Corona-Chaos Erfahrungsbericht
21 februari 2021, Tyskland ⋅ ☀️ 17 °C
Im Letzten Jahr hat uns das Coronavirus kurz vor Abflug einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht und wir mussten alles abblasen.
Da wir diese Reise schon lange geplant hatten und sie, sobald es wieder möglich wäre, antreten wollten, haben wir einen Großteil der Buchungen nur verschoben. In Absprache mit den bereits gebuchten Lodges und Hotels haben wir "nur" Gutscheine für einen späteren Reisezeitpunkt erhalten.
Probleme hatten wir nur mit der Fluggesellschaft. Laut Ihrer Aussage wären Sie im April `20 geflogen. "Sie können nichts für den Flugausfall da Namibia ja die Grenzen geschlossen hätte" - war wohl die dreisteste Aussage in der Hotline. Glücklicherweise hatten wir ein sehr hilfsbereites Reisebüro zur Unterstützung, die uns, mit Ausnahme einer kleinen Aufwandsentschädigung, die Streitereien mit der Fluggesellschaft abgenommen und uns die Summe der Buchung wiedergeholt haben.
Außerdem hat eine kleinere Pension die Krise nicht überstanden. Hier sind wir auf rund 70,-€ sitzen geblieben. In der unten aufgeführten vorläufigen Bilanz sind diese Kosten mit berücksichtigt.
Wir haben im letzten Jahr das Corona-Krisenmanagement in Namibia aufmerksam verfolgt. Nachdem die Zahlen im Herbst zu sinken begannen haben wir im November die Planung für 2021 wieder in Angriff genommen (unter Anderem auch, weil sonst einige Gutscheine verfallen wären).
Nach wie vor sind die Infektionszahlen rückläufig und das Hygienekonzept wird laut den Medien gut umgesetzt. Daher haben wir keinerlei Bedenken zum jetzigen Zeitpunkt nach Namibia zu reisen.
Unterm Strich ist die für April `21 geplante Reise 3 Tage länger.
Die Flüge haben wir günstiger erwischt und damit die Bearbeitungsgebühren vom letzten Jahr wieder eingespart.
Natürlich schlagen die 3 zusätzlichen Tage ins Gesamtbudget, dennoch liegen wir bei gerade einmal 124,-€ / Tag (incl. Flug, Mietwagen, Übernachtungen, Frühstück, Spritkosten und Eintrittsgelder für Nationalparks).
Vor Ort kommen natürlich noch die Kosten für weitere Verpflegung (Abendessen / Getränke...), Safaris und Souvenirs dazu.Läs mer
Nächtlicher Besuch
1 mars 2021, Namibia ⋅ ☁️ 16 °C
02:00 Uhr Nachts, es raschelt irgendwo am Dach. Ein paar Tierlaute sind zu hören. Es regnet und windet sehr, eindeutig noch Regenzeit in Namibia.
Kurz darauf wieder ein Rascheln, dieses Mal nicht am Dach sondern an den Koffern, dann immer wieder ein kleines fiepen...
Bei meinem letzten Aufenthalt am Waterberg wurden wir von einem Affen überrascht. Er ist durch einen kleinen Spalt am Fenster eingestiegen, hat sich in Windeseile alles Essbare unter den Arm geklemmt und ist wieder abgezogen.
Mittlerweile stehen zur Abschreckung der Tierischen Besucher kleine Druckluft-Tröten in jedem Zimmer. Die Wirkung... eher dürftig.
Entsprechend stieg Panik auf, vor allem da wir kein Fenster gekippt hatten und die Türe abgeschlossen ist.
Meine bessere Hälfte interessiert das ganze herzlich wenig, er schläft den Schlaf seines Lebens!
Dann wieder ein rascheln und Quieken, dieses mal direkt am Fußende.
Ich wecke meinen Mann und versuche ihm im dunkeln, flüsternd um den Einbrecher nicht auf uns Aufmerksam zu machen, die Situation zu verdeutlichen.
Unbeeindruckt greift er zu der Tröte und macht kurzer Hand einen Höllen Lärm. „Da is nix“ und zack ist er wieder im Reich der Träume.
Es stürmt immer noch und regnet als wolle eine neue Sintflut den Waterberg überschwemmen.
Vielleicht ist ja meine Fantasie mit mir durch gegangen...
Dann wieder ein Rascheln, wieder an den Koffern. Ich wecke wieder das starke Geschlecht, das jetzt, leicht genervt, wieder die Tröte in die Hand nimmt und Lärm macht.
Dieses Mal lässt er sich herab und schaltet das Licht ein. „Da Ist Nichts! Jetzt schlaf weiter“, Licht aus - Mann schläft.
Doch beim nächsten Mal hört auch er es!
Irritiert, dass die Geräusche tatsächlich IM und nicht vor dem Bungalow sind, tastet er nach der Lärm-Dose. Auch ihm scheint es ein bisschen unwohl zu sein. Er wirft sich die Stirnlampe um den Kopf, schlüpft in seine Badelatschen und wagt sich Todesmutig unter dem Moskitonetz vor... nicht. Die Spinne vom Abend zuvor sitzt noch am gleichen Ort und auch sonst hat sich nichts bewegt. Auch ich versuche im Dunklen meine Stirnlampe auf zu bekommen und schließe mich der Suche an. Dann plötzlich wieder ein Rascheln an den Koffern, aber immer noch nichts zu sehen.
Als wir einen Koffer wegschieben entdecken wir ihn, den Einbrecher!
Ein kleines Streifenhörnchen sitzt irritiert zwischen den Koffern, in seinen kleinen Händchen die Tüte Instant Kakao-Pulver und die beiden Zucker Tütchen. Starr vor schreck sitzt es da und schaut und an... lässt den Zucker fallen, klemmt sich den Kakao zwischen die Beißer und klettert hoch unters Dach. Noch ein kurzer Blick über die Schulter und weg ist es.
Erleichtert bewegen wir uns zurück ins Bett und versuchen zu schlafen. Es hat aufgehört zu regnen und die Wolkendecke reißt auf.
Mittlerweile ist es kurz vor 6:00 Uhr und am Horizont wird es heller.
Vom Bett aus genießen wir einen Sonnenaufgang wie ihn Hollywood nicht schöner hätte animieren können.
Das kleine Streifenhörnchen ist noch zwei Mal eingebrochen und hat sich seine Zucker-Tütchen geholt.
Genau so in der folgenden Nacht - WILLKOMMEN IN AFRIKALäs mer
Petrus spielt nicht mit...
20 mars 2021, Tyskland ⋅ ☁️ 15 °C
Generell ist Namibia für seine beeindruckende Wüstenlandschaft bekannt.
Trockenheit und Dürre sind ein allgegenwärtiges Problem.
Umso erfreulicher, dass im letzten Jahr der Regen so ergiebig ausgefallen ist.
Auch in diesem Jahr hat es wieder überdurchschnittlich viel geregnet. Viele Flüsse, die seit Jahren ausgetrocknet waren, führen wieder Wasser und die Staudämme des Landes sind bis zum Rand gefüllt.
Leider geht mit solchen Wassermengen auch Zerstörung einher.
Das Camp in Ai-Ais, in den südlichen Ausläufern des Fish River Canyons, wurde durch die starken Niederschläge im Januar stark beschädigt.
Hier treten heiße Quellen an die Erdoberfläche und werden in warmen Pools gefasst. In einigen Zimmern hat man die Möglichkeit, direkt in das Hallenbad zu gelangen. Von hier aus wollten wir den Canyon erkunden und dann Abends in den heißen Quellen entspannen.
Da die Renovierungsarbeiten andauern und das Camp noch nicht wieder bewohnbar ist wurde diese Buchung leider storniert.
Wir haben uns für das Canyon Roadhouse als Alternative entschieden. Die Fahrtstrecke wird knapp 50km länger sein und damit eine der längsten Tagesetappen der Reise.
Langsam setzt die Vorfreude ein, auch wenn wir uns kaum trauen sie zuzulassen.
Hoffentlich bleibt das bis zur Abreise die letzte schlechte Nachricht :DLäs mer
FRAport in Zeiten von Corona
30 mars 2021, Tyskland ⋅ ☀️ 19 °C
Wir hatten unseren PCR Abstrich vor knapp 30h und warten leider immer noch auf das Ergebnis. Da wir aber unsere Kontakte in den letzten Monaten vorschriftsmäßig auf ein Minimum reduziert haben und auch keinerlei Symptome zeigen bleiben wir optimistisch.
Gleich fliegen wir mit dem EW1278 nach Windhoek - ENDLICH !!!
Der Online Checking und die Platzreservierung verliefen, wie von LH gewohnt, unproblematisch. Auch die Gepäckaufgabe wurde kontaktlos abgewickelt.
Ich bin schon sehr geflogen, aber eine so schnelle Abwicklung habe ich NOCH NIE erlebt. An der Sicherheitskontrolle, außer dem Personal, niemand zu sehen. Wir wurden parallel an zwei Stationen kontrolliert. Ebenso die Passkontrolle: nur der persönliche Handschlag hat gefehlt :D
Leider sind die meisten Shops im internationalen Bereich geschlossen.
Außer dem großen Duty Free und ein paar Lebensmitteln gibt es hier aktuell leider nichts, um sich die Zeit bis zum Boarding zu vertreiben.
Es ist sehr entspannt und ruhig, im vergleich zu früheren Reisen.
Wir freuen uns riesig, dass es jetzt tatsächlich los geht und wir gleich in den Flieger steigen können! Nach über einem Jahr Vorfreude, Bangen und Planung können wir diese Reise endlich antreten.Läs mer
Waterberg
31 mars 2021, Namibia ⋅ ☁️ 25 °C
nach der Landung in Namibia ging es sofort los auf die Piste.
Der Linksverkehr macht uns noch immer zu schaffen, glücklicherweise sind die Namibier hier sehr passive und rücksichtsvolle Fahrer, sodass wir einem Crash noch entgehen konnten,
Kaum aus Windhoek raus verläuft sich alles - kaum mehr Dörfer, Verkehr oder Menschen.
Gut 200 km geht es auf schön asphaltierten Straßen gen Norden.
Danach: Sand- und Schotterpisten.
Für uns verwöhnte Europäer eine ganz neue Erfahrung.
Wir sind sehr froh über unseren Geländewagen und lernen gerade die Vorteile eines bequemen und geräumigen SUVs kennen.
Größter Pluspunkt: Bodenfreiheit!
Da es die letzten Tage wieder stärker geregnet hat sind die Straßen ausgespült und es stehen Pfützen, ja regelrecht Wasserlöcher, auf der Straße, bei denen man sich oft nicht sicher ist wie tief sie sind und ob man da noch durch sollte.
Am Waterberg selbst haben wir uns aus Kostengründen „Nur“ für ein Safarizelt entschieden.
Diese stehen trotzdem auf einem Fundament und verfügen über eigene sanitäre Anlagen.
Vor Ort dann die Überraschung: Upgrade über zwei Zimmerklassen.
Anstatt dem Zelt durften wir in die Waterberg Plateau Lodge einchecken.
Diese liegt unmittelbar unterhalb des Plateaus und besteht ausschließlich aus 8 chalets mit atemberaubendem Ausblick über den Rand der Kalahari.
Hier werden neue Maßstäbe für Glamping gesetzt, vorallem dank dem eigenen Pool, über den jedes Chalet verfügt.
Am ersten Abend waren nur vier der acht Chalets belegt, auch heute Nacht wird es ähnlich sein. Namibia leidet sehr unter dem ausbleibendem Tourismus und man merkt sehr, wie froh hier alle sind, dass es langsam wieder an Fahrt aufnimmt.
Zum Dinner gab es das erste lokale Wild - Kudu Steak zusammen mit leckerem Namibischen Wein.
Den Abend haben wir dann in unserem kleinen aber feinen Infinity-Pool ausklingen lassen. Da wir aber seit zwei Tagen ohne Schlaf waren sind wir sehr früh ins Bett gefallen.
Am zweiten Tag wollten wir dan endlich das Land kennen lernen:
Von hier aus lässt sich hervorragend die Umgegend erforschen.
Zum einen mit Guide und Safari-Fahrzeug, zum Anderen zu Fuß auf den vielen Wanderwegen.
Sonnenschutz und festes Schuhwerk sind hier ein Muss. Ebenso ein langer und stabiler Stock, da die lokalen Spinnen sehr fleißig sind und in Windeseile riesige Netze über die Wege spannen.
Wir haben uns heute Morgen für den Wanderweg zu einer Quelle entschlossen.
Diese Quelle speist alle Unterkünfte am Waterberg mit Trink- & Nutzwasser.
Wir waren ca. 2h unterwegs. Entlang des Waterbergs auf felsigen Wegen mit unübertrefflichen Aussichten. Zurück ging es durch das saftig grüne Tal das durch die Quelle wie eine tropische Oase wirkt und Unmengen an Insekten und Tieren eine Heimat bietet.Läs mer
Rhino Tracking
1 april 2021, Namibia ⋅ ⛅ 23 °C
Die Betreiber des Waterberg Wilderness haben sich dem Schutz der vom Aussterben bedrohten weißen Nashörner zur Lebensaufgabe gemacht.
Da liegt es nahe, dass wir die Gelegenheit nutzen und uns bei bei einer geführten Ausfahrt am Nachmittag auf die Suche nach ihnen machen.
Das Reservat erstreckt sich über eine Fläche von 3,5x7 km.
Insgesamt dürfen hier bis zu 10 Nashörner beheimatet werden.
Aktuell leben dort zwei Weibchen mit jeweils einem Baby sowie eine „Herde“ aus zwei Männchen und einem weiteren Weibchen.
Das Gebiet und die Tiere werden Tag und Nacht von mehreren Rangern bewacht, da die Wilderei ein sehr schwerwiegendes Problem darstellt.
Da alle Ranger über Funk in Kontakt sind kann man relativ schnell den ungefähren Standort der Tiere ausmachen, trotzdem durften wir erst 1 1/2 Stunden die Landschaft und die Aussicht auf den Waterberg genießen ehe wir eine Mutter mit Baby entdeckten.
Genüsslich grasend standen die Beiden am Straßenrand und ließen sich durch nichts aus der Ruhe bringen.
Da die weißen Nashörner sehr schlecht sehen, versuchen sie ihre Jungen immer hinter sich zu haben, um sie von Gefahren abzuschirmen. Da sie jedoch durch die Anwesenheit der Ranger den Kontakt zu Menschen nicht als Gefahr empfanden konnten wir sogar den Truck verlassen und uns ein paar Schritte annähern ehe Mama-Nashorn uns als potenzielle Gefahr einstufte und mit ihrem Jungen im Dickicht verschwand.
Kurz darauf entdeckten wir auch die Herde mit zwei sehr territorialen Bullen, denen es höchste Freude bereitete den Truck mit ihren Duftnoten zu versehen.
Auf der weiteren Fahrt konnten wir noch Zebras, eine Giraffe, einen Kojoten, Impalas, Springböcke und unzählige Perlhühner sehen ehe wir den Sonnenuntergang an der Buschbar ausklingen lassen.
Der Sundowner ist hier ein unabkömmliches Ritual, das quasi überall mit Anbruch der Dämmerung vollzogen wird. Für unsere Leber wird das hier also garantiert kein Urlaub - PROSTLäs mer
Popa Fälle
2 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 29 °C
Nach den zwei Nächten am Waterberg, in denen wir erstmal in Afrika angekommen sind, ging es eine lange Strecke bis nach Divundu.
Die Sandpiste unterhalb des Waterbergs wurde schnell zum asphaltierten Highway und die Kilometer schmelzen bei angenehmen 120 km/h Reisegeschwindigkeit nur so dahin.
In 2020 war unser Plan die Viktoria Fälle zu besuchen. Das ist in diesem Jahr leider nicht möglich.
Trotzdem wollten wir den Caprivi erkunden und haben die Reihenfolge der Buchungen beibehalten. Daher ist Divundu nur als Zwischenstopp nach Katima Mulilo geplant gewesen.
Beim Betreten des Hotels haben wir diese Entscheidung allerdings schon bereut.
Nachdem die letzten Kilometer doch wieder über Schotter und Sandpisten ins Hinterland führten waren unsere Erwartungen nicht all zu hoch.
Uns begrüße freudestrahlend und in perfektem Englisch eine zuvorkommende Empfangsdame. Diese war wohl auch darüber informiert, dass wir einen Game Drive mitmachen wollten, zu dem wir allerdings eine halbe Stunde zu spät waren.
Alternativ hatte sie uns auf eine Sundowner Bootsfahrt auf dem Okovango zu den Poppa Fällen gebucht.
Die Shametu River Lodge vermittelt den Eindruck einer kleinen Oase.
Direkt unterhalb der Popa Falls bietet sie wunderschöne Chalets die direkt am Wasser liegen. In trockeneren Monaten könnte man direkt von der eigenen Terrasse aus auf die Fälle schauen. Da wir aber direkt nach bzw. am Ende der Regenzeit hier sind bietet sich uns ein Ausblick auf das Flussufer, Palmen, unzählige Vogelarten und zwischen dem dicht wachsenden Schilf kann man die Fälle erahnen.
Hier hätte ich auch die kommenden drei Wochen problemlos verbringen können. Das Sonnendeck mit Pool und Bar ist auf Stegen über den Fluss gebaut und bietet, mal wieder, einen auf seine eigene Art einzigartigen Ausblick.
Von hier aus geht es auch los zum nächsten Sundowner.
Am Waterberg haben wir andere Reisenede getroffen, die einige Tage zuvor auch hier waren. Sie haben erzählt, dass ein Hippo das Boot angegriffen und es fahruntauglich gemacht hat. Darum konnten Sie die Gegend nur auf dem Festland erkunden.
Anscheinend konnte das Boot relativ schnell repariert werden und so fanden wir uns am späten Nachmittag zusammen mit einem namibischen Paar auf dem kleinen Katamaran ein und legten ab.
Die erste Stunde ging es flussabwärts und man konnte Hippos beobachten, die allerdings eher die Flucht ergriffen als sich mit uns anzulegen.
Neben ein paar Krokodilen, die auf schattigen Sandbänken dösten bot sich eine uns ein schöner neuer Blickwinkel vom Fluss auf die Ufer und umliegenden Dörfer. Kinder, die mit Ästen angelten - Frauen die im Fluss die Wäsche waschen und Hirten, die ihre Ziegen und Kühe ans frische Wasser trieben. Von der Straße aus sieht man nur die runden Stroh- und Lehmhütten, jetzt sieht man auch das Leben hinter den Holzzäunen.
Nach kaum einer Stunde verließ uns das namibische Paar und wir waren mit unserem Guide allein unterwegs. Wieder flussaufwärts steuerten wir am Hotel vorbei, entlang der Palmen und dem schilfbewachsenem Ufer direkt auf die Popa Falls zu.
Die Popa Falls sind keine herkömmlichen Wasserfälle, sondern eher Stromschnellen, durchsät von rundgeschliffenen Felsbrocken. Dazwischen immer wieder kleine Inseln aus Flusssand.
Wir legen an einer der Inseln an und dürfen das Boot verlassen.
Anscheinend ungefährlich, Krokodile seien hier nicht wegen der Strömung und die Hippos sind wohl eher Flussabwärts zu finden. Also betreten wir die kleine Insel mit dem wohl feinsten Sand den ich jemals zwischen meinen Zehen gespürt habe.
Unser Guide bleibt auf dem Boot und die Kleingruppe aus einem anderen Hotel zieht noch vor Sonnenuntergang von der Insel ab.
Wir genießen mal wieder einen spielfilmreifen Sonnenuntergang bevor auch wir uns wieder dem Rückweg widmen.
Die Region um die Popa Falls ist bei Einheimischen sehr beliebt. Angeln ist Nationionalsport, wie in zuvor ausgiebig erklärt wurde, und die Gegend ist noch nicht zu weit von den großen Städten entfernt. Lange Wochenenden werden daher für halbwegs luxuriöse Angeltrips genutzt. Quasi das Naherholungsgebiet Namibias.
Trotzdem sind wir die einzigen Gäste beim Abendessen. Die Namibier sind auf dem angrenzenden Campingplatz und genießen ein Braai mit anderen Anglern und Campern.
Wir dagegen bekommen ein sterneverdächtiges 3-Gänge Menu serviert. Das bisherige Highlight der Reise: Steak von der Eland Antilope.
Schade, dass wir hier nicht länger bleiben können. Das nächste Mal wird anders geplantLäs mer
Mahango Nationalpark
3 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 30 °C
Am frühen Morgen verlassen wir die traumhafte Shametu River Lodge und brechen auf in den östlichen Zipfel des Caprivi - heute soll es bis nach Katima Mulilo, kurz for der Sambischen Grenze gehen.
Zwischenstopps sind im Mahango und im Buffalo Core Park geplant, beide zum selbst befahren. Das starke Geschlecht erhoff sich Büffelherden, plantschende Elefenten und im Besten fall Löwen. Los gehts.
Nach knapp 20 Minuten sind wir schon am Gate zum Mahango Natinalpark und bezahlen einen Obolus von 90 N$ (knapp 5,-€) zum Befahren der Straßen.
Auf Empfehlung der netten Dame am Gate halten wir uns im westlichen Teil des Parks auf. Die Straße ist ein Rundweg und führt direkt am Fluss entlang. An den beiden Aussichtspunkten könne man auch aussteigen, gefährlich seien nur die Krokodile, und die könne man nicht übersehen, so die Anweisung. Gesagt, getan: Erste Entdeckung: Unmengen an Zebras, so viele, dass man vor lauter Streifen nicht hätte zählen können. Zwischen drin immer wieder kleine Zebras, gerade mal ein paar Wochen alt. Wir stellen fest: Für Tierbabys haben wir die perfekte Reisezeit erwischt.
Zwischen den Zebras entdecken wir außerdem ein Gnu, das allerdings allein unterwegs ist und unbeeindruckt von uns Touristen in aller Ruhe seines Weges geht.
Immer wieder sehen wir das obligatorische Impala, die es hier wie Sand am Meer gibt. Wieder ein Kudu, Eland Antilopen, Orix,,, Der erste Aussichtspunkt ist relative unspektakulär. Er bietet einen weiten Blick über das bereits trockenlegende Bachbett, dad allerdings der ganze Park im Schwemmgebiet liegt sieht die Landschaft sehr ähnlich aus wie bereits die letzten 20 Kilometer.
Dann kurz vor dem zweiten Aussichtspunkt DIE Entdeckung. Im halbhohen, bereits dürren Gras sehen wir dunkle Flecke, knapp 200 Meter vom Auto entfernt.
Ich fahre und die Flecke sind auf der Beifahrersitze. hastig kramt die Bessere Hälfte das Fernglas aus dem Rucksack.
Das Fernglas hat uns bereits am ersten Tag bitter enttäuscht und ist in alle Einzelteile zerfallen. Im schwül-warmen Klima haben sich die Verkleidungen gelöst und auf der Schotterpiste zum Waterberg wohl auch noch einige Schrauben. Raffael hat es halbwegs repariert, man kann aber nur durch ein Auge schauen und scharf stellen geht auch nur mit viel Geduld...
Dann seine fachkundige Identifizierung der Tiere: LÖWEN!
Jackpot! Gleich im ersten Nationalpark ein ganzes Rudel Löwen - einfach unglaublich.
Und wir bekommen noch vor wenigen Minuten gesagt hier gäbe es keine gefährlichen Tiere und wir könnten gerne an den Aussichtspunkten aussteigen.
Jetzt hat sich mein teures Tele-Zoom Objektiv schon gelohnt. Ich knipse drauf los und hoffe darauf als sich einer der Löwen langsam zu Bewegen beginnt.
Bei genauerer Betrachtung der Bilder und einigen Vergrößerungen der Bildausschnitte wird schnell klar: das ist kein Löwe.
Wir haben lediglich eine Horde Warzenschweine bei ihrem morgendlichen Staubbad gestört.
Auch am zweiten Aussichtspunkt gibt es außer ein paar Streifenhörnchen nichts weiter zu entdecken und so machen wir us auf in den Buffalo Core Park, der ebenfalls nur wenige Minuten entfernt liegt.Läs mer
Offroad Erlebnisse im Buffalo Core Park
3 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 29 °C
Nach den vielen Tieren und über 2h im Mahango habe ich eigentlich keine Lust mehr und möchte gerne die lange Strecke hinter mich bringen. Da aber die erhofften Gnuherden und Elefanten ausgeblieben sind fahren wir doch noch in den Buffalo Core.
Wieder die 90N$ zum Erhalt des Parks abgegeben und eine freundliche Einweisung bekommen die aus gerade mal zwei sehr deutlichen Ansagen bestens:
1. Unser Auto hat nicht so viel Bodenfreiheit wie andere, daher bei der ersten Gabelung links halten
2. Es gibt in diesem Park Löwen. Also unter keinen Umständen das Auto verlassen.
Los gehts über die schmale Schotterpiste. Schon hier wird klar, die Straßen werden deutlich unangenehmer als bisher. Dann die erste Sandpiste, die unser verhältnismäßig kleiner Geländewagen problemlos meistert.
Als wir das Auto am Flughafen im Empfang genommen haben war ich beeindruckt, wie groß der Wagen ist. Kaum auf den Straßen mussten wir aber feststellen, dass die Namibier mindestens doppelt so große Autos fahren. Unter den Einheimischen Gefährten könnte ich mit meinem kleinen Audi zuhause locker unten durch fahren ohne hängen zu bleiben.
Und schon kommt auch die zweite Sandpiste. Diesmal schmaler, der Sand gibt mehr nach als beim ersten Mal und dann kommt auch noch Gegenverkehr. Nicht bremsen, nicht ausweichen, sonst stecken wir fest, denke ich mir Und das erkennt wohl auch der Gegenverkehr. Locker lässig weicht er in die Sträucher neben der Straße aus und genießt dabei so viel Bodenfreiheit, dass der ganze Busch am Straßenrand unter seinem Auto durch passt. Davon bin ich jetzt schon beeindruckt und denke zum erstem Mal, wir hätten doch noch eine Klasse größer buchen müssen. Allrad hin oder her, ich habe zu wenig Schwung und muss nochmal Anlauf nehmen, um nicht stecken zu bleiben.
Geschafft, wir erreichen eine alte, schon ziemlich verfallene Militärbasis. Bis auf ein paar Affen haben wir noch nichts entdecken können.
Die Sandpiste wird immer weicher und immer tiefer.
Wir hören schon die Gräser an unserem Unterboden schleifen und beginne eine Diskussion, ob wir überhaupt noch weiter sollen. Da wir ja aber auf Hochzeitsreise sind habe ich keine Lust einen Streit anzufangen und fahre weiter.
Schon in der nächsten Kurve dämmert auch dem Herrn, dass das wohl die flasche Entscheidung war. Jetzt bloß nicht an Schwung verlieren und möglichst gleichmäßig fahren. Immer wieder hören wir jetzt nicht nur das Gras sondern auch den Sand am Unterboden schleifen. Zum Glück geht es Bergab - denke ich noch, kurz bevor wir wieder ein Stück Schotter-Piste erhaschen - dann ein Rumps und ein ekelhaftes kanartschen in der Karosserie.
Wir Stecken fest.
Im Rückwärsgang scheint sich erst was zu tun, dann aber die Enttäuschung dass wir uns nur noch tiefer in den Sand graben. Also Motor aus und einen Plan schmieden.
Raffa hat am Flughafen eine SIM Karte gekauft für den Notfall, problem gelöst. Wir rufen am Gate an, die Nummer steht ja auf dem Beleg und auf der Karte, die uns die nette Dame mitgegeben hat, und wir bekommen Hilfe.
Aber die Nummer funktioniert nicht, weder die auf dem Beleg noch die auf der Karte.
Aussteigen sollen wir nicht, da es ja Löwen hat, also können wir uns auch nicht selbst ausgraben. Panik macht sich bemerkbar.
Der Park ist riesig und laut Anmelderegister sind gerade einmal fünf Fahrzeuge heute rein gefahren, inclusive uns. Die Chancen andere Menschen zu treffen ist also relativ gering.
Wir schauen uns um, unsere Lage ist relativ bescheiden, knapp 2 km hinter den verfallenen Baracken, nahe dem Flussufer. Um uns herum kann man 20 Meter in jede Richtung schauen, danach Dickicht.
Wir müssen also doch selbst raus, Luft aus den Reifen lassen, Sand weg buddeln und dann sollten wir doch weiter kommen... Also Schuhe an und los. Was Anderes bleibt uns ja nicht. Und da haben wir ihn - den Streit auf der Hochzeitsreise.
Raffa weigert sich auszusteigen, weil in dem gebiet Löwen sein könnten. Er will kein Appetithäppchen für Raubkatzen und ich will kein Schmorbraten im heißen Auto werden sondern so schnell wir möglich von der Piste runter.
Ich steige aus und fange an die Reifen frei zu graben. Diese waren noch nicht einmal das Problem, sondern ein Schlagloch in der Fahrbahn. Die Schnauze des Autos hat sich in den Sand zwischen den Spuren gegraben. Erst beim Versuch rückwärts zu fahren haben sich dann auch die Reifen mit eingegraben. Und der feine, rund geschliffene Flusssand des Okowango ist hier alles andere als vorteilhaft. Kaum hat mein eine Hand voll Sand auf die Seite geschoben rieselt die gleiche Menge schon nach.
Raffa sitzt in der Zwischenzeit immer noch im Auto und versucht zu telefonieren.
Mittlerweile hat er die Nummer der letzten Lodge aus den Unterlagen gekramt und versucht einer Dame, die der englischen Sprache kaum mächtig ist, zu erklären wo der Schuh drückt. „We will call you“ und zack hat sie aufgelegt. Doch kaum eine Minute später klingelt tatsächlich sein Handy. Die Lodgebesitzerin ist dran, die akzentfreies deutsch spricht und deren Mann sich im Park wohl sehr gut auskennt. Raffa beschreibt die Lage und unseren Standpunkt und uns wird Hilfe zugesagt.
Just in diesem Moment kommt ein (offensichtlich einheimisches) Auto um die Kurve hinter uns gebogen. Sie legen eine Vollbremsung hin und starren in die Weiten. „Scheiße, Löwe - ab ins Auto“. Ich warte, sie warten... nichts tut sich. Ich strecke meinen Kopf wieder aus dem Fenster und schaue die Leute im Auto hinter uns an. Der Fahrer, sichtlich verwirrt, lässt auch sein Fenster runter und fragt, was wir sehen.
Ich versuche ihm klar zu machen, dass wir feststecken und nichts sehen, da fängt er an zu lachen. Ich kann mir vorstellen, was die sich gedacht haben: Touris mal wieder - kommen hier mit den motorisierten Keksbüchsen an und meinen sie könnten fahren.
Lachend springt er aus dem Auto, in Hawaii-Hemd und Flip-Flops, seine Gattin tut es ihm gleich. Die Tochter übernimmt das Lenkrad, setzt zurück und beginnt am Handy zu tippen.
Auch ich bewege mich wieder aus dem Auto, nachdem offensichtlich kein Raubtier in der Nähe ist. Er umrundet unser Auto und stellt fest „ja, ihr steckt da fest“.
Raffa sitzt noch immer im Auto und hält Ausschau nach Löwen.
Er spricht etwas mit seiner Frau auf Afrikaans da biegt auch schon ein weiteres Auto um die Ecke. Ein weiterer Mann springt aus einem, für meine Verstandnisse völlig überdimensionierten Geländewagen. Sie reden kurz und die Frau fängt schon an den Sand unter den Rädern wegzuhören. Ich schließe mich ihr an während die beiden Männer Luft aus den Reifen lassen. Sogar mit Messgerät und Werkzeugkoffer... ich komme mir vor wie ein richtig dämlicher Tourie und würde vor Scham am liebsten im Sand versinken, da kommt noch ein drittes Auto auf uns zu, dieses Mal von der geschotterten Piste vor uns die es zu erreichen galt. Lachend kurbelt ein bierbäuchiger Mittvierziger sein Fenster herunter, offensichtlich kennt er die anderen beiden, und bietet hilfsbereit seine Seilwinde an. Er könne uns auch raus ziehen wenn wir mit graben fertig sind - auch er springt belustigt aus seinem XXL Geländewagen und legt mit Hand an.
Jetzt traut sich auch Raffa aus dem Auto und hilft buddeln.
Ich schwinge mich auf den Fahrersitz und lege den Rückwärtsgang ein während meine eingeschüchterte Hälfte und die drei bärtigen Buren in Hawaii-Hemden und mittlerweile Barfuß die Front des Autos anheben.
GESCHAFFT - wir sind befreit.
Das Auto rollt wieder, ich hole Schwung und fahre auf das mit Gras bewachsene Unland neben der Sandpiste. Mir egal, ob ich den Unterboden aufreiße oder wir die Kaution nicht wieder bekommen, aber auf den Sand fahre ich nicht wieder.
Die drei Helfer und Ihre Begleiterinnen ermahnen uns noch, wir sollen unbedingt den anderen (also den rechten) Weg zurück nehmen. Am Gate hätte man uns sagen müssen, dass der Linke Piste nur für richtigen Geländewägen sei.
Toll, da sag nochmal jemand was wenn ich Rechts und Links verwechsle. Immerhin sind meinetwegen noch keine Menschen im Sand stecken geblieben.
Wir folgen dem Rat der Namibier, biegen 100 Meter später rechts ab auf eine halbwegs Asphaltierte, teilweise geschotterte Straße und kommen ohne Mühen wielded am Gate an.
Während ich mir auf der Toilette den Sand von Händen und Füßen wasche will Raffa sich die Empfangsdame vorknöpfen, doch die hat sich mittlerweile in ihre Mittagspause verdrückt.
Ihre unschuldige Kollegin bekommt also die Beschwerde über die falschen Anweisungen und nicht funktionierenden Telefonnummern ab.
Dann, mit guten drei Stunden Verspätung, begeben wir uns endlich auf die lange Fahrt nach Katima Mulilo.
Neben einem Bild von einem Äffchen, geschätzt 100 Bissen von Sandflöhen und einer im Nachhinein lustigen Geschichte haben wir dem Buffalo Core Park nichts abgewinnen können.
Nur eins steht fest: Nächstes Mal ein noch größeres Auto!Läs mer
Caprivi Mutoya Lodge
4 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 26 °C
Die gestrige Fahrt war lang und der Tag offensichtlich Erlebnisreich.
Entlang der Straßen immer wieder Kuh- und Ziegenherden die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, den Verkehr auszubremsen. Ansonsten die gewohnten Rundhütten, kleine Stände die Brennholz verkaufen und ab und zu eine Ortschaft bestehend aus einem Brunnen, einer Tankstelle und einer höheren Dichte an Rundhütten.
Keine Wildtiere, keine Abwechslung in der Landschaft, nicht einmal eine Wolke am Himmel.
Die Sonne brutzelt mit unerbittlichen 33°C auf den Asphalt aber trotzdem laufen unzählige Menschen am Straßenrand entlang. Sie treiben ihre Viehherden zu den Brunnen, tragen Wasserkanister auf ihren Köpfen oder treffen sich zum Fußball spielen auf einem ebenen Stück Steppe.
Entsprechend spät sind wir in unserer nächsten Unterkunft angekommen und gleich mal in ein paar andere Deutsche reingestolpert.
Im Laufe des Abend erzählten sie uns, dass sie mit zwei Amphibienfahrzeugen vor 8 Jahren in Deutschland los sind und seither all ihre Urlaubstage damit verbracht haben, die Westküste des Afrikanischen Kontinents bis hier her zu fahren.
Schwer beeindruckt von dieser Unternehmung lassen wir uns von den beiden Herren und Ihren Geschichten und Erlebnissen bei einem Bier berieseln. Nach dem Abendessen fallen wir erledigt ins Bett und werden erst am nächsten Morgen unsanft von einem Streifenhörnchen geweckt, das Nüsse auf das Dach unseres Chalets wirft.
Es ist gerade einmal 6:30 Uhr und wir sind hellwach.
Wir packen Wasser und die Kamera ins Auto, frühstücken und wollen jetzt den Caprivi Zipfel entlang der Grenze zu Botswana abfahren in der Hoffnung ein paar Elefanten zu entdecken.
Namibia hat ein relativ einfaches System, seine Verkehrsadern zu benennen:
A = Asphaltierter Highway, teilweise zweispurig
B = Asphaltierte Landstraße, teilweise zweispurig. ich vermute, wenn eine A-Straße zu viele Schlaglöcher hat wird sie zu einer B-Straße degradiert.
C = Schotter oder Asphalt, jedenfalls mehr Schlaglöcher als Fahrbahn. Alternativ eine verfestigte Sandpiste, aber in der Regel mit 80 km/h noch gut befahrbar
D = Mehr Schlagloch als Schotter, gerne mit Sand aufgefüllt oder mit losen steinen ausgebessert.
Natürlich gibt es nur eine D-Straße entlang der Grenze und ausgerechnet diese soll es heute also sein. ich stelle mich auf Schlaglöcher, Sandpisten und Geröll ein und mag schon garnicht mehr losfahren bei dem Gedanken an die gestrigen Erlebnisse auf einer vermeintlichen D-Straße. Davon abgesehen ist Ostersonntag, Pannendienste gibt es hier wohliger nicht und auf andere Fahrzeuge hoffe ich eher wenig an einem Feiertag.
Umso überraschter bin ich, dass wir eine perfekt ebene asphaltierte Straße mit 120 km/h befahren. Anscheinend werden Straßen nicht mehr umbenannt nachdem sie saniert wurden.
Es folgen knapp 100 km der gleichen Landschaft wie am Vortag, außer den üblichen Ziegen und Kühen ist nichts zu sehen. Die Menschen wandern wieder entlang der Straße, heute aber in feinen Anzügen und farbenfrohen Kleidern. Die Nutztierherden scheinen den Sonntag Morgen unbewacht verbringen zu müssen.
Dann Passieren wir wieder ein Gate zu einem vermeindlichen Nationalpark. Niemand zur Kontrolle im Häuschen - wir fahren auf den Parkplatz um die obligatorischen 5,-€ abzutreten, aber die Rezeption ist verriegelt. Alle Rollläden geschlossen, der Weg zugewuchert... Man erkennt deutlich, dass hier die letzten Monate nichts, wirklich gar nichts, mit Tourismus war.
Also steigen wir ein und fahren weiter.
Raffa hat schon wieder ein paar Seitenstraßen auf der Karte entdeckt, auf denen man bis zum Fluss fahren kann. Da am Gate aber ausdrücklich stand, man soll diese Straßen nur mit Geländewagen und nur mit Passierschein befahren weigere ich mich strikt, in eine solche Straße einzubiegen. Offensichtlich verfügen wir nämlich nur nach Europäischer Auffassung über einen Geländewagen, nicht aber nach Afrikanischer. Und einen Passierschein haben wir schon zweimal nicht, Diskussion beendet. Wir fahren weiter, und so schnell wie wir im Park drin waren sind wir auch wieder raus.
In dieser Gegend zählt alles als Nationalpark, was nicht besiedelt ist, habe ich den Eindruck.
Tiere gab es hier nämlich ebenso wenig wie sonstige Lebewesen oder Sehenswürdigkeiten.
In Kongola biegen wir wieder auf den Caprivi Highway und düsen mit den gewohnten 120 km/h zurück nach Katima Mulilo.
Zurück in der Lodge ist es mittlerweile schon 15 Uhr.
Die Weiten, her die sich dieses Land erstreckt, werden uns erst jetzt allmählich klar.
Ja, man liest oft ie Distanzen und überlegt auch wie lange man benötigt um sie zurückzulegen. Aber wirklich realisieren tut man es erst, wenn man Stunde um Stunde Fährt, die Landschaft an einem vorbei zieht und man dem Ziel einfach nicht näher kommt.
Mich beschleicht das Gefühl, wir haben uns zu viel für die 3 1/2 Wochen vorgenommen.Läs mer
Bootsfahrt zum Zambezi
4 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 32 °C
Nach dem ernüchternden Tripp durch den Caprivi ziehen wir uns im Zimmer kurz um und bedienen uns unserer immer leerer werdenden Sonnencreme.
Meine bessere Hälfte träumt davon den Zambezi zu sehen. Ursprünglich sollte das an den Victoria Fällen geschehen, da man aber mal wieder einen Corona Test benötigen würde und sich durch Unmengen Papierkram wälzen, haben wir das auf einen der nächsten Trips verschoben.
Unsere Lodge liegt an einem Seitenarm des Zambezis und ist hier schon gute 100 Meter breit. Der Betreiber bietet normalerweise Angelausflüge und Vogelbeobachtungen an. Da wir heute die einziehen Gäste sind hat er seinen Bootsfahrern des Vertrauens angerufen, der uns in Motorboot auf den Zambezi bringt.
Eigentlich sollte das kein Sundowner werden aber die Kühltruhe mit Wasser, Weißwein und zwei Gläsern steht schon bereit als wir auf das Boot steigen.
Und schon geht es los, durch Seerosen und Lotusblüzen, zwischen ganzen Inseln aus Schilf hindurch. Immer wieder muss unser Guide den Motor abschalten und ihn von Seegras und Wurzeln befreien. Hier und da fährt er langsamer, erklärt uns vieles über das Leben am Zambezi, die Tiere, die Menschen, die Vorteile an einem so großen Fluss zu Leben und natürlich auch die Gefahren, die dadurch entstehen.
Nach einer guten Stunde ist es dann so weit, wir biegen auf die Hauptader des Zambezi.
Zu unserer Linken die letzte kleine Insel die noch zu Namibia gehört, zu unserer Rechten Simbabwe.
Dazwischen der Fluss, der an dieser Stelle noch nicht einmal am breitesten ist. Unser Guide gibt an, hier sei der Fluss gut 400 Meter breit und über 10 Meter tief. Es hat allerdings seit 6 Wochen schon nicht mehr geregnet und der Wasserstand ist schon um einen Meter zurück gegangen. Wir können uns nur vorstellen, wie breit der Fluss zu seiner besten Zeit sein muss und wie viele Orte und Inseln dann überflutet sind.
Wir fahren eine Weile den Zambezi entlang.
Immer wieder schrecken ganze Vogelschwärme aus dem Schilf auf und bilden beeindruckende Formationen am Himmel.
Dann zeigt er uns noch ein traditionelles sambisches Fischerdorf, das sich doch etwas zu den bisher gesehenes Rundhütten unterscheidet.
Wir legen an weil er einen Freund sehen mag, was wegen Corona und dem hohen Wasserstand gerade anders nicht möglich ist.
Raffa bekommt Panik, wir allein mit dem Guide, über die sambische Grenze, kein Empfang mit dem Handy, kein Mensch der wüsste wo wir sind. Er steht von seinem Platz auf und verkriecht sich ans hintere Ende des Bootes. Aber es bequemt sich gerade mal ein neugieriges Huhn aus einer Hütte heraus und beäugt uns. Die Bewohner scheinen alle unterwegs zu sein.
Wir legen wieder ab und wie der Motor zu heulen beginnt kommt aus dem Schilf ein Junge auf einen Mokoro gepaddelt.
Mokoros sind traditionelle Boote die aus einem ganzen Stamm gefertigt werden.
Die Menschen stehen am hinteren Ende und paddeln mit langen Ästen. Es erinnert ein bisschen ans SUP. Sie befahren damit den kompletten Fluss und angeln. Es macht einen sehr idyllischen Eindruck.
Der Junge und unser Guide unterhalten sich kurz und dann geht es zurück in Richtung Lodge.
Bei einem eiskalten Glas Wein erzählt uns unser Guide von der Fischerei und ein bisschen von seinem Dorf.
Währenddessen bietet sich mal wieder ein Sonnenuntergang der Extraklasse.Läs mer
Etosha - Tag 1
7 april 2021, Namibia ⋅ ⛅ 28 °C
Die letzten beiden Tage waren recht unspektakulär. Wir lagen im Caprivi am Pool und haben die Seele baumeln lassen. Den folgenden Tag haben wir knappe 800 km raus aus dem Stechmückengebiet zurückgelegt.
Boxenstop haben wir im Pondoki Restcamp, ca 100 km vor dem Etosha Nationalpark eingelegt. Die Räumlichkeiten sind bisher die am wenigsten komfortablen aber es ist ja nur für eine Übernachtung. Punkten kann diese Unterkunft dafür umso mehr mit der abendlichen Speisekarte. Von fleischigen Appetizern über riesige T-Bone Steaks bis hin zu Surf&Turf wird hier alles angeboten, und das zu einem Spottpreis.
Mit Vorspeisen, Hauptgerichten und reichlich Bier lagen wir zu zweit bei gerade einmal 31,-€.
Um die Zeit im Etosha bestmöglich nutzen zu können geht es sofort nach dem Frühstück auf die Straße und in Richtung des Gates „Namutoni“ im Osten des Parks.
Wir haben uns heute vorgenommen die Region nördlich um Namutoni, entlang der „Fishers Pan“, einer kleineren Salzpfanne, zu erkunden. Diese liegt von unserer gebuchten Unterkunft „Halali“ im Zentrum des befahrbaren Bereichs, am weitesten entfernt.
Nach kurzem Check unserer Personalien und der Buchung dürfen wir in den Park und machen uns auch gleich auf die geplante Route. Entlang der Fishers Pan können wir zahlreiche Tierherden beobachten. Gnus und Zebras in Herden, wie man es sonst nur aus Filmen kennt.
Die Impalas quetschen sich natürlich wie immer mit ins Bild. Ein paar Straußen Familien lassen sich beobachten, sind aber eher scheu.
Auf halbem Weg zum Nördlichen Rand der Pfanne dann die erste Straßensperre. Zwei Zebras stehen in der üblichen Aufpass-Position mitten auf der Straße. Das uns zugewandte, ein fast ausgewachsenes männliches Exemplar, macht uns unmissverständlich klar, dass wir hier nichts zu suchen haben. Er scharrt mit den Hufen, fletscht die Lefzen (falls das bei Zebras so heißt) und kommt sogar ein paar Schritte auf unser Auto zu. Stur bleibt er auf der Straße stehen, dreht uns den Hintern zu und schaut uns nicht mehr an. Da der Weg breit genug ist versuchen wir an ihm vorbei zu fahren, da fängt das Spektakel wieder an: Hufe scharren, Zähne zeigen, umdrehen... immer wieder. Das zweite Zebra hat sich längst von der Straße begeben und beobachtet das Spektakel von einem Schattenplatz aus.
Nach gut 5 Minuten des Machtgehabes gibt er endlich nach, geht ein paar schritte zur Seite und lässt uns durch. Doch kaum ist der Außenspiegel auf seiner Höhe dreht er den Kopf und zeigt uns noch einmal seine gelben Beißer, um klarzustellen, dass er hier der Boss ist.
Es bietet sich weiter das gleiche Bild an riesigen Herden mit unzähligen Jungtieren.
Kleine Gnus staksten hinter den rennenden Elterntieren her; Zebras, die noch gesäugt werden und überall nach Zitzen suchen; sogar eine Herde Orix Antilopen lässt sich in aller Ruhe beobachten und ablichten. Auf der weiteren Fahrt ertappen wir noch ein schwarzes Rhino bei seinem Schlammbad und endlich das erste weiße Rhino in freier Wildbahn beim Grasen.
Leider können wir die Pfanne nicht umrunden, da die Straße teilweise unter Wasser steht. Daher müssen wir wenden und den Kontrollposten Zebra noch einmal passieren.
Da es schon relativ spät ist und unser Camp gut 70 km entfernt liegt begeben wir uns auf die „Hauptstraße“ des Parks. Trotzdem fahren wir noch einige Wasserlöcher, angelegte und natürliche, an. Leider mit wenig Erfolg. Aufgrund des ergiebigen Regens in den letzten Monaten haben die Tiere im Moment genügend Gelegenheiten zu trinken und müssen die Wasserlöcher nicht nutzen.
Doch am letzten Wasserloch vor Halali dann endlich ein kleiner Erfolg: Der lang ersehnte Elefant läuft uns vor die Motorhaube. Als er uns bemerkt verschwindet er jedoch in das umliegende Dickicht.
Beeindruckt von diesem gigantischen Dickhäuter fahren wir in unser Camp.
Same procedure as every day... einchecken, Lageplan studieren, Essenzeiten merken, Zimmer suchen. Doch schon hier wird klar, dass es das Halali aus meiner Erinnerung nicht mehr gibt.
Vor einigen Jahren war ich mit meinen Eltern hier und habe ein unglaubliches Camp in Erinnerung, gepflegt, sauber, lebendig, freundlich. Egal wen man fragt, jeder empfiehlt diese Adresse zum übernachten innerhalb des Parks. Vor allem da diese Unterkunft ein eigenes angelegtes Wasserloch hat, welches man rund um die Uhr von einem gesicherten Felsvorsprung aus beobachten kann. Ich erinnere mich noch, wie ich mir mit meiner Mutter die Nächte um die Ohren geschlagen und Tiere beobachtet habe. Dass wir jetzt vermutlich keine Tiere hier antreffen werden ist mir bewusst. Aber über den Zustand des Camps bin ich schockiert.
In den letzten Jahren sind die Preise um knapp 20% pro Jahr angehoben worden. Offensichtlich wurde hier aber nie investiert. Da es preislich keinen Unterschied gemacht hat haben wir uns eine Hochzeitsreise-Suite gebucht, prinzipiell entspricht diese den Chalets, die wir bisher hatten, außer dass sie einen eigenen Whirlpool mit sichtgeschütztem Garten hat. Das war wohl der Hauptgrund der Buchung.
Schon auf dem Weg zum Chalet stellen wir fest, dass nicht nur während dem Beherbergungsverbot in Coronazeiten nichts gemacht wurde. An sämtlichen Schildern sind die Schriftzüge abgeblättert, die Wege sind zugewuchert, die Holztüren der Chalets modern, teilweise fehlen die Ziegel auf den Dächern.
In unserem Chalet liegen viele sehr tote Fliegen und Falter in den Ecken. Ja, ich weiß, ich bin in Afrika. Aber wer die von NWR ausgerufenen Preise für diese Unterkunft anschaut versteht vielleicht, warum ich wenigstens erwarte, dass vor Belegung der Zimmer zumindest einmal durchgesaugt oder gekehrt wird. Die Decke auf dem Bett ist zerrissen, auf dem Kopfkissen ist noch Makeup zu finden und der versprochene Whirlpool ist stillgelegt.
Nach kräftigem Nörgeln an der Rezeption wird wenigstens der Pool betriebsbereit gemacht. Die Decke bleibt, das Kopfkissen auch, genau so wie die toten Fliegen, Falter und Spinnen. Das machen wir dann morgen - zack, Rezeption geschlossen. Wir sind eindeutig jetzt schon die unbeliebtesten Gäste ever.
Leider haben wir keinen Grill zur Verfügung und essen daher im Restaurant.
Auch hier macht sich schnell Ernüchterung breit. Kein bisschen mehr das, was es einmal war.
Die Bezüge der Stühle sind zerrissen und die Polsterungen angenagt. Von den Holztischen blättert der Lack ab. Die Speisekarte kann leider auch nicht mehr überzeugen. Es stehen ca. 10 Gerichte zur Auswahl, 2 davon gibt es eigentlich nicht mehr. 3 sind ausverkauft. Wir haben also die Wahl zwischen Rumpsteak, Burger, Caesar Salad und Spaghetti Bolognese. Die Entscheidung fällt auf Burger und Steak, was essbar aber auch nicht wirklich reichlich ist.
Nach dem Essen schnappen wir uns die Kamera und eine Flasche Wein und begeben uns an das hauseigene Wasserloch. Auch hier nagt der Zahn der Zeit. Teile des Holzzaunes, der uns unter anderem von den wilden Tieren abgrenzen soll, sind einem Buschbrand zum Opfer gefallen und seither nicht erneuert worden. Uns trennen also auf dem Weg zum Aussichtspunkt nur ein gerade mal 1 Meter hoher Maschendrahtzaun von der Wildnis.
Doch wenigstens am Wasserloch haben wir Glück - kaum sitzen wir und haben die Kamera aufgebaut kommt auch schon ein weißes Rhino ans Wasserloch spaziert. Es nagt gemütlich alle Büsche und Gräser um das Wasserloch an und ist die Ruhe selbst - bis wir Gesellschaft von anderen Touristen bekommen. Schon auf dem Weg zum Aussichtspunkt unterhalten sie sich Lautstark, was uns das ein oder andere Augenrollen entlockt. Mit grellen Taschenlampen funzeln sie die Steine entlang und kommentieren dabei ihren Weg bis sie endlich einen geeigneten Patz gefunden haben.
Dem weiße Rhino, fast blind aber dafür mit einem hervorragenden Gehör und Geruchssinn ausgestattet, ist dieses Getummel natürlich nicht entgangen. Unsicher dreht es sich in alle Richtungen und ist schon wieder auf dem Sprung, aber sein Durst scheint zu groß zu sein. Da wieder Ruhe eingekehrt ist begibt es sich wieder an den Wasserrand uns trinkt. Dann plötzlich ein heller Blitz hinter uns, der nicht einmal dem fast blinden Nashorn entgangen ist.
Die andere Gruppe hält es für eine Gute Idee mit Blitz zu fotografieren und erschreckt das Rhino damit mehr, als dass sie vernünftige Bilder bekommen würden. Und das wars dann auch schon - Das Rhino dreht sich um und marschiert schnurstracks in das umliegende Gebüsch.
Die Gruppe tut es dem Nashorn gleich und zieht ebenfalls relativ zügig wieder ab.
Nur wir sitzen noch da, ohne Nashorn, ohne andere Tiere... knapp eine Stunde später folgt noch eine einzelne Hyäne. Dann brechen auch wir wieder auf.
Morgen Früh geht es zu einem Morning Drive, Abfahrt 6:00 Uhr. Die Nacht wird also kurz.Läs mer
Etosha Tag 2
8 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 28 °C
Der Wecker klingelt um 5:20 Uhr.
Viel zu früh für Urlaub, aber wir haben uns für eine Safari zum Sonnenaufgang angemeldet.
Raffa hofft auf Löwen, Leoparden, Geparden... irgendwas das jagt. Und am Besten noch den Riss dazu. In den frühen Morgenstunden nicht unwahrscheinlich. Da wir aber am Tag zuvor kaum Gazellen oder ähnliche Beute entdecken konnten holt uns unser Fahrer auf den Boden der Tatsachen zurück.
„Die Gazellen befinden sich zu dieser Jahreszeit im Nordosten des Parks, und die Katzen folgen ihrer Nahrung nunmal“...
Mit warmen Decken und einem Rotlicht-Strahler geht es los, auf dem Safari-Fahrzeug der Lodge. Der kalte wind braust uns ins Gesicht und schon nach wenigen Minuten die erste Sichtung. Eine Herde Impalas, die wenig erfreut über unsere frühe Störung die Flucht ins Buschland ergreift. Kurz darauf ein Schakal und ein paar weitere Impalas, die noch schlaftrunken das rote Licht anstarren und sich kein bisschen rühren.
In der Morgendämmerung entdecken wir noch ein Nashorn bevor erstmal nichts mehr zu sehen ist. Unser Guide fährt hoffnungsvoll alle ihm bekannten Wasserstellen an, bleibt aber erfolglos. Und so erzählt er uns alles Mögliche über das brutverhalten des Vogel Strauß, die lokale Flora und welche Raupen und Käfer von den früheren Bewohnern des Gebiets bevorzugt verspeist wurden.
Auf unserem Rückweg zur Lodge laufen uns noch zwei weitere Nashörner über den Weg bevor wir gerade noch rechtzeitig zum Frühstück kommen.
Unser Guide hat uns noch empfohlen in Richtung Osten (Namutoni) zu fahren. Da wir aber am Vortag von dort gekommen sind brechen wir nach zwei Tassen Kaffee und einem Omelett in Richtung Westen auf.
Es folgen erfolglose Pirschfahrten auf holprigen Schotterpisten, über Schlaglöcher so groß, dass ein Smart darin verschwindet und durch „Pfützen“ in denen ein Elefant baden könnte.
Kilometer um Kilometer schmilzt unter unseren Reifen dahin ohne auch nur eine einzige Entdeckung.
Am späten Nachmittag wenden wir gefrustet am letzten Wasserloch nördlich von Okaukuejo und treten die Heimreise an.
In Gedanken versunken sausen wir die Straße runter als es plötzlich „STOP“ vom Beifahrersitz krakelt. Ich lege eine Vollbremsung hin und hoffe nichts überfahren zu haben. Aufgeregt wie ein kleines Kind am Weihnachtsmorgen fuchtelt Raffa mit den Armen in der Gegend herum, „Stop! Löwe! Löwe! Daaaaa!!!“
Rückwärtsgang... Ausschau halten und tatsächlich direkt neben dem Auto am Straßenrand. Unter dem einzigen Baum im Umkreis von 20 Kilometern liegen zwei Löwinnen.
Die eine hatte den Kopf angehoben, nur so waren die Beiden im hohen Gras zu erkennen.
Die eine Löwin liegt und abgewandt, die andere schaut uns direkt in die Augen. Mit dicken Bäuchen räkeln sie sich im Schatten und reiben ihre Köpfe aneinander. Wir vermuten, dass sie sich nach einem erfolgreichen Festmahl jetzt ausruhen und können in aller Ruhe Bilder schießen.
Ein Safari-Fahrzeug, wie wir es am Morgen hatten, nährt sich von der angrenzenden Lodge und platziert sich uns gegenüber. Die beiden Gäste sind sichtlich aus dem Häuschen und können Ihr Glück ebensowenig fassen wie wir.
Doch der Löwin, die uns während ihrer gesamten Schmusedarbietung nicht aus den Augen gelassen hat, wird es wohl zu bunt. Sie steht auf und kommt ein paar Schritte auf uns zu. Da das Safari Fahrzeug ihr, so scheint es, zu groß ist knöpft sie sich unseren Mini-SUV vor.
Sie stellt sich vor die Motorhaube, begutachtet die Blechkiste und kommt bis zur Fahrertür. Noch nie war ich so heilfroh über ein Stück Karosserie zwischen mir und der Außenwelt.
Die schaut uns an und wartet. Wir sitzen da wie versteinert.
Dann dreht sie sich um, läuft wieder zwischen die beiden Fahrzeuge und präsentiert uns ihre scharfen Fangzähne. Danach schlendert sie zurück zur anderen Löwin in den Schatten und lässt sich wieder zu ihr ins Gras plumpsen.
Das Safar-Fahrzeug dreht ab, wir knipsen noch ein paar Bilder und müssen dann auch weiter. Es ist schon spät geworden und wir müssen vor Schließung der Tore wieder in der Lodge sein.
Zurück in unserem Chalet fallen wir ohne Abendessen ins Bett und schlafen bis zum nächsten Morgen durch.
PS: Ich hatte das große Objektiv drauf und die Löwin war zu nah. Daher war der Fokus etwas zu langsam :(Läs mer
Etosha Tag 3
9 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 27 °C
Ausgeschlafen und Munter machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zurück in Richtung Osten.
Da wir am ersten Tag nur die Fishers Pan erkundet haben wollen wir heute noch diverse andere Straßen im Nordosten des Parks abfahren. Zuvor haben wir hier schon viele Tiere gesehen und hoffen jetzt natürlich, an den Erfolg von unser gestrigen Löwensichtung anzuknöpfen.
Wir lassen den Tag Revue passieren und beschließen, auf direktem Weg nach Namutoni zu fahren und die dazwischenliegenden Seitenwege auf dem Rückweg abzuarbeiten als wir mit lockeren 90 km/h von einem Touri-Bus überholte werden. Maximale Geschwindigkeit im Park sind 60 km/h und das wird auch regelmäßig von Rangern geprüft, die hier unterwegs sind. Ich ärgere mich noch über die waghalsige Fahrweise als uns auffällt, dass der Bus zu einer Ansammlung weiterer Autos fährt. Da muss was sein.
Die Oberste Regel: Wo viele Autos sind, da gibt‘s was zu sehen - Also nichts wie hinterher!
Wir reihen uns in die Schlange an wartenden Autos ein, Der Weg ist gerade einmal so breit, dass ein Auto an einem Tier vorbei passt. Entsprechend interessant wird es, als uns auch noch der erste Geländewagen entgegen kommt. Ich weiche aus, der Geländewagen ebenfalls. Er hält aber auf unserer Höhe und lässt das Fenster runter. Ein offensichtlich ortskundiger Einheimischer erklärt uns, dass ein Löwenrudel in der Nacht gejagt hat und sich am frühen Morgen zum naheliegenden Wasserloch begeben hat. Dort liegen die Löwinnen unter einem Strauch, der ca. 100 Meter von der Straße entfernt ist. Der Löwe liegt direkt unter einem Baum am Straßenrand und döst.
Unfassbar, was wir für ein Glück haben.
Noch sind wir nicht auf Höhe des Löwen aber wir nähren uns. Als schließlich einige Autos und der Bus gewendet haben können auch wir uns dem Prachtexemplar nähren.
Desinteressiert liegt er da, der König des Tierreichs, und hebt seine Nase in den Wind. Er schaut uns müde an, gähnt, dann dreht er den Kopf wieder auf die Seite und döst weiter.
Wir können ausgiebig Bilder aus allen wünschenswerten Winkeln schießen. Der Löwe scheint die Aufmerksamkeit der Autos und ihrer Insassen regelrecht zu genießen und dreht und wendet sich im Liegen und bietet uns eine Pose nach der Anderen, bis wir schließlich weiter fahren um die Löwinnen zu bestaunen.
Sie liegen unter einem schattigen Busch nahe eines Wasserlochs und dösen ebenfalls.
Erst später fällt uns auf, dass eine verängstigte Zebraherde versucht, sich dem Wasserloch zu nähren. Aufgeregt tribbeln sie hin und her und starren die Löwinnen an. Ein mutiges Zebra geht voraus und nährt sich einige Meter dem Dümpel an, um die Laune der schläfrigen Katzen auszukundschaften. Doch diese verteidigen ihr Wasser. Eine Löwin richtet sich auf, faucht und das Zebra trabt zurück in seine Herde. Verrichteter Dinge legt sie sich zurück in den Schatten.
Auch wir haben genügend Bildmaterial gesammelt und treten die weitere Reise an.
Wir finden im Laufe des Tages noch einige Herden unterschiedlichster Tiere und sogar drei Elefanten. Einen erwischen wir gerade rechtzeitig zu seinem Schlammbad.
Da sich der Tag schon wieder dem Ende zuneigt begeben wir uns auf die Rückfahrt.
Noch ein typisches Touristen-Bild vom Etosha Aussichtspunkt, bei dem man mehrere hundert Meter in die Salzpfanne fahren kann und dann geht es auch schon wieder zum Gate.
Wir lassen den Tag mit einer Flasche Rotwein am hauseigenen Wasserloch ausklingen. Passend zum Sonnenuntergang kommt eine Herde Impalas an die Tränke und verschönert unsere Aussicht.
Ein erfolgreicher Tag neigt sich dem Ende zuLäs mer
Etosha Tag 4 - Abreise
10 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 28 °C
Nach den beiden erfolgreichen Tagen packen wir überglücklich unsere Koffer und verlassen unsere heruntergekommene Bleibe.
Die zerrissene Decke wurde übrigens noch gewechselt, die gedörrten Insekten und die schmutzigen Kopfkissen blieben.
Zum Abschluss wollen wir noch einmal von Okaukuejo nach Norden Fahren.
Doch hier bleibt der erhoffte Erfolg aus. Gerade einmal ein paar Impalas kreuzen unseren Weg bevor wir den Nationalpark verlassen.Läs mer
Kleine Oase
11 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 25 °C
Unser heutiger Weg führt uns nach Otjiwarongo, nördlich von Windhoek. Die Nacht haben wir nur als Zwischenstopp geplant von Etosha nach Swakopmund geplant.
Kaum an der Unterkunft angekommenes stehen wir vor einem stattlichen Anwesen mit gusseisernem Gartenzaun. Dahinter bellen lauthals zwei Hunde. Als sie aber aus dem Garten in Richtung des Eingangstors gerannt kommen wird klar, dass sie nur ein mächtiges Organ besitzen. Zwei kleine, flauschige und wohl genährte Schoßhunde begrüßen uns mit wedelnden Schwänzchen, bis ihr Herrchen ebenfalls aus dem Haus kommt.
Wir seien die einzigen Gäste in der Nacht und daher hat er uns auf das Hotel seiner Frau umgebucht. Das ist etwas komfortabler und nur eine Straße weiter.
„Etwas komfortabler“ scheint jedoch die Untertreibung des Jahres zu sein. Wir checken in einem sehr noblen und modernen Hotel direkt im Zentrum ein. Hinter den hohen Betonmauern, die das gigantische Grundstück umgeben, liegt eine grüne Oase inmitten der ansonsten so dreisten Landschaft. Springbrunnen, frisch sanierte klimatisierte Zimmer und eine penibelste gepflegte Gartenanlage warten auf uns. Es ist kaum zu übersehen, dass wir auf so eine Unterkunft nicht vorbereitet sind.
Kaum auf dem Zimmer gilt es erst einmal, den Etosha Staub abzuduschen und die Klimaanlage zu genießen. Doch dafür bleibt nicht lange Zeit, denn kurz darauf klopft eine Dame an unsere Zimmertüre und erkundigt sich, ob wir unserem Welcome Kaffee im Garten oder auf der Terrasse am Restaurant zu uns nehmen möchten... Wo sind wir denn hier gelandet? Wir entscheiden uns für die Terrasse, werfen uns in die besten Kleider, die wir dabei haben und machen uns auf den Weg.
Im Restaurant findet gerade eine Brautparty statt und wieder kommt man sich hoffnungslos underdressed vor im Vergleich zur künftigen Braut und ihren Anhängerinnen, die alle samt in farbenfrohen Abendkleidern Sekt schlürfen und Lobeshümnen auf das Brautpaar vortragen.
Wir nehmen im Freien Platz. Unter einem riesigem Baum, der den halben Hof in Schatten legt und damit für eine angenehme Kühle sorgt, stehen mehrere Sitzgruppen. Kaffee und Kuchen sind schon angerichtet und warten nur noch darauf, von uns ausgehungerten Etosha-Rückkehrern vernichtet zu werden.
Eine deutschsprachige Dame gesellt sich zu uns und ist sichtlich erfreut darüber, sich austauschen zu können. Ihr gehört das Hotel, ebenso wie ein weiteres Boutique Hotel ein paar Straßen weiter und das Camp, dessen Verwaltung allerdings ihr Gatte macht. Ihre Eltern sind nach Namibia ausgewandert als sie noch ein kleines Kind war. Zunächst haben sie Stoffe importiert, später dann die Grundstücke gekauft und die Hotels gebaut. Ihren Sohn würde es allerdings wieder nach Europa ziehen, erzählt sie uns. Wir sitzen bis zum Einbruch der Nacht mit Ihr zusammen und unterhalten uns. Sie erzählt vom Leben in Namibia und den Herausforderungen. Auch, dass für dieses Jahr wieder alle Reisegesellschaften abgesagt haben und Sie nur noch die Buchungen der individuell Reisenden, wie uns, hätten.
Sie Zeigt uns außerdem eine Erweiterung des Hotels. Mehrere große Konferenzräume sind hier gerade im entstehen. Die Regierung würde sich hier mittlerweile regelmäßig für Tagungen einmieten, da in Windhoek direkt die Abgeordneten lieber die Stadt erkunden als Politik zu betreiben. Das will Sie als neues Standbein
Wieder einmal sehen wir ganz deutlich, wie stark Namibia vom Tourismus abhängt. Es tun sich in dieser Situation aber zwei Lager hervor.
Die, die wie NWR alles schließen, ihr Personal vor die Türe setzen und abwarten. Und die, wie Elke, die die Zeit nutzen - Ihre Unterkünfte sanieren, investieren, ihre Angestellten halten oder sich alternative Standbeine aufbauen.
Beim heutigen Abendessen entscheiden wir uns für etwas traditionell Südafrikanisches als Vorspeise: Boboti
In einer Schale aus Blätterteig wird gebratenes Hackfleisch mit Rosinen und einer deftig-würzigen Soße serviert. Oben drauf kommen Bananen, Kokosraspel und ein leicht süßlicher Dip. Dazu gibt es Reis, gegrilltes Gemüse und eine gute Flasche Rotwein.
Gefolgt von T-Bone und Rumpsteak stellen wir fest, dass es wohl billiger ist nach Namibia zu fliegen und dort zu Abend zu essen als etwas vergleichbares in Deutschland zu bezahlen.Läs mer
Swakopmund
11 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 32 °C
Die Fahrt nach Swakopmund führt uns durch die Region Erongo, in der noch einiges an Landwirtschaft betrieben wird. Das gewohnte Bild von irrwitzig großen Farmen, ähnlich wie am Waterberg, bietet sich erneut. Nach einer Weile geht das Farmland in eine Gesteinswüste über und wieder kurz darauf dann die nördlichen Ausläufer der Namib.
Stundenlang fahren wir durch Sand, Dünen und verdorrte Büsche.
Das Thermometer steigt immer weiter. Bei einem Stop am Brandberg haben wir bereits 39°C erreicht. Es weht ein starker Wind, den wir auch schon im Etosha hatten. Das „Ostwetter“, wie es hier genannt wird, läutet den afrikanischen Winter ein. Je stärker der Ostwind, desto besser die darauf folgende Regensaison, wird uns in Swakopmund später erklärt.
Wir fahren weiter auf der Sandpiste nach Westen, keiner der uns überholt, keiner der uns entgegen kommt. Alle 30 bis 40 Minuten Fahrt treffen wir auf Straßenarbeiter, die mit großen Maschinen das Geröll von der Piste räumen und sie neu einebnen. Wir sind wohl die einzig Verrückten, die bei mittlerweile 42°C hier durch kommen, darum wird uns von jedem einzelnen freundlich zugewunken.
Endlich an der Küste Angekommen stellen wir fest, dass die Temperaturanzeige wohl einen Sprung haben muss - 42°C in der Wüste sind noch glaubhaft, aber doch nicht am Meer.
Wir biegen zunächst Richtung Norden ab, nach Cape Cross. Dort wollen wir die Seehund Kolonie bestaunen. Abgesehen vom schlimmsten Gestank der Welt bietet sich her zudem ein wundervoller Ausblick auf die Atlantikküste.
Auch die Seehunde haben um den Jahreswechsel junge bekommen und so können wir nicht nur die badenden erwachsenen Exemplare begutachten sondern auch die kleine, die sich fröhlich über die Sandbänke jagen und, so scheint es, erste Rangeleien austragen.
Die restliche Fahrt nach Swakopmund geht dann sehr schnell. Wir haben eine Unterkunft direkt im Zentrum gebucht, um alles zu Fuß erkunden zu können. Auch hier sind wir wieder die einzigen Gäste. Unser Gastwirt Dawid empfiehlt uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten bevor wir zum Abendessen aufbrechen.
Es ist Sonntag und die meisten Restaurants sind geschlossen. Daher sind wir über unsere Reservierung im „The Weck“ sehr froh. The Wreck liegt in einer gehobeneren Gegend im Norden von Swakopmund und soll den schönsten Ausblick auf den Sonnenuntergang an der Atlantikküste haben. Umso enttäuschter sind wir, al wir vor verschlossenen Türen stehen.
Eine Dame an der Rezeption des dazugehörigen Hotels erklärt uns, dass da wohl ein Fehler unterlaufen sei, aber sie (wie fast alle) Sonntags geschlossen haben.
Also fahren wir zurück in unsere Unterkunft, stellen das Auto ab und begeben uns zu Fuß auf die Suche nach etwas essbarem. Nach einer guten Stunde herumirren in den mittlerweile dunklen Straßen von Swakopmund begeben wir uns in das erstbeste Restaurant, in dem Licht brennt.
In unserem Dusel ist der Gastwirt ein deutscher Auswanderer, der uns eine hervorragende Wildplatte serviert und uns illegalerweiße sogar ein Bier ausschenkt. Im Kampf gegen Corona wurde ein Ausschankverbot an Sonn- & Feiertagen erlassen, daher wird unser Krug Bier von zwei leeren Flaschen Alkoholfreiem Windhoek Lagerbier begleitet - nur falls kontrolliert wird, schmunzelt er und zapft sich selbst auch eins.Läs mer
Swakopmund Tag 2
12 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 34 °C
Am nächsten Morgen wachen wir früh auf.
Das Ostwetter trägt die heiße Luft aus der Wüste in die Küstenregionen und darum ist es auch in der Nacht nicht abgekühlt. Als wir uns zum Frühstück in das Kaffee „Cordes & Co.“ auf der anderen Straßenseite begeben hat es schon wieder 37°C.
„Best Coffee in Town“ steht in großen leuchtend bunten Buchstaben am Eingang, und ich kann nicht widersprechen. Afrikanischer Kaffee ähnelt eher einem seeeeehr leicht koffeinhaltigen dunklen Tee und leidenschaftlicher Kaffeetrinker muss ich geschätzt 2 Liter davon trinken um auch nur annähernd an den Koffeingehalt einer Tasse von zuhause zu kommen.
Daher lehne ich mich aus dem Fenster und sage, dass hier der beste Kaffee Namibias ausgeschenkt wird.
Endlich wieder wach und motiviert stiefeln wir bei mittlerweile 40°C los und erkunden die Stadt. Aufgrund von Sparaßnahmen hat das Museum geschlossen, das wir uns eigentlich zur Geschichte von Swakopmund anschauen wollten. Mit einem weiteren Eiskaffee schlendern wir dann die Strandpromenade entlang, feilschen um geschnitzte Figuren auf dem Afrikanischen Markt und bummeln super entspannt durch ein klimatisiertes Einkaufszentrum.
Abgesehen vom Hände desinfizieren und Maske tragen ist hier nichts von Corona zu merken. Klar, die üblicherweise in Massen vorhandenen Reisenden fehlen im Stadtbild, aber daran könnte ich mich gewöhnen.
Nachdem die Temperaturen unerbittlich auf fast 45°C steigen beschließe wir der Empfehlung von Dawid zu folgen und im „Butcher&Brewer“ ein kaltes Bier zu trinken. Das Lokal liegt auf dem ehemaligen Anlegesteg des Hafens und bietet einen unvergleichlichen Blick auf die Strandpromenade. Auch hier scheint das Leben in normalen Bahnen zu verlaufen. Grüppchen jeden Alters treffen sich in diese Einrichtung, trinken etwas zusammen, naschen ein paar „Bierhappen“ (Anscheinend ein alternativer Begriff für Fingerfood wie wir beim studieren der Karte feststellen) und genießen das Leben.
Zurück in der Unterkunft erzählt uns Dawid von seinen Camping-Ausflügen und Erlebnissen mit Wilden Tieren. Wenn wir das nächste Mal kommen nimmt er uns mit, meint er. Für den Abend hat er uns bei einem Freund einen Tisch reserviert. Dort gibt es angeblich die besten Meeresfrüchte in der ganzen Stadt. Ich glaube er muss das sagen, weil es ja ein Freund ist, aber wir sind gespannt.
Uns begrüßt mal wieder ein deutscher Wirt. Die Aufteilung in Swakopmund wird klar: Unterkünfte haben die Niederländischen Auswanderer, Gastronomie die deutschen. Zu unserem Erstaunen sind hier auch die Bedienungen alle samt und Deutschland, Work&Travl.
Dawid behält Recht, es ist wirklich der beste Fisch und die besten Meeresfrüchte die ich in meinem gesamten Leben gegessen habe.
Als Absacker machen wir nochmal einen Halt im Butcher&Brewer, trinken ein eiskaltes Märzen und fangen an Pläne zu schmieden, wie wir hier wohl Fuß fassen könnten.
Raffa ist shockverliebt, und ich habe mich auch wieder in das Städtchen verguckt. Wir kommen auf jeden Fall wiederLäs mer
Big Daddy Düne
14 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 31 °C
Gestern sind wir von Swakopmund bis ca. 30 km südlich von Sesriem gefahren. Unsre Unterkunft ist die Gondwana Namib Dessert Lodge mitten im Nirgendwo. Gondwana hat sich auf Nachhaltigen Tourismus und die Wiederansiedelung heimischer Tierarten spezialisiert.
Wir schlafen in einem befestigten Zelt mit atemberaubendem Ausblick auf die hiesige Landschaft. Das Abendessen hat uns nicht überzeugt, darum wollen wi heute grillen, denn Feuerstelle, Geschirr, Kochplatten und alles was dazu gehört gibt es zu den Zelten mit dazu.
Aber jetzt brechen wir erst einmal auf, um 6:00 Uhr in der Früh, um bei möglichst niederen Temperaturen die Big Daddy Düne und Deadvlie zu erkunden.
Der Sonnenaufgang auf dem Weg ist atemberaubend und schon auf der einstündigen Fahrt bis zum Nationalpark verknipsen wir etliche Bilder.
Am Park angekommen folgt das mittlerweile bekannte Prozedere: Auto registrieren, Personalien angeben, bezahlen... dann geht es endlich weiter in Richtung der Attraktion. Doch fünf Kilometer vorher hört die Straße auf. Eine Sandpiste wie im Bufflo Core breitet sich vor uns aus. Es ist gerade einmal halb neun und es hat schon 32°C.
Fünf Kilometer sind nicht viel, das laufen wir. Also packen ihr Wasser, Sonnencreme, unsere Hüte und das feste Schuhwerk zusammen und stapfen los.
Lächelnd begrüßt uns ein Ranger des NWR bevor wir auch nur einen Fuß auf den Sand bekommen. Er plaudert, gibt uns Tipps wie man das Ziel am Besten erreicht und bietet uns dann freundlich an, uns die restliche Strecke mitzunehmen. „Kostet nur 180 Namibiadollar“ - Puh, das sind knapp 11€ pro Person. Da wir aufs Laufen eingestellt waren bleiben wir dabei und lehnen dankend ab, sind ja beide sonst auch nicht komplett unsportlich und werden das schon schaffen. Am „Straßenrand“ ist der Sand dank der Regenfälle der letzten Monate relativ hart und wir kommen gut voran. Wir werden von anderen Allradfahrern überholt, die sich regelrecht durch den Sand wühlen und fast nicht mehr weiterkommen. Nach 10 Minuten haben wir schon den ersten Kilometer geschafft, als es plötzlich von hinten kichert und hupt. Der Ranger, der uns gerade noch die Fahrt verkaufen wollte, hat mittlerweile fünf Damen auf seinem Gefährt verladen und braust an uns vorbei. Er hält wenige Meter vor uns im Schatten, steigt aus und bietet uns seine Dienste umsonst an. Er wisse selbst, dass die Preise zu hoch seien, schmunzelt er. Dankbar kräuseln wir auf den Aufbau seines Geländewagens und genießen den Fahrtwind. Hinten angekommen bekommt er natürlich ein gutes Trinkgeld von uns und wir können frisch und voller Energie in Richtung Deadvlie losmarschieren.
Nach nur wenigen Minuten bietet sich uns der bekannte Ausblick über die Baumstummel.
Sehr beeindruckend, aber auch schon wieder ziemlich heiß für diese Tageszeit. Wir suchen den restlichen Schatten der Big Daddy Düne und genießen den Ausblick. Natürlich wird auch etwas Sand abgefüllt. Hoffentlich haben wir mit den ganzen Einkäufen kein Übergepäck.
Bis wir zurück am Fuß der Big Daddy Düne sind hat es wieder 39°C und ein starker Wind ist aufgezogen. Daher geben wir den Aufstieg nach kurzer Zeit auf und treten den Rückweg an - da gerade kein NWR Auto in Sicht ist wieder zu Fuß. Dieses Mal kommen wir weiter, aber nach halber Strecke sammelt uns der Ranger wieder auf und bringt uns zurück zum Parkplatz, zusammen mit den Ladies von der Hinfahrt.
Darwins nimmt weiter zu und uns peitscht der Dans nur so ins Gesicht. Wie wir ins Auto steigen erkennen wir eine gigantische Sandwolke, die auf uns zurollt. Glücklich, gerade noch im Auto angekommen zu sein, bricht ein Sandsturm los. Wir können kaum die Anderen Autos auf dem Parkplatz mehr erkennen, als wir los fahren. Trotzdem werden wir immer wieder in waghalsigen Manövern von Campern überholt. Später treffen wir einen sogar wieder, der wohl einen Wildunfall hat. Hilfe will er jedoch nicht annehmen, daher ziehen wir weiter.
Den Nachmittag lassen wir entspannt am Hotelpool bei Margaritas und Bier ausklingen. Zu Essen konnten wir nicht viele Inkaufnahmen, aufgrund des ausbleibenden Tourismus haben die Läden kein Fleisch oder allgemein verderbliche Waren vorhanden. Es gibt also Nudeln mit Bohnen und Tomatensauce aus der Dose. Dazu Biltong, das wir noch von gestern haben.
Zusammen mit dem Ausblick aus unserem Zelt ist das Essen deutlich besser als das im Restaurant :)Läs mer
Unser erstes Braai
15 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 28 °C
Nach unserem gestrigen Wüsten Erlebnis sind wir kaputt und fallen früh ins Bett. Ebenso früh sind wir dafür wieder wach und genießen den Sonnenaufgang bei einem Kaffee und Keksen.
Unsere heutige Fahrt führt uns nur zu einem Zwischenstopp auf dem Weg nach Lüderitz, zurück ans Meer, wo die Hitze der letzten Tage hoffentlich etwas nachlässt.
Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg, den wir vom Vortag schon teilweise kennen. Daher schenken wir der Landschaft heute weniger Beachtung. Mit entspannten 60 km/h düsen wir die holprige Straße entlang, über kleine Hügel und ausgetrocknete Bachbetten. Manche Stellen sind noch nicht wieder planiert und an den Stellen, an denen noch or wenigen Wochen Bäche entlang liefen, kreuzen nun kleine Geröll-Lawinen den Weg. Dann plötzlich ein dumpfer Schlag - nichts neues, die kleinen Steine die gegen den Unterboden oder in die Radkästen fliegen kennen wir ja schon - aber jetzt auch noch ein Schleifen dazu. Wir vermuten erst einen Ast, der sich verklemmt hat, doch das Geräusch ist nach einigen 100 Metern immer noch da. Also halten wir an und inspizieren das Auto... nichts auffälliges.
Erst beim Blick untern drunter entdecken wir, dass der Unterbodenschutz wohl nicht mehr mitmacht. Leicht demoliert hängt er auf der Beifahrersitze ab und schleift hinterher.
Wir haben Ersatzrad, Wagenheber und ein paar Werkzeuge im Kofferraum. Also alles Gepäck raus auf die staubige Straße und das Auto aufbocken. Um nicht komplett im Dreck zu liegen kramen wir unsere Handtücher aus den Koffern und wagen einen nähren Blick auf das Elend.
Es scheint, als ob wir nicht die Ersten wären, die damit Probleme haben. Der Unterboden ist nicht mehr in der originalen Halterung, stattdessen sind drei Ecken mit dübeln und absolut ungeeigneten Schrauben an der Karosserie befestigt. Zwei von den Schrauben haben wir wohl verloren, oder zumindest die eine Entscheidende, die das Ganze fixiert hat. Ich laufe die komplette Strecke bis zum Steinschlag zurück und halte danach Ausschau, bleibe aber Erfolglos.
Raffel liegt währenddessen unterm Auto und versucht mit einem Schraubenschlüssel und dem Drehkreuz das Stück Blech wieder halbwegs in Form zu biegen. Als ich zurück am Auto bin hat er es sogar geschafft den Unterbodenschutz wieder so hinzuklemmen, dass er nicht mehr wackelt oder absteht.
Ich hab eindeutig die Nase voll und beschließe, die Karre in diesem Urlaub nicht noch einmal zu bewegen. Raffa hat jetzt also die Ehre den Chauffeur zu spielen.
Die Landschaft ändert sich wieder von Wüste zu Farmland und mitten im Nirgendwo, wo drei Straßen aufeinandertreffen, checken wir bei einer Farm ein die vor grünen Anlagen nur so strotzt. Neben der Viehzucht werden hier allerlei Obst und Gemüse selbst angebaut, der Strom wird mit Solarzellen und Windrädern selbst erzeugt und warmes Wasser gibt es nur auf Anfrage durch einen mit Holz befeuerten Ofen an jeder Hütte.
Außerdem gibt es Steaks und Würste vom selbst erlegten Wild, das hier auch gezüchtet wird. Daher entschließen wir uns an diesem Abend selbst Braai zu machen. Die Küche bereitet uns noch frischen Kartoffelsalat vor, der schmeckt wie von Oma und stellt und kalte Getränke und Feuerholz zur Verfügung. Wir sind sehr froh, endlich mal selbst grillen zu können und genießen den Sonnenuntergang bei exzellenten Oryx Steaks und Bratwürstchen.Läs mer
Lüderitz
16 april 2021, Namibia ⋅ ☁️ 27 °C
Wir stehen erst relativ spät auf und genießen ein tolles Frühstück.
Die Strecke heute ist nicht all zu lange daher lassen wir uns auch beim Packen Zeit.
Raffel will „eine der schönsten Straßen Namibias“ fahren, die wohl in vielen Reiseführern und Ratgebern für ihre tolle Landschaft gelobt wird. Also tingeln wir gemächlich die kleine D-Straße entlang. Noch geht sie gut zu befahren doch mit der Zeit wird sie immer sandiger und die Erinnerung an die letzte Sandpiste wird wieder sehr präsent.
In der vergangenen Nacht hat es immer wieder leicht geregnet, die Wochen zuvor waren in dieser Region jedoch auch schon ergiebige Regenfälle. Daher sind auch auf dieser Straße einige Stellen ausgespült und wir kommen nur langsam voran. Hinzu kommt, dass der noch feuchte Sand gerne Nachgibt und unser kleiner SUV an manchen Stellen schwer schnaubt um weiter zu rollen. Hin und weder kommen jedoch Abschnitte mit Schotter oder teilweise schon planierte Sandstrecken, die das ganze erträglicher machen. Kaum dass mal mehr als einen Kilometer kein Sand auf der Straße liegt verfällt Raffa in seinen Bleifuß, was es ihm schwerer macht den großen Steinen, die teilweise noch auf der Fahrbahn liegen, zu umfahren. Wir diskutieren, er fährt langsamer, doch keine fünf Minuten später ist er wieder schnell unterwegs. Bis es wieder einen Schlag lässt, wieder das schleifende Geräusch.... wieder der Unterboden.
Gleiches Spiel wie am Vortag - ich lade Aus, Raffa krabbelt unters Auto. Ich spiele erects mit dem Gedanken die letzte Schrabe auch noch los zu machen und das Blech einfach abzuschaffen, aber das starke Geschlecht hat es bereits wieder festgeklemmt. Also geht`s weiter. Gut drei Stunden benötigen wir noch für die angeblich so spektakuläre Straße. Als wir am Ende wieder auf eine normale Schotterpiste biegen sind wir uns einig, dass es weder die Zeit noch die Nerven Wert war.
Der restliche Weg nach Lüderitz verläuft durchs Sperrgebiet. Einzige Möglichkeit von dieser Straße abzuweichen sind zwei Aussichtspunkte, an denen man Wildpferde beobachten kann. Am Ersten finden wir tatsächlich auch zwei der seltenen Exemplare, die jedoch unbeeindruckt ihrer Wege gehen. Dann düsen auch wir auf er mittlerweile wieder asphaltierten Straße bis ans Meer.
Von Abkühlung ist jedoch entgegen aller Hoffnungen, nur wenig zu spüren. Das Thermometer ist zwar auf unter 40°C gefallen, aber wirklich angenehmer ist es nicht. Hinzu kommt, dass unser gebuchtes B&B keine Klimaanlage, sondern nur eine Heizung hat. Doch der Ausblick macht das locker wieder gut.
Wir kommen für zwei Nächte in Kairo`s Cottage auf Shark Island unter. An der bersten Spitze dieser Landzunge, knapp unterhalb des alten Leuchtturmes, begrüßt uns ein herzliches Ehepaar, das uns auch gleich mit Rat und Tat zur Seite steht. Sie haben Empfehlungen für Ausflüge, Restaurants und allerlei Bespassung auf Lager, die wir natürlich dankend annehmen.
Lüderitz ist sehr überschaubar, daher halten sich die Aktivitäten in Grenzen. Wir gehen am Abend zum Portuguese Fisherman essen, das angeblich beste Lokal für Fisch in der Gegend. Und wir werden wieder nicht enttäuscht. Ein vorzüglicher Eintopf aus allerlei Meeresgetier, begleitet von einer guten Flasche Wein, beendet unseren Abend,Läs mer
Kolmanskop
17 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 34 °C
Heute wollen wir nach Kolmanskop, eine Geisterstadt in der vor gut 100 Jahren Diamanten gefunden wurden. In den darauf folgenden Jahren wuchs inmitten der Dünen eine Ortschaft von 300 deutschen Siedlern und mehreren Hundert angestellten Diamantensammlern heran.
Als im Süden, an der Grenze zu Südafrika, allerdings noch viel größere Diamanten gefunden wurden wurde die Stadt aufgegeben und den Naturgewalten überlassen.
Wir nehmen an der frühen Führung teil, die lediglich durch die Stadthalle führt. Von hier aus werden die verschiedenen Häuser, die Aufteilung der Stadt und die Geschichte erklärt. Dann dürfen wir selbst die alten Häuser erkunden, die langsam von den Dünen verschlungen werden.
Wir laufen komplett durch das ehemalige Krankenhaus, entdecken mocha let Apparaturen, in manchen Räumen hängen noch die Lampen and en Decken, die alten Holzdielen knautschen beim betreten jedes Raumes. Bei der Führung waren nur knapp 10 Personen, uns inbegriffen, und jetzt haben sich alle verteilt. Wir sind also allein in all den Gebäuden der Geisterstadt und haben alle Zeit der Welt dieses befremdliche Gefühl zu genießen.
Es ist ein magischer Ort und man kann es nich in Worte fassen. Diesen Ort muss man selbst gesehen, gespürt und erlebt haben.
Entgegen unserer Erwartungen verbringen wir die maximal mögliche Zeit in den Häusern und im Museum. Da es nach wie vor im Sperrgebiet liegt, und hier noch aktiv Diamanten gewonnen werden, müssen wir um um 13 Uhr gehen obwohl wir uns noch problemlos bis zum Abend hätten beschäftigen können.
Den Nachmittag verbringen wir damit die Gegend um Lüderitz zu erkunden. Wir fahren durch Schwemmgebiete zum Diaz Point. Doch kaum haben wir das Auto verlassen werden wir von einer Schar an kleinen schwarzen Fliegen belagert. Sie sind nicht besonders schnell und stören sich auch nicht an abwehrenden Bewegungen. Sie krabbeln über die Kameralinsen, in unsere Kleidung und sind kaum mehr loszuwerden. Daher beschließen wir weiter zur großen Bucht zu fahren. Unterwegs machen wir Halt an ein paar Seitenwegen die zum Atlantik führen, suchen ein paar Hölen und genießen die salzige Luft, die sich auf unsere Haut legt.
Wir waren wirklich urlaubsreif - dieses Gefühl von Sonne uns Meer habe ich sehr vermisst.
Auch an der großen Bucht machen wir Halt, klettern über die Felsen, strecken die Füße ins Wasser und sammeln ein paar Muscheln. Es hat wieder 39° und die Sonne sticht unerbittlich. Daher fahren wir zurück in unsere Unterkunft und holen die Badesachen. Die Hausherrin empfiehlt uns Agata Beach, nördlich von Lüderitz. Dort geht sie immer mit ihrer Tochter hin. Sie zeigt uns den Weg auf einer Karte, den wir zuvor bei unserer Erkundungstour durch die Stadt schon entdeckt hatten. Über diesen Tipp sind wir sehr froh und wir machen uns direkt auf den Weg. Am Ende der befestigten Straße folgt nur nich ein platt gefahrener Pfad durch Büsche und Steine. Am Ende des Hügels sehen wir gerade einen Krankenwagen, der sich seinen Weg bahnt.
„Was der kann können wir auch“ denken wir uns, und versuchen hinterher zu kommen. Es geht wirklich über Felsen, Steine, Geröll, Sandpisten... Raffel fährt und ich steige mehrmals aus um die Bodenfreiheit zu checken. Unser Autoo sammelt gerade wieder kräftig Vertrauenspunkte. Geländegängig ist er und er kommt auch noch über manchen Felsen locker drüber, von dem wir nicht erwartet hätten, dass er ihn packt. Doch kaum liegt der Traunstein am Fuße des nächsten Felsen sehen wir zum einen den Restlichen Weg, den unser Möchtegern Geländewagen wirklich nicht mehr schaffen kann, zum Anderen tummeln sich am Strand viele Menschen und es war offenbar auch das Ziel des Krankenwagens, dem wir Anfangs hinterher gefahren sind.
Raffa wendet auf der Spitze des Felsen, in mühevoller Millimeter-Arbeit und als wir wieder auf einer eingeebneten Straße sind fällt uns beiden ein Stein vom Herzen. Das Erlebnis war es wert und unser Auto, das mittlerweile den Namen MATSCHI bekommen hat, hat sich tapfer seine Daseinsberechtigung und unser Vertrauen verdient. Dennoch fahren wir lieber wieder in Richtung großer Bucht. Unterwegs haben ihr mehrere schöne Lagunen gesehen, an einer davon halten wir und können endlich im Meer baden. Das Wasser ist sehr flach und daher angenehm warm zum baden, obwohl es der Atlantik ist. Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang die Flut einsetzt.
Mit Einbruch der Dämmerung treffen ihr wieder beim Portuguese Fisherman ein. Der Inhaber hat sich am Abend vorher schon blendend mit uns unterhalten da er öfter in Heidelberg ist und erkennt uns natürlich wieder. Eventuell auch, weil es fast keine Touristen hat.
Ich frage nach seiner Empfehlung und er schwärmt mir von einem Tunfisch vor, denn er selbst erst vor ein paar Stunden auf eben unserem Tisch ausgenommen hat. Da kann ich natürlich nicht nein sagen. Wir bestellen Oliven, Oktopussalat, Kalamari und den besagten besten Tunfisch, den es sonst anscheinend nirgendwo auf der Welt besser gibt. Der Chef geht sogar so weit zu sagen, wenn es mir nicht schmeckt geht die Rechnung auf ihn.Was soll ich sagen... wir haben bezahlt. Wir haben außerdem ein paar frisch frittierte Sardellen zum probieren bekommen und den Tunfisch, da kann ich nur zustimmen, bekommt man nirgendwo besser als hier.
Es ist bereits 23 Uhr als wir in unserem Hotel ankommen. Selbst eine kalte Dusche hilft wenig bei den immer noch anhaltenden 32°C. Wir befeuchten Handtücher und legen sie ins Gefrierfach, bevor wir ins Bett gehen. Nach knapp einer Stunde weicht die Decke der nasskalten Abkühlung und wir können mindesten wenig schlafenLäs mer
Fish River Canyon
19 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 29 °C
Die gestrige Fahrt zu Fishriver war recht unspektakulär.
Wer aufmerksam gelesen hat weiß, dass wir jetzt in der spontanen Alternativbuchung unterkommen. Nachdem wir von NWR im Etosha bitter enttäuscht waren finden wir es mittlerweile allerdings eher erfreulich, dass wir nicht nach Ai.Ais können, sondern in ein Gondwana Hotel einchecken.
Das gesamte Hotel „Canyon Roadhouse“ ist im Route 66 Style aufgezogen. Das Hauptgebäude, in dem sich Rezeption und Restaurant befinden, wird von Oldtimern und alten Kennzeichen aus aller Welt geschmückt. Die Karosserien etlicher, in der Wüste liegen gebliebener Fahrzeuge sind im Garten in liebevoller Detailarbeit zu Kunstwerken geworden. Zusammen mit Köcherbäumen Kameldorn und anderen heimischen Pflanzen schaffen sie eine urige Atmosphäre. Ich überschlage mich fast vor Freude als ich die Klimaanlage in unserem Zimmer entdecke - endlich wieder unter 30°C beim Schlafen. Und einen Pool gibt es auch.
Außerdem haben wir zwei nette Mädels kennengelernt, die quasi auf Dauerreisen sind und uns den gesamten Abend von Ihren Erlebnissen berichtet haben.
Wir brechen wieder relativ früh auf, da es wieder 35°C geben soll, und wir den Fishriver Canyon bei erträglichen Temperaturen erkunden möchten. Aufgrund des Südafrikanischen Kennzeichens an unserem Mietwagen wurden wir jetzt schon öfter gefragt, von wo aus Süd Afrika wir kommen. Das wollen wir jetzt zu unserem Vorteil nutzen. Die Eintrittspreise in Nationalparks sind für Südafrikaner nämlich nur halb so teuer wie für Europäer und bisher wollte niemand einen Nachweis sehen. Gesagt - getan - wir haben nur den halben Eintrittspreis bezahlt. Für alle künftigen Reisen: unkt euch eine Adresse in ZA aus, lernt das Kennzeichen eures Autos auswendig und spart 50% am Eintrittspreis ;-)
Der Anblick des zweitgrößten Canyons der Welt ist beeindruckend. Er geht so weit, dass man es von den Aussichtspunkten aus garnicht begreifen kann. Um aber trotzdem ehrlich zu sein ist es kein Anblick, der mein Leben verändert. Es ist nicht wie auf den vielen nachbearbeiteten Bildern von Reise-Bloggern die dafür schwärmen wie unbegreiflich es ist hier zu stehen. Ja, es ist groß, so groß und so weitläufig, dass man es nicht auf einen Blick erfassen kann. Dennoch starren wir auf eine Schlucht, die selbst jetzt nach der Regenzeit, wo ganz Namibia im Saft steht, Karl und dreist wirkt. Es ist würden alles abgesperrt und man kann nicht einmal ein bisschen in den Canyon hinein um ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen, das geht nämlich wieder nur mit Guide und gegen Bezahlung.
Da weit und breit keine Menschen Seele zu sehen ist steigen wir trotzdem ein Stück den Wanderweg hinunter. Als wir jedoch andere Autos anrollen hören drehen wir zum Aussichtspunkt um.
Ernüchtert aber dennoch beeindruckt fahren wir wieder aus dem Nationalpark. Wir beschließen, da der Tag noch jung ist, an den Oranje, den Grenzfluss zwischen ZA und NAM zu fahren. Erst als wir über eine Stunde lang entlang des Canyons fahren bekommen wir ein Gefühl für die Ausmaße.
Am Oranje angekommen sind wir von diesem verhältnismäßig kleinen Fluss doch umso mehr beeindruckt. Entlang des Flussufers fahren wir an steilen Abhängen entlang, durch Weinfelder hindurch bis hin zu einem Bachbett. Alles ist grün und saftig und auf der anderen Seite dann Süd Afrika.
Glücklich über diesen Abstecher zur Grenze begeben wir no auf den Rückweg. Zurück im Hotel legen wir uns mit einem Stück Amarula Käsekuchen und einem kalten Bier an den Pool bevor wir noch eine kleine Wanderung zum Sonnenuntergang auf den Hauseigenen Hügel machen.
Zum Abendessen gibt es mal wieder Oryx Steak, sehr saftig und zum ersten Mal mit wirklich knusprigen Pommes mit ordentlich Würze. Wir schnappen uns noch ein Bier und versuchen uns wieder an Sternen-Bildern bevor wir in unserem gut gekühlten Zimmer Iturraspe Ruhe kommen.Läs mer
Köcherbaumwald
20 april 2021, Namibia ⋅ ☀️ 27 °C
Um auch wirklich jede touristische Attraktion abzuarbeiten führt uns der heutige Weg nach Keetmanshoop. Wieder gibt es auf dem Weg recht wenig spannendes zu berichten, außerdem war es relativ kurz. Daher keine unnötige ausgiebige Berichterstattung :)
In Keetmanhoop haben wir ein sehr schönes Hotel außerhalb des Ortes erwischt. Wir checken früh ein und liegen den Mittag über faul am Pool. Am späten Nachmittag brechen wir dann auf zum Köcherbaumwald & Giants Playground.
Raffel hat sich wie immer im Vorfeld über diese Attraktionen schlau gemacht und beschließt nicht zum richtigen originalen Köcherbaumwald zu fahren. Dieser liegt nämlich auf einer privaten Farm und genießt lediglich ein gutes Marketing. Einige Kilometer weiter hat es einen noch größeren „Wald“ den man ebenso gut anschauen kann und der auch nur halb so viel Eintritt kostet. Nachdem wir bereits über 150,-€ an Nationalparks geblecht haben kommt unser innerer Schwabe raus. Als wir ankommen werden wir natürlich auch hier zur Kasse begeben, da es allerdings keine festen Eintrittspreise gibt geben wir so viel, wie wir gerade in den Taschen haben. Dann dürfen wir bis zum Sonnenuntergang auf dem Gelände selbstständig unterwegs sein, mal wieder komplett allein.
Zum Abschluss es Tages machen wir mal wieder Braai und vernichten ordentlich Wein, da wir die nächsten Tage keinen Kühlschrank mehr haben.Läs mer
Kalahari
22 april 2021, Namibia ⋅ ⛅ 26 °C
Die verbleibenden beiden Nächte wollen wir in der Kalahari verbringen.
Nach dem Köcherbaumwald in Keetmanshoop sind wir bis Gochas, am Rand der Kalahari gefahren. Kurz, unspektakulär... Wir stellen lediglich fest, dass alles sehr grün ist. Entlang des Auob Flusses reihen sich wieder eine Farm an die Nächste. Wir können daher ein paar Wildtieren entdecken, die dort gezüchtet werden. Wir kommen in einem sehr schönen B&B unter und genießen wieder ein sehr gutes Essen. Verhungern werden wir hier sicher nicht.
Heute geht es auf die erste und einzige Guest Farm unserer Reise. Wir hatten zuvor die Preise gecheckt aber meistens waren richtige Hotels und Lodges einfach deutlich günstiger, daher wurden bisher immer diese gebucht. Die heutige Farm ist vergleichsweise billig günstig und liegt genau im täglichen Schnitt an Übernachtungskosten.
Wir bahnen uns also von Gochas unseren Weg Richtung Norden, entlang der Grenze zu Botswana. Doch entgegen aller Erwartungen an roten Dünen und Kerker Landschaft werden wir von saftig grünen Weiden überrascht. Das Gras steht so hoch, dass man die begrenzenden Zäune der Straßen kaum noch erkennt, alles blüht.
Einige Kilometer vor unserem Tagesziel kommen wir an ein riesiges Tor, dass schon den Namen und das Logo der Guestfarm tragen. Der Zaun, der das Gelände umgibt, ist über 2 Meter hoch und das Gatter wird offensichtlich mit Kameras überwacht. Unsere Erwartungen liegen nicht all zu hoch, da die Farm ja relativ Günstig im vergleich zu Anderen ist. Wir staunen wir nicht schlecht als wir einchecken und unser Zimmer und die Anlage zu sehen bekommen. Hier herrscht offensichtlich Arbeitsteilung. Der Hausherr betreibt die Viehzucht und seine Frau die Unterkunft. Sie hat lediglich eine Angestellte und bereitet das Essen selbst zu. Alles ist in liebevoller Detailarbeit dekoriert und eingerichtet, wir fühlen uns sofort pudelwohl.
Wir schnappen uns zwei Fat Bikes, die hier ausnahmsweise kostenfrei zur Verfügung stehen, und dürfen auf eigene Faust die 15.000 Hektar Farm erkunden. Neben den Zimmern gibt es auch Campingplätze und Zelte, die man mieten kann. Außerdem kann man bis zu den hauseigenen Dünen radeln und den Roten Sand der Kalahari doch noch ein bisschen erfahren.
Auf dem Rückweg schrecken wir wohl eine Herde Streifenhörnchen auf, die aufgeregt und lauthals schimpfend zwischen den Rädern umher hüpfen und dann mit mindestens der doppelten Geschwindigkeit einige hundert Meter Vordenker Weg voraus rennen bevor sie in ihrem Erdbau verschwinden.
Die Hausherrin erklärt uns später, dass die Kalahari noch nie so grün gewesen sei. Zumindest nicht, soweit sie sich erinnern kann. Und dass das nur einmal im Leben vorkommt, diese Gegend so saftig grün zu sehen. Daher gäbe es zum Dinner auch eine ganz besondere Spezialität.
Nach einer ausgiebigen Dusche und einem kalten Getränk wartet auch schon das Abendessen auf uns.
Ein kleiner Gruß aus der Küche, Salat... nichts Bewegendes. Es wurde zuvor Oryx Filet angekündigt, dieses aber übertrifft mit ganz großem Abstand alles, was wir bisher an Oryx auf dem Teller hatten. Als ganze Lende in Pfefferrahmsoße gegart und mit kross gebratenen Zwiebeln garniert zerläuft uns das Fleisch auf der Zunge. Dazu gibt es Kartoffelbrei und versprochene namibische Spezialität: Kalahari Trüffel!
Kalahari Trüffel wachsen nur in besonders regenreichen Jahren und auch nur, wenn es noch sehr spät noch ergiebig regnet und die Temperaturen nicht zu nieder sind. Diese Köstlichkeit genießt also eine gewisse Exklusivität und ist für hiesige Verhältnisse sehr teuer. Dennoch steht der Pilz den uns bekannten Trüffelsorten geschmacklich in nichts nach. Umso größer werden unsere Augen, als wir gleich eine ganze Schale dieses Pilzes als Beilage serviert bekommen als wäre es das natürlichste der Welt. Sie haben die Trüffel auf ihren eigenen Dünen gefunden und man müsse sie schnell verarbeiten, da sie nur wenige Tage halten - so die Begründung.
Raffel lässt zum ersten Mal, seit wir uns kennen, das Fleisch liegen und macht es sich zum obersten Ziel so viel von der Beilage wie möglich zu essen.
In der Zwischenzeit hat die Gastgeberin ein Lagerfeuer und eine Flasche Wein im Innenhof vorbereitet. Leider sind Wolken aufgezogen und wir können nicht die erhofften Sternbilder schießen. Dennoch ist es ein sehr schöner Abend und ein gelungener Abschluss unserer Hochzeitsreise.Läs mer


















































































































