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  • Eva Leberer

Der Nase nach

Richtung Süden und dann? - Mal schauen. Czytaj więcej
  • Van-Museum

    30 października 2024, Turcja ⋅ ☀️ 12 °C

    Die Parkwächter hatten Schichtwechsel, was für mich bedeutete, dass ich heute Morgen drei neue Personen antraf, die mich natürlich wieder auf einen Çay einluden und erfahren wollten, wo ich entlangreiste und -reise. Das Aufzählen der türkischen Städte, die ich besucht habe, hat schon fast etwas von einem Gedicht aufsagen, zu dessen Belohnung es dann immer einen Çay gibt. Kurios.

    Da ich relativ stadtnah übernachtet hatte, nutzte ich die Gelegenheit und besuchte das Van Museum, das sich mit der regionalen Besiedlungsgeschichte und Archäologie beschäftigt. Mit vielen Ausstellungsstücken und erfreulicherweise auch englischen Texten lieferte es noch einmal spannende Eindrücke. Tatsächlich geht die Gründung des alten Vans auf das urartäische Königreich (850 v. Chr. – 600 v. Chr.) zurück, das stabile 220.000 Quadratkilometer umfasste. Hier nahm auch die Burg auf dem Berg ihren Anfang. Nach dem Niedergang des Reiches waren hier die Perser, die Römer, noch ein paar andere und irgendwann die Osmanen aktiv. Bekannt war Van wohl zunächst für seine Standardisierung und Massenproduktion von Tongefäßen (urartäisches Königreich) und später für seine Schmuckherstellung, insbesondere der Niello Technik [1].
    Mit dem Ersten Weltkrieg, der Eroberung durch die Russen und einem Aufstand der Armenier (was hier nun genau passierte, das wird leider nicht so genau beleuchtet – mit „Armenischer Revolte“ gibt man sich hier scheinbar zufrieden oder ist zufrieden …) nahm die lange Geschichte der Stadt dann ein Ende.

    Nach dem Museumsbesuch gibt es Frühstück am Strandpark, bevor ich mich wieder aufs Rad schwinge. Die Strecke danach ist ziemlich öde, da es nur eine große Straße mit viel lautem Verkehr gibt. Allerdings werde ich schon vor meinem eigentlichen Campspot fündig und finde eine schöne Stelle am See. Ich schieße ein paar Sonnenuntergangsfotos und fange an zu kochen. Als ich fertig bin, winken mich die fünf Jäger von nebenan heran und laden mich auf einen Çay ein. Natürlich wird mir trotz meines vollen Topfes mit Essen noch ein Brot mit frisch erlegtem Rebhuhn in die Hand gedrückt – zubereitet mit Zwiebeln, Thymian, Knoblauch, Tomaten, Tomatenmark und Paprika, ziemlich schmacko. Die Jäger sind eine nette Runde und überlassen mir, als sie gehen, ihr Feuerchen – leider aber auch jede Menge Müll, und das als Jäger …
    So wie ich über Letzteres enttäuscht bin, bin ich über Ersteres froh. Es ist schon unglaublich, wie viel Wärme ein kleines Feuer spenden kann. Ich kann trotz vier Grad Lufttemperatur ohne Pullover am Feuer sitzen und fröhlich Sonnenblumenkerne knacken.
    Çaycounter: 1

    [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Niello?wprov=sfla1
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  • Muradiye Selalesi (Wasserfälle)

    31 października 2024, Turcja ⋅ ☀️ 13 °C

    Nördlichet Vansee - ?

    Der großen Bundesstraße kann ich heute im stärker befahrenen Bereich glücklicherweise durch Nebenstraßen ausweichen. Meinen ersten Stopp nehme ich in Muradiye vor, einer Kleinstadt nördlich des Vansees.
    Ich kaufe eine Kleinigkeit beim Bäcker für ein zweites Frühstück und versuche, Bargeld abzuheben. Das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Zwei Automaten haben Gebühren, einer hat kein Bargeld mehr, und vor dem nächsten steht eine lange Schlange von Menschen, die scheinbar noch nie einen Europäer mit dem Fahrrad gesehen haben – zumindest ließen das die etwa 20 Augen vermuten, die sich minutenlang auf mich richteten, als ich mich ebenfalls anstellen wollte – ziemlich unangenehm. Am Ende hatte auch dieser Geldautomat für niemanden mehr einen Schein übrig, und ich steuerte einen letzten, etwas außerhalb liegenden an – Bingo, hier gab es noch Bargeld.

    Nach einem letzten Einkauf im Supermarkt fuhr ich weiter zu den Muradiye-Wasserfällen. Tatsächlich ganz schön beeindruckend. Als sie noch nicht touristisch erschlossen und einfach nur den Menschen, die hier lebten, zugänglich und bekannt waren, muss dies wirklich ein paradiesischer Ort gewesen sein.
    Im Café nebenan mache ich noch eine Weile Pause, um meine Elektrogeräte zu laden. Dann geht es tiefer in die Berge hinein.

    Ein Abschnitt führt über einen wundervollen Feldweg an einem Bach entlang. Es wimmelt nur so von potenziellen Zeltplätzen, doch leider ist es noch etwas früh. Ich fahre also weiter, passiere noch eine größere Ebene und frage schließlich wieder bei einer Tankstelle nach, ob ich auf dem dahinterliegenden Feld mein Zelt aufstellen kann.
    Es wird bereits dunkel und die Temperaturen fallen rapide ab. Bereits gegen 18:30 Uhr liegen sie nur noch bei ca. 0 Grad (glücklicherweise ist es quasi windstill). Ich wärme meine Reste von gestern auf, verlängere sie mit Bulgur und koche heißen Tee für meine Thermoskannen. Dann verkrieche ich mich schnell ins Zelt, wo es zumindest ein paar Grad wärmer ist.

    Çaycounter: 0 (mehrere abgelehnte Çayeinladungen)
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  • Ein Radeltag

    1 listopada 2024, Turcja ⋅ ☀️ 13 °C

    ? - Doğubeyazıt

    Gestern Abend habe ich noch einmal die Route überdacht bis nach Kars, während es eigentlich nur noch drei Tage sind. Allerdings liegt noch eine wunderbare Sehenswürdigkeit auf dem Weg, der Ishak-Pascha-Palast, und auf der Karte habe ich noch heiße Quellen entdeckt. Außerdem ist das Wetter noch gut und auch hier auf 2000 Metern liegt noch kein Schnee. Statt komplett der großen Straße zu folgen, werde ich also erst die Sehenswürdigkeit ansteuern, im Anschluss die heißen Quellen und dann über einen kleineren Pass nach Kars fahren. In Summe sollte dies vier Tage dauern.

    6:30 Uhr
    Die Sonne geht auf. Zu kalt zum Aufstehen. Ich warte, bis die Sonnenstrahlen das Zelt erwärmen.
    7 Uhr
    Das Thermometer im Außenzelt zeigt minus vier Grad.
    7:20 Uhr langsam aufstehen, die Sonne scheint und das Zelt taut auf, der Wassersack ist gefroren.
    7:30 Uhr
    Frühstücken: kalte Tomaten, kalte Oliven, kalter Käse, eine Art Schmand, Honig, Brot und heißer Tee.
    8:30 Uhr
    Zusammenpacken, Zelt trocknen lassen. Aus der Packtasche springt mir eine Maus entgegen -> Ausrüstung kontrollieren. Nur eine Boxershorts ist zerfressen. Benzin an der Tankstelle auffüllen (das könnte wirklich schneller gehen, da habe ich ja ordentlich getrödelt).
    9:40 Uhr
    Losfahren auf der Bundesstraße
    10:30 Uhr: Toilettenpause im Vulkangestein am Straßenrand (im muslimischen Stil)
    11:45 Uhr
    Pass erreicht: 1585 m laut GPS, 2644 m laut Schild. Vom Militärposten ruft ein Soldat etwas und gestikuliert – vermutlich soll ich keine Fotos machen und weiterfahren. Sollen die halt keinen Posten hier an den Pass bauen.
    12:10 Uhr
    In der Abfahrt: Foto- und Teepause. Ich sehe das erste Mal den Ararat, einen 5000er. Hier soll die Arche Noah nach der Flut gestrandet sein.
    12:35 Uhr
    Ich bemerke, dass ich die Tasche an meiner Jacke nicht richtig zugemacht habe und meinen Packsack der Daunenjacke verloren habe. Ich ärgere mich, zumal ich gerade 700 Höhenmeter runtergefahren bin. Ich fahre zumindest ein Stück zurück, auch wenn die Chancen gleich null sind.
    12:40 Uhr
    Ein Auto hält und nimmt mich ein Stück mit hoch.
    12:50 Uhr
    Auf der anderen Straßenseite sehe ich meinen Packsack umherfliegen. Was für ein Glück! Wir halten an, ich hole ihn, das Fahrrad wird ausgeladen und es geht wieder runter.
    Ca. 14:00 Uhr
    Ich komme in Doğubeyazıt an und kaufe beim Bäcker ein.
    Ca. 14:10 Uhr
    Ich kaufe beim Gemüseladen ein.
    14:30 Uhr
    Mittagspause im Lokantasi.
    15:10 Uhr
    Weiterfahrt
    Kurz vor 16 Uhr
    Ich komme an meinem Ziel, dem alten, nicht mehr existierenden Doğubeyazıt an. Ich steuere den Campingplatz an. Der ursprüngliche Preis beträgt 10 Euro, allerdings wirkt er für mich ziemlich heruntergekommen. Es gibt kein warmes Wasser und man könnte mal wieder aufräumen. Ich handle auf 100 Lira herunter.
    16:10 Uhr
    Gelände erkunden, potenziellen Zeltplatz suchen
    16:20 Uhr
    Ich begebe mich auf Fototour zum Ishak-Pascha-Palast.
    18:20 Uhr
    Es ist inzwischen stockdunkel. Ich beende das Fotografieren und frage am Campingplatz-Restaurant nach WLAN und Strom.
    18:23 Uhr
    Zelt aufbauen und Sachen hineinräumen, Klamotten für Handwäsche sortieren
    18:53 Uhr
    Kochen (Pilz-Tomaten-Bulgur-Topf mit Zwiebel und Knoblauch und ein bisschen Schmandzeugs), dabei Sonnenblumenkerne und türkische Snacks snacken
    19:55 Uhr
    Essen
    20:12 Uhr
    Abwaschen und Esssachen zusammenpacken
    20:20 Uhr
    Nachtisch
    20:27 Uhr
    Motivation zum Waschen mit kaltem Wasser finden
    20:37 Uhr
    Waschen immerhin im beheizten Restaurantbadezimmer
    20:58 Uhr
    Elektrogeräte zum Laden wechseln, WLAN nutzen
    21:00 Uhr
    Tages- und Routenplanung für morgen und verfeinern für nächste Wochen, Nachrichten beantworten, Podcast downloaden, Findpenguins, Wikipediaartikel lesen, daddeln
    22:30 Uhr ab ins Zelt

    Çaycounter : 2 + eine Thermoskanne
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  • Zeit für Gedanken, Ishak-Pascha-Palast

    2 listopada 2024, Turcja ⋅ ☀️ 13 °C

    Doğubeyazıt - ?

    Ich lasse es heute Morgen ganz ruhig angehen und warte, bis die Sonne das Zelt erwärmt hat. Der Palast, den ich besuchen will, macht erst um 10 Uhr auf – genügend Zeit für ein gemütliches Frühstück, Wäsche waschen, Fahrradpflege und ein bisschen Nachdenken.
    Ich muss sagen, dass ich in der Türkei bisher sehr viel Glück mit dem Wetter hatte. Seit ich hier bin, hat es einen Tag oder besser gesagt einen halben Tag und eine halbe Nacht geregnet bzw. gewittert. Ansonsten schien immer die Sonne, so lässt sich auch die Kälte aushalten. Sachen werden gar nicht erst nass und Wäsche trocknet schnell. Ich fange mich ab. Auch dies ist der Grund, dass ich seit den Abschieden in Istanbul eigentlich keine größeren melancholischen oder negativen Gefühle hatte. Vielleicht spielen aber auch die vielen Eindrücke und Begegnungen eine Rolle. Ich denke schon darüber nach, je näher ich nach Kars komme, wo ich mich wieder nach Europa wenden werde (Georgien wird zu knapp, kalt und regnerisch), wie es sein wird, wieder zu Hause anzukommen. Wie der Alltag ist und was danach kommt. Allerdings ist das bisher kein dominantes Gefühl. Ich bin etwas gespannt, aber stärker wird es, je näher ich nach Europa komme und je schlechter das Wetter wird.

    Nach diesen Gedanken am Morgen mache ich mich auf, um den 1784 fertiggestellten Ishak-Pascha-Palast zu besichtigen. Wie schon das alte Van ist auch hier die alte umliegende Stadt vollkommen zerstört worden, und auch der Palast ist nur dank umfassender Sanierung zu besichtigen (auch wenn immer noch vieles wiederherzustellen wäre). Nach einer guten Stunde habe ich alle Räume des Palastes durchquert und schwinge mich wieder auf mein Fahrrad.
    In Doğubeyazıt mache ich direkt noch einmal Mittagspause bei der Lokantasi von gestern und bestaune riesige Kohlköpfe auf dem Markt. Als ich aus der Stadt komme, kommt Gegenwind auf, sodass ich die heißen Quellen heute doch nicht mehr erreiche. Endstation ist daher wieder einmal eine Tankstelle.

    Çaycounter: 2 + eine Thermoskanne
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  • Heiße Quellen

    3 listopada 2024, Turcja ⋅ ☁️ 5 °C

    Diese Nacht an der Tankstelle war leider nicht so erholsam, da sie an der Bundesstraße liegt, die aus dem Iran kommt. Aus diesem Grund donnerten jede Menge LKWs vorbei.

    Dafür wurde ich aber direkt nach Abfahrt durch wunderschöne und beeindruckende Natur entschädigt. In Diyadin ging es entlang des Murat Canyons zu den heißen Quellen. Bereits die steilen Felswände des Canyons waren beeindruckend. Noch beeindruckender waren allerdings die zwei Durchbrüche, durch die der Fluss die Felsen überwand und so eine natürliche Brücke geschaffen hatte. Hier wäre tatsächlich auch eine optimale Campinggelegenheit gewesen. Ein paar hundert Meter später kam ich dann an den heißen Quellen an. Tatsächlich blubbert hier einfach das Wasser aus einem Loch neben der Straße. Noch ein beeindruckendes Naturschauspiel, das durch den Schwefel so stark nach faulen Eiern riecht, dass einem fast schlecht werden kann.
    Das einzige Ärgernis an diesem Ort ist die kommerzielle Nutzung. Hier haben ein paar Leute ein paar „Bäder“ gebaut, zapfen das heiße Wasser ab, kassieren Geld, kümmern sich aber in keinster Weise um den Müll, der überall herumliegt.

    Auf dem Rückweg fahre ich noch einmal durch Diyadin. In vielen Gärten oder auf vielen Mauern fallen mir braune Türme auf, die wie gestapelt sind und aussehen wie Torf. Ich frage eine Frau, die an einem dieser Türme herumwerkelt, und bekomme, nachdem sie ihre Tochter gerufen hat, erklärt, dass es sich um getrockneten Mist handelt, der zum Verfeuern genutzt wird. Vermutlich ist es das einzige brennbare Material, denn Bäume gibt es hier fast keine.
    Neben einem kurzen Einkauf gehe ich in der Stadt noch einen Döner essen, den ich aus irgendeinem Grund wieder nicht bezahlen soll.
    Insgesamt muss ich sagen, dass mir Diyadin sehr gut gefallen hat. Es wirkt sehr natürlich und die Menschen waren alle sehr freundlich und haben gegrüßt. Der Tourismus schien hier noch nicht angekommen zu sein.

    Ich mache mich auf den Weg zum nächsten Pass. Die Strecke führt auf einer Nebenstraße durch viele kleine Dörfer. Auch hier trocknet überall auf den Mauern der Mist zum Heizen. Überhaupt scheint man hier vor allem von der Viehhaltung zu leben. Es gibt etliche Schafherden, große weite Flächen und fast keine Feldwirtschaft.

    Als es dunkel wird, biege ich auf eine der Weiden ab und schlage mein Zelt auf. Ich freue mich schon darauf, gekocht zu haben und in meinem Zelt zu sitzen, wenn es draußen kälter wird und anfängt zu regnen. Was gibt es schon Schöneres, außer vielleicht ein Wohnzimmer mit einem warmen Ofen und einem Kakao?
    Nach dem Essen verkrieche ich mich in den Schlafsack. Alles, was noch warm ist oder was morgen früh warm sein soll, kommt mit hinein. Als ich noch Fotos sortiere und FindPenguins schreibe, verwandelt sich das Prasseln auf der Zeltplane in ein Knistern. Es scheint zu schneien.

    Çaycounter: tatsächlich nur eine Thermoskanne, was war da los?
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  • Stundenlang am See

    4 listopada 2024, Turcja ⋅ ☁️ 5 °C

    Von den Schneeflocken der heutigen Nacht ist am Morgen leider nichts mehr übrig. Dafür ist es umso nebeliger und durch die Luftfeuchtigkeit ziemlich frisch. Zum Glück geht es zunächst noch ein paar Höhenmeter hinauf, bis ich den See erreiche. Die Umrundung dauert deutlich länger als erwartet, da es auf und ab geht und der Asphaltweg in eine Schotterpiste übergeht. Außerdem werde ich regelmäßig von übereifrigen Hirtenhunden zum Anhalten gezwungen. Abgesehen davon ist es hier oben wirklich schön. Ich frage mich nur, wovon die Leute hier leben, gerade im Winter müssen lebensfeindliche Bedingungen herrschen. Weidefläche und ein See zum Fischen, das ist wirklich alles, was es hier gibt.
    Nach dem Mittag bin ich auf der anderen Seite des Sees angekommen und die Abfahrt bis nach Tuzluca beginnt. Nach einiger Zeit tauchen wieder Bäume auf, die in schönen herbstlichen Farben leuchten, in den Tälern und an den Hängen.

    In Tuzluca halte ich kurz für ein Mittagessen, kaufe Brot und fülle Wasser auf. Bereits hier fange ich an zu überlegen, wo ich dann am besten übernachte. Auf Park4Night habe ich ein Restaurant gesehen, wo man auch campen können soll. Ich fahre also weiter und beschließe, entweder einen Wildcamp-Spot unterwegs zu nehmen oder das Restaurant anzusteuern. Die Landschaft nach der Stadt wird noch einmal sehr spannend und unterschiedlich, als ich plötzlich links und rechts der Straße etliche kleine rote Hügel auftauchen. In diesen ließe sich sicherlich auch sehr gut campen, da der Boden allerdings lehmig ist und es etwas nach Regen aussieht, käme man ja morgen früh wahrscheinlich nur nicht mehr weg. Auch später am Fluss entscheide ich mich gegen das Wildcampen, da dieser quasi die Grenze zu Armenien markiert und ich nicht weiß, wie viel Militär hier wohl unterwegs sein wird.
    Scheinbar eine gute Entscheidung, denn als ich mich beim Restaurant-Camping gerade bettfertig mache, kommen selbst hier zwei Soldaten auf Streife vorbei und fragen kurz, ob ich Tourist sei.

    Çaycounter: 5
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  • Es wird eisig und gastfreundlich

    5 listopada 2024, Turcja ⋅ ☀️ 14 °C

    Eigentlich hätte es heute ein sehr guter Radeltag werden können. Die Sonne schien, und ich hatte 80 km und 1500 Höhenmeter bis nach Kars vor mir. Bis zum nächsten Dorf, Digor, waren es 40 km – dazwischen kein Wasser, wie mir der Restaurant- und Campingplatzbesitzer noch mitteilte.

    Nun hatte ich die Rechnung ohne den Wind gemacht. Der trotz der Berge von mir fröhlich pustete, sodass ich fast nur in Schrittgeschwindigkeit vorankam. Absurderweise führten die Berge und der Wind nicht nur zum langsamen Vorankommen, sondern auch dazu, dass ich gleichzeitig schwitzte und fror. Der Vormittag und Nachmittag waren von vielem Fluchen begleitet, aber ich motivierte mich mit einem potentiellen Lokantasi und einem Çay in Digor.
    Nach viereinhalb Stunden für diese 40 km (!) entpuppte sich dies jedoch als ziemliche Enttäuschung, denn obwohl die Straße fast mitten durchs Dorf führte, kam man aufgrund fleißig installierter Leitplanken nur über Umwege (Berg hoch und runter) auf die andere Straßenseite und ins Dorf. Hinzu kam, dass weit und breit kein Imbiss zu sehen war. Ich machte also nur kurz Pause und aß meine Nudeln von gestern. Bis hier hatte ich mich mit der Aussicht auf etwas Leckeres zu essen und einen warmen Çay motivieren können.

    Dafür war das Motivationsloch nun umso schlimmer, genauso wie der Anstieg, der nun kam.
    Statt Motivation gab es nun eine große Wut auf den Wind und jeden Hügel, hinter dem sich ein neuer Hügel verbarg. Dies führte letztlich dazu, dass ich den Wind anfluchte und stur auf den Asphalt starrte und genervt in die Pedale trat. Was anderes blieb mir auch nicht wirklich übrig, denn sobald ich stehen blieb, wurde es umso kälter. Meine Nase fand diesen ganzen Spaß auch nicht lustig und lief schneller, als ich fahren konnte. Durch das ganze Schnauben und die Kälte tropfte sie inzwischen rötlich.

    Nun hatten diese Wetterbedingungen allerdings dennoch etwas Gutes. Da ich nicht so schnell vorankam, hatte ich zum Sonnenuntergang noch gute 30 km bis Kars vor mir. Auch wenn der Wind etwas nachließ, wurde es schnell deutlich kälter. Die Temperaturen sollten in der Nacht auf -9 Grad fallen – nicht so rosige Aussichten. Also entweder bis Kars durchhalten, einen windgeschützten Ort zum Zelten finden oder in einem Dorf nach einer Unterkunft fragen. Dağpınarı war das letzte Dorf, das noch zwischen mir und Kars lag. So oder so wollte ich hier einmal Wasser für einen potenziellen heißen Tee auffüllen.
    Als ich mein Fahrrad gerade an die Mauer der Moschee lehnte, rief von einem gut 50 m entfernten Laden bereits ein Mann energisch „Tourist, Tourist“ und winkte eifrig, dass ich herüberkommen sollte.
    Es gab natürlich erst einmal einen wärmenden Çay im Laden und die üblichen Gespräche mit den Leuten, die noch so im Laden herumsaßen oder gerade etwas kauften: Meine Reise, die schlechte wirtschaftliche Lage in der Türkei (hohe Arbeitslosigkeit auch hier), Erdoğan yok güzel (nicht gut) und eine frohe Stimmung, fast schon eine Bewunderung für Deutschland und dass ich sie doch mitnehmen solle. ;) Ich erkundigte mich ebenfalls und fragte, ob ich hier irgendwo zelten könnte. Es hieß, vor ein paar Tagen seien auch Radreisende hier gewesen, die in der Moschee übernachtet hätten und dass dies kein Problem sei. Es wurde kurz hin und her telefoniert, in der Moschee ging es irgendwie doch nicht und kurzerhand wurde ich so von Canan, die auch ein wenig Englisch konnte, eingeladen, Gast ihrer Familie zu sein. Ich sollte nur noch kurz im Laden warten, bis sie mit dem Füttern der Kühe fertig seien.

    Später gibt es dann zunächst eine Runde Çay im Wohnzimmer zusammen mit ihrem Vater Ertekin und ihrer Mutter Ayfer. Interessant ist, dass Canan und Ayfer gar kein Kopftuch tragen - wurde mir doch in Istanbul von ein paar Leuten erzählt, dass der Osten der Türkei viel traditioneller und konservativer sei. Den Eindruck hatte ich da bisher nicht. Traditioneller im Sinne der Lebensweise bzw. einfacherer Verhältnisse ja, konservativer aber überhaupt nicht. Wir unterhalten uns noch eine Weile auch über ihre Geschwister, die in Edirne studieren, und ihre zwei Onkel, die in Deutschland leben. Einer, der in Ulm wohnt und dort einen Dönerimbiss betreibt, wird natürlich direkt angerufen. Canan selbst ist übrigens – neben dem, was sie auf dem Hof für die Familie tut – Grundschullehrerin im Dorf und hatte während ihres Studiums sogar einen Erasmus+-Platz über ihre Uni gewonnen. Über die Möglichkeit, so nach Europa zu kommen, hatte sie sich sehr gefreut. Traurigerweise fiel das Ganze dann jedoch wegen Corona ins Wasser.

    Dann gibt es Essen. Canan – und tatsächlich nicht ihre Mutter – schien in der Rolle der Gastgeberin zu sein und hatte Erbsenreis mit Hähnchen, Salat und selbstgemachtem Joghurt zubereitet. Kurioserweise entschuldigte sie sich fortwährend, dass sie aus Zeitgründen nichts Besseres gekocht habe, obwohl es erstens superlecker schmeckte und ich zweitens ja nur ein hereingestolperter, spontaner Gast war und eigentlich gar keine Ansprüche hatte bzw. überhaupt kein Essen erwartet hätte. Dies erinnert mich ein wenig an meine Oma, die ebenfalls immer behauptet, sie hätte nicht gut gekocht, obwohl es immer ziemlich lecker ist.
    Ebenfalls interessant war übrigens noch, dass zunächst nur die Männer, also ihr Großvater, Vater und ich am Tisch saßen und erst später sie und ihre Mutter aßen. Ob dies nun kulturelle Gründe oder einfach nur durch den etwas kleineren Esstisch begründet war, fand ich leider nicht heraus.

    Çaycounter: 7+
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  • Kars

    6 listopada 2024, Turcja ⋅ ☀️ 7 °C

    Es wird heute erstmal der letzte Radeltag hier im Osten der Türkei. Denn zum Weiterradeln nach Georgien wird es zu kalt und vor allem wäre die Zeit etwas knapp, müsste ich mich doch direkt nach Ankunft schon wieder auf den Rückweg machen, um Weihnachten in Deutschland zu sein. So richtig Zeit, Georgien kennenzulernen, bliebe also nicht und ich will das Land schon richtig kennenlernen. Also ein anderes Mal, auch wenn es natürlich schade ist, dass ich nun weder den Weg von Theo noch den von Mareike (Granada Warmshowers), die jeweils gerade in Georgien unterwegs sind, kreuze. Mein Rückfahrplan, den ich in den letzten Wochen immer mal wieder überdacht und recherchiert habe, sieht daher wie folgt aus: Kars - Ankara (Zug), Ankara - İzmir (Zug/Bus), İzmir - Çeşme (Fahrrad), Çeşme-Chios-Athen (Fähre), Athen - Patras (Fahrrad), Patras - Bari (Fähre) und dann Italien hoch ballern!

    Das also schon mal als Ausblick auf die nächsten Wochen. Zunächst stand heute aber erst mal das Frühstück mit Canan und ihrer Mutter an (ihr Vater war bereits früh im Stall bei den Tieren). Eier, Käse und Butter aus eigenem Anbau, dazu noch Oliven, Wurst, Honig und Brot. Butter hatte ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen, weil sie in vielen (wärmeren) Ländern einfach nicht mit auf dem Speiseplan steht. Hier in den kühleren Bergen schien das Klima aber wieder Butter geeigneter zu sein.

    Auf Nachfrage, ob Canan ihre Familie in Deutschland schon einmal besucht habe, erzählte sie überraschenderweise, dass es eigentlich einfach sei, aber es in ihrer Kultur viel Neid gäbe und sie nicht von ihnen eingeladen würde. Ich bin überrascht, habe ich die Kultur doch als sehr hilfsbereit und gastfreundlich kennengelernt. Auch ihren Geburtstag gestern hätten sie vergessen, aber sie hätte sich gefreut, dass ich quasi als Gast da war, zumal dies durch die Katze angekündigt wurde. Es sei hier nämlich ein Sprichwort, dass ein Gast komme, wenn sich die Katze mit der Pfote das Gesicht putzt. Nun war ich also unwissender Geburtstagsgast gewesen und hatte gar kein Geschenk dabei gehabt. Ich nutze also die Gelegenheit, mal wieder eins der Drahtfahrräder zu basteln und noch eine Muschel, die ich am Strand in Spanien gefunden hatte, zu verschenken – vielleicht konnte ich ja eine kleine Freude bereiten.

    Zum Abschied bekam ich von ihrer Familie noch ein gutes Kilo von dem gepressten Puderzucker (vermutlich hatte ich hier zu viel Interesse gezeigt, was das ist), ein paar Socken und ein Brot von ihrem Onkel aus dem Laden geschenkt. Eigentlich möchte ich solche Dinge gar nicht annehmen, ich weiß jedoch auch nicht, wie ich sie ablehnen soll, ohne unhöflich zu sein, sodass sie am Ende dann doch in meinen Taschen landen. 🤔
    Zum Abschied geben wir uns – auch Männer und Frauen, anders als ich es woanders erlebt habe – „ganz normal“ die Hände.

    In Kars komme ich dann schnell an, da ein Großteil des Weges bergab führt (trotz Sonne sehr kalt). Die Stadt liegt auf ca. 2000 Meter Höhe und gefällt mir auf Anhieb sehr gut. Die Bergdörfer und Bergstädte haben irgendwie immer etwas Besonderes. Es gibt häufig massive Steinhäuser, es ist sonnig, der Qualm der Schornsteine liegt über den Dächern und meistens geht es deutlich ruhiger zu als in anderen Städten – vielleicht strahlen die ruhigen Berge dies aus, vielleicht werden auch alle durch die Temperaturen heruntergekühlt und es geht etwas gemächlicher zu.
    Kars ist übrigens für seinen Käse und seine Gänsegerichte (Kaz) bekannt. Zumindest Ersteres kann ich anhand der etlichen Käseläden bestätigen. Die haben übrigens meistens auch Honig und Butter – scheint wirklich wieder ein Ding hier zu sein.

    Auf der Suche nach einem günstigen Hotel schlendere ich durch die Stadt, erkundige mich nach den Zugtickets und decke mich bereits mit Brot, Käse und Snacks ein. Mitrechnen zahlt sich dabei aus, sonst wird das Stück Käse schon mal 20 % teurer. 

    Nachdem ich eingecheckt habe, mache ich mich – nach einer kurzen Pause – für den Sonnenuntergang auf den Weg zur Burg. Hier treffe ich noch zwei lustige Studenten (Architekt, Imam) aus der Stadt, mit denen ich im Anschluss einen Tee trinken gehe. In der Teestube sitzen kurioserweise auch zwei Verkehrspolizisten, die hier ihre Papierarbeit bei ein paar Tassen Çay verrichten.

    Çaycounter: ≈8
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  • Eine Zugfahrt die ist lustig, eine

    7 listopada 2024, Turcja ⋅ ☀️ 14 °C

    Zugfahr, die ist schön...und wird dann richtig beschissen

    Kars - Ankara - Izmir

    Um halb sieben gibt es zunächst ein Hotelfrühstück, das sich sehen lassen kann. Zumal ich nicht einmal wusste, dass das Frühstück inklusive war. Dann geht es durch die Kälte zum Bahnhof – trotz Sonne ist es wirklich kalt, und ich freue mich, heute nicht radeln zu müssen, sondern mit dem Zug zu fahren – zumal ich feststelle, dass wieder einmal eine der Ösen für die Gepäckträgermontage gebrochen ist.

    Im Bahnhof gibt es eine kurze Sicherheitskontrolle, in der alle Taschen einmal durch ein Röntgengerät müssen – Taschenmesser oder Flaschen mit Benzin scheinen hier aber niemanden zu stören. Im Anschluss besorge ich mir die Fahrkarte und bin überrascht, wie günstig die Zugfahrt ist: 500 Lira, was derzeit ca. 14 Euro* entspricht. Für eine Fahrt von 1200 km und 26 Stunden. Der Zug stand schon bereit, und das Verstauen des Fahrrads war kein Problem (so wie in deutschen ICs).

    Die Zugfahrt ist dann wirklich klasse. Die Strecke windet sich durch die Berge, entlang von kleinen Bächen und Flüssen und durch herbstliche Täler. Das einzige Manko: Es liegt – außer auf manchen Bergspitzen – noch kein Schnee, sonst wäre die Landschaft sicherlich nochmal eine Ecke märchenhafter. Überhaupt wäre es spannend, wie sich der Zug hier durch eine Schneelandschaft den Weg bahnen würde. Schließlich sind es hier sicherlich nochmal andere Bedingungen als in Deutschland, und dort ist es ja auch schon spannend …
    Auf jeden Fall gibt es hier im Zug deutlich mehr Personal und vor allem Schaffner, die an den teils auch sehr kleinen Bahnhöfen die Signale per Trillerpfeife und Kelle geben und dafür sorgen, dass der Zug nicht ohne einen losfährt, wenn man an einem dieser Bahnhöfe noch kurz zum Wasserauffüllen herausspringt.
    Im Zug selbst war tatsächlich gar nicht so viel los, dafür war aber eine umfassende Versorgung zu fairen Preisen im Speisewagen sichergestellt: Köfte, Döner, einiges anderes, Kaffee usw. und natürlich Çay. Damit dieser nicht kalt wird, wurde auch ordentlich eingeheizt. Mein Thermometer zeigte im Abteil über 30 °C an - etwas übertrieben...
    Die Berglandschaften sind übrigens, wie auch schon vorher beim Radeln zu bemerken war, ganz anders als in den Alpen. Während es in jenen doch häufiger enge Täler und begrenzten Platz gibt, sind hier teilweise riesige Ebenen zwischen den einzelnen Bergkämmen zu finden. Zumindest habe ich diesen Eindruck.

    Mit drei Stunden Verspätung also nach 29 Stunden Zugfahrt komme ich in Ankara an, wo man mir zunächst versichert, dass es kein Problem ist, mein Fahrrad mit in den Zug zu nehmen und dieser um 20 Uhr nach Izmir abfährt. Soweit so schön, ist alles gut. Ich nutze die Zeit, ein bisschen durch Ankara zu fahren und noch etwas zu essen. Große Stadt, viele Parks und ziemlich westlich – zumindest hat dies den Anschein (dazu unten mehr).

    Und nun beginnt der Wahnsinn. Als ich zum Schalter am Bahnhof zurückkehre, will mir die Frau, die hier nun sitzt, kein Ticket verkaufen, weil sie nicht weiß, ob das mit dem Fahrrad funktioniert. Alle meine Erklärungsversuche, dass mir bereits gesagt wurde, dass es funktioniert, sind nutzlos. Sie verweist mich an einen Infoschalter, wo allerdings niemand ist, da gerade gegessen wird, und knuspert dann selbst weiter ihre Snacks.
    Irgendwann ist dann zum Glück eine freundliche Frau am Infoschalter und bestätigt nach einem Telefonat, dass ich mein Fahrrad mit in den Zug nehmen kann. Ich gehe also zurück zum Ticketschalter, wo die hochbegabte Frau mir nun mitteilt, dass es für heute, morgen und übermorgen keine Tickets mehr gibt – vielen Dank, hätte man mir das nicht leicht sagen können?
    Ich werde auf die andere Seite der Gleise an das andere Bahnhofsgebäude verwiesen, weil dort Bustickets verkauft würden. Inzwischen muss ich das vierte Mal durch die Sicherheitskontrolle und alle Taschen vom Fahrrad abnehmen. Zum Glück habe ich ja schon etwas Übung, aber nerven tut es trotzdem. Im anderen Bahnhofsgebäude heißt es dann, es gäbe hier keine Bustickets. Als ich auf das Flixbus-Symbol zeige, heißt es wiederum, es gäbe hier schon Bustickets, aber nur zwischen 9 Uhr und 17 Uhr – danke dafür. Nun bleibt mir also nichts anderes übrig, als direkt zum Busbahnhof zu fahren. Ein mittellanger Ritt durch eine nicht wirklich fahrradfreundliche Stadt.
    Am Busbahnhof erfolgt die Sicherheitskontrolle Nummer 5. Eigentlich sollten hier heute noch etliche Flixbusse, bei denen jeweils noch Plätze frei sind, nach Izmir abfahren. Der Mann am Schalter bestätigt auch, dass das Fahrrad kein Problem sei. Hat er aber ein anderes Problem für mich parat: Frauen und Männer dürfen scheinbar nicht nebeneinander sitzen und so sind nur noch Plätze für Frauen frei – herzlich willkommen im westlich erscheinenden Ankara. Der nächstmögliche Bus geht morgen früh um 7:30 Uhr. Ich buche ihn und hoffe, dass nun alles glattgeht.

    Als ich dasitze und warte, quatscht mich eine Frau an, die auch Deutsch und Englisch spricht. Wir kommen ins Gespräch und sie sagt, dass es auch noch andere Busse nach Izmir geben müsste. Also begebe ich mich noch einmal zum Ticketverkauf, der eher einem Jahrmarktstand gleicht, bei dem die Verkäufer wild durcheinanderrufen, welche Busroute sie denn anzubieten haben. Tatsächlich gibt es um 23:30 Uhr noch einen Bus nach Izmir und ich kann meinen Flixbus noch stornieren. Etwas suspekt ist mir das Ganze schon, schließlich erhalte ich lediglich ein handschriftliches Kärtchen mit Busunternehmen, Bussteig und Sitzplatz, sonst nichts. Auch auf der Anzeigetafel findet sich dieser Bus nicht – aber an einem offiziellen Verkaufsstand am Busbahnhof wird man doch wohl nicht verarschen?

    Tatsächlich geht auch alles gut, und der Bus taucht kurz nach 23 Uhr am Bussteig auf. Das Fahrrad wird irgendwie im Gepäckraum verstaut, und ich hoffe, dass es wieder heil herauskommt. Nun hätte es eine ganz erholsame und entspannte Busfahrt mit etwas Schlaf werden können, wenn nicht innerhalb der ersten Stunde mein Sitz zerbrochen und der volle Bus nicht auf Sauna-Temperaturen geheizt worden wäre. Immerhin wurde nach der Hälfte der Fahrt ein anderer Sitzplatz frei, und ich konnte wenigstens vier Stunden schlafen.

    *Etwas überraschend kamen nach fünf Stunden Fahrt noch 70 Lira für das Fahrrad hinzu. Nicht viel und auch ein fairer Preis, aber etwas sonderbar, dass man nun damit ankam und es vorher nirgends die Information gab.
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  • Izmir

    9–11 lis 2024, Turcja ⋅ 🌙 11 °C

    Frühmorgens kam ich müde in Izmir an. Daher ging es erst einmal ins nächste Café zum Kaffeetrinken und Frühstücken. Als ich mich im Anschluss durch die verschiedenen Viertel zum Strand manövrierte, entdeckte ich auch direkt einen Schweißbetrieb und nutzte die Gelegenheit – Schutzausrüstung Fehlanzeige und Schweißqualität naja, habe schon Besseres und Schlechteres erlebt, aber immerhin waren die Leute nett und es gab Çay dazu :)

    Den Rest des Vormittags nutzte ich, um an der Küstenpromenade entlangzufahren. Gegen Mittag traf ich mich dann mit Betül, meiner heutigen Warmshower-Hostin. Sie ist Türkin, aber in Deutschland aufgewachsen und vor zwei Jahren mit ihrer Familie von Deutschland nach Izmir gezogen. Vor zwei Monaten ist sie selbst mit dem Fahrrad von Deutschland (Marburg) nach Izmir gefahren, was ein paar tolle Radreisegespräche verspricht. Zunächst einmal zeigt sie mir aber erst einmal Izmir und gibt eine kleine Stadtführung – das ist natürlich noch einmal etwas anderes von Menschen, die fließend Deutsch sprechen und gleichzeitig hier zu Hause sind. Wir schauen uns den Glockenturm, das Wahrzeichen der Stadt, den Basar und eine Moschee an und essen im Anschluss eine Kumpir. Dann machen wir uns auf den Weg in Betüls Dorf, dessen Einwohnerzahl in den letzten Jahren explodiert ist und für deutsche Verhältnisse eher eine mittelgroße Stadt wäre.

    Zu Hause werde ich herzlich von Betüls Eltern empfangen und finde insbesondere die Mischung aus türkischer und deutscher Wohnungseinrichtung bzw. Haushalt interessant. Das klassische türkische aromatisierte Desinfektionsmittel, Hausschuhe vor Balkon und Toilette in Kombination mit Stoßlüften, einer akribisch sortierten und beschrifteten Werkstatt und dem an der Wand hängenden Meisterbrief der Licht- und Reklametechnik ihres Vaters. Ein bisschen traurig macht es mich, dass sie sich in Deutschland scheinbar nie so hundertprozentig wohl gefühlt haben, obwohl ihre Eltern ja einen Großteil ihres Lebens dort verbracht haben.

    Ich verbringe noch einen weiteren erholsamen Restday bei Betüls Familie, bei dem wir noch gemeinsam auf den originären Markt im Dorf gehen. Wir essen leckeres, von ihrer Mutter zubereitetes Menemen und Kuymak (Maismehl-Käse-Gericht). Ich lerne auch noch ihre Schwester kennen, die interessante Animationsfilme (vorwiegend über die islamische Kultur) erstellt (deutsch/englisch) [1]. Auch Betül selbst bearbeitet und schneidet ein bisschen Videos, um z. B. von ihren Fahrradtouren zu berichten [2] – vielleicht sollte ich das auch noch machen. Einen witzigen Zufall gibt es übrigens noch: Nächstes Wochenende wird ein französischer Radreisender, den Betül auf ihrer Tour getroffen hat und den ich in Marokko in der Nähe der Dades-Schlucht getroffen habe, bei ihr vorbeikommen – knapp verpasst.

    [1] https://youtube.com/@dakara_ma?si=1v8v8-lzuW3ZI4Zr
    [2] https://youtube.com/@beddlstudios?si=UyDVUx6Zv7…
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  • Zwischen Palmen

    11 listopada 2024, Turcja ⋅ 🌙 13 °C

    Heute Morgen hat Betüls Mutter Fatima noch ein leckeres Frühstück zubereitet: Neben den üblichen Dingen wie Brot, selbst eingelegten Oliven, Tahini, Käse, Honig, Gurken und Tomaten gibt es noch Menemen und Kuymak. Menemen besteht aus einer eingekochten und gewürzten Tomaten-Paprika-Sauce, in die später Eier hinzugefügt (gepoached) werden (ähnlich dem Shakshuka). Kuymak besteht aus Maismehl mit viel Butter, Wasser und Käse. Beides ist unbeschreiblich lecker.

    Nach dem Abschied geht es mit der S- und U-Bahn zunächst etwas aus der Stadt heraus bis nach Narlıdere, wo ich mich schon mal mit Nüssen und Snacks eindecke, da es morgen ja auf die Fähre gehen soll und ich die Türkei verlasse. Die letzten Tage will ich auch dazu nutzen, das an Essen zu probieren, was ich bisher noch nicht geschafft habe. Daher begebe ich mich auf die Suche nach einem Çiğköfte-Imbiss, der sich auch als wirklich gut und vor allem echt günstig entpuppt (2 Euro für einen Çiğköfte Dürüm). Sicherlich auch deshalb, weil Çiğköfte komplett vegan aus einer Bulgur-Tomatenmasse zubereitet werden, was laut Wikipedia wohl nicht immer so war. 2008 erließ die türkische Regierung (wohl auf EU-Druck) ein Gesetz, das die Zubereitung von rohen Fleischbällchen (ursprünglich auch eine Çiğköfte-Variante) aus hygienischen Gründen verbot bzw. streng die Zutaten regulierte. Nun gibt es sozusagen ein Reinheitsgebot für Çiğköfte [1].

    Dann fahre ich, obwohl ich ja eigentlich noch auf der asiatischen Seite der Türkei unterwegs bin, mal wieder auf dem Eurovelo 8 entlang der Küste. Teilweise etwas holprig, aber insgesamt sehr schön. Von der großen Tourismusgegend Izmir merkt man wenig. Hier am Küstenstreifen gibt es vor allem eher Ein- oder Zweifamilienhäuser.

    Am Abend komme ich an einem alten Parkplatz direkt an der Küste vorbei. Ich erspähe bereits zwei Zelte und ein Auto mit deutschem Kennzeichen und erkundige mich, ob ich hier ebenfalls übernachten könnte. Wie immer, kein Problem und ich schlage mein Zelt zwischen zwei Palmen auf. Der Fahrer des Autos entpuppt sich nicht als Deutscher, sondern als Bruder eines in Deutschland arbeitenden Türken. Die beiden scheinen hier das Grundstück aufzuräumen und zu bebauen. Im Zelt sitzt ebenfalls kein Reisender, sondern ein türkischer Obdachloser, der, nachdem er (warum auch immer) seinen Job in der Gastronomie in Antalya verloren hatte, sich zu Fuß auf den Weg gemacht hat und nun durch die Türkei wandert – bei dem Klima sicherlich etwas angenehmer, als in Deutschland obdachlos zu sein. Ich freue mich nun endlich mal, derjenige zu sein, der Çay und Snacks anbieten kann, und setze mich an das kleine Feuerchen, auch wenn der Plastikgeruch des Brennmaterials das Ganze nicht ganz so gemütlich macht.

    [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Çiğ_Köfte?wprov=s…
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  • Ein letzter Tag Türkei

    12 listopada 2024, Turcja ⋅ ☁️ 18 °C

    Türkeibilanz folgt später.

    Heute halten mich ein platter Reifen am Morgen und eine verbogene Kette am Nachmittag auf. Ansonsten war es aber ein sehr schöner Radltag. Ich fuhr wieder entlang des Eurovelo 8 durch die mediterrane Landschaft der Türkei. Typisch türkisch wirkt die Gegend hier eigentlich nicht, vielleicht eher griechisch oder sie hat einen ganz eigenen Stil. Auf jeden Fall bin ich überrascht, dass trotz Touristengegend so viel Natur und Landschaft existiert. Ich habe vermutlich auch die beste Reisezeit für diese Gegend erwischt, denn die Straßen sind relativ leer, ebenso wie Restaurants, Supermärkte und Strände. Das Wetter ist weder zu warm noch zu kalt und optimal zum Radfahren, was man auch an einigen Rennradlern erkennt, von denen sich einer ein paar Kilometer zu mir gesellt.

    Leider komme ich durch die Pannen etwas spät in Çeşme an und sehe die Stadt fast nur im Dunkeln. Ich ärgere mich, dass ich beim Bestellen meines Abendessens wieder einmal einfach „Ja“ zu der Frage sage, ob ich einen Salat möchte – ohne mich vorher nach dem Preis zu erkundigen. Warum falle ich eigentlich immer noch auf diesen Trick herein? Für eine halbe Tomate, ein paar Stückchen Gurke und etwas Grünzeug ohne Dressing oder irgendetwas zahle ich 180 Lira – zwei Drittel des Preises meiner Hauptspeise. Ich ärgere mich, nicht zu darüber zu viel gezahlt zu haben, sondern darüber, wer dieses Geld bekommt, und über mich selbst, dass ich mich nicht nach dem Preis erkundigt habe.

    Als würde es das Schicksal aber gut mit mir meinen, werde ich, als ich mich später an einem Strand erkundige, ob ich das Zelt hier aufschlagen darf, von zwei Männern eingeladen. Erst zum Wein- und Whiskeytrinken und dann soll ich kostenlos in ihrem Hotel übernachten, welches ich, da die Saison vorbei ist, ganz für mich alleine habe.

    Ergänzt:
    Bilanz Türkei:
    Tja, wie fasst man dieses Land mit seinen vier Klimazonen und unglaublich vielseitigen Landschaften zusammen? Es war auf jeden Fall klasse, hier zu radeln. Eigentlich ein perfektes Land für Radreisende. Warum? Weil Wildcampen eigentlich kein Problem ist, die Menschen super hilfsbereit und gastfreundlich sind, es wirklich tolle Gegenden und Orte gibt und man gerade mit dem Fahrrad zwischen den touristischeren Sehenswürdigkeiten die eigentliche Kultur entdeckt. Es waren etliche tolle und warmherzige Menschen, die ich getroffen habe oder die mich zu sich oder auf einen der unzähligen Çays eingeladen haben.
    Was das Radreisen ebenfalls entspannt macht, sind die Wasserstellen, Waschmöglichkeiten und häufig auch Toiletten, die sich schon aufgrund der Moscheen quasi überall finden. Die einzigen Mankos, die es eben auch in vielen Ländern gibt, sind sicherlich der Umgang mit Müll und das Umweltbewusstsein. Und auch wenn man sich selbst dessen bewusst ist und versucht, auf Plastik zu verzichten, wird einem doch alles doppelt und dreifach und trotz eines Neins in Tüten eingepackt. Und politisch? Von der aktuellen Politik bekommt man wenig im Alltag mit, sicherlich auch wegen der Sprachbarriere. Präsent sind allerdings die Porträts von Atatürk und zum Teil Erdoğan (letzterer eigentlich nur in staatlichen Institutionen oder auf Plakaten). Im Alltag der Menschen scheinen diese aber weniger eine Rolle zu spielen bzw. hört man die meisten eher die Regierung für zu wenig Erdbebenhilfe oder die wirtschaftliche Lage und Inflation kritisieren. Was allerdings dennoch zu spüren ist: Der Nationalstolz der Türken und Kurden, der in einigen Regionen sicherlich noch einiges an Konfliktpotenzial birgt.

    Istanbul - Çeşme:
    Kürzeste Strecke: 13 km
    Längste Strecke: 99 km
    Platten: 5 (oder mehr?)
    Reisetage (davon Radeltage): 48 (33)
    Zelt (davon wild/nachgefragt/Campingplatz): 21 (10/8/3)
    Hütte/Ruine/Restaurant/Tankstelle (kostenlos): 8
    WarmShowers: 4
    Einladungen: 9
    Hostel/Hütte/Herberge: 3
    Airbnb: 0
    Bus/Fähre: 2
    Verloren: Buff
    Verloren und Wiedergefunden: Packsack Daunenjacke
    Geschenkt bekommen: unglaublich viel Çay, und Essen, ein paar Socken, Zucker, Schmerztabletten
    Mit dem Rad umgefallen: 1 glimpflich verlaufener Crash mit einem Stein
    Kaputgegangen/Ersetzt: Kette verbogen, das ein oder andere Loch in Radtaschen, ein gebrochenener Aufhänger der Ortliebtasche
    Wetter: alles von über 30 Grad bis zu Nächten mit - 8 Grad, viel Sonnenschein und überwiegend trocken
    Essen: Unglaublich vielseitig und auch mit vielen vegetarischen Optionen. Die Haferflocken sind allerdings nicht mehr so lecker hier, sodass das Frühstück häufig aus Ekmek oder Pide (Brot) mit Oliven, Honig, Käse oder Erdnussbutter bestand. Ansonsten waren die Lokantas oder Dönerläden natürlich Pflicht. Das Top-Gericht: Pilav (Reis) mit Fasulye (Bohnen), meistens mit einem kleinen Salat und immer mit Brot (man muss etwas aufpassen, dass letzteres in den Plastikbehältern noch gut ist) dazu. Aber es gab eben auch viele weitere Gerichte: Die klassische Çorba Mercimek (Linsensuppe), Moussaka, verschiedene Gemüse mit und ohne Fleisch, gefüllte Paprika oder Auberginen, Lahmacun und am Ende immer einen Çay. Und das waren nur die Lokantas. Ansonsten war natürlich das herzhafte kurdische Frühstück bei den Bäckern ein Highlight: Ofenfrisches Brot, Käse, ofenfrisch gegarte Aubergine, Paprika, Zwiebel, Knoblauch und Kartoffeln.
    Der Iskender Döner, den ich unbedingt probieren sollte, war zwar nicht so das Highlight, dafür aber die veganen Çiğköfte Dürüms oder eine Kumpir (gefüllte Ofenkartoffel). Weiterhin gibt es häufig leckeren gegrillten fritieren oder gebratenen Fisch, da die halbe Türkei immer an irgendwelchen Ufern steht und unermüdlich am Angeln ist. Ebenfalls häufig anzutreffen: Fleischsspieße mit allem, was man an Fleisch eben so aufspießen kann. Ach ja und natürlich Manti, die Türkischen Tortellini mit Joghurt-Tomatensauce.
    Und dann gibt es noch die riesige Auswahl an Süßspeisen. Baklava, Knafeh (ursp. Arabisch?), Halva, Lokma und Halka Tatlisi (die Türkischen Churros), Lokum (Gelewürfel) und Kekse (in letzter Zeit wurden die Bomba berühmt).
    Kostenloses Geld abheben: Ziraat Bank
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  • Chios: Wartezeit zum Baumharz kauen

    13 listopada 2024, Grecja ⋅ ☁️ 18 °C

    Alles, was in der Türkei mit Tourismus verbunden ist, kostet unverhältnismäßig viel, auch die halbstündige Fährfahrt nach Chios: genauso viel wie von Spanien nach Marokko bzw. mehr als mit Bus und Bahn quer (2000 km) durch die Türkei zu fahren. Die Fähre nach Chios ist eben eine touristische Strecke.

    Immerhin komme ich ohne Probleme an und kann auch direkt das Ticket für heute Abend nach Athen lösen. Die Insel Chios wechselte in der Vergangenheit einige Male ihre Besitzer: Griechenland, die Perser, Genua, das Osmanische Reich und nun wieder Griechenland – wohl auch, weil die Insel in der Vergangenheit recht wohlhabend durch den Mastix-Anbau war. Im Vergleich zur Türkei ist aber inzwischen ein deutlicher Sprung ins Westliche zu erkennen, insbesondere modern wirkende Bäckereien – mit endlich mal wieder abwechslungsreichem Brot – und Kaffeehäuser mit alternativem Vibe, die ich direkt zum Aufwachen ausprobiere. Hier recherchiere ich, wie ich meinen Tag auf der Insel verbringen kann. Die Windmühlen direkt in der Stadt und die alte Stadtmauer sind direkt nebenan und damit gesetzt.
    Neben vielen weiteren Sehenswürdigkeiten seien wohl noch das Kloster Nea Mone und das Mastix-Museum zu empfehlen. Da ich immer noch keine Ahnung habe, was denn nun in dieses Mastix ist und das Wetter auch nicht das Beste ist, fällt die Entscheidung leicht.

    Schnell finde ich heraus, dass der grüne Bus ins Museum fährt, aber einen ungünstigen Fahrplan hat – wie schön, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Ich hoffe nur, dass auf den 25 Kilometern und 500 Höhenmetern zum Museum und auf der Rückfahrt kein Platter oder sonstige Probleme dazwischenkommen, damit ich meine Fähre am Abend erwische. Bis auf etwas Regen, der mich zu einem Zwischenstopp bei Lidl zwingt – endlich wieder gute Haferflocken –, geht alles gut. Ich bleibe trocken und Lidl hat nun ein neues Lidl+ Mitglied – herzlichen Glückwunsch!

    Im Museum verstehe ich dann auch, warum die automatische Website-Übersetzung den Fährhafen immer mit "Kaugummi" übersetzt hat: Hinter dem Mastix-Anbau auf der Insel verbirgt sich eine Harzproduktion. Dieses Harz wird als Zusatz in Lebensmitteln, für Öle, Cremes und eben zur Herstellung von Kaugummis verwendet oder direkt gekaut. Funfact: Jegliche Versuche, den Mastix-Baum in anderen Mittelmeerregionen zu kultivieren und das Harz zu ernten, schlugen fehl, da die Insel ein spezielles Sommerklima hat. Aufgrund der bewaldeten Berge im Norden wird der Wind abgeschwächt und Feuchtigkeit zurückgehalten, sodass es im Süden zu trockenen Sommern kommt, die für die Mastix-Produktion notwendig sind.
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  • Athen

    14 listopada 2024, Grecja ⋅ ⛅ 21 °C

    Der frühe Vogel fängt den Wurm, oder der, der kurz nach 6 Uhr mit der Fähre in Athen ankommt.
    Mein erster Eindruck von Athen war allerdings nicht der allerbeste: einige Gebäude, Ruinen in bester Lage, verhältnismäßig viele Obdachlose, manche davon pinkelnd an Gebäuden oder Straßenecken. Die Bereitstellung von Toiletten und Waschmöglichkeiten durch Moscheen in muslimischen Ländern ist definitiv etwas, wovon sich Europa etwas abschauen könnte.

    Ein Highlight ist dann aber das „Stavros Niarchos Foundation Cultural Center“ [1], das Bibliothek, Ausstellungen, Opernhaus und Cafés beherbergt. Im Jahr 2016 erbaut, ist es mit einem großen Gründach, das vorwiegend mit Regen- und Grauwasser bewässert wird [2], und einem Hektar Solarfläche (3,1 GW p. a.) versehen, die wohl einen „Großteil des Energiebedarfs decken“ soll (laut Wikipedia [2], auf der Homepage finden sich 24 % [3], ein Beispiel für „traue niemals Wikipedia“). Neben dem modernen Innenraum mit Millionen von Büchern gibt es auch einen Park mit verschiedenen Sportmöglichkeiten. Umweltaspekte, architektonische Vielfalt und praktischer Nutzen lassen sich also sehr gut miteinander vereinbaren.
    Nur der umliegende Straßenlärm, den man draußen hört, ist etwas störend, aber dafür wird sich in Zukunft sicherlich auch noch eine Lösung finden.

    Im Anschluss geht es dann zum „Museum of Ancient Greek Technology“. Verrückt, was man damals schon für kreative und smarte Ideen hatte: Weinbrunnen, Spendenautomaten für Weihwasser, Krane, astronomische Geräte oder Wecker auf Wasserbasis.

    Da der frühe Fährfahrer den Fisch fängt, habe ich noch so viel vom Tag, dass ich noch den Bikelane-Workshop aufsuche, den ich überhaupt umzuschauen, was ich gefunden habe. Hier will ich einmal Kette und Kassette wechseln. Da der Eigentümer ebenfalls Bikepacker und Fahrradreisender ist, macht er dies kostenlos, und wir quatschen noch eine Weile zusammen. Ich bekomme noch ein paar Empfehlungen für Restaurants und das Radeln in Griechenland. Als Dankeschön gebe ich ihm ein Paket türkischen Kaffee da.

    Tag 2:
    Hier erklimme den Filopappou-Hügel, der ebenfalls einige antike Sehenswürdigkeiten beherbergt und eine wundervolle Sicht auf die Akropolis bietet. Aus irgendeinem Grund schien es aber Zeus zu verärgern, der dunkle Wolken heraufbeschwor und anschließend mit Donner und Blitzen um sich schmiss – leider keine, die ich mit meiner Kamera einfangen konnte, das wäre hier sonst natürlich mega gewesen.
    Auf diese Weise landete ich dann aber in einem klassischen griechischen Mittagsrestaurant (Vromiko) mit wirklich gutem Essen zu günstigen Preisen.

    Im Anschluss besuchte ich im Eilverfahren noch die Akropolis. Die alten Tempel der Akropolis sind die eine Besonderheit, was sie allerdings meiner Meinung nach einzigartig macht, ist die erhobene Lage auf dem Berg mit dem freien Blick Richtung Sonnenuntergang und dementsprechend auch die orangenen Sonnenstrahlen, die die antiken Säulen beleuchten.
    Ich mache eine Menge Fotos und lerne dabei Mehmet kennen. Er ist Kurde, lebte zuletzt in Schweden und ist nun nach Athen gezogen. Nach der ausgedehnten Fotosession begeben wir uns gemeinsam auf die Suche nach einem griechischen Restaurant und landen aus Versehen in einem kurdischen.
    Für Italiener, Kurden, Türken, Chinesen, Vietnamesen bzw. eigentlich Menschen sehr vieler Nationen, die Restaurants häufig in anderen Ländern betreiben, muss es doch immer ganz cool sein, in fremden Ländern in bekannten Restaurants essen und seine Muttersprache sprechen zu können. Warum gibt es eigentlich nirgendwo deutsche Restaurants?

    Es kommt noch ein weiterer Bekannter von Mehmet dazu. Wir unterhalten uns über vieles, auch über ihre Heimat Kurdistan, das Gebiet Kurdistan, das im Norden des Irak existiert, de facto von Kurden bewohnt und verwaltet wird, aber immer noch unter gelegentlichem türkischem Beschuss steht (weil sich eben auch PKK-Kräfte in die Berge zurückgezogen haben). Gleichzeitig gäbe es eine funktionierende Wirtschaft und es sei in mancher Hinsicht moderner als Athen, wie Mehmet mir versichert. Inzwischen sei es (im Rest des Landes) eigentlich auch sicher, der IS sei eigentlich vollständig zurückgedrängt, wie der Bekannte, der syrischer Kurde ist, sagt. Zwei seiner Cousins seien dabei gestorben bzw. dem IS zum Opfer gefallen – auf die Beileidsbekundung Mehmets sagt er nur trocken: „It's normal.“

    [1] Funfact: Laut Wikipedia ist das gesamte Gebäude eine Schenkung einer Stiftung an den griechischen Staat.
    [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Stavros_Niarchos_…
    [3] https://www.snfcc.org/en/snfcc/sustainability-hub/
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  • Man sieht sich immer zwei Mal

    16 listopada 2024, Grecja ⋅ 🌬 13 °C

    Morgens lasse ich mir im Hostel Zeit, frühstücke in Ruhe und sitze noch etwas über der Routenplanung. Und dann folgt ein kurzer Stopp beim Bäcker, wo ich mich mit Keksen eindecke und eine lange Fahrt hinaus aus der Stadt mache. Tatsächlich bin ich etwas zwiegespalten, was ich von Athen halten soll. Vom Glanz des alten Griechenlands ist nicht wirklich viel zu spüren. Stattdessen gibt es enorm viele Plattenbauten, ich fahre durch heruntergekommene Wohn- und Industriegebietssiedlungen, es liegt unheimlich viel Müll herum und die Autofahrenden sind ziemlich rücksichtslos.

    Schließlich komme ich optimal getimt im Fährhafen an und kann für schlappe 1,90 € direkt nach Salamina übersetzen. Die Insel scheint sich bereits im Tourismus-Winterschlaf zu befinden. Ganz guten Wind auf die andere Seite der Insel und verpasse hier tatsächlich um ein Haar meine Fähre. So muss ich eine Stunde warten und vertreibe mir die Zeit, um noch mal ein bisschen auf der anderen Seite entlangzufahren. Stehenbleiben ist nämlich keine Option, denn durch den Wind ist es wirklich frisch.

    Auf der anderen Seite angekommen, folge ich weiter dem Eurovelo und finde noch ein paar Flamingos, denen es hier scheinbar noch warm genug ist. Dann passiere ich einen Flughafen, der halb Militärbasis ist und halb zivil genutzt wird – insgesamt sieht dort alles ziemlich eingerostet aus.
    Aus einem Haus am Straßenrand winkt mir eine Person hinterher, der ich nur ein Hi erwidere, weil es schon spät ist und ich noch ein bisschen vorankommen will. Tatsächlich sah er dem Mustafa von gestern etwas ähnlich und wenn ich mich richtig erinnere, hatte er auch erzählt, dass er etwas mit "Aero" macht. Aber warum sollte er hier sein, es ist gerade soweiso Wochenende? Später erfahre ich per WhatsApp, dass es tatsächlich Mustafa war, der hier irgendwo wohnt. Was für ein verrückter Zufall! Ich ärgere mich, mich nicht umgedreht zu haben.

    Im nächsten Dörfchen finde ich dann ein günstiges Pita-Restaurant, welches mir das spätere Kochen im Wind erspart. Auch kann ich mich direkt erkundigen, ob man hier am Strand übernachten kann. Mit vollgeschlagenem Magen rolle ich nach dem Essen noch ein paar hundert Meter weiter zu einem Spot, den ich bereits vorher ausgekundschaftet hatte, und schlage das Zelt direkt am Strand auf.
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  • Nachtfahrt, die Beine sind noch fit

    17 listopada 2024, Grecja ⋅ ☀️ 15 °C

    Bis auf ein paar Jugendliche, die auf dem Spielplatz hinter meinem Zelt eine Weile abgehangen haben, war es eine ruhige Nacht, sodass ich mich erholt aufs Fahrrad schwingen kann. Auf nach Korinth!

    Die Strecke entlang der Küste ist wirklich schön und mir wird erstmals bewusst, welche besondere Landschaft Griechenland besitzt: so viele Inseln, so viel Wasser und gleichzeitig doch hohe Berge. Was das auch für eine Infrastruktur an Fähren und Logistik bedeuten muss. Gleichzeitig ist es wirklich schade, dass viele Häuser und Hotels verlassen sind oder nie vollendet wurden. Sind dies Folgen der Eurokrise oder von Corona? Wo sind die Eigentümer? Ausgewandert?
    Auffällig an der Küste sind übrigens die vielen Öltanks und die eine oder andere große Raffinerie. In einer zeugen schwarze, verbogene Stahlgerüste und Leitungen von einem kürzlichen Brand, ebenso das Feuerwehrauto, das noch davor steht. Ein Mann winkt ab, dass ich keine Fotos machen soll – sorry, aber das ist interessant und ich frage mich, wie so eine Anlage noch weiterlaufen kann, wenn es in der Mitte einen Brandherd gab.

    Als Nächstes erreiche ich den Kanal von Korinth, den ich vor ein paar Tagen noch gar nicht auf dem Schirm hatte, der aber doch ein ganz beeindruckendes Bauwerk ist. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts von ungarischen Ingenieuren erbaut. Ein paar Fotos sind Pflicht, bevor ich mich zum späten Mittagessen nach Korinth aufmache. Im Anschluss geht es zum Fotos knipsen in das sechs Kilometer entfernte alte Korinth, dessen Ausgrabungsstätte leider schon geschlossen ist.

    Durch die ganzen Fotopausen bin ich wirklich langsam vorangekommen. Doch die Beine sind noch fit, und ich will morgen Nachmittag die Fähre in Patras erreichen, weshalb ich mich für eine kleine Nachtfahrt entscheide. Die sind übrigens auch gar nicht so schlecht, denn erstens ist fast kein Verkehr mehr unterwegs, und zweitens sieht man mich mit Warnweste vermutlich schon von Weitem. Nur wird es durch die Dunkelheit etwas eintönig, weshalb ich die Zeit mit Podcasts, ein paar Telefonaten und einer Kekspause in einer Bäckerei überbrücke. In Sachen Kekse sind uns die Griechen übrigens weit voraus. Hier wurde nämlich schon begriffen, dass (Weihnachts-)Kekse das ganze Jahr über schmecken, weshalb es in jeder Bäckerei eine riesige Keksauswahl gibt, die mich schnell zum Krümelmonster werden lässt.

    Als es irgendwann nur noch 60 km bis Patras sind, beschließe ich, dass diese morgen noch gut machbar sind, und suche den nächstbesten Strand zum Übernachten auf. Ein Glücksgriff, denn ich finde eine bereits geschlossene Strandbar, die sich bestens zum Zelten eignet und deren Wasserhähne noch nicht angestellt sind – Vorteile des Radelns, wenn die Saison vorbei ist.
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  • Die letzte Fährfahrt , Bilanz Griechenl.

    18 listopada 2024, Ionian Sea ⋅ ☀️ 18 °C

    Die letzten 60 km bis zur Fähre lassen sich heute entspannt fahren, auch wenn ich durch ein paar Schwätzchen mit mir entgegenkommenden Radreisenden etwas aufgehalten werde. Hier scheint wieder mehr los zu sein: zwei Französinnen auf dem Weg von Paris nach Athen, zwei Schweizer auf dem Weg nach Athen und später in die Türkei und ein bereits pensioniertes US-Ehepaar, das sich zunächst einmal für den Wahlausgang entschuldigt und von Amsterdam aus auf dem Weg nach Zypern und dann in die Türkei ist – ohne E-Bikes.

    Am Ende erreiche ich aber pünktlich Patras und kann noch mit Keksen und weiterem Proviant für die Fährfahrt eindecken. Was sich allerdings tatsächlich nicht so einfach gestaltet, ist ein kleines Handtuch oder einen Waschlappen aufzutreiben (habe meins im Hostel in Athen vergessen). In Griechenland scheint nämlich – abgesehen von Lebensmittelgeschäften – an Montagen fast alles geschlossen zu sein. Und um ehrlich zu sein, wüsste ich auch gar nicht, wo ich in Deutschland Handtücher kaufen sollte. Handtücher sind einfach immer in jedem Haushalt im Überfluss vorhanden und falls nicht, nimmt man eines von den Eltern mit, die wiederum Handtücher von ihren Eltern haben (Handtücher werden eigentlich nicht gekauft). Am Ende werde ich dann aber doch in einem großen Supermarkt fündig.

    Bilanz Griechenland II:
    Es war wieder nur ein kurzer Aufenthalt in Griechenland und wieder würde ich sagen etwas durchwachsen. Starke Kontraste zwischen hochkultureller Vergangenheit und sehr ärmlichen Vierteln, viel Müll und Verkehr in der Gegenwart, in Athen.
    Auch die Landschaft mit ihren vielen bergigen Inseln und Stränden finde ich etwas durchwachsen, nicht weil ihr so viele Pflanzen stünden, sondern weil so viel bebaut ist. Eigentlich die ganzen Küstenabschnitte und vor allem – so habe ich den Eindruck – für den Tourismus oder eben Industrie, die natürlich auch direkt am Wasser liegen muss. Dabei fielen mir viele Bauruinen und verlassene Gebäude auf und vor allem extrem viel Müll, sodass es ein Wunder ist, dass das Wasser an den Stränden doch relativ klar erscheint.

    Stats:
    KürzesteStrecke: 49 km
    Längste Strecke: 130 km
    Strecke Gesamt: 304 km
    Platten: 0
    Reisetage (davon Radeltage): 6 (4)
    Zelt (davon Campingplatz): 2 (0)
    WarmShowers und Leute: 0
    Airbnb/Hostel: 2
    Fähre: 2
    Verloren: Handtuch/Waschlappen (für eins aus dem Hostel gehalten)
    Kaputtgegangen/Ersetzt: Ketten- und Kassettenwechsel
    Essen: Highlights waren die Kekse in den Bäckereien und tatsächlich ganz ansehnliches Brot;), ansonsten Pita und die Vromikos, die Lokantasis Griechenlands. Uhh und die Schoko Tahini war natürlich auch klasse :)

    [1] Vermutlich die MS Veendam (steht nur rum): https://en.wikipedia.org/wiki/MS_Veendam?wprov=…
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  • Zurück in Bella Italia

    19 listopada 2024, Włochy ⋅ ☀️ 18 °C

    Zwischen 6 und 7 Uhr bzw. 7 und 8 Uhr, je nach Zeitzone, beginnt das Leben auf der Fähre wieder erwachen. Ich habe, wie ein paar andere, auf den Bänken in der Lobby geschlafen – nicht ganz so ruhig und erholsam. Das war auf anderen Fähren schon besser.

    Dafür bin ich jetzt aber wieder im schönen Italien und muss natürlich erst einmal ein Café für einen ordentlichen Cappuccino aufsuchen. Dabei fahre ich bereits durch die nach frischer Wäsche duftende Altstadt von Bari. Scheinbar ist heute landesweiter Waschtag. Neben dem frischen Duft bin ich auch wieder direkt von der italienischen Architektur, den weißen schmalen Gassen, beeindruckt. Italien ist einfach schön.

    Die Strecke nach der Stadt ist es sehr schön, es geht kilometerweit durch Wein- und Olivenplantagen, die in herbstliche Farben getaucht sind. Tatsächlich ist es aber gar nicht so leicht, sich durch diese hindurch zu navigieren. Komoot macht mir mehrmals einen Strich durch die Rechnung, denn etliche der Feldwege sind durch Bahnstrecken oder große Straßen durchschnitten, was mir einige Zusatzkilometer beschert. Dafür scheuche ich auf einem dieser Umwege eine Schar Sittiche auf, die sich aber gar nicht so einfach fotografieren lassen.

    Als es bereits dunkel wird, entdecke ich auf der Karte noch einen Nationalpark und eine Sehenswürdigkeit, das Castel del Monte. Leider liegt es nicht ganz auf dem Weg und ich befürchte, dort keinen Übernachtungsplatz zu finden, weshalb ich es leider links liegen lasse (es war tatsächlich links). Stattdessen steuere ich das kleine Dorf Montegrosso inmitten von Olivenplantagen und Weinbergen an. Ich frage, ob ich hier irgendwo übernachten könnte, und bekomme einen Platz mitten im Dorf gezeigt. Wie es sich für den ersten Abend in Italien gehört, koche ich hier erstmal Pasta mit leckerer Zucchini-Tomaten-Sauce und ganz viel Parmesan!
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  • In der Geisterstadt

    20 listopada 2024, Włochy ⋅ 🌧 14 °C

    Zunächst ging es heute genauso weiter wie gestern: Herbstliche Weinberge gemischt mit Olivenhainen. Eigentlich sehr schön, wäre da nicht der Gegenwind gewesen, der unaufhörlich pustete. Die Wetter-App sagte etwas von 30–40 km/h und so fühlte es sich auch an. Dazu drohende Wolken am Himmel.

    Als es zur Mittagszeit in der Ferne zu regnen beginnt, mache ich schnell kehrt und biege in ein Industriegebiet ein, wo ich, noch bevor ich vollständig durchnässt bin, ein Restaurant erreiche. Hier ist ordentlich was los und auch ich überbrücke die Zeit mit einer Pizza.
    Nach dem Essen ist der Regen vorüber und ich kann auf den zwei Kilometern, die mich zu meiner Route zurückbringen, Rückenwind genießen: 35 km/h lassen sich entspannt treten. Und dann heißt es wieder, gegen den Wind anzutreten.

    Unter Oliven und Wein haben sich inzwischen andere Feldfrüchte, verschiedenes Gemüse und Äpfel gemischt. Die Felder scheinen aber alle Großbetrieben zu gehören, viele kleine Bauernhäuser, aber auch größere Gutshäuser sind verlassen und verfallen.
    Die Verpflegung bzw. Wasserversorgung für mich ist heute übrigens gar nicht so einfach, da alles landwirtschaftlich geprägt ist und Städte ansonsten nur abseits der Wege auf den Bergen existieren – das ist immer mit Höhenmetern verbunden.

    Auch am Abend hält der Wind noch an und wird sogar noch stärker. Meine erste Anfrage nach einer Zeltmöglichkeit an einer Tankstelle bleibt erfolglos (es ganb tatsächlich nur Steinboden und keine geschützte oder ruhige Ecke). Ich steuere daher - wieder mal in einer Nachtfahrt - Accadia an. Hier gibt es auch Wasser und einen Supermarkt. Allerdings besteht die Stadt wirklich komplett aus Stein und scheint denkbar ungeeignet zum Zelten. Auf Nachfrage werde ich auf die Altstadt verwiesen, wo niemand wohnen und ich mein Zelt aufschlagen könnte.

    Ich steuere also die Altstadt an. Inzwischen stürmt es heftig und auch etwas Regen ist dazugekommen. Das alte Accadia ist wirklich verlassen, einige Häuser sind am Verfallen, Fensterläden und Türen klappern und knallen im Wind. Dosen fliegen umher und die Gassen sind in das gelbe Licht der Laternen gehüllt. Eine faszinierende Stimmung mit einer Prise Unheimlichkeit. Zelten bei Sturm ist hier vermutlich wenig ratsam, da erstens wieder fast alles aus Stein besteht und zweitens alles Mögliche von den Dächern fliegen kann.
    Dafür sehe ich allerdings einige offene Türen und erkunde ein paar Häuser. Ein paar sehen ganz gut aus und so beschließe ich, für heute Nacht ein Geisterhaus zu besetzen. So bleibt wenigstens alles trocken und ich bin ein bisschen windgeschützt.
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  • Türkische Gastfre. und Span. Omelette

    21 listopada 2024, Włochy ⋅ ☀️ 13 °C

    Morgens ist es komplett windstill und kein Laut ist in der Geisterstadt zu hören. Ich verwandle mein Geisterhaus kurz in eine Fahrradwerkstatt, um noch das mittlere Kettenblatt zu wechseln (mit der neuen Kette lief das alte nicht mehr so geschmeidig). Aufgrund der mich umgebenden Stille habe ich den Eindruck, einen Mordslärm zu machen.
    Nach erfolgreichem Kettenblattwechsel nutze ich die Gelegenheit, den Rest der verlassenen Altstadt zu erkunden. Ganz verlassen ist sie irgendwann dann aber doch nicht mehr. Handwerker beginnen ihr Werk, und ich begebe mich zurück und schleiche mich aus dem Häuschen.

    Hügelig, aber mit deutlich weniger Wind, geht es weiter. Etliche Windräder sind auf den Hügeln zu sehen. Der gestrige Wind scheint wohl eher die Regel zu sein als der heutige.

    Die Schlafplatzsuche birgt dann noch eine Überraschung. In einem recht einsamen Tal halte ich noch nicht an, da ich kein Wasser dabeihabe. In der nächsten Stadt, Avellino, gibt es kein einziges Hostel und auch keinen Zeltplatz. Auf Nachfrage und zwei Telefonate in einem Fahrradladen wird mir ein Airbnb angeboten – für 40 Euro zu teuer. Ich beschließe daher, im Dunkeln noch etwas aus der Stadt herauszufahren und werde nach einigen Kilometern tatsächlich von einem Mann angesprochen, der scheinbar gerade für einen Spaziergang hinausgegangen ist. Kurzerhand lädt er mich zu sich nach Hause ein. Zum Übernachten, zum Essen, zum Wäschewaschen und allem, was ich sonst noch bräuchte. Ich bin gerührt, wie gastfreundlich Gerardo und seine Frau Assunta sich zeigen. Hätte ich dies doch eher in der Türkei erwartet. Assunta ist besonders bekümmert um mein Wohlergehen, dass ich ja genug zu essen bekomme, meine Sachen gewaschen werden und ich bloß nicht friere. Dabei erzählt und redet sie immer eindrücklich auf Italienisch, was ich leider nicht verstehe, aber ich nehme an, es wären Dinge, die meine Oma auch gesagt hätte.
    Gerardo muss dabei immer etwas schmunzeln und zeigt mir lieber sein Rennrad, einen Modellhubschrauber, an dem er bastelt, seine Hobbyfunkstation und gibt mir ein paar Tipps, wo es hier schöne Radstrecken gibt. Sehr zum Ärgernis seiner Frau, die uns bestimmt auffordert, zu essen, bevor es kalt wird. Es gibt Pasta mit Tomatensauce und im Anschluss ein Omelett mit Kartoffeln – ähnlich der spanischen Tortilla. Letzteres ist am Boden leicht angebrannt, was Assunta ganz aus der Fassung und zu weiteren italienischen Worten bewegt und Gerardos Schmunzeln noch größer macht. Die beiden sind schon ein liebenswürdiges und etwas ulkiges Pärchen.

    Gerardo spricht und versteht übrigens ein paar Worte Deutsch, weil sein inzwischen verstorbener Bruder nach Deutschland gegangen ist. Sein Neffe lebt ebenfalls in Deutschland, doch der Austausch mit ihm sei schwierig, weil er eben nur Deutsch spricht.

    Eine wirklich tolle Begegnung mit so lieben Menschen und ich bin auch ganz froh, ein Dach über dem Kopf gefunden zu haben. Die Nacht soll es nämlich wieder ordentlich anfangen zu regnen.
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  • Nach dem Regen kommt die Sonne

    22 listopada 2024, Włochy ⋅ 🌬 17 °C

    Nach einem typisch italienischen Frühstück mit Milch, Café und Keksen werden mir heute Morgen tatsächlich noch ein paar Radsocken und ein "Radkopftuch" geschenkt. Ein Trikot und Co. kann ich tatsächlich noch erfolgreich ablehnen – superlieb und eine schöne Erinnerung.

    Dann verabschiede ich mich direkt in meiner Regenmontur. Die ganze Nacht hat es gestürmt und geregnet, und bis zum Nachmittag ist keine Besserung in Aussicht. Dementsprechend entscheide ich mich auch dazu, nicht den Empfehlungen von Gerardo zu folgen und mir die schöne Küste von Amalfi anzuschauen, sondern direkt nach Pompeji bzw. Torre del Greco zu fahren, wo ich ein schönes Hostel ausgemacht habe. Glücklicherweise ist es nicht allzu weit und nicht mehr so bergig. Also einfach durch das Wetter durchbeißen.

    Am Nachmittag klart es dann auch etwas auf und ich komme bereits halb getrocknet im Hostel an, wo ich nur noch etwas die Sonnenstrahlen und den Wind genießen kann, noch etwas die weitere Route plane, Fotos sichere und sonstigen Kram erledige.
    Ich beschließe, hier ein oder zwei Tage zu bleiben, um von hier aus Pompeji und Neapel zu besichtigen.
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  • Pompeji

    23 listopada 2024, Włochy ⋅ ☀️ 13 °C

    Lange schlafen (weil spät ins Bett), spät loskommen war das Motto des heutigen Morgens. Es soll nach Pompeii gehen. Dafür nehme ich heute allerdings den Zug und lasse das Fahrrad im Hostel. Da die Website von Trenitalia am rumspacken ist, muss ich das Ticket am Automaten kaufen und verpasse so um 2 Minuten meinen Zug - Empfehlung etwas mehr Zeit einplanen und früher los machen. Glücklicherweise fahren die Züge halbstündlich.
    Ein ähnliches Zeitspiel findet dann noch am Ticketverkauf statt. Die Schlange ist lang, nicht etwa, weil wahnsinnig viel los wäre, sondern weil der Verkauf eines Tickets ewig dauert. Bei ersten Schalter kann nur mit Cash gezahlt werden, aber quasi ohne Wechselgeld, der zweite geht mit Karte. Also auch hier ist etwas mehr Zeit einzuplanen. Es kommt noch die Scherheitskontrolle und beim Ticketeinlass muss tatsächlich auch nochmal der Ausweis gezeigt werden. Aber auch das ist irgendwann alles geschafft und ich stehe in der antiken Stadt direkt vor dem Amphietheater! Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich mir ja heute eine ganze Stadt anschaue - vielleicht hätte ich doch etwas mehr Zeit mitbringen sollen, das 3 Tage Ticket hat sicherlich niemand aus Spaß erfunden.

    Pompeii ist dann wirklich beeindruckend. Die Fotos sprechen sicherlich für sich. Durch den Vulkanausbruch (vorausgegangen war ein Erdbeben 62. n. Chr.) des Vesuvs (sieht eigentlich wirklich ungefährlich aus) 79 n. Chr. wurde die Stadt unter Asche und Bimsstein begraben und damit quasi eingefroren und konserviert. Viele erhaltene Wandmalereien, Alltagsgegenstände, Lebensmittel, wie Ernteerträge, die zur zeitlichen Einordnung des Ausbruchs dienten, verkohlte Brote, aber auch Menschen, die nicht rechtzeitig entkamen (heute als Gipsabzüge konserviert).

    Die alten Straßen sind gut erhalten, wobei ich mich frage wie man auf diesen ordentlich laufen geschweige denn mit dem Wagen fahren konnte. Ebenso kann man die ein oder andere Bäckerei entdecken, in der das Getreide scheinbar direkt zu Mehl gemahlen wurde. Alles in allem sehr spannend, auch wenn ich mir ein bisschen mehr Infos und Erklärungen zum damaligen Leben bzw. den Erkennissen, die aus einzelnen Funden gewonnen wurden (nicht nur ,wer in dem Haus wohnte und was zu sehen ist, sondern, was einzelne Funde über das damalige Leben aussagen) gewünscht hätte. Vielleicht muss man dafür aber nochmal ins Museum gehen.

    Am Ende schaffe ich es trotz des halben Tages (im Winter sind die Öffnungszeiten auch insgesammt kürzer - auch wenn diese nicht so streng gehandhabt werden) dennoch den Großteil der alten Stadt zu erkunden und werde sogar noch mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt, der die alten Straßen, Säulen und Statuen in ein wunderbares Licht taucht.

    Empfehlung zum Pompeiibesuch:
    - Bereits im Vorraus die MyPompeii App herunterladen inklusive Audiodateien und Bildern (hier kann auch bereits ein Ticket gekauft werden). Aktivierung per Ticket-Barcode möglich (die Info, dass es diese kostenlose App gibt, bekommt man leider nicht unbedingt beim Ticketverkauf)
    - Früh da sein und die volle Zeit ausnutzen (dann reicht vermutlich auch ein Tag).
    - Die beiden Stadtvillen (Villa of Mysteries, Villa of Diomedes & Villa Regina in Boscoreale) benötigen nicht allzu viel Zeit und sind gut direkt am Anfang anzuschauen.
    - Die Ausgrabungen des alten Ercolano sind wohl auch sehr sehenswert. Sie sollen in noch besserem Zustand sein als Pompeii.
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  • Neapel

    24 listopada 2024, Włochy ⋅ ☀️ 14 °C

    Ich verlängere noch einen Tag im Hostel, um mir Neapel anzuschauen. Zugegebenermaßen hat mich die Stadt jetzt nicht unbedingt umgehauen, was vielleicht auch daran lag, dass ich mich – wie immer – nicht richtig vorbereitet und einfach drauflosgelaufen bin. Wenn man beispielsweise ohne Plan durch Berlin läuft, ist es vielleicht auch nicht so spannend.
    Insgesamt wirkt die Stadt etwas chaotisch, es war sehr viel los und es ist ziemlich hügelig – gut, dass ich das Fahrrad im Hostel ließ. So konnte ich auch erfahren, wie man hier potenziell günstig mit dem Zug fährt: Am Bahnhof quasi neben dem Ticketschalter stand ein Mann, der die Absperrung aufhielt und einem so das Schwarzfahren für 50 Cent ermöglichen wollte, statt 2,60 € zu zahlen. Den Mann am Ticketschalter schien dies nicht wirklich zu interessieren. So läuft das hier also – wenn man Bargeld zur Hand hat.
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  • Nicht so spannende Bilder, aber lecker

    25 listopada 2024, Włochy ⋅ ☁️ 14 °C

    Den Großteil des Tages verbringe ich damit, mich aus Neapel heraus zu manövrieren. Wenn man viel Slalom und etwas anarchistisch in Bezug auf Verkehrsregeln drauf hat, kann das auch etwas Spaß machen. Tatsächlich ist alles etwas willkürlich, aber insgesamt fahren die Autos langsam – weil auch einfach überall mindestens stockender Verkehr ist – und nehmen zumindest in der Form Rücksicht, dass häufig (überraschend für andere Verkehrsteilnehmer) angehalten wird, um irgendwen über die Straße zu lassen, jemanden aus der Seitenstraße einbiegen zu lassen oder eine 180-Grad-Wende zu machen.

    Was passiert, wenn das alles nicht so ganz funktioniert, bekomme ich auch noch mit, als es neben mir ein wenig rumst. Ich schaue nach links und sehe, wie der für diesen Sound verantwortliche Autofahrer von seinem Handy aufschaut und ein paar Zentimeter zurücksetzt. Beim vorderen Auto geht die Tür auf, ein Mann steigt aus, geht ruhig zum Heck des Fahrzeugs und begutachtet dieses. Dann dreht er sich um, blickt den Verursacher an und hebt die Hand: „Alles in Ordnung.“ Er steigt wieder ein und fährt weiter. Es wirkt schon fast wie Routine, was vermutlich auch stimmt, denn wenn es eins in Neapel nicht gibt, dann sind es Autos ohne Beulen.

    Ich fahre weiter aus der Stadt heraus und bekomme zunächst Plattenbauten, dann eine slumartige Wellblechsiedlung unter einer Brücke, eingekreist von Müllhaufen, und danach Einfamilienhäuser zu sehen. Krasse Kontraste und umso grotesker wirken die leerstehenden Gebäudekomplexe ein paar Kilometer später und die fast komplett unbewohnten Urlaubsorte mit ihren Appartements und Hotels, die ich abends an der Küste sehe.

    Müll ist hier in und um Neapel übrigens ein richtiges Problem. Er liegt überall verteilt und es scheint vor allem normal, ihn einfach auf den Boden zu schmeißen.
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  • Von wegen Eurovelo

    26 listopada 2024, Włochy ⋅ ☀️ 19 °C

    So ganz verdient hat der Eurovelo 7 seinen Namen hier nicht. Einige Abschnitte verlaufen auf gut befahrenen Bundesstraßen ohne Seitenstreifen und mit ein paar gruseligen Tunneln. Zwar ging es mit teils ganz schöner Aussicht an der Küste einher, empfehlenswert ist die Strecke allerdings nur mit Spiegel und Warnweste.
    Immerhin kann ich mir mit dem Fahrrad solche Abschnitte schnell hinter mir lassen, anders als Mattia, den ich heute traf. Er ist seit August zu Fuß unterwegs, von der Schweiz bis nach Sizilien – Respekt und hoffentlich wenige Blasen. Er gibt mir noch den Tipp, Terracina anzuschauen, was ich dann auch direkt tue. Die Stadt ist insofern interessant, dass alte römische und griechische Ausgrabungen wirklich direkt zwischen den „neuen“ Gebäuden in der Altstadt liegen.

    Nach einer kurzen Mittagspause versuche ich noch ein paar Kilometer im Rückenwind zu machen. Dabei passiere ich San Felice Circeo, das an einem riesigen Felsen, der sich am Meer emporhebt, liegt – ein bisschen so wie Gibraltar.
    Ich fahre noch ein Stück entlang einer Lagune, die so gerade an der Küste verläuft, dass ich mich frage, ob sie bzw. der Damm, der sie vom Meer abtrennt, natürlich ist.
    Einen Zeltplatz zu finden gestaltet sich hier gar nicht so einfach, da irgendwie alles eingezäunt ist. Auch ein Bootsclub, bei dem ich ein paar ältere Männer frage, zeigt sich nicht sehr hilfsbereit. Am Ende finde ich aber doch einen ganz passablen Platz unter einem Bäumchen auf einer leicht abgelegenen Wiese.
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