• Freddie The Mercedes
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Nordamerika 2024

Een 195-daags avontuur van Freddie Meer informatie
  • Fahren, fahren, fahren

    12–13 mei 2024, Verenigde Staten ⋅ ☀️ 14 °C

    Es ist Sonntag und fühlt sich immer noch ein wenig eigenartig an, gestern keinen Bericht freigeschaltet zu haben. Gestern habe ich auch erstmals niemandem Bescheid gesagt, dass wir keinen Empfang haben könnten und ich möchte nicht, dass sich jemand sorgt, aber gut, nun kann ich auch niemandem Bescheid geben. Ich tippe eine Nachricht an Mama, weil heute ja auch Muttertag ist und bin gespannt, wann dieser wohl zugestellt wird. Dann machen sich heute zur Feier des Tages mal Christian und ich gemeinsam mit Bella auf zu einer Morgenrunde. Nachdem ich es geschafft hatte im Sequoia National Park mit Fußstütze und hohen Wanderschuhen nochmal so blöd auf einen Stein zu treten, dass ich meinen Bänderriss nochmal aufgefrischt hatte, war ich die letzten Tage bzw. Wochen extra vorsichtig und kaum noch mit Bella unterwegs. Das fehlt mir tatsächlich sehr, aber mittlerweile ist wieder ein echter Knöchel zu erkennen und ich nehme mir vor ganz genau auf den Weg zu schauen und nicht Hans Guck in die Luft zu spielen.

    Die Runde ist zauberhaft und führt einerseits durch Wald und andererseits durch Dünen. Es ist schon besonders zu sehen, wie Nadelbäume auch mitten im Sand zu wachsen scheinen. In der Ferne hören wir den Pazifik, den Strand steuern wir allerdings nicht an, da hier Vögel nisten und Hunde daher nicht erlaubt sind. Sie Landschaft an sich ist aber auch ohne Meer so beeindruckend, dass wir die Runde sehr genießen. Allerdings sind durch viele stehende Süßwassertümpel einige Stechmücken unterwegs, deren Gegenwart wir seit der Zeit in der Wüste nicht mehr so wirklich gewöhnt sind. Dafür treffen wir auf eine Schlange,Kaulquappen und Frösche, die sich hier sichtlich wohl fühlen. Nach guten drei Kilometern erreichen wir einen Punkt auf dem Rundweg, an dem wir überlegen können, uns die Schuhe auszuziehen und Wadentief durch eine Riesenpfütze zu laufen oder kehrt zu machen und an der nächste Kreuzung einen anderen Weg einzuschlagen. Wir entscheiden und für zweiteres und genießen den Rest der Runde mit dem Duft von Pinien in der Nase und dem fernen Rauschen von Wellen in den Ohren. Zurück am Parkplatz treffen wir auf ein paar Hundebesitzer, die sich gerade fertig machen für eine gemeinsame Gassirunde. Bella freut sich total darüber, gleichgesinnte Fellnasen zu treffen; sie ist die letzten Wochen durch all die Restriktionen der Nationalparks ein wenig zu kurz gekommen und hat kaum andere Hunde zum Herumtollen getroffen.

    Wir trinken noch ganz gemütlich einen Kaffee am Platz und Christian bereitet ein Müsli für die Fahrt vor. Bei mir meldet sich ziemlich plötzlich mein Kopf und innerhalb von ziemlich kurzer Zeit wird mir klar, dass mein Körper mich heute mit einer Migräne beschert. Ich nehme Medikamente aber stehe leider noch eine ganze Zeit lang ziemlich neben mir, während die Schmerzen über die nächsten Stunden langsam abklingen. Die Tabletten machen ordentlich müde und so bin ich ein wenig froh darüber, dass unser einziges Ziel für den Tag ist nordwärts zu fahren und irgendwann anzukommen.

    Wir fahren heute den Küstenweg, vorbei an wunderschöner Landschaft, die uns zwischenzeitlich an Irland erinnert, aber auch was ganz Eigenes hat. Seit wir in Oregon sind, begleiten uns in regelmäßigen Abständen Straßenschilder, die darauf hinweisen, dass wir uns in einer „Tsunami Hazard Zone“ befinden, inklusive Anleitungen, wie man sich verhalten soll, wenn man ein Erdbeben verspürt, dass länger als 20 Sekunden anhält. Es scheint total verrückt, dass hier durch zwei tektonisch aufeinandertreffende Platten, das Risiko für Tsunamis besteht. Außerdem ist diese landschaftliche Diversität einfach irre: Wald, Berge, Dünen, felsige Klippen, weites Meer und an Schildern am Straßenrand Hinweise darauf, dass man hier von Elchen, über Bären bis hin zu Walen all diese unterschiedlichsten Tierarten sichten könnte. Oregon, auf jeden Fall der kleine Teil, den wir beim hindurch fliegen so bestaunen dürfen, gefällt uns wahnsinnig gut. Gern würden wir hier irgendwann mal hin zurückkehren, um diesen Teil der USA genauer zu durchforsten. Wir bereuen keinen unserer Stopps der letzten drei Monate, aber dennoch merken wir, dass uns die Westküste wirklich gut gefällt und wir gern mehr Zeit hätten, um diese zu erforschen, ohne zeitliche Einbußen in Kanada in Kauf nehmen zu müssen. Aber man kann nicht alles haben, also verfolgen wir das Ziel nach einem Stopp im Olympic National Park und in Seattle in ein paar Tagen in Kanada anzukommen.

    Im Laufe des Tages gönnen wir uns einen Fahrt-Kaffee bei Starbucks und stoppen nach ein paar Stunden mal wieder bei einem Amazon Locker nahe Portland, danach fahren wir nochmal ein paar Stündchen weiter und kommen zum Sonnenuntergang in einem State Park an, den wir spontan gebucht haben. Um nicht noch kochen zu müssen, haben wir uns 20 Minütchen vor dem Ziel des Tages bei McDonalds ein vitaminreiches Abendessen abgeholt. Schon bevor wir beim Stellplatz ankommen, merken wir, dass ein wenig Durchatmen gut wäre, nachdem wir in den letzten zwei Tagen über 900 Kilometer in Richtung Norden gefahren sind. Wir buchen den Platz also für zwei Nächte und sind froh als wir ohne Kopfschmerzen, mit vollen Bäuchen und müden Gliedern ankommen. Christian geht sofort ein Ründchen mit Bella und als wir uns in Freddie eingerichtet haben, schauen wir noch den Ghostbusters Film zu Ende. Danach lese ich noch was und Christian testet sein neues Spielzeug aus. Der Abend wird zur Nacht und wir schlummern selig und mit dem Gedanken daran, morgen den ganzen Tag nur ein paar Berichte schreiben zu müssen, ein.
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  • Unter Bäumen und Menschen

    13–14 mei 2024, Verenigde Staten ⋅ ☀️ 14 °C

    Der Start in die neue Woche offenbart, was wir gestern Abend bei der Ankunft schon vermutet haben: der State Park ist riesig und wir stehen tatsächlich auf dem größten Campingplatz Oregons. Dieser verteilt sich aber recht elegant auf mehr als ein Dutzend Schleifen mit je 30-50 Stellplätzen und ist zurzeit gerade mal zu 40% ausgelastet.

    Hanna dreht eine große Runde mit Bella und ich beschäftige mich mit meinem neuen Spielzeug. Eine Konsole im Format eines Game Boys, mit der alle möglichen älteren Konsolen emuliert werden können. Parallel dazu installiere ich noch eine größere Speicherkarte in meinem Laptop. Aufgrund des Mangels eines externen Speicherkartenlesers, muss ich dafür die Daten erstmal auf drei USB-Sticks sichern und kann dann die neue Karte einsetzen. So sind dann auch die Weichen gestellt, dass ich in den nächsten Tagen ein kleines Projekt für meine Arbeitskollegen erledigen kann.

    Ansonsten verbringen wir beide dem Tag damit, die Berichte der letzten Tage zu schreiben. Es sind vier an der Zahl, diese und ein weiterer wollen gegengelesen werden und die Fotos und Videos der letzten Zeit wollen auch noch gesichtet werden. Alle paar Minuten stöhnt aber einer von uns beiden vor sich her, wie wenig Lust er auf diese Aufgabe hat. Gemeinschaftlich entscheiden wir aber, dass wir uns da nun mal durchbeißen müssen – Zukunfts-Hanna und -Christian werden entsprechend dankbar sein.
    Gegen 15 Uhr machen wir uns dann die Flasche des Gewurztraminer auf, die wir vor ein paar Tagen erstanden haben. Unsere Motivation steigt zwar nicht, aber die Finger bewegen sich etwas beseelter über die Tastatur. Mit der Zeit wird dann doch noch langsam ein Bericht nachdem anderen fertig.

    Das einzige aufregende was heute noch passiert ist ein kleiner Quad, der gegen frühen Abend über die einzelnen Plätze düst. Wir denken im ersten Moment, dass es sich um einen Rasenmäher handelt, aber weit gefehlt. Es ist die auf dem Campingplatz ansässige „Mosquito Control“, die hinten einen Auslass hat, der irgendein Mosquito-Mittel hinter sich her sprüht. Gefühlt bringt es nicht wirklich viel, denn die kleinen Quälgeister ziehen weiter fleißig ihre Runden um Freddie.

    Während Bella und ich noch eine Runde durch die hiesigen Wälder flitzen, bereitet Hanna mal wieder den berühmten Bergkäsesalat vor. Wir lassen den Abend ganz gemütlich ausklingen und sind beide gleichermaßen froh, dass der Berichtezähler erstmal wieder auf null steht.
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  • Immer Richtung Olympic am Meer entlang

    14–15 mei 2024, Verenigde Staten ⋅ ☁️ 15 °C

    Wir werden recht spät und leicht gerädert wach. Ich merke schon beim Aufwachen, dass mich ein bis 15 Mücken als Mitternachtssnack hatten und habe mehrere ordentliche Flatschen, die sich durch wirklich unangenehmes Jucken bemerkbar machen. Das habe ich nun wirklich nicht vermisst!

    Dafür ist es angenehm kühl in unserem im Schatten geparkten Heim und dafür bin ich sehr dankbar. Ich pelle mich aus dem Bett und mache mich auf zu einer Runde mit Bella. Vom Campingplatz aus führen eine ganze Reihe an Wanderwegen durch die den Platz umgebende Natur. Es sind nicht viele Leute unterwegs und so kann Bella auch ein gutes Stück ohne Leine die Gegend um uns herum auf dem Trail erkunden. Dafür, dass wir ganz nah am Meer stehen, bekommt man von selbigen nichts außer einem fernen Rauschen mit. Der Wald, dessen Baumwipfel bis hoch in den Himmel ragen ist aber super schön naturbelassen, vermoost und ganz verwunschen. Man fühlt sich schnell schön einsam und kann ordentlich durchatmen, die frische Morgenluft tut wahnsinnig gut.

    Wieder an Freddie angekommen, hat Christian schon den Kaffee aufgesetzt, der auch ganz bald nach unserer Rückkehr bereit ist getrunken zu werden. Christian hat das gesamte Fahrerhaus auf dem Tisch des Platzes ausgebreitet und hat sich auf eine große Putzaktion der Kabine eingestellt. Gestern haben wir von Amazon neue Naturseife abgeholt. Mandelduft war der einzige Geruch, der per Prime lieferbar war und währen ich den Geruch von Mandelöl wirklich gern mag, gehöre ich zu den Leuten, die Marzipan ganz eklig finden. Leider riecht die Seife genau danach; gut, dass wir nun zwei Liter Seife, die auch als Duschmittel und Shampoo nutzbar ist, haben 😂. Für mich wird der Geruch erträglicher, als ich mir einrede, dass es sich um Amaretto Geruch handelt und nicht nach Marzipanblöcken riecht. Nach der Putzaktion ist Freddie also unser kleines Amaretto Mobil 😉.

    Der Vormittag vergeht, während wir den Kaffee und ein Müsli genießen, ich ein wenig lese, Christian den Putzlappen schwingt, ich Duschen gehe und danach spüle und Freddie weitestgehend für die Abfahrt bereit mache, während Christian eine Dusche genießt. Dann wird natürlich noch die Abwasserstation mitgenommen und der Wassertank mit Frischwasser befüllt und schon sind wir wieder on the road.

    Heute steht auf dem Plan weiter nordwärts zu fahren. Bevor wir die Grenze nach Kanada passieren, möchten wir dem Olympic National Park und Seattle noch einen Besuch abstatten. Beides befindet sich ungefähr auf einer Höhe und Stopp No. 1 ist der Nationalpark. Bis dorthin sind es noch viereinhalb Stunden Fahrt laut Google, daher heißt es: Gemütlich ins Fahrerhaus kuscheln, Hörbuch auf die Ohren und los geht die wilde Fahrt. Wir genießen die Strecke, die an der Küste entlang führt und nach einem Kaffee von Starbucks für die Fahrt passieren wir die Grenze von Oregon zum Bundesstaat Washington. Ein eigenartiges Gefühl, dass dies der letzte Bundesstaat sein wird, den wir hier in den USA für uns erobern, bevor wir diese quasi „durchgespielt“ haben.

    Washington kommt in einem ähnlichen Gewand her wie Oregon, auf den ersten Blich wirkt es tatsächlich noch ein bisschen dichter bewaldet und auf unserer bisherigen Strecke auch etwas dünner besiedelt. Ganz nach unserer Kragenweite. Gegen 16 Uhr passieren wir das Schild zum Olympic National Forest, der sich südlich vom Nationalpark befindet. Recht mittig vom Nationalpark trohnt der Mount Olympus mit 2432 Metern und einer weißen Spitze, die wir bereits von hier aus bewundern können. Wir tauschen uns kurz aus, wie viel Fahren wir für den Tag noch fühlen und kommen überein, dass wir doch nicht im National Forest einen Platz suchen, sondern noch ein wenig weiter düsen wollen. Kurz danach passieren wir das Eingangsschild zum Nationalpark und nicht viel später erstreckt sich neben uns der Pazifik im schönsten Gewand. Keine halbe Stunde später, die wir entlang der Küste gerollt sind stolpern wir über einen Campingplatz in der Kalaloch Region, der sofort am Pazifik gelegen ist. Christian fragt, ob wir hier schauen sollen, ob noch ein Platz frei ist, da wir auf unserer Reise wahrscheinlich nicht mehr so oft an Meer stehen werden. Die Logik ist bestechend und wir biegen auf das Gelände ab. Nachdem wir alle Loops abgefahren sind, lächelt uns noch ein letzter Platz mit direktem Meerblick an. Das ist ein Zeichen und so parken wir kurzerhand ein, füllen die Registrierungskarte aus, die wir von der Einfahrt aus mitgenommen haben und können sofort mittels einem QR Code per Kreditkarte zahlen. Die Nacht kostet nur günstigste 12$ und wir sind total happy, dass wir einfach mal geschaut haben. Christian schnappt sich Bella und spaziert mit ihr und der Registrierung zum Einfahrtsbereich um unsere Anmeldung abzuschließen und ich packe den Laptop aus und sitze nun auf dem Bett mit Blick auf den Ozean und Sonne im Gesicht. So schreibt sich der Bericht doch fast von selbst ♥.

    Als Christian wieder kommt berichtet er von einem 36 Meter langen Baum, der als Treibholz angespült unten am Strand liegt. Bella scheint sich auch pudelwohl zu fühlen. Nun steht nur noch die Ergänzung des gestrigen Berichts, ein bisschen Computerkram und das Hochladen des nächsten Berichts auf Find Penguins an und dann schauen wir mal was der Abend noch so bringt. Es ist noch etwas Salat von gestern da, dazu gibt es wahrscheinlich für jeden ein Tösterchen aus unserem Sandwichmaker und dann heißt es die Meeresbrise genießen und den Abend ausklingen lassen.
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  • Olympic National Park

    15–16 mei 2024, Verenigde Staten ⋅ ☁️ 20 °C

    Uiii, wie schön es ist mit Wellenrauschen in den Ohren aufzuwachen. Am Meer zu sein ist für mich immer unglaublich beruhigend und der Platz hier ist wirklich zauberhaft. Wir dösen morgens gemütlich mit Möwengekreische und dem eben angesprochenen Rauschen in den Ohren. Dann mache ich mich aber mit Bella auf zu einer gemütlichen Morgenrunde an den Strand, während Christian Freddie übernimmt. Insgeheim hoffe ich ja seit wir hier angekommen sind, in der Ferne eventuell einen Wal im Meer ausmachen zu können, allerdings postulieren die Schilder vor dem Strandabgang, dass die meisten Wale auf ihrem Weg in den Norden, am Anfang des Frühlings gesichtet werden und der ist nun mal leider definitiv vorbei.

    Dennoch genieße ich den Strand und die Meerluft total. Irre, was sich hier für riesige Treibholzstämme am Strand gesammelt haben. Da ist der eine riesige Küsten-Mammutbaumstamm, von dem Christian gestern Abend erzählt hat, nur einer von vielen. Da schlägt sofort mein Sammler- und Dekoherz höher. Es ist ganz schön guter Selbstschutz nur Freddie dabei zu haben, ansonsten hätte ich wohl spätestens hier eine Dekosammlung gestartet. Hier ist aktuell auch richtig wenig los und in einigen Metern Entfernung ist der Strand und die Klippe in Nebel gehüllt, richtig mystisch wirkt das. Bella genießt die Runde sehr und müht sich am Zerlegen vom Treibholz ab, das natürlich herausfordernder zu zerkleinern ist als das Geäst, was sie sonst kennt.

    Zurück an Freddie duftet es nach Kaffee und Christian bittet darum die Tür schnell wieder zu schließen, da ihm frisch ist. Wir überlegen gemeinsam, ob wir hier noch eine Nacht bleiben möchten, entscheiden uns dann aber schweren Herzens dagegen, weil es heute den ganzen Tag bewölkt sein und morgen den ganzen Tag regnen soll. Dann fahren wir lieber heute weiter, genießen den Olympic National Park bewölkt, anstatt morgen im Regen zu stehen.

    Nachdem alles zusammengepackt und festgemacht ist geht die Fahrt los. Zu Beginn noch ein kleines Stück an der Küste entlang und dann ganz bald eher durchs Landesinnere der Olympic Halbinsel. An der Straße säumen sich die Wälder und es liegt ein schwerer köstlich harziger Duft in der Luft. In der Ferne sieht man immer wieder Bergketten. Insgesamt kann für mich aber glaube ich kein Nationalpark mehr an den Sequoia herankommen. Dennoch ist die Natur zauberschön und wir schaukeln gemütlich in Freddie durch die Landschaft. Nach einiger Zeit eröffnet Christian mir, dass er einen Plan hat, was und wo wir heute frühstücken werden und ich bin gespannt, was er sich ausgeschaut hat. Erraten bekomme ich es nicht, aber dafür ist meine Freude umso größer, als wir an einem Laden ankommen, der Frybread anbietet. Dieses hatten wir bisher im Gebiet der Navajo Indianer zweimal als Navajo Tacos. Zur Vorspeise gibt es drei Mini Indian Tacos, als Hauptspeise für mich Lachsnuggets mit Pommes und für Christian ein Frybread mit so etwas wie Pulled Beef. Alles ganz schön lecker und ordentlich sättigend.

    Im Anschluss umfahren wir weiter die Olympic Halbinsel und möchten für einen Spaziergang, auf den diesmal auch Bella mit darf, einen Halt einlegen. Die Route verläuft um einen wunderschönen großen See, der umgeben ist von Wald, und insgesamt 18 km lang ist. Wir schauen, wie die Wegbeschaffenheit ist und nehmen uns vor, dass wir so weit laufen wie es sich gut anfühlt und wir dann zu Freddie umkehren. Diese Art von Wald ist wieder ein ganz dichter Regenwald, die Bäume sind sehr bemoost und immer wieder gibt es kleine plätschernde Wasserfälle, die zum See hinunter plätschern. Wir beobachten Raupen und Eichhörnchen und schlendern die Asphaltrunde immer am Seeufer entlang. Nach guten vier Kilometern kehren wir um und laufen eine kleine Schlaufe um einen Felsabhang, den wir auf dem Hinweg durch einen Tunnel durchlaufen haben. Hier soll sich „The Devils Punchbowl“ befinden, die sich als Brücke über eine fast unnatürlich blau wirkende Ausbuchtung des Sees entpuppt.

    Wieder an Freddie angekommen ist mittlerweile 18 Uhr und wir überlegen, wie weit wir noch fahren möchten. Wir entscheiden uns für ein gutes Stündchen, nach dem wir im Olympic National Forest ankommen, in dem einige Stellplätze ausgewiesen sind. Als sich die ersten beiden Plätze als einfache Straßenbuchten entpuppen, die uns eher nicht so ansprechen, ist der dritte angefahrene Platz ein absoluter Volltreffer. Wir wagen uns eine ordentlich steile Huckelpiste runter und werden mit einer gut versteckten Bucht, einem Feuerring und viel Platz sofort an einem schmalen Bergflüsschen belohnt. Erinnert mich ein bisschen an die Sieg an ihren schmaleren und versteckteren Stellen, nur, dass hier alles von Wald umgeben ist. Wirklich wunderschön! Einziges Manko…Internet ist mal wieder Mangelware, aber gut, dann kommt der freizuschaltende Bericht halt wieder etwas später online, wenn wir morgen wieder auf dem Weg sind.

    Nach der Ankunft geiere ich ein wenig danach mein Kindle auspacken zu können. Von meinem Buch habe ich noch 3% übrig und die Spannungskurve ist ordentlich angezogen worden. Christian spielt derweil glücklich Zelda auf dem Gameboy. Das Ende des Buches ist ein gigantischer Cliff Hanger und der nächste Teil der Serie wird erst 2025 rauskommen. Das muss ich erstmal verarbeiten. Nach kurzem Durchatmen und nachdem ich gefühlt eine viertel Stunde in die Luft gestarrt habe, entscheide ich mich für Ablenkung für den Rest des Abends. Kennt ihr diese Stimmung, wenn ein Buch beendet ist und ihr die Geschichte erstmal nicht weiterverfolgen könnt? Ich habe das ganz oft, dass ich dann erstmal gar nicht weiß was ich machen soll 😂. Naja, aber Ablenkung ist das Thema; heute Abend gibt es für Christian eine Brotzeit und ich mache mir noch einen kleinen Salat, dazu schauen wir Argylle, einen ziemlich unterhaltsamen Spionage Film mit Henry Cavill, der sehr schräg aufgemacht ist. Leider schaffe ich den Film nicht ganz und so schlummern wir nach einem schönen, unaufgeregten und entspannten Tag ein.
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  • Kanada, wir sind gleich da

    16–17 mei 2024, Verenigde Staten ⋅ ☀️ 16 °C

    Wir werden in unserer kleinen Parzelle direkt am Fluss wach. Es ist fast komplett bewölkt, es kommen nur vereinzelt Strahlen durch. Daher wirkt der Wald auf der Morgenrunde mit Bella ziemlich mystisch. Das Plätschern des Flusses wird nur vereinzelt durch das Gezwitscher der Vögel unterbrochen, ansonsten herrscht absolute Stille.
    Unterwegs habe ich ein wenig Empfang und kann so die Wettervorhersage überprüfen. An der Regenvorhersage hat sich nichts geändert und so ist die Entscheidung dann auch schnell gefallen und wir werden weiterfahren. Erstmal genießen wir die Ruhe aber noch beim Kaffee. Gespült wird mit dem Wasser vom Fluss, auch wenn dies sehr, sehr kalt ist.

    Die Anfahrt zum Stellplatz war auf dem letzten Meter recht steil und kugelig, aber Freddie kämpft sich ohne Probleme nach oben. Wir atmen kurz durch, etwas angespannt sind wir in solchen Momenten dann schon. An solchen Plätzen spontan Unterstützung zu organisieren wäre vermutlich etwas aufwendiger. Nach ein paar Minuten sind wir dann auch schon wieder auf dem Highway und fahren Richtung Seattle. Da wir heute die USA verlassen, wollen wir noch einen Stopp bei „Panda Express“ machen. Das Orange Chicken wurde uns sehr ans Herz gelegt und das wollen wir dann selbst ausprobieren. Daher gibt es dann zum Frühstück für uns chinesisches Fast-Food. Wir sind beide sehr angetan vom Konzept und lassen es uns schmecken. Zum Glück haben wir es erst am letzten Tag ausprobiert – sonst hätten wir hier vermutlich in kurzer Zeit ziemlich viele Punkte mit der Kundenkarte gesammelt.

    Bis zur berühmten Space Needle ist es dann nur noch gut eine Stunde und diese Fahren wir dann in dichter werdendem Verkehr entlang der Interstate. Die Skyline von Seattle wirkt im Vergleich zu den riesigen Städten der letzten Wochen irgendwie „winzig“. Das Wahrzeichen, die Space Needle, ist viel kleiner als wir es erwartet haben. Seattle wirkt sympathisch, nicht alleine wegen der Lage am Wasser, sondern auch wegen der vielen jungen Leute und Radfahrer die unterwegs sind. Hier spazieren wollen wir dann aber auch nicht: unser Drang heute nach Kanada zu kommen, führt uns wieder zurück auf die Interstate. Bis zu Grenze sind es nur noch knapp 150 Kilometer, vorher geht es nochmal kurz zu einem Amazon Locker – neue Vitamintabletten abholen.

    Der Verkehr wird mit der Zeit dichter, wir sind gerade auch mitten in der Rush-Hour. Das ist anfangs noch kein Problem und als es dann noch dichter wird, fahren wir einfach auf die HOV-Spur. Hierbei handelt es sich um die Spur für Fahrgemeinschaften und diese darf man mit mindestens zwei Personen im Fahrzeug befahren. Obwohl es so gefühlt zügig weiter geht, verheißt die tiefrote Färbung der Interstate und auch die immer später werdende Ankunftszeit nichts Gutes. Es dauert gut 45 Minuten, bis wir an den Grund des Staus angekommen sind: Eine Vollsperrung, der Verkehr wird hier von fünf Spuren auf eine einzelne Ausfahrtsspur umgelenkt. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen bzw. Ausreißer läuft das Reisverschlussverfahren sehr gesittet ab (wenn man davon absieht, dass der Reisverschluss auf zwei der fünf Fahrbahnen viel zu früh endet).

    Die Route führt uns dann durch Everett, von dort sollen wir dann auf den Highway. Dieser und die Interstate sind die einzigen beiden Straßen, mit derer man die Halbinsel über den Fluss im Norden verlassen kann. In Everett selbst dauert es dann keine 5 Minuten, bis es zum absoluten Stillstand kommt. Der Verkehrsinfarkt, auch Gridlock genannt, sorgt für eine komplette Blockade der Straßenzüge. Wir versuchen die Flucht in südliche Richtung nach hinten und sobald wir keinen Rückstau in östlicher Richtung sehen, fahren wir in genau diese Richtung. So schön dieser Plan auch klingt, wir sind nicht die einzigen mit dieser Idee. Nachdem wir zehn weitere Minuten vor einer Ampel im Stillstand verharren müssen, retten wir uns über die freie Spur auf den Parkplatz von Henry’s Donuts.

    Der Amazon Locker ist für uns innerhalb der Geschäftszeiten nicht mehr erreichbar und so wollen wir erstmal in Freddie entspannen. Hanna organisiert leckeren Kaffee und Donuts, während ich mich über die Lage im Internet informiere: Am späten Nachmittag wurde ein mit einem Hammer bewaffneter Mann auf der Interstate erschossen, nachdem er mit diesem einen State Trooper attackieren wollte. Der Bewaffnete rammte zuvor angeblich ein Fahrzeug mit zwei Arbeitern einer Baustelle am Straßenrand. Die Informationen zeige ich Hanna kurze Zeit später in Form eines Videos des lokalen Nachrichtensenders. Im nächsten Video, dass automatisch abspielt, wird dann von einem Teenager berichtet, der an einer Internet-Challenge zum Essen von scharfen Chips mitgemacht hat und in Folge des Verzehrs verstorben ist.
    Wir sitzen beide mit einem Donut bewaffnet daneben und können nur den Kopf schütteln. Auf den letzten Metern möchte sich die USA wohl nochmal von der allerbesten Seite zeigen.

    Nachdem gegen 20:30 Uhr ein Update auf X veröffentlich wird, dass die Sperrung der Autobahn noch auf unbestimmte Zeit aufrechterhalten wird und der Verkehr in unmittelbarer Nähe zum Parkplatz in Schneckengeschwindigkeit fließt, verabschieden wir uns von unserer geplanten Einreise nach Kanada.
    Wir finden mit Blick auf den lokalen Hafen einen Stellplatz am Straßenrand. Gegen Mitternacht nutzen wir die Gelegenheit der guten Internetverbindung und Zeitverschiebung und quatschen eine Runde mit Happerschoss. Als wir uns gegen halb zwei in Bett legen, hat sich der Verkehr fast gelichtet und es sind nur noch ein paar Autos auf der Straße unterwegs.
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  • O Canada!

    17–18 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 17 °C

    Trotz des ungeplanten Stopps direkt neben einer doch gut frequentierten Straße, haben wir beide gut geschlafen. Es ist gestern nicht so gelaufen wie geplant, aber wir sind beide dann doch tiefenentspannt. Mit dieser Entspannung starten wir dann auch in den Tag und fahren direkt zum nächsten Starbucks, das Guthaben in der App muss noch vorbraucht werden. Und das dabei die Bequemlichkeit siegt, nehmen wir gerne in Kauf.
    Das Paket ist dann auch schnell abgeholt und nach einer letzten Tankfüllung sind wir dann auch bereit für die Grenzüberquerung. Ich habe in den Tagen zuvor nochmal recherchiert, was denn alles für den Grenzübertritt benötigt wird. Wir brauchen lediglich die Reisepässe, ein Visum muss nicht beantragt werden. Die Unterlagen für Bella mit Blick auf die Tollwutimpfung sind ohnehin vollständig.
    Die meisten Hinweise und Einschränkungen gibt es dann mit Blick auf Lebensmittel, Alkohol, Tabak und Cannabis. Bei den Lebensmitteln wird in der Regel wohl oft ein Auge zugedrückt, so dass wir nichts unnötig entsorgen wollen. Die sonstigen Obergrenzen halten wir und so rollen wir ganz entspannt auf die Grenze zu. Eine offizielle Ausreise und Kontrolle auf amerikanischer Seite findet nicht statt und auf kanadischer Seite müssen wir bis zur Kontrolle lediglich 30 Sekunden warten.
    Hier werden dann mit ein paar Kontrollfragen die Angaben aus dem Reisepass abgeklopft, kurz Bellas Ausweis durchgeblättert. Für die Lebensmittel, den Alkohol und Tabak wird sich gar nicht erst interessiert und die Frage nach dem Gras können wir verneinen. Und dann sind wir auch schon in Kanada. Das war so manche Einreise in die Schweiz schon problematischer.

    Wir fahren an den Fähren nach Vancouver Island vorbei und halten direkt auf die gleichnamige Stadt zu. Mal wieder etwas den Stadtluft schnuppern. Wir parken mitten im Zentrum, hier ist die äußerste Spur für das Parken zwischen 9-15 Uhr freigegeben und für die verbleibenden 90 Minuten werden gerade mal umgerechnet 4 Euro fällig. Uns zieht es dann direkt zu einer Burger-Bude einen Block weiter. Diese ist relativ modern aufgemacht und wir entscheiden uns beide für die vegetarische Variante und eine Portion des kanadischen Nationalgerichts: Poutine. Der Name klingt kulinarisch anspruchsvoll, es handelt sich aber einfach um Pommes mit Käsebruch und Bratensoße. Spätestens seit der Pub-Nacht in Inverness vor zwei Jahren weiß ich, dass Poutine mit zu den 5 Lieblingsgerichten von Hanna gehört. Einen Makel muss sie auch haben 😉
    Alles schmeckt vorzüglich und während Hanna noch die letzten Kartoffelstangen verputzt, lasse ich mir das Schokoladen-Shake schmecken. Toller Einstieg!

    Wir schnappen uns Bella und spazieren noch eine große Runde mit ihr durch das Zentrum. Die Runde zwischen den Hochhäusern führt uns an Gemeinschaftsgärten vorbei. In diesen sind zum Teil Hochbeete angelegt. Der Kontrast zwischen Großstadt auf der einen Seite und optischer Dorfgemeinschaft gefällt uns beiden, trotzdem machen wir uns dann gegen 15 Uhr auf den Weg in Richtung des Fährablegers. Tickets lassen sich keine mehr online reservieren, aber für die Fähre um 18 Uhr bekommen wir dann auch direkt am Terminal noch ein Ticket. Für die 90-minütige Überfahrt werden dann auch nur knapp 80€ fällig. Die Zeit bis zur Fähre verbringen wir dann wartend in Freddie. Hanna ist ganz gefangen in ihrem Buch; ich spiele auf meinem Handheld Zelda bzw. suche im Internet noch eine SIM-Karte für unseren Router im Bus raus.
    Eine gute halbe Stunde bevor es dann auf die Fähre geht, marschiere ich noch kurz in Richtung der Toiletten, die sich in einer Fressmeile befinden. Hier duftet es köstlich, die gefühlt 500 Menschen sorgen aber auch für eine Geräuschkulisse wie im Affenhaus.
    Von einem geschätzt siebenjährigem erfahre ich dann beim Betreten der Männertoilette, dass sich eine der Kabinen nicht abschließen lässt und warte daher auf das Freiwerden einer der anderen. Während ich kurze Zeit später die Privatsphäre der Kabine genieße, höre ich ein kurzes „Coming through“ und der siebenjährige krabbelt von der linken Kabine durch meine nach rechts weiter. Links hält wohl gerade der Bruder eine Sitzung und rechts neben mir nehme ich dann auch sehr schnell die mahnende und gleichzeitig um Entschuldigung bittende Stimme des Vaters war. Ich bin ziemlich perplex und als ich wenig später am Waschbecken stehe, frage ich mich leise, ob das gerade wirklich passiert ist.

    Wenig später fahren wir dann auch auf die Fähre, Bella lassen wir im Auto. Wir steigen direkt nach oben durch und auf den Gängen ist richtig viel los - Freitagabend vor einem langen Wochenende. Wir finden schnell den Zugang zur Business-Lounge und zahlen die umgerechnet 10€ pro Person - Heißgetränke, Wasser und ein Mini-Buffet inklusive.
    Von der Lounge aus haben wir dann auch einen wunderschönen Blick auf die ersten kleinen Inseln vor der Hauptinsel. Wir werden von felsigen Klippen, Wald und traumhaft platzierten Häusern angestrahlt und freuen uns auf diese Szenerie, unserem zuhause für die geschätzt nächsten 14 Tage.
    Unsere Träumerei wird dann kurze Zeit später von der Durchsage des Kapitäns unterbrochen, dass auf der rechten Seite ein paar Orcas beobachtet, werden können, die scheinbar auf Robbenjagd sind. Das Spektakel genießen wir dann auch die nächsten paar Minuten. Wer von uns beiden zufriedener grinst: keine Ahnung! So kann es aber gerne weiter gehen.

    Gegen 20 Uhr rollen wir dann von der Fähre und steuern auf einen Stellplatz in der unmittelbaren Nähe zu. Dieser liegt direkt an einem umzäunten Hundepark mit Blick auf das Meer. Bella genießt direkt nach der Ankunft das unangeleinte Toben und holt sich, wie sollte es auch anders sein, Streicheleinheiten bei den anderen Hundebesitzern ab. Während wir uns drei Stündchen später schon langsam für das Bett fertig machen, hält neben uns noch ein weiterer Camper. Lautstark wird zur viert darüber diskutiert, wie das Fahrzeug denn am besten geparkt und ausgerichtet werden kann. Wir schauen uns beide kopfschüttelnd an und versichern uns gegenseitig, dass wir wirklich auf Vancouver Island stehen und nicht, wie es der Klang der Stimmen neben uns vermuten lässt, auf einem deutschen Campingplatz.
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  • Gloria, Victoria wide-wide-witt, juch-he

    18–19 mei 2024, Canada ⋅ ☀️ 10 °C

    Es ist Samstag und wir werden am Parkplatz an dem Hundepark wach. Unser Plan für heute ist es, weiter nach Victoria zu fahren, der Hauptstadt von British Columbia, die hier auf Vancouver Island verortet ist. Es ist noch nicht zu mir durchgedrungen, dass wir jetzt wirklich in Kanada angekommen sind. Es warten so viele neue Eindrücke auf uns und gleichzeitig arbeiten all die wundervollen Erlebnisse aus den USA bestimmt noch eine ganze Zeit lang in uns nach.

    Christian hopst mit Bella aus Freddie und nutzt noch einmal ordentlich diesen riesigen Dog Park, der so schön angelegt ist und es ermöglicht, dass Bella eine große Runde auf einer riesigen Rasenfläche unangeleint herumtollen und Bekanntschaften mit anderen Fellnasen schließen kann. In der Zeit in der die beiden unterwegs sind, mache ich Freddie abfahrtbereit; unseren Morgenkaffee wollen wir nach Victoria verlegen und uns bald nach der Rückkehr von den Gassi-Gängern aufmachen. Gestern Abend haben direkt neben uns noch lautstark Deutsche geparkt, die sich gerade in dem Moment aufmachen wollen, als Christian mir schreibt, dass er sich gleich auf den Rückweg zu Freddie machen möchte. Wir haben beide recht wenig Lust auf einen Schnack und so schreibe ich ihm, dass er damit rechnen muss in ein Gespräch verwickelt zu werden, wenn er jetzt zu Freddie kommt. Kurz überlegen wir via Signal, ob Christian sich Freddie über die Fahrerseite nähern und unbemerkt einsteigen sollte und ich dann nach der ersten Wegbiegung nach vorne klettere 😂. Stattdessen dreht Christian ein extra Ründchen und wartet, bis die lautstark schnatternde Gruppe abgefahren ist. Ob unsere Gesprächsoffenheit Deutschen gegenüber wohl gerade im Keller ist?!

    Wir fahren bald darauf los und suchen uns nach kurzer Zeit einen kleinen Parkplatz, weil wir ein recht spontanes Telefondate mit Holungen haben. Ernst und Petra holen dieses Wochenende Ida ab und wir ergreifen die Gelegenheit beim Schopf. Ernst ist im WLAN und so ist die Videoverbindung besser, als vor zwei Wochen als Hans-Dieter und Karin unten waren. Es ist schön Luise, Ida, Ernst und Petra kurz zu sehen und sich ein paar Minuten auszutauschen. Familie fehlt und so genießen wir immer wieder eine Leitung nach Hause.

    Danach geht es weiter in Richtung Stadt und als wir durch die ersten Straßen Victorias fahren, hält sich meine Lust auf einen ausgiebigen Stadtbummel zunächst noch in Grenzen. Aber unsere Neugier siegt, wir strecken unsere Fühler aus und machen uns zunächst auf die Suche nach Kaffee. Nur einen kurzen Fußmarsch von unserem Parkplatz am Straßenrand aus schlendern wir an den ersten Cafés vorbei. Die Bewohner Victorias sind so ganz bunt durchmischt, von bunten Haaren, Tattoos und Piercings bis hin zu schick gekleideten Männeken mit Mini Hündchen ist alles dabei und der Flair hat uns schnell in seinen Bann gezogen. Aus einem der Cafés besorgt Christian uns zwei to go Becher schwarzen Glücks und wir stiefeln weiter. Recht schnell gelangen wir nach Downtown und sind in Wassernähe. Wir passieren Irish Pubs, Restaurant, Buchläden und Malls; ich muss ein wenig an Edinburgh, Bonn und Christian an Stockholm denken. Viele Städte die wir wirklich gern mögen sind mit einzigen Bereichen dieser Stadt vergleichbar. Auch wenn hier einige hohe Häuser ihr Spitzen in den Himmel recken, sind es nicht solche, wie in Miami, Las Vegas oder L.A., die eine Stadt für mich zu einem Großstadtdschungel werden lassen, in dem ich mich eher nicht wohl fühle. Victoria scheint „luftiger“ und der Geruch von Meeresluft punktet bei mir sowieso immer sofort. Wir erreichen den Hafen (bzw. einen der vielen kleinen Häfen der Stadt) und machen eine kleine Toilettenpause. Während Christian auf Toilette ist und ich mit Bella warte, spricht mich ein netter Security Mann an und fragt ob er Bella hallo sagen dürfe; ich habe davor schon beobachtet, wie er sich von Hund zu Hund durch die Hafengegend streichelt. Er ist neugierig, wo wir herkommen, gratuliert uns zu der klugen Idee nicht in der touristischen Hochsaison herzukommen und wünscht uns ganz viel Spaß bei unserer weiteren Reise. Nach der Toilettenpause halten wir auf ein Gebäude zu, das dem Kapitol in Washington ähnlich sieht. Vor diesem wird heute scheinbar eine Veranstaltung ausgerichtet. Aus der Ferne hört man eine Sängerin, die nach der kanadischen Nationalhymne einige Popsongs zum Besten gibt und eine kleine Menge an Leuten auf dem Rasen des Gebäudes unterhält. Auf unserem Weg am Hafenbecken entlang sehen wir einige Wasserflugzeuge landen und abheben, was mich ganz schön in den Bann zieht. Außerdem schippern von verschiedenen Haltepunkten der Bucht Wassertaxis los, die wie ein Bus unterschiedlichste Haltestellen auf dem Inselstädtchen ansteuern. Als wir das Hafenbecken hinter uns lassen, flanieren wir über den Rasen der Veranstaltung und beobachten Kinder beim Herumtollen, Pärchen mit Hunden, die es sich auf dem Rasen gemütlich gemacht haben, und einige zu der Musik im Takt wippende und tanzende Menschen.

    Wir lassen die Menschen hinter uns und watscheln immer an der Wasserlinie weiter entlang in Richtung Fishermans Warft, einem als Highlight angepriesenen Ausflugsziel der Stadt. Auf dem Weg wir Bella von einigen Einheimischen gestreichelt, die Aufmerksamkeit ist ihr, wie immer, sicher. Wir passieren einen kleinen Park am Wasser, einige Hotels und ziemlich schicke Häuser. Die Aussicht auf die Buchten ist wirklich traumhaft, teilweise ragen riesige bewachsene Felsen aus dem Wasser, die bemoost und grasig sind und hinter denen schicke Häuser in Holzbauweise hervorlugen. In dem Bereich von Fishermans Wharft angekommen sind wir gefangen von dem Anblick dutzender knallbunter Hausboote, die an mehreren Stegen das zu Hause von einigen Insulanern bilden. Hier ist es recht voll und die Touristen und auch wir schlendern an der Essensmeile entlang hin zu offenen Ateliers, Kanuverleihen und kleinen Souvenirgeschäften. Dahinter beginnen die Privathäuser und ich denke darüber nach, wie stressig ich es empfinden würde in einem dieser Häuser zu wohnen, wenn ich mir vorstellen wie viele Touristen in der Hochsaison (mir würde ja schon der Pulk reichen, der hier heute rumläuft) an meinem Wohnzimmerfenstern vorbei flanieren würden. Aber die Aussichten von den Dachterrassen sind wahrscheinlich wirklich wundervoll. Wir ziehen uns von dem Steg der Privathäuser zurück und steuern den Bereich an, in dem es einige Restaurants und Imbisse gibt. Nach kurzem Überlegen, was wir „brunchen“ wollen, entscheiden wir uns für einen Fischladen, bei dem es allerlei frisch gefangene Leckereien gibt. Kurze Zeit später stehen ein Heilbutt-Fischbrötchen, ein Lachs-Chowder (Eintopf) und ein Fischtaco vor unserer Nase und uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Wir genießen das Essen und die Aussicht auf das Wasser.

    Nach der Stärkung gönnen wir uns noch ein Nachtisch Eis uns schlendern durch verschiedenste Straßen wieder zurück in Richtung Downtown. Es ist superschön ohne Plan durch die Straßen zu flanieren und zu schauen, was so hinter der nächsten Ecke auf uns warten wird. Wir machen Halt in einem Buchladen, um uns nach einem Buch zu erkundigen, dass nicht nur als Straßenkarte, sondern auch als Campingplatz- und Wanderweghelfer auf Vancouver Island fungieren könnte. Christian hatte von dieser Buchreihe gelesen und wir wollten einen Blick hineinwerfen. Dadurch, dass wir nicht wissen, wie gut sich hier Campingplätze mit unserer App iOverlander finden lassen (neues Land und andere Sitten und so – ist halt noch alles unbekannt). Beim Eingang schauen wir, ob an der Tür irgendetwas gegen die Mitnahme von Hunden spricht. Da dem nicht so ist, nehmen wir Bella also mit rein und hoffen, dass wir nicht als unhöflich empfunden werden. Kaum passieren wir den Kassenbereich, der in altem, schwerem, dunklem Holz vorne im Eingangsbereich prangt, werden wir von einem Mitarbeiter darauf angesprochen, dass Bella aber ja wirklich ganz wundervoll sei und ob er ihr ein Leckerchen geben dürfe. Gut, dann ist also auch die Frage geklärt, ob Hunde erlaubt sind. Er holt hinter dem Tresen eine riesige Box voller Hundeleckerlies raus und versetzt Bella in absolute Glücksseligkeit. Danach hilft er uns die richtige Regalreihe zu finden und führt uns in den hinteren Teil des wunderschönen, antiken Ladens. Auch im hinteren Teil lösen sich Mitarbeiter wie Schatten aus verschiedensten Bereichen und lassen Bella eine ordentliche Portion Streicheleinheiten zukommen. Ich glaube Queen B. würde sich hier sofort als Bücherei Hund anstellen lassen. Nach ausgiebigem Blättern in dem Reiseführer finden wir diesen großartig aufgebaut aber entscheiden uns dazu erstmal zu schauen, wie weit wir mit unseren USA erprobten Apps hier in Kanada wohl kommen werden. Danach stöbern wir noch ein wenig durch die verschiedenen Belletristik Abteilungen und ich erinnere mich daran, wie sehr ich Bücher liebe. Gerade seit dem Arbeitseinstieg lassen sich die Zeiten, in denen ich auch im Arbeitsalltag gelesen habe, fast an einer Hand abzählen. Jetzt hier im Sabbatical erinnere ich mich aber immer mehr daran, wie sehr ich in Bücherwelten versinken kann und wie viel ich früher immer gelesen habe. Ich liebe auch „echte Bücher“, allerdings ist es auch so praktisch einen Kindle zu haben, der so leicht und handlich ist und auf dem ich so viele Bücher gleichzeitig transportieren kann. Trotzdem, Buchhandlungen sind toll 😍.

    Nach unserer Stöberei steuern wir dann ein Einkaufszentrum an. Christian hat sich im Vorhinein über mögliche Telefonanbieter Kanadas schlau gemacht, die für unsere SIM-Karte für den Router in Freddie in Frage kommen. Hier sind Hunde allerdings nicht erlaubt und so mache ich es mir mit Bella auf einer Bank in der Sonne bequem. Ich beobachte Busse beim Kommen und Gehen, genauso wie verschiedenste Menschen beim Vorbeieilen, Innehalten und Warten. Um eine SIM-Karte reicher stößt Christian nach einiger Zeit wieder zu uns und verlängert dann spontan noch die Parkuhr per App um eine weitere Stunde, denn wir möchten in einem Pub gern noch ein Guinness genießen, bevor wir uns dann im Laufe des späten Nachmittags auf „in die Wildnis“ machen wollen. Wir genießen das Guinness in einem kleinen Biergarten vor einem Pub und unterhalten uns dort noch nett mit einem Paar, das hier in Victoria wohnt und deren Hund, als wir mit Bella an ihm vorbeigelaufen sind, kurz lautstark sein Revier verteidigt hat. Ein kleiner Teil von uns überlegt, ob wir nicht doch eventuell eine Nacht mit Freddie hier in der Stadt stehen bleiben und einen Kneipentour genießen wollen. Allerdings ist die Stellplatzsituation hier in Victoria nicht ganz so einfach und bei nahezu jedem Übernachtungsplatz der App steht, dass sehr nette Polizisten an die Vans geklopft und um Weiterfahrt gebeten haben. Also machen wir uns nach 6 Stunden Stadterkundung mit Freddie auf zur Weiterfahrt.

    Bevor wir die Stadt verlassen, machen wir noch Halt an unserem ersten kanadischen Supermarkt und stocken unsere Frischeabteilung in Freddie auf. Außerdem besuchen wir noch eine Tierhandlung und besorgen eine neue Ladung Futter für Bella. Der Tag bis jetzt schon so ereignisreich gewesen, dass wir uns beide aufs Ankommen freuen. Gerade jetzt beim Rückblick merke ich, wieviel wir erlebt haben. Vor unserem Halt in Victoria hatte ich heute Morgen zwei mögliche Plätze markiert, die allerdings beide mehr als eine Fahrtstunde entfernt sind. Wir fahren in die Richtung der Stellplätze, überlegen aber, dass wir einige Campingplätze, die auf dem Weg liegen ansteuern könnten, die weniger Fahrtzeit erfordern. Wir fahren an insgesamt vier Campingplätzen vorbei, an deren Einfahrt allerdings bereits je ein großes Schild hängt, das zeigt, dass der Platz voll belegt ist. Verrückt, das sind wir aus den USA nicht gewohnt. Scheinbar ist die Campingsaison hier definitiv schon gestartet. Naja, kein Problem, dann rollen wir doch die Plätze zum Freistehen an, die wir uns ausgeguckt hatten. Unser Weg führt an der Küste entlang, die teilweise mit schönsten Häusern an Klippen, Stränden oder auch dichter Bewaldung aufwartet.

    Noch vorm Sonnenuntergang erreichen wir den ausgeguckten Platz, der in der Beschreibung nicht zu viel versprochen hat. Wir stehen auf ca. 100 Meter über dem Meer an einem kleinen Trampelpfad. An einem Abhang unter uns ist eine große Fläche mit Schösslingen, dann schaut man auf Nadelbäume, die sofort am Meer stehen und durch unsere erhöhte Lage haben wir einen wundervollen Meerblick. Am Horizont sieht man die Berge der Olympic Halbinsel, auf der wir vor drei Tagen noch unterwegs waren. Der Stellplatz liegt gegenüber von unserem Spaziergang von vorgestern, an der „Devils Punchbowl“, nur halt auf der anderen Seite des Meeres in Kanada. Zwischen Vancouver Island und Washington ziehen Kreuzfahrtschiffe langsam ihre Bahnen und wir genießen die absolute Ruhe, die uns umgibt.

    Christian geht noch ein Ründchen mit Bella und ich mache uns einen Ramen zum Abendessen. Dazu gibt’s eine Folge Outlander und danach wird noch gelesen und gedaddelt. Auf Christians Empfehlung hin habe ich gestern mit der Buchreihe „Silo“ angefangen, nachdem ich meinen Abschiedsschmerz von meiner letzten Leseerfahrung überwunden habe 😉. Was ein schöner, voller, aufregender und toller Tag. Ist das Leben gut zu uns.
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  • Easy going

    19–20 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 12 °C

    Es ist Sonntag am Pfingstwochenende, von dem wir hier im Nirgendwo natürlich wenig merken. Wenn man es außerdem gewohnt ist, seit drei Monaten jeden Tag auszuschlafen, dann muss man nicht selten überlegen, welcher Tag denn genau gerade ist. Wenn also zum Einstieg eines Berichts steht, welcher Wochentag ist, dient das meist nicht nur eurer Orientierung, wie viele Tage zurück dieser Bericht entstanden ist, sondern ihr könnt auch davon ausgehen, dass ich am Anfang des Schreibens nachgeschaut habe, welcher Wochentag heute ist.

    Sonntag also… wir schlafen in echter Sonntagsmanier aus, ich lese noch ein wenig im Bett während Christian und Bella rechts und links von mir ein paar Schnarcherchen von sich geben. Als wir alle wach sind, beschließen wir, dass wir heute noch eine Nacht hierbleiben werden. Der Platz ist einfach super schön, die Aussicht atemberaubend und wir stehen hier komplett ungestört. Die Pause tut uns bestimmt gut und gerade nach dem Entdeckertag von gestern ist uns nach absolutem Nichtstun zumute. Ich hopse mit Bella aus Freddie zu einer Gassirunde, bei der ich die Aussichten auf die Umgebung genieße. Auf dem Rückweg sehen wir Christian in der Ferne mit unserer Bettdecke auf Freddie stehen und diese ausschütteln.

    Das Bett ist gemacht, als wir ankommen und wir hopsen in Freddie. Christian und ich genießen nach kurzer Zeit unseren Morgenkaffee und danach zeiht der Tag an uns vorbei, während Christian in Zelda versinkt und ich das erste Buch der Silo Reihe verschlinge. Zwischendurch gibt es ein Müsli zum Frühstück, dass Christian mit Bananenmilch vorbereitet hat. Abends mache ich einen leckeren griechischen Salat zu dem es gerösteten Toast gibt. Nachdem das Buch durchgelesen und Zelda durchgespielt ist, gönnen wir uns beim Essen eine Folge Outlander. Während Christian eine Abendrunde mit Bella geht, packe ich den Laptop aus und mache mich an die Schreiberei der Blogbeiträge der letzten Tage. Nach einem Tag Seele baumeln lassen, ist das genau das richtige, um die letzten zauberhaften und ereignisreichen Tage zu reflektieren.

    Gegen Mitternacht klappen wir die Laptops zu und ich verkrieche mich noch vor Christian in die Koje und schlummere dankbar für den Pausentag ein.
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  • Lake Cowichan

    20–21 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 17 °C

    Montag werden wir wieder recht spät wach. Es schleicht sich aktuell ein Tagesrhythmus ein, der ein bisschen nach hinten verschoben ist. Ein kleiner Teil von mir scheltet mich im Hinterkopf, dass wir dem Einschleifen dessen, spätestens ein paar Wochen vor dem Rückflug eventuell Einhalt gebieten sollten. Der wahrscheinlich sowieso schon herausfordernde Wiedereinstieg in den Alltag erscheint mir sonst noch unmöglicher. Glücklicherweise ist bis dahin noch ein wenig Zeit.

    Ich hopse wieder zur Morgenrunde mit Bella aus Freddie und bin dankbar, dass das Wetter sich heute wieder von seiner zwar kühlen, aber sonnigen Seite zeigt. Heute watschel‘ ich mit Bella in die andere Richtung los. Bei der Beschreibung des Stellplatzes stand in der App, dass es einen Abgang zum Meer geben soll, gestern Morgen habe ich mich aber in einer Sackgasse wieder gefunden. Gestern stand in einer der Wegbuchten in die Richtung, die ich heute einschlage, noch ein anderer Camper, der mit seinem Chihuahua unterwegs war. Ich wollte ihn bei einer kleinen Mittagsrunde am Vortag mit Bella nicht stören, daher war ich noch nicht am Ende dieser Wegmöglichkeit. Heute biegen wir um die zweite Kurve und ich sehe, dass vom Camper heute nichts mehr zu sehen ist. Ein paar Meter weiter sind wir am letzten Schlafplatz auf dieser Schotterpiste angekommen. Auch hier ist kein Trampelpfad zum Meer hinunter zu sehen, darauf achte ich aber erstmal nicht, weil ich total verwirrt davon bin, dass das Lagerfeuer noch lustig vor sich hin brennt. Kurz werde ich stutzig und überlege, ob der Mann mit Hund wohl nur kurz weg gefahren sein könnte, allerdings haben wir, seit wir wach sind, kein Auto Freddie passieren hören und die nächsten Häuser, geschweige denn ein Dorf, liege auch nicht gerade nebenan. Und zum Meer hinunter wird der gute Mann mit einem Auto ganz bestimmt nicht gefahren sein, da es keinen Weg gibt. Ich komme kopfschüttelnd zu dem Schluss, dass der Herr vielleicht das Feuer einfach hat ausbrennen lassen wollen. Sehr klug in einem Gebiet, in dem im Sommer Waldbrand keine unrealistische Gefahr ist. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit aktuell gering ist, man lässt doch nicht einfach ein Feuer brennen und fährt dann weg. Ich mache mich also zu Bellas Verwirrung daran, das Feuer mit Erde zuzuschütten, als mein Blick den Abhang hinunter auf eine blaue Tasche fällt. Kurz habe ich Sorge, dass der Mann vielleicht sogar seinen Hund dagelassen haben könnte. Als ich die Tasche hoch hebe, scheppert sie ordentlich. Nachdem ich sie geöffnet habe, finde ich eine kleine Pfanne, einen kleinen Topf (beides nach Benutzung mit ein bisschen Essensresten), eine Plastikbox und ein paar leere Bierdosen. Auch sehr klug Kochgeschirr mit Essensresten in einem Gebiet in dem Bären leben draußen stehen zu lassen. Ich kann die Unbedachtheit nicht fassen. Aber immerhin entpuppt sich die Pfanne als super Schaufel und ich grabe in der Erde und schütte weiter das Feuer zu. Als dieses aus ist, überlege ich nochmal kurz, ob der Typ eventuell doch noch zurückkommen könnte (das ich das Feuer aus gemacht hätte, fände ich auch dann nicht schlimm). Am Ende entscheide ich mich aber dafür auch die Tasche mitzunehmen, selbst wenn sie nur vergessen wurde, steht sie als Plastikmüll aktuell in der Natur rum.

    Wieder an Freddie, überlegt Christian laut, dass er schon glaubt, dass der Mann die Tasche einfach vergessen haben könnte, hätte das Feuer aber ebenfalls gelöscht. Wir beschließen die Tasche bei uns zu behalten und falls ein Auto zu dem Platz zurückfahren sollte, diese ja immer noch zurückgeben zu können. Uns beiden ist allerdings jetzt schon sehr klar, dass der Camper seine vergessene oder zurückgelassene Tasche nicht mehr abholen wird.

    Wir überlegen, ob wir heute noch eine Nacht bleiben wollen, entscheiden uns dann aber nach kurzer Zeit noch weiter zu düsen. Heute ist das Wetter schön und in uns beiden kribbelt ein bisschen Entdeckerlust in den Füßen. Auch wenn Vancouver Island „nur“ ungefähr 450 Kilometer lang und ca. 100 Kilometer breit ist, gibt es hier bestimmt unglaublich viel zu erkunden. Übrigens herrscht hier das mildeste Klima in ganz Kanada. Ein guter Ort für den Einstieg in unsere Kanada-Entdeckungsreise also. Heute geht es an der südlichen Küste über den Highway 14 Nordwärts. Unser Fahrerhäuschen ist gut mit Abfall befüllt, die blaue Tasche, eine Tüte Müll die ich gestern an unserem, zu Beginn noch recht vermülltem Platz, eingesammelt habe und unsere Abfälle, plus eine leere Gaskartusche sowie ein großer Milchkarton, runden unsere Sammlung ab. Nach nicht mal mehr 20 Minuten Fahrt ist ein Rastplatz ausgeschildert, den wir anfahren. Hier gibt es leere und große Mülltonnen. Wir verstehen nicht, wie man so sorglos mit der Umwelt umgehen kann, wenn es dann so leicht ist, Abfall loszuwerden. Ohne Abfall, mit geleerten Blasen und mit Neugier auf den Tag fahren wir weiter.

    Bis zum Lake Cowichan in der Mitte des Südzipfels Vancouver Islands, ist es eine gute Stunde Fahrt und dort wollen wir uns dann nach einem Stellplatz umschauen. Leider soll das Wetter morgen regnerisch werden und so überlegen wir, dass eine Nacht auf einem Campingplatz mit warmer Dusche ja schon recht verlockend ist. Wir passieren Port Renfrew und sind auf dem Weg begeistert von der Schönheit dieses Fleckchens Erde. Die Straßen sind zwar nicht in dem besten Zustand, aber mit Aussicht auf Wald, Meer, Flüsse und Berge lässt sich diese Kleinigkeit doch gut ertragen. Als wir an einer Mini-Tankstelle vorbei kommen, lassen wir uns vom Besitzer den Tank auffüllen und können sofort bei ihm mit Karte zahlen, ganz schön praktisch, aber auch irgendwie befremdlich.

    Auf dem weiteren Weg hören wir Hörbuch und staunen über die Natur. Wir passieren ein paar Plätze, die bei IOverlander als Übernachtungsplätze ausgewiesen sind. Diese sehen oft schön aus, sind aber ebenfalls sehr vermüllt. Mich macht das ganze Thema neben der Fassungslosigkeit auch einfach zum Teil sprachlos. Wie kann man so rücksichtslos und egoistisch mit so einem wunderschönen Fleckchen Erde umgehen. Ein Teil von mir „hofft“, dass es vielleicht daran liegt, dass hier viele amerikanische Touristen unterwegs sind und das es im Landesinneren von Kanada eventuell besser werden wird. Abgesehen von diesem Frust-Thema ist die Natur hier aber wirklich atemberaubend. Die Flüsse und reißenden Bäche sind super klar, man kann den Boden sehen, der Wald ist immer noch gemäßigter Regenwald und demnach wahnsinnig dicht und auf der Straße sind wir fast allein unterwegs. Das Hörbuch unterhält uns und so vergeht die Fahrtzeit bis zum Städtchen Lake Cowichan wie im Flug.

    Hier angekommen gönnen wir uns ein seeeeehr sehr spätes Frühstück. Mittlerweile ist 16 Uhr und so entscheide wir uns dazu das Frühstück zum Mittagessen werden zu lassen. Wir gehen ins „The Cow“, hier kann Bella mit und wir sitzen gemütlich auf der Terrasse. Es gibt für uns beide ein köstliches Steak mit perfekten Pommes, Gravy und leckerstem Gemüse. Es schmeckt hervorragend. Während wir gewartet haben, hat Christian einen Campingplatz in der Nähe gefunden, der scheinbar noch ordentlich Kapazitäten hat und sofort m See gelegen ist. Den werden wir später anfahren. Auf dem Weg zurück zu Freddie gönnen wir uns noch ein Eis und kommen mit zwei älteren Damen ins Gespräch die vor der Eisdiele sitzen und an meinem Akzent erraten haben, dass wir aus Deutschland kommen. Ich fühle mich fast ein wenig ertappt und gestehe, dass ich immer hoffe, dass man mir das nicht zu deutlich anhört. Wir quatschen bestimmt eine halbe Stunde mit den beiden, die ganz begeistert von unserer Reise sind und uns ein paar Tipps für die Insel geben. Als wir über den Abfall reden, lachen die beiden leider über unsere Theorie der müllverteilenden Amerikaner und sagen, dass das leider auch hier ein großes Problem ist. Sie berichten, dass es für manche – vermutlich schlecht erzogene – Menschen vollkommen normal sei, auch mitten in Gesprächen ihren Müll einfach auf den Boden zu schmeißen. Spricht man das Verhalten an, trifft man auch in seltenen Fällen auf Reue oder Verständnis. Verrückt und schade.

    Nach dem schönen Schnack, fahren wir zur Lakeview Park Campsite und checken für zwei Nächte ein. Wir finden einen wunderschönen Platz in einer versteckten Nische mit Blick durch Bäume auf Wasser, wir haben die freie Wahl und viel ist nicht los. Ich checke uns im Office noch ein und dann geht es für mich Duschen und der gemütliche Abend wird, nachdem Christian noch eine Runde mit Bella und dann auch duschen war, eingeleitet.
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  • Im Bauch von Freddie

    21–23 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 12 °C

    Die Dusche am Abend hat gut getan und vermutlich haben wir deswegen auch nochmal eine Spur besser geschlafen als sonst. Wir schütteln beide mit dem Kopf, als wir beim Blick auf die Uhr feststellen, dass es selbst für unsere Verhältnisse schon sehr spät ist. Aber gut, wir haben auch keinen Versuch unternommen etwas anders zu machen.

    Wir kommen schnell überein, dass wir den Tag auch weiterhin einfach sehr, sehr entspannt angehen werden. Während Hanna in der Welt von Hugh Howey’s Silo eintaucht, schnappe ich mir meinen Laptop, erledige etwas für meine Kollegen, sortiere zwischendrin Fotos, recherchiere über Kanada und spiele noch ein paar Spiele aus meiner Kindheit auf dem GameBoy an.

    Es regnet weniger viel als erwartet und wir bekommen davon nochmal etwas weniger ab, weil wir einigermaßen geschützt unter den Bäumen stehen. Die Temperatur hält sich den Tag knapp unter 20 °C und wir entscheiden uns für Porridge zum Frühstück.
    Beim Frühstücken habe ich dann endlich mein Lieblingsspiel der Jugend (natürlich Zelda) auf dem Handheld ans Laufen bekommen. Allerdings hat der GameBoy nicht genug Knöpfe und das Ganze ist dann mehr eine Fallstudio als Bereicherung. Ich verliere mich also erstmal im Internet und stoße dann auf ein Projekt, mit dem es möglich ist, den besagten Klassiker auf einer Nintendo Switch ans Laufen zu bekommen (die technischen Details lasse ich mal außen vor).

    Nachdem Hanna das Abendessen vorbereitet hat und die Runde mit Bella dreht, komme ich auch langsam zum Ende mit meinem Tagewerk, schicke die Daten in die Cloud und mache schonmal den Abwasch. Das Backen des Auflaufs sorgt dann auch für eine angenehme Wärme in Freddie, zumindest bis wir mit dem Verputzen des Essens fertig sind. Wir schalten für ein Stündchen die Standheizung dazu, machen es uns dann noch gemütlich und lassen den Abend ausklingen.

    Am Mittwochmorgen entscheiden wir uns dann dafür, hier noch einen weiteren Tag zu bleiben. Die Wettervorhersage für Morgen ist wesentlich besser und uns hetzt ja keiner. So wird dieser Tag dann eine noch entspanntere Fortsetzung des gestrigen Tages. Hanna ist heute mal nicht im Kindle versunken, sondern verschlingt die neue Staffel von Bridgerton. Mein Fokus liegt in der Zwischenzeit erstmal auf dem GameBoy (anderes Betriebssystem) und später auf der Nintendo Switch – Nerdkram halt. Am Ende des Tages bin ich sehr zufrieden. Der GameBoy läuft etwas stabiler und ich kann direkt per WLAN drauf zugreifen. Den in Deutschland gelassenen „Programmieradapter“ für die Switch kann ich durch meinen Laptop ersetzen – nachdem ich vorher ein paar Kontakte mit Alufolie kurzgeschlossen habe.

    Alles in allem zwei Tage die wir in dieser Form auch zuhause hätten verbringen können. Das Wissen einigermaßen im Nirgendwo, aber vor allem weit, weit weg vom Alltag zu stehen, lässt solche Tage dann aber einfach besonders werden.

    Zum Abendessen gibt es Nudeln mit einer großartigen Tomatensauce und dazu den Rest der Flasche Pinot Noir. Satt, glücklich und zufrieden geht es dann gegen Mitternacht ins Bett.
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  • Auf nach Nanaimo

    23–24 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute, am Donnerstag (ja natürlich habe ich gerade im Kalender nachgeschaut, welcher Tag ist 😉), haben wir nach zwei Tagen Entspannung wieder richtig Lust uns in einen Entdeckertag zu stürzen. Vor der Entdeckerphase heißt es aber erstmal in den Tag starten. Wir stehen etwas früher auf, denn die Zeit zum Ausschecken ist um 11 Uhr. Für uns aktuell eher die Zeit, in der wir entspannt unseren Morgenkaffee schlürfen. So packe ich aber als aller erstes meine Duschtasche, während Christian sich um Freddie kümmert. Duschen nehmen wir auf Campingplätzen immer nochmal kurz vor der Abfahrt gernstens mit, denn wer weiß wo die nächste warme oder gar heiße Duschgelegenheit auf uns warten wird.

    Dadurch, dass wir uns wirklich recht früh aus den Federn gepellt haben, können wir trotzdem nach meiner Rückkehr an Freddie noch entspannt Kaffee trinken. In dem Falle fängt der frühe Vogel tatsächlich den Wurm. Ich genieße den Kaffee draußen, während ich mit Emma, Moritz, Jenny und Marc mal wieder per Videochat schnacke, meine nassen Haare entknote und Bella neben mir die Sonnenstrahlen genießt, die durch das Blätterdach dringen. Während meiner Schnack- und Kaffeezeit geht Christian noch zur Dusche. Als wir noch eine halbe Stunde bis zur Abfahrt haben, drehe ich eine Runde mit Bella und Christian kümmert sich darum, dass unsere Wasservorräte wieder voll aufgefüllt sind.

    Ziemlich pünktlich geht es dann auf die Piste. Wir sind dankbar für dieses wundervolle Plätzchen Erde, das uns (obwohl es ein Campground war) warme Duschen beim Regen bereitgehalten hat und ein zauberhaft verwinkelter Rückzugsort für die letzten zwei Tage war. Für uns geht es nun weiter in Richtung Nanaimo, einer Hafenstadt im Osten Vancouver Islands. Hier möchten wir einen kleinen Stopp machen und uns danach noch ein wenig weiter auf den Weg zur Inselerkundung machen. Wir haben einen Weg ausgesucht, der nicht über den gut in Stand gehaltenen Highway führt, sondern ein wenig durch die Karpaten führt. Nach einer halben Stunde über diese Huckelpiste durch wunderschöne Natur stoppen wir jedoch an einem handgeschriebenen Schild, das sehr deutlich statuiert, dass über den Weg keine Durchfahrt nach Nanaimo besteht. Christian bemüht kurz seine Lieblings-Info-App was solche Ungereimtheiten und allgemeine Tipps angeht (Reddit) und stößt auf die Information, dass die auf Maps angezeigte Durchfahrt durch Tore auf Privatland tatsächlich versperrt ist. Wir sind dem Schreiber des Plakats sehr dankbar, dass wir nicht erst noch eine Zeitlang bis zu besagten Toren gefahren sind, sondern sofort hier umkehren, weil wir die Info früh genug lesen konnten. Dann also doch in Richtung Highway. Trotzdem sind wir zufrieden hier über diese verlassene Straße gefahren zu sein. Immer wieder hat sich uns ein Blick auf den Lake Cowichan, andere Seen und Flüsse geboten. Die Landschaft ist im Allgemeinen sehr märchenhaft und auch die kleinen Siedlungen, die wir durchfahren sind bunt, schön und richtiggehend gemütlich angelegt.

    Angekommen in der kleinen Hafenstadt Nanaimo fahren wir erstmal durch ziemlich viele Baustellen, scheinbar wird hier einiges an Fahrbahn erneuert, bevor die Touristensaison wieder richtig Fahrt aufnimmt. Wir parken an einem Einkaufszentrum und machen uns von dort aus zu Fuß auf eine kleine Erkundungstour auf. Das Städtchen riecht durch die Bauarbeiten in weiten Teilen ordentlich nach frischem Teer, ein paar Meter abseits der Haupt- Durchgangsstraße finden wir aber ein paar kleine gemütliche Gässchen, die von Restaurants, Bars und schönen Häuschen gesäumt sind. Wir machen Halt im „The Modern Café“ und setzen uns in die Sonne, so dass Bella es sich neben uns gemütlich machen kann. Es gibt als Snack einen Thai-Nudel-Salat, gebratenen Rosenkohl mit karamellisierten Pekannüssen und ein Flatbread mit Pilzen (ähnlich wie ein kleiner Flammkuchen). Außerdem hat sich Christian die „Cheesecake Nanaimo Bar“ als Nachtisch gegönnt. Nanaimo Bar ist scheinbar eine, in Kanada recht bekannte, Leckerei. Normalerweise besteht sie aus einer „Schoko-Waffel-Nuss-Schicht“ einer Puddingschicht und wird getoppt mit einer Schokoladen Ganache. Mal schauen, ob wir zum Vergleich irgendwo außerhalb von Nanaimo diesen „Riegel“ nochmal ausprobieren werden. Abgewandelt mit Käsekuchenschicht war sie jedenfalls genau Christians Kragenweite. Nach diesem köstlichen Zwischenstopp trudeln wir über die Hafengegend wieder zurück zu Freddie und machen uns dann auf in Richtung eines Walmarts, um unsere Vorräte aufzufüllen. Unsere Frischeabteilung haben wir in den letzten Tagen wieder ordentlich geplündert. Wir vergleichen ein wenig das Angebot der Walmarts in den USA mit dem hiesigen und sind zufrieden, dass wir Grundlagen wie Essig, Öl, Joghurt und solche Dinge hier nach wie vor in perfekten Vanlife Größen finden. Demnächst geht es dann daran, die kanadischen Supermärkte vom Angebot her ein wenig zu vergleichen. Vorerst haben wir aber für die nächsten Tage bzw. die nächste Woche erstmal alles, was wir benötigen.

    Nach unserem Abstecher nach Nanaimo, dem Herumbummeln, Einkaufen und Verräumen machen wir uns mit einer flüssigen Leckerei von Starbucks um kurz vor 18 Uhr nochmal auf den Weg. Zuerst wollten wir in Richtung Tofino gen Westen Vancouver Islands fahren und irgendwo auf dem Weg in der Natur einen Platz finden. Nach Tofino, einer heiß begehrten Surfer Region Vancouver Islands, und die gleichnamige kleinen Stadt, führt eine Stichstraße gen Westen. Nach einem Blick auf die Wettervorhersage entscheiden wir uns dann aber für eine Route Richtung Norden, da dort das Wetter die nächsten Tage besser sein soll. Christian hat schon einen Spot im Blick und gibt die Koordinaten in Maps ein und so rollen wir los. Nach einiger Zeit auf der Straße zoomt er ein bisschen raus und merkt, dass der Platz, den wir anfahren doch zufälliger Weise an der Stichstraße liegt, die mitten über die Insel in Richtung Tofino und Schlecht Wetterfront liegt. Nochmal umkehren macht nun auch keinen Sinn mehr und ein bisschen Regen können wir und Freddie bestimmt auch ab. Also halten wir weiter in diese Richtung und lauschen derweil dem Hörbuch.

    Ich bin die meiste Zeit einfach total baff von dieser gigantischen Kulisse. Bergketten, bewachsen von Wald und mit immer noch weißen Spitzen, ragen in den Himmel. Die Wolken hüllen diese zum Teil in mystische Schwaden und neben uns gibt ein reißender Fluss dem nächsten die Klinke in die Hand. Wir teilen uns die Straße mit ein paar wenigen Autos und Wohnmobilen, die meiste Zeit rollen wir aber für uns gemächlich dahin. Gegen 20 Uhr kommen wir an dem ausgeguckten Stellplatz an und sind glücklich diesen ungeplanten Weg bis hierher gekommen zu sein. Auf uns wartet ein breiter Fluss mit Mini-Wasserfall, einer Feuerstelle und außerdem ist der Platz sehr gerade, so dass wir nicht Mals mehr Keile zum Ausrichten benötigen. Christian macht sich mit Bella zu einer Erkundungstour auf, aber nicht bevor er nicht seine nackten Füße und seinen frisch rasierten Kopf einmal in den Fluss gehalten hat.

    Nach der Rückkehr der beiden Entdecker gibt es lecker Käsebrot mit Ei und Tomate und dazu eine Folge Outlander. Der Abend plätschert langsam dahin und wir schlafen mit Wasserrauschen im Ohr ein.  
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  • Die Seele bi-ba-baumelt

    24–25 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 10 °C

    Der Freitag startet gemächlich und Christian hopst heute Morgen mit Bella vor die Tür zu einer Gassirunde. Ich mache derweil Freddie tagesfein, bereite Kaffee vor und genieße die Aussicht. Während ich die Tür zu Freddie aufhabe, spaziert ein Fischer an Freddie vorbei zum Fluss und fragt mich, ob es mich störe, wenn er hier ein bisschen angelt. Ich verneine und schaue gebannt zu, wie er, bestückt mit Angel, Käscher und einem kleinen Rucksack, in den Fluss watet und seine Angel ein paar Mal gekonnt auswirft. Beim vierten Auswerfen biegt sich die Angel bereits und der Fischer lockert seinen Käscher. Nach ein paar geduldigen Versuchen schwimmt der Fisch, der Unterarm lang ist, in den Käscher. Der Angler hält diesen die ganze Zeit im Wasser und entfernt geduldig und mit ein paar beruhigenden Worten seinen Haken aus dem Maul des Fisches und lässt diesen wieder frei. Ich sage, dass das ja ganz schön schnell ging und er antwortet, dass das wirklich ein schöner Fisch gewesen sei. Dadurch, dass er keinen Eimer oder ähnliches Equipment dabei hat, um gefangene Fische nach Hause zu transportieren, gehe ich davon aus, dass er auch weitere Fische wieder frei lassen wird und den Tag über eventuell unterwegs ist, um seine Anglerskills zu verbessern. Ich führe mit dem Mann einen kleinen Plausch über unsere Reise und er berichtet, dass er das erste Mal hier an diesem Fluss angele. Nachdem er uns eine weitere schöne Reise gewünscht hat, stapft er weiter Flussabwärts und wirft die Angel immer wieder aus. Spannend zu sehen. Als Christian wieder kommt ist er ganz traurig bei der Begegnung nicht hier gewesen zu sein. Ein großer Wunsch ist ein Angelkurs und das Beschaffen einer Ausrüstung, um im restlichen Verlauf der Reise eventuell auch seinen ersten Fisch zu fangen und diesen dann zuzubereiten. Mal schauen, was die Zeit noch so für uns bereithalten wird.

    Daher dass es heute immer wieder zwischendurch regnen soll, beschließen wir noch eine Nacht hier zu bleiben und den Tag mit Seele baumeln lassen zu verbummeln. Ein guter Plan wie ich finde. Ich versinke an dem Tag im zweiten Buch der Silo Reihe und Christian wuselt an seinem Laptop vor sich hin. Zum Frühstück gibt es eine Portion Porridge mit Erdbeeren, Heidelbeeren und Banane. Natürlich getoppt mit Erdnussbutter, Joghurt und Nüssen. Yummi. Es ist immer herrlich nach einem Einkauf so viele frische Sachen an Bord zu haben. Zwischendurch gibt es auch immer wieder ein paar saure „Gummi-Schnuller und Gummibärchen“, die als kleiner Schmackofatz ihren Weg in den gestrigen Einkaufswagen gefunden haben. Als Christian am Nachmittag die Tür von Freddie öffnet, um ein wenig frische Luft hereinzulassen, höre ich von der Tür aus nur ein „Adler!“ und wurschtel mich schnell vom Bett herunter. Tatsächlich kreist nicht weit über Freddie der erste Weißkopfseeadler, den wir in freier Wildbahn sehen dürfen. Wahnsinn! Diese Tiere haben eine Flügelspannweite von bis zu 2,3 Metern und sehen wirklich majestätisch aus. In dem Moment möchte ich diesen seltenen Anblick einfach nur genießen und denke gar nicht an meine Kamera, genauso wenig, wie Christian. Vielleicht haben wir ja in Zukunft auch nochmal das Glück einen zu sichten. In Nordamerika, Alaska und weiten Teilen Kanadas sind diese Könige der Luft noch anzutreffen.

    Der restliche Tag plätschert dahin und da Christian keine Lust hat zu kochen, macht er sich heute nach der Morgenrunde auch am Abend mit Bella auf, während ich unsere letzten Weintrauben mit all den anderen notwendigen Zutaten zu einem Bergkäsesalat verarbeite. Wir schnabulieren die Köstlichkeit zu einer Folge Outlander und lassen diesen herrlich entspannten Tag so ruhig wie er angefangen hat auch ausklingen.  
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  • Das Beste kommt am Ende (des Tages)

    25–26 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 11 °C

    Auch wenn wir den neuen Tag gerne noch nutzen würden, um die Seele baumeln zu lassen, richten wir uns nach dem Aufwachen sehr schnell nach der aktualisierten Wettervorhersage. Für unser Gebiet wird für den Tag doch kein Regen mehr erwartet. Während Hanna trockenen Fußes mit Bella die Waldstraße entlang stampft, säubere ich erstmal Freddie. Der Dreck, den wir sonst nach Gassigängen in unsere große Wohnung zuhause schleppen, verteilt sich hier halt auf viel weniger Fläche.
    Zwischendurch blitzt hinter den Wolken die Sonne hervor, sodass es sich während des Kaffeekochens auch gut bei offener Tür aushalten lässt. Ich kann währenddessen zwei Angler beobachten, die in voller Montur über die Kiesbank in der Mitte schlendern, immer wieder die Angel auswerfen und dabei ganz entspannt an ihrem Joint ziehen. Auch eine Art, sich den Samstagvormittag selig zu vertreiben.

    Nachdem der Kaffee getrunken ist und wir alle abfahrbereit sind, geht es schnell wieder zurück zum Highway. Den wenigen Müll entsorgen wir in den großen Mülleimern am Rastplatz. Selbst hier ab vom Schuss gibt es Mülleimer in allen Farben zum Recyceln. Nach einer Woche in Kanada fallen uns immer mehr solcher kleinen, aber feinen Unterschiede auf. Das Thema Müll in der Wildnis ist hier stärker ausgeprägt als zuletzt in den USA. Aber das lässt sich nicht an einer einzelnen Nationalität festmachen. Egal in welchem der von uns bisher bereisten Länder, überall dort, wo Menschen waren, findet sich Müll in der Natur. Dafür wird hier in Kanada wesentlich mehr für die Nachhaltigkeit und den Verzicht auf Plastik getan. Ob es nur die aufgestellten Recyclingtonnen sind oder die Verwendung von Pappgeschirr anstelle von Plastik.

    Die Straße in Richtung des Pazifiks schlängelt sich entlang eines Flusses – immer wieder können wir einen Blick auf das kristallklare Wasser werfen. An einzelnen Stellen gibt es immer wieder kurze Haltemöglichkeiten, sei es um kleine Stromschnellen, Wasserfälle oder Gedächtnisstätten der First Nations zu besuchen. Diese umfassen über 600 verschiedene indigene Völker in Kanada. Wir entscheiden uns, auf dem Rückweg (die Straße in Richtung des Pazifiks ist eine Sackgasse) an der einen oder anderen Stelle zu halten. Wir passieren die West Coast Wild Zipline. Normalerweise stehe ich dem Preis-Leistungs-Verhältnis immer etwas kritisch gegenüber, aber hier sind im Preis von ca. 90€ insgesamt sechs Seilrutschen enthalten, die durch unterschiedliche Gebiete führen. Vielleicht nehmen wir das Spektakel an einem der nächsten Tage noch mit.

    Auf dem Weg nach Tofino passieren wir das Pacific Rim National Park Reserve, welches sich auf verschiedene Gebiete entlang der Küste verteilt. Es ist der Nationalpark mit den drittmeisten Besuchern in Kanada, die sich hauptsächlich auf die Sommermonate verteilen. Wir sind beide ziemlich überrascht von den vielen Touristen und Wohnmobilen, die sich hier in der Ecke tummeln. Damit haben wir nicht gerechnet, aber es verteilt sich doch sehr gut.
    In Tofino angekommen, parken wir am Ortsrand und spazieren los. Die kleine Einkaufsmeile ist gesäumt von ein paar Restaurants, und auf einer kleinen Grünfläche findet gerade ein esoterisch angehauchter Kunstmarkt statt. Neben schönen Bildern gibt es dort auch kleine Holzschnitzereien, Schmuck und Senf nach Art von Todd’s Grandma zu kaufen. Es ist eine gemütliche Atmosphäre, die uns wenig später aber auch wieder zurück auf die Straße spült. Das Örtchen ist sehr klein und so sind wir nach nicht mal 2 Kilometern schon wieder an Freddie. Aus dem Augenwinkel entdecken wir ein kleines Café auf der anderen Straßenseite. Wir setzen uns nach draußen in die Sonne, und nach einer kurzen Wartezeit kommen wir in den Genuss von Kaffeespezialitäten und leckeren Humus- und Käsebroten.

    Wir machen uns auf den Weg zum Nationalpark und wollen dort zwei kleine Rundwege entlang des Regenwaldes erkunden. Am Parkplatz angekommen, durchsuchen wir aber erstmal eine Viertelstunde unser Auto, ohne Erfolg. Wir haben es geschafft, den Nationalparkpass, den uns die Kongs vermacht haben, zu verbummeln. Auch heute, einen Tag später, haben wir das Papier noch nicht finden können. Gerade als ich die Kreditkarte in den Automaten stecken möchte, um einen entsprechenden Tagesausweis zu kaufen, bietet mir eine deutsche Touristin ihren Ausweis verbilligt an und ich nehme das Angebot gerne an.

    Als wir uns auf den Weg zum ersten Rundweg machen, werden wir aber von einer Parkrangerin darauf aufmerksam gemacht, dass kurz vorher ein Puma in dem Gebiet gesichtet wurde und dieser Trail fürs Erste gesperrt ist. So fangen wir dann mit dem anderen Rundweg an.

    Dieser führt knapp zwei Kilometer durch den dicht bewachsenen Regenwald. Die Besonderheit hier: der komplette Weg führt über Planken, sodass wir zu keinem Zeitpunkt den Waldboden betreten. Informationstafeln entlang des Rundweges geben Einblick in die Geschichte der Umgebung und des Regenwaldes im Speziellen. In dem auf den ersten Blick stark von Zerfall geprägten Wald lassen sich dann aber unglaublich viele Details ausmachen. Wir schaffen es beide (Bella auf ihre Art), in diese surreale Welt einzutauchen. Nach einem Großteil des Weges kommen wir ins Gespräch mit einem älteren Ehepaar, die im Jahr von Hannas Geburt von der Schweiz nach Kanada ausgewandert sind. Während wir andächtig lauschen, merken wir an der Art und Weise, wie sie von diesem Land berichten, dass sie die Entscheidung zu keinem Zeitpunkt bereuen.

    Am Parkplatz angekommen, lernen wir, dass es dieses Jahr auf Vancouver Island feuchter und kälter als in den letzten Jahren ist. Wir sind aber auch um ein paar Reisetipps reicher bzw. haben ein paar unserer Ideen bestätigt bekommen. Da der erste Rundweg immer noch gesperrt ist, verabschieden wir uns. Für uns drei geht es weiter nach Ucluelet.

    Wir fahren zuerst durch den Ort, der etwas größer als Tofino zu sein scheint. Die geschulten Augen machen direkt ein Fish & Chips Restaurant aus, das wir uns für später merken. Wir steuern den Parkplatz in der Nähe des Leuchtturms an und spazieren wieder los. Dieser Rundweg führt uns direkt an die zerklüftete Küste und wir genießen den Blick auf das raue Meer. In unmittelbarer Nähe sind kleine, bewachsene Felsen im Meer auszumachen. Wir passieren den Leuchtturm, der eher wie ein kleines Türmchen aussieht. Nach ein paar weiteren Aussichtspunkten führt der Weg zurück in den Wald. Bei diesem handelt es sich auch um einen Regenwald und wir staunen, wie sehr er sich dann doch von dem anderen unterscheidet.

    Zurück am Parkplatz angekommen, machen wir uns auf den Weg zu Jiggers, dem Restaurant. Wir bestellen eine dreiteilige Portion Fish & Chips, wobei wir hier natürlich das Upgrade auf Poutine dazu bestellen. Die Restaurantküche ist dabei in einem Foodtruck untergebracht und wir setzen uns in den windgeschützten Innenbereich. Wenig später bekommen wir die „übersichtliche“ Portion geliefert und mampfen fröhlich drauf los. Der Fisch ist richtig gut und kommt dem nahe, den wir vor zwei Jahren an der Ostküste Schottlands gegessen haben – aber auch nur fast.

    Gesättigt machen wir uns auf den Weg zu unserem Stellplatz. Hier in der Gegend haben es die Touristen mit dem Übernachten oder eher mit dem Entsorgen von Müll in der Natur in den letzten Jahren wohl übertrieben, sodass es hier keine offiziellen Stellplätze in der Wildnis mehr gibt. Den Campingplätzen in Tofino bzw. Ucluelet merkt man die touristische Lage dann auch anhand der Preise an, sodass wir uns für eine Rückkehr zu unserem Stellplatz der letzten Nächte entscheiden.

    Es geht also entlang des Highways zurück, und zu dieser Stunde sind mit uns auch kaum Fahrzeuge unterwegs, sodass es ein ganz entspanntes Fahren wird. Als wir die Einfahrt zur Zipline passieren, nehme ich aus dem Augenwinkel etwas wahr, und es braucht hundert Meter, bis ich mir sicher bin. Während ich bremse, schaue ich Hanna an, sage nur grinsend „Kamera“ und wende Freddie.

    Wir biegen in Richtung der Zipline ab und halten an der verschlossenen Schranke, knapp hundert Meter vom Highway entfernt. In vielleicht zwanzig Metern, etwas verdeckt von den Büschen, verdingt sich gerade ein Schwarzbär. Anders als noch im Yosemite Nationalpark müssen wir hier nicht lange überlegen, die Fellfarbe ist eindeutig. Von unserer Anwesenheit nimmt der Bär mit einem Blick Kenntnis, lässt sich aber ansonsten nicht stören. Während wir zunächst den Anblick genießen, versucht Hanna den Augenblick auch auf einem Foto festzuhalten.
    Ich schaue aus dem Fenster auf der Fahrerseite und nachdem ich mir sicher bin, keine anderen Bären in der Nähe zu sehen, klettere ich direkt vom Fahrersitz auf unsere Terrasse (es ist definitiv Zeit, dass ich wieder mit dem Bouldern beginne) und lasse mir die Kamera geben. Aus der leicht erhöhten Perspektive habe ich einen etwas besseren Blick auf den Bären, dieser hält seinen felligen Kopf aber mit einer beeindruckenden Beharrlichkeit aus meinem Sichtfeld. Wir lassen das Schauspiel eine gute Viertelstunde auf uns wirken und ja, wir grinsen dabei wie zwei kleine Schulkinder.

    Nachdem wir uns wieder auf den Weg gemacht haben, stellen wir fest, dass wir sehr froh darüber sind, eine solche Sichtung aus unserer Blechfestung gemacht zu haben. Einen Bären auf einer der Gassirunden in unmittelbarer Nähe zu sichten, wäre vermutlich auch ein Erlebnis, das es im Nachgang nötig machen würde, frische Unterwäsche anzuziehen. Auf dem Weg zurück zu unserem Stellplatz biegen wir noch einmal vom Highway ab und stoppen auf einem Waldweg, der langsam zuwuchert. Hier können wir zu einem kleinen Wasserfall hinabklettern und schlendern beide ganz andächtig auf den zum Großteil flachen Felsen entlang. Wir nutzen die Zeit, um all die Eindrücke des Tages wirken zu lassen und überlegen, ob wir die Nacht nicht hier verbringen möchten. Möglich wäre es, aber wir haben dann doch ein wenig Sehnsucht nach unserem Platz, dort haben wir einfach die perfekte Aussicht auf den Fluss direkt vor unserer Nase.

    Wir verlassen die kleine Ausbuchtung im Wald und sehen in der nächsten Ausbuchtung freundlich grüßende Gesichter, deren Freude im Gesicht noch etwas größer wird, als sie unser Kennzeichen entdecken. Das Dreiergrüppchen ist auch schon seit einiger Zeit unterwegs; die Zeit auf Vancouver Island neigt sich aber langsam dem Ende. Oliver hat seine Freundin Jana für vier Wochen besucht. Sie hat hier bereits ein Jahr mit Work & Travel verbracht und will nun erst einmal der Arbeit den Rücken kehren und sich für die nächste Zeit auf das Reisen konzentrieren. Wie gut wir das verstehen können…!

    Um kurz vor acht rollen wir wieder auf unseren Stellplatz und freuen uns sehr, dass sich kein anderer Abenteurer auf diesen verirrt hat. Zum Abschluss des Tages laufen wir noch einmal gemeinsam den Waldweg entlang und ich zeige Hanna einen der anderen Stellplätze. Dieser liegt auch direkt am Fluss und ist durch ein paar Bäume gut vor der Sonne geschützt. Da sich diese hier am Platz aber hinter einem dicken Wolkenkleid versteckt und für den morgigen Tag auf der gesamten Insel Dauerregen angesagt ist, wollen wir auch nicht umparken. Wir sind beide sauer, dass auch an diesem Platz Müll liegt – vor allem, weil es neuer Müll ist, der vorgestern noch nicht da war. Auf dem Weg zurück zu Freddie können wir uns nicht recht entscheiden, ob wir bei der nächsten Runde mit Bella nicht einfach eine Mülltüte mitnehmen sollen oder nicht.

    In Freddie kuscheln wir uns ins Bett und schauen noch etwas Outlander, während wir in der Dämmerung immer wieder aus dem Fenster schauen, ob nicht zufällig noch ein Bär an Freddie vorbeiläuft.
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  • It's raining

    26–27 mei 2024, Canada ⋅ 🌫 10 °C

    Schade, die Wettervorhersage hat Wort gehalten und so werde ich das erste Mal um halb sechs in der Früh vom Trommeln des Regens auf den Dachluken wach. Nach ein paar kurzen Wälzern finde ich aber nochmal für knapp drei Stunden den Weg zurück in den Schlaf.

    Gestern Abend habe ich noch eine Anfrage an das Fährunternehmen gestellt, das die Insel und das Festland verbindet, aber der Blick in das E-Mail-Postfach offenbart die Nachricht, dass selbst die Warteliste für eine Fährfahrt vom Norden der Insel in Richtung des Ortes Bella Coola vollkommen ausgelastet sei. Die nächste reguläre Verbindung ist erst Ende Juni möglich, sodass wir hier nochmal an den Reiseplänen feilen müssen.

    Hanna und Bella machen sich auf, tapfer durch den Regen zu laufen, während ich mich um Kaffee und zusätzlich um Tee kümmere. Nachdem beide eine gute Stunde später wieder patschnass zurückkehren, wird Bella abgetrocknet und in ihren Mantel verpackt. Die Standheizung sorgt dann für ein schnelles Trocknen der Klamotten, während ich die grobe Route für die nächsten Tage raussuche und den ersten Bericht schreibe.

    Beim warmen Ramen zum Frühstück schauen wir zwei Folgen Outlander. Die Serie holt gerade in großen Schritten zum aktuellen Stand des Hörbuchs auf und wir haben beide Freude daran, vor kurzem Gehörtes nochmal auf dem Bildschirm zu sehen.

    Den Tag über beobachten wir, wie der Pegel des Flusses langsam, aber kontinuierlich steigt. Drei Steine, die unterschiedlich knapp aus dem Wasser ragen, sind dafür ein guter Indikator.

    Am späten Nachmittag setzen wir dann das Schreiben der Berichte, das Bearbeiten der Fotos und all die Kleinigkeiten fort, die im Alltag im Camper so anfallen. In einer kurzen Regenpause spaziere ich mit Bella nochmal den Waldweg entlang. Von Bären oder anderem Getier weit und breit keine Spur. Vermutlich sind sie alle in der jeweiligen Höhle und warten wie wir auf besseres Wetter.

    Zu Abend versuchen wir uns an Tortillas aus dem Sandwich-Toaster und lassen hier einfach die Bilder sprechen. Mit dem letzten Rest Tageslicht sehen wir, dass von den drei Steinen nur noch einer aus dem Wasser schaut.
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  • Ab durch die Mitte

    27–28 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 10 °C

    Wir wachen zum ersten Mal auf unserer Reise den vierten Tag in Folge am gleichen Ort auf. Das fühlt sich ja schon fast wie zu Hause an, hier 😉. Über Nacht hat sich der Flusspegel wieder ein wenig beruhigt, mittlerweile schaut auch schon wieder der zweite Stein der gestern versunkenen Steingruppe aus dem Wasser. Aktuell regnet es nicht, und ich nutze die Gunst der Stunde, um mich mit Bella an die frische Luft zu wagen. Christian macht währenddessen mal wieder Freddie startklar für den Tag, lüftet durch, kocht Kaffee und kümmert sich wahrscheinlich parallel noch um tausend andere Kleinigkeiten.

    Bella und ich schlendern derweil die uns schon bekannte Strecke am Fluss entlang. Heute holpert uns auch kein Auto über den Weg, und wir genießen die frische Luft und die mystische Stimmung der wolkenverhangenen, waldbewachsenen Berge um uns herum. Mittlerweile packe ich ziemlich automatisch immer Bellas Gassitäschchen, statt nur ein paar Beutel ein. Hier passt nämlich perfekt unser Bärenspray rein. Ein eigenartiges Gefühl, mit einer Pfefferspray-Art unterwegs zu sein und sich auch nur vorzustellen, dass einem durchaus ein Schwarzbär oder ein Puma über den Weg laufen könnten, für die man dann aktiv dieses Spray benutzen sollte 😂. Bei den Platzbeschreibungen berichten Einzelpersonen häufig über solche Sichtungen in der Nähe der Plätze. Natürlich spannt man sich dann etwas eher an, wenn Bella, die kleine Schissbuchse, sich mal wieder vor einem Stein, einem Stock oder Wassertropfen auf ihrem Rücken erschreckt und dann jeweils einen riesigen Satz nach vorne, zur Seite oder nach hinten macht. Aber es bleibt alles ruhig, ich höre ein paar Sprachnachrichten ab, verschicke welche und genieße die morgendliche Bewegung.

    Wieder zurück an Freddie genießen wir unseren Kaffee und schnacken über unseren Tagesplan. Christian hat weiter im Norden einen Platz bei IOverlander gefunden, bei dem von Weißkopfseeadler, über Seerobben, Elchen und Bären alles gesehen wurde. Außerdem soll der Platz mal wieder am Busen der Natur liegen, also genau unsere Kragenweite. Zusätzlich erkunden wir die Insel weiter, es geht gen Norden. Auf der Karte sieht es ganz schön witzig aus, da man gar nicht so viele Möglichkeiten hat, die Insel auf verschiedenen Wegen zu erkunden. Die Ostküste Vancouver Islands ist mit einem langen Highway verbunden, von dem aus immer wieder Stichstraßen abgehen, die bis in den Westen führen. Eine solche müssen wir heute erstmal wieder zurück, dann geht es nach Norden und später wieder in eine solche, nach Westen führende, Stichstraße. Nach dem Kaffee geht’s also los, zunächst zum nahegelegenen Rastplatz, um Abfall loszuwerden, und anschließend lassen wir die Landschaft mal wieder an uns vorbeiziehen.

    Wieder passieren wir mit Hörbuch auf den Ohren Wälder, Täler, Flüsse, Seen und kleine Städtchen und lassen uns dann auf die Oceanside Route führen, die neben dem Highway ein Stück sofort am Meer entlang durch kleinste Fischerörtchen bis nach Campbell River führt. Hier wollten wir, vor dem erneuten Abzweig ins Inselinnere, unsere Vorräte noch aufstocken. Zunächst halten wir an einer Dumpingstation, werden Abwasser los und füllen neues Wasser auf, danach geht’s zu Walmart und neben frischem Obst und Gemüse, werden auch Vorräte wie Milch, Eier, Joghurt und Süßigkeiten aufgefüllt. Außerdem kommen ein paar Zimtschnecken mit. Unser Starbucks-O-Meter zeigt uns an, dass wir schon ein paar Tage keinen coffee-to-go mehr hatten und dies dringend geändert werden sollte. Mit Kaffee in der Hand und den Zimtschnecken vorne im Fahrerhaus treten wir die Weiterfahrt an und biegen wieder in Richtung Mitte der Insel ab.

    Wir haben das siebte Buch von Outlander fast durch, und alle möglichen Cliffhänger des Buches werden so langsam angeteasert. Demnach versunken rollen wir durch die Karpaten weiterhin vorbei an atemberaubend schönen Ausblicken, an einem kleinen Dorf namens Gold River bis hin zu dem Stellplatz im Nichts. Nach einiger Zeit wird aus Asphalt Schotter und die Steigungen und Gefälle nehmen ordentlich zu. Auf dem Weg wird uns schon klar, dass wir heute Abend auch mit ganz viel Glück keinerlei Empfang haben werden und schalten noch flugs den Bericht frei. Angekommen am Platz gehen wir auf kurze Erkundungstour und kommen kurze Zeit später recht zufrieden wieder zu Freddie zurück. Der Platz ist richtig schön, es gibt zwei Picknicktische und zwei Feuerringe, und der Fluss ist nur einen Steinwurf von uns entfernt. Christian wagt noch einen kleinen Versuch, ein Feuerchen zu entfachen, aber leider ist das Holz zu nass, und das Lagerfeuer bleibt eine kleine Wunschvorstellung. Mal wieder fängt es aber leider an zu tröpfeln, und das Wetter verspricht die nächsten Tage leider auch hier nicht besser zu werden. Wir verziehen uns also in Freddie und genießen die von mir vorbereiteten Tacos und schauen dabei "Der Marsianer" mit Matt Damon. Den Film kannte ich noch nicht.

    Als der Film vorbei ist, ist es immer noch recht früh und wir entscheiden uns für einen kleinen Filmmarathon und schauen auch noch den ersten Film der Maze Runner Trilogie. Dabei öffnen wir unsere heute gekauften Gummibärchen und Chips und machens uns weiterhin gemütlich in unserer Regenhöhle.
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  • Über Stock und Stein

    28–29 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 8 °C

    Der erste Blick heute Morgen geht natürlich suchend nach draußen, aber weit und breit ist kein Tier zu sehen. Schade, aber damit haben wir natürlich auch ein wenig gerechnet. Während Hanna den Kaffeedienst übernimmt, spaziere ich mit Bella eine Runde am Platz entlang. Die Forststraße ist unregelmäßig befahren, aber die Fahrzeuge kommen dann doch meistens mit einem Affenzahn um die Ecke, und so maximiere ich mit Bella die Runde so gut es geht. Es scheint aber, dass die Gute bei den frischen Temperaturen und der Feuchtigkeit in der Luft so schnell wie möglich zurück in die warme Stube möchte.

    Dort angekommen, wartet auch schon Kaffee auf mich. Wir machen es uns beim einsetzenden Regen gemütlich und verputzen die restlichen Zimtschnecken. Sehr lecker, aber nicht so gut wie die bisherigen in den USA und bei weitem nicht so traumhaft wie selbstgemachte.

    Mitten im Nichts haben wir keinen Empfang mehr, und die vorab geladenen Karten in den verschiedenen Apps enden kurz vor dem Ort Tahsis. Wir sind uns nicht ganz sicher, aber da es scheint, dass man von dort nur mit der Fähre auf einige der Inseln im Südwesten von Vancouver Island gelangt, fahren wir die Strecke in Richtung der Gemeinde Gold River zurück. Dort angekommen, aktualisieren wir unser Kartenmaterial und folgen der Forststraße in Richtung Woss. Zwar warten knapp 60 Kilometer dieser holprigen Piste auf uns, aber der Weg zurück über die asphaltierte Strecke ist nochmal 150 Kilometer länger.

    Die Straße durch den Wald ist mal wieder wunderschön, und wir genießen die abwechselnden Aussichten. Dichter Regenwald wird von großen Flächen für den Holzabbau abgelöst, im nächsten Moment können wir wieder auf schneebedeckte Berge in der Ferne blicken. Ich kriege von dem Ganzen dann aber doch weniger als Hanna mit, weil die Straßenbedingungen mit der Zeit immer schlechter werden und ich mich voll konzentrieren muss. Zum Glück sind die Schlaglöcher mit Wasser gefüllt, sodass das Umfahren etwas vereinfacht wird. Nach gut 15 Kilometern komme ich etwas ins Grübeln, ob es nicht doch besser wäre umzukehren und über den besseren Weg zu fahren. Kurze Zeit später kommen wir an einer Absperrung im Wald zum Stoppen. In einer blauen Kiste liegt ein Walkie-Talkie und ein Schild bittet um einen Anruf auf einer bestimmten Frequenz, damit die Holzfällerarbeiten gestoppt werden und man in Folge die Freigabe zur Durchfahrt erhält. Uns juckt es zwar etwas in den Fingern, aber wir drehen dann doch um. Freddie ist gestern und heute schon gut durchgerüttelt worden und wir wollen es dann auch nicht übertreiben, immerhin hat er ja auch schon 17 Jahre auf dem Buckel.

    Zwei Stunden nachdem wir losgefahren sind, erreichen wir dann (erneut) Gold River und Freddie hat wieder festen Asphalt unter den Rädern. Wir machen erstmal einen kurzen Stopp, um uns um ein „akutes“ Problem zu kümmern. Wir sind beim nächsten Hörbuch von Outlander angekommen, inklusive anderer Sprecherin. Mit dieser werden wir auch nach fast zwei Stunden im Auto nicht wirklich warm, aber zum Glück haben wir noch Audible-Guthaben und so ergattern wir die Version mit der uns vertrauten Sprecherin und fahren weiter.

    In Campbell River angekommen, tanken wir voll und folgen der Route gen Westen. 40 Kilometer vor Woss haben wir ein schönes Plätzchen in der App gefunden und wollen uns auf die nächste Nacht am Kiesstrand einlassen. Davon gibt es hier genug, und bei all der Ähnlichkeit kriegen wir auch nicht genug davon. Auf dem Weg wechseln sich immer wieder starker Regen mit Sonnenschein ab, und wir sind froh, dass das Wetter auf unserer Seite ist, als wir am Platz ankommen. Der Platz ist wunderschön, leider haben das aber auch zwei andere Camper für sich entdeckt und auf der verfügbaren Fläche möchten wir uns dann auch nicht noch dazwischen quetschen. An der nächsten Raststätte machen wir ein kurzes (Nikotin-)Päuschen und gönnen uns noch eine kalte Cola aus der Garage.

    Der nächste Platz ist schnell in der App gefunden und wir machen uns wieder auf den Weg. Zehn Minuten später ist es diesmal Hanna, die wie aus dem Nichts sagt: „Bär!“. Ich bin vollkommen perplex, sehe das halb im Straßengraben mampfende Fellmonster, brauche aber gut eine Minute, bis die Information verarbeitet ist. Da der Verkehr gerade etwas dichter ist, verzichten wir auf das Umkehren – muss ja mit dem Teufel zugehen, wenn das der letzte Bär sein soll, den wir gesehen haben.

    Kurz hinter Woss, inklusive der 150 Kilometer Umweg, die wir am Morgen vermeiden wollten, kommen wir dann an. Unter Stromleitungen führt eine Schotterpiste durch ein kleines Waldstück. Wir zucken zwar kurz, als die ersten Äste an Freddie vorbeischleifen, aber hier sind wir wegen des Alters von Freddie dann auch ziemlich schmerzfrei. Ein kleines Stück fahren wir über Waldboden, der ziemlich viel Ähnlichkeit mit Kopfsteinpflaster hat. Kurz dahinter haben die einzelnen Fahrspuren dann ein unterschiedliches Höhenprofil, aber Freddie meistert auch das ohne Probleme. Wir kommen dann am Kiesstrand an und rollen in die hinterste Ecke direkt neben eine vorhandene Feuerstelle. Direkt beim ersten Anhalten stehen wir fast vollkommen gerade und haben ohne weiteres Rangieren einen Blick auf den Fluss – heute dann der Nimpkish River.

    Heute zaubert uns Hanna mit den kleinen Cherry-Tomaten, Nudeln und Schafskäse ein leckeres Allerlei, das wir - genauer gesagt Hanna - sonst im Alltag häufig kochen. Mit dem Rauschen des Flusses lassen wir den Abend ausklingen und sind beide nach dem wilden Ritt heute ziemlich platt.
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  • Entspannen und gute Nachrichten

    29–30 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 9 °C

    Der Tag beginnt an diesem wunderschönen und, wenn ich es mir recht überlege, auch bisher einsamsten Platz, an dem wir bisher gestanden haben. Es ist weit und breit niemand zu sehen; zu hören sind nur vereinzelt Autos in der Ferne, die in sehr großen Abständen den Highway befahren. Der Fluss rauscht ordentlich vor sich hin, und ich pelle mich aus dem Bett, da es draußen gerade trocken ist. Für in einem Stündchen ist allerdings mal wieder Regen angesagt. Kontaktlinsen rein, anziehen und mit angeleintem Wuffertier raus in die Natur. Dass man sofort mitten im Nichts steht, wenn man nur die Schiebetür aufmacht, ist einfach wirklich traumhaft. Unser Vorgarten heute ist wirklich atemberaubend, und geht man nur ein paar Meter am Steinstrand entlang, schließt sich sofort ein Wald an. Der Weg ist auszumachen, aber hiervon abgehen Lichtungen mit einem weichen Moosteppich, der fast Matratzencharakter zu haben scheint. Bella ist hin und weg.

    Zurück an Freddie liegt Christian nicht, wie angekündigt, noch in den Federn, sondern kocht fleißig Kaffee und hat Freddie auch schon wieder tagesfein gemacht. Der Kaffee wird mit unserer neu entdeckten Liebe gestreckt: zuckerfreie Vanille-Hafermilch. Wow, wenn man das so schreibt, klingen wir plötzlich wie die Bonzen-Hipster schlechthin 😄 Aber es schmeckt köstlich, ich sag’s euch, Leute. Während des Morgenkaffees grübeln wir ein wenig hin und her, was die Pläne für die nächsten Tage angeht. Hier ist hauptsächlich Regen angesagt, wie auch auf dem Rest der Insel. Wir sind schon recht weit im Norden und haben viele zauberhafte Ecken dieses besonderen Ortes gesehen. Allerdings müssen wir auch sagen, dass wir die letzten knapp 14 Tage (wie schnell vergeht bitte aktuell die Zeit?!) zwar viel von der Insel gesehen haben, aber auch seeeeeehr viel Zeit in Freddie verbracht haben, während draußen der Himmel dicke Tränen vergossen hat.

    Das schlägt mittlerweile (insbesondere ohne Aussicht auf Besserung) ein klein wenig auf die Stimmung, und so überlegen wir, ob wir nun noch weiter in den Norden fahren sollen, nur um dann am nächsten Tag hunderte von Kilometern wieder in den Süden zu fahren. Außerdem bleibt auch neben Vancouver Island noch sehr viel Land übrig, das wir auch gern noch teilweise erkunden würden. Was machen wir mit der Fähranfrage? Wir stehen aktuell auf der vollen Warteliste für die Fähre am Samstag nach „Bella Coola“ über „Bella Bella“ und „Ocean Falls“ (so lustige Namen zum Teil). Macht es Sinn, hier noch auszuharren und auf einen Platz auf der Fähre zu hoffen, oder fahren wir nach Nanaimo zurück, um von dort aus ans Festland überzusetzen?! Wir wägen Vor- und Nachteile ab und kommen nicht wirklich zu einer Entscheidung. Aber immerhin treffen wir die Entscheidung, dass wir diesen wunderschönen Platz noch nicht verlassen wollen. Denn der angekündigte Regen lässt aktuell noch auf sich warten, und es sind sogar ein paar Fleckchen blauer Himmel zu sehen. Die Schönwetterlücken möchten wir nutzen, ohne sie in Freddie zu „verfahren“.

    Der Tag zieht gemütlich voran, wir lesen, spielen Zelda, verschicken Geburtstagsgrüße und schauen den dritten Teil von Maze Runner. Wir schnabulieren Porridge zum Frühstück und schnacken zwischendurch mit meinen Eltern.

    Am Nachmittag werde ich auf Christian aufmerksam, weil er plötzlich wie eingefroren auf sein Handy starrt. Bei mir fallen ein paar Würfel, und ich frage nur: „Hat das Fährunternehmen geschrieben?“ Christian grinst wie ein Honigkuchenpferd, und tatsächlich: Wir sind von der Warteliste auf die aktuelle Boardingliste gerutscht, und Christian wurde gebeten, sich wegen Zahlungsinformationen zu melden. Wir überlegen kurz, denn diese Verbindung bedeutet Folgendes: Samstagabend ginge es um 18 Uhr in Port Hardy los: eigentlich ziemlich cool, denn wir könnten noch einen Tag hier am schönen Platz verbummeln, danach einen Tag Wäsche waschen und Vorräte auffüllen, ein wenig vom Norden mitbekommen und uns dann in kleinen Schritten von der Insel verabschieden. Allerdings würden wir dann von Port Hardy aus sieben Stunden nach „Bella Bella“ übersetzen, von dort aus würden wir ab 4 Uhr morgens weitere acht Stunden über „Ocean Falls“ nach „Bella Coola“ übersetzen. Das wäre die längste Fährfahrt, die wir, Freddie und Bella machen… all das, ohne dass Christian und ich in Freddie bleiben dürften. Bella allerdings muss in Freddie bleiben (sollte auch kein Problem sein, denn wir können beim Fährwechsel in „Bella Bella“ mit Bella [hihi] eine Runde gehen). Acht Stunden kann die Gurke wirklich gut allein bleiben. Wir allerdings hätten keine Kabine, denn diese sind ausgebucht. Alternative wäre allerdings, dass wir gut über 1000 km Fahrtweg auf uns und Freddie laden. Eigentlich würden wir „Bella Coola“ und die Ecke dort super gern sehen. Furchtbar unentschlossen entscheiden wir uns sehr entschlossen, die Entscheidung die am nächsten Tag zu fällen.

    Es wird Abend, und während Christian mit Bella unterwegs ist, mache ich uns eine Gemüse-Kartoffelpfanne. Danach wird noch gespült, und anschließend klingt der Abend gemütlich aus.
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  • Der Würfel fällt

    30–31 mei 2024, Canada ⋅ ☁️ 12 °C

    Genauso unentschlossen wie am Vorabend wachen wir beide am Donnerstagmorgen auf. Da die Sonne gerade etwas hinter den Wolken hervorkommt, vertagen wir eine Entscheidung über die Fährfahrt. Hanna macht sich mit Bella auf den Weg und ich mache unsere Höhle tagfein.

    Bevor ich mit dem Mahlen des Kaffees beginne, füge ich der Mühle noch zwei Wassertropfen hinzu. Seitdem wir eine neue Bohnensorte verwenden, ist das Kaffeepulver statisch geladen und beim Umfüllen landet ein Großteil neben dem Trichtereinsatz unserer Bialetti. Nachdem die erste Rutsche gemahlen ist, freue ich mich sehr über das Kaffeepulver, das nun kein Eigenleben mehr hat.

    Passend zum Ende des Brühvorgangs ist Hanna auch wieder zurück und wir genießen beide den Kaffee im Sonnenschein. Wie herrlich, das hat uns beiden wirklich gefehlt.

    Wir wiegen beide noch ein wenig das Für und Wider ab und entscheiden uns dann letztendlich für die Fährfahrt ab Samstag. Da wir den Platz auf der Fähre über die Warteliste erhalten haben, muss ich diesen an der Hotline bestätigen. Nach einer guten Viertelstunde am Telefon ist alles bezahlt und besiegelt. Sogar eine Kabine für die erste Fähre konnte ich buchen – das macht dann unterm Strich die Überfahrt etwas angenehmer. Alles in allem kostet uns die Überfahrt knapp 300€ pro Person, aber dafür sind es dann auch 1000 Kilometer weniger, die wir selbst fahren müssen. Und mal ganz ehrlich: das macht sich hinterher auf der Landkarte auch gut 😁.

    Nachdem wir uns mit leckeren Sandwich-Toasts gestärkt haben, zerteile ich noch so gut wie es geht das Holz, das wir bei unserer Ankunft an der Feuerstelle gefunden haben. Dieses ist zwar gut feucht, aber vielleicht reicht es ja für ein Feuerchen am Abend.

    Wir verbringen den Tag ganz gemütlich und hüpfen zwischendurch immer wieder nach draußen und genießen das bessere Wetter. Immer mal wieder sagt auch kurz die Sonne „Hallo“ und wir sind beide selig. Schon am späten Nachmittag versuche ich, das Feuer zu entzünden, aber trotz ausreichend Zündmaterial ist das Holz einfach viel zu feucht. Dann halt ein anderes Mal!

    Am Abend werden die restlichen frischen Sachen verwertet und es gibt einen leckeren Bauernsalat inklusive des Ziegenkäses. Nachdem das Spülen gemeinsam erledigt ist, widmet sich Hanna wieder GNTM und ich lese die aktuellen Neuigkeiten – sowohl politischer als auch technischer Natur!

    Müde vom Nichtstun schlafen wir gegen Mitternacht ein und freuen uns auf den nächsten Tag!
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  • Weiter geht es

    31 mei–1 jun. 2024, Canada ⋅ 🌧 12 °C

    Wir haben beide richtig gut geschlafen, verkriechen uns aber direkt nach dem Aufwachen nochmal unter die Bettdecke. Gemeinsam überlegen wir, ob wir erst morgen nach Port Hardy fahren oder heute schonmal in diese Richtung. Schnell kommen wir zu dem Schluss, dass der Tag morgen definitiv entspannter wird, wenn wir uns heute ums Einkaufen und die Wäsche kümmern. Passenderweise verspricht die Wettervorhersage mal wieder Regen, sodass wir den Tag ohnehin zum Großteil in Freddie verbringen würden.

    Nachdem der Morgen – noch im Trockenen – verbracht ist, machen wir uns auf den Weg. Erst einmal langsam und gemütlich zurück zur Hauptstraße. Es schaukelt und wackelt gefühlt viel mehr als auf dem Hinweg, aber das ist vermutlich auch eher Einbildung. Nach zehn Minuten kommen wir gut und sicher zum Stehen. Ich hole die Kamera von der Motorhaube und schaue einmal um Freddie herum. Es sind keine großen Kratzspuren zu sehen und die Reifen machen auch noch einen vollkommen intakten Eindruck.

    Zurück auf dem Highway können wir recht schnell unseren Müll entsorgen. Am Platz gab es diesmal dankenswerterweise keinen Müll von vorherigen Campern.

    Eine knappe Stunde später kommen wir in Port Hardy an und parken direkt an der hiesigen Wäscherei. Diese ist im Vergleich zu denen, die wir bisher besucht haben, die kleinste, aber auch ziemlich gut frequentiert. Im Geschäft auf der anderen Straßenseite wechseln wir einen der grünen Plastikscheine in Kleingeld und werfen zwei Maschinen an. Während die Wäsche läuft, tippen wir mal wieder Berichte. Das Nichtstun in Worte zu fassen bzw. sich solche ruhigen Tage nochmal vor das innere Auge zu führen, ist manchmal schon eine Herausforderung.

    Mit nach frischer Wäsche duftendem Freddie fahren wir zum lokalen Supermarkt und stocken einige Vorräte auf. Wir finden nicht alles, was wir brauchen; andere Lebensmittel sind teilweise viel teurer als im Supermarkt, den wir morgen noch anfahren wollen. Da in fast allen Provinzen Kanadas Alkohol nur in speziellen Geschäften verkauft werden darf, betreten wir ein solches noch nach dem Supermarkt. Bier ist hier wesentlich teurer als in den USA bzw. als in Deutschland. Der Liter Coors Light liegt umgerechnet bei knapp 3 € und das ist es dann (noch) nicht wert. Dafür holen wir uns zwei Flaschen Rotwein und einen Glenfarclas. An der Kasse zucken wir beide kurz, aber Kanada ist ja nur einmal im Jahr…

    Mit gefüllten Vorräten fahren wir drei Straßen weiter und finden einen Parkplatz am Straßenrand. Hier können wir auch übernachten und die Option halten wir uns erstmal offen, als wir die „Devils Bath Brewery“ betreten. Die kleine Brauerei mit Gastropub wurde vor drei Jahren von drei Brüdern und ihrer Mutter gegründet. Hier gibt es Craft-Bier-Spezialitäten und dazu Pizza: genau das Richtige für uns. Wir probieren zunächst vier Biersorten und haben beide schnell das passende gefunden: Red Ale für Hanna und ein sehr leckeres, aber auch mächtiges Chocolate Oat Stout.

    Die Brauerei ist von allen Altersschichten gut besucht und wir können uns gut auf die Atmosphäre einlassen. Um halb neun kommen wir beide sehr weise zum Schluss, dass das nächste Bier eines zu viel sein könnte, und treten den Rückzug an.

    Bella freut sich sehr, dass wir wieder da sind, und erforscht auf der Runde durch den Regen neugierig die Gerüche und Aussichten am neuen Ort. Die wichtigsten Dinge des täglichen Bedarfs kann man hier besorgen, ansonsten liegt der Fokus hier ganz klar auf dem kleinen Hafen und einem Park direkt davor. Mit all dem Grün und dem Wasser würden wir uns hier mit Sicherheit auch sehr wohl fühlen.

    Zurück an Freddie machen wir es uns gemütlich auf dem Bett, um nach kurzer Zeit schon mal das Schlafen zu üben. Als wir um kurz nach eins feststellen, dass wir es nicht verlernt haben, wird Freddie für die Nacht umgebaut und wir gehen dann auch offiziell schlafen.
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  • Leinen los

    1–2 jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 12 °C

    Ein neuer Tag bricht an und heute ist unser Abschiedstag von Vancouver Island. Nachdem wir gestern ein paar Bierchen hatten, habe ich nicht ganz so gut geschlafen. Wir sind zwar recht früh eingeschlummert, aber wenn ich Bier getrunken habe, bin ich immer wie eine Wühlmaus und wache meist recht gerädert auf. Aber ich muss sagen, dass das Red Ale ganz schön lecker war, und wenn ich dann heute als Folge zwar gerädert bin, aber ziemlich früh aufwache, dann kann ich damit auch gut leben. Christian schaut mich allerdings aus großen Uhu-Augen an, als wäre ich von Sinnen und betont, dass es doch erst 8:20 Uhr ist und ich unmöglich ernsthaft jetzt schon angezogen sein kann, um mit Bella zu gehen. Nachdem er sich kurz seinem Schicksal ergibt, fragt er allerdings, ob wir nicht gemeinsam gehen wollen und ob ich kurz auf ihn warten würde. Gesagt, getan.

    Wir stehen also kurze Zeit später mit heißen Sporen bereit, um am Morgen Port McNeill ein kleines Ründchen zu Fuß zu erkunden. Uns beiden ist aufgefallen, dass wir in letzter Zeit immer einzeln mit Bella gegangen sind, weil sich freiwillig keiner von uns beiden darum gerissen hat, vor die Schiebetür ins feuchte Nass zu hopsen. Es war eher ein „sich dem Gassigehen im Regen ergeben“ und die Verteilung Hanna am Morgen und Christian am Abend hat sich eingeschlichen. Demnach haben wir uns vorgenommen, ab jetzt zu zweit zu gehen, wenn es das Wetter erlaubt, und so stehen wir also da; ganz schön schön, gemeinsam mit einem Gassigang in den Tag zu starten. Freddie haben wir weitestgehend fertig gemacht, sodass wir nur noch die Spanngummis vor unsere Schränke spannen müssen, wenn wir wiederkommen, um dann weiterzurollen.

    Wir gehen ein Ründchen am Meer entlang. Mit Freddie stehen wir sofort am Hafen. Unterwegs bewundern wir die Häuser, die jeweils mit Meereszugang direkt am Wasser liegen. Außerdem sitzt ein Weißkopfseeadler in einem Nadelbaum eines Gartens und unterhält mit seinem Gesang die Umgebung. Ganz schön nett. Es ist noch super ruhig, die nicht vorhandenen Bordsteine sind in der Sackgasse noch hochgeklappt. Wir nehmen eine Treppe in die Straße, die eine Etage weiter oben liegt. Insgesamt ist das Nestchen klein und verschlafen, aber wirklich gemütlich. Als wir wieder zur Brauerei von gestern abbiegen, lacht uns ein kleines Café auf der gegenüberliegenden Straßenseite an. Kurz entschlossen setzen wir uns draußen in den kleinen Außenbereich auf die Palettenmöbel und Christian besorgt drinnen eine Kaffeesause. Bella flirtet währenddessen mit einer Gruppe, die auf ihre Whalewatching-Tour wartet und sich mit dem Dorfpolizisten unterhält. Nachdem keiner auf sie eingeht, ergibt sie sich ihrem Schicksal und macht es sich gemütlich. Christian bringt gemeinsam mit dem Kaffee auch ein Zimtschnecken-Croissant und einen Schoko-Käsekuchen-Blaubeer-Muffin mit. Wenn das hier mal kein gelungener Einstieg in den Tag ist, weiß ich ja auch nicht.

    Nachdem die Köstlichkeiten verspeist sind, spazieren wir mit dem Rest unseres Kaffees noch an ein paar Marktständen vorbei, die gerade unten am Hafen aufgebaut werden. Wieder an Freddie angekommen, machen wir uns auf in Richtung Port Hardy, von wo aus heute Abend unsere Fährfahrt starten wird. Wir müssen nur eine halbe Stunde fahren, machen aber auf dem Weg noch ein paar Pausen. Wir tanken nochmal auf, füllen unseren Wassertank und fahren dann weiter zu einer Dumpingstation. Nachdem der Abwassertank leer ist, bekommt er noch eine extra Reinigung, indem wir ihn ein paar Mal durchspülen, damit er nicht anfängt zu stinken (hatten wir im Sabbatical schonmal – war eklig ;) ). Dann geht es schließlich zum Save-on-Foods in Port Hardy selbst und wir stocken unsere Einkäufe nochmal auf.

    Nun haben wir alles erledigt, was wir vor der Abfahrt organisieren wollten. All das haben wir ganz schön pünktlich geschafft, um noch zum Champions-League-Finale zuschalten zu können. Christian bereitet alles so vor, dass er das Spiel verfolgen kann. Einige Zeit hat er keine Spiele vom BVB mehr geschaut, aber auch wenn die Gewinnchancen nicht als die besten gehandelt werden, so möchte er sich dieses Spiel als alter BVB-Fan nicht entgehen lassen. Parallel zur ersten Halbzeit verstauen wir Einkäufe und schneiden Erdbeeren und Brokkoli schonmal in verzehrfertige Portionen zurecht, die besser in unserem Mini-Kühlschrank verstaubar sind. Nach der ernüchternden zweiten Halbzeit wollen wir noch eine Kleinigkeit zu essen erstiefeln und nehmen Bella gleich mit, damit die Gute vor der langen Fährfahrt noch ordentlich Bewegung abbekommt.

    Wir haben ganz schön Glück mit dem Wetter, auch wenn es noch fisselt, als wir starten, hört das Tröpfeln kurze Zeit später auf. Wir holen uns unten am Wasser eine Portion Fish’n’Chips und genießen diese sofort am Wasser auf einer Parkbank. Danach spazieren wir noch ein wenig herum und beobachten bei Ebbe auf einer kleinen bealgten Plattform eine ganze Kolonie von Adlern, die sich teilweise lautstark und mit vollem Körpereinsatz um einen Fisch streiten. Wir saugen all das in uns auf, es ist ein bisschen eigenartig, dass solche Eindrücke für uns aktuell alltäglich sind. Dennoch wissen wir, dass wir uns in ein paar Monaten genau zu solchen Momenten zurückträumen werden. Tierarten, die uns daheim nie über den Weg laufen, Regenwälder in unberührtester Form, reißende und gleichzeitig glasklare Flüsse, Wasserfälle, atemberaubende Ausblicke auf den Pazifik, Berge und Ruhe… was sind wir doch für Glückskinder.

    Richtiggehend beseelt und dankbar, die letzten Tage auf Vancouver Island mit ein paar Regenlücken zum Entdecken beschenkt gewesen zu sein, machen wir uns langsam auf den Rückweg zu Freddie. Um 18 Uhr geht unsere erste Fähre nach „Bella Bella“ und wir sollen zwei Stündchen vorher da sein. Gesagt, getan, wir rollen um 16 Uhr auf das Fährterminal zu und stellen uns in die noch recht kurze Schlange. Nach einiger Zeit merken wir, dass irgendwie alles seeeeeeeehr langsam vonstattengeht. Innerhalb von zwei Stunden schaffen wir es am Terminal-Häuschen vorbei in die uns zugewiesene Lane 02. Moment, zwei Stunden später?

    Ja, eigentlich sollten wir bereits auf der Fähre sein, aber das Boarding hat noch nicht mal begonnen. Kein Problem, wir haben in Bella Bella ja drei Stunden Aufenthalt. Christian geht nochmal ein Ründchen mit Bella, ich packe unseren Kram zusammen: Sachen zum Duschen, Kindle, Switch, Wasser, Tee und sonst noch ein bisschen Kleinkram. Es vergehen weitere zwei Stunden, bis wir von den wirklich netten Mitarbeitern gebeten werden, rückwärts auf die Fähre zu fahren. Der Mitarbeiter entschuldigt sich für die Verspätung und sagt uns, dass dies schon wirklich abnormal lange Wartezeiten sind. Auf der Fähre dauert es tatsächlich nochmal eine Stunde, bis wir lostuckern. Als wir Freddie abgestellt und Bella mit Fressen und Wasser versorgt haben, gehen wir vorbei an Käfigen, in denen auch ein paar Hunde von zu Fuß-Reisenden untergebracht sind. Da hat es Bella auf jeden Fall um einiges bequemer.

    Wer bis hierher mitgerechnet hat, versteht vielleicht, dass wir uns langsam fragen, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass wir die Anschlussfähre bekommen. Christian schaut auf seinem Handy nach, solange wir noch Empfang haben. Kein Problem, wenn wir die Fähre verpassen, fährt in nur vier Tagen die nächste … Naja, wir wissen ja, dass sich alles schon irgendwie finden wird. Alles gut, im Notfall bleiben wir auf dieser Fähre einfach bis hoch nach Alaska ;). Wir holen uns unseren heiß ersehnten Kabinenschlüssel und machen uns, nachdem wir unseren Kram abgeladen haben, auf eine kleine Erkundungstour. Ich bin soooo froh über die Kabine; gerade mit der Verspätung und nach dem Warten freue ich mich tierisch auf eine Dusche und ein bisschen Augen-zumachen. Erst schnappen wir uns aber noch ein Salätchen, ein Sandwich und ein Eis als Nachtisch und setzen uns an Deck, um dies als Abendessen mit Blick auf den Hafen zu schnabulieren. Wir bewegen uns immer noch nicht und entscheiden uns trotzdem erstmal für die Kabine.

    Hier lese ich erstmal ein Kapitel und gehe dann eine Runde duschen. Christian schaut einen Film auf seinem Handy, den er in der Warteschlange am Hafen angefangen hat. Als ich fertig bin mit einer ordentlichsten Duschorgie, bewegen wir uns endlich. Es gibt sogar einen Föhn, ich fühle mich fast wie in einem Hotel ;). Eine Durchsage hat während des Duschens verkündet, dass wir in „Bella Bella“ voraussichtlich um 3 Uhr morgens ankommen. 55 Minuten, um mit Freddie von dieser Fähre zu kommen, für die nächste einzuchecken und auf diese zu gelangen, ist eine mehr als sportliche Aufgabe. Frisch eingekleidet und aufgewärmt machen wir uns nochmal auf zu einer Runde übers Schiff. Wir stoppen beim Info-Bereich und fragen vorsichtig, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass wir unsere Anschlussfähre bekommen. Der nette Mitarbeiter versichert uns, dass wir nicht die einzigen sind, die auf diesen Anschluss hoffen, und alles getan wird, damit die Fähre wartet.

    Zurück in der Kabine geht Christian noch duschen, ich lese noch ein wenig und mache dann das Licht aus und döse das erste Mal ein. Kurz werde ich nochmal wach, als Christian sich bettfertig macht. Scheinbar war er nochmal eine Runde an Deck unterwegs, nachdem er geduscht hatte. Ich war wohl schon tiefer eingeschlafen als gedacht. Mit dem Gedanken daran, dass wir uns einfach mal selbst die Daumen für einen entspannten Anschluss drücken, schlummere ich ein.
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  • Bella, Bella Bella und Bella Coola

    2–3 jun. 2024, Canada ⋅ ⛅ 9 °C

    Um 2:30 Uhr geht mein Wecker, den ich gestellt hatte, weil wir ja um 3 Uhr ankommen sollen. Es ist alles dunkel, kein Geräusch außer dem Motor des Schiffes und Christians leisem Schnarchen zu hören. Ich gehe auf die Toilette und lege mich dann nochmal hin. Christian fragt verschlafen, was ich denn täte. Eine Viertelstunde später gibt es eine Durchsage, dass wir in ungefähr einer halben Stunde anlegen werden, weitere Informationen würden beizeiten durchgegeben.

    3:30 Uhr: Nach einer ziemlich langen halben Stunde haben wir angelegt, und es wird durchgegeben, dass wir bald Bescheid bekommen, wenn wir zu unseren Fahrzeugen dürfen. 15 Minuten später sitzen wir in Freddie. Bella freut sich, uns zu sehen, ist aber noch völlig verschlafen. Ein Blick auf das Zeitraffer-Video, das Christian aufgenommen hat, während wir mit der Fähre unterwegs waren, bestätigt uns mal wieder, dass wir den tiefenentspanntesten Hund haben, den man sich nur vorstellen kann. Bella hat die ganze Zeit geschlafen und ist nur zwischendurch mal aufgestanden, um etwas zu trinken. Zurück zum Thema: Es ist 3:41 Uhr und wir sitzen im Bauch der ersten Fähre in Freddie und warten darauf, dass wir herausfahren dürfen. Wir erinnern uns, die Anschlussfähre soll um 3:55 Uhr ablegen. Innerlich bin ich schon angespannt, aber bestimmt wartet der Anschluss. Die Rampe wird heruntergefahren und wir werden von strömendem Regen begrüßt. Es regnet wirklich wie aus Kübeln und die Mitarbeiter der Fährfirma tun mir ganz schön leid. Wir fahren die Rampe herunter und werden auf einen kleinen Parkplatz gelotst. Nachdem wir eine Mitarbeiterin gefragt haben, wo wir hin müssen, wenn wir den Anschluss nach Bella Coola nehmen wollen.

    Da stehen wir also auf einem kleinen Parkplatz mit ein paar anderen Fahrzeugen, hinter uns ist die Fähre zu sehen, mit der wir gekommen sind. Ein anderes Schiff ist weit und breit nicht zu sehen, und ich habe Sorge, dass uns die Dame falsch verstanden hat und wir hier ganz falsch sind. Christian geht netterweise noch einmal zu der Dame (ja, im strömenden Regen) und fragt, ob es einen Plan gibt. Dass wir aktuell nur unser altes Schiff sehen, liegt daran, dass es hier in Bella Bella nur eine einzige Anlegestelle gibt. Die Fähre nach Bella Coola kann also erst anlegen, wenn unsere Fähre komplett entladen ist und wieder abgelegt hat. Hätten wir das gewusst, hätten wir uns keine Gedanken gemacht. Wir sollen mal nicht damit rechnen, dass wir früher als in eineinhalb Stunden auf der Anschlussfähre sind.

    Damit lässt sich arbeiten. Christian schnappt sich Bella (der Regen wird gerade ein bisschen weniger) und dreht eine Runde, ich sortiere unsere Duschsachen wieder zurück in die Schubladen und trockne Bella ab, als die beiden wieder an Freddie ankommen. Danach hüpfe ich aufs Bett und mache mich an einen Bericht, der noch geschrieben werden will. Während ich tippe, meldet Christian uns schon mal für die Fähre an und trackt auf FindPenguins unsere erste Fährroute, dies ging aufgrund von fehlendem GPS nicht automatisch während der Überfahrt.

    Die Zeit verstreicht, und bis wir rückwärts (Chapeau an Christian) auf die neue Fähre einparken, ist die Sonne aufgegangen und es ist 6 Uhr morgens. Bella bekommt die zweite Hälfte ihres Essens, und wir machen uns diesmal mit Kissen, Rucksack und Getränken bewaffnet auf den Weg nach oben. Auf dieser Fähre passen 35 Autos und 150 Passagiere. Es gibt keine Kabinen oder Lounges, sondern lediglich ein kleines Café (das natürlich um 6 Uhr morgens noch geschlossen hat) und eine große Sitzecke.

    Wir suchen uns zwei Plätze und machen es uns zunächst in einer gemütlichen Sitz-/Liegeposition bequem und machen nochmal ein wenig die Augen zu. Eine gute Stunde später wachen wir auf und saugen erstmals die Natur durch die Fenster in uns auf. In der Cafeteria gibt es warmes Frühstück und Kaffee, damit starten wir in diesen ganz anderen, aber irgendwie richtig schönen Morgen.

    Nach dem Frühstück geht Christian mit Kamera bewaffnet eine Runde aufs Deck, und ich wende mich wieder dem iPad und somit unseren Berichten zu. Was soll ich sagen… Wir haben mittlerweile 11:15 Uhr, und ich sitze immer noch hier. Zwischendurch war ich auch eine Runde an Deck, währenddessen hat Christian noch einen Bericht von sich beendet und döst gerade irgendwo hinter mir vor sich hin, oder er spielt Switch oder liest. Ich sitze hier mit Musik auf den Ohren und einem Ausblick auf eine Landschaft, die so schön ist, dass einem die Spucke wegbleibt. Dieser Meeresarm ist gesäumt von Bergen, die größtenteils bewaldet sind. Ja, das Wetter kann man nicht als schön bezeichnen, die Wolken hängen tief, und es ist ganz schön mystisch da draußen, aber ganz ehrlich: Überall, wo ich aktuell hinschaue, ist absolute Wildnis, da wohnt niemand. Wer weiß, ob und inwieweit dieses Gebiet jemals vom Menschen erschlossen wurde. Es sieht nicht so aus, als wäre es gut zu erschließen, da das Ufer hauptsächlich aus Bäumen und meterhohen Felsen besteht. Straßen gibt es nicht, das hatte ich vor der Fahrt schon mal nachgeschaut. Es ist einfach gigantisch. Ich lasse immer wieder meinen Blick durch die Cafeteria schweifen und beobachte meine Mitreisenden. Eine Frau sitzt die meiste Zeit mit einem Fernglas am Fenster und macht ihren Mann auf Kleinigkeiten aufmerksam, die sie entdeckt hat. Ein anderes Paar hat sich neben mir über Appartements in Ocean Falls (unserem Zwischenstopp) unterhalten. An zwei Tischen werden Karten gespielt, und immer wieder laufen draußen an Deck einzelne Mitreisende vorbei, bleiben stehen, staunen und machen Fotos. Hinter mir im Sitzbereich dösen die Menschen vor sich hin, und die Dame aus der Cafeteria räumt auf, wischt Tische und kümmert sich um das leibliche Wohl.

    Auch wenn Christian heute im Verlauf des Morgens nicht so sicher war, ob das mit der Fähre die richtige Entscheidung war: Ich liebe gerade alles an dieser verrückten Fährverbindung. Ich bin tierisch gespannt auf Bella Coola und freue mich schon, wenn wir angekommen sind.

    Der Rest der Fährfahrt vergeht wie im Flug, wir entdecken noch ein wenig gemeinsam die zwei Decks, die im Sommer und bei gutem Wetter wahrscheinlich bei den Überfahrten gut gefüllt sind. Die Aussicht vom Schiff auf beide Seiten hin zu den Bergen, die diesen zauberhaften Fjord säumen, ist einfach wunderschön.

    Um 13 Uhr Ortszeit legen wir langsam an und dürfen zurück zu Freddie. Hier freut sich Bella sichtlich uns wiederzusehen und bekommt erstmal eine ordentliche Kuschelung. Kurze Zeit später dürfen wir von der Fähre rollen und bestaunen schon auf den ersten Metern die zwar aktuell wolkenverhangene aber zauberhaft schöne Natur. Der Hafen ist winzig, und auch Bella Coola selbst ist klein und schnuckelig. Wir steuern als erstes einen kleinen Gemeinschaftsplatz an, hier gibt es Picknickplätze, einen Baseballplatz, eine Grillhütte und Toiletten. Hier parken wir, um unsere erste Runde mit Bella nach der Fährfahrt zu drehen. Es geht vorbei an Lupinen, die die Straße säumen, riesigen Grundstücken mit großen Pferdekoppeln und entlang unter Bäumen, die im Wind rauschen. Wunderschön ist es.

    Wieder in Freddie angekommen sind wir ein wenig nass geworden, aber damit hatten wir schon gerechnet. Die nächsten drei Tage ist auch hier in der Gegend nicht das beste Wetter gemeldet. Also ist unser Plan erstmal, auf einem Campingplatz unterzukommen… Heiße Duschen und schlechtes Wetter passen halt einfach gut zusammen. Wir steuern den Rip Rap Campingplatz an. Ein Hoch auf unsere IOverlander App. Wir kommen auf dem Weg, der nur ca. 20 Minuten in Anspruch nimmt, an einigen Campingmöglichkeiten vorbei, doch der Platz ist sehr häufig und gut bewertet worden.

    Dort angekommen sind wir wirklich super begeistert. Die Anmeldung ist im Wohnhaus selbst untergebracht, und der Besitzer kommt hinter dem Raumtrenner hervor an die Theke, während im Hintergrund ein Feuer im Kamin prasselt. Er erzählt, dass er heute Angeln war und ein bisschen Wärme brauchte, um wieder aufzutauen. Wir dürfen ganz frei entscheiden, auf welchen Platz wir uns stellen, und zahlen sofort für zwei Nächte, da wir so das schlechte Wetter hier gut aussitzen können.

    Als wir über den Platz rollen, fällt uns sofort auf, wie viel Liebe ins Detail die Betreiber hier stecken. Mit Freddie am Platz Nr. 1 angekommen, sind wir happy. Es handelt sich um eine Nische in der hintersten Ecke des Campingplatzes. In der Mitte der Parzelle steht ein riesiger Nadelbaum, der dafür sorgt, dass Picknicktisch und der Platz vor Freddie im Ausstiegsbereich nicht sofort super nass geregnet werden. Wir schnappen uns Bella und drehen ein Ründchen. Hierbei bleiben wir an der Aussichtsplattform kleben, die die Besitzer errichtet haben. Ein paar Stufen führen auf die Veranda ähnliche Erhebung über den Bella Coola River hinauf. Hier stehen drei Bänke, und die Aussicht ist gigantisch. Im Hintergrund des Flusses erheben sich massive Berge, deren Spitzen mit Schnee bedeckt sind. Der Fluss rauscht ungefähr 3 Meter unter uns an uns vorbei, und in einem guten Monat kann man hier Bären dabei beobachten, wie sie sich die Bäuche mit Fisch vollschlagen. Schade, dass wir ein wenig zu früh im Jahr hier sind, das hätten wir natürlich gern gesehen. Wir passieren eine große Campingwiese, ein paar Plumpsklos und liebevoll errichtete Kabinen, die das ganze Jahr über vermietet werden. Es gibt überdachte Feuerstellen und eine Schlechtwetter-Kabine, die mit Büchern, einem schweren Holztisch, Spielen, einer antiken Nähmaschine und Sofas bestückt ist.

    Wir fühlen uns total wohl und hopsen nach der Runde zufrieden in Freddie. Den Abend über schauen wir die ersten zwei Folgen der Kanada-Saga. Hier geht es um die Entstehung und Besonderheiten Kanadas und dessen Geschichte. Dazu gibt es einen Weinchen und Süßkartoffel Curry.

    Der wenige Schlaf der letzten 24 Stunden macht sich recht schnell bemerkbar, und wir schlummern glücklich und zufrieden mit Regenprasseln in den Ohren ein.
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  • Alle Wege führen zum Aussichtspunkt

    3–4 jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 11 °C

    Das Erste, was wir an diesem Tag hören, ist Stille. Das Erste, was unsere verschlafenen Augen durch die Dachluke zu Gesicht bekommen, ist ein Streifen blauen Himmels, der hinter dem Nadelbaum zu erkennen ist. Diese Gelegenheit nutzen wir sofort und machen uns mit Bella auf den Weg, das kleine Stück Wald auf der anderen Seite des Platzes zu erkunden.

    Nachdem wir zwischen Fluss und Wald spaziert sind, gelangen wir zu einer riesigen Wiese, über die einsam ein Baum wacht. Wir bekommen beide recht schnell nasse Schuhe, aber zum Glück nicht, weil plötzlich Regen einsetzt, sondern wegen des nassen Grases. Außer dem Rauschen des Flusses ist nichts zu hören – wir sind beide ganz beseelt von diesem zauberhaften Start.

    Zurück an Freddie warten wir, bis der Kaffee fertig ist, und laufen dann die wenigen Meter mit dem Kaffee zur Aussichtsplattform. Die Aussicht ist traumhaft, und wir lassen beide immer wieder unseren Blick über den Fluss, die dahinter liegende Wildnis, die steil aufragenden Berghänge und die gelegentlich auftauchenden Gipfel dieser Berge schweifen. Es ist ein sehr schön gelegener Campingplatz, der mit viel Liebe zum Detail, aber auch einfach durch seine besondere Lage, zu begeistern und zu verzaubern weiß. Nach fast einer Stunde, der Kaffee ist schon lange leer, wird es uns dann im leichten Nieselregen doch etwas frisch und wir gehen zu Freddie zurück.

    Dort räumen wir ein wenig auf und um und warten, bis das Wetter sich wieder von seiner besseren Seite zeigt, und laufen erneut zum Aussichtspunkt. Natürlich hoffen wir beide, dass wir auf der anderen Seite des Flusses Bären sehen, wissen aber auch, dass dies so außerhalb der Saison eine Utopie ist. Dafür treffen wir den älteren Herrn von gestern und seine – wie sich später herausstellt – Schwester. Wir kommen schnell ins Gespräch, und in der nächsten dreiviertel Stunde erzählen wir von unserer Reise, wie das alles in Form eines Sabbaticals möglich ist, und kommen von Hölzchen aufs Stöckchen. Im Gegenzug erzählen die beiden uns von ihrem Leben auf Vancouver Island und ihren Reisen. Nachdem wir beide das Gespräch beobachtet haben, muss ich nachfragen, und ich lag mit meiner Vermutung fast richtig. Die ältere Dame ist 89 Jahre alt, ihr Bruder immerhin stolze 86 Jahre, und einmal nach Bella Coola zu fahren, wollten sie unbedingt. Wir haben beide nicht den Eindruck, dass es ihre letzte Reise sein soll. Das ist sehr beeindruckend und macht hoffentlich nicht nur uns Lust aufs Altwerden bzw. aufs Reisen im höheren Alter.

    Die traute Viersamkeit wird wenig später von einem weiteren Paar unterbrochen, mit dem wir dann auch kurz ins Gespräch kommen. Ein deutsches Paar, vermutlich leicht jenseits der 60 Jahre, aus der Nähe von Bielefeld ist gerade auf dem Campingplatz angekommen und erkundet wie wir gestern den Platz. Die Erzählungen über Bärensichtungen auf dem Weg nach Bella Coola machen uns beiden Mut für die Weiterfahrt. Die beiden finden es super, dass wir unseren Freddie verschifft haben, würden dies mit ihrem Wohnmobil auf Fiat-Basis aber nicht wagen – dafür sei der Wagen wohl zu mürrisch und die Ersatzteilversorgung auf dem amerikanischen Markt zu ungewiss. Für die kurze, knapp vierwöchige Reise im Westen Kanadas würde sich die Verschiffung ohnehin nicht lohnen, obwohl die Mietkosten für diesen Zeitraum bei knapp 4000 € liegen. Das Gespräch zeigt uns mal wieder, dass wir eine wirklich gute Entscheidung getroffen haben.

    Zurück an Freddie entscheiden wir uns für eine neue Runde Kaffee, diesmal mit einer Zimtschnecke. Und natürlich: wir laufen wieder zum Aussichtspunkt, der hat es uns wirklich angetan. Bella trottet zum dritten Mal am heutigen Tag mit uns mit und scheint dem Aussichtspunkt auch einiges abgewinnen zu können. Zum Großteil schweigend genießen wir den Kaffee sowie das süße Teilchen. Es ist einfach wahnsinnig schön. Ob man sich jemals daran sattsehen könnte? Wir bezweifeln es beide.

    Zu Abend gibt es eine leckere Portion Nudeln in einer herzhaften Tomatensoße, bei der wir uns weitere Teile der Dokumentationsreihe "Die Kanada-Saga" anschauen. Die Geschichte der USA wurde bei uns beiden im Schulunterricht behandelt, Kanada ist dabei aber nur am Rande vorgekommen. Dank der Dokumentation bekommen wir beide dann doch noch genug Wissen vermittelt (zu finden übrigens in der Mediathek via https://mediathekviewweb.de/#query=kanada saga).

    Bevor es ins Bett geht, zieht es uns beide aber noch ein weiteres Mal zum Aussichtspunkt. Diesmal sind wir mit wärmendem Whisky und Sitzkissen bewaffnet und verbringen noch eine Stunde in der untergehenden Sonne. Dankbar für einen weiteren Tag in dieser wunderschönen Natur, dem tollen Gespräch und dem schönen Wetter, fallen uns dann spät am Abend die Augen zu.
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  • Ruhe

    4–5 jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 7 °C

    Gestern haben wir noch entschieden, heute für eine weitere Nacht hier zu bleiben. Auch heute ist das Wetter noch schlecht angesagt und mit Regen weiter zu düsen macht recht wenig Sinn. Bald steht für uns der Heckman Pass an, eine Schotterstraße mit ordentlichen serpentinenartigen Steigungen und ohne Leitplanken. Das müssen wir uns in matschigem, nassen Wetter nicht geben. Also wird dieser Traumplatz nochmal um eine Nacht verlängert und der Tag steht unter dem Stern „Seele baumeln lassen“. Wie schön und besonders es einfach ist sich die Tage so gestalten zu können, wie man es mag. Immer dann, wenn man Lust hat, mal Garnichts zu machen einfach sagen „Jut, machen wir heut nichts und bleiben einfach, wo wir sind“, das werden wir nach dem Sabbatical so nicht mehr machen können. Also genießen wir es, solange das geht.

    Wir gehen unsere altbekannte Runde mit Bella und hopsen natürlich, wie jedes Mal, wenn wir dort vorbeikommen, auf die Aussichtsplattform. Hier saugen wir den Anblick in uns auf und machen uns dann aber recht schnell wieder auf zu Freddie. Nass und kalt ist es heute und so werden wir, anders als gestern, den meisten Teil des Tages in Freddie verbringen. Seit wir die USA verlassen und mittlerweile um einiges weiter im Norden sind, sind die Temperaturen meist so im Bereich zwischen 8 und 13° Celsius. Da braucht es dann schon ein wenig Sonne, damit ich Freddies Tür auflassen und mich die meiste Zeit draußen aufhalten würde. Auch Christian kommt hier mit seiner „kurze-Hosen-Philosophie“ zeitweise an seine Grenzen. Sein Plan ist ja, so wenige Tage wie möglich eine lange Hose anzuziehen. Heute Morgen beim Gassi Gang sind seine Hände zwischendurch leicht bläulich verfärbt 😂.

    Zurück in Freddie daddelt Christian ein bisschen Zelda und ich lese die Silo Trilogie zu Ende. Zwischendurch schnacken wir mit Jenny, die ganz verwirrt ist, dass wir im Bett liegen, dafür sei doch gar nicht die Tageszeit. Wenn es draußen regnet und wir keinen Fahrtag einlegen, ist unser Bett unser Sofa. Ich würde gern wissen, wie viel Zeit wir am Ende der Reise hier verbracht haben werden. Der Tag zieht vorbei, zum Mittag gibt es ein Sandwichtoast und immer wieder zwischendurch wagen wir uns ins kalte Nass, um zum Plumpsklo zu laufen. Eigentlich ganz praktisch, wenn man zur Toilette einige Meter laufen muss, so kommt man auch an so faulen Tagen wie heute auf seine Schritte. Auch wenn die Überwindung jedes Mal ganz schön groß ist und ich mehrmals heute abwäge, dass es schon verlockend wäre einfach weniger zu trinken, um von meiner Mädchenblase nicht immer in die Kälte getrieben zu werden. Aber dann würde ich wahrscheinlich Kopfschmerzen bekommen, also beiße ich in den sauren Apfel und folge dem Ruf meiner Blase halt so oft es sein muss.

    Christian macht am Nachmittag noch einiges am Laptop, sogar ein bisschen was für die Arbeit und ich suche mir eine neues Buch heraus. Ich habe noch einige runtergeladen auf meinem Kindle und entscheide mich für ein Buch von Ellin Carsta, die historische Romane schreibt. Ein bisschen leichte Kost nach dieser spannenden, aber auch in wenig deprimierenden Trilogie von Hugh Howey.

    Abends gibt’s nochmal eine Gassi Runde und ich koche eine große Portion Ramen, der schön wärmt. Dazu gibt es einen Film und dann geht’s auch schon bald ins Bett. Ein herrlich unspannender Tag geht zu Ende.

    P.S.: Wir sind hier viel abseits in der Natur unterwegs und der Empfang ist zum Großteil nicht vorhanden. Also nicht wundern, wenn Berichte später kommen.
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  • What "The Heck"

    5–6 jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 12 °C

    Hochmotiviert werden wir am Mittwochmorgen wach. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage hier am Platz und in die Richtung, in die wir fahren wollen, verheißt nur Gutes. Damit können wir beide sehr gut leben. Während Hanna ihre Siebensachen für die Dusche packt, spaziere ich schon mal den Platz mit Bella ab und kümmere mich dann um den Kaffee und Freddie. Wenig später kommt Hanna sehr zufrieden und glücklich wieder: ein kleiner Schrank in der Damendusche hält wohl alle möglichen kosmetischen Produkte bereit.
    Darauf freue ich mich dann ehrlich gesagt auch. Seit knapp drei Jahren bin ich großer Fan der Duschbrocken (wie ein Stück Seife). Auch wenn diese teurer sind, halten sie viel, viel länger, und ich habe früher nicht selten getreu dem Motto „viel hilft viel“ einen sehr hohen Verbrauch an Duschgel gehabt. Trotzdem fühlt sich das Einschäumen mit Duschgel manchmal einfach besser an.

    Die Auswahl in der Herrendusche ist dann sehr begrenzt: ich finde Zahnpasta und ein Duschgel der Marke „Old Spice“ vor. Irgendwie ist bei mir der Geruch mit der älteren Generation verknüpft, aber gut: ich werde nächstes Jahr auch schon vierzig. Nachdem der „Loonie“ im Münzschlitz der Dusche verschwindet, schaffe ich es dann auch in zwei Minuten komplett fertig geduscht zu sein. So etwas wäre vielleicht auch mal eine Maßnahme für zuhause.
    Frisch geduscht und mit Kaffee gestärkt machen wir uns dann los, entleeren aber vorher nochmal das Abwasser von Freddie und füllen unseren Wassertank auf. Für die drei Nächte haben wir hier jetzt etwas über 60€ bezahlt – ein wirklich guter und fairer Preis.

    Da wir am Tag unserer Ankunft Bella Coola nur im Schleier des Regens wahrgenommen haben, fahren wir zunächst die 20 Kilometer wieder in die andere Richtung und halten hinter dem Örtchen an einem Parkplatz bei einem kleinen Wasserkraftwerk. Dort können wir einen Blick auf einen tosenden Wasserfall werfen, der sich seinen Weg durch die Felsen in Richtung des Fjords gefressen hat. Letzterem statten wir dann auch noch einen Besuch ab. Hier finden sich dann wieder Picknickplätze, inklusive Bank, Feuerstelle und einem Plumpsklo. Wir sind gespannt, ob sich dieses Konzept der Nutzungsflächen durch das gesamte Kanada ziehen wird.
    Abgesehen von zwei Seehunden in weiter Ferne und einer Ansammlung von Enten entdecken wir keine Tiere auf dem Wasser. So können wir dann ohne „Ablenkung“ die Aussicht auf das Ende des Fjords und die Berge auf der anderen Seite genießen.

    Wir fahren danach kurz durch Bella Coola. Fast die Hälfte der Bevölkerung der Siedlung zählt sich zu den Nuxalk, die zu den Ureinwohnern gehören. In der Siedlung selbst gibt es außer einem kleinen Supermarkt und einer Tankstelle nichts, das unsere Aufmerksamkeit erregt, und so machen wir uns auf den Weg gen Osten. Am Supermarkt kurz vor dem Campingplatz der letzten Nächte machen wir Halt und kaufen ehrlich gesagt nur etwas „Alibi“-Gemüse. Der Rest verteilt sich einigermaßen gleichmäßig auf Chips und Schokolade. Heute waren definitiv die beiden 8-jährigen Versionen von uns einkaufen und haben den ein oder anderen Heiermann auf den Kopf gehauen.

    Der Heckmann-Pass, mit dem das Bella Coola Tal verlassen werden kann, ist knapp 70 Kilometer entfernt und wir haben uns einen Stellplatz kurz davor herausgesucht. Fast alle Plätze hier sind in unmittelbarer Nähe zum Bella Coola Fluss bzw. dem Atnarko Fluss, wie er weiter östlich genannt wird. Bei den Beschreibungen aller Plätze wird entweder das Übernachten in Zelten komplett oder ab August untersagt: es ist halt Bärengebiet. Die Lachse, die sich in Scharen auf dem Weg zu den Laichgründen machen, ein gefundenes Fressen, locken die Bären an. Da leuchten diese Vorsichtsmaßnahmen auch ein. Der ausgewählte Platz scheint auch ein Garant für Beobachtungen der Bären zu sein – allerdings sind wir vollkommen außerhalb der Lachssaison hier.

    Für uns geht es also erstmal entlang des Highways in Richtung des Passes, und wir können uns beide einfach nicht sattsehen. Neben der ein oder anderen Siedlung gibt es nur vereinzelt Wohnhäuser und ansonsten nur Natur. Wobei, „Wildnis“ trifft es einfach besser. Hier dauerhaft wohlfühlen und leben? Ich bin mir sicher, wir könnten es. Nicht ohne die ein oder andere (große) Herausforderung, aber es ginge. Genau darüber philosophieren wir dann auch, als wir uns von einem Parkplatz am Highway auf den Weg zu einem kleinen Aussichtspunkt machen, der einen tollen Blick auf das Tal verspricht. Wir hätten auch die Möglichkeit, daraus eine etwas längere Radwanderung zu machen, entscheiden uns aber dagegen. Das Kratzen im Hals, das gestern Abend angefangen hat, ist nicht verschwunden und setzt sich fest. Mist!

    Zurück an Freddie fahren wir weiter und halten an einem kleinen Campingplatz. Hier gibt es eine inoffizielle Beobachtungsplattform, aber von Bären ist weit und breit keine Spur. Auch wenn wir hier sehr wahrscheinlich allein übernachten würden, die neun Stellplätze in Form von simplen Parkplätzen mit Blick auf den Asphalt genügen nicht unseren Ansprüchen. Ob wir, was (nicht nur) das angeht, verwöhnt sind? Definitiv! Aber es ist auch einfach so unglaublich schön hier! Kurz bevor wir losfahren, unterhalten wir uns noch kurz mit zwei Angehörigen der Nuxalk, die in der Funktion als Ranger hier regelmäßig die Plätze abfahren. Die Fahrt nach oben auf den Hügel sollten wir in jedem Fall aufzeichnen, so wild und besonders sei diese. Zusammen mit den Informationen der beiden Deutschen, sind wir wirklich gespannt. Nur Schotterpiste, keine Leitplanke und zum Teil bis zu 18% Steigung. Herausfordernd wird es bestimmt, aber ansonsten kommen da regelmäßig genug Autos runter und schaffen es auch wieder rauf – warum sollte das also für uns anders sein?

    Zwei Kilometer später kommen wir dann an unserem ausgewählten Platz an, nur um festzustellen, dass er geschlossen ist und erst Mitte Juni öffnet. Schade! Wir fahren einen Kilometer weiter und halten dann an einem Rastplatz unmittelbar vor dem Pass, der, wie wir gelernt haben, auch einfach nur „The Hill“ genannt wird. Dass es diesen gibt, ist im Übrigen nicht der Provinzialregierung zu verdanken – diese lehnte die lange geforderte Verbindung in der Mitte des letzten Jahrhunderts mehrfach ab. Selbst ist der Kanadier, und so hat sich dann eine Gruppe mit Planierraupen daran gemacht, die Straße selbst zu erschließen: der eine Teil von unten, der andere von oben. Nachdem das Projekt fertig war, wurde es dann wohl offiziell anerkannt und wird seitdem auch regelmäßig gewartet und gepflegt. Wie der deutsche Amtsschimmel damit wohl umgehen würde?

    Unschlüssig, ob wir das schöne Tal verlassen wollen oder nicht, frühstücken wir erstmal Müsli. Aber kein gesundes, sondern eine Zuckerbombe, die der 8-jährige Christian im Supermarkt mitgenommen hat! „Gestärkt“ entscheiden wir uns dann für die Fahrt nach oben, klemmen die Kamera auf die Motorhaube und fahren los. Die Piste ist in erstaunlich gutem Zustand, es gibt weder Abschnitte mit Schlaglöchern noch Wellblech und so wird es eine doch recht gemütliche Fahrt. Kurz stoppen wir, weil es in bzw. an Freddie etwas komisch klingt, aber wir identifizieren schnell die Müsli-Löffel in der Spüle als Ursache. Die Aussicht ist gigantisch und wir versuchen, alles in uns aufzunehmen.

    Es geht zum Teil wirklich steil hinauf, und wir sind mal wieder froh über unsere Bereifung. Nachdem die ersten beiden Serpentinen überwunden sind, fange ich an, meinen Kopf dauerhaft von links nach rechts schweifen zu lassen und halte nach Bären Ausschau, aber weit und breit ist keiner zu entdecken. Ich werde etwas pessimistisch und komme nach einer halben Stunde zur Behauptung, dass wir heute bestimmt keine Bären mehr sehen werden. Hanna hält optimistisch dagegen und soll (ausnahmsweise) mal Recht haben.

    Ein Schwarzbär mit braunem Fell kreuzt keine hundert Meter vor uns die Straße. Dem zimtfarbenen Fell nach könnte es sich auch um einen Zimtbären handeln, einer Unterart der amerikanischen Schwarzbären. Wir stoppen, machen die ersten Fotos und beobachten das Tier erstmal. Es nimmt von uns kurz Notiz, scheint sich aber ansonsten überhaupt nicht an unserer Anwesenheit zu stören und mampft weiter fröhlich vor sich hin. Es ist schwer in Worte zu fassen, was eine solche Begegnung in einem auslöst. Definitiv Ehrfurcht, allein schon beim Anblick der langen Krallen und der großen Zähne. Irgendwie wirkt der Bär auf uns aber auch beruhigend, wie ein Relikt aus längst vergessener und vielleicht besserer Zeit, als der Mensch die Natur noch nicht so bezwungen und sich zu eigen gemacht hatte. Es ist in jedem Fall ein Potpourri aus Eindrücken und Gefühlen, mit dem wir den Bären ein paar Minuten später zurücklassen. Auch wenn wir uns nur schwer von dem Anblick lösen können, wollen wir das Tier dann nicht doch irgendwie stressen.

    Es geht also weiter den Hügel hinauf und nach insgesamt einer knappen Stunde gemütlicher Fahrzeit sind wir dann auch oben angekommen. Ohne weiteres hätte man die Strecke auch schneller befahren können, aber noch haben wir ja Zeit. Als Ziel für den Tag haben wir einen Campingplatz direkt am Anahim Lake ausgewählt – von diesem hatten uns auch die beiden Deutschen erzählt und gesagt, dass er noch schöner sein solle. Bis dorthin haben wir aber nochmal etwas über 90 Minuten entlang der Schotterpiste vor uns und halten weiter fleißig nach Bären Ausschau und werden noch zwei Mal belohnt. Diesmal mit zwei Schwarzbären, die ihrem Namen alle Ehre machen. Wobei das erste Exemplar ziemlich zerzaust aussieht und die Wirbel im Fell auch von einem Meerschweinchen stammen könnten. Da beide Bären diesmal auf der Seite von Hanna futtern, haben wir nochmal einen viel besseren Blick auf die Tiere. Beim ersten der beiden Bären sind es vermutlich keine zehn Meter, die uns von ihm trennen, und wir reizen die Zeit der Beobachtung so gut es geht aus.

    Dabei macht der Bär es uns auch wirklich einfach: auf dem Bauch liegend verputzt er einen Grashalm nach dem anderen. Der dritte Bär des Tages bietet einen ähnlichen Anblick, auch wenn er gut 30 Meter von uns entfernt ist. Dankbar und richtig beseelt erreichen wir eine halbe Stunde später den Campingplatz. Dieser ist zwar etwas teurer, aber es hält sich noch im Rahmen, und wir stehen direkt am See. Vollkommen ungewohnt im Vergleich zu den letzten zehn Nächten stehen wir etwas erhöht und haben eine fast vollkommene Rundsicht auf die Gegend um uns herum. Weit hinter uns im Rücken leichte Berghänge vor einer weitläufigen Graslandschaft, unmittelbar vor uns der See und dahinter die verschneiten Felsen des Mount Kappan.

    Da wir hier am Platz ein wenig WLAN-Empfang haben, nutzen wir dieses und laden die restlichen Folgen der Kanada-Sage herunter und finden zusätzlich noch eine interessante Dokumentation über das Bella Coola Tal. An der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas reißerisch, aber für die Interessierten: https://bit.ly/3VCGj4A

    Einigermaßen gesund zaubern wir uns ein paar Wraps, während wir die Dokumentation anschauen und uns so auf eine etwas andere Art nochmal den Tag vor Augen führen lassen.
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  • Wo Bären und Elche sich guten Tag sagen

    6–7 jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 12 °C

    Ich wache um acht Uhr auf und schaue auf das Thermometer. Brrrr, 10° in Freddie, da bleibt einem gar nicht viel anderes übrig, als noch unter der Decke zu bleiben, oder?! Ich drehe mich also nochmal für ein Stündchen um und genieße die Wärme des Bettes. Dann müssen wir uns aber so langsam bewegen, da wir unseren Platz hier am See um 11 Uhr freigemacht haben müssen, wenn wir nicht noch um einen Tag verlängern wollen. Ich ziehe mich an und bereite eine ordentliche Portion heißes Wasser für Tee und Kaffee vor, stelle unseren Kocher auf den Herd und hopse nochmal zu Christian unter die Decke, während die Gasflamme ihre Arbeit tut. Als das Wasserpfeifen ertönt, macht Christian alles für den Tee bereit und ich mahle im Bett die Kaffeebohnen. Die letzten Stunden auf dem Platz vergehen mit Käffchen und mit der Zeit wärmt die Sonne Freddie auf 20° auf. Kurz überlegen wir, ob wir noch um eine Nacht verlängern sollen. Hier ist es herrlich ruhig, außer uns stehen in einiger Entfernung nur zwei weitere Camper und man könnte einen richtig ruhigen Tag hier genießen. Allerdings sollen die Temperaturen in der kommenden Nacht unter null Grad fallen und so machen wir uns dann doch weiter auf Entdeckungstour.

    Wir wollen heute nicht allzu weit fahren und schauen uns auf der Karte die ungefähre Richtung aus, in die es als Nächstes gehen soll. Zunächst wollen wir aber eine nette kleine Runde mit Bella gehen und dafür ein Stück in die Richtung fahren, aus der wir gestern gekommen sind. Hier sind wir an einigen Schildern für Wanderungen und Aussichtspunkten vorbeigerollt, also sollte sich dort doch auch eine nette Hunderunde finden lassen. Wir rollen an „Eagles Nest Trailhead“ vorbei und stellen uns auf den Wanderparkplatz. Der Trail liegt am Anahim Lake und führt über teilweise sehr sumpfige Wiesen und entlang morscher Bäume. Auch hier ist es zauberhaft ruhig und wir stapfen eine kurze Weile durch die Gegend. Für eine lange Runde ist uns das Gelände aber ein wenig zu unwegsam. Ich bin seit Ewigkeiten das erste Mal mit nur knöchelhohen Schuhen unterwegs und stakse wie ein Storch durch die Gegend und passe auf jeden Tritt auf. Naja, in kleinen aber sicheren Schritten voran, was?!

    Nach der Runde juckt es Christian und mich in den Fingern, vielleicht noch ein kleines Stückchen weiter in die Richtung des Heckman Passes zu fahren. Vielleicht könnte man ja nochmal über einen Bären stolpern. Die Dame, die den Campingplatz betreibt, hat mich gestern gefragt, ob denn einer der drei gesichteten Bären ein Grizzlybär gewesen sei. Angeblich würden zwei bekannte Grizzlys auf der Anhöhe des Heckman Pass leben, die sich auch häufig zeigten und wo die Möglichkeit groß sei, sie ein wenig in ihrem natürlichen Habitat beobachten zu können. Also fahren wir in die Richtung, aus der wir gestern gekommen sind, wieder entlang dieser wunderschönen Natur. Wälder, Weite, weiße Bergspitzen, Steppe und auch einige Bereiche, in denen nur noch verbrannte Baumstümpfe stehen. Zusätzlich Wasser in Fluss- und Seeform an allen Ecken und Enden. Alleine für die Natur lohnt es sich schon.

    Nach einer knappen Viertelstunde stehen an einem Abzweig plötzlich zwei Elche auf dem Weg. Schon damals in Schweden fand ich diese staksigen Riesen faszinierend. Wir bleiben stehen, schalten den Motor ab und schauen den beiden zu, wie sie ins Unterholz verschwinden und immer zwischendurch stehen bleiben und Freddie mit Argusaugen beobachten. Ein paar Fotos kriegen wir sogar in den Kasten und sind ganz beflügelt.

    Weiter geht’s und nach kurzer Zeit sitzt auf einer Wiese nahe des Straßenrandes ein Schwarzbär, der sich den Bauch mit Löwenzahnblüten vollstopft. Auch hier bleiben wir stehen und verhalten uns so ruhig wie möglich. Der (oder die?) Gute lässt sich überhaupt nicht stören, schaut zwischendurch zu uns, steht auf, um die Position zu wechseln und mampft zufrieden weiter. Es ist total schön, den Bären in seinem natürlichen Umfeld zu sehen, wie zufrieden er sich seinen Salat des Tages zusammensucht und auch, wie wenig ihn Menschen stören. Das lässt darauf schließen, dass der Bär keinerlei schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hat, sie nicht als Bedrohung sieht und wir ihm schlicht und einfach vollkommen egal zu sein scheinen. Da wir gestern auf ähnlicher Höhe auch einen Bären gesehen haben, gehen wir davon aus, dass es sich wahrscheinlich um das gleiche Tier handelt und er oder sie hier im Umkreis unterwegs ist und sich die Tage vertreibt.

    Von der Sichtung gepusht, machen wir uns noch ein kleines Stück weiter in die Richtung, aus der wir gestern gekommen sind, und stolpern wenig später auf einen weiteren Schwarzbären, der dem zweiten Bären von gestern verdächtig ähnlich sieht. Auch er schaut kurz auf, lässt sich dann auf seinen Pöppes plumpsen und legt sich schließlich hin. Was haben wir doch für ein Glück und was sind das für besondere Marmeladenglasmomente, die wir gerade sammeln dürfen.

    Wir rollen weiter in eine Straßenbucht, die von dem Bären einen knappen Kilometer entfernt ist, und Christian holt seine Drohne raus, um die Landschaft einmal von oben auf die Linse zu bekommen. Dann drehen wir wieder um und fahren in die Richtung, aus der wir heute Morgen gestartet sind. Am Straßenrand haben wir vorhin einen Abzweig passiert, an dem die „Hotnarko Falls“ ausgeschildert sind, zu denen es von hier aus 10 Kilometerchen sind. Naja, Wasserfälle sind ja immer ganz schön und so entscheiden wir uns dazu, die Aussicht mitzunehmen. Es geht über eine ordentliche Schaukelpiste, wir ziehen eine ganz schöne Staubwolke hinter uns her. Angekommen am Trailhead sehen wir, dass es zwei Aussichtspunkte zur Auswahl gibt. Wir steuern beide an und sind mit Kamera, Drohne, Bärenspray und Hund bewaffnet 😉. Die Aussicht ist auch hier mal wieder bombastisch, von beiden Aussichtspunkten hat man einen Blick auf ein Tal, das sich weit unter den Steilwänden befindet, auf denen wir gerade stehen. Ein Wasserfall rauscht in die Tiefe und in der Ferne kann man mit dem Blick dem Verlauf des Flusses folgen. Der Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt.

    Wir merken, dass wir außer ein paar Nüsschen heute noch nichts zu uns genommen haben und dass wir mittlerweile schon viel länger unterwegs sind, als wir eigentlich insgesamt fahren wollten. Vom Campingplatz der letzten Nacht sind wir dabei höchstens 10 km entfernt. Das kann auch echt nur uns passieren. Auf der Karte sieht der Fahrtverlauf von heute wahrscheinlich gigantisch konfus aus. Also schauen wir uns auf der Karte ein nettes Plätzchen aus, das wir nun anfahren werden, um dort ein Picknickpäuschen zu machen. Falls es uns gefällt, können wir ja bleiben und wenn wir danach noch Lust haben, weiterzufahren, können wir das ja auch machen. Mal sehen, was der Nachmittag bringt. Eine 10 Kilometer lange Hoppelpiste später kommen wir an der Kappan Lake East Recreation Site an. Der See ist toll, hier ist nichts los, es gibt Toiletten und wie so oft Feuerstellen und Picknicktische. Ein Sandwich-Wrap später beschließen wir hierzubleiben und richten Freddie für die Nacht aus, isolieren das Fahrerhaus mit Thermomatten und machen es uns gemütlich. Ich schreibe Berichte, Christian daddelt Zelda und Bella lässt ihre Hundeseele baumeln.

    Es wird langsam Abend und wir genießen es in den letzten Tagen total, dass es erst nach 21 Uhr dunkel wird. Die Temperaturen sind zwar frisch, aber im Gegensatz zum Nachmittag liegt der See spiegelglatt da, weil keinerlei Wind geht. Zwischendurch kreist mal wieder ein Weißkopfseeadler über dem Wasser herum und man kann einzelne Fische in die Luft hüpfen und die Mücken des Abends fangen sehen. Wir machen uns auf zu einer kleinen Runde mit Bella und watscheln am Ufer des Sees entlang mit Ausblick auf die Berge, die ein malerisches Bild abgeben.

    Wieder zurück an Freddie überlegen wir, wie wir den Abend gestalten wollen. An der Feuerstelle liegen noch einige Holzscheite, sie wirken so einladend, dass wir uns für ein Feuerchen entscheiden. Breit grinsend geht Christian an den Kofferraum von Freddie und in dem Moment, wo ich mich frage, was er wohl im Schilde führt fällt mir ein, dass wir ein „rundum-sorglos-Smores-Paket“ gekauft haben. Kekse, Schokolade und Marshmallows. Uiii, yummi, unser Essverhalten der letzten Tage ist wirklich unter aller Kanone, aber gut Sabbatical is ja auch nicht alle Tage. Kurze Zeit später sitzen wir zufrieden schnösend am Feuer, es ist schön warm und die Aussicht ist einfach zauberhaft. Wir bleiben allerdings nicht ewig am Feuerchen, da wir uns auf Kuscheligkeit und Standheizung in Freddie freuen. Wir machen schonmal mittels App die Standheizung an und löschen dann das Feuer. Drinnen angekommen, machen wir uns langsam aber sicher bettfertig und wenden uns ordentlich eingekuschelt dem Lesen und der Switch zu.
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