Vom stehenden zum fließenden Gewässer
7–8 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 19 °C
Wir werden in aller Einsamkeit am See wach und starten in aller Ruhe in den Tag. Das Wetter verspricht nur Gutes, und so verbringen wir den Großteil des Morgens direkt vor unserer „Haustür“. Zwischendurch bekommen wir am Platz kurz Besuch: Die Toiletten werden gereinigt und mit Toilettenpapier versorgt. Auch wenn das Fleckchen am See ein offizieller, kostenloser Platz ist, kümmern sich Freiwillige um solche Aufgaben.
Bewaffnet mit einer Tasse Kaffee spazieren wir erstmal zum „Strand“ und genießen den Ausblick auf den See, der vollkommen ruhig vor uns liegt. Eingefasst vom Wald direkt vor dem Zug des Mount Kappan ist dies wirklich ein wunderschöner Platz. Jetzt, drei Tage später, trauern wir diesem Platz etwas nach. Wir haben gestern Abend noch ein wenig hin und her überlegt, uns dann aber doch für die Weiterfahrt entschieden. Mitte Juli wollen wir in Toronto zum Konzert sein, und wir haben bis dahin noch einige „große“ Stopps in Nationalparks vor uns. Bevor wir uns jetzt abhetzen, können wir es dann lieber nach den Stopps ruhiger angehen lassen.
Zurück an Freddie gibt es eine Premiere in unserem Urlaub: das erste Sandwich mit Erdnussbutter und Marmelade. Warum wir es bislang noch nicht gemacht haben? Selbstschutz, es ist einfach unverschämt lecker.
Die Zufahrt zum Platz war gestern etwas abenteuerlich, und nachdem wir angekommen sind, haben wir in der Beschreibung auch gelesen, dass ein Vierradantrieb empfohlen wird. Zum Glück ist der Boden trocken und Freddie kurz und wendig genug, sodass die knapp zwei Kilometer lange Rückkehr „bergauf“ zur Forststraße ganz gemütlich nach 15 Minuten erfolgreich erledigt ist. In weiser Voraussicht haben wir diesmal auch die Äpfel aus dem Obstnetz entfernt, sodass diese nicht mahnend gegen die Wand schlagen konnten. Die Strecke bis nach Williams Lake wollen wir heute nicht komplett zurücklegen, und so haben wir uns zwei Plätze entlang des Highways rausgesucht.
Zunächst wird Freddie aber erstmal an einer kleinen Tankstelle vollgetankt, auch wenn es hier aufgrund der Lage etwas teurer ist. Mit umgerechnet 1,40 € pro Liter ist es immer noch günstiger als zuhause.
Wir folgen dem Highway, der sich durch die Wildnis windet, passieren immer wieder kleine Gehöfte und haben neben Gebirgszügen auch grüne Weidelandschaft vor Augen. Aber auch immer eines im Blick: schwarze, verkohlte Baumstümpfe, die den Waldbränden zum Opfer gefallen sein müssen. Auch wenn es hier unglaublich viele Flüsse und Seen gibt und wir auch die ein oder andere Portion Regen mitgenommen haben, wirkt es hier in der Ecke ziemlich trocken.
An einem See direkt neben dem Highway halten wir kurz an. Auch hier gibt es Plätze für die Nacht, direkt neben einem See, der uns türkisgrün anlacht. Dazu scheint die Sonne und wir haben fast komplett blauen Himmel. Wäre die Orange, die hier auf dem Boden liegt, der einzige Abfall, wären wir vermutlich hier über Nacht geblieben. Aber leider sieht es an einigen Stellen aus wie auf einer improvisierten Müllkippe. Unser „Aufräumdrang“ hält sich bei diesem Anblick heute dann ziemlich in Grenzen.
Der zweite Stellplatz ist dann auch nur noch eine halbe Stunde entfernt, und hier sieht es auch viel sauberer aus. Ob es daran liegt, dass er ein paar Meter weiter vom Highway entfernt liegt, es Mülltonnen gibt und für den Platz gezahlt werden muss? Wir rätseln darüber ein wenig, während wir in unserer Nische parken. Heute stehen wir also an einem hellblauen Fluss. Auch wenn uns eine Holzabsperrung und ein Abhang vom Fluss trennen, stehen wir keine drei Meter entfernt von diesem und können einen wunderbaren Blick auf die reißenden Fluten werfen.
Nachdem wir angekommen sind und die üblichen Handgriffe erledigt haben, packen wir das erste Mal seit Ewigkeiten wieder unsere Decke mit den Druckknöpfen aus und befestigen diese an den hinteren Türen. Die Sonne knallt erbarmungslos, und um uns herum sind es über 20 °C, in Freddie mal wieder etwas mehr. Ein Kontrast, mit dem wir gestern Abend, als wir das Lagerfeuer bei Temperaturen, die langsam in Richtung Gefrierpunkt gingen, nicht wirklich gerechnet haben. Wir genießen das Ganze aber sehr, schließlich sind Sonnenschein und warme Temperaturen die letzten Bausteine, die uns in Kanada noch gefehlt haben.
Wir genießen also den späten Nachmittag in der Sonne, schlürfen nochmal einen leckeren Kaffee und lassen die Seele baumeln. In der langsam untergehenden Sonne spazieren wir mit Bella einen kleinen Wanderweg entlang, der parallel zum Fluss verläuft. Das Ende des Weges taucht abrupt vor uns auf und holt uns aus unserer verträumten Wanderei zurück in die Realität.
Bevor wir uns auf den Weg gemacht haben, hat Hanna noch einen leckeren Salat mit Thunfisch vorbereitet, der jetzt so richtig schön durchgezogen ist. Am Picknicktisch setzen wir uns nach draußen, schlagen uns den Bauch voll und genießen den Blick auf den Garten des heutigen Tages. Czytaj więcej
Schöner Döner
8–9 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 22 °C
Na, was passiert heute Morgen wohl? Richtig! Bett umbauen, Kaffee kochen und diesen dann bei perfektem Wetter draußen genießen. Für mich gibt es dazu heute Morgen ein schnelles Müsli, während Hanna glücklich die Reste vom gestrigen Salat verspeist. Danach geht es für unsere 3er-Reisegruppe nochmal entlang des Weges am Fluss, und wir sind natürlich nicht minder begeistert von der Aussicht. Gewässer ziehen uns beide an und haben eine ziemlich beruhigende Wirkung auf uns. Aber wie kann das auch anders sein? Hanna als Kind der Sieg und des Rheins und ich, der zwischen Köttelbecke, Emscher und Rhein-Herne-Kanal im Ruhrgebiet groß geworden ist.
Wir machen uns recht zeitig auf in Richtung Williams Lake, der großen Stadt am Ende des Highways, halten aber zunächst an einer Entsorgungsstation in Alexis Creek, einer kleinen Gemeinde am Rand des Highways, und entleeren das Abwasser bzw. füllen das Frischwasser auf. Hanna kümmert sich unterdessen um das Freischalten des Berichtes von gestern und das Hinzufügen von Fotos. Zum Glück gibt es hier ein Gäste-WLAN, und so können wir nach knapp 24 Stunden ohne jeglichen Empfang auch kurze Entwarnung in der Heimat geben.
Weiter geht es entlang des Highways, und wir sehen ein ähnliches Bild wie am gestrigen Tag und können uns daran natürlich auch heute nicht wirklich satt sehen. Kanada hat es uns angetan, und wir sind schwer verliebt in die Natur und das Land. Es wirkt bisweilen wie eine weitläufigere Mischung aus Irland, Schottland und Schweden. Es wäre gelacht, wenn wir in den nächsten Wochen hier nicht auch noch einen urigen Pub finden würden.
In Williams Lake angekommen, sind wir erstmal überfordert. Hier leben zwar nur knapp zehntausend Einwohner und damit ist es eine der kleinsten Großstädte unserer Reise, aber nach über drei Wochen im Hinterland ist es doch erstmal ein kleiner Kulturschock. Wir flüchten uns erstmal in den Walmart, nutzen das große Sortiment und machen einen richtig großen Großeinkauf. Zurück am Parkplatz schaffen wir es irgendwie, alles unterzubekommen: Wir sind wieder bereit, in der Wildnis zu verschwinden.
Lust haben wir beide aber erstmal auf etwas zu futtern, und nach kurzer Recherche entscheiden wir uns für Karamias Donair: einen Dönerladen. Wir finden einen Parkplatz direkt vor dem Laden, dahinter ist die Straße gesperrt. Hier findet später eine Parade für die Abschlussjahrgänge der hiesigen Schulen statt. Wir spazieren aber erstmal in das Restaurant, und der Anblick des orientalisch angehauchten Eingangsbereiches steht absolut im Kontrast zum knödeligen Akzent, mit dem wir von zwei drahtigen Frauen jenseits der 50 begrüßt werden. Unsere überforderten Blicke zeigen wohl, dass wir hier neue Gäste sind, und so bekommen wir persönlich die besten Gerichte der Karte vorgetragen. Während es für Hanna ein reiner Lamm-Döner mit Pilzen wird, entscheide ich mich für eine gemischte Variante mit scharfer Soße und Ananasstücken.
Knapp 30 € ärmer und mit zwei in Alufolie gewickelten, dicken Dönerwraps sitzen wir ein paar Minuten später wieder in Freddie. Die Idee, beim Fahren zu futtern, verwerfe ich recht schnell; dafür ist das Ding dann doch zu „komisch“ gewickelt, und sobald etwas von der Alufolie abgewickelt wird, muss sofort hinterhergebissen werden. Nachdem wir beide den Dreh raushaben, mampfen und grunzen wir beide selig vor uns hin. Schlonzig, scharf und mit einer guten Note von Knoblauch versehen: Es ist genau das, worauf wir gerade Lust hatten!
Während wir futtern, haben wir auch ein wenig Unterhaltung auf der Straße. Schräg vor uns hat es sich eine Obdachlose auf den Stufen zu einem Tattoostudio bequem gemacht, sich eine dicke Jacke über den Kopf gezogen und versucht zu schlafen. Der Besitzer des Studios kommt wenig später angefahren, um scheinbar etwas aus seinem Laden abzuholen, und macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber der Belagerung seines Eingangsbereichs. Er fordert die Dame deutlich und sichtlich gereizt auf, zu verschwinden. Um das Ganze zu unterstreichen, stößt er den Einkaufswagen mit ihren Siebensachen den Bürgersteig entlang. Dieser ist leicht abschüssig und befindet sich schnell wieder auf der Straße, rollt bergab. Der Besitzer erkennt dies dann aber sehr schnell, hastet dem Wagen hinterher und parkt ihn wieder auf dem Bürgersteig. Die Obdachlose ist sichtlich überfordert mit dem Schnüren der High-Heels, und Hanna und ich überlegen, ob die Schuhe (zusammen mit der Kleidung) ein Indiz für Tätigkeiten sind, denen sie nachgeht. Hätte man uns beim Beobachten beobachtet: Es wäre vermutlich ein Bild für die Götter gewesen.
Auch ohne dieses Paradebeispiel unsympathischer zwischenmenschlicher, städtischer Interaktion freuen wir uns auf den Stellplatz für die Nacht. Es geht gut 20 Kilometer in Richtung Norden, am längsten Fluss von British Columbia, dem Fraser River, entlang. Über eine kleine Holzbrücke auf der anderen Seite angekommen, geht es wieder ein paar Kilometer zurück in den Süden. Nach gut zwei Kilometern befinden wir uns in einem Provinzpark und fahren auf der Schotterpiste Slalom. Alle paar Meter stehen Kühe auf oder an der Straße, verputzen gemütlich das Gras und reagieren ganz unterschiedlich auf Freddie. Die älteren Exemplare scheint unsere Anwesenheit gar nicht zu interessieren, die Kälber mit ihren Müttern nehmen in alle möglichen Richtungen Reißaus. Ohne Zwischenfälle erreichen wir unseren Stellplatz. Wir stehen über dem Fluss an einem begrünten Steilhang und können einen weiten Blick über den Fluss werfen. Farblich überzeugt uns dieser mit seinen Braun- und Grautönen nicht, aber auch dieser Platz ist wie bislang alle in Kanada: wunderschön!
Nach einer ausführlichen Runde mit Bella, bei der wir uns vorsichtig an den zum Teil „flüchtenden“ Kühen vorbeibewegen, lassen wir mal wieder einen tollen Tag in Freddie ausklingen. Wieder einmal kommen wir beide zum gleichen Ergebnis: Wenn es ginge, könnten wir dauerhaft in Freddie leben, die Welt erkunden und wären dabei verdammt glücklich! Czytaj więcej

PodróżnikEs ist 0:09 Uhr ich geh ins Bett gute N8 und Euch einen schönen Tag Gruß Mickey Mouse 😉
Vom fließenden zum stehenden Gewässer
9–10 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 19 °C
Wir wachen in himmlischer Waldesruh auf. Es ist jeden Tag so gemütlich, in Freddie die Glieder zu strecken, schön eingemummelt unter der Decke zu sein und eingekesselt von Christians und Bellas Wärme und Schnarchereien in den Tag zu starten.
Nach einiger Zeit pellt Christian sich aus dem Bett und bereitet Tee- und Kaffeewasser zu. Ich mahle die Bohnen im Bett, und so duftet es innerhalb kürzester Zeit in und um Freddie nach Tee und Kaffee.
Ich vertiefe mich wieder in die Falkenbach-Saga von Ellin Carsta, die mich seit gestern in eine neue Bücherwelt abtauchen lässt. Christian klappt seinen Laptop auf und tippt los, um Berichte fertigzustellen. Währenddessen schnabulieren wir die Chocolatins, die wir gestern im Walmart erstanden haben, und schlürfen dazu unseren Morgenkaffee. Da Christian noch in die Berichte vertieft ist, mache ich mich heute mal allein auf zur Morgenrunde mit Bella, und wir begrüßen auf unserem Weg wieder ganze Kuhfamilien. Ohne die Leine hätte Bella wahrscheinlich große Lust, die neugierig dreinschauenden Kälbchen zum Spielen aufzufordern. Aber wir wollen ja weder die Kälbchen verschrecken, noch den Frust der beobachtenden Mutterkühe auf uns ziehen, gell?
Zurück bei Freddie überlegen wir kurz, ob wir bleiben sollen, entscheiden uns dann aber dazu, uns auf die Suche nach einem neuen Stellplatz zu machen. Hier ist es zauberhaft ruhig und einsam, allerdings sehnen wir uns ein wenig nach einem See oder einem Fluss sofort vor unserer Haustür, also geht die wilde Entdeckungstour bald weiter. Zunächst nochmal in Richtung Williams Lake, weil wir in diese Richtung den Fraser River über die Brücke, die wir gestern schon passiert haben, wieder queren. Dann machen wir uns über den Cariboo Highway, entlang des Fraser Rivers, auf in Richtung Norden. Dort werden wir in den nächsten Tagen Prince George passieren und uns dann langsam nach Osten in Richtung Alberta wenden, wo der Jasper und Banff Nationalpark hinter den Rocky Mountains auf uns warten. Wir können uns innerlich noch nicht so ganz von British Columbia lösen, dessen Natur es uns einfach angetan hat. Wir haben auf dem Weg in Richtung Norden ein paar Stellplätze ausgesucht, die wir anfahren, die uns aber nicht zu 100% überzeugen. Ich glaube, unsere Ansprüche an Stellplätze sind nach den letzten Wochen hier in Kanada wirklich ganz schön hoch.
Gegen Nachmittag kommen wir durch das kleine Örtchen Alexandria, das man fast nicht als Ort, sondern eher als Ansammlung weniger Häuser bezeichnen könnte. Hier stolpern wir über einen Burgerladen, der damit wirbt, Fleisch aus eigener Herstellung von zu 100% grasgefütterten Kühen zu nutzen. Auch die Pommes werden hier selbst gemacht, und so setzen wir uns in den Garten des Ladens und genießen jeder einen Burger, Pommes und eine Cola. Während ich zahle, lasse ich mir noch ein Stück Apfelcrumble und ein Stück Rhabarberkuchen einpacken, die mich angelacht haben.
Wir zuckeln noch einige Kilometer über den Highway und steuern dann gegen 19 Uhr den Chubb Lake an. Dies ist eine Recreation Area, die über eine Schotterpiste erreichbar ist und mit blumigen Rezensionen in iOverlander beschrieben wird. Angekommen am See, parkt dort aktuell ein riesiger Mietcamper am Platz mit perfektem Seeblick. Wir rollen einen etwas weiter oben gelegenen Platz an und passieren auf dem Weg dorthin einen Microcamper, dessen Besitzer am Lagerfeuer sitzt und Musik hört. Wir finden ein nettes Plätzchen und überlegen, ob wir bleiben oder weiterfahren. Der Platz ist schön, aber die „Einsamkeits-Box“ können wir hier nicht abhaken. Dennoch entscheiden wir uns zu bleiben, da wir nach den Stunden in Freddie gern ankommen möchten und es jammern auf ganz schön hohem Niveau wäre, wenn wir uns mit diesem schönen Fleckchen Erde nicht zufrieden geben könnten. Um diese Tageszeit und bei dem aktuell recht drückenden Wetter spielt sich vor Freddie die absolute Mückenparty ab. Wir lassen unseren Mückenvorhang runter und schalten das Thermacell an, welches sich um die Mücken kümmert, die ihren Weg schon ins Innere von Freddie gefunden haben. Innerhalb der nächsten Stunde bahnt sich bei mir eine Migräne an, die ich aber mit Triptanen noch in den Griff bekomme. Zusätzlich hören wir noch einige Autos anrollen und stellen bei einer Bella-Runde fest, dass ausnahmslos jeder der 9 Plätze besetzt ist. Eine Gruppe Jugendlicher trifft sich für einen entspannten Lagerfeuerabend. Am nächsten Platz steht ein total verrosteter Van, dessen Besitzer Zeitreisende aus den 70ern zu sein scheinen. Sie tanzt ekstatisch in langem Hulla-Hulla-Gewand und mit fliegenden Haaren und Joint in der Hand auf dem Picknicktisch, während ein John-Lennon-Verschnitt mit passender Sonnenbrille und braunem Seidenhemd, das bis zum Bauchnabel aufgeknöpft ist, etwas aus dem Fahrerhäuschen herauskramt. Die beiden scheinen selig in ihrer kleinen Welt.
Auf dem Gassigang werden wir von den Mücken nahezu aufgefressen, wobei ich noch am wenigsten angeflogen werde, da ich einen hellen Moment hatte und mich mit einer Chemiekeule gegen die kleinen Plagegeister eingeschmiert habe. Christian war davon ausgegangen, dass es am Weg wahrscheinlich nicht so schlimm sein würde. Selbst Bella wird zwischenzeitlich von 10 Mücken geritten. Als ich ihr die Plagegeister aus dem Gesicht wischen will, hinterlässt eines der Tiere auf ihrer Nase bereits abgezapftes Blut. Die Runde wird also nicht allzu groß und wir retten uns recht zügig zurück in Freddie.
Hier angekommen, lese ich weiter und Christian wendet sich Zelda: Tears of the Kingdom zu. Die Zeit vergeht nahezu, und so ist es schnell 0 Uhr. Ich habe heute Geburtstag und Christian bereitet einen kleinen Whisky vor, überreicht mir eine Geburtstagskarte und hängt das iPad auf. Ich hatte mir dieses Jahr im Vorhinein einen „Christian-Geburtstag“ gewünscht. Kein großes Aufheben, mein Tele-Objektiv darf ich ja bereits seit ein paar Monaten nutzen, und aktuell fühlt sich sowieso jeder Tag wie ein Traum-Geburtstag an. Trotzdem hat Christian zusammen mit Tim organisiert, dass kurze Zeit später die Gesichter meiner Liebsten über den iPad-Bildschirm flackern und mir persönliche Video-Geburtstagsgrüße übermitteln. Ich bin ja sowieso eher nah am Wasser gebaut und so genieße ich mit einer gebührenden Portion Freudentränen diese zauberhafte Überraschung.
Nicht lang danach machen wir uns bettfertig und schlummern zufrieden ein. Czytaj więcej

PodróżnikIch bin doch so neugierig auf das was Ihr im Video sagt aber bekomme keinen Ton dazu :-) Also muss ich wohl neugierig nochmal einschlafen :-)
Heute ist Geburtstag!
10–11 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 18 °C
Gestern Nacht ist es spät geworden, und so ist es dann auch nicht verwunderlich, dass wir heute etwas später in den Tag starten. Hanna war mal wieder vor mir wach, und ich entdecke sie nach dem Aufwachen beim vertieften Lesen auf dem Kindle. Da hat sich im Alltag der letzten Jahre wohl ein ziemlicher Stau gebildet. Es ist aber auch ein wundervoller Anblick, wenn die Augen im Stakkato von links nach rechts über den Bildschirm des Kindle fliegen, man zwischendurch ein Lachen hört oder in den Gesichtszügen erkennen kann, wenn es gerade traurige oder spannende Stellen gibt. Mal schauen, ob es mir noch gelingen wird, in die ein oder andere Buchwelt abzutauchen. Genug Zeit dafür wäre ja noch.
Wir können uns heute trotz des späten Vormittags nicht wirklich aus dem Bett lösen, dafür ist es einfach zu gemütlich, und wir beide sind auch noch etwas verschlafen. Nachdem die meisten Geburtstagsnachrichten abgehört, angeschaut und beantwortet sind, kommt aber doch so langsam Leben in Freddie. Trotz aller Mühen haben es dann über Nacht doch ein paar Mücken in Freddie geschafft, und so behandelt sich Hanna erstmal mit dem BiteAway, um sich etwas Linderung zu verschaffen. Mir gelingt es spannenderweise, die Mückenstiche auszublenden, bis sie anfangen abzuheilen. Das Wetter draußen, der Anblick des Sees und der mittlerweile komplett leere Stellplatz laden uns dann nach draußen ein, und so sitzen wir eine gute halbe Stunde später am Tisch, trinken leckeren Kaffee und essen Kuchen. Im Restaurant gestern hat Hanna noch je ein Stück Apfelkuchen mit Krümeln und Rhabarberkuchen geholt. Beides ist außerordentlich lecker, und wir geben uns mit dem ein oder anderen „Ah“ und „Oh“ dem kulinarischen Genuss hin.
Während Hanna mit der Heimat telefoniert, parke ich Freddie noch kurz auf einen der freigewordenen Plätze um. Danach machen wir uns beide auf den Weg, die Gegend etwas mit Bella zu erkunden. Da die Schotterstraße hinter dem Stellplatz ziemlich unbefahren ist und wir hier auch bis auf eine kleine Ausnahme keine Spuren von Bären sehen, kann unser Fellflummi auch mal wieder unangeleint durch die Gegend rasen. Die wenigen Regentropfen, die ihren Weg nach unten finden, stören uns beide nicht, und zurück an Freddie machen wir es uns erstmal wieder auf dem Bett gemütlich. Hanna schaut sich den zweiten Teil der Geburtstagsgrüße an, taucht wieder in die Buchwelt ab, und nachdem ich einen Bericht geschrieben habe, schließe ich die Augen kopfschmerzbedingt und mache ein Nickerchen.
Durch das Surren einer besonders lauten und großen Mücke geweckt, zaubere ich uns erstmal eine Runde leckerer Sandwich-Wraps und schaffe es dabei mehrfach, die perfekte Balance zwischen krossem, aber nicht schwarzem Wrap und zerlaufendem Käse zu finden. So gesättigt und gestärkt setzen wir uns dann nach draußen auf unsere Stühle und genießen die Sonne, die zwischenzeitlich der ein oder anderen Regenwolke weichen musste.
Da bei den Berichten mal wieder etwas Verzug eingekehrt ist, übernehme ich das Schreiben weiterer Berichte, während Tim Hanna digitale Gesellschaft via Videotelefonat leistet. So verfliegen dann die frühen Abendstunden sehr schnell.
Zur Feier des Tages hat sich Hanna Reis mit Erdnusssoße und Gemüse gewünscht, und so sitzen wir dann am Abend zusammen und genießen das leckere Essen. Viel ist dann auch nicht mehr los, die „wilde“ Feier des Geburtstags hat Hanna müde gemacht, und zusätzlich scheint ihr etwas auf den Magen geschlagen zu sein. Für uns geht es daher dann früh ins Bett. Czytaj więcej
Montezumas Rache
11–12 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 15 °C
Wir werden nach einer für mich eher unruhigen Nacht wach. Ich habe gestern den Abend in halbstündigen Abständen auf dem Plumpsklo verbracht und auch die Nacht war noch eher von Bauchkrämpfen als von seligem Schlaf gezeichnet. Aber hey, immerhin gibt es hier am Platz ein Plumpsklo.
Die Sonne scheint in Freddie und Christian und ich nutzen den sonnigen Morgen draußen vor Freddie. Es soll später ein ordentliches Unwetter über diesen Teil Kanadas ziehen, so gilt es also, alle Sonnenstrahlen einzufangen, die noch zu bekommen sind. Ich wage mich zum Frühstück an Haferflocken, während Christian ein Knuspermüsli verspeist. Er macht sich anschließend auf zu einer Runde mit Bella, während ich langsam anfange, Freddie abfahrbereit zu machen. Da es nachher regnen soll, können wir heute auch gemütlich ordentlich Strecke machen.
Als die beiden Gassigänger wieder da sind, hat Christian den Drang, einmal im Fahrerhaus reinezumachen, während ich hinten noch herumwurschtle. Innerhalb kürzester Zeit ist der Picknicktisch vor Freddie voll beladen mit Schuhen, Mittelkonsolen-Organisator, Bella-Decke und einem großen Haufen Kleinkrams, der sonst gut, aber auch ein wenig kürmelig in unserer Fahrerkabinen-Höhle untergebracht ist. Christian wischt und wedelt vor sich hin und als der Himmel die ersten Tropfen auf uns plumpsen lässt, packen wir schnell alles wieder in das nun um einiges ordentlicher dreinblickende Fahrerhäuschen.
Wir rollen los in Richtung Prince George und haben für heute zwei mögliche Plätzchen ausgeguckt. Es regnet von Tröpfchen bis hin zu Strömen immer wieder im Wechsel; der erste mögliche Platz lockt uns nicht und wir sammeln auf dem weiteren Weg durch Prince George seit langer Zeit mal wieder einen Starbucks-Kaffee ein. Irgendwie schlägt uns beiden der Regen heute ein wenig aufs Gemüt und so ist die Stimmung eher grummelig als freudig und abenteuerlustig. Selbst der schönste Stellplatz würde bei dem Wetter eher trist wirken und so schrauben wir unsere Erwartungen ein wenig herunter. An solchen Tagen blitzt zwischendurch auch ein wenig durch, dass der Großteil unseres Abenteuers bereits hinter uns liegt. Es scheint anstrengender zu sein, an diesen Tagen im Moment zu leben und ich muss mir immer wieder vor Augen führen, dass gute 8 Wochen immer noch eine Wahnsinnszeitspanne sind, wir wirklich gesegnet sind, dieses Abenteuer erleben zu dürfen und dass es auch einiges gibt, auf das wir uns nach der Reise freuen können. Insbesondere Familie und Freunde sind natürlich ein großer Lichtblick. Aber dennoch, an Tagen, wo Grummeligkeit einen kleinen Spalt findet, drängen sich auch schnell solche Gedanken dazu und schon scheint der Tag etwas verloren.
Wir fahren heute schon gegen frühen Nachmittag den zweiten ausgesuchten Platz an einem Fluss an. Dieser ist schön, aber natürlich total verregnet und so stellen wir uns einfach auf einen Nachmittag in Freddie ein. Christian verschanzt sich mit seiner Switch im Fahrerhaus und macht es sich dort gemütlich, während ich eine Lese-Dös-und-Kuschelrunde mit Bella unter der Wolldecke einleite. Der Nachmittag verfliegt und als sich Christian zu uns nach hinten gesellt, schauen wir eine weitere Folge der Kanada-Saga. Danach mache ich mich an einen großen Pott Gemüsesuppe. Der ist wärmend und mein Magen dankt es mir auch.
Es wird Abend und ich hopse mit Bella in einer Regenpause zu einer Gassirunde aus Freddie, während Christian sich um den Abwasch kümmert. Ich bin immer noch vorsichtig und extra aufmerksam, wenn ich allein mit Bella unterwegs bin, auch wenn wir gut ausgestattet sind mit Bärenspray und angeleinter Bella, die so keine Tiere aufschrecken kann. Ich bemühe mich dennoch darum, ordentlich Geräusche zu machen, sodass kein Tier überrascht wird und sich angegriffen fühlt. Ich nutze die Gassirunde zum Abhören von Sprachnachrichten und zum Antworten und bin mittlerweile recht sicher, dass wir keinem Tier so ganz offensichtlich über den Weg laufen. Auf dem Rückweg stolpern Bella und ich dann fast über einen riesigen und recht frisch aussehenden Bärenhaufen und treten dann doch etwas zügiger den Heimweg zu Freddie an. Wie sagt man so schön: Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Der Abend wird gemütlich und mummelig und wir schlafen beide mit dem Hintergedanken ein, dass morgen ein neuer Tag ist und Grummeligkeit durchaus dazugehört. Czytaj więcej
Schaumparty
12–13 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 7 °C
Die ganze Nacht hindurch haben wir immer wieder den Regen auf den Dachluken tanzen gehört, aber am frühen Morgen ist Ruhe eingekehrt. Aus den leicht beschlagenen Heckfenstern sehen wir den Crooked River, der in aller Seelenruhe vor sich hinfließt, und immer wieder ein paar Enten und andere Wasservögel, die gemütlich auf und ab schwimmen.
Es wird erstmal Tee und Kaffee gekocht und der übliche Umbautanz in Freddie abgehalten. Während Hanna den Morgen mit Kaffee und Zigarette an der frischen Luft begrüßt, lasse ich es etwas ruhiger angehen: ein Quest bei Zelda fordert meine ganze Aufmerksamkeit. Nachdem diese dann aber geschafft ist, geselle ich mich zu den beiden und wir machen uns wenig später auf den Weg zur Runde mit Bella. Als wir die Stelle mit dem großen Bärenhaufen passieren, nutze ich schnell die Bildersuche und die Ergebnisse deuten alle darauf hin, dass sich hier ein Braunbär erleichtert hat. Wie wir gelernt haben, sind alle Braunbären in Kanada Grizzlys! Wir halten Ausschau, aber von dem Bären ist während des Spazierganges nichts zu entdecken – unterbewusst sind wir dann auch ein wenig froh darüber.
Als dann alle Siebensachen verstaut sind, machen wir uns auf den Weg. Wir waren uns gestern nicht ganz sicher, ob wir die komplett nördliche Route in Richtung des Jasper Nationalparks fahren oder den direkteren, östlichen Weg. Beim Spaziergang haben wir uns dann für den kürzeren Weg entschieden und so fahren wir mit Freddie wieder zurück in Richtung Prince George. Auf dem Weg dorthin entdeckt Hanna beim Vorbeifahren einen Bären, aber wegen des dichten Verkehrs fahren wir weiter.
An einer Tankstelle am Ortseingang machen wir Halt und nutzen dort die SB-Waschstraße, um Freddie vom Dreck der letzten Wochen zu befreien. Die Waschstraße ist richtig, richtig gut und so ist der Wagen in kürzester Zeit hinter einer dicken Schaumschicht verschwunden. Das Ganze ist zwar ein Kampf gegen Windmühlen, denn für die nächsten Tage ist wieder ordentlich Regen angesagt und es wird über die ein oder andere Waldstraße gehen, aber zumindest in den Stunden nach der Wäsche erstrahlt Freddie wieder nur in mattem Schwarz.
Hungrig machen wir Halt an einem ziemlich gut bewerteten Diner-Restaurant. Für mich gibt es eine überbackene Lasagne und für Hanna Kartoffelstampf mit panierten Kalbshackfleischschnitzeln. Der Service war super, der Kaffee heiß und lecker, das Essen: reden wir nicht drüber, aber zumindest sind wir erstmal satt. Wir machen uns auf den Weg und vergessen den kulinarischen Reinfall bald, während wir einem besonders spannenden Abschnitt bei Outlander lauschen. Für einen vermutlich halb ausgewachsenen Bären verlassen wir die Fantasiewelt kurz und machen kehrt, um uns für Fotos auf den Standstreifen zu stellen. Das hinter uns ankommende Fahrzeug erkennt wohl unsere Absicht und wird auch langsamer. Zum Glück, denn das Jungtier hatte wohl die Absicht, die Straße zu überqueren. Auch ohne das Abbremsen wäre mit Sicherheit alles gut gegangen, aber jeder kennt ja diesen Schreckmoment, wenn sich ein Wildtier – egal welcher Größe – vor einem auf die Straße stellt.
Der Trubel auf der Straße ist dann für den Bären wohl auch etwas viel und er dreht um und verschwindet hinter den Bäumen. Schade, denn er hat wirklich sehr süß und flauschig ausgesehen.
Ein paar Kilometer weiter den Highway runter machen wir Halt an einem Wald. Hier haben Einwohner aus Prince George in jahrelanger Arbeit einen Bretterpfad durch den alten Wald gebaut. Das Wetter passt, die Stimmung nach den ersten Metern auch, und so erkunden wir dieses kleine Fleckchen Erde. Es erinnert uns an den Rundweg im Pacific Rim Nationalpark (wo war der nochmal?), nur dass hier die Sonne zwischendurch deutlich durch die Bäume scheint und wir in weiter Ferne einige schneebedeckte Berge entdecken können. Das Highlight des Waldes ist ein Wasserfall, der aus einiger Höhe in die Tiefe stürzt und einen kleinen Bach mit kristallklarem Wasser nährt.
Wieder auf dem Highway überlegen wir, welchen Platz für die Nacht wir ansteuern. Zur Auswahl stehen ein Campingplatz in unmittelbarer Nähe zum Highway, eine kleine Nische an einem Bach in fünf Kilometern Entfernung von der Straße oder einer von zwei Plätzen am McGregor River. Die Satellitenaufnahmen versprechen türkises Wasser und das Ganze wird auch nochmal von Aufnahmen in der Stellplatzapp bestätigt. Nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns für diesen Platz – auch wenn wir hier knapp 40 Kilometer entlang einer Schotterpiste fahren müssen. Es ist noch „einigermaßen“ früh, so dass wir es notfalls noch in der Dämmerung zurück zum Highway schaffen würden.
Die Schotterpiste ist dann bis auf wenige kurze Abschnitte mit Schlaglöchern sehr gut zu befahren, auch wenn stellenweise die Straße auf bis zu 15 Metern geflutet ist. Da der Untergrund trotzdem gut zu erkennen ist, passieren wir diese Stelle in Schrittgeschwindigkeit. Belohnt wird unsere Fahrt ins Hinterland dann mit einem Stellplatz direkt an einem Arm des McGregor River, der vermutlich in den Sommermonaten kein Wasser führt. Dieser ist nicht so matschig braun wie die anderen Flüsse, aber auch nicht so kristallklar, wie wir es schon gesehen haben. Dafür haben wir eine fantastische Aussicht auf einige Berge, die zum Teil immer noch schneebedeckt sind. Am schönsten ist aber der Anblick auf den grünen Steilhang, der von einem vom Schnee genährten Fluss geteilt wird. Links und rechts wachsen Bäume und zaubern so ein wirklich wunderschönes Bild. Wir fühlen uns hier beide richtig wohl. Nachdem wir eine Runde mit Bella die Ecke erkundet und noch Spuren anderer Camper gefunden haben (unter anderem ein selbst gezimmertes Freiluftplumpsklo mit Plastikbrille), entdecken wir auf der anderen Seite von Freddie im Wasser ein Stück Holz, das sich entgegen der Fließrichtung bewegt.
Das Stück Holz entpuppt sich als Biber, den wir in aller Ruhe bei seinen Tätigkeiten beobachten können. Mehr als einmal zucken wir zusammen, als der Biber mit seinem Schwanz beim Abtauchen laut auf die Wasseroberfläche haut. Sowohl das geschäftige Treiben im Wasser als auch die zum Teil tollpatschigen Versuche, das Wasser am Hang zu verlassen, sind unglaublich putzig anzusehen.
Wir setzen die Beobachtung beim Abendessen fort – Gurkensalat für Hanna und Müsli für mich – und entdecken kurz bevor es zu dunkel zum Beobachten wird, einen zweiten Biber.
Den Abend lassen wir mit dem Film „Schlaflos in Seattle“ ausklingen (leider gab es hier auf Amazon nur die Version mit der deutschen Tonspur). Vor kurzem haben wir Tom Hanks in einem aktuellen Interview zu den Feierlichkeiten zum D-Day gesehen und wir gewöhnen uns nur langsam an seine junge Version auf dem Bildschirm. Müde und zufrieden schlafen wir beide ein. Czytaj więcej
Biber TV
13–14 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 13 °C
Nachdem wir gestern Abend eine wahre Biber-Kino-Show hatten, geht unser erster Blick nach dem Aufwachen nach draußen in Richtung Fluss. Hier liegt aber alles ruhig da und die Biber scheinen noch fest zu schlummern; es ist keine Bewegung auszumachen. Dafür ist der Ausblick bei blauem Himmel noch atemberaubender als gestern Abend. Der Fluss vor der Nase, auf der anderen Seite üppiges Grün und im Hintergrund die schneebedeckten Rocky Mountains, die mit ihren Spitzen gefühlt den Himmel kitzeln. An den Abhängen steile Wälder und Wasserfälle – es ist einfach traumhaft, was die Natur so erschaffen kann.
Christian macht sich an Kaffee und Teewasser und ich wurschtle Bettzeug und Betterweiterung zurecht. Mit Kaffee bewaffnet hopsen wir an die frische Luft und genießen diesen zauberhaften Morgen. Christian packt seine Drohne aus und fängt diese wahnsinnige Umgebung aus der Luft ein. Wie zauberschön es hier ist! Hier könnte ich mir auch vorstellen, mich über ein paar Tage einzurichten. Allerdings haben wir hier null Empfang. Für ein, zwei oder drei Tage perfekt, aber ich denke, dass sich meine Familie nach dieser Zeit ohne Lebenszeichen anfangen würde, ernsthaft Sorgen zu machen – das wollen wir ja nicht.
Nach dem Morgenkaffee klappen Christian und ich unsere Laptops auf und starten einen Berichte-Mittag. Es ist einfach kaum zu glauben, wie rasend die Tage aktuell vergehen. Wir haben mittlerweile kurz nach 14 Uhr und der halbe Tag ist schon wieder vorbei. Nachdem Christian mit seinen Berichten fertig ist, hat er uns mit Peanut Butter Jelly Sandwiches versorgt und daddelt neben mir zufrieden vor sich hin. Bei den bekannten Zelda-Geräuschen kitzelt es mir tatsächlich heute auch ein wenig in den Fingern. Ich hatte mit Konsolen bis vor vier Jahren so gar nichts am Hut, weil es sowas in meiner Kindheit nicht gab. In der Zeit, als ich mit Corona flach lag, bzw. als ich so langsam auf dem Weg der Besserung war und ich nichts mit mir anzufangen wusste, hat Christian mir allerdings die Welt von Zelda – Breath of the Wild nahegebracht und seitdem habe ich zwischenzeitlich Phasen, in denen ich richtig Lust auf Konsolenspiele bekomme. Bisher habe ich mir tatsächlich aus reinem Selbstschutz noch keine Switch besorgt, ich kenne ja meine Fähigkeit, vollkommen in anderen Welten zu versinken.
Nachdem wir beide noch eine Stunde in unseren Buch- und Zelda-Welten versunken sind, hat Christian die glorreiche Idee, die Knack-und-Back-Zimtschnecken auszuprobieren, die wir uns beim letzten Einkauf besorgt haben. Ich finde die Idee mindestens genauso gut und auch wenn an der Hitzezufuhr noch ein bisschen zu feilen ist, sitzen wir keine 45 Minuten später selig mampfend auf dem Bett. Wir hatten noch ein paar Erdbeeren, die es dazu gibt, und so ist das ein mehr als köstlicher Zuckersnack. Parallel zum Genießen macht Christian eine neue Serie auf Netflix an, deren erste beiden Folgen er runtergeladen hat. Benedict Cumberbatch spielt die Hauptrolle in "Eric" und nach den beiden Folgen sind wir ganz neugierig, wie es wohl weitergehen mag.
Die Sonne scheint draußen und ich hopse vor Freddie und nehme Bella mit. Die Aussicht an diesem Platz ist einfach atemberaubend schön. Christian gesellt sich zu uns und irgendwie verständigen wir uns ohne Worte darüber, dass wir doch ein Lagerfeuerchen anmachen könnten. Es ist kurz vor sechs und wird noch ganz schön lange hell sein, allerdings geht hier draußen wirklich eine ordentliche Mückenparty vonstatten. Da ist Lagerfeuerrauch mit die beste Abwehr. Kurze Zeit später knistert und knastert das Feuer und Christian murmelt ganz zufrieden vor sich hin, dass er das gar nicht geplant hatte, aber es doch richtig schön ist.
Nachdem wir schon eine Zeit hier sitzen, überlege ich laut, ob ich eine Top 3 der bisherigen Übernachtungsplätze im Sabbatical ranken könnte – dieser hier ist auf jeden Fall dabei. Christian freut sich über die Möglichkeit einer statistischen Erhebung und holt sein Handy. Wir gehen alle Plätze durch, an denen wir bisher geschlafen haben. Faszinierenderweise können wir uns an die meisten Plätze auf Anhieb erinnern und auch bei den anderen Namen von Standorten kommen mit kurzem Knobeln Bilder auf, die wir mit dem Tag oder dem Platz verbinden. Was wir alles schon erlebt haben und wie unterschiedlich die Orte waren, die wir besucht haben. Es vergehen Stunden während unserer Träumereien. Zwischendurch holt Christian den Whisky raus und in der Dämmerung zeigt sich auch Herr oder Frau Biber von gestern und wir führen uns eine Portion BiberTV zu Gemüte. Zwischenzeitlich geht Christian ein Ründchen mit Bella und ich mache uns eine ordentliche Portion Nudeln mit Tomaten-Feta-Soße. Was ein perfekter Tag. Als wir gegen halb zwölf wieder in Freddie steigen, macht sich Christian an den Großspül des Tages und ich schnappe mir das Abtrockenhandtuch. Wir schauen "Gilbert Grape", spülen und lauschen parallel dem ordentlichen Gewitter, das die Schleusen der Wolken über uns geöffnet hat.
Was für ein wundervoll perfekter Tag das war. Ich bin selig und schlummere recht schnell beim Prasseln des Regens ein. Czytaj więcej
Nicht sauber, sondern rein
14–15 cze 2024, Kanada ⋅ ☀️ 11 °C
Obwohl es gestern Abend am Feuer mit dem leckeren Whisky spät geworden ist und wir noch einen Film geschaut haben, werden wir beide gut erholt wach und sind bester Dinge. Wir werden zwar nicht von Sonnenschein begrüßt, aber vereinzelt schaut etwas Himmel zwischen den Wolken hervor, die immer wieder kleine Schauer über uns abwerfen. Das Wasser für Tee und Kaffee ist schnell aufgesetzt, und wir bauen in der Zwischenzeit das Bett um und machen mit ein paar Handgriffen Freddie wieder schick für den Tag.
Mit einem Kaffee bewaffnet, geht es vor die Tür, und ich spaziere den Kiesstrand entlang und sauge die herrliche Kulisse in mich auf. Bella spaziert auch ein wenig ihr Gebiet vor der Haustür entlang und freut sich dann umso mehr, als ich mich mit ihr auf den Weg mache. Während Bella ständig und überall schnüffelt, halte ich Ausschau nach Tierspuren in der durch den Regen weich gewordenen Erde. Aber abgesehen von den beiden Bibern und einer Unmenge an Vögeln scheinen wir diesen Platz wirklich ganz für uns allein zu haben bzw. gehabt zu haben.
Gegen 11 Uhr machen wir uns auf den Weg zurück in die Zivilisation. Dafür müssen wir erstmal die knapp 40 Kilometer über die Forststraße zurück zum Highway fahren. Unterwegs kommen uns diesmal tatsächlich ein paar Fahrzeuge entgegen, aber auch hier ist von Tieren weit und breit keine Spur. Als wir nach einem Großteil der Strecke wieder Empfang haben, halten wir kurz am Rand, schalten einen Bericht frei und lesen die eingetroffenen Nachrichten.
Zurück auf dem Highway machen wir bei erster Gelegenheit Halt an einer Raststätte und entsorgen unseren Müll. Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass uns immer an Stellplätzen ohne Mülltonne eine Gasflasche leer wird. Die Strecke Richtung Jasper-Nationalpark ist im Wechsel von dichten Wäldern und Flüssen gesäumt. Letztere sind dabei mal schmal, mal breit, mal tief, mal flach und variieren zwischen matschigem Braun, Gebirgsblau und häufig auch glasklar. Wir sind keine halbe Stunde auf dem Highway unterwegs, als wir den Goat River passieren. Auch wenn ich fünf Minuten vorher noch gesagt habe, dass wir heute noch ein paar Kilometer zurücklegen sollten, bin ich im Nu Feuer und Flamme und versuche Hanna spontan für einen Stellplatz an diesem wunderschönen Fluss zu begeistern. Wir kommen dann beide aber doch schnell überein, dass heute ein Stellplatz mit Dusche und der Möglichkeit der Wasserver- und -entsorgung wichtiger sei.
Von der Vernunft getrieben, erreichen wir dann am frühen Nachmittag das Örtchen McBride und parken erstmal an der Hauptstraße. Für unser Frühstück bestellen wir in der lokalen Pizzeria, die sich im gleichen Ladenlokal wie ein Trödelgeschäft befindet, eine Gemüsepizza und warten bis zur Fertigstellung dieser in Freddie. Dabei haben wir einen Blick auf die Teilnehmer eines Farbenlaufs durch den kleinen Ort. Bei diesem gibt es entlang der Straßen immer wieder kleine Hindernisparcours, die es zu überwinden gilt. Aus diesen geht man dann zumeist besprüht und verziert mit Farben hervor. Das Ganze ist an das indische Holi-Fest, das „Fest der Farben“, angelehnt. So vergeht für uns die Zeit im Flug und wir setzen die Beobachtung beim Futtern der Pizza fort. Dazu nutzen wir die gute Internetverbindung, um Bilder und Videos zu synchronisieren und ein paar Informationen über die vor uns liegenden Nationalparks zu beschaffen.
Mit ziemlich vollem Bauch verlassen wir McBride, tanken mal wieder voll und erreichen dann keine zehn Minuten später einen der Campingplätze, die auf dem Weg liegen. Bei keinem war eine Vorabreservierung möglich, und so betreten wir guter Dinge das kleine Büro. Begrüßt werden wir von einem stämmigen Mann, der mit einem Deutschland-T-Shirt bekleidet ist und sich als Niederländer entpuppt, der vor 28 Jahren nach Kanada ausgewandert ist und vor vier Wochen den Platz gekauft hat. Seine Fingerfertigkeit am Computer erinnert mich zwischenzeitlich an ältere Mitglieder unserer Familien, aber nach ein paar Minuten verlassen wir mit einem Platz für die Nacht, Münzgeld für die Waschmaschinen und um einen Schnack reicher, das Büro.
Das Wetter meint es gut mit uns und so genießen wir bei offener Tür den mittlerweile fast blauen Himmel, während wir aus Freddie die dreckige Wäsche hervorzaubern. Während Hanna unter die Dusche hüpft, mache ich mich mit WD-40 und Zange an unser Sitzkissen und schaffe es nach kurzem Kampf, beide Reißverschlüsse zu lösen – hurra! Nachdem auch ich wieder wie aus dem Ei gepellt aus der Dusche komme, laufen wir zum Waschraum. Die beiden Waschmaschinen scheinen weit über 30 Jahre alt zu sein (dafür hat alles aber auch einfach einen wundervollen Charme). Den Hinweis, die beiden Maschinen nicht zu überladen, nehmen wir beide zur Kenntnis, aber mangels einer Markierung der Füllgrenze stopfen wir beide Maschinen optimistisch voll. Eine knappe halbe Stunde später verteilen wir die Wäsche auf die Trockner um.
Eine weitere halbe Stunde später schauen wir beide ziemlich überrascht aus der Wäsche bzw. in die Wäsche, als uns diese zum Großteil noch feucht entgegenlacht. Hanna macht sich auf die Suche nach dem Besitzer und im zweiten Anlauf ist dieser auch aufzufinden und versorgt uns aus der Mittelkonsole seines Autos mit einer großzügigen Menge an Vierteldollarstücken als Wechselgeld. Wir müssen beide Trockner noch je zweimal anwerfen, bis auch die letzten Stücke trocken genug sind, um sie in unseren Schränken zu verstauen.
In einem frisch nach Wäsche duftendem Freddie zaubert Hanna noch eine Restepfanne mit den Nudeln von gestern, während ich mich um den Abgleich unserer Kreditkartenabrechnungen mit unserer Ausgabeliste kümmere. Nach dem Essen macht es sich Hanna auf dem Bett bei einer Folge der Topmodels gemütlich, während ich mit etwas Glück je einen Stellplatz im Jasper-Nationalpark und im Banff-Nationalpark für die nächsten Nächte buchen kann. Verständlicherweise ist in beiden Parks das Übernachten nur auf offiziellen Plätzen gestattet. Allerdings finde ich die Tatsache, dass pro Campingplatz eine Reservierungsgebühr von 11,50 C$ erhoben wird, schon happig, wobei das Ganze bei Buchung für nur eine Nacht natürlich viel deutlicher ins Gewicht fällt. Hinzu kommt, dass bei Plätzen, sofern diese über einen Feuerring verfügen, auch noch eine Genehmigung für das Lagerfeuer von 11 C$ entrichtet werden muss – pro Nacht und unabhängig davon, ob tatsächlich ein Feuerchen entzündet wird. Immerhin fließt das ganze Geld in den Erhalt und Schutz der wundervollen Natur und dient so einem guten „Zweck“.
Wir verkriechen uns beide dann recht früh am Abend ins Bett. Frisch geduscht und ins frisch bezogene Bett – das gab es nur zweimal im Urlaub. Direkt nachdem wir Freddie abgeholt haben und danach erst vor einem Monat in Washington. Welche Freude doch die kleinen Dinge bringen können. Czytaj więcej

PodróżnikDas ist doch gut, dass sie noch Freude bringen. Weiterhin viele gute Eindrücke.
Guinness und Rummikub
15–16 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 12 °C
Unser Wecker klingelt heute recht früh, damit wir uns um 11 Uhr vom Campground aufmachen können, aber noch entspannt Zeit für Kaffee und eine Gassirunde haben. Wir führen unsere Umbau- und zeremonielle Kaffee-Choreographie auf und genießen kurze Zeit später das Käffchen. Christian macht sich dann auf zum Spülen und ich watschele mit Bella eine Runde bis zum Ufer des Fraser Rivers. Wir passieren Grundstücke, wo Birken zu Rindenmulch verarbeitet werden, und Mitbürger auf Aufsitzrasenmähern, die Picknickplätze für Touristen fein machen.
Zurück an Freddie hat Christian ihn bereits zur Abfahrt bereit gemacht und wir rollen zur Abwasserstation. Das Ablassen des Wassers geht recht flott, das Auffüllen des Frischwassers jedoch eher tröpfchenweise vonstatten. Dadurch, dass wir immer unseren Albfilter dazwischenschalten, führt der sowieso schon geringe Wasserdruck schnell dazu, dass man etwas Geduld beim Auffüllen mitbringen muss… aaaber wir haben ja Zeit. So bleibt noch Zeit für einen weiteren Schnack mit dem netten Niederländer, der den Campingplatz vor einem Monat übernommen hat. Eine gute halbe Stunde später machen wir uns dann endgültig auf den Weg weiter in Richtung der Rockies und der Staatsgrenze nach Alberta.
Nach einiger Zeit in Freddie hat sich Christian ein Café ausgesucht, das direkt am Highway liegt. Als wir darauf zurollen, sehen wir eine große Menge an Autos auf dem Parkplatz und parken mit etlichen anderen Touristen. Wir steigen aus und lassen erstmal die Kulisse auf uns wirken. Nicht weit entfernt ragt der Mount Robson in die Wolken, der höchste Berg der kanadischen Rocky Mountains. Die Aussicht ist wirklich imposant. Ich setze mich mit Bella draußen im Garten des Cafés und Christian schaut drinnen nach, was das Angebot so hergibt. Nach einer Viertelstunde stößt er unverrichteter Dinge wieder zu uns und ist leicht frustriert, da im Café eine Flut an Reisebusinsassen anstand und das Warten wohl mehr als unangenehm war. Also machen wir uns auf zu einer kleinen Gassirunde durch den nett angelegten Park zu Füßen der Berge und hopsen danach wieder in unser kleines Heim auf Rädern. Ausgestattet mit Crackern, Salzbrezeln und zwei Äpfeln, mümmeln wir zufrieden bei fantastischen Aussichten aus dem Fenster.
Heute Abend haben wir einen Campingplatz im Jasper Nationalpark gebucht und sind neugierig auf diesen sehr bekannten Park in Kanada. Wir sind noch eine Stunde mit Hörbuch auf den Ohren unterwegs und parken dann erstmal in Jasper, bevor wir den Campingplatz anfahren. Hier lassen wir uns treiben und werden von einem Pub angelacht, der eine köstliche Burgerkarte und Guinness vom Fass anbietet. Heute war eigentlich einiges an Regen angesagt, aber wir haben Glück und können mit Bella sogar auf der Terrasse sitzen. Wir haben seit unserer ersten Reise nach Irland vor vier Jahren beide eine Schwäche für Guinness und genießen mit Gedanken an unseren Lieblings-Thatch-Pub dort das leckere Tröpfchen. Der Burger, wir schaffen es in letzter Zeit immer genau das Gleiche zu essen, ist wirklich außerordentlich köstlich, genauso wie die Pommes, die dazu gereicht werden.
Mit vollem Magen und seeeeehr zufrieden, schlendern wir nach dem Päuschen im Pub noch eine kleine Runde durch die Kleinstadt. Man merkt, dass hier alles auf Tourismus ausgelegt ist. Es ist aber alles wirklich nett aufgemacht und die Kulisse, in der die Stadt gelegen ist, lässt einen zwischendurch glauben, dass am Horizont eine wunderschöne Tapete angebracht ist. Ich sage zu Christian, dass ich mich nicht wundern würde, wenn ich irgendwann gegen die Kuppel dieser unwirklichen Welt laufen würde, weil ich mich zwischenzeitlich wie in der Truman Show fühle. Wir hopsen in einen Outdoor-Laden, ich halte aktuell Ausschau nach einem langen Oberteil oder Pullover, da ich lediglich zwei Pullover und eine Jacke dabeihabe. Dadurch, dass wir alle zwei bis drei Wochen waschen, wäre ein weiteres langärmliges Oberteil eventuell nicht schlecht. Mein Strickprojekt ist noch immer recht weit davon entfernt, dieses Sabbatical fertig zu werden. Ich habe von meinen Geschwistern und meinen Eltern Geburtstagsgeld bekommen und finde schnell einen superschönen Pullover und ein Flanellhemd. Das nenne ich mal gut investiert.
Als nächstes geht es weiter zum Whistlers Campground, an dem ein schönes Plätzchen auf uns wartet. Wir gehen noch eine Abendrunde mit Bella, irgendwie ist es bereits zwanzig Uhr geworden. Danach überlegen wir, was wir machen wollen. Es ist tatsächlich noch zwei Stunden hell. Hier in Alberta hat sich der Zeitunterschied nach Deutschland wieder auf acht Stunden reduziert. Wir entscheiden uns für eine Runde Rummy Cub und setzen uns hierfür nach draußen. Verrückt, dass wir die letzten Monate nicht einmal ein Spiel ausgepackt haben, obwohl wir eigentlich beide recht gern spielen.
Während wir überlegen, wie wir am besten Reihen oder Gruppen legen könnten, gesellt sich ein netter Herr zu uns, der uns bereits während der Gassirunde über den Weg gelaufen ist. Er ist vor einem halben Jahrhundert nach Kanada ausgewandert und wohnt aktuell in Edmonton. Er erzählt uns von seiner Lebensgeschichte, heißt uns in Kanada willkommen und berichtet viel von Erlebnissen seiner Reisen in diesem zauberhaften Land, das für ihn immer noch die Erfüllung all seiner naturverbundenen Träume ist. Als er sich auf in seine Koje macht, beenden wir unser Spiel und kuscheln uns dann bei nur 15° Innentemperatur in Freddie. Wir verzichten auf unsere Standheizung, da sofort neben uns auf dem Platz drei Jungs nur im Zelt schlafen und wir sie nicht stören wollen.
Wir schlummern zufrieden und voller Eindrücke von diesem tollen Tag ein. Czytaj więcej
Tückische Schlucht und Flitterwochen
16–17 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 7 °C
Die Kopfschmerzen haben die Nacht nicht überstanden, und so werde ich guter Dinge wach. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich Hanna ruhig noch etwas schlafen lassen kann. Ich schnappe mir das Telefon, lese ein paar Kommentare und Nachrichten aus der Welt. Eine Stunde später klettere ich aus dem Bett und setze schon mal den Kessel auf die Kochstelle. Mein Gewühl im Bus lässt auch Hanna langsam wach werden. Im üblichen Tanz bauen wir Freddie um, und passend zum Glattstreichen der Bettdecke ist auch der Kaffee fertig.
Nachdem wir beide gestärkt sind, macht sich Hanna auf zu einer kleinen Runde mit Bella, während ich die Thermomatten verstaue und die Keile etwas sauber mache und abtrockne. Ein paar Minuten später sitzen wir alle in Freddie und rollen vom Stellplatz. Für uns geht es an Jasper vorbei zum Maligne Canyon, den wir nach kurzer Zeit erreichen. Der Parkplatz ist trotz des durchwachsenen Wetters gut gefüllt, und wir machen uns mit anderen auf den Weg in Richtung des Einstiegs. Es ist schön, dass hier in den Nationalparks auch Hunde erlaubt sind. Nach den ersten paar Metern stellen wir fest, dass wir auf dem von uns gewählten Weg allein sind. Etwas nervös werden wir dann, als wir einen Haufen passieren, den ein Bär hinterlassen hat. Nach den Begegnungen am Straßenrand in der letzten Zeit wäre eine Beobachtung mitten im Wald natürlich noch mal ein Highlight, aber auch ein Spiel mit dem Feuer. Mir fällt wieder ein, was ich gestern beim Anmelden auf dem Campground gehört habe: Vor zwei Wochen hat ein Bär auf dem Campingplatz ein Elchkalb gerissen. Solche Erzählungen führen dann wieder schnell vor Augen, wie gefährlich diese Tiere doch sein können. Auch wenn die Knopfaugen noch so süß sind.
Unser Weg läuft in einigem Abstand parallel zur Schlucht, und wir kommen erst auf dem Hauptweg an, als der Fluss den Canyon bereits verlassen hat und sich breit durch den Wald windet. Mal wieder ist es wundervoll blaues Wasser, das unsere Blicke immer wieder gefangen nimmt. Der Weg führt uns zur sechsten Brücke, und nach einer kurzen Toilettenpause kehren wir um. Wir genießen den zum Teil komplett aufgeklärten Himmel und den Sonnenschein, während wir uns langsam auf den Canyon zubewegen. Beim Blick von der fünften Brücke aus kann man in etwas Entfernung erahnen, dass der Fluss aus einer Schlucht kommt. Wir folgen dem Weg, dessen harter Lehmboden kaum einen geraden Schritt ermöglicht. Auch wenn der Weg klar gekennzeichnet ist und der Zugang zum Fluss selbst zum Großteil abgesperrt ist und immer wieder darum gebeten wird, auf dem offiziellen Weg zu bleiben, scheint das für viele Fotobegeisterte nicht akzeptabel zu sein.
Wir können den Weg und den Ausblick trotzdem genießen und werden immer mehr in den Bann gezogen. Vor uns liegen noch drei Brücken, die alle eine andere Schönheit der Schlucht zeigen. Während die vierte Brücke über eine scharfe Kurve des Canyons errichtet ist, haben wir bei der dritten Brücke den Blick auf einen Wasserfall, der sich zwar schmal, aber trotzdem wild in die Tiefe stürzt. Angekommen bei der zweiten Brücke, müssen wir schon fast ein wenig suchen, bis wir knapp 50 Meter unter uns die Wasseroberfläche ausmachen können. Die Formen im Fels erinnern uns dabei sehr an den Buckskin Gulch, auch wenn hier von den roten Farben weit und breit nichts zu sehen ist.
Zurück am Auto müssen wir uns erst mal abtrocknen. Der Himmel hat auf dem letzten Kilometer doch noch seine Schleusen geöffnet, aber mal wieder ist das Wetter besser als die Vorhersage. Wie gut es doch mit uns gemeint wird! Bevor wir losfahren, stellen wir fest, dass wir beide ähnliche Gelüste haben: Pizza! Was für ein Glück, dass es in Jasper auch eine Pizzeria gibt. Nach einer Viertelstunde in Freddie erreichen wir das Städtchen und finden schnell auch einen der vielen Touristenparkplätze. Es hat mittlerweile wieder aufgehört zu regnen, aber es ist viel zu frisch, um noch mal so wie am gestrigen Tag draußen zu sitzen, und so bleibt Bella im Bus, und wir spazieren rüber zum Restaurant.
Wie immer auf unserer Reise werden wir freundlichst begrüßt und haben uns nach ein paar Blicken auf die Karte auch schnell entschieden. Als Vorspeise wählen wir in Parmesan und Knoblauch gewälzte bzw. getränkte kleine Teigknoten. Für Hanna gibt es eine Pizza mit Wildpilzen, Grünkohl, Spargel, Brokkoli mit weißer Soße. Für mich wird es eine Pizza mit Spinat, Zwiebeln, Ziegenkäse, Mozzarella und frischem Dill. Beides eher ungewöhnliche Varianten, aber nachdem wir schon von den Teigknoten verzaubert wurden, heben uns die Pizzen beide kulinarisch noch mal auf ein ganz anderes Level. Wir mampfen beide selig und dankbar vor uns hin. Irgendwann ist die Pizza dann aber doch verputzt, und es geht wieder zurück zu Freddie.
Bevor es in Richtung des Icefields Parkway geht, der zu den schönsten Straßen der Welt zählen soll, tanken wir Freddie aber noch mal voll. Wir wissen immer noch nicht genau, bei wie viel Restinhalt im Tank die Standheizung nicht mehr mit Diesel versorgt wird, und direkt neben einem Gletscher wird es auch Ende Juni nachts bestimmt noch mal kalt. Unser Stellplatz für die Nacht soll nämlich in der Nähe der berühmten Eisfelder auf einem großen Parkplatz sein. Etwas über eine Stunde Fahrt liegt noch vor uns, und die ersten Kilometer ziehen uns definitiv schnell in ihren Bann. Bei erster Gelegenheit fahren wir kurz rechts ran und befestigen die Kamera wieder auf der Motorhaube.
Tiere sehen wir entlang der Route erst mal nicht, und nachdem wir schon zwei Campingplätze passiert haben, halte ich knapp 25 Minuten vor dem eigentlichen Ziel am Honeymoon Campground. Dem Namen nach etwas zu früh für unsere Anwesenheit, aber die Lage direkt an einem See, die nischenförmig angelegten Plätze mit wenig Einsicht und vor allem Feuerholz ohne Ende geben dann doch den Ausschlag, die Nacht hier zu verbringen.
Wir entscheiden uns schnell für einen Platz, an dem unter dem Picknicktisch bereits eine große Menge an Feuerholz liegt, das auch einigermaßen trocken ist. Nachdem wir eine Runde mit Bella über den Platz gedreht und einen Blick auf den klaren See geworfen haben, füllen wir noch schnell die Selbstregistrierung aus. Zurück am Platz schnappe ich mir die Axt und zerteile ein paar der doch großen Holzscheite, und mit einer Zeitung aus einem der besuchten Nationalparks ist dann auch schnell das Feuer entzündet. Was von uns eigentlich nur eine kurze, gemütliche Runde am Feuerchen sein sollte, entwickelt sich dann zu einer ausgiebigen Entspannungsübung und dem Genuss der beiden am Vortag gekauften Biere. Am Feuer genießen wir noch eine Gemüsesuppe und klettern dann gegen halb zehn in Freddie. Durch die neue Zeitzone geht die Sonne hier erst gegen halb elf unter, und so können wir beim Schauen einer Folge „Eric“ auf Netflix noch das letzte Tageslicht genießen. Wie fast immer in den letzten Wochen spähen wir (erfolglos) auf der Suche nach Bärenbesuch aus dem Fenster. Czytaj więcej
Icefields Parkway im Regen
17–18 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 9 °C
Als ich heute Morgen die Thermomatte am Heckfenster runterklappe, sehe ich dicke Flocken vom Himmel purzeln. Es ist Mitte Juni, wir stehen „nur“ auf 1400 Metern Höhe und es schneit. In Freddie hat es knackige 10° und ich denke mir: „Och nöh.“ Versteht mich nicht falsch, Schnee ist wirklich zauberschön, aber im Juni?! Wir schalten die Standheizung ein und starten mit Kaffee und Umbauzeremonie in den Tag. Danach geht Christian ein kleines Ründchen mit Bella und ich bereite Freddie auf die Abfahrt vor.
Wir müssen wieder um elf Uhr vom Platz sein, das macht das Aufstehen und den Morgenablauf zwar etwas straffer, aber so sind wir früh auf der Straße und kommen meist auch früher an unseren Zielen des Tages an. Der Honeymoon Campground hier am See hat uns wirklich gut gefallen. Die Plätze sind großzügig angelegt, jeder hat seine eigene Nische und es gibt Feuerholz ohne Ende. Zusätzlich gibt es Toiletten, Wasserzugang zum See, der perfekt für Stand Up Paddle wäre, das noch unbenutzt im Kofferraum liegt, und außerdem sind hier zwei „Schlecht-Wetter-Häuschen“ angelegt, die mit einem Ofen und Sitzbänken für Regentage ausgestattet sind. Hätten wir heute Abend keinen Campground im Banff Nationalpark reserviert und bereits bezahlt, wären wir vielleicht bis zum nächsten Schönwettertag hier geblieben.
Vielleicht kommen wir ja nochmal her. Christian hat die Idee, dass wir hier entlang über Norden und dann Richtung Osten weiterfahren könnten. Ich bin zunächst ein wenig skeptisch. Bei mir entwickelt sich aktuell ein bisschen Angst, etwas zu verpassen. In diesem zweitgrößten Land der Welt gibt es bestimmt noch so viel zu entdecken, daher bin ich unsicher, ob ich 300 km zweimal die gleiche Strecke fahren möchte. Andererseits ist diese Kulisse der Rocky Mountains einfach nicht von dieser Welt. Die Aussichten, die wir die letzten beiden Tage genießen durften, sind nicht zum Sattsehen gemacht. Viele Leute, die wir bisher getroffen haben, haben uns erzählt, dass östlich der Rockies „nur“ Prärie wartet und die Landschaft ok sei. Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass es von hier aus bis zur Ostküste „nur langweilig“ sein soll.
Wir rollen los und haben heute den Icefield Parkway vor uns, der die Nationalparks Jasper und Banff verbindet. Es handelt sich um eine 266 km lange Straße, die durch die Rocky Mountains führt. Er schlängelt sich entlang mehrerer Flussläufe, Wasserfälle und Seen, bietet eine spektakuläre Aussicht auf die Bergmassive und führt am Columbia Icefield vorbei, dem größten Gletscher der Rockies südlich des Polarkreises. Wir haben uns sehr auf die Strecke gefreut, die als eine der weltweit schönsten szenischen Routen bekannt ist. Allerdings fahren Schnee und Regen mit uns, die Sicht reicht meist nur bis zu den ersten Wipfeln der die Straßen säumenden Bäume und so verfestigt sich auch in meinem Kopf Kilometer für Kilometer die Idee von Christian, dass wir diese 300 Kilometer in den nächsten Tagen oder Wochen wohl wahrscheinlich bei besserer Aussicht nochmal fahren werden.
Die Stimmung an Bord von Freddie ist heute genauso schlecht wie das Wetter und wir kämpfen uns durch Misskommunikation, Missverständnisse, Frust und den Wunsch, vom anderen besser verstanden zu werden. Es gibt so Tage, an denen Miss und Mister Interpretation im Vordergrund stehen und egal was man sagt, über einen Kanal gesendet und empfangen wird, der ein paar Betonungen anders setzt und dann zu heißen Diskussionen führt. Für uns beide sind solche Tage super anstrengend und nach einiger Zeit suchen wir verzweifelt den Punkt oder die Gründe, woran sowas liegen kann. Die Erklärungsmöglichkeiten sind endlos. Von Hormonen, über Müdigkeit, Sorge, dass uns die Zeit durch die Finger rinnt, unterschiedliche Wünsche, intensivstes 24/7 Beisammensein bis hin zu ungewisser Zukunftsgestaltung im Sinne von Aussteigerwünschen und anderen Träumereien spielen neben bestimmt noch anderen Dingen hier mit ein.
Mit gedrückter Stimmung erreichen wir Banff im Regen und hopsen in den Supermarkt, um ein wenig Frischzeug einzukaufen. Wir fühlen uns, als seien wir in einen Ameisenhaufen gefallen und atmen erstmal tief durch, als wir wieder in Freddie sitzen. Auf all diese Menschen gibt es erstmal einen Schokoriegel.
Wenig später erreichen wir den Campingplatz und rollen zu dem uns zugewiesenen Stellplatz, der einer von 612 Plätzen ist. Draußen wird aus Regen wieder Schnee und wir sind in absoluter Verkriech-Stimmung. Nach einem Schläfchen schalten wir die Standheizung ein und wurschteln nebeneinander her. Zum Abendessen gibt es Gemüse mit Dips und Brot und Christian wagt sich mit Bella raus ins Schneegestöber. Wie dankbar ich ihm bin, dass er auch diese Runde übernimmt, kann ich in Worten nicht ausdrücken. Der Abend wird nicht allzu lang. Ich schaue eine Folge Germany's Next Topmodel und Christian tippt fleißig Berichte. Czytaj więcej
Einmal die Straße entlang
18–19 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 10 °C
Ein wenig schade ist es schon, aber wir sind ehrlich gesagt mehr dankbar, dass am Dienstagmorgen vom Schnee um uns herum auf dem Campingplatz nichts mehr zu sehen ist. In der Nacht ist es kühl geworden, aber Freddie hat die Temperatur gut gehalten, so dass wir bei knapp 17 °C auf die Standheizung verzichten können. Schon verrückt, dass es uns an manchen Tagen in der Früh in unserer gefühlt ewig weit entfernten Wohnung im Bad frisch ist und das, obwohl dort die Fußbodenheizung schon für angenehme Wärme sorgt. Wir hoffen beide sehr, dass uns der Luxus des Alltages, der irgendwann wieder einsetzen wird, noch lange, lange Zeit als etwas besonderes vorkommen wird und nicht wie eine Selbstverständlichkeit.
Den Luxus des Campingplatzes nehmen wir dann aber noch in Anspruch, als zuerst Hanna und anschließend ich unter die warme Dusche verschwinden. Während ich danach Freddie für die Fahrt des heutigen Tages bereit mache, spaziert Hanna eine Runde mit Bella. Nach ein paar letzten Trödeleien und einem gefühlt ewig Orgeln von Freddie rollen wir in Richtung der Ausfahrt und entleeren dort erstmal das Abwasser und füllen unseren Wassertank. Dabei kommen wir schnell mit einer kanadischen Familie ins Gespräch – hier sind die Eltern mit ihrem Sohn (geschätzt Mitte 20) im von ihm ausgebauten Camper unterwegs. Während sich die beiden Männer dort um das Auffüllen des Wassers kümmern, erzählt uns die Mutter von ihren Plänen und fragt ein wenig nach unserer Reise.
Die drei Kanadier sind scheinbar schon in großen Teilen Nordamerikas unterwegs gewesen und finden unseren bisherigen Reiseverlauf fantastisch und bewunderen insbesondere unseren Weg von Vancouver Island über Bella Coola in die Rocky Mountains. Es ist wirklich schön, dass wir mit unseren zum Teil “spontan” gemachten Plänen und Entdeckungen vieles richtig machen und finden unsere Art des Reisens mal wieder bestätigt!
Vom Campingplatz geht es dann schnell auf den Highway in westlicher Richtung. Wir passieren dabei die Ausfahrt zum Lake Louise, haben uns aber auch heute ganz bewusst gegen einen Besuch dort entschieden. Im Vorfeld hatte ich dort zwar ein paar Wanderungen herausgesucht, aber wir hatten beide nicht auf dem Schirm, wie stark frequentiert dieser tiefblaue See mitten im Gebirge ist. Der dortige Besucherparkplatz füllt sich trotz des Preies von 38 C$ im Sommer zumeist schon vor dem Sonnenaufgang, dafür gibt es aber wie auch in anderen Nationalparks Shuttle-Busse, die einen kostenlos von einem weiter entferntem Parkplatz zum See bringen. Hunde sind in den Bussen auch erlaubt, solange der Hund in einer Transporttasche auf dem Schoss von Frauchen bzw. Herrchen untergebracht wird bzw. werden kann. Ab einer gewissen Größe durchaus schwierig, sofern die eigenen Abmessungen nicht zu den Proportionen des Hundes passen. Wir wissen die Option mit dem Bus sehr zu schätzen, aber wer uns kennt bzw. die bisherigen Berichte gelesen hat, weiß wie sehr wir Touristenmassen lieben und so fahren wir dann am Lake Louise vorbei.
Wenn gestern auch vieles in den Wolken versteckt war, haben wir zwischendurch den ein oder anderen See am Icefields Parkway vor einem Berg hervorblitzen sehen und wollen dann dort auf dem Rückweg stoppen, um in ähnlicher Kulisse spazieren zu gehen.
Für uns geht es heute aber zurück in Richtung Westen, wenn auch knapp 350 Kilometer weiter südlich. Auf dem Weg in Richtung des Örtchen Radium Hot Springs, passieren die kontinentale Wasserscheide. Westlich von diesem Punkt fließt alles Wasser in den pazifischen Ozean, östlich davon endet das Wasser im atlantischen Ozean und das, obwohl dieser Punkt ziemlich im Westen von Kanada liegt. Mit dem Passieren dieser Steller befinden wir uns dann auch nicht mehr im Banff Nationalpark, sondern bereits im Kootenay Nationalpark. Auf dem weiteren Weg fahren wir an einigen Aussichtspunkten und Einstiegen für Wanderungen vorbei. Hier machen wir heute auf Grund des immer noch durchwachsenen Wetters keinen Halt und nehmen uns auch hier vor, auf dem Rückweg zu Halten. So genießen wir die Aussicht auf Gebirge und Flüsse während der knapp 100 Kilometer nur und kommen gegen halb eins in Radium Hot Springs an.
Wir haben auf der Fahrt Alberta verlassen und sind wieder in British Columbia angekommen und dies merken wir auch direkt an der Tankstelle, der Diesel ist hier wieder um 30 Cent teurer. Freudig überrascht sind wir beide vom Verbrauch, der trotz der ein oder anderen Stunde Standheizung bei ziemlich genau 9 Litern auf 100 Kilometer liegt.
Bevor wir uns wie geplant auf zum Stellplatz machen, gibt es aber nochmal ein “gesundes” Frühstück für uns beide vom am besten bewerteten lokalen Schnellimbiss. Während es für mich ein Sandwich mit Pommes wird, bekommt Hanna eine gefühlt riesige Portion “Breaky Poutine”. Hier gibt es neben Käsebruch und Soße Hollandaise anstelle von Bratensoße zusätzlich noch Hackfleisch, Spiegelei, Bacon und - vermutlich nur damit es halbwegs gesund aussieht - Frühlingszwiebeln. Ich bin mit meiner Wahl nicht ganz zufrieden, was aber nicht an der Qualität des Gerichtes liegt. Hanna schwebt dafür aber kulinarisch auf Wolke 7, muss aber aufgrund der Größe der Portion schon nach gut der Hälfte aufgeben. So ist dann zumindest das halbe Abendessen gesichert.
Nach der Stärkung und dem Kauf von vier Dosen Bier im hiesigen Alkoholgeschäft, geht es dann nochmal etwas über 15 Kilometer zurück in westlicher Richtung zur Settlers Road. Kurz bevor wir aus dem Gebiet mit dem Empfang fahren, bekommen noch kurz die Familien Bescheid, dass wir vermutlich für die nächsten paar Tage kein Internet haben werden. Unser Ziel für heute ist eine offizieller, aber nur von den Nutzern gepflegter, Stellplatz am Kootenay River. Der Weg über die Forststraße ist recht kurz und der Weg frei von Schlaglöchern und Wellblechmustern. Kurz bevor uns das Navi über den Fluss führt, bemerke ich, dass der Stellplatz nicht auf der anderen Seite des Flusses liegen soll. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt, dass es zwei Stellplätze zu beiden Seiten des Flusses mit gleichem Namen gibt.
Die Zufahrt zum Stellplatz erreichen wir dann nach ein paar weiteren Kilometern und schaffen schaukelnd auch die grobe, steinige Zufahrt unter dem mahnenden Knallen der Äpfel in der Obsthängematte. Am Platz angekommen bin ich zunächst erstmal etwas zurückhaltend, da der Platz auf den ersten Blick sehr einsichtig ist. Aber damit dies dann überhaupt ein wirklich störender Faktor wäre, müssten sich hier erstmal anderen Menschen befinden. Es braucht ein paar Dutzend Versuche – ich bin kurz vor dem Aufgeben – und am Ende einen Keil, der von zwei großen Steinen von Hanna unterfüttert wird, bis wir fast perfekt in Waage stehen.
Wir lassen den späten Nachmittag gemütlich ausklingen, gehen am Abend eine große Runde mit Bella in Richtung der Straße und halten dabei erfolglos nach Bären und anderem Getier aus. Ein wenig froh darüber sind wir, immerhin haben wir, auf dem Weg hierhin, keine drei Kilometer vorher noch zwei recht junge Schwarzbären aus Freddie heraus beobachten können.
Nachdem wir die restliche Poutine in Freddie verputzt haben, setzen wir uns noch etwas nach draußen und nach kurzem Zögern gönnen wir uns dazu auch das am Mittag gekaufte Bier. Während ich ein helles Kozel trinke, wird es für Hanna die dunkle, malzige Variante. Neben Käse und Brot gehört definitiv auch Bier aus der “alten Welt” zu den Dingen, die wir vermissen.
Mit den letzten beiden Folgen Eric auf Netflix lassen wir den Tag ausklingen. Czytaj więcej

PodróżnikGuten Morgen, Ich wollte Euren Bericht wie immer schon beim ersten wach werden lesen. Blöderweise sprang aus mir unerklärlichen Gründen der Ton des Videos an sodaß ich damit Regine aus Ihrem Schlaf geholt habe. Zwei Stunden Später passierte das gleiche. OHA! 😳 Dennoch schöner Bericht. Das Video schau ich vorsichtshalber xpäter! 😊
Allein, allein!
19–22 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 13 °C
Es ist bereits Samstagvormittag, als ich diesen Bericht tippe. Die letzten drei Tage sind mal schneller, mal langsamer vergangen, aber wir genießen diese Flucht und das Abschalten in der Wildnis sehr. Auch wenn hier jeder Tag ein wenig anders ist, könnten wir uns beide an den grundlegenden Ablauf fast dauerhaft gewöhnen. Aufstehen kurz bevor oder nachdem die Uhrzeit zweistellig ist, um anschließend Kaffee und Tee zu kochen. Ersteren genießen wir dann direkt am Kiesstrand im Sonnenschein, während wir entweder die vorbeifahrenden Rafting-Touren beobachten oder die Abreise der Naturwütigen auf der anderen Seite des Flusses.
Begleitet von der Musik des Wassers verbringen wir dann den Großteil des Tages lesend, dösend und entspannend in der Hängematte mit dem perfekten Blick auf Berge, Wälder und das von den Sedimenten der Berge gefärbte grünblaue Wasser. Während am frühen Abend das Feuerholz gehackt und das Lagerfeuer entfacht wird, kocht Hanna das Abendessen. Sowohl der Salat mit Thunfisch, der Reis mit Gemüse in Erdnusssoße als auch die Feta-Nudeln mit Tomaten haben am Lagerfeuer bei tollem Wetter und dem wundervollen Ausblick nochmal besser geschmeckt als ohnehin schon.
An jedem Abend haben wir gespielt, zeitweise mit Weinbegleitung, und uns immer darüber gefreut, wie wenig es doch wirklich braucht, um vollkommen entspannt und glücklich zu sein. Mit der einsetzenden Dämmerung hat sich dann mal für ein Stündchen und mal bis nach Mitternacht der Sitzplatz direkt ans Feuer verlagert. Dass wir über die ganzen Tage hinweg keinen Empfang haben, ist ein wirklich begrüßenswerter Pluspunkt. Czytaj więcej
Mann und Frau über Bord
22–23 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 21 °C
Der Samstag fängt ähnlich entschleunigt an wie die letzten, mittlerweile bereits 4, Morgen. Wir klappen beim Aufwachen hinten die Thermomatten vom Fenster und bestaunen die reißende türkisgrüne Wassermasse, die hinter unseren Heckfenstern in kürzester Entfernung hinter Bäumen vorbeirauscht. Es ist einfach so unfassbar und unbeschreiblich schön hier.
Im Bett wird noch etwas gelesen und gedaddelt und nachdem sich mal wieder Christian aufrafft, führen wir unseren Umbau-, Wasser- und Kaffeetanz auf. Wir genießen das Käffchen an dem Tisch, der bereits von der Sonne geküsst wird. Bella stromert am Wasser entlang, ist mutig genug, trotz der Wasserbewegung etwas zu trinken und markiert fleißig ihr neues und liebgewonnenes Revier. Nachdem der Kaffee nachgefüllt ist, packt Christian seinen Laptop aus und beginnt Berichte zu tippen – da ist wohl jemand heute Morgen von einer Muse geküsst worden. Ich spanne die Hängematten auf und mache es mir, wie schon gestern, mit meinem Kindle und Tee bequem und hänge eine Runde herum.
Gegen Mittag regt sich ein kleines Hüngerchen und ich hüpfe in Freddie und bereite Zimt-Apfelporridge vor, der mit Nektarine, Joghurt, Nüssen, Hafer-Vanille-Milch und Erdnussbutter getoppt wird. Den genießen wir beide am Fluss. Mittlerweile ist Emilie mit Sierra, ihrer Hündin, unten am Fluss angelangt und wagt sich in das wirklich frostige Gletscherwasser. Hut ab. Mal schauen, ob wir uns später noch überwinden können, auch hineinzugehen. Christian räumt unsere Schalen in Freddie, macht sich auf zum Plumpsklo, und Emilie setzt sich zu mir und wir kommen ins Gespräch. Sie hat Geographie studiert und arbeitet mittlerweile über das Rangerprogramm in den Nationalparks Banff, Kootenay und Yoho. Hier ist sie dafür zuständig, über Drohnenaufnahmen die Nationalparks zu kartographieren. Super spannend und für sie der absolute Traumjob, wo sie doch vorher in einer Mine als Geographin gearbeitet hat. Ihr Arbeitsvertrag ist zurzeit noch begrenzt, sie hofft aber darauf, übernommen zu werden und dann vollständig nach British Columbia zu ziehen, auch wenn es ihrer Familie schwerfallen wird, sie aus Ontario wegzuziehen zu sehen.
Als wir so plaudern, gesellt sich ein Mann zu uns und fragt, ob wir ein rotes Kanu den Fluss passieren gesehen haben. Ich frage mich, ob er dies an einem anderen Zeltplatz eventuell ungenügend befestigt hat und es sich selbstständig gemacht haben könnte. Also frage ich: „Is there anybody IN the canoe?“ Er antwortet, dass er das doch hofft, er wartet auf seine Frau und seinen Sohn, die hier nach einer Tour geplant anlanden sollen. Mittlerweile ist Christian von der Toilette zurück und sucht in Freddie wagemutig seine Badehose heraus. Just in dem Moment schippert ein Kanu an uns vorbei… es ist rot und in dem Kanu sitzen keine Leute. Mutter und Sohn machen wir nicht weit dahinter im Wasser aus. Die Strömung des Flusses ist insbesondere in der Mitte reißend. Nicht umsonst fahren hier täglich mehrere Raftingtouren vorbei. Man sieht, dass Mutter und Sohn total zu kämpfen haben. In dem Moment fühle ich mich absolut hilflos und sehe dabei zu, wie der Sohn zuerst sich und dann der Mutter beim Auslösen einer selbst aufblasbaren Schwimmweste hilft. Der Vater und Christian haben beide schnell reagiert und rennen den Platz hoch, um am Ufer entlang um die Biegung des Flusses zu kommen. Dort halten sie Ausschau nach den beiden von Bord gegangenen Personen, die mittlerweile aus Emilies und meinem Blickfeld verschwunden sind. Wir machen uns Gedanken, ob und was wir anders hätten tun können. Ein schlechtes Gewissen paart sich mit einem wirklich ohnmächtigen Gefühl und Sorge um die Familie. Ich weiß nicht mehr genau, wie viel Zeit vergangen ist. Im Rückblick kann es höchstens eine Viertelstunde gewesen sein, als Bella anschlägt und Emilie und ich unter Freddie Füße heranhumpeln sehen, an denen nur noch eine Sandale hängt. Der Sohn der Familie läuft kalkweiß im Gesicht auf uns zu und fragt, ob wir ihm ein Handtuch geben könnten. Schnell ist ein Handtuch zur Hand und praktischerweise haben wir auch noch heißen Tee in der Kanne. Der Junge setzt sich und steht sichtlich unter Schock. Er hat seine Mutter loslassen müssen und fragt sich, ob sie immer noch im Fluss ist. Sein Vater hat ihn am Ufer herausgezogen und hat sich danach weiter auf die Suche gemacht. Christian hat den Jungen zu uns geschickt und ist dann dem Vater zur Unterstützung gefolgt. Emilie hat ein Gerät zur satellitengestützten Nachrichtenkommunikation dabei und fragt, ob sie einen Notruf absetzen soll. Nur mit unseren Handys könnten wir niemanden kontaktieren, und später informieren wir uns bei Emilie noch genauer über dieses Gerät von Garmin, das hier im Hinterland wahrscheinlich ein super schlauer Ausstattungsgegenstand ist. Während Emilie fragt, kommt Christian wieder und gibt Bescheid, dass die Mutter wohlauf aus dem Fluss gerettet wurde und nun mit dem Vater ebenfalls auf dem Weg zu uns ist. Die Mutter kommt bei uns an und der Schock ist sowohl ihr als auch dem Sohn anzusehen. Sie bricht in Tränen aus und stammelt, dass sie dachte, ihren Sohn nie wieder zu sehen. Unser aller Puls ist weit über 100, und wir sind froh, dass dieser lange Schreckensmoment nur ein solcher geblieben ist. Die Mutter berichtet, dass es mit der Weste fast unmöglich war zu schwimmen und dass sie es einfach nicht ertragen konnte, ihren Sohn loslassen zu müssen, während dieser Bella streichelt und seinen eigenen Gedanken nachhängt. Wir setzen weiteren Tee auf, die Schwimmwesten werden abgelegt, die Handtücher halten ein wenig warm, während Mutter und Sohn sich versuchen zu akklimatisieren. Beide haben ordentliche Schrammen davongetragen, beide einen Schuh und auch das Kanu mit persönlichen Dingen, die im Wetbag waren, verloren. Aber es sind glücklicherweise nur Dinge, die Schaden genommen haben. Nach kurzer Zeit stößt der Vater mit dem zweiten Sohn und weiteren Handtüchern zu uns und die Familie kommt mehr und mehr zur Ruhe. Nachdem der Tee geleert ist, macht sich die Familie auf, sich auf einem der oberen Plätze einzurichten und trockene Kleidung anzuziehen, die sie von uns nicht annehmen wollten. Wir geben ihnen noch den Tipp mit auf den Weg, eventuell ins nächste Dorf zu fahren, um dort das einsame Kanu auf dem Fluss zu melden und Bescheid zu geben, dass nicht nach den Insassen gesucht werden muss. Während sich die Familie verabschiedet, rasen auf dem Fluss zwei Stand-Up-Paddler an uns vorbei, die Christian und ich gestern schon gesehen hatten. Wir hatten gestern schon darüber geredet, dass wir uns niemals auf einem Stand-Up-Paddle in solch ein Gewässer wagen würden. Die Mutter sagt trocken, dass die wohl ein bisschen besser wüssten, was sie tun. Christian beruhigt sie aber, dass es auch einfach sein kann, dass die beiden ein wenig lebensmüder sind.
Nachdem die Familie weg ist, trinken Emilie, Christian und ich Kaffee und hängen dem Unfall nach. Wir beleuchten, ob wir etwas hätten anders machen können, kommen aber überein, dass den beiden in die Fluten folgen wohl die dümmste Idee gewesen sei und dass unsere Reaktionen, wenn auch unterschiedlich, sich sehr gut ergänzt haben. Was ein aufregender Nachmittag. Sierra und Bella haben die angespannte Stimmung schnell bemerkt und die Situation ebenfalls großartig bewältigt.
Den restlichen Tag verbringen wir drei wie wild schnatternd und kommen von Hölzchen auf Stöckchen. Von unserer bisherigen Reise, über Kanada, Politik, Jobs, Familie und viele andere Dinge werden wir der Gespräche nicht müde und unterbrechen die Schnattereien auch nur kurz, um selbst im ruhigeren Bereich des Kootenay Rivers eine Abkühlung zu genießen. Abends entscheiden wir gemeinsam zu essen und Emilie steuert eine Portion Grünkohl für ein Curry bei. Während ich das Curry vorbereite, fachen Christian und Emilie das Feuer an. Beim Essen öffnen wir unseren letzten Wein des Briceland Vineyards und spielen danach noch ein paar Partien Rummikub. Der Tag war bunt, aufregend, entspannend und kommunikativ. Wir fallen glücklich und zufrieden ins Bett, und schnell fallen uns nach dem Tag voller Eindrücke die Augen zu. Czytaj więcej

PodróżnikDas liest sich ja fast wie ein Krimi.. Jetzt hab ich einen Ohrwurm. Das Banjo und Gitarrenspiel aus dem Film Flissfahrt. :-)https://youtu.be/NFutge4xn3w?si=EZmpYYDKOz1COoJE
Wir kommen einfach nicht los...
23–24 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 20 °C
Mit dem Öffnen der Schiebetür am Sonntagmorgen ändern wir spontan unsere Pläne: Wir bleiben noch einen weiteren Tag in unserem Idyll. Obwohl wir hier schon seit mehreren Tagen sind, haben wir uns noch nicht sattgesehen und fühlen uns immer noch sehr wohl. Zwar wäre bald ein Einkauf nötig, aber wir sind auch noch mit allen wichtigen Dingen versorgt!
Mit jeweils einer Tasse Kaffee bewaffnet setzen wir uns vor die Tür. Heute sind wir erstaunlich früh aufgestanden, sodass der kleine Privatstrand noch fast komplett im Schatten liegt. Während wir die Sonnenstrahlen beobachten, die sich nach und nach durch die Nadelbäume schleichen, verrichtet Bella mit bestem Blick auf das Wasser und die Berge ihr Geschäft. Nachdem der Haufen eingesammelt ist, bekommen wir Besuch von den unfreiwilligen Schwimmern von gestern, die sich noch einmal bei uns für die Unterstützung bedanken.
Mehr als ein paar beherzte Handgriffe, warmen Tee, Handtücher, offene Ohren und ein Fell zum Streicheln haben wir zwar nicht zur Rettung beigetragen, aber als Betroffener nimmt man so etwas vermutlich doch anders wahr. Wir erfahren von der Mutter, dass die Familie gestern nach unserer Empfehlung noch zur Polizei nach Radium Hot Springs gefahren ist und dort Meldung gemacht hat, damit nicht unnötigerweise ein Rettungstrupp losgeschickt wird, falls das gekenterte Kanu gefunden werden sollte. Ich hatte gestern im kurzen Gespräch mitbekommen, dass es sich bei der Familie nicht um Franko-Kanadier aus Quebec handelt, sondern um eine Familie, die nach Kanada ausgewandert ist. Auf meine Frage, ob die Einwanderung „abgeschlossen“ sei, erzählt die Mutter lachend, dass sie die Aufenthaltsurkunde letzte Woche offiziell erhalten habe, diese aber gerade in einer wasserdichten Tasche irgendwo auf dem Kootenay River schwimme.
Wir spinnen in fast jedem Urlaub im Ausland (ja, ist ja gut: zuhause auch!) herum und können uns sowohl ein dauerhaftes Leben in Schweden, Schottland oder Irland vorstellen. Die gleichen Gedanken hatten wir zwischendurch auch über die USA, aber bei all der Schönheit findet unsere Kontra-Liste dort kein Ende. Während wir es auf Vancouver Island „nur“ richtig, richtig schön fanden, hat uns der Rest von British Columbia und der 50 Kilometer breite Streifen Albertas in den Rocky Mountains bislang jeden Tag aufs Neue von den Socken gehauen. Wir sind beide – jeder für sich und aus leicht unterschiedlichen Gründen – schwer verliebt in diese Gegend und nutzen daher die Gelegenheit, einen kurzen Erfahrungsbericht von jemandem zu bekommen, der die ganze Einwanderungsprozedur vor Kurzem hinter sich gebracht hat.
Passenderweise ist die Französin Lehrerin und dem Ruf des Lehrermangels in Kanada gefolgt. Als Französischlehrerin in einem Land, in dem Französisch Amtssprache ist, natürlich eine sichere Bank. Aber auch Lehrer mit anderer Spezialisierung werden händeringend gesucht. Auf Bundesebene gibt es im Internet entsprechende Tools, mit denen geprüft werden kann, ob der im Ausland ausgeübte Beruf in Kanada anerkannt ist. Solche Berufe werden mit Punkten gewichtet und zusammen mit den Punkten anderer Faktoren (Sprache, Alter, Nationalität, Einkommen etc.) zusammengerechnet. Vereinfacht gesagt, ist eine Teilnahme an einer Lotterie für einen Aufenthaltstitel wohl bereits jenseits der 450 Punkte möglich. Wir sind überwältigt von einer Vielzahl von weiteren Informationen, als sich die Franzosen 20 Minuten später von uns verabschieden und uns viel Erfolg bei der Einwanderung wünschen.
Wenig später gesellen sich dann Emillie und Sierra zu uns. Nach dem gemütlichen gestrigen Abend und zwanglosen Austausch fühlt es sich fast wie der Besuch einer Freundin an, die man schon länger kennt. Da die beiden die Fahrt aus dem Osten der Rocky Mountains schon ein paar Mal gemacht haben, bekommen wir noch ein paar Tipps für Stellplätze und Anregungen für die Reisepläne. Hanna erkundigt sich, ob der Yoho Nationalpark – der letzte, der uns hier in den Bergen noch fehlt – einen Besuch wert sei. Dies wird uns dann sehr deutlich bestätigt, und dank der Übersichtskarte im Nationalparkmagazin planen wir dann zu dritt noch schnell die Route um. Wir sind uns schon fast sicher, dass wir diese Änderung umsetzen, als wir dann noch von einem kleinen Geschäft an der Straße in Richtung Norden erfahren, bei dem es neben einer Vielzahl von Honigprodukten auch unglaublich gutes Eis geben soll. Anstelle den direkten Weg zurück über Banff nach Jasper zu nehmen, werden wir daher nochmal durch Radium Hot Springs fahren und dann für knapp 100 Kilometer in nördlicher Richtung. Ohne die Existenz des Yoho Nationalparks hätten wir diesen Umweg vermutlich auch nur für das Eis in Kauf genommen.
Nachdem wir uns noch etwas länger verquatscht haben, verabschieden sich die beiden und machen sich auf den Weg nach Hause – die Wäsche wartet. Wir tauschen noch unsere Kontaktdaten aus und sind dann alsbald wieder allein in unserem Idyll. Auch wenn sich wenig später die Wolken vor den Himmel schieben, können wir beide die Zeit wie in den Tagen zuvor sehr genießen und schaffen es dann beide nochmal, in das furcht- bis wunderbar kalte Wasser zu hüpfen. Den restlichen Tag lassen wir ganz gemütlich ausklingen und freuen uns schon ein wenig auf die Erlebnisse der nächsten Tage! Czytaj więcej
Zurück in die Zivilisation
24–25 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 11 °C
Heute ist es soweit, wir haben uns fest vorgenommen und heute von diesem Traum Ort loszueisen. Gestern Abend hat es geregnet und in den letzten zwei Tagen ist der Flusspegel ordentlich gestiegen. Dies liegt allerdings wahrscheinlich hauptsächlich am guten Wetter der letzten Tage und der Schneeschmelze. Tatsächlich hat der Fluss an Breite bestimmt zwei Meter auf beiden Seiten zugelegt.
Wir genießen am Platz noch einen Kaffee, und Christian beginnt aus Selbstschutz, Freddie schon mal für die Abfahrt vorzubereiten, bevor wir es uns doch noch ein sechstes Mal anders überlegen. Dieser Ort ist der erste, an dem wir so lange am Stück standen, und es fühlt sich wirklich fast schon heimelig an. Verrückt sich vorzustellen, dass dies wahrscheinlich auch die längste Zeit ohne Internet und Handyempfang war, seit wir beide Handys und Internetzugang besitzen. Noch mehr verwundert uns, dass es uns für die Zeit überhaupt nicht schwergefallen ist, nicht zum Handy zu greifen. Während wir bisher auf der Reise an Plätzen mit wenig Empfang teilweise über eine Stunde lang versucht haben, Berichte hochzuladen oder unbewusst beim Entsperren des Handys automatisch Messenger, Mails oder Instagram geöffnet haben, war dies hier von Anfang an überhaupt kein Problem. Wenn man weiß, dass es so absolut gar keinen Empfang gibt, greift man höchstens zum Fotografieren zum Handy.
Nun aber packen wir unsere sieben Sachen wieder zusammen und rollen nach einem kurzen Gespräch mit einem Anwohner, der mit seinem Auto zum Platz gefahren ist, einfach um die Aussicht zu genießen, los. Eine holprige Schotterpiste später rollen wir wieder in den Kootenay National Park und finden uns kurze Zeit später in Radium Hot Springs wieder. Hier wird den Familien erstmal wieder ein Lebenszeichen geschickt und Bescheid gegeben, dass alles feinstens ist. Wir parken eine Weile am Straßenrand und während ich mich um die Besorgung eines gesunden Frühstücks kümmere (natürlich gibt es Poutine), organisiert Christian das Hochladen der getippten Berichte, das Herunterladen von weiteren Folgen unserer aktuellen Serien, das Zusammenstellen einer Amazon-Bestellung und viele kleine andere Dinge. Ich verliere mich auch in den aktuellsten Mails und ein wenig Organisation. Nach einer guten Stunde Straßenrand-Internetterei geht es weiter in Richtung Yoho National Park. Die Landschaft ist ein Traum, weite, saftiggrüne Wiesen, alleinstehende Blockhütten, tiefgrüne Wälder, riesige schneebedeckte Berge und unglaubliche Weite begleiten uns den ganzen Tag. Wir stoppen auf Emilies heißem Tipp beim „Beehive“ und gönnen uns neben Zimt-Alfalfa-Honig, Rhabarber- und Ingwermet und Bison-Salami einen Kaffee und ein Eis für den Weg. Wenn ich das hier so schreibe, ein ganz schön bunter Mix. Wir rollen weiter und entscheiden uns in der Kleinstadt Golden dafür, unsere doch sehr abgegrasten Vorräte wenigstens basal aufzufüllen, bevor wir dies im wahrscheinlich mittlerweile um einiges touristischeren Jasper machen müssen. Wir stehen nur noch wenige Tage vor Beginn der Hochsaison und dem Start der Sommerferien in Kanada und stellen uns darauf ein, dass im kleinen beschaulichen Jasper wahrscheinlich beim zweiten Durchfahren die nächsten Tage um einiges mehr los sein dürften.
Wir fahren kurz vor dem Yoho National Park ein paar Wildcampingplätze an, die allerdings ordentlich überfüllt sind. Da wir uns dort nirgendwo dazu quetschen wollen, entscheiden wir uns dazu, bereits heute in den Yoho hineinzufahren und dort einen der kostenpflichtigen Campingplätze anzufahren, auch wenn dies noch ordentlich Strecke bedeutet. Gesagt, getan. Es ist zwar einerseits eigenartig, wieder „on the road“ zu sein, aber irgendwie sind wir wieder voller ordentlicher Entdeckerlust und bestaunen gerne die Szenerie, die begleitet von unserem Hörbuch an uns vorbeizieht. Nachdem uns der erste Nationalpark-Platz ebenfalls nicht anspricht, fahren wir noch etwas weiter bis zum nächsten und erreichen diesen dann mit ordentlich steifen Gliedern und sind zufrieden, hier für eine Nacht ein Plätzchen gefunden zu haben.
Wir drehen noch eine Runde mit Bella und verkriechen uns dann wieder in Freddie. Hier bearbeite ich noch ein paar der Bilder der letzten Tage, während Christian die gekauften Erdbeeren verarbeitet und den Teil der Eier, der nicht in den Kühlschrank passt, abkocht. Später gibt es eine Brotzeit und zwei Folgen Dexter, bevor wir einschlummern. Czytaj więcej
Berge, so weit das Auge reicht
25–26 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 13 °C
Auch wenn die Geräuschkulisse in der Nacht eine ganz andere war als in den Tagen zuvor am Fluss, haben wir beide prächtig geschlafen. Hanna kümmert sich um Tee und Kaffee, während ich das Bett umbaue. Mit nur noch acht Stunden Zeitverschiebung und gutem Empfang rufen wir dann mal wieder bei Oma Ida an und halten einen kurzen Schnack.
Da der Empfang gut genug ist, um endlich unseren Flug umzubuchen, suche ich die passende Nummer der Hotline heraus und rufe dort an. Aus meiner Zeit in Schweden habe ich noch einen Account bei einem Service, der Telefonate über das Internet anbietet – so kosten die Anrufe nur 0,8 Cent pro Minute anstelle der 1,49 € unseres Anbieters. Die motivierte Mitarbeiterin hat Schwierigkeiten mit dem System und kann das Ticket nicht selbst umbuchen, sondern muss die „Ticket-Abteilung“ anrufen. Nach knapp 20 Minuten Wartezeit teilt sie mir freudig mit, dass sie unseren Flug erfolgreich auf den 12. Oktober umbuchen konnte. Das größte Problem mit dieser Umbuchung hätten wohl unsere Arbeitgeber, aber ich bestehe darauf, dass der Flug auf den 12. August umgebucht werden soll. Diesmal geht es etwas schneller, bis zur erfolgreichen und korrekten Umbuchung. Obwohl ich dies eingangs des Gesprächs mehrfach erwähnt habe, frage ich nochmal nach: die Reservierung für die Tiermitnahme wurde vergessen. Nachdem ich schon einige Fragen zur Tiermitnahme bzw. zu Bella beantwortet habe, erfahre ich im Nebensatz, dass die Mitarbeiterin gerade den Vorgang zur Mitnahme von Tieren in der Kabine angestoßen hat. Da ohnehin keine Chance besteht, Bella in die Kabine zu bekommen, und wir am Flughafen das Nachsehen hätten, bestehe ich noch auf die Korrektur dieses Fehlers. Insgesamt dauert es eine Stunde, bis alles unter Dach und Fach ist. Etwas entnervt von der Bearbeitungskompetenz, aber froh darüber, dass ich den Anruf über die Internetverbindung durchgeführt habe, klettere ich um kurz vor zehn aus dem Bus. Bis der Kaffee ausgetrunken und Freddie abfahrbereit ist, dauert es dann noch bis kurz vor elf.
Wir fahren zuerst bis an das Ende der Yoho Valley Road und lassen uns von der wundervollen Gebirgslandschaft und einem strahlend blauen Himmel verzaubern. Es ist einfach traumhaft schön. Bereits kurz bevor wir den Parkplatz am Ende der Straße erreichen, können wir den Takakkaw Wasserfall beobachten – den immerhin zweithöchsten Wasserfall im Westen Kanadas. So gut es geht, ignorieren wir den Großteil des touristischen Treibens um uns herum und folgen mit Bella dem Wanderweg in Richtung des Aussichtspunktes. Bereits kurz davor können wir die kühlende Gischt auf der Haut fühlen und spazieren dann auch nicht weiter. Die Menschendichte vor uns nimmt nur weiter zu, und mehr vom Wasserfall ist auch nicht zu erkennen, wenn wir näher kämen – weniger wäre der (Wasser-)Fall.
Auf dem Weg zurück ins Tal bemerken wir ein Schild vor der Abfolge von zwei Haarnadelkurven mit einer Anweisung für lange Fahrzeuge und können dann auch sofort ein Fahrzeug in Aktion beobachten. Die Zufahrt bis zur ersten Kurve erfolgt geradeaus, die Fahrt bis zur zweiten Kurve dann rückwärts, sodass man von der zweiten Kurve aus direkt in der richtigen Fahrtrichtung steht. Mit seinen knapp sechs Metern und dem noch gefälligen Wenderadius können wir auf solche Spielchen verzichten und rollen nach den beiden Kurven ganz entspannt weiter. Am Campingplatz machen wir dann noch einmal Stopp und füllen unseren Wassertank auf. In Erwartung der steilen Auf- und Abfahrt zu den Wasserfällen hatten wir vor der Abfahrt auf die Füllung verzichtet.
Den Yoho Nationalpark und die traumhafte Kulisse haben wir dann schnell hinter uns gelassen. Leider entdecken wir entlang des Highways keine Bären – wahrscheinlich haben die Tiere gelernt, dass der sehr dicht und schnell befahrene Weg kein Futter bereithält. Gegen 13 Uhr erreichen wir dann die Zufahrt zum Icefields Parkway, und auch hier, zwischen den Bergen, ist das Wetter traumhaft. Ob es nur am Wetter liegt oder daran, dass wir uns mittlerweile etwas näher an der Hauptsaison befinden, wissen wir nicht, aber der malerische Weg durch die Rocky Mountains ist sehr voll. Die Parkplätze an den Aussichtspunkten, insbesondere am Herbert und Bow Lake, sind vollkommen überfüllt und die Fahrzeuge stauen sich und parken zum Teil schon auf den Zufahrtsstraßen zu diesen Punkten. Unser Drang, das nächste Fahrzeug in einer solchen Blechkolonne zu sein, hält sich in Grenzen, und so genießen wir die Aussicht entlang des Weges. Wie gut, dass wir das Aufsaugen von Eindrücken in Bewegung schon fast zur Perfektion gebracht haben.
Die leckere Pizza in Jasper lockt uns beide, aber wir entscheiden uns dann doch für einen Stopp an einem der Campingplätze entlang des Icefields Parkway. Wir finden den fast letzten Stellplatz auf dem Waterfowl Lake Campground, der einen Blick auf einen türkis-klaren Fluss zwischen ein paar Bäumen hindurch bietet. Anders als bei den Campingplätzen, die noch vor Jasper liegen, gibt es hier ein paar Rundwege, die zum Spazieren und Verweilen mit Bella einladen, und wir nutzen diese Möglichkeiten, während wir hier gemütlich den Nachmittag und Abend verbringen. Czytaj więcej

Podróżnik
😊 Mit den vielen superschönen Bildern könnt Ihr sämtliche U, - Bahn Stationen in Köln. Mit tollen Wandtapeten versorgen 😊👍
Pizza zum Abschied
26–27 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 20 °C
Wir wachen bei sonnigem Wetter auf und werfen einen Blick auf unseren aktuellen Hinterhof. Langsam stellt sich ein wenig Wehmut ein, denn wir wissen, dass sich unsere Zeit in den Rocky Mountains dem Ende zuneigt. Diese türkisfarbenen Flüsse, die riesigen Berge und die atemberaubenden Kulissen werden uns wirklich fehlen. Christian geht heute Morgen eine Runde mit Bella, während ich Freddie für die Fahrt vorbereite. Natürlich genießen wir noch unser Morgenkäffchen am Platz, aber dann geht es auch schon zur Abwasserstation, bevor der Parkway nach uns ruft.
Hier werden wir von einem Deutschen angesprochen. Wir verquatschen uns mit ihm und seiner Frau, die aktuell einen Camper von der Ostküste der USA nach Anchorage in Alaska überführen. Eine recht günstige Möglichkeit Urlaub zu machen, wenn auch zeitlich eng getaktet. Christian und ich hatten uns vor Jahren schon mal damit beschäftigt, da dies eine günstige Alternative zum Mieten eines Campers ist. Die beiden müssen lediglich den Sprit zahlen und nutzen die Vorzüge des Wohnmobils, während sie es für die Besitzer an den Zielort bringen. Die beiden kommen aus Bonn und interessieren sich besonders für unsere Bereifung, die sie selbst auch schon länger für ihren Sprinter ins Auge gefasst haben. Da sie praktischerweise recht nah bei uns in Deutschland wohnen, geben wir ihnen kurzerhand die Nummer unseres Reifenhändlers in Neuss, der uns die Reifen aufgezogen, den Tacho angepasst und alles für die Eintragung in den Fahrzeugschein vorbereitet hat. Die beiden sind so begeistert von den Reifen, da sie vor einiger Zeit mit einem im Sudan gekauften Jeep mit Dachzelt und eben dieser Bereifung durch Afrika bis nach Kapstadt gereist sind. Nach einer guten halben Stunde verabschieden wir uns, leeren noch unseren Pipitank und machen uns auf den Weg.
Heute zeigt sich der Icefields Parkway von seiner besten Seite. Besonders die vereinzelten Gletscher, die die Straße säumen, faszinieren uns. Wir kommen nicht umhin, darüber zu sinnieren, wie das wohl vor ein paar Jahren ausgesehen haben mag. Auch verrückt, dass wir vor einigen Tagen, als wir hier entlang gefahren sind, von all dem wirklich nichts gesehen haben. Das Columbia Icefield, der größte Gletscher der Rocky Mountains, liegt direkt an der Straße, in perfektem Sichtfeld, und während unserer letzten Tour war er nicht einmal zu erahnen. Wie gut, dass wir die Strecke nochmal fahren. Auch wenn es über 270 km die gleiche Strecke sind, die Ausblicke sind fantastisch und man fühlt sich, als würde man nonstop an einem wunderschönen, AI-generierten Naturspektakel vorbeifahren.
Wir tanken zwischendurch auf, halten hier und dort und kommen am frühen Nachmittag in Jasper an. Heute ist zwar mehr los, aber auch jetzt ist es nicht unangenehm voll. Wir haben uns vorgenommen, nochmal die leckerste Pizza unserer bisherigen Reise zu genießen und uns so quasi von den Rockies zu verabschieden. Da das Wetter heute angenehm warm ist, schnappen wir uns Bella und setzen uns auf die Außenterrasse. Wir sind im Nachhinein immer noch so in den Geschmack der letzten Pizzas verliebt, dass wir es nicht schaffen, eine andere Sorte zu bestellen. Wir bereuen es nicht. Allerdings genießen wir zur Vorspeise diesmal keine Knoblauch-Knoten, sondern crunchy Blumenkohl, der scharf mariniert ist. Auch sehr lecker.
Beim Bezahlen kommen wir mit dem Kellner ins Gespräch, der wohl auch viel und gern die Welt entdeckt. Er ist der Ansicht, dass vier Monate die beste Zeit zum Reisen sind, und er versteht nicht, wie manche Leute über Jahre in ihrem Camper leben und herumreisen können. Da bin ich und ich glaube auch Christian nicht ganz seiner Meinung. Wir beide könnten uns wirklich gut vorstellen, einfach auf unbestimmte Zeit mit Freddie und Bella weiter die Welt zu entdecken und zwischendurch unsere Liebsten zu besuchen. Irgendwann, wenn wir genug davon hätten, würden wir dann irgendwo ein kleines Hexenhäuschen im Grünen oder am Meer kaufen und dort alt und noch grauer werden. Schöne Vorstellung.
Nach der Pizza gibt es einen Gassigang durch das Städtchen und einen kleinen Powernap in Freddie auf dem Parkplatz, bevor wir noch ein Stückchen weiterfahren. Wir hatten vorher bereits überlegt, ob wir uns nochmal auf dem Whistlers Campground im Nationalpark einbuchen oder ob wir heute noch aus Jasper herausfahren. Da es noch nicht allzu spät ist und wir noch ein bisschen „Fahren“ fühlen, geht es also weiter gen Osten durch Alberta. Die Landschaft verändert sich recht schnell, der Blick geht weiter in die Ferne und die Bergriesen mit Schneespitzen sind schneller als uns lieb ist hauptsächlich durch den Rückspiegel auszumachen. Unsere Wehmut wächst, als sich der Himmel immer weiter zuzieht und die Berge schnell gar nicht mehr zu sehen sind.
Abends kommen wir am „La Biche River“ an, einem netten Plätzchen im Nichts mit einem theoretisch zauberhaften Ausblick auf die Rockies. Aber heute nicht; leider nein, leider gar nicht. Wir haben unser Ankommen unbewusst gut zeitlich abgepasst. Als wir uns gerade ausgerichtet haben, öffnet der Himmel alle Schleusen und ein Gewitter zieht ziemlich genau über uns auf. Ich glaube, ich habe heute den lautesten Donner meines Lebens gehört. Gemütlich ist es dennoch in Freddie, ich bin ja immer sehr froh um den Faradayschen Käfig, der durch unsere Blechhütte um uns gebildet wird. Das Gewitter zieht recht schnell weiter. Zum Abendessen gibt es nur einen kleinen Salat, weil wir immer noch gut gefüllt von der Pizza sind. Später kuscheln wir uns ein, schauen Dexter und Bella kommt noch in den Genuss einer kleinen Gassirunde, als es von oben wieder trockener ist. Czytaj więcej
Roadtrip, die Erste!
27–28 cze 2024, Kanada ⋅ ☁️ 16 °C
Wir wachen beide gegen 6 Uhr auf und blicken aus dem Heckfenster. Hinter dem anderen Ufer des La Biche Rivers und der bewaldeten Anhöhe erheben sich die weit entfernten Bergketten der Rocky Mountains. Jetzt verstehen wir, was mit dem "zauberhaften Ausblick" gemeint war. Wir staunen kurz und schlummern dann noch ein paar Stündchen. Als wir endgültig aufwachen, ist der Ausblick auf die Rockies wieder verschwunden. Der Moment am frühen Morgen wird das letzte Mal auf dieser Reise gewesen sein, dass wir einen Blick auf diese majestätischen Gipfel werfen dürfen.
Wir pellen uns aus dem Bett und vollführen unsere alltägliche Choreografie, an deren Ende wir mit Tee und Kaffee belohnt werden. Vor ein paar Wochen sind wir dazu übergegangen, gleich morgens neben Kaffee auch Tee für den Tag vorzubereiten. Eine Kanne und zwei Thermobecher für die Fahrt helfen uns dabei, mehr zu trinken. Christian geht mit Bella spazieren und ich mache Freddie tagesfein, bevor wir uns auf den Weg machen.
Unser Ziel heute ist der Elk Island Nationalpark. Christian hat dort für den Abend bereits einen Platz gebucht. Vorher steht noch ein Stopp in Edmonton an, um einem Amazon Locker einen Besuch abzustatten. Hinter den Rockies und entlang der heutigen Strecke bietet Alberta seichte grüne Hügel, weitläufige Graslandschaften, Wälder sowie Flüsse und Seen en masse. Nach einiger Zeit beginnt es ordentlich zu regnen, und Christian navigiert unser Heim auf Rädern sicher durch das feuchte Nass über den Highway. Wir kommen am Nachmittag in Edmonton an und holen die ersten Pakete aus dem Locker. Ein Päckchen fehlt noch, daher warten wir im Regen in Freddie und hoffen, dass es noch zugestellt wird. Wir frühstücken Müsli, Christian arbeitet am Laptop, ich lese und mache ein Nachmittagsnickerchen. Als um 17 Uhr immer noch kein Amazon-Fahrzeug in Sicht ist, rollen wir noch zum Starbucks und dann wieder auf den Highway. Wir haben noch etwa eine Stunde Fahrt vor uns und machen es uns im Fahrerhäuschen bequem.
Den ganzen Tag begleitet uns ein wenig „British Columbia Wehmut“. Dort war es unglaublich leicht, wunderschöne Stellplätze zu finden. Das Angebot an Recreation Areas war beeindruckend und selten mussten wir Gebühren zahlen. Die Plätze waren zudem sehr sauber. Das Müllproblem war außerhalb von Vancouver Island deutlich besser und die Natur wurde respektvoller behandelt. Außerhalb der Saison hatten wir oft das Glück, sehr einsam die schönste Natur genießen zu können. Immer wenn man eine Staatsgrenze überquert, muss man sich ein wenig einfühlen, wie das „Wildcampen“ gehandhabt wird, ob es geduldet ist und wie man am besten Plätze (auch Campingplätze) findet.
Für mich fühlt es sich ein wenig nach Heimweg an, was wahrscheinlich daran liegt, dass wir über die vor uns liegenden Staaten Kanadas bisher nicht viel wissen. Heute verbringen wir noch in Alberta. Bis zum 17. Juli (für die Red Hot Chili Peppers in Toronto) werden wir durch Saskatchewan und Manitoba reisen, bevor wir in Ontario ankommen. Dann warten noch Quebec, New Brunswick und Nova Scotia auf uns. So viel Land, so wenige klare Ziele und noch weniger Zeit für all das. Ich hoffe, wir verfallen nicht in Hektik, wobei wir die nächsten knapp drei Wochen gut Zeit haben, die insgesamt noch immer 3500 km in nette Roadtrips aufzuteilen. Mal sehen, was noch alles auf uns wartet.
Am frühen Abend erreichen wir den Elk Island National Park. Diesen haben wir als Ziel gewählt, weil hier mehrere Bisonherden neben Elchen, Schwarzbären, Bibern und vielen Vogelarten frei leben. Gern wären wir bis nach Alaska gefahren, um dort Bisonherden in der Prärie zu sehen, aber dafür reichen unsere sechs Monate bei weitem nicht aus. Dann eben so. Wir fahren auf dem Weg zum Campground, der nördlich im Park gelegen ist, noch die „Bison Loop“, auf der sich allerdings keiner der schwarzen Riesen zeigt. Kurz danach sehen wir jedoch ein Bison neben der Straße grasen. Wir sind fasziniert, wie unförmig und riesig diese flauschig aussehenden Kühe mit Buckel sind, die mich an den Glöckner von Notre Dame erinnern. Der Park ist außerdem bekannt für riesige Biberdämme, die wie Pyramiden aus den Seen ragen, die wir passieren.
Der Campground ist nett angelegt und wir sind zufrieden mit unserer Nische. Als erstes schnappen wir uns Bella und gehen ein kleines Ründchen spazieren. Seit wir in Kanada sind, sind wir jedes Mal aufs Neue glücklich, dass Bella in Nationalparks auf die meisten Wanderwege mit darf. Hier ist lediglich ein kurzes Stück eines Trails für Hunde gesperrt, und das aus Sicherheitsgründen, weil in diesem Teil die meisten Bisons leben. Damit können wir sehr gut leben. Auf dem Weg entdecken wir in neuen Sanitärgebäuden super ausgestattete und große Duschen, die schon aus der Ferne unsere Namen wispern. Hui, da freuen wir uns drauf.
Aber erstmal heißt es, Abendessen vorbereiten, weil es mal wieder recht schnell recht spät geworden ist. Heute Abend gibt es Burger. Wir haben zwar keine Buns gekauft, da in der kleinsten Packung acht Burgerbrötchen drin waren (jep, willkommen in Amerika), aber wir nutzen einfach Sandwichtoastscheiben. Die Burger sind köstlich und ich muss an meine Kindheit denken. Wir haben an Karneval, immer Rosenmontags, bei meiner Oma den Karnevalszug gesehen und Kamelle gesammelt (sie hat sofort an der Strecke gewohnt). Vor dem Zug haben wir gemeinsam mit der Familie verkleidet Burger gemacht, auf dem Fernseher lief eine Übertragung anderer Karnevalszüge. Auch bei Oma gab es immer Toastscheiben statt Burgerbuns. Eine so schöne Erinnerung. Ich habe Karneval lange gehasst, aber das Burgeressen um das ganze Schischi herum war immer ein Lichtblick.
Mit vollen Mägen macht Christian sich auf und geht spülen, während ich alles für meine Duschsause packe. Heiße Duschen sind echt nichts Selbstverständliches, das sind Dinge, die man ganz schön zu schätzen lernt. Wir können uns super und ohne Probleme in Freddie sauber und gut duftend halten, aber unter so einer warmen Brause zu stehen, ist schon herrlich. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, mal wieder ohne Flip-Flops duschen zu gehen. Das Einzige, was wirklich unter der Reise leidet, sind meine Haare. Ich habe mir schon mehrmals überlegt, ob ich mir die Haare nicht einfach abrasieren soll… Christian hofft glaube ich immer noch ein wenig darauf, dass er bei mir vor der Rückreise den Rasierer mit 10 mm auf meinem Kopf ansetzen darf.
Nach der Dusche komme ich zurück zu Freddie und gebe mir mit Christian die Klinke in die Hand. Als auch er wieder in Freddie ist, leiten wir den gemütlichen Serienabend ein und lassen den Tag ausklingen. Czytaj więcej

PodróżnikHm Haare ab ? Dann schnell damit sie bis zum Wiedersehen nachwachsen können. ICH DENKE Das auch Du mit kurzen Haaren so (fresch)aussehen würdest wie Du bist :-)

Das war mal ein tolles Kompliment von Jacob. Schließe ich mich an [Petra]
Pumper-Kühe
28–29 cze 2024, Kanada ⋅ ☀️ 18 °C
Herrlich erholt und ohne Tierbesuche werden wir am Donnerstagmorgen wach. Wie gut, dass wir gestern Abend gespült und geduscht haben, so bleibt bis zur Check-out-Zeit um 11 Uhr noch genug Zeit, um den Kaffee in aller Ruhe zu schlürfen. Bella beobachtet uns und die Umgebung sehr genau. Aus allen Ecken sind die meckernden Geräusche von Erdhörnchen zu hören, die sich vermutlich nur darüber beklagen, dass wir sie nicht füttern.
Mit gefülltem Wassertank rollen wir vom Stellplatz in Richtung des großen Parkplatzes am Astotin Lake und nutzen die dortige Dumpingstation. Über Nacht ist der chemische Tankreiniger zum Einsatz gekommen. Nach über vier Monaten auf der Reise haben sich im Tank einige Ablagerungen gebildet, denen der Reiniger aber in der angegebenen Zeit nicht Herr geworden ist. Den Vorgang werden wir nochmals wiederholen müssen. Notfalls wird der Tank nach unserer Rückkehr einmal ausgebaut und von Hand gereinigt.
Direkt von der Entleerungsstation geht es weiter zum Parkplatz mit dem Einstieg zu unserer Wanderung. Wir sind mal wieder vom Glück geküsst, als wir auf dem Weg dorthin zwei Waldbisons am Straßenrand beobachten können. Die Tiere sehen wirklich aus wie Kühe auf Steroiden, fressen aber in aller Seelenruhe das Gras am Rand und schauen nur zwischenzeitlich mit dem sehr flauschig wirkenden Gesicht in unsere Richtung. Der Broschüre des Parks haben wir entnommen, dass es nur die Zeitspanne eines Menschenlebens gebraucht hat, um die Bisons in Nordamerika fast vollkommen auszurotten – im Park leben heute mehr Tiere als um das Jahr 1890 herum in Nordamerika. Beeindruckt erreichen wir wenige Minuten später den Parkplatz und machen uns direkt abmarschbereit. Der Himmel ist wolkig genug, sodass wir beide, gebräunt wie wir mittlerweile sind, auf die Sonnencreme verzichten.
Bella freut sich sichtlich und kommt bereits nach den ersten Metern nicht vom Schnüffeln los und markiert fast jeden Bisonfladen, den wir passieren. Nach dem zweiten Dutzend der Markierungen scheint sie ihre Aufgabe als Sisyphusarbeit zu erkennen und konzentriert sich mehr und mehr auf das Schnappen nach Fliegen. Ebenfalls eine Sisyphusarbeit, bei der sie aber Unterstützung von mir und Hanna bekommt. Der breite Weg, der scheinbar auch regelmäßig von Rangern befahren wird, ist links und rechts von Birkenhainen gesäumt. Uns fehlen zwar jetzt schon die hohen Nadelbäume, an die wir uns in den letzten Wochen gewöhnt haben, aber wir fühlen uns beide auch ohne zusätzliche optische Reize in Form von Bergen sehr wohl.
Mit der Zeit ändert sich das Wohlfühlen jedoch deutlich. Im Nationalpark gibt es mehr als ein Dutzend benannter Seen und weder Hanna noch mich sollte es überraschen, dass wir neben Fliegen auf den Bisonfladen auch auf Mücken und Bremsen treffen. Während sich die Anzahl letzterer noch im Rahmen hält, geben wir es bald auf, die Anzahl von Mücken zu zählen. Auch das Zählen derjenigen, die wir erschlagen, und derer, die uns stechen, ist aussichtslos.
Hätten wir uns im Vorhinein darüber mal Gedanken gemacht und eine der vorhandenen Lotions verwendet, so hätten wir heute beim Schreiben nicht mehrere Dutzend Mückenstiche an sämtlichen Stellen des Körpers. Hanna hat es aufgrund einer langen Hose und eines langen Oberteils etwas einfacher mit der Mückenabwehr, bei mir ist in kurzer Hose und Unterhemd dann alle Hoffnung verloren. Wir bewegen uns den mittleren Abschnitt fast dauerhaft auf Körperteile schlagend und hüpfen entlang des Weges. Immerhin sind wir danach gut genug trainiert, um bei den Deutschen Meisterschaften im Schuhplatteln außer Konkurrenz mitzumachen.
Zufrieden kommen wir nach knapp zwei Stunden wieder an Freddie an und Hanna bereitet für die Fahrt noch Käsebrote vor, pellt Eier und kombiniert noch ein paar Gemüsesticks dazu. Wir versuchen frühstückend nochmal unser Glück entlang der kurzen Bison-Safari-Straße, folgen jedoch wenig später der Hauptstraße des Parks in Richtung Norden. Mittlerweile ist es 15 Uhr und der nächste Stopp auf der Fahrt in Richtung Osten, der Prince Albert Nationalpark, ist ohnehin noch zu weit entfernt, als dass er heute gut erreicht werden kann.
Hanna hat drei mögliche Plätze für die Nacht herausgesucht und wir entscheiden uns für den mittleren von diesen. Mit eingeschaltetem Tempomat geht es mit entspannten 95 km/h kontinuierlich in Richtung Osten. Der Highway ist in gutem Zustand und fast ausnahmslos zweispurig, sodass das Lenkrad heute fast vollkommen überflüssig ist. Trotzdem macht das Fahren Spaß. Auch wenn wir die Berge sehr vermissen, hat die Rundumsicht in diesem gigantischen Flachland ihren Charme.
Ohne es geplant oder auf dem Schirm gehabt zu haben, verlassen wir dann heute auch schon Alberta. Mit dem Besuch in Jasper und Banff war es in dieser Provinz doch ein recht kurzes Gastspiel für uns. Mit Blick auf die verbleibenden Tage steht British Columbia auch als „Sieger“ des längsten Aufenthalts in einem Bundesstaat bzw. in einer Provinz fest. Die Szenerie in Saskatchewan ändert sich kaum, dennoch merken wir, dass es hier nochmal dünner besiedelt ist. Auf einer Fläche fast doppelt so groß wie Deutschland leben nur 1,1 Millionen Einwohner. Etwas weniger als die Hälfte verteilt sich auf die beiden größten Städte, Saskatoon und Regina.
Auf dem Weg schauen wir uns nochmal den Stellplatz in der Satellitenansicht auf Google Maps an und kommen überein, dass es hier nur Platz für ein einziges Fahrzeug gibt und das in unmittelbarer Nähe zu einem Wohnhaus. So dünn wie Saskatchewan besiedelt ist, müssen und wollen wir uns nicht direkt neben das einzige Haus im Umkreis stellen und finden nach etwas Suche noch einen Stellplatz an einem Fähranleger. Dort kommen wir gegen 20 Uhr an.
Hanna kümmert sich unmittelbar um das Vorbereiten des Essens und ich – motiviert durch eine Migränetablette – spaziere mit Bella los, stehe aber keine fünf Minuten später wieder bei Freddie. Der Fluss führt weniger Wasser als in den letzten Tagen und nachdem Bella in getrockneter Ufernähe nicht eingesunken ist, bin ich dorthin gefolgt. Das fünffache Gewicht nur auf zwei Gliedmaßen verteilt sorgt dann aber dafür, dass ich nach dem dritten Schritt in der schlammähnlichen Masse bis fast zum Knie versinke. Es gelingt mir zwar ohne große Mühe, mich aus der Pampe zu befreien, aber meine versunkenen Vans rette ich erst in einem zweiten Anlauf. Meine Füße, ebenso matschig wie die Schuhe von außen und innen, ziehe ich trotzdem an. Hanna braucht ein paar Augenblicke, um den Schaden zu erkennen, und amüsiert sich köstlich. Heute bin es mal ich, der von der Muse der Tollpatschigkeit geküsst wird. Mit der Bürste bewaffnet schaffe ich es dann, im Fluss die Schuhe und meine Beine gut vom Schlamm zu befreien. Immerhin haben wir so ein Stichwort, mit dem wir uns direkt an diesen Platz erinnern können.
Danach geht es erneut mit Bella los. Diesmal folge ich der Schotterpiste und schaffe es ohne weitere Zwischenfälle zurück zu Hanna und Freddie. Durch das kleine Malheur ausgebremst hat Hanna das Fertigstellen des Essens hinausgezögert und wenige Minuten später ist eine köstliche Brokkoli-Carbonara fertig.
Mit bestem Blick auf den Sonnenuntergang (und geschützt hinter dem Mückennetz) mache ich den Abwasch, während Hanna eine Foto-Session einlegt und mal wieder ein paar tolle Erinnerungen einfängt. Müde von all den Eindrücken lassen wir den Tag in Begleitung unseres Lieblings-Serienmörders ausklingen. Czytaj więcej
Ziesel und Eis
29–30 cze 2024, Kanada ⋅ ☀️ 19 °C
Ohne Berge hat die Sonne bereits ab dem Aufgehen die Möglichkeit, uns gut einzuheizen, aber wir schaffen es trotz ein paar kleiner Episoden des Wachwerdens, den Tagesstart auf unsere bekannte Zeit zu verlegen. Der Start in den Tag ist daher sehr gemütlich, und wir lassen es heute beide bewusst sehr langsam und locker angehen.
Gegen 12 Uhr ist dann aber auch der Kaffee getrunken, der Hund bewegt, Link bei Zelda ein paar Schreine weiter, bei Instagram der aktuelle Reel-Stand erreicht, und wir sind auch mit Blick auf sämtliche Reaktionen und Entwicklungen nach der Biden-Trump-Debatte informiert. Wir könnten heute zwar bequem den Prince Albert Nationalpark erreichen, haben aber noch spontan eine Anfrage bei Harvest Hosts gestellt, die umgehend beantwortet wurde.
Nach einem Zwischenstopp bei Walmart, bei dem wir ein neues Mückenabwehrgerät, Leckerchen für Bella und Wischerblätter kaufen, und einem weiteren Stopp bei einem Liquor-Store, erreichen wir die Twin Peaks Creamery. Die hiesige Kuhmilch wird hier zu Eiscreme verarbeitet (yeah!), die Schweine und Rinder zu Steak und Co. verarbeitet (Ney! Mein vegetarisches Gewissen hat übrigens zu keinem Zeitpunkt der Reise geschwiegen). Direkt nach der Ankunft gibt es für uns beide ein Eis zum Probieren, und es ist mit Abstand das Beste der gesamten Reise. Wir meinen beide, die „Frische“ der Eisherstellung als auch der Zutaten herauszuschmecken, sind aber beide mit der Menge der Eissorten vollkommen überfordert. (Was würdet ihr nehmen? Zur Auswahl stehen: Apple Pie, Banana Fudge, Black Cherry, Blueberry Cheesecake, Caramel Cheesecake, Chocolate, Chocolate Chip Cookie Dough, Chocolate Raspberry Cheesecake, Cookies & Cream, Coffee, Earl Grey, Hazelnut, Lemon, Mango, Maple Walnut, Peanut Butter, Pistachio, Pralines & Cream, Raspberry Citrus, Raspberry Sorbet, Rum & Raisin, Salted Caramel, Strawberry, Vanilla).
Motiviert durch den ersten Teil der Belohnung, fangen wir fleißig an, die Berichte der letzten drei Tage und des heutigen Tages zu schreiben und genießen dabei die Aussicht auf die saftig grüne Wiese, auf der Freddie steht, und die angenehme Mischung aus Stallgeruch und Eisherstellung.
Zur Vorbereitung auf das Abendessen gibt es erneut eine Runde Eis für uns beide – die Feste müssen ja auch so gefeiert werden, wie sie fallen – bevor ich am Abend seit langem mal wieder Wraps zauber. Hanna besorgt in der Zeit Wurst aus der eigenen Herstellung des Hofs. Sie kommt mit Honig Knoblauch, Teriyaki und Peperoni Snack-Würstchen wieder. Die Entscheidung ist hier ähnlich schwer gefallen, wie die für die Eis Sorten. Als sie an Freddie ankommt schnappt sie sich aufgeregt ihre Kamera und berichtet von drei Fuchs-Jungen, die in der Abendsonne vor der Scheune spielen. Wir beobachten beide diese besondere Situation und wechseln die Kamera untereinander hin und her.
Gespannt, wie es in den nächsten Tagen weitergeht, genießen wir den Rest des Abends und die Sonnenstrahlen bis weit nach zehn Uhr. Czytaj więcej

PodróżnikCheesecake Caramel, Haselnuss, Pistazie und Peanutbutter für mich bitte🤤
Abstecher in den Norden
30 cze–1 lip 2024, Kanada ⋅ ☁️ 22 °C
Wir sind heute Morgen sehr entspannt, was das Loskommen angeht. Zwar sind wir nicht allzu spät auf den Beinen, aber das Wetter ist herrlich, der Garten total gepflegt, und wir lümmeln mit dem Kaffee bei offener Tür auf der Wiese herum, videofonieren eine Runde nach Oberauel und sortieren noch anderen Kram. Nach dem Kaffee machen wir uns nochmal zu einer gemeinsamen Spazierrunde über und um den Hof herum auf. Wir sind ein bisschen traurig, dass der Eisstand sonntags zu hat; ein anderer, kleinerer Teil ist aber recht erleichtert, dass es nicht das dritte riesige Eis innerhalb von 24 Stunden gibt (also ein wirklich sehr kleiner Teil).
Gegen Mittag machen wir uns mit Freddie auf in Richtung Norden. Hier möchten wir den Prince Albert National Park besuchen, der für wunderschöne Seen, boreale Wälder und Natur pur bekannt sein soll. Die Strecke beträgt nur 235 Kilometer, wir werden also nicht allzu lange unterwegs sein. In der Stadt Prince Albert legen wir mehrere kleine Stopps ein. Wir lassen unser Abwasser an einem Museum ab, das neben der Entsorgungsstation auch Frischwasser für Camper anbietet. Frisch geleert und gefüllt rollen wir weiter und machen einen kurzen Stopp an einem Asiamarkt, wo wir uns mit neuer Misopaste eindecken.
Bevor es wieder aus der Stadt in die Natur geht, halten wir mal wieder an einem lokalen Burgerladen und genießen dort zum Brunch Burger mit Pommes. Frisch gestärkt geht es in Freddie noch eineinhalb Stunden bis zum „First come, first serve“-Campground im Nationalpark. Wir sind beide gespannt wie Flitzbögen, ob auch heute das Glück mal wieder mit den Dummen sein wird. Morgen ist Canada Day, der Nationalfeiertag, langes Wochenende und Startschuss für die Sommerferien. Reservieren konnte man die Plätze des Campingplatzes nicht. Wir vermuten, dass die meisten Kanadier bereits am Freitag hier angerollt sind und hoffen, dass noch eine Nische für uns bereitsteht. Falls es keinen Platz mehr geben sollte, würden wir halt nicht im Nationalpark bleiben, sondern knapp außerhalb nach Wildcamping-Plätzen suchen. Unsere Lieblings-App für Campspots hat uns geflüstert, dass es da auch einige gibt.
Wir rollen durch den Park und sehen hauptsächlich Wald, Bäume und Seen. Alles ist grün, wild bewachsen und das Wetter ist herrlich. An den einzelnen Parkplätzen, die meist Wasserzugang und eine Bootsrampe haben, ist ordentlich was los. Auf dem verwinkelten Campingplatz angekommen, können wir recht schnell erleichtert durchatmen. Es sind noch einige Plätze frei und wir entscheiden uns für ein schattiges, verwinkeltes Plätzchen, auf dem wir parken und von dem aus wir mit Bella einen kurzen Gassigang unternehmen, um uns an der Einfahrt zu registrieren. Auf der Runde merken wir recht schnell, dass hier ordentlich Moskitos ansässig sind und wir uns auf einen geschlossenen Mückenvorhang und eher weniger draußen sitzen einstellen sollten. Natürlich, wo stehende Gewässer sind, gibt es meist auch Mücken, wahrscheinlich gewöhnen wir uns daran. Thermacell haben wir ja ebenfalls dabei, das vertreibt meist den Großteil der Viecher im direkten Umkreis.
Wieder in Freddie angekommen, lümmeln wir uns aufs Bett, daddeln und lesen ein wenig und genießen den Abend. Zwischendurch macht Christian uns eine Runde köstlicher Sandwiches und zu späterer Stunde gibt es dann noch Nachtisch – Toast mit Erdnussbutter und den neu erstandenen Schokoflocken, die wir ebenfalls beim Hof vom Vortag erstanden haben. Hier gab es neben der Eis- und Wurstproduktion auch niederländische Importware. Neben Gouda und Maggi (wobei ich das eher mit Deutschland verbinde) gab es auch Schokoflocken von Ruiter, die wir früher in unseren Niederlande-Urlauben immer inhaliert haben. Die Idee, Erdnussbutter mit diesen Schokoflocken zu paaren, ist eine seeeehr kluge und auch sehr gefährliche gewesen.
Der Abend verfliegt, wir schauen noch ein bisschen Serie und schlummern dann ein mit dem Gedanken daran, dass morgen einfach nur Seele baumeln lassen auf dem Plan steht, da wir den Platz sofort für zwei Nächte gebucht haben. Czytaj więcej
Noch einmal Päusken
1–2 lip 2024, Kanada ⋅ ☁️ 18 °C
Wir merken am Montagmorgen, dass es definitiv die richtige Entscheidung war, den Stellplatz für zwei Nächte zu buchen. Wir sind in den letzten paar Tagen zwar nur knapp 1800 Kilometer gefahren, aber noch einmal durchatmen und runterkommen schadet definitiv auch nicht.
So starten wir dann mal wieder entspannt in den Tag und können den Kaffee in aller Ruhe genießen, ohne schon die Abfahrt vorbereiten zu müssen. Anschließend geht es für Bella mit Hanna eine Runde über den Platz, während ich es mir auf dem mittlerweile umgebauten Bett gemütlich mache und vollkommen in die Welt von Zelda eintauche.
Die Geräuschkulisse der singenden Vögel und schnatternden Eichhörnchen wird fast den ganzen Tag von einer uns bereits bekannten anderen Spezies begleitet: molestus generans. Am Campingplatz gibt es keine Stromanschlüsse, sodass die Generatoren fast den ganzen Tag laufen müssen. Wir machen das Beste daraus und schaffen es mit der Zeit auch, das Geräusch auszublenden.
Der Tag verläuft ohne größere Ereignisse, und wir werden, obwohl wir nur gut zehn Meter vom See entfernt stehen, nicht großartig von Mücken heimgesucht. Das passiert dann nur auf der abendlichen Runde mit Bella. Die Creme zur Mückenabwehr funktioniert hervorragend, allerdings zeigen die Mücken gnadenlos auf, welche Stellen nicht eingecremt sind. Alles in allem lässt sich das Ganze aber gut aushalten.
Den Abend lassen wir ganz gemütlich in Freddie ausklingen – mal wieder mit leckerem Ramen. Czytaj więcej

PodróżnikEs sind einfach sehr kluge Mücken, die gefühlt unersättlich sind
Roadtrip, die Zweite
2–3 lip 2024, Kanada ⋅ 🌧 15 °C
Heute heißt es mal wieder „Aufbruch und weiter geht’s“. Nach dem entspannten Tag des Nichtstuns gestern ist unser nächstes Ziel der Quetico National Park, mal wieder gut 1600 km entfernt. Dazwischen haben wir keine fixen „Must-sees“ und so wollen wir recht planlos um kurz nach 11 vom Platz in Richtung Ontario aufbrechen. Der Prince Albert National Park liegt noch in Saskatchewan. Bis zum nächsten Stopp in Ontario müssen wir also noch Manitoba, einen weiteren Staat, der flächenmäßig mal eben dreimal so groß wie Deutschland ist, durchqueren. Los geht’s also, mal schauen, ob und wie sich die Landschaft auf den nächsten hunderten Kilometern so entwickeln wird. Bis zum National Park zeigte sich Saskatchewan mit absoluter Weite, Felder über Felder sind an Freddies Scheiben vorbeigeflogen und es war der absolute Kontrast zu British Columbia und dem Westen Albertas.
Wir fahren eine nördliche Route und halten von Norden aus auf zwei riesige Seen Manitobas zu, den Lake Winnipeg und den Lake Winnipegosis. Mit Einfahrt nach Manitoba erreichen wir mal wieder eine neue Zeitzone. Mittlerweile trennen uns zeitlich nur noch sieben Stunden von zu Hause.
Manitoba zeigt sich recht ähnlich wie Saskatchewan, abgesehen davon, dass wir durch die Seenlandschaft mehr Wasser zu Gesicht bekommen. Wir machen wenige Pausen, Christian bereitet zum „Frühstück on the road“ einen Snackteller vor, während ich eine Pippi-Pause einlege. Mit Crackern, Salzbrezeln, Käsewürfeln, Würstchen, Gurke und Möhre fahren wir zufrieden mümmelnd weiter, immer der Nase nach. Wir merken, dass wir es heute besonders genießen, die Welt an uns vorbeiziehen zu sehen und unserem Hörbuch zu lauschen, sodass wir uns entscheiden, einfach ordentlich Strecke zu machen, bis wir keine Lust mehr haben. Die Straßen gewähren uns endlose Blicke bis zum Horizont, es gibt wenige Kurven und mit uns sind noch weniger Autos auf der Straße als sonst sowieso schon.
Der Tag verfliegt, wir rollen und rollen, machen wenige Pausen, lediglich um zur Toilette zu gehen oder zu tanken, und thronen den Rest der Zeit selig im Fahrerhaus und genießen die Aussichten. Es sind in unserer täglich genutzten App nicht ganz so viele Stellplätze ausgeschildert. Wir gehen allerdings davon aus, dass dies weniger daran liegt, dass es keine gibt, sondern wahrscheinlich viel eher den Grund hat, dass sich wirklich wenige Touristen nach Manitoba verirren. Versteht uns nicht falsch, die Landschaft ist ebenfalls wunderschön, Natur pur umgibt uns, wir passieren lediglich kleine Dörfchen bzw. eher kleine Hausansammlungen und sehen den ganzen Tag über nur zwei Camper, die uns entgegenkommen.
Wir fahren einen Platz an, der direkt am Lake Winnipegosis gelegen ist. Es ist mittlerweile bereits kurz nach 20 Uhr und wir haben heute 588 Kilometer gemacht. Zeit anzukommen, wir haben Appetit und unsere Körper freuen sich darauf, andere Positionen als die Sitzende einnehmen zu dürfen. Der Platz sieht einladend und schön verwildert aus. Nach der Ankunft drehe ich mir ein Willkommens-Zigarettchen und will dieses draußen genießen, bevor ich mich ans Kochen mache. Ich mache also die Tür auf, nehme Bella mit raus und will mich gemütlich in die Pampa setzen – doooch: weit gefehlt, denn der Plan stellt sich als unmöglich umsetzbar heraus. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Mücken auf einen Haufen gesehen. Okay, vielleicht in Schottland, aber da handelt es sich um Mini-Mücken – Midges, klein und nervig, aber das hier… das sind einfach riesige Tigermücken, die im Pulk und in einer Lautstärke um einen herum summen, dass man sich auf nichts anderes konzentrieren kann. Innerhalb eines Augenschlags sitzen fünf Mücken auf meinem Bein und pieksen ihre Rüssel fleißig durch meine Leggings in mein Fleisch – die Viecher sind so groß, dass man sogar den Stich merkt.
Ich bleibe also natürlich nicht sitzen, sondern stehe schnell auf und führe einen Ganzkörper-Schublattler auf. Jut, Bella muss aber bewegt werden und ich habe die Hoffnung, dass die Viecher einen im Laufen vielleicht eher in Ruhe lassen. Wir halten es eine kurze Strecke aus, bis Bella dreimal gepieselt hat und ich gefühlt 30 Mücken von Ohr, Gesicht, Händen und Beinen geklatscht habe. In Freddie angekommen, muss ich Christian leider eröffnen, dass Bella noch kein großes Geschäft erledigt hat und er später nochmal ein Ründchen raus muss. Ich kümmere mich erst mal ums Essen, da es bereits so spät ist. Schnell ist Reis mit einer Gemüse-Erdnusssoße gezaubert, während Christian den Gassigang sofort hinter sich bringen wollte. Als er zurückkommt, ist auch er vollkommen entsetzt von der Mückensituation und plant nach dem Essen noch weiterzufahren. Dadurch, dass wir uns allerdings auf halber Strecke zwischen den Seen befinden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es an einem anderen, recht schnell erreichbaren Platz, besser sein würde, gering. So schnabulieren wir also das Abendessen, entscheiden uns zu bleiben und beschäftigen uns den Rest des Abends neben dem Serien-Schauen noch mit der Mückenjagd in Freddie. Zwar sind nicht viele mit in Freddie gelangt, als wir unter die Decke kriechen, aber 20 Mücken haben wir bestimmt noch eliminiert. Mit stetigem Surren in den Ohren, das durch unsere mit Mückenschutz bezogenen Dachfenster klingt, schlummern wir ein. Czytaj więcej
Der etwas andere Wecker
3–4 lip 2024, Kanada ⋅ ☁️ 18 °C
Auch wenn ich die Nacht gut geschlafen habe, bin ich bereits in den frühen Morgenstunden ein paar Mal wach geworden. Die geänderte Zeitzone und der Verzicht auf die Thermomatten sorgen dafür, dass es viel früher Tageslicht in Freddie gibt als gewohnt. Gegen 6 Uhr drehe ich mich ein weiteres Mal herum, werde aber eine gute halbe Stunde später von ein paar Geräuschen wach. Hanna daddelt bereits seit ein paar Minuten am Handy und erklärt auf meine verschlafene Frage, dass es nur Bella sei.
Es dauert ein paar Augenblicke, bis wir feststellen, dass die Geräusche aus der Ecke vom rechten Hinterreifen kommen. Bella hat heute Nacht mal wieder unter dem Tisch geschlafen, was uns das leicht wahrnehmbare Schnarchen auch bestätigt. Während Hanna sich trotzdem noch einmal vergewissert, dass Bella nicht neben dem Bett liegt, sehe ich bereits die Quelle der Geräusche. Ein Schwarzbär steht an der Schiebetür und als ich das Zurückschnappen des Türgriffes höre, erkläre ich das Offensichtliche: „Das ist nicht Bella, das ist ein Bär“. Welch ein Glück, dass ich fast ausnahmslos jeden Abend Freddie abschließe, ansonsten wäre die Schiebetür wahrscheinlich jetzt offen.
Wir fangen beide an laut zu reden, damit der Bär merkt, dass sich in der schwarzen Blechbüchse Menschen befinden. Anfangs ist der Effekt minimal, und der Bär beißt zuerst in den rechten und dann in den linken Außenspiegel. Wir werden lauter, und das sorgt dann dafür, dass der Bär von Freddie ablässt. Bella hat in der ganzen Zeit keinen Mucks von sich gegeben, den Bären auch nicht sehen können, und rollt sich nochmal etwas kleiner auf dem Kissen zusammen und zittert ein wenig. Verständlich, wenn wir beide wie zwei Halbwahnsinnige anfangen, am frühen Morgen in Freddie herumzubrüllen.
Der Bär hat sich auf den Weg in Richtung der beiden roten Mülltonnen gemacht, die sich hinter Freddie befinden, und wird genauestens von Hanna beobachtet. Abgesehen von der Lautstärke, sind wir beide entspannt und ich ziehe mir für den Fall der Fälle schon mal eine Hose an und angle das Bärenspray von vorne nach hinten.
Für uns beide ist die Situation schon geklärt, aber nachdem die bärensicheren Mülltonnen dem Bären standhalten, sind wir für das hungrige und stark von Mücken geplagte Jungtier wieder von größtem Interesse. Zielsicher probiert der Bär erneut einen Außenspiegel und ich klettere schnell in die Fahrerkabine und mache lautstark auf uns aufmerksam. Der Bär schaut mich auch mehrfach an, scheint mich aber offensichtlich nicht ernst zu nehmen.
Mittlerweile ist er aus dem Stand(!) auf die Motorhaube gesprungen und versucht, über die Windschutzscheibe nach oben zu klettern. Ich schaue dem Treiben für ein paar Augenblicke zu und höre, wie die Radioantenne von Freddie abbricht, diese nach unten fällt und parallel dazu das Quietschen der abrutschenden Tatzen auf der Windschutzscheibe. Während der Bär einen weiteren Versuch unternimmt, schnappe ich mir den Autoschlüssel, um gegebenenfalls loszufahren. Als der Bär bei einem weiteren Kletterversuch wieder abrutscht, diesmal leicht seitlich, drehe ich den Schlüssel schon mal auf die Vorstufe. Dies sorgt dann unmittelbar dafür, dass sich die Scheibenwischer in Bewegung setzen – bei der Ankunft gestern hat es leicht geregnet und ich habe diese gestern Abend nicht ausgeschaltet. Während ich nur überrascht bin, ist der Bär richtig erschrocken. Er wird halb von der Scheibe gewischt, halb springt er von Freddie herunter. Ich starte zusätzlich Freddie, sehe den Bär direkt neben Freddie und fahre sicherheitshalber noch ein paar Meter nach vorne. Der Bär schüttelt sich, hat sichtlich genug und verkrümelt sich in die Büsche.
Das soeben Geschehene wird von uns beiden erstmal lachend verarbeitet und besprochen. Ein kleiner Teil von mir hatte immer den Wunsch, einmal einen Bären zu beobachten, wie er in unserer Nähe an einem Stellplatz entlangspaziert – allerdings ohne die „Dramatik“ der letzten Viertelstunde. Nicht nur aufgrund der Mücken verzichten wir auf die morgendliche Runde mit Bella an diesem Platz, machen uns und Freddie abfahrbereit und fahren gegen kurz nach sieben vom Stellplatz.
Gegen neun erreichen wir eine Raststätte und machen dort eine längere Pause. Während es für die beiden Damen ins Grüne geht, kümmere ich mich um den Kaffee, den wir dann gemeinsam genießen. Da wir heute noch ein gutes Stück fahren wollen, entscheiden wir uns auch für Frühstück und zaubern gemeinsam noch Frühstückswraps, die wir dann, wenig überraschend, hungrig verputzen. Zwei Stündchen später machen wir uns wieder auf den Weg und haben uns drei mögliche Ziele ausgesucht. Das am weitesten entfernte, der Quetico Provincial Park, wurde uns von Emilie empfohlen, ist aber noch knapp 1000 Kilometer entfernt. Davor ist ein möglicher Stopp für die Nacht der Rushing River Provincial Park in 600 Kilometern Entfernung, der ebenso wie der andere Park bereits in Ontario liegt. In nur 450 Kilometer Entfernung befindet sich ein Campground am West Hawk Lake.
Wir halten uns alle drei Optionen knapp vier Stunden lang offen, bis wir in Winnipeg an einem Starbucks halten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich die Kombination aus Autowaschstraße und Hundewäsche, die wir mit dem Kaffee bewaffnet anfahren. Auf der Internetseite wird für die Filialen auch mit Waschmaschinen geworben, für eine solche Filiale müssen wir dann aber noch ein kleines Stück fahren. Nachdem dort die Waschmaschinen beladen sind, wird Freddie ordentlich gesäubert. Gerade in den letzten zwei Tagen haben sich unendlich viele Insekten auf der Motorhaube und im Kühlergrill verabschiedet, sodass ich allein dort fünf Minuten benötige, bis fast sämtliche Spuren entfernt sind. Hanna kümmert sich unterdessen um das Umladen der Wäsche in den Trockner und nach ein paar weiteren Minuten parken wir Freddie auf dem Hof und schaffen etwas Ordnung. Da die Übernachtung im Rushing River Provincial Park fast dreimal so viel kostet wie am Campground am West Hawk Lake, entscheiden wir uns für die Übernachtung dort – dort werden wir dann auch noch duschen können.
Zuvor entscheiden wir uns aber spontan noch für den ersten Besuch bei einer Fast-Food-Kette in Kanada – abgesehen von Starbucks waren wir ausschließlich in lokalen Restaurants unterwegs. Die Wahl fällt auf Popeyes Louisiana Kitchen, das den Fokus auf Geflügelprodukte und Spezialitäten der Cajun-Küche legt. So gibt es dann für uns ein Dutzend Hähnchensticks und dazu Cajun-Pommes. Da beides Fingerfood ist, lässt es sich auch gut während der Fahrt verputzen. Die letzten drei Hähnchensticks sind dann doch zu viel für uns, und wir planen diese für eine zeitnahe Wrap-Mahlzeit ein.
Wir kommen gegen 19:30 Uhr am Campground an und suchen uns einen der vielen freien Plätze aus. Das Bezahlen und Registrieren erfolgt erst am nächsten Morgen. Im Vergleich zur gestrigen Mückenwolke ist es hier auf dem Platz gut aushaltbar. Die Runde mit Bella drehe ich dann aber zum Großteil außerhalb des Campingplatzes und dort zeigt sich dann doch direkt wieder ein anderes Bild. Wir vermuten, dass hier auf dem Platz zwischenzeitlich auch Insektizide versprüht werden, wie wir es „damals“ schon in Oregon gesehen haben.
Immer noch gesättigt vom Fast Food machen wir es uns frisch geduscht auf dem frisch gewaschenen Bett im frisch gewaschenen Freddie gemütlich. Was für ein wilder Tag: Bärenbesuch, fast 650 Kilometer gefahren und richtig viel erledigt. Kein Wunder, dass wir beide ziemlich müde sind! Czytaj więcej










































































































































































































































































Podróżnik
Das sieht wieder so toll aus bei euch vor der Haustür👍❤️
Podróżnik
🤩🤤
Podróżnik
Sehr schön. Man ahnt es noch wie die Farbe ist 🙂
Podróżnik
Bella scheinen die Plagegeisterlein nichts aus zu machen 😂😂😳