Taizé - Tunnel-Endst.: Zurück auf Los
December 10, 2023 in France ⋅ ☁️ 11 °C
Unglaubliche 25 km bin ich heute geradelt. Warum?
Ereigniskarte: Du hast den Regenschutz deines Schuhs verloren. Fahre zurück auf Los, schaue aufmerksam nach links und rechts, warte eine Stunde, bis das Fundbüro in Taizé wieder öffnet und ziehe den verlorenen Gegenstand nicht wieder ein - Naja es kann nicht immer klappen.
Nachmittags folgte dann der zweite Start. Zunächst bis nach Cluny. Eine Runde durch die schicke Mittelalterstadt drehen und dann weiter, bis ich vor einem alten Eisenbahntunnel, der den Fahrradweg eigentlich durch den Berg hätte führen soll, stehe - leider geschlossen. Spaß hätte das Durchfahren allerdings sowieso nicht gemacht, da Wasser förmlich in Eimern von der Decke tropft. Und da am Tunneleingang direkt ein Rastplatz angrenzt, beschließe ich heute direkt hier mein Lager aufzuschlagen. Wieder mit Doppelkonstruktion aus Tarp und Zelt, um letzteres Morgen trocken einpacken zu können.Read more
Tunnel-Endst. - Lyon: Weihnachtspause
Dec 11–13, 2023 in France ⋅ ☁️ 15 °C
Heute steht bereits der letzte Radeltag in diesem Jahr an, denn über ein paar Taizé-Freundschaften habe ich die Möglichkeit, mein Rad für die Weihnachtspause in der in der Nähe von Lyon zu lassen - und das ist nur noch eine Tagesetappe entfernt. Das bringt gemischte Gefühle mit sich, denn einerseits ist es schön, über Weihnachten bei der Familie zu sein, andererseits ist die Zeit bisher wie im Flug vergangen, es zieht mich weiter nach Süden und es ist komisch, dies nun zu unterbrechen.
Das Lagern vor dem Tunnel hat sich auf jeden Fall gelohnt, da der Wind mich am Morgen quasi über den Berg schiebt und ich auf der anderen Seite nur herunterrollen muss - ein guter Start in den Tag. In Mâcon treffe ich schließlich wieder auf die Saône, der ich dann - natürlich erst nachdem ich mich in einer Patisserie versorgt habe - bis nach Fontaines-sur-Saone folge. Bei einer kleinen Pause erzählt mir ein französisches Pärchen aus der Gegend, dass 40 °C hier im Sommer nicht ungewöhnlich seien - ein Glück, dass ich hier im Dezember radel!
Dank meiner Taisé-Bekanntschaften kann ich mein Rad über drei Ecken in einem Gartenhäuschen in Fontaines-sur-Saone abstellen. Die letzten paar Kilometer nach Lyon nehme ich dann den Zug, um dort noch zwei Tage zu verbringen und mir die Stadt im Dauerregen anzuschauen. Wenn ich mir die Radwege an der Rhône anschaue, wäre ein Weiterfahren hier auch spannend geworden - hoffentlich führt der Fluss im Januar etwas weniger Wasser...Read more
Lyon - ?: Stein- und Gemüsefelder
January 8, 2024 in France ⋅ ☁️ 1 °C
Gestern ging es mit dem Zug zurück nach Lyon bzw. Fontaines-Saint-Martin. Heute Morgen kramte ich dann mein Fahrrad und Gepäck aus Françoise's Gartenhäuschen und es ging weiter!
Zunächst weiter die Saône entlang. Diese fließt in Lyon mit der Rhône zusammen, welcher ich von nun an folgen werde. Nach einem Stopp beim Bäcker lasse ich Lyon hinter mir.
Zwischenzeitlich habe ich den Eindruck, dass über die Weihnachtszeit ein paar Radwege zurückgebaut wurden. Die Beschilderung führt mich Schotterpisten an großen Industrieanlagen vorbei und irgendwann finde ich mich in einem mehr von Steinen wieder. Wer hat die hier wohl vergessen und warum?
Später finden die Radwege ihre alte Qualität wieder. Sie springen dabei einige Male vom linken zum rechten Ufer und ich passiere ein paar hübsche Brücken. Die Industrielandschaft wird schließlich durch Landwirtschaft durchsetzt. Mein Weg wird auf beiden Seiten von etlichen Gewächshäuser und Gemüsefelder gesäumt. Auf den Felder stehen immer mal wieder kleine Steinhäuschen. Bei einem ist noch eine alte Pumpe zu sehen - hat der Gemüseanbau hier schon eine Längere Tradition?Read more

Traveler
Das Musée des Confluences erinnert mich an Han Solos Raumschiff aus Krieg der Sterne.

Traveler
Und nicht nur mich: "The Millenium Falcon of Lyon The Musée des Confluences Natural History Museum is the Millenium Falcon of Lyon, located at the southern tip of the presqu’île pensinsular, in the revamped docks between Rhône and Saône." Quelle: https://thisislyon.fr/things-to-do/museums/le-m…
? - Valance: Zelt kannste knicken
January 9, 2024 in France ⋅ ☁️ 0 °C
Es geht weiter an der Rhône entlang. Die Gemüsefelder weichen der Industrie. Schwarzes Schüttgut wird auf Schiffe geladen, auf holzverarbeitende Fabriken, folgen Papierverarbeitung und viele weitere Fabriken, die sich nicht direkt ansehen lassen, was hier hergestellt wird. Die Flüsse und kleinen Seen nebenan sind glasklar und haben eine sonderbar grüne Farbe - Folgen der Industrie? Am Ufer der Rhône hat das zurückgehende Hochwasser Kuststofflammta in den Bäumen zurückgelassen. Dieser Abschnitt könnte so viel schöner sein...
In der Dämmerung durchfahre ich Valance und will kurz hinter der Stadt mein Zelt aufschlagen. Es ist schon dunkel, als ich einen halbwegs geeigneten Platz finde. Ich breite das Innenzelt aus, stecke das Gestänge zusammen und will es in die vorgeshenen Löcher stecken als mit einem lauten Knacken eine der Stangen zerbricht. Klasse...Materialfehler oder habe ich sie nicht ordentlich zusammen gesteckt? Eigentlich auch egal, denn kaputt ist kaputt. Nun gibts die Optionen zurück in die Stadt, weiter radeln, Tarp aufbauen oder versuchen die Stange notdürftig zu reparieren.
Ich entscheide mich fürs Tarp, ziehe noch zweimal um, weil der Boden voller kleiner versteckter Dornenzweige ist, aber am Ende steht die Ersatzkonstruktion. Etwas offen und der Platz ist auch nicht der beste, aber für eine Nacht sollte es gehen. Für Morgen buche ich mir auch direkt ein airbnb in Orange, da ich mir die Stadt sowieso etwas ausführlicher anschauen möchte - vielleicht bekomme ich da ja auch Ersatzteile für mein Zelt.Read more
Valance - Orange: Es zieht sich...
January 10, 2024 in France ⋅ 🌧 8 °C
Mein "Ersatzzelt" hielt, blieb trocken und war erstaunlich warm - fast zu warm;-) Heute steht dann auch eine etwas größere Etappe an, um Orange zu erreichen. Zunächst geht es auch ganz gut voran. Wie gestern komme ich an schönen Kleinstädten vorbei und überquere einige Hängebrücken.
Zur Abwechslung gibt es dann auch mal ein Atomkraftwerk zu sehen. Die riesige Anlage inklusive großer solarüberdachter Parkplatzfläche sowie Windrad auf dem Gelände liefert ein groteskes Bild. Das plätschernde Wasser aus den Kühltürmen könnte man fast für einen Wasserfall aus dem gegenüberliegenden Berg halten, aber sicherlich nicht mehr lange, denn wenn dort weiter so fröhlich gebaggert wird, ist jener bald bestimmt nicht mehr vorhanden. Es geht weiter Mittagspause in Montélimar mit Resten von gestern - und dann wirds wild:
Ich hätte das Schild mit der Aufschrift "CHAUSSÈE INONÉE" etwas ernster nehmen sollen, allerdings zeigte auch die Umleitung in dieselbe Richtung. Hatte ich mein Rad doch vor dem Mittag noch schön vom Schlamm einer Straße heute Morgen gesäubert ist im Nullkommanix wieder alles verklebt. Etliche Male muss ich absteigen und schieben, der lehmige Flussschlamm quetscht sich von oben und unten in (Nachteil Klickpedalen) die Schuhe. Als ich das Stück hinter mir gelassen habe knirscht alles am Rad. In einer öffentlichen Toilette in Bourg-Saint-Andéol kann ich mir jedoch Wasser besorgen, um mein Rad heute das zweite Mal zu säubern. Inzwischen ist es auch dunkel geworden, doch laut Google nur noch 40 km bis Orange. Umso erschreckender, dass auf den nächsten Schildern 48 km dann 46 km steht - das kanns doch nicht sein?! Ein weiteres Schild mit 16 km dann eins mit 34 km folgt - Ich habe genug von Schildern und lasse mich nur noch navigieren (funktioniert über Audio only übrigen auch ganz gut). Die Strecke ist allerdings naja - zumindest in Teilen - genauso schlecht wie zuvor. Es folgt die dritte Schlammpartie auf einem Feldweg, der ohne den Regen der letzten Zeit vermutlich kein Problem gewesen wäre. Fünf Kilometer vor dem Ziel fehlt dann auch noch eine Brück. Einfach so eine ganze Brücke...aber ich hätte es wissen können, schließlich lag diese wieder auf dem ausgeschilderten Weg.
Am Ende komme ich dann endlich im Airbnb an, dusche, esse noch eine Kleinigkeit, breite alles, was trocknen muss zum Trocknen aus und schlafe wie ein Stein ein.Read more
Orange
January 11, 2024 in France ⋅ ☁️ 5 °C
Das Morgenprogramm heißt Fahrrad waschen und Bremsen neu einstellen. Das Airbnb, welches sich als kleine Hobby-Farm mit diversen Tieren (bisher sah ich Hunde in großer und kleiner Ausführung, Ziegen, Schweine (ebenfalls groß und klein) und Hühner) entpuppte, eignet sich dafür perfekt, da es gar nicht auffällt, wenn ich draußen noch etwas mehr dreckig mache;-)
Im Anschluss gehts dann auf den Markt. Beim Anblick der Käsestände läuft mir das Wasser im Mund zusammen und ich schlage zu. Es gibt auch wirklich alles hier: Käse, Würsten, Gemüse, Brot, Meerestiere, Klamotten, Küchenutensilien, ... Bei den Fischständen mit Muscheln, Langusten und verschiedenen Fischen, deren Namen ich nicht kenne, frage ich mich, welche Gerichte man mit ihnen wohl zubereitet? Wenn man nicht unbedingt in einer fischigen Gegend aufgewachsen ist, kennt man natürlich auch keine Rezepte. Fallen euch vielleicht welche ein?
Nach dem Markt schaue ich mir noch ein bisschen die Stadt und römische Überbleibsel an, den Augustusbogen von Orange und das Theater. Wimmelte es eben noch so von Menschen in der Stadt, ist diese fast wie leergefegt seitdem die Marktstände gegen kurz nach zwölf mit dem Abbau begonnen haben.
Im Anschluss geht es zum Intersport, danach zum Decathlon, um Ersatzteile fürs Zelt zu suchen. Leider vergebens, auch wenn sich die Mitarbeiterin beim Decathlon wahnsinnig viel Mühe gibt, um mir weiterzuhelfen.
Schließlich fahre ich zurück. Vor der Farm fällt mir eine Kiste Litschis ins Auge. Woher die - und das ganze Obst im Haus - kommt, erklärt mir Mehdi, der Farmbesitzer: Alles Reste vom Markt, die in Frankreich schließlich nicht einfach in die Tonne geworfen werden dürfen. Stattdessen erhält er diese über einen Verteiler für seine Tiere (und scheinbar auch für sich selbst und seine Gäste;).
Am Ende des Tages machen wir uns dann noch am Zelt zu schaffen. Die gebrochene Stange sauber vor dem Riss abgesägt ist nun 3 cm kürzer, scheint ihren Zweck aber wieder zu erfüllen:-)Read more
Orange - Arles: Knack II
January 12, 2024 in France ⋅ 🌬 6 °C
Der Tag fängt gut an, das Wetter ist herrlich und es weht brausender Rückenwind. Trotz späten Starts komme ich dadurch zügig nach Avignon und bin wirklich begeistert von dem, was ich sehe. Viele alte Gebäude, die gut erhaltene Stadtmauer, die bekannte Point Saint-Bénézet und viele kleine Geschäfte mit Leckerein ergeben ein stimmiges Bild. Definitiv eine Stadt, die ich irgendwann nochmal besuchen möchte mit etwas mehr Zeit für die Stadt selbst und bei wärmerem Wetter.
Beim nächsten Streckenabschnitt werde ich etwas melancholisch. Das erste Mal fühlt es sich beim Radeln etwas einsam an. Die Stimmung wird dann leider auch nicht gehoben, als ich weder in einem Kloster noch auf dem Campingplatz (zwar geschlossen doch Personal war da) in Tarascon eine Übernachtungsmöglichkeit/Zeltplatz erhalte. Ein paar Kilometer weiter findet sich dann jedoch ein Rastplätzchen direkt am Radweg. Die gute Nachricht: Das Zelt steht auch mit einer kürzeren Stange gut (Ersatzteilegabs in Avignon leider nur mit Lieferzeiten, die nicht in den Zeitplan passten). Die Schlechte: Beim Abnehmen des Gepäcks wackel der Gepäckträger ganz schön. Die Befestigungsöse am Rahmen ist abgebrochen. Irgendwie verhext das neue Jahr und zugegebenermaßen auch ganz schön nervig, sich gerade vorwiegend damit zu beschäftigen, Equipment zu säubern oder zu reparieren. Naja, schauen wa mal was wird.Read more

Ach man, irgendwas ist immer.... kann nur besser werden. Hast immerhin besseres Wetter als wir hier. Drücke die Daumen, dass das Gepäck trotz dem defekten Gepäckträger hält... mit Kabelbinder oder sonstiges. [Christina]
Arles - St-Étienne: Mittelmeer, Flamigos
January 13, 2024 in France ⋅ ☀️ 9 °C
Von der abgebrochenen Öse lasse ich mir nicht den Tag verderben! Den Gepäckträger fixiere ich zunächst mit Kabelbinder und fahre mich ein paar Kilometer warm - die Nacht war tatsächlich ungewöhnlich kalt und windig. Ich fahre bis zur ehemaligen Abtei Montmajour, die sich monumental auf einem Felsen vor Arles erhebt. Warmgeradelt schraube ich bei Sonnenschein und Ausblick auf das eindrucksvolle Gebäude meinen Gepäckträger um. Ein Glück, dass an der entsprechenden Stelle am Rahmen zwei Bohrungen vorhanden sind - der Joker wurde gezogen und kann hoffentlich in irgendeiner Werkstatt wieder hergestellt werde:) Dann geht es weiter in die Stadt (Arles), welches ebenfalls durch alte römische Bauwerke wie Theater und Amphietheater beeindruckt.
Gestern und heute ebenfalls sieht man sich die Landschaft im Flug verändern. Ab Avignon (gestern) sieht die Vegetation deutlich mediterraner aus - insbesondere durch die vielen Olivenbäume. Nach Arles finde ich mich plötzlich in einer moorartigen Landschaft (Marschland?) wieder und bekomme die weißen Camargue-Pferde und schwarzen Camargue-Stiere zu sehen.
Nach einer sonnigen Mittagspause schleiche ich mich an einen nichtsahnenden Rennradfahrer heran und genieße über einige Kilometer seinen Windschatten. Um die Tierwelterlebnisse perfekt zu machen, sehe ich schließlich noch einige Flamingos (die bewegen sich wirklich ulkig).
Auch heute fahre ich noch bis in die Nacht hinein, um meine Warmshowerunterkunft zu erreichen. Ich werde von Christine und Gregori begrüßt, beide super lustig und sportverrückt. Wie in Frankreich scheinar üblich, werde ich kulinarisch auf höchster Ebene verköstigt. Es gibt eine regionale Spezialität aus Gregoris Heimatstadt Sète: "La Tielle", eine Art Pastete gefüllt mit tomatigem Hackfleisch - denke ich - doch der leicht fischige Geschmack muss doch etwas anderes sein. Nach ein paar Mal raten wird aufgelöst: Es handelt sich um Oktopus und der schmeckt tatsächlich ziemlich gut. Im Anschluss folgen "Moules farcies" also gefüllte Muscheln und zuletzt natürlich noch ein bisschen Käse. Und weil das natürlich gar nicht dazu passt, aber noch nichts Süßes dabei war, steuere ich noch etwas Christstollen bei - ja tatsächlich befand sich auch ein halber Stollen im Gepäck.Read more
St-Étienne - Fitou: Warmshower-Party
January 14, 2024 in France ⋅ ☁️ 7 °C
Nach dem Frühstück ging es für uns alle sportlich weiter. Christine und Gregori brechen zum Trailrunning auf und für mich geht es nach Fitou.
Die erste Stadt auf dem Weg ist, Sète aus der leckeren Pasteten kommen. Als ich in hier ein zweites Mal im Hafen ankomme und dieselbe Bäckerei bei der ich ca. eine halbe Stunde zuvor mein Baguette gekauft habe nochmals erblicke, merke ich, dass ich wohl noch nicht ganz wach bin und einmal der falschen Beschilderung gefolgt bin. Guten Morgen Tim!
Von Sète folge ich weiter dem Eurovelo 8 (EV8) nach Adge. Dort wiederhole ich das Spiel: Ich folge dem falschen Radweg entlang eines Flusses, sehe irgendwann das Meer doch keine Brücke und muss erneut ein paar Kilometer zurück fahren. Wenn die Tagesetappe lang ist, kann man sie ja noch länger machen!
Später radel ich ein kurzes Stück am Canal du Midi, dem südfranzösischen Radwegklassiker mit den wohl schlechtesten Wegeigenschaften, entlang. Dennoch ein sehr schöner Abschnitt und bestimmt nochmal eine längere Etappe wert. Der EV8 biegt jedoch nach Süden ab und führt weiter an und in der Nähe der Küste entlang. Es folgt eine Landschaftskomposition aus Moor, Seen und Lagunen (zumindest sieht das für mich so aus;). Interessanterweise führt auch hier ein Kanal, der Canal de la Robine, hindurch. Wieder ein Kanal mit Wasser im Wasser - kurios. Landschaftlich sehr schön und ruhig - ich erschrecke durch das Klappern auf den unebenen Wegen ein paar Bisamratten, die rasch ins Wasser hüpfen.
Im Dunkeln komme ich in Fitou an. Auch hier habe ich eine Warmshower-Unterkunft, wurde aber schon vorgewarnt, dass es am Ende einen Berg zu erklimmen gibt und das Häuschen irgendwo im Nirgendwo liegt. Das stimmt auch - in fast schwarzer Nacht kurbel ich den Berg hoch, sehe nur ein paar Windräder und rechts und links ein paar Schotterstraßen abgehen. In weiter Ferne bewegt sich ein näher kommendes Licht, dann höre ich eine Fahrradklingel, Sylvia kommt mir entgegen und gemeinsam geht es eine Schotterpiste hinauf zum Haus, welches ich sonst bestimmt nicht gefunden hätte.
Es gibt eine kleine Warmshowersparty: Sylvia und Kevin aus Deutschland/Bristol, beide seit 2013 auf ihren Fahrrädern als KünstlerInnen unterwegs überwindern hier und kreieren eine neue Show, da Ihnen Anfang letzten Jahres sämtliches Material samt Fahrrädern gestohlen wurde:( Jonna, ebenfalls aus Deutschland, ist wie ich Warmshowergast und fährt gerade sämtliche Anlagen regenerativer Energien in Europa ab. Es folgt ein schöner geselliger Abend mit beeindruckenden Geschichten:)Read more
Fitou - Perpignan: Schotterpiste
Jan 15–19, 2024 in France ⋅ ☁️ 17 °C
Nach einem entspannten Frühstück fahren Jonna und ich das erste Stück gemeinsam. Wir entscheiden uns dafür, eine Schotterpiste statt Straße zu fahren und werden mit einer herrlichen Aussicht auf schneebedeckte Pyrenäen belohnt - dafür werden die Räder mehr geschoben als gefahren.
Wieder in der Ebene angekommen, taucht plötzlich ein riesiges Fort neben uns auf. Fort Salses, erbaut, als hier noch die Grenze zwischen Katalonien und Frankreich verlief (1496). Leider aber heute geschlossen, sodass wir nur einmal drum herum laufen können.
Im nächsten Dörfchen trennen sich unsere Wege dann, da es hier noch einen Fahrradladen geben soll, der eventuell auch schweißt. Der ist aber leider ebenfalls geschlossen, sodass ich meinen Weg in aller Ruhe nach Perpingnan fortsetze, wo ich ein paar Tage pausieren werde. Die intensiveren Etappen der letzten Tage haben etwas auf die Achillessehne geschlagen, aber vielleicht reichen ein paar Tage Pause ja.Read more
Perpignan - Perala.: Das letzte Baguette
January 19, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 9 °C
Es geht weiter Richtung Spanien. Immer zu weiter fahre ich auf die sich vor mir erhebenden Pyrenäen zu und überlege, auf welcher Route ich sie überquere. Am liebsten würde ich mich nach Westen orientieren und den Pass Col d'Ares fahren, schön soll er sein, 1600 m hoch und vielleicht liegt dort ja auch Schnee. Wenn ich mich nach Osten orientiere, könnte ich am Meer entlang fahren, bestimmt auch schön und da es immer auf und ab geht gar nicht so viel Höhenmeter weniger als der Pass- zumindest in Summe. Die dritte Option geht quasi gerade drüber, der Eurovelo 8 mit schlappen 300 oder 400 Höhenmeter. Ich hadere, will eigentlich den Pass fahren, doch immer wieder meldet sich meine Sehne, um anzumerken, dass das vielleicht keine so gute Idee ist. Gute 20 km habe ich Zeit zum Überlegen, bis ich in Saint-Genis des Fontains ankomme.
Das nette kleine Dorf unterbricht den Denkprozess. Es ist nicht besonders hübsch, aber lebhaft und es gibt alles, was man braucht. Eine kleine Kirche, die ich mir kurz anschaue (interessanterweise hat die fast keine Fenster), ein kleiner Gemüseladen, einen kleinen Markt, ein Bäcker, bei dem ich ein letztes Mal Pain au Chocolat, Quiche und Baguette kaufe und vor dem sich zwei Franzosen mein Fahrrad anschauen, kurz mit mir über die Route quatschen und ein nettes Café, bei dem ich mir noch ein Käffchen bestelle. Das Cafe am Dorfplatz ist voller Menschen, die sich fröhlich unterhalten und scheinbar alle kennen. Immer wieder gehen und kommen Leute, die gerade ihren Einkauf auf dem Markt erledigt haben oder schnell noch etwas beim Bäcker holen. Eine ältere Herrengruppe sitzt draußen auf dem Marktplatz und trinkt Bier. Ich schaue auf die Uhr - halb zwölf - Nicht schlecht! Ein Pärchen tritt aus dem Kaffee und sprich mich direkt auf Englisch an. Australier, die scheinbar von meinem Helm-Regenschutz begeistert sind und wissen möchten, woher ich den denn habe. Wir quatschen noch ein bisschen. Dann breche auf, lasse das lebhafte Dorf hinter mir und denke weiter.
Am Ende höre ich auf die Sehne und nehme den Eurovelo. Der stellt sich auch als deutlich schöner heraus, als ich es mit vorgestellt habe. Oben am Pass angekommen sehe ich, dass die Römer schon wieder vor mir da waren und die "Via Augusta" hier über die Pyrenäen führten - vielen Dank liebe Römer. Auch die Ruinen eines alten Klosters und einen Wachturm gibt es hier zu entdecken. Auch wenn letzterer eine etwas höher gelegene Eingangstür besitzt, lasse sich mir die Besichtigung nicht nehmen und klettere hinein. Es befindet sich ein großer Kamin in einem sonst leeren Raum - eine perfekte Übernachtungsstelle, wenn es nicht noch so früh wäre. Auf der anderen Seite poltere ich eine ganz schön holprige Straße herunter. Eigentlich gehört die Strecke zum Eurovelo, ist aber eher Gravel oder Mountainbike geeignet. Spaß macht sie auf jeden Fall. Unten angekommen lande ich in einer nicht so schönen Grenzstadt. Es wirkt alles etwas heruntergekommen. Ich radel noch eine Weile weiter, als ich ein Schleifen am Hinterrad bemerke. Die Papiertüte mit dem letzten Baguette - oder nein, nur die Papiertüte ohne Baguette. Das letzte Baguette ist mir wohl an irgendeiner Stelle aus der Tüte und vom Fahrrad gesprungen.
In der Dunkelheit komme ich in Peralada an. Ich sehe nicht viel von der mittelalterlichen Schloss- und Klosterstadt, aber in einigen Läden brennt noch Licht. Auch in einer Bäckerei. Ich trete ein und kaufe ein neues letztes Baguette.
Zwischenbilanz Frankreich (Nov/Dez/Jan):
Kürzeste Strecke: 25 km
Längste Strecke: 143 km
Reisetage (davon Radeltage): 27 (14)
- Zelt/Tarp: 8
- Warmshowers und Dreieckenbekannte: 5
- Taizé: 7
- Hostel: 1
- Airbnb: 6
Verloren: Regenschutz linker und rechter Fuß, das letzte französische Baguette
Verloren und wiedergefunden: Zelthering
Gefunden: Zwei große Einkaufstaschen mit schönem Motiv, aus denen ich mal was bastel...vielleicht
Niedrigste Temperatur: ca. -5 °C
Croissants und Pain au Chocolat: 1-2 Stück/Tag
Und was gabs zu Essen?
- Zum Frühstück häufig Pain au Chocolat und Crossaints vom Bäcker, gelegentlich Haferflocken/Porridge in Form von Overnight Oats.
- Mittags: Baguette, Käse, Honig, gelegentlich: Oliven, Gurke
- Abends: Meist kreatives Kochen und wahnsinnig kulinarische Warmshower Verköstigungen.
Naja und Taizé Mahlzeiten waren natürlich auch dabei:)Read more
Peralada - Llagostera: Alte Städte
January 20, 2024 in Spain ⋅ ☀️ 11 °C
Die erste größere Stadt, in die ich heute komme, lieg am Meer. Und es gibt sie gleich in zwei Ausführungen, alt und neu. Die alte Stadt Empúries wurde von den Griechen gegründet, dann waren die Römer hier, weil sie ja sowieso überall waren, und schließlich verfiel die alte Stadt. Nun gibts hier ne neue Stadt (L'Escala), ein bisschen hotellastig, aber direkt am Meer gelegen und mit wunderbaren Aussichten.
Ca. 25 km weiter schaue ich mir dann Pals an. Die Altstadt ist sehr hübsch und unberührt - vergleichbar mit Rotenburg ob der Tauber, wenn man von der Architektur absieht. Außerdem ist viel weniger los, was aber auch an der Jahreszeit liegen kann.
Weiter 30 km später folgt dann das komplette Gegenteil. Von Palamós bis Plata d'Aro reiht sich ein Hotel ans andere, nur unterbrochen von Ferienhausvillen und Glamingplatz-Ressorts und einer anschließenden Einkaufstraße. In jener mischen sich Ramschläden, Luxus, Restaurants und sich aufstauende Autoschlangen. Schnell wieder weg hier und ab ins Hinterland, wo ich direkt am Radweg mein Zelt aufschlage.Read more
Llagostera - Barcelona: Im Fluss
Jan 21–22, 2024 in Spain ⋅ ☀️ 14 °C
Die Nacht war ungewöhnlich kalt. Der Wetterbericht sagte für den nächsten Ort zwar 5 °C Minimaltemperatur voraus, doch am Morgen war das Zelt wieder mit Raureif übersäht. Auch die Luftfeuchtigkeit scheint etwas höher als sonst gewesen zu sein. Der Schlafsack ist außen etwas klamm und gefriert beim Auslüften. In diesen Fällen geht es natürlich zum Aufwärmen in die nächste Stadt einen Kaffee trinken. In dem Café bzw. der Bäckerei bedient mich ein zahngespangter Junge hinter der Theke, der in interessiert fragt, woher ich denn komme und wohin ich fahre. Durch das Quatschen bildet sich eine kleine Schlange, die er dann erstmal wieder abarbeiten muss. Nachdem ich meinen Cappuccino geleert habe, geht es weiter.
Landschaft ist es hier sehr schön, aber auch etwas hügeliger als bisher und die Radwege sind spärlich gesät, noch spärlicher ist allerdings die Beschilderung. So verbringe ich heute viel Zeit damit, die richtigen Wege zu finden, fahre auf und ab, sehe Jäger bei der Jagt und finde mich irgendwann im Flussbett des Riù Besòs wieder. Nicht weil ich mich verfahren habe, sondern weil der Radweg tatsächlich im Flussbett verläuft. Sieht schön aus, lässt sich aber bescheiden fahren, sodass ich, als es dunkel wird, auf die Straße ausweiche.
Deutlich später als geplant komme ich in Barcelona an. Ich pausiere noch kurz im Airbnb, bevor es zum Bahnhof geht. Dort kommt Eva an, die die nächsten zwei Wochen mitradeln wird. Wir schrauben das Rad zusammen und dann gibts erstmal eine große Portion Paella😋 - zum Glück sind wir ja in Spanien und es finden sich auch um 23:30 Uhr noch offene Restaurants.Read more
Was wurde: Schweißkunst aus Barcelona
Jan 22–24, 2024 in Spain ⋅ ⛅ 16 °C
Barcelona wurde eine Mischung aus Reparaturarbeiten und Ausrüstungspflege (Gepäcktrageröse, Luftmatrazenventil, Pumpe des Primuskochers, Wäsche waschen) sowie Sightseeing.
Den Tag starten wir mit einem reichhaltigen spanischen Frühstück im Restaurant nebenan. Im Anschluss klappern wir diverse Fahrradläden in der Stadt ab und finden am Ende auch ein Schweißbetrieb, der sich der abgebroche Öse anmimt. Jedoch nicht ganz zu meiner Zufriedenheit. Wie ich bei Abholung am nächsten Tag feststelle, wurde die Öse schief angeschweißt...danke. Die Nacharbeitung ist am Ende zumindest gerade, auch wenn die Naht etwas gruselig aussieht.
Ansonsten schlenderten wir natürlich durch die Altstadt und erfreuten uns an kleinen Geschäften, Cafés und grünen Hinterhöfen, warfen einen Blick auf die Sagrada Familia, die mit ihren verspielten Türmchen einer riesigen Torte gleicht und fuhren ein Stück an der Strandpromenade entlang. Auf dem Markt wurden verschiedene Snacks probiert, die vermutlich genau für Touris wie uns zubereitet wurden. Am zweiten Tag erledige ich (Tim) noch etwas Arbeit, während Eva eine Freewalkingtour besucht.
Die Freewalkingtour führte mich (Eva) für zwei Stunden durch Barcelonas Altstadt, durch enge Gässchen und in die Innenhöfe alter Paläste. Wir besuchten das alte jüdische Viertel mit schiefen Häuser und so engen Passagen, dass man kaum zu zweit nebeneinander hindurch kam.
Uns wurde erklärt, dass die jüdische Bevölkerung im 15. Jahrhundert vertrieben wurde. Heute kann jede:r der oder die nachweisen kann, dass die eigenen Vorfahren in dieser Periode vertrieben wurden, die spanische Staatsbürgerschaft erhalten. Vorausgesetzt es gelingt der Nachweis.
Der Schutzheilige der Stadt ist der heilige George. Und zwar deswegen, weil er den Drachen tötete, dem die Einwohner der Stadt regelmäßig ihre Töchter opfern mussten, bis die Prinzessin geopfert werden sollte. Daraufhin versprach der König demjenigen, der den Drachen töten sollte, zur Belohnung die Hand seiner Tochter.
Außerdem besuchten wir eine Stätte des spanischen Bürgerkriegs. In der Wand einer Kirche, in der Waisenkinder untergebracht waren, finden sich noch immer die Einschusslöcher vom Angriff auf die spielenden Kinder.
Heute hat Barcelona hauptsächlich mit dem Ansturm von Touristen zu kämpfen. Regelmäßig stießen wir auf folgende Aufforderung: Tourists go home.Read more
Barcelona - Sitges: Aus der Stadt hinaus
January 24, 2024 in Spain ⋅ 🌙 13 °C
Die größte Schwierigkeit bei großen Städten ist, diese hinter sich zu lassen. Reist man mit dem Auto oder Zug, so mag es ganz selbstverständlich scheinen, sich auf die Reise zu begeben. Ist man jedoch auf dem Fahrrad, so muss man sich auf ein Labyrinth verwirrender Straßenführung gefasst machen, auf Radwege, die plötzlich enden, auf ermüdende Gewerbegebiete, die sich Kreisverkehr um Kreisverkehr in die Unendlichkeit erstrecken.
Am Morgen unseres Aufbruchs waren wir freilich noch guter Dinge. Wir hatten alles gepackt, unsere Fahrräder beladen und machten uns durch die Altstadt Barcelonas auf den Weg, ein gutes Frühstück zu finden. Wir rollten durch die engen Gassen, mehr oder weniger in Richtung des alten Hafens, als wir in einer Querstraße das passende Café fanden. Die Häuserreihen gaben bereits den Blick auf den sich eröffnenden, sonnigen Hafen frei, zwischen den Häusern befanden wir uns im ewigen Schatten. Das Café war an einer Straßenecke und wir konnten die Fahrräder vor einer Scheibe abstellen, sodass wir sie gut im Blick hatten. Beim Eintreten verlor es abrupt jeden Anschein von Authentizität: Alle Schilder waren auf Englisch.
Gestärkt machten wir uns auf den Weg, immer am Ufer, an einer von Palmen gesäumten Promenade und mit Blick auf die Masten der Segelboote. Nach und nach wurde die Atmosphäre pragmatischer, wir erreichten den Fährhafen, von wo aus man Barcelona in Richtung Genua, Tanger oder die Balearen verlassen kann. Schließlich wurde auch der Asphalt schlechter und wir wären beinahe in eine Straßensperre gefahren. Aus einem Häuschen winkte ein Polizist. Eine Weiterfahrt sei hier nicht möglich. Wir insistierten. Das Gelände sei privat und nur für hier arbeitende zu befahren. Er machte eine ausholende Geste. Es gab keinen Weg, die Stadt entlang des Ufers zu verlassen. Der einzige Weg führte um den Felsen herum, der seit einiger Zeit zu unserer Rechten heranwuchs.
Wir spielten mehrere Szenarien durch, in denen wir uns schnell über das Gelände davon machten, während der Polizist mit den ankommenden LKW beschäftigt war. Letztlich erschien uns das Risiko jedoch zu hoch, sodass wir zähneknirschend umkehrten. Also zurück den Hafen runter, bis zum Kreisverkehr, zurück in den städtischen Verkehr. Eine Abweichung in der Straßenführung, an die wir uns zunächst gewöhnen mussten, ist die Führung der Radwege in beide Richtungen in der Mitte der Straße. Das mag sehr praktisch sein, wenn man sich plötzlich entscheidet, die Richtung zu wechseln, ansonsten erschwert es aber die Auffahrt. Es ist außerdem tendetiell von Vorteil, das Reiseziel an die Radwegführung abzupassen. Nach langem Weg eine geschäftige Straße hinab gelangten wir durch ein Justizviertel mit glitzernden Hochhäusern, deutlich weniger glitzernden Wohnvierteln, mit Balkon an Balkon an Balkon, bis wir schließlich - den Flughafen erreichten. Dies war übrigens die offizielle Wegführung des Eurovelo 8. Der Weg führte uns an den Terminals und anderen Reisenden vorbei, bis wir schließlich auch diese letzte Hürde hinter uns ließen. Noch ein Stück die Straße runter und dann konnten wir abbiegen in ein kleines Pinienwäldchen, das uns auf direktem Weg zum Meer führte. Ich testete die Wassertemperatur mit den Füßen - kalt, aber schwimmbar und dann ging es einen sandigen Pfad immer weiter die Küste hinab.
Rechter Hand erhoben sich wieder weiße Felsen, bewachsen mit Pinien und Rosmarin und unser Weg führte uns die kurvige Küstenstraße hinauf. Links eröffnete sich der Blick auf das Mittelmeer. Geradeaus färbte sich der Himmel langsam orange.
Für die Nacht hatten wir uns eine Kirche ausgeguckt, ein Stück den Berg hoch.
Der direkte Weg war uns durch eine Schranke versperrt, aber die konnte uns natürlich nicht aufhalten. Wenn man die Fahrräder ein Mäuerchen hoch schon, einer vorne, einer hinten, konnte man so gerade eben vorbei balancieren. Muy bien.
Es folgte ein steiler Anstieg, geradeaus schien schon der Vollmond, nach hinten war die Sonne nur noch ein flimmernder, tief oranger Streifen.
Die Ermitage de la Trinitat de Sitges stellte sich als weiß verputzter Komplex heraus, mit kleinem Kirchturm und Olivenbäumchen. Nach vorne auf dem Felsen stand ein kleiner Pavillon. Hier schlugen wir unser Lager auf, in dieser Nacht sogar ohne Zelt.Read more
Sitges - Tarragona: Better at the beach
January 25, 2024 in Spain ⋅ ☀️ 18 °C
Wir begannen die Route in Sitges, einem kleinen Badeort. Die Strandpromenade war hier im Gegensatz zu den anderen Orten, die wir entlang der Küste passieren sollten, gesäumt von alten Villen und Palmen. An ihrem Ende thronte leicht erhöht die Kirche des Heiligen Bartholomäus und der heiligen Thekla.
Außer einem kleinen Abstecher in Vilanova i la Geltrú, wo wir kurz dem örtlichen Decathlon einen Besuch abstatteten, verließen wir die Küste ab dann nicht mehr. Von nun an führte uns der Weg immer weiter die Strandpromenade entlang. Vorbei an Cafés, Hotels und Komplexen mit Ferienwohnungen. Kilometerlang Strandpromenade, die Ortswechsel markiert durch eine neue Pflasterung.
Unser Etappenziel erreichten wir über die alte Römerstraße, mal wieder die Via Augusta. In Tarragona hatten wir eine Warm Showers Unterkunft bei einem anderen Radreisenden. Allerdings erst um 22.30 Uhr, vorher musste Josep noch arbeiten. Wir machten uns also zunächst auf die Suche nach einem Abendessen. Auf dem zentralen Platz fanden wir auch eine große Auswahl an Restaurants und entschieden uns für eins mit Reis auf der Karte. Leider war die Bedienung sehr überrascht von unserem Anliegen, denn Reis war ja wohl offensichtlich nicht Teil der Abendkarte und Essen gab es sowieso erst am 20 Uhr. Wir mussten also hungern und warten und bekamen dann Tapas, die zwar sehr lecker waren, aber nach 70 km auf dem Fahrrad doch eher eine Vorspeise.
Unsere Unterkunft war dann nicht schwierig zu finden, in einem Vorort von Tarragona wohnte Josep. Leider war sein Englisch nicht so flüssig und wir waren in den Spanisch-Lektionen noch nicht über die Begrüßung hinaus, was die Verständigung etwas erschwerte. Dennoch hieß er uns willkommen und wir durften unsere Räder sogar mit ins Schlafzimmer nehmen, das eingerichtet war wie ein Kinosaal. Josep hatte mit dem Fahrrad schon dir ganze Welt bereist und wäre wahrscheinlich am liebsten direkt wieder mitgekommen. Stattdessen verbrachte er den Abend damit, Tipps für die Weiterreise zu geben. Unsere geplante Bergetappe hielt er mit dem Gepäck für schlechterdings unmöglich (also Tim vielleicht, Eva auf gar keinen Fall), was ihn aber nicht davon abhielt, uns ausführlich die Route zu erklären und uns Fotos von seiner Tour zu zeigen.
Eine warme Dusche bekamen wir übrigens auch - allerdings bat er darum, das Abwasser aufzubewahren, um es später für die Toilettenspülung zu verwenden. Dir Region leidet unter einer Seit zwei Jahren anhaltenden Dürre. Hier spürt man die Folgen der Klimakrise schon deutlich.Read more
Tarragona - Camping Cala: In aller Ruhe
January 26, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 18 °C
Alle guten Ratschläge im Kopf begannen wir den Morgen doch ganz anders. Zunächst trennten sich unsere Wege. Tim fuhr schon vor in ein Strandcafé, um an seinem Paper zu schreiben, während ich mir noch die Stadt ansah. In Tarragona trifft man an jeder Ecke auf Spuren der alten Römer. Besonders beeindruckend ist das Amphitheater direkt am Meer, von dem noch die Ränge stehen. Auch der Backstagebereich ist gut einsehbar.
In der Innenstadt fand ich wieder die typischen engen Gässchen mit kleinen Läden, aber auch antikes Mauerwerk und eine römisch anmutende Statue.
Den Weg aus der Stadt zu finden war wieder eine Herausforderung, auf der von Maps vorgeschlagenen Straße war das Radfahren verboten. Endlich fand ich doch einen Weg und dann auch noch wunderschön, zum ersten Mal zwischen Olivenhainen.
Ich fand Tim auf der Terasse eines Hotels am Strand sitzend, wo es alles gab, was man braucht, um gut arbeiten zu können: Wlan und Café con Leche.
Das Café hieß Casablanca, in Gedanken waren wir schon in Marokko.
Ich versuchte wieder mal die Tapas, die zwar hervorragend schmeckten, aber sicher nicht zum Sattwerden gedacht waren. So verbrachten wir den Vormittag dieses Mal in aller Ruhe, bevor wir in Richtung Berge aufbrachen.
Nachmittags führen wir die Küste herunter und als es begann, dunkel zu werden, machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz, bis uns auffiel, dass wir etwas entscheidendes vergessen hatten: wir hatten gar kein Wasser. An der Strandpromenade war auch nichts mehr zu finden, OpenStreetMaps ließ uns diesmal im Stich (der Karteneintrag wurde natürlich direkt korrigiert) und schließlich standen wir etwas verloren zwischen einigen Hügeln.
Wir entschlossen es uns einfach zu machen und steuerten den nächsten Campingplatz an. Dieser war wunderschön gelegen und wir konnten das Zelt etwas erhöht zwischen einigen Kiefern aufstellen, mit Blick auf das Meer und den vollen Mond.Read more
Ebrodelta: Reis & Geisterstadt
January 27, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 20 °C
Heute fuhren wir die Küste herunter bis zum Delta des Ebros. Der Fluss hat hier eine fruchtbare Halbinsel angespült, die zum Reisanbau genutzt wird. Bereits die Tage zuvor versuchten wir ein regionales Reisgericht zu probieren, waren aber leider zu spät dran - dort, wo wir waren stand, es nur auf dem Mittagsmenü. Vielleicht haben wir ja heute Glück.
Im Delta angekommen führte der Weg uns zunächst durch ein Naturschutzgebiet, das reich war an Vögeln aller Art. Neben Möwen sahen wir Kormorane, verschiedene Greifvögel und zu Evas Begeisterung eine Kolonie von Flamingos, die mit ihren Schnäbeln das seichte Wasser nach Futter durchsiebten. Von einem Aussichtsturm hatten wir den Blick über eine Welt, die sich nicht ganz zu entscheiden schien, ob sie dem Meer oder dem Land angehören. Auf der einen Seite eine Moorlandschaft, und Felder für den Reisanbau und auf der anderen Seite wattartiges Meer mit den nach Nahrung suchenden Vögeln und in einiger Ferne dahinter, Fischerhütten und Stege für die Muschelzucht.
Schließlich bogen wir auf eine asphaltierte Straße ein, die in die Stadt in der Mitte des Deltas führte, die man passenderweise Deltebre genannt hatte. Sie bestand aus einer kleinen Zahl eher dahingeworfener Häuser jüngeren Ursprungs und hatte den Charakter einer Arbeiterstadt. Sicher entstanden durch den Reisanbau drumherum. Warum sonst auch sollte eine Stadt mitten in einem Flussdelta umgeben von Feldern erbaut werden?
Auch hier versuchten wir nun unser Glück den regionalen Arroz zu probieren, doch diesmal waren wir zu früh. Hier gab es erst am Abend wieder Reisgerichte, tagsüber bzw. nachmittags gab man sich scheinbar mit Sandwiches zufrieden. Selbst die
Arroceria eröffnete erst wieder um 20 Uhr.
So lange wollten wir dann doch nicht warten und brachen auf. Flussaufwärts entlang des Ebros, der übrigens den ersten wirklichen Fluss mit Wasser darstellt, den ich in Spanien zu sehen bekomme. Normal im Januar oder Folgen der Dürre? Der Radweg am Ebro war auf jeden Fall wunderschön und gut ausgebaut - eine Empfehlung für alle, die Mal in die Gegend kommen und probiert den Reis, der ist bestimmt Spitze!
In der Dämmerung kamen wir noch an einer Geisterstadt bzw. Siedlung vorbei. Warum hier etliche, fast fertiggestellte, Gebäude leer standen und nun verfielen, darüber konnten wir nur spekulieren. Vermutlich ist hier irgendeinem Investor das Geld ausgegangen. Auf jeden Fall schade, dass dafür ein Stück Natur weichen musste und nun alles so zurückgelassen wird.
Zum Übernachten finden wir heute ein Plätzchen in Flussnähe zwischen Kohlfeld und Orangenbäumen. Um Kochen und Essen in der Dunkelheit etwas gemütlich zu machen, bastel ich noch einen Raketenofen - das, was man abends eben so macht.Read more

Traveler
Sag mal wo bekommst du eigentlich den Krempel her dir mal eben so einen Ofen zu bauen?
?- Refugi Caro: In die Berge
January 28, 2024 in Spain ⋅ ⛅ 15 °C
Wach werden wir heute zwischen einem Kohlfeld und ein paar Orangenbäumen. Ein paar der am Boden liegenden Orangen werden auch direkt zum Frühstück gesnackt. Dann radeln wir bis Tortosa, die letzte größere Stadt vor unserem Weg in die Berge. Wir decken uns mit Verpflegung für die nächsten 2-3 Tage ein, füllen Benzin auf und laden nochmal die Handys in einem Café.
Nach etlichen Leckereien im Café fühlen wir uns dann auch bereit, den berüchtigten Weg in die Berge anzutreten. Warmshower-Josef hatte uns zwei Tage zuvor gewarnt, dass dieser knallhart sei, mit unserem Gepäck kaum schaffbar und für Eva sowieso unmöglich - zumindest die Serpentinen.
Die gut ersten 10 km und 200 hm radeln wir durch Olivenhaine. Je näher wir den Bergen kommen, desto nebeliger wird es. Irgendwann zeigen die Schilder am Straßenrand die Steigung des nächsten Kilometers an. Bis auf den ersten der zehn Kilometer bleibt auch alles unter 10 %. Die Serpentinen stellen sich schließlich als wahre Enttäuschung heraus - waren wir doch davon ausgegangen, diese nicht zu schaffen.
Aber Spaß bei Seite. Anstrengend wars auf jeden Fall und insbesondere die Sichtverhältnisse ließen zu wünschen übrig. Weiter als 20 m konnte man kaum sehen. Autos hörte man glücklicherweise, bevor sie plötzlich vor uns auftauchten. Die Hupe am Fahrrad war hier Gold wert, sodass wir uns ebenfalls den Autofahrern ankündigen konnten.
Fast oben angekommen, lichtete sich der Nebel, die Sonne brach durch und die Luft wurde trockener. Ein grandisoser Anblick.
Spontan entscheiden wir uns für einen Zeltplatz neben der Refugio Carlo. Genießen in der warmen Hütte das Pilzomelette des Wirtes, lassen uns von ihm nochmal die Route für den morgigen Tag erläutern und schließen ab mit einem selbstgemachten Kräuterschnaps aufs Haus.Read more
Im Parc Natural dels Ports
January 29, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 11 °C
An diesem Tag ließen wir die Fahrräder zunächst stehen, um zu Fuß die restlichen Höhenmeter zum Gipfel des Mont Caro zu erklimmen. Dieser hat eine Höhe von 1440 m ü NN und bietet theoretisch eine fantastische Sicht über die Ebene zum Mittelmeer, sogar Mallorca soll man erkennen können. Praktisch standen wir leider wieder in der Wolke. Trotzdem war der Fußweg den Berg hinauf wunderschön. Wir bewunderten die Wassertropfen, die auf den Kiefernnadeln kondensierten, sowie die mediterrane Vegetation mit Lavendel und Rosmarin.
Im Anschluss machten wir uns auf unseren Weg quer durch die Berge. Unser Wirt hatte uns am Vorabend von dem Mountainbike Trail abgeraten und die Straße empfohlen, die sich gen Südwesten in Richtung Fredes durch die Berge schlängelte. Zunächst ging es auch gut voran, später wich der Asphalt einem losen Schotter. Je schlechter der Boden, desto schwieriger war es mit dem Fahrrad zu fahren. Insbesondere bei Steigungen griffen die Räder teils nicht und das Vorderrad brach aus. Auch gab es hier Anstiege, bei denen wir sicher waren, dass sie die 10% Marke deutlich überschritten. So mussten wir doch teilweise schieben, um Fahrrad und Gepäck sicher den Berg rauf und runter zu bekommen.
Belohnt wurden wir dafür mit Ausblicken in wilde Schluchten und vollständiger Stille. Wir begegneten auf dem ganzen Weg keinem Menschen. Wohl fanden wir ab und an verlassene Häuser, die wirkten wie Ferienhäuschen oder Jagdhütten, jedoch alle wohl nicht mehr genutzt. Auch trafen wir auf die Hinterlassenschaften von Kühen und von Zeit zu Zeit drang ein Klingeln an unser Ohr, ohne dass wir jedoch die Urheber erspähen konnten.
Wir suchten an dem Tag unseren Campingplatz recht früh und fanden eine schöne offene Fläche, eben und groß genug für ein ganzes Ferienlager. Schließlich brauchten wir uns nur Sorgen zu machen, unser Zelt könnte nachts von Kühen übersehen werden.
Das Abendessen schmeckte an diesem Abend besonders gut, nicht nur wegen der Anstrengung, sondern auch, weil wir wilde Wacholderbeeren und Rosmarin gesammelt hatten, um die Soße zu aromatisieren. Wir waren uns einig, dass ein Kräutergarten zu Hause ein gutes Projekt wäre.Read more
Tag aus den Bergen: Abfahrt!
January 30, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 15 °C
Die letzte Nacht in den Bergen ist wohl die stillste gewesen, die ich je im Zelt erlebt habe. Es waren tatsächlich gar keine Geräusche zu hören. Totale Stille - total faszinierend. Am Morgen wurde diese dann von ein paar Kuhglocken durchdrungen, sehen konnten wir allerdings immer noch keine. Wir brachen auf und hielten auf unserem Weg nach Fredes, dem ersten Dorf nach hinter den stillen Bergen, einige Male an, um ein paar verlassene Häuser, Ruinen oder auf dee Karte eingezeichnete Höhlen etwas näher zu betrachten.
Kurz vor Fredes bekamen wir schließlich doch noch die Glockenläuterer zu sehen. Das folgende Dörfchen war verschlafen, ohne Tourismus schien hier nicht viel los zu sein - oder wir waren mal wieder spät und alle hatten sich in die Siesta verabschiedet. Auf jeden Fall waren hier mehr Raupen als Menschen zu sehen.
Schließlich begann eine traumhafte Abfahrt. Das Gefälle war nicht zu stark, sodass wir nicht zu viel bremsen mussten und die hart erkämpfen Höhenmeter genüsslich rollen konnten. Die Strecke ermöglichte zudem wunderbare Blicke auf das Kloster Santa Maria Benifassà (leider waren wir am falschen Wochentag da und eine Besichtigung war nicht möglich) und die Stadt el Ballestar.
Auf einem kleinen Abschnitt schleusten wir uns zum Ärgernis einiger Bauarbeiter durch eine Baustelle - eine wirkliche Alternative gab es aber auch nicht, schließlich war das hier die einzige Abfahrt in unsere Richtung.
Den Stausee, den wir schließlich erreichen sollten, erkannten wir erst beim zweiten Blick als solchen. Die vorhandene Wassermenge war eines Stausees nicht würdig - erschreckend wie sehr sich überall die Dürre zeigte.
Von der Abfahrt etwas ausgekühlt, kehren wir hier direkt in einem Restaurant mit einem riesigem offenen Gril und einer gewissen Western-Atmospähre ein. Im Anschluss rollten wir das letzte Stück Abfahrt herunter, fanden ein nettes Zeltplätzchen auf einem Hügel und kochten ein weiteres Mal mit frischen Kräutern (Wacholder, Thymian, Rosmarin, Salbei).Read more
Irgendwo im nirgendwo: Zurück ans Meer
January 31, 2024 in Spain ⋅ ☀️ 13 °C
Der nächste Morgen bescherte uns einen wunderschönen Sonnenaufgang und von unserem Hügel aus einen guten Blick über die uns umgebende Landschaft. Im Dunst sah man die Berge und in der Ferne stieg der Rauch eines Feuers auf. Wir waren zurück in der Ebene und wollten wieder ans Meer.
Wir kamen recht schnell auf den Eurovelo 8, der uns kreuz und quer durch Orangenplantagen führte. Dies brachte folgende Erkenntnisse: Orangen frisch vom Baum schmecken ungefähr so wie aus dem Netz. Es liegen sehr viele Orangen am Boden, die man auf Essensrettungsmission aufsammeln kann. Und Orangen- und Mandarinenbäume sehen so ziemlich genau gleich aus. Außerdem passierten wir mehrere Gruben, über deren Ursprung und Zweck wir rätselten. Kiesabbau? Müllhalde? Teilweise waren auch Orangenplantagen in so einem Loch gepflanzt.
Zurück am Meer hieß zurück auf der Strandpromenade.
Wir erreichten Peñiscola, ebenfalls eine Empfehlung von Josep. Auf einer runden Halbinsel steht hier eine Stadt aus dem Mittelalter, mit Stadtmauern und engen Gässchen, die bergauf zur Burg führten. Von oben sah man in alle Richtungen weit über das Meer und in einer Richtung die Hotelhochhäuser. Wir schoben eine Weile durch die Gassen und begutachteten das Angebot der Souvenirläden, besonders gut gefiel uns ein Sträßchen, in dem es auf jedem Balkon grünte und die Fenster- und Türrahmen blau gestrichen waren. Auch war hier jeder Balkon von unten mit bunten Fliesen verziert, wie man beim Blick die Fassade hinauf sehen konnte.
Hinter Peñiscola kamen wir in das erste Naturschutzgebiet an der Küste. Offenbar war es hier zu felsig, um allzu viele Hotels zu bauen. Es war wunderschön. Wir passierten den Torre Badum, zu dem es keinen Eingang gab und blickten im Licht der sinkenden Sonne zurück auf die Halbinsel. Die Wege würden wieder schlechter und wir fuhren auf und ab, immer wieder mit Blick auf das glitzernde Meer. Immer wieder gab es auch Zugänge zu kleinen, felsigen Stränden, zu denen man vom Weg ein paar Meter durch Gebüsch gehen musste. Wir hatten schon vorher beschlossen im Parc Natural de la Serra d'Irta zu übernachten und fanden einen Zeltplatz in einer Mulde zwischen Weg und Meer, die von der Straße aus nicht einzusehen war und in der das Meer nicht zu laut war.Read more
Barranc d'Irta - Marina d'Or: Zugebaut
February 1, 2024 in Spain ⋅ ☀️ 8 °C
Der Tag beginnt mit einem schönen Sonnenaufgang im Naturpark Barranc d'Irta. Wir lassen uns Zeit beim Frühstücken und nutzen den Vormittag zum Baden und Laden der Elektrogeräte mit dem Solarpanel.
Als wir nach dem Mittag auf der holprigen Straße aufbrechen, kommt uns Erik aus Italien (wohin er nun zurück radelt) entgegen. Er war auf den Kanaren, reist mit Minimalgepäck, Sommerausstattung und friert nachts inzwischen. Wir tauschen uns aus und empfehlen ihm Warmshower-Joseph und den Kirchzeltplatz auf dem Berg.
Auf unserer Strecke passieren wir heute etliche verlassene Häuser, teils schöne Finkas in herrlicher Lage. Das Einsteigen in eins der Häuser lassen wir uns natürlich nicht nehmen und erkunden es ein bisschen. Neben einer "Bild der Frau" Ausgabe 2011 (wer auch immer die hier her gebracht hat), ist das Gebäude leider ziemlich vermüllt. Wir fragen uns, seit wann es leer steht, wem es gehört und warum es - genaue wie viele weiteren - nicht mehr genutzt wird? Die Lage hier wäre zumindest für Urlauber attraktiv.
Stattdessen finden sich in den folgenden Städten riesiege teils neue, teils nicht fertiggestellte Hotellbauten oder Luxuscampingplätze. Das kuriose: Die Städte sind fast ausgestorben. Im Sommer muss hier die Hölle los sein, nun finden sich hier nur ein paar ältere Herrschaften, denen es in Deutschland, Frankreich oder wo auch immer wohl zu ungemütlich ist. Der Supermarkt in Marina d'Or zeugt mit seinen geschätzten 20 Kassen von denen nur eine geöffnet ist davon. Auch der Wikipediaeintrag der Stadt ist interessant [1]. Positiv wird von Mietwohnungen für Touristen, Meerwasser-Spa, etc. mit einer halben Millionen qm Grünfläche gesprochen. Oben ist der Artikel mit einem Warnhinweis "kein neutraler Wortlaut " versehen. Etwas gruselig dieser Ferienkomplex.
Das zwischen zwei dieser Hotelstädte liegende Moor, welches such als Naturpark gelabelt ist, ist ebenfalls interessant. Es ist immer wieder von kleinen Anbauflächen, die Schrebergärten ähneln, durchsetzt. In der mitte findet sich zudem ein geschlossener Bioladen und auch hier will uns mit dem ganzen Müll der zwischendrin herum fliegt, nicht ganz einleuchten, was das mit Bio oder Naturpark zu tun haben soll. Auch wenn deutsche Standards und Bürokratie uns manchmal ganz schön nerven, haben wir das Gefühl, dass etwas mehr davon hier durchaus angebracht wäre, um Naturpark Naturpark sein zu lassen und nicht Küsten nach Küste zu durchgehenden Hotelpromenaden zu erschließen.
[1] https://es.m.wikipedia.org/wiki/Marina_d'OrRead more
Valencia: The city of water
Feb 2–4, 2024 in Spain ⋅ 🌙 12 °C
Für den Freitag hatten wir uns die Ankunft in Valencia vorgenommen, also gute 100 km Fahrt.
Der Morgen begann sehr gut mit einer Nachricht von Jose: Eric, der italienische Radreisende war tatsächlich schon bei ihm angekommen und hatte die Grüße von uns ausgerichtet. Jose zeigte sich sehr beeindruckt, dass wir es tatsächlich gewagt hatten, den Mont Carlo zu bezwingen und schrieb:
"Hello Tim & Eva
I just hosted Erik, the Italian boy you met in the Irta mountain range, what a great cyclist, although he has a bit of a bad knee.
He made me very happy that you sent me your regards, he told me that you did the snail climb in Mont-Caro.
How was the experience of the climb, were you able to climb well?
It scares anyone, it is a challenge for the bravest.
I hope you enjoy your stay.
Greetings."
Mit dieser Adelung als Radreisende konnte der weitere Weg natürlich keine Schrecken für uns haben.
Die Einfahrt in Valencia unterschied sich bereits sehr von dem Fahren in Barcelona. Wir kamen auf eine Radschnellstrecke, die uns über einige Kilometer aus dem Umland in die Stadt führte. Offenbar hatte man in der Verkehrsinfrastruktur einen anderen Schwerpunkt gesetzt als die Nachbarn. Auch wurde man in EU's Green Capital 2024 begrüßt, was Gutes hoffen ließ.
Für die Übernachtungen hatten wir wieder ein Airbnb gebucht. Dieses unterschied sich allerdings ebenfalls deutlich von unserer Unterkunft in Barcelona. Wir wohnten mit der Vermieterin in einer Wohnung, die sich ein Schlafzimmer mit ihrem Säugling und ihrer Mutter teilte. Dabei sah der Rest der Wohnung wirklich eher so anonym aus, als handele es sich eigentlich dauerhaft um eine Ferienwohnung. Wir konnten nur spekulieren, wie lange dieses Arrangement schon anhielt beziehungsweise noch halten muss.
Für den Besuch von Valencia hatten wir einige hilfreiche Hinweise bekommen (Danke, Tabea!).
Hauptsächlich handelte es sich hierbei um kulinarische Empfehlungen, sodass wir unsere Essensaufnahme gut planen mussten, um alles verköstigen zu können, was man in Valencia geschmeckt haben muss.
Den Samstagvormittag verbrachten wir in einer wunderschönen Markthalle und schlenderten Reihe um Reihe an den Ständen entlang, für Empanadas und Paella.
Auch fanden wir hier tatsächlich einige Souvenirs.
Als nächstes wollten wir unbedingt Horchata (auch Orxata geschrieben) probieren. Offenbar handelt es sich hierbei um ein für die Region typisches Getränk, das aus Erdmandeln hergestellt wird, die über Nacht in Wasser eingelegt werden. In anderen Ländern wird Horchata auch aus Reis oder anderen Nüssen oder Saaten produziert. Letztlich eigentlich gar nicht so anders als Milchersatzprodukte, die sich mittlerweile in jedem Supermarkt finden lassen. Der Ursprung dieses Erfrischungsgetränks liegt natürlich mal wieder bei den Römern, die allerdings Gerste als Basis benutzten. Traditionellerweise werden dazu Fartons gegessen.
Wir fanden es vor allem ganz schön süß,
Außerdem gab es nochmal Churros, dieses Mal allerdings mit heißer Schokolade zum Dippen und im Café mit Blick auf die Plaça de la Reina.
In dieses Café mussten wir am Sonntag übrigens gleich noch einmal, denn hier gab es die Möglichkeit einer Degustacion verschiedener Trinkschokoladen mit unterschiedlichem Schokoladen- und Milchgehalt, serviert in unterschiedlicher Temperatur.
Um weiter in die Küche Valencias einzusteigen nutzten wir während unseres Aufenthalts auch sehr gern ToGoodToGo. Das war in der neuen Stadt besonders spannend, weil wir darüber einige Ecken kennenlernten, in die wir sonst nicht gekommen wären. Am Freitagabend hatten wir in einer Konditorei ein paar Teilchen über die App gekauft und fanden uns in einer schicken Markthalle wieder, wo wir am Ende den Abend verbrachten.
Auch am Samstagabend retteten wir unser Abendessen vor der Tonne und bekamen von einem Bioladen fast ein ganzes Menü. Also auf jeden Fall eine Empfehlung, wenn man in einer unbekannten Stadt neue Entdeckungen machen möchte.
Damit unsere Bildung nicht zu kurz kam, entschieden wir uns am Sonntagmorgen dann ausnahmsweise für ein Museum - natürlich das Museo del arroz, also das Reismuseum. In dem Gebäude, in dem im vergangenen Jahrhundert tatsächlich Reis verarbeitet wurde, konnte man hier die Maschinen betrachten, mit denen der Reis gereinigt und geschält worden war, um für den Konsum vorbereitet zu werden. Es wurden verschiedene Reissorten präsentiert, die für die Herstellung von Paella geeignet sind.
Und vor allem lernte man sehr viel über das Ökosystem der Albufera, dem Reisanbaugebiet im Süden Valencias. Offenbar ist dieses durch den Reisanbau und die damit einhergehende Eutrophierung des Sees bedroht.
Passenderweise befand sich das Museum in der Nähe des Hafens und der Marina, der wir auch einen Besuch abstatteten. Dabei gerieten wir durch Zufall in die Zieleinfahrt eines Radrennens (auf die ankommenden Radsportler hätte man allerdings laut Anzeige noch 3 Stunden warten müssen). Das Rennen war offenbar schon einige Tage gegangen mit täglichen Etappen von 160 km. Wir waren uns sicher, dass wir da nach unserem Bergtraining wohl gut hätten mithalten können.
Auf dem Weg zurück in die Stadt besuchten wir auch die Ciutat de les Arts i les Ciències, ein beeindruckendes architektonisches Projekt.
Insgesamt fühlten wir uns in Valencia sehr wohl und die Atmosphäre gefiel uns deutlich besser als in Barcelona. Wohl auch, weil der Tourismus deutlich weniger präsent war.
Am Sonntagabend ging es für mich (Eva) dann aber wieder in den Zug und zurück nach Barcelona, von wo ich am nächsten Tag den Zug zurück nach Deutschland nehmen wollte.
Tim hingegen blieb noch einige Tage in der Stadt, um die weitere Route zu planen, am Paper zu arbeiten und das Gepäck zu sortieren.Read more
Valencia Teil II
Feb 4–6, 2024 in Spain
Eva ist heute Nachmittag wieder abgereist, da mir Valencia aber bisher so gut gefallen hat und ich noch ein bisschen zu erledigen habe (Routenplanung, Paperkrams), bleibe ich noch zwei weitere Nächte in der Stadt.
Am Nachmittag fahre ich durch das grüne Band im Flussbett Richtung Hafen, dort hatten wir die Vorbereitungen für ein Radrennen gesehen. Leider bin ich ein paar Minuten zu spät und sehe nur noch, wie die Räder professionell gereinigt werden. Überhaupt ist es beeindruckend, was neben dem Mannschaftsbussen der Rennteams in den Technikwagen vorhanden ist. Platz für etliche Räder und Ersatzteile, Waschmaschine, Hochdruckreiniger und Druckluft bzw. überhaupt eine ganze Fahrradwerkstatt. Eine fahrende Werkstatt hätte ich auch gerne Mal dabei und auf die einfache Reinigungsmethode bin ich auch etwas neidisch, wenn ich diese mit meiner vergleiche... Naja, dafür bekommt mein Fahrrad edelste Maniküre auf seine Wunden, um sie vor Rost zu schützen (Danke Martin für den Tipp).
Am Abend fahre ich nochmal raus nach Port Saplaya und schaue mir die wunderschönen buten Häuser in der Abenddämmerung an. Auf dem dunklen Rückweg in die Stadt werde ich etwas wehmütig. Nun bin ich wieder alleine unterwegs, das fühlt sich erstmal wieder komisch an und bedarf vermutlich wieder ein paar Tage Gewöhnung. Zu zweit ist es doch irgendwie einfacher, zwar muss man sich mehr absprechen und wird gefühlt etwas seltener angesprochen, aber man kann Erlebnisse teilen, Routen gemeinsam festlegen oder abends gemeinsam einen Schlafplatz suchen (gilt natürlich gerade nicht für Valencia).
Den letzten Tag plane ich noch die weitere Route, erledige sonst noch ein bisschen Krams im Hostel und schlendere durch die Stadt. Valencia hat mir sehr gut gefallen, besser als Barcelona. Es war weniger wuselig und touristisch, dafür umso grüner, wirkte etwas alternativer und gleichzeitig organisierter und moderner. Auch die Radinfrastruktur war nicht verkehrt, zwar musste ich mich etwas an die Radwege, die für beide Richtungen gedacht sind, aber meist nur auf einer Straßenseite verlaufen und mit geschätzten 2 m (beide Seite) relativ schmal sind, gewöhnen, wenn dies aber erstmal getan ist, funktioniert das Netz aus diesen ziemlich gut und man kommt schnell voran.Read more















































































































































































































































































