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- День 49
- среда, 13 августа 2025 г., 21:00
- 🌙 26 °C
- Высота: 910 м
КазахстанAlmaty43°14’1” N 76°57’27” E
Tag 49 - Ein paar Gedanken …
13 августа, Казахстан ⋅ 🌙 26 °C
… zu Kasachstan und Zentralasien von Arnd:
Für Interssierte
Ein Vergleich zu Australien:
Mir kam in den Sinn, daß diese beiden Länder einiges gemeinsam haben, natürlich auf unterschiedlichem Entwicklungsstand. Sie haben ähnlich viele Einwohner, Australien 27 Millionen, Kasachstan offiziell 20 Millionen, aber man sagt, dass es mehr sind. Beide Länder sind riesig, wobei Australien zweieinhalb mal so groß ist. Diese Landfläche ist vor allem gefüllt mit Wüsten bzw. Steppen und deshalb sehr dünn besiedelt. Die Menschen leben vor allem an den Rändern.
Beide Länder leben zu einem erheblichen Teil vom Export von Rohstoffen. In Kasachstan ist da viel Erdöl dabei, in Australien Kohle, aber es gibt in beiden Ländern auch Mineralien. Bei den Wirtschaftsfaktoren ist Australien natürlich weit voraus, aber bei der tatsächlichen Kaufkraft, also was man für sein Geld bekommt, ist der Unterschied weit weniger groß.
Internet:
Für sein auf so einer Reise absolut unverzichtbares SmartPhone braucht man in jedem Land erneut eine SIM-Karte. Heute gibt es die auch in Software, das heißt dann eSIM. Und für Touristen ganz wichtig, es gibt Unternehmen, die eSIMs für praktisch alle Länder der Welt anbieten. Das ist zwar teurer, aber man spart sich einiges an Mühen und man hat im neuen Land sofort eine Internetverbindung. Man kauft die eSIM schon bevor man ins Land kommt und muss sie auch am besten schon vorher aktivieren, denn dazu braucht man eine Internetverbindung. Eine solche eSIM kauft man online, das dauert nicht mal eine Minute. Der einzige Nachteil dabei ist, dass man keine lokale Telefonnummer bekommt.
Wir waren zwar mit unserer schon in Georgien online gekauften eSIM ins usbekische Internet gestartet. Die hat aber nicht gut funktioniert und der Verdacht war, dass wir mit einer lokal erworbenen besser dastehen. Also haben wir nochmal Geld ausgegeben und da gab es dann auch eine Telefonnummer dazu. Zu dem Zweck sind wir zu einem Geschäft gefahren, mussten etwas warten und dann hat es bestimmt eine halbe Stunde gedauert, bis alles lief. Wegen der Telefonnummer müssen sie die Passdaten aufnehmen, das ist in fast in allen Ländern so. Ob wir dadurch wirklich besseres Internet hatten, glaube ich nicht. Es lag wohl eher an dem nicht so gut ausgebauten Netz.
Mit der usbekischen Telefonnummer konnte sich Hea-Jee aber endlich bei dem Taxiunternehmen Yandex anmelden, dass in ganz Zentralasien online bestellbare Fahrten anbietet. Das war der Hauptgewinn dieser lokalen SIM und einmal angemeldet funktioniert Yandex jetzt auch in Kasachstan und auf unserer Rückreise in Georgien und der Türkei.
Für Touristen ist Yandex sehr einfach und bequem. Die App auf dem Smartphone weiß, wo man ist. Man wählt wo man hin will, entweder per Text, oder auf einer Karte. Dann wählt man die Autokategorie. Wir brauchen etwas größere Wagen, sonst wäre es mit unserem Gepäck doch arg eng. Die App sagt, was es kostet, kein Taxifahrer kann einen Touristen abzocken. Es gibt keine Verständigungsprobleme mit dem Taxifahrer. Schließlich drückt man auf den Bestellknopf. Meist nach wenigen Sekunden sieht man, wann das Taxi kommen wird, wie das Auto und der Fahrer aussieht, wie der Fahrer heißt und welches Nummernschild das Taxi hat. Und dann kann man auf der Karte sehen, wo das Taxi gerade ist. Am Ende der Fahrt wird das Geld einfach von der Kreditkarte abgebucht, die man einmal in der App hinterlegen muss. Man kann noch den Fahrer bewerten und ihm per Klick ein Trinkgeld zukommen lassen - wird auch abgebucht. Komfort im amerikanischen Stil.
Verkehr:
Auch in Kasachstan gibt es wieder breite Straßen und viele Autos. Der Stadtgrundriss ist zu einem erheblichen Teil ein Schachbrettmuster. Die größeren Straßen davon sind alle vierspurig.
In Usbekistan waren Fußwege neben der Straße ein seltenes Luxusgut. Und dann auch oft unterbrochen oder kaputt und bis zur Unbenutzbarkeit zugeparkt. In kleineren Straßen gibt es sie gar nicht, die muss man sich mit den Autos teilen und die sind die Könige der Straße. Besser, man versteckt sich rechtzeitig zwischen parkenden Autos. Das einzige was hilft sind die Holperschwellen, die auf manchen Straßen alle 25m aufgebracht waren. Die Autos mussten also ständig runterbremsen. Sonst wäre das wirklich gefährlich.
In Kasachstan war die Situation deutlich freundlicher, wir sahen hier auch viele Baustellen, wo neue Fußwege angelegt werden und die sind auch gut, häufig hatten sie auch Bäume. Außerdem gab es diese schönen Fußgängerbereiche. Es sieht so aus, dass man sich hier der Lebensqualität bewusst ist, die eine gute Infrastruktur für Fußgänger bringt.
In Usbekistan domierte eine einzige Automarke das Bild, Chevrolet. Einer unserer Guides hat uns gesagt, dass die in Usbekistan gefertigt werden und quasi ein staatliches Monopol haben. In Kasachstan sind die Autos wohl alle importiert und dann bekommt man alles an Marken zu sehen, was es so gibt. Die Autos sind durchaus gehoben und in gutem Zustand, keineswegs ärmlich. Das Durchschnittseinkommen hier beträgt aber nur knapp 800$. Allerdings dürfte es wieder eine große Spreizung der Einkommen geben und die Menschen in Almaty gehören sicher zu den Wohlhabenderen. Der Automotorisierungsgrad dürfte aber noch deutlich geringer sein, als in den wohlhabenden Ländern und deshalb schnell weiter zunehmen, mit der Folge von immer mehr Staus.
Aber Könige sind die Autofahrer hier auch. An die Geschwindigkeitsgrenzen halten sie sich aber, da hatte wohl die Polizei drauf bestanden.
Der öffentliche Verkehr ist auch gut ausgebaut und meist ziemlich voll. Es gibt eine U-Bahnlinie. Hier wie auch schon in Usbekistan muss man erst durch eine Gepäckkontrolle mit Röntgenscanner und Metalldetektoren, um überhaupt in die U-Bahnstation hereinzukommen. In Usbekistan hatte man Probleme mit Terrorismus und dann bekommt man solche Schutzmaßnahmen. In Kasachstan weiß ich den Grund nicht. Dann geht es die Rolltreppe runter. Die läuft hier langsamer, als in Georgien, ist auch sehr lang und braucht fast 3 Minuten. In Usbekistan war die U-Bahn nicht so tief unter der Erde. Die Überwachung läuft hier per Kamera und nicht mit Frau im Häuschen. Die Bahnen kommen etwa alle 5 Minuten, lange warten muss man also nicht mehr, wenn man erstmal unten angekommen ist.
Es gibt eine große Zahl von Buslinien. Auch ein paar O-Buslinien, wovon ich ja ein großer Fan bin. Die Dokumentation über das Bussystem ist, wie auch in Usbekistan und Georgien stark verbesserungswürdig. Die Haltestellen an der Straße haben ein Dach und sind so erkennbar. Das war in manchen Städten in Usbekistan schon nicht immer so. An vielen Haltestellen fehlt aber jedwede Information. Man weiß nicht, welche Linien hier lang fahren und auch nicht wie oft. Ein fester Fahrplan ist bei Bussen, die mit den Autos im Stau stehen sowieso ein frommer Wunsch. Deshalb wäre es ideal, wenn sie alle 5 bis 8 Minuten fahren. Das geht nur, wenn das System von genügend vielen Menschen genutzt wird und das geht mit zunehmenden Autoverkehr verloren.
Zum Zahlen gibt es verschiedene System, für uns brauchbar war aber wieder nur die prepaid Chipkarte, die wir uns auch gleich nach der Ankunft besorgt haben. Für die U-Bahn arbeiten sie an einem Zahlverfahren per Gesichtserkennung. Das wäre sehr bequem, man kann einfach durch die Sperre gehen. Für jemanden, der sich schonmal mit Datenschutz beschäftigt hat, ist das allerdings ein Horrorszenario. Ein Traum wäre natürlich eine App, die man einfach installiert und online aufladen kann. Aber dafür bräuchte man ein anonymes (also keine Anmeldung erforderlich) digitales Bezahlverfahren. Die Europäische Zentralbank arbeitet ja an einem digitalen Euro. Das könnte so etwas werden, wenn es nicht wieder von Partikularinteressen und ihren Heerscharen an Lobbyisten versaut wird. Was auch schön wäre bei diesen Chipkarten, wäre eine landesweite Gültigkeit. Das gibt es in den Niederlanden. In Usbekistan waren wenigstens die großen Städte abgedeckt.
Es gibt, wie auch in Usbekistan, eine App. Da muss man sich aber anmelden und dazu braucht man eine kasachische Telefonnummer. In Usbekistan hatten wir eine Telefonnummer. Deshalb konnte ich die dortige App benutzen. Allerdings auch nicht vollständig. Für das online aufladen unserer Zahlkarte hätte ich ein usbekisches Bankkonto gebraucht.
In Kasachstan sind wir bei der vorab gekauften eSIM geblieben und hatten deshalb keine Telefonnummer. Daher konnte ich die kasachische Nahverkehrs-App gar nicht benutzen und war auf eine Online Buslinienkarte angewiesen, was ziemlich umständlich war. Dabei hätte diese App sicher einige Funktionen, die auch ohne Registrierung gehen würden. Allein schon die Suche nach einer Verbindung von A nach B wäre extrem hilfreich, oder Fahrplaninformationen. Aber an die Touristen hat man wohl nicht gedacht. Wieviel Fahrten wir noch auf unserer Zahlkarte haben, wissen wir auch gar nicht.
Was am Busverkehr auch schwierig ist, ist der Abstand der Haltestellen. Die liegen zwischen 500m und einem Kilometer auseinander. Da muss man schon ganz schön weit zu bis zur nächsten Haltestelle zu Fuß laufen. Bei den hiesigen Temperaturen macht das wenig Spaß. Zum Vergleich, den Stadtplanern in Deutschland gilt eine Entfernung von 200m als zumutbar. Danach werden z.B. Parkhäuser geplant.
Echte Sehenswürdigkeiten gibt es in Almaty nicht so viele. Ich habe eine Webseite gefunden, die 29 Top Sehenswürdigkeiten verspricht. Die Hälfte davon waren Malls, also Einkaufszentren mit einem Markenshop neben dem nächsten. Und zwar vornehme international bekannte Marken. Aussehen tun diese Gebäude wie die Kathedralen der Neuzeit, aber sie werden sicher keine 1000 Jahre in Benutzung sein. Dafür müssen wir nicht nach Kasachstan fahren.
Was hier attraktiv ist, ist die Landschaft. Südlich von Almaty erheben sich die Berge des Tian Shan Gebirges auf bis zu 4900m Höhe. Für Bergwanderer sicher ein sehr schönes Revier. Außerdem gibt es Wüsten und die schier endlose Steppe. Nur ist das etwas schwierig zu erreichen und erfordert gute Planung. Daher passt das bei unserer Reise leider nicht in den Zeitplan.Читать далее
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- День 49
- среда, 13 августа 2025 г., 11:59
- ☀️ 28 °C
- Высота: 781 м
КазахстанAlmaty43°15’47” N 76°57’18” E
Tag 48 & 49 - Ein bisschen Siteseeing
13 августа, Казахстан ⋅ ☀️ 28 °C
Nur Hea-Jee:
Gestern, als wir von frühmorgens bis spät in die Nacht unterwegs waren, habe ich die Müdigkeit kaum gespürt. Doch heute Morgen, beim Aufwachen, fühlte sich mein ganzer Körper schwer und schlapp an. Eigentlich wollte ich einen Tag im Quartier ausruhen, aber Arnd hieße nicht Arnd, wenn er gleicher Meinung wäre. Er überredete mich, wenigstens ein kleines Stück hinauszugehen, und so trottete ich etwas widerwillig hinterher.
Die berühmte russisch-orthodoxe Himmelfahrtskathedrale in Almaty (Ascension Cathedral) ist vollständig aus Holz gebaut, fast ohne Nägel, und trotzdem erdbebensicher – genau dafür ist sie bekannt. Ihr Äußeres wirkte etwas ungewöhnlich: verspielt wie aus einem Kinderbuch und in leuchtenden Farben bemalt. Ich recherchierte und erfuhr, dass dies der „neorussische Stil“ ist – eine moderne Wiederbelebung traditioneller russischer Architektur, die am Ende des Zarenreichs in Mode kam. Im Inneren dagegen dominierten byzantinisch-orthodoxe Elemente mit Ikonen und Fresken. Jedenfalls habe ich noch nie zuvor eine Kirche mit so viel Blattgold gesehen.
Der Zelyony Bazar, auch „grüner Markt“ genannt, interessierte Arnd weniger, da wir schon viele ähnliche Märkte in dieser Reise gesehen haben. Ich aber bestand darauf, hinzugehen – denn ich hatte gehört, dass die während der Stalinzeit zwangsweise umgesiedelten Koreaner hier Kimchi und andere eingelegte Gemüse verkaufen.
Nachdem wir die Bereiche mit Kleidung und Haushaltswaren durchquert hatten, betraten wir die große Lebensmittelhalle. Gleich am Eingang, nach den prachtvollen Obstständen, entdeckte ich die „asiatischen Gemüse“-Stände der Koreaner. Dort waren die verschiedensten Gemüsesorten wie Kimchi eingelegt und hoch aufgetürmt. Die Verkäuferinnen waren meist Frauen mittleren Alters. Als ich sie anlächelte und grüßte, deuteten sie mit Gesten an, dass wir probieren dürften. Viele Gemüsesorten kannte ich gar nicht, und ich war wirklich neugierig. Am liebsten hätte ich etwas gekauft, aber nur winzige Mengen zu nehmen erschien mir unhöflich – also beließen wir es beim Schauen.
Es gab auch verlockend aussehende Kimbap. Ich hätte wirklich gerne eins gegessen, doch alle Varianten waren mit rohem Lachs. Da wir rohen Fisch nicht mögen und es noch recht warm war, wagten wir nicht, ungekühlten Fisch zu essen. Schade – aber da wir am nächsten Tag eine lange Weiterreise vor uns hatten, wollten wir kein Risiko eingehen.
Stattdessen kauften wir Nüsse zum Knabbern unterwegs und eine frisch gepresste Flasche Granatapfelsaft, die wir im Park vor dem Bazar zusammen tranken. Wegen der Kerne hatte er einen leicht herben Geschmack. Wir waren beide so müde, dass wir kaum miteinander sprachen.
In Almaty sind die Abstände zwischen Bus- und Metrohaltestellen ziemlich groß. Man musste deshalb stets ein Stück laufen, und selbst wenn wir uns nur ein einziges Ziel am Tag vornahmen, war schon ein halber Tag vorbei. Die andere Hälfte verbrachten wir im Quartier, wo wir die Weiterreise nach China vorbereiteten.
Die Planung übernimmt fast vollständig Arnd. Er organisiert alles akribisch nach seinem eigenen Stil. Ich weiß, dass das unglaublich anstrengend und belastend für ihn sein muss, auch wenn er nicht so wirkt. Deshalb bemühe ich mich, nicht zu klagen, sondern mich seinen Plänen möglichst anzupassen. Aber ich darf nicht den Zeitpunkt verpassen, meine eigenen Wünsche rechtzeitig und klar zu äußern. Schließlich gibt er sich große Mühe, die Reise so zu gestalten, dass ich Freude daran habe.
Am letzten Tag in Almaty erledigten wir noch ein paar Einkäufe für die Zugfahrt. Wir gingen auch zum Optiker zurück, um uns bei der freundlichen Mitarbeiterin zu bedanken. Als kleine Geste überreichte ich ihr eine Schachtel Raffaello-Pralinen, die es in Deutschland gibt – zusammen mit meinem Dank dafür, dass die Brille so gut passte. Wir verständigten uns mit Gesten. Sie war sichtlich erfreut und zeigte die Schokolade stolz ihren Kollegen. Zum Abschied gab es eine herzliche Umarmung. Arnd, der lieber draußen wartete, sah alles. Er sagte nichts, aber ich bin sicher, dass auch er berührt war.Читать далее
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- День 47
- вторник, 12 августа 2025 г.
- ☀️ 29 °C
- Высота: 362 м
КазахстанАқтоғай ауылдық округі46°57’2” N 79°40’43” E
Tag 47 - Landtour
11 августа, Казахстан ⋅ ☀️ 29 °C
Arnd:
Heute hatten wir eine Tour gebucht, die uns zu ein paar der spektakulären Landschaften gebracht hat, die es hier in der Gegend gibt. Wir wurden morgens um 5:30 von einem Hotel bei uns in der Nähe abgeholt. Da wir morgens nicht viel Hektik mögen und das „Hotel in der Nähe“ einen fast halbe Stunde langen Fußweg bedeutete, sind wir um 3:30 aufgestanden. Die Tour hatte 12 Teilnehmer und wir hatten einen passenden Mercedes Sprinter Kleinbus. Das „hier in der Gegend“ hieß, dass wir am Ende des Tages gegen 23:00 650km weit gefahren waren.
Ich hatte einsame Landschaften erwartet, wo man hinter den Busch geht, wenn man mal eine Toilette braucht. Tatsächlich waren das natürlich ausgebaute Touristenhotspots. Aber schön war es trotzdem, wie man auf den Bildern sehen kann. Zunächst gab es drei Canyons. Der erste hatte so etwas Grand Canyon Feeling, nur etwas kleiner. Auf dem Foto gibt es einen Menschen. Danach ging es zum nicht minder spektakulären Mittagessen. Es war so viel aufgetischt, dass man alles nur mal probieren konnte. Die Hauptspeisen waren erst eine Hühnersuppe und dann Plov. Plov ist ein Reisgericht mit Gemüsen, Kichererbsen und oben drauf etwas Fleisch. Das gab es auch schon in Usbekistan.
Am Nachmittag standen dann zwei Seen an, die höher in den Bergen lagen. Der zweite ist ziemlich jung, er ist erst um 1930 durch ein Erdbeben entstanden. An der Stelle des Sees hatte es vorher einen Kiefernwald gegeben und die Stämme der Kiefern stehen bis heute im Wasser. Um dahin zu kommen, mussten wir einige Kilometer über eine üble Schotterstraße fahren. Da der Sprinter dafür nicht geeignet war, mussten wir in einen alten russischen Geländebus umsteigen. Es war eine wahnsinnige Schütteltour, begleitet von sehr lauter Musik des Fahrers. Irgendwie hatten wir aber alle unseren Spaß dabei und manche haben mitgesungen.
Dann ging es eine längere Strecke entweder zu Fuß, oder mit dem Pferd. Hea-Jee und mir war nicht nach reiten - Angsthasen. Hea-Jee hatte auch Sorgen um ihre kranke Schulter beim Auf- und Absteigen. Deshalb sind wir gleich zu Fuß losgelaufen und waren auch vor den Pferden oben. Die Pferde waren aber nicht groß und auch ausgesprochen gutmütig, die anderen hatten ihren Spaß damit.
Hea-Jee:
Ich dachte, wir wären den ganzen Tag gemütlich nur mit dem Auto unterwegs gewesen, um uns schöne Landschaften anzuschauen. Doch als ich zu Hause aufs Smartphone schaute, stellte ich fest: An diesem Tag waren wir insgesamt 23.000 Schritte gelaufen, 12,7 km zurückgelegt und ganze 124 Stockwerke hoch- und runtergestiegen. Und das bei der Hitze! Irgendwie fühlte ich mich trotzdem gut. Es war ein wunderschöner Tag!Читать далее

ПутешественникDer See mit den versunkenen Fichtenstämmen ist wahrscheinlich der Kaindysee:

ПутешественникDer Kaindysee ist ein Bergsee, der sich 129 Kilometer südöstlich von Almaty im Nationalpark Kolsai-Seen befindet und auf 1867 Metern über dem Meeresspiegel liegt. Er entstand 1911 infolge eines Erdbebens, das einen Erdrutsch auslöste und das Tal flutete, wodurch die dort wachsenden Fichten im Wasser versanken.
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- День 46
- понедельник, 11 августа 2025 г.
- ☀️ 33 °C
- Высота: 878 м
КазахстанAlmaty43°14’12” N 76°57’8” E
Tag 46 - Museum Almaty
10 августа, Казахстан ⋅ ☀️ 33 °C
Nur Arnd:
Heute waren wir im Zentralen Staatlichen Museum der Republik Kasachstan. Das ist das große Haus neben unserer Unterkunft, wir mussten also nicht weit laufen. Leider war wieder das Fotografieren mit richtiger Kamera verboten. Die haben noch nicht bemerkt, dass man heutzutage mit Smartphones exzellente Bilder machen kann. Das Gebäude selbst ist von 1985, also noch aus sowjetischer Zeit. Es ist groß und wirkt ziemlich modern.
Es gibt dort Ausstellungen zur Geschichte Kasachstans, beginnend bei den ersten Hominiden, die man hier gefunden hat. Am Anfang stehen sogar einige Dinosaurierknochen und ein Skelett eines Mammuts. Hea-Jee gefielen besonders die Mammuthaare.
Kasachstan ist ganz überwiegend eine karge Gegend, nur ganz im Süden gab es kultivierbares Land. Und es haben auch nicht so viele Menschen hier gelebt. Deshalb verwundert es nicht, dass die einzelnen Zivilisationsschritte hier etwas später auftraten. Auch gab es lange ein Nebeneinander von nomadischen und sesshaft lebenden Menschen.
Ich denke, der große Unterschied zu den Zivilisationen im Mittelmeerraum und Europa entstand durch die Domestizierung der Pferde und ihre große Bedeutung hier. Wie und wo die Pferde domestiziert wurden und wie genau das ablief ist noch nicht wirklich geklärt. Aber in Zentralasien haben sie die Geschichte geprägt. Lange Zeit diente das Pferd nur als Nahrung und Rohstoff. Erst das domestizierte Pferd brachte etwas revolutionär neues, eine dramatisch erhöhte Geschwindigkeit der Fortbewegung womit man die weiten Räume in Zentralasien erschließen konnte. Dazu kam die Kombination des Reitens mit Pfeil und Bogen, was in Zentralasien schon sehr früh zu hoher Perfektion entwickelt wurde. Für sehr lange Zeit war der berittene Bogenschütze die gefährlichste Kriegswaffe der Welt. Schon die Römer wurden sehr erfolgreich von den Hunnen bedrängt. Um 1240 AD haben die Mongolen fast Europa eingenommen. Das ist nur durch einen Zufall nicht passiert, ihr Großkhan war gestorben und der Heerfűhrer musste zur Wahl des Nachfolgers zurück und diese Wahl zog sich lange hin. In Ungarn und Polen und im Rest Asiens haben sie verheerende Verwüstungen angerichtet.
In den weiteren Ausstellungen ging es um neuere Geschichte. Interessant war eine Serie von Vitrinen, in denen Kleidung und verschiedene Objekte von Bevölkerungsgruppen gezeigt wurden, die hier leben und oft nicht freiwillig hergekommen sind. Es waren insgesamt 19 Vitrinen, darunter Deutsche, Polen, Ukrainer, Belarussen, Russen, Juden und auch Koreaner.Читать далее
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- День 45
- воскресенье, 10 августа 2025 г.
- ☀️ 34 °C
- Высота: 796 м
КазахстанAlmaty43°15’20” N 76°56’42” E
Tag 45 - Abendstimmung Almaty
9 августа, Казахстан ⋅ ☀️ 34 °C
Nur Hea-Jee:
In der Nähe unserer Unterkunft gibt es ein riesiges Einkaufszentrum. Gestern sind wir zuerst dorthin gegangen und haben festgestellt, dass es vor allem aus luxuriösen Importwaren bestand. Das war nicht das, was wir in diesem Land sehen wollten, und so waren wir enttäuscht.
Glücklicherweise gab es dort ein Fachgeschäft für Brillen. Dringend nötig, denn vorgestern war ich gegen eine Glasscheibe gelaufen und mein Titan-Brillengestell hatte sich verbogen.
Auf Arnds Rat tippte ich bei Google Translate ein: „Mein Brillengestell ist verbogen und ich möchte es reparieren lassen. Das Material ist Titan.“
Eine Angestellte mittleren Altern nahm meine randlose Brille und holte eine jüngere Kollegin als Dolmetscherin. Sie erklärte mir, Titan sei so hart, dass die Brille beim Reparieren kaputtgehen könnte. Ich sagte, das sei schon in Ordnung, und sie verschwand mit meiner Brille. Während wir warteten, fragte uns die junge Mitarbeiterin freundlich, ob wir etwas trinken möchten. Wenig später kam die ältere Frau mit einem strahlenden Gesicht zurück und reichte mir die perfekt reparierte Brille.
Mit dem Gefühl, dafür auch Gold bezahlen zu wollen, holte ich meinen Geldbeutel heraus. Doch sie sagte: „Das ist ein Geschenk Kasachstans an Sie.“ Als ich doch gerne bezahlen wollte, verschwand sie kurz, kam wieder und hielt mir zwei geballte Fäuste entgegen.
Ich dachte, sie wolle den Fistbump machen, und schlug leicht dagegen. „Nein, nein, so nicht“, sagte sie vielleicht – und ich verstand gar nichts. Schließlich öffnete sie beide Hände: In jeder lagen zwei kleine Schokoladen. Wir nahmen die Süßigkeiten mit dankbarem Herzen an und fragten, ob wir ein Erinnerungsfoto machen dürften. Sie stellte sich sofort lächelnd in Pose.
Auf dem Weg zum Mittagessen fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Sie hatte gewollt, dass ich mir eine Faust aussuche. In der gewählten Faust wären dann die Schokoladen gewesen. Aber Hea-Jee hatte in ihrer Verwirrung immer beide Fäuste angetippt – und so gleich vier Stück abgestaubt. Himmel!
Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Bevor wir Almaty verlassen, will ich unbedingt noch einmal vorbeischauen – mit einem Kuchen als Dank für die perfekt sitzende Brille.
Vielleicht lag es an diesem fröhlichen Start in den Tag – heute war einfach alles schön. Arnd hatte lange die Google-Bewertungen studiert und schließlich ein Restaurant ausgesucht, das uns vollkommen überzeugte. Er bestellte handgezogene Nudeln mit gebratenem Huhn und Gemüse, ich nahm eine Suppe, die wie koreanische Hochzeitssuppe aussah. Als sie kam, war die Brühe schwarz – also sicher keine koreanische Hochzeitssuppe – aber genau so erfrischend und köstlich.
Normalerweise teilen wir uns immer die Gerichte: Entweder von Anfang an auf zwei Teller oder wir tauschen nach der Hälfte. Heute jedoch sagte ich mitten im Essen: „Ich tausche nicht! Das esse ich alleine!“ Arnd schaute daraufhin sehr erleichtert. Wahrscheinlich, weil sein Gericht ihm gut schmeckte – und meins weniger verlockend aussah.
Zurück in der Unterkunft planten und buchten wir unsere nächsten Etappen. Heute wollten wir zum ersten Mal in unserer Reise selbst kochen. Während ich die Waschmaschine anwarf, kochte Arnd in der Küche. Es brutzelte, dazu stieg ein leicht muffiger Geruch auf. Da wir Gerüche unterschiedlich wahrnehmen, halte ich mich in solchen Momenten lieber zurück – man will ja niemanden beim Kochen den Spaß verderben.
Da auch Arnd nichts sagte, dachte ich schon, ich bilde mir den Geruch ein. Zur Sicherheit schaute ich auf das Sonnenblumenöl im Schrank: Auf dem Etikett standen unverständliche Zeichen mit „2013“. Das kann doch kein Verfallsdatum sein? „Das kann nicht sein, aber es riecht schon komisch“, sagte Arnd und schlug vor, es wegzuwerfen. Am Ende blieb nur eine kleine Aubergine, leicht in der Mikrowelle gegart, auf ein paar Crackern als Abendessen. (Ein Foto davon wollte Arnd nicht im „Pinguin“-Blog sehen – zu peinlich, meinte er.)
Abends gingen wir spazieren. Arnd wollte unbedingt U-Bahn fahren. Busverbindungen hatte er noch nicht recherchiert, also meinte er: „Es ist nicht weit, lass uns einfach laufen.“ Reingefallen! Wir liefen lange bis zur Station – und fuhren dann nur eine einzige Haltestelle. Trotzdem war Arnd begeistert: Er war endlich U-Bahn gefahren.
Weil sie zu Sowjetzeiten begonnen, obwohl erst vor Kurzem fertiggestellt worden war, liegt die Station sehr tief. Die Rolltreppen, Bahnsteige und Züge sind modern, sauber und schick. In einem Wagen entdeckte Arnd sogar das Hyundai-Logo.
Nach Einbruch der Dunkelheit zeigte sich Almaty von seiner lebendigsten Seite: Menschen aller Altersgruppen füllten die breiten Fußgängerzonen. Anders als in vielen europäischen Städten, wo links und rechts Geschäfte dominieren, reihten sich hier Cafés und Restaurants aneinander. Arnd meinte, das liege wohl an der „Post-Online-Shopping-Ära“ – man verkauft hier weniger Waren, sondern lädt die Leute mit gastronomischen Angeboten ein. Da das Land eine junge Bevölkerung hat, wirkte alles besonders modern und lebendig.
Ein klarer Unterschied zu den anderen Ländern unserer Reise: Überall Straßenmusiker! In der Türkei oder in Usbekistan war die Abendstimmung zwar ebenfalls fröhlich, doch Straßenmusik gab es dort nicht – vermutlich, weil ein hoher Anteil an Muslimen Musik und Kunst nicht unbedingt fördert. Auch in Kasachstan sind etwa 75 % Muslime, doch hier wird auf den Straßen gesungen, getanzt – und Kopftücher sieht man selten. (Arnd: Liegt es vielleicht am Einfluss der sowjetischen Kommunistischen Partei, die die Religion unterdrückte? Hea-Jee: Wenn das so ist, warum ist es dann in Usbekistan, das dieselbe Mehrheitsreligion hat, anders? Fazit: Keine Ahnung.)
Von der guten Stimmung angesteckt, warf ich dem ersten Musiker gleich einen ordentlichen Betrag in den Hut. Beim nächsten gefiel mir die Musik zwar weniger, aber ich wollte nicht unfair sein – also wieder derselbe Betrag. Beim dritten und vierten genauso. Dann trafen wir drei Kinder in traditioneller Kleidung, die auf traditionellen Instrumenten spielten. So rührend, dass ich ihnen am liebsten das Dreifache gegeben hätte – Arnd fand das übertrieben. Wir einigten uns auf das Doppelte – „vom gesparten Abendessen heute“, wie ich argumentierte.
Dem Mädchen im Rollstuhl, das mit ihrem Gesang die Leute in einen wahren Tanzrausch versetzte, gab ich meinen letzten Schein in der festgelegten Höhe. Danach waren sowohl das Geld als auch meine Kräfte aufgebraucht – also ging es zurück zur Unterkunft.Читать далее

ПутешественникWas für eine süße Geschichte mit der Brille. Klingt als wären die Leute in Kazakhstan unglaublich lieb 🥰
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- День 44
- пятница, 8 августа 2025 г., 17:36
- ☀️ 30 °C
- Высота: 884 м
КазахстанAlmaty43°14’12” N 76°57’7” E
Tag 44 - Ankunft in Almaty
8 августа, Казахстан ⋅ ☀️ 30 °C
Nur Hea-Jee:
Als ich aufwachte und den Vorhang leicht anhob, war es draußen bereits hell. Der ockerfarbene Horizont erstreckte sich endlos, manchmal flach, manchmal mit Hügeln oder in der Ferne aufragenden Gebirgszügen. Hin und wieder tauchten kleine Baumgruppen wie Mini-Oasen auf.
In der Ferne sah ich eine dünne Linie aus Staub oder Dunst in die Höhe steigen. Sie sahen wie kleine Sandstürme aus. Weil sie in einer einzigen Linie aufstieg, dachte ich, dort könnte ein Bach verlaufen und es handle sich um Wassernebel oder Morgendunst – Ich überlegte mir die wildesten Erklärungen. Während ich die immer dichter werdende Wolke fotografierte und länger beobachtete, erkannte ich schließlich den Ursprung: Ein Auto fuhr dort entlang.
Ob es nun Staub oder Abgase waren – ich war überrascht, wie groß die Wirkung dieses kleinen Wagens auf diese weite Steppe war. Unser Zug überholte das Auto schließlich. Aus der Nähe betrachtet, war die aufgewirbelte Spur gar nicht so stark. Aber das, was das Auto hinterließ, zog sich wie eine riesige Fahne über die Landschaft – der Effekt war groß.
Wir frühstückten wieder im Zugrestaurant – es war lecker – und kamen kurz nach zehn Uhr am Bahnhof in Almaty an. Da der Check-in unserer Airbnb-Unterkunft erst am Nachmittag möglich war, warteten wir im angenehm kühlen Wartesaal des Bahnhofs. Arnd recherchierte, wie man den öffentlichen Nahverkehr nutzt, wo man die Fahrkarte kaufen und wie man sie auflädt. Ich schrieb mein Reisetagebuch von gestern weiter.
Um die Verkehrskarte zu kaufen, gingen wir in ein großes Gebäude nebenan, das wie ein Kaufhaus wirkte. Ich fragte einen jungen Vater mit einem kleinen Sohn per Handzeichen, und er zeigte mir ebenfalls per Handzeichen den Weg – geradeaus und dann nach rechts. Doch Arnd wollte vorher erst Geld abheben, also gingen wir nach links. Dort gab es tatsächlich einen Geldautomaten, aber der akzeptierte keine ausländischen Karten.
Wir standen etwas ratlos herum, als ein bekannter Mann auf uns zukam und uns ansprach – es war derselbe junge Vater von vorhin. Er hatte wohl gesehen, dass wir nicht nach rechts, sondern nach links gegangen waren, und war uns vorsichtshalber gefolgt. Er telefonierte herum und fand schließlich heraus, dass es dort keine Möglichkeit zum Geldwechsel gab.
Also nahmen wir unser restliches kasachisches Geld, das wir am Vortag von usbekischem Geld getauscht hatten, und kauften damit zuerst zwei Verkehrskarten, die wir großzügig aufluden. Dann machten wir uns erneut auf die Suche nach einem funktionierenden Geldautomaten.
Auf Google Maps wurden einige angezeigt. Bei manchen war das Bargeld leer, und wir mussten lange laufen. Schließlich konnten wir vor einem großen Hotel erfolgreich Geld abheben. Von dort bestellten wir ein Yandex-Taxi und fuhren zur Unterkunft.
Das große Eingangstor zum Wohnkomplex war abgeschlossen. Wir irrten eine ganze Weile umher, bis Arnd nach einigen Nachrichten mit der Gastgeberin Olga endlich herausfand, wie man hineinkommt. Beim ersten Mal musste jemand uns das Tor aufmachen.
Er und Olga schrieben sich gegenseitig Nachrichten in ihren jeweiligen Muttersprachen und nutzten dabei automatische Übersetzungen. Die Unterkunft befand sich im obersten Stockwerk eines typischen russischen Plattenbaus. Die Wohnung war zwar etwas älter, aber sauber und praktisch – als wir ankamen, fühlte ich mich wie zuhause.
Wir hatten zwar Hunger, aber nach all den kleinen Schwierigkeiten des Tages wollten wir nicht mehr rausgehen. Also aßen wir einfach koreanische Instantnudeln zu Hause. Später, wenn die Sonne tiefer steht und es kühler wird, möchten wir noch einen Spaziergang in der Nachbarschaft machen und ein paar Lebensmittel einkaufen.Читать далее
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- День 44
- пятница, 8 августа 2025 г., 16:45
- ☀️ 31 °C
- Высота: 878 м
КазахстанAlmaty43°14’12” N 76°57’8” E
Tag 43 - Nachtzug nach Almaty
8 августа, Казахстан ⋅ ☀️ 31 °C
Arnd:
Wir sind nach Almaty Kasachstan gefahren. Es war eine Reise in einem komfortablen modernen Zug. Wohl wegen der schlechten Gleise fährt er meist nur 60km/h und deshalb dauert die knapp 1000km lange Reise 17 Stunden. Wir sind erster Klasse Schlafwagen gereist und haben zweimal im Boardrestaurant gespeist. So vergehen auch 17 Stunden recht schnell und angenehm.
Das Foto zeigt das hintere Ende des Zugs. Dort ist ein Wagen mit Dieselmotor, der im Bahnhof Strom für den Zug erzeugt. Die Lokomotive fährt elektrisch und wird an der Grenze, 20km hinter Taschkent gewechselt. Es gibt im Bahnhof zwar auch eine etwas versteckte Unterführung, aber die meisten Fahrgäste zogen es vor, über die Gleise zum anderen Bahnsteig zu gehen. Kein Problem hier, weil der nächste Zug erst in vier Stunden fährt.
Die Kindergartenwerbung war noch in Taschkent. (Kommentar von Hea-Jee: Arme Kinder!)
Hea-Jee:
Wir nahmen den Nachtzug von Usbekistan nach Kasachstan. Es war die beste Klasse mit Etagenbetten in einem Abteil (60€ pro Person). Das Abteil war klein, aber es gab sogar einen kleinen Tisch, unter dem sich ein Waschbecken befand, sowie einen Mülleimer – alles Nötige war da. Decken, Kissen, Bettbezüge und Handtücher waren sauber und ordentlich bereitgelegt. Es gab auch eine Tür zum Nachbarabteil, sodass eine vierköpfige Familie zwei Abteile miteinander verbinden und gemeinsam nutzen konnte.
Am Ende des Gangs stand ein Wasserspender, aus dem man eiskaltes oder heißes Wasser zapfen konnte. Arnd wusste im Voraus, dass heißes Wasser verfügbar ist, also hatten wir vorsorglich zwei koreanische Instantnudeln eingepackt. Die Holzstäbchen, die wir beim letzten Besuch in einem koreanischen Restaurant benutzt hatten, hatten wir gewaschen und ebenfalls mitgenommen.
Vor der Grenzüberquerung waren wir etwas nervös. Wir hatten gehört, dass die kasachische Grenze sehr streng kontrolliert wird. Vor allem bei Medikamenten – es hieß, man solle eine Bescheinigung auf Russisch mitführen, die belegt, dass es sich um Eigenbedarf handelt. Wir, nicht mehr ganz jung, nehmen täglich einige Medikamente ein – für ein ganzes Jahr, in Originalverpackungen – das nahm ganz schön viel Platz ein. Dazu kommt noch die Reiseapotheke.
Der Zug hielt auf usbekischem Gebiet an der Grenze. Soldaten kamen und verlangten unsere Pässe und den Nachweis unseres Aufenthalts in Usbekistan. Arnd hatte vorausschauend alle Unterlagen von jedem Hotelbesuch gesammelt, sie wurden kurz überflogen und dann ging es weiter. Danach kamen nochmals Soldaten mit einem Spürhund, und wieder andere nahmen die Pässe mit, dann erschienen Uniformierte und fragten nach dem Zweck unserer Reise. Beim Gepäckcheck sahen sie, dass wir – dem Rat der Schaffnerin folgend – unser Gepäck bereits geöffnet und bereitgelegt hatten. Sie nickten nur und gingen weiter. Oh je, wenn schon die Ausreise so streng ist, wird der Eintritt nach Kasachstan wohl noch schwieriger.
Der Zug fuhr ein Stück weiter, überquerte ein kleines Flüsschen, und hielt dann an einem Bahnhof auf kasachischem Gebiet. Auch hier kamen mehrere Male Soldaten mit Spürhunden, nahmen die Pässe mit und stellten Fragen. Schließlich betrat ein würdevoll wirkender Soldat mittleren Alters unser Abteil. Mit einem großen Gerät überprüfte er unsere Pässe, machte von jedem von uns ein Foto, verglich unsere Gesichter mit den Passbildern und begann mit der Gepäckkontrolle. Wir mussten alles einzeln auspacken. Nachdem wir die vielen ordentlich sortierten Beutel aus dem Rucksack genommen hatten und er sah, dass sich darunter nichts weiter befand, winkte er ab – er wollte den Inhalt der Beutel nicht sehen, wir mussten sie nicht weiter auspacken. Er lächelte freundlich und verabschiedete sich mit einem Salut.
Schon in Usbekistan hatten wir den Eindruck, dass viele Leute es interessant fanden, dass eine asiatische Frau und ein westlicher Mann gemeinsam reisten. Manche fragten sogar mehrfach, ob wir wirklich verheiratet seien und zusammenlebten.
Nachdem wir die Grenze problemlos passiert hatten, waren wir endlich erleichtert. Draußen sah man vereinzelt alte Häuser, aber größtenteils nur ockerfarbene Steppe. Auch die fernen Berge waren ockerfarben. Da kurze, vertrocknete Gräser wuchsen, schien es keine Sandwüste zu sein.
Wir sahen größere Gruppen von Pferden oder Rindern, wussten aber nicht, ob sie wild waren oder jemandem gehörten. Wie könnte man in dieser endlosen Weite überhaupt Tiere kontrollieren? (Arnd meinte, dass ein Reiter als Hirte sie kontrollieren könne – wie in Norwegen, wo Hirten mit dem Schneescooter riesige Rentierherden lenken.)
Erstaunlich war, dass auch die Kühe liefen und sprangen. Eine riesige Kuh hüpfte regelrecht – da fragte ich mich, ob Rinder eigentlich springfreudige Tiere sind, ihre Bewegungsfreiheit aber in Ländern wie Korea oder Europa verlieren, wo sie auf engem Raum gehalten werden.
Ich hätte auch die Instantnudeln mit heißem Wasser aus dem Zug gerne gegessen, aber Arnd wollte lieber in den Speisewagen gehen. Wir mögen Zugrestaurants eigentlich ganz gern. Obwohl es viele Leute gab, fanden wir einen freien Tisch und konnten gemütlich zu Abend essen. Wir teilten uns Teigtaschen mit Kartoffelfüllung und ein Hühnergericht mit Gemüse. Dazu bestellten wir eine Kanne Schwarztee. Alles zusammen kostete etwa 11 Euro.
Mit Feuchttüchern wischte ich grob Sonnencreme von Gesicht und Armen ab und wusch mich dann im Waschbecken im Abteil. Als ich dort meine Zähne putzen wollte, erschrak Arnd. Er sagte, er habe bisher immer mit Mineralwasser geputzt. Er demonstrierte, wie man mit einem einzigen Schluck Wasser die Zähne putzen und den Mund ausspülen kann, und wie man mit einem halben Schluck die Zahnbürste reinigt. Nach dem Zähneputzen saugte er den restlichen Zahnpastaschaum von der Bürste, spülte den Mund aus und reinigte die Bürste mit Wasser aus der hohlen Hand – und sie wurde tatsächlich recht sauber. Trotzdem nahm ich mir vor, in der Unterkunft weiter mit Leitungswasser zu putzen. Ich könnte danach noch einen Schluck Mineralwasser zum Spülen nehmen, wenn ich mich unsicher fühlen würde.
Bei angenehmer Temperatur und in einem sauberen, bequemen Bett liegend, fühlte ich mich pudelwohl und war glücklich. Arnd erzählte, dass dieser Zug ein spanisches Modell sei und die Räder an bestimmten Stellen so montiert seien, dass sie regelmäßig ruckeln – und tatsächlich war es so. Manche sollen deshalb schlecht geschlafen haben. Für mich klang es wie ein Schlaflied – ich war sofort eingeschlafen.Читать далее
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- День 42
- среда, 6 августа 2025 г.
- ☀️ 35 °C
- Высота: 453 м
УзбекистанTaschkent41°17’51” N 69°15’43” E
Tag 42 - Kunstgewerbemuseum Taschkent
6 августа, Узбекистан ⋅ ☀️ 35 °C
Nur Arnd:
In der Nähe unseres Hotels lag das staatliche Kunstgewerbemuseum, eine schöne Beschäftigung für den Vormittag. Wir konnten zu Fuß hingehen. In etlichen Sehenswürdigkeiten hier, muss man fürs Fotografieren extra bezahlen. Dabei wollen sie gern eine Unterscheidung machen zwischen privat und professionell. Mit Smartphone gilt als privat und war hier kostenlos. Mit meiner Kamera hätte ich etwa den zehnfachen Eintrittspreis bezahlen müssen - nein danke.
Das Gebäude war schon besonders und auch in Teilen reich dekoriert. Innen wurden verschiedene künstlerische Handwerkstechniken gezeigt. Da gab es z.B. die Galerie mit Miniaturen, Bildern in der Größe von ein paar Zentimetern, die wohl zur Buchillustration verwendet wurden. Eine alte Technik, die im letzten Jahrhundert in Vergessenheit geraten war und erst in jüngerer Zeit wieder von ein paar Künstlern praktiziert wird.
Wir haben uns gefreut über die Messer, weil wir vor langer Zeit von einer Usbekin ein solches Messer geschenkt bekommen haben. Das haben wir auf unseren Reisen immer dabei und freuen uns jedesmal, weil es so schön und auch so scharf ist. Auf dieser Reise haben wir es aber zuhause gelassen, weil man nicht in jedem Land mit Messer gern gesehen ist. Ohne diese Problematik hätten wir uns hier bestimmt noch eines gekauft. Unseres ähnelt Nr. 10 und 11 auf dem Bild.
Wir haben uns länger eine Webtechnik angeschaut. Dabei entstehen etwa 50cm breite Stoffbahnen mit interessanten Mustern und teils leuchtenden Farben. Das Muster entsteht durch die Färbung der Kettfäden. Das sind die vielen Fäden, die fest im Webstuhl eingespannt sind. Entlang des Fadens wechseln die Farben, der Faden ist also nicht als ganzes in einer Farbe gefärbt. Wie sie das machen, haben wir nicht herausgefunden. Der Webstuhl ist nicht kompliziert, aber man kann damit ziemlich schnell weben. Die vielen Kettfäden müssen allerdings alle gleich gefärbt sein, 1cm rot, dann 3cm weiß usw. Da man das nicht perfekt hinbekommt, haben die Muster auf dem Stoff etwas zackige Ränder. Aus diesen Stoffbahnen werden am Ende verschiedene Kleidungsstücke hergestellt.
Sticken war lange eine vielbetriebene Handwerkstechnik. Junge Mädchen mussten das alle ab der Kindheit lernen. Das hörte erst mit dem Erscheinen von automatischen Stickmaschinen im 20 Jhdt. auf. Es gab auch eine Sticktechnik mit feinen Golddrähten für vornehme Anwendungen. Schön waren auch die bestickten Hüte.
Zum Schluß noch im Hof unter einem Baum einen Kaffee getrunken.
Nachmittags bin ich allein losgezogen. Ich hatte von einem astronomischen Museum gelesen und gehofft, dort etwas mehr über Ulugh Beks Observatorium zu lernen. Es gab aber fast keine Informationen im Internet und auf den Seiten, die ich gefunden habe, stand keine Adresse. Es sollte wohl in einem astronomischen Institut sein und das lag in einem Astropark.
Leider habe ich kein Museum dort gefunden, vielleicht gibt es das auch nicht mehr. Im Astropark gab es aber ein paar interessante Gebäude. Offensichtlich waren das mal Sternwarten mit drehbarem oder verschiebbarem Dach, das man öffnen konnte. Die Bauart war aber nicht so schön, wie man das sonst so kennt und sprach eher von Geldmangel beim Bau.
Auf dem Weg dahin hatte ich kurz den Taschkenter Fernsehturm gesehen, der ein besonderes Design hat. Also habe ich mich auf den Weg dahin gemacht und ein paar Fotos geschossen. Er ist mit 375m einer der höchsten Fernsehtürme der Welt und 3,5m höher, als der etwas ältere in Almaty. Ob es da wohl ein Wettrennen gegeben hat?
Eine lustige Einrichtung sind Bezahlterminals, die überall in der Stadt zu finden sind. Wir wissen nicht so genau, was man da alles machen kann. Wir haben es benutzt, um unsere Karte für Bus und U-Bahn aufzufüllen. Man wählt ATTO card als Geldempfänger aus, gibt die Nummer der Karte und die eigene usbekische Telefonnummer ein und dann schiebt man Cash in einen Schlitz. Wenn es reicht, sagt man fertig und die Karte wird geladen.
Abends noch eine Fleischorgie in dem Restaurant, wo wir auch unser erstes usbekisches Essen hatten. War lecker und gar nicht so fett, wie die Gerichte am ersten Abend.Читать далее
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- День 40
- понедельник, 4 августа 2025 г.
- ☀️ 35 °C
- Высота: 453 м
УзбекистанTaschkent41°17’51” N 69°15’43” E
Tag 40&41 - Ruhetage in Taschkent
4 августа, Узбекистан ⋅ ☀️ 35 °C
Hea-Jee:
Wir sind mit dem Frühzug wieder in die Hauptstadt Taschkent gefahren. Von hier aus fährt nämlich der Nachtzug in die nächste Stadt unserer Reise: Almaty in Kasachstan. Um uns etwas auszuruhen und die nächste Etappe zu planen, haben wir in Taschkent ein Hotel für drei Nächte gebucht. Wir wollten es bequem haben und haben deshalb – nach unseren Maßstäben – ein etwas teureres Hotel gewählt. Es kostet 46 Euro pro Nacht inklusive Frühstück, also 3 Euro mehr als die anderen Hotels, in denen wir bisher in Usbekistan übernachtet haben.
Dafür gibt es ein Schlafzimmer mit separatem Wohnzimmer – eine luxuriöse Variante, die mir fast zu viel erschien. Es gibt einen Schreibtisch, an dem man bequem schreiben kann. Ich sagte zu Arnd: „Wow! Hier könnte man sogar eine Doktorarbeit schreiben!“, und habe mich richtig gefreut.
Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, merke ich, dass Essen und Unterkunft im Laufe der Reise immer wichtiger für mich werden. Ich spüre den Wunsch, lieber ein bisschen mehr auszugeben, um gut zu essen und angenehm zu wohnen. Ist das, weil der Körper erschöpft ist? Oder weil der Geist sich langsam an den Konsum gewöhnt? Ist das ein Bedürfnis, das irgendwann aufhört, wenn es befriedigt ist – oder wächst es ins Unendliche, wenn man es einfach laufen lässt? Diese Beobachtung gilt nur für mich. Wie es in Arnds Innerem aussieht, weiß ich nicht. Ich sollte ihn später mal fragen.
Zweimal hintereinander sind wir in ein koreanisches Restaurant namens „Kimsatgat“ gegangen, das in der Nähe des Hotels liegt. Die Bedienung war eine junge Frau, die sich als Koreanerin vorstellte, obwohl sie kein Koreanisch sprach. Das Essen schmeckte wie früher, als ich vor 50 Jahren noch in Korea lebte – deshalb vermute ich, dass es ein Restaurant von koreanischer Minderheit ist. Heutzutage ist koreanisches Essen oft zu süß und salzig geworden, aber hier hat es noch diesen ursprünglichen, milden Geschmack. Selbst wenn man Naengmyeon (kalte Nudeln) bestellt, kommen etwa zehn Beilagen auf den Tisch – eine Großzügigkeit wie im alten Korea.
Vielleicht war es die Hitze, oder einfach die tägliche Konfrontation mit fremdem Essen – auf jeden Fall hatte ich in letzter Zeit wenig Appetit. Arnd war schon ganz besorgt, als ob ich bald verhungern würde. Jetzt, wo ich wieder gut koreanisch essen kann, ist er derjenige, der sich noch mehr freut.
Wir sind auch mit Bus und Metro in die Stadt gefahren, um in Kaufhäuser und Drogerien zu gehen. Einerseits wollten wir einfache Dinge wie Sonnencreme kaufen, andererseits interessiert es mich, was die Einheimischen so konsumieren. Dabei sind wir kreuz und quer gelaufen – laut Schrittzähler waren es über 10.000 Schritte. Es war extrem heiß. Wir sind dann in ein kühles Café gegangen, haben Eiskaffee getrunken und lange Pause gemacht. Danach fühlte ich mich wieder gut. Während unseres dreitägigen Aufenthalts in Taschkent war es konstant 36 Grad heiß.
Meine Sandalen waren ganz staubig vom vielen Laufen durch die Altstädte von Samarkand und Buchara. Dort waren sie so dreckig, dass ich mich nicht getraut habe, sie im Hotelbad zu waschen. Aber jetzt, nach einen Tag auf befestigten Straßen in Taschkent, war der gröbste Schmutz weggefallen, und ich konnte sie in der Dusche sauber machen. Ich habe sie gestern Abend mit dem Duschgel aus dem Hotel ordentlich geschrubbt und über Nacht trocknen lassen – heute Morgen waren sie wunderbar frisch und trocken.
Dabei musste ich an einen Kommentar meiner Freundin Jeongmi denken, die mal schrieb, dass wir – trotz langer Reise – immer noch erstaunlich ordentlich gekleidet sind.
Ich habe zwei T-Shirts, zwei Blusen, zwei Kleider, zwei Hosen, zwei Unterhosen, ein Langarmhemd und eine dünne Daunenjacke mitgenommen. Jetzt, nach über 40 Tagen unterwegs, denke ich: Ich hätte sogar noch weniger mitnehmen können. Wir reisen ja gemütlich, bleiben oft zwei, drei Tage im gleichen Hotel – nicht wie eine Radtour, bei der man jeden Tag das Zelt auf- und abbauen muss. Die Wäsche trocknetn auch sehr schnell, weil es Sommer ist. Und da wir Umwelt zuliebe Energie sparen wollten und nie gebügelt haben, sind wir inzwischen geübt darin, die Kleidung zu waschen, gut auszuschütteln und ordentlich zu trocknen.
Wir haben bislang nicht viele Hotels erlebt. Aber wir wissen, dass in Deutschland Umwelt- und Ressourcen zuliebe Handtücher und Seifen nicht täglich ausgetauscht werden. Doch jetzt auf der Reise waren wir in Hotels, wo das Reinigungspersonal jeden Tag frische Handtücher und Seifen hingelegt hat.
Anfangs habe ich sogar benutzte Seife versteckt, damit sie nicht weggeworfen wird. Inzwischen bitte ich morgens an der Rezeption darum, unser Zimmer nicht zu reinigen. Zu Hause wechseln wir ja auch nicht jeden Tag die Handtücher.
Das Kuriose ist: Arnd fühlt sich mit meinem Verhalten vielleicht unwohl. Er meint, ich sei übertrieben und mache mir wegen ein bisschen Seife und Handtuch das Leben unnötig kompliziert. Vielleicht findet er es peinlich, dass ich so pingelig bin? Dabei hat gerade er sein Leben lang alles nach Prinzipien gestaltet, auch wenn es mühsam war. Und jetzt macht er mir Vorwürfe. Tsss. Lustig, oder?
Wenn wir schon von Kommentaren sprechen – ich will auch Kurtinella antworten. Danke, dass du so gründlich recherchiert hast, wie Yandex Taxi funktioniert. Ich habe mich das wirklich gefragt. Aber wenn ein Taxifahrer nur 150–200 Euro im Monat verdient – wie soll man davon eine Familie ernähren? Arbeiten sie dann zwei oder drei Jobs gleichzeitig?
Soll man dieses Ausbeutungssystem boykottieren oder lieber häufiger Yandex fahren, um ihre Einnahmen zu steigern? Ich bin momentan wirklich auf Taxis angewiesen – da bleibt mir nichts anderes übrig, als großzügig Trinkgeld zu geben. Die App zeigt den Fahrpreis an, und darunter kann man den Trinkgeldprozentsatz auswählen. Angeblich bekommt der Fahrer das Trinkgeld zu 100 % direkt ausgezahlt.
Sepp fragte, woher die Affinität zu Korea in Usbekistan kommt. Arnd erwähnte in diesem Zusammenhang die Zwangsumsiedlungen unter Stalin – ich möchte noch einen weiteren Aspekt ergänzen: Das heutige Interesse der Usbeken an Korea lässt sich auch durch die engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen beider Länder erklären. Viele Usbeken arbeiten oder studieren in Korea, was den Austausch zusätzlich fördert. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Einfluss der koreanischen Popkultur: K-Pop und K-Dramen erfreuen sich im asiatischen Raum großer Beliebtheit – und ganz nebenbei lernen viele dabei auch die koreanische Sprache.
Klara fragte, ob wir diesen Reisebericht vielleicht als Buch herausgeben möchten. Die Penguin-Plattform, auf der wir schreiben, ist kostenlos. Aber sie verkaufen einen Service, bei dem man die eigenen Texte und Fotos drucken lassen kann – quasi als persönliches Reisetagebuch. Arnd vermutet, dass das die Einnahmequelle von Penguin ist. Und weil Arnd so ein Mensch ist, der „Schulden“ gern zurückzahlt, wird er diesen Service bestimmt nutzen. Außerdem freut er sich jetzt schon auf den Moment in ferner Zukunft, wenn er im Alter das gedruckte Buch zur Hand nimmt und in unseren Reiseerinnerungen blättert.
Eineinhalb Tage lang haben wir kein klassisches Sightseeing gemacht – also habe ich den Bildschirm heute einfach mit ein paar Gedanken und Beobachtungen gefüllt, die ich schon länger teilen wollte.Читать далее

ПутешественникIch bewundere euch beide jedes Mal – so glücklich, so frei, egal wo ihr seid. Und dass dich, liebe Hyeji, ein Frühstück für 3 Euro mehr so glücklich gemacht hat… hat mich noch glücklicher gemacht 🥰🥐❤️

ПутешественникWir haben auch Glück mit diesem Hotel gehabt, dass das nur mit 3 Euro mehr Geld so viel Komfort hat. Nun verlassen wir das Hotel und fahren nach Kasachstan. Pass auf dich gut auf! 💕
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- День 39
- воскресенье, 3 августа 2025 г.
- ☀️ 35 °C
- Высота: 235 м
УзбекистанBuchara39°46’20” N 64°25’26” E
Tag 39 - Umgebung von Buchara
3 августа, Узбекистан ⋅ ☀️ 35 °C
Hea-Jee:
Der Guide, der uns gestern die Zitadelle gezeigt hatte, bot an, uns heute einige historische Stätten in der Umgebung von Buchara zu zeigen. Seine Gebühr betrug 80 Euro.
Um 9:30 Uhr holte er uns direkt vom Hotel ab. Am Steuer saß ein älterer Herr, laut dem Guide sein Cousin, während er selbst auf dem Beifahrersitz Platz nahm und uns schon während der Fahrt vieles erklärte.
Arnd hatte sich am Morgen noch wegen meines Hitzeschlags Sorgen gemacht, ob das Auto wohl eine Klimaanlage hätte – und tatsächlich fuhren wir dann ohne Klimaanlage, mit offenen Fenstern. Doch der Fahrtwind war stark genug, dass es gut auszuhalten war. Später fragte er sogar, ob er die Klimaanlage einschalten solle, aber wir lehnten ab – der Luftzug war angenehm kühl.
Unser erster Halt war der Gedenkkomplex für Baha-ud-Din Naqshbandi, den Begründer des Naqschbandiyya-Ordens, einer bedeutenden mystisch-sufistischen Strömung im frühen Islam. Der Ort gilt als eine Art „Mekka Zentralasiens“ und ist ein beliebtes Pilgerziel. Wir besichtigten die Moschee, das Kloster, das Minarett, einen vielseitig genutzten Teich und ein kleines Museum, während der Guide uns alles ausführlich erklärte. Es war Sonntag, und viele Einheimische waren zum Beten gekommen – festlich gekleidet und sehr würdevoll.
Ich machte mit einigen von ihnen Fotos und begrüßte sie auf Koreanisch. Besonders junge Frauen baten mich häufig um ein gemeinsames Bild. Einmal kam sogar ein Vater mit seinen zwei kleinen Söhnen auf mich zu und fragte, ob wir zusammen posieren könnten. Jetzt, wo ich darüber schreibe, fällt mir auf: Sie baten immer nur mich – nie Arnd. Dabei müsste ein Westeuropäer in Usbekistan doch eigentlich noch exotischer wirken als ich. (Arnd meinte, weil sie meistens Frauen waren. Sie würden sich nicht trauen, einen Mann darum zu bitten. Das glaube ich auch.)
Anschließend fuhren wir weiter zum Sommerpalast der ehemaligen Herrscher von Buchara. Besonders auffällig waren dort die Gebäude im alten russischen Stil – kein Wunder, denn der letzte Emir hatte in Sankt Petersburg studiert. Wie so oft bei den Mächtigen dieser Welt war auch hier alles prachtvoll gestaltet und mit viel Gold verziert. Danach besuchten wir die weitläufige Gräberstätte Tschor-Bakr. Auch dort erhielten wir viele Erklärungen und machten einige Fotos.
Besonders beeindruckt haben mich die Säulen, die ich immer wieder an usbekischen Gebäuden gesehen habe. Auf einem schmalen Steinsockel steht jeweils eine kunstvoll geschnitzte Holzsäule. Das untere Ende ist kugelrund geformt, fast wie ein Ball, auf dem sich die Säule wie eine schützende Hülle erhebt. Der Schaft ist mit feinen Reliefs verziert, und der obere Teil – das Kapitell – ist mit spitzen Ornamenten kunstvoll gestaltet. Diese Art von Säulen findet man nicht nur an historischen Bauwerken, sondern auch vereinzelt an neueren Wohnhäusern.
Der Guide erklärte uns die symbolische Bedeutung: Die runde Basis steht für die Erde. Der verzierte obere Teil mit den spitzen Mustern symbolisiert die Sterne, also den Himmel. Der Schaft dazwischen steht für die Verbindung zwischen Menschen auf der Erde und Gott im Himmel. Ich hatte mich immer gefragt, ob diese Form funktionale Gründe habe – aber nun verstand ich die spirituelle Symbolik dahinter.
Noch etwas Neues habe ich an diesen Tagen gelernt: Das Wort „Minarett“, der Turm an einer Moschee, stammt aus dem Arabischen und bedeutet ursprünglich „Turm, der Licht sendet“ – also ein Leuchtturm. Karawanen, die die Wüste durchquerten, reisten meist nachts, um der gnadenlosen Hitze zu entgehen. Das Licht des Minaretts sollte ihnen den Weg weisen und sie vor dem Verirren schützen.
Warum beten Muslime fünfmal am Tag? Laut dem Guide dient das dazu, schlechte Taten zu vermeiden. Wenn jemand im Begriff ist zu lügen oder zu betrügen und dann der Ruf zum Gebet – der Adhan – vom Minarett ertönt, wird er daran erinnert, innezuhalten und das Richtige zu tun. Ich konnte das sehr gut nachvollziehen. Schon eine einzige Praxisübung früh am Morgen verändert meine Lebenshaltung– fünfmal täglich bewusst zur Ruhe zu kommen, hilft sicherlich, inneren Frieden zu finden und nicht vom rechten Weg abzukommen.
Auch persönlich kamen wir mit dem Guide ins Gespräch. Er hat Französisch und Deutsch an der Universität studiert und spricht beide Sprachen – neben Englisch – fließend. Sein ältester Sohn, der Anfang des Jahres geheiratet hat, hat in Taschkent an der koreanischen Inha-Technischen Universität studiert. Ich erwähnte, dass die Inha-Universität in Korea technisch renommiert sei, worüber er sich sichtlich freute. Als wir erzählten, dass wir auf dem Weg nach Australien seien, um unser Enkelkind zu sehen, fragte er mitfühlend, ob unsere Tochter beruflich dorthin gezogen sei. Als wir erklärten, dass sie der Liebe wegen ausgewandert sei, schien er fast ein wenig mitleidig. Er lud uns herzlich zur Hochzeit seines zweiten Sohnes ein – sobald dieser heiratet.
Falls jemand einmal einen wirklich kenntnisreichen Guide in Buchara sucht, der fließend Englisch, Französisch und Deutsch spricht: Man kann einfach zur Festung Ark in Buchara gehen und nach Ulugbek fragen. Oder uns kontaktieren – wir geben seine Telefonnummer gerne weiter.
Zum Schluss machten wir noch einen Abstecher zu einem restaurierten Teil der Stadtmauer und verabschiedeten uns gegen 12:30 Uhr vor dem Hotel von unserem Guide und haben uns herzlich bedankt.Читать далее

Путешественник
Hallo Hea-Jee, hallo Arnd, Google Lens hat anhand dieses Fotos erkannt dass das "Bild eine kunstvoll geschnitzte Holztür des Chashma-Ayub-Mausoleums in Buchara, Usbekistan. Das Chashma-Ayub-Mausoleum, dessen Name "Hiobs Quelle" bedeutet, wurde über einer heiligen Quelle errichtet, die der Legende nach durch den Propheten Hiob entstanden sein soll."

Путешественник
Eva dürfte sicher interessieren, dass heute das Chashma-Ayub-Mausoleum ein Museum beherbergt, das sich mit der Geschichte der Wasserversorgung Bucharas befasst.

Путешественник
Woher kommt eigentlich die Affinität zu Korea in Usbekistan?
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- День 38
- суббота, 2 августа 2025 г.
- ☀️ 33 °C
- Высота: 249 м
УзбекистанBuchara39°46’40” N 64°24’37” E
Tag 38 - Zitadelle von Buchara
2 августа, Узбекистан ⋅ ☀️ 33 °C
Arnd:
Buchara war gestern 4° wärmer, als Smarakand - ein leichter Schock. Dazu das ziemlich warme Kaltwasser und ein Badezimmer, das sicher über 36°C warm war. Wir waren etwas geschafft. Deshalb sind wir mal früh um 7:00 losgezogen, um bei angenehmen Temperaturen eine erste Erkundung der Stadt zu machen.
Die Altstadt von Buchara ist Touristenzone. Es gibt eine Menge Sehenswürdigkeiten, Reste von Basaren und der restliche Platz ist angefüllt mit Hotels, Restaurants und Shops. Die neuen Gebäude gliedern sich optisch sehr schön ein, die Altstadt ist ein Gesamtensemble, und sie ist Autofrei. Es gibt kleine, offene und langsam fahrende Elektrotaxis.
Auf dem Rückweg zum Hotel sind wir durch riesige Baustellen gekommen. Offensichtlich soll der Tourismus noch deutlich ausgeweitet werden. Im Hochsommer, also jetzt, ist aber eher Nebensaison, weil es so heiß ist. Aber im Frühjahr und Herbst ist es sicher ziemlich voll.
Wir hatten schon den Verdacht, dass wir die einzigen Gäste in unserem Hotel sind. Als wir kurz nach 8:00 zurückkamen, wurden wir schon mit einem üppig nur für uns gedeckten Frühstückstisch erwartet. Sehr schön!
Nach dem Frühstück wollten wir zu wohl der Hauptattraktion hier gehen, der Zitadelle, genannt Ark. Statt die 1,5km zu laufen, sind wir mit dem Bus gefahren und das war eine durchaus interessante Erfahrung. Es gibt Dinge, da hat man sich so dran gewöhnt, dass es wirklich überraschend ist, wenn es ganz anders läuft. In Buchara und auch schon in Samarkand, steigt man vorn oder hinten in den Bus ein. Ausgestiegen wird vorn und bezahlt wird beim Aussteigen.
In unserem Bus war das elektronische Bezahlsystem ausgeschaltet. Ich habe vermutet, dass der Preis gleich ist, wie in Samarkand und habe 4000 So‘m (0,30€ für zwei) rausgekramt. Ich wollte ja eigentlich wie die anderen beim Aussteigen bezahlen, aber die Frau, die zwischen mir und dem Busfahrer stand, nahm mir das Geld aus der Hand und reichte es dem Busfahrer weiter. Der hat nicht mal geschaut und das Geld einfach weggesteckt. Es gibt keinen Fahrschein, es läuft vollkommen auf Vertrauensbasis. Ok, bei dem Preis zahlt wahrscheinlich jeder.
Wir standen direkt an der vorderen Tür. An der nächsten Station kam eine Frau, reichte etwas Geld rein und ging dann draußen weg. Wahrscheinlich ist sie hinten gefahren und wollte sich nicht beim Aussteigen durch den vollen Bus quetschen. Also ist sie hinten raus, zur vorderen Tür und hat bezahlt.
Die andere Beobachtung war, dass in diesem Bus niemand außer mir auf ein Smartphone starrte. Ich verfolge da auf einer Karte, wo wir sind, sonst würden wir sicher an der falschen Station aussteigen.
Den Ark betritt man durch ein großes Tor, dabei läuft man eine Rampe hoch. Der Ark ist ein künstlich aufgeschütteter 20m hoher 4Hektar großer Hügel mit einer Mauer außen. Sämtliche Gebäude stehen oben, die Rampe bringt einen hoch. Oben wurden wir wieder von einem Guide angesprochen, ob wir eine Führung wollen. Das kostet etwa 10-15€ für eine halbe bis dreiviertel Stunde und man erfährt meist wirklich viel dabei. Deshalb machen wir das fast immer. Nachdem er uns eine Grundeinführung in Usbekische bzw. zentralasiatische Geschichte auf Englisch gegeben hatte gingen wir woanders hin. Dabei habe ich mit Hea-Jee gesprochen. Er fragte uns, woher wir kommen und meinte dann, er könne auch Deutsch. Sehr schön.
Man weiß nicht genau, wie alt der Ark ist, die ältesten Funde stammen aus dem 4. Jhdt. BC. Natürlich ist er immer wieder zerstört und auch umgebaut worden. Die letzte Zerstörung war 1920 durch die rote Armee. Sie haben den letzten Emir dort vermutet und einfach alles zerstört. Der Emir hatte sich aber längst nach Afghanistan abgesetzt. Wir haben gelernt, dass es zu der Zeit zwei große Mächte gab, die hier um die Vorherrschaft gerungen haben, Russland und England. Afghanistan im Süden wurde von den Engländern verteidigt und diente als Bollwerk zum Schutz von britisch Indien. Alles nördlich davon ging aber an die Russen.
Viele der Gebäude zu der Zeit waren aus Holz und davon ist nichts übrig geblieben. Den Palast des Emirs und ein paar Gebäude drum herum hat man rekonstruiert, der Rest ist eine Mondlandschaft. Allerdings hat es dort etliche Ausgrabungen gegeben und da konnte man so sicher tiefer nach älteren Dingen graben, als wenn es noch bebaut gewesen wäre.
Es gab eine Reihe von kleinen Museen. Darin hat unser Guide uns eine Karte des alten Buchara gezeigt. Es war sehr eng und kleinteilig und das mochten die Russen wohl gar nicht. In Taschkent war uns ja aufgefallen, dass alles so groß und die Straßen so breit sind. Das ist wohl russisches Erbe. Die Russen haben auch die vielen kleinen Wasserbecken beseitigt, mit denen früher die Wasserversorgung der Stadt betrieben wurde - Buchara war eine Oase, umgeben von zwei Wüsten. Statt dessen haben die Russen neben dem Ark einen Wasserturm gebaut, der heute eine Aussichtsplattform ist. In unserem Reiseführer steht aber auch, dass sich über diese Wasserbecken ein ziemlich fieser Menschen befallender Wurm verbreitet hat.
Ich sollte noch sagen, dass Buchara ein zentraler Knotenpunkt der Seidenstraße war, auch Handel nach Indien und dem Norden fand hier statt. Die Stadt war deshalb über viele Jahrhunderte sehr reich. Einmal ist sie allerdings komplett zerstört worden, durch Dschingis Khan, Anfand des 13 Jhdts.
Auf dem Heimweg kamen wir noch beim Kalon Minarett vorbei, eines der höchsten Minarette in Zentralasien. Es stammt von 1127 aus vormongolischer Zeit. Und es ist so solide gebaut, dass es bis heute erhalten geblieben ist. Auch Dschingis Khans Truppen haben es stehen lassen. Eine sehr schöne Konstruktion. Ein Foto von einem Modell mit daneben liegender Kalon Moschee gibt es an Tag 31.
Nachmittags wieder im Hotel die Hitze abgewartet und nach dem Abendessen haben wir noch eine ganz kleine Madrasa angeschaut.
Hea-Jee:
Dank der kenntnisreichen Erklärungen unseres Guides konnte sich Arnd endlich eine Frage beantworten, die ihn schon lange beschäftigt hatte. In Samarkand, am Registan, hatte er sich gewundert: Warum sind auf einem islamischen Hochschulgebäude Löwen abgebildet, die wie Tiger aussehen? In der islamischen Tradition ist es doch eigentlich verboten, lebendige Wesen bildlich darzustellen – wie also passen solche Darstellungen auf ein öffentliches Gebäude?
Die Antwort liegt im Einfluss des Zoroastrismus, der in Usbekistan schon vor dem Islam verbreitet war. Als der Islam Einzug hielt, vermischten sich viele Elemente der alten, lokalen Religionen mit der neuen Glaubensform. Selbst die Moschee, die sich hier in der Anlage befindet, war ursprünglich ein zoroastrischer oder hinduistischer Tempel. Als der Islam kam, wurde einfach in eine Ecke der Gebetsraum eine kleine Nische von Mihrab eingebaut, das nach Mekka zeigt – und so wurde der Tempel zur Moschee.
Laut unserem Guide war es im 9. oder 10. Jahrhundert so, dass man den Menschen sogar Geld gab, wenn sie zum Freitagsgebet in die Moschee kamen. Die Einwohner gingen also freitags in die Moschee – und zuhause führten sie danach noch ihre zoroastrischen Rituale durch.
Obwohl die meisten Menschen hier streng gläubige Muslime sind, wirkten viele der Begegnungen auf der Straße erstaunlich offen und tolerant. Frauen mit Kopftuch und solche mit offenen Haaren bewegen sich ganz selbstverständlich nebeneinander, fast so, als gehörten beide Lebensstile harmonisch zueinander. Die meisten Frauen kleiden sich zwar hübsch und modisch, achten aber darauf, Beine und Arme zu bedecken.
Weil Arnd etwas zum Thema Bus erzählt hat, will ich auch noch etwas ergänzen. Stadtbuslinien sind der beste Ort, um die Menschen vor Ort wirklich zu beobachten. Die Busse waren oft überfüllt, laut und ruckelig – und hier war niemand einfach nur zum Vergnügen unterwegs. Wer hier mitfährt, hat etwas vor und steckt mitten im Alltagsstress.
Und obwohl es voll war, achteten viele darauf, ob ältere Menschen einstiegen, boten Plätze an, halfen Touristen ganz selbstverständlich weiter. Niemand wirkte dabei genervt oder unfreundlich. Ich glaube, ich habe noch kein Gesicht mit sichtbarem Ärger gesehen. Arnd fand es besonders angenehm, dass im Bus niemand auf sein Smartphone starrte.
Zwei junge Frauen mit ausgesprochen fülliger Figur standen vor mir – wunderschön geschminkt, in glänzenden, hübschen Kleidern. Was auch immer sie sich erzählten – sie lachten die ganze Zeit laut und herzlich, und allein ihre gute Laune hat meine Stimmung gehoben. Als sie merkten, dass ich sie anschaute, lächelten sie mir ohne jede Scheu offen ins Gesicht. Irgendwie hatten wir in der kurzen Zeit schon eine kleine Verbindung aufgebaut: Als wir ausstiegen, winkten wir uns noch zu, mit einem Hauch von Wehmut.Читать далее
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- День 37
- пятница, 1 августа 2025 г.
- ☀️ 35 °C
- Высота: 235 м
УзбекистанBuchara39°46’20” N 64°25’26” E
Tag 37 - Reise nach Buchara
1 августа, Узбекистан ⋅ ☀️ 35 °C
Hea-Jee:
Am Morgen sind wir gemütlich aufgestanden, haben in Ruhe gefrühstückt und uns langsam fertiggemacht. Dann haben wir ein Yandex-Taxi gerufen und sind zum Bahnhof von Samarkand gefahren. Wir mussten dort ein bisschen warten, bevor wir in den angenehm kühlen Zug eingestiegen sind. Trotz der 2+2-Sitzanordnung war es geräumig und bequem.
Arnd meinte, dass er nur deshalb die normale Klasse gebucht habe, weil dieser Zug ein neues Modell sei. Wäre es ein älteres Modell gewesen, hätte er sich Sorgen um die Klimaanlage gemacht und Businessklasse genommen. Mein lieber Mann – sein kluger Kopf ist immerzu beschäftigt.
Um das Gefühl zu genießen, von einer Oase zur nächsten zu reisen, habe ich einfach aus dem Fenster geschaut. Die Oase Samarkand wirkte erstaunlich weitläufig. Wir fuhren eine Weile durch grüne Wälder und gepflegte Felder. Irgendwann begannen sich ockerfarbene Hügel am Horizont zu zeigen, und bald darauf breitete sich die weite Steppenlandschaft aus.
Nur entlang der Bahnstrecke blieb es grün – vermutlich, weil die Gleise entlang einer Wasserader verlaufen. So konnten auch die Menschen in den verstreuten Dörfern mit dem Zug reisen. Doch Flüsse oder Bäche waren nicht zu sehen – wahrscheinlich durch die Hitze völlig ausgetrocknet.
Dann verschwanden auch die letzten Bäume entlang der Strecke, und die echte Wüste begann. Alles – Felder, Hügel, Berge – war ausgedörrt und ockerfarben. In der Ferne sah man ab und zu Sandstürme wie riesige Schornsteine in den Himmel schießen.
Selbst im angenehm klimatisierten Zug bekam man Durst – so trocken und karg wirkte alles. Ich musste an die alten Karawanen denken, die mit ihren beladenen Kamelen diese Strecke durchquerten. Es muss für Mensch und Tier unglaublich anstrengend gewesen sein.
Bukhara ist eine traditionelle Oasenstadt, umgeben von Wüste. Noch kurz vor der Ankunft war alles Wüste, und dann tauchten plötzlich Gebäude auf. Der Bahnhof liegt nicht direkt in Bukhara, sondern in dem kleinen Ort Kogon. Von dort sind wir mit Yandex-Taxi etwa 30 Minuten gefahren und ganz bequem im Hotel angekommen, das sich in der Altstadt befindet.
Das Hotel sah aus, als sei es neu, aber in traditionellem Stil erbaut. Es war hübsch wie aus einem Märchen und dabei sehr komfortabel ausgestattet. Wir ließen nur kurz unser Gepäck dort und gingen gleich wieder los.
Es war 14 Uhr, die Sonne brannte gnadenlos, und eigentlich wollte ich die kühle Unterkunft nicht verlassen. Aber wir hatten Hunger – und waren auch neugierig auf die neue Stadt. Wir spazierten durch die verwinkelten Gassen eines Wohnviertels, wie ich sie so sehr mag, Richtung Stadtzentrum. Wobei – Wohnviertel ist vielleicht zu viel gesagt, denn viele Häuser waren offensichtlich in Hotels umgewandelt worden.
Überall stieß man auf historische Stätten. Bukhara wird nicht umsonst als Juwel der Seidenstraße bezeichnet – es ist eine Stadt mit Geschichte und Kultur. Über Jahrhunderte war sie ein Zentrum islamischer Wissenschaft, Architektur und des Handels, und viele historische Bauwerke sind bis heute erhalten geblieben.
Wir aßen zu Mittag. Das Restaurant war wunderschön und hatte eine tolle Atmosphäre. Aber da es draußen war, war es nach dem Essen einfach viel zu heiß. Trotzdem sind wir nicht direkt zurück ins Hotel gegangen, sondern haben noch ein bisschen die Stadt erkundet. Als wir schließlich zurückkamen, hatte ich Kopfschmerzen und mir war übel – wahrscheinlich ein Hitzschlag.
Ich wollte mich schnell kalt duschen. Das Badezimmer war heiß wie eine Sauna. Ich habe das kalte Wasser aufgedreht – aber es kam heiß. Ich dachte, der Wasserhahn sei vertauscht, also drehte ich ihn in die andere Richtung – da kam kochend heißes Wasser. Offenbar liegt der Wassertank auf dem Dach.
In der Hitze unter heißem Wasser zu duschen war wohl keine gute Kombination. Ich legte mich aufs Bett – mir war richtig schlecht. Ich sagte Arnd mürrisch, dass ich einen Hitzschlag hätte. Ich nahm ihm übel, dass aus 50 Metern ständig 400 wurden..
Ich schlief kurz ein, und danach ging es mir etwas besser. Arnd begriff dann auch, wie ernst es war, und schlug vor, dass wir heute nicht mehr rausgehen. Er ging alleine los und besorgte etwas zum Abendessen im Supermarkt.
Eigentlich hatte ich gar keinen Appetit – aber dann zog er plötzlich koreanische Instantnudeln aus der Tasche. Auf einmal bekam ich Hunger – und alles war vergeben und vergessen.
Arnd:
Nur eine kurze Analyse der Taxikosten: Die gefahrene Strecke war 13km, die Kosten 31600 So‘m, 2,15€. Also kostete der Kilometer 0,16€ Das ist nicht einmal die Hälfte dessen, was nach ADAC Angaben ein gefahrener Autokilometer eines vergleichbaren Autos in Deutschland kostet - Abschreibung, Steuern, Versicherung und Treibstoff. Der Fahrer muss ja auch was verdienen, das käme noch dazu. Wenn er das Geld komplett bekäme, hätte er einen Stundenlohn von rund 4€. Und dann wird das ganze System von Yandex betrieben, einer Art russischem Uber. Solche Firmen wollen in der Regel dicke Gewinne haben.
Die Autos werden ganz überwiegend im Land hergestellt. Sie laufen unter dem Namen Chevrolet, sind also amerikanische Lizenzbauten. Es gibt auch zunehmend chinesische Autos u.a. Von BYD. Wenn was repariert werden muss, ist die Arbeitskraft wesentlich billiger und vielleicht ist der Staat hier auch bescheidener. Trotzdem ist mir das ein Rätsel.Читать далее

ПутешественникTaxipreise: Die lokalen Autos werden oft mit Gas betrieben (€ 0,25 je Liter), keine Abgaben, keine Versicherung, Yandex ist vollautomatisiert und verlangt geringe Margen, es werden oft Privatfahrzeuge genutzt, sehr niedrige Lebenshaltungskosten, Gehälter bei € 150-200 monatlich.
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- День 36
- четверг, 31 июля 2025 г.
- ☀️ 33 °C
- Высота: 718 м
УзбекистанSamarkand39°38’55” N 66°58’9” E
Tag 36 - Amir Timurs Mausoleum
31 июля, Узбекистан ⋅ ☀️ 33 °C
Nur Arnd:
Am letzten Tag noch ein Besuch der Grabstätte von Amir Timur. Er hat das Gebäude für seinen Lieblingsenkel errichten lassen, der in einer Schlacht gefallen war. Er selbst wollte in seiner Heimatstadt begraben werden. Die Herrschaftsnachfolge war hier wohl nie klar geregelt und daher wurde sie immer gewalttätig. Am Ende musste der Gewinner seine Herrschaft legitimieren und was hilft da mehr, als der Leichnam des Vorgängers? Außerdem lag nach dem Tod Timurs seine Heimat in einem fremden Land. Also wurde er auch in diesem Gebäude bestattet.
Das Gebäude hat im groben dieselben Elemente wie die Madrasas und die Moscheen. Ein Detail wird gern erwähnt: Die Kuppel hat ihre breiteste Stelle nicht am unteren Rand. Sie weitet sich von unten her erst etwas auf. Das nennen die Bauforscher Bauchung. Als Stilelement hat es das an vielen Orten der Welt gegeben. Die deutsche Wikipedia bringt als Beispiele dafür u.a. eben dieses Mausoleum und auch fast direkt daneben die Zwiebeln der Münchner Frauenkirche.
Wenn wir schon bei Stilelementen sind: Der Übergang von geraden Wandteilen zu gewölbten wird in der islamischen Architektursprache gern durch sogenannte Muqarnas gemacht. Da die etwas an Tropfsteinhöhlen erinnern, wird das auch als Stalaktitendekoration bezeichnet.
In dem Gebäude sind mehrere enge Angehörige, aber auch andere bedeutende Persönlichkeiten bestattet, u.a. auch sein Enkel und Astronom Ulugh Beg. Die Steinblöcke, die das markieren heißen Kenotaphe. Dass sind nur Markierungen, die Leichname befinden sich im Untergeschoss. Der schwarze Kenotaph in der Mitte ist der von Amir Timur, er ist aus dem Mineral Nephrit, was wohl in dieser Größe sehr selten ist.
Noch ein paar Worte zum Namen. In der deutschen Wikipedia heißt die Anlage Gori Amir, englisch Gur-e-Amir Es ist bei usbekischen Worten oder Namen üblich, sie in verschiedenen Sprachen jeweils so zu schreiben, dass man sie richtig ausspricht. Das ist durchaus ein Vorteil, führt aber dazu, dass es keine einheitliche Schreibweise für die Dinge gibt. Wenn man z.B. in einer Karte nach etwas mit Hilfe des Namens sucht, weiß man nicht, wie man es schreiben soll. Die andere Methode kenne ich aus Korea. Dort gibt es eine standardisierte „Transliteration“, eine Schreibung mit Hilfe Lateinischer Zeichen. Die ist so gemacht, dass Amerikaner das meist einigermaßen richtig aussprechen, während z.B. Deutsche regelmäßig ziemlich daneben liegen. Die Hauptstadt von Südkorea, in offizieller Transliteration Seoul geschrieben, heißt nicht „Seeuhl“, wie Deutsche das gern sprechen, sonder eher Soul mit offenem o.
Der usbekische Name des Gebäudes heißt Goʻri Amir. Daran sind zwei Dinge interessant. Die Usbeken haben sich nach dem Ende der russischen Herrschaft Anfang der 90er Jahre, auch unter dem Einfluss der Türkei entschieden, ihre Sprache mit Hilfe Lateinischer Buchstaben zu schreiben. Vor langer Zeit haben sie Arabisch geschrieben (allerdings nicht Usbekisch). Ab den 1920er Jahren wurde Usbekisch zur Schriftsprache, anfangs mit Lateinischer Schrift - zu der Zeit wollte auch die Sowjetunion auf Latein umsteigen. Ende der 30er Jahre ging es dann wie auch in der Sowjetunion zum kyrillischen und Anfang der 90er eben zu den lateinischen Zeichen.
Nun haben sie natürlich Laute, für die es im Latein keinen Buchstaben gibt. Man hat dann mehrere Möglichkeiten, das Problem zu lösen. Man kann Akzente an den Buchstaben anbringen, wie z.B. bei deutschen Umlauten. Man kann auch zusätzliche Zeichen erfinden oder aus einer anderen Schrift entlehnen, wie das deutsche ß. Man kann aber auch Kombinationen von Zeichen benutzen, wie z.B. die deutschen Umlautersetzungen ae, oe und ue. Die Usbeken haben sich sehr pragmatisch entschieden, die Zeichenkombinationen zu verwenden, weil das bei der Nutzung von Computern am wenigsten Probleme macht. Im Goʻri ist die Kombination aus o und ʻ eine solche Zeichenkombination. Die kommt auch in ihrer Währung, dem Soʻm vor. Die Usbeken können jetzt mit original amerikanischen Tastaturen ihre Sprache schreiben.
Allerdings habe ich gelesen, dass es doch Bestrebungen gibt, auf Akzente umzusteigen. Es ist also noch im Fluss. Die Bevölkerung muss natürlich auch mitspielen. Gerade die Älteren haben natürlich Kyrillisch in der Schule gelernt und halten daran fest. Man kann auch nicht alles gedruckte nochmal neu drucken. Das Nebeneinander von Kyrillisch und Lateinisch wird also wohl noch lange andauern und die Kinder lernen in der Schule alle diese Schriften.
Zum Schluss noch zwei verschiedene Backsteinanordnungen in Bögen, ein Fusion-Mittagessen mit Artischocken-Humus, Rote Beete-Feta Sauce und dunklem Brot - mild, weil Hea-Jee etwas unwohl war. Nachmittags im Hotel Pinguine gefüttert und beim Abendessen der leckere Lemon-Tee aus wenig schwarzem Tee mit wohl eher Mandarinen statt Zitronen.Читать далее
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- День 35
- среда, 30 июля 2025 г., 21:00
- 🌙 28 °C
- Высота: 719 м
УзбекистанSamarkand39°39’17” N 66°58’33” E
Tag 35 - Registan Abendshow
30 июля, Узбекистан ⋅ 🌙 28 °C
Nur Hea-Jee:
Gegenüber dem Registan-Ensemble befindet sich eine große Treppe. Am frühen Abend, wenn die Hitze langsam nachlässt, beginnt sich die breite Marmortreppe mit Menschen zu füllen. Nicht nur Touristen, auch die Einwohner von Samarkand kommen mit ihren Familien dorthin. Während unseres fünftägigen Aufenthalts in Samarkand saßen auch wir an drei Abenden auf diesen Stufen und genossen die Silhouetten, die mit dem Sonnenuntergang in derselben Farbe getaucht wurden.
Die Usbeken scheinen wirklich sehr ordentlich zu sein. Überall sah man Menschen mit Besen oder Wischmopp in der Hand. Die Marmortreppe glänzte jedes Mal wie frisch gereinigt – so sauber, dass man sich ohne Zögern auf den Boden setzen konnte.
Am ersten Abend war ich überwältigt – von der Schönheit der Szenerie und dem Gewicht der Geschichte, das direkt vor mir lag. Ich beobachtete die Menschen, besonders die Kinder, die friedlich und unbeschwert auf den Stufen spielten. Ich musste unwillkürlich an das koreanische Schlagwort ‚ein Leben, in dem der Abend einem selbst gehört‘ denken.
Jugendliche verkauften Spielzeuge, bei denen sie leuchtende Flugobjekte mit einer Schleuder hoch in den Himmel schossen und mit Leichtigkeit wieder auffingen. Der Nachthimmel wurde dadurch noch bunter. Noch kindliche Verkäufer zogen mit runden Tabletts voller Zuckerwatte durch die Gegend – halb spielend, halb geschäftig. Irgendwann begann fröhliche Musik zu spielen, und junge Mädchen konnten ihre Freude nicht verbergen und tanzten allein, bis ihre Mütter sie sanft zurückhielten.
An diesem ersten Abend verließen wir den Platz recht früh – wir waren gerade erst angekommen und ziemlich müde. Erst zu Hause fanden wir heraus, dass dort jeden Abend um halb neun eine Lichtshow stattfindet – das hatte Arnd entdeckt. Also gingen wir am nächsten Abend erneut dorthin.
Um 20:30 Uhr begannen die Fassaden der Kulturdenkmäler, die U-förmig angeordnet sind, in schillerndem Licht zu leuchten. Das Licht tanzte, träumte, lachte und wurde nachdenklich – alles im Rhythmus der Musik. Diese Musik war eine Mischung aus traditionellen Klängen und modernen Beats – perfekt zum Tanzen. Sie war leicht und verspielt, im Vergleich zum historischen Gewicht der Gebäude. Nach meinem Geschmack hätte auch eine ruhigere Musik gut gepasst. Aber ich war glücklich beim Anblick der Jugendlichen, die sich im Rhythmus wiegten. Also folgte auch ich ihrem Rhythmus mit dem Herzen. Denn die Welt gehört ja Ihnen. Als das Lichtspiel endete und alles wieder still wurde, standen auch wir auf.
Am Tag der Registan-Besichtigung erzählte uns unser Guide, dass es abends auch eine 3D-Lasershow gebe. Die Lichtshow endet, und um 21 Uhr beginnt die Lasershow – sagte sie. Also saßen wir an diesem Tag erneut auf den Treppen. Während wir warteten, kaufte ich mir einen frisch gekochten Maiskolben für 30 Cent – er war so lecker, dass ich bedauerte, nicht gleich zwei gekauft zu haben. Ich bot Arnd ein kleines Stück zum Probieren an und wollte mir noch einen holen, aber Arnd meinte, er müsse nicht probieren – ich solle den ganzen einfach selbst essen und nicht noch einmal losgehen. Also tat ich das. Ich wollte eigentlich auch einem der süßen Kinder, die Zuckerwatte verkauften, eine abkaufen, aber Arnd hielt mich zurück. Vielleicht störte ihn der Gedanke, dass so kleine Kinder arbeiten müssen, oder er machte sich Sorgen um die Hygiene.
Schließlich begann die prächtige Lasershow. Sie erzählte die Geschichte des Landes und zeigte, wie sich Usbekistan der Welt präsentieren möchte. Mir gefiel die Show, aber noch mehr gefiel mir die Stimmung. Es fühlte sich an, als würde ich die Ruhe und Gelassenheit eines Volkes teilen, das ein Leben lebt, in dem der Abend einem selbst gehört, auch wenn es nicht reich ist.
Wenn ich reise, interessiert mich nicht nur, wie die Einheimischen mit mir als Fremder umgehen, sondern auch, wie sie miteinander umgehen. Ich freute mich über diese Gesellschaft, in der es ganz selbstverständlich ist, älteren oder schwächeren Menschen im Bus den Platz anzubieten. Ich sah einmal drei kleine Kinder in einem überfüllten Bus. Sie sahen müde aus. Als ein Platz frei wurde, gab der Älteste dem Jüngsten ein Zeichen, sich zu setzen. Beim nächsten freien Platz setzte sich der Zweitälteste, und zuletzt der Älteste selbst. Ganz ohne Worte – nur mit Blicken verständigten sie sich. Als wäre das für sie ganz normal. Der große Bruder zeigte Rücksicht, und die Kleineren gehorchten bereitwillig.
Wenn man in einer Gasse jemandem begegnet und sich die Blicke treffen, nicken die Menschen einem warmherzig zu, selbst wenn man sich sprachlich nicht verständigen kann. Kinder spielen lachend mit ihren Freunden in den Straßen. Als mich der Guide am Registan fragte, wie mir Usbekistan gefalle, sagte ich, dass ich die Menschen wirklich sehr schätze. Sie antwortete: „Ja, unsere Leute sind höflich und freundlich.“ Und ich finde – das trifft es genau.
Die Registan-Nachtvorstellung, die ich Seite an Seite mit diesen höflichen und freundlichen Menschen erleben durfte, wird mir lange in Erinnerung bleiben.Читать далее
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- День 35
- среда, 30 июля 2025 г., 17:00
- ☀️ 34 °C
- Высота: 715 м
УзбекистанSamarkand39°39’18” N 66°58’34” E
Tag 35 - Registan
30 июля, Узбекистан ⋅ ☀️ 34 °C
Nur Arnd:
Der Registan ist touristisch betrachtet das Gesicht Usbekistans. Ein Foto mit der Totalansicht gab es an Tag 33. Es ist ein Platz, der umgeben ist von 3 Madrasas, den Hochschulen der damaligen Zeit. Die erste wurde ab 1417 von Ulugh Beg errichtet, dem hauptsächlich als Astronomen bekannten Enkel von Amir Timur. 200 Jahre stand sie allein dort. Die Timuridendynastie war schon Geschichte, als ab 1619 erst die heute gegenüberliegende Sher-Dor Madrasa und ab 1646 die Tilya-Kori Madrasa erbaut wurden. Die Sher-Dor Madrasa ist spiegelbildlich zur Ulugh Beg Madrasa erbaut. Eine solche Anordnung gibt es in Usbekistan öfters, sie heißt Kosch - Augenbrauen.
Madrasas waren (Hoch-) Schulen. Hier konnten Jungen ab dem Alter von 15 Jahren aufgenommen werden und 10 Jahre lang dort lernen. Sie waren zu dritt in kleinen zweistöckigen Wohneinheiten untergebracht. Unten wurde studiert, oben geschlafen. Diese Wohneinheiten waren in der Ulugh Beg Madrasa in zwei Stockwerken angeordnet. Nach 5 Jahren konnten die Schüler vom Erdgeschoss ins Obergeschoss wechseln.
Sie wurden voll versorgt und bekamen sogar etwas Geld. Die Möglichkeit zu studieren war deshalb nicht abhängig vom Reichtum der Familie. Die ersten Jahre gab es eine allgemeine Ausbildung in einer Reihe von Fächern, wozu neben Sprachen und Literatur auch Mathematik und Astronomie gehörte. Später dann mussten sie sich spezialisieren und wurden dann entweder Arzt, Jurist, Philosoph, geistlicher Lehrer oder weltlicher Lehrer.
Die Fassadengestaltung der Sher-Dor Madrasa ist ziemlich ungewöhnlich, weil dort nicht nur Ornamente, sondern weltliche Motive abgebildet sind, was im Islam eigentlich verboten ist. Der auftraggebende Herrscher hatte sich unter anderem Löwen gewünscht. Da die lokalen Künstler niemals Löwen gesehen hatten, aber wussten, dass die lange Haare haben, haben sie einfach Tiger mit langen Haaren gemalt. Tiger gab es seinerzeit in Usbekistan. Aber das kennen wir Münchner ja z.B. auch vom Chinesischen Turm, der nur entfernt an chinesische Architektur erinnert.
Wir hatten uns wieder eine Führerin genommen. Nach der Führung konnten wir eines der Minarette besteigen. Das ging steil auf einer sehr engen Wendeltreppe nach oben. Dort durfte man auch nur einzeln mit dem Oberkörper raus und sich die Umgebung anschauen und fotografieren. Auf dem Weg nach unten fielen uns die Fenster auf, die an Schießscharten erinnerten. Was das wohl für einen Grund hat?
Die Führerin hat uns noch die verschiedenen Techniken der Ornamente gezeigt. Da gibt es Mosaike. Die sind aus verschieden glasierten Plättchen zusammengesetzt. Im Gegensatz dazu nannte sie die Majolikatechnik. Da wurden verschiedene Farben aufgemalt. Allerdings musste man nach jeder einzelnen Farbe das Stück nochmal brennen und das jedes Mal mit der je nach Farbe richtigen Temperatur. Das war sehr aufwändig.
In der Ulugh Beg Madrasa gab es eine kleinere Moschee. In der spiegelbildlichen Sher-Dor Madrasa gab es keine, weil die Moscheen immer nach Mekka ausgerichtet sein müssen und das in dieser Moschee nicht gut möglich war. Dafür gab es in der Tilya-Kori Madrasa eine größere Moschee. Über den Moscheen ist normalerweise eine außen türkisfarbene Melonenkuppel gebaut. Wegen der Ausrichtung nach Mekka ist diese Moschee auf der linken Seite der Madrasa und nur dort gibt es eine Kuppel (Foto Tag 33). Die Kuppeln haben in der Regel zwei Schalen. Bei der Tilya-Kori Madrasa ist die innere Schale tatsächlich flach und nicht gewölbt. Aber durch eine geschickte Bemahlung sieht es von innen trotzdem so aus, als ob da eine Kuppel wäre.
An verschiedenen Stellen gibt es „Fenster“, eigentlich Gitter, die den Wind durchlassen und so den Innenhof oder die Räume der Studenten kühlen. Direkt davor stehen heute große Sitzgelegenheiten und dort ist es tatsächlich sehr angenehm. Überhaupt wirken diese Innenhöfe außerordentlich friedlich und entspannend. Ich frage mich allerdings, wie sich die Studenten da gefühlt haben. 10 Jahre lang war das ihre Welt, das ist eine lange Zeit.
Zum Ende hin konnten wir noch eine Hochzeits-Fotosession beobachten. Die sehr hübsche Frau (sagt Hea-Jee) mit geradezu riesigem Gewand und der Mann erfreulicherweise nicht im westlichen Anzug, sondern in einer traditionelleren Kleidung.Читать далее
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- День 35
- среда, 30 июля 2025 г., 11:00
- ☀️ 33 °C
- Высота: 710 м
УзбекистанSamarkand39°40’31” N 67°0’20” E
Tag 35 - Astronomisches-Observatorium
30 июля, Узбекистан ⋅ ☀️ 33 °C
Nur Arnd:
Der zweite Timuride, der hier quasi ein Nationalheiliger ist, heißt Ulugh Beg. Er ist ein Enkel von Amir Timur und hat seine Bedeutung von seiner Betätigung als Astronom. Sein Vater hat in den Nachfolgekämpfen nach dem Tod von Amir Timur die Macht an sich gerissen und die Hauptstadt von Samarkand weg verlegt. Seinen Sohn hat er 1409 in Samarkand mit 15 Jahren als Stadthalter eingesetzt. Bis zum Tod des Vaters 38 Jahre später konnte er sich als Astronom und Professor beschäftigen.
Er hat ab 1417 die erste Madrasa am heutigen Registanplatz errichtet, quasi eine Hochschule der damaligen Zeit und machte sie zu einer der angesehendsten Madrasas des muslimischen Zentralasien im 15 Jhdt. Ab 1424 erbaute er das nach ihm benannte Astronomische Observatiorium.
Das Prinzip, nach dem das Observatorium funktioniert, war nicht neu, es war nach einem Observatorium in Persien gebaut. Aber es war deutlich größer und die Größe entscheidet über die erzielbare Genauigkeit. Die Genauigkeit war seinerzeit allem anderen weit voraus.
Die Sterne werfen ihr Licht durch ein kleines Loch an der oberen Kante des Gebäudes. Wenn ein Stern genau im Süden steht, dann fällt dieses Licht 36m weiter unten als kleiner Lichtfleck irgendwo auf eine kreisförmige Mauer. Dort wird die genaue Position des Flecks vermessen.
Sterne bewegen sich genau wie Sonne und Mond im Verlauf des Tages bzw. der Nacht in einem kreisförmigen Bogen über den Himmel. Was man wissen wollte, war die höchste Höhe (als Winkel) über dem Horizont. Diese höchste Stelle erreicht der Stern, wenn er genau im Süden steht. Deshalb war diese kreisförmige Mauer genau nach Süden ausgerichtet. Ein Teil der Mauer war unterirdisch und nur dieser Teil ist erhalten geblieben und wurde 1908 wiederentdeckt.
Man hat sich dort mit einer ganzen Reihe von astronomischen Themen beschäftigt, die größte Errungenschaft war aber die Zusammenstellung eines Buches mit den Positionen von 1018 Sternen (ein Katalog), der ersten derartigen Zusammenstellung seit der Antike, wo im 2. Jhdt. Ptolemäus den Almagest herausgegeben hat. Der Katalog von Ulugh Beg hat den Almagest in der Genauigkeit um den Faktor 5 übertroffen.
Nach dem Tod seines Vaters wurde er zum offiziellen Herrscher, und das ist nicht gut gegangen. Er hatte wohl viele Feinde, unter anderem weil er die Wissenschaft über die Religion gestellt hat. Am Ende wurde er ermordet und sein Observatorium zerstört. Einem Nachfolger gelang es in den Nachfolgewirren mit dem Buch in die Türkei zu fliehen. Dort hat er zeitweise an der Madrasa der Hagia Sofia unterrichtet und von dort kam das Buch letztlich auch nach Europa, wo es in seiner Bedeutung erkannt wurde.
Wer das alles genauer wissen mag, kann es in der Wikipedia nachlesen.
Deutsch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ulugh_Beg-Observa…
English: https://en.wikipedia.org/wiki/Ulugh_Beg_Observa…Читать далее

ПутешественникHallo Arnd, der Link zum Wikipedia-Eintrag ist https://en.wikipedia.org/wiki/Ulugh_Beg_Observa….

ПутешественникDie damaligen Mathematiker konnten bereits damals hochgenaue Sinuswerte ausrechnen:Die Tabelle ist 18 Seiten lang und enthält Sinuswerte mit neun Dezimalstellen für jedes Grad von null bis 87, sowie Sinuswerte mit elf Dezimalstellen von 87 bis 90 Grad.

Путешественникwie die dass ohne Computer möglich war ist unglaublich. Vielleicht hatte Däniken doch recht!
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- День 34
- вторник, 29 июля 2025 г.
- ☀️ 34 °C
- Высота: 701 м
УзбекистанSamarkand39°39’45” N 66°59’17” E
Tag 34 - Shah-i-Sinda Gräberstätte
29 июля, Узбекистан ⋅ ☀️ 34 °C
Anrd:
Als Unternehmung für den späteren Nachmittag haben wir den Besuch einer Gräberstätte, hauptsächlich wohl für enge Verwandte und Vertraute von Amir Timur ausgesucht. Es soll dort aber auch Gräber aus der Zeit vor Timur geben. Der Reiseführer sagte, dass man da auch schön fotografieren kann. Wir sind zu Fuß dorthin gelaufen und dabei durch die „Altstadt“ von Samarkand gekommen, in der auch unser Hotel liegt. Auf dem Heimweg kamen wir noch an einer Statue des ersten Präsidenten von Usbekistan, Islom Karimov vorbei.
Hea-Jee:
Tagsüber war es viel zu heiß, also beschlossen wir, morgens früh eine Sehenswürdigkeit zu besuchen, nach dem Mittagessen ins Hotel zurückzukehren und erst am frühen Abend wieder rauszugehen. Heute Abend besuchten wir die Gräberstätte Schah-i-Sinda, wo viele einflussreiche Persönlichkeiten begraben sind.
Allerdings sehen hier Moscheen, Hochschulen und Mausoleen alle ziemlich ähnlich aus, sodass ich langsam durcheinanderkomme, wann ich wo genau gewesen bin.
Die Grabstätten bestehen meist aus kleinen Räumen mit einem oder mehreren Sarkophagen aus Marmor. Je nach gesellschaftlichem Rang sind die Räume reich mit Mosaiken geschmückt oder einfach nur weiß gestrichen. Vielleicht sind die weißen Räume noch nicht restauriert. Vielleicht hatten die Verstorbenen keinen besonders hohen Rang und wurden deshalb bei der Restaurierung nicht priorisiert.
Wir gingen durch die kleinen Gassen mit den nebeneinanderliegenden Räumen und nutzten Google Translate, um herauszufinden, wer dort begraben liegt und welchen Status die Personen hatten.
In einem der Räume war der ursprüngliche Zustand vor der Restaurierung auf alten Fotos zu sehen. Außerdem zeigte man neu hergestellte Fliesen, die nach traditionellen Herstellungsmethoden gefertigt wurden. Sie waren aufwendig gearbeitet und wunderschön. Schade, dass wir auf dieser Art von Reise nichts mitnehmen können – andererseits ist das für mich auch eine Erleichterung, weil mir so die Qual der Wahl erspart bleibt.
Hinter der Anlage konnte man über eine Mauer hinweg einen „echten“ Friedhof sehen – vermutlich der Begräbnisort für gewöhnliche Bürger. Ich fragte mich, ob dort heute noch beerdigt wird, aber es war so heiß und meine Beine waren so müde, dass ich mir den Weg dahin ersparte.
Hinter diesem Gelände erhebt sich ein Hügel, auf dem angeblich die ersten Spuren der ursprünglichen Siedlung dieser Stadt entdeckt wurden.
Die Bibi-Chanum-Moschee und die Schah-i-Sinda-Gräberstätte, die wir heute besucht haben, lagen übrigens beide in Laufnähe. Auf dem Hin- und Rückweg konnten wir das Alltagsleben der Menschen hier gut beobachten.
In der Altstadt gibt es viele kleine, flache Häuser, die dicht aneinander gebaut sind, und die Gassen winden sich schmal und verwinkelt hindurch – das erinnerte mich sehr an das alte Korea. Ich freute mich sogar, die Stromleitungen zu sehen, die kreuz und quer über die Gassen gespannt sind, genauso wie die alten Strommasten.
Kinder spielten auf der Straße mit einem Ball oder fingen einander im Laufspiel – und sobald ein Auto kam, rannten sie zur Seite. Wenn wir vorbeikamen, riefen sie fröhlich „Hello!“. Die Kinder hier sind so offen und niedlich, dass ich am liebsten Bonbons für sie gekauft hätte.
In der Mitte der Straße war eine schmale Rinne in den Boden eingelassen, durch die Wasser floss. Ich vermute, es war Abwasser aus den Haushalten, aber vermutlich nicht aus den Toiletten, denn es roch kaum. Ich entdeckte einmal auch dickere, tiefer verlegte Leitungen – vielleicht sind das die eigentlichen Abwasserkanäle für die sanitären Anlagen.
Bemerkenswert fand ich auch die Gasleitungen: Etwa 7 cm im Durchmesser und direkt außen an den Hauswänden auf Höhe des ersten Stocks angebracht. Dieses Land verfügt über reichlich Erdgas.
Wir gingen weiter über eine sehr breite Straße, die sich lange erstreckte. Es gab kaum eine Trennung zwischen Gehweg und Fahrbahn – es fühlte sich eher wie eine fußgängerfreundliche Zone an, in der sich alle frei bewegen konnten. Mitten auf der Straße standen kleine Bauchläden, an denen gekochter Mais oder puffartige Snacks verkauft wurden. Kinder sausten in Mini-Autos über die Straße – offenbar ferngesteuert – und wir staunten über ihre Geschwindigkeit.
Am Straßenrand reihten sich Läden aneinander, in denen regionale Produkte wie Stofftaschen oder Kleidung verkauft wurden. Eine lange, offene Bimmelbahn, wie man sie aus Freizeitparks kennt, fuhr langsam durch diesen Bereich – und trotzdem kam es sogar hier zu einem Verkehrsunfall.Читать далее
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- День 34
- вторник, 29 июля 2025 г.
- ☀️ 34 °C
- Высота: 718 м
УзбекистанSamarkand39°39’39” N 66°58’48” E
Tag 34 - Bibi-Chanum Moschee
29 июля, Узбекистан ⋅ ☀️ 34 °C
Arnd:
Unser erstes Ziel in Samarkand ist die nach Bibi Chanum benannte Moschee. Bibi-Chanum war eine der Frauen von Amir Timur. Sie war eine Nachfahrin von Dschingis Khan und das gab seinem Ziel, das mongolische Reich wieder zu errichten Legitimation. Sie kamen zusammen durch Eroberung - in seinen frühen Feldzügen hat er auch den ersten Eheman von Bibi-Chanum besiegt und umgebracht und hat sie aus seinem Harem zu sich genommen. Ein auch schon bei den Mongolen übliches Verfahren.
Nach einem späteren Feldzug in Indien hat Amir Timur den Bau einer für seine Zeit gigantischen Moschee begonnen. Es wird gesagt, dass er in Indien eine sehr große Moschee gesehen hat und er wollte eine größere. Von seinen Feldzügen hat er er nicht nur Reichtümer mitgebracht, sondern auch Wissenschaftler, Architekten und Handwerker, es gab also Geld, Wissen und Können und das hat über die Zeit einen neuen Baustil in seinem Reich hervorgebracht.
Wenn er anwesend war, hat er sich intensiv in den Bau eingemischt. Da er aber auch öfters auf Reisen war, um andere Länder zu erobern, hat seine Frau Bibi Chanum wesentlichen Anteil an der Gestaltung. Genau gegenüber hat sie zur selben Zeit eine Madrasa errichten lassen, eine Hochschule, wo sie heute begraben liegt, oder auch nicht und das nach ihr benannt ist. Als Timur nach einer seiner Reisen zurückkam, musste er feststellen, dass das Hauptportal der Madrasa höher war, als das der Moschee - das ging gar nicht. Also ließ er das Portal abreißen und neu und höher wieder erbauen.
Bei diesem Bau hat man wohl die technischen Möglichkeiten der Zeit überspannt, es gab statische Probleme. Der Bau begann recht schnell zu verfallen. Im Lauf der Zeit gab es hier auch mehrere Erdbeben, die dem Gebäude den Rest gaben.
Auf den Fotos mit dem Modell dieser Moschee, die wir in Taschkent aufgenommen haben, kann man die Struktur dieser Art Moscheen erkennen. Es gibt vorn ein prunkvolles Eingangsportal, durch das die Gläubigen in den Hof gelangen. Gegenüber ist der Hauptraum der Moschee mit der großen türkisblauen Kuppel, der aber viel zu klein ist, um alle Gläubigen aufzunehmen. Deshalb gibt es in den vier Ecken überdachte Bereiche, in denen die Großzahl der Gläubigen beten konnte. Diese Dächer wurden von einer großen Zahl von Säulen getragen und hatten oben viele kleine Kuppeln. Diese Dächer sind alle eingestürzt und nicht restauriert.
Es gab innen ein paar historische Fotos aus der Frühzeit der Fotografie. Man kann sie auch in der Wikipedia anschauen:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bib…
Alle diese Gebäude, die wir hier besichtigen, waren mehr oder weniger Ruinen. Während der Sowjetzeit haben sich die Russen erst nicht besonders dafür interessiert, aber ab den späten 1960er begann man mit Untersuchungen und einer Rekonstruktion. Das meiste, was wir hier sehen ist also nicht original. Aber man kann sehen, was rekonstruiert ist und was original. Bei den Dekorationen hat man z.B. immer wieder originale Flächen belassen.
Hea-Jee:
Wir haben ein Hotel im Wohnviertel der Altstadt von Samarkand genommen. Die Lage gefällt mir wirklich sehr. Kinder spielen draußen, die Anwohner gehen einkaufen, unterhalten sich mit den Nachbarn – und ganz in der Nähe wird gerade ein neues Haus gebaut. So kann ich genau beobachten, wie hier kleinere Neubauten entstehen. Das finde ich richtig spannend.
Das Hotel wurde innen komplett renoviert, alles ist neu und sauber, die Klimaanlage und das Bad funktionieren einwandfrei (Hotel Mumtaz, 43 Euro pro Tag). Auf Booking.com hatte es viele gute Bewertungen, besonders das Frühstück wurde oft gelobt – und es hat mich wirklich nicht enttäuscht. Eine Freundin hatte mir gestern ein Foto von selbstgemachten American Pancakes geschickt, und ich hatte seitdem richtig Lust darauf. Heute gab es zum Frühstücksbuffet verschiedene Sorten Pfannkuchen und sogar Waffeln. Juhu!
Heute haben wir die Bibi-Chanum-Moschee besucht. „Bibi Chanum“ bedeutet so viel wie „Frau Bibi“ oder „Madame Bibi“. In der Türkei nennen sie mich manchmal „Hea-Jee Hanım“. Bibi Chanum war wohl eine außergewöhnliche Frau. Wenn ihr Mann auf Eroberungsfeldzügen unterwegs war, soll sie wichtige Bauprojekte selbst beaufsichtigt und weitergeführt haben.
Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten, kam ein junger Mann auf uns zu und fragte, ob wir eine Führung haben wolle (30 Minuten für 10 Euro). Dank des Guides habe ich vieles verstanden, was ich sonst einfach übersehen hätte. Besonders interessant war es, dass er mir gezeigt hat, welche Teile des Gebäudes original sind und welche rekonstruiert wurden.
Ich hatte mich schon oft gefragt, wie man früher solche runden Backsteinbögen gebaut hat – und diesmal konnte ich es endlich sehen. Es wurden vor allem flache, quadratische Ziegel im Format 27 x 27 x 5 cm verwendet!Читать далее
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- День 33
- понедельник, 28 июля 2025 г.
- ☀️ 33 °C
- Высота: 723 м
УзбекистанSamarkand39°39’16” N 66°58’57” E
Tag 33 - Ankunft Samarkant
28 июля, Узбекистан ⋅ ☀️ 33 °C
Hea-Jee:
Wir haben früh gefrühstückt und sind dann zum Bahnhof gefahren, um den Zug nach Samarkand zu nehmen. Zum Schluss wussten wir nicht genau, wohin wir gehen mussten, also fragte ich einen jungen Mann, der vorbeiging. Wir konnten uns nicht verständigen, aber er verstand, was wir wollten, und brachte uns bis zum Bahnhof. Er trug sogar mein Gepäck – wie nett von ihm!
Arnd meinte, er hätte Plätze in der Economy-Klasse reserviert, aber vermutlich war es doch die Business-Klasse. Wir saßen in einem besonderen Waggon ganz vorne, mit sehr breiten und bequemen Sitzen. Auf jedem Tisch in der Mitte standen Wasserflaschen und eine Box mit Taschentüchern. Anfangs war es sehr heiß, und wir dachten schon, es gäbe keine Klimaanlage – aber später wurde es angenehm kühl.
Etwa in der Mitte der Fahrt kam ein Mann im weißen Kittel vorbei und verkaufte warme Teigtaschen. Sie waren mit gebratenen Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt und im Ofen gebacken – sie schmeckten wie alte koreanische Kroketten und waren wirklich lecker. Eine kostete 1,30 Euro.
Der Gedanke, von einer Oase namens Taschkent zu einer anderen namens Samarkand zu reisen, ließ mein Herz höherschlagen. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich endlose, gelblich verbrannte Berge ohne einen einzigen Baum. Doch entlang der Bahnlinie verlief ein kleiner Fluss, sodass wir ab und zu ein Dorf oder eine Kleinstadt entdecken konnten. Ob es einen Fluss oder Bach in der Landschaft gibt, erkennt man an einem grünen Band aus Bäumen.
Schade, dass ich wegen des Nachholens meiner Reisetagebuch-Einträge nicht mehr von der Landschaft mitbekommen habe. Beim nächsten Mal will ich weniger schreiben und mehr schauen.
Am Bahnhof angekommen, setzten wir uns in die angenehm kühle Wartehalle. Bei Kaffee und Kuchen machten wir uns an die Planung der Weiterfahrt. Arnd recherchierte die öffentlichen Verkehrsmittel, und ich informierte mich darüber, wie man ein Yandex-Taxi ruft.
Während dieser Reise fiel mir auf, dass ich oft zu viel Energie darauf verwende, Arnd von dem zu überzeugen, was ich gerne machen möchte. Ich dachte, ich wolle alles demokratisch im Gespräch lösen – aber eigentlich bin ich wohl auch ein bisschen bequem und unselbständig. Im Grunde hoffte ich wohl, dass Arnd seine Meinung ändert und das tut, was ich möchte. Also beschloss ich, diesmal einfach allein ein Yandex-Taxi zu rufen.
Unsere vorher installierte Airalo-eSIM hatte sich gestern im Museum als nutzlos erwiesen, da wir keine Verbindung zum Internet hatten. Also schlug ich Arnd vor, eine neue eSIM eines lokalen Anbieters mit einer lokalen Nummer zu kaufen. Er stimmte zu und half mir bereitwillig, einen Laden zu suchen.
Sobald ich die neue Nummer hatte, installierte ich die Yandex-App. Arnd half mir zwar dabei, aber er selbst installierte sie nicht. Das sei ja meine Idee gewesen, meinte er, also solle ich das auch alleine machen.
Seine Meinung, dass Busfahren umweltfreundlicher sei, als ein Taxi zu nehmen, ist richtig. Aber meine Einschätzung, dass es für mich zu anstrengend ist, bei der Hitze mit Gepäck lange zu Fuß zu gehen, ist ebenfalls vernünftig.
Jedenfalls sind wir heute zum ersten Mal mit dem Taxi zum Hotel gefahren. Die etwa halbstündige Fahrt hat fast genauso viel gekostet wie unsere beiden Teigtaschen im Zug. Das stimmt mich irgendwie nachdenklich.
Aber dank der Taxifahrt ich fühle mich sowohl körperlich als auch seelisch richtig gut. Dafür nehme ich mir vor, bei der Besichtigung ohne Gepäck nie auf ein Taxi zu bestehen und mich ganz an Arnd anzupassen.
Arnd:
Es gibt in Usbekistan einen ziemlich modernen Hochgeschwindigkeitszug von einem spanischen Hersteller. Der ist sicher recht komfortabel. Wir haben aber einen Zug älterer Bauart genommen. Am Preis lag das nicht, Bahn fahren ist sehr günstig hier. Die schnellen Züge fahren morgens als erste los, vermutlich weil sie dann nicht von langsameren Zügen ausgebremst werden können. Das hätte aber ein ziemlich frühes Aufstehen erfordert und das Frühstück im Hotel hätten wir ausfallen lassen müssen. Außerdem wären wir dann viel zu früh in Samarkand gewesen und hätten im Hotel noch nicht einchecken können. Das ist dann immer sehr lästig, weil man das große Gepäck dabei hat.
Unser Zug und insbesondere unsere Business Class war aber ganz interessant. Es gab eine 2+1 Bestuhlung mit sehr breiten Sesseln, vor allem aber sehr sehr breiten Tischen. Hea-Jee saß mir gegenüber und der Abstand zwischen uns war so groß, dass wir Probleme beim Verstehen des anderen hatten. Schreien wollten wir nicht. Auf die Weise passen nicht allzu viele Leute in den Wagen, was natürlich luxuriös wirkt. Mich erinnerte das an die sehr breiten Straßen in Taschkent. Irgendwie wollen die Leute hier viel Platz haben.
Hinter Taschkent war die Landschaft erstmal flach und durchaus grün mit viel Landwirtschaft. Erst später sind wir durch eine Bergregion gefahren, allzu hoch war das aber nicht. In der Ferne konnte man manchmal höhere Berge sehen.
Nachdem wir uns im Hotel ausgeruht hatten und die Nachmittagshitze vorüber wähnten, sind wir dann zum Registan gegangen. Das ist quasi das Gesicht Samarkands. Außer dem Bild von diesem Platz hatte ich keine Vorstellung von dieser Stadt. Auf der Fahrt vom Bahnhof zum Hotel konnte man aber sehen, dass Samarkand eine durchaus normale moderne Stadt ist, in der es eben ein paar Baudenkmäler gibt. Die Stadt hat knapp 600.000 Einwohner. Unser Hotel liegt in der Nähe des Registan in der sogenannten Altstadt. Das ist ein Viertel mit niedrigen Häusern und wirklich verwinkelten kleinen Gassen. Bisher gilt das nicht als Schmuckstück, es ist eher ein bisschen heruntergekommen. Das könnte sich aber ändern, es wird investiert. Unser Hotel ist innen komplett neu.
Wir konnten also zu Fuß zum Registan, es sind nur ein paar hundert Meter. Wenn man näher an die Gebäude heran oder hinein will, muss man Eintritt bezahlen, auch fürs fotografieren muss man wohl nochmal extra was bezahlen. Heute Abend sind wir deshalb außerhalb des abgesperrten Bereichs geblieben. Es hatte eine sehr angenehme Temperatur und eine Menge Leute haben da einfach den Abend genossen.
Anschließend Usbekisch Essen gegangen und dabei ein paar neue Gerichte ausprobiert. Zum einen Manti, das sind quasi die usbekischen Khinkali, außerdem eine Rindfleisch-Nudelsuppe und ein paar Schaschlikspieße. Dazu noch einen sehr leckeren Lemon Tee, der aber wohl eher Mandarinen enthielt. Kostete in Summe für uns zusammen 12€. Unsere Lebenshaltungskosten sind hier massiv gesunken. Wahrscheinlich war es wieder zu viel.
Im Bad haben wir ein Thermometer, das zeigt 33°C. Das wäre die Temperatur auch im Schlafzimmer ohne Klimaanlage.Читать далее

ПутешественникInteressant euch zu folgen. Altstadt von Samarkant kommt mir bekannt vor. Wünsche euch weiter gute Reise ~~
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- День 32
- воскресенье, 27 июля 2025 г.
- ☀️ 35 °C
- Высота: 452 м
УзбекистанTaschkent41°17’26” N 69°15’9” E
Tag 32 - Taschkent
27 июля, Узбекистан ⋅ ☀️ 35 °C
Hea-Jee:
Bevor es zu heiß wurde, verließen wir das Hotel. Heute stand der Besuch des Seoul Parks auf dem Plan. Zum Glück war der Himmel stark bewölkt – das rettete uns vor der gnadenlosen Sonne. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, mussten wir zwischendurch einiges zu Fuß zurücklegen.
Am Wegesrand blühten zahllose Hibiskussträucher – eine freudige Überraschung. Es schien mir fast, als würde ich hier mehr schöne und sauber gebündelte Hibiskusblüten sehen als in Korea selbst. (Der Hibiskus gilt in Korea als Symbol für Unvergänglichkeit und nationale Identität.)
Den Seoul Park konnte man schon von weitem erkennen. Hinter einer niedrigen traditionellen Mauer mit hübsch gedeckten Ziegeln standen mehrere Gebäude im koreanischen Stil. Die Anlage war schön gestaltet, aber es fühlte sich eher wie ein Ausstellungsort als ein Park an. Leider war der Eingang verschlossen und keinerlei Erklärung zu finden. Aber man konnte auch von draußen gut hineinschauen und schöne Fotos machen.
Der Seoul Park wurde am 1. September 2014 – zum Unabhängigkeitstag Usbekistans – als Geschenk der koreanischen Regierung eröffnet. Vor dem Park steht ein großes steinernes Relief, das 2017 errichtet wurde, anlässlich des 80. Jahrestags der Zwangsumsiedlung der Koreaner durch das Stalin-Regime im Jahr 1937. Unter dem Relief ist in Koreanisch, Usbekisch und Russisch eine Botschaft eingraviert: ein tiefer Dank an das usbekische Volk für den warmherzigen Empfang der koreanischen Deportierten. Vielleicht weil ich selbst mein Leben lang im Ausland lebe, fühle ich mich instinktiv zur Geschichte der Diaspora hingezogen.
Der Seoul Park liegt innerhalb eines größeren Parks – direkt daneben ein großer Kinderspielplatz. Es war berührend zu sehen, wie fürsorglich die jungen Eltern mit ihren Kindern spielten. Die vielen Bäume und das üppige Grün spendeten wohltuenden Schatten – eine wahre Erfrischung für Körper und Geist nach langer Zeit.
Schon seit Georgien fällt mir auf, dass Wege und Treppen in den ehemaligen Sowjetstaaten oft übertrieben breit angelegt sind. Bei dieser Hitze auf Asphalt oder Beton zu laufen, fühlt sich an, als ginge man über eine heiße Herdplatte – die Hitze strahlt von oben und unten zugleich. Umso wohltuender ist es, einfach nur einen begrünten Fleck zu sehen.
Dann sind wir mit dem Bus zum traditionelle Markt, dem Tschorsu-Basar gefahren. Es schien ein Ort zu sein, an dem hauptsächlich Einheimische einkaufen. Und wie es sich für einen landwirtschaftlich reichen Staat gehört, war das Angebot überwältigend: Gemüse, Obst, Gewürze, Tee und fertige Speisen – alles in Hülle und Fülle. Die Händler sprachen uns zwar an, aber niemand war sehr aufdringlich. Man konnte ganz in Ruhe schauen und sich treiben lassen.
Ich wollte unbedingt wissen, wie Feigen hier schmecken, und kaufte ein paar. (Abends im Hotel probierte ich sie – und ohne Übertreibung: Sie waren süßer als Honig!) Die Verkäuferin war freundlich, worauf Arnd trocken meinte: „Na klar war sie freundlich – sie hat dich ja über den Tisch gezogen.“ Ob ich wirklich überbezahlt habe, weiß ich nicht – bei all den Nullen auf der Währung hier verliere ich ohnehin völlig den Überblick. Aber falls es ein Aufpreis war, war es ein sympathischer. Hier hatte ich zumindest nicht das Gefühl, dass der Preis mitten im Gespräch stieg, nur weil ich wie ein leichter Fang wirkte.
Im nächsten Gang kamen wir in eine Halle voller Fleischstände, in der verschiedenste Fleischsorten bei dieser Hitze zum Teil einfach ungekühlt offen dalagen. Wir hielten die Luft an und bewegten uns so schnell wie möglich in eine andere Ecke des Gebäudes, wo es eingelegte Gemüse gab, u.a. Dinge die aussahen wie Kimchi. Eigentlich wollten wir etwas auf dem Markt essen – aber heute stand endgültig fest: Es wird vegetarisch gegessen.
Der Markt war riesig. In der Ferne sahen wir dichte Rauchschwaden aufsteigen. Arnd vermutete, dass dort die „Fressmeile“ sei. Und tatsächlich – dort reihten sich kleine Garküchen aneinander, in denen direkt an der Straße gekocht und angerichtet wurde. Ich war ohnehin neugierig auf das usbekische Nationalgericht Plov – also steuerten wir einen Stand mit einem riesigen Kessel an, in dem der Reis brutzelte.
Da man hier sehr große Portionen serviert, bestellten wir nur eine für uns beide. Ich hätte fast noch einen Salat dazu genommen, aus schlechtem Gewissen, aber wegen der Hygiene im Markt entschieden wir uns dafür, nur gut erhitzte Speisen zu essen.
Plov ist ein gebratener Reis mit reichlich Gemüse und zerkleinertem, gekochtem Lammfleisch obendrauf. Ich entdeckte auch ein paar Kichererbsen. Es war fettig, aber trotzdem lecker. Die Portion reichte locker für zwei.
Der Kellner schickte uns zur „Mutter“ am Kessel, um zu bezahlen – und dort sah ich: Am Boden des Kessels sammelte sich das Öl in kleinen Seen, und an einer Seite lagen große Fleisch- und Fettstücke. Getrocknete rote Chilischoten gab es auch – aber das Essen war überhaupt nicht scharf. Offenbar hat es hier seinen Grund, warum man traditionell so fett isst.
Wir machten uns zuerst mit der Metro und dann zu Fuß auf den Weg zum Historischen Museum. Leider war auch dort die Tür verschlossen. Schade – aber das Gebäude war auch von außen so schön, dass man es ihm kaum übelnehmen konnte. Es scheint hier üblich zu sein, traditionelle Muster in moderne Architektur zu integrieren. Für mich als Fremde wirkt es stimmig.
Danach gingen wir zu einer Fotoausstellung – wieder ein längerer Marsch. Der Spaziergang wurde jedoch durch die Vielzahl interessanter Bauwerke entlang der Strecke bereichert.
Viele davon erinnerten an den faschistischen Stil, der durch die Sowjetunion geprägt wurde – monumental, einschüchternd, machtbewusst. Die meisten Menschen hinterfragen solche Architektur nicht, sie leben einfach damit. Wenn man lange einer solchen Umgebung ausgesetzt ist, gewöhnt man sich daran – bis man sie schließlich als normal und vielleicht sogar als angenehm empfindet. Deshalb entstehen solche Bauten auch noch lange nach dem Ende totalitärer Regime – vor allem dort, wo Macht und Geld zur Schau gestellt werden sollen.
Auch Arnd hatte beim Beobachten der Straßen vieles zu sagen. Was ich übersehen habe, wird er sicher mit seinem scharfen Blick ergänzen.
Arnd:
Na, so viel bleibt da nicht. Vielleicht schreibe ich mal über eine Perspektive, aus der ich auch immer die Dinge anschaue, die ökonomische. Natürlich habe ich das nicht gelernt, aber als Physiker kann man ja mit mathematischen Zusammenhängen gut umgehen und dann ist die Ökonomie durchaus zugänglich.
In dem wuselnden Markt schaue ich mir z.B. die Verkäufer an. Die haben hin und wieder mal einen Kunden, aber die meiste Zeit warten sie auf Kunden. D.h., die meiste Zeit tun sie eigentlich nichts. Das ist natürlich nicht effizient bzw. produktiv. Zum Vergleich denke ich dann an den Packer bei Amazon, der den ganzen Tag nicht eine ruhige Minute hat. Für uns Touristen ist das Treiben dort natürlich spannend und exotisch, die Farben und Gerüche lassen einen das mit allen Sinnen erleben. Und wenn man was kauft, dann hat man auch menschlichen Kontakt. Für die Lebensqualität ist alles positiv. Geringe Produktivität bedeutet aber auch geringes Gehalt, also Armut. Vom Packer bei Amazon kann man lernen, dass hohe Produktivität nicht unbedingt hohes Einkommen bedeutet. Den Zugewinn steckt da der Konzern ein und gibt ihn nicht an seine Mitarbeiter weiter.
Andere Beispiele für geringe Produktivität haben wir auf dieser Reise zuhauf gesehen. Die Frauen in ihrem Häuschen unten an der Rolltreppe der Tifliser und Taschkenter U-Bahn, allgemein ein massive Überversorgung. In den türkischen Städten z.B. hat man alle 50m ein kleines Lebensmittelgeschäft mit langen Öffnungszeiten. Du brauchst um 22:00 noch ne Tüte Chips? Geh mal kurz über die Straße. Die meiste Zeit stehen aber auch da die Händler allein in ihren Geschäften und warten auf Kundschaft. Sobald es in diesen Ländern mehr bessere Arbeitsplätze gibt, wird das alles langsam verschwinden.
Und dann schaue ich natürlich immer auf den Verkehr. Taschkent ist sehr locker bebaut, die Straßen sind sehr breit und damit sind die Entfernungen allgemein recht groß. Das ist fürs zu Fuß gehen schlecht. Das Fahrrad würde in einer so locker bebauten Stadt mit über zwei Millionen Einwohnern auch nur im lokalen Umfeld funktionieren. Sie haben ein recht gutes Nahverkehrssystem und bauen ihre U-Bahn auch noch aus. Aber dieser viele Platz ist natürlich perfekt für Autos. Also läuft das auch hier in diese Richtung.
Auch hier sind die Autos häufig recht protzig, wobei sehr viele chinesische Marken herumfahren - auch die Chinesen können Protz. Das Durchschnittseinkommen liegt noch etwas unter dem von Georgien. Das Auto dürfte also vor allem noch ein Oberschichtenphänomen sein, der Verkehr fließt noch. Wenn erst fast alle im Land ein Auto haben, dann helfen die breiten Straßen auch nicht mehr und der Stau wird sie alle einholen. Autos haben eine für Städte nicht geeignete Flächen-(in)effizienz.
Wofür die Usbeken die breiten Straßen aber auch noch nutzen, ist viel Grün. Es gibt viel Schatten spendende Bäume und auch dekoratives Grün sieht man oft. Bei uns wird im Zusammenhang mit Klimawandel viel davon geredet, dass wir in den Städten viel mehr Grün brauchen, um die Temperaturen abzusenken. Hier kann man das sehen und es ist schön.Читать далее
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- День 31
- суббота, 26 июля 2025 г.
- ☀️ 40 °C
- Высота: 455 м
УзбекистанTaschkent41°18’49” N 69°16’45” E
Tag 31 - Taschkent
26 июля, Узбекистан ⋅ ☀️ 40 °C
Nur Arnd:
Heute ist es später geworden. Nach dem schweren Essen haben wir beide nicht gut geschlafen und sind deshalb später aufgestanden. Bei der größten Hitze nachmittags verkriechen wir uns im Hotel (und planen und buchen die weitere Reise). Es blieb also nicht viel Zeit für erste Erkundungen. Das erste Ziel war, die hiesige Karte für den öffentlichen Verkehr zu kaufen, die ATTO-Card. Man kann zwar im Bus direkt mit dem Smartphone bezahlen. Ich habe aber Hemmungen, meine VISA-Abrechnung mit 0,12€ Beträgen zu füllen. Außerdem will ich wissen, wie das läuft. Rechnen wird sich die Karte nicht. Diese Karte bekommt man an einer Verkaufsstelle in Metrostationen. Bis zur nächsten Metro sind wir nochmal Bus gefahren und haben per Smartphone bezahlt.
Die Dame an der Verkaufsstelle konnte kein Englisch und wir waren nicht vorbereitet - man hätte schon Texte in einer Übersetzungs-App vorbereiten können. Sie hat uns zwei Karten verkauft, aber sie hat nicht verstanden, dass wir noch etwas Geld aufladen wollten. Beim Kauf ist zwar schon etwas drauf, aber das reicht nur für zwei Fahrten. Deshalb mussten wir am nächsten Morgen nochmal per Smartphone zahlen. Ich hatte ja die Hoffnung, dass man per ATTO-App (mit der man hier diese Karten verwalten kann) die Karten online selbst nachladen kann. Kann man auch, nur braucht man eine Usbekisches Bankkarte. Immerhin kann ich jetzt damit nachschauen, wieviel Geld noch auf unseren Karten drauf ist, und wo der nächste Bus steckt kann sie auch auf einer Landkarte anzeigen.
Nachdem wir unsere Karten hatten, sind wir per Metro zum Amir-Temur-Platz gefahren.
Die Metro hier ist schon was besonderes. Die Stationen sind schön gestaltet. Unsere erste U-Bahn war auch ein sehr moderner, klimatisierter und ruhiger Zug, ich vermute einen chinesischen Hersteller. Die meisten Züge sind aber älter und russischer Bauart, aber nicht so alt und laut, wie die in Tiflis. Die U-Bahn ist auch bei weitem nicht so tief unter die Erde gelegt, wie in Tiflis. Aber die Dame in dem Häuschen unten an der Rolltreppe, die gibt es hier auch. Vermutlich schaltet sie die Rolltreppe aus, wenn gerade keine Leute drauf sind.
Amir Timur
Ich hatte wohl schonmal von den Timuriden gehört, aber gesagt hat mir das nichts. Heute würde man Amir Timur wohl als einen Warlord bezeichnen, der sich ein großes Reich zusammen erobert hat. Ihm schwebte die Wiedererrichtung des mongolischen Reiches vor, das nach Dschingis Khans Tod bald zerfallen war - aber mit muslimischer Prägung. Zur Erinnerung, Dschingis Khan hat die Eurasische Welt im frühen 13. Jhdt. auf ziemlich brutale Weise umgekrempelt. Die alten Handelsstädte an der Seidenstraße, Samarkand und Buchara, die zum Reich Transoxanien gehörten (was in etwa dem heutigen Usbekistan entspricht), fielen um 1219 und wurden nahezu vollständig zerstört. Amir Timur machte seine Eroberungen im späten 14. Jhdt. bis Anfang des 15. Jhdts., wobei er die Grausamkeit der Mongolen wohl noch übertroffen hat. Im wesentlichen hat er die Reichtümer, Handwerker und Gelehrten in seine Heimat Transoxanien und seine Hauptstadt Samarkand gebracht und dort, aber nur dort, eine kulturelle Blüte mit einem eigenständigen Architekturstil hervorgebracht. Genaueres kann man in der Wikipedia nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Timur (english: https://en.wikipedia.org/wiki/Timur). Das werden Hea-Jee und ich in den nächsten Tagen „bewundern“.
Man sollte aber wohl dazusagen, daß sich dieses System der Eroberung und des sich bereicherns an fremden Reichtümern durch die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit zieht. Nur die Brutalität hat hier wohl einen Höhepunkt erreicht.
In Tashkent hat man nach dem Ende der russischen Besatzung Timur zu Ehren eine wuchtige Reiterstatue an einem zentralen Platz aufgestellt und ein Museum eingerichtet. Das haben wir heute noch besucht. Die Usbeken hatten es schwer, dieses Museum zu füllen, da sehr viele Dinge, die man da zeigen würde, in meist europäischen Museen liegen. Also gab es etliche Kopien. Daneben Modelle der auf ihn zurückgehenden monumentalen Gebäude. Zum Schluss auch noch ein Modell des indischen Taj Mahal, das in diesem Architekturstil erbaut wurde, wobei usbekische Handwerker geholfen haben. Ein Urenkel von Timur gründete 1526 das Mogulreich in Indien.
Nachmittags noch beim Koreaner gegessen und dann im Hotel abgekühlt. Es gibt hier eine größere Koreanische Minderheit. Die wurden von Stalin hierher verschleppt und halten bis heute noch an ihrer alten Kultur fest. Im Supermarkt haben wir Kimchi gefunden und koreanische Restaurants gibt es hier sehr viele.Читать далее
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- День 30
- пятница, 25 июля 2025 г.
- ☀️ 41 °C
- Высота: 423 м
УзбекистанTaschkent41°15’34” N 69°16’40” E
Tag 30 - Reise
25 июля, Узбекистан ⋅ ☀️ 41 °C
Arnd:
Diese Reise soll ja so weit wie möglich ohne zu fliegen verlaufen. Es gibt aber zwei Teilstrecken, wo das nicht geht. Die erste hatten wir heute. Wir hätten auch eine kürzere Strecke nach Aktau in Kasachstan fliegen können. Das habe ich aber erst herausgefunden, als das Ticket schon gekauft war. Die anschließende Eisenbahnreise durch die Wüste in Uzbekistan ist aber ziemlich hart. Mal schauen, vielleicht machen wir das auf der Rückreise, wenn wir mehr abgehärtet sind.
Bei Ankunft in Taschkent hatte es draußen 41°C. Man muss aber dazu sagen, dass die Luft hier, und auch in der zentralen Türkei und in Georgien, sehr trocken ist. Man schwitzt, aber der Schweiß verdunstet sehr schnell und kühlt dabei auch. Die Meteorologen haben dafür das Konzept der gefühlten Temperatur. Die ist heute in Seoul z.B. 42°, während es hier nur etwa 36° sind. Die physikalischen Tempertauren sind in Seoul 37°C, in Taschkent 40°C. Ein weiterer Vorteil der trockenen Luft ist, dass wir auf der ganzen Reise bisher fast keinen Kontakt mit Mücken hatten.
Für den Weg vom Flughafen zum Hotel wollte Hea-Jee gern Taxi fahren. Das macht man hier am besten mit Yandex, einem russischen Uber. Ich hatte mich in Georgien intensiv bemüht, das zu installieren. Es scheiterte daran, dass die SMS nicht ankam. Hea-Jee hat dann herausgefunden, dass die in Europa wegen dem Ukrainekrieg geblockt sind. Natürlich könnten sie das in der App auch sagen, tun sie aber nicht. Ich hatte dann keine Lust mehr und habe nach einem Bus geschaut. Das ging auch ganz einfach und es war nicht weit. Aber als wir aus dem Bus ausgestiegen sind, hätten wir die Straße überqueren müssen und das ging nicht. Die Mitte der Straße war eine Baustelle ohne Möglichkeit zur Überquerung (vermutlich ein U-Bahnprojekt) und zwar bis zum Horizont. Also sind wir an der Straße entlang bis zur nächsten Kreuzung, da kam man rüber, und wieder zurück. 800m Umweg (bei 41°C) - Hea-Jee hatte einen ganz bösen Blick, mit Taxi wäre das nicht passiert.
Abends sind wir dann losgezogen, um Bargeld aus dem Automaten zu ziehen und danach Essen zu gehen. Die Automatenbetreiber wollen hier alle 1%-2% haben, das ist ok. In der Türkei gab es Banken, die den Service völlig kostenlos gemacht haben. Mit Karte zahlen ist hier noch nicht so verbreitet, also werden wir hier viel Bargeld brauchen. Und der Usbekische So’m kommt in ganz großer Stückelung. Der größte Schein ist 200 000 So‘m und ist 13,50€ wert. Vor lauter Nullen wird einem da ganz schwindlig.
Das Abendessen war sehr schön. Allerdings konnten wir merken, dass man hier gern fettreich isst, worauf Hea-Jee ja nicht so steht.
Hea-Jee:
Heute ist der Tag, an dem wir Georgien verlassen und nach Usbekistan fliegen. Da Aserbaidschan – der einzige Landweg von der Türkei in Richtung China – nach der Corona-Pandemie die Einreise auf dem Landweg weiterhin blockiert, bleibt uns nichts anderes übrig, als das Land per Flugzeug zu überfliegen. Durch Krieg und Konflikte sind auch die Routen über Syrien, den Iran, Armenien und Russland versperrt. Selbst für Reisende ist das alles schon beschwerlich – wie qualvoll muss es dann erst für diejenigen sein, die vom Krieg direkt betroffen sind?
Nach einer einstündigen, überfüllten Busfahrt kamen wir schließlich am Flughafen Tiflis an. Im Vergleich zum Warteraum eines Fernbusbahnhofs war es hier angenehm kühl, geräumig und sauber. Sofas, Klimaanlage, WLAN, saubere Toiletten – ein komfortables Zuhause für Reisende. Ich fühlte mich wie jemand, der aus einer kleinen Hütte in eine Villa umgezogen ist, und lief begeistert umher, um mir alles anzusehen.
Es machte richtig Spaß, nach langer Zeit mal wieder mit Arnd zusammen zu fliegen. Sogar das Flugzeugessen genossen wir in Dankbarkeit und bis zum letzten Bissen.
Bis hierhin habe ich geschrieben und erfahren, dass Arnd über den nächsten Teil des Tages schon geschrieben hat – deshalb lasse ich diesen Abschnitt einfach weg. Hätte ich ihn geschrieben, wäre er vermutlich ellenlang und voller Details gewesen... Arnd, du hast Glück gehabt!
Stattdessen schreibe ich ein paar Gedanken über Georgien auf. Wir haben eine Woche in der Hauptstadt Tiflis verbracht. Obwohl Georgien für seine beeindruckenden Landschaften bekannt ist und viele Reisebüros Naturtouren anbieten, haben wir uns dagegen entschieden. Den ganzen Tag im Auto zu sitzen, um kurz ein paar Aussichtspunkte abzuklappern, sagte uns nicht zu.
Stattdessen planen wir, beim Rückweg über Australien ein paar Tage in Georgien zu bleiben, bevor es zu heiß wird, und dort in aller Ruhe wandern zu gehen.
Schon bei unserer ersten Fahrt mit der Metro und dem Bus fiel uns auf, wie freundlich die Leute hier sind. Aber in Restaurants, Cafés und Supermärkten fühlte ich mich nie ganz wohl. Sobald Geld im Spiel war, passierte fast immer etwas Unangenehmes – irgendetwas war immer seltsam. Wir fühlten uns oft irgendwie beleidigt oder betrogen und hatten das Gefühl, wir seien die ewigen Naivlinge.
Sie haben nicht jeden übers Ohr gehauen – es schien, als ob man sich genau aussucht, wen man übers Ohr haut. Und obwohl wir merkten, dass etwas nicht stimmt, waren wir nie in der Lage, entschieden zu reagieren. Eine seltsame, kaum greifbare Stimmung lag in der Luft und machte uns passiv. Es ging nicht einmal ums Geld – sondern vielmehr um das Gefühl, vielleicht von Natur aus ein „leichtes Opfer“ zu sein.
Noch seltsamer war, dass wir solche Erfahrungen in der Türkei nie gemacht hatten. Ich glaube nicht, dass es so etwas wie eine „schlechte Mentalität“ gibt – oft sind es die Umstände, die Menschen zu bestimmten Handlungen bewegen. Doch diese Erfahrung hat mich ehrlich gesagt verwirrt.
Plötzlich erinnerte ich mich an meine Kindheit in Korea. Ich war zwar noch jung, aber ich hatte das Gefühl, dass die Moral im Land zu bröckeln begann. Als sich die westliche Lebensweise verbreitete, wurden traditionelle koreanische Werte wie Rücksichtnahme und Tugend plötzlich als rückständig und unpraktisch angesehen, verglichen mit westlicher business-mind.
Egoismus und trickreiches Verhalten galten nicht mehr als etwas Beschämendes, sondern als clevere Taktiken im Wettbewerb. Die Unterscheidung zwischen richtig und falsch, zwischen Ehre und Schande, begann zu verschwimmen. In dieser Übergangszeit – in der alte Werte ihren Halt verloren hatten, neue Werte aber noch keinen festen Platz hatten – taten viele einfach, was alle anderen auch taten, ohne später stolz darauf sein zu können.
Erleben die Menschen in Tiflis gerade eine ähnliche Phase? Aber warum war es dann in der Türkei, wo wir immerhin drei Wochen waren, so ganz anders? Was unterscheidet Georgien von der Türkei? Liegt die Antwort in Religion oder Geschichte? Oder vielleicht in der Wirtschaft? (Durchschnittliches Monatseinkommen pro Kopf: Georgien 517 Euro, Türkei 904 Euro.)
Im Geschichtsmuseum habe ich mich – ganz unerwartet – innerlich mit Georgien versöhnt. Georgiens Geschichte ist der Koreas in vielerlei Hinsicht ähnlich: Ein kleines Land, eingekeilt zwischen Großmächten, das über Jahrhunderte immer wieder zum Spielball geopolitischer Interessen wurde.
Und doch – ein Volk, das als erstes in Europa das Christentum annahm, und das schon im 5. Jahrhundert eine eigene Schrift entwickelte. Eine Geschichte voller kulturellen und geistigen Stolzes. Dieses Land ist von islamisch geprägten Staaten umgeben und dennoch das einzige, das dem Christentum treu geblieben ist und seine europäische Identität bewahrt hat. Auch die Architektur trägt klar europäische Züge.
Durch unsere Nachbarn lernten wir eine Deutsche kennen, die in Tiflis arbeitet. Sie erzählte, wie angenehm sie die Zusammenarbeit mit Georgiern finde – sie seien direkt, offen, und kämen schnell auf den Punkt. So sind die Deutschen in meinen Augen.
Nach nur kurzer Zeit in einem fremden Land zu glauben, man könne es wirklich verstehen – das ist natürlich unmöglich. Deshalb lasse ich mein zwiespältiges Bild von Georgien einfach so stehen.
Stattdessen habe ich mich selbst ein wenig beobachtet: Wie reagiere ich in neuen, ungewohnten Situationen? Auch das ist ein wertvoller Aspekt des Reisens. Warum geraten wir immer wieder in solche Situationen?
Vielleicht machen wir einfach Anfängerfehler. Arnd und ich wollten den Einheimischen – die ja oft wirtschaftlich schlechter gestellt sind als wir – mit Respekt und Großzügigkeit begegnen. Vielleicht haben manche, die mit Touristen Geld verdienen, genau diese Haltung als Schwäche erkannt.
In Zukunft will ich nicht mehr so viel Angst davor haben, Fehler zu machen und dadurch unhöflich zu wirken. Ich will auch nicht krampfhaft versuchen, besonders gut anzukommen. Stattdessen will ich mir bewusst machen, dass ich mit den Einheimischen in einem gleichwertigen Verhältnis stehe, in dem wir beide voneinander profitieren. Wenn es so nicht klappt, probiere ich es eben anders – und wenn das auch nicht funktioniert, passe ich es einfach später wieder an.Читать далее
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- День 29
- четверг, 24 июля 2025 г.
- ☀️ 33 °C
- Высота: 456 м
ГрузияTiflis41°41’51” N 44°48’60” E
Tag 29 - Tbilissi
24 июля, Грузия ⋅ ☀️ 33 °C
Nur Hea-Jee:
Als letzte Besichtigung in Tiflis besuchten wir die Sameba-Kathedrale, auch bekannt als Dreifaltigkeitskirche. Schon von Weitem hatte ich dieses beeindruckende Bauwerk bewundert, das in seiner majestätischen Erscheinung auf einem der besten Aussichtspunkte der Stadt thront. Ich wollte unbedingt dorthin – ein architektonisch harmonisches Bauwerk mit perfekt wirkenden Proportionen.
Die Kathedrale wurde im Jahr 2004 fertiggestellt und vereint traditionelle georgische Architektur mit byzantinischen Elementen. Sie ist ein nationales Denkmal zur Feier der Unabhängigkeit Georgiens und der Wiederbelebung der Religion nach den repressiven Zeiten der Sowjetunion. Heute ist sie das höchste Heiligtum der georgisch-orthodoxen Kirche.
Schon das Eingangstor und die Umfriedung bestehen aus edlem, farblich abgestimmtem Naturstein – jede Kameraperspektive ergibt ein schönes Bild. Arnd trug heute lange Hosen, da wir die Kathedrale besuchen wollten. Wer in Shorts kam, musste sich am Eingang ein Tuch über die Beine schlagen.
Der Innenraum der Kathedrale war zugleich prachtvoll und modern, mit einer ruhigen, würdevollen Atmosphäre. Vieles war mit feinen, goldenen Mustern geschmückt – ein Stil, der leicht kitschig wirken könnte, aber in meinen Augen war alles liebevoll und stimmig gestaltet.
Als wir die lange Treppe hinuntergingen, stießen wir unterhalb der Kathedrale auf eine weitere Kapelle – zweistöckig, mit Balkon, schlicht und zugleich sehr erhaben.
Ich kaufte drei Kerzen und zündete sie an, während ich für die Gesundheit meiner Freundin und ihrer Mutter in den USA betete. Das ist eine meiner langen Gewohnheiten. Ich stelle mir vor, wie Gott schmunzelnd denkt: „Dieses buddhistische Kind zündet überall Kerzen an – mal in der evangelischen Kirche, mal in der katholischen, jetzt sogar in der georgisch-orthodoxen!“ Vielleicht erkennt er ja gerade deshalb meine Ernsthaftigkeit an – jedenfalls war ich einfach beruhigt dabei.
Am Abend nahmen wir an einem georgischen Kochkurs teil (zwei Stunden, 35 Euro pro Person). Außer uns war nur noch eine junge Frau aus Belgien dabei. Wie vereinbart, riefen wir am Treffpunkt über WhatsApp an, und eine freundliche ältere Dame holte uns draußen ab und führte uns in ein altes Gebäude. Die Treppe war total heruntergekommen, aber oben erwartete uns ein Raum mit sehr hoher Decke und originalem Stuck an den Wänden – ein historisches Ambiente. Zum Glück funktionierte die Klimaanlage gut.
Kaum eingetreten, wurden uns Rotwein und Saft angeboten. Der Wein war aromatisch und süß, und da er wohl nicht so stark war, ließ er sich gut trinken. Gemeinsam mit zwei Lehrerinnen machten wir uns daran, Khinkali (ähnlich wie große, saftige Maultaschen) und Khachapuri (eine Art käsige Pizza) zuzubereiten – beides Teiggerichte.
Die Lehrerinnen gingen wohl davon aus, dass ich als ältere Frau schon Kocherfahrung habe – sie lobten meine Technik. Dabei fällt mir auf: Bei uns zu Hause ist eigentlich Arnd für den Teig zuständig!
Khinkali (das „Kh“ liegt in der Aussprache zwischen „K“ und „H“) ist eines meiner Lieblingsgerichte. Wenn man hineinbeißt, tritt köstlicher Bratensaft aus – man muss ihn wie Nudelsuppe einsaugen, ähnlich wie Koreaner ihre Nudeln schlürfen. Beim Zubereiten lernte ich, dass die Füllung sehr flüssig ist – fast wie eine Suppe, die man in den Teig gießt. Deshalb muss der Teig besonders fest sein, damit er nicht reißt.
Beim Kochen gibt es wichtige Regeln: Man legt die Khinkali mit dem Knoten nach unten einzeln in einen großen Topf mit sprudelndem Wasser. Dann schwenkt man den ganzen Topf ein paar Mal hin und her, damit sie nicht zusammenkleben.
Der Deckel wird geschlossen, bis das Wasser überkocht – dann kurz öffnen und wieder schließen. Dieser Vorgang wird viermal wiederholt – dann sind sie gar. Zum Schluss wird kaltes Wasser hineingeschüttet und umgerührt, bevor man sie herausnimmt.
Man isst sie mit den Händen, indem man den Knoten hält – der wird nicht mitgegessen. Wir hatten ihn bisher immer mitgegessen, aus Respekt gegenüber dem Koch – aber ehrlich gesagt, schmeckt der dicke, feste Teigteil nicht besonders gut.
Khachapuri wird mit georgischem Käse gefüllt, gebacken und mit einem Eigelb darauf serviert. In Ländern ohne diesen Käse kann man eine Mischung aus Feta, Mozzarella und Ricotta verwenden.
Ich war vom Khinkali schon so satt, dass ich mein selbstgemachtes Khachapuri nicht aufessen konnte. Ich holte meinen mitgebrachten Silikonbehälter hervor, um den Rest mitzunehmen – die anderen lachten herzlich: „Die Deutschen sind immer gut vorbereitet!“
Am nächsten Morgen wollte ich das Khachapuri im Airbnb in der Mikrowelle aufwärmen, aber ich war noch so satt, dass ich das Frühstück einfach ausließ.
Früher hatte ich mir beim Restaurantbesuch oft vorgestellt, wie diese Gerichte wohl zubereitet werden. Jetzt, nach diesem Kurs, habe ich das Gefühl, mein eigenes Kochrepertoire wirklich erweitert zu haben. Ich war sehr zufrieden.Читать далее

ПутешественникLiebe Hea-Jee, könntest Du einen Freund von mir zu Eurem Reisebericht einladen. Er war selbst schon in all diesen Ländern und würde sich sehr für Euren Weg und Eure Erlebnisse interessieren: axel.krohne@icloud.com. Sein Name ich Axel Krohne und er lebt in München. Liebe Grüße, Christoph

ПутешественникSehr gerne lieber Christoph! Kannst du ihm einfach den Link geben? https://findpenguins.com/0nbjbfkjcfwpc/trip/685… Unser Beitrag ist völlig öffentlich und jeder, der den Link weiß, kann lesen. Er könnte auch den App installieren, wenn er Lust hat. Liebe Grüße Hea-Jee

ПутешественникGerade habe ich ihn per Email eingeladen, weil ich die Funktion gefunden habe :-)

ПутешественникLiebe Hea-Jee, es macht einfach soviel Freude mit dir und Arnd zu reisen❣️🫶❣️Ich freue mich auf mehr….
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- День 29
- четверг, 24 июля 2025 г.
- ☀️ 34 °C
- Высота: 437 м
ГрузияTiflis41°41’46” N 44°48’2” E
Tag 28 - Tbilissi
24 июля, Грузия ⋅ ☀️ 34 °C
Nur Arnd:
Heute Georgisches Nationalmuseum. Wir hatten gehofft, hier etwas über die georgische Geschichte zu lernen. Es gab eine eindrucksvolle Ausstellung über die russische Besetzung von 1921 bis 1991; eine umfangreiche Ausstellung über die Frühgeschichte - in Georgien gibt es ein paar bedeutende archäologische Fundstellen; eine große Sammlung an Schmuck aus allen Zeiten und ein paar Ausstellungen zu speziellen Themen. Zur georgischen Geschichte haben wir später die Wikipedia zu Rate gezogen.
Georgien hat das Schicksal vieler kleinerer Länder, mächtige Nachbarn, die öfters mal vorbeischauen, oder wenn es wie in Georgien mehrere sind, sich um das Land streiten. Lange Zeit waren das vor allem Persien und das Osmanische Reich, Dschingis Khan hat auch vorbeigeschaut, wie auch Timur (Timur Lenk, Tamerlan, …. ), ein ziemlich brutaler Krieger, der sich ein großes Reich erobert hat und das Reich Dschingis Khans wiedererrichten wollte. Den werden wir in Usbekistan dann noch genauer kennenlernen, dort ist er ein Nationalheld. In späterer Zeit kam dann noch Russland dazu. Geholfen hat den Georgiern sicher ihre geografische Lage zwischen dem großen und kleinen Kaukasus. Es war eines der ersten Länder, die zum christlichen Glauben gewechselt sind, das war etwa um 400 n. Chr. Sie haben etwa um 500 n. Chr. eine ganz eigene Schrift entwickelt, was sicherlich auch identitätsstiftend ist. Irgendwie haben sie es geschafft, über die lange Zeit zumindest geistig ihre Eigenständigkeit zu bewahren und man wünscht ihnen, dass sie die jetzt langsam wirklich erreichen. Die aktuelle politische Lage könnte aber auch dazu führen, dass sie nochmal ein paar Generationen unter russischer Hegemonie leiden müssen.Читать далее
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- День 27
- вторник, 22 июля 2025 г.
- ☀️ 34 °C
- Высота: 491 м
ГрузияTiflis41°41’50” N 44°47’33” E
Tag 27 - Tbilissi
22 июля, Грузия ⋅ ☀️ 34 °C
Nur Arnd:
Wir sind nicht so aktiv hier. Morgens frühstücken wir lange und nachmittags ruhen wir uns in unserer angenehm gekühlten Unterkunft aus, weil die Tem,peraturen nachmittags so um 35°C liegen. Dabei müssen wir aber auch unsere weitere Reise vorbereiten und Hotels und Transport buchen, was ziemlich viel Zeit verschlingt.
Heute wollten wir eigentlich in den Botanischen Garten. Ein Weg dahin führte mit einer Seilbahn über den Berg, auf der die Mutter Georgiens steht, eine 20m hohe Statue von 1958, die außen aus Aluminium ist. Die Talstation der Seilbahn liegt im Rike Park, zu dem man von uns aus über die Friedensbrücke kommt, diese futuristische Fußgängerbrücke mit dem geschwungenen Glasdach (davon hatten wir schon ein paar Fotos).
Der Rike Park ist wohl hauptsächlich für Touristen eingerichtet. Und da will man natürlich zeigen, wie modern man ist - es gibt dort ein Radwegschild. Aber es gibt keine Radfahrer, und zwar in ganz Tiflis. Das ist wahrscheinlich einfach zu gefährlich. Von der Größe her wäre die Stadt dafür sonst gut geeignet.
In dem Park gibt es noch ein weiteres futuristisches Bauwerk, zwei elegant geschwungene Röhren, die in den Park hineinragen. Auf unseren Karten steht, dass darin ein Konzertsaal und ein Ausstellungszentrum sind. Das wollten wir uns natürlich auch näher ansehen. Also sind wir im Park dahin gelaufen und haben einen Eingang gesucht. Im Park gab es keinen. Vom Park aus gesehen auf der Rückseite des Gebäudes verläuft ein vierspurige Straße. Um dahin zu kommen, mussten wir erstmal eine längere Treppe hochsteigen. Dort oben fanden wir dann tatsächlich eine kleine offene Tür. Ein Eingang für ein stattliches Gebäude war das aber nicht, zwischen Tür und Straße lag noch ein schmaler Bürgersteig. Aber wir konnten einen Blick hineinwerfen. Das Gebäude ist innen im Rohbau und das wohl schon ziemlich lang, Bauarbeiten finden nicht statt. Genaueres wissen wir nicht.
Diese Seilbahn ist öffentliches Verkehrsmittel. Man muss sie zwar extra bezahlen und sie kostet etwas mehr, als Bus oder Metro, nämlich umgerechnet 0,5€ statt 0,3€. Und man hat eine tolle Aussicht. Oben kurz durch die Touristenverkaufsbuden zur Mutter Georgiens und dann wollten wir zum Botanischen Garten weiterlaufen. Der Weg ging steil bergab und war leider gesperrt. Botanischer Garten fällt aus, es war uns schon zu heiß, um noch den anderen etwas längeren Fußweg vom Tal hinauf zu laufen.
Ein Fixpunkt für uns ist das Basari, ein größeres Gebäude mit unten einem großen Supermarkt, in dem wir was zum Früstück und manchmal auch Abendessen kaufen und oben einer Fressmeile, wie wir das nennen - einer Reihe von unterschiedlichsten Essensständen. Sehr jung und modern. Auf dem Weg dahin kamen wir in der Nähe dieses nach einem Kleeblatt aussehenden Gebäudes vorbei. Wir hatten noch nicht herausgefunden, um was es sich dabei handelt. Es ist ein Public Service Building, also ein städtisches Gebäude. Insofern war interessant, daran eine georgische und eine EU-Flagge zu sehen. Die Staatsregierung ist hier ja eher auf Russlandkurs, die Stadtregierung geht da wohl nicht mit.
Abends waren wir nochmal essen und sind anschließend über die Rustaveli Avenue spaziert, die wird von den Georgiern gern mit der Champs Élysées in Paris verglichen - vier Auto- und zwei Busspuren breit. Daran liegen einige sehr prachtvolle Gebäude. Wir kamen vom Freedom-Square dahin und zu unserer Überraschung war die Straße gleich am Anfang von der Polizei für Autos abgeriegelt. Wunderbar! Es war so eine ruhige und friedliche Abendstimmung. Etwas weiter sahen wir dann den Grund, es war die regelmäßige Demo gegen die Regierung. Das geht ja nun schon bald ein Jahr so und dementsprechend ist es auch nicht mehr sehr groß, es war eher ein Treffen von ein paar AktivenЧитать далее















































































































































































































































































































































ПутешественникEine App mit der ich gut Erfahrung bzgl. eSIM gemacht habe ist “Airalo”.
ПутешественникGenau die haben wir. Ist Marktführer. Aber in einem Museum hatten wir ganz schlechten Empfang (3G), während andere Leute 5G und Spaß hatten.