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BB in Oman & VAE 2026

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    🇩🇪 Schönefeld, Deutschland

    Ramadan, Louvre und Me(e)hr

    February 24 in the United Arab Emirates ⋅ ☀️ 28 °C

    Das im Zimmer inkludierte Frühstück wird in zwei verschiedenen Restaurants angeboten.
    In beiden kann man entweder Englisch oder Arabisch wählen. Die Speisen sind gesetzt. Dennoch interpretiert es jedes Restaurant anders. Den entsprechenden Gutschein holen wir uns immer kurz vorher. Letztendlich sind wir öfter beim Italiener. Hier gibt es den schnelleren Service und wir können draußen im Garten sitzen.
    Das Schöne ist, sie servieren bis 11Uhr. Das schaffen wir gerade so. Denn unsere Tage sind elend lang. Nicht einmal schaffen wir es abends vor Elf wieder zurück im Hotel zu sein.
    Das schlaucht ein wenig. Das wollen wir an den letzten zwei Tagen ändern. Wir streichen den Besuch des TeamLabs und des Qasr Al Watan Palace von unserer Liste. Eine Attraktion pro Tag muss reichen.

    Heute hat die Zeit des Ramadan begonnen. Wir sind schon ganz gespannt, was sich im Vergleich zu den anderen Tagen für uns ändert.

    Seit Tagen schon ist nicht nur die Stadt sondern auch die Hotels und Malls festlich geschmückt. So ähnlich wie das bei uns zur Weihnachtszeit ist. Überall steht in großen Lettern „Ramadan Kareem“ oder „Ramadan Mubarak“, was so viel heißt wie großzügiger bzw. gesegneter Ramadan.

    Vollkommen neu für uns ist, dass der Beginn des Ramadan nicht schon Jahre vorher feststeht. Ich wusste zwar, dass der Beginn - ähnlich wie unser Ostern - flexibel ist, aber dass bis zur „letzten Minute“ der Beginn ungewiss ist, das war uns neu.

    Seit Tagen lesen wir nämlich, dass religiöse Autoritäten eines Landes noch am Termin knobeln.

    Der Beginn des Ramadan wird nämlich nach dem islamischen Mondkalender durch die Sichtung der Neumondsichel bestimmt. Genau dann beginnt der neunte Monat im islamischen Kalender.
    Da ein Mondjahr etwa 10–11 Tage kürzer als das Sonnenjahr ist, wandert der Ramadan aber auch jedes Jahr nach vorne.
    Moderne Gelehrte möchten gern den Weg der Berechnung gehen. Dem stimmen die religiösen Autoritären nicht zu. Da es zur Zeit des Propheten eben keine solchen Berechnungsmethoden gab, soll die Sichtung entscheidend sein.
    Und so ist man 2026 unterschiedlicher Meinung. Während also die UAE, Saudi Arabien, Qatar, Kuweit und Bahrain den 18.Februar als Beginn des Ramadan ausruft, beginnt Oman erst am 19. Februar.

    Um was geht es also im Ramadan?
    Der Ramadan ist der heilige Fastenmonat. Muslime verzichten von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und andere Bedürfnisse. Dabei geht es nicht nur um Verzicht, sondern um Selbstdisziplin, Dankbarkeit und Mitgefühl für Bedürftige. Dieser Monat ist eine Zeit für Gebet, Besinnung, Nächstenliebe und spirituelle Erneuerung. Von Essenbeschränkungen sind Kinder, Schwangere, Kranke und Alte ausgenommen. Nicht-Muslime werden gebeten, in der Öffentlichkeit nicht zu essen und zu trinken.
    Und wie sieht’s in der Realität aus?
    Restaurants sind geöffnet und bieten ganz normal ihre Speisen an. Man sieht aber keinen Muslim - jedenfalls die, die offensichtlich durch ihre Kleidung für uns identifizierbar sind - am Tage in einem sitzen. Es gibt für uns also keine Einschränkungen.

    Am dritten Tag in Abu Dhabi gehts es nochmals in ein Museum. Und zwar ins Louvre Abu Dhabi.
    Louvre?
    Das kennt man doch aus Paris.
    Und nein. Es ist kein Ableger.
    2007 hat Frankreich mit UAE ein 30jähriges Kulturabkommen geschlossen. So lange darf dieser Name benutzt werden. Dieses Abkommen umfasst unter anderem die Ausleihe von Kunstwerken aus Frankreich. Unter anderem eben auch aus dem Louvre.
    Ich will ganz ehrlich sein. Die Idee das Louvre Abu Dhabi zu besuchen entstammt Fotos bei Insta. Die Architektur ist, was mich besonders interessiert. Und ich werde nicht enttäuscht. Was also von der Straße aussieht wie eine große Kappe mit vielen Durchbrüchen, ist das Dach, unter dem sich ein großzügiger Bau befindet. Ausgestellt sind Objekte aus verschiedenen Teilen der Welt. Momentan gibt es eine Sonderausstellung mit Werken von Picasso. Man könnte hier Tage verbringen, um alles zu sehen. Aber solche Kunstfanatiker sind wir dann doch nicht. Beeindruckend ist dann der Aussenraum der zum Golf offen gestaltet ist. Hier gibt es Restaurants, weitere Objekte zum Bestaunen und vor allem viel Platz zum lounchen. Es gibt auch ein sehr großzügiges Schildkrötenbecken.
    Alles in Allem war der Besuch des Louvre eine gute Wahl.

    Am letzten Tag finden wir dann doch noch einen „public beach“, der public UND kostenlos ist. Auch das scheint aufgeschüttetes Land zu sein. Der Sand ist sehr fein und hell. Das Wasser - genau wie schon in Al Dhanahh - karibisch. Leider ziemlich frisch. Aber das hält uns vom Baden nicht ab. Anschließend lümmeln wir noch an und in den Hotel-Pools. Was für ein Genuss. Mit solchen Pools braucht man eigentlich kein Meer!

    Das war unsere Zeit in Abu Dhabi.
    Morgen geht es zur allerletzten Station: Nach Dubai.
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  • Abu Dhabi - Teil I

    February 21 in the United Arab Emirates ⋅ ☀️ 28 °C

    Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Vereinigten Aeabischen Emirate und des gleichnamigen (größten) Emirats.
    Von „be“Reisen des Landes kann man nicht sprechen. Es ist ein Drei-Punkte-Besuch. Deshalb sind wir absolut unvorbereitet, wenn es um die Must-do’s geht. Doch was wir schon gehört haben ist, dass die meisten diesen Ort Dubai vorziehen.

    Fünf Tage werden wir uns für Abu Dhabi Zeit nehmen.
    Die Unterkunft, das Andalus Al Seef Hotel & Resort ist eine Empfehlung. Sehr edel sieht die Lobby aus. Und die Anlage soll einem andalusischen Dorf nachempfunden sein.
    Beim Blick in das erste uns zugewiesene Zimmer machen wir gleich auf dem Absatz kehrt. Hier kommt absolut kein Licht rein. Rainer öffnet das Balkonfenster und steht vor einer Wand mit Plastikpflanzen. Ein neues Zimmer muss her.
    Wieso überhaupt ein Zimmer?
    Wir haben doch ein Apartment gebucht? Wir erfahren, dass ein Zimmer auch Apartment genannt werden kann. Man lernt ja auf Reisen so Einiges. Auch das ist neu für uns.

    Das neue Zimmer können wir akzeptieren. Der Ausblick ist nicht der Burner. Aber wir sehen den Himmel. Und bis zur Poolanlage sind es nur wenige Schritte. Die ist der absolute Knaller. Drei riesige Pools gibt es. Einer mit kühlerem Wasser zum Schwimmen, einer mit Körpertemperatur und dann gibt es einen ausgewachsenen Whirlpool. Einen von der Größe haben wir noch nie gesehen.

    Nun. Was machen wir also hier?
    Am ersten Abend essen wir in einem der vielen Resortrestaurants.
    Und dann fahren wir noch dahin, wo die Häuser stehen, die die typische Skyline darstellen. Leider werden wir enttäuscht. Denn seit gestern windet es hier. Das heißt es sind Unmengen an Sand in der Luft. Das ist nicht so wie in Al Khaluf, wo man den Sand in jede Pore bekommt. Nein der Sand ist superfein und hängt wie Nebel am Himmel. Von den Hochhäusern sehen wir nur zwei schwebende Ringe. Wahrscheinlich die Beleuchtung am Dach der Häuser.

    Am nächsten Tag strahlt wieder die Sonne. Aber immer noch ist die Sicht nicht gut. Ein prima Tag also für Innenaktivitäten.

    Wir fahren auf Yas Island.
    Die 25 Quadratkilometer große Insel, ist künstlich aufgeschüttet. Sie wurde durch Landgewinnung im flachen Küstenbereich des Persischen Golfs angelegt und seit 2006 massiv ausgebaut. Yas Island ist vor allem eine Freizeit- und Entertainment-Insel. Hier gibt es Warner Brother World, SeaWorld, Ferrari World mit der schnellsten Achterbahn der Welt (ich liebe Superlative 😉), Grand Prix Formula One und so weiter und so fort.
    Wir allerdings fahren zur Yas Mall. Nicht um zu shoppen, sondern um zu gucken. Denn Malls in dieser Dimension sind meist auch von der Architektur spannend. So auch diese. Die unvorstellbare Größe macht schlapp. Und wir entdecken das „Paul Restaurant“. Ein ursprünglich aus Frankreich stammendes Café, das nun weltweit vertreten ist. Das haben wir schon in Saigon entdeckt. Wieso gibt es dieses nicht in Deutschland? So als Nachbarn???
    Jedenfalls macht der Cortado wieder munter auf neue Entdeckungen.

    Wir fahren auf die nächste Insel: Saadiyat. Diese 27 Quadratkilometer große Insel ist nicht vollständig künstlich. Sie war ursprünglich eine natürliche Insel, wurde aber erweitert, umgestaltet und durch Landgewinnung vergrößert.
    Es ist das Pendant zu Yas Island.
    Hier finden Kultur und Kunst ihren Platz . Hier gibt es luxuriöse Wohnanlagen und ebensolche Hotels. Kurz gesagt: Schicki-Micki ist hier zu Hause.

    Es soll auch außergewöhnlich schöne Strände geben. Wir machen tatsächlich welche auf GoogleMaps aus. Doch keiner davon ist frei zugänglich. Für einen kleinen Obolus von 150AED pro Person (etwa 35€) könnten wir den Zugang kaufen. „Aber heute, bei dem Wind, sei das Baden eh verboten.“ sagt man uns.
    Da sind wir erst einmal geklatscht. Für 70€ mal paar Stunden den Strand nutzen zu dürfen kommt gar nicht in Frage.

    Wir fahren wieder ab und umrunden die weitere Insel. Tangieren dabei das Guggenheim, das gerade umgebaut wird, und das Louvre Abu Dhabi. Aber für einen ausgedehnten Museumsbesuch ist es eh viel zu spät. Die Sonne steht schon tief als wir am markanten Gebäude des Zayed National Museums vorbeifahren. In letzter Minute entscheiden wir auf den Parkplatz zu fahren, um wenigstens den angrenzenden Garten anzuschauen.
    Von hier erhoffen wir uns einen Platz, um das Haus in seiner Gänze zu betrachten. Das Besondere an dem sind nämlich die fünf schlanken nach oben ragenden Teile, die die Flügel eines Falken symbolisieren sollen. Einem wichtigen Symbol in der Kultur der Vereinigten Arabischen Emirate.
    Diese sehen nicht nur faszinierend aus, sie haben auch eine funktionale Aufgabe. Sie arbeiten nach dem Prinzip traditioneller arabischer Windtürme und unterstützen die natürliche Belüftung des Gebäudes. Warme Luft steigt nach oben und wird abgeführt, wodurch der Energieverbrauch gesenkt wird.

    Während wir also versuchen, das irgendwie im Bild festzuhalten, sehe ich Menschen da oben. Noch meint Rainer, dass man da sicher nicht einfach so reinkommt. Aber ich lasse nicht locker und finde den Zugang zu einem Aufgang, der sich um das Gebäude ganz nach oben schlängelt.
    Genial!!!

    Von hier oben entdecke ich wiederum erst zwei dann drei Säulen neben den fast gleich aussehenden würfelartigen Gebäuden nebenan. Auf jedem ist ein Symbol. Eins für das Christentum, eines für das Judentum und eines für den Islam. Kurz mal bei Google gecheckt - es ist nur noch die Kirche geöffnet. Wir beschließen, die also anzuschauen. Ist ja praktisch nebenan.

    Bei der Einfahrt zum Parkplatz werden wir von bewaffneten Polizisten abgestoppt. Einer umkreist mit seinem Schäferhund unser Auto. Das ist beängstigend. Noch sind wir vollkommen unwissend, welcher Ort das hier ist.
    Wir sind noch nicht ganz ausgestiegen, da steht schon ein Buggie neben uns und bittet uns einzusteigen.
    Was wird das hier?
    Wir wollen ja nur die Kirche besuchen…
    Es heißt : Wir dürfen alle Häuser besuchen.
    „Jetzt noch? Ja.“
    Wir werden zu einem Eingang im Untergeschoss gebracht. Hier werden unsere Personalien aufgenommen. Dann unsere Belongings gescannt. Meine Dattel von heute früh darf ich sofort aufessen oder wegwerfen. Ich esse sie auf.
    Alles macht einen sonderbaren Eindruck. Wie in einem Geheimdienst-Krimi. Rainer muss eine Kandura überziehen. Seine Knie sind nicht bedeckt. Und ich? Brauche ich eine Kopfbedeckung?
    „Nein“ heißt es.
    Über ein unterirdisches Forum werden wir zur Moschee geleitet. Aber hier heißt es: Ohne Kopfbedeckung kein Zutritt. Also eilt Rainer schnell zum Auto und holt mein Tuch, das immer auf der Rückbank liegt. Genau für solche Moscheenbesuche.
    Dann geht’s zum Kirchengebäude und zuletzt zur Synagoge.

    Die „Auflösung“ des Ganzen, was genau wir gerade besuchen, erlesen wir unterwegs.
    Es handelt sich hier um das „Abrahamic Family House“. Ein 2023 eröffneter Komplex auf dem eine Moschee, eine Kirche und Synagoge stehen, als Zeichen für religiöse Toleranz. Obwohl jedes dieser Gotteshäuser von außen sehr ähnlich aussehen, sind sie im Inneren ihrer Religion entsprechend ausgestattet.
    Am Ende sind wir „deeply impressed“. Was für ein Ort!

    Und so hat unser so ungeplanter und so unvorbereiteter Tag eine tolle Wendung bekommen. So viel haben wir nicht erwartet.
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  • Abu Dhabi - Teil II

    Feb 15–20 in the United Arab Emirates ⋅ ☀️ 28 °C

    Die Arabische Halbinsel hat vor allem eins zu bieten: Sonne. Für uns regenverwöhnte Mitteleuropäer - ein Zustand, um den man uns hier übrigens beneidet - ist jeder Tag ein Gute-Laune-Tag. Die Sonne tut gut.
    Heute kommt sie wie gewohnt so ziemlich klar rüber.
    Gleich nach dem Frühstück, das hier bis 11am angeboten wird, machen wir uns auf zur Sheik Zayed Mosque. Die Kleideretikette stets im Sinn, trägt Rainer die Hose lang und ich trage wieder meine dunkelblaue, langärmelige, sichtdichte Shirtbluse. Dazu eine weiße Chinohose aus dichtem Material. Meine Auswahl an Tüchern liegt natürlich immer im Auto. Los geht’s.
    Der Eintritt ist kostenlos. Es gibt auch keinerlei Zeitbeschränkungen, die wir beachten müssen.
    Ein Parkplatz ist schnell gefunden. Doch wo ist der Eingang? Ein Buggie bringt uns hin. Es geht mit einer Rolltreppe ins Kellergeschoss. Hier folgen wir den arg beschränkten Hinweisen, vorbei an unendlich vielen Geschäften und noch mehr Restaurants. Hier unten trifft sich die Welt. Es ist wie die Rushhour auf der Ginza. Am anderen Ende gibt es Automaten, an denen wir uns registrieren müssen. Mit diesem QR-Code müssen wir wieder genau zum anderen Ende. Irgendwie habe ich das Gefühl, man wird hier hin und her geschickt, um vielleicht schwach zu werden und in irgendeiner Art zu konsumieren. Währenddessen mache ich mich schon lustig über die ganzen Asiaten, die gefühlt alle eine Abaya tragen. So sind se. Die machen alles mit. Wobei ich zugeben muss: Die meisten Abayas sehen wunderschön aus. Nicht so schlicht wie im Oman. Hier ist Glitzer - von dezent bis Tannenbaum - alles dabei.
    Nun. Am Einlass angekommen, wird unser QR Code gescannt. Eine Frau regt sich auf, dass sie nicht durch darf, obwohl sie FlipFlops trägt. Und zeigt auf meine Füße. Aber ihr Fehler ist, dass ihr Rock etwa 12 Zentimeter von ihrem Bein zeigt.
    Ein paar Meter weiter höre ich immer „Mam, Mam“. Ah. Ich bin gemeint. Noch denke ich, mein QR Code ist nicht erfasst. Aber das ist es nicht. Mein hell taubenblauer Schlüppi ist durch die Hose erahnbar. Es heißt, sie wäre transparent. Als ich auf den ersten Kontrolleur hinweise, der mich als passend gekleidet eingestuft hat, gibt es den nicht mehr. Ein anderer steht da und ich höre nur noch sein mantramässiges „transparent“. Ok. Und nun? Ich soll mir im Shop eine Abaya kaufen. Echt jetzt? Jetzt ist mir klar, warum es hier auffallend viele Abaya-Trägerinnen gibt. Finanziert sich also die Mosche auf diese Weise? Ich k… ab. Rainer geht zum Auto und holt ein weiteres Tuch. Währenddessen schaue ich mich im Abaya-Laden um und bin schon so weit, mir eine zu kaufen. Rainer hat dafür kein Verständnis und ich bin eigentlich froh darüber. Nun wickele ich mir ein Tuch um die Hüfte. Doch das ist verboten, sagt derjenige, der mich schon vorhin als korrekt gekleidet begutachtet und weiter geschickt hat. Die weitere „Kontrolltussi“ dagegen ist mit dieser Entscheidung nicht zufrieden. Aber wahrscheinlich hat sie das nicht zu entscheiden.
    Nun kann es also endlich zur Moschee gehen. Denken wir. Eine weitere Kleiderkontrolle holt mich wieder raus. Nein. Tuch um die Hüfte ist auch hier verboten. Eigentlich will ich auf den gesamten Besuch verzichten. Die Lösung ist dann ganz einfach: Rainer gibt mir sein Hemd und gut ist’s. Aber eigentlich ist mir die Freude auf diesen Bau vergangen. Ja. Man kann meine Laune „auf Krawall gebürstet“ bezeichnen.
    Der Rundgang ist streng reglementiert. Den schönen Innenhof dürfen wir nicht betreten. Das hat natürlich auch den Vorteil, dass man den im Ganzen sehen kann. So langsam taue ich auf und finde die Moschee gar nicht so schlecht.
    Die Sheikh Zayed Mosque hat unzählige Gänge. Die meisten nur von Gläubigen betretbar. Insgesamt gibt es 82 Kuppeln in verschieden Größen. Die größte Kuppel, die über den Hauptgebetsraum thront, hat eine Höhe von 84 Metern und einen Durchmesser von 32.6 Metern. Nach einer Bauzeit von neun Jahren wurde sie 2007 eröffnet und bietet nun Platz für 40.000 Betende. Sie gehört zu den größten Moscheen der Welt.
    Ihr Baustil vereinigt Baustile aus dem Mamlukischen, Osmanischen, Fatimidischen und Maurischen.
    Sie ist komplett mit weißem Marmor verkleidet.

    Am Ende bin ich wieder im Frieden mit der Moschee und habe mittels unzähliger Fotos versucht, etwas mit nach Hause zu nehmen.

    Gegenüber der Moschee steht ein weiteres utopisches Gebilde. Es ist das Wahat Al Karama, das übersetzt „Oase der Würde“ heißt. Es ist das nationale Kriegsdenkmal der Vereinigten Arabischen Emirate.
    Vermutlich schauen sich das Museum dazu die allerwenigsten an. Denn mitten in der Mitte des auf einer enormen Fläche befindlichen mehrteiligen Denkmals befindet sich ein überdimensionaler, flacher Pool. Der Reflection Pool ist ideal, um die besten Aufnahmen von der sich im flachen Wasser spiegelnden Moschee zu machen. Wir kommen gleich zweimal hierher. Tagsüber und bei untergehender Sonne. Schließlich wohnen wir einen Katzensprung von hier entfernt.

    An diesem Tag fahren wir nochmals in den Westen der Hauptinsel. Die Sicht für Skyline-Aufnahmen ist nämlich ganz gut. Und wer weiß schon, ob das so bleibt.
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  • Departure Dubai - Al Dhannah

    Feb 12–15 in the United Arab Emirates ⋅ ☀️ 28 °C

    Heute - exakt nach fünf Wochen - verlassen wir Oman. Hatte ich noch letzte Woche das Gefühl: Jetzt ist’s gut, jetzt habe ich alles gesehen, fällt der Abschied nun doch etwas schwer.

    Viertel nach Fünf klingelt der
    Wecker. Wir sind ein ultraeingespieltes Team - jeder Handgriff sitzt. In der Lobby schläft noch alles. Demzufolge gibt es keine Abschieds-Qahwa.

    Eine Viertelstunde brauchen wir zum Airport aber genau solange bis wir die richtige Einfahrt um das
    Car Return zu finden. Europcar hat zwar die Zufahrt schön bebildert. Aber am 20. Januar wurde der Slot zur Einfahrt geändert.
    Nun. Irgendwann haben auch wir es geschafft, das Auto samt der
    Campingstühle loszuwerden. Der nächste freut sich sicher.

    Die Tickets nach Dubai habe ich erst vor neun Tagen gekauft. Bei Trip.com. Meiner neuen Lieblings-Buchungsplattform.
    In der Lounge gibt es etwas kleines zu essen. Gern würden wir jetzt die schöne Zeit in Oman mit Prickelwasser krönen. Aber
    wir sind in Oman. Alkohol gibt es im öffentlichen Raum nicht.

    Das Boarding bei Oman Air beginnt pünktlich. Wir sitzen in Reihe 3. Der Flieger ist nämlich rammelvoll. Es dürften wohl 160 Passagiere sein, die an uns vorbeigehen müssen. Und eigentlich liebe ich die stets wohlparfümierten Menschen hier. Aber nachdem alle durch sind, brennen meine Naseninnenwände. So viel Duft ist dann auch wieder blöd 😉
    Für 8.45 Uhr ist der Flug avisiert.
    8.47Uhr heben wir ab.
    Wie machen die das nur? So etwas haben wir einmal in Australien erlebt. Sonst noch nie.
    Wir sitzen in bequemen breiten Sesseln. Auf der „richtigen“ Seite. Aber leider bringt das so gar nichts. Abgesehen davon, dass über dem Norden der Arabischen Halbinsel eine leichte Sand-geschwängerte Wolkendecke hängt, sind die Scheiben dann sogar mit Schlieren versandet. Wüsten-Airline eben 🤷‍♀️
    Und so schaffe ich es nicht, eine Aufnahme von der obersten Kantenlinie des Hajar Gebirges, die aus der Wolkendecke lugt, zu machen. Beim besten Willen nicht. Das geht nur mit den eigenen Augen.

    Mehr ist leider nicht zu sehen. Auch die Wolkenratzer Dubai‘s sind nur schemenhaft zu erkennen.

    Der Flug ist kurz.
    Vergleichbar mit BER-FRA. Eine Dreiviertelstunde später rollern wir auf dem gigantischen Airport und suchen unseren Slot.

    1989 sind wir zum ersten Mal in Dubai zwischengelandet. Das Flughafengebäude war eine „Blechhalle“. Es gab viele sehr lange Bankreihen. In der Mitte eine Art Booth. Das war der Verkaufsstand. Man hat hier Gold verkauft. Egal wie kunstvoll das Schmuckstück aussah. Man kaufte nach Gramm. Damals hätte man zuschlagen sollen. Da wäre man reich. Aber wer hat das geahnt?
    Beim Abheben für den Weiterflug sahen wir Höfe umrandet mit primitiven Lehmwänden. Im Inneren standen immer einige einfache Lehmhäuser. Ich weiß noch heute, dass ich damals dachte: Wass für ein unterentwickeltes Land. Müssen das doch alles arme Leute sein.

    Die Immigration ist so ähnlich organisiert wie in den USA. Es gibt eine Reihe und ein Officer weist einen zu. Wir werden erst falsch zugewiesen, weshalb wir uns wieder ganz hinten anstellen dürfen 😐 Dann wird aber vor uns eine Leine geöffnet und schwups sind wir die Ersten. Es könnte so schön weiter gehen. Aber die Kameras wollen Rainer nicht erkennen, worauf wieder Zeit vergeht.
    Genau wie am Hertz-Schalter, wo wir in einer - im Vergleich zu den anderen Vermietern - längeren Schlange anstehen.
    „Es gibt am frühen Vormittag eben keine Autos“ heißt es. Das macht natürlich richtig gute Laune 🙁
    Nach knapp einer Stunde kommt wohl doch ein FFAR rein. Ein Toyota Fortuner. Drin sieht es eng aus. Das soll ein FFAR sein? Nach Zigaretten stinkt er auch. Ein Mitarbeiter kommt mit einem Gutriecher an und sprüht alles aus.
    Normalerweise würden wir dieses Auto ablehnen. Aber wir bleiben nicht in Dubai. Wir haben noch eine längere Fahrt in den Süden der Emirate vor uns.

    Seit der Landung sind zweieinhalb Stunden vergangen. Es ist kurz vor Zwölf als wir endlich den Parkplatz verlassen und uns Richtung Al Dannah aufmachen.
    Die Straßen sind hier breit. Stärker frequentiert und nicht immer in so einem tadellosem Zustand wie in Oman. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 160 km/h. Aber mit unserer Gurke, bei der die Stoßdämpfer praktisch nicht vorhanden sind, macht Reisen keinen Spaß.
    385 Kilometer sind es am Ende des Tages. Mit einem kurzen Burger-Stop brauchen wir knapp vier Stunden.

    Am frühen Abend checken wir im Danna Jebel ein. Es ist ein recht großes Resort. Ein typischer Klotz mit All-Inclusive- Gästen.
    Wir kommen allerdings etwas außerhalb vom lauten Geschehen unter.
    Ich habe für uns eine Strandvilla gebucht. Die ist schön großzügig, komfortabel und sauber. Tägliches Housekeeping ist inklusive. Genau wie das Frühstück.
    Mit der Strandvilla haben wir auch den Teil der Bucht für uns, auf dem jeden einzelnen Tag die Liegen um Besucher betteln.

    Wir sind hier, um nichts zu tun. Und wir halten uns peinlichst genau daran. Außer zum Dinner, wo wir im Ort Al Dannah bei „La Brioche“ essen, verlassen wir unsere Bucht nicht!
    Auch mein Handy hatte Urlaub. Es gibt kaum Fotos. Hab ich irgendwie vergessen.
    Nach drei Nächten ist das Nichtstun vorbei. Leider. Der Abschied fällt wieder einmal schwer. Wir dürfen aber bis Eins die Villa nutzen und hängen so lange im Wasser ab, wie es nur geht.
    Nun geht es nach Abu Dhabi. Der Hauptstadt der VAE.
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  • Maskat liegt am Golf von Oman

    February 9 in Oman ⋅ ☀️ 28 °C

    Heute schließen wir unsere Oman-Runde. Es geht wieder nach Maskat. Da wo alles begann. Ich bin schon ganz traurig, dass unsere Zeit in diesem so wunderbaren und touristisch unverbrauchten Land dem Ende entgegen geht.

    Auf dem Weg zum Hotel machen wir noch einen klitzekleinen Umweg über die Amouage Factory. Mein sauteures Parfüm läuft aus. Die gesamte Umverpackung hat das, was ausgetreten ist, aufgesaugt. In Erwartung eines problemlosen Umtausches des Parfüms fällt mir die Kinnlade runter, als es heißt, dass wir dazu nach 14 Tagen keinen Anspruch mehr hätten. So steht es schließlich auf der Rückseite des Vertrages. Wir sollen doch Platz nehmen. Man würde die handgegossene Flasche prüfen und das, was ausgelaufen ist, auffüllen.
    Glücklicherweise hat Rainer das Geschriebene blitzschnell erfasst und widerspricht. So kommt eine Kehrtwende in die Situation. Der Manager wird gefragt und ich bekomme eine neue Packung. Worauf Rainer nun auch zuschlägt. Schließlich lebt man nur einmal.

    Ursprünglich sollte es nur noch eine Übernachtung in Maskat geben.
    Um meinen Pro-Nacht-Schnitt zu senken habe ich deshalb ein ordentliches Hotel am Airport für 40€ reserviert. Aber weil wir ja sowohl in Misfat und in Sayq die Pläne geändert und je eine Nacht gekürzt haben, steigen wir auf Rainers Wunsch wieder im Millenium ab. Dieses Mal werden wir in der obersten, also siebten Etage untergebracht.
    Nun. Ein wenig ist das wie nach Hause kommen. Hatten wir in Maskat noch irgendwas auf der to-do-List stehen lassen 🤷‍♀️
    Die kommenden zwei Tage besuchen wir weder Museen noch andere Attraktionen. Wir machen uns auf die Suche nach dem besten Strand Maskats. Schließlich soll jetzt der entspannte Teil der Reise beginnen.

    Der breiteste Strand Maskats ist der Qurum Beach. Der ist ganze vier Kilometer lang. Hier machen wir es uns als erstes gemütlich.
    Der Sand ist eher gelb und grob.
    Es ist mittags und wir haben den Strand mit einem weit entfernt sitzenden Paar für uns allein. Aber zum Baden ist uns irgendwie noch nicht. An der Promenade gibt es Cafés, in den wir unseren Müßiggang fortsetzen.
    Ein Labyrinth von neugebauten Villen macht es uns dann aber schwer den nächsten Strand zu erreichen. Google hat’s noch nicht auf dem Schirm, dann bewundern wir eben die Einfamilienhäuschen, die nach meinem Geschmack eher Palästen gleichen. Irgendwann finden wir dann doch noch den nächsten Beach.
    Eine Bucht wie aus dem Katalog. Aber wir entscheiden uns dann für den danebenliegenden Strand, dem PDO Marjan Beach.
    Es gibt genügend Parkplätze und Bodysurfer-Wellen für Rainer. Hier verbringen wir den Rest des Tages. Diese Gegend gefällt uns ausgezeichnet! Und sollte es uns jemals nochmals nach Maskat verschlagen, wäre eine Anmietung eines Apartments in dieser Gegend etwas, um was ich mich bemühen würde.
    Am nächsten Tag fahren wir eine altbekannte Route: Muttrah, Sultanpalast, Nationalmuseum… Ohne auszusteigen. Einfach nur entlang cruisen.
    Bis zum Al Bustan Beach. Der ist wieder ziemlich groß. Am anderen Ende steht das Ritz. Ich kenne die Zimmerpreise und ich frage mich, was es dort außer sensationellen Service gibt, dass man hier absteigt. Denn die Aussicht kann es nicht sein.
    Der Sand hier ist sehr fein. Und viel heller als an den Stränden von gestern. Farblich ist das Wasser eher karibisch - die Temperatur allerdings nicht. Wir bleiben hier und tanken Sonne. Und eigentlich sollten noch zwei weitere Strände besucht werden. Die finden wir zwar, aber der Zugang ist von exquisiten Wohnanlagen versperrt. Schade. Haben wir nicht in Al Kashkharah gelernt, dass alle Strände frei zugänglich sind?

    Nun ja. Wir sind dennoch erholt.
    Am Abend sagen wir auch noch der schönsten aller Moscheen, der Sultan Qaboos Mosque tschö,bevor es ans flugtaugliche Kofferpacken geht. Morgen, in aller Frühe ist Länderwechsel angesagt: Es geht in die Emirate.
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  • Luxus pur & abenteuerliche Fahrten

    Feb 7–9 in Oman ⋅ ☀️ 16 °C

    Nach dem Exkurs zum Snake Canyon fahren wir zur Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Diese ist etwas ganz Besonderes. Jedenfalls für uns. Seit Tagen bin ich deshalb
    schon ziemlich aufgeregt.
    Zum einen liegt diese Unterkunft in einer Preiskategorie, die nicht zu unserem sonstigen Preisniveau gehört. Ich hab da ziemlich lange mit mir selbst verhandelt, ob ich das buchen soll. Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass das Wetter uns einen mächtigen Strich durch die Rechnung machen könnte. So beobachte ich seit Tagen die Wettervorhersage, als ob ich damit etwas ändern könnte.
    Und es sieht leider nicht gut aus.

    In Birkat Al Mouz verlassen wir die Schnellstraße, die nach Maskat führt.
    Sayq, der Zielort, ist nur über die eine Straße zu erreichen. Es ist eine Sackgasse, die wir auch wieder zurückfahren werden.
    Bei der Buchung des Hotels wird man darauf hingewiesen, dass die Unterkunft nur mit einem 4WD Fahrzeug erreichbar ist. Dementsprechend haben wir unterwegs gar nicht erst das Auto säubern lassen. Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet.

    Am Fuße des beginnenden Anstiegs auf 2.000 Meter wird jeder von der Polizei namentlich erfasst. So auch wir. Wer mit einem normalen PKW erscheint, muss hier seine Fahrt beenden. Gleich um die Ecke soll es einen Vermieter geben, bei dem man 4WD Autos ausleihen kann. Wie wir aber später erfahren, bietet unser Hotel für einen Obolus einen Shuttle nach oben an.
    Nun. Wir sind bestens vorbereitet.
    Einige Meter hinter der Kontrollstelle wird man nochmals geblitzt. Vermutlich um bildlich festzuhalten, dass wir hochfahren 🙄

    Die Straße beginnt als mehrspurige Bahn im Bestzustand. Es gibt einen Standstreifen und eine durchgehende etwa 1.50 bis 2 Meter hohe Begrenzung zum steil abfallenden Abhang aus Betonwänden.
    In gleichmäßigen großzügigen Serpentinen schrauben wir uns auf die entsprechen Ebene hoch. Immer noch warten wir auf das Teilstück, weshalb man unbedingt einen 4WD benötigt…
    Aber so ein Abschnitt kommt nicht. Und nein. Die Straße ist nicht erst neu. Die gibt es schon seit mehr als zehn Jahren!
    Wozu also das Ganze? Fragen wir an der Rezi des Indigo Jabel Akhdar Hotels beim Einchecken. Die Antwort ist: Wegen der gefährlichen Abfahrt nach unten. Echt jetzt?

    Unser Zimmer befindet sich in der dritten Etage. Der direkte Blick in den Canyon ist genau wie auf den Hotel-Bildern. Alles hier fühlt sich sehr luxuriös an. Von der Regendusche, die so satt Wasser gibt, dass es sich anfühlt, als wenn man im Stehen in der Badewanne liegen würde bis zur Bettwäsche in der man für immer eingewickelt bleiben möchte.

    Und das Wetter? Perfekt.
    Es sind 14 Grad. Der riesige Pool ist geheizt. Obwohl er noch wärmer sein könnte. In der Sonne fühlt es sich wie Sommer an. Ist diese nach dem Sonnenuntergang weg, wird’s empfindlich kalt und furchtbar eisig.
    Das i-Tüpfelchen sind die Mahlzeiten. Ja ich habe Halbpension gebucht, da ich dachte, das Hotel sei von der Welt abgeschnitten. Es gibt Büffets. Und da bin ich ja immer sehr kritisch. Ich unterstelle ja meist Kantinenessen. Vor allem zum Dinner. Aber das hier ist anders. Das Frühstück bekommt gleich den Ehrenplatz neben unserer ewigen Nr 1: dem im Peninsula Bangkok. Hier gibt es praktisch alles. Außer Thai-Mango. Auch das Dinner-Büffet lässt keine Wünsche offen.
    Rainer hasst es. Aber nur weil er kein Ende findet 🤣 Seinen neuerdings erworbenen Medizinball unter dem T-Shirt abzutrainieren, wird ein paar harte Stunden im Gym bedeuten. Aber noch reisen wir.

    Das Hotel steht an der Abbruchkante. Nicht etwa hundert Meter entfernt. Nein. Direkt an der Kante. Wie das genau aussieht, das schauen wir uns am nächsten Tag an.

    Beim Frühstück auf der weitläufigen Terrasse entdecke ich einen sich schlängelnden Weg unterhalb der Abbruchkante. Nach der Fahrt in den Snake Canyon kann mich so gar nix mehr schocken. Wir erkunden nicht die touristisch empfehlenswerte drei Dörfer-Wanderung, wo alle durchgeschleust werden. Wir haben ein entsprechendes Auto. Und mein Fahrer ist erfahren genug mit jeder Situation.
    So verbringen wir den ersten Tag auf staubigen Pisten. Als wir schon denken, wir haben alles machbare hier in der Senke erobert, entdecken wir hinter einem sehr slottigen Abschnitt ein noch abgelegeneres Dorf. Zu erreichen - wie nicht anders zu erwarten - über einen sehr steil abfallenden Hang. Aber wir zögern. Wir holen unsere Stühlchen raus und genießen erstmal nur den Blick in die Schlucht. Der Himmel ist auch nicht mehr so klar und wir verschieben die Aktion der Abfahrt auf den frühen Abend in der Hoffnung, die Bergflanken rotleuchtend zu sehen.
    Vielmehr lockt nun der Pool mit der grandiosen Aussicht. Irgendwie „muss“ man ja die hohe Hotelrate nutzen 😉

    Am späten Nachmittag wird es jedoch dunstig und wir verschieben diese Fahrt dann auf morgen. Den Abreisetag.
    Und der ist wieder total sonnig.
    Die Fahrt nach unten bedeutet einen Höhenverlust von etwa 900 Metern bei einer Luftlinienentfernung von etwa 500 Metern zu überwinden. Die Piste wird wohl nur von den Einheimischen genutzt. Aber sie ist gut gemacht. An jeder Kehre ist Platz genug für ein weiteres Auto. Hier bleiben wir ab und an stehen. Nicht etwa weil noch ein anderes Auto unterwegs wäre. Nein. Nur um diesen landschaftlichen Wahnsinn zu erfassen.

    Unten im Ort erwartet uns eine Oase. Wie immer mit einer fotogenen Palmenansammlung. Überall hüpfen diese langhaarigen Schönheiten von Wildziegen zwischen den riesigen Steinen rum. Eine Moschee hat der Ort natürlich auch. Wir sehen sogar einen einzigen Einwohner.

    Da stellt sich wieder einmal die Frage: Wer wohnt hier? Wer lebt hier? So abgelegen von der restlichen Welt. Fühlen sich die Menschen hier von ihr abgeschnitten? Oder fühlt man sich hier lebend von der Natur und den monströsen Bergen ringsherum sogar wohl geschützt?
    Wir werden mit diesen Fragen allein gelassen. Wir dürfen uns selbst eine Meinung, ein Bild davon machen und die Eindrücke in die Welt mitnehmen.
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  • Reisetag: Snake Canyon

    February 7 in Oman ⋅ ⛅ 19 °C

    Heute verlassen wir Misfat Al Abriyeen. Ich bin froh, dass wir nicht drei Nächte geblieben sind. Wir hätten ja den Tag noch füllen können. Irgendwie fühlte ich mich hier nicht wohl. Egal. Abgehakt.
    Es geht nach Sayq. Zum Jabel Akhdar. Der Aufenthalt im kommenden Hotel ließ sich problemlos verschieben.

    Kurz nach Zehn verlassen wir das Lehmdorf. Es wird ein längerer Reisetag. Wir haben die Fahrt zum Dorf Balad Seed (auch Bilad Sait) und eine Kurzwanderung im Snake Canyon dazwischengeschoben. Das Ganze ist ein kleiner Umweg.

    Wir fahren die gleiche Strecke wie schon gestern bis zu dem Pass bei 2.000 Metern, wo die unbefestigte, anfangs recht breite Piste beginnt. Al Barida Road heißt sie. Oben am Pass stehen einige Baufahrzeuge. Wahrscheinlich wird sie irgendwann asphaltiert sein. Bis dahin ist es Abenteuer pur. Aber das ist mir hier oben, am Start, noch nicht bewusst.

    Denn schon bald ist das Gefälle so stark, dass ich schon bereue, diese Exkursion vorgeschlagen zu haben.
    Zudem wird es eng. Sehr eng. Glücklicherweise kommen uns sehr selten Autos entgegen. Dann muss einer diese Taschen nutzen. Wobei da auch nur ein halbes Auto reinpasst.
    Obwohl Rainer seine Sache als Fahrer objektiv gesehen sehr gut macht, bin ich nervlich am Ende!
    Mindestens hundert Mal muss ich ihn anflehen langsamer zu fahren. Am liebsten wäre mir natürlich Schrittgeschwindigkeit 🙈.
    Auf halber Strecke steht ein völlig demoliertes Auto. Der hat wohl die totale Kontrolle verloren.

    Die Fahrt macht mir höllische Angst.
    Ich frage mich, warum der Sani Pass, der von Südafrika nach Lesotho führt, zu den gefährlichsten Straßen gehört. Der ist ja Pille Palle gegen diese Fahrt.

    Im unteren Abschnitt wird die Offroad-Strecke zur neuen Herausforderung. Das Auto hat nicht immer Haftung bei dem Gefälle. Es „rutscht“ auf Geröll das sich unter feinstem Sandstaub befindet.
    Hinter uns stiebt es riesige Wolken. Das kommt natürlich durch jede Ritze ins Auto. Aber auch wenn ich während der Fahrt das Fenster öffne um zu fotografieren 🤳

    Bei all der Aufregung ist nämlich der Blick aus dem Fenster einmalig und unbeschreiblich beeindruckend.

    Nach etwa vierzig Minuten passieren wir ein Fußballfeld. Errichtet für einen einzigen Werbespott von Audi wegen der traumhaften Umgebung. Nun wird er wohl allabendlich von Einheimischen genutzt.

    Nach insgesamt einer Stunde erreichen wir den Zugang zum Snake Canyon, wo wir unsere Wanderung beginnen.
    Wenn man Glück hat, steht das Wasser hoch und man kann in den Wasserlöchern baden. Wir haben kein Glück.
    Weit kommen wir leider nicht.
    Zwischen hohen, glatten Wänden warten immer größere, runde Felsen die es zu überwinden gilt. Beim Blick zurück erst, sehe ich wie wir immer tiefer steigen. Ziemlich abenteuerlich das Ganze. Immer noch hoffe ich ein Wasserloch zu finden. Irgendwann aber brechen wir ab. Schließlich müssen wir nicht nur die ganze Strecke wieder nach oben schaffen. Und dann steht uns noch eine knapp dreistündige Fahrt zur nächsten Unterkunft bevor.
    Schön war‘s trotzdem. Aus unserer Sicht hat sich selbst die kurze Wanderung gelohnt. Im nächsten Leben wandern wir weiter 😉
    Den Besuch der Ortschaft Balad Seed lassen wir wegen der fortgeschrittenen Zeit aus.

    Zurück nehmen wir die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg. Abgesehen dass es hochzu überhaupt nicht mehr gefährlich scheint, schroten nun einige Veranstalter mit einer enormen Geschwindigkeit den Weg hinab. Da möchte ich jetzt nicht drin sitzen.

    Nach nur 45 Minuten sind wir wieder oben am Pass. Hier entdecken wir ein Café, das wir gestern noch nicht gesehen haben. Der Cappuccino und der Kuchen sind fantastisch. Omanis können einfach Kuchen. Und das sag ich, die so gar kein Kuchenfan ist.

    Nun geht’s zurück über Al Hamra nach Sayq an der östlichsten Flanke des Hadj Gebirges.
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  • Jabel Shams & Wadi Nahkr

    February 6 in Oman ⋅ ☁️ 21 °C

    Misfah Al Abriyyen hat uns am zweiten Tag nichts Neues zu bieten.

    Wir machen uns auf den Weg zum Jabel Shams Viewpoint. Von diesem Aussichtspunkt gibt es den Blick in den „Grand Canyon Omans“. Ausgerechnet heute ist jedoch das Wetter nicht eindeutig.
    „Hazy“ nennen wir das. Ohne Sonnenbrille kann man nicht richtig gucken - mit, ist es zu dunkel. Wir hoffen aber, dass die Sonne noch die Kurve kriegt. Anderthalb Stunden soll die Anfahrt bis zum Viewpoint dauern.
    Was per Luftlinie wie ein Katzensprung aussieht, entpuppt sich als Fahrt durch die unaufregende Landschaft.

    Nach einer Dreiviertelstunde entdecke ich während der Fahrt rechterhand so etwas wie eine verlassene Siedlung. Direkt an einer Klippe. Für ein Foto machen wir Pause. Irgendwie sieht sie seltsam aus. Außen stehen Häuser und im Inneren… sind das Felsen?
    Was ist das?
    Typischer Auftrag für Drohni. Und während Rainer Drohni auskramt, beobachte ich zwei Autos, die in das anliegende Wadi fahren.
    Es gibt keine Beschriftung. Kein Hinweis. Oman steckt dahingehend noch etwas in den Kinderschuhen. Aber das ist andererseits auch gut so.
    Drohni bleibt also da, wo sie ist und wir verlassen die super asphaltierte Straße und sind total gespannt, wie weit wir im Wadi vorankommen.

    Und wir kommen wesentlich weiter als vermutet. Anfangs noch begleitet uns eine Palmenoase. Hier und da steht ein Haus. Der Flusslauf, also das Wadi hat sich in die Felsen gefressen. Beidseitig begleiten uns Steilwände. Es sieht wunderschön aus. Riesige Steine liegen hier. Auch mal locker fünf oder zehn? Meter im Durchmesser.

    Wir laden einen Wanderer auf. Er fragt uns, ob wir einen Guide brauchen.
    Nein. Freundlich teilen wir ihm mit, dass wir keinen brauchen.
    Wofür? Für diesen Rumpelweg, wo es eh kein Entkommen gibt? Letzteres haben wir uns natürlich nur gedacht.
    Er spürt, dass wir wirklich kein Interesse haben. Er sei eigentlich ein Guide, sagt er.
    Aber heute ist Freitag. Da wandert er ein wenig. Als workout.
    Bevor er sich wieder absetzen lässt, empfiehlt er uns bis zum Dorf zu fahren und mit den Einheimischen einen Kaffee zu trinken.
    Ok. Machen wir! Danke.
    Wahrscheinlich sucht er sich nun neue Opfer.

    Die Fahrt bzw. die Strecke wird zunehmend abenteuerlicher. Wie weit kommen wir überhaupt?
    Lohnt es sich?
    Da kommen uns zwei junge Männer mit dem Auto entgegen. Sie meinen, es lohne sich definitiv. Aber ein Dorf gibt es da nicht.

    Wir befinden uns auf einer Höhe von etwa 900 Metern. Das obere Plateau direkt über uns, auf dem wir später stehen werden, hat dann eine Höhe von knapp 2.000 Metern. Gigantisch!

    Nach insgesamt sieben Kilometern ist Schluss. Hier campt eine Gruppe von Wanderern. Wahrscheinlich erkunden sie diese Gegend nicht ganz so komfortabel wie wir. Dafür stechen sie in das Innerste des Canyons.
    Ein Schild weist auf eine Unterkunft hin. Wer kommt denn her und übernachtet hier?
    Nun darf wirklich Drohni gucken.
    Und zeigt uns, dass es sich lohnt die Häuseransammlung zu entdecken. Sie hat sogar einen Namen: A’nakhar. Ein Einwohner kommt uns entgegen und führt uns vor, wie man Ziegenhaar spinnt. Und drei Jungs toben an den großen Steinen. Mehr ist hier nicht los.

    Wir sind begeistert. Machen uns dennoch auf den Weg zum eigentlich geplanten Ziel: dem Viewpoint am Jabel Shams.
    Jebel Shams, manchmal auch als Jabal Shams ausgewiesen, heißt übersetzt: Mountain of Sun. Mit einer Höhe von 3.018 Metern ist es der höchste Berg Omans.

    Ne Dreiviertelstunde brauchen wir noch. Teils auf sandiger Piste. Oben angekommen erwartet uns das, was wir vermutet haben: Eine grandiose Aussicht und Massen an Touristen.

    Hier startet auch der bekannte Wanderweg W6 - auch „Balcony Walk Trail“ genannt. Dafür bin insbesondere ich nicht schwindelfrei genug. Es gibt auf dem teils fünfzig Zentimeter breiten Weg - stets mit steilem Blick nach unten 😉 - keine Möglichkeit sich festzuhalten.

    Wir machen es uns statt dessen in einem Café gemütlich, haben mit einem älteren Paar aus der Schweiz einen sehr interessanten Plausch und lassen uns ganz nebenbei den sehr guten Cappuccino nebst Kuchen schmecken.

    Es ist kurz vor Drei. Zu früh, um in die Unterkunft zu fahren. Aber ich habe natürlich noch neue Ideen.

    Balt Sayt oder Balat Seed? Das mit den Schreibweisen der Namen ist schon zum Verzweifeln. Einmal in Englisch und einmal Freestyle aus dem Arabischen?
    Aber wahrscheinlich handelt es sich um diese Fahrt zu dem Ort, wo wir vor drei Tagen durch die unterschiedlichsten Schreibweisen zu einem vollkommen falsche Ort gefahren sind.
    Wir versuchen es jetzt zu erreichen.
    Am Pass angekommen, stehen wir vor einer sehr steilen Abfahrt - Skifahrer nennen es schwarze Piste - mit noch bevorstehenden 14 Kilometern.
    Das schaffen wir bei bestem Willen nicht mehr! Dafür ist es eindeutig zu spät. Wir planen es für morgen ein. Morgen ist ein relativ kurzer Reisetag. Da können wir es einschieben.

    Dann machen wir das, was alle anderen Omanis machen: Wir holen unsere Stühlchen raus, setzen uns an die Abbruchkante und gucken.
    Gucken so lange, bis der Wind uns vertreibt. Denn auf die Sonne war ab heute Mittag kein Verlass.
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  • Misfat al Abriyeen

    February 5 in Oman ⋅ ⛅ 23 °C

    Nach fünf Nächten in Nizwa ziehen wir weiter. Nach Misfat al Abriyeen. Nördlich von Al Hamra.

    Misfat al Abriyeen, so steht es geschrieben, soll „das schönste Dorf“ Omans sein. Diese Superlative war nicht der Grund, warum ich hier gleich drei Nächte gebucht habe. Nein. Mit seinen traditionellen Lehmhäusern ist es ein idealer Ort, um in so einem Haus zu übernachten. Gut nur, dass ich kurz bevor wir angereist sind, dezente Fragen bekam, was wir da so lange machen wollen. So habe ich tatsächlich drei Tage vorher, den Aufenthalt auf 2N reduziert.
    Das alte Misfat ist bei der Anfahrt über Al Hamra nicht zu sehen. Nur das Neue. Aber anhand der beidseits zugeparkten Straße ist bald offensichtlich, dass es sich hier um einen sehr touristischen Ort handeln muss.
    Als „Resident“ dürfen wir glücklicherweise dann mit dem Auto bis kurz vor unsere Unterkunft heranfahren. In weiser Voraussicht haben wir nur das Nötigste in zwei kleine Taschen gepackt. Denn Misfat ist eng und die Aufgänge sehr steil.

    Nachdem sich Rainer an der Rezi bemerkbar gemacht hat, erscheint auch ein Angestellter, der unser Gepäck trägt.
    Es ist tatsächlich beeindruckend und kaum darstellbar, wie der Ort teils auf riesigen Bouldern gebaut wurde.

    Das Einchecken im Misfah Hospitality Inn passiert nach der immer gleichen Prozedur: kopieren der Pässe, notieren der Mobilfunknummer und E-Mail. Und dann geht es über mehr als 80 Stufen verteilt über zehn verschiedene, teils abenteuerliche Treppenlösungen zum Zimmer. Leider ist das Zimmer nicht in dem alten Haus sondern in einem neueren Annex. Es ist sauber, viel omanische Deko ist auch vorhanden aber wir wohnen nicht in dem Lehmhaus.
    „Es sei ausgebucht und wir könnten ja morgen wechseln“ heißt es.
    Irgendwie haben wir aber auch beide keine Lust hier zu intervenieren und nehmen es so hin. Wir „dürfen“ ja schließlich im alten Haus frühstücken und zu Abend essen. Nun ja 😐

    Was machen wir also hier?
    Ich finde so auf die Schnelle im Netz einen wunderbaren informativen Beitrag über zwei mögliche Wanderungen. Eine kurze und eine durch die Senke zwischen dem alten und neuen Misfah.
    Als wir starten, ist schon früher Nachmittag. Die Gasse vor unserem Haus ist fast schon leer. Tagestouristen dürfen nämlich nur bis 17Uhr Misfah betreten.

    Eigentlich wollen wir die „große“ Wanderung erst morgen angehen. Aber die Neugier treibt uns immer weiter. Die steilen Naturtreppen winden sich immer tiefer. Als Kurzbeinige ist es schon ganz schön anstrengend. Aber da ist auch der Drang, ständig noch mehr entdecken zu wollen.
    Es ist aber auch schön!
    Die Palmenoase inmitten der fruchtbaren Senke, mittendrin die Aflaj (Mehrzahl von Falaj) und zwischendurch ein paar Terrassenfelder.
    Ein paar entgegenkommende, atemlose Wanderer ermutigen uns, die gesamte Tour zu machen. „It’s worthy“ meinen sie. Und das ist es auch.

    17Uhr gibt es für Gäste des Hospitality Inn eine kostenlose Fürhrung durch das Ortsmuseum. Geführt vom Eigentümer persönlich.
    An dem nimmt (leider) nur Rainer teil. Ich muss mich um mein glühendes Knie kümmern. Aber ich kann ja noch am morgigen Tag an dieser wohl sehr interessanten Tour teilnehmen. Rainer ist jedenfalls begeistert.

    Abends sitzen wir alle auf der Terrasse und genießen den Sonnenuntergang, der wie immer mit kitschigem rosa-gelb bis orangenem Licht einhergeht.
    Die anderen Gäste sind überwiegend - vielleicht auch zu hundert Prozent - aus Europa. So auch das Büffet. Es wird wohl zu dem schwächsten Essen unserer Reise überhaupt gehören. Die typischen Gewürze, die die Speisen hier so ausmachen, fehlen gänzlich. Der Omani Qahwa, den wir mittlerweile als Abschluss eines jeden Tages so lieben gelernt haben, schmeckt wie viel zu starker abgestandener und nochmals erhitzter Kaffee. Keine Spur von Kardamom oder Rosenwasser.
    Aber da die meisten Reisenden hier keine Individualtouristen sind, stoßen nur wir uns daran.

    Alles in allem war dieser Tag nicht schlecht. Aber auch kein Burner.
    Das wollen wir morgen ändern.
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  • Kultur & Moderne südlich von Nizwa

    February 3 in Oman ⋅ ☀️ 26 °C

    Das Oman Across Ages Museum das haben wir auf dem Weg nach Nizwa einfach nicht mehr geschafft. Deshalb nehmen wir uns heute Zeit dafür.
    Vorher aber besuchen wir die neue Sultan Qaboos Mosque südlich von Nizwa. Sie wurde erst im Jahr 2015 eröffnet und zählt zu den größten Moscheen Omans außerhalb der Hauptstadt. Auffallend hier sind die vier 80 Meter hohen Minarette.

    Was die Kleidung anbetrifft, sind wir natürlich schon längst eingespielte Profis. Rainer braucht nur seine Hose um die Verlängerung zu ergänzen und ich trage jetzt immer meine dunkle Baumwollhose und eine leichte dunkelblaue Bluse. Langärmelig natürlich. Und mein Schal liegt immer griffbereit im Auto.

    Diese Moschee ist weniger besucht und so sind wir anfangs allein. Haben die gesamte Hauptgebetshalle (nur für Männer) für uns. Wobei wir den originalen Teppich nicht betreten dürfen. Für uns Nichtgläubige ist ein Blauer ausgerollt.
    Mit einer Größe von 60 × 60 Metern bietet sie Platz für mehrere tausend Gläubige. Die Kuppel ist natürlich immer der Hingucker. Und die große Lampe. Ob die nun auch von Swarovski angefertigt wurde, wissen wir nicht. Der Aufpasser kann kein Englisch.
    Dies ist wieder mal eine Moschee mit einem schönen fast umlaufenden Areal mit Steinboden. Schön gestaltet, gross und wie immer durchgehend gewienert, so dass man sich spiegeln kann. An der einen Flanke ist eine lange Reihe an Wasserstellen, wo man sich die Füße reinigen kann.

    Nicht weit von hier ist das Museum Oman Across Ages. Dieses Gebäude hat nicht nur eine moderne Gestaltung. Nein man braucht schon Zeit um zu begreifen, was ist jetzt gerade - was schief. Wo sind Parallelen… ein Hingucker wie man es selten sieht.
    Mit Zehn Real, also etwa 22 € pro Person ist dies unser teuerster Museumsbesuch. Allerdings bin ich nach diversen anderen Museumsbesuchen anfangs gar nicht begeistert. Eigentlich kenne ich schon den Werdegang Omans. Doch die Multimediale Aufmachung ist zugegeben sehr gut gemacht.
    Interessant finde ich das Thema Islam und ihre Verbreitung. Und die Neuzeit Omans. Beeindruckend finde ich den Kurzfilm über das Werk des von allen verehrten Sultan Qaboos, der 2020 verstorben ist. Mit 30 Jahren hat er seinen Vater wegen Unfähigkeit entmachtet und ihn ins Exil geschickt. Die alles verändernde Rede wird gezeigt. Er hat Oman zu dem gemacht, was es jetzt ist. Hat im ganzen Land, sogar in die entlegensten Gebiete Strom und Wasser gebracht. Seit seiner Machtergreifung gibt es im Oman ein dichtes Netz mit Krankenhäusern und Gesundheitsversorgung. Er hat das Land für die Welt geöffnet.

    Alles in allem sind wir fast drei Stunden drin.
    Zum Abschluss widmen wir uns der beeindruckenden Fassade. Der sehr moderne Garten ist das, was uns dann auch noch interessiert.
    Irgendwie entschließen wir uns dann den bis zum Ende zu spazieren.

    Und dann? Dann erwarten wir einen Shortcut zum Parkplatz. Finden aber keinen. Ein Mitarbeiter antwortet uns auf unsere Frage, welcher Weg nun kürzer wäre mit „same same“ 😐
    Na ja. Es bleibt uns nichts weiter übrig, als diese Strecke zu laufen. Es sind zwei Kilometer. Eigentlich sollte es heute doch ein Knie-Schontag werden!

    Zu guter letzt - und auch weil wir in der Nähe sind - schauen wir uns wieder verlassene Lehmhäuser in Birkat al Mouz an. Die stehen an einem enorm steilen Hang.
    Ganz oben steht ein Überrest einer Ronde. Aber ich hab Knie und gebe auf. Ohnehin ist es eine Herausforderung hier runterzukommen. Ein superfeiner Staub bedeckt die Oberfläche. Und alles ist auch etwas rutschig. Ich halte mich in einem ganz wackeligen Moment an der Fassade.
    Irgendwo… Hauptsache ein Halt. Was für ein Halt?
    Eine Fläche von etwa 40x50cm fällt von der Wand ab, als ich versuche mich zu stützen 🙈
    Boa! Hoffentlich stürzt hier nicht noch mehr ab.
    Na ja. Das ist nun die letzte Stätte alter verlassener Ortschaften. Beeindruckend sind sie ja. Aber es wiederholt sich. Das Bauprinzip habe ich verstanden.

    Am nächsten Tag geht’s noch zum Souq. Und wir nehmen uns Zeit zum Nichtsmachen. Das muss auch mal sein.
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  • Bahla - Al Hamra - Jabreen

    February 2 in Oman ⋅ ☀️ 27 °C

    Omanis können keine Knieprobleme haben. Das ist mir nach diesem Tag bewusst geworden. Nach unzähligen normal bis sehr hohen Stufen, nach ungleichmäßigen in Form und Ebene weiß ich, dass meine Knie zu alt sind für diese omanischen Bauten!

    Aber von vorn.
    Der zweite Tag wird ein Kulturtag. Wir nehmen uns die Sehenswürdigkeiten westlich von Nizwa vor.
    Wir starten die Besichtigung mit einem wundervollen Cappuccino und einem Kakao in einem Café mit Blick auf das Bahla Castle. Dabei ist die Bezeichnung Bahla Castle streng genommen nicht korrekt. Es ist schlicht und einfach falsch ins Englische übersetzt worden. Denn im Arabischen heißt es „Qalʿat Bahla“ - dabei heisst Qal‘at Festung bzw. Fort.

    Das mächtige Fort aus dem 12.Jh zählt zu den ältesten Lehmforts der Welt (ältere stehen in Jemen und Mesopotamien). Dennoch hat dieses eine Besonderheit. Es ist das einzige in dauerhafter Nutzung, Erweiterung bis zum heutigen Zustand als Museum.
    Ich hab’s ja nicht so mit Festungen. Aber das hier hat schon eine beeindruckende Dimension.
    Für 4 OMR pP gehts los.
    In einem der ersten Räume wird ein Workshop für Töpfern angeboten. „Das ist prima“ denken wir und setzen uns gleich an so eine Drehbank. Ein Klumpen Lehm wird draufgepappt und dann? Das Mädel führt es kurz vor - alles sieht total easypeasy aus - und dann dürfen wir. Während wir damit kämpfen, daraus eine Form zu erstellen, hat sie Wichtigeres zu tun. Nämlich am Handy abhängen. Entweder meine Wand reißt ein, oder die Form verlässt die gewünschte Gestalt oder es hat keinen Kontakt mit der Drehscheibe… irgendwas ist immer. Ich gebe auf. Rainer ist da viel geschickter. Am Ende sind wir aber beide etwas genervt - auch weil das hier kein Workshop ist - und wir gehen.

    Nachdem also jede Ecke durchforografiert ist, geht’s weiter.

    Zum nächsten Tagesordnungspunkt.
    Nach Al Hamra. Hier interessiert uns weniger das zersiedelte Örtchen, als vielmehr Bait Al Safah. Ein weiteres, verlassenes Lehmdorf. Und genau wie schon in Adam, bin ich hin und weg vom Gesehenen. Rainer dagegen „guckt sich das auch an“.
    Er kann sich meiner Euphorie, meiner Neugier nicht anschließen. Vor allem dieser lose, feine Sand stört ihn.

    Der anschließende, kurze Spaziergang in die Palmenoase ist aber willkommen. Hier gibt es ein nett gemachtes Café, wo wir unsere staubige Kehle mit Mango-Passion-Juice wieder auffrischen.

    Ja und dann fahren wir nach Bilat Sayd. Ich hatte mir diesen Ort als sensationell gemarkert. Als wir ankommen, stehen wir vor einer Handvoll luxuriöser Familienhäuser.
    Aber was soll hier die Attraktion für uns sein 🤷‍♀️ Wir fahren ab und ich bin etwas verstört. Die Auflösung folgt erst einige Tage später.

    Zuletzt - und das ist beabsichtigt - fahren wir zum Jabreen Castle. Hier wollen wir nämlich bis zum Sonnenuntergang bleiben.
    Das Jabreen Castle wurde im
    17. Jh als Wohn- und Repräsentationsburg für den Imam Bil’arab bin Sultan erbaut. Damals war Oman ein Imamat. Und die Bezeichnung Sultan kein Herrschertitel. Ein Imam war sowohl religiöses als auch politisches Oberhaupt.
    Im Schloss wohnte seine Familie. Es gab aber auch eine Islamschule.
    Viel Infos für uns, die wir uns so gar nicht in dieser Religion auskennen.
    Auf Rat eines Paares, das wir am Frühstückstisch kennengelernt haben, leihen wir uns einen Audioguide aus. Das ist eigentlich ein Handy mit vielen Geschichten von damals. Gut gefällt uns beiden, dass wir nicht irgendeine vorgeschriebene Route nehmen müssen, sondern uns das anschauen, was wir wollen.
    Auch werden wir nicht mit Jahreszahlen und trockenen Fakten etc. zugeschüttet. Der Guide untermalt es so gut, dass wir beide uns das Leben im Schloss vorstellen können.
    Wir bleiben so lange, bis wir die einzigen Besucher sind. Dieses Anwesen ist nicht nur mein persönlicher Höhepunkt an diesem Tag sondern auch in dieser Gegend.
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  • Nizwa

    Jan 31–Feb 5 in Oman ⋅ ☀️ 26 °C

    Nizwa - so heißt es, ist die wohl meist besuchte Stadt gleich nach Maskat. Meine Erwartungen sind dementsprechend. Überfüllt und touristisch. Wir erleben es aber anders. Nichts von dem passt als Umschreibung unserer Erlebnisse. Sicher sind wir nicht die einzigen Besucher. Aber dennoch haben wir den Eindruck Nizwa wie es leibt und lebt zu erleben.
    Wir wohnen in der Altstadt. Sowohl zum Souq als auch zum Nizwa Fort & Castle sind es wirklich nur wenige Schritte.
    Aber es dauert bis wir Nizwa überhaupt entdecken können. Eine ganze Stunde drehen wir Runden und finden den Zugang zum Hotel nicht. Einmal sogar manövrieren wir uns in eine Gasse, deren Falaj uns nicht nur einengt, sondern plötzlich im 90Grad Winkel eine Kehre macht. Noch bin ich fest überzeugt davon dass Rainer es hinkriegt. Nach zig aufregenden Versuchen muss ich einsehen, dass es mit diesem Auto nicht funktioniert. Also fahren wir rückwärts 😳 diesen engen Weg zurück.
    Der Verzweiflung nahe fahren wir zum xten Mal auf den Marktplatz neben der Festung. Rainer erkundet den Weg zum Hotel nun zu Fuß. Und gucke da: Google ist einfach nicht auf dem neuesten Stand.
    Nun. Das Al Dar Inn besteht aus traditionellen Gebäuden in Nizwa’s Altstadt, Al Aqr. Man vermutet, dass die Gebäude mindestens hundert Jahre alt sind. Vermutlich aber noch älter. In den 1940er Jahren dienten die Gebäude als Klinik. In den 2020er Jahren erfolgte eine gründliche Renovierung nach dem Prinzip: historische Substanz zu bewahren. Deshalb sind die Zimmer alle unterschiedlich gestaltet.

    Das uns zugewiesene Zimmer hat zwar Fenster, aber wir können die Wand vom anderen Gebäude streicheln. Das finden wir doof. Zumal wir mit fünf gebuchten Nächten die große Ausnahme sind. Die meisten kommen nämlich nur für eine oder zwei Nächte her. Also bitten wir um ein anderes Zimmer. Mit Fenster zum rausgucken. Das ist dann zwar kleiner aber wir haben ein richtiges Fenster mit Tisch und Stühlen davor. Das gefällt uns. Leider werden wir zu Stammgästen in der Rezi. Nicht nur wegen dem abendlichen Omani Qahwa nebst Datteln - da sind wir nun echte Fans geworden. Nein es geht wieder um unser Zimmer. Zum einen gibt es auch hier Probleme mit der Drainage. Zum anderen kriegt Rainer beim Aufdrehen des Wasserhahns der Dusche erst einmal eine gewischt. Der Boiler ist nicht abgesichert. Und zu guter letzt fällt der dann gänzlich aus. In der Rezi ist man deshalb aber nicht sonderlich überrascht. Das Hotel ist bis Ende April ausgebucht. Man verspricht uns aber gleich nach dem die anderen Gäste ausgecheckt haben, ein neues Zimmer. Das zeigt man uns und verspricht unsere Koffer während unserer Abwesenheit rüber zu bringen.
    Was also machen wir nun vier ganze Tage in Nizwa, fragt der Rezeptionist?
    Er notiert uns einige Orte, die wir unbedingt besuchen sollten. Und genau so machen wir es.

    Reisen mit mehr Zeit hat ja auch Vorteile. Deshalb gehen wir alles ruhiger an. Sehr ruhig. Es ist halb Zwölf, als wir gerade durch das Tor des Nizwa Forts schreiten wollen. Aber da kommt uns eine traditionelle Musik- und Tanzgruppe entgegen. Das ist natürlich Oberklasse, so begrüßt zu werden.
    Nun. Sie drehen ne Runde um ein Centerpoint vor der Festung und gehen wieder musizierend rein.
    Wir kaufen flugs zwei Tickets (5OMR pP) und folgen den Musikern.
    Im Hof wird die Vorführung fortgesetzt. Irgendwann wenden wir uns ab und schauen uns auf der Festung und dem Castle mit seinen verschiedenen interessant gemachten Räumen um. Es hat teils Museumscharakter mit vielen Infos.

    Plötzlich ist mir bald wie aus den Latschen kippen. Zu viel Sonne? Oder zu wenig Sauerstoff in den Katakomben? Keine Ahnung.
    Eine weitläufige omanische Sitzfläche auf dem Hof - die sind nämlich immer überdacht - kommt wie gerufen. Hier hängen wir dann ewig ab, beobachten die Musiker wie auch sie hier pausieren, oder Körbe flechten oder schauen ihnen beim Beten zu und essen Omani bread. Ein einfacher Teig gefüllt mit Schokolade für Rainer und mit Käse für mich.
    Hier erfahren wir auch, wo wir die beste Halwa Nizwa’s bekommen. Nämlich auf dem Souq. Die Shops lasse ich mir bei GoogleMaps markieren. Da gehen wir gleich mal hin. Der Souq hat leider bis zum frühen Abend geschlossen. Auf dem Dattelmarkt probieren wir uns durch die Sorten, verschieben den Kauf auf ein anderes Mal. Nämlich bei einem ausgiebigen Souq-Besuch an einem anderen Tag.
    Am frühen Abend geht es nochmals zum Fort. Mit dem Ticket darf man nämlich den gesamten Tag rein und raus. So gucken wir von der mächtigen Kante des Forts dem Sonnenuntergang zu.
    Abends essen wir etwas außerhalb bei einem Inder. Hier isst nämlich das Volk. Nebenan ist auch ein Lulu Hypermarket. Noch immer hadere ich damit, mir eine Abaya zu kaufen. Für eine eventuelle weitere Reise in ein arabisches Land. Aber ich kann mich nicht durchringen. Dafür finde ich schöne Tücher. Rainer füllt wiederum sein Süsswarenlager auf.

    Insgesamt war das ein schöner Einstieg. Ab morgen werden wir Nizwa‘s Umgebung erkunden.
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  • Von Salalah nach Nizwa

    Jan 29–31 in Oman ⋅ ☀️ 27 °C

    Es ist um Zehn, als wir uns auf die zweitägige Fahrt gen Norden aufmachen.
    Bis Nizwa, unserem Ziel, sind es 890 Kilometer. In Deutschland würden wir es sicher an einem Tag durchziehen. Hier teilen wir es uns ein. Mit einer Zwischenübernachtung in Haima. Das liegt so in etwa auf halber Strecke. Wir hatten aber auch keine Wahl. Haima ist der einzige Ort auf der Route, in dem es auch Hotels gibt.

    Etwa 500 Kilometer stehen also heute auf dem Plan. Aber den gesamten Tag nur im Auto zu sitzen, ist ja auch keine Lösung.
    Da habe ich schon mal etwas vorbereitet. Eine kleine Einlage sozusagen: Nämlich die Erkundung des Wadi Ayoun.

    Wie so oft ist das Wadi nur über eine unbefestigte aber gut präparierte Piste zu erreichen.
    Am Ende stehen wir zwar im Wadi aber von Wasser keine Spur. Wir versuchen es mit einer kurzen Wanderung. Wasser finden wir nicht. Dafür aber schauen wir in das Flussbett mit monströsen Steinen, von denen jeder einzelne mehr als fünf oder mehr Meter Durchmesser hat. Die Oberfläche ist ganz glatt. Und die weiße Farbe der Brocken passt so gar nicht zu den rotbraunen Wänden der aufsteigenden Felsen. Scheint also alles Geröll zu sein.

    Zufrieden sind wir dennoch nicht. Auf der Suche nach einer Wasserstelle, suchen wir uns einen anderen Zugang. Das klappt aber nicht wie gewünscht.
    Mit kleinen oder spitzen Steinen auf der Piste kann Rainer sehr gut umgehen. Aber bergab mit kleinen Brocken? Das wird selbst mir zu unheimlich. Noch immer haben wir nämlich nicht gecheckt, ob wir überhaupt einen Ersatzreifen haben. Vorsicht ist also geboten. Irgendwann aber wird’s Quatsch. Reifenabdrücke sind zwar zu sehen, aber man bräuchte vermutlich ein anderes Auto.
    Also starten wir wieder eine Wanderung. Aber die Abbruchkanten, um in das Tal zu blicken, sehen nicht gerade vertrauenserweckend aus. Es sind teilweise solche Überhänge. Da hab ich zu viel Vorstellungskraft, um mich da drauf zu stellen.
    Typischer Fall für Drohni. Leider darf sie hier nur 20 Meter hoch und ebensoweit vom Start entfernt sein.
    Aber dieses Mal reicht es aus, dass wir das enorm große Wasserloch orten und später mit eigenen Augen sehen. Für den Abstieg bräuchten wir dann doch noch einen anderen Zugang und viel mehr Zeit. Die haben wir angesichts der bevorstehenden Route nun wirklich nicht mehr. Insgesamt hat sich der Abstecher aus unserer Sicht dennoch gelohnt. Vor allem, weil wir hier wirklich allein unterwegs sind, weckt so ne Aktion etwas von Entdeckergeist.

    Dann geht’s noch ins gleichnamige Örtchen. Das ist zwar ein kleiner Umweg, aber den auszulassen, kommt nicht infrage.

    Nach dieser anderthalb stündigen Entdeckungsphase rasten wir auf der Fernstraße 31 ein.
    Die ist landschaftlich so unaufregend. Wieder sind wir in Al-Wusta - genau wie schon auf dem Weg nach Salalah. Wieder gibt es nichts. Beidseitig ist die Fläche mit hellem, fast weißen Sand bedeckt. Was wirklich gut ist, ist der Netz-Empfang. Hier im JWD. Das ist für uns eher ungewohnt.
    So kann ich die Zeit sinnvoll nutzen und mich schon mal in die kommende Reise, die im März starten wird, etwas einlesen.

    Die Sonne ist gerade am Untergehen, als wir das Auto vor dem Haima Hotel abstellen. Die Rezi ist mit diesem beißend-grellen Licht ausgeleuchtet, wie es das hier so oft gibt. Das nimmt jeden Funken von warmen Flair. Aber die Omanis empfinden da keinen Schmerz dabei. Es riecht zudem sehr stark nach Weihrauch.

    Unser Zimmer, ziemlich groß , befindet sich im Erdgeschoss. Der Angestellte ist ein paar Schritte früher als wir im Zimmer und versprüht… ich hoffe doch kein Insektizid? Nein. Einen Gutriecher. Sehr indisch. Warm und fruchtig riecht es nun.
    Zwei Handtücher werden uns noch gebracht. Toilettenpapier stellen wir. Aber das wusste ich aus den Rezensionen. Die Fenster kann man glücklicherweise weit öffnen. Beide schützen uns mit einem ordentlichen Netz vor Flugtieren. Die Einrichtung würde ich „studentisch“ bezeichnen. Es ist alles da. Einzig die Gardinen mit Spitzenmuster wirken echt heimelig. Diese Art Gardine hatten wir früher auch.
    Die Zwei Betten haben je eine etwa 20cm dicke Matratze.
    Allerdings Modell: Brett.

    Den Tag beenden wir im Abu Saleh, einem pakistanischen Restaurant. Es ist ein ganz authentisches Restaurant mit diesen abgetrennten Bereichen, genannt „Family Room“. Die Schuhe werden davor abgestellt. Obwohl in diesem kleinen Ort ein Restaurant am anderen pappt, ist dieses extrem gut besucht. Wir sind natürlich die einzigen Ausländer. Und ich als Frau praktisch eine Außerirdische. Denn hier sind nur Männer unterwegs. Beide entscheiden wir uns für Chicken Masala. Rainer mit Reis. Ich mit Brot. Das Essen schmeckt oberlecker.
    Das Haima Hotel ist das Einzige auf unserer Oman-Reise, das kein Frühstück anbietet. Das brauchen wir auch nicht unbedingt. Kaffee oder Tee zu kochen fällt aber auch aus, da es keinen Wasserkocher auf dem Zimmer gibt. Deshalb kehren wir in ein bei Google hochgelobtes Café ein. Das Star 5 😐 Von uns kriegt es nur eine 3.

    Nach dreieinhalb Stunden Fahrt durch die trostlose Wüste erreichen wir Adam. Die erste Oase von Mitteloman. Die Stadt war einst wegen ihrer strategischen Lage an der alten Seidenstraße ein bedeutendes Handelszentrum. Mitten in den Palmenoasen befinden sich Ruinen alter Gebäude, die aus Lehmziegeln gebaut wurden. Sultan Qaboos hat zur Sicherheit der dort lebenden Menschen diese umgesiedelt.
    Die Ruinen sind nicht abgesperrt. So können wir uns umsehen und sogar in die Häuser reingehen.
    Zugegeben ist es ein wenig spooky. Hält die Treppe, wenn wir sie betreten? Andererseits ist es total spannend diese verschachtelte Bauweise sich in Ruhe anschauen zu können.
    Wir staken da ne Weile durch die Reste der alten Stadt. Anschließend versuchen wir zum Fort zu gelangen. Das ist aber nicht so einfach. Die Wege sind eng und es besteht die Gefahr mit einem Rad in ein Falaj zu gelangen.
    Das Fort hat geschlossen. Anscheinend aus Mangel an Besuchern. Denn Adam steht bei den meisten sicher nicht ganz oben auf der Bucket-Liste.

    Nun ist es nicht einmal eine Stunde bis Nizwa. Rechterhand, unweit von Nizwa, befindet sich das Oman Across Ages Museum. Eigentlich hatten wir geplant, das auf dem Weg zu besuchen. Das Gebäude allein ist architektonisch der Wahnsinn. Sicherlich die Ausstellung auch. Das kann man nicht so nebenbei besuchen. Wir machen ein paar Aufnahmen vom Gebäude und verschieben den Besuch auf die nächsten Tage.

    Nizwa ist dann schnell erreicht.
    Was wir nicht erreichen können ist unser Hotel. Es ist zum Verzweifeln!
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  • Westlich und östlich von Salalah

    January 27 in Oman ⋅ ☀️ 26 °C

    Der erste entferntere Ausflug ist wieder einmal ein Ziel, das ich beim millimetergenauen Durchforsten in GoogleMaps gefunden habe.
    Die Fahrt dorthin ist mehr als verrückt und riskant. Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass Rainer all meine Ideen immer brav akzeptiert und sie dann auch noch umsetzt.

    Es geht also zu einer Abbruchkante am Meer, dessen Weg am Ende eine Höhe von etwa 180 Metern erreicht.
    Das klingt nicht viel. Ich weiß. Steht man jedoch zwei Meter entfernt von der Abbruchkante, kriegt man schon mächtigen Respekt. Zumal es hier natürlich keine Absperrzäune oder sonstige Sicherheiten gibt, die wir aus touristisch erschlossenen Gebieten dieser Welt kennen.

    Die Fahrt dahin beginnt mit einer Sperrung der Straße. Hm. Da bleibt uns nichts weiter übrig als zu warten bis ein Einheimischer vorbeikommt und uns vormacht, wie man so ein Problem löst.
    Claro! Einfach um die Absperrung fahren. Was sonst 🤷‍♀️

    Die weitere Piste ist kein Zuckerschlecken. Es wird immer steiniger, steiler und schräger. Na alles was zu einer echten Offroad-Strecke gehört.
    Viele Wege führen überall hin. Es gibt echt ne Menge zur Auswahl. Eine Drohne, die ständig den Blick von oben behält und uns den Überblick live sendet, wäre die Lösung. Aber wir befinden uns hier - warum auch immer - in einer Flugverbotszone.
    Deshalb kann ich als Master der Routenführung nur noch interpolieren und hoffen, die richtige Empfehlung für den weiteren Weg zu geben.
    Unterwegs treffen wir auf Weideflächen mit grasenden Dromedaren. Können die uns eigentlich gefährlich werden???
    Man könnte ja mal googeln. Das Netz ist nämlich hier in der Muschpukei gut. Besser als in Brandenburg.

    Als das Ziel erreicht ist, fühle ich eine Wahnsinnsfreude. Vergleichbar mit einem erfolgreich abgeschlossen Tag.

    Das Schmankerl hier ist das gestrandete Schiff, die MV Jernas, ein in Bahrain-registriertes Frachtschiff, das bei dem Zyklon Mekunu die Kontrolle verlor und voll gegen den Felsen gerammt ist. Das war 2018. Geborgen wurde es nie. Es befand sich eh im Streit zwischen Kapitän und Eigner… nun hat sie keiner. Dafür haben wir Fotografen und Drohnenflieger ein schönes Motiv.
    Allerdings sind wir beide nicht todesmutig genug, um den Blick über die Klippe zu wagen. Also kommt Drohni ins Spiel. Wegen der eingeschränkten Flugzone darf sie sich allerdings nur 30 Meter vom Standpunkt entfernen.

    Die Netzanbindung ist immer noch gut. Und beim Blick auf die gefahrene Strecke im Vergleich zu der, die uns GoogleMaps als Ausweg aus den Hayour Heights im Gebiet von Aftalqoot anzeigt, entscheiden wir uns für die vorgeschlagene Route. Die führt noch einmal haarscharf an einer Abbruchkante vorbei. So scharf, dass ich aussteigen muss. Ich hab dafür keine Nerven! Rainer meint zwar es sei keine Gefahr - aber lieber stakse ich in Badelatschen über das Unwegsame Gebiet. Und dann erscheint nochmals ein Vista Point, wo das Schiff zu sehen ist, ohne dass man lebensmüde werden muss.
    Und eigentlich verfallen wir schon im Glauben, dass der Zugang aus dem Westen visuell einfacher gewesen wäre. Das ändert sich, als wir an einem Abhang stehen, der einfach mal fast unbefahrbar aussieht. In solchen Situationen bin ich die, mit dem besseren Einschätzungsvermögen. Rainer wäre doch tatsächlich hier umgekehrt. Für
    mich ist das keine Option. Ich checke den Weg und finde dirigierend die bessere Spur nach unten. Ohne dass der Unterboden einen Stein berührt.

    An der Schnellstraße 47 angekommen, wartet schon wenige Kilometer weiter der Mughsail Beach. Ein kilometerlanger weißer Strand mit Wasser in Karibikfarben. Die Wellen sind so gleichmäßig wie aus einer Wellenmaschine. Sanft und nicht zu hoch.

    Das geplante Programm für den Tag schaffen wir dann doch nicht.
    Wir erklimmen gerade noch die Hochebene um Jebel Shaat mit sensationellen Durchquerungen über das Wadi Awfal. Aber als wir die Zufahrt zum Fazayah Beach erreichen, stehen wir vor einer unbefestigten Piste mit einem extremen Gefälle. Der Tag ist einfach zu weit fortgeschritten. Wir kehren um.

    An einem anderen Tag nehmen wir uns das Gebiet im Osten Salalah‘s vor. Das Schöne ist, das erste Ziel ist eine knappe halbe Stunde von der Anlage entfernt. Es geht zum Wadi Darwat. Das Netz ist voller fantastischer Bilder mit milchig grünem Wasser und kaskadierenden Wasserfällen. Tja. Wahrscheinlich sieht man das im Sommer, wenn es hier mal Regen gegeben hat. Was wir sehen, sind durch ein trockenes Flussbett watende Dromedare. Und die ausgetrockneten Wände an den man sich die Wasserfälle dazu denken muss. Ein wenig Wasser finden wir auf dem weiteren Weg. Aber nichts wo man jetzt reingefahren müsste um zu baden.

    Zum nächsten Ziel müssen wir eine halbe Stunde fahren. Es geht wieder zu einer Abbruchkante. Der
    Jebel Shamhan Viewpoint befindet sich in einer Höhe von knapp 1.800 Metern. Die Sicht ist prima. Der Wind etwas scharf. Aber der seitliche Blick auf die Bergkette ist gigantisch. Und bis zum Meer bei Null Höhenmetern sind es nur etwa zehn Kilometer! Es ist beeindruckend, vor diesem krassen Ebenenabfall zu stehen.

    Der Blick in das Tawi Atair Sinkhole ist verglichen dazu die totale Enttäuschung. Hier ist nach einem sehr kurzen Gang Schluss. Von einer Art Terrasse kann man in Richtung des Sinkhole schauen. Man sieht praktisch nichts. Das Wasserloch darf man sich offenbar vorstellen. Der Besuch ist vertane Lebenszeit!

    Wir fahren zur Küste. Zum Taqar Beach. Ein weiterer unendlich langer Strand. Von hier versuchen wir ins Resort zu gelangen. Wir schaffen es aber nicht. Entweder zwingt uns ein Wasserlauf einen Umweg zu machen oder Bauprojekte für zukünftige Unterkünfte. Was wir aber schaffen ist unser gerade vor zwei Tagen gesäubertes Auto vollkommen zu versanden.
    Nun ja. Was uns bei der Entdeckung westlich von Salalah an Zeit fehlte, haben wir hier zu viel. Deshalb gehen wir noch mal an den Strand im Resort und relaxen.
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  • Nicht-Oman

    Jan 25–30 in Oman ⋅ ☀️ 24 °C

    Fünf Nächte plane ich für den südlichsten Ort unserer Rundreise ein. Bei der Auswahl des Hotels muss ich dann mehr Zeit investieren als gewohnt.
    Am schönen Strand soll es sein. Schließlich ist Salalah genau dafür bekannt. Und natürlich bezahlbar. Denn die Gegend ist verdammt kostenintensiv. Einen Pool soll es auch haben.
    Letztendlich buche ich ein Zimmer im „Fanar Hotels& Residences“.
    Das liegt an einer Lagune mit Zugang zum Meer.
    Einen Pool hat es auch.
    Das Hotel befindet sich etwas außerhalb von Salalah. Aber das ist weniger wichtig. Schließlich haben wir ja ein Auto.
    Und getreu dem Motto: „Wenn schon denn schon“ soll das Zimmer auch noch Meerblick haben.
    Bei der Rate gibt es einen kleinen Trost: Nach dem Aufenthalt gibt es fünf Monde auf dem Konto von hotels.com. Bei zehn gibt es schließlich eine Nacht frei.

    Kurz nach 18Uhr erreichen wir nach einem langen Fahrtag die Einfahrt zum Hotel. Jedenfalls steht der Name auch unseres Hotels dran. Ganz offensichtlich handelt es sich hier aber um ein Konglomerat von Hotels. Das Areal erscheint nicht nur riesig. Dies ist der Zugang zu mehreren Unterkünften.
    Eine Hotel-Area eben.

    Gleich hinter der ersten Schranke beginnt also eine Art Stadt. Mit verschiedenartig gestalteten Häusern. Wirklich ansprechend.

    Am Straßenrand sind laternenhohe Pfosten mit irgendwelchen Werbesätzen. Ich registriere es aus dem Augenwinkel… war da irgendetwas in Polnisch? Und auf dem nächsten Tschechisch????
    Sehr verwunderlich. Und sichtbar nichts in Englisch oder Arabisch?

    Ganz am Ende der langen „Wohngebietsstrasse“ steht es endlich: Das Hauptgebäude des Fanar Hotels.

    Die Geschäftigkeit im riesigen Foyer gleicht einer japanischen Train Station. Die Rezeption dagegen klein. Mit zwei Mann besetzt. Irgendwie scheint alles hektisch.
    Ständig will mir jemand der vielen Angestellten meinen Handkoffer abnehmen. Ist zwar nett, aber nach der zehnten Anfrage werde nich energisch. Nein. Das ist meiner. Den brauche ich fürs Einchecken!
    Von überall hören wir polnisch sprechende Leute… Wo sind wir? Waren wir nicht bis vor einer Stunde noch im arabisch sprechenden Oman?

    Mittlerweile ist es halb Sieben.
    Unser Zimmer sei noch nicht fertig, wird uns gesagt.
    What? Um diese Zeit? Wir sollen es uns in den Sesseln gemütlich machen. Nach Neun Stunden Fahrt ist uns nach allem, nur nicht nach Sitzen. Eine knappe halbe Stunde später gibt es endlich den Schlüssel zum Zimmer. Das ist ganz nett. Und sehr geräumig. Aber wo bitte ist das Meer? Wir beide sehen da nur Sand… Jetzt sind wir etwas geklatscht.
    Das lange Warten hat uns eher kritischer und empfindsamer gemacht. Will man uns tatsächlich den äußersten Rand der Lagune als Meerblick verkaufen?
    Rainer ist noch aufgebrachter als ich. Und es passiert etwas - das nie passiert: Er geht zur Rezi und macht seinem Unmut Luft. Doch man hat wohl kein freies Zimmer mit Meerblick. Und bietet uns ein Familienzimmer an. Mit einer größeren Terrasse. Aber das wollen wir nicht. Wir wollen ein Zimmer mit Meerblick.
    Also bleiben wir, wo wir sind 😐
    Wenig später klingelt das Telefon. Nun heißt es, man hätte doch noch ein anderes Zimmer. Direkt mit Blick auf’s Meer. Am Ende des Häusertracktes.
    Das nehmen wir. Nach so einem langen Reisetag wollen wir nun endlich zur Ruhe kommen. Wir schauen uns um und sind sehr zufrieden. Endlich mal gibt es große Ablagen neben dem Bett. Alles wäre schick… wenn da nicht dieser seltsame Geruch wäre. Ein Insektizid? Wahrscheinlich kommt immer nach der Reinigung ein solcher Stoß aus der Spraydose.
    Mit meinem ausgesprochen exzellenten Geruchssinn werde ich zum Opfer. Rainer riecht es bald nicht mehr. Während ich vor dem Schlafengehen das Bett mit gefühlt ner halbe Flasche Febreeze besprühen muss!

    Die Tage unseres Aufenthaltes sind dann doch nicht ganz so schlimm wie der Anfang. Das Wetter könnte nicht besser sein. Eigentlich könnte man es hier gut aushalten können. Wenn man nicht das Gefühl hätte, Teil des Massentourismus zu sein. Bisher nämlich haben wir es erfolgreich geschafft in keiner dieser Touri-Hochburgen Malle‘s, Ägyptens bzw. der Türkei zu übernachten.
    Und nun hier. Hier im Oman. Mitten in einer polnischen Enklave mitsamt solcher Auswüchse wie Liegen schon am frühen Morgen reservieren oder Entertainment den ganzen Tag über. Bis nach Mitternacht.
    Das hier ist fantastisch für Familien und Urlauber, die vom bereisten Land nur den Airport kennen lernen wollen. Aber nur bedingt etwas für uns.
    Zwei halbe Tage verbringen wir dennoch faul an der Lagune beziehungsweise an den Strandabschnitten der Anlage. Nie aber am Pool. Denn für diese Liegen muss man wahrscheinlich schon früh um Sechs aufstehen 🙄

    Salalah ist… ich sag mal: mittelschön.
    Die Straßen sind breit und sehr modern. Die Häuser entlang der breiten Alleen stehen allerdings nicht in Linie sondern so, als wenn sie aus dem Heli gefallen wären. Das ergibt überhaupt kein Flair.
    Der Souq ist ein reiner Touri-Nepp und hat nichts mit den bisherigen Märkten gemein.
    Die imposanteste Moschee Salalah‘s ist von den vielen Moscheen der Stadt die Sultan Qaboos Mosque. Gerade abends wenn die dezente Beleuchtung das Gebäude und die Kuppel noch zauberhafter wirken lässt.
    Was noch? Ach ja.
    Wie immer gehen wir in das Musuem einer Stadt, das uns die Geschichte näher bringen kann. Da bietet es sich an, dem Museum „The Museum of the Frankensences Land“ einen Besuch abzustatten. Leider werden wir zum ersten Mal total enttäuscht. Es gibt nur zwei Räume mit eher unterdurchschnittlicher Informationsbreite.

    Etwas bockig sind wir mit dem dinnieren. Es gibt zwar eine gute Auswahl an Restaurants, aber jeden Abend etwa 70€ zu investieren, um dann mexikanisch, thailändisch, brasilianisch oder Schnitzel zu essen, dazu sind wir nicht bereit. Wir fragen nach regionalen, nach hier typischen Speisen. Aber das gibt es hier nicht.
    Also machen wir uns allabendlich auf den Weg und werden in Salalah fündig. Es gibt omanisch, libanesisch, arabisch, indisch und einmal italienisch in Form zweier Pizzen✌🏻. Wir zahlen jedes Mal
    6 OMR - das etwa 13€ sind.

    Anders als die meisten hier sind wir keine All-inclusive Gäste. Automatisch mutieren wir so zu Premium-Gästen. Das aber erfahren wir erst am vorletzten Abend, als eine Einladung zu einer Rezeption in die Rooftop-Bar an unserer Tür klemmt. Passend findet es an unserem letzten Abend statt. Mit einem Sektchen in der Hand den Sonnenuntergang zu beobachten - das hat was.

    Und bevor wir der Trägheit verfallen sind, haben wir dann doch etwas von unserem sonstigen Reisestil bewahren können. Wir erkunden auf teils abenteuerlichen Fahrten die Umgebung Salalahs im wunderschönen Dhofar.
    Aber das wird ein anderer Footprint.
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  • Duqm & die Fahrt nach Salalah

    January 25 in Oman ⋅ ☀️ 24 °C

    Duqm liegt in einer Sonderverwaltungszone und ist Teil der Agenda 2040. Ein ehrgeiziges Ziel, um die „omanische Wirtschaft durch Investitionen in Technologie, Logistik und erneuerbare Energien von der Ölindustrie zu diversifizieren“.
    Großes ist also angedacht. Duqm liegt etwa auf der Mitte zwischen Maskat und Salalah. Hier soll Moderne einziehen. Oman plant hier die Zukunft. Das noch vor 30 Jahren kleine Fischerdörfchen bekommt den größten Hafen Omans. Ach Quatsch. Den größten Industriehafen des Nahen Ostens.
    Mehr als 2.000 Quadratkilometer sind für das neue Duqm abgesteckt. Das ist fast zweieinhalb mal die Fläche Berlins.
    Geldgeber aus aller Welt werden mit allerlei Schmankeln on top eingeladen, sich hier mit ihren Schwerindustrieanlagen nieder zu lassen. Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen sollen die umgebende Stadtplanung mitfinanzieren.
    Ein paar Kilometer weiter sollen Hotelanlagen an einem feinen Sandstrand Touristen anlocken.

    Dass man Dubai mit diesem Vorhaben etwas verärgern könnte, nimmt man dabei in Kauf. Denn seit dem Konflikt im Iran ist die Straße von Hormus - weltweit wichtigste Seestraße und zentrale Verbindung des Persischen Golfs mit dem Golf von Oman - unsicher. Dessen Blockade hätte nämlich massive globale wirtschaftliche Folgen.

    Noch gibt es in Duqm nicht viel zu sehen. Was man aber sehen kann, ist, dass man die Stadtplanung unserer Ansicht nach in richtiger Reihenfolge ablaufen lässt.
    Zuerst begann man mit der Strassenplanung. Den Adern einer Stadt. Gross und breit sind sie. Momentan noch zwei bis dreispurig. Doch dazwischen ist so viel Platz, da könnte locker auch eine A320 landen. Heißt: Jederzeit erweiterbar.

    Und genau wie schon in in der Hauptstadt Brasiliens, in Brasília, gibt es neben der eigentlichen Straße - abgegrenzt durch einen Grünstreifen - noch zwei weitere Spuren. Verrückt. Das muss man sehen, um das zu begreifen.

    Nun gut.
    Wir wohnen in der „Resort-Street“. So steht es auf dem Straßenschild. Im Park Inn by Radisson. Ein tolles Hotel. Die Zimmer sind riesig, die Terrasse auch. Es gibt sogar zwei Handtücher und zwei Waschlappen. Das ist nicht Usus im Oman. Usus sind zwei Badehandtücher und ein Händehandtuch. Es gibt meinen Lieblingstee vom Dillmah… und überhaupt stellt sich das einst 100% US-amerikanische Unternehmen hier viel komfortabler dar als in den USA selbst.
    Das Frühstücksbüffet ist einsame Spitze. Und schon fragt Rainer, warum ich nur eine Nacht hier eingeplant habe 🙄

    Noch gibt es nicht viel zu sehen. Einzig der Rock Garden kann schon als Sehenswürdigkeit angesehen werden.
    Vom Hotel brauchen wir etwa eine Viertelstunde bis dahin.
    Auf dem etwa sechs Quadratkilometer eingezäunten Gebiet stehen fotogene Sandsteinformationen, die bis zu 46 Millionen Jahre alt sein sollen. Das Ganze kann man ohne Eintrittsgebühr und ohne Permit einfach so bestaunen. Und wir fühlen uns wie im Goblin Valley oder Joshua Park oder so.
    Zuletzt holen wir unsere zwei Stühlchen raus und warten auf den Sonnenuntergang. Einfach nur schön.

    Am nächsten Tag starten wir für unsere Verhältnisse sehr früh.
    Punkt Neun verlassen wir das Hotel und treten die lange Fahrt, den letzten Abschnitt nach Salalah an. Etwa 660 Kilometer sind zu fahren.
    Die ersten drei Stunden sind an Eintönigkeit kaum zu übertreffen. Es ist nur langweilig… 🥱

    Nach genau 243 Kilometern kommt endlich etwas zum Wachwerden. Unsere Route führt uns in kürzester Zeit auf eine 150 Meter hohe Ebene, von der wir wieder auf spektakulärer Strecke auf Meeresebene geführt werden. Was bei uns wahrscheinlich ein Tunnel wäre, ist hier einfach ein Einschnitt, eine menschengemachte Schlucht. Die Straße windet sich zwischen steilen Wänden und am Ende haben wir einen sensationellen Blick auf das Tal, das vor uns liegt. Wow!
    Aber dann wird’s wieder unspektakulär und nichtssagend.

    Ich hole also unseren analogen Reiseführer raus und lese etwas über Dhofar. Dem südlichsten Departement, in dem auch Salalah liegt. Dabei gibt es auch einen Sonderbeitrag über die Fahrt von Duqm gen Süden entlang der Küste. Die Empfehlung für einen Abstecher in das Wadi Al Shuwaimiyah kommt uns gelegen. Es liegt auf etwa der Hälfte der heutigen Strecke.

    Das Wadi beginnt gleich hinter dem Ort Shuwaimiyah. Das Flussbett ist einen knappen Kilometer breit. Der unbefestigte Wadi-Nebenweg ist wieder einmal beeindruckend gut präpariert. Eigentlich braucht man keinen 4WD. Jedenfalls heute nicht.
    Nach etwa zehn Kilometern der Ah‘s und Oh‘s erreichen wir so ungefähr die Stelle, wo es ein Wasserloch geben soll.
    Vom ausgetrockneten Flussbett sieht man es nicht. Eigentlich. Aber jeder weiß wenn plötzlich eine Palmenoase am Fuße einer Steilwand zu sehen ist, dann kann da nur Wasser sein. So auch hier.

    Für vorsichtige Fahrer wäre jetzt hier Schluss. Man könnte auf die Ebene aufsteigen und zuletzt die Treppe nehmen.
    Nicht so wir.
    Wir brettern hoch und laufen die letzten Meter, wo fahren unverantwortlich wäre.

    Also Wadi’s haben wir schon einige gesehen. Aber so etwas noch nicht. Das Wasser tröpfelt entlang der Wand und hat über Jahrhunderte Stalaktiten gebildet.
    Der Rest ist wie immer: wunderschönes Wasserloch, eine Palmenoase und ein Falaj.
    Spektakulär, atemberaubend, monumental, gigantisch… überwältigend… gibt es noch andere Wörter für Begeisterung?

    Wir kriegen wieder einmal nicht genug und kehren nicht um. Verdrängen die noch bevorstehende Fahrt. Das hier ist zu einmalig. Wir wollen mehr!
    Wir fahren weiter.
    Im Auto sitzend, fühlen wir uns total sicher, wenn Kamele den Weg versperren. Die rennen hier nämlich nicht weg. Die „wohnen“ hier auf dieser Plantage oder ist das eine Zuchtstation🤷‍♀️
    In aller Ruhe können wir ihnen zusehen, wenn sie die Zähne fletschen.

    Wir fahren so weit, wie‘s geht. Vorbei an weiteren Wadi‘s der gleichen Struktur wie der ersten.

    Ob der Weg nun eine Sackgasse ist, werden wir nie herausfinden. Fest steht - und da nützt kein Forscherdrang - wir stehen vor einem etwa fünf Meter hohen Abhang mit Verwerfungen. Da bräuchte man ein anderes Auto. Unser LandCruiser würde es sicher nach unten schaffen. Aber was, wenn dann später doch ein anderes Hindernis steht? Hier kommen wir nie wieder hoch. Also kehren wir hier nach 20 Kilometern um. Schade.

    Die kommenden 300 Kilometer gehören wohl zu einem der spektakulärsten Abschnitte unserer bisherigen Reise. Wir fahren einerseits entlang des Jabal Samhan Nature Reservats. Und andererseits der Küste, die hier diese Sehnsuchtsfarben vom tiefen Blau bis Türkis aufweist.
    Zusammen waren es 704 Kilometer. Die wir gefahren sind. Die reine Fahrzeit betrug 7:55 Minuten.
    Geht doch.
    Kurz nach Sechs erreichen wir unsere Destination für die nächsten fünf Tage.
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  • Al-Khaluf

    Jan 21–24 in Oman ⋅ ☀️ 25 °C

    Dreieinhalb Stunden benötigen wir von Al-Khashkharah nach Al-Khaluf. Unser zweiter Stopp auf dem Weg nach Salalah.
    Da unsere Fahrt laut GoogleMaps direkt an der größten Wüste Omans Rab-al-Chali entlang läuft, habe ich mir eigentlich versprochen, auch von dem riesigen Sandberg etwas zu sehen. Aber dem ist nicht so. Einzig ein paar Ausläufer mit diesem erdtönigem Sand sind, was bis zur Straße reicht.

    Ein paar Kilometer später begegnen wir Dromedaren, die planlos über die Straße und später über das Land latschen. Als ob sie keinen Plan hätten.

    Unser Ziel Al-Khaluf liegt im Departement Al-Wusta. Klingt schon vom Namen her nach viel Wüste. Allerdings in weiß. Beziehungsweise in Cremefarben.

    Die breite Route 32, die wir fahren, ist eine eher unbedeutende Fernverkehrsstrasse. Dennoch ist sie im gewohnten Bestzustand. Schlaglöcher und Betonkrebs sind - trotz 45 Grad im Sommer - ein Fremdwort.
    Aber was nützt es, wenn die Landschaft nichts hergibt 🥱 Und so zieht sich die Fahrt….

    Spannend wird sie erst kurz nach dem wir die Halbinsel Al-Hickman passiert haben. Hier müssen wir die Hauptstraße verlassen. Laut Google sind wir fast schon da und dennoch soll es noch eine halbe Stunde bis zum Ziel dauern? Oh neeee.
    Die Piste ist breit aber unbefestigt. 26 Kilometer lang. Vor uns fährt ein LKW. Trotz eingestellter Umluft, bleibt uns nichts übrig, als stehen zu bleiben und zu warten, bis sich der aufgewühlte „Sand-Puder“ wieder legt.

    Kurz nach Drei erreichen wir endlich das Ziel: Das Sugar Dunes Resort. Das liegt wieder einmal mitten im Nowhere. Eingequetscht zwischen Meer und Sanddünen. Wegen dem aussergewöhnlich hellen Sand heißt die Wüste: Sugar Dunes.

    Dieses Gebiet ist touristisch noch unentdeckt. Und das ist ganz nach meinem Geschmack.
    Dass wir nun in der ersten Nacht gleich mal die einzigen Gäste des Resorts sind, damit haben wir allerdings nicht gerechnet.
    Wir bekommen das Bungalow „mit der schönsten Aussicht“ Es hat tatsächlich Frontlage. Das Personal ist extrem freundlich. Und weil wir die einzigen Gäste sind, bietet man uns gleich mal eine Fahrt in die Dünen zum Sonnenuntergang an. Allerdings bieten wir Pathum, dem Angestellten des Resorts, mit unserem Auto zu fahren. Er lässt dann auch schon mal die Luft in den Reifen ab und fährt uns bis zur ersten attraktiven „Welle“. Er warnt uns auch, nicht IN die Wüste zu fahren, wenn wir kein Desaster erleben wollen. Im Inneren.
    Ein letztes Stück bis oben zur Kante der Düne, müssen wir dann aber selbst laufen. Es ist nicht weit.
    Der Sand ist sehr fein und sehr hell. Nicht direkt so weiß wie im White Sands in NM. Eher cremefarben. Dennoch kommt man es ohne Sonnenbrille nicht hin etwas zu sehen.

    Der nächste Tag steht unter dem Motto: Gute Taten vollbringen. Eigentlich wollten wir heute nur am Strand abhängen. Denn der ist nicht nur riesig sondern auch picobello sauber. Dafür sorgt das Personal. Auch wenn der Strand öffentlich ist.

    Nun. Es kommt wieder einmal ganz anders. Ich wache schon mit subtilem Kopfschmerz auf. Es scheint, als ob eine feine Wolkenschicht zwischen uns und der Sonne hängt. Das Licht ist grell und furchtbar fies. Der Wind ziemlich heftig. Ein ausgeprägter Sandturm ist im Anmarsch.
    Während ich also mit einer Tasse VietKong Kaffee versuche den Kopfschmerz zu vertreiben, geht Rainer mal den Strand inspizieren. Ganz aufgeregt kommt er nur kurze Zeit später zurück. „Da ist ne Riesenschildkröte. Die braucht dringend Hilfe“ sagt er. Tatsächlich hat sich die Arme heute Nacht - sehr wahrscheinlich nach der Eiablage - voll verlaufen. Das - obwohl weitläufige, etwa einen Meter hohe Wände genau das verhindern sollen. Am Ende der kurzen Seebrücke hat sie sich unter das Geländer fest verkeilt.
    Drei Angestellte und Rainer bringen sie in einem aufwändigen Akt - weil sie so schwer ist - zum Wasser. Sie ist verletzt und blutet am Bein. Ohnehin ist sie nur noch dreibeinig. Die letzten Meter schiebt sie sich allein zum Wasser und mit der nächsten Welle verschwindet sie aus unserem Sichtbereich. Was für ne Aufregung!

    Mit Strand wird es also heute nichts.
    Der Sandsturm sorgt selbst nach ein paar Metern dafür, dass jede Pore zu ist. Ein Aufenthalt draußen macht so keinen Spaß.
    Was also tun? Wir entscheiden uns, mit dem Auto Richtung Siedlung Al-Khaluf zu fahren.
    Es ist noch nicht einmal der halbe Weg geschafft, da stehen zwei Gestrandete am Rand der Piste. Sie haben ihr Auto in der Düne festgefahren und laufen in die völlig falsche Richtung um Hilfe zu holen. Aber bei dem Sturm ist das alles doppelt so furchtbar. Die Story, die sie uns erzählen, ist allerdings etwas unstimmig. Sie seien Italiener, sagen sie. Die Sprache, die sie sprechen klingt aber nicht so. In meinem Hinterstübchen laufen schon verschiedene Szenarien ab. Andererseits wäre es unmenschlich sie hier stehen zu lassen. Das können wir nicht tun. Denn wir selbst sind schon mehr als einmal in eine solche Lage geraten und uns wurde immer geholfen.
    Aber ich fühle mich etwas unwohl, als beide hinter uns sitzen. Wir bringen sie in unser Resort, wo sie - wie wir abends erfahren - sofort Hilfe bekommen haben. Sie bedanken sich nochmals und ich sollte nicht mehr so viele Krimis gucken 😉

    Eine Stunde später machen wir also den zweiten Anlauf, um in die Siedlung zu kommen. Dort soll es auch zwei Höhlen geben. Der Weg dahin ist nicht ganz eindeutig. Mal fahren wir auf Sandflächen, mal am Strand. Mit unsicherem Ausgang.

    Ich, die immer die Ideen für solche Aktionen hat, bedauert schon diese Route vorgeschlagen zu haben🙈
    Dazu dieser Sandsturm… Aber Rainer genießt das Brettern auf dem Strand. Und wenn der Fahrer Spaß hat, ist die Welt doppelt in Ordnung.

    Die Suche nach den Höhlen gestaltet sich schwierig. Wir finden sie zwar, aber nur von einem oberen Felsen mit Blick nach unten. Wie wir unfallfrei runterkommen könnten, ist unklar. Bei schönem Wetter hätten wir vielleicht nicht locker gelassen. Aber so? Deshalb gibt es Fotos von oben und gut ist’s.
    Der Ort Al-Khaluf ist ein Nest. Am Rand stehen ein paar in kleinen Verschägen eingesperrte Dromedare. Sonst ist hier außer gefühlt eine Handvoll Wohnhäuser und zwei Moscheen absolut nichts los.

    Ganz plötzlich steht ein LandCruiser neben uns. Der Fahrer bietet uns an, unser Guide zu sein. Wofür eigentlich? Er will uns die Höhlen und die Sugar Dunes zeigen. Und wie man am Strand fahren kann. Als er mitbekommt, dass wir aus Deutschland sind, zählt er noch schnell bekannte Fußballclubs auf.
    Wir sind eh auf dem Rückweg, lehnen ab und fahren die gleiche Strecke zurück.
    Das Resort ist heute Abend gut gebucht. Zehn Bungalows sind besetzt. Es gibt wieder Büffet. Wie ich das hasse! Am nächsten Morgen verlassen alle, außer uns, das Resort. Das sei völlig normal zu dieser Zeit, sagt man uns. So lange wie wir bleibt kaum einer. Schade eigentlich für das Resort. Der Ort ist schön und sauber. Der Strand wunderbar.

    Der nächste Tag beginnt wieder sonnig. Der Wind hat nachgelassen. Nach dem Frühstück buche ich einen Termin zur Ganzkörpermassage. Doch keine Stunde später werde ich von heftigen Magenkrämpfen und furchtbaren Schmerzen geplagt. Wehenartig. Das geht den ganzen Tag so. Mit Wehen liegt auch unsere Schwiegertochter in Denver im Krankenhaus. Das allerdings ist geplant. Am Abend dann erfahren wir, dass wir nun zum vierten Mal Oma&Opa geworden sind 🎉

    Das Dinner fällt für mich aus. Ich lasse mir „plain rice“ ins Zimmer bringen. Rainer muss indes sein Viergänge-Menü allein essen. Mit einem weiteren Ehepaar. Wieder ist das Resort leer.

    Am nächsten Morgen geht es mir besser. Aber die Zeit hier ist vorbei. Wir hätten es hier noch länger ausgehalten.
    Es geht zu unserem letzten Zwischenstopp auf dem Weg nach Salalah. Nach Duqm.
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  • Urlaub in Al Ashkharah

    Jan 19–21 in Oman ⋅ ☀️ 25 °C

    Mit dem Verlassen der Stadt Sur beginnen wir die lange Reise gen Salalah, das ganz im Süden Omans, im Gouvernement Dhofar liegt. Bis dahin sind es etwas mehr als 1.100 km von Sur entfernt. Diese Strecke tun wir uns natürlich nicht in einem Ritt an. Wir teilen die Entfernung und legen drei Übernachtungsstopps mit verschieden langen Aufenthalten ein.

    Los geht’s mit Teil eins: von Sur nach Al-Ashkharah. Die ausgesuchte Route ist mit etwa 120 Kilometern und einer prognostizierten Fahrtzeit von zwei Stunden sehr erträglich.

    In Jalan Bani Abu Ali (cooler Ortsname - oder?) legen wir einen Stopp im LuLu Hypermarket ein.
    Hypermarkets sind Supermarkets von enormer Größe. Genau so ist das Warenangebot. Da man in Oman eh vieles importieren muss, kann man in einem LuLu australische TimTams, kalifornische Majdoul Datteln oder auch japanische Produkte kaufen. Ich neige fast schon zu sagen: Was es hier nicht gibt - gibt es nicht. Fast wie im Singapore’s Mustafa Center. Nur hier werden fast ausschließlich Lebensmittel angeboten.
    Übrigens werden Geschäfte namens „Supermarkt“ Läden in der Größe eines ausgewachsenen Rewe bis Mini-Lädchen genannt.
    Nun gut.
    Wir decken uns mit Snacks ein. Ich finde auch ein paar Gewürze zum Mitnehmen nach Hause und dann geht’s weiter.

    Im Ort selbst gibt es nämlich eine Besonderheit, weshalb wir diesen und keinen anderen Weg überhaupt genommen haben. Am Rande der Stadt steht die Hamouda Al-Masjid. Eine der ältesten und historisch bedeutendsten Moscheen des Omans. Man schätzt die Entstehung auf das 17.Jh. und die besondere Bauweise (sie besitzt keine Minarette dafür 52 Kuppeln) zeugt von den Fähigkeiten der damaligen Zeit.
    Allerdings haben wir etwas Pech. Denn die Moschee wird gerade und wieder einmal rekonstruiert. Wir können also nur die Aussenstruktur sehen, denn die Bauarbeiter haben so gar kein Problem, wenn wir uns umschauen. Leider liegt das weitläufige Gebiet und die Stadt in einer Flugverbotszone für Drohnen. So gibt es auch keine Von-Oben-Aufnahme. Solche habe ich aber im Netz gesehen. Das Dach sieht dann aus wie viele eng aneinander gepressten Tortenkuppeln.

    Eine knappe Stunde später erreichen wir die Unterkunft für die nächsten zwei Tage. Das Dana Beach Resort. Das zählt zwar zum Ort Al-Ashkharah, allerdings steht das Resort mutterseelenallein in einer vollkommen unbebauten Gegend.

    Am Empfang gibt man sich verwundert - was mich wiederum total verunsichert - dass wir einchecken wollen. Wir zeigen unseren Ausdruck und dann ist wohl doch alles klar.

    Wir erfahren ganz nebenbei, dass das Frühstück inklusive ist - das stand nämlich bei der Buchung nicht zur Option - und dass es bis 10:30Uhr serviert wird. Genau unser Lebensrhythmus 😎

    Unser Haus heißt Maskat und hat die Poolposition. Nämlich in der ersten Reihe in der Mitte.
    Das Anwesen besteht aus sieben „Chalets“, dessen zwei riesige Räume sich auf zwei Etagen verteilen. Wir tun uns schwer, das Konzept, die Idee hinter so einer Einrichtungsweise zu verstehen. Im Erdgeschoss soll wahrscheinlich der Wohnraum sein. Es hat einen Pool. Leider ist das Wasser saukalt und man kann es auch nicht erwärmen. Es gibt eine Couche mit Tisch und einen Esstisch. Ein paar Küchenmöbel suggerieren, dass man hier etwas zubereiten könnte. Doch die Schränke sind leer.
    Den oberen Bereich erreicht man über eine Außentreppe. Hier befindet sich das, was sonst ein Hotelzimmer bietet. Es gibt noch einen kleinen Balkon mit Blick auf die gepflegte Wiese mit vielen Palmen.
    Ich sag mal so: Alle verwendeten Materialien (an der Wand über dem Bett pappt eine vier Quadratmeter, monströse Marmorplatte) scheinen sehr kostenintensiv zu sein. Zusammen strahlt es aber keine Gemütlichkeit aus.
    Letztendlich richten wir uns in der oberen Etage ein.

    Anschließend erkunden wir das Gelände Richtung Meer.
    Am Ende der Wiese befindet sich so etwas wie eine Lounge-Area. Wirklich fantastisch gedacht. Nur fehlt es an Einsicht, dass alles ständig gepflegt werden muss. Am meisten enttäuscht der Strand. Es gibt ausgerechnet vor diesem Grundstück keinen Sand. Es guckt einfach eine riesige Steinplatte raus. Links und rechts ist zwar Sand aber auch viel Müll. Das Wasser sieht nicht so „cristal clear“ aus wie am Strand von Ra‘s Al Hadd. Wir erfahren dann später, dass der Strand öffentlich ist, der Müll vom Verklappen vorbeifahrender Schiffe stammt, aber man zwei mal die Woche den Strand säubert.

    Als wir uns am ersten Abend aufmachen in den Ort zu fahren, um irgendein Restaurant aufzusuchen, erfahren wir nebenbei, dass es auch in der Anlage ein Restaurant gibt. Das ist zwar wunderbar. Aber wäre es nicht die Aufgabe des Rezi-Mannes gewesen, uns das alles mitzuteilen?

    Das sonstige Personal ist sehr international. Der Koch kommt aus Sri Lanka, der Kellner aus Indien und der Barista aus Nigeria. Alle sind extrem aufmerksam. Das Menü ist überraschend umfangreich. Das verwundert uns, weil wir außer einer ausgewachsenen Großfamilie die einzigen Gäste sind. Doch je später der Abend um so mehr kommt hier Leben auf. Gutbetuchte kommen aus den Nachbarorten, um hier zu dinnieren. Wobei wir für uns beide gerade mal etwa 15€ zahlen. Essen ist in Oman sehr preiswert. Und tatsächlich ist das Essen einfach exzellent.
    Apropos Gutbetuchte…. Ich meinte natürlich die mit viel Geld. Gut betucht sind auch die wenigen weiblichen Besucher. Erkennt man außerhalb der Räumlichkeiten kein Gesicht, liften sie es sobald sie drin sind. Später aber, als wir noch auf unser Essen warten, wünschen sie Stellwände. Damit wir Ungläubigen sie nicht sehen. Ich muss mich also fragen, was da passiert, wenn ein Mann und seine vier Frauen nicht gesehen werden wollen. Machen sie vielleicht ihr Kopftuch auf. Oder noch mehr? Wir mutieren also noch zu Unwissenden 😉 Jedenfalls schmunzelt der Barista, der ein Christ ist, auch über das Verhalten, das wir nicht verstehen.

    So ganz ohne Strand und ohne Aussenpool in der Anlage wird es uns dennoch nicht langweilig. Es ist wieder etwas „Paperwork“ angefallen. Und ich komme endlich dazu, meine Fotos vom Handy auf dem Laptop zu sichern.

    Nach zwei Nächten fahren wir weiter.
    Weiter gen Süden. Nach Al Khalufa in die weiße Wüste.
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  • Sur - am östlichsten Punkt Omans

    Jan 17–19 in Oman ⋅ ☀️ 22 °C

    Noch einige Kilometer weiter haben wir den Eindruck, ein Kloake-Geruch tänzelt um unsere Nase. Als ob unsere Kleidung den Geruch angesaugt hätte. Vielleicht aber bilden wir uns das nur ein. Das Fenster bleibt jedenfalls während der Fahrt geöffnet.

    Der östlichste Ort der arabischen Halbinsel, wo der Golf von Oman auf das Arabische Meer trifft, ist unser heutiges Ziel. Die Route 17 überquert auch einige namenlose Wadis. Das eine, ist eine tiefe Schlucht.
    „Halt!“
    Aber ich sag’s zu spät.
    Eine andere Abfahrt ist nicht in Sicht. So schön die Straßen hier auch sind, man hat vergessen, die eine oder andere Möglichkeit zum wenden einzubauen. Aber wir haben ja Zeit und fahren den Umweg.
    Der Zugang zur Schlucht ist eh auf der anderen Seite. Einen ausgefahrenen Weg gibt es nicht. Ein paar Spuren vielleicht. Unser LandCruiser kämpft. Abgerundete, faustgroße Steine bedecken das Flussbett. Linkerhand, an der Steilwand befindet sich - as usual- ein wunderschönes Wasserbecken mit smaragdgrünem Wasser.

    „Das gucken wir uns auf dem Rückweg an.“
    Dann folgt eine abgezäunte Plantage. Bananenbäume, Palmen und mehr werden hier gezüchtet.
    So verlockend es auch ist, wir kehren um. Zu groß ist die Gefahr stecken zu bleiben. Wahrscheinlich kommt hier selten jemand vorbei.
    Wir schauen uns das Wasserloch an, als wir in der Senke vor der Felswand vier junge Männer entdecken, die es sich auf einem Teppich gemütlich gemacht haben. Da sind Orangen und Kannen zu sehen. Zwei große Dosen voller Datteln. Gestikulierend laden sie uns ein, mit ihnen Kaffee zu trinken. Was für eine Erfahrung. Wir sitzen gemeinsam auf diesem weichen Teppich, müssen natürlich beide Sorten Omani Qahwa und Datteln probieren. Die Dunklen stammen sogar von der Dattelpalme hier aus dem Wadi.
    Der Eine, er ist gerade zu Besuch bei seiner Familie, kommt aus Nizwa und spricht ein ganz gutes Englisch. Wir tauschen uns aus. Über Herkunft, Alter, Job etc. Eine tolle Runde. Eine außergewöhnliche Erfahrung.
    Wir sollen noch länger bleiben. In einer Stunde gibt es Mittagessen… Aber wir danken und machen uns auf den weiteren Weg.

    In Sur steigen wir im Sur Grand Hotel ab. Wir bekommen ein Zimmer mit Blick auf die Gebirgskette und seitlichem Meerblick. Und auf die andere Hotelfront 😐 Für die nächste Nacht bekommen wir deshalb ein Eckzimmer. Beide sind sehr geräumig und das Bad ist kein Kloake-Raum!

    Sur - einst aufgrund der Lage wichtigster Ort auf der Handelsroute zwischen Indien und Afrika ist auch die Wiege des Dhow-Baus. Als Umschlagplatz auf der Handelsroute hat Sur seit dem Bau des Suez-Kanals in Ägypten an Bedeutung verloren. Was blieb, war der Dhow-Bau. Heutzutage lebt Sur von Fischfang. Dhows werden jedoch nur noch in sehr kleiner Anzahl gefertigt. Auf Bestellung. Es gibt deshalb noch die Möglichkeit, sich diesbezüglich etwas anzuschauen. Das machen wir gleich nach der Ankunft.

    Doch unterwegs bleiben wir am Bilad Sur Castle stehen. Es diente im 17.Jh zur Überwachung und Verteidigung.
    Der Zugang ist nicht klar ersichtlich. Alle Türen verschlossen. Dann geht doch ne Türe auf und für 3 OMR schauen wir uns die Festungsanlage an. Wir sind die einzigen Besucher, obwohl es bei Google die Info gibt, es seien mehr Besucher da, „als gewöhnlich „🙄

    Dann geht’s zum Maritime Museum. Hier steht das einst durch die Seemeere gefahrene „Fatah Al Khair“, ein traditionelles omanisches Dhow. Es steht vor dem Museum als Symbol für die große Geschichte des Seefahrerlandes Oman. Das Museum ist sehr informativ. Sehr verständlich auch für uns, die wir so gar keinerlei Vorabinformation über die omanische Seefahrergeschichte haben. Sogar vom Video, das als Dauerschleife in einem kleinen Vorführraum läuft, bin ich total begeistert.
    Nur fünf Fahrminuten entfernt, befindet sich eine geöffnete Dhow Factory. Für 4 OMR schauen wir uns auf dem Hof um. Hier stehen sie alle. Verschiedene Schiffstypen, in die wir reinkriechen und über abenteuerliche Treppen aufs Deck gelangen. Einfach interessant. Und ich weiß nur: Ein Glück, dass ich nicht zur See fahren muss.

    Die Sonne steht schon tief. Wir schaffen es noch bis zum Al-Ayjah Lighthouse, mit dem besten Blick auf die Bucht sowie die weißen Häuserreihen von Sur. Hier findet das Leben statt. Kitesurfer segeln über die Bucht, Jetski reiten auf den Wellen, viele junge Burschen spielen am Strand Fußball. Hier können wir einfach nicht weg. Am anderen Ende, am Fuße des Watchtowers stellen wir unsere Campingstühle auf und sehen der orangenen Sonne beim Untergehen zu.
    Jetzt müsste man etwas essen. Nur wo? Wir fahren dahin, wo es viele kleine Restaurants gibt. Eigentlich haben wir schon im Netz ein pakistanisches Restaurant rausgesucht. Und ja. Hier bleiben wir. Für etwas über 6 OMR gibt es Chicken Krahi und Chicken Masala, Salat und fantastischen Reis.

    Der nächste Tag beginnt mit einem Besuch einer Moschee. Der Bahwan Mosque. Hier ist man auf Besucher überhaupt nicht eingestellt. Zudem habe ich vergessen, eine lange Jacke mitzunehmen. Mein breiter, indischer Schal kann mit etwas Geschick aber Kopf und Arme abdecken. Aber das nützt alles nichts. Man weist mich als Frau darauf hin, dass ich nicht in den Hauptraum darf. Aber Rainer. Er
    darf auch Aufnahmen machen. Daran stört sich niemand. Ich darf dann aber in den Innenhof, wo die Türen zum Hauptraum weit geöffnet sind.

    Was steht noch auf meinem Zettel? Da wäre noch das Sunaysilah Fort. Das liegt super auf einem erhöhtem Hügel. Eigentlich müsste es noch geöffnet sein. Aber alle Tore sind geschlossen. Die Wärter, das lesen wir, gestalten die Öffnungszeiten oftmals nach gut dünken. Ja. Dann ist das so. Wir nutzen dennoch die exponierte Lage mit einem fabelhaften Blick auf das weiße Sur.

    Genug gesehen.
    Jetzt fahren wir noch bis Ra‘s Al-Hadd. Der absolut östlichsten Spitze Omans. Der Strand hier ist extrem breit. Der Sand etwas rötlich. Verantwortlich dafür sind diese klitze-kleinen Mini-Muscheln, die bis zu fünf Millimeter groß sind. Wieder stellen wir unsere Stühlchen auf und genießen den Blick auf‘s Meer. Das ist übrigens weitaus wärmer als gedacht. Ich würd‘ mal sagen wie auf Hawaii..?

    Dinner gibt es in einem kleinen Restaurant gleich neben dem Hotel. Bei ManArt. Von außen absolut nicht einladend. Im Inneren überrascht ein wunderbares, großzügiges Ambiente (man kann am Tisch sitzen oder auf dem riesigen Teppich lümmeln). Und das Essen? Sensationell! Rainer wählt Shrimp Masala und für mich gibt es ein Grillmix. Dazu… natürlich frischen Salat und gefühlt ein Quadradmeter Yemeni Bread.
    Danach fahren wir noch zum Souq. Der ist gut gemacht. Allerdings nichts, was hier angeboten wird, ist für uns interessant. Hier gibt es nämlich fast ausschließlich Goldschmuck und Kleider. Traumkleider mit viel, viel Glitzer.

    Das war also unser Aufenthalt in Sur. Ein sehr liebenswerter Ort. Mir gefielen vor allem die vielen weißen Häuser, wie wir sie als Masse so gut aus dem Zimmer sehen konnten. Andernorts würde man von einer „weißen Stadt“ sprechen. Hier ist es einfach Sur. Die Stadt am Meer.
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  • Wadi Tiwi & Wadi Shab

    Jan 14–17 in Oman ⋅ ☀️ 23 °C

    Noch bevor es dunkel ist, erreichen wir die nächste Unterkunft, das Wadi Nomad Tiwi Inn Albir.
    Jedenfalls versuchen wir es.
    An einer Hauswand steht zwar genau dieser Name dran - doch es ist eine Moschee. Ein Glück denke ich noch. Das stinkt hier voll nach Kloake.
    Kurzer Check im Netz: Wir müssen nicht hier bleiben. Unsere Unterkunft befindet sich etwa 3km weiter. Hier angekommen, werden wir wieder zurückgeschickt. Wir wohnen im neueren Schwesterhotel, heißt es. „Aber da ist doch eine Moschee?“
    Nein der Eingang sei 50m weiter…heißt es weiter.
    Es gibt kein Schild zum Eingang. Wir finden es dennoch. Das Hotel ist erst neu. Das Schild kommt noch, heißt es.

    Das Personal ist super nett. Wie immer eigentlich im Oman.
    Unser Zimmer ist klein aber schön. Davor haben wir eine Terrasse und vor der Terrasse noch ein Areal wo man sitzen kann. Alles schick.

    Es ist schon spät und uns wird das Abendbrot im anderen Schwesterhotel angeboten. Nehmen wir. Für 10 OMR pP. Das sind etwas 22.50€ . Also doppelt so teuer wie das Büffet im Al Arbeieen. Aber es erspart uns das Suchen im und noch unbekanntem Ort Tiwi. Wo eh nicht viel ist.
    Das Büffet offeriert das Übliche: Chicken, Tuna, Kofta, Dal und verschiedene Salate. Schmeckt gut. Leider ist jedes Fleisch mehr als totgegrillt. Nun ja. Zum Abschluss gibt es noch süße Datteln… und schon ist die Welt wieder in Ordnung.

    Als wir unser Zimmer betreten, erwartet uns praktisch eine üble Geruchskeule. Während Rainer Feuchtigkeit in den Wänden vermutet, denke ich es seien die dekorativen Palmblattmatten. Wir behelfen uns also mit Klimaanlage und Ventilator im Bad.

    Der nächste Tag beginnt ganz entspannt. Mittlerweile lieben wir den Omani Qahwa und Datteln als Abschluss einer jeden Mahlzeit. Aber die gibt es hier nicht. Hm…

    Dann geht es zum „privaten“ Wadi. Der ist eigentlich nicht privat. Aber dieses Wadi ist so versteckt, man findet den ohne Einweisung nicht.
    Dabei ist es kein kleines Wadi. Es ist insgesamt etwas über 100m lang und etwa 20m breit. Am steinigen Strand stehen Liegen mit Auflagen wo man sich entspannen kann. Das tun wir auch. Ganze drei Stunden hängen wir abwechselnd im Wasser oder auf den Liegen ab. Das Leben kann so schön sein!

    Es ist kurz nach Drei als wir uns endlich vom Wadi losreißen können und uns auf den Weg zum Ende des Wadi Tiwi machen.
    Anfangs glauben wir noch ganz naiv, es wird eine entspannte Fahrt auf einer gut präparierten breiten Straße. Falsch gedacht. Die wird nämlich immer enger. Bald werden wir auch noch von geschäftstüchtigen Omanis angehalten, die uns dringend zum sofortigen Abstellen des Autos raten, denn die Straße wird sehr sehr eng. Da kämen wir nicht weiter, sagt man uns. Sie würden uns fahren.
    Mit einem Hillux 😉

    Tatsächlich fallen Einige auf diesen so offensichtlichen Trick doch rein. Selbst die mit einem kleinen PKW. Egal. Wir nicht. Wir folgen einfach dem Hillux, der uns wild hupend den Weg frei macht und lassen uns in unserer Entscheidung selbst zu fahren, nicht beirren.

    Das Wadi Tiwi ist eine breite Schlucht. Wunderschön. Je höher wir aufsteigen, desto grandioser werden die Ausblicke auf kleine Siedlungen mit ihren weißen Häusern inmitten dschungelartiger Palmenoasen.

    Die Straße wird tatsächlich verdammt eng und kurvig. Aber Rainer schafft das. Locker.

    Am Ende bleiben uns ein kurzer Gang von etwa 50 Metern und ein Abstieg von mehr als 200 Stufen in die Tiefe. Der Lohn ist dann der Anblick auf einen Wasserfall und mehreren Wasserlöchern namens Wadi Mibam. Schön ist er.
    Mir ist nicht wie Baden. Ich hab noch Schwimmhäute von vorhin. Aber Rainer, die Wasserratte, kann nicht anders als rein zu springen.
    Den Rückweg von mehr als 200 Stufen aufwärts, werde ich noch am nächsten Tag in den Waden fühlen. Die hohen Treppen sind ein echtes Workout 🤪

    Zu Abend essen wir im Dörfchen Tiwi. Leider erwischen wir wieder ein Restaurant mit Büffet. Aber es ist lecker und kostet genau halb so viel wie gestern im Hotel.
    Zurück in der Unterkunft erwartet uns erneut eine Kloake-Wand. Es stinkt tierisch. Haben wir doch vergessen die Klimaanlage anzumachen. Normalerweise würde man spätestens morgen früh auschecken und sich das nicht mehr gefallen lassen. Aber in Ermangelung an anderen Hotels in Tiwi bleibt uns keine andere Wahl.
    Am nächsten Morgen sprechen wir nochmals den GM auf das Problem an. Er gesteht, dass es da ein Drainageproblem gibt und es im Sommer einen Umbau geben wird. Ja. Im Sommer ist gut. Wir sind aber jetzt hier. Ein Angestellter reinigt währenddessen unser Zimmer und versprüht Gutriecher. Hm.

    Die Erkundung des Wadi Shab, der Nachbarschlucht sozusagen, steht heute auf dem Programm. Und irgendwie hab ich schon keine Lust auf dieses Wadi. Es kommt mir so overhyped vor.
    Aber wir schauen uns das dennoch an. Ausgerüstet mit einem wasserfesten Sack für unsere Sachen und Wasserschuhen ziehen wir los. Schließlich wurde uns gesagt, dass man im Wechsel schwimmen und laufen muss um das Wadi zu erkunden. Wie abenteuerlich. Ich freue mich auf die Herausforderung!

    Für einen OMR pP werden wir mit einem Boot, dessen Kapitän gefühlt ein Kind ist, auf die andere Seite des Wadi gebracht. Denn Parkplatz und Wanderweg sind vom Wasserlauf getrennt. Der Service zum Übersetzen ist flott und langes Warten ist nicht nötig.
    Der gesamte Trubel am Wadi-Eingang fühlt sich schon wie eine Massenveranstaltung an.
    Anfangs ist das Flussbett noch sehr weit und es verläuft sich. Bald aber wird der Weg schmal und das Laufen in Gänsemarsch ist eine Dauerherausforderung. Teils durch den unebenen Weg auf ausgewaschenen, manchmal sehr glatten (Marmor?)-Felsen als auch die Auf- und Abstiege. Zudem sind ganze Herden an Wandergruppen - meist Omanis - wie auf der Flucht unterwegs. Das hat so gar kein Flair von Naturerkundung. An einem der großen Wasserlöchern mache ich Schluss. Ich kann den Menschenmassen nix abgewinnen. Es sind wohl noch zwanzig Minuten zu absolvieren. Ein Guide meint: Da verpasst man so gar nichts wenn man hier umkehrt. Außer noch mehr Leute die ein Selfie machen.
    Rainer geht nun allein weiter. Von herausfordernden Fortschreiten durch Schwimmen - keine Spur.

    Am Ende glaube ich, meine Vorahnung von heute früh hat sich bewahrheitet. Das Wadi Shab war ne Luftnummer. Zu touristisch. Aber auch landschaftlich nicht so sensationell wie das Wadi Tiwi.

    Den NM verbringen wir deshalb wieder entspannt an unserem privaten Wadi in aller Ruhe und Entspanntheit.

    Abends essen wir wieder im Dorf Tiwi. Heute in einem Terrassenrestaurant an der Hauptstraße. Das Essen ist sehr lecker und noch preiswerter als gestern. Demzufolge haben wir für die letzten zwei Abende zusammen weniger gezahlt, als am ersten Abend. Da bin ich nur froh, dass ich nicht beim Einchecken für alle drei Abende im Hotel das Dinner gebucht habe.

    Nach drei Nächten sind wir wirklich froh diese Unterkunft verlassen zu können. Als Rainer beim GM nochmals nachfragt, was nun seine Entschädigung für diese Geruchsbelästigung sei, werden wir mit eine freien Nacht bei einem erneuten Aufenthalt hier vertröstet . Sorry. Aber dieses Angebot kann er sich in die Haare schmieren - wie der Berliner sagt !
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  • Salmah Plateau

    January 14 in Oman ⋅ ☀️ 15 °C

    Etwa 50 Kilometer und eine knappe Fahrstunde trennen uns vom nächsten Ziel, dem Wadi Tiwi.
    Deshalb füllen wir den Tag mit einem „kleinen“ Umweg. Zugegeben war ich mir bei der Planung über die Dimension nicht ganz bewusst. Ich habe - wie so oft - im Netz gefundene, interessante Fotos/Orte bei GoogleMaps gemarkert und daraus eine Route gebastelt.

    Kurz nach Elf verlassen wir das Al Arbeieen Resort und haben eine weitere halbe Stunde um uns vom gleichnamigen Wadi zu verabschieden.
    Weiter geht’s auf der 17 - eine Autobahn im Traumzustand - bevor wir eine halbe Stunde, hinter Bimmah diese wieder verlassen.
    Nun fahren wir auf einer super präparierten aber unbefestigten Piste weiter. Natürlich ohne Wegweiser. Besser gesagt, die Ziele, die da drauf stehen, sagen uns Nix. Aber im Großen und Ganzen ist eh keine Entscheidung nötig. Es gibt nur eine Straße.
    Wir gewinnen sehr schnell an Höhe. Und was wir lernen ist: Betoniert sind die Streckenabschnitte mit einer außergewöhnlichen Steigung bzw. Gefälle.
    Wir befinden uns auf der Salah Hochebene, die im östlichen Hajar-Gebirge liegt.
    Die Piste windet sich über zahlreiche Kurven immer höher.
    Es gibt nicht viel zu beschreiben. Außer: wir sind fasziniert von der wahnsinnig beeindruckenden Landschaft. Teils schauen wir hinab in tiefe Canyons - teils fahren wir auf Hochebenen. Ab und zu tangieren wir zwei oder drei einzeln stehende Häuser. Ob hier wohl jemand wohnt? Vermutlich. Später sehen wir nämlich viele Ziegen. Die sind nicht doof und schützen sich unter Steinen oder in den Auskarvungen der Steilwand vor der Sonne.

    Knapp anderthalb Stunden später fahren wir auf die erste Siedlung zu. Hier gibt es eine recht markante Moschee. Und einen großen Spielplatz mit allerlei Klettergeräten. Menschen sehen wir nicht.
    Wir fahren mitten durch und hoffen vielleicht ein Café zu finden. Angeblich gibt es so viele - und vor allem überall. Aber hier gibt es definitiv nichts. Die Straße ist furchtbar schlecht. Kaum dass wir das Dörfchen wieder verlassen, befinden wir uns auf dieser gut präparierten Piste.

    Eine knappe halbe Stunde später erreichen wir das Areal der Jaylar Beehive Tombs und der Bronze Age Tombs. 90 Stück sind hier von Archäologen ausgemacht worden. Viele befinden sich auf unzugänglichen Areal. Viel weiß man nicht. Es stellt sich wohl die Frage warum ausgerechnet hier. In den letzten Tausend Jahren gab es hier auf dem Gebiet keinerlei Siedlungen. Das lässt auf einen aufwändigeren Grab- und Totenkult schließen.
    Erst schauen wir uns nur die an, die beidseits der Straße stehen.
    Zu den Grabtürmen aus der Bronzezeit müssen wir doch zu einer Miniwanderung starten. Die stehen an einer Abbruchkante mit exzellenter Aussicht. Verwunderlich für uns ist, dass es an dieser Stelle kaum Windbewegungen gibt.

    Der weitere Weg führt uns durch zwei andere Dörfchen.
    Und die Regel besteht: Im Ort ist der Straßenzustand grottenschlecht. Alle Steigungen und Gefälle sind betoniert. Und die haben es manchmal ziemlich in sich.

    Mein letztes Fähnchen bei GoogleMaps ist ein Viewpoint. Und was für einer. Wir stehen an einer extrem steilen Abbruchkante. Geeignet nur für schwindelfreie Menschen. Dennoch steht es sich gruselig hier. Natürlich gibt es hier weder Geländer noch irgendeinen Stein wo man sich anlehnen und über die Kante hängen könnte.
    Und dann entdecken wir die Straße , die wir runterfahren müssen 🙈
    Es sind bis zur Küste, wo wir wieder auf die 17 kommen, knapp fünf Kilometer Luftlinie. Die zu überwindende Höhendifferenz beträgt 1.100 Meter!
    Die Fahrt nach unten ist so steil - so eine Straße sind wir noch nie gefahren. Als Skifahrer würde ich sie als schwarze Piste benennen. Eigentlich so schwarz, wie sie beim Superslalom gefahren wird. Natürlich ist diese super betoniert. Und natürlich ist aus meiner Sicht, nur Platz für für anderthalb Autos. Und wie soll es anders sein… uns kommt tatsächlich ein LKW entgegen. Aber die Omanis sind coole Socken. Die kommen mit dem Teil aus, den Rainer ihnen übrig lässt. Getreu dem Motto: Platz ist in der kleinsten Hütte.

    Es ist schon später Nachmittag als wir im Wadi Tiwi einreiten. Vor Dunkelheit die nächste Unterkunft zu erreichen war ja unser Ziel. Haben wir geschafft. Alles andere wird ein neuer Footprint.
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  • Wadi al Arbeieen

    Jan 12–14 in Oman ⋅ ☀️ 23 °C

    Nach vier Tagen des langsamen Eintauchens in die für uns neue Welt, starten wir unsere Rundreise durch das Land.
    Die Al Jabel Street, die habe ich schon bei der Landung auf das nächtliche Maskat entdeckt. Eine sich windende Straße mit ganz gleichmäßigen Schlängelungen. Obwohl sie offensichtlich aus der Stadt führt, ist sie „natürlich“ durchgehend beleuchtet.
    Nun fahren wir sie am Tage.
    Die zwei bei GoogleMaps ausgewiesenen Viewpoints sind mit dicken Betonabgrenzungen versperrt. So bleibt uns nur ab und zu ein Blick auf die Stadt. Viel beeindruckender allerdings ist der Blick auf die beidseitigen Steilwände. Es ist berechtigt zu behaupten, der Mensch hat den Berg bezwungen um Maskat mit dem Ort Amerat zu verbinden. Ein echter Shortcut eben. Uns kommt er auch gelegen. Wie immer ist die mehrspurige Bahn im astreinen Zustand. Kein Schlagloch, kein Riss, kein Steinchen auf der Straße. Wie geht das? Wieso können das andere und nicht wir? Wir - die große Autofahrernation.

    Nach anderthalb Stunden stechen wir auf eine breite unbefestigte aber gut präparierte Piste. Keine zwei Minuten später eröffnet sich ein übewältigendes Bild einer canyonartigen Landschaft. Es geht slalomartig steil bergab. Das muss das ungezähmte Oman sein. Irgendwann folgt ein Health Center gefolgt von einem Dörfchen mit einer Hand voller Häuser. Ziegen in einem sehr schönen Haarkleid hüpfen crisscross umher. Ein Esel steht eingeschnappt an einer Wand und zuckt nicht einmal mit der Wimper, als wir ihn passieren.

    Das Wadi al Arbeieen Resort (Schreibweise variiert an jeder Tafel 😉) liegt majestätisch erhöht auf einem kleinen Hügel mit Blick auf eine Felswand. Am Fuße ist ein Pool. Ein Wasserloch. Ein Wadi. Der Begriff Wadi ist nicht eindeutig.
    Mal sind Wadi’s kilometerlange Flussläufe. Meist ausgetrocknet. Oft gibt es noch ein Rinnsal, das hier und da natürlich oder auch nachgeholfen anstaut. Dadurch entstehen diese Wasserlöcher, die sich dann auch Wadi nennen.

    Wir haben noch nicht eingeparkt, da kommt uns schon Personal entgegen, schnappt sich unsere Koffer und bringt sie in unser Zimmer. Nr 4 ist unser‘s. Es befindet sich im Erdgeschoss. Davor stehen zwei superbequeme Sessel.

    Jo. Hier bleiben wir. Ein tolles Anwesen. Prinz William hat dieses Wadi auch schon besucht. Dann muss es besonders sein.
    Das Resort ist basic - aber sauber und es ist alles da was man braucht. Sogar feste Matratzen 👍🏻 Das Personal ist unglaublich aufmerksam. Das von der Anfahrt verstaubte Auto morgens gewaschen. Das Dinner ist im Zimmerpreis nicht inkludiert. Wir zahlen 5OMR pP, was etwa 12€ sind.

    Am Nachmittag starten wir einen kurzen Trip zum nahgelegenen Wasserfall. Der ist nicht die Rede wert. Hier ist der Weg das Ziel. Und die Sehnsuchtsbilder, die mir in mein Handyobjektiv kriechen, sind Oman wie ich es mir vorgestellt habe.

    Abends dinnieren wir auf der Terrasse. Später wird ein Lagerfeuer gemacht und zwei Einheimische machen ganz dezent und leise Musik unter dem herrlich klaren Himmel.

    Wir bleiben zwei Nächte hier. Das ist gut so. Mit einer Nacht würde man die Schönheit, die Abgelegenheit nicht wertschätzen können.

    Obwohl… im Wadi al Arbeieen hat es nun 18 Monate nicht mehr geregnet. Waren Flussüberquerungen früher ein Problem, sind sie momentan nicht vorhanden. So nutzen Agenturen den Besuch dieses Wadis als einen einen Stopp unterwegs auf einer Tagestour.
    Während ich also unter einem
    schattenspendenden Baum sitze, dabei noch an meinem VietKaffee schlürfe, und Rainer im Wadi schwimmt, kommen vier Land Cruiser mit genau zwölf Touris. Ein hinkender Esel, der offenbar ans füttern gewöhnt ist, eilt herbei und stellt sich dicht an die Gruppe. Fotografiert wird jede Ente, jede Ziege und alles was sich bewegt. Und dann fahren sie wieder ab. Die Stille, das leise Meckern der Ziege haben sie nicht hören können. Wie auch. Die Autos haben den Motor nicht abgestellt. Damit es im Inneren ja nicht warm wird… Dann folgt endlich wieder Stille.
    Oh Mann… ich bin froh, dass wir individuell reisend sind.

    Am frühen Mittag starten wir unsere Wadi-Tour. Wir fahren Richtung Süden. Schon das zweite Wadi spricht mich an. Es liegt malerisch. Etwas tiefer als die Straße. Von Blau über Grün bis Türkis - es hat alles. Es ist tatsächlich glasklar. Dennoch muss ich Rainer erst überreden damit er mir Händchen hält 🙈 Tatsächlich dachte ich, es wäre die Temperatur die das größte Problem darstellt. Aber ich bin ein Schisser und traue mich nicht ins fremde tiefe Gewässer. Da geht bei einfach die Fantasie durch.
    Und es ist herrlich !
    Wir nehmen uns ein nächstes Wadi vor. Hier ist der Einstig nicht so steil. Hier baden wir ewig und genießen die Einsamkeit. Am Rand, direkt an der Steilwand wächst Schilf. Und rosa-weißer Oleander.

    Unser nächstes Ziel ist die Wasserstelle wo wir gestern waren. Es liegt in entgegengesetzter Richtung. Heute haben wir uns auf eine längere Wanderung eingestellt. Denn den weiter hinten liegenden Wasserfall - den sollen wir unbedingt besuchen.
    Die „längere Wanderung“ entpuppt sich als ein Viertelstunden-Weg.
    Tatsächlich ist das hier ein Konglomerat an Wasserlöchern. Und ein Wasserfall natürlich. Wir baden dennoch nicht. Wir genießen nur das traumhafte Fleckchen Erde bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet.

    Das Wadi Arbeieen mit seinem einzigen Resort ist noch fast unentdeckt. Selbst unser aktueller Reiseführer weiß noch nicht von dessen Existenz. Wie lange es so bleibt ist die Frage. Schon wird nebenan ein weiteres Gästehaus gebaut.
    Nach zwei Nächten ziehen wir weiter.
    Mit einem riesigen Umweg zum nächsten Wadi.
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  • Maskat Teil 2

    Jan 8–12 in Oman ⋅ ☀️ 25 °C

    Am Samstag ist es so weit. Wir opfern unseren Schlaf, um rechtzeitig in der Sultan Qaboos Grand Mosque zu sein. Zwischen 8am und 11am öffnen einige Moscheen Maskats ihre Pforten auch für Nichtgläubige.

    Es gibt einen speziellen Eingang für uns. Den sensationellen Haupteingang dürfen wir auch heute nicht nutzen.
    Angemessene Kleidung ist natürlich Voraussetzung. Männer müssen nur lange Hosen tragen. Von Frauen erwartet man bis zum Knöchel bedeckte Beine und Arme. Alle Reize einer Frau sollen sich in Bescheidenheit üben. Deshalb muss auch auf dem Kopf trägt man deshalb ein Tuch tragen. Da kommt mein breiter Schal aus Udaipur wieder einmal zum Einsatz. Mein Pony darf rausgucken. Eine Abaya ist nicht nötig. Aber man ist vorbereitet und bittet diejenigen, eine anzuziehen, die da denken auch so reinzukommen. Diesen Gedanken kann man sich abschminken. Zwei „Kontrolleure“ passen auf!

    Die Sultan Qaboos Grand Mosque ist ein erst 2001 eröffneter Bau. Ein wahres Meisterwerk der modernen islamischen Architektur. Modern und gleichzeitig aber durchsetzt mit traditionellen Elementen aus Oman und der islamischen Welt.
    Die Außenhöfe und Gänge laden zum spazieren ein. Immer wieder gibt es Grünflächen mit picobello gepflegten Pflanzen. Alles ist sehr weitläufig gestaltet.

    Noch am Eingang dachte ich, ok - das wird jetzt hier eine Massenveranstaltung und wir müssen uns „schieben“ lassen, weil es so viel Besucher gibt. Aber das ist nicht im Geringsten der Fall. 416.000 Quadratmeter minus 40.000 Quadratmeter für den eigentlichen Moscheekomplex… da bleibt ne Menge Platz für die „paar“ Hansels.

    Zuerst geht es in den Ladys Prayer Room. Hm. Klein und bescheiden ist der Raum. Dennoch sollen hier 750 Frauen Platz haben. Nicht schlecht. Aber in einem von Männern dominierten Glauben war ja auch kein Prunk für die Frauen zu erwarten.

    Die Hauptattraktion ist natürlich der große Gebetsraum. Hier beten nur die Männer damit sie - bitte festhalten - sich auf das Gebet konzentrieren können. Allein die Anwesenheit des anderen Geschlechts würde als Ablenkung empfunden werden.

    Der Hauptraum ist imposant. Anders kann man es nicht sagen. Viele Materialien stammen aus dem Ausland. So kommen die großen Lüster zum Beispiel aus Bayern. Swarovski hat den Zuschlag bekommen. Hölzer, Teppiche und vieles mehr wurden aus der ganzen Welt angekarrt und auf wundervolle Art verarbeitet.

    Die nächste Attraktion ist die Grand Royal Opera. Genau wie schon die Grand Qaboos Moschee ist die Oper ein Geschenk des Sultans Qaboos an das Volk. Bezahlt hat er diese beiden Bauten aus eigener Tasche.
    Für uns Besucher steht ein überdachter, kostenloser Parkplatz auf dem Gelände zur Verfügung.
    Der Anblick ist wieder einmal fesselnd, faszinierend, atemberaubend… Jede Superlative wäre hier ok. Wieder ist der hochglänzende Boden etwas, was nicht unfotografiert bleiben kann.
    Das Haus bietet kostenlose Führungen an, die aller halbe Stunde stattfinden. Dafür muss man sich lediglich registrieren lassen. Aber wir können uns gar nicht registrieren, sondern werden reingewunken und zur gerade beginnenden Führung eingeladen. Die ist herrlich kurz und sehr informativ. Beinhaltet aber auch den Besuch des Theaterraumes. Natürlich werden wir wieder informiert woher die Werkstoffe, Teppiche, Fensterrahmen etc. kommen. Die Orgel zum Beispiel kommt aus dem renommierten deutschen Orgelbauunternehmen Johannes Klais Orgelbau aus Bonn.

    Danach planen wir eine Input-Pause ein. Kehren dann aber auf dem Weg zum Hotel in einen Lulu Market ein. Der Lulu Hypermarket ist Omans Lebensmittelladen der Superlative. Einem westlichen Supermarkt steht er in nichts nach. Ich glaube, hier gibt es wesentlich mehr als bei uns. Eigentlich wollen wir nur eine Gaskartusche für unseren Campingkocher kaufen. Entdecken dann noch zwei bequeme Campingstühle und zahlen ganze 13€ für den gesamten Einkauf.

    Am frühen Nachmittag machen wir uns dann wieder auf. Richtung Osten. Das Muttrah Fort ist unser Ziel. Wieder einmal haben wir Glück. Wir erwischen den letzten freien Parkplatz auf dem Gelände. Für einen kleinen Obolus dürfen wir den Aufstieg starten. Ab einer bestimmten Höhe gibt es Verweilflächen und ein Café. Der Ausblick von ganz oben auf die Corniche (Promenade), auf Muttrah und die gleich dahinter steil aufsteigenden Berge ist phänomenal. Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang.

    Am letzten Tag geht’s wieder in eine Moschee. In die 2014 eröffnete Mohamed Al Ameen Mosque. Hier muss ich trotz einer langärmeligen Bluse eine Abaya überziehen, weil meine weiße Bluse Konturen durchscheinen lässt. Ok. Es ist eine schöne Abaya - mit viel Spitze. Eine kurze kostenlose Führung gibt es auch. Beeindruckend ist auch dieser Bau. Hier gibt es keinerlei Grünflächen zum flanieren. Nur einen Innenhof. Dennoch ist auch diese Moschee wirklich sehenswert.

    Unser letztes Highlight ist die Amouage Factory. Ein Tipp von Constanze. Vielen Dank dafür!
    Amouage ist DIE exklusive Parfümmarke Omans. 1993 wurde sie gegründet und die ersten Flacons waren aus Kristallglas verziert mit 14 karätigen Elementen der omanischen Kultur. Zu sehen übrigens im National Museum.
    Die Produktion findet hinter verglasten Scheiben statt. Viel sieht man dennoch nicht. Alles läuft automatisiert ab.
    Aber man kann viel riechen. Die Düfte sind betörend wohlriechend ohne überladen zu sein. Das Besondere: Sie beinhalten um die 45% Parfümöle. Normalerweise gilt eine Konzentration von 15-35% schon als Parfüm.
    Wir riechen uns erst durch etliche Duftlinien… bevor der Besuch ein voller Erfolg wird - für Amouage 😉

    Den Nachmittag gestalten wir entspannt. Auch am Pool. Leider ist der große Pool „under construction“. So müssen wir uns mit dem Ladys Pool begnügen. Der ist gar nicht mal so schlecht. Blöd ist eben nur, dass die sensationelle Aussicht auf Maskat verborgen bleibt, denn Frauen dürfen ja nicht gesehen werden und deshalb ist eine spezielle Wand eingebaut, die nur den Blick Richtung Himmel erlaubt.

    Das war also unsere Zeit in Maskat. Unser Einstieg nach Oman.
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  • M wie Maskat - M wie Grand Millennium

    Jan 8–12 in Oman ⋅ ☀️ 23 °C

    Die Wärme schmeichelt auf der Haut. Die Luft riecht blumig. So wie es einst in Singapore duftete, als sich die Tür beim Verlassen des Airports öffnete. Das ist dort schon längst nicht mehr so. Aber hier. Die ersten Eindrücke sind positiv. Schnell ist auch der Stress bei der Einreise vergessen.
    Die Straßen Richtung Hotel sind weitläufig, jede Spur weitaus breiter als gewohnt. Und alles im fantastischen Zustand. Die Omanis fahren zivilisiert… und die Sauberkeit - die besticht.
    Wir lassen uns im Grand Millennium nieder. Es befindet sich im Komplex des größten Shopping-Centers Omans. Und ich schwöre 🤞🏻- ich hatte bei der Buchung keine Ahnung davon. Es ist kurz nach 8am als wir am Checkin stehen. Leider haben wir kein Glück wie die zwei Parteien neben uns. Wir können kein Zimmer vorzeitig beziehen. Wir „beziehen“ deshalb eine der chilligen Loungemöbeln der überdimensional großen Terrasse des Hotels. Bewaffnet mit Kopfkissen und Schlafmaske melde ich mich von dieser Welt ab. Rainer döst vor sich hin. Halb Zwölf wird uns der Zimmerschlüssel gebracht. Die nächsten vier Tage weilen wir in der Club-Etage. Ein prima Tipp von Monika. Danke übrigens. So ist immer für‘s leibliche Wohl gesorgt. Gewichthalten ist damit aussichtslos.

    Den restlichen Tag verbringen wir erst mit Ausschlafen und noch bevor die Sonne untergeht, fahren wir nach Muttrah, dem historischen Hafenviertel. Die Fahrt allein ist schon wie eine Sehenswürdigkeit. Ich bin begeistert von dem was ich sehe. Das Licht malt alles noch ein wenig schöner. Die Gebäude sind ganz dezent beleuchtet. Anschließend - kurz vor 7pm ist es leider schon dunkel - fahren wir noch zur großen Moschee, der Sultan Qaboos Mosque. Die ist natürlich jetzt für Nichtgläubige geschlossen. Das wussten wir. Aber wir wollten mal sehen, wie weit wir kommen.
    Das Ambiente ist unbeschreiblich. Ein Großteil der männlichen Muslims trägt ein Dishdasha. So nennt sich dieses weiße, lange Gewand, an dessen Halsbund sich eine Quaste befindet, die in Parfüm getaucht wird. Auf dem Kopf tragen sie eine Kumma. Eine bestickte Kappe. Und nur die wenigsten tragen einen Massar. Einen im Vergleich zu Indien recht flachen Turban.
    Es sind nur wenige Frauen dabei. Sie alle tragen eine, einfarbige - meist schwarze - Abaya und ein Kopftuch. Das Gesicht jedoch frei zu sehen.

    Diese bodenlangen Gewänder spiegeln sich im hoch glänzenden Marmorboden. Ich hab keine passenden Worte für das Ganze was wir sehen. Zusammen mit dem architektonisch unfassbar beeindruckenden Bau der Moschee ergibt es ein Bild, das ich so noch nie gesehen habe.

    Am nächsten Tag ist Freitag.
    Freitag ist für Muslime der wichtigste Tag der Woche. Ein Tag an dem es es für sie verpflichtend ist gemeinsam in der Moschee zu beten.
    Kurz vor Mittag fahren wir zur Qaboos Mosque und schauen dem Geschehen zu. Massen an Gläubigen werden in die Moschee wie vom Magneten ins Innere gesaugt. Beidseitig der Eingänge werden kleine Wasserflaschen verteilt. Auch wir werden beschenkt. Hier und da werden wir angesprochen und nach der Herkunft gefragt. Deutsche seien stets willkommen, hören wir. Na ja.

    Am Freitag ist praktisch alles geschlossen. Außer die Shoppingcenter. Freitags sind sie bis 24Uhr geöffnet. Nicht „nur“ bis 22Uhr wie an den anderen Tagen.

    Den Tag spät beginnen dafür abends erst spät beenden passt genau in unseren Lebensrhythmus. Endlich ausschlafen. Frühstück gibt es in der Lounge bis 10.30Uhr. Bis 10.30pm gibt es Dinner. Zwischendrin natürlich noch Lunch. Das verpassen wir leider am ersten Tag. Aber nur am ersten Tag 😉 Das Büfett sieht übersichtlich aus. Doch das täuscht. Es gibt wieder Mal viel zu viel. Alle aufgetischten Speisen sind ausgewählt und von bester Qualität. Und zum Frühstück gibt es schon Warmes. Wie ich das liebe! Rainer ergötzt sich nach jedem Mahl an der Nachspeisentheke. Die kleinen „Schmeißreinchen“ sind entzückend anzusehen. Da haben die Konditoren ganze Arbeit geleistet. Mir reichen die kleinen Portiönchen Baklawa. Ach so. Natürlich gibt es auch Datteln und Omani Qahwa. Letzteres ist nicht so meins. Ein Gebräu… na ja. Ich würde sagen dünner Kaffee mit Kardamom und Rosenwasser.

    Was also tun wenn alles geschlossen ist? Den Sultans Palast, den Qasr al-ʿAlam, kann man eh - egal ob Freitag oder nicht - nur von außen betrachten. Der befindet sich gefühlt am anderen Ende Maskats. Ganz im Osten. Es liegt im ältesten Bezirk Maskats. Der Palast liegt am Ende einer breiten Promenade, die gesäumt ist von einigen Ministeriumsgebäuden. Die Fassade entspricht farblich so gar nicht den sonstigen Gebäuden in Maskat. Es ist kein alter Bau, wie man vermuten würde. Den hat Sultan Qaboos 1972 in Auftrag gegeben. Der Sultan, der von allen Omanis wirklich verehrt wird, weil er das Land und die Menschen zu Wohlstand gebracht hat und Oman geöffnet hat ohne sich dabei der westlichen Welt zu unterwerfen. Mit diesen Farben soll die Palastfront Reinheit, Meer, Himmel, Macht und Reichtum symbolisieren.

    Am gegenüberliegenden Ende befindet sich das National Museum of Oman. Unser analoger Guide empfiehlt es zu besuchen. Und trotz Freitag ist es geöffnet. Zwei Stunden bleiben wir. Lernen etwas über die Geschichte und Kultur des Landes. Ein echter Mehrwert.

    Am Abend geht’s zum Maskat Souq. Wir haben keine Erwartungen. Und „nehmen“ es halt mit, weil es überall angepriesen wird. So stromern wir etwas durch die einzelnen Bereiche… Aber Begeisterung ist anders. Obwohl gerade die Goldgeschäfte von Einheimischen sehr gut frequentiert werden, sind hier auffallend viele ausländische Besucher.
    Für den Aufstieg auf die Festung ist es nun zu spät. Aber wir haben noch weitere zwei Tage hier in Maskat zur Verfügung 😉
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  • Kurzes Vorgeplänkel

    Jan 7–8 in Germany ⋅ ☀️ -4 °C

    Die Idee für diese Reise begann nicht wie sonst unterwegs, sondern im absoluten Stillstand mit viel Zeit zum Nachdenken. Nämlich im Krankenbett.
    Seit langem schon folge ich Wilfried Hofmann, dem Weltreisenden, der gerade im Frühjahr 2025 wieder einmal im Oman unterwegs ist. Mit seinen Geschichten versteht er es, mich neugierig auf Oman zu machen.
    Andererseits gehörten nach unseren Reisen durch Marokko und Malaysien muslimisch geprägte Reiseziele nicht mehr zu unseren Sehnsuchtszielen. Wir waren einfach nicht offen für diese Welt.
    Also blieb Oman im Sinn.

    Im Herbst 2025 ging es in die USA. Die Tage unterwegs waren so gefüllt, dass keine Zeit blieb, um an das folgende Ziel zu denken, obwohl es in den letzten Jahren zu einer schönen Tradition geworden war. Ein Gefühl vom ewigen Reisen.
    Eine Woche im trübgrauen Deutschland reichte, da musste ein Schlachtplan für die nächsten Reiseziele her.
    Oman kam wieder ins Spiel.
    Dubai & Oman - am besten Dubai über Silvester. Aber beim Blick auf die horrenden Flug- und Hotelpreise zu dieser Zeit flog diese Idee sofort vom Tisch.
    Dann eben Oman im Januar & Februar. Und wenn wir schon einmal in der Nähe sind, dann soll es neben Dubai auch noch Abu Dhabi sein.

    Sieben Wochen stehen zur Verfügung. Der Flug ist schnell gebucht. Für die Planung bleibt nicht einmal eine ganze Woche bis Weihnachten im Kreise der Familie. Hilfe für die ein oder andere Frage zur Route bekomme ich in der entsprechenden Facebook-Gruppe. Sieben Wochen sind am Ende etwas sehr reichlich für den Oman. Denn der Oman ist nicht sooo groß. Nur etwas kleiner als Deutschland. Nur eben nicht so dicht besiedelt.
    Am Ende werden es viereinhalb Wochen Oman und zweieinhalb Wochen VAE.

    Und wie immer bildet Reisen. Für mich schon die Vorbereitung 😉Oman gehört nämlich zu Asien. Nicht zu Afrika. Das war mir neu. Obwohl es historisch und kulturell eng verbunden mit Afrika ist, gibt es keine Landverbindung zu diesem Kontinent. Die Grenze zwischen Asien und Afrika verläuft nämlich weiter westlich durch den Suezkanal. In Ägypten.
    Oman ist das zweitgrößte Land auf der Arabischen Halbinsel.
    Es ist ein Sultanat. Das heisst, es ist eine absolute Monarchie mit britischem Einfluss und besitzt gleichzeitig eine Verfassung. Die Staatsführung gilt als autoritäres Regime. Während der fast 50-jährigen Herrschaft durch Sultan Qaboos bin Said Al Said wurde es stark modernisiert. Nach seinem Tod 2020 führt sein Nachfolger, Sultan Haitham bin Tariq Al Said, genau diese Politik fort.
    Oman ist ein überwiegend muslimisches Land mit tief verwurzelten islamischen Traditionen, einer konservativen Kultur. Es ist trotzdem modern, westlich geprägt und gehört zudem zu den sichersten Ländern der Welt.
    Das zur allgemeinen Info.

    Der Flug startet am frühen Nachmittag. Dieses Mal müssen wir kein Auto von Miles anmieten. Dieses Mal chauffiert uns unsere Tochter zum Airport mit unserem Auto, das sie für unsere Abwesenheit mal kurz nach Lörrach entführt. Dort steht es wohl behütet.
    Von Berlin geht es nach Zürich mit der Swiss. Deutschland liegt unter einer Schneedecke. Und das Wetter am Abflugtag ist perfekt: Sonne pur.
    Eine knappe Stunde brauchen wir für diesen kurzen Hopser. In Zürich haben wir vier Stunden Aufenthalt. Eine davon verbrauchen wir schon, um zum Terminal E zu gelangen und zu ermitteln, welche Lounge uns nun aufnimmt. Denn der Flug ist bei LH gebucht - durchgeführt von Swiss. Die aber fliegen gar nicht nach Maskat. Das lassen sie von Oman Air ausführen. Einem Mitglied der OneWorld. Das macht auch dem Loungemitarbeiter Probleme. Wir dürfen dann letztendlich dann doch rein. Nicht ohne die Bemerkung, dass wir auch in die Premium Lounge könnten. Das lassen wir uns nicht nehmen und wollen auch die Lounge testen. Doch Vorort erfahren wir, dass Gäste der Oman Air seit Januar nicht mehr betreut werden. Nun könnten wir in die Aspire Lounge. Aber die ist voll und laut. Und absolut unattraktiv. Gut, dass all die Lounges so nah nebeneinander liegen. Sonst wäre es ein Marathon geworden. Zuletzt landen wir wieder in der Swiss Lounge. Hier ist es ruhig und recht angenehm.

    Unsere Maschine von Oman Air erreicht ZRH mit Verspätung. Demzufolge verzögert sich auch unser Abflug. Während noch geboardet wird, setzt ein starker Schneefall ein. Auf der Tragfläche und der Turbine, die ich sehen kann, liegt eine zwei Zentimeter dicke Schneedecke. Es folgt die Enteisungsprozedur. Kurz nach halb Zehn, also eine reichliche Stunde später heben wir dann endlich ab.

    Die siebenköpfige Bordmannschaft hat zu tun. Drei davon sind in der BC beschäftigt. Und das scheint zu wenig zu sein. Das Essen ist in Ausführung und Darbietung Spitzenklasse. Dafür werden Getränkewünsche schlichtweg vergessen. Auch an die Nachspeise muss erinnert werden. Vielleicht aber ist das auch eine Art Sparmaßnahme. Denn das Amenity Bag besteht aus eine Pappschachtel in der wir Socken und ne Schlafmaske nebst Ohrstöpsel finden.
    Traumhaft wiederum ist die Bettware. Das Spannbettlaken und das Kissen sind aus allerbester Ware gewebt.
    Der Flug ist eigentlich sehr ruhig. Ich schreibe jetzt eigentlich, weil beim kleinsten „Luft-Hügelchen“ die Anschnallzeichen mit einem aufdringlichen Ton signalisiert werden. Genau so laut aber auch ertönt der Ton, wenn das Zeichen erlischt 🙄 So ist an tiefen Schlaf nicht zu denken. Nach nur Fünfeinhalb Stunden landen wir in Maskat.
    Alles in Allem sind wir uns einig: Oman Air wird in der Rangliste nicht ganz oben landen.

    Die Immigration ist dann eine weitere nervenaufreibende Sache. Während Rainer in NullkommaNix durch ist, komme ich nicht durch. Viele Male wird ein Foto gemacht und immer wieder gibt es Probleme, meine Fingerabdrücke zu erfassen. Ich werde weggeschickt. Zu „dem“ da. Der Beamte zeigt auf jemanden, den ich nicht ausmachen kann. Denn da stehen viele Beamte. Irgendwann gibt einer ein Zeichen: auch soll ich wieder zum Counter zurück. Da aber werde ich zur „Fingerprint Lounge“ (heißt tatsächlich so) geschickt. Von den drei Beamten in der Lounge hat jedoch so gar keiner Lust, sich von seinem Handy zu trennen. Schließlich ist ja noch sehr früh und kein Grund hektisch zu arbeiten. Ich stehe also und warte, bis sich endlich jemand doch bemüht. Aber auch hier werde ich weggeschickt. Zum nächsten Counter. Ich bin schon bedient und würde am liebsten sagen: Ich bin fertig mit Oman. Ich flieg‘ zurück!
    Long story short: Es gibt ihn, den aufmerksamen omanischen Beamten, der den Fehler entdeckt. Rainer ist beim Ausfüllen des Visaformulars ein Lapsus passiert: Es hat sich einen Zahlendreher bei der Nummer des Reisepasses eingeschlichen. Eine Stunde später also, durfte ich ins Land einreisen.

    Draußen erwartet uns ein wirklich fantastisches Klima. Etwa 25 Grad Celsius mit einem Hauch Feuchtigkeit. Und es riecht nach Rosenblüten.

    Bei Europcar bekommen wir einen Landcruiser und dann kann das Abenteuer beginnen.
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    Trip start
    January 7, 2026