• Inge Hohmeier
  • Inge Hohmeier

Von Afrika nach Europa

Pengembaraan 365hari oleh Inge Baca lagi
  • Uganda

    13 Februari 2023, Uganda ⋅ ⛅ 29 °C

    Uganda, ein wunderbar grünes Land am Äquator, fasziniert uns von der ersten Stunde durch seine Vielzahl an exotischen Tieren ( Schimpansen, seltene Vogelarten und Berggorillas) und Pflanzen, die im restlichen Afrika kaum zu finden sind.

    Hier trifft die ostafrikanische Savanne auf den zentralafrikanischen Regenwald, weshalb sich uns atemberaubend schöne und unglaublich vielfältige Landschaften bieten.

    Die Lage am Äquator sorgt in Uganda ganzjährig für ein gemässigt-tropisches Klima. Dank der Höhenlage wird es nicht so heiß wie in anderen Ländern Ostafrikas.
    Temperaturen zwischen 25° und 30° C am Tag sind üblich, nachts kann man bei kühlen 18° C wunderbar schlafen.

    Uganda grenzt im Norden an den Südsudan, östlich an Kenia, südlich an Tansania und Ruanda und westlich an die Demokratische Republik Kongo. Seine Hauptstadt ist Kampala.

    Wir sind neugierig und gespannt auf tiefblaue Seen ( allen voran der weltbekannte, riesige Victoria Lake), weite Savannen, mystische Sumpfgebiete, mächtige Wasserfälle, immergrüne Regenwälder und das Ruwenzori-Gebirge mit seinen schneebedeckten Gipfeln .......... wunderbare Schätze Ugandas, die dazu führten, dass einst Winston Churchill das Land als „Die Perle Afrikas“ adelte.
    Trotz all der Schönheiten gehört auch Uganda zu den ärmsten Ländern der Welt.

    Nach dem unvergesslichen Erlebnis mit den Berggorillas fahren wir nahe der Stadt Fort Portal zu einem bei Overlandern beliebten Campingplatz: Kluges Guesthouse.
    Dort erwartet uns das
    Paradies: Ein bunter wunderschön angelegter, gut gepflegter Garten, saubere Sanitäranlagen, in denen man sich nicht einmal Badeschuhe zum Duschen anziehen muss, ein Swimmingpool mit klarem Wasser und ein Restaurant mit super leckerem Essen. Geführt von einem Deutschen.......man merkt das an allen Ecken.
    Wir werden empfangen wie Alt Vertraute, allein aus dem Grund, weil der Besitzer mit guten Bekannten von Karola und Kai aus Namibia befreundet ist.
    Es findet sich Zeit, die Camper aufzuräumen, Dinge zu sortieren und sich um die Wäsche zu kümmern.
    Hier gibt es zum 1. Mal seit einem halben Jahr eine Waschmaschine, mit der man bei 60 Grad waschen kann.
    Alles ist danach wunderbar sauber, die Farben leuchten wie neu und es duftet so herrlich, dass ich nicht aufhören kann, an der Wäsche zu riechen. Unglaublich, über welche banalen Dinge man sich freuen kann wie ein Kind!

    Auch die Küche bei Stefan, so heißt der Besitzer,
    ist ein Traum!!! Wir genießen das Essen wie Könige ihr dargebotenes Mahl. Allein die Fritten sind so köstlich, dass selbst Belgier, anerkannte Pommes Spezialisten, bei ihrem Verzehr neidisch werden würden. Und für mich bereitet der Chef sogar persönlich Käsespätzle zu.... die ersten seit einem halben Jahr. Ich genieße jede einzelne, selbst gefertigte Nudel.
    Am 2. Tag unseres Aufenthaltes steht die Inspektion der Autos auf der To Do Liste.
    Nach knapp 20.000 Kilometern auf teilweise übelsten Pisten müssen wichtige Teile geprüft, gesäubert oder ersetzt werden.
    Robert und Beate, Kais Freunde aus Namibia, haben die herausfordernde Aufgabe angenommen, eine Autowerkstatt für Ausbildungszwecke wieder auf Vordermann zu bringen. Sie war vor 40 Jahren von Deutschen eröffnet und finanziert worden. Im Laufe der letzten Jahre lief die Werkstatt immer schlechter, total unorganisiert und wenig bis gar nicht effektiv.
    Deshalb war man an Robert heran getreten mit der Frage, ob die Beiden kein Interesse haben, die herunter gekommene Garage wieder aufzubauen. Und so kam es, dass Robert und Beate ihre Zelte in Namibia abbrachen, Haus und Hof verkauften und nach Uganda zogen, um dort dieses unglaubliche Projekt zu wagen. Insbesondere, nachdem wir jetzt einen Tag einen kleinen Einblick in das bestehende Chaos werfen konnten, kann man vor den Zweien nur den Hut ziehen und ganz viel Glück wünschen.
    Auf jeden Fall führen Robert und seine Angestellten gründliche Prüfungen und notwendige Reparaturen bzw Wartungsarbeiten an unseren Autos durch, so dass wir hoffentlich die nächsten Kilometer pannenfrei weiterfahren können.
    In Fort Portal stocken wir unsere Lebensmittelvorräte wieder auf, und ich statte der lokalen Apotheke noch einen Besuch ab.
    Stefan hatte mir eine gute Insektenstichsalbe empfohlen, von der ich mir gleich 3 Tuben kaufe.
    Mein ganzer Körper ist so von Stichen und Bissen malträtiert, dass ich aussehe wie ein Streuselkuchen. Ich könnte ohne weiteres als Anschauungsobjekt für angehende Hautärzte fungieren. Es gibt die verschiedensten Arten von Wunden: Ttetse Fliegen, Moskitos, Spinnen und wahrscheinlich Floh- und Läusebisse. Unterschiedliche Tiere, unterschiedliche Verletzungen und unterschiedliche Stadien von Verwundungen: ganz frische, noch blutende, ältere, verkrustete, erneut aufgekratzte, entzündete, fast verheilte, stecknadelkopfkleine, großflächige; welche, die sich inzwischen vom vielen Kratzen in blaue Flecke verwandelt haben, weiche, harte und sogar eitrige.
    Eins haben alle gemeinsam: Sie stören und nerven ungemein und die meisten tun höllisch weh, einige sogar noch nach Wochen.

    Obwohl ich die einzige bin, die extra bissfeste Kleidung im Internet bestellt hat, werde ich jeden Tag aufs Neue zum Opfer der blutsaugenden Monster.
    Ich habe alles probiert: einsprühen, eincremen, ständig Waschen , ab und zu bis so gut wie gar nicht waschen.....alles in der Hoffnung, dass sie irgendwie abgeschreckt werden.
    NICHTS HILFT.
    Ich kann nicht mehr.
    Ich weiß auch nicht genau, seit wann es so ganz extrem geworden ist.
    Könnte es mit unserem Gorillabesuch zu tun haben? Irgendwie habe ich den Verdacht, dass meine Kratzbewegungen und Gesten, das Ungeziefer los zu werden, denen der Affen besorgniserregend ähnlich sind. Hat mir die Nähe zu ihnen
    vielleicht doch nicht so gut getan?

    Ihr merkt, inzwischen spielt sich die ganze Sache bei mir nicht mehr nur körperlich ab, sondern vor allem psychisch. Schon beim leisesten Summen oder zartesten Gekrabbel schiebe ich Panikattacken, die schon hysterische Ausmaße haben. Ich springe auf, laufe orientierungslos im Kreis herum und schlage wild um mich.
    Mein Lieblingsgeräusch ist inzwischen nicht mehr das Öffnen einer eiskalten Coladose, sondern das Zischen und Knallen auf meinem elektrischen Schläger, wenn ich einen Moskito kille.
    Nie hätte ich gedacht, dass es einmal so weit mit mir kommen würde. Keiner Fliege konnte ich etwas zuleide tun.
    Aber ich bin echt am Ende .
    Nur ein toter Moskito ist ein guter Moskito😬
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  • Der schwierige Weg nach Hause

    16 Februari 2023, Uganda

    Als wir unsere große Reise planten und uns schließlich auf den Weg machten, hatten wir einigermaßen konkrete Vorstellungen von der Route.
    Alle Länder, die wir in Afrika bereisen wollten, haben wir besucht - bis auf Kenia.
    Dorthin fahren wir im März, also nächsten Monat.
    Im Anschluss an den afrikanischen Kontinent gab es zunächst den folgenden Plan:
    Wir verschiffen von Mombasa in Kenia in den Oman.
    Von dort sollte es weitergehen über Dubai und den Iran in die Türkei .
    Als die Unruhen Ende vergangenen Jahres im Iran begannen, änderten wir unseren Plan.
    Jetzt sollte die Route über Äthiopien und den Sudan nach Saudi-Arabien gehen. Von dort aus nach Jordanien und schließlich über Israel in die Türkei.
    Das Vorhaben wurde in zweierlei Hinsicht vereitelt: In Äthiopien erließ man Anfang des Jahres- so mir nichts dir nichts- ein neues Gesetz, demzufolge Carnets von Touristen nicht mehr akzeptiert wurden.
    An der Grenze wurde statt dessen der Wert des Fahrzeuges geschätzt. Der gesamte Betrag sollte dann in US Dollar bar hinterlegt werden und beim Verlassen des Landes in Landeswährunng, also äthiopischem Geld wieder ausgezahlt werden. Abgesehen davon, dass kein Schwein 60.000 US Dollar bar mit sich herumträgt. Was bitte soll man mit 60.000 Dollar in äthiopischer Währung machen? Die will kein Mensch auf der Welt haben.
    Das zweite Problem sollte Kais rechts gesteuertes Auto sein.
    In Saudi-Arabien darf man mit einem solchen Fahrzeug nicht einreisen.
    Plan C sah dann folgendermaßen aus: Verschiffen der Fahrzeuge in den Oman und ein zweites Verschiffen vom Oman in die Türkei. Die Kosten von mindestens 10.000 Euro für diese Variante ließen das Vorhaben platzen.

    Schlussendlich entschieden wir uns für die letzte Variante D: Verschiffen von Mombasa in die Türkei.
    Konkrete Angebote von Reedereien lagen vor, der Termin stand schon fest.
    Dann kam das verheerende Erdbeben in der Türkei.
    Was nun?
    Wir sind auf Stand Null zurück geworfen und völlig ratlos.
    Seit Tagen telefonieren wir mit Agenten diverser Reedereien, schreiben Mails und schicken Anfragen in verschiedene Länder.
    Nach Hause zu kommen scheint ein Riesenproblem zu werden.
    Andere Overlander, die wir getroffen haben, entschieden sich aufgrund dieser enormen Schwierigkeiten zurück nach Südafrika zu fahren, um von dort wieder nach Antwerpen zu verschiffen.
    Für mich klingt es wie ein Albtraum, erneut durch ganz Afrika zu fahren - dieses Mal von Norden nach Süden.
    So sitzen wir ununterbrochen vor dem Laptop und am Telefon auf der Suche nach einem guten und sicheren Weg, nach Hause zurückzukehren.
    PLEASE KEEP YOUR FINGERS CROSSED FOR US🤞🙏✊️

    Das Titelbild des Blogs ist dann auch eher Wunschdenken als Realität
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  • Rwenzori und Semiliki Nationalpark

    17 Februari 2023, Uganda

    An der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo öffnet der fast 1000 Quadratkilometer große Rwenzori Nationalpark seine Pforten. Von allen hohen Gebirgen Afrikas ist es das Einzige nicht vulkanischen Ursprungs.
    Es stellt insofern eine geologische Besonderheit dar, als hier ein Bruch innerhalb einer Kontinentalplatte entstand, wodurch sich der Ostafrikanische Graben als ein Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs abspaltete.

    Der Name des Rwenzori Nationalparks bedeutet in der Sprache der Einheimischen "Regenmacher“, denn die bis zu 5.190 Meter hohe und fast 50 Kilometer breite Gebirgskette gehört zu den regenreichsten Gebieten Afrikas. Kein Wunder, dass sich die gesamte Region in einem üppigen Grün in allen Nuancen darbietet.

    Der Semliki-Nationalpark,
    unser heutiges Ziel, liegt nördlich des Ruwenzori-Gebirges und südlich des Albertsees. Er umfasst einen Ausläufer des Ituri-Regenwaldes, der sich zum größten Teil im Kongo befindet.

    Der Park wurde 1932 gegründet, als man die Bewohner der Walddörfer zum Schutz vor der Schlafkrankheit und Gelbfieber evakuieren musste. Viele Jahre später, 1993, wurde das Reservat zum Nationalpark erklärt.

    Zentrum des Parks und die Hauptattraktion sind zwei heiße Quellen, die kochendes Wasser an die Erdoberfläche befördern. Sie werden als männliche und weibliche Quellen bezeichnet und sind die berühmtesten in ganz Uganda.

    Besonders die weibliche, die im hohen Bogen bis zu 103 Grad heiß
    sprudelndes Wasser aus dem Erdinneren spuckt, ist wirklich spektakulär schön.
    Die Einheimischen halten die Quellen für heilig und glauben, dass in ihnen die Seelen ihrer männlichen und weiblichen Vorfahren leben. Aus diesem Grund veranstalten sie dort jährliche Feiern.
    Hier schenken sie den Göttern Opfergaben, um sie freundlich zu stimmen und so Dürren und andere Katastrophen abzuwenden.
    Darüber hinaus beten schwangere Frauen für eine einfache Geburt und diejenigen, die noch keine Kinder haben, bitten um Fruchtbarkeit.

    Ähnlich führen Männer Rituale durch, um die Götter zu besänftigen, aber vor allem, um Reichtum zu erlangen.
    Sie bringen Opfer in Form von Münzen, die in die Quelle geworfen werden und geschlachteten Tieren, so erklärt es unser Führer Patrick.
    Bei uns will das Ritual nicht den gewünschten Erfolg bringen. Statt uns mit Reichtum zu überschütten, will der Guide für diese minimalistische Führung 35 USD von jedem einzelnen von uns haben.
    Irgendwas ist falsch gelaufen 😬🥺

    PS
    Vielen lieben Dank euch allen für eure guten Wünsche für unsere Heimkehr nach Europa ❤️❤️❤️
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  • Murchison-Wasserfälle

    19 Februari 2023, Uganda

    Der Murchison Falls Nationalpark ist ca 3.840 Quadratkilometer groß und wird vom Nil in zwei Teile geteilt. Die Vielzahl an unterschiedlichen Tierarten macht diesen Park besonders beliebt.
    Heute buchen wir eine Bootstour auf dem Nil zu den Murchison Falls, die sich im westlichen Teil des Parks befinden und denen der Park seinen Namen verdankt.
    Auf dem Weg dorthin tuckern wir am Ufer entlang und haben das Glück, Antilopen, Elefanten, zwei Giraffen, Störche, Krokodile und jede Menge Hippos zu sehen.

    Nach einer Fahrt von gut 1 Stunde bemerken wir zunächst vereinzelte Schaumkrönchen auf dem Wasser, dann drehen sich immer zahlreicher kleinere und größere Strudel an der Wasseroberfläche.
    Und schließlich sehen wir sie:
    Die Wasserfälle, von denen uns schon so viele vorgeschwärmt haben.
    Der Victoria Nil zwängt sich hier durch einen 7 Meter schmalen Felsspalt und stürzt dann über 47 Meter in die Tiefe. Ein unglaubliches Spektakel! Die immense Kraft können wir nur erahnen: Es ist beeindruckend und faszinierend - immer wieder präsentiert uns die Natur neue Wunder.

    Was wir im Erdkundeunterricht gelernt haben:
    Der Nil, ein Fluss im Nordosten von Afrika, ist mit einer Lauflänge von 6852 km der längste Fluss der Erde. Sein Einzugsgebiet besitzt mit 2,87 Mio. Quadratkilometern die achtfache Größe Deutschlands. Er entspringt in den Bergen Ostafrikas und mündet in Ägypten in das Mittelmeer. Den größten Teil der Strecke fließt er durch die Wüste, wo man nur an seinen Ufern Pflanzen findet. Deshalb sieht er aus dem Weltraum aus wie ein langes grünes Band, was durch endlos scheinende gelben Flächen führt.

    Aber in Wirklichkeit ist die Story um den Nil wesentlich komplizierter.
    Sein Wasser entstammt vor allem aus zwei Quellen: dem Weißen und dem Blauen Nil.

    Der Weiße Nil entspringt in der Nähe des Äquators. Dort fließt der Kagera, so heißt der eigentliche Quellfluss, in den Victoria-See, weshalb er ab hier Victoria Nil heißt.
    Hinter dem Albert Lake wird sein Name Albert Nil.
    Im Sudan, nach der Einmündung des Sobat aus Äthiopien, erhält er schließlich seine Bezeichnung Weißer Nil. Er ist insgesamt zweieinhalbmal so lang wie der Blaue Nil.
    Der Blaue, wesentlich wasserreichere Nilarm, entspringt im Hochland von Äthiopien.
    Dort fließt er aus dem Tana-See, der zusätzlich aus mehreren anderen Quellflüssen gespeist wird.

    Nördlich von Karthum, der Hauptstadt des Sudan, vereinigen sich die beiden Quellflüsse zum eigentlichen Nil.
    Ab hier durchströmt
    der gewaltige Fluss die letzten 2700 km ohne weitere Zuflüsse. Als Fremdlingsfluss
    ( Fluss, der aus niederschlagsreichen Gebieten in ein Trockengebiet kommt - nur sehr wasserreichen Fremdlingsflüssen gelingt es, die Trockengebiete zu durchqueren; die anderen versiegen in den Wüsten) findet er im Sudan durch die Nubische und in Ägypten durch die linksseitig liegende Libysche und die rechtsseitig liegende Arabische Wüste seinen Weg.
    Bevor der Nil dann schließlich nördlich von Kairo ins Mittelmeer fließt, verzweigt er sich in unzählige Arme und bildet das riesige, bekannte Nil - Flussdelta.

    In der Murchison River Lodge direkt am Ufer des gewaltigen Nil buchen wir Vollpension für Camper und verbringen
    zwei herrliche Tage mit Swimmingpool und köstlichem Essen.

    Am 19. Februar 2023 geht's weiter Richtung Jinja.
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  • Seltsame Tiere Ugandas

    21 Februari 2023, Uganda ⋅ ⛅ 33 °C

    Auf der Fahrt nach Jinja laufen uns immer wieder höchst seltsame Tiere über den Weg. Sie sehen aus wie braune Kühe, aber ihre Hörner sind so gewaltig und überdimensioniert, dass man kaum glauben möchte, dass ihr Besitzer sie zu tragen vermag.
    Was sind das für eigenartige Wesen? Von einer anderen Welt?
    Ich recherchiere:

    Im 14./15. Jahrhundert gab es hier das Königreich der Ankole, eines der traditionellen Königreiche im heutigen Uganda.
    Oberhaupt der Ankole war der König, der neben seiner Mutter und seiner Schwester einen großen Beraterstab um sich sammelte.
    Am 25. Oktober 1901 wurde das Reich Ankole in das britische Protektorat Uganda einverleibt und schließlich 1967 gänzlich aufgelöst.

    Bis heute zu leben aber noch viele Ankole in dieser Region.
    Ihre kastanienbraunen Rinder tragen den gleichen Namen, sind weltweit bekannt und stellen eine beliebte Sehenswürdigkeit des Landes dar.

    Die riesigen Hörner, die sie unglaublich majestätisch erscheinen lassen, dienen wahrscheinlich dem Temperaturausgleich und ermöglichen den Ankole-Rindern so ein Leben nahe des Äquators.
    Das nomadische Verhalten von einst liegt den Tieren noch heute im Blut.
    20 Kilometer legen sie mit Leichtigkeit zurück, um auf ihre Weiden zu gelangen - bis zu drei Tage lang sollen sie ohne Wasser auskommen können.
    Die Besitzer sind sehr stolz auf ihre Tiere, die traditionell nie geschlachtet sondern nur gemolken werden.

    Sie sind der Reichtum ihrer Halter und bestimmen deren soziale Stellung in der Gesellschaft. Ankole werden nicht verkauft, sondern sind Mitgift,
    ( es wird ein Brautpreis von der Familie des Bräutigams an die Familie der Braut gezahlt, der zwischen 12 und 15 Kühe beträgt),
    Versöhnungsgabe oder Geschenk.
    Ankole Rinder werden niemals als Gegenstand, sondern vielmehr wie der kostbarste Freund behandelt. So wird zum Beispiel abends ein Feuer aus duftenden Gräsern für sie angezündet, dessen Rauch in der Nacht störende Insekten vertreiben soll. Die Tradition gebietet auch, dass man sie morgens zur Begrüßung zunächst mit einem speziell angefertigten Geflecht säubert und massiert, bevor sie gemolken werden dürfen.

    Traditionell war der König der Ankole nicht nur Eigentümer aller Rinder, sondern auch gleichzeitig der Herrscher
    über alle Frauen. Schlanke Frauen galten als kraftlos, und so wurden diese, wenn sie das Interesse des Königs geweckt hatten, wie seine Kühe mit fetter Milch gemästet bis sie seinen Vorstellungen entsprachen.
    😉

    Bei unserem nächsten Etappenziel wollen wir die White Rhinos anschauen.
    Schon am 1. Abend erspähen wir zwei davon gleich neben unserem Campingplatz, der Gott sei Dank mit schweren Eisenstangen verbarrikadiert ist.
    Doch was ist das? Ist es schon so dämmrig oder habe ich, wie so oft, meine Brille nicht richtig geputzt?
    Ich hatte, wie der Name verspricht, weiße Nashörner erwartet. Deren Farbe ist allenfalls grau, ein schmuddeliges, unspektakuläres Grau.
    Hm , ich bin ein wenig enttäuscht , hatte ich doch eher so etwas wie ein lebendiges Fabelwesen erwartet.
    Am nächsten Morgen sind wir um 8 Uhr in der Früh mir dem Ranger zum Rhino Wallk verabredet, und schnell ist das Geheimnis gelüftet.

    Die Bezeichnung “Weißes Nashorn” oder “white rhino” ist wohl auf ein Missverständnis zurückzuführen.
    Die frühen holländischen Siedler entdeckten die Nashörner und nannten sie „Wijde Lippe“ .
    Bei einer Kommunikation zwischen einem holländischen und einem englischen Wissenschaftler sprach der eine von “wijde Lippe” womit er “breit” meinte, was aber von seinem englischen Kollegen irrtümlich als “white” missverstanden wurde.
    Seitdem heißen Breitmaulnashörner im Englischen White Rhinos, also „Weiße Nashörner“, obwohl sie gar nicht weiß sind.
    Simon, unser Guide, ist ein ausgesprochener Nashorn Fan und scheint regelrecht verliebt in die behäbigen Geschöpfe.
    Bei seinen Erzählungen ist diese Begeisterung zu spüren, und entsprechend weiß er eine Menge zu erzählen.
    Das Breitmaulnashorn ist nach dem Elefanten das zweitgrößte Landsäugetier der Erde.
    Es ist leicht an seinem namensgebenden großen, breiten Maul zu erkennen. Die breiten, kantig verhornten Lippen können Grashalme direkt über dem Boden abbeißen und halten
    im Grasland-Ökosystem
    als „Rasenmäher“ den Bewuchs kurz.

    Nashörner haben einen extrem massigen Körper, einen kurzen Hals und einen großen Kopf. Der auffällige Buckel im Nacken besteht aus kräftigen Muskeln und hilft, den mächtigen Kopf zu halten.
    Das stattliche Gesamtgewicht von bis zu 3 Tonnen wird von kurzen, stämmigen Beinen mit je drei Zehen an den Füßen getragen. Der Fußabdruck ähnelt deshalb einem vierblättrigen Kleeblatt.

    Seit knapp 15 Jahren erlebt Afrika eine schlimme Nashornwildereikrise.
    Sowohl das Breitmaul - als auch das Spitzmaulnashorn gehören zu den am meisten gefährdeten Arten der Welt.
    Den Tieren wird zum Verhängnis, dass in Teilen Asiens dem pulverisierten Horn fiebersenkende, entgiftende, krampflösende und seit neuestem auch krebsheilende Wirkung zugesprochen wird.
    Wissenschaftlich gesehen ist das allerdings Humbug.

    Nichtsdestotrotz erzielt das Horn, zu Pulver zermahlen, auf den asiatischen Märkten
    astronomische Preise.

    Breitmaulnashörner haben zwei hintereinander angeordnete Hörner. Das vordere Horn sitzt auf der Nase, ist zumeist das größere und hat im Durchschnitt eine Länge von 90 Zentimetern. In seltenen Fällen kann es bis zu 1,5 Meter lang werden. Das hintere Horn sitzt auf der Stirn und kann bis zu 55 Zentimeter Länge erreichen. Zusammen können die beiden bis zu sechs Kilogramm wiegen. Die Nashornhörner bestehen genau wie unsere Haare und Fingernägel zum Großteil aus Keratin. Je nach Lebensbedingungen und Verhalten nutzen sie sich mehr oder weniger ab, wachsen aber lebenslang nach (jährlich etwa fünf bis sechs Zentimeter, abhängig vom Alter und Geschlecht).
    Die Hörner haben verschiedene wichtige Funktionen: als Waffe zum Schutz der Jungtiere vor Räubern und Artgenossen, in Rivalenkämpfen zum Imponieren, zum sanften Lotsen ihrer Kälber sowie zum Graben nach Wasser, Zerbrechen von Ästen und Durchdringen von dichtem Gestrüpp.


    Zusammen mit den Elefanten und Flusspferden werden Nashörner zu den so genannten „Dickhäutern“ gezählt. Sie alle haben eine derbe, oft unbehaarte, meist dunkel gefärbte Haut, die an manchen Stellen, wie beispielsweise den Schultern, bis zu fünf Zentimeter dick sein kann. Mit Ausnahme der Ohrenspitzen, der Augenlidränder und der Schwanzspitze sind die Tiere unbehaart.

    Wieder ein wenig schlauer und um einige Informationen reicher verlassen wir das Rhino Gebiet am Morgen des 21. Februar 2023.
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  • Ein Höllenritt

    21 Februari 2023, Uganda

    The mighty Nile
    Am 21.2.23 werden wir morgens gegen 10 Uhr von einem Bus bei unserem Campground abgeholt und zur in der Nähe liegenden Einsatzstelle gebracht.
    Hier erhalten wir auch unsere Ausrüstung: einen Helm, ein Paddel und eine Schwimmweste, die der guide unsere Lebensversicherung für die nächsten Stunden nennt. 😱

    10 Kilometer geht es flussabwärts. Doch es ist nicht wie auf den anderen Flüssen, die wir in unserem Paddlerleben schon bezwungen haben.
    Dort folgte eine Stromschnelle nach der anderen. Hier liegen oft lange, ruhigere Teilstücke zwischen den Rapids.

    Trotzdem gehört der Nil zu den aufregendsten und interessantesten Rafting Flüssen in Afrika.

    Nach den formellen Dingen geht's aufs Floß.
    Mit uns im Boot sitzt noch ein mittelalter Mann, ein Deutscher und der Steuermann. Mal sehen, wie sich diese Crew im Weißen Wasser bewähren wird.

    Schnell hat Andreas, der Deutsche, uns mitgeteilt, dass er Ingenieur sei - inzwischen pensioniert.
    Er faselt etwas von Schwerkraft, Innen - oder Außenrotation ..... kein Mensch hört zu.
    Karola, die ihn Schachtelhuber nennt und von Anfang an nicht leiden kann, beginnt eine Diskussion mit ihm.
    Er behauptet doch allen Ernstes, mit diesen Rafts sei es unmöglich zu kippen.
    Er ist wirklich ein ausgesprochener Gschaftlhuber, also jemand, der sich in übertriebener Weise wichtig macht, aber eigentlich nichts auf die Reihe kriegt. Wir würden ihn Dummschwätzer nennen.

    Auf den ersten Flussmetern üben wir die Kommandos ein, die jeder Rafter beherrschen sollte:
    Paddle left or right. ...forward and backward. ...... left turn ( die Leute auf der linken Seite paddeln zurück, die auf der rechten Seite vorwärts) und ground....... Das war in Südamerika piso, wo alle auf den Grund des Floßes springen, das Paddel umklammern und sich selbst irgendwie und irgendwo am Raft festkrallen. Ich hämmere mir den Satz ein: try to avoid swimming ! ! !

    Die Afrikaner behaupten, der Zambezi und der Nil seien die schwersten Wildwasserflüsse zum Raften auf der Welt. Wir denken, das ist der Futaleufu, den wir in Chile befahren haben. Und damit mache ich mir Mut: Keine Angst, Inge ! Du hast schon viel viel Schlimmeres gepackt.

    Die Zeit die uns zum Üben bleibt, ist kurz.
    Schon nähern wir uns der ersten Schlüsselstelle.

    Das Brüllen und Brodeln des Rapids, verursacht bei mir ein bisschen Gänsehaut am ganzen Körper ( natürlich nicht bei Kai und Viktor ).

    Nach einer kurzen Umtragestelle des obersten Stücks mit dem Schwierigkeitsgrad 6 sortieren wir uns erst einmal wieder und nehmen für den Rest der Stromschnelle unsere Plätze ein.
    Viktor und Kai vorne, in der Mitte Karola und ich, dann der Schachtelhuber und ganz hinten Paulus, unser Steuermann.

    Wir hatten vorher klar festgelegt, dass wir unter allen Umständen ein Kippen des Bootes verhindern wollen.
    Was dann schief läuft, lässt sich nicht mehr so einfach rekonstruieren.
    Paulo fragt unmittelbar vor der Stromschnelle noch einmal : no flip or 50 percent flip.
    Karola und ich wiederholen noch einmal, dass wir NICHT schwimmen wollen. Da labert der Schachtelhuber ungefragt etwas von 50 percent dazwischen, obwohl doch alles schon beschlossen war.
    Es bleibt keine Zeit, die Sache auszudiskutieren.

    Wir befinden uns schon im Sog des brodelnden Wassers.
    Angepeitscht von Paulos
    " strong paddle forward" und dann nur noch "Go, go go!", ziehen meine Arme das Paddel wie wild durchs Wasser. Das Tosen, das durch den Helm an mein Ohr dringt, und der vor uns plötzlich etliche Meter tiefer verlaufende Fluss signalisieren meinem Gehirn, dass Paddeln eigentlich gar keinen Sinn mehr ergibt.

    Die Paddelenden kommen teilweise gar nicht mehr ins Wasser, sondern wirbeln nur noch irrwitzig in der Luft herum, weil das Boot sich steil vor einer senkrechten Wand aufbäumt.
    Beim Kommando ground - eigentlich schon vorher- liegen wir alle im Bootsinneren und versuchen verzweifelt, irgendwo Halt zu finden.
    Als aus dem Mund meines Mannes dann noch ein relativ emotionsloses: " Oh, Scheiße" kommt, weiß ich, jetzt ist alles zwecklos.

    Während Hirn und Hände noch streiten, hängt die Spitze unseres Bootes schon in der Luft.
    Das Raft tanzt ein paar Sekunden auf dem weißen Schaum wie ein Cowboy auf einem Rodeo-Bullen. Dann hat das Wasser lange genug mit uns gespielt und macht kurzen Prozess:
    Hinter der riesigen, schäumenden Wand geht es ab in die Hölle:
    Hades , die Unterwelt tut sich vor uns auf:
    ein Loch, das sich fast über die gesamte Breite des Flusses erstreckt. OH MEIN GOTT!
    Der Bug des Floßes knickt ab, versucht sich wieder aufzurichten........ vergeblich.
    Unser Boot und mit ihm 4 crazy Hohmeiers, der dämliche Schachtelhuber und der brüllende Steuermann kippt um, und wir überschlagen uns unkontrolliert.
    Im hohen Bogen werden wir heraus katapultiert und fliegen in den afrikanischsten aller Flüsse.
    Über uns krachen die Wellen zusammen, und wir sind verschwunden. Unter Wasser verliere ich komplett die Orientierung.

    Dann wird die Luft knapp. Wo ist oben? Wo unten?
    Man sieht nur weiße Gischt, und das Tosen hört sich unter Wasser noch zehnmal beängstigender an als auf dem Raft.
    Nach ein paar endlosen Sekunden gelange ich schließlich nach oben und sehe das Tageslicht wieder.

    Neben mir schwimmt Paolo und brüllt mir zu: Breathe and keep calm ..... Kommandos, bei denen einem nach einem Schleudergang in der Waschmaschine die Umsetzung nicht so wirklich gelingen will.
    Das Tückische ist auch, will man nach Luft schnappen, inhaliert man zwangsläufig das Wasser von den Wellen, die einem mit Wucht ins Gesicht platschen.
    Dann taucht nach einer gefühlten Ewigkeit neben mir ein safety Kajaker auf, um das
    " Treibgut" wieder aus dem Fluss zu sammeln. Erschöpft hänge ich mich an sein Kajak und er bringt mich zurück zum Floß.
    Karola wird ebenfalls gerettet und aufs Raft gezogen, aber sie hat extrem viel Wasser geschluckt.
    Sie spricht vom schlimmsten Augenblick ihres Lebens, was keiner weiteren Erläuterung bedarf.
    Danach entscheiden wir, den Rest der Fahrt nicht mehr mit dem Schachtelhuber und unseren Männern zu fahren.
    Wir steigen in ein anderes Boot, mit dem uns Planet , unser neuer Guide, souverän durch alle noch folgenden Stromschnellen lotst - ohne zu flippen.
    Good Job, und danke Planet !😰

    Am Nachmittag endet die Tour.

    Ein letztes Mal " High Five.
    We survived!
    .... thank God and good bye.

    Egal ob gepaart mit guten oder schlechten Assoziationen, auch dieses Erlebnis wird seinen Platz in unserem Rucksack der Erinnerungen finden.
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  • Abschied Uganda

    1 Mac 2023, Kenya ⋅ ☁️ 24 °C

    Die letzten 90 Kilometer bis zur Grenze liegen vor uns. Dann verlassen wir Uganda und reisen in unser letztes afrikanisches Land: Kenia.
    Auf dem Weg passieren wir noch einmal kleinere und größere Dörfer. Dazwischen wiegen sich Bananenblätter sanft im Wind, Kühe weiden an den steilen Hängen und Kinder winken uns aufgeregt zu: HELLO MZUNGUS!
    Wir blicken zurück und nehmen
    Abschied von diesem magischen Land mit seinen großen Gegensätzen -
    hier die überwältigende Natur mit der atemberaubenden Tierwelt, da die so bettelarmen, aber trotzdem unglaublich freundlichen Menschen.
    Danke, Uganda, wir hatten eine unvergessliche Zeit und sind nun bereit für Kenia.

    Mzungus beim Shoppen

    Vom Campingplatz aus unternehmen Viktor und ich einen Ausflug nach Eldoret, um unsere Lebensmittelvorräte noch einmal aufzustocken.
    Im Internet stoßen wir einen kleinen Supermarkt mit guten Bewertungen.
    Wir machen uns auf den Weg dahin.
    Gleich bei unserer Ankunft werden wir herzlich begrüßt, wahrscheinlich ist es die Leiterin des Shops.
    " Very welcome in our shop. We are so glad to have you here. " Sie lacht so freundlich und wir sind überzeugt, dass sie ihre Worte wirklich ernst meint -
    Obwohl sie uns noch nie zuvor gesehen hat.

    In Windeseile hat sie einen Wagen organisiert, dann nimmt sie mir meinen lieblos gekritzelten Einkaufszettel aus der Hand. Staunend guckt sie mich an, beginnt zu lachen und fragt: Are you a doctor?
    Dann studiert sie das kleine Blatt, und wirklich: sie entziffert nicht nur meine Hieroglyphen, sondern errät die meisten auf deutsch aufgelisteten Dinge. Cola, Bier, Äpfel, Avocados, sogar die Eier findet sie heraus.
    Alles andere erfragt sie und schreibt in ihrer wunderschön sauberen Schrift die englische Übersetzung dahinter ( Schrift 1+ !!!)
    Dann rauschen wir durch die Gänge, alles ist super ordentlich und fein säuberlich angeordnet.
    In jedem Gang treffen wir einen anderen Mitarbeiter, der uns persönlich vorgestellt wird und uns mit Handschlag und einem herzlichen " Welcome" begrüßt.
    Am Schluss ist die gesamte Belegschaft für uns im Einsatz, freundlich lachend, als wäre das die größte Selbstverständlichkeit der Welt.
    An der Kasse packen die fleißigen Helfer unseren Einkauf in Tüten und wollen sie natürlich auch persönlich zum Auto bringen.
    Das ist der Augenblick, wo sie vollends ausflippen: What is this? No, this is not your home for one year.
    Und dann möchten alle unser Heim inspizieren.
    Vor dem Auto bilden sie ganz diszipliniert eine lange Schlange, und Viktor lässt immer zwei gleichzeitig hinein. Für mehr ist kein Platz. Geduldig warten alle, bis auch der letzte unser Haus bestaunt und auf der Sitzbank Probe gesessen hat.
    Die Begeisterung ist so groß und lautstark, dass man meinen könnte, es fände eine Riesenparty statt.
    Äpfel und Avocados gab es im Laden nicht. Doch während wir uns noch im Geschäft befinden, schickt die Leiterin jemanden los, der an einem der benachbarten Straßenstände wunderbares Obst und Gemüse für uns besorgt. Wir sind vollkommen sprachlos, so etwas haben wir noch nie erlebt.
    Zum Schluss werden wir noch für den nächsten Tag zum traditionellen kenianischen Essen eingeladen. Es ist einfach unglaublich!
    Nach etlichen Gruppenfotos - jeder will eine Aufnahme mit uns - und einer herzlichen Verabschiedungen mit guten Wünschen für unsere Weiterreise fahren wir zutiefst beeindruckt zurück zum Campingplatz.
    Wie so viele vorher werden wir auch dieses Erlebnis nicht mehr vergessen. 😍
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  • Iten

    4 Mac 2023, Kenya ⋅ ⛅ 27 °C

    Am 4. März erreichen wir Iten.
    Noch nie vorher hatte ich ewas von Iten gehört, doch als ich den großen Bogen am Eingang des Ortes sehe, recherchiere ich:
    Iten ist eine kleine Stadt im Westen von Kenia, die vor allem für eines bekannt ist:
    Athleten und Athletinnen der ganzen Welt bereiten sich hier auf Marathon Läufe und Olympische Spiele vor.
    Iten ist ein regelrechtes Paradise for Runners🏃‍♀️ .
    Das Städtchen befindet sich auf 2400 Metern Höhe, so dass
    die Trainingsbedingungen für nationale und internationale 🏃‍♂️ Läufer optimal sind.
    Im Straßenbild fallen uns die vielen Athleten gleich auf: Gruppen in Sportkleidung, einzelne Läufer oder Paare.

    Wegen der sauerstoffarmen Höhenluft ergeben sich ideale Trainingsbedingungen für sie alle.
    Durch den in der Höhe herrschenden verminderten Luftdruck produziert der Körper vermehrt rote Blutkörperchen. So kann mehr Sauerstoff von der Lunge zu den Muskeln transportiert werden, wodurch sich die Ausdauerleistungsfähigkeit der Sportler deutlich steigert.

    Kenianer aus Iten sind zurzeit im Langstreckenlauf unschlagbar. Viele junge Frauen und Männer sehen ihre Zukunft als Athleten – ein Beruf, in dem sie mit Glück und Talent viel Geld verdienen können. Aber der Preis, den sie zahlen, ist hoch. Und nur für die wenigsten wird ihr Traum wahr.
    Dennoch - für einige KenianerInnen bedeutete Iten einen Weg heraus aus dem Dorf und der Armut und fungierte als ein Sprungbrett in eine andere Welt.
    Sie laufen um ihr eigenes Leben, aber auch um das ihrer Familien.
    Eliud Kipchoge ist wohl der berühmteste von ihnen:
    Als erster Mensch schaffte er die Marathondistanz 2019 in Wien unter zwei Stunden!!!

    Doch auch für normale Reisende und Naturliebhaber, die
    spektakuläre Landschaften wertschätzen, ist der kleine Ort reizvoll. Es bieten sich nämlich fantastische Ausblicke auf das mehr als 1000 Meter tiefer gelegene Tal.
    Hierher geht es hinter Iten steil bergab bis an den tiefsten Punkt des Großen Ostafrikanischen Grabenbruchs, den wir schon vom Lake Natron und einigen anderen Seen kennen.
    Unten erreichen wir das Kerio Valley mit dem Kerio River.
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  • Baringo-See

    5 Mac 2023, Kenya ⋅ ⛅ 35 °C

    Am Baringosee, der sich im Kerio Tal hinter Iten befindet, soll unser nächstes Camp liegen.
    Als wir bei den eingegebenen Koordinaten ankommen, erzählt uns ein Einheimischer, dass der von uns gesuchte Campingplatz nicht mehr existiert.
    Mit vielen anderen Flächen, Häusern, Siedlungen und Straßen ist er einfach vom See verschluckt worden.
    Unaufhaltsam dehnte sich - wie diverse weitere Seen im kenianischen Riff- auch der Baringosee in den letzten Jahrzehnten aus.
    Wissenschaftler aus aller Welt rätseln und führen für dieses Phänomen verschiedene Erklärungen an:
    vermehrte Niederschläge, Klimawandel sowie die Verschiebung tektonischer Platten tief unten in der Erdkruste.
    Mit der Veränderung der Kräfte wird das in tieferen Erdschichten befindliche Wasser weiter nach oben gedrückt und läuft dann vom Grund aus in die Seen.

    Auf diese Weise hat der Baringo-See seine Fläche verdoppelt und ist inzwischen halb so groß wie der Bodensee.

    Seit 2011 lebte eine ganz spezielle Giraffenart, die Rothschild-Giraffe, auf einer kleinen Insel im Baringo-See.
    Durch den Anstieg des Wassers wurde ihr Revier immer kleiner, das Leben der Giraffen war dramatisch bedroht.
    Tierschützer aus aller Welt reisten nach Kenia: Eigens für die Rettung bauten sie ein riesiges Floß, auf dem die Giraffen zum Festland transportiert wurden.

    Doch den Einheimischen hilft diese Rettungsaktion nicht viel.
    Für sie bedeuten die Überschwemmungen eine Katastrophe.
    Lange Jahre war ihre größte Sorge, dass der Baringo-See schrumpfen und sein Wasser sie nicht mehr versorgen könnte.
    Doch inzwischen fürchten sie nichts mehr, als dass er sich noch weiter ausbreitet und alles in sich begräbt.

    Ganze Dörfer wurden bereits vom Hochwasser überschwemmt, teilweise ragen nur noch die Spitzen der Dächer ein paar Zentimeter hoch aus dem Wasser. Allein im Jahr 2020 haben hier 5000 Menschen ihr Zuhause verloren.
    Jetzt helfe nur noch beten, dass der See nicht alles mit sich reißt,
    erzählt der Besitzer vom Camp, auf dem wir die Nacht verbringen.

    Als vor Jahren sein Vater starb, musste er die Schule verlassen und die Stelle des Familienoberhauptes einnehmen. Er eröffnete den Platz.
    Doch viel Geld scheint er mit dem Camp nicht zu verdienen, denn der sehr große und gut gepflegte Platz ist gähnend leer.
    Wieder einmal erfahren wir in einer der vielen Geschichten, wie schwierig ein Leben hier auf diesem Kontinent verlaufen kann.
    Und wieder einmal ist von Verbitterung oder Neid auf das Leben anderer nichts zu spüren.
    Ich wünsche mir, dass wir ein klein wenig von dieser Einstellung zum Leben
    mit nach Hause nehmen.

    Auf dem Weg zum Bush Baby Camp am Baringo-See fahren wir mit Schrittgeschwindigkeit azf einer der vielen holprigen Straßen entlang.
    Dort steht ein kleine Junge, der Kalebassen verkaufen will. Mein Fenster ist geöffnet, und er hält mir die hohlen, schön verzierten Kürbisse entgegen.
    Wir können natürlich keinen gebrauchen, unser Auto ist bis zur Dachluke voll gestopft, und Viktor schimpft bei jedem Teil, das dazu kommt.
    " Support me with water, Madam", sagt er und schaut mich mit unglaublich traurigen Augen an.
    Ich überlege nicht lange und schenke ihm Viktors Wasserflasche ( meine kann ich ihm nicht geben, da es eine nachfüllbare aus Deutschland ist, die ich noch weiter benutzen möchte).
    Ich frage den Jungen, was eine Kalabasse kostet. Als er antwortet 500 Kenianische Schilling, rechne ich das schnell in Dollar um, weil ich keine Währung des Landes im Portemonnaie habe. Leider spielt mein geringes mathematisches Talent mir einen Streich und ich rechne den falschen Betrag aus.
    Man muss mir an dieser Stelle zugute halten, dass Kenia unser neuntes afrikanisches Land ist, und ich inzwischen mit der immer wieder anderen Umrechnerei schlichtweg überfordert bin.
    So gebe ich dem armen Kind 2 Dollar zu wenig.
    Trotzdem bedankt er sich herzlich und winkt uns freundlich zu.
    Beim Abendessen fragt Viktor mich: Was wollte der Junge eigentlich für das Teil haben. Da erst stellt sich für mich heraus, dass ich den Jungen unbeabsichtigt beschissen habe.
    Oh nein, dass ausgerechnet mir das passieren muss. Ich bin untröstlich.
    Am nächsten Morgen brechen wir zu unserem nächsten Ziel, dem Lake Naivasha auf. Ein Stück der Straße von gestern müssen wir zurück fahren.
    Und dann geschieht dieses kleine Wunder: In einer von den klapprigen Hütten sehe ich ihn und er winkt mir lachend zu ( unser Auto und uns Mzungus erkennt man natürlich problemlos wieder).
    Ich rufe ihn zu mit heran und gebe ihm die 2 fehlenden Dollar. Fassungslos schaut er mich an, dann leuchten seine Augen. Mit so etwas hat er im Leben nicht gerechnet und auch mit Sicherheit noch nie erlebt.
    " Thank you so much, Mummie. May God always bless you" .
    Ich bin zutiefst gerührt und so froh, dass ich meinen Fehler wieder gut machen konnte!
    Und dann schenke ich ihm noch eine Wasserflasche - natürlich wieder von Viktor, der zunächst ein bisschen rummmault, aber im Innersten auch glücklich ist, dass der Junge sich so sehr freut.
    Kleinigkeiten für uns bedeuten für sie fast die ganze Welt.
    May God always bless you , too, young boy . 🙏
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  • Am Lake Naivasha
    finden wir das tolle Camp Carnelley's, auf dem wir mehrere Tage relaxen und die wunderschönen Aussichten genießen.
    Der gleichnamige Ort Naivasha ist schon kilometerweit an den sich immer weiter ausbreitenden Gewächshäusern am Westufer zu erkennen.
    Von hier werden ca 80 Prozent aller Schnittblumen wie Rosen, Gerbera, Lilien und viele mehr nach Deutschland exportiert.

    Klein, aber fein:
    Hell’s-Gate-Nationalpark ist ein kenianischer Nationalpark im Süden des Sees nordwestlich von Nairobi.
    Das nur 68 Quadratkilometer umfassende Gebiet liegt auch im Großen Afrikanischen Grabenbruch auf einer Höhe von etwa 1500 m über dem Meeresspiegel.
    Hell' s Gate ist vor allem wegen seiner landschaftlichen Schönheit bekannt und beliebt.
    Sehenswert sollen besonders die Hell’s Gate- oder Njorowa-Schlucht sowie zwei vulkanische Säulen namens Fischer’s Tower und Central Tower sein.
    An einem der erloschenen Vulkane, Ol Karia, sind drei geothermische Kraftwerke angeschlossen. In ganz Kenia werden dreißig Prozent des Stroms auf diese Weise gewonnen.

    Hell’s Gate ist der einzige Park in Ostafrika, in dem man sich ohne den Schutz eines Safari - Fahrzeuges zu Fuß oder per Fahrrad auf Erkundungs- oder Mountainbiketouren begeben kann.
    Dies ist schlicht nur deshalb möglich, weil es hier keine Löwen oder Elefanten gibt.
    Also leihen Karola und ich uns am nächsten Tag Fahrräder aus, und wir 4 Hohmeiers machen uns auf den Weg in den kleinen Park.

    Geich am Eingang befindet sich das Wahrzeichen des Reservats, eine 45 Fuß hohe Felsformation aus geschmolzener Vulkanlava, die durch einen Riss in der Erde nach oben getrieben wurde :
    Fischer’s Tower.
    Einheimische Überlieferungen erzählen von einem rebellischen Mädchen, das in diesen Stein verwandelt wurde, nachdem es sich dem Willen der Familie widersetzt hatte, einen ihr widerwärtigen Mann zu heiraten.
    O je!😬
    Heute kann man hier prima klettern.
    Und das wollen wir gleich ausprobieren. Viktor und Kai nehmen selbstverständlich die schwierigere Route, ich entscheide mich für eine leichtere Tour.
    Alle schaffen wir es bis zum Gipfel, von wo aus wir den wunderbaren Ausblick über das weitläufige Gebiet genießen.

    Das eigentliche Herzstück des Parks ist die Njorowa-Schlucht.
    Nach einer Lücke in den hier rot gefärbten Klippen, die vom fließenden Wasser eines prähistorischen Sees geformt wurden, erhielt der Park seinen Namen .

    Bei der Ranger Station heuern wir unseren Führer an – das Gebiet wird von Massai bewohnt, weshalb Touren auf eigene Faust nicht erlaubt sind.
    Auch Kevin, unser Guide ist Massai und nimmt uns mit auf eine Wanderung durch die Ol Njorowa-Schlucht, an deren Steilhängen sein Dorf liegt.
    Die Animatoren von Disneys " Der König der Löwen" reisten extra nach Kenia, um sich von dieser spektakulären Landschaft und den einzigartigen Klippenformationen inspirieren zu lassen - und um wie Mufasa
    ein Gefühl für den großen Kreislauf des Lebens zu bekommen.
    Jeder, der den Film "Der König der Löwen" hat diese Szene vor Augen:
    Nachdem Scar Simba in die Schlucht gelockt hatte, scheuchen die Hyänen eine Herde Gnus genau auf den wehrlosen Simba zu. Mufasa schafft es gerade noch, seinen Sohn zu retten. Als er sich – geschwächt und verletzt von der trampelnden Herde - einen Abhang hinaufrettet, findet er dort seinen Bruder Scar vor und bittet ihn um Hilfe. Doch dieser rammt seine Krallen in Mufasas Tatzen und stößt den König zurück in den Abgrund.
    Genau in diese Schlucht mir ihren eindrucksvollen, rötlich leuchtenden Basaltfelsen blicken wir jetzt und jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach.

    Der Weg ist abenteuerlich: wir überqueren und durchwaten Bäche, klettern über Felsbrocken, manchmal ohne den Himmel über uns noch sehen zu können, wir erklimmen kurze Felswände - teils mit, teils ohne Seilunterstützung.
    Heiße Quellen und kalte Wasserfälle wechseln miteinander ab.
    Es gibt eine kürzere, eine mittlere und eine lange Wanderung. Weil die Schlucht so faszinierend ist, entscheiden wir uns für die dreistündige, wirklich anspruchsvolle Tour
    - doch die sich immer wieder verändernden Aussichten entschädigen uns für all unsere Mühen und Anstrengungen.


    Kevin ist völlig erstaunt und ganz ungläubig, als wir ihm unser Alter verraten.
    Insbesondere Viktor hatte er wesentlich jünger, nämlich auf 55 !!! geschätzt. Der freut sich natürlich und wandert fortan weiter mit voll Stolz geschwellter Brust.
    Er ist übrigens nicht der erste, der sich mit dem Alter meines Mannes komplett verschätzt.
    Etliche Male schon haben wir dieses Szenario erlebt:
    Wir lernen Leute kennen, mit denen wir uns austauschen. Erzählen wir ihnen dann, dass Viktor und Kai Brüder sind ( manche von ihnen erkennen das auch ohne Hinweis), ist die obligatorische Frage entweder : Are they twins oder sogar: And who is the older one?
    Zu Kais Enttäuschung und Viktors diebischer Freude tippen die meisten darauf, dass Kai der große Bruder ist.
    Das Tollste aber war das Zusammentreffen mit der Besitzerin einer großen Lodge in Uganda.
    Die Frau war total fasziniert von Kai und Viktor und verglich die beiden Brüder mit Harrison Ford - dem jüngeren und dem älteren.
    Kai zieht die Konsequenzen und will sich jetzt in der Türkei liften lassen🤣.


    Wir haben unseren Aufenthalt in Hell's Gate, eigentlich müsste es Heaven ' s gate heißen, sehr genossen.
    Man wird regelrecht entschleunigt, Geschwindigkeit hat keine Bedeutung mehr.
    Während der Fahrt durch den Park entdecken wir verschiedene wilde Tiere wie Zebras, Gazellen und sogar Büffel neben uns, in freier Wildbahn und zum Greifen nah.
    Es ist ein unglaubliches Gefühl, so etwas haben wir noch nie erlebt und sind völlig begeistert von dieser tollen Idee, den Park mit dem Bike erkunden zu dürfen.
    Staubig, dreckig, aber voller unvergesslicher Eindrücke kehren wir am Nachmittag zum Camp zurück.
    Die drei anderen strampeln mit dem Fahrrad dorthin, ich bevorzuge einen Lift mit einem Einheimischen und seinem Boda Boda, die mich zurück zu unserem Mobile Home bringen.
    Was für ein außergewöhnlicher, erlebnisreicher Tag.
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  • Aberdare Nationalpark

    9 Mac 2023, Kenya ⋅ ☁️ 18 °C

    Vom Lake Naivasha machen wir uns auf den Weg zum Aberdare Park, der uns von verschiedenen Leuten ans Herz gelegt wurde.
    Kai fühlt sich nicht wohl, er hat starke Halsschmerzen, weshalb wir eine geplante Wanderung um einen Crater Lake ausfallen lassen.
    Am Eingang zum Park, den wir um 12.45 Uhr erreichen, empfängt uns ein Ranger. Außer uns und ihm gibt es hier keine Menschenseele weit und breit, und ein Blick in das Buch zeigt uns, dass der letzte Besuch schon eine Weile her ist.
    Mit einer gestochen schönen Handschrift malt er unsere Personalien ab, was natürlich einige Zeit in Anspruch nimmt.
    Dann fängt er an zu rechnen. Eigentlich hatte ich es schon insgeheim geahnt: Jemand mit so einer schönen Schrift kann nicht auch noch gut rechnen. Entweder .....oder!

    Für den ermittelten Endbetrag nimmt er kein Cash, weder US Dollar noch kenianische Schilling. Nur Kartenzahlung.
    Dafür aber müssen wir einen halben Kilometer weit zurückgehen und auf einen Hügel klettern, wo seine Maschine Internetempfang hat.
    Ok, wenn's nicht anders geht, machen wir das Theater notgedrungen mit.
    Kai geht es inzwischen immer schlechter, so dass wir nach dem Zahlmarathon ohne Zwischenstopp zum Campingplatz fahren.
    Welch üble Überraschung: Kai hat inzwischen 39.7 Grad Fieber, und es gibt NICHTS auf diesem Platz.
    Kein Klo, keine Dusche, nicht einen einzigen Tropfen Wasser! Und das für 70 US Dollar pro Person!
    Karola bereitet Wadenwickel vor, lässt ihn inhalieren, gibt ihm Schmerztabketten und Antibiotika - kurzum: sie zieht alle Register.
    Der kleine Bruder sieht inzwischen
    echt übel aus .... und wir sitzen mitten im Park, haben kein Internet und Null Komma Null Komfort.
    Am nächsten Morgen hat Karola das Fieber auf 38.7 Grad herunter bekommen.
    Thanks God 🙏.
    Wir wollen gerade frühstücken, da steht plötzlich ein bis an die Zähne bewaffneter Ranger vor uns. Eine riesige Kalaschnikov hängt über seiner Schulter. Häh? Was, bitte, soll das werden?
    In gebrochenem Englisch klärt er uns darüber auf, dass wir am Parkeingang zu wenig Geld bezahlt haben. WHAT?????
    Wir sollen zurückfahren, um den fehlenden Betrag zu entrichten. Weitere 70 US Dollar!
    Nein, da weigern wir uns.... schlicht und ergreifend.
    Einer unserer Fahrer ist übel krank, und wir sind nicht gewillt und auch nicht in der Lage, eineinhalb Stunden zum Eingang zurück zu fahren. Außerdem ist es nicht unsere Schuld, dass der Ranger zwar schön schreiben, aber nicht rechnen kann.
    Mehr als 2 Stunden vergehen mit sinnlosen Diskussionen und Telefonaten mit seinem Boss. Dafür aber müssen wir wieder einen halben Kilometer durch die Prärie stapfen, um in einer nahe gelegenen Baracke Satellitenempfang zu haben.
    Als der bewaffnete Ranger uns dann mitteilt, dass wir noch einmal 150 Dollar bezahlen müssen, falls wir auch nur 5 Minuten verspätet am Gate erscheinen, flippen wir aus.
    Also eigentlich nur Karola und ich. Viktor sitzt im Camper und Kai ist komplett Out of order.
    Das gibt es doch nicht! Schließlich haben wir keine Schuld, dass der Typ eine Matheniete ist.
    Es hilft nichts. Wir müssen den Park vor 14.00 Uhr verlassen haben.
    Am Gate aber können oder wollen sie die Bezahlung nicht abwickeln. Weder Cash, was wir in verschiedenen Währungen anbieten noch PayPal oder Kartenzahlung.
    Das fehlende, falsch berechnete Geld müssen am Headquarter außerhalb des Parks nachbezahlen.
    Also muss uns ein Ranger dorthin eskortieren, ca 25 Kilometer weit.
    Zunächst will er in unseren Auto mitfahren, was aber leider nicht geht.
    Also nimmt er seinen eigenen Wagen.
    Aus irgendwelchen Gründen begleitet ihn seine Frau mit einem kleinen Baby.
    Die Situation ist wirklich strange.
    Auf dem Weg dorthin bleibt der Typ plötzlich stehen, der Wagen bewegt sich keinen Zentimeter mehr. Ich fasse es nicht : er hat einen Platten! Der kranke Kai, der sich kaum auf den Beinen halten kann, hilft ihm beim Radwechsel. Ich komme mir vor wie in einem Slapstick ...Das Ganze
    ist einfach nur lächerlich!
    Im Headquarter bezahlen wir den fehlenden Betrag und verbuchen den Besuch des Parks als: Suboptimal gelaufen.
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  • Ein bisschen Deutschland in Afrika

    11 Mac 2023, Kenya ⋅ 🌧 26 °C

    Am späten Vormittag des 11. März verlassen wir das Camp der Sandai Farm.
    Hier waren wir gestern gestrandet, nachdem wir so viel Zeit für das Verlassen des Aberdare Parks verschwendet haben.
    Wie so oft haben wir keine Ahnung, wo der Weg uns heute hinführen wird.
    In 35 Kilometern von hier, das kann ( wenn ich mir den Zustand der Straße anschaue) gut und gerne eine Stunde oder mehr dauern - soll es ein schönes Café geben. Dort wollen wir einen Zwischenstopp einlegen.
    Kein Mensch kann sich vorstellen, wie sehr wir hier in Afrika nette Cafés oder einen schöne Biergärten vermissen!
    Das Bistro wird geführt von der Tochter von Petra, einer ausgewanderten Schwäbin, auf deren Campingplatz wir die letzte Nacht verbracht haben.
    Der Platz und insbesondere die sanitären Anlagen sind ziemlich run down, also übel herunter gekommen. Ich könnte mich wegschmeißen bei einem solch edlen Ausdruck ( sanitäre Anlagen) für etwas so Schäbiges: zerblötschter Eimer mit Rissen, geflickt mit Silikonwürsten, die wie Geschwüre aussehen und am Boden des Eimers kleben. Gefüllt ist er mit kaltem Wasser.
    Unten am Eimer befindet sich ein Hebel, mit dem man den provisorisch befestigten Kran öffnen kann, und sogleich ergießt sich das kalte Wasser an den Geschwüren entlang über den Körper.
    Haken gibt es in dem Rondell aus Beton nicht, weshalb man sein Handtuch über die dreckige Betonmauer werfen muss.
    😬

    Da wir gestern im Park an unserem Übernachtungsplatz gar keine Toiletten, geschweige denn Duschen, ja noch nicht einmal Wasser hatten, ziehe ich mich mit von Ekel verzerrtem Gesicht aus und steige unter die abenteuerliche Wasch- Konstruktion. Igitttttt!

    Die Klos, ihr habt es sicher schon erraten, sind einfache Longdrops, also auf gut deutsch gesagt Plumsklos der ganz primitiven Art.
    Mit großem Erstaunen treten wir zum Bezahlen in das Farmhaus und trauen unseren Augen nicht. Das kann nicht sein, dass dieser abgewrackte Platz und das edle Herrenhaus - bestückt mit massiven, kostbaren alten Möbeln - zusammen gehören?!
    Vielleicht hätten wir lieber eines von Petras Zimmern buchen sollen, um ein wenig von dem Luxus mitzubekommen.
    Jetzt aber ist es zu spät.
    Doch wir haben den Aufenthalt ja überstanden!

    Nun machen wir, wie schon erwähnt, einen Abstecher zum Café von Petras Tochter.
    Der Weg dorthin verlangt uns und dem Auto wieder einiges ab.
    Aber diese Mühen lohnen sich hundertfach:

    Wir finden ein kleines Bistro mitten im Niemandsland, ein winziges Knusperhäuschen im Wald.

    Kein Mensch würde so etwas am Ende einer solchen Horrorpiste erwarten!
    Gleich daneben befinden sich ein paar kleine Lehmhütten, alle rund gebaut.
    Ich fasse es nicht und muss wirklich zweimal auf das Schild schauen, um das zu glauben: Eine Waldorfschule, mitten in der Einöde unglaublich liebevoll gestaltet.
    Leider ist heute Samstag, so dass keine Kinder da sind. Aber der Security Guard öffnet uns zwei Klassenzimmer, und wir dürfen einen Blick in diese kleine Wunderwelt für Waldorfkinder werfen.

    Die Gestaltung der Gebäude ist den Formen der Natur nachempfunden.
    Überall gibt es Bögen, Schwünge und außergewöhnliche Winkel. Auf Rechtwinkligkeit wird konsequent verzichtet, da die Natur – laut Steiner, dem Begründer der Waldorfschulen – auch keine rechten Winkel kenne.
    Für den Bau der Häuser werden ausschließlich Naturmaterialien wie Holz, Lehm oder Stein verwendet.
    In den Innenräumen dominieren Erdfarben, warm und einladend.
    Was für eine hübsche Schule!

    Im Café von Tessa genießen wir ein Lunch bestehend aus real German Sausages für Kai und Karola, einen Quinoa Salat vom Feinsten für Viktor und ich bekomme einen köstlichen Halloumi - Käse - Spieß vom Grill.... und das alles im tiefsten Afrika.
    Die Besitzerin des kleinen Restaurants und die Leiterin der Waldorfschule sind übrigens Schwestern, also beideTöchter von Petra.
    Welch tolle Begegnung, völlig unerwartet und ungeplant!
    Wir haben den Besuch und das Essen sehr genossen!
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  • Kentrout Camp und merkwürdige Bewohner

    12 Mac 2023, Kenya ⋅ ☁️ 21 °C

    Nach dem Besuch der Waldorfschule führt uns die Fahrt durch trockenes Farmland. Seit 3 Jahren leidet dieser Teil Kenias unter einer großen Dürre, was sich - wohin wir auch blicken - an der gebeutelten Pflanzenwelt erkennen lässt.
    Überall nur staubig trockene Erde - so weit das Auge reicht.
    Ab und zu ein Kadaver von einem Tier, das die Trockenheit nicht überlebt hat. Die Natur leidet offenkundig, und kein Ende ist in Sicht.

    Am Fuß von Mount Kenia finden wir am späten Nachmittag eine Bleibe für die Nacht und Viktor behält mit seinem Optimismus wieder einmal recht: Irgendetwas ergibt sich immer.
    Im Internet wird der Platz als " wunderschöner Campingground mit boomendem Forellenrestaurant " propagiert.
    Doch erwarten tut uns hier leider etwas ganz Anderes.

    Es gibt keine einzige Forelle mehr (und wenn man den Zustand der Teiche betrachtet, kommen auch nie mehr welche zurück).

    Das Kentrout Camp hat definitiv die besten Tage hinter sich, wegen Covid musste es vor 2 Jahren schließen.
    So wurde es noch 2019 im Internet angepriesen:
    Nice, quiet, shady, green and clean campsite with modern and clean ablutions - next to a stream with a well appointed and very comfortable restaurant serving the best and freshest trout meals I have ever eaten.
    Es ist eine regelrechte Tragödie, was Corona hier wie an so vielen Orten auf der Welt angerichtet hat.
    Nur ganz allmählich kommen vereinzelt die ersten Besucher zurück.
    Doch bisher ist Zustand des einst so tollen Platzes mehr als desolat.
    Wir werden von 3 schwarzen Bediensteten herzlich begrüßt. Sie sorgen für eine heiße Dusche, wieder einmal Modell suicide. Doch das kennen wir mittlerweile, und eigentlich sind wir inzwischen Schlimmeres gewöhnt.
    Die Angestellten versorgen uns mit Feuerholz, denn am Abend wird es richtig kühl. Schließlich befinden wir uns auf fast 2300 Metern Höhe.
    Ein wenig gruselig wird es dann später beim Lagerfeuer, als irgendwelche fürchterlichen, nicht identifizierbaren Schreie durch die dunkle Nacht gellen. Kai meint Frösche, aber Quatsch, das kann nicht sein. Der Grauen erregende Lärm kommt aus den Bäumen. Welche Frösche, bitteschön, hausen auf Bäumen?
    Es quakt, kreischt, knurrt und knarrt - kein Gruselfilm könnte mehr Angst einflößen. Ich fühle mich nicht mehr wohl am Lagerfeuer und befürchte ständig, dass sich irgendetwas aus der Dunkelheit auf uns stürzt.
    Gerade, als ich mich im Auto in Sicherheit bringen will, herrscht mit einem Schlag wieder Stille.
    So, als hätte es dieses animalische Geschrei nie gegeben.
    Morgen werden wir den Security Dienst fragen, welches schauerliche Szenario sich hier abgespielt hat.
    Bis dahin verbarrikadiere ich mich in unserem Camper.
    Gute Nacht,
    ihr lieben Freunde!

    In der Nacht träume ich von abartig krakelenden Monstern. Als sich eines durch unsere Dachluke quetschen und in unser Schlafzimmer eindringen will, hole ich aus und boxe mit aller Kraft gegen seinen fetten Bauch.
    Hey, was machst du denn? brüllt jemand von der anderen Seite des Bettes. Derjenige hält meinen Arm fest und es ist definitiv kein Monster! Oh, Gott, ich habe den armen schlafenden und nichts Böses ahnenden Viktor geschlagen, der jetzt hellwach ist und wahrscheinlich einen blauen Fleck davontragen wird. Oh, nein!

    Am nächsten Morgen klären uns die Wächter auf:
    Die Schreihälse sind Baumschliefer, pelzige Säugetiere von der Größe eines Hasen.
    Die Gliedmaßen sind kurz und kräftig, der Körperbau erinnert an ein Meerschweinchen.
    Manche Leute finden sie putzig, mir gefallen sie überhaupt nicht.

    Beim sehr genauen Hinschauen soll man hufähnliche Füße und zwei ständig nachwachsende Zähne im Oberkiefer, angeblich versteckte Stoßzähne, ausmachen können. Denn nach der Aussage eines Rangers sind diese, vor allem in Afrika lebenden Tiere, entfernte Verwandte der Elefanten!!!! Das kann ich wirklich kaum glauben. Meiner Meinung nach besteht zwischen den beiden Gattungen Null Ähnlichkeit! Was meint ihr?🤔

    Die Gesänge der Schliefer werden im Internet folgendermaßen beschrieben:

    Teils wohlklingend manchmal dissonant.
    Von laut über sehr laut bis zu extrem laut.
    So also steht es bei Google. Ich würde das, was wir letzte Nacht gehört haben, eher als Heulen, Schnauben, Piepsen oder Zwitschern bezeichnen .... kombiniert mit den verschiedensten Grunz-, Brumm-, Quiek-, Knurr-, Klack-, Schnaub- und Belllauten in variabler Lautstärke.
    Bei der Kommunikation der Klippschliefer unterscheidet man mindestens 21 verschiedene Laute. Ich finde das unglaublich!
    Die Männchen kombinieren diese in ihren Gesängen, so dass 10 bis 20 Sekunden lange Tonsequenzen entstehen.
    Doch kann meiner Meinung nach von Gesang keine Rede sein, eher von einem jammervollen Geheul, das sich mit raspelartigen Lauten, Hecheln, Schnaufen,
    Zähneknirschen, Niesen und kurzen Aufschreien abwechselt.
    Die Palette ist unglaublich vielfältig.

    Zum Ende wird eine Steigerung in jeder Hinsicht erreicht: die Töne werden lauter, länger anhaltend, penetranter und vermischen sich in nahezu unerträglicher Weise.
    Auch der Rhythmus nimmt besorgniserregend an Fahrt auf.
    Den Abschluss mit einem furiosen Crescendo bildet schließlich ein Finale,
    das ohrenbetäubend ist und sage und schreibe bis zu fünf Minuten anhalten kann.
    Wow!!!
    Es ist unvorstellbar, welche Energie ein einzelnes Individuum in dieses fürchterliche Geschrei investiert.
    Und genau darin liegt der
    Grund für diese musikalischen Darbietungen, bei denen sich Klippschliefer völlig verausgaben:
    Angeblich lassen sich die Weibchen von den komplexen Tonstrukturen enorm beeindrucken,
    mehr als von simplen.
    Das heißt: Die Anstrengungen werden belohnt:
    Wer besser singt, kriegt mehr Sex – bei Baumschliefern scheint das zu klappen.
    😉
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  • Nairobi , Teil 1

    18 Mac 2023

    Nairobi, Kenias Hauptstadt, wird gerne als Start- oder Endpunkt für eine Reise durch das Land gewählt. Aber die wenigsten Gäste halten sich hier länger auf, weil der Ort vermeintlich zu wenig zu bieten hat.
    Wir wollen hier zu einem bei Overlandern beliebten Platz, Jungle Junction, um ein paar Dinge zu reparieren, zu besorgen, zu erledigen und den weiteren Verlauf unserer Tour, die uns schon im nächsten Monat in den Mittleren Osten führt, zu planen.

    Am Lake Naivasha hatten wir ein kenianisches Paar kennengelernt, mit dem wir ein Stündchen nett plauderten.
    Die Beiden bestaunen unsere Camper und geben uns anschließend ein paar Tipps für unbedingte must dos in Kenia.
    Bevor wir uns am Ende verabschieden, tauschen wir noch unsere Telefonnummern aus.
    Freitag, den 17. März erreichen wir Nairobi, und Karola informiert die Beiden über unsere Ankunft.
    Und dann passiert etwas Wunderbares, etwas, was man kaum für möglich halten kann.
    Diese Menschen kennen uns gerade einmal eine Stunde und bescheren uns ein Wochenende in Nairobi, was wir alle vier nie mehr vergessen werden.
    Samstag um 10 Uhr holen sie uns am Campingplatz ab, und der Tag beginnt für uns alle mit einem herrlichen Frühstück in einem tollen Café.
    Danach bieten uns Lutter und Kathie ein Programm, was kein Reisebüro besser hätte zusammenstellen können. Ich möchte es mit Euch teilen:

    Die Ngong-Berge sind eine Hügelkette im Rift Valley südwestlich von Nairobi
    und unser erstes Ziel.
    Wenn ich irgendetwas von Kenia vorher gekannt habe, waren es die Ngong Berge, berühmt vor allem durch Karen Blixens Roman
    " Jenseits von Afrika", der mit folgenden Worten: „Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngong Berge“, beginnt.
    Nun befinden wir uns hier, am Fuße dieser legendären Ngong Hills, wo sich die bewegende Liebesgeschichte zwischen
    der dänischen Farmerin und Autorin Karen Blixen und Denys
    Finch Hatton, einem englischen Großwildjäger, Safari-Guide und Buschpiloten in Ostafrika abgespielt hat.
    Ich habe den Film Out of Africa geliebt, und wenn ich jetzt so meinen Blick in die unendliche Ferne schweifen lasse, weiß ich nicht, ob ich gerade Karen Blixen bin oder Meryl Streep.
    " Do you want some sugarcane juice, Inga?" , werde ich aus meinen Träumen gerissen, in denen Robert Redford Karen ( oder mir🤔) ganz verliebt die Haare wäscht.

    Da noch ein umfangreiches Programm vor uns liegt,
    verzichten wir auf eine
    Wanderung auf den malerischen sieben Hügeln.
    Nur eine kurze Zeit genießen wir
    auf der einen Seite den Blick gen Rift Valley, dem Großen Afrikanischen Grabenbruch, auf der anderen Seite den Blick auf den Nationalpark - wo sich im Hintergrund die Skyline der Millionenstadt Nairobi abzeichnet.
    Die Ngong Hills in Kenia sind ein kleines Eldorado für jene, die die stickige Metropole satt haben und mal ein wenig Natur und Landschaft brauchen.

    Von hier aus geht's zum nächsten Programmpunkt,
    dem berüchtigten Buxton-Tunnel in Kabuku.
    Im Internet wird er als der angeblich zweitlängste, gruseligste, dunkelste und gefährlichste Eisenbahntunnel Kenias beschrieben.
    Den kann man erobern, also eigentlich durchwandern,
    wenn man keine Angst vor der Dunkelheit hat oder Spukgeschichten einen nicht abschrecken können.
    Denn diese lange, hohe, bogenförmige Kuppel ist wegen vieler gruseliger Geschichten verrufen.
    Einheimische erinnern sich an schreckliche Erzählungen über den Tunnel; davon, dass er von Geistern heimgesucht wird und eine Räuberhöhle ist, berüchtigt für Verbrechen und Morde.
    Kurzum eine Strecke nur für Züge und Wagemutige!
    Natürlich gehören wir zu den Letzteren.
    Allerdings fehlt auch hier die Zeit für eine kompette Durchwanderung, und es bleibt nur der Blick in die Kilometer lange, dunkle Höhle, an deren fernem Ende wir das Tageslicht erspähen können.

    Danach geht es raus aus dem geschäftigen Nairobi, hinaus aufs Land.
    Außerhalb der Stadt reihen sich endlose Teeplantagen in einem fast unwirklich schön erscheinenden Grün aneinander.
    Die Felder wirken so, als habe man sie mit einer sattgrünen Wolldecke zugedeckt, die Teebüsche schmiegen sich dicht an dicht an die Hügel.
    Irgendwie kann man sich nicht vorstellen, dass wir uns nur wenige Kilometer außerhalb einer Millionenstadt befinden.
    Wenig später sind wir wieder mitten drin im Gewusel von Nairobi.
    Ich bin heilfroh, dass unsere Fahrzeuge sicher auf dem Campingplatz stehen. Lutter meistert dieses Chaos souverän und mit einer beeindruckenden Leichtigkeit.
    Unser nächster Stopp ist der berühmte Massai Markt.
    Hier gibt es typisch kenianische Accessoires und Mitbringsel aller Art. Ein buntes Treiben, wo Stoffe, Töpferware und andere Souvenirs in den leuchtendsten Farben angeboten werden.
    Als letzter Punkt steht das
    Kenya International Conference Centre (K.I.C.C)auf dem Programm.
    Es gilt als eine Ikone und das Wahrzeichen Kenias.
    Als wir am Eingang ankommen, teilt uns ein Security Guard mit, dass der Tower für heute leider schon geschlossen ist.
    Ich bin nicht sicher, was genau jetzt passiert, aber Lutter lässt sich nicht abwimmeln. Er wendet alle Tricks an, und schließlich dürfen wir Mzungus auf den eigentlich bereits gesperrten Turm herauf. Dafür macht der Liftjunge extra Überstunden.
    Oben angekommen verschlägt es uns die Sprache: der Blick über die Dächer von ganz Nairobi ist atemberaubend.....und die gesamte riesige Plattform gehört uns allein.
    So etwas habe ich noch nie erlebt, es ist wie ein Traum.
    Zim Abschluss des Tages führen uns Kathy und Lutter noch in ein tolles Restaurant mit typisch kenianischem Essen, das wir bis dahin erst einmal probiert haben.
    Ganz erfüllt von den unglaublichen Eindrücken des Tages kehren wir zum Campingplatz zurück.....und es bleibt uns nichts als DANKE zu sagen für ein 12 stündiges Programm und einen unvergesslichen Tag in Nairobi.
    Asante Sana, Marafiki.
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  • Nairobi Tag 2

    19 Mac 2023, Kenya ⋅ ⛅ 27 °C

    Nach einer Nacht, in der wir alle die ganz unterschiedlichen und wunderbaren Erlebnisse erst einmal verarbeiten müssen, folgt Tag 2 in Nairobi. Er sollte nicht minder außergewöhnlich werden als Tag 1.
    Kathy und Lutta holen uns gegen 10 Uhr beim Camp ab, gefrühstückt haben wir da schon. Etwas ganz Besonderes steht auf dem Programm: Ein Elefantenwaisenhaus. 🤔😮
    Beim Warten auf unser "Taxi" fragt uns Chris, der Besitzer von Jungle Junction, ob wir zufällig noch eine Eintrittskarte übrig haben. Eine Studentin aus Lüneburg würde sich uns sehr gerne anschließen, habe aber keine Karte mehr ergattern können.
    Als Lutta und Kathy kommen, zögern sie keine Sekunde. Ja, eine Karte sei noch übrig und mitfahren könne sie hinten im Gepäckraum des Autos. In Afrika ist Vieles beneidenswert unkompliziert!!
    Also packen wir Gillian ins Auto und machen uns auf den Weg zu David Sheldrick’s Elephant Orphanage ..... wirklich und wahrhaftig ein Waisenhaus für Elefantenbabys!

    Es ist das weltweit erfolgreichste Rettungs- und Rehabilitationsprogramm für verwaiste Tiere wie Nashörner, Giraffen und natürlich Elefanten.
    In ganz Kenia und Tansania werden sie eingesammelt, im Zentrum aufgenommen, um Jahre später ausgewildert und wieder in der freien Natur weiter leben zu können.

    Elefanten werden leider immer noch wegen ihrer weißen Elfenbein - Stoßzähne gejagt und getötet.
    Viele von ihnen sind Elefantenmütter, die ihre Babys hilflos und allein zurücklassen.
    Das ist eine Katastrophe, da die Kinder mindestens drei Jahre lang den Schutz und vor allem die nahrhafte Milch ihrer Mutter benötigen, um überleben zu können. Andernfalls sind sie verloren.
    Alle hier lebenden Babys waren dem Tod geweiht, sie wären entweder in der Wildnis verhungert oder Raubtieren zum Opfer gefallen.
    In der Orphanage finden sie ein neues Zuhause, leben als Herde zusammen und werden von ihren Pflegern liebevoll umsorgt und mit spezieller Milch aufgezogen, bis sie schließlich in die Freiheit entlassen werden.
    Seit Gründung des Elefantenwaisenhauses konnten auf diese Weise über 150 Elefantenwaisen gerettet und erfolgreich ausgewildert werden.
    Viele von ihnen kommen noch nach Jahren zu den Stationen der Nationalparks, um ihren Ersatzeltern stolz den eigenen Nachwuchs zu zeigen. Für die Pfleger ist dies mit Sicherheit das größte Geschenk und die höchste Anerkennung für ihre Arbeit.

    Bei der Fütterung an diesem Vormittag machen wir die Bekanntschaft mit 30 Elefantenwaisen in zwei Runden.
    Sobald die Kleinsten gesättigt sind, kommen die 2-3-Jährigen an die Reihe. Von ihnen werden einige bald alt genug sein, um sich selbst zu ernähren.
    Ausgewildert werden sie dann in Gruppen, zusammen mit mindestens zwei ihrer besten Kumpels.

    Jedes Elefantenkind wird uns Besuchern mit seinem Namen vorgestellt.
    Dabei erfahren wir auch das Alter und die Geschichte, die hinter seinem Aufenthalt steckt.
    Manch eines wurde wirklich in letzter Minute vor dem sicheren Tod gerettet.
    Beim Füttern halten die Pfleger überdimensional große Milchflaschen in der Hand, auf die die Babys schon von weitem reagieren und im Schweins- nein Elefantengalopp angeschossen kommen.
    Sind sie dann endlich satt, führen sie sich auf wie kleine Menschenkinder: sie spritzen mit Wasser, suhlen sich im Schlammloch und schützen mit dem dunklen Brei ihre empfindliche Haut vor den gefährlichen Sonnenstrahlen.
    Zwei der kleinen verdreckten Elefanten kommen so nahe an die Absperrung, dass ich ihren Rücken streicheln kann.
    Die Elefantenhaut fühlt sich rauh und dick an. Der Sonnencreme-Schlamm verleiht der Haut einen fettigen, rotbraunen Schimmer, der auch meine Hand einfärbt.
    Ein kleiner, noch etwas unbeholfener Kerl versucht, sich mit seinem noch kurzen Rüssel kühlenden Morast auf den Rücken zu pusten. Doch das geht vollkommen in die Hose. Sämtliche Besucher in seiner Nähe bekommen eine gehörige Portion Dreck ab, auf seinem Rücken landet leider gar nichts.
    Selbst einige Frauen mit vorher schneeweißen Blusen sehen danach aus wie Tüpfelhyänen, über und über mit schleimigem, rotbraunem Schlamm besprenkelt.
    Doch alle nehmen das kleine Missgeschick mit Humor.
    Im Stillen frage ich mich, ob das Elefantenjunge das Ganze nicht auch irgendwie ein wenig mit Absicht gemacht hat 🤔
    Egal, es war auf jeden Fall eine extrem witzige Einlage.
    Beim Verlassen des Geländes werfen wir noch einen kurzen Blick in die Elefantenboxen. Jedes Tierkind hat einen eigenen, sauber mit Stroh ausgelegten Stall. In der Ecke befindet sich auf Stelzen eine Holzpritsche mit einer Wolldecke. Das ist das Lager für den Pfleger.
    Ja, die Beiden teilen sich wirklich ihr Schlafzimmer, denn - wie richtige Babys- bekommen auch kleine Elefanten in der Nacht Durst.
    Der alte Pfleger erzählt uns, er habe erwachsene Kinder und Enkelkinder, die seine Hilfe nicht mehr brauchen. Jetzt sind die Elefanten seine Kinder.
    Dabei leuchten seine Augen so warm und herzlich, dass ich mir sicher bin, dass es den Elefantenbabys an nichts fehlt.

    Einmal einer Giraffe auf Augenhöhe begegnen - ihr denkt, das ist nicht möglich?
    Weit gefehlt!

    Beinahe um die Ecke der Elefantenwaisenfarm befindet sich das Giraffen Centre. Hier kann man die gelb-braunen Riesen antreffen, aus nächster Nähe betrachten, füttern, streicheln und - wer mag- auch küssen!
    Ihr dürft raten, wer es gemacht hat 😉
    Über Holzstufen gelangt man auf ein Plateau, dahinter und darunter erstreckt sich die eingezäunte Wiesen- und Waldfläche, wo die Giraffen leben.
    Pfleger verteilen beim Eingang Futterstückchen und frische Zweige mit Blättern, die man dann verfüttern kann.
    Sanft, elegant und vorsichtig nähern sich die riesigen Tiere, genießen die Leckereien und die Streicheleinheiten oder ziehen sich einfach zurück, wenn es ihnen zu bunt wird.
    Ich hätte nie gedacht, dass die Zunge einer Giraffe so lang ist.
    Hält man ihr das Futterstück entgegen, kommt sie gefühlt einen halben Meter aus dem Giraffenmaul. Wenn man es jetzt schafft, die Hand ruhig zu halten und nicht vor Schreck wegzuziehen, dreht sich Spitze der langen Zunge ganz geschickt um den Leckerbissen und verschwindet dann im großen Mund der Giraffe .
    Kai, ihr habt es bestimmt erraten, nimmt sein Futterstück zwischen die Zähne, die Giraffe nähert sich, es gibt eine ziemlich schleimige Mund zu Mund Berührung ..... und Daisy hat das Leckerchen sowie einen Kuss von Kai ergattert🤣.

    Die Kitengela Glasfabrik ist unser nächstes Ziel. Sie wurde 1990 von Anselm Croze in Kitengela, in der Nähe von Nairobi, gegründet. Anselm ist der Sohn einer Künstlerin und eines Elefantenforschers. Bereits in seiner frühen Kindheit wurde sein Interesse an der Glasherstellung geweckt. Nach Abschluss einer Lehre in Holland kehrte er nach Kenia zurück, mit dem Wunsch, die erste große Glaswerkstatt in Ost Afrika zu eröffnen.
    Zu Beginn hatte er mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Es gab keine Werkstatt, keine Arbeiter und keinen ausreichenden Zugang zu Elektrizität. Mit Hilfe von Freunden und Arbeitern aus der Region meisterte Anselm alle schwierigen Situationen und baute eine Fabrik.
    Anselm bot den Arbeitern eine Ausbildung an und schuf damit wichtige Arbeitsplätze in der Region. Im Laufe der Zeit entwickelte sich seine Fabrik immer weiter und wurde größer und größer.

    Heutzutage kommen Menschen aus aller Welt, angezogen von der magischen und antiken Kunst der Glasbläserei.
    Anselm verachtet Verschwendung, daher verwendet Kitengela Hot Glass ausschließlich recyceltes Glas und verwandelt dieses in neue Ideen und Objekte mit außergewöhnlichen Designs. Die Materialien kommen von Zulieferern aus der Bauindustrie, bestehend aus kaputten Fenstern oder alten Flaschen.
    Im Ausstellungsgarten bewundern wir extravagante Figuren, bunte Glaswaren, Mosaike, Wandbilder und Kunstfiguren. Ein wenig erinnert das Ganze mit den leuchtenden Farben, runden und bunten Formen an Hundertwasser Ausstellungen. Alles wirkt freundlich und einladend.
    Alex, ein Mitarbeiter, vermittelt uns einen kurzen Einblick in den Prozess der Glasbläserkunst: das Glas im Ofen zu erhitzen und zu schmelzen, zu formen, durch die Luft zu schwingen, um schließlich die verschiedensten Formen zu kreieren.
    Er ist sichtlich in seinem Element und scheint völlig in seiner Arbeit aufzugehen.
    Nach der Vorführung frage ich ihn, wie er denn darauf gekommen ist, diesen Beruf zu erlernen.
    Bei einem zufälligen Besuch der damals noch ganz kleinen Fabrik habe er einem Glasbläser bei seiner Arbeit zugesehen und sei völlig fasziniert gewesen. Das hatte Anselm bemerkt und Alex angeboten, eine Ausbildung bei ihm zu machen. Seitdem würde er - inzwischen schon 25 Jahre - in seinem Traumberuf arbeiten. Nichts auf der Welt würde er lieber machen.
    Was für ein unglaublicher Zufall!

    Nach einem leckeren Abendessen sitzen wir noch kurz auf die Terrasse des Jungle Junction Camps.
    Gillian fliegt morgen früh um 5 Uhr wieder nach Hause, und Cathy und Lutta müssen arbeiten.
    Also heißt es Abschied nehmen. Der Spruch " Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde " passt auf unsere Situation wirklich.
    Hoffentlich sehen wir uns irgendwo und irgendwann noch einmal, vielleicht sogar in Namibia oder Deutschland.
    Bis dahin: Take care of yourselves ... und Danke für alles aus vollem Herzen!
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  • Tsavo West Nationalpark

    23 Mac 2023, Kenya ⋅ 🌧 30 °C

    Der Tsavo West Nationalpark soll nun unser letzter Park in Afrika sein. Ein komisches Gefühl nach fast 8 Monaten, die wir auf dem afrikanischen Kontinent verbracht haben.
    Was erwartet uns im Mittleren Osten?
    Vielleicht wird einiges ähnlich sein......Der
    Tagesablauf mit: Frühstücken, Zusammen packen und eine Strecke von A nach B zurücklegen.
    Das meiste jedoch wird komplett anders werden.
    Die Landschaft, die Kultur, die Religion und nicht zuletzt die Menschen auf der arabischen Halbinsel.

    Aber nun zurück zum Tsavo.
    Der überwiegende Teil des Parks ist Buschland, weshalb es nicht gerade leicht fällt, Tiere zu erblicken. Daher sind besonders die Wasserstellen interessant, denn dort sammeln sie sich wegen der großen Dürre.
    Eine Besonderheit des Parks sind die riesigen Lavafelder, über und durch sogar die Hauptstraße des Gebietes führt. Entstanden sind sie bei einem Lavaausbruch vor ca 200 Jahren, doch bisher immer noch frei von jeglicher Vegetation.
    Mitten im Park befinden sich die Mzima Quellen. Hier entspringt das sauberste Frischwasser in ganz Kenia - aufgrund der Filterwirkung des Vulkangesteins.
    Es fließt bis Mombasa und stellt dort 90 Prozent der Trinkwasserversorgung sicher.
    Doch sollte man tunlichst vermeiden, sich dem so friedlich aussehenden Gewässer zu sehr zu nähern. Es lauern da nämlich Krokodile unter der Wasseroberfläche und warten auf fette Beute.
    Über eine kleine Holzbrücke gelangen wir in einen Unterwasserstand.
    Die Scheiben sind zwar voller Algen und teilweise mit Sprüngen versehen, doch erspähen wir von hier unten den ein oder anderen Fisch, vorwiegend fette Karpfen.

    Die Strecke durch dem Park empfinde ich zum allergrößten Teil als fürchterliche Qual, obwohl wir doch inzwischen einiges gewohnt sind.
    Eigentlich bin ich während der Fahrt immer angeschnallt; gerade jetzt aber einmal nicht.
    Es gibt einen riesigen Schlag Krach, Bumm, Donner und Doria ......mein Luxussessel verwandelt sich in Sekunden in einen Schleudersitz und ich liege quer über Viktors Schoß, mit dem Oberkörper kopfüber im Fußraum eingekeilt.
    Viktors verkneift sich mit Mühe ein lautes Lachen. Besser so, das wäre ihm auch nicht gut bekommen 😬
    Bestimmt habe ich jetzt wieder ein paar neue fette blaue Flecken, wo die letzten von der Rafting Tour gerade erst verheilt sind.

    Der Campground für die nächste Nacht ist von der Ausstattung weniger als basic, trotzdem müssen wir insgesamt wieder sage und schreibe 147 US Dollar abdrücken.
    Das gehört zweifelsfrei zu den Dingen, die ich mit Sicherheit nicht vermissen werde.
    Die Landschaft des Parks ist wunderschön und außergewöhnlich, auch durch einige zum Teil über 2000 Meter hohen Berge.
    Wir verabschieden uns von Elefanten, Giraffen, Büffeln, Oryx-Antilopen, kleinen Buschböckchen, Krokodilen und vielen anderen, uns vertraut gewordenen Tieren.
    Auf dem Weg nach Osten übernachten wir noch einmal vor Kimana, um dann schließlich am 24. März die Ostküste Kenias zu erreichen.
    Waren wir in den letzten Wochen von den angenehmen Temperaturen, insbesondere nachts, verwöhnt worden, trifft uns die Hitze unvorbereitet und
    erschlägt uns förmlich.
    Zudem machen uns Tausende von Moskitos das Leben zur Hölle.
    Eigentlich sind wir jetzt schon in einer anderen Welt angekommen.
    2 Tage verbringen wir Stunden damit, unsere Weiterreise zu planen, obwohl wir doch schon so vieles organisiert und haben.
    Wir brauchen ein Quartier in Mombasa, bevor wir unsere Camper auf die Fähre gebracht haben.
    Die Container für die Autos sind gebucht und angezahlt.
    Sind sie abgegeben und auf dem Schiff ( an diese Aktion darf ich gar nicht denken), benötigen wir eine Bleibe anstelle unserer Mobile homes.
    Das Schiff mit unseren Autos wird, wenn alles nach Plan läuft, Mombasa am 7. April verlassen und am 11. April in Salalah im Oman ankommen.
    Wir buchen 2 Flüge: einen von Mombasa nach Muskat und den zweiten von dort nach Salalah am 10. April mit Ankunft am 11.
    Dann soll es zwischen 1 und 3 Werktagen dauern, um unsere Autos wieder aus den Containern zu holen.
    Ich wünschte, ich könnte am Zeitrad drehen und den ganzen Mist mit einem kleinen Wink mit dem Zauberstab überspringen.
    Doch da so etwas leider nur im Märchen möglich ist, müssen wir die Sache jetzt gemeinsam angehen und genauso schaffen wie viele Hürden zuvor auf der Reise, die wir auch zusammen gemeistert haben.
    PLEASE! Keep your fingers crossed for us 🤞✊️❤️
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  • Hell's Kitchen and Gede Ruins

    27 Mac 2023, Kenya ⋅ 🌧 22 °C

    An der Küste ist es nahezu unerträglich heiß, selbst in der Nacht wird es kaum spürbar kühler.
    Trotzdem organisieren wir einen Tagesausflug, der uns zu zwei sehenswerten Stätten nördlich von Watamu Beach führen soll.
    Dazu buchen wir ein Auto mit einem Fahrer und einen Guide. Um 8.30 Uhr geht es mit einer guten halben Stunde Verspätung ( üblich für Afrika, aber trotzdem immer ein wenig ärgerlich), los.

    Hell`s Kitchen ist ein wunderschöner Sandsteincanyon mit bunt übereinander geschichteten Ablagerungen.
    Durch ständige Regenfälle erodierte das Gestein im Laufe der Jahrtausende, wodurch eine Schlucht entstanden ist, in der sich Zinnen, Schluchten, hoch aufragende Türme und gewundene Strukturen (bis zu 30 Metern Höhe) abwechseln.
    Bei einem Rundgang mit einem lokalen Guide spazieren wir entlang dieser teils skurrilen Gebilde.
    Das angeblich fließende Deutsch unseres Führers beschränkt sich auf 2 bis zur Unkenntlichkeit entstellte Sätze: " Kannscht machen Foto hier" und " Langscham gehen, Pole, Pole".
    Das kann einem nach einer einstündigen Wanderung ganz schön auf die durch die erbarmungslose Sonneneinstrahlung ohnehin stark strapaziertem Nerven gehen.
    Spätestens hier wird uns klar, wie der Platz zu seinem Namen kam: In der Hölle kann es nicht heißer sein. 🔥
    Aber schön ist es trotzdem:
    Mit dem Einfall der Sonnenstrahlen variieren die Farben des Sandsteins zwischen Weiß, Rosa, Orange und tiefem Purpur und schaffen eine einzigartige Kulisse.

    Die Ruinenstadt Gedi ist eine von vielen mittelalterlichen Suaheli-Küstensiedlungen, die sich von Mogadischu, Somalia, bis zum Sambesi in Mosambik erstrecken.

    Als wir ihn erreichen, macht dieser historische Ruinenort seinem Ruf als verlassene Stadt alle Ehre. Gespenstisch leer ist das rund 20 Hektar große Areal, über dem sich an diesem Tag dunkle Wolken am Himmel entlang schieben.
    Nur wir – zumindest scheint es so – und unzählige Äffchen halten hier die Stellung.

    Die Mythen, die sich um
    die einst florierende und später versunkene Handelsstadt im Kilifi-Distrikt im Nord-Osten Kenia ranken, eilen ihr voraus. Damals muss hier das Leben getobt haben. 2500 Menschen, die meisten von ihnen Seeleute, Händler und Siedler aus dem Oman, residierten an dem Ort. Seinen Reichtum verdankte er dem Gewürzhandel, der Gede zu einem der wichtigsten Plätze entlang der afrikanischen Ostküste werden ließ.

    Die Bewohner müssen eindeutig große Händler gewesen sein, denn in den Ruinen wurden venezianische Perlen, Münzen und eine Ming-Vase aus China sowie Waren aus Europa und Indien gefunden.

    Im frühen 16. Jahrhundert führte jedoch ein unbekanntes Ereignis dazu, dass die gesamte Stadt innerhalb kürzester Zeit evakuiert und verlassen wurde.
    Gab es eine Seuche? Wurden die Bewohner überfallen? Lag der Grundwasserspiegel des immer weiter zurückgehenden Meeres schlichtweg zu tief?
    Noch heute tappen die Historiker im Dunkeln. Ein historisches Rätsel – das bislang nicht gelöst werden konnte.

    Fest steht, dass die Natur in der Folge viel Zeit hatte, den Ort, der damals noch tief im Arabuko-Sokoke-Wald versteckt lag, zurückzuerobern. Erst im Jahr 1884 wurde die Stätte von britischen Kolonialisten wiederentdeckt, als diese den Wald roden wollten. Fortan wurden die Überreste der großen, gut etablierten Stadt mit großer Vorsicht freigelegt.
    Was blieb, ist die mystische Atmosphäre, die jedem einzelnen Korallenstein aus dem Indischen Ozean anhaftet, aus dem die Gebäude und Residenzen gebaut und bis heute erhalten sind. Normale Wohnhäuser aus strohgedeckten Lehmbauten sind der Natur gewichen, aber der Torbogen zu einer beeindruckend großen Moschee, der Sultanpalast, mehrere kleine Gebetshäuser, 14 Steinhäuser mit fortschrittlicher Entwässerung, diverse Hallen, Versammlungsstätten und ein Grabmal, dessen Inschrift von Archäologen auf 1399 datiert wurde, sind erhalten geblieben.

    Auf den Steinbänken vor dem Palast, auf denen wir ein wenig im Schatten ausruhen, sollen einst der Sultan und seine Berater debattiert haben.
    Ich würde sie so gerne hören, die vielen Geschichten, die all diese Steine zu erzählen haben.

    Als wir Gede verlassen, wird uns einmal mehr der Kontrast zwischen der wohlhabenden historischen Stadt und dem Leben dort draußen vor den Ruinen bewusst. Denn während die reichen Bewohner bereits zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert in Häusern mit Badezimmern und Toilettenspülung lebten, müssen viele Einwohner im heutigen Gede ganz ohne Strom und fließendes Wasser auskommen.

    Schwer zu begreifen, oder?
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  • Die Verladung

    1 April 2023, Kenya ⋅ ☀️ 32 °C

    Am 1. April holt uns Bernhard, unser Agent für die Verschiffung, an unserer bescheidenen
    Unterkunft ab.
    Wir fahren zum letzten Mal auf Afrikas Straßen.
    Im Hafen angekommen stehen mindestens 10 Leute wie aufgereiht und warten auf uns.
    Mir fällt eine Riesenlast von den Schultern. Soooo viele Helfer, da kann nichts mehr schief gehen. Sollte alle meine Angst unbegründet gewesen sein?
    Bernard, der Agent, schmeißt sich sofort auf den erstbesten Stuhl, den er findet und wird ihn in den nächsten 4 Stunden nicht mehr verlassen.
    Schnell realisiere ich, dass auch die anderen Gestalten mehr oder weniger nur Komparsen sind. Bei uns würde man sagen, sie stehen den Spaten krumm.
    O mein Gott. So ähnlich hatte ich es befürchtet und in diversen Alpträumen durchlebt.
    Wir haben keine Wahl: Kai, Viktor und Ian, ein Motorrad fahrender Schotte, der sich mit uns den Container teilt, nehmen die Sache kurz entschlossen selbst in die Hand.
    Es fängt alles gut an ......zu gut!!!! Es hätte mich misstrauisch machen müssen!
    Die Tür des kleinen Containers wird geöffnet, Kai fährt hinein, das Auto wird verzurrt, die Tür geschlossen. Fertig!!
    Aber jetzt beginnt ein nicht enden wollender Alptraum.
    Zunächst fährt Viktor den Camper rückwärts an den Eingang des Containers.
    Mit einem Blick kann ich es erkennen:
    Diese Dimensionen können nicht funktionieren: Das Containerloch ist klein, unser Camper dagegen rieeeeesengroß. Wie war die Geschichte mit dem Elefanten und dem Nadelöhr?
    Die Komparsen schauen zu .....teils interessiert, teils gelangweilt.
    Viktor und Kai indes lassen sich nicht aus ihrer stoischen Ruhe bringen. Thanks God! Das und nur das ist unsere Rettung!!
    Nun muss der Aufbau abgebockt werden. Leider nicht auf ebenem Boden, das wäre zu einfach! Nein, 2 Beine des Campers werden auf einer mindestens 100 Jahre alten, vergammelten, verbogenen und noch dazu schrägen Rampe Halt finden müssen.
    Die zwei anderen werden auf Schwerlastrollen, die noch auf dem Betonboden stehen, fixiert. Viktor hatte die extra für das Unternehmen " Verschiffung " gekauft.
    An allen 4 Beinen oder Stempeln des Aufbaus wird gekurbelt, so dass der Aufsatz vom Toyota abgebockt werden kann.
    Inzwischen sind 2 Komparsen zu unseren Männern gestoßen und zeigen jetzt echt eifrigen Einsatz 🙏
    Plötzlich kommt der Warnruf von Kai: Auf seiner Seite stellt sich das meiner Meinung nach viel zu dünne Beinchen auf der Schwerlastrolle schief. Das funktioniert so nicht. Der Camper kippt uns runter.
    Spätestens jetzt ist der Moment gekommen, wo ich anfange, zu hyperventilieren. Mir wird schwarz, ganz rabenschwarz vor Augen.
    Gleich werde ich ohnmächtig!
    Die Hitze, es ist bestimmt an die 40 Grad, tut ihr Übriges.
    Ian schleppt Kartons an, die er auf dem Gelände findet. Damit bekleben wir die Seitenwände, um sie so vor Beulen und Schrammen zu schützen, wenn der Container schwanken sollte.
    Das erscheint mir im Augenblick als überflüssig, wenn ich mir die Schieflage anschaue, in der sich der Camper momentan befindet.
    Knallt oder rutscht der da jetzt von der Rampe, ist er zerstört, ramponiert auseinandergebrochen ....also Schrott. Die Reise wäre mit einem Schlag zu Ende. 😱
    Mit Brecheisen, Wagenhebern und allem Werkzeug, dessen wir habhaft werden können, bewegen die Männer den Aufbau Millimeter für Millimeter nach vorne in den Container hinein.
    Viktor sägt zwischendurch mit seiner Baumsäge Bohlen zurecht, die für noch mehr Stabilität sorgen sollen. Die Komparsen staunen 😳
    Dann geht plötzlich nichts mehr. Alle Möglichkeiten sind ausgereizt. Wir brüllen verzweifelt nach einem Gabelstapler.
    Und..... ja!!!!! Oh, welch ein Wunder, welch ein unbeschreibliches Glück. ER WIRD GEBRACHT!!!!! Warum, um alles in der Welt ist Bernard mit seiner 10 köpfigen Crew nicht selbst darauf gekommen?🤔
    Der Fahrer versteht seinen Job, spießt unseren Aufsatz gekonnt auf die langen Zacken auf und manövriert ihn in einem nicht zu kopierenden Balanceakt hinein in die Tiefen des Containers.
    Nach mehr als dreieinhalb fürchterlichen Stunden mit Angst- , Hitzeschweiß und manchem Tränchen in den Augen ist der Kasten drin.
    Aber wo ist mein Mann???
    Er ist hinter dem Container eingesperrt !!! Oh mein Gott!
    Den können wir da unter keinen Umständen bis zum 11. April drin lassen!
    An den Seiten ist kein Platz mehr, selbst für ihn nicht, der inzwischen nur noch 71 kg wiegt! Also baut er kurzerhand die Luke aus, die die Verbindung zwischen Kabine und Fahrerhaus bildet, und klettert durch die kleine Öffnung hinaus die Freiheit.
    Es folgen noch zwei mühsame Stunden mit Paperwork, mit denen ich euch aber nicht langweilen will.
    Nur kurz die kleine Story am Rand. Als Viktor, der als einziger von uns mit in das Bürogebäude geht, nach geraumer Zeit immer noch nicht zurückkommt, marschiere ich hinterher.
    Vor den 10 Büroräumen sitzen in einer langen Reihe andere Wartende. Von Viktor keine Spur.
    " Where is the Mzungu?", frage ich in die Runde. Wie auf Kommando springen alle auf und zeigen auf eine Tür: " He is in there!"

    Und wirklich, da finde ich Viktor in einem Sessel, ziemlich gechillt, weil der Raum nämlich klimatisiert ist. Er will gar nicht mehr da raus.
    Verschwitzt, verdreckt, mit den Nerven am Ende, aber unglaublich erleichtert fahren wir mit einem Taxi zurück zu unserem Quartier

    Nein, heute möchte ich noch nicht daran denken, dass die gesamte Prozedur - in umgekehrter Reihenfolge- im Oman noch einmal vor uns liegt .😱
    Euch allen möchte ich noch einmal " Danke " sagen für eine einzigartige, bemerkenswerte, unglaubliche Unterstützung aus der Heimat.
    Ihr seid ' amazing"❤️❤️❤️
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  • Die letzten Tage in Afrika

    2 April 2023, Kenya

    Mombasa ist die zweitgrößte Stadt in Kenia und liegt am Indischen Ozean.
    Der Taxifahrer, der uns vom Hafen zu unserem Quartier für 4 Nächte in Mombasa gebracht hat, will uns einen ganzen Tag lang seine Stadt zeigen.
    Das Erste, was wir besichtigen, ist die berühmte Moi Avenue mit dem Wahrzeichen von Mombasa.
    Zwei riesige Tore in Form von Elefanten - Stoßzähnen überspannen die gesamte Breite der Straße.
    Das berühmte Monument wurde 1962 zum Besuch der Queen erbaut, als Kenia noch eine englische Kolonie war. Es heißt, wenn man die Stoßzähne verpasst hat, ist man nie in Mombasa gewesen.

    Die Altstadt mit ihren ursprünglichen Häusern in arabischer Architektur, Moscheen und lokalen Märkten ist der authentischste Teil von Mombasa.
    Eines der ältesten Gebäude hier ist das Fort Jesus, dessen
    Geschichte weit zurückreicht.
    Zwischen 1593 und 1596 hatten die Portugiesen die Festung von Mombasa auf einem Korallenfelsen errichtet, um die Zufahrt in die Lagune vor Eindringlingen zu schützen. Auch der alte Hafen konnte so nicht von außen angesteuert werden, ohne dass man es von Fort Jesus aus bemerkt hätte. Darüber hinaus ging es Portugal darum, in den bis dahin von Nahost und Asien dominierten Handel über den Indischen Ozean einzugreifen.
    1895 übernahm dann Großbritannien Fort Jesus und machte ein Gefängnis aus der Festung, ehe es in den 1950er Jahren Kenia zufiel und zu einem nationalen Denkmal und schließlich 2011 zum Unesco-Weltkulturerbe deklariert wurde.

    Zum Schluss
    besuchen wir noch den Haller Park.
    Eine karge Landschaft mit stillgelegten Kalksteinbrüchen wurde hier in ein lebendiges und buntes Ökosystem aus Wald, Grasland und Teichen verwandelt. Derzeit beherbergt der Haller Park eine Vielzahl von Wildtieren, darunter Flusspferde, Krokodile, Giraffen, Büffel und Antilopen sowie kleinere Säugetiere und Vögel.

    Unser Taxifahrer behauptet, ein klein wenig Deutsch zu sprechen. Es beschränkt sich allerdings auf: Hallo, wie geht 's ? und Alles klar?
    Das ist weniger als ich in Japanisch auf die Reihe kriege 😉
    Dafür sind seine Englischkenntnisse einigermaßen gut, was nicht ungewöhnlich ist.
    Während die jüngeren Kenianer und die, die mal eine Schule besucht haben, oft recht passables Englisch sprechen, reden die Älteren und die sozialen Unterschichten oft nur Suaheli. Diese Sprache hat uns, egal wo wir ihr begegnet sind, immer wieder gut gefallen.

    „Hallo" zum Beispiel heißt „Jambo“ (dschambo), ein Wort, das man seinem Gegenüber so richtig freudig und freundlich entgegenschmettern kann. " Karibu" heißt " Herzlich willkommen" und wird unzählige Male am Tag verwendet, ist aber immer ehrlich gemeint.
    „Langsam“ heißt „pole pole“ - sehr wichtig in Tuc Tucs und Minibussen, wenn der Fahrer einmal wieder fährt wie der letzte Henker.
    „Kein Problem“ heißt „Hakuna Matata“ - ein Ausspruch, den wir schon vom König der Löwen kannten! Die Worte werden häufig benutzt, wenn Kenianer jemanden beschwichtigen wollen.

    Für viele Dinge gibt es keinen eigenen Begriff in Suaheli. In diesen Fällen wird einfach der englische Ausdruck verwendet und ein „i“ angehängt.
    „Straße“ ist „Roadi“
    „Guesthouse“ wird zu „Guesti“
    Und das ist mein Favorit: Ein Kreisverkehr (hierbei muss man bedenken, dass in Kenia Linksverkehr herrscht) ist ein „Keepi Lefti“! 🤣
    So einfach ist das!

    Am 4. April bringt uns James, unser Taxifahrer, nach Diani Beach, wo wir die letzten Tage vor unserem Abflug in den Oman verbringen wollen.
    Wir haben für die ersten Tage in Salalah noch kein Hotel - kein Mensch kann voraussagen, wie lange es dauern wird, unsere Autos aus dem Container und letzten Endes aus dem Hafen zu holen.
    Um solche und ähnliche Dinge werden wir uns in den nächsten Tagen kümmern.
    Wir werden den legendären Strand von Diani Beach erkunden, chillen, Spaziergänge unternehmen, ein bisschen shoppen gehen und abends Fußball gucken ( DFB Pokal).
    Unser Quartier hier im Ort ist ein Baumhaus, das um einen 800 Jahre alten Baobab herum errichtet wurde.
    Die Idee ist originell und nahezu einmalig. Über Tag gefällt mit unsere Bleibe auch wirklich gut. Doch spätestens bei Einbruch der Dunkelheit muss ich mich sehr zusammenreißen, damit meine Phantasie nicht mit mir durchgeht.
    Welche - zum Teil auch unliebsamen- Besucher können sich im Schatten der Nacht hier einschleichen?
    Ich darf gar nicht erst anfangen, darüber nachzudenken.
    Deshalb muss Viktor abends das Moskitonetz über unserem Himmelbett fest an allen Seiten verschließen, damit kein ungebetener Gast den Weg zu mir in den Kokon findet.
    Zudem stelle ich eine kleine Campinglampe neben mein Kopfkissen, so dass es nicht so stockdunkel ist im Raum und ich eventuelle Angreifer rechtzeitig erkennen und verjagen kann.
    Trotzdem ist der Schlaf bei weitem nicht so erholsam wie in unserem Camper, den ich wirklich sehr vermisse!

    Am 10. April, also Ostermontag verlassen wir Afrika und fliegen in den Oman.
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  • Asante Sana, Afrika

    10 April 2023, Kenya ⋅ ☁️ 29 °C

    Es ist so weit: Wir sind auf dem Weg zum Flughafen in Mombasa, um Afrika zu verlassen ...... Zeit für einen Blick zurück.
    In den Monaten unserer Reise haben wir erleben dürfen, wie das Sonnenlicht den Sand der Wüsten gelb leuchten lässt, wie es sich anfühlt, im Regenwald am Äquator zu wandern, tropische Luft zu atmen und hinter manchem Rascheln ein wildes Tier, vielleicht sogar einen Elefanten oder gar Gorilla zu vermuten.
    Wir wissen nun, wie wuselig und lebendig die Städte und still die Ebenen sein können – ja, und wir haben diese viel zitierte Freiheit verspürt, die man bei Sonnenuntergängen in Afrika fühlen soll.
    Vor allem haben wir Menschen kennen gelernt, die in den Ländern Afrikas, wo wir uns nur einen begrenzten Zeitraum aufhielten, zu Hause sind. Durch sie haben wir Einblicke in das Leben auf diesem Kontinenten bekommen, Freundschaften geschlossen, mit ihnen gelacht und manchmal auch geweint.
    Und wir haben in diesem Wunderland alles gesehen, was die afrikanische Tierwelt zu bieten hat. Elefanten, Giraffen, Krokodile, Nilpferde, Zebras, Löwen, Geparden, Büffel, Leoparden Gorillas...

    Die Vorstellungen, die wir vor der Reise im Kopf hatten, ersetzen wir nun durch selbst gemachte Erfahrungen und Erlebnisse, und so entstehen unsere eigenen Bilder: vielfältig, bunt, schön, erschütternd, den ursprünglichen ähnlich, aber oft auch grundverschieden.

    Dankbar, erfüllt, ja, .... aber auch neugierig und bereit für Neues gehen wir unseren Weg weiter.
    Für mich ist es an der Zeit, den afrikanischen Kontinenten zu verlassen, denn die erbarmungslose Armut und der Dreck haben Spuren hinterlassen.
    Es zieht mich nach Hause, zu unseren Freunden und unseren Kindern, die ich unglaublich vermisse.

    Wir kennen ihn nicht genau, den Weg, der vor uns liegt.
    Manchmal befürchte ich, dass mich inzwischen ein bisschen die Kraft verlässt, zu planen, zu organisieren, zu verwerfen und neu zu beginnen, zu kämpfen und auszuhalten.
    Doch wir müssen das jetzt gemeinsam zu Ende bringen.
    Nach Hause zu fliegen wäre im Augenblick ein reizvoller Gedanke, aber ich kann meinen Mann nicht alleine lassen. Er würde das umgekehrt auch nie tun.
    Also fliegen wir jetzt zunächst nach Muskat im Oman, von da aus nach Salalah, wo dann unsere Autos so Gott will wohlbehalten ankommen und hoffentlich in einem weniger nervenzerreißenden Krimi entladen werden können.
    Anschließend soll die Reise weiter führen durch den Oman. An der Grenze zum Iran erwartet uns jemand, der uns durch das Land eskortiert bis an die Grenze zur Türkei oder in den Nordirak.
    Sind wir in der Türkei angekommen, wird es hoffentlich ein wenig leichter werden. Europa, also den Balkan schaffen wir mit links. Leider bleibt für diesen entspannteren Teil nicht mehr viel Zeit. Afrika hat länger gedauert als erwartet und geplant.

    Kurzum : Der Weg bis zu Hause ist noch weit.

    „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde! “
    So beginnt ein Gedicht von Hermann Hesse über Abschied und Neubeginn, das mich seit meiner Schulzeit begleitet – vor allem dann, wenn sich in meinem Leben etwas verändert zum Guten wie zum Traurigen.
    Die Zeilen handeln von der Wehmut, die sich einstellt, wenn etwas zu Ende geht, das über längere Zeit das eigene Leben geprägt und bestimmt hat oder wenn man sich von Menschen trennen muss, mit denen man ein Stück seines Lebenswegs gegangen ist.
    Beides ist jetzt bei uns der Fall.

    Aber, so zeigt das Gedicht, das ist eben nur die eine Seite. Die andere heißt: wenn ich eine Aufgabe loslasse, habe ich Kopf und Herz frei, um neue Herausforderungen anzunehmen. Es kommt im wahrsten Sinn des Wortes Anderes in den Blick - neue Möglichkeiten und andere Menschen, die die nächste Etappe meines Wegs mit mir gehen, wo auch immer das sein wird.
    Abschied und Neubeginn also - zwei Seiten einer Medaille, die das Leben ausmachen.
    Für uns endet hier wieder ein Abschnitt und ein neuer beginnt.
    Wir sind gespannt darauf.
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  • Ausreise mit Hindernissen

    11 April 2023, Oman ⋅ ☀️ 28 °C

    Es wäre nicht unsere Reise gewesen, wenn das Verlassen des Landes ohne Probleme geklappt hätte.
    Doch will ich euch die Geschichte der Reihe nach erzählen:
    Um 10 Uhr kommt James, der Taxifahrer, mit dem wir schon die Stadtrundfahrt in Mombasa gemacht hatten, uns beim Tree House abholen.
    Unsere Taschen sind gepackt, und los geht die Fahrt zum Flughafen.
    Nach ca 7 Kilometern erhält Karola eine Nachricht über WhatsApp, dass wir etwas im Baumhaus vergessen haben. Die nette Hausangestellte schickt ein Bild: Oh, nein. Das ist meine kleine Campinglampe aus Costa Rica. Die kann ich unmöglich dort zurücklassen. Ich hänge an dem Lichtlein, es ist eine wunderbare Erinnerung an diesen Urlaub.
    Ich hatte sie während der Nacht in unserem Bett unter meinem Kopfkissen versteckt, natürlich nicht ohne Grund.
    Da es in dem Baumhaus keine Fensterscheiben gibt, können Mücken, Käfer Würmer oder Spinnen dort ungehindert eindringen. Also musste ich jede Viertelstunde unsere Schlafstatt ausleuchten und kontrollieren, ob nicht schon welche dieser ungebetenen Gäste unter meine Bettdecke gekrabbelt waren. Meist habe ich die Lampe zwischen den Einsätzen einfach brennen lassen und unter dem Kissen versteckt, damit Viktor, der in dieser Hinsicht ungemein empfindlich ist, nicht gestört wurde.
    Weil der Akku in der Nacht irgendwann leer war, habe ich das Licht dann leider im Bett vergessen.
    Aber James wendet und fährt, ohne zu murren, zurück und holt meine Lampe.
    Nur Viktor knurrt ein bisschen, was ich aber einfach überhöre.

    Wir erreichen den Flughafen um 13 Uhr , unser Flieger nach Addis Abeba geht um 17.30 Uhr.
    Vor uns liegt alle Zeit der Welt, und so trödeln wir noch ein wenig in der Eingangshalle herum. Das soll sich später als fataler Fehler erweisen.
    Um 14.30 stehen wir schließlich am Schalter und wollen einchecken.
    Wir haben alle Unterlagen sorgfältig zusammen gestellt:
    Reisepass, Ticket in elektronischer sowie in altbewährter, ausgedruckter Form, E Visum für den Oman sowie den Nachweis über eine Hotelbuchung in Salalah.
    Doch leider findet die penible Dame am Schalter trotzdem ein Haar in der Suppe: Auf unserem Visum steht im Kleingedruckten: Applicant must have a RETURN TICKET.
    Das haben wir natürlich nicht, wäre ja auch echt bescheuert.
    Wir erklären der Frau unsere spezielle Art des Reisens, die ihr aber offensichtlich vollkommen unbekannt ist.
    Wir wissen natürlich selbst, so etwas kommt nicht alle Tage vor. Wer fährt schon mit seinem eigenen Auto von Südafrika nach Europa?
    Doch auch dem Dümmsten müsste ohne große Erklärungen klar sein:
    Das Stück Meer, das zwischen den beiden Kontinenten liegt, können wir nicht einfach durchfahren, sondern müssen es überfliegen, während unsere Autos auf dem Seeweg in den Oman gebracht werden.
    "Where is your return ticket?"
    "We don't have one. We don't need it, because
    we want to continue to travel in our car!"
    "Why don't you drive in your car then? Why do you fly?"
    "Our car can' t swim ", mache ich nochmal einen letzten, verzweifelten Versuch. "It has to go on the ship and we must fly, because we can't go on the ship."
    Zugegeben, das Ganze klingt schon ein wenig verwirrend.
    Aber mit eingeschaltetem Gehirn und ein ganz klein wenig Nachdenken müsste man den Sachverhalt eigentlich verstehen.
    Die Dame aber schaut mich an, als sei ich nicht nur ein Mzungu, sondern komplett von einem anderen Stern.
    Sie kann oder will es nicht kapieren.

    Wie um alles in der Welt kommt eine Person mit einem solchen Spatzenhirn auf so eine Position?
    Ich bin fassungslos und verzweifelt.......und, was das Schlimmste ist: ihr ausgeliefert!!!

    Als dann die Schlange hinter uns allmählich immer weiter abgearbeitet ist, wir aber immer noch nicht einchecken dürfen, geraten wir dann doch ein bisschen in Panik.
    Die Frau telefoniert zwar intensiv, kommt aber im Grunde keinen Schritt weiter. Und uns läuft die Zeit davon.
    Schließlich verlangen wir nach ihrem Boss und werden in einen Büroraum geführt, wo Kai und Karola schon warten. Sie sind noch angespannter als vorhin. Was ist passiert?
    Ein bisschen erinnert das Ganze an einen billigen Slapstick : kurz nachdem die Beiden den Raum betreten haben, gab es einen Kurzschluss, die Kabel fingen an zu schmoren, gefährlich zu rauchen und schließlich zu brennen.
    Nicht lange, aber doch intensiv genug, um sämtliche Leitungen für den Computer sowie für das Telefon außer Gefecht zu setzen. Der Kontakt zu irgendwelchen Vorgestzten oder Leuten, die Ahnung haben und uns helfen könnten, ist gekappt!
    Das kann nicht wahr sein: unser Flieger wird in eineinhalb Stunden Mombasa verlassen - mit oder - und das wird immer wahrscheinlicher - ohne uns.

    Wir erklären erneut unsere Situation, einer nach dem anderen, jeder mit einer anderen Taktik: schleimend, bittend, fordernd, sauer und aufgebracht und unglaublich verzweifelt. NICHTS hilft.
    Die beiden Angestellten sind nicht nur stur, sondern auch noch blöd. Eine Kombination, die mich schon in der Schule immer in den Wahnsinn getrieben hat. Dagegen kommt man nicht an.
    Wir erklären gebetsmühlenartig, dass wir kein Rückflugticket brauchen. Unsere Autos sind ab morgen im Oman und mit denen wollen wir die Reise fortsetzen.
    Ja, aber wo denn unser Rückflugticket sei. Mein Gott, zum hundertsten Mal: Hört ihr uns eigentlich zu?
    Wir zeigen unsere Carnets von den Autos, die Rechnung über die Verschiffung von der Reederei, Bilder von unseren Campern.
    Nein, sie wollen es nicht kapieren.
    Schließlich ruft eine der Beiden die Managerin mit ihrem Handy an.
    Keine Ahnung, was letztendlich die Wende gebracht hat: Karolas Betteln, mein Schimpfen, Kais Kopfschütteln oder Viktors trostloser Anblick, zusammen gesunken auf einem billigen Bürostuhl?
    Die Vorgestzte kommt schließlich und - nachdem wir die ganze Sache noch einmal haarklein erklärt und sämtliche Unterlagen gezeigt haben, stellt sie uns eine Bescheinigung aus, dass wir auf eigene Verantwortung in den Oman reisen obwohl sie uns darauf hingewiesen hat, dass das eigentlich verboten ist.
    Im schlimmsten Fall droht uns die Deportation. Allein das Wort ist schon grauenvoll und macht uns noch mehr Angst.
    Aber wir haben keine andere Wahl. Wir müssen in den Oman und unsere Autos aus dem Container holen. Jeder Tag Verspätung kostet uns mehrere Hundert Dollar an Hafengebühren!

    Aber jetzt haben wir erst einmal eingecheckt und hoffen auf ein weiteres kleines Wunder🙏

    Als ich auf dem großen Bildschirm, wo alle Flüge aufgelistet sind, den einen nach Frankfurt erblicke, spüre ich ein paar kleine Tränchen in meinen Augen.
    Was wäre Abhauen jetzt für eine verlockende Alternative!

    Aber vielleicht haben wir ja - wie schon so oft auf dieser Reise - Glück und alles wird gut.
    Und genau so läuft es: Nach einem vierstündugen Flug verlassen wir das Flugzeug in Muskat, gehen zum Schalter und erhalten OHNE PROBLEME unser Visum für den Oman.
    30 Tage! Niemanden interessiert auch nur im Geringsten ein Rückflugticket oder eine Hotelbuchung!!!!
    Das verstehe, wer kann.
    Welch eine Willkür!
    Egal, wir haben es geschafft und sind im Orient angekommen!

    Hier erwartet uns eine komplett andere Welt ........ Es ist nicht mit Worten zu beschreiben.

    Doch darüber berichte ich Euch in einem späteren Blog.

    Zunächst einmal müssen wir die Autos aus dem Container holen.
    Bei Kai klappt es am Nachmittag des 12. April👍
    Bei uns leider nicht.
    Der Motorradfahrer, mit dem wir den Container teilen, ist - aus unerklärlichen Gründen- noch nicht in Salalah angekommen.
    Wir können inzwischen nur noch über Facebook Kontakt zu ihm aufnehmen, da sein Handy vor 2 Tagen gestohlen wurde.
    Ohne sein persönliches Erscheinen aber darf der Zoll den Container nicht öffnen .... und morgen läuft die Frist ab, bis zu der der Container geleert und zum Hafen zurück transportiert worden sein muss.
    Danach fallen hohe Strafgebühren an.
    Gott sei Dank sind wir hier in einem sauberen, schönen Hotel, und so konnte ich heute Morgen 3 Stunden in die schneeweißen Kissen weinen.
    Ich bin mit den Nerven am Ende und hoffe nur inständig, dass morgen alles klappen wird.
    Kai meint, es würde nicht einfach ......und das will was heißen. 😱
    Das Gelände ist unwegsam, und im Gegensatz zu Kenia sind hier keine Helfer ...... und das trotz der hohen Gebühren, die wir für die Verschiffung bezahlen mussten.
    Aber Kai glaubt fest daran, dass wir das morgen schaffen und ich bete, dass er Recht behält. 🙏🙏🙏
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  • Im Orient

    15 April 2023, Oman ⋅ ☀️ 31 °C

    Nun sitzen wir hier am Fazayah Beach, südwestlich von Salalah.
    Gestern haben wir diesen paradiesischen Platz gefunden .......und, ich sage euch: Wir sind in einer komplett anderen Welt angekommen.
    Schon das Hotel, in dem wir 3 Nächte - man kann schon von residiert haben sprechen- war ein Märchen.
    Die Anlage ist fast nagelneu, unglaublich sauber, klimatisiert, und das Personal von einer herzlichen Freundlichkeit und Hilfsbereischaft. Kurzum es war genau das, was wir nach dem ganzen Stress mit der Verschiffung der Autos und dem Verlassen des afrikanischen Kontinents gebraucht haben.
    Diese letzten Wochen hatten sehr an unseren Nerven gezehrt, das Ausladen der Fahrzeuge aus den Containern war das Tüpfelchen auf dem "i".
    Ihr habt es in den Videos hören können, ich habe echt geweint - ob vor Angst, Verzweiflung, Erleichterung, Erschöpfung oder allem zusammen. Ich weiß es nicht, letztendlich ist es aber auch egal.
    Doch, wie gesagt, dieses wunderbare Hotel hat uns für Vieles entschädigt und wieder ein paar Kräfte sammeln und neue Energie tanken lassen.
    Wir packen am Ende des Aufenthaltes alle Reisetaschen mit den Klamotten der letzten 11 Tage ins Auto, kaufen in einem Riesen - Wunderland - Shoppingcenter ein und fahren südwestlich von Salalah an diesen Strand, der uns mehrfach empfohlen wurde.
    Als wir dort ankommen, wissen wir den Grund: Dieser Platz ist ein kleines Juwel mit wunderbar klarem Wasser und einem schneeweißen, sauberen Strand, der nur für uns alleine zu sein scheint.
    Dort bleiben wir 2 Tage und genießen dieses einzigartige Fleckchen Erde mit allen Sinnen.
    Und wenn ich jetzt hier im türkisblauen Wasser treibe und meinen Blick über den schönen Strand bis zu den dahinter liegenden steilen schroffen Felsen gleiten lasse, spüre ich zum ersten Mal seit Wochen wieder eine Leichtigkeit, die mir zum Schluss fast schon abhanden gekommen war. So fühlt sich Glück an.......und ich bin unendlich dankbar dafür.
    Am Abend sitzen wir vier am einsamen Strand unter einem Sternenhimmel, der seinesgleichen sucht.
    Es kommt mir vor wie ein kleines Wunder: Wir erkennen nicht nur das Kreuz des Südens, das charakteristische Sternbild der südlichen Hemisphäre, sondern gleichzeitig auch den großen Wagen, ein typisches Bild unseres nördlichen Firmaments.
    Der wird uns ab jetzt und von hier aus in die Heimat zurück geleiten und begleiten.
    Jeder von uns Vieren lauscht der gleichmäßigen Brandung und starrt gebannt in die endlose Dunkelheit über dem Meer und die sich darüber spannenden Sternenformationen.
    Und dann wie aus dem Nichts schießen ein paar kometengleiche Schnuppen von einem Ende des Himmels zum weit entfernt liegenden entgegengesetzten Teil.
    Und ich hoffe in diesem Augenblick, dass von unseren Wünschen, die wir gerade nach oben ins All geschickt haben, vielleicht der ein oder andere auf irgendeine Art und Weise in Erfüllung gehen wird.

    Wir lassen Afrika nun endgültig hinter uns und sind angekommen in einem uns bis dahin unbekannten Stück Erde.
    In unseren Köpfen existieren Vorstellungen von Sindbad, dem Seefahrer, fliegenden Teppichen, Weihrauchdüften und dem Kleinen Muck.

    Also, lasst uns eintauchen in dieses Märchen von Tausendundeiner Nacht.
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  • Am 17. April verlassen wir unseren traumhaften Strand Fazayah Beach und fahren nach Westen in Richtung jemenitische Grenze.
    Viktor hatte gelesen, dass die Landschaft des Dhofar Gebirges spektakulär wie kaum eine andere sein soll. Also, auf! Das wollen wir nicht verpassen!
    Die Gegend um Dhofar ist die einzige auf der arabischen Halbinsel, die vom Monsun beeinflusst wird.
    Von Juli bis September bringt der Tropenwind feuchte Luft hierher und sorgt zuverlässig für ein ebenso willkommenes wie außergewöhnliches Wetterereignis: Die Wolken regnen sich an dem Berggürtel des Dhofars ab, verwandeln dessen Südseite in eine grüne Oase und sorgen für angenehme Temperaturen. Dichte Nebel und Nieselregen tauchen den Küstenstreifen von Juli bis September in eine milchige Waschküche.
    Die Vegetation in den Bergen scheint zu dieser Zeit explodieren zu wollen – und ein grünes Paradies entsteht inmitten eines Glutofens.
    Diese Segen spendenden Monate werden Khareef genannt und sind als absolute High-Season anzusehen. Viele Bewohner der Golfstaaten fliehen vor der unerbittlichen Sommerhitze in ihrer Heimat in den vergleichsweise kühlen Süden des Oman und verbringen Khareef an den weißen Sandstränden und den wunderschönen, teilweise rauen Küsten der Region.

    Und hier erblicken wir sie zum ersten Mal in unserem Leben:
    Weihrauchbäume, die extrem
    anspruchsvollen Pflanzen, die ein ganz spezielles Klima benötigen und deshalb nur in wenigen Gebieten der Erde gut gedeihen. So gibt es sie hauptsächlich im Oman, im Jemen sowie in Somalia, im Sudan und in Indien.
    Meistens wachsen sie in unwegsamem, steinigem und trockenem Gelände. Das begehrte Harz spenden die Pflanzen erst nach Jahren.
    Die Rinde der Boswellia blättert, wenn man sie berührt, wie dünnes Papier von ihrem Stamm ab.
    Wird sie verletzt oder angeritzt, tritt aus sogenannten Harzdrüsen eine zähe Flüssigkeit aus, die anschließend vorsichtig abgeschabt wird.
    An der Luft ausgehärtet lässt sich das Harz schließlich zum Räuchern verwenden.
    Weihrauch ist also das Harz des Boswellia Baumes.
    Es gilt als eines der ältesten Handelsprodukte, welches auf der berühmten Weihrauchstrasse von Dhofar und dem angrenzenden Jemen aus mit Kamelkarawanen durch die Wüste Rub al-Khali (Saudi-Arabien) an die Mittelmeerküste gebracht wurde. Von dort verschiffte man das kostbare Gut nach Istanbul oder Genua.

    In der Antike gründete sich der Reichtum des Oman sowie seine Vormachtsstellung in Handel und Seefahrt auf dem Export dieser exotischen Ware, denn
    Weihrauch war für den Tempeldienst äußerst begehrt.
    Schon vor zwei Jahrtausenden machten sich die Römer auf den Weg, das sagenumwobene Wunderland im fernen Orient zu entdecken, in dem es Bäume gab, aus deren gespenstisch aussehender Rinde Gold tropfen sollte. Gold in Form eines kostbaren Harzes. Arabia felix nannten sie es — glückliches Arabien, jedoch erreicht haben sie den Ort ihrer Sehnsucht nie.

    Unser Weg führt uns
    durch eine der grandiosesten Bergstrecken des Oman.
    Das Dhofar-Gebirge, das sich an der Küste parallel zum Meer entlang zieht, ist ein Ausläufer der südlichen Arabischen Tafel. Die Gipfel der Berge sind nicht markant, sondern eher wie Hochebenen, die von tiefen Wadis durchzogen werden.
    Immer wieder bieten sich uns spektakuläre Ausblicke auf die Steilküste und das blaue Meer.

    Ganz oben auf dem Plateau entlang der Schwellenkante gibt es nur noch vereinzelt Bäume, doch auf den spärlichen Grasflächen entdecken wir Rinder, Kamele und Ziegen.
    Das Dhofar-Gebirge ist die Heimat der hier lebenden Bergnomaden (Jabalis, von Jabal = Berg), den ursprünglichen Bewohnern, die auch heute noch hauptsächlich von der Viehzucht und vom Fischfang leben.

    Von weitem betrachtet erscheint es schier unvorstellbar, dass in diesem unzugänglichen Terrain ein Weg existiert.
    Erst 1985 wurde die Straße gebaut, die als absolutes Meisterstück der Straßenbaukunst gilt, denn für den Bau mussten tausende Tonnen Fels gesprengt werden.
    4 Jahre waren 1500 Arbeitern an ihrer Fertigstellung beteiligt .... und das in gleißender Hitze.
    Das Land ist stolz auf diese »Zickzack - Road« , denn ihre Fertigstellung beendete eine jahrhundertelange Isolation der Bewohner in den Bergdörfern des Jebel al Qamar.
    Vor dieser Zeit konnten die Menschen nur mühsam per pedes oder mit dem Boot von einem Ort zum anderen gelangen.
    Die Region war völlig abgeschieden und abgeschnitten vom Rest der Welt.

    Auf fast 1000 Metern fahren wir auf dem Plateau durch eine vegetationsarme und einsame Gegend. Umso überraschender ist eine Militärkontrolle, die plötzlich im Nirgendwo auftaucht. Die Militärjeeps sind mit einem Geschützstand ausgestattet. Im Schatten sitzen schwer bewaffnete Soldaten
    und halten Ausschau nach was auch immer.
    Der Jemen ist nahe, das spürt man hier deutlich.
    In einer Baracke werden unsere Pässe und Fahrzeugpapiere kontrolliert, bevor wir den Schlagbaum passieren und weiterfahren dürfen.
    Kurz vor der jemenitischen Grenze - wir finden keinen geeigneten Übernachtungsplatz - entscheiden wir uns umzudrehen und eine weitere Nacht am Fazayah Beach zu campen.
    Ein guter Beschluss, denn es sollte für ein paar Tage der letzte schöne Strand für uns sein.
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  • Oman-ein Sultanat wie aus dem Bilderbuch

    20 April 2023, Oman ⋅ ☀️ 27 °C

    Oman mit der Hauptstadt Maskat, ein Land am südöstlichen Ende der arabischen Halbinsel, wurde in den letzten Jahren immer bekannter und bei Reisenden zunehmend beliebter.
    Kein Wunder: Malerische Oasen, faszinierende Wüstenlandschaften, karge Gebirge, Wadis und endlose, traumhafte Strände laden zu vielseitigen Aufenthalten ein.
    Trotzdem gilt der Oman immer noch als ein absoluter Geheimtipp. Das Sultanat ist ungefähr so groß wie Deutschland und eines der stabilsten und sichersten Länder im Mittleren Osten.
    Die Menschen, die hier leben, gelten als aufgeschlossen, hilfsbereit und äußerst gastfreundlich.

    Die Omanis lieben ihr Land, und sie vergötterten ihren Sultan.
    Am 10. Januar 2020 jedoch verlor der Oman nach 49 Regierungsjahren seinen allseits hoch verehrten, kinderlosen Sultan Qaboos. Das Land verfiel in wochenlange Staatstrauer. Heute, 3 Jahre später, versucht der neue Herrscher Sultan Haitham, ein Vetter ersten Grades, die alten und neuen Probleme in den Griff zu bekommen.

    Sultan Qaboos wurde 1960 von seinem Vater zum Studium nach England geschickt. Als er wieder nach Hause zurückkehrte, bemerkte er schnell, wie schlecht es seinem Volk ging. Es gab nur eine einzige, sieben Kilometer lange geteerte Straße, kaum Krankenhäuser und Schulen; Analphabeten machten 98% der Bevölkerung aus.
    1970 trat Qaboos die Nachfolge seines Vaters als Herrscher des Oman an und veränderte innerhalb weniger Jahre sein isoliertes, verarmtes und vom Guerillakrieg geplagtes Land von Grund auf.

    Nachdem der Sultan den Thron bestiegen hatte, boomte die Wirtschaft des Landes. Er änderte den Namen der Nation in Sultanat Oman und stärkte das Land als Ganzes. Er modernisierte die Wirtschaft, und Oman begann mit dem Ölexport. Die Lebensqualität der Menschen verbesserte sich enorm, während eine soziale und kulturelle Renaissance in Gang gesetzt wurde. Omans Öleinnahmen wurden in den Bau von Schulen, Krankenhäusern und der nationalen Infrastruktur investiert. Das Land konnte endlich seinen Handelsstandort nutzen, um weiter wachsen und seine Wirtschaft verbessern zu können.
    Zwischen Männern und Frauen herrscht heute eine gesetzlich verankerte Gleichberechtigung, und auch die Verschleierung bei Frauen ist nicht mehr Pflicht. Mädchen im Oman sind inzwischen sehr selbstbewusst und hochgebildet.

    Am Tag von Sultan Qabus Bin Saids Thronbesteigung am 23. Juli 1970 waren die letzten Worte seiner an das Volk gerichteten Rede:
    " Meine Brüder, gestern herrschte Dunkelheit, aber mit der Hilfe Gottes wird morgen ein neues Licht über Oman und seinem Volk scheinen."
    So wundert es niemanden, dass, wenn es bei den Einwohnern um ihre Heimat und ihren Sultan geht, die Augen der Omanis leuchten.
    Es scheint, als ob dieser Sultan seinen sehnlichsten Wunsch hat in Erfüllung gehen lassen: dass Omans ruhmreiche Vergangenheit wieder aufleben und das Land den ihm angemessen Platz in der Welt einnehmen wird.
    Wir auf jeden Fall wünschen das diesem wunderbaren Land von ganzem Herzen ❤️.
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  • Von Salalah nach Muskat

    21 April 2023, Oman ⋅ ☀️ 30 °C

    Auf dem Weg nach Nordosten befindet sich unser nächster Zwischenstopp am südwestlichen Ende des Mughsail Beach. Hier soll man das Naturschauspiel der Blowholes bestaunen können. Über einen Fußweg erreichen wir zuerst die Al Marneef Cave. Eigentlich besteht der zugängliche Bereich dort nur aus einem überhängenden, stark zerklüfteten Felsen, der eine Halbhöhle bildet.

    Von hier folgen dem Fußweg weiter zu den Blowholes. Aber wo sind sie denn? Die Anlage ist riesig und bietet reichlich Aussichtspunkte aufs Meer. Wer Glück hat, kann von hier aus Wale, Delfine oder gar Schildkröten beobachten.
    Und tatsächlich, wir entdecken ein paar Sea Turtles 🐢, die sich in den hohen Wellen ungemein zu amüsieren scheinen.
    Dann wollen wir Neptuns Meereshöhlen sehen, aus denen durch den Druck der Wellen Meter hohe Wasserfontänen in den Himmel schießen sollen.
    Blowholes! Ich hatte Spektakuläreres erwartet!
    Wir finden nur einfache Löcher im Boden, die vorsichtshalber mit Gitter überdeckt sind, damit niemand dort hineinstolpert.
    Im Bereich der Blowholes sind die Felsen stark unterspült. Bei Flut und höherem Wellengang wird das Wasser in die Felshöhlen gedrückt, von wo aus es einzig und allein nach oben durch diese Löcher ausweichen kann. Ist die Brandung stark genug, wird das Wasser bisweilen bis zu 30 Meter über die Blowholes hinaus gespuckt.
    Leider herrscht bei unserem Besuch Ebbe mit kaum wahrnembaren Wellengang.
    Wir vernehmen nicht mehr als ein leises Grollen und Zischen tief unter uns. Als wir uns über eines der Löcher beugen, wird wie durch einen überdimensionierten Föhn ein penetranter Fischgestank aus den Holes direkt in unsere Nase geblasen.
    Von der erhofften Fontäne jedoch können wir bei unserem Besuch nur träumen.

    In unserem Reiseführer heißt es, dass bei einem Omanaufenthalt ein Abstecher zum Dorf Khor Rori, auch Sumhuram genannt, nicht fehlen darf.
    Klar, dass wir diese Stätte, 40 Kilometer von der Stadt Salalah entfernt, mit in unsere Reiseroute aufnehmen.

    Schon die ersten Meter des Rundwegs
    in Sumharam gewähren uns einen Blick in die Vergangenheit, und wir tauchen tief in die Geschichte dieser südarabischen Hafenstadt ein.
    Im 5. Jahrhundert vor Christus, als das Dorf gegründet wurde, war das damalige Ziel, den Weihrauchhandel zwischen Arabien und Indien komplett von hier zu kontrollieren.
    Dank der Überreste lässt sich die einstige Größe der Siedlung noch heute erahnen.
    Khor Rori liegt auf einer Anhöhe über dem antiken Hafen und war damals zum Schutz komplett doppelt ummauert.
    Es muss ein reges Treiben in Inneren dieser alten Stadt mit verschiedenen Tempeln, Werkstätten, Lagerhäusern und Wohngebäuden geherrscht haben.
    Seit 1998 gehört Sumharam
    zum Weltkulturerbe der UNESCO.

    Unser Ziel am Abend ist das Wadi Suneik mit einer wunderschönen Oase - der idyllische Platz unter Palmen sieht aus wie gemalt.
    Leider sind wir schon nach wenigen Minuten so zerstochen von blutrünstigen Moskitos, dass wir schnellstens die Flucht ergreifen.
    Ein paar Kilometer zurück finden wir einen schönen, luftigen Übernachtungsplatz am Meer.

    Das Wadi Shuwaymiyah, welches wir am nächsten Tag beduchen, ist eine weitere abgelegene Oase in der Wüste Omans. Hier findet man unberührte Natur inmitten von faszinierenden Felsformationen. Das Wadi gilt als echter Geheimtipp für Abenteurer. Es gibt Höhlensysteme, in denen man die buntesten Farbenspiele der Felsen bestaunen kann.
    Die kleine Oase ist unbewohnt und bildet eine von der Natur geformte Kieslandschaft mit 🌴 Palmenhainen und noch weitgehend ursprünglicher Flora und Fauna Omans.
    Karola, Kai und Viktor schwimmen in dem kleinen, erfrischenden Pool. Ich aber verkneife mir ein Bad wegen der Halsschmerzen, die sich vorsichtig, aber nicht länger ignorierbar, bei mir ankündigen.

    Anschließend nach diesen traumhaften Bildern und Eindrücken aus Tausendundeiner Nacht fahren wie für etliche Stunden durch eine karge Küstenebene ohne irgendwelche Highlights - ich würde es eine monotone Geröllwüste nennen.
    Inzwischen habe ich wirklich Halsweh, Fieber und Gliederschmerzen bekommen.
    Viktor und Karola hatten sich auf dem Flug von Afrika in den Oman entweder von der Klimaanlage im Flieger oder von einem der hustenden Passagiere einen Infekt eingefangen.
    Zunächst hatte ich gehofft, mich nicht anzustecken, aber letztendlich war mein Immunsystem doch nicht stark genug.
    Die vergangene Nacht am Meer war fürchterlich: Schüttelfrost und Schweißausbrüche im
    konstanten Wechsel. Das Ganze ohne Dusche, um mich abzukühlen oder ein wenig zu erfrischen.
    Kein Wunder, dass ich mitten in der Nacht " et ärm dier" bekommen habe.
    Für die nicht rheinländischen Leser eine kurze Erklärung:
    „Isch hann et ärm Dier.“ Was die Vokabeln angeht, ist der Satz nicht besonders hürdenreich. Die Übersetzung ins Hochdeutsche ist schnell geleistet: " Ich habe das arme Tier." Doch das hilft nicht viel weiter. Was, bitte, soll das heißen?
    Man ahnt schnell, hier liegt eine übergeordnete Bedeutung verborgen, die sich uns nicht augenblicklich und auch nicht von selbst erschließt.
    „Das arme Tier haben " ist eigentlich kein wirklich sinnvoller Satz.
    Der Kölsche jedoch versteht direkt, was damit gemeint ist: In der Person, die diesen Satz ausspricht, herrscht eine allgemein trübsinnige Stimmung - gepaart mit etwas Melancholie und Traurigkeit. Heißt also, wenn ein Rheinländer et ärme Dier hat, dann ist er tieftraurig, untröstlich und nicht am Lebensalltag interessiert.
    Das Sprachbild transportiert allerdings die berechtigte Hoffnung, dass es nicht lange bei dem Gefühlstief bleiben muss.
    Glücklicherweise ist das ärme Dier eher nur ein zeitweilige Erscheinung.
    Jetzt bei Tageslicht und 🌞 Sonnenschein sieht die Welt für mich auch schon wieder ganz anders aus, und mein Selbstmitleid - gepaart mit ein paar klebrigen, salzigen Tränchen - ist vorbei.
    Was für ein Segen!🙏

    Außerdem ist seit gestern der Fastenmonat Ramadan zu Ende, und die arabische Welt scheint aus einem 4 wöchigen Dornröschenschlaf aufzuwachen.
    Vielleicht finden wir ab jetzt ein bisschen mehr Leben in den ein wenig trostlosen, ganz verlassen erscheinenden Dörfchen.
    Inshallah 🙏
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