtung. Ansonsten wärst du natürlich herzlich gern eingeladen in unserer warmen Stube. Pass auf dich auf und such dir eine warme Bleibe. 🤗

ReizigerDanke:)! Heute Nacht war auch wirklich frisch, aber ansonsten gings gut hinüber, Bericht gibts leider mit etwas Verzögerung :) Jetzt steht noch der Arlberg an und dann sind die Alpen geschafft:)
Käse-Schnapper schnappe ich
2 december 2024, Italië ⋅ ☀️ 12 °C
Eigentlich wollte ich heute Morgen noch direkt das nebenan liegende Natur- und Vogelschutzgebiet, die „Oasi WWF Alviano“, bewandern und ein paar Fotos schießen. Leider war der Zugang aber verschlossen, und auch am Besucherzentrum erschien niemand, obwohl es hieß, dass es ab 10 Uhr geöffnet sei. So bekam ich leider nur eine kleine Schildkröte zu Gesicht.
Erst kleine Straßen, dann holprige, steile Wege (der Abkürzungsradweg war wohl eher für Mountainbikes gedacht), wieder ein paar kleinere Straßen und schließlich entlang eines Kanals durch ein paar Naturschutzgebiete. Auch wenn es mal wieder bereits dunkel wurde, war der letzte Abschnitt wirklich schön (morgen geht es zum Glück noch ein bisschen so weiter) und zur Abwechslung mal wieder flach und windarm.
Im Supermarkt stieß ich auf ein Schnäppchen und fahre nun mit ca. 1 Kilo Parmesan durch die Gegend (es gab wirklich keine kleineren Stücke). Zum Übernachten steuerte ich ein Besucherzentrum am Rande eines Naturparks an, das auch Plätze für Camper haben soll. Es ist natürlich mal wieder niemand da, und so mache ich es mir unter einem Vordach gemütlich und koche Zucchini-Käse-Gnocchi.Meer informatie
Morgens Nebel, abends Nebel
3 december 2024, Italië ⋅ ☁️ 5 °C
Im Zelt sind es morgens vier Grad, draußen -2, was mich dazu verleitet, mich nochmal umzudrehen. Doch auch eine halbe Stunde später wird es nicht besser. Da hilft nur Aufstehen, in Bewegung kommen und ein warmes Frühstück.
Als ich schließlich aufbreche, fahren gerade zwei Autos vor. Ob die wohl etwas dagegen hatten, dass ich übernachtet habe? Das werde ich wohl nicht erfahren, ich bin nämlich schon über alle Berge – also eigentlich nicht, denn es geht weiter am Kanal entlang.
Es gibt bis auf eine kurze Zeit am Nachmittag heute vor allem Nebel, Nebel und Nebel. Dennoch bleibt es trocken – außer meine Schuhe, mit denen ich eigentlich nur durch nasses Gras gegangen bin. Ich frage mich, ob die Gore-Tex-Membran in meinen Schuhen irgendwie falsch herum funktioniert …
Am Kanal treffe ich noch zwei Radreisende aus Deutschland, die auf dem Weg nach Süden sind. Ein kurzer Schnack, dann geht es weiter.
Am Nachmittag folgt noch eine Cappuccino-Pause zum Aufladen der Elektrogeräte.
Dann geht es an die letzten Kilometer. Ich steuere Ponte a Poppi an, wo ich noch einen kurzen Einkauf erledige und dann bei einem Kloster nachfrage, ob ich hier mein Zelt aufbauen könnte. Von den Brüdern ist leider niemand da, aber in der Kirche höre ich Geräusche. Ich klopfe an, und es öffnen zwei Frauen. Zunächst scheint es nicht möglich zu sein, hiet zu übernachten; vielleicht haben sie mich aber auch nicht ganz verstanden. Dann kommt allerdings noch ein Mann vorbei, der ein bisschen Englisch spricht. Nachdem ich erklärt habe, dass ich nur eine Nacht bleibe, mit dem Fahrrad unterwegs bin, mein Zelt nicht groß ist, ich auch nicht frieren werde und aus Deutschland komme, ist das Zelten hinter der Kirche kein Problem.
Die Frage nach meiner Herkunft kam übrigens direkt nach der Kältewarnung. Mit der Antwort Deutschland ging dann ein Lachen einher und scheinbar ein deutlicher Glaubwürdigkeitsgewinn, dass ich wirklich nicht frieren werde.
Für mich war das Gespräch nochmal eine Erkenntnis, dass viele Leute gar nicht genau verstehen, was man möchte. Dass man als Radreisender weder ein tolles Zimmer noch irgendwelchen Komfort braucht, noch mehrere Nächte verweilen möchte (also im klassischen Sinne campen – es fehlt hier wirklich ein passendes Wort in allen Sprachen). Gerade in westlichen Ländern scheint dies nicht immer ganz klar zu sein, was zunächst zu einem Nein führt, wenn man nach einem Zeltplatz fragt. Vermutlich muss man immer ausführlicher erklären, was man macht und braucht.Meer informatie
Etwas Schlappi
4 december 2024, Italië ⋅ ☁️ 7 °C
Heute fehlte Motivation und Energie. Bereits gestern spürte ich ein leichtes Halskratzen, das heute stärker wurde und mit einem allgemeinen Schlappheitsgefühl einherging. Dennoch muss es weitergehen, denn erstens ist das Wetter nasskalt und zweitens habe ich noch zwei kleine Pässe vor mir, die ich in den nächsten zwei Tagen schaffen muss, um rechtzeitig in Verona anzukommen und Mitia, einen Freund aus meinem Erasmussemester, zu treffen.
Die Schlappheit schlägt sich auch in deutlich weniger Motivation und Energie für Fotos wieder. Stattdessen trete ich monoton in die Pedale, stöpsele Kopfhörer ein und höre Foto-Podcasts ("Nicht glauben, ausprobieren!" von Stephan Wiesner). Ganz spannend, da Fotografen aus verschiedenen Bereichen (Natur, Reise, Landschaft, Tier, …) interviewt werden. Damit vergeht die Zeit fast wie im Flug, andererseits fast etwas schade, da die Landschaft hier wirklich sehr schön und die Straße wenig befahren ist.
Abends steuere ich zunächst wieder einen Convent (Kloster) an bei dem jedoch niemand da zu sein scheint. Nächster Versuch ist eine alte Kirche auf einem Hügelchen, die Leute im Nachbarhaus sind auch sehr freundlich (und sprechen sogar trotz ihrer vermutlich 70+ Jahre etwas Englisch) und haben nichts dagegen, dass ich bei der ansonsten verlassenen Kirche übernachte. So habe ich sogar ein Vordach über dem Kopf und werde morgen nicht vom Tau geplagt werden :)Meer informatie

Reiziger
Dass der meistverkaufte Keks der Welt dort unten links einsortiert wurde, spricht Bände!

Reiziger
Das hat schon etwas Trostloses, wie Du da mutterseelenallein hockst und mit Deiner Stirnlampe in eine leere Thermosflasche guckst. Kannst Du nicht mal wieder eine Melone verlieren und darüber schreiben?
Premium EV Infrastruktur, Nachtrag Türke
5 december 2024, Italië ⋅ ⛅ 1 °C
Es war nicht viel los heute… trotz langem und gutem Schlaf sind die Halsschmerzen noch da und sogar etwas stärker geworden. Heißt: Thermoskanne mit Tee füllen und los.
Als nächstes: Cappuccino, Toiletten- und Elektronikladepause im nächsten Städtchen, bevor es schließlich den letzten Pass vor den Alpen zu absolvieren gilt. Funktioniert mit Musik im Ohr wieder ganz gut.
Auf der anderen Seite rolle ich hinab zum nächsten Bäcker und mache Mittagspause. Im darauffolgenden Supermarkt werden Ricola gekauft und nun fleißig Halsbonbons gelutscht. So geht es weiter bis nach Bologna, welches ich bereits im Dunkeln etwas umfahre.
Kurz hinter Bologna stoße ich wieder auf den Eurovelo 7. Dieser ist hier nun tatsächlich auch beschildert und zwar nicht nur mit kleinen Pfeilchen, sondern mit allem, was die Beschilderung so hergibt. Auch sonst scheint die Infrastruktur richtig gut zu sein: Der Weg führt auf einer alten Bahnstrecke entlang, und an einem alten Bahnhof wurde eine Raststätte errichtet. Hier gibt es nicht nur Picknickbänke, sondern auch Fahrradwerkzeug (wenn es nicht geklaut worden wäre), fließendes Wasser und – unglaublich aber wahr – Strom! Das alte Bahnhofsgebäude scheint von irgendeinem Verein genutzt zu werden und hat einen wunderbar abgehängten Außenbereich (vermutlich als Verkaufsstand oder Bar genutzt), der sich optimal zum Zelten eignet.
Nachtrag:
Bilanz Türkei:
Tja, wie fasst man dieses Land mit seinen vier Klimazonen und unglaublich vielseitigen Landschaften zusammen? Es war auf jeden Fall klasse, hier zu radeln. Eigentlich ein perfektes Land für Radreisende. Warum? Weil Wildcampen eigentlich kein Problem ist, die Menschen super hilfsbereit und gastfreundlich sind, es wirklich tolle Gegenden und Orte gibt und man gerade mit dem Fahrrad zwischen den touristischeren Sehenswürdigkeiten die eigentliche Kultur entdeckt. Es waren etliche tolle und warmherzige Menschen, die ich getroffen habe oder die mich zu sich oder auf einen der unzähligen Çays eingeladen haben.
Was das Radreisen ebenfalls entspannt macht, sind die Wasserstellen, Waschmöglichkeiten und häufig auch Toiletten, die sich schon aufgrund der Moscheen quasi überall finden. Die einzigen Mankos, die es eben auch in vielen Ländern gibt, sind sicherlich der Umgang mit Müll und das Umweltbewusstsein. Und auch wenn man sich selbst dessen bewusst ist und versucht, auf Plastik zu verzichten, wird einem doch alles doppelt und dreifach und trotz eines Neins in Tüten eingepackt. Und politisch? Von der aktuellen Politik bekommt man wenig im Alltag mit, sicherlich auch wegen der Sprachbarriere. Präsent sind allerdings die Porträts von Atatürk und zum Teil Erdoğan (letzterer eigentlich nur in staatlichen Institutionen oder auf Plakaten). Im Alltag der Menschen scheinen diese aber weniger eine Rolle zu spielen bzw. hört man die meisten eher die Regierung für zu wenig Erdbebenhilfe oder die wirtschaftliche Lage und Inflation kritisieren. Was allerdings dennoch zu spüren ist: Der Nationalstolz der Türken und Kurden, der in einigen Regionen sicherlich noch einiges an Konfliktpotenzial birgt.
Istanbul - Çeşme:
Kürzeste Strecke: 13 km
Längste Strecke: 99 km
Platten: 5 (oder mehr?)
Reisetage (davon Radeltage): 48 (33)
Zelt (davon wild/nachgefragt/Campingplatz): 21 (10/8/3)
Hütte/Ruine/Restaurant/Tankstelle (kostenlos): 8
WarmShowers: 4
Einladungen: 9
Hostel/Hütte/Herberge: 3
Airbnb: 0
Bus/Fähre: 2
Verloren: Buff
Verloren und Wiedergefunden: Packsack Daunenjacke
Geschenkt bekommen: unglaublich viel Çay, und Essen, ein paar Socken, Zucker, Schmerztabletten
Mit dem Rad umgefallen: 1 glimpflich verlaufener Crash mit einem Stein
Kaputgegangen/Ersetzt: Kette verbogen, das ein oder andere Loch in Radtaschen, ein gebrochenener Aufhänger der Ortliebtasche
Wetter: alles von über 30 Grad bis zu Nächten mit - 8 Grad, viel Sonnenschein und überwiegend trocken
Essen: Unglaublich vielseitig und auch mit vielen vegetarischen Optionen. Die Haferflocken sind allerdings nicht mehr so lecker hier, sodass das Frühstück häufig aus Ekmek oder Pide (Brot) mit Oliven, Honig, Käse oder Erdnussbutter bestand. Ansonsten waren die Lokantas oder Dönerläden natürlich Pflicht. Das Top-Gericht: Pilav (Reis) mit Fasulye (Bohnen), meistens mit einem kleinen Salat und immer mit Brot (man muss etwas aufpassen, dass letzteres in den Plastikbehältern noch gut ist) dazu. Aber es gab eben auch viele weitere Gerichte: Die klassische Çorba Mercimek (Linsensuppe), Moussaka, verschiedene Gemüse mit und ohne Fleisch, gefüllte Paprika oder Auberginen, Lahmacun und am Ende immer einen Çay. Und das waren nur die Lokantas. Ansonsten war natürlich das herzhafte kurdische Frühstück bei den Bäckern ein Highlight: Ofenfrisches Brot, Käse, ofenfrisch gegarte Aubergine, Paprika, Zwiebel, Knoblauch und Kartoffeln.
Der Iskender Döner, den ich unbedingt probieren sollte, war zwar nicht so das Highlight, dafür aber die veganen Çiğköfte Dürüms oder eine Kumpir (gefüllte Ofenkartoffel). Weiterhin gibt es häufig leckeren gegrillten fritieren oder gebratenen Fisch, da die halbe Türkei immer an irgendwelchen Ufern steht und unermüdlich am Angeln ist. Ebenfalls häufig anzutreffen: Fleischsspieße mit allem, was man an Fleisch eben so aufspießen kann. Ach ja und natürlich Manti, die Türkischen Tortellini mit Joghurt-Tomatensauce.
Und dann gibt es noch die riesige Auswahl an Süßspeisen. Baklava, Knafeh (ursp. Arabisch?), Halva, Lokma und Halka Tatlisi (die Türkischen Churros), Lokum (Gelewürfel) und Kekse (in letzter Zeit wurden die Bomba berühmt).
Kostenloses Geld abheben: Ziraat BankMeer informatie
Horden von Ratten
6 december 2024, Italië ⋅ ☀️ 8 °C
Die Halsschmerzen waren heute Morgen so gut wie weg, dafür saß die Nase zu und der Nacken war steif – kein Problem beim Fahrradfahren, da ich ja einen Spiegel habe. Aber Spaß bei Seite. Ich hoffe wirklich, dass es schnell besser bzw. nicht schlimmer wird, da ich wirklich Lust habe, noch die Alpen mitzunehmen und mich schon drauf freue.
Die Hälfte des Tages geht es erstmal auf dem EV7 weiter. Nicht die spannendste Landschaft, dafür aber beeindruckende Infrastruktur. In regelmäßigen Abständen gibt es überdachte, mit Wasser und Strom ausgestattete Rastplätze. In deren Genuss komme ich allerdings nicht. Meine Mittagspause findet etwas später statt, als ich den Eurovelo bereits verlassen habe. Als ich dafür im Supermarkt einkaufe und kurz unter dem Föhn im Eingangsbereich stehe, fühlt sich dieser wie eine Wärmebehandlung des Nackens an – am liebsten wäre ich hier noch länger geblieben. Stattdessen geht es nach dem Einkauf aber zum nächsten Park bzw. Spielplatz.
In der Dämmerung schickten mich Komoot und OSM noch durch ein Naturschutzgebiet und Moor. Sehr schön, aber leider etwas matschige Wege in der Dunkelheit. Dafür gab es aber jede Menge Bisamratten zu sehen, die tatsächlich sehr träge oder einfach schwerhörig sind und erst Reißaus nehmen, wenn man bis auf wenige Meter an sie herangefahren ist. Dann laufen sie aber nicht vor einem weg, sondern immer und vor allem ganz hektisch Richtung Wasser, was dazu führt, dass man tierisch aufpassen muss, keine zu überfahren. Mit guten Lichtverhältnissen hätte man hier sicherlich schöne Fotos schießen können.
Leider musste ich noch ein paar Kilometer schaffen und hatte auch kein Wasser dabei, um illegalerweise in einem der Beobachtungshäuschen zu übernachten. Deswegen ging es noch eine Stunde weiter in die nächste Stadt, Isola della Scala, an deren Stadtrand eine schöne alte Kirche steht, die sich bestens zum Übernachten eignet. Nur um Wasser zu besorgen, musste ich nochmal in die Stadt hineinfahren, eine Bar suchen und frisches Wasser zapfen. Ein bisschen viel Rumgekurve für einen kalten und dunklen Abend, aber am Ende hatte ich ein schönes Plätzchen.Meer informatie
Mit Mitia in die Alpen
7 december 2024, Italië ⋅ ☁️ 7 °C
Der steife Nacken scheint Geschichte zu sein, dafür ist aber das Außenzelt steif gefroren. So wie die Bäume heute Morgen ihre Blätter abwerfen, scheint es hier die erste Nacht mit Frost gewesen zu sein. In meinem Schlafsack habe ich glücklicherweise kein bisschen gefroren und die ganze Nacht durchgeschlafen – vermutlich auch wegen der Windstille, die einen enormen Einfluss auf die Temperatur im Zelt hat.
Dennoch ist es, als ich auf dem Rad sitze, ziemlich frisch, und so suche ich zum Aufwärmen und für einen kurzen Toilettengang ein Café auf. Die Pause wird nur kurz, da ich in einer guten Stunde in Verona sein muss, wo Mitia mit dem Flixbus ankommt.
Als ich meinen Cappuccino und mein Cornetto bezahlen will, sagt mir die Kellnerin, dass dies bereits von einem der Männer am Nebentisch übernommen wurde. Einer von denen, mit denen ich zuvor nur ein paar spärliche Worte italienisch austauschte und die mir mehrfach anerkennend „Complimento“ sagten. Als Radreisender in winterlicher Kälte genießt man doch ein paar Boni (mal ganz abgesehen davon, dass es überall viel leerer ist und man ungestört fast überall zelten kann). Ich bedanke mich und mache mich auf nach Verona.
Hier wartet Mitia, den ich in meinem Erasmussemester in England kennengelernt habe, bereits mit dem Rad auf mich. Ein fröhliches Wiedersehen! Das letzte Mal war es vor gut zweieinhalb Jahren, als ich ihn zuhause in Bergamo besuchte – ebenfalls mit dem Rad. Heute wollen wir gemeinsam bis Rovereto fahren. Tatsächlich kommen wir aber erstmal nicht weit. Als wir die Stadt nach einer kurzen extra Runde gerade erst verlassen haben, bemerke ich einen Platten an meinem Hinterrad. Glücklicherweise sind Glasscherbe und Loch schnell identifiziert und geflickt. Dann geht es mit ordentlich Tempo weiter – Mitia gibt ganz schön Gas und ich komme etwas ins Schwitzen. Dafür schaffen wir aber gut Strecke entlang der Adige.
Der Radweg ist auch wirklich – und trotz des grauen Wetters – schön, insbesondere als wir ins Tal hineinfahren und sich die Berge um uns herum schließen. Die Alpen. Sie fühlen sich vertraut an, wohl auch, weil ich die Strecke früher schon einmal gefahren bin. Das erste Mal bekomme ich nun das Gefühl, dass es wirklich nicht mehr weit ist bis nach Hause – sonderbar und schön.
Kurz nach Sonnenuntergang kommen wir schließlich in Rovereto an, checken im Hostel ein und gehen noch Pizza essen, bevor wir müde ins Bett fallen.Meer informatie
Heimatgefühle in Italien
8–10 dec. 2024, Italië ⋅ ☁️ 4 °C
In der Nacht vermisse ich mein einsames Zelt. Unser Hostelzimmer ist leider komplett gefüllt und klingt eher wie ein Sägewerk. Dafür ist das Frühstück eine Entschädigung, und wir können uns den Magen vollschlagen. Draußen regnet es, was uns genügend Zeit einräumt, um zu überlegen, wie wir den Tag angehen. Statt einer Wanderung entscheiden wir uns, weiter zu radeln, und ich schreibe Julius, ob ich ihn schon einen Tag früher in Bozen besuchen kann.
Es geht weiter durch das Tal, eingerahmt von verschneiten Berggipfeln, bis nach Trento. Dort schlendern wir kurz über den Weihnachtsmarkt und machen Mittagspause. Mitia begleitet mich noch weiter bis Mezzocorona, wo er in den Zug zurück nach Bergamo steigt. Es waren zwei sehr schöne und vertraute Tage, obwohl wir uns zwei Jahre nicht gesehen hatten.
Alleine fahre ich weiter nach Bozen. Beim Fotografieren in der Dunkelheit treffe ich Andreas, einen Lkw-Fahrer, der gerade einen Spaziergang macht und Mode nach Mailand fährt. Er erzählt mir, dass er auch ein Fahrrad im Lkw hat und ist sichtlich erstaunt, als ich ihm erzähle, dass ich seit einem Jahr unterwegs bin – auch wenn das aus meiner Sicht inzwischen etwas sehr Normales ist. Erstaunlich, ungewöhnlich und beeindruckend ist eben immer das, was unbekannt oder ungewöhnt ist.
Abends komme ich dann in Julius' WG in Bozen an. Er ist ein Kumpel aus dem Studium, und auch ihn habe ich seit gut zwei Jahren nicht mehr gesehen. Auch hier gibt es also einiges zu erzählen. Ich bleibe zwei Tage hier, um die Route durch die Alpen und den restlichen Weg nach Hause zu planen, ein Paket mit Winterklamotten in Empfang zu nehmen und mein Fahrrad für glatte Straßen zu rüsten.
Inzwischen fühlt es sich echt schon wieder sehr nach Hause an; ich treffe Freunde, und auch die Schilder an und in Geschäften oder an der Straße sind zum Teil wieder auf Deutsch verfasst. Dennoch habe ich noch gut 1000 km vor mir, bis ich wirklich zuhause bin.Meer informatie
Spikes testen
11 december 2024, Italië ⋅ ☀️ 3 °C
Die Spikereifen sitzen, der Himmel ist klar und sonnig, und das Wetter soll die nächsten Tage stabil bleiben. Ich entscheide mich daher für die höhenmeterreichere (und schönere) Variante über die Alpen – den Reschenpass und den Arlberg.
Die ersten 30 km bis Meran sind zunächst noch ganz entspannt und eben. Beste Bedingungen, um die Spikes einzufahren (50 km Asphalt bevor es auf Schnee oder Eis geht, lautet die Empfehlung). Tatsächlich fährt es sich etwas anders, gefühlt so, als hätte man einen Platten. Gleichzeitig ist es auch relativ laut, als würde man durchgehend auf Rollsplitt fahren. Bei den vielen Rennradfahrern, die ebenfalls unterwegs sind, frage ich mich, ob ich mit den Dingern nicht etwas übertrieben habe.
Ab Kilometer 60 wird es dann allerdings etwas eisiger, und der Radweg ist teilweise von angeschmolzenem und wieder gefrorenem Schnee überzogen. Vermutlich würde man hier auch mit normaler Bereifung irgendwie durchkommen; gerade im Dunkeln bin ich aber doch froh, die Spikes zu haben.
Zum Übernachten mache ich an einem der vielen Rastplätze neben der Radstrecke Halt. Ich koche noch eine Portion Schneenudeln und Tee und entfache ein kleines Feuerchen, bevor ich mich ins Zelt verkrieche – diese Nacht wird kalt, aber zum Glück ist es windstill.Meer informatie
Ein Pass drei Länder, Bilanz Italien
12 december 2024, Oostenrijk ⋅ ☀️ 4 °C
Heute geht es die letzten Höhenmeter hinauf zum Reschenpass, und auch wenn die Nacht ganz gut auszuhalten war, ist das Radfahren am Morgen wirklich frostig. Hände und Füße werden zu Eisklötzen. Schneller Radfahren bringt nichts, zunächst gibt es einen ebenen Abschnitt und der Fahrtwind macht es dann nur noch schlimmer.
Also langsam Radfahren, darauf warten, dass die Sonne das Tal erreicht und irgendwann wärmen sich dann auch Hände und Füße. Schneller Radfahren wird aber auch nun nichts, denn inzwischen habe ich einen Abschnitt mit stärkerer Steigung erreicht und schwitze ordentlich, was ich bei dem Wetter vermeiden möchte, also geht es auch hier ganz gemütlich hinauf. Auch hier kann ich mich abschnittsweise sehr über meine Spikes freuen.
Insgesamt lassen sich die Temperaturen sehr gut aushalten, wenn man die Geschwindigkeit passend wählt. Außerdem sind Sonnenschein und strahlend blauer Himmel ausreichende Belohnung. Deutlich später als geplant komme ich schließlich oben am Reschenpass an und muss feststellen, dass der Bäcker, den ich noch vom letzten Mal kannte, eine ausgiebige Pause macht. So fahre ich weiter bis zum bekannten Kirchturm, wo ich ein paar Brot- und Keksreste knabbere. Hier werde ich direkt zweimal angesprochen, woher ich komme und wohin ich fahre. Ein Pärchen im Camper, das quasi aus der Nachbarschaft kommt, bietet mir noch einen heißen Kaffee an. Wir quatschen noch kurz, dann muss ich aber weiter, damit es auf der Abfahrt nicht zu kalt wird.
Es geht über wunderbare Serpentinen hinab, die ich leider nur halb auf der GoPro habe, da die Akkus bei diesen Temperaturen schnell schlapp machen. Sämtliche Elektrogeräte fordern einen Platz direkt an meinem Körper.
Ein kurzes Stück geht es durch die Schweiz und dann durchs Inntal nach Österreich.
In einem Supermarkt-Café mache ich noch kurz Halt, um einen Schlafplatz ausfindig zu machen. Etwas irritiert bin ich von den widersprüchlichen Wetterberichten. Die Handy-App sagt -2 Grad, was bereits jetzt nicht mehr zu stimmen scheint, ansonsten finde ich noch -7 und -12 Grad. Bei Windstille sicherlich alles noch aushaltbar, aber wenn es drauf ankommt und man sich auf die falschen Angaben verlässt … nicht ganz ungefährlich. Learning: Habe eine gute Wetter-App oder prüfe mehrere Quellen.
Ich werde noch von einem ebenfalls outdoorbegeisterten Polen angesprochen, der irgendwie ein Häuschen bei München hat und mich dorthin einlädt, falls dies auf meiner Route liegt. Meine Route soll allerdings über den Bodensee gehen.
Aufgewärmt von heißer Schokolade fahre ich die letzten Kilometer und finde einen verschneiten Rastplatz. Ich baue schnell das Zelt auf, koche Tee und Pasta und nutze das Nudelwasser in meiner kaputten Thermosflasche direkt als Wärmflasche. Die wird heute Nacht vielleicht nützlich sein.
Bilanz Italien II:
Tja wie ist Italien im Winter? Das kann man gar nicht so eindeutig sagen, wenn man von Süden nach Norden fährt. Beide sind doch sehr verschieden. Der Süden war Landwirtschaftlich geprägt vor allem durch Weinberge und Olivenhaine. Hier gibt es im Gegensatz zum Norden auch noch gelegentlich ein paar miese Hunde und vor allem viel Leerstand bis hin zu ganz verlassenen Dörfern.
Pompei und Rom waren richtig klasse und überhaupt kann man in Italien wohl überall hin fahren und es ist landschaftlich schön (außer vielleicht die Küste zwischen Neapel und Rom). Man kommt auch relativ günstig weg, wenn man das konsumiert, was hier eben günstig ist: Café, Cappuccino, Parmesan, Pasta oder Pizza bzw Foccacia vom Bäcker. Bier oder andere nicht so typische Produkte sind hingegen häufig eine Ecke teurer als in Deutschland. Generell findet man natürlich alle Preiskategorie, aber vor allem auf dem Land kann man gute und günstige Leckerein bei Bäckereien finden.
Ebenfalls spannend: ich habe ab Rom auffällig viele Menschen mit Ortliebtaschen an den Rädern gesehen. Die scheinen hier gerade in Mode zu kommen. Tja, wie ist Italien im Winter? Das kann man gar nicht so eindeutig sagen, wenn man von Süden nach Norden fährt, denn beide sind sehr verschieden. Der Süden war landwirtschaftlich geprägt, vor allem durch Weinberge und Olivenhaine. Hier gibt es im Gegensatz zum Norden auch gelegentlich ein paar streunende Hunde und vor allem viel Leerstand bis hin zu ganz verlassenen Dörfern. Pompeji und Rom waren richtig klasse, und überhaupt kann man in Italien wohl überall hinfahren und es ist landschaftlich schön (außer vielleicht die Küste zwischen Neapel und Rom). Man kommt auch relativ günstig weg, wenn man das konsumiert, was hier günstig ist: Café, Cappuccino, Parmesan, Pasta oder Pizza bzw. Focaccia vom Bäcker. Bier oder andere nicht so typische Produkte sind hingegen häufig etwas teurer als in Deutschland. Generell findet man natürlich alle Preiskategorien, aber vor allem auf dem Land kann man gute und günstige Leckereien bei Bäckereien finden.
ZWISCHENSTAND:
Kürzeste Strecke: 58,1 km
Längste Strecke: 106 km
Gesamtstrecke: 1490 km
Platten: 2?
Reisetage (davon Radeltage): 23 (17)
Einladungen/Freunde: 4
Hostel: 7
Ruine: 1
Zelt (davon Campingplatz): 11 (0)
Verloren: -
Geschenkt bekommen: Socken, Radtuch, ein Frühstück im Café
Gefunden: Rucksack
Kaputgegangen/Ersetzt: mittleres Kettenblatt
Ergänzt: Spikereifen für die Alpen; Handschuhe, Wollpulli, Tarp sind wieder dabei
Wetter: Bis Rom noch relativ warm und sonnig, dann wurds frisch:)
Essen: Pizza inbesondere vom Bäcker, ebenso wie morgendliche Cappuccinos und Cornettos, im Lidl fanden sich auch endlich wieder gute Haferflocken fürs Frühstück, tjaa und sonst Pasta mit irgenswas und Parmesan, der ist einfach super günstig hierMeer informatie
Wildkraut energy sniff
13 december 2024, Oostenrijk ⋅ ☁️ 5 °C
In der Nacht werde ich einige Male wach. Endlich ist es 7:30 Uhr, Sonnenaufgang. Die Ecken des Innenzelts und das Außenzelt sind mit Raureif bedeckt, das Thermometer zeigt ca. -5 Grad im und -10 Grad außerhalb des Zelts. Ich drehe mich noch ein- oder zweimal im Schlafsack, doch es wird nicht wärmer. Schließlich raffe ich mich auf und koche Wasser. Es gibt Tee und Haferflocken mit heißem Wasser und Kekskrümeln zum Frühstück.
Beim Zusammenpacken werde ich von einem Hund überrascht. Er gehört Ludwig, der mich direkt anspricht und fragt, wohin ich denn fahre. Er findet es gut, was ich mache, und erzählt mir, dass er gerade Bücher von Radreisenden liest. Als ich ihn später überhole, lasse ich mir seine E-Mail geben, um ihm mein FindPenguis zu schicken.
Dann radle ich weiter durch das verschneite Inntal bis nach Landeck. Die Kälte lohnt sich auf jeden Fall, da die Landschaft wunderschön mit in der Sonne funkelndem Raureif überzogen ist und leichte Nebelschwaden über dem Inn hängen – einfach atemberaubend.
Hier mache ich Kaffeepause in einer Bäckerei, die balkanischen Ursprungs zu sein scheint. Zumindest gibt es hier auch Burek. Ich nutze die Zeit, um mich mental schon einmal auf die 1100 Höhenmeter bis zum Pass vorzubereiten.
Der Arlbergpass ist wirklich schön, allerdings muss ich mir die Straße mit ein paar Autos teilen und komme gerade auf dem letzten Kilometer doch ganz gut ins Schwitzen. Zehn Prozent Steigung sind eben auch bei minus 8 Grad anstrengend. Dennoch komme ich im Hellen oben am Pass neben den Skifahrern an und werde direkt Fotomodell, als ein LKW-Fahrer mich fotografiert. Scheinbar fahren im Winter nicht so viele hier oben mit dem Fahrrad herum.
Die Abfahrt wird dann wirklich frostig kalt. 1000 Höhenmeter in gut 20 Minuten sind eben doch etwas frisch, und ich freue mich über den nächstbesten Supermarkt zum Aufwärmen. Leider nimmt der Kaffee- und Kakaoautomat in diesem nur Münzgeld an.
Halb aufgewärmt rolle ich weiter ins nächste Dorf, wo ich gefühlt schon wieder wie ein Eisklotz bin.
Von einem kleinen Bauernhof ruft ein junger Mann und fragt, ob es nicht zu kalt zum Fahrradfahren sei. Daraufhin drehe ich mich um, greife den Gesprächsfaden auf und frage nach Wasser. Dabei kommen wir ins Gespräch, und auch der bereits pensionierte Vater erscheint. Mir wird angeboten, dass ich auch auf dem Grundstück zelten könnte.
Ich baue mein Zelt auf und finde mich kurze Zeit später in einem Container mit zwei teegefüllten Thermoskannen, einem Bier und einem Teller mit selbstgemachten Würsten, Brot, Senf und Rettich wieder. Neben mir sitzen Josef (Vater), Flo (Sohn) und ein paar von Flos Freunden. Die beiden sind nebenberuflich Landwirte – definitiv ein Vollzeithobby. Gegen vier Uhr stehen sie auf, versorgen die Tiere und fahren dann zur regulären Arbeit. Abends kümmern sie sich wieder um die Tiere. Viel Zeit für andere Dinge bleibt da nicht, und auch längerer Urlaub ist quasi nicht möglich. Lediglich in den Sommermonaten, in denen die Tiere auf der Alm sind, gibt es ein bisschen weniger zu tun. Schön, dass es Menschen gibt, die einfach aus Liebe zu dieser Arbeit und zu den Tieren, trotz des Aufwands, so einen kleinen Betrieb (10 Milchkühe und ein paar Rinder) führen.
Neben Bier wird hier übrigens Wildkraut Energy Sniff konsumiert. Der heiße Scheiß aus den Alpen, der aussieht wie Koks, ebenfalls durch die Nase gezogen wird und wach machen soll. Das aus dem "Meisterwurz" der Almwiesen hergestellte Zeug scheint auf jeden Fall ein gutes Geschäftsmodell zu sein.
Aus einem Bier werden vier, und wir sitzen noch eine Weile schwatzend zusammen im Container. Dabei muss ich mich ganz schön konzentrieren, um den österreichischen Dialekt zu verstehen. Sollte ich meine Übersetzungs-App heraus holen? Naja, ungefähr 50 % verstehe ich.
Schließlich ist Schicht im Schacht. Josef sagt mir noch, dass ich auch im beheizten Container übernachten könne, und so kramen ich noch die wichtigsten Sachen aus dem Zelt, schiebe zwei Bänke im Container zusammen, um es mir bequem zu machen, und krieche etwas angetrunken in meinen Schlafsack. Ich bin wirklich dankbar, dass ich nach dieser doch recht kalten Abfahrt noch diese Gastfreundschaft erfahren habe und freue mich, dass ich diese Erfahrung auch im deutschsprachigen Raum gemacht habe.Meer informatie
Zurück in Deutschland, Konstanz
14–16 dec. 2024, Duitsland ⋅ 🌧 3 °C
Kurz nach halb acht klopft Josef an der Container-Tür an. Er sagt, dass sie noch etwas im Stall erledigen müssen und es dann in der Stube Kaffee gäbe. Ich räume schon mal meine Sachen zusammen, dann geht es in die Stube, bevor Josefs Frau bereits Frühstück vorbereitet hat. Wurst von den eigenen Schweinen, Käse von den eigenen Kühen und noch etwas mehr, was bei einem typisch deutschen Frühstück eben auf dem Tisch steht.
Ein bisschen fühle ich mich an die Türkei erinnert, wo ich bei Ergün, ebenfalls auf einem Hof, zu Gast war. Eigentlich ist einiges identisch, und doch wieder vieles verschieden. Frühes Aufstehen, viel zu tun auf dem Hof, einige Produkte aus eigener Herstellung; die Männer kümmern sich größtenteils um das, was außerhalb des Hauses passiert, die Frau um das innerhalb des Hauses. Statt Çay gibt es Bier, und wenn es schwarzen Tee gibt, bekommt er einen Schuss Rum dazu (nicht zum Frühstück, aber gestern Abend).
Als ich mich nach dem Frühstück verabschiede, kann ich zumindest zwei Bilder von Pompeji und Rom als Dankeschön da lassen. Ich hatte sie genau für diesen Zweck in Bozen bei dm drucken lassen. Später ärgere ich mich noch ein bisschen, dass ich es verschlafen habe, Bilder vom Stall und der Arbeit im Stall zu machen. Die wären spannend im Vergleich zu dem Hof in der Türkei gewesen, aber dafür hätte es vielleicht ein Bier weniger sein müssen.
Ich radle los und biege kurz hinter dem Dorf auf den Radweg im Wald ein. Hier fragt mich ein Mann mit gelber Daunenjacke, der mit seinem Hund Gassi geht, ob ich etwas benötige. Er scheint früher selbst viel Fahrrad gefahren zu sein, hat sich inzwischen aber eine Verletzung zugezogen und geht es ruhiger an. Als er auf dem Schotterweg, welcher links und rechts von Tannen eingerahmt wird und an dessen Ende sich die schneebedeckten Berge erblicken lassen, weitergeht, entsteht ein wunderbares Fotomotiv. Ich knipse ein paar Bilder, hole ihn dann mit meinem Fahrrad ein und lasse mir seine E-Mail geben, um ihm später die Fotos zu schicken.
Auf einem Markt in – ich glaube, es war Feldkirch – besorge ich mir Brot, Käse und Schmalz für die Brotzeit, die ich bei nächster Gelegenheit am Fluss einnehme. Der Fluss ist übrigens der Rhein, bevor er im Bodensee verschwindet.
Nach der Mittagspause kommt – wie von Bauer Josef anhand des Morgennebels vorhergesagt – Nieselregen auf. Mit Regenklamotten okay, aber natürlich ginge es auch besser. Immerhin motiviert mich ein älterer Herr, der mir beim Überziehen der Regensachen „seine Hochachtung“ ausspricht und die Radreisenden als die wahren Könige (von… ja, was eigentlich?) sieht – lustig und nett.
Am Bodensee gerate ich in die Dunkelheit. Zu sehen gibt es dann quasi nichts, und so verfliegt die Zeit mal wieder mit Podcast im Ohr: „Alles Gesagt? – Zu Gast: Die Lage der Nation“. Sehr zu empfehlen.
Kreuzlingen (Schweiz) und Konstanz fließen ineinander über, das hatte ich zwar auf dem Schirm, überrascht bin ich trotzdem. Es ist ja auch etwas skurril, eine Grenze mitten in der Stadt zu haben – auch wenn das historisch natürlich noch zu toppen ist.
Ich übertrete die Grenze, bin wieder in Deutschland, und eigentlich ist nichts Besonderes – zumal die Grenze ja nicht wirklich existent ist – und nach fast einem Jahr ein sonderbares Gefühl.
Sichtlich stolz bin ich, als ich realisiere, dass morgen Sonntag ist und ich noch schnell in einen Supermarkt flitzen sollte. Der Lidl ist um die Ecke, und so stehe ich schon im Supermarkt und bemerke, dass die Joghurtdrinks hier doppelt so groß sind und ein komisches Symbol auf der Packung haben: Pfand! Zum Glück kann ich mich erinnern, was es damit auf sich hat. Ganz anders als eine Familie vor dem Supermarkt, die ihre Einwegflasche in den Mülleimer wirft. Ich greife hinein. Fünfundzwanzig Cent! Davon könnte ich in der Türkei drei Çays oder ein Brot kaufen!
Dann steuere ich Gretas, eine Freundin aus Dresden, WG an, wo ich heute und morgen unterkomme. Tatsächlich kommt Greta erst morgen nach Konstanz zurück, und obwohl ich nun schon bei vielen Menschen zu Gast war, fühlt es sich immer wieder ein bisschen komisch an, in eine fremde Wohnung zu kommen – insbesondere, wenn niemand da ist oder die Person, die man kennt, nicht da ist. Gleichzeitig ist es auch spannend, insbesondere wenn man Zimmer wie Gretas betritt. Es gleicht vielleicht ein bisschen einem Laden aus der Winkelgasse. Mit Büchern, Pflanzen, Zeichnungen, eins, zwei, drei, ..., sieben Aquarien bzw. Terrarien und ordentlich sortierten Gläsern mit Mehlwürmern, Fischen und Co. Überall ist irgendetwas Interessantes zu sehen. Und so kann ich mir auch den nächsten Tag gut vertreiben, bis Greta zurück ist und wir noch eine Runde durch Konstanz schlendern.Meer informatie
Vier Mal Reifenwechsel
16 december 2024, Duitsland ⋅ ☀️ 8 °C
Bevor ich mich von Greta und aus Konstanz verabschiede, wechsle ich morgens noch meine Reifen. Das Wetter der nächsten Tage soll gut werden – tatsächlich ist es in Deutschland gerade wärmer als im Norden Italiens. Ich will die Spikes schonen und ziehe deswegen wieder die alten Mäntel auf. Erst den einen, dann den anderen, dann aufpumpen, und dann macht es Plopp. Mein treuer Begleiter am Hinterrad hat nach 18.000 km keine Lust mehr und drückt dies in Form einer kleinen Beule aus. Also noch mal den Mantel wechseln. Eigentlich wäre es sinnvoller, die Spikes vorne zu fahren, aber auf einen vierten Wechsel habe ich keine Lust.
Nach vollbrachter Arbeit verabschiede ich mich von Greta und radle nordwestlich entlang des Bodensees. Das Klappern der Spikes macht mir doch Bedenken, und ich beginne nach Radläden Ausschau zu halten. In Radolfzell werde ich fündig – wenngleich die Mitarbeiter in dem riesigen Radladen nur von High-End-Produkten Ahnung zu haben scheinen. Den neuen Mantel ziehe ich direkt vor Ort in der Innenstadt. Reifenwechsel Nummer 4 in 10 Minuten – Übung macht den Meister.
Deutlich leiser und besser rollend komme ich nun auf dem Radweg voran. Liegt das nur am Mantel, oder daran, dass ich leicht einen Rückenwind habe oder gut erholt bin – keine Ahnung.
Ich passiere Schloss Langenstein, das von einem Golfplatz umgeben ist und von irgendeinem Grafen bewohnt wird, und komme schließlich in Tuttlingen an. Im Sommer gibt es hier sogar einen günstigen Campingplatz direkt im Donaupark. Im Winter natürlich nicht; ich fülle lediglich Wasser auf, wozu man in Deutschland aufgrund mangelnder öffentlicher Wasserquellen nun wieder in Cafés nachfragen muss, und fahre noch einige Kilometer aus der Stadt heraus. Bereits vor Tuttlingen habe ich auf der Karte einige Grillplätze mit Picknicktischen und kleinen Schutzhütten gesehen; eine solche steuere ich an und mache es mir ohne Zelt gemütlich – das müsste ja sogar legal sein.Meer informatie
Schlechtes Deutschland, schönes Deuts
17 december 2024, Duitsland ⋅ ☁️ 7 °C
Einfach nur unter einem Dach im Schlafsack zu übernachten hat den Vorteil, dass am nächsten Morgen nichts nass ist und man sich natürlich den Auf- und Abbau des Zeltes spart. Solange es windstill ist, ist es auch temperaturtechnisch kein Problem und dann ist es sogar noch legal – glaube ich.
Ich mache mich auf den Weg nach Rottweil, der ältesten Stadt Baden-Württembergs, wo ich auf den Neckarradweg biegen möchte. Bei einem kurzen, nicht erfolgreichen Vogelfotoshooting hält eine Mountainbikerin an meinem Fahrrad und spricht mich an. Sie interessiert sich für Radreisen und verfolgt begeistert die Geschichten einiger Radreisender. Wir tauschen Kontaktdaten aus und einmal mehr denke ich darüber nach, ob ich nicht ein kleines Büchlein oder so schreiben sollte – mal schauen. Bevor ich weiterfahre, erzählt sie mir noch, dass der große Turm, der über Rottweil ragt, ein Aufzugstestturm von ThyssenKrupp sei. Ich hatte mich bereits gestern Abend gefragt, was da in der Ferne so leuchtet.
Rottweil hat eine ganz schicke Altstadt mit schön verzierten Häusern. Für meinen Geschmack könnte es jedoch etwas weniger Verkehr geben, um diese besser zur Geltung zu bringen. Ohne große Schwierigkeiten finde ich den Neckarradweg und muss fortan eigentlich gar nicht mehr auf die Karte schauen – nur, wenn ich aufgrund der vielen Radwegschilder gar nicht weiß, welches für mich gilt – willkommen in Deutschland!
Wieder in Deutschland zu sein führt natürlich dazu, dass man wieder alles versteht, was irgendwo steht, neben einem gesagt wird oder überhaupt, wenn man angesprochen wird. Das ist einerseits schön, andererseits naja.
So treffe ich auch einen älteren Herren, der zwar auch gut findet, was ich mache, aber behauptet, mit Frauen könne man so etwas nicht machen. Erfreulicherweise kann ich ihm ja etwas anderes berichten. Was ich allerdings leider nur denke und ihm nicht sage, ist, dass seine Erfahrung vielleicht daran liegt, dass er von Frauen als „Tussi“ und „Mieze“ spricht. Was für ein Hansel… Und wie schön war es doch außerhalb Deutschlands, wo ich solche Dinge nicht verstanden habe.
Im weiteren Tagesverlauf stelle ich noch fest, dass mobile Daten hier am Neckarradweg schlechter funktionieren als irgendwo im Atlasgebirge. Gegen Abend sehe ich vor mir einen Mann mit oranger Jacke, einer Art Trappermütze, Tripod und Gewehr auf dem Radweg laufen. Jäger Nummer drei, den ich auf meiner Radtour treffe, und der erste deutsche Jäger. Es interessiert mich, was er so macht; ich spreche ihn an und lasse mir ein bisschen etwas über die Jagd erklären. Einer der Vorteile, wenn man wieder in Deutschland ist – man kann viel mehr nachfragen bzw. verstehen.
Der Jäger heißt Timo – einfach zu merken – und ist auf dem Revier, das sein Vater gepachtet hat, unterwegs zu einem der Hochsitze. Zum Pachten eines Reviers muss man einen Jagdschein besitzen, der bereits seit drei Jahren gültig ist. Es ist kurz vor der Dämmerung, die zur Jagd auf Rehe geeignet ist; in der Nacht ist diese verboten. Wildschweine hingegen dürfte man auch nachts mit Nachtsichtgerät schießen. Jäger haben ein Auge auf den Bestand der Tiere. Wenn durch das Fehlen natürlicher Feinde die Populationsraten deutlich über 100 % liegen, dann richten nicht nur Wildschweine Schaden an, auch zu viele Rehe sind ein Problem für Fichten, da sie die jungen Triebe fressen und zu sogenanntem „Wildverbiss“ führen. Emotionales Thema, wenn man dazu mal recherchiert, aber wohl wichtig, wenn aus Monokultur wieder Mischwald werden soll.
Ich fahre wieder bis in die Dunkelheit hinein, fülle Benzin und Wasser auf und finde kurz vor Rottenburg wieder ein gutes Plätzchen mit Dach.Meer informatie
Ruhrpott oder Stuttgart Hauptsache weg
18 december 2024, Duitsland ⋅ ☀️ 12 °C
Ohne Frühstück geht es bis nach Rottenburg zum Bäcker fürs Frühstück. Absurd, dass ein Kaffee oder Cappuccino beim Bäcker aufgrund der Mehrwertsteuer 30 Cent mehr kostet als „to go“. Nachhaltigkeit ciao – eine verdrehte Welt. Bevor es weitergeht, drucke ich noch kurz Fotos, die ich später darauf bei einem kurzen Verwandschaftsbesuch als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk abliefere. Dann geht es weiter nach Tübingen.
Sowohl Rottenburg als auch Tübingen waren eigentlich sehr schön. Danach ist es aber nicht mehr so schön. Der Neckar wird immer größer und irgendwann schiffbar, und es finden sich kaum noch Wälder und Wiesen. Ich scheine bereits im Speckgürtel Stuttgarts gelandet zu sein. Vielleicht ist es auch drumherum schön, doch da es bereits dunkel wird, sehe ich eben nur die nächste Nähe: Straßen, Wohnviertel oder Industrie. Etliche Kilometer geht es so weiter, und ich habe schon fast das Gefühl, durch den Ruhrpott zu fahren. Hier kann ich nirgendwo zelten und erst recht werde ich keine so guten Spots wie gestern und vorgestern finden, obwohl ich sie gerade heute bräuchte, da es morgen früh regnen soll. Also kämpfe ich mir meinen Weg weiter von Stadt zu Stadt und durch gesperrte Radwege.
Ich überlege bereits, ob ich einfach die Nacht durchfahren soll; doch dann scheint die Landschaft wieder etwas schöner zu werden, und ich sehe schon die Weinberge links und rechts des Neckars. Hinter einem Städtchen finde ich einen von Hecken eingeschlossenen Spielplatz, der sich ganz gut zum Zelten eignet.Meer informatie
Shitwetter und Indianergeschichten
19 december 2024, Duitsland ⋅ 🌧 10 °C
Wie vom Wetterbericht versprochen, regnet es heute Morgen. Ich habe gar keine Lust, mich aus meinem Zelt zu bewegen, und checke den Regenradar. Um 9 Uhr soll es aufhören. Kann ich so lange auf dem Spielplatz, auf dem ich zelte, bleiben? Wohnhäuser sind nicht weit, und ich habe bereits ein paar Leute draußen gehört. Tatsächlich hört der Regen schon um halb 9 auf. Zusammenpacken und los! Kalt ist es heute nicht, über 10 Grad sind es. Doch mir wäre es lieber, wenn es trocken und kalt wäre – nass ist eklig.
Ich folge weiter dem Neckar. Inzwischen hat sich das Tal deutlich erweitert, mit Weinbergen links und rechts. Dass es vor zwei Tagen nur ein kleines Flüsschen war, lässt sich kaum noch erahnen. In Walheim mache ich Frühstücksstopp bei einem kleinen Bäcker. Es scheint noch ein Original zu sein, in dem die Dorfbewohner einkaufen, zumindest kennen sich hier alle, die vorbeikommen. Die meisten bestellen Brezeln, allerdings nicht mit „Ich nehme…“ oder „Ich hätte gern…“, sondern mit „Gibscht du mir…“. Eine Frau spricht mich auf mein Fahrrad an und fragt nach kurzem Smalltalk, ob ich nicht von hier käme, als sie meine Pizza- und Mohnschnecke auf meinem Teller sieht – keine Brezel. Sie reicht mir eine Brezel mit den Worten, sie hätte extra eine mehr gekauft und hier müsse ich Brezeln probieren – wie nett. Aber natürlich entlarvt! Sie kann keine Schwäbin sein, denn dann wäre sie natürlich geizig und hätte mir niemals eine Brezel geschenkt!
Kurz nachdem ich weiterfahre, beginnt es zu regnen. Erst in Schauern und schließlich regnet es in Strömen. Meine Laune sinkt. Warum stimmt der Wetterbericht nicht? Der Nachmittag sollte besser als der Vormittag sein, nicht umgekehrt. Warum halten weder Regenüberzieher noch Gore-Tex-Schuhe trocken? Warum führt der Fahrradweg auf dem 1,5 m Seitenstreifen der Bundesstraße entlang? In der Türkei hätte ich 3 m! Und warum macht der blöde Neckar so viele Schleifen? Für 5 km Luftlinie muss ich fast das Dreifache fahren. Ich bin wütend und nass. Gleichzeitig treibt mich das in sturer Manier an.
In Eberbach mache ich eine Pause zum Frust-Döner-Essen und lerne, dass man auch in Deutschland einfach nach einem (kostenlosen) Çay fragen kann. Es regnet noch immer, und ich suche ein paar potentielle Hütten auf der Karte raus.
Nach 13 km und einem kleinen Anstieg werde ich in einem Waldstück fündig – auf OSM ist Verlass –, auch wenn das Dach schon ein paar Löcher aufweist. Direkt kann ich allerdings noch nicht mein Zelt aufbauen. Ein Sprinter fährt auf der Straße nebenan, dreht um und bleibt stehen. Zwei Männer steigen aus und quatschen, dann steigen sie wieder ein und – fahren nicht weg. In Abständen werfen sie die Scheinwerfer an und leuchten genau in meine Richtung. Etwas gruselig und vor allem sonderbar. Da ich nichts Besseres zu tun habe und mit dem Fahrrad auch nicht herauskommen kann und doch irgendwie wissen will, wer hier noch nachts im Wald unterwegs ist, schleiche ich mich im Karl-May-Winnetou-Stil an das Auto heran. Statt einer Silberbüchse habe ich meine Kamera dabei und mache ein paar Fotos. Mit der Langzeitbelichtung kann ich etwas von dem Auto sehen; ein bisschen Spaß macht es irgendwie auch, und durch die Bewegung wurde mir wenigstens nicht kalt. Wenn ich die Schrift auf dem Auto richtig entziffern kann, scheint es sich um ein Auto zu handeln, das zum Elektrizitätswerk ein paar hundert Meter weiter gehört. Ob sie mein Licht gesehen haben und deswegen stehen geblieben sind? Schließlich, nach einer guten Stunde oder etwas mehr, wird der Motor angeschmissen und das Auto fährt davon – ich warte dann mal auf eine „Aktenzeichen XY“-Sendung, bei der ich meine Fotos einreichen kann. 😁Meer informatie

ReizigerNein auf jeden Fall nicht, das war auch nur ein Scherzchen um Sterotype auf die Schippe zu nehmen😉
Odenwald
20 december 2024, Duitsland ⋅ ☁️ 5 °C
Als ich gestern Abend bereits im Zelt lag, checkte ich nochmal Wetter und Warmshower-Gelegenheiten. Für die nächsten drei Tage ist Regen angesagt, und eine Möglichkeit zum Trocknen wäre da nicht verkehrt. Tatsächlich meldete sich – trotz meiner spontanen Anfrage – Axel aus Linden bei Gießen heute Morgen zurück. Eine warme Dusche und eine längere Etappe standen damit fest.
Zunächst ging es durch den Odenwald, der mir besonders gut gefiel. Er hat irgendwie etwas Ursprüngliches, genauso wie die Dörfer, die ich passierte. Beim Bäcker findet man noch Schilder, die Kaffee für 1,20 € oder Espresso für 1,60 € versprechen, und bekommt Nussschnecken für 1,40 €, vermutlich noch selbst gebacken. Ganz zu Beginn kam ich am Himbächl-Viadukt vorbei, fand jedoch keinen coolen Fotospot. Ansonsten blieb die Kamera überwiegend in der Tasche, da ich versuchte, Tempo zu machen und gut voranzukommen.
Axel gab ich zwischenzeitlich schonmal meine Ankunftszeit bekannt, die ich noch einmal um eine Stunde nach hinten korrigieren musste. Immerhin blieb meine Motivation hoch, als er per SMS mitteilte, dass es Kartoffelsuppe gäbe - genau das richtige bei dem Wetter.
Nachdem ich schließlich nur noch nach Navigation fuhr, passte dann auch die Ankunftszeit bzw. verschob sich nicht mehr. Viel rausfahren ging leider nicht mehr, da die positiven Minuten direkt von Ampeln oder der Fähre über den Main aufgefressen wurden.
Auch wenn ich wieder viel im Dunkeln fuhr, waren die Radwege an der Usa und Nidda wirklich schön zu fahren und müssen im Sommer richtig klasse sein. Wie mir Axel später noch bei einem Bier erklärte, passierte ich heute auch den Limes. Eigentlich echt verrückt, dass ich seit einem Jahr durchgehend in den Grenzen des alten römischen Reiches gefahren bin – einfach riesig.
Mit Axel hatte ich dann noch einige coole Gespräche über das Reisen und so weiter und konnte mir (leider) auch schon hier erklären lassen, wie sich der Klimawandel auswirkt: Der Boden ist hier sehr lehmhaltig bzw. hat eine Lehmschicht, die auszutrocknen beginnt. Dadurch schrumpft er, was nicht ohne Folgen für die Gebäude bleibt. Das Resultat: ein gut 1 cm breiter Riss in der Küche.Meer informatie
An der Lahn oder doch irgendwo anders?
21 december 2024, Duitsland ⋅ ☁️ 5 °C
Morgens frühstücke ich zusammen mit Axel und freue mich beim Aufbrechen, wieder in trockene Schuhe schlüpfen zu können.
Ich fahre weiter auf dem Lahnradweg. Zugegebenermaßen etwas trostlos im Winter, aber aufgrund einer gewissen Ursprünglichkeit und Naturnähe der Lahn, bestimmt klasse im Sommer und laut Axel ein Paradies für Kanu und KajakfahrerInnen. Auch sonst gibt es hier wohl einiges zu sehen und zu bestreiten. Z. B. den vergoldeten Pferdekopf von Waldgirmes, der in einem alten römischen Brunnen gefunden wurde und zu Streitigkeiten zwischen dem Land Hessen und dem Grundstückseigentümer führte [1]. Und wer ist wieder mal schuld? Die Römer!
Während des Vormittages passiere ich Gießen und komme gegen Mittag in Marburg an. Hier treffe ich Eva, die mich noch mal ein Stück auf den letzten Kilometern begleiten wird. Die Straßenverhältnisse unterwegs sowie die Kamele, die wir sehen, lassen Zweifel aufkommen, ob wir uns tatsächlich in Deutschland befinden. Doch als wir durch Wetter fahren, dann durch Münchhausen (ohne Baron) und schließlich noch in schlechtes Wetter geraten, bleibt kein Zweifel mehr übrig.
Nach einem letzten Hügel und kurzen Einkauf in Allendorf fahren wir noch ein Stück den Linspherradweg Richtung Sauerland. Wir passieren zwei mittelgute Zeltspots und machen dann noch einen Weihnachtlichen Glücksfund: Ein (derzeit) ungenutzter Stall direkt am Fluss, der besten Wetterschutz bieten sollte. Nach kurzer Abschätzung, dass das Wasser bei dem zu erwartenden Niederschlag wohl nicht bis zur Hütte ansteigen wird, machen wir es uns gemütlich.
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Pferdekopf_von_Wa…Meer informatie
Schneegestöber im Sauerland
22 december 2024, Duitsland ⋅ 🌧 2 °C
Ein Glückgriff, dass wir gestern Abend noch diesen Stall für Drahtesel gefunden haben. Während der Nacht regnete und heute Morgen schneite es. Aus dem trockenen Stall lassen sich die Schneeflocken viel besser beobachten. Außerdem bleibt auch die Ausrüstung trocken. So können wir frisch und gut gelaunt den Linspherradweg nach Winterberg weiterfahren. Ab einer bestimmten Höhenlage bleibt der Schnee sogar liegen und bildet einen weichen, weißen Teppich vor uns. Das Treten geht dadurch zwar etwas schwerer, aufgrund der limitierten Neigung der Bahnstrecke bleibt die Strecke aber trotzdem strampelbar.
Oben in Winterberg machen wir eine kurze Suppenpause. Schön warm, aber richtig gemütlich finde ich es nicht. Es ist einfach ziemlich touristisch und dementsprechend gar nicht so günstig.
Die Abfahrt wird dann ziemlich frisch. Statt des Radwegs nutzen wir die geräumte Straße. Absurderweise bringt das einen Autofahrer, der aufgrund des Andrangs auf die Rodel- und Skipisten auf der Gegenfahrbahn im Stau steht, auf die Palme, was zu wütendem Geschrei führt – was für ein Clown! Sollte so jemand überhaupt einen Führerschein haben?
Je weiter wir wieder nach unten kommen, desto matschiger wird es. Zwischendurch peitscht der eine oder andere Schnee- oder Graupelschauer ins Gesicht. In den Augen und auf den Wangen ist das gar nicht so angenehm und schränkt die Sicht deutlich ein.
Unten in Olsberg angekommen, freuen wir uns über ein kurzes Stück Steigung zum Aufwärmen bis nach Brilon. Die Wärme hält allerdings nicht lange an, denn kurz darauf folgt die nächste Abfahrt. Inzwischen fahren wir wieder auf dem Radweg; es ist stockdunkel, und im Kegellicht unserer Lampen ist nur ein kleiner Ausschnitt des Schneeteppichs vor uns zu erkennen. Eigentlich eine schöne Atmosphäre zum Genießen, doch inzwischen sind Hände und Füße wieder nass und eiskalt, und der Rest, naja, zumindest nicht mehr warm. Irgendwo an der Grenze zur Komfortzone schwindet die Motivation zu fotografieren, zumal man sich bei der Dunkelheit Zeit für ein sinnvolles Foto nehmen müsste und wir noch ein paar Kilometer fahren müssen, um einen Schlafplatz zu finden.
Als wir in Büren ankommen, erfreuen wir uns an einem warmen Abstellraum eines Restaurants, in dem wir Wasser auffüllen, uns kurz aufwärmen und auf der Karte potentielle Übernachtungsstellen heraussuchen können. Wir fahren noch ein paar Kilometer weiter und landen wieder einen Glückstreffer: einen (vermutlich privaten) Grillplatz mit offener Garage bzw. Sitzecke direkt am Radweg. Wenn wir uns hier ohne Zelt hineinlegen, wird hoffentlich niemand etwas dagegen haben bzw. etwas merken. Eva wickelt sich schon in ihren Daunenschlafsack, während ich noch einen Tee und eine schnelle Portion Nudeln koche. Gerade jetzt ist etwas Warmes zu essen wichtig. Im Anschluss fühlt es sich dann auch so an, als wäre der innere Wärmehaushalt wieder in einem adäquaten Zustand.Meer informatie
Besonders Normal, Bilanz Alpen-Rah.
23 december 2024, Duitsland ⋅ ⛅ 6 °C
Der letzte Radeltag beginnt in der Grillplatzgarage neben dem Radweg. Mittelschnell packen wir unsere Sachen zusammen und fahren zum Frühstücken in das gut 1 km entfernte Brenken. Hier gibt es noch einen kleinen Dorfbäcker inklusive kleinem Tante-Emma-Laden. Es ist gut was los, was nicht nur an den günstigen Preisen, sondern sicherlich auch an den leckeren Backwaren liegt. Schön, dass sich einige Bäckereien noch gegen Supermarktketten halten können.
Nach ausgiebigem Backwarenverzehr geht es los bis kurz vor Salzkotten, wo sich Eva verabschiedet, um mit dem Zug nach Münster zurückzufahren. Ich fahre weiter durch Delbrück, wo ich einen ziemlich schiefen Kirchturm erblicke. Allzu beeindruckend scheint er aber nicht gewesen zu sein – schließlich habe ich kein Foto davon gemacht. Relativ unspektakulär geht es durch den Teutoburger Wald, irgendwie an Bielefeld vorbei. Die vielen kleinen, sehr lokalen Radwege machen das Fahren ohne Navigation schwieriger, und ich lasse mich irgendwann doch nur noch navigieren.
In meiner Geburtsstadt Herford angekommen, geht es zunächst zum Bäcker, wo ich scherzhaft einen auf den Deckel bekomme, als ich das Holzofenbrot als „Paderborner“ bezeichne – dabei kann ein Holzofenbrot doch alles sein, was einmal im Holzofen lag!
Ausgestattet mit Brot und Kuchen geht es weiter zu einem kurzen Überraschungsbesuch bei meiner Oma (überrascht) und meiner Cousine (eingeweiht). Nach ein paar Tassen Tee ist es gar nicht so einfach, mich aus der warmen Stube wieder aufs Rad zu schwingen, zumal es inzwischen schon wieder dunkel ist. Ich habe noch 40 km vor mir, muss allerdings noch das furchteinflößende Wiehengebirge mit einem 130 m hohen Pass überwinden. Tatsächlich geht es plötzlich schon wieder bergab, ohne dass ich bemerkt habe, bergauf gefahren zu sein. Die letzten Kilometer verfliegen im Dunkeln und vorwiegend auf kleinen Radwegen dann auch recht schnell, und dann stehe ich vor dem Ortseingangsschild: Rahden. Ein komisches Gefühl und gleichzeitig auch ziemlich normal, bin ich doch auch die letzten Jahre immer kurz vor Weihnachten hier angekommen.
Besondere Normal ist auch das Wiedersehen, als ich in den Paal einbiege und bis ans Ende der Sackgasse rolle. Erst das Klingeln zuhause, bei Mama, Papa und Kaja, die ebenfalls schon da ist, und dann der Besuch bei Oma und Opa nebenan, dann wieder zurück und durch die Mengen an selbstgebackenen Weihnachtskekse knuspern. Mal schauen, ich denke erst in den nächsten Tagen oder Wochen werde ich realisieren, wieder angekommen zu sein.
Was jetzt noch auf FindPenguis folgt, sind zwei Nachträge zum Workaway in Spanien, ein Beitrag zum Fahrrad, einer zur Ausrüstung und eine Gesamtbilanz.
Bilanz:
Kürzeste Strecke: 71 km
Längste Strecke: 135 km
Gesamtstrecke: 1117 km
Platten: 0
Reisetage (davon Radeltage): 12 (11)
Freunde/Einladungen: 4
Warmshowers: 1
Wildcampen (davon ohne Zelt): 7 (3)
Verloren: nichts
Kaputtgegangen/Ersetzt: Hinterreifen
Wetter: Verhältnismäßig gut, teils schneereich und frostig
Essen: Endlich wieder Brot, das nur mit Butter schmeckt!
Endgewicht:
Tim 70 kg (inkl. Winterklamotten)
Fahrrad 124 kgMeer informatie
Das Fahrrad
31 december 2024, Duitsland ⋅ ☁️ 2 °C
Kurz Vorweg:
Es haben ziemlich viele die Footprints gelesen, leider kann ich aber nicht sehen wer (außer wenn mit einem Account ein Like abgegeben wurde). Da wäre ich jedoch schon neugierig. Genauso, ob euch sonst vielleicht noch etwas zur Reise interessieren würde (vielleicht bereite ich einen Vortrag vor). Schreibt mir dazu eine private Nachricht:)
Mein Papalagi ist gute 20 Jahre alt, aus Reynolds 853 Stahl, eigentlich eine Nummer zu klein und hat mich vor anderthalb Jahren auf Ebay 400 € gekostet. Zuzüglich ca. 650 €, die ich nochmal an neuen Teilen und Modifizierungen hineingesteckt habe, war dies noch immer deutlich günstiger als ein neues Reiserad einschlägiger Hersteller - wenn man die Stunden Schraubarbeit, die ich investierte, nicht mit rechnet. Jene sind schließlich auch sinnvoll, um am Ende jedes einzelne Teil des Fahrrads auch selbst austauschen zu können. Mal abgesehen von den notwendigen Schweißarbeiten (4x!) , die genauso häufig notwendig waren wie die Kettenwechsel und bis Kilometer 13.000 sogar häufiger als das Plattenflicken, hat es auch wirklich gute Dienste geleistet.
Was ich nächstes Mal vielleicht anderes machen würde, wären vermutlich Scheibenbremsen (zumindest mal testweise) in der Hoffnung, dass diese nicht so schnell mit Matsche voll kleben bzw. schneller reinigen lassen (weniger Fläche). Und dann ist für matschige, eisige und regnerische Touren sicherlich eine Rohloff die entspanntere Wahl - zumindest frieren einem da nicht die Ritzel zu. Preislich wären das zwar zunächst Mehrinvestitionen, langfristig würde es sich aber auszahlen und man müsste deutlich weniger Ersatzteile mit sich herum fahren (von anderen Rohloff-Reisenden habe ich gehört, dass die Kette gute 20.000 km gehalten hat und zwar nicht nur bei schön Wetter, sondern auch im Saharastaub).
Die Fahrraddetails:
Rahmen & Gabel: MTB Cycletech: Papalagi, Reynolds 853 Stahl
Laufräder:
- Vorderrad: ööhm gute Frage, war schon drauf
- Hinterrad: 26 Zoll Hinterrad Novatec 162 inklusive Ryde Andra 30 (neu zu Tourenstart)
Antrieb:
Kurbel:
- Shimano Ultegra FC 6503 170 mm
Kettenblätter (neu zu Tourenstart):
Klein:
- Stronglight Kettenblatt 5-Arm/silber/74mm/24Z (Stahl, war NICHT langlebig und machte bereits nach 2000 km Probleme) nach 7.700 km ausgetauscht durch
Kettenblatt Zelito, 5-Arm, innen, 74 mm Lochkreis, 24 Z (Aluminium (7075-T6), läuft noch immer, deutlich bessere Qualität)
Mittel:
- Stronglight Kettenblatt 5-Arm/silber/130mm/38Z, 21,90 € (Alu 5083) nach 17.300 km ausgetauscht durch
Stronglight Shimano Adaptable 130 BCD chainring Silver 38T
Groß:
- Stronglight Zircal Kettenblatt 5-Arm/schwarz-silber/130mm/46Z ( Material Alu 7075 T6 Zircal)
Kassette:
Shimano CS-HG201-9 Kassette 9-fach, 11-32 in Athen nach ca. 17.000 km durch eine 11-34 ersetzt
Kette:
Shimano CN-HG93 Kette - HG | 9-fach inzwischen ist die vierte dieser Ketten drauf (Kettenwechsel: 9463, km 3574 km, 3990 km)
Tretlager:
Shimano BC 1.37 in Spanien ersetzt durch Shimano Octalink BSA Bottom Bracket Black / Silver 68 mm/118 mm inzwischen schon wieder im Eimer
Umwerfer:
Shimano Ultegra FD-6503
Schaltwerk:
Alivio 9-fach (gebraucht, danke Nils;)) upgrade auf 9-fach Deore XT Schaltwerk in Pamplona (gebraucht)
Lenker:
ZIPP Service Course 70 XPLR Lenkerband:
Bead mit Gusti Leder Adri V.
Schaltebel:
Shimano Dura Ace SL-BS77 Lenkerendschalthebel - 2/3x9
Bremsen / Bremsgriffe:
- Shimano Deore BR-T610 V-Brakes
- Tektro RL520 Bremshebel
Bremsklötze:
- vorwiegend: Kool Stop - Bremsklötze V-Bremse dual compound, Shimano gefielen mir nicht
Sattelstütze:
irgendein Ritchey-dingsi
Sattel:
Brooks B17 Imperial Sattel (ursprünglichen mit Riss in Istanbul ausgetauscht)
Schutzbleche:
Bluemels Basic Schutzblech-Set 26 Zoll
Bereifung:
- Schwalbe Marathon Mondial Faltreifen - Evolution | Addix | DD - V-Guard | E-25 - 26x2.00" | Black Reflex
- Für Alpen:
Schwalbe Marathon Winter Plus Drahtreifen - Performance | Winter | Smart Guard - E-25 - 26x2.00" | Black Reflex
- Ab Konstanz irgendeinen 26er Schwalbe-Ersatz fürs Hinterrad
Lowrider:
Tubus Tara
Gepäckträger:
Tubus Logo Classic (nicht zu empfehlen, da oben zu schmal und Ortliebtaschen unten an Metall aufscheuern)
Fahrradständer:
Hebie Fox ca. 20 € (nach mehrmaligem Umfallen in Slovenien gebrochen, von dort aus ohne)
Licht:
Lumotec IQ Licht24Meer informatie
















































































































































































































































































































Reiziger
Ach, guck an, das ist Pizza. Mit dem flachen Teig und der Tomatensauce hätte ich sie beinahe nicht erkannt :-D