• Joel Allemann
  • Lisa Allemann
  • Sanna Allemann
Current
  • Joel Allemann
  • Lisa Allemann
  • Sanna Allemann

New Zealand Road Trip

An open-ended adventure by Joel, Lisa & Sanna Read more
  • Tag 40: Invercargill ? ..Cargrill?

    January 20 in New Zealand ⋅ 🌬 17 °C

    Wir haben heute Morgen entschieden, einen Tag länger in Invercargill zu bleiben. Nicht, weil es hier schön wäre. Nein, nein. Invercargill ist wie ein Überraschungs-Ei ohne Überraschung, ohne Schokolade und ohne Ei.
    Wir bleiben, weil wir in den letzten Tagen viel herumgefahren sind und weil sämtliche günstigen Flüge nach Stewart Island ausgebucht sind. Offenbar hat ganz Neuseeland gleichzeitig beschlossen, heute Haie zu streicheln oder sich in einen Käfig hängen zu lassen.
    Good value for money zieht halt. Schweizer kennen das Konzept ja nur aus der Theorie.

    ---

    🏭 Stadtrundgang – zwischen Industriecharme und Endzeitstimmung

    Wir sind dann in die Stadt gelaufen. Invercargill präsentiert sich als eine Art „Industriestadt“, wobei Industrie hier bedeutet: rostige Blechhütten, die aussehen, als hätte jemand sie aus einem alten McDonald’s-Spielplatz zusammengeschweisst.
    Überall liegt Dreck herum, die Häuser wirken wie Provisorien, die seit 1973 niemand mehr abgerissen hat.
    Aber der Rasen? Der ist perfekt gemäht. Schweizer Präzision, aber von Kiwis. Ich war kurz verwirrt.

    ---

    💅 Beauty-Salon – Weltpolitik zwischen Zuckerpaste und Schmerzschreien

    Janu, ich war dann zum zweiten Mal in meinem Leben im Beauty-Salon. Vor der Abreise war ich bei Janine in Bern, und ich war superzufrieden. Davor habe ich meine Beine immer selbst mit Wachsstreifen enthaart. Für alle, die es ganz genau wissen möchten: Ja, es tut weh. Und ja, Gleichberechtigung bedeutet auch, dass ich glattere Beine haben darf als Lisa.

    Bei Kate wurde ich dann eingesugart. Während sie mir mit der Präzision eines mittelalterlichen Foltermeisters die Haare ausriss, haben wir über Weltpolitik gesprochen.
    In der Schweiz redet man beim Waxing über das Wetter. In Neuseeland über geopolitische Machtverschiebungen.
    Ich weiss nicht, was schmerzhafter war.

    ---

    🎓 Erziehungstipps von der Beauty-Queen – gratis, ungefragt, unvermeidbar

    Zum Schluss gab’s noch ungefragte Erziehungstipps. Kate hat zwei Töchter, die in Dunedin studieren: Kunst & Geschichte die eine, Chinesisch & Kriminologie die andere.
    Ich habe höflich genickt und innerlich gedacht: AI kann das schon – und ob ein Studium heute noch der Weg zum Erfolg ist, habe ich seit meinem EMBA etwas relativiert.

    Dann haute sie aber einen raus:
    Wenn die Superreichen (also wir Schweizer, offenbar per Definition) immer mehr Macht anhäufen wie alte Männer in schlecht beleuchteten Hinterzimmern, dann wird es bald niemanden mehr geben, der ihnen im Luxushotel den Champagner serviert.
    Ich musste lachen. Und weinen. Gleichzeitig.
    Bedeutet das wohl, dass ich schon bald meine Haare wieder selber waxen muss?

    ---

    🏕️ Camping-Alltag – Rollenverteilung wie im Naturkundemuseum

    Zurück zum Wesentlichen. Unser Camping-Alltag hat sich eingependelt:

    - Lisa macht alles. Also Waschen und den 👑 hinterher jagen
    - Sanna ist für ihre Haare zuständig. Punkt. (Kate meinte, von einer bald 14-Jährigen könne man nicht mehr erwarten. Ich fühle mich bestätigt.)
    - Liina schreibt Tagebuch. Heute stand drin: „Ich bin aufgestanden und wieder schlafen gegangen.“ Morgen übernimmt sie den Blog. Ich bin gespannt.
    - Etu, unser Hans im Schnäggeloch, hilft überall mit. Manchmal gibt er mir sogar Arbeit und sagt mir, was ich zu tun habe. Ich bin quasi sein Praktikant.
    - Maxime wickelt uns alle um den Finger. Er zündet Raketen – emotionale, explosive, gelegentlich nukleare. Heute aber nicht. Heute waren wir baden und riechen jetzt alle nach Lavendel.
    Read more

  • Tag 39: Barefoot Sherpa

    January 19 in New Zealand ⋅ 🌙 14 °C

    Wäre ich eine Lampe aus den 70ern, hätte ich einfach weiter vor mich hingeleuchtet. Aber White Berry Lala und Petra Sturzenegger – also die explosive Mischung aus Kinder-DJ-Set und akustischem Familienwahnsinn – haben uns aus dem Milford Sound hinauskatapultiert.
    Unsere Kinder haben die Ausfahrt höchstpersönlich musikalisch kuratiert.
    Lisa hingegen ist mit dem Rennrad geflüchtet. Vermutlich wollte sie einfach nicht noch eine Minute länger den Soundtrack der Kinder ertragen.

    Ich wäre gerne noch eine Woche geblieben – aber Food Support und Dumping Station sind hier so rar wie ruhige Minuten im Camper. Und ich mag ein WC. Selbst wenn es nur das vom Camper ist. Der Longdrop mit Fliegen, Gestank und einem Haufen, der mich moralisch beleidigt hat, ist einfach nicht mein Ding.

    ---

    ✨ Milchstrasse Deluxe & die Müsli-Galaxie

    Bevor wir den Milford Sound verlassen haben, mussten wir natürlich noch Sterne schauen. Lisa konnte kaum warten, bis es dunkel wurde – wie ein Kind vor dem Samichlaus, nur ohne Nüssli.

    Ich habe dann, ganz ohne Internet und AI-Halbwissen, eine astronomische Prognose abgegeben und ihr gesagt, wann sie den Wecker stellen soll. Und natürlich meinte ich grossspurig: „Weck mich nur, wenn es sich wirklich lohnt.“

    Ich war dann trotzdem wach. Ohne Weckkommando.
    Und siehe da: Die Milchstrasse – wunderschön, klar, riesig. So schön habe ich sie noch nie gesehen.
    Ausser vielleicht morgens, wenn unsere Kinder die Müsli-Milchstrasse über den Campingtisch verteilen. Das sieht auch wunderschön aus. Nur finden Lisa und ich dieses Kunstwerk heute weniger entzückend als damals, als sie noch Babys waren.

    ---

    😵‍💫 Durchzechte Nacht ohne Alkohol & Generation Z im Tiefschlaf

    Nach dieser „durchzechten“ Nacht – so hat es sich jedenfalls angefühlt – waren die Kinder erst spät im Bett und um 1:30 Uhr wieder wach zum Sterne schauen.

    Am Morgen waren wir dann fast die Letzten, die den Stellplatz verlassen haben.
    Um 9:30 Uhr.
    Nur noch die Generation Z ohne Kinder lag im Tiefschlaf.

    ---

    🥾 Key Summit: Gipfelrennen, Mini-Blater & Adiletten-Extrembergsteiger

    Natürlich gingen wir wandern. Was denn sonst.
    Ich könnte hier jeden Tag auf einen Gipfel rennen. Unsere Kinder haben mich am Start angeschaut wie motivierte Arbeitnehmer an einem Montagmorgen um 07:00 Uhr.

    Miximax wollte wegen seiner Mini-Blater vom Vortag nicht mitkommen. Die war kaum sichtbar– aber ich habe ihm trotzdem mein legendäres Isone-Abenteuer erzählt:
    20 km Lauf mit nicht eingelaufenen Militärschuhen, Rucksack, Hautablösung nach 5 km, weitergerannt, danach eine Woche in Hockeyschlittschuhen gelitten.
    Hat ihn null beeindruckt.

    Also habe ich verhandelt.
    Ich bot an, ihn im schlimmsten Fall auf den Schultern zu tragen.
    Früher habe ich das gerne gemacht – als Extra-Gewicht fürs Training.
    Heute mögen meine Beine die Kombination aus Rucksack + Maximux nicht mehr so lange.

    Janu er hat dann verhandelt, dass er in Adiletten wandern darf.
    Und er hat damit Leute überholt.
    Ich warte darauf, dass wir in der Zeitung landen:
    „Schweizer Familie revolutioniert Bergsport – Adiletten statt Wanderschuhe.“

    ---

    💨 Der Milford Sound hält seine Queen fest – und der Gegenwind hilft mit

    Ach ja: Der Milford Sound wollte seine Queen offenbar nicht gehen lassen.
    Der Weg nach Te Anau war onshore – also Gegenwind.
    Natürlich.
    Wie könnte es anders sein.

    Ps: Ach ja, die Wanderschuhe hatte ich dann völlig umsonst im Rucksack. Mixmax liess sich nämlich nicht tragen – er ist ja kein Baby, sondern ein selbsternannter Hochleistungs-Sherpa mit ausgeprägtem Freiheitsdrang.
    Auf dem weiss-rot-weissen Wanderweg wollte er selbstverständlich auch keine Schuhe tragen. Schuhe seien «für Touris», hat er verkündet, während er barfuss über Geröll marschierte.
    Read more

  • Tag 38 – Milford Queen 👑

    January 18 in New Zealand ⋅ ☀️ 11 °C

    Der Milford Sound hat eine ganz eigene Art, dich runterzufahren. Die Strasse schlängelt sich durch die Berge, als würde sie sagen: „Chill, Bro.“ Und ich wäre diesem Rat auch gern gefolgt, wenn nicht hinten im Auto vier kleine Menschen gesessen hätten, die sich gegenseitig daran erinnern, dass Frieden ein theoretisches Konzept ist.
    Das Boot als spontane Kinderentsorgungsstrategie blieb leider nur ein Gedankenspiel. Neuseeland ist da streng.

    Offline – das neue Wellness 📵
    Gestern Abend hatte ich den Blog fertig, aber kein Empfang. Und das war… herrlich. Keine Planung, keine Recherche, keine „Papa, was machen wir morgen?“. Nur Liegestuhl, Berge und das Gefühl, dass die Welt kurz auf Flugmodus gestellt wurde.
    Ich glaube, ich habe sogar kurz vergessen, dass wir eigentlich eine Reise organisieren müssten.

    Gertrude Saddle – klingt nach Seniorenausflug, ist aber eher Ninja Warrior 🏔️
    Der Name „Gertrude Saddle“ klingt nach einer gemütlichen Wanderung, bei der man unterwegs vielleicht ein paar Senioren überholt, die einem Tipps geben, wie man die Stöcke richtig hält.
    In Wahrheit ist es eine Mischung aus Schotter, Urwald, Schnee, Gletscher und der Frage: „Warum tun wir uns das eigentlich an?“
    Da wir am Tag zuvor schon Ben Lomond gemacht hatten, musste ich heute tief in die Trickkiste greifen: Realfruit Ice Cream als Bestechung, Eisbaden als Bonuslevel.
    Die Kinder haben erstaunlich wenig Widerstand geleistet. Vermutlich, weil ich gestern gedroht hatte, dass wir erst weiterfahren, wenn alle Gipfel hier bestiegen sind. Pädagogisch fragwürdig, aber effektiv.

    Der Moment, in dem klar wurde: Wir sind falsch. 🧭
    Ich vorneweg, selbsternannter Bergführer, im Bachbett.
    Nach 20 Minuten die Frage von hinten: „Du… sind wir hier richtig…?“
    Natürlich nicht. Ich hatte das schon länger gesehen, wollte aber unauffällig wieder auf weiss-blau-weiss wechseln, so als wäre das alles Teil des Plans.
    Oben gab’s dann noch etwas Kletterei, und fürs Eisbaden musste man sich ja sowieso aufwärmen.
    Als wir dann alle (ausser die Redaktion) ins eiskalte Wasser gesprungen sind, als wäre es eine Thermalquelle, haben uns die anderen Wanderer angeschaut, als wären wir eine Mischung aus Wikingerclan und Selbstversuchslabor.

    Kodak-Kino & Gipfelromantik 🎬
    Oben angekommen haben wir mindestens drei Kodak-Filme durchlaufen lassen.
    Der Tag war lang, die Beine schwer, die Aussicht episch.
    Offline in die Berge starren ist sowieso die beste Form von Meditation.
    Man hört sogar die Kinder weniger. Also… ein bisschen.

    Lisa – Queen of the Mountain 👑
    Und dann kommt Lisa.
    Nach dem Hike.
    Nach den Höhenmetern.
    Geht sie noch jagen mit dem Radel für die Krone am Milford Sound.

    Ganz ehrlich: Ich bin nicht sicher, ob sie nicht kurz einen Helikopter genommen hat. Oder einen geheimen E-Turbo, der nur für Mütter funktioniert.
    Ich überlege noch, ob ich ihr eine Krone bastle oder ob das zu viel wäre.
    Read more

  • Tag 37: On the way to Milford Sound

    January 17 in New Zealand ⋅ ☁️ 11 °C

    🅿️ Achtung, fertig, los: Ben Lomond – das Parkplatzmassaker

    Queenstown, 08:12 Uhr. Mission: Parkplatz finden.
    Wir hatten das Karma auf unserer Seite und ergatterten tatsächlich den allerletzten freien Platz an der Talstation. Camper sind in Queenstown ungefähr so beliebt wie Wespen am Picknick – offiziell geduldet, praktisch verjagt.

    Während wir also für unsere Kinder Brötchen schmierten (man könnte meinen, sie würden ohne sofort verhungern), ertönte im Minutentakt das vertraute Konzert:
    „Ig ha Hunger… ig ha Durscht… Mami, ig ha sooo Durscht!“
    Es klang wie eine Herde durstiger Geissen, die um Wasser betteln. Nur lauter. Und penetranter.

    ---

    🐜 Die Ameisenwanderung – wir gegen das Bähnli-Volk

    Der Grossteil der Menschheit nimmt gemütlich das Bähnli.
    Wir nicht. Wir sind ja nicht normal.

    Kaum gestartet, preschten ein paar junge Sportler an uns vorbei – voller Hoffnung, unsere Bergläufer abzuhängen. Zehn Minuten später hatten wir sie alle wieder eingesammelt. Sanna vorneweg, unaufhaltsam. Ob es an den Haaren lag, bleibt ungeklärt.

    Denn vor dem Start hatten wir bereits 45 Minuten gewartet, weil Lisa den Girls die Haare „gezöpfelt“ hatte. Dann war’s nicht schön genug. Der Strähl konnte es auch nicht richten. Also übernahm der Buff die Verantwortung für die wertvolle Pracht. Familienlogistik in Reinform.

    ---

    🏔️ Rekordzeit zum Sattel – und dann allein zum Gipfel

    Bis zum Sattel liefen wir in Rekordzeit.
    Dann war Schluss: Niemand wollte mehr weiter – ausser Lisa. Also machte ich mich alleine auf den Weg zum Summit.

    Der Ausblick wäre bei schönem Wetter prachtvoll gewesen.
    Bei medium Wetter war er immerhin wunderschön.
    Nur die schneebedeckten Alpen blieben im Nebel versteckt – vermutlich im Wellness.

    Oben schnell ein Selfie, stilecht wie ein Mitglied einer asiatischen Reisegruppe. Danach ein Schwatz mit Georges aus Australien, ursprünglich aus Lille. Er war froh, endlich wieder Französisch sprechen zu dürfen. Ich war froh, wieder atmen zu dürfen.

    ---

    🏃 Runterrennen statt Gondel – Queenstown-Ökonomie in Aktion

    Runter ging’s im Laufschritt.
    Schliesslich hatten wir keine Zeit, auf die Gondel zu warten. Und 50 Dollar pro Erwachsener war… sagen wir… Queenstown like.

    ---

    🚗 Flucht nach Te Anau – die Strasse der Einsamkeit

    Queenstown konnten wir uns nicht länger leisten, also weiter nach Te Anau.
    Zwischen den beiden Orten gibt es praktisch nichts – ausser ein paar Häusern und Velofahrern, die die Tour „Summit to Ocean“ machen. Wenn man nicht überfahren wird, erreicht man das Ziel vielleicht.

    ---

    🧺 Te Anau: Der LiquideLaundromat und der Belgier

    In Te Anau fand Lisa einen „liquide Laundromat“ und diskutierte mit einem Belgier über das Geschäftsmodell. Lisa glücklich, weil waschen. Ich glücklich, weil Summit geschafft.

    Bald werden wir die Kinder mit Dormicum behandeln – dann wird jede Autofahrt ein Wellness-Retreat.
    Im Moment spielen sie mit ihrem angeborenen Megafon Fussball. Ich warte nur darauf, dass der Custodian vorbeikommt, Rule 371 zückt und Sanktionen ausspricht.
    Read more

  • Tag 36: Lazy River

    January 16 in New Zealand ⋅ 🌧 11 °C

    Heute war einer dieser Reisetage, die sich anfühlen wie ein schlecht gelaunter Wandertag in der Schule: alle müde, niemand weiss warum, und trotzdem passiert genug, um später so zu tun, als wäre es ein Abenteuer gewesen.
    Es hat geregnet. Durchgehend. Also ab ins Schwimmbad: 1 Stunde schwimmen, 30 Minuten Lazy River – der einzige Fluss heute, der nicht überteuert war.
    Danach Running Store: 30 Minuten ohne Kinder, 300 Franken ärmer. Schuhe aus Mondgestein (für Austronauten), T‑Shirt teurer als bei North Face. Vermutlich Dopamin. Oder Erschöpfung. Oder beides.

    Der Pass nach Queenstown war eindrücklich – so eindrücklich, dass wir kurz vergessen haben, wie müde wir sind. Queenstown hat uns dann sofort wieder daran erinnert.

    ---

    💸 Queenstown – wo Gastfreundschaft stirbt und Preise leben
    Queenstown ist schön. Also landschaftlich. Der Rest ist ein soziales Experiment mit Live‑Publikum.

    - Preise, die selbst die Kreditkarte zum Weinen bringen
    - Hospitality‑Angestellte wohnen im Camper, weil die Mieten offenbar von Jeff Bezos persönlich festgelegt werden
    - In der Badi mehr Düpfli als in Münsingen zu Zeiten des Bademeisters, der zum Glück Geschichte ist
    - Stellplätze nur für Leute, die um 14 Uhr schon Handtücher verteilen wie Malle‑Touristen nach einer durchzechten Nacht
    - Freedom Camping? Nur wenn du um 20:00 Uhr erscheinst. Oder unsichtbar bist. Wir sind keins von beidem.

    Queenstown funktioniert nach dem Prinzip: Survival of the Fittest.
    Oder: Wer zuerst kommt, hat recht. Wer später kommt, hat Pech. Wer fragt, wird ausgelacht.

    ---

    🍕 Swiss‑Bell‑Resort‑Kino – besser als Netflix
    Jetzt sitzen wir vor dem Swiss‑Bell‑Resort, essen Pizza vom Inder (logisch) und beobachten chinesische Reisegruppen beim Einchecken.
    Alles durchgetaktet, alle am Handy, alle hinter dem Reiseleiter her wie Küken hinter der Henne.
    Und erstaunlich: „Swiss“ zieht hier offenbar genauso wie Schoggi, Käse und Neutralität.

    ---

    🏁 Ich habe fertig
    Morgen gibt’s wieder Positives.
    Zum Beispiel: Wie wir ohne Beschwerden auf den Summit (Ben Lomond) von Queenstown gewandert sind.
    Oder zumindest: wie wir es erzählen.
    Read more

  • Tag 35: Cast Away- Verschollen

    January 15 in New Zealand ⋅ ☁️ 14 °C

    🍫 Der Schoggi‑Kriminalfall von nationaler Tragweite
    Die Reise geht weiter Richtung Süden… und just in diesem Moment wurde der grösste Lebensmittelskandal seit dem Pferdefleisch in Lasagne von 2013 aufgedeckt: Alle "Schoggitafeln", die wir aus der Schweiz mitgebracht hatten, sind verschwunden.( 100g, 200g, 2kg) Bestimmt 10kg Restlos. Ratzeputz. Ohne Überlebende.
    Diese Tafeln waren eigentlich für Steven in Wellington gedacht — unseren lokalen Freund, der uns mit Tipps versorgt wie NZMCA, Insurance, Road user charges etc.

    Wir hatten das Migros-Regal leergeräumt, Rafi hat uns noch ein paar Kilo nachgeschoben, und unterwegs haben wir grosszügig verteilt wie humanitäre Helfer in Kakaomission.
    Und jedes Mal hiess es: „Keine Sorge, es hat noch genug für Steven.“
    Ja klar. Ich vermute sie sind dem Junior gold club zum Opfer gefallen.

    Hinweise zum Verbleib der Schoggi werden streng vertraulich behandelt. Eine Belohnung ist ausgesetzt.
    (Keine Schoggi. Die ist ja weg.)

    ---

    🏔️ Die Landschaft: karg, wild und perfekt für Leute ohne Hobbys
    Wir fuhren durch eine Gegend, die so karg war, dass selbst ein Kaktus gesagt hätte: „Bisschen trocken hier.“
    Ringsum 2000–3000 Meter hohe Berge, die aussehen, als hätte jemand die Alpen kopiert, aber beim Drucken die Farbe vergessen.

    Schade war nur, dass es bewölkt war — denn hier gibt es null Lichtverschmutzung.
    Also wirklich null.
    Wenn man hier eine Stirnlampe einschaltet, gilt das bereits als Umweltverschmutzung.

    ---

    🌧️ Wetterprognosen, die man niemandem wünscht
    Gemeldet war Weltuntergang, geliefert wurde: nichts.
    Lisa blieb trotzdem die ganze Nacht wach.
    Ich weiss nicht, ob sie die Arbeit vermisst oder ob sie meine Atmung überwacht wie ein medizinischer Rauchmelder.

    Alle fünf Minuten schaute sie in den Himmel, in der Hoffnung, Sterne zu sehen.
    Ich hingegen war entspannt.
    Sterne gibt’s bei uns zuhause auch.

    ---

    🧗 Der Gipfelsturm, der keiner sein sollte
    Nach zwei Stunden Fahrt hielten wir an der Passstrasse und entschieden spontan:
    „Lass uns da rauf.“
    Kein offizieller Weg, aber wir sind ja Schweizer. Wir brauchen keine Wege. Wir sind Wege.

    Sanna beschwerte sich von Anfang an wie ein Esel im Nebel, blieb im Basecamp zurück und stieg später nach.
    Wir gingen zuerst den offiziellen Weg, der nach 200 Metern endet.
    Für uns natürlich völlig unbefriedigend.
    Also weiter:

    - vorneweg der Journalist, selbsternannter Alpinist und Bergführer,
    - Etu, der grundsätzlich alles schneller macht als Päpu,
    - Liina, die beim Wort „Gewinnen“ in den Sprintmodus schaltet,
    - Miximax irgendwo im Mittelfeld,
    - und Lisa, die skeptisch hinterherläuft wie jemand, der weiss, dass das nicht gut endet.

    Der Weg wurde steil, dann steiler, dann „Wer hat das eigentlich bewilligt?“-steil.

    ---

    🌵 Stachelige Pflanzen und stachelige Familienkommentare
    Beim Abstieg gab es leichte Beschwerden über die Linienwahl des Bergführers („Warum gehen wir hier runter?“ – „Weil oben bleiben keine Option ist.“).
    Dazu ein paar Schnittwunden von stacheligen Pflanzen, die offenbar beschlossen hatten, uns zu testen.

    Aber alle kamen heil unten an.
    Blau-weiss-blau extra.
    Wir üben ja fürs Bergsteigen.

    ---

    🛶 Lake Wanaka: Kinder bauen Floss, Eltern bauen Nerven ab
    Jetzt stehen wir am Lake Wanaka, Front Row Freedom Camping.
    Die Kinder haben ein Floss gebaut.
    Ich bin nicht sicher, ob sie vor dem Bergführer fliehen oder dem Homeschooling entkommen wollen.

    Liina hat heute offiziell erklärt, Homeschooling sei Freiheitsberaubung.
    Ich habe ihr erklärt, dass Freiheitsberaubung anders aussieht — zum Beispiel, wenn man keine Schoggi mehr hat.

    Ob die Kinder verstanden haben, dass der See Süsswasser ist und nicht der Pazifik, bleibt unklar.
    Ihr Floss aus Treibholz sah jedenfalls aus wie das von Tom Hanks.
    Nur ohne Volleyball.
    Noch.
    Read more

  • Tag 34: Wilder Weste(r)n

    January 14 in New Zealand ⋅ ☁️ 12 °C

    🛢️ Der indische Alles‑Bazar mit Windows‑98‑Charme 🤹‍♂️💻
    Bevor wir Richtung Süden aufbrachen, mussten wir noch „kurz“ Geld abholen. Jemand hatte Etu zum Geburtstag Bargeld via Western Union geschickt — eine Geste, die ungefähr so zeitgemäss ist wie ein Faxgerät im Homeoffice.
    Die Filiale? Eine Tankstelle, die gleichzeitig Ice Cream Shop, Chips‑Outlet, Temu‑Restpostenlager und indischer Alles‑Bazar war. Der Besitzer startete seinen Laptop, der eindeutig noch die Jahrtausendwende miterlebt hat. Windows 98 begrüsste uns mit dem Selbstvertrauen eines Systems, das weiss, dass es gleich abstürzen wird.

    ---

    🧾 Bürokratie-Ballett mit Scanner-Drama 🕺📠
    Für die Abholung brauchte es: Transaktionsnummer, Namen, Pass, Führerschein, Blutgruppe, Sternzeichen und vermutlich noch eine Haarprobe. ( So weit kamen wir nicht)
    Der ältere Herr tippte sich durch das System, kämpfte heldenhaft mit dem „ü“ in unserem Wohnort und erreichte nach 45 Minuten den Endgegner: den Scanner.
    Der Scanner wiederum verweigerte jede Kooperation. Der PC erkannte ihn nicht, der Besitzer schwitzte, wir blieben freundlich. Nach 60 Minuten schlug ich den Klassiker vor: Neustart.
    Ich hatte allerdings unterschätzt, dass ein Neustart auf dieser antiken Maschine länger dauert als ein Bond‑Film. Währenddessen bediente er noch Kunden, bastelte einen Fadenschneider zusammen und die beiden Mitarbeiter mampften Chips zusammen.

    ---

    💸 Die ökonomische Tragödie des Tankstellen‑Western‑Union‑Agents 📉😬
    Der Besitzer erklärte uns, dass er von den 8 % Gebühren ( die ca. 20 CHF bei 200 NZD liegt) pro Transaktion genau 1.6 CHF erhält.
    Für zwei Stunden Arbeit.
    Ich glaube, er hat heute realisiert, dass man davon nicht einmal in Indien leben kann.
    Vielleicht schneidet er bald Gärten mit seinem neuen Fadenschneider.
    Wir gingen jedenfalls ohne Geld — aber mit einer neuen Anekdote und vermutlich einem Eintrag auf der Liste der Drogen‑ und Menschenhandelsbehörde.

    ---

    🚴 Highway‑1‑Statistik und Lisas Risikoanalyse 📊🚗
    Weiter ging’s Richtung Süden. Bevor wir Lisa mit dem Rad auf den Highway schickten, machten wir eine kleine Verkehrsstudie: Wie viele Fahrzeuge fahren in fünf Minuten vorbei.
    Familien‑Data‑Science at its best.
    Lisa schaffte es bis Fairlie, bevor die Hochrechnung ergab: „Jetzt wird’s zu gefährlich.“

    ---

    🏕️ Tekapo, NZMCA und die Custodians der Ordnung 🛡️📛
    In Tekapo hatten wir wieder einen NZMCA‑Platz gebucht. Heute wurden wir sogar von zwei Custodians kontrolliert.
    Zum Glück hatte ich vorher noch stolz den Sticker geklebt, die Mitgliedskarte doppelt gesichert und uns im Clubhouse eingeschrieben.
    Die Member‑Sticker wurden inzwischen per Luftpost nach Christchurch geschickt.
    Ich fühle mich jetzt offiziell wie ein Teil der neuseeländischen Camping‑Elite.

    ---

    ❄️ Eisbaden & Podcast am Pistenrand 🎧🧊
    Zum Abschluss sprang ich noch rasch ins eiskalte Wasser.
    Jetzt sitzen wir am Pistenrand, hören Podcast und lassen Tag 34 ausklingen.
    Ohne Bargeld, aber mit reichlich Geschichten.
    Read more

  • 🎉 Tag 33: Der grosse Bueb

    January 13 in New Zealand ⋅ ☁️ 18 °C

    Wir schreiben bereits Tag 33 in Neuseeland, und unser grosser Bueb hat tatsächlich schon zum zweiten Mal hier Geburtstag gefeiert. Diesmal auf der Südinsel, in Christchurch — unserem bisherigen Favoriten. Darum sind wir auch schon so lange hier, und trotzdem ist die To‑do‑Liste länger als die Quittung vom Pak’nSave. Aber man muss ja etwas aufsparen, damit man später auch noch neue Orte entdecken kann. Oder so ähnlich.

    ---

    🥐 Kaviar? Nein danke. Trüffel‑Gipfeli vom Buttler

    Für den Geburtstags‑Büeb haben wir natürlich das volle Programm aufgefahren. Die gesamte Belegschaft des Junior Gold Clubs war anwesend. Nur das Beste für unsere Helden.

    Der Kaviar am Morgen hat nicht geschmeckt — also gab’s halt Trüffel‑Gipfeli, frisch serviert vom Buttler Joël. Die Maid Lisa sorgte derweil für die Schlafgemächer unserer Stars. Am Vorabend hatte sie den Buttler noch bis tief in die Nacht missbraucht, um Klebeband zu organisieren, damit alle Schöggeli und Täfeli kunstvoll angeklebt werden konnten. Lisa zelebriert diese Shows jeweils mit einer Inbrunst, die an Broadway grenzt. Vielleicht hofft sie, dass die Kinder das eines Tages zu schätzen wissen.

    Ich hingegen habe da eine andere Theorie.

    ---

    🏎️ Kartbahn: Die Allemann‑Rennstall‑Legenden

    Heute hat der Buttler Sir Marc Joël ins gleiche Horn geblasen und die Kinder bis zum Delirium verwöhnt. Der Tag begann — auf Wunsch des Geburtstagskindes — auf der Kartbahn.

    Dort haben sie die Locals in den Asphalt gefräst und sich gleich auf die Monatsbestenliste katapultiert:
    Rang 10 für Etu, Rang 8 für Maxime.

    Und weil Geburtstage magisch sind, durften sie nicht nur zwei, sondern gleich vier Rennen fahren.

    - Liina verteidigte ihre Position mit beiden Ellbogen wie eine kleine Zürcherin im Coop am Samstagmorgen.
    - Maxime wärmte hinten dran die Pneus mit kunstvollen Slides.
    - Etu fuchtelte mit den Händen herum, als würde er Pizzateig in der Luft jonglieren.
    - Sanna fand das Tam‑Tam nach einem Sieg und einem zweiten Platz dann doch etwas zu viel und liess die letzten zwei Rennen aus. Diva‑Move approved.

    ---

    🧗‍♂️ Ninja Valley: Reizüberflutung für Fortgeschrittene

    Weiter ging’s ins Ninja Valley: eine Mischung aus Kletterhalle, Trampolinpark und sensorischer Vollkatastrophe.

    Lisa verschwand kurz in ihren Lieblings‑Laundromat, um ihren Maid‑Pflichten nachzukommen. Der Buttler hingegen nahm einen Nap auf dem Sofa im Ninja‑Land, wurde aber ständig von kreischenden Kindern geweckt. Also tat er, was alle wartenden Eltern tun: unmotiviert ins Handy starren und vermutlich mit KI chatten.

    “Wo kann ich meine Gofen abgeben?”
    Ninja Land: “Get 1 hour free for only 50 dollars.”

    Ich musste spontan an Banksy denken.

    ---

    🍛 Nepalesisch, müde Kinder und das grosse Race to Bed

    Zum Abschluss ging’s zum Nepalesen in Christchurch. Essen gut, Kinder müde. Buttler und Maid ebenfalls. Jetzt bleibt nur noch die grosse Frage:

    Wer gewinnt das Race to Bed?

    Ich tippe auf niemanden. Alle verlieren gleichzeitig.
    Read more

  • Tag 32: Real Fruit Ice Cream

    January 12 in New Zealand ⋅ ⛅ 18 °C

    Es gibt Campingplätze, auf denen die Vögel zwitschern, die Sonne aufgeht und man friedlich in den Tag startet.
    Und dann gibt es unseren Campingplatz.

    Heute Morgen war die Stimmung irgendwo zwischen Formel‑1‑Boxenstopp und Notfallübung der Feuerwehr. Die Nachbarn rechts verabschiedeten sich noch schnell – vermutlich, weil sie ahnten, was links gleich passieren würde. Denn dort versuchte seit einer geschätzten Ewigkeit eine Familie, ihren Wohnwagen anzuhängen. Mit einer Mischung aus Verzweiflung, Improvisation und einer Körperspannung, die man sonst nur bei Bombenentschärfern sieht.

    Der Landlord kam irgendwann mit einem Wagenheber angerannt, als würde er gleich die Winterräder montieren. Ich fragte höflich, ob ich helfen könne.
    Antwort: „Nein danke, wir haben alles im Griff.“

    Während ich mit Etienne Federball spielte, beobachtete ich das Drama mit einem Auge. Nach dem dritten gescheiterten Versuch fragte ich erneut.
    Wieder: „Nein danke.“
    Also blieb ich stehen. Nicht aus Schadenfreude – rein wissenschaftliches Interesse.

    Beim vierten Versuch war mein innerer Wickie nicht mehr zu halten. Zing!
    Ich trat vor, sah die Lage, drehte einmal am Problem wie an einem Ikea‑Regal, und plötzlich – zack – war der Wohnwagen dran. Die Frau und der Sohn waren so erleichtert, dass sie mich beinahe adoptiert hätten. Ich hätte nur noch „Mama“ sagen müssen.

    ---

    🎨 Banksy: Kunst, Kälte & unbewegliche Menschen

    Nach diesem heroischen Einsatz ging’s weiter zu Banksy. Für Lisa und mich ein Vergnügen. Für die Kinder eher: „Ballon. Mädchen. Fertig. Können wir gehen.“

    Das Gebäude war so modern, dass sogar der Thermostat Kunst machte. Er zeigte nämlich die Temperatur von gestern an. Und gestern war warm. Heute war’s sibirisch. Wir standen in kurzen Sportklamotten drin wie zwei schlecht vorbereitete Performance‑Künstler.

    Einige Besucher standen so lange 10 cm vor einem Bild, dass ich nicht sicher war, ob sie noch lebten oder bereits Teil der Installation waren.

    Ich versuchte den Kindern meine Interpretation zu erklären. Banksy ist aber nicht gerade „Kunst für Anfänger“. In ihrem Alter hätte ich auch nur „Ballon“ gesehen und wäre nach fünf Minuten Richtung Ausgang marschiert. Trotzdem blieben wir zwei Stunden. Kurz bevor wir angefroren sind.

    Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob Leute Fotos von uns gemacht haben, weil sie dachten, wir gehören zur Ausstellung:
    „Touristen in Shorts – ein kritischer Kommentar zur globalen Erwärmung.“

    ---

    📚 Bibliothek, Englisch & Real Fruit Ice Cream

    Nach dem Museum ging’s in die Bibliothek. Die Bibliothekarin war so freundlich, dass ich kurz dachte, wir seien in einem Werbespot gelandet. Danach gab’s Real Fruit Ice Cream – ein Konzept, das unsere Kinder inzwischen besser verstehen als die englische Sprache.

    Die vier Wörter, die sie in den letzten 30 Tagen gelernt haben, reichten dann doch nicht zum Bestellen. Mama musste übernehmen. Immerhin wissen sie jetzt, dass please "Pizza“ bedeutet.

    ---

    🏫 Bald: 2 Wochen Schule für die Kids

    Heute Abend melden wir die Kinder für zwei Wochen neuseeländische Schule an.
    Unsere Hoffnung: weniger Widerstand, mehr Lernen.
    Unsere realistische Erwartung: Sie lernen wenigstens, wie man „toilet“ richtig ausspricht.

    Aber wer weiss– vielleicht kommt auch bei ihnen irgendwann ein Wickie‑Moment.
    Zing!
    Read more

  • Tag 31: A Windy Hike

    January 11 in New Zealand ⋅ 🌬 30 °C

    Heute Morgen bin ich mit der Reiseleitung die Christchurch‑To‑do‑Liste durchgegangen.
    Langsam wird klar: Wir sind offenbar dabei, unterbewusst eine Schweizer Karte auf Christchurch zu zeichnen.

    Es fehlt nur noch die Westschweiz rund um Genf und das Wallis – dann hätten wir unser eigenes kleines Helvetien am anderen Ende der Welt komplett.
    Ich wusste ja, dass Lisa viele Fähigkeiten hat – Multitasking, Krisenmanagement, Gipfeli‑Rettungseinsätze – aber dass sie auch noch kartografische Präzisionsarbeit beherrscht, war selbst für mich neu. Wenn sie so weitermacht, zeichnet sie bald die Kantonsgrenzen ein und verlangt eine Kurtaxe. Wahrscheinlich fährt sie deshalb so gerne Rennrad.

    ---

    ⛰️ Mt. Cavendish – der Mini‑Niesen mit Ölleitung
    Nach der Besprechung ging es auf den Peak Mt. Cavendish. Ein Berg, der aussieht, als hätte jemand den Niesen in den Tumbler gesteckt und auf „Schrumpfen“ gestellt.
    Der Weg führt direkt an einer Ölleitung vorbei. Ich bin ehrlich froh, hat Donald Duck diese Leitung noch nicht als strategisches Asset entdeckt – sonst wäre sie längst von der US‑Airforce ausgeflogen worden.

    Der Aufstieg: steil, windig, und mit Rückenwind so effizient, dass wir kurz dachten, wir würden gleich rückwärts wieder runtersegeln.
    Die Seilbahn lief noch mit ungefähr 5 km/h, vermutlich um das Personal oben im Restaurant zu evakuieren.

    Oben angekommen: Restaurant zu, was für eine Überraschung...
    Also gleich wieder runter – diesmal mit Gegenwind, der uns teilweise wie schlecht gesicherte Gartenzwerge durch die Gegend schob. Maxime musste man festhalten wie einen heliumgefüllten Ballon an der Chilbi.
    Wir hatten extra den Slot mit dem geringsten Wind gewählt. Das Video zeigt den Durchschnitt. Die Böen zu filmen wäre lebensmüde gewesen.
    Auf halber Strecke kamen uns dann noch Leute entgegen – offenbar jene Spezies, die Windstärken erst ernst nimmt, wenn sie horizontal unterwegs sind.

    ---

    🐧 Antarktika‑Museum – Bildung mit Popkultur
    Unten angekommen ging es ins Antarktika‑Museum. Wirklich toll, viel zu sehen, viel zu lernen.
    Zum Beispiel:

    - Die Antarktis wurde von Ed Sheeran entdeckt.
    - Sie liegt am Nordpol, direkt neben Grönland.
    - Und Kaffeebohnen brauchen dort etwas länger zum Wachsen als in Brasilien.

    Der Schneesturm‑Simulator war grossartig – ein Sommerwind aus Christchurch, der sich als Polarexpedition verkleidet hat.
    Und mit dem Arktismobil, einem Schneekettenfahrzeug, über den Parcours zu brettern, war definitiv ein Highlight.

    ---

    🌊 Woodend Beach – Haie, Delfine und die Sache mit den Füssen
    Zum Abschluss ging es an den Woodend Beach.
    Ich bin mit den Kids baden gegangen und habe kleinen Strandhaien beim Surfen zugeschaut, wie sie Fische jagen. Die Kinder haben Sandlöcher gegraben, als wären sie auf der Suche nach Goldschätzen oder einem verschollenen WLAN‑Signal.

    Lisa ging derweil rennen – ohne Handy – und hat eine Gruppe von 20 Delfinen gesehen.
    Ich wollte dann mit meiner Sichtung prahlen, aber ganz ehrlich: Ich wäre auch lieber mit Delfinen surfen gegangen, statt meine Füsse und Hände im Wasser ständig hochzureissen wie ein nervöser Flamingo.
    Meine Füsse könnten durchaus als Fisch durchgehen.

    Lisa behauptet ja immer, sie habe die schöneren Füsse als ich.
    Die Küstenhaie sehen das offenbar anders.
    Read more

  • Tag 30: keep running

    January 10 in New Zealand ⋅ ☁️ 28 °C

    Eigentlich suchte ich gestern Abend einen Berglauf. Gefunden habe ich den Parkrun – ein globales 5‑km‑Phänomen, das es überall gibt, nur nicht in der Schweiz. Vermutlich, weil wir Schweizer lieber 5 km steil bergauf rennen und es „Spaziergang“ nennen. Teilnahme gratis, organisiert von Volontiers, die offenbar Freude daran haben, 700 Leute am Samstagmorgen um 8 Uhr zu überwachen.

    ---

    😴📲 Anmeldung im Halbschlaf – und der Wecker als Feind
    Anmeldung im Bett erledigt, Kinder schlafen, ich fühle mich sportlich. Google sagt 17 Minuten Fahrt, also Wecker auf 7 Uhr. Easy.
    Am Morgen dann noch schnell Versicherungs‑Pendenzen erledigt (weil: Prioritäten), und plötzlich war es 7:30 Uhr. Die Kinder noch im Tiefschlaf, ich im Stress. Perfekte Ausgangslage für einen sportlichen Erfolg. Oder ein Desaster. Wahrscheinlich beides.

    ---

    🚗💨 NZ‑Anfahrt – Parabelflug dank Speed Bumps
    In Neuseeland gibt es alle 100 Meter einen Speed Bump. Mit genug Tempo fühlt sich das an wie ein kostenloser Astronauten‑Parabelflug. Ich fuhr 30 km/h, worauf Etienne hinten protestierte:
    „Paaapa, nicht so schnell!“
    Ich glaube, er hat Angst, er müsste Astronautennahrung zum Frühstück essen.
    ---

    🏁😳 Startschuss ohne WC, ohne Aufwärmen, ohne Plan
    Just‑in‑time im Park angekommen. Keine Zeit fürs WC, keine Zeit fürs Aufwärmen, keine Ahnung, was ich hier eigentlich mache. Startschuss. Ich renne.
    Im Ziel bekomme ich einen Token in die Hand gedrückt. Für einen Moment dachte ich, der Typ wolle mir Krypto andrehen. Die Zeitmessung erfolgte mit einem Handy, das aussah, als wäre es in einer Portion Fish & Chips ertrunken. Aber hey: Ich habe jetzt eine Parkrun‑Zeit. Nicht schnell, aber historisch.

    ---

    🏚️🌍 Earthquake Museum – Richter 7? Kein Problem für unseren Camper
    Das Earthquake Museum war klein, fein und eindrücklich. Die Zerstörungskraft eines Erdbebens ist gewaltig – aber ehrlich: Wenn unser Camper drei Monate mit unseren Kindern überlebt, hält er auch Richter 7 aus.
    Wer testen will, ob sein Haus erdbebensicher ist: Ich verleihe unsere Kinder. Eine Woche. Wenn das Haus danach noch steht, gibt’s das Gütesiegel „NZ-Earthquake-approved“.

    ---

    🌊💩 Liquefaction – oder: Wenn der Boden plötzlich Brei wird
    Liquefaction bedeutet, dass der Boden so durchgeschüttelt wird, dass Wasser und Schlamm nach oben drücken.
    Also quasi das, was bei uns passiert, wenn Maxime und Sanna gleichzeitig schlechte Laune haben.
    Da hebt sich auch der Boden. Und die Stimmung. Und mein Puls.

    Und ach ja: Lisa hat an ihrem Erholungstag natürlich im Museum ein Velo gefunden. Wenn sie nicht gerade Vulkane besänftigt ,dann ist sie garantiert irgendwo am Radeln – vermutlich sogar durch Ausstellungen, Fluchtwege und Notausgänge. Manche suchen Ruhe, Lisa sucht Pedale.
    Read more

  • Tag 29: Knusprig gebraten

    January 9 in New Zealand ⋅ ☀️ 26 °C

    Der Reiseführer hat heute grosszügig hiking auf den Tisch geworfen, als wäre das eine Überraschung und nicht einfach ein anderes Wort für „Familienmarsch mit Jammergarantie“. Also ging es in den Bikepark von Christchurch, wo the „view“ über die Stadt angeblich awesome sein soll. Der Esel (ich) trug die Verpflegung, drei grosse und zwei kleine Wasserflaschen, und fühlte mich wie ein Volontier am Berner Berglaufcup. Wobei: Vater von vier Kindern sein ist eigentlich ein unbefristetes Volontariat ohne Pausenregelung.

    🔥 Die Hitze, die Beschwerden und der Kühlschrank, den ich nicht habe
    Nach fünf Minuten kam die erste Beschwerde: „Es isch sooo heiss…“ Nach zehnmaligem Sprung in der Platte gab ich die Spitzenposition ab. Jeder, der mich überholte, flüsterte mir ins Ohr, als wäre ich der offizielle Beschwerdebriefkasten: „Es isch sooo heiss…“ Offenbar erwarteten alle, dass ich einen Kühlschrank im Rucksack dabeihabe. Ich hatte aber nur Bananen. Und die waren warm.

    🚶‍♂️ Die Reiseleitung und das geheime Membership-Programm
    Ich liess mich zurückfallen zur Reiseleitung, die von hinten die Gruppe vorantrieb wie ein Bergführer mit Bonusprogramm. Wir müssen ja immer mindestens doppelt so schnell sein wie die Angaben auf dem Wanderschild, sonst verliert man die Membership. Niemand weiss, was passiert, wenn man sie verliert, aber alle scheinen panische Angst davor zu haben.

    🥪 Gipfelglück, Sandwichpreise und Doppelmayr-Luxus
    Oben angekommen wurden die Preise verteilt: Sandwiches und Bananen. Die Bilder fürs Album wurden geschossen, alle lächelten wie Influencer, die so tun, als hätten sie Spass. Danach ging es mit dem Chairlift von Doppelmayr ins Tal. Endlich ein Moment, in dem man nicht schwitzen musste. Ein Wunder.

    💨 Lisa, der Gegenwind und mein kleiner Rachekurs
    Lisa wollte danach noch velölen gehen. Also habe ich den Kurs so gelegt, dass sie garantiert Gegenwind bekommt. Wer nach 1h3min „gring ache u secklä“ noch freiwillig radelt, darf ruhig noch etwas Backcountry-Höhenmeter fressen. Ich nenne das: pädagogisch wertvolle Streckenplanung.

    🌉 New Brighton, die Offenbarung und meine Französisch-Traumata
    Die Zieleinfahrt führte direkt zum New Brighton Pier. Dort hat Lisa mit 12 Jahren ganz alleine einen Englisch-Austausch gemacht. Das weiss ich seit einer Woche. Jetzt verstehe ich auch, weshalb sie so gut Englisch kann. Mit 12 konnte ich „Bonjour Piero und Pierrette et les marionnettes“ aufsagen – aber nur, weil ich es auswendig gelernt hatte. Heute Nacht träume ich sicher von Monsieur und Madame Chatelain, die mich wieder durch die Vokabelprüfung jagen.

    🏄‍♂️ Surfen, der 3‑Sekunden-Sturm und die Badehosenkrise
    Die Kids und ich gingen surfen – was sonst. Bis der Wind von null auf gefühlt 100 km/h in drei Sekunden beschleunigte. Jeder Sportwagen träumt von solchen Werten. Jetzt weiss ich, weshalb die Neuseeländer keine Sportwagen brauchen: Man legt sich einfach an den Strand und wartet. Wichtig ist nur, dass die Badehose gut sitzt. Sonst wird’s ein sehr internationaler Auftritt.

    🏖️ Die Massenflucht und das perfekte Timing
    Ich habe noch nie so viele Leute so schnell den Strand flüchten sehen. Das Fluchtkonzept scheint zu funktionieren. 30 Minuten später war der Wind weg – und der Strand leer. Perfekt für uns. Timing ist alles.
    Und ach ja: Lisa ist heute bien cuit. Also wirklich. Aussen knusprig, innen weich, und definitiv bereit fürs Kühlregal.
    Read more

  • Tag 28: Der Haka fürs Ferienalbum

    January 8 in New Zealand ⋅ ☁️ 19 °C

    Heute haben wir Christchurch zum ersten Mal so richtig entdeckt – und ich muss sagen: die Stadt ist wirklich toll. Lisa, unser hauseigener Reiseführer mit militärischer Präzision und pädagogischem Durchhaltewillen, hat ein Mammutprogramm zusammengestellt, das vermutlich sogar für eine Woche reichen würde. Wir haben aber nur drei Tage. Realistisch gesehen werden wir unseren Stay wohl noch etwas extenden, wie man als moderner Globetrotter so sagt.

    ---

    📚 Die Bibliothek – unser Familien-Indoor-Freizeitpark

    Wir haben in der Bibliothek angefangen. Nicht wegen Büchern — bitte, wir sind doch realistisch.
    Es war schlicht der perfekte Ort, weil:

    - Sanna und Liina legölä konnten,
    - Maxime gamen durfte (20 Minuten, dann war Schluss, Government Restrictions),
    - und am Schluss vier von sechs Familienmitgliedern in der Lobby miteinander gepuzzelt haben,
    - während die restlichen zwei Schach spielten wie 80-jährige Rentner im Kurpark.

    Bildung? Nein.
    Für den Reiseführer ? Ja.
    Bibliothek Reiseführer: must do
    Journalist: ok but couch cold be better for a good nap

    ---

    🎨 Streetart-Walk – Kultur, aber bitte schnell

    Danach ging’s auf einen Walk durch die City. Überall Streetart. Wunderschön.
    So schön, dass ich kurz dachte, wir seien in Boston — einfach ohne Schnee, ohne Sirenen und ohne Leute, die einem ungefragt erklären, warum ihre Meinung die einzig richtige ist.

    ---

    💈 Der Coiffeur – ein Kapitel für sich

    Dann kam mein persönliches Abenteuer: der Coiffeur.
    Ich bin ja jemand, der seinen Barber nicht gerne wechselt. Aus Prinzip. Aus Loyalität. Und weil mein Barber zuhause genau weiss, was „Standard“ bedeutet.

    Unsere Gespräche laufen so:

    - „Hallo, wie geht’s?“
    - „Gut. Dir?“
    - „Gut.“
    - „Heiss heute.“
    - „Ja.“
    - Arabischer Rap übernimmt für 20 Minuten.

    Mehr braucht es nicht.
    Nach sieben Jahren reicht sein Deutsch zwar immer noch nicht für den Schweizer Pass, aber für meine Frisur reicht’s locker.

    Hier in Neuseeland gibt’s viele Barber, aber es muss halt funken.
    Im ersten Laden hat’s zu süss gerochen, und die beiden Jungs hätten mir vermutlich einen „schnuggligen“ Haarschnitt verpasst, der mich wie einen übermotivierten TikTok-Influencer aussehen lässt.

    Also wurde es Simon.
    Christchurch born and raised.
    Seit einem Jahr Barber, davor 20 Jahre Barkeeper.
    Er hatte noch nie einen Schweizer im Stuhl — was man spätestens nach 45 Minuten gemerkt hat, als ich die komplette Stadtgeschichte serviert bekam.

    Ich weiss jetzt:

    - wo man trinken soll,
    - wo man nicht trinken soll,
    - wo man essen kann,
    - wo man auf keinen Fall essen darf,
    - und wie man sich bei einem Erdbeben richtig verhalten soll.( Das ist hier wirklich sehr ernst zu nehmen)

    Er war vermutlich froh, als ich endlich wieder gegangen bin.
    Ich auch — aber die Haare sind jetzt schön.

    ---

    🛝 Familienrückführung – oder: Wo sind sie jetzt schon wieder?

    Nach dem Coiffeur bin ich Lisa und die Kids auf dem riesigen Spielplatz suchen gegangen.
    Ich war ehrlich erleichtert, dass sie nicht davongefahren sind.
    Man weiss ja nie — 5 Wochen Familienreise können Spuren hinterlassen.

    ---

    🪘 Der Haka-Moment – Touristen in freier Wildbahn

    Als ich am Fluss ankam, hörte ich plötzlich Haka-Rufe.
    Ich dachte schon, eine Rugby-Mannschaft wärmt sich auf und ich müsse gleich zur Seite springen, um nicht überrannt zu werden.

    Aber nein.
    Es waren Touristen.
    Touristen, die ALLES mitmachen, sobald irgendwo ein Maori steht.
    Oder auch nur in der Nähe.

    Schaut euch das Video an — und alle, die dort schon einmal im Takt gerudert haben, sollen bitte kurz an mich denken. Es reicht ein Moment, genau bis ihr merkt, dass ihr gerade an einer kulturellen Massenbespassung teilgenommen habt, die für Touristen erfunden wurde, die ‚Authentizität‘ mit Gruppengymnastik verwechseln.
    Read more

  • Tag 27: Je suis cuit

    January 7 in New Zealand ⋅ ⛅ 17 °C

    🧖‍♂️ Tag 26 – Hanmer Springs: Das Aromat‑Orakel, die Seehund‑Kinder & die Schweizer Mafia

    🧂 Aromat, Weltpolitik & die Pensionierten‑UN
    Hanmer Springs ist wirklich ein schmuckes Örtchen.
    Kaum angekommen, wurde ich von Russell und Jane abgefangen – ein pensioniertes NZ‑Paar, das aussieht, als hätten sie früher im Geheimdienst gearbeitet und jetzt im Ruhestand die Aufgabe übernommen, alle Camper über Gott, die Welt und die korrekte Falttechnik von Campingstühlen aufzuklären.

    Wir haben über alles gesprochen:
    - Weltpolitik
    - die US‑Regierung (ein Kabarettstück, das niemand bestellt hat)
    - und über den Amerikaner T., der angeblich Aromat als Gesichtspuder benutzt.

    Ich weiss nicht, ob das stimmt, aber wenn ja, erklärt es die letzten Jahre amerikanischer Aussenpolitik.

    ---

    🏊‍♂️ 27 Pools, 1 Milliarde Menschen & unsere Seehund‑Kinder
    Danach ging’s in die berühmten Hanmer Springs Pools.
    Für die Kids war es Fun pur.
    Für Lisa war es eher ein Überlebensmanöver.

    Sogar der 11‑Grad‑Pool war voll , Lisa mitten drin statt nur dabei.
    Unsere Kinder haben darin herumgetaucht wie hyperaktive Seehunde, die glauben, sie seien in der Karibik.

    ---

    ☕ Kaffee, Eis & der Schweizer Zufall des Jahrhunderts
    Nach dem Baden wollten wir:
    - Kaffee
    - Eis
    - einkaufen

    Stattdessen laufen wir Jim (in der Schweiz: Jürg) und seiner Frau Kate in die Arme.
    Zwei Schweizer, die vor über 20 Jahren nach NZ ausgewandert sind und seither offenbar eine Art Pie‑Imperium aufgebaut haben.

    Das Lustigste:
    Wir haben ihren Sohn vor 7 Jahren schon einmal getroffen, weil er uns auf der Strasse Schweizerdeutsch sprechen hörte.
    Ich wusste noch, dass sie aus Safnern oder Ägerten kommen – und Jim hat mich angeschaut, als hätte ich gerade seine IBAN auswendig aufgesagt.

    Die beiden haben im selben Jahr wie ich ihre Firma gegründet.
    Neun Jahre später beliefern sie die grossen Supermärkte der Südinsel.
    Ich hingegen… schreibe Reiseblogs und suche Freedom‑Camping‑Plätze, die nicht nach Diesel und nassen Socken riechen.

    ---

    📍 Fazit: Hanmer Springs – das Dorf, das alles kann
    Hanmer Springs ist ein Ort, an dem:
    - Kinder zu Seehunden mutieren
    - Schweizer Pie‑Mogule zufällig auf der Strasse auftauchen
    - und man nach einem Tag mehr Geschichten hat als nach einer Woche in Zürich

    Dieser Ort gehört definitiv auf jede Südinsel‑Reiseliste.
    Mindestens einmal.
    Besser zweimal.
    Oder gleich auswandern und ein Pie‑Business starten.
    Read more

  • Tag 26: Custodian ( Wächter) JJ

    January 6 in New Zealand ⋅ 🌙 17 °C

    Heute ging es nach Hanmer Springs.
    Auf dem Weg dorthin sind wir am Mt Lyford Alpine Resort vorbeigefahren.
    Der Name klingt nach:
    Gondeln, Après‑Ski und im Sommer nach Downhill Biken..

    In Realität ist es eher:
    „Ein Hügel mit Ambitionen und einem Parkplatz, der grösser ist als das Skigebiet.“

    Es ist das Savagnières-Bugnenets des Pazifikraums.
    Würde Didier Cuche hier fahren, würde er vermutlich aus Versehen das gesamte Gebiet in zwei Schwüngen abtragen.

    ---

    🏕️ Freedom Camping: Die Alpamare-Apokalypse
    Hanmer Springs war so voll, trotzdem fanden wir mitten im Dorf einen Gratis‑Spot.
    Direkt neben einem Spielplatz.
    Perfekt für einen romantischen Abendspaziergang mit Lisa – wenn die Kinder geschlafen hätten.

    Wir zogen weiter, weil:
    - der Parkplatz zu klein war
    - der Parkplatz zu gross war
    - der Parkplatz zu nahe am Spielplatz war
    - der Parkplatz zu weit weg vom Spielplatz war
    - der Parkplatz gratis war (verdächtig!)
    - die Sonne falsch stand
    - und weil ich vermutlich einfach zu viel Zeit habe, um über Parkplätze nachzudenken

    Also weiter zum Kiwi‑Campingplatz unseres Memberclubs.

    ---

    🛐 Die NZMCA – eine Sekte mit Regeln, Ritualen & Orangenwesten
    Die Plätze sind exklusiv für Clubmitglieder.
    Wir sind Clubmitglieder.
    Aber wir haben keine Ahnung, wie man sich in dieser Sekte verhält.

    Die Regeln lauten ungefähr so:
    1. Always display your wing → habe ich nicht
    2. Always present your card → habe ich digital, zählt vermutlich nicht
    3. Always register at arrival → wollte ich, konnte ich aber nicht
    4. Always obey 47 weitere Regeln, die aussehen wie die AGB von Apple

    Ich dachte:
    Solange ich zahle, bin ich König.
    Falsch.
    Ich bin höchstens Praktikant im ersten Lehrjahr.

    ---

    🦺 Der Auftritt von Custodian JJ – Wächter der Heiligen Parkordnung
    Dann kam er.
    Custodian JJ.
    Der Mann, der aussieht, als hätte er die Orangenweste nicht angezogen, sondern sei darin geboren worden.

    Er näherte sich nicht direkt.
    Er stoppte auf Lesedistanz, wie ein Ranger, der ein seltenes Tier beobachtet.
    Er checkte mit dem Nummernschild :
    - Member? ✔️
    - Bezahlt? ✔️

    Dann ging er ins Häuschen, um nachzusehen, ob ich mich eingetragen habe.
    Hatte ich nicht.
    Konnte ich nicht.
    PIN fehlte.
    Drama.

    Als ich mit den Jungs in den Bach wollte, lief ich ihm direkt in die Arme.
    Ich fuchtelte sofort mit meinem Handy herum wie ein Tourist, der beweisen will, dass er wirklich ein Ticket hat.
    Er wusste das längst.
    Er wartete nur auf den Moment, an dem ich sage:
    „Ich konnte mich nicht einschreiben, weil ich den PIN nicht habe.“

    Das war sein Stichwort.
    Sein Moment.
    Seine Bühne.

    Und dann kam die Predigt:
    - Wann der Club gegründet wurde
    - Wie man parkieren muss
    - Wie lang die Hundeleine sein darf ( wir haben keinen Hund)
    - Wie lange der Generator laufen darf ( haben wir auch nicht)
    - Wie viele Engel auf einer Orangenweste tanzen können

    Er war nicht böse.
    Aber er war sehr glücklich, mich belehren zu dürfen.

    Am Schluss war er dann doch hilfreich.
    Aber ich glaube, er hat sich den ganzen Abend darauf gefreut, jemandem die Regeln zu erklären.

    Ps. Der Club wurde am 22. März 1956 gegründet. -Reminder 1956 - the one and only 🗝️🔐 . Amen
    Read more

  • Tag 25: Wahle Watching

    January 5 in New Zealand ⋅ ⛅ 16 °C

    Heute Morgen ging’s ins Aquatic Center. Die Kinder sind sowieso Baderatten, also machen wir jetzt eine Art inoffizielle Tour de Suisse der neuseeländischen Badis. Eintrittspreise fair, Duschen mit genug Druck, um selbst die hartnäckigen Fossilien aus den Kinderhaaren herauszukärchern – und als Bonus weniger Sand im Camper. Ein seltener Moment, in dem man das Gefühl hat, das Leben im Griff zu haben.

    ---

    ⭐ Google‑Review‑Joel im Einsatz

    Ach ja, und wenn ich etwas richtig toll oder richtig schlecht finde, dann mache ich ein Review auf Google. Heute gab’s wieder eine richtig gute Bewertung. Von meinen 88 Reviews war bisher nur eine wirklich schlecht – an die erinnere ich mich noch lebhaft.
    Die von heute war wieder so positiv, dass es fast schon nach Bestechung klingt.

    Ich lese aber auch einfach gern Rezensionen. Und meine absolute Lieblingsdisziplin: Leserkommentare in Zeitungen zu Themen, die polarisieren. Das ist wie Popcornkino, einfach ohne Popcorn – und mit deutlich mehr Fremdscham.

    ---

    🏊‍♂️ Schweizerdeutsch als Tarnkappe

    Zum Glück ist Schweizerdeutsch im Ausland eine Art Geheimcode. Zurück in der Schweiz müsste ich mich wieder zusammenreissen, nicht jeden zweiten Badegast laut zu kommentieren wie Marc Berthod, wenn einer die Ski falsch herum anschnallt.
    Hier hingegen kann ich ungeniert flüstern, lästern und analysieren – niemand versteht’s, alle sind glücklich.

    ---

    🛟 Premium‑Escape‑Room‑Badmeister

    Das Public Pool war klein, aber fein, und der Badmeister war so freundlich, dass ich kurz dachte, wir hätten einen Premium‑Escape‑Room‑Rundgang gebucht. Er zeigte uns alles, erklärte alles und stellte dann noch aufblasbare Spielsachen hin.
    Die Kinder spielten für einmal tatsächlich miteinander statt gegeneinander. Ein Wunder. Vielleicht war Weihwasser im Pool. Oder der Badmeister ist eigentlich ein pädagogisches Genie.

    ---

    🐋 Whale Watching & medizinische Fachkompetenz

    Danach ging es zum Whale Watching. Also: die Girls. Ich habe sie nur abgeladen. Erstens werde ich seekrank, zweitens würden wir Männer Wale jagen und nicht fotografieren. Wir sind Wikinger.
    Spass beiseite – mir wird schnell übel, und ich habe standardmässig einen GCS wie ein Hockeyspieler nach zwölf Saisons Kopf‑an‑Kopf‑Training.

    Ich schwanke im Delir zwischen GCS 3, wenn ich schlafe, und maximal 10, wenn ich schreibe. Das ist das einzige intensivmedizinische Wissen, das ich in 19 Jahren gelernt habe. Aber es reicht, um mich selbst zu diagnostizieren – und das ist ja die Hauptsache.

    Die Bilder von Lisa sahen nach Erfolg aus. Die Forellen und Seepferdchen sehen super aus. Währenddessen haben mich die Jungs im Delir‑Modus zur gleichen Eisdiele geführt wie gestern. Für Tap to Pay hat’s noch gereicht. Immerhin.
    Man muss die kleinen Siege feiern.
    Read more

  • Tag 24: Tassli im Schrank

    January 4 in New Zealand ⋅ ⛅ 16 °C

    🌅 Ein verdächtig schöner Morgen

    Der Tag begann verdächtig wunderschön – vermutlich, weil Maxime endlich wieder in einem eigenen Bett geschlafen hat und nicht wie ein übermotivierter Oktopus quer über uns lag. Unsere Kinder haben heute Morgen tatsächlich länger geschlafen. Also so lange, bis wir schon fast nervös wurden, ob wir den Frühstückstisch überhaupt noch vorbereiten dürfen oder ob wir bereits in einer neuen Erziehungsphase angekommen sind: «Selbstständiges Frühstücken ohne Eltern – powered by YouTube Kids».

    ---

    📚 Vorlesen als pädagogischer Hochleistungssport

    Zuerst war Vorlesen angesagt. Die Jungs dürfen am Morgen vorlesen, was sie natürlich mit der gleichen Begeisterung tun wie den Camper aufräumen. Danach machten wir uns auf nach Kaikōura, um etwas durch die Läden zu schlendern – denn nichts bringt Kinder so zuverlässig von YouTube und gegenseitiger Provokation ab wie die Aussicht auf Konsum.

    ---

    🏞️ Über den Hügel ins Shopping-Paradies

    Die Pferderanch liegt in South Bay, also ging es einmal über den Hügel, und schon waren wir im schmucken Städtchen. Im ersten Laden war natürlich sofort SALE, und der gesamte Plunder «Made in China, aber mit Kiwi drauf, also total lokal» musste raus.

    Nach dem dritten «Nein, du brauchst kein weiteres Plüschtier» und dem fünften «Nein, den Kristalldelphin hast du schon – ja, wirklich» war es mir dann verleidet. Ich flüchtete ins nächste Café und bestellte einen Long Black.

    Wenn man allerdings aus Unkonzentriertheit einen Black Long bestellt, müssen sie schmunzeln. Als ich dann darüber nachdachte, warum sie schmunzeln, wurde mir klar: Ja, man könnte das anders verstehen. Und nein, wir gehen da jetzt nicht weiter rein.

    ---

    ☕ Fünf Minuten Frieden und ein linguistisches Kaffeeproblem

    Auf der Terrasse genoss ich meine ruhigen fünf Minuten – und meinen Long Black. Oder Black Long. Oder Longer Black. Egal. Hauptsache Koffein.

    Dann kamen unsere Happy Kids zurück. Wenn sie verwöhnt wurden, sind sie mit einer Halbwertszeit von fünf Minuten glücklich. Danach beginnt der Zerfall wieder.

    ---

    🛍️ Das grosse Tassli-Mysterium

    Lisa hat dann noch ein Tassli gekauft.
    Ich musste sofort an den letzten Klassen-Endjahres-Chat denken, als es um das Geschenk für die Lehrperson ging. Vorschläge wie bedruckte Tassli und Fläschli flogen durch den Chat wie Konfetti. Ich wagte den ketzerischen Hinweis, dass wir alle genug Tassli im Schrank haben und ein Gutschein oder Essenskorb sinnvoller wäre.

    Mein Vorschlag kam ungefähr so gut an wie ein veganer Grillkurs am Männerturnverein-Ausflug.

    Die Lehrperson bekam am Ende – Überraschung – ein Tassli. Und einen Alpaka-Reitgutschein.
    Ich dachte mir nur: Die arme Lehrperson bekommt bei jedem Klassenwechsel ein neues Tassli oder Fläschli. Und die armen Alpakas haben vermutlich chronische Rückenschmerzen.

    ---

    🧩 Fazit: Tassli, Zukunft und WhatsApp-Inkasso

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich weiss nicht, ob Lisa das Tassli für uns gekauft hat oder schon für den nächsten Klassenwechsel. Es hat es sogar aufs heutige Foto geschafft.

    Entweder wir eröffnen bald einen Tassli-Laden mit eigenem E‑Shop, oder Lisa übernimmt die nächste WhatsApp-Gruppe und treibt die 5 Franken pro Familie ein – effizienter als jedes Inkassobüro.

    Ach ja „Lisa hat Tassli Nr. 24 und 25 gekauft. Ob die Tassli auch Namen haben, weiss ich nicht – aber bei dieser Wachstumsrate gründen sie bald eine eigene WhatsApp‑Gruppe.“
    Read more

  • Tag 23: Seehunde entspannt – wir nicht

    January 3 in New Zealand ⋅ 🌬 14 °C

    🎪 Homeschooling: Die tägliche Live‑Aufführung unseres Wanderzirkus

    Heute starteten wir wie immer mit unserem Zirkusunterricht.
    Andere Familien haben Frühstück, wir haben pädagogisches Nahkampftraining.

    Wenn eines der Kinder ein Fach nicht mag, verwandelt sich unser Camper in:

    - eine Vulkanlandschaft kurz vor Ausbruch
    - und eine Reality‑Show namens „Wer schreit zuerst?“

    Ich bete, dass sie sich in der Schule nicht so benehmen.
    Falls doch, dann bekommt jede Lehrperson:

    - 2x pro Jahr 6 Monate bezahlte Auszeit
    - eine Tapferkeitsmedaille,
    - und einen Gutschein für eine Woche Wellness in einem klosterähnlichen Schweigecamp.

    Wir brauchen dringend eine Strategie.
    Sonst schiessen wir uns irgendwann freiwillig – und ohne Kinder – auf den Mond.
    Mit einem One‑Way‑Ticket.

    Auf das Homeschooling zu verzichten ist kein Option, ansonsten werden sie mit 40 noch zuhause wohnen und mit uns in die Ferien kommen.

    ---

    🌬️ Kaikōura: Wo der Wind vom Süden bläst

    Nach dem Drama ging es weiter zu den Seehunden.
    Wir stiegen aus, holten die Jacken raus…

    Der Südwind hat uns begrüsst wie ein schlecht gelaunter Kühlschrank, der seit drei Tagen piepst.

    Nach 50 Metern Fels‑Hüpfen standen wir plötzlich vor einem Seehund, der wohl dachte:

    „Touristen. Schon wieder. Ich kann nicht mal in Ruhe chillen.“

    Dann hat er weitergepennt.
    Vorbildlich.

    ---

    🐴 Übernachten auf der Pferde‑Ranch – wir sind jetzt quasi Einheimische

    Weiter ging’s zur Pferde‑Ranch, unserem Schlafplatz.
    Wir sind ja jetzt Mitglieder beim NZMCA, also quasi halbe Neuseeländer.

    Das bedeutet:

    - günstige Plätze
    - geheime Stellplätze
    - und bald kann ich über die Campingplatz‑Spezies berichten, die dort leben
    (Spoiler: Sie sind scheuer als die Seehunde)

    Unsere Nachbarn aus Queenstown sind geflüchtet, weil es dort zu viele Touristen hat.
    Heute haben sie vermutlich dasselbe gedacht, als unsere vier Megafone aus dem Camper gefallen sind:

    „Oh nein. Jetzt kommen die Ausländer. Und sie haben Kinder.“

    ---

    🚢 Der wahre Grund für unsere Premium‑Sitzplätze auf dem Schiff

    Gestern hatte ich ja geschrieben, dass wir tolle Plätze auf dem Schiff hatten.
    Ich dachte, es lag an Sannas Seafood, das gerochen hat wie meine Füsse.

    Turns out:
    Es lag an meinen FÜSSEN.

    Der Kapitän hat mich beim Aussteigen so freundlich verabschiedet, dass ich kurz dachte, er wolle mich adoptieren.
    In Wahrheit war er einfach froh, dass der Geruch das Schiff verlassen hat.

    ---

    🧦 Zu meiner Verteidigung: Die chemische Zusammensetzung des Grauens

    Die Schuhe wurden beim Kajakfahren nass.
    Dann kam Sonnencreme dazu.
    Dann Salzwasser.
    Dann Schweiss.
    Dann Gras.
    Und daraus entstand ein Duft der nach Seafood roch.

    Ich nenne ihn:
    Eau de Wellington – J.A. Edition
    Read more

  • Tag 22: Ab in den Süden

    January 2 in New Zealand ⋅ ☁️ 21 °C

    🌬️ Wellington – die Stadt, die dich wegbläst
    Wellington zeigte sich heute von seiner schönsten Seite. Ich war froh, dass ich die Kinder nicht anleinen musste wie übermotivierte Erstkind-Eltern, die mit Nuggi, Gstältli und einem 2-Jährigen unbedingt Skifahren gehen wollen.

    📸 Lookout ohne Nebel, dafür mit Selfie-Armee
    Der Lookout war diesmal nicht im Nebel, dafür voll mit Menschen, die alle gleichzeitig versuchten, sich selbst auf die Plattform zu photoshoppen. Ich hoffe, Lisas Zensurfilter lässt wenigstens ein paar Pixel durch.

    🚴‍♀️ Rikscha-Panik & Clown-zum-Zmorgen
    Die Rikscha wäre es fast geworden, bis ich die Gesichter der Fahrer sah – eine Mischung aus „bitte nicht“ und „ig mag nüm“. Lisa hatte ohnehin zum Zmorgen einen Clown gegessen und wollte uns mit einer Kanone aus dem 15. Jahrhundert auf den Mond schiessen. Realistisch wären wir in Lower Hutt gelandet.

    🚣 Kajakfahren – Unterrücken vs. Kindergequengel
    Ich war mit Maxime im Doppelkajak – Heckmotor ohne Turbo. Lisa mit Etienne, die Girls allein.
    Liina super, solange sie die Schnellste ist. Sonst stänkert sie wie ein Megafon mit Emotionen.
    Sanna vorneweg, vermutlich weil die Haare nicht nass werden durften.
    Lisa beschleunigte jedes Mal, wenn ein Rennrad vorbeifuhr. Etienne war der menschliche Powermeter.

    ⛴️ Premiumsitze & kulinarische Grenzerfahrungen
    Sanna isst einen Seafood-Snack, der schmeckt wie meine Baustellenschuhe nach drei Sommern ohne Socken.
    Liina isst – natürlich – etwas Italienisches.
    Lisa zensiert Fotos.
    Maxime trainiert Mario Kart.
    Etienne arbeitet an seinem neuen Projekt.
    Es könnte sein, dass ich euch bald wieder unveröffentlichtes Material exklusiv auf dem Kanal präsentieren darf. Falls Lisa es nicht vorher zensiert.
    Read more

  • Tag 21: Die Zensur

    January 1 in New Zealand ⋅ ☁️ 17 °C

    😴 Guten Morgen & willkommen im Überwachungsstaat
    Aufgewacht, allen ein gutes neues Jahr gewünscht – und sofort das Gefühl gehabt, ich sei in China gelandet. Nicht wegen der Reisnudeln, sondern wegen der Zensur:
    Misstrauen, Paranoia, und der Blick, der sagt: „Du hast etwas getan"

    Man hätte meinen können, ich hätte gestern Staatsgeheimnisse veröffentlicht. Oder schlimmer: ein Foto, auf dem jemand ungekämmt ist.
    Ein Exemplar, das sonst nur mit dem Rennrad gesichtet wird, wurde gestern ohne Rad erwischt. Ein Skandal, der in gewissen Kreisen härter bestraft wird als Steuerhinterziehung.

    Das zweite Exemplar wurde ohne Strähl abgelichtet. Das ist so selten wie ein Sieg von mir gegen unsere Kinder im Schach – also praktisch Science-Fiction.

    Falls ihr nichts mehr von mir hört:
    Ich bin entweder im Gefängnis, vom Strähl erstochen worden oder im reparierten Fenster stecken geblieben. Bitte meldet mich bei Amnesty International. Ich hätte es verdient.

    ---

    😳 Regierungsangriffe & drohende Zensur
    Wie lange ich den Angriffen der Regierung standhalten kann, weiss ich nicht. Die Bilder könnten bald verschwinden oder zensiert werden.
    Wenn plötzlich alles verpixelt ist, war das nicht ich – das war die Abteilung für ästhetische Notwehr.(*Bilder Tag 20!!! 🆘)

    ---

    🧱 Die Mauer von China… äh… Palmerston North
    Nach der Mauer von China – sorry, Palmerston North, aber die Ähnlichkeit ist frappant – ging es weiter Richtung Süden.
    In Masterton mussten wir beim Spielplatz stoppen. Vermutlich, weil die Kinder sonst die Regierung gestürzt hätten.

    ---

    🐹 Hamsterrad & Rosengym – das Spektakel des Jahres
    Die Kinder wollten ins Hamsterrad rennen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und Rosengym gemacht.
    Die Kiwis haben mich angeschaut, als wäre ich ein entlaufener Zirkuselefant, der vergessen hat, dass er eigentlich Kunststücke machen sollte.

    Die Kinder haben so getan, als würden sie mich nicht kennen.

    ---

    🧺 Lisa, die Waschmaschinen-Flüsterin
    Lisa ging – Überraschung – waschen.
    Nach dieser Reise wird sie ein Buch schreiben:
    „Waschsalons von Neuseeland – ein Drama in 12 Trommeln“
    mit dem Untertitel:
    „Warum Sonnenuntergänge überschätzt sind und Waschmaschinen die wahren Stars sind.“

    ---

    🏃‍♂️🏃‍♀️ 800-Meter-Chaoslauf
    Alle mussten noch zwei 800-Meter-Runden rennen. Die Highlights:

    - Liina vorne weg, motiviert wie Roger Federer, wenn er gratis Schoggi bekommt.
    - Maxime, der kleine Fuchs, hat die Stoppuhr bedient.
    - Etienne lief mit Sanna.
    - Sanna lief auch – vermutlich nur, um die Haare zu trocknen oder ihre tägliche UV-Dosis zu sichern.

    ---

    🌬️ Lake Wairarapa bei Wellington – die Windhölle
    Jetzt sitzen wir am Lake Wairarapa. Schönes Wetter, aber Wellington ist bekannt als windigste Stadt der Welt.
    Durchschnittliche Jahres Windgeschwindigkeit: ca. 25 km/h. ( Bern ca. 7km/h)

    Ob das 3-Wetter-Taft die Haare hält?
    Ob Lisa in den nächsten Tagen vom Winde verweht wird?
    Wir werden es sehen.
    Read more

  • Tag 20: Guätä Rutsch mir si im Bett

    December 31, 2025 in New Zealand ⋅ 🌧 20 °C

    Neuseeland rennt, wir hinken hinterher
    20 Tage Neuseeland, und unser Camper-Kalender behauptet steif und fest, es sei der 31.12. – ein Datum, das ungefähr so realistisch ist wie ein ruhiger Abend mit vier Kindern.
    Trotzdem: Guten Rutsch, gute Gesundheit, gute Träume. Und falls ihr welche übrig habt, schickt sie uns, wir brauchen Nachschub.

    ---

    🏃‍♂️ Delfine? Nein. Jogger in Panikmodus
    Ich wollte am Morgen Delfine sehen.
    Bekommen habe ich: GP-von-Bern-Jogger in ihrem natürlichen Habitat.
    Laufstil: «Ich bereue alles.»
    Ausrüstung: «Ich habe gestern noch schnell alles bei Ochsner Sport gekauft.»
    Energielevel: «Ich sterbe gleich, aber immerhin in Funktionskleidung.»

    ---

    🛠️ Fenster-Drama mit Familienorchester
    Während Lisa ihre letzten Höhenmeter für 2025 sammelte, kämpfte ich mit einem Camperfenster, das sich benahm wie ein Teenager: es klemmte, zickte und wollte nicht mit mir reden.
    Etienne schraubte, Liina hielt, Maxime verschwand auf einen Hügel, und Sanna beschallte das ganze Quartier mit Musik, die vermutlich sogar die Delfine vertrieben hat.
    Nach einer Stunde YouTube und einer halben Dose WD-40 war das Fenster repariert – und ich roch wie ein frisch geölter Traktor.

    ---

    🚴‍♀️ Familien-Boring-Level: EXPERT
    Wir sind inzwischen so super boaring, dass Maxime im Camper Liegestütze macht, als würde er sich für die Schweizer Armee bewerben.
    Lisa fotografiert wie immer ihr Rennrad. Nein, sie verkauft es nicht. Nein, ich kenne den Namen noch immer nicht.
    Aber: Das Rennrad hat jetzt eine eigene Decke und einen Regenmantel.
    Ich habe langsam Angst, dass das Rennrad bald im Camper auf meinem Platz schläft – und ich hinten auf der Anhängerkupplung.
    Wenn es soweit ist: please donate.
    (Am liebsten in Form eines Hotels mit Sauna)

    ---

    🏊‍♂️ Schwimmbad & Sauna – die Vorhölle der Männergespräche
    In Palmerston North landeten wir im Schwimmbad: Kids rutschten, Lisa schwamm, ich suchte die Sauna auf – den einzigen Ort, an dem Männer schweigen könnten, es aber nie tun.

    ---

    🔥 Die Sauna – wo die Schwerkraft gewinnt
    Vier Männer, 90 Grad, null Schamgefühl.
    Der Jüngste flüchtete schnell – vermutlich wollte er nicht sehen, wie die Schwerkraft bei uns Älteren wirkt.
    Die anderen zwei begannen sofort zu erzählen:
    Arbeit sucks.
    Koch sein sucks.
    Fabrik sucks.
    Leben sucks.
    Ich sass da, schweissnass, und dachte: «Ihr habt keine Ahnung, wie sehr ein Camperfenster sucks.»

    Als ich erwähnte, dass ich aus der Schweiz komme, wurde es still.
    Sie schauten mich an, als hätte ich gerade gesagt, ich würde jeden Morgen auf einem goldenen Fondue-Set meditieren.
    Ab diesem Moment war ich für sie der mystische Alpen-Milliardär, der sich aus purer Nächstenliebe in eine Kiwi-Sauna setzt.
    Read more

  • Tag 19 – Pinguin‑Playback and Chess ♟️

    December 30, 2025 in New Zealand ⋅ 🌧 17 °C

    Heute Morgen, nach einer Nacht, mit wenig Schlaf sind wir aufgestanden – und gleich wieder umgefallen. Der Camper hat sich angefühlt wie eine Tropfsteinhöhle . Trotzdem haben wir uns ins Aquarium von Napier geschleppt, um etwas NMG‑Unterricht zu simulieren.

    Zuerst stand die Fütterung der kleinen Pinguine an. Zwei Personen waren involviert:
    1. Eine, die kommentiert.
    2. Eine, die die Ration verteilt.

    Das Gehege war ungefähr so grosszügig wie unser Camper – also eher ein Tiny Home für Vögel mit Smoking.

    Die kommentierende Dame war eine Naturgewalt. Sie hat gesprochen wie Marco Fritsche der bei "Bauer ledig sucht" versucht ein Pony mit einem Meerschweinchen zu verkuppeln: ohne Punkt, ohne Komma, ohne Sauerstoffzufuhr. Nach zehn Minuten habe ich Lisa gefragt, ob das eine Mini‑Playback‑Show sei und im Hintergrund einfach ein Band läuft. Ich habe ehrlich erwartet, dass sie wegen akutem O2 Mangel ohnmächtig wird und direkt ins Pinguinbecken kippt.

    Trotzdem habe ich zwei Take‑aways mitgenommen:

    1. Meine morgendlichen Gesänge:
    «Höret jetzt uf stürmä...uuuufstaaaah...äs het gnueg Gipfel für alli...äs wird jetzt gässä und nid i 5 Min. no einisch, nachdem mir alles uufgruumet hei!»
    Das nehme ich künftig als Sprachmemo auf und spiele es jeden Morgen ab. Spart Energie, Nerven und Lungenvolumen.

    2. Weniger ist mehr:
    Von allem, was sie erzählt hat, blieb bei mir hängen:
    Pinguine sind schwarz, schön und essen Fische.
    Das reicht für die Prüfung.

    ---

    🛒 Wassermelonen‑Gate
    Nach dem Aquarium ging es weiter zum Einkaufen. Wir sind inzwischen so im Standardprogramm gefangen, dass wir uns selbst recyceln. Gestern Schwimmbad, heute Aquarium – und dann fällt uns auf: Genau das haben wir vor sieben Jahren in exakt derselben Reihenfolge gemacht.

    Entweder drängt uns das schlechte Wetter in alte Muster oder unser Gehirn besteht langsam zu mehr als 80 % aus H2O.

    Heute haben wir eine grosse Wassermelone gekauft. Beim Einräumen haben wir festgestellt:
    Wir hatten bereits eine im Camper.

    Der Camper ist nicht gross genug, um zwei Wassermelonen zu verstecken. Eine davon wird uns irgendwann beim Bremsen erschlagen.

    ---

    🌫️ Nebel, Delfine und Waterboarding light
    Wir sind dann weitergefahren, weg vom Touri‑Trouble in Napier an einen Ort, wo nicht viel läuft – ausser vielleicht Delfine.

    Die Nacht war so kalt, windig und nass, dass selbst die Locals gesagt haben: «Jep, das isch jetzt aber scho rächt garstig.» Die Luftfeuchtigkeit war so hoch, dass es sich tropisch warm angefühlt hat, obwohl wir eigentlich hätten erfrieren sollen.

    Lisa war froh, wieder einmal die Beine zu bewegen, also haben wir sie in den Nebel geschickt zum Rennradfahren. Wir konnten noch nicht darüber sprechen, wie es war, weil die Kinder aktuell sehr needy sind.

    Ich bin später rennen gegangen – in absoluter Einöde – und hatte das Gefühl, mit Waterboarding gefoltert zu werden. Nur ohne Brett und ohne CIA, aber mit 100 % Feuchtigkeit.

    ---

    🐬 Baywatch im Nebel
    Angekommen an einem Ort, den wir wegen des Nebels nicht sehen konnten (im Prospekt war er schön, das muss reichen), standen Lisa und Liina am Strand und haben Delfine gespottet wie zwei Baywatch‑Girls. Es hat nur noch das rote Badekleid gefehlt.

    Währenddessen war ich drinnen mit Maxime Schach spielen.

    ---

    ♟️ Schach, Stolz und Schummeltricks
    Ich bin nicht der Vater, der in seinen Kindern sofort Weltmeister sieht, nur weil sie einmal aufs Häfi gemacht haben.

    Aber der kleine, schlaue, siebenjährige Fuchs hat mich heute abgetrocknet. Ich habe ihn unterschätzt, und meine offensive Spielweise war ungefähr so erfolgreich wie ein Regenschirm im Orkan.

    Als ich dann die anderen Kids herausgefordert habe, kam er immer wieder mit schlauen Ideen. Das muss er von der Mama haben.

    Damit ich doch noch einmal gewinnen kann, werde ich – wie gegen Sanna – die Schummeltricks auspacken müssen.
    Man muss ja seine Würde irgendwie retten.
    Read more

  • Tag 18: Stormy weather

    December 29, 2025 in New Zealand ⋅ 🌧 16 °C

    🌧️ Regen, Regen, nochmals Regen
    Aufgewacht vom sanften Trommeln der Regentropfen auf dem Camperdach – also eigentlich eher vom Presslufthammer‑ähnlichen Dauerprasseln, das uns den ganzen Tag begleiten sollte. Wir haben gerade noch ein Zeitfenster zum Dumpen erwischt, bevor der Himmel endgültig beschloss, sämtliche Ozeane der Südhalbkugel über Taupō auszuschütten.
    Die Stimmung im Camper war entsprechend: ungefähr so turbulent wie die Windböen draussen.

    ---

    🚴‍♀️ Lisa, die Anti‑Radfahrerin des Tages
    Lisa wollte heute nicht radfahren. Punkt.
    Ich habe alles versucht: Charme, Überredung, subtile Manipulation, weniger subtile Manipulation – nichts. Selbst mein Angebot, dem Schnorchel und Taucherbrille hinter her zu schwimmen (ein romantisches Angebot, wie ich finde), wurde abgelehnt.

    Stattdessen entschied sie sich für ihr zweites grosses Hobby: Waschen.
    Für alle, die Lisa nicht so gut kennen: Sie liebt es, unsere Wäsche zu waschen, zu trocknen und zusammenzulegen. Gäbe es eine olympische Disziplin „Laundry Triathlon“, sie wäre Weltmeisterin, Rekordhalterin und mehrfache Olympiasiegerin.

    Und ja, diesen Erfolg hätte sie auch uns Schmutzfinken zu verdanken.
    Ein Paradeexemplar unserer Familie benötigt pro Tag mehr Unterhosen als ein Teenager im ersten Liebesurlaub.
    Ein anderes Exemplar trocknet sich nach dem Schwimmen mit frisch gewaschenen Duschtüchern die Füsse und den kompletten Boden des öffentlichen Schwimmbads.

    Wir züchten jetzt offiziell pazifische Fusspilze.
    Wenn sie irgendwann laufen können, melden wir sie bei „Switzerland’s Got Talent“ an.

    ---

    🍟 McDonald’s – Survival
    Nach dem Waschen wollten wir die Stimmung heben.
    Also ab zu McDonald’s, dem Ort, an dem Kalorien geboren werden.

    Taupō war so überfüllt wie Ischgl beim Season Opening in der Trofana Alm, sobald der DJ die ersten Hits aus der Kategorie „Möbelstücke der 70er“ auflegt und plötzlich alle glauben, sie seien eine Lavalampe.

    Google warnte uns mit „Busy Area“, was in Wahrheit bedeutet:
    „Geh nicht hin, du Idiot.“

    Wir gingen trotzdem.

    Lisa blieb im Waschsalon und trainierte (also: wusch), während wir uns in die McDonald’s‑Hölle wagten.
    Schon beim Betreten wünschte ich mir kurz die COVID‑Schilder zurück:
    „Bitte bleiben Sie zuhause.“
    Ja. Bitte. Alle.

    Dann der Touchscreen.
    Ein Bildschirm, der aussieht, als hätte ein Kindergarten nach dem Schoggifondue darauf herumgetatscht.
    Nach 100 Klicks, 17 „Nein, ich will keine Combo“, 12 „Nein, ich will keinen Sundae“ und 8 „Nein, ich will wirklich KEINEN Good Deal“ war die Bestellung endlich durch.

    Ich bekam keine Quittung.
    Der Mitarbeiter meinte nur: „Wenn Ihre Nummer kommt, holen Sie’s einfach.“
    Aha.
    Ich fühle mich wie ein Schwarzfahrer im Fast‑Food‑Express.

    Hinter mir standen hungrige Gestalten, die aussahen wie Elefanten und Nilpferde im Winterschlafmodus.
    Ein besonders schönes Exemplar atmete mir in den Nacken – warm, feucht, intensiv.
    Ich wich jedes Mal ein Stück nach vorne aus.
    Nach dem dritten Mal stand ich praktisch schon im Fritteusenöl.

    Zum Glück kam meine Nummer.
    Sonst wäre ich heute entweder überrannt oder verzehrt worden.

    ---

    🚗💨 Fahrt nach Napier – Der Wind will uns töten
    Die Fahrt nach Napier war ein Erlebnis.
    Es regnete so stark, dass selbst der Scheibenwischer kurz resigniert hat.
    Dazu Windböen von über 100 km/h, die uns seitlich erwischten wie ein schlecht gelaunter Sumoringer.

    Zum Glück sind die Strassen hier breit.
    Wenn dich eine Böe erwischt, wirst du 3–4 Meter versetzt, aber hey – wenigstens bleibst du noch auf der Strasse und landest nicht im nächsten Kiwi‑Schutzgebiet.

    ---

    🏊‍♂️ Napier Indoor Pool – Unsere Rettung
    Endlich angekommen.
    Ich habe im "bisiwarmen" Wasser gechillt, die Kids haben die Rutschbahn zerlegt, und Lisa trainierte für ihr neues Geheimprojekt.

    Sobald es offiziell ist, erfahrt ihr es hier zuerst.
    Vielleicht habt ihr per PN bei Lisa mehr Erfolg – ich bin nur der Mann, nicht der Pressesprecher.
    Read more

  • Tag 17: Rotorua Lakes District

    December 28, 2025 in New Zealand ⋅ ☁️ 16 °C

    🌋 Auf dem Pulverfass

    Nachdem wir quasi wortwörtlich auf einem Pulverfass geschlafen haben – Luftlinie etwa 500 m vom Lady-Knox-Geysir entfernt – wachten wir erstaunlich unverkohlt auf. Unser Stellplatz lag hinter einer Taverne, die aussah, als hätte jemand versucht, ein Haus aus Holz und Blech zu bauen, aber nach der Hälfte fand: «Ja das isch öpä scho guet.»
    Rund um Rotorua sehen viele Immobilien so aus. Vermutlich, weil alle insgeheim damit rechnen, dass der Vulkan sowieso bald wieder ausbricht und man dann gratis renovieren darf. Der letzte Ausbruch ist 20 000 Jahre her – rein statistisch wäre er also überfällig, wie ein Zahnarzttermin.
    Nein, Spass beiseite: geologisch spannend, aber absolut ruhend.

    ---

    🛂 Check-in wie am Flughafen

    Im Touristenzentrum von Rotorua haben wir dann Tickets online gelöst und eingecheckt wie am Flughafen. Nur dass es statt Boarding-Pass einen Stempel wie an einer Ü40-Party gab. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass wir tatsächlich auf einer Art Massenveranstaltung landen würden, irgendwo zwischen «Naturwunder» und «Black Friday».

    ---

    🧼 Der Geysir, der mit Seife explodiert

    Der Lady-Knox-Geysir wird nämlich jeden Tag um 10:15 künstlich mit Seife gezündet.
    Ja, richtig gelesen: Seife.
    Der Geysir ist quasi der einzige Ort der Welt, an dem man mit Hygieneartikeln eine Explosion auslösen kann. Irgendwie muss man die Touristen ja früh aus den Federn locken.

    Wir waren antizyklisch unterwegs, also viel zu früh dort, parkierten unten, lösten das Ticket online und sprinteten zu Fuss nach oben. Liina vorneweg wie ein junges Reh, der Rest hinterher wie eine mittelmotivierte Wandergruppe.

    ---

    🕰️ Die Schlange des Grauens

    Oben erwartete uns eine Schlange wie vor einem Swatch-Store, wenn es schneit und eine limitierte Mond-Uhr erscheint. Sobald Exklusivität im Spiel ist, verlieren Menschen jede Form von rationalem Denken.
    Wir sind dann winkend an der Schlange vorbeimarschiert. Etienne hat allen zugewinkt wie Prinz Charles auf dem Balkon.
    Zum Glück lagen keine Steine herum – sonst wären wir gesteinigt worden.

    Die asiatischen Touristen hatten ihre Selfiesticks bereits auf uns gerichtet, und zwar in einer Länge, die an den Stab von Hochspringer Armando Duplantis erinnerte.

    ---

    📸 Warten wie bei einer religiösen Zeremonie

    First come, first serve – wir ergatterten die letzten guten Plätze. Die Arena war schon voll, als wir ankamen.
    Dann begann das epische Warten.
    Die gesamte Menschenmenge stand da, Handys erhoben wie bei einer religiösen Zeremonie. In der Zeit, in der wir warteten, hätte Duplantis mindestens acht Weltrekordversuche durchführen können – zwei davon rückwärts.

    Die Arena wurde immer voller. Wäre eine Massenpanik ausgebrochen, hätte das verheerende Ausmasse angenommen. Es gibt nämlich nur einen einzigen Zugang, der ungefähr so breit ist wie ein Toaster.
    Ich habe dem Betreiber gleich eine Mail geschrieben und vorgeschlagen, allen Selfiesticks zu verteilen: perfekt zum Fotografieren, ideal um Touristen auf Distanz zu halten – und im Notfall hervorragend geeignet, um über die Menge hinwegzuspringen.

    ---

    🪄 Die Show, die schneller vorbei war als Gratis-Bier

    Nach 30 Minuten Verspätung kamen dann drei Maoris auf die Bühne, als wären sie überpünktlich. Sie erzählten die Geschichte des Geysirs, wie er zu seinem Namen kam und wie man herausfand, dass er mit Seife ausbricht. Der Moderator zog das Ganze noch einmal in die Länge.
    Die Zuschauer waren inzwischen leicht gereizt, weil sie seit über 40 Minuten das Handy in die Höhe hielten.
    Nach fünf Minuten brennt der Arm.
    Nach 40 Minuten beginnt man, über Amputationen nachzudenken.

    Dann – endlich – kam die Show.
    Und sie war so schnell vorbei wie ein Gratis-Bier an einem Openair.

    Wir sprinteten danach nach unten, um die Fotos von vor sieben Jahren zu wiederholen. Diesmal ohne Huawei-Beauty-Filter. Die sieben Jahre haben Spuren hinterlassen, aber nicht so, als wäre ich von einer Kuh wiedergekäut worden.
    Eher so, als hätte mich die Kuh nur kurz angeleckt.

    ---

    🏞️ Taupō und die Kugelstösserin

    Nach Rotorua ging es weiter nach Taupō an den riesigen See. Unsere charmante Nachbarin dort sah aus wie die amerikanische Kugelstösserin Chase Jackson – inklusive Oberarmumfang und Ausstrahlung. Sie hatte sogar ihre Wellensittiche dabei.

    Ich ging mit den Kindern kurz fragen, ob wir die Vögel fotografieren dürfen. Lisa hat sich vorsorglich in sicherer Distanz gehalten – vermutlich, weil sie mich nicht verteidigen wollte, falls ich von der Nachbarin spontan in den See katapultiert werde.

    Zum Glück waren sie sehr freundlich und haben mir sogar Tipps für Rumpf-Übungen gegeben. Ich habe höflich genickt und gehofft, dass sie nicht erwartet, dass ich sie sofort demonstriere.
    Ich wollte nicht riskieren, dass sie mich als Hantel benutzt.
    Read more

  • Tag 16: Rotorua mit Wellness

    December 27, 2025 in New Zealand ⋅ ☁️ 16 °C

    ⚡️ Nacht beim Elektrizitätswerk – Horrorfilm-Level 3
    Die Nacht neben dem Elektrizitätswerk war so unheimlich, dass selbst ein Tesla daneben nervös geflackert hätte. Links der Fluss, rechts das Gas- und Kohlekraftwerk, und wir mittendrin wie eine Familie, die in einer «Drei ???»-Folge mitspielt, aber leider ohne Gage.
    Nach über zwei Wochen im Camper habe ich so viele Mördergeschichten der Kinder gehört, dass ich beim Einschlafen länger brauche als ein SBB-Fahrplan-Update.
    Immerhin war ich bereit für den Nahkampf – wir spienzeln ja mit Lisas Rennrad hinten am Camper herum wie ein perfekt platzierter Köder für Velodiebe mit Vitamin-D-Mangel.

    ---

    🚐 Fahrt nach Rotorua – wenn das Wetter sagt: «Bleibt im Auto!»
    Janu, alles gut gegangen. Wir sind unbeschadet Richtung Rotorua gefahren.
    Wenn das Wetter nicht mitmacht, ist «fahren» die Lösung Nummer 1.
    Die Kinder haben das akzeptiert, weil sie im Camper sowieso leben wie in einer WG ohne Regeln, aber mit Snacks.

    ---

    🌋 Heisse Quellen & der ewige Furzprozess
    In Rotorua angekommen, hat uns der Schwefelgeruch schon beim Aussteigen begrüsst.
    Im Camper lief gleichzeitig wieder die grosse Gerichtsverhandlung: Wer hat gefurzt?
    Wenn niemand gefunden wird, ist es automatisch der Papa.
    Weil Papa angeblich seine eigenen Flatulenzen gerne riecht.
    Natürlich nur die eigenen – wir sind ja nicht komplett degeneriert.

    Ich habe mir dann gedacht: Als Vater in Rotorua zu leben wäre genial.
    Man kann überall pupsen, und alle denken: «Ah ja, die Quellen halt.»

    ---

    🦶 Fussbäder – oder: Fusspilz im Multipack
    Wir bestaunen die dampfenden Quellen, bis ich die Fussbäder sehe.
    200 Touristenfüsse drin.
    Ich habe die Kinder sofort angebrüllt wie ein übermotivierter Skilehrer:
    «Füsse NICHT rein! Ausser ihr wollt Fusspilz to go!»
    Ich hatte keine Lust, Lamisil zu kaufen.
    Vor allem nicht, wenn Turbo-Max nachts wieder bei uns schläft und ich seine Füsse im Gesicht habe.
    Den Kopf streckt er ja immer schön zu Mamma – logisch, Papa ist nur das menschliche Fusskissen.

    ---

    🏊 Schwimmhalle – Bernaqua würde weinen
    Eintritt für die ganze Familie: 17 CHF.
    Im Bernaqua reicht das nicht mal für die Parkuhr.
    Ein Becken war so warm wie die Quellen, das andere ein verkürztes Schwimmerbecken.
    Ich habe eine Schwimmbrille gefunden und beschlossen, etwas für meine Fitness zu tun.

    Ich habe alles gegeben – aber gemerkt, dass die Nilpferde im Aqua-Fit mit Schwimmgurt fast gleich schnell waren wie ich.
    Janu, Training zählt. Auch wenn ich für 20 Meter so viele Bewegungen brauche wie ein Kolibri auf Red Bull.
    Sanna hat mir dann noch gezeigt, wie man richtig schwimmt.
    Der Bademeister hat mir zugezwinkert, so nach dem Motto:
    «Lass sie nur machen, sie hat recht.»

    Ich habe mich eine Stunde über Wasser gehalten, während Lisa Ninja-Warrior-Kids betreut hat und im Bisi-Wasser gechillt hat wie eine Wellness-Influencerin.

    ---

    🕵️‍♂️ Der vermeintliche Velodieb – mein olympischer Fehlstart
    Zurück auf dem Parkplatz.
    Wir stellen den Camper immer ganz hinten hin, weil dort immer frei ist – vermutlich, weil Neuseeländer nicht gerne laufen.
    Als ich um die Ecke komme, sehe ich jemanden um unseren Camper schleichen.
    Ich denke sofort: «Aha! Der Köder (Rennrad) hat funktioniert!»
    Ich renne los wie ein mittelmässig trainierter Gepard, Etienne hinterher.

    Hinter dem Camper: Fehlalarm.
    Das Velo noch dran.
    Der «Verdächtige» einfach am Telefonieren.
    Er grüsst freundlich.
    Ich grüsse zurück und falle dabei direkt ins Fettnäpfchen, das ich selber aufgestellt habe.

    ---

    🥒 Abendessen & Wellness – Gurke muss sein
    Jetzt wird Nachtessen gekocht, und die Girls machen Wellness.
    Gurkenscheiben im Gesicht, als wären wir im Spa und nicht auf einem Parkplatz in Rotorua.
    Aber hey – Hauptsache, alle sind happy und niemand furzt.
    Read more