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Sommerreise ins Baltikum

Mit unserem neuen Expeditionsmobil Grisu starten wir zu einem großen Sommer-Abenteuer ins Baltikum 🚐🌍
Von Deutschland aus führt uns die Reise zuerst durch Polen. Danach geht es weiter nach Litauen, Lettland und Estland
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  • Ein Morgen wie aus dem Bilderbuch

    20. Mai in Polen ⋅ ☀️ 19 °C

    Nach einer herrlich ruhigen Nacht wurden wir heute Morgen nicht etwa vom Wecker geweckt, sondern vom Glockenkonzert der Kościół Niepokalanego Serca Maryi Kirche. Und ganz ehrlich: So kann man deutlich angenehmer aufwachen als mit irgendeinem nervigen Handyton. Bei strahlend blauem Himmel und bestem Wetter starteten wir anschließend ganz entspannt in den Tag.

    Natürlich führte unser erster Weg erstmal durch den Schlosspark von Moschen. Und wieder einmal standen wir staunend unter diesen riesigen alten Bäumen. Manche von ihnen wirken, als hätten sie schon mehrere Königreiche, Kriege und vermutlich auch schlechte Autofahrer überlebt. Der Park selbst ist wunderschön angelegt – mit kleinen Wegen, Teichen und überall dieser leicht verwunschene Charme, der perfekt zum Schloss passt.

    Und dann stand es plötzlich vor uns: Schloss Moschen. Oder besser gesagt: ein architektonischer Größenwahnsinn in Märchenform. Nicht umsonst wird es oft als das „Neuschwanstein Polens“ bezeichnet.

    Das Schloss wirkt, als hätte jemand beim Bauen einfach beschlossen, sich zwischen Märchenschloss, englischem Herrenhaus und französischem Palast nicht entscheiden zu wollen – also wurde einfach alles gleichzeitig gebaut. Herausgekommen ist ein riesiges, verspieltes Gebäude mit unzähligen Türmen, Erkern, Dachgauben und Verzierungen. Tatsächlich besitzt das Schloss angeblich 99 Türme und 365 Räume – also fast für jeden Tag des Jahres einen eigenen Raum. Vermutlich verläuft man sich dort schon beim Versuch, die Küche zu finden.

    Besonders beeindruckend ist die Mischung verschiedener Baustile. Ein Teil erinnert an ein barockes Schloss, andere Bereiche eher an eine mittelalterliche Burg. Genau das macht den besonderen Charme aus. Man läuft um das Gebäude herum und entdeckt ständig neue Details. Irgendwo erwartet man fast, dass gleich Rapunzel aus einem Turm schaut oder ein Butler mit silbernem Tablett vorbeiläuft.

    Das Schloss gehörte einst der Familie Tiele-Winckler, einer unglaublich wohlhabenden Industriellenfamilie. Hier wurde nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt. Und das sieht man bis heute an jeder Ecke.

    Nach so viel Schlossromantik und Türme-zählen war dann allerdings erstmal dringend Mittagspause angesagt. Schließlich braucht selbst die härteste Schlossbesatzung irgendwann Nahrung und Kaffee.

    Bis jetzt gehört Moschen definitiv zu den schönsten und märchenhaftesten Orten unserer Reise. Und heute spielte sogar endlich mal das Wetter mit – vermutlich wollte selbst die Sonne dieses Schloss sehen.
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  • Ein ganz besonderer Servicetag

    19. Mai in Polen ⋅ ☀️ 17 °C

    Nach den wunderschönen Tagen in Breslau stand heute erstmal weniger Kultur und mehr Alltag auf dem Programm. Oder besser gesagt: Wellness für Mensch und Maschine.

    Bereits nach einer Stunde Fahrt hieß es erstmal „Break & Wash“. Diese Wasch- und Servicestationen findet man in Polen erstaunlich oft – meistens direkt an Tankstellen. Und ganz ehrlich: Für Reisende mit Wohnmobil sind diese Plätze Gold wert.

    Also wurde erstmal das volle Programm abgearbeitet. Während die Waschmaschinen fleißig rotierten, bekam Grisu frisches Wasser, saubere Scheiben und sogar eine kleine Innenraumreinigung inklusive Staubsaugerbehandlung. Nach zwei Stunden war alles wieder geschniegelt und gestriegelt. Frische Wäsche, voller Wassertank und ein sauberer Grisu.

    Danach ging es weiter Richtung Oppeln zum Mercedes Truck Service. Denn unser alter Feuerwehrmann hatte seit einiger Zeit ein verdächtiges Quietschen beim Lenken entwickelt. Und bei einem Fahrzeug namens Grisu denkt man bei seltsamen Geräuschen natürlich sofort: „Bitte nicht.“

    Doch schon bei der Ankunft wurden wir unglaublich freundlich empfangen. Kaum standen wir auf dem Hof, wurden wir erstmal auf einen Kaffee eingeladen. Während in manchen Werkstätten schon schlechte Stimmung aufkommt, wenn man nur fragt, wo die Toilette ist, fühlten wir uns hier sofort willkommen.

    Nachdem unsere Daten aufgenommen waren, ging alles erstaunlich schnell. Grisu stand schon in der Werkstatt und zwei Mechaniker machten sich direkt ans Werk. Gemeinsam kippten wir das Fahrerhaus – was jedes Mal aussieht, als würde sich ein kleiner LKW plötzlich in einen Transformer verwandeln – und die Mechaniker machten sich an den Keilriemenwechsel.

    Besonders schön war, wie begeistert die Mitarbeiter von unserem alten Schweizer Feuerwehrmann waren. Offenbar verirren sich normalerweise eher moderne Trucks in die Werkstatt. Grisu dagegen war so etwas wie der charmante Veteran unter den jungen Hüpfern. Einer der Mitarbeiter meinte sinngemäß, dass sie schon lange keinen so alten Herrn mehr in der Garage hatten. Und Grisu genoss die Aufmerksamkeit sichtlich.

    Zwar konnten leider nicht alle kleinen Problemchen vollständig gelöst werden, aber das Wichtigste: Wir können beruhigt weiterreisen. Nach etwa zwei Stunden, einigen netten Gesprächen und einer Portion Werkstattromantik rollten wir schließlich wieder vom Hof.

    Zwar deutlich später als ursprünglich geplant, aber dafür mit deutlich entspannterem Gefühl.

    Jetzt stehen wir direkt am Schlosspark vom Schloss Moschen und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Und wenn Grisu heute Nacht nicht mehr quietscht, schläft vermutlich nicht nur er besser.
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  • Wasser, Licht und ganz großes Kino

    18. Mai in Polen ⋅ 🌙 10 °C

    Nach unserer ausgiebigen Stadtbesichtigung zog es uns am Abend noch einmal stadtauswärts in die Nähe des Zoos. Dort liegt einer der beeindruckendsten Orte Breslaus: die Jahrhunderthalle mit der berühmten Breslauer Fontäne. Andrea gönnte sich eine kleine Pause, während ich mich alleine noch auf Entdeckungstour machte.

    Schon der gesamte Park rund um die Jahrhunderthalle ist wunderschön angelegt. Große Grünflächen, breite Wege und überall Menschen, die den Abend genießen. Und mittendrin steht sie: die gewaltige Jahrhunderthalle – auf Polnisch „Hala Stulecia“.

    Die Halle wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und war damals eine echte technische Sensation. Die riesige Kuppel aus Stahlbeton galt zur Bauzeit als Meisterleistung der Architektur. Heute gehört die Jahrhunderthalle sogar zum UNESCO-Welterbe. Und wenn man davorsteht, versteht man auch warum. Das Gebäude wirkt gleichzeitig elegant, monumental und irgendwie futuristisch – fast so, als hätte jemand vor über hundert Jahren schon mal probeweise die Architektur der Zukunft gebaut.

    Direkt davor befindet sich die berühmte Breslauer Fontäne. Und dieses Wasserspektakel sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Hunderte Wasserstrahlen schießen im Takt der Musik in die Höhe, dazu Licht, Nebel und ständig wechselnde Bilder aus Wasser. Man steht davor und schaut automatisch viel länger zu als geplant. Eigentlich wollte ich nur „mal kurz schauen“ – plötzlich war gefühlt eine halbe Stunde vorbei.

    Besonders bei Dunkelheit entfaltet die Fontäne ihre ganze Wirkung. Dann verwandelt sich der Platz vor der Jahrhunderthalle in eine riesige Open-Air-Lichtshow. Wasserfontänen tanzen durch die Luft, Farben wechseln ständig und die Musik macht das Ganze fast schon ein wenig magisch. Irgendwo zwischen Lasershow, Konzert und gigantischem Springbrunnenwahnsinn.

    Es war ein perfekter Abschluss unseres Besuchs in dieser wunderschönen Stadt. Breslau hat uns mit seinen historischen Gebäuden, den kleinen Zwergen, den Brücken, der Oder und dieser besonderen Mischung aus Geschichte und Humor wirklich begeistert.
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  • Auf Zwergenjagd in Breslau

    18. Mai in Polen ⋅ ☁️ 14 °C

    Wenn Erwachsene plötzlich wieder wie Kinder durch die Stadt laufen

    Heute stand bei unserer Stadteroberung von Breslau eine ganz besondere Mission auf dem Programm: Zwergenjagd! Und wir müssen ehrlich sagen – wir hatten vermutlich deutlich mehr Spaß dabei, als man in unserem Alter eigentlich zugeben sollte.

    Überall zwischen den wunderschönen historischen Gebäuden der Altstadt verstecken sich die kleinen Bronzezwerge. Mal sitzt einer gemütlich auf einer Fensterbank, mal klettert einer an einer Laterne hoch und der nächste schläft einfach mitten auf dem Gehweg. Anfangs entdeckt man sie eher zufällig. Doch irgendwann passiert etwas Merkwürdiges: Man läuft plötzlich nur noch mit gesenktem Blick durch die Stadt und scannt jeden Hauseingang, jede Ecke und jeden Poller nach kleinen Zipfelmützen ab.

    Die kleinen Figuren haben übrigens eine ziemlich spannende Geschichte. Ursprünglich tauchten Zwerge in den 1980er Jahren als Symbol des stillen Protests gegen das kommunistische Regime auf. Die oppositionelle Bewegung „Orange Alternative“ malte damals kleine Zwerge auf übermalte Protestparolen und machte sich damit auf humorvolle Weise über die Regierung lustig. Heute sind daraus hunderte kleine Bronzezwerge geworden, die überall in Breslau verteilt stehen und längst das heimliche Wahrzeichen der Stadt sind.

    Und Andrea entpuppte sich dabei als echte Profi-Zwergenjägerin. Während ich teilweise noch suchend durch die Gegend blickte, hatte sie den nächsten Zwerg längst entdeckt. „Da vorne unter der Lampe!“ – „Neben der Tür sitzt noch einer!“ – „Hinter dir auf der Fensterbank!“ Ehrlich gesagt hätten manche Zwerge vermutlich freiwillig aufgegeben, wenn Andrea mit diesem Jagdinstinkt unterwegs ist.

    Wir entwickelten innerhalb kürzester Zeit echte Profi-Zwergenjäger-Instinkte. Ständig blieb das Fahrrad stehen, weil wieder irgendwo eine kleine Bronzefigur entdeckt wurde. Vermutlich müssen wir für Außenstehende ausgesehen haben wie zwei Erwachsene auf geheimer Schatzsuche.

    Besonders genial ist, dass jeder Zwerg seinen eigenen Charakter hat. Manche arbeiten, manche entspannen und manche scheinen einfach Unsinn zu machen. Einige sehen aus, als hätten sie seit Tagen Feierabend, andere wirken erstaunlich motiviert. Eigentlich also wie normale Menschen – nur deutlich kleiner und sympathischer.

    Die Kombination aus den historischen Fassaden, den kleinen verwinkelten Gassen und diesen überall versteckten Zwergen macht Breslau unglaublich charmant. Die Stadt nimmt sich selbst nicht zu ernst – und genau das gefällt uns so gut.

    Am Ende des Tages waren wir uns jedenfalls einig: Eigentlich haben nicht wir die Stadt erkundet… sondern die Zwerge haben uns durch Breslau geführt.
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  • Tag 2 in Breslau

    18. Mai in Polen ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute starteten wir unseren zweiten Tag in Breslau mit einem Besuch der historischen Markthalle Targowa. Eigentlich stellt man sich bei einer Markthalle ja sofort Obst, Gemüse, Käse, Fleisch und Marktschreier vor, die einem lautstark die besten Erdbeeren Polens verkaufen wollen. Nun ja… Breslau hatte da offenbar andere Pläne.

    Denn gefühlt bestand die halbe Markthalle aus Blumenständen und riesigen Grabgestecken. Falls wir irgendwann spontan eine prachtvolle Beerdigungsdekoration benötigen sollten, wissen wir jetzt definitiv, wo wir hinmüssen. Die Auswahl war jedenfalls beeindruckend. Dazwischen gab es natürlich auch frische Lebensmittel, Gewürze und regionale Produkte, aber die Blumenhändler hatten eindeutig die Oberhand übernommen.

    Die Markthalle selbst ist wirklich sehenswert. Das große Gebäude aus Anfang des 20. Jahrhunderts verbindet Backsteinarchitektur mit einer riesigen Stahlkonstruktion im Inneren. Hohe Bögen, viel Licht und dieses typische Markthallen-Flair machen den Besuch sehr angenehm. Man merkt sofort, dass hier seit über hundert Jahren gehandelt, gekauft und wahrscheinlich auch getratscht wird.

    Anschließend ging es weiter über mehrere wunderschöne Brücken Richtung Dominsel. Zuerst über die berühmte Rote Eisenbrücke von 1861 auf die Sandinsel. Diese filigrane Stahlkonstruktion sieht fast aus, als wäre sie direkt aus einem alten Eisenbahnfilm übernommen worden. Danach überquerten wir noch die Dombrücke und erreichten schließlich die historische Dominsel – den ältesten Teil Breslaus.

    Dort besuchten wir die imposante Kreuzkirche, offiziell die Stiftskirche zum Heiligen Kreuz und St. Bartholomäus. Schon von außen wirkt die Kirche mit ihren hohen Türmen und der Backsteinfassade unglaublich mächtig. Besonders spannend ist ihr ungewöhnlicher Aufbau: Eigentlich handelt es sich um zwei Kirchen übereinander. Unten die Bartholomäuskirche und darüber die eigentliche Kreuzkirche. So etwas sieht man wirklich nicht alle Tage.

    Natürlich hieß es für uns erstmal: rauf auf den Turm. Nach einer halben Expedition über Treppenstufen wurden wir oben mit einem fantastischen Blick über Breslau belohnt. Die vielen Kirchtürme, die Oder, die roten Dächer und die historischen Gebäude sehen von oben einfach großartig aus. Und plötzlich merkt man erst, wie schön und vielseitig diese Stadt eigentlich ist.

    Nach der Kirchenbesichtigung fuhren wir noch kreuz und quer durch Breslau, ließen uns treiben und genossen einfach die Atmosphäre. Immer wieder tauchten neue schöne Gebäude, kleine Plätze oder natürlich die berühmten Breslauer Zwerge auf. Andrea blieb dabei ihrer Rolle als Chef-Zwergenjägerin natürlich treu und entdeckte gefühlt jeden kleinen Bronze-Kerl noch bevor ich überhaupt wusste, wo ich hinschauen muss.

    Breslau schafft es wirklich, Geschichte, Humor und Lebensfreude auf eine unglaublich charmante Art zu verbinden. Und genau deshalb gefällt uns die Stadt von Tag zu Tag besser.
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  • Breslau kann Wow – selbst bei Regen

    17. Mai in Polen ⋅ ☁️ 14 °C

    In Breslau angekommen hieß es nach einer kleinen Stärkung erstmal: Fahrräder abladen und los zur ersten Stadterkundung. Und schon nach den ersten Metern war er wieder da – dieser berühmte „Wow-Moment“. Kaum fuhren wir in die Altstadt hinein, wussten wir sofort: Diese Stadt hat etwas Besonderes.

    Die wunderschönen bunten Häuser rund um den Marktplatz, die prachtvollen Fassaden und das lebendige Treiben sorgten direkt für gute Laune. Breslau wirkt sofort elegant, gemütlich und gleichzeitig irgendwie jung und lebendig. Genau die Mischung, bei der man automatisch langsamer fährt, weil man ständig irgendwo hinschauen muss.

    Auf dem Marktplatz hörten wir plötzlich Musik und entdeckten ein Konzert mitten zwischen den historischen Gebäuden. Im ersten Moment dachte ich tatsächlich, wir wären zufällig in einen Flashmob geraten. Es fehlte eigentlich nur noch, dass plötzlich alle Menschen synchron zu tanzen anfangen und wir mitten drin stehen. Stattdessen war es einfach eine richtig tolle Stimmung mit Musik, Menschen und diesem besonderen Altstadtflair.

    Danach ging es weiter Richtung Oder. Wir folgten dem Fluss ein Stück und genossen die schöne Atmosphäre entlang des Wassers. Breslau zeigt dort nochmal eine ganz andere Seite – ruhiger, entspannter und fast ein bisschen mediterran. Zumindest solange man ignoriert, dass man dabei langsam durchgefroren ist.

    Denn natürlich hielt das Wetter seine Tradition aufrecht: Kaum waren wir richtig unterwegs, zog sich der Himmel wieder zu. Es wurde kalt, nass und der Wind erinnerte uns freundlich daran, dass wir eben doch nicht am Mittelmeer unterwegs sind.

    Also traten wir den Rückweg zu Grisu an, der geduldig auf uns wartete. Trotz des Wetters freuen wir uns jetzt schon riesig auf morgen, wenn wir Breslau in Ruhe weiter erkunden wollen. Und vielleicht – ganz vielleicht – meint es der Wettergott ja endlich mal einen ganzen Tag gut mit uns.
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  • Ein kurzer Zwischenstopp in Liegnitz

    17. Mai in Polen ⋅ ☁️ 13 °C

    Nach einer überraschend ruhigen Nacht im verlassenen Schlosspark wachten wir heute Morgen bestens erholt auf. Und das Beste: Kein Schlossgeist👻, keine klappernden Kutschen und auch kein mysteriöses Heulen in der Nacht. Entweder waren die Geister im Urlaub oder Grisu hat mit seinem alten Feuerwehr-Charme genug Respekt eingeflößt.

    Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Liegnitz, dem heutigen Legnica. Dort fanden wir tatsächlich direkt neben dem Piastenschloss einen Parkplatz – was ungefähr so selten ist wie trockenes Wetter auf dieser Reise.

    Das Piastenschloss selbst schauten wir uns von außen an. Das reicht ehrlich gesagt auch völlig aus. Natürlich ist das Schloss historisch bedeutend und eines der ältesten Schlösser Polens, aber optisch hat es uns jetzt nicht komplett aus den Schuhen gehauen. Solide, geschichtlich interessant, aber eher Kategorie „nett“ als „wow“.

    Danach ging es weiter zur Kathedrale St. Peter und Paul. Leider begann genau in dem Moment eine Messe, sodass wir die Kirche nur von außen anschauen konnten. Immerhin beeindruckt die Kathedrale schon mit ihren riesigen Türmen und der gewaltigen Backsteinfassade. Wir scheinen allerdings ein besonderes Talent dafür entwickelt zu haben, immer exakt zum Gottesdienst einzutreffen.

    Das bestätigte sich ein wenig später direkt nochmal bei der Liebfrauenkirche. Auch dort begann gerade die Messe, als wir ankamen. Immerhin konnte ich noch einen kurzen Blick ins Innere werfen. Besonders die kunstvollen Malereien an den Säulen sahen wirklich spannend aus und gaben der Kirche eine ganz besondere Atmosphäre.

    Anschließend schlenderten wir noch etwas durch die Fußgängerzone und die Innenstadt von Liegnitz. Leider sprang der berühmte Funke dabei nicht wirklich über. Vieles wirkte eher ruhig und uns fehlte ein wenig dieses besondere Altstadtflair, das uns in anderen Städten sofort begeistert. Nach einer Weile waren wir uns einig: Bevor wir uns zwanghaft Sehenswürdigkeiten schönreden, fahren wir lieber weiter.

    Also machten wir uns auf den Weg nach Breslau. Und irgendwie hatten wir dabei sofort das Gefühl: Dort wartet deutlich mehr auf uns.
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  • Lost Places die erste😃

    16. Mai in Polen ⋅ ☁️ 12 °C

    Heute gab es Frühstück in kurzer Hose und eine Nacht bei den Schlossgeistern von Pątnów

    Nach einer herrlich ruhigen Nacht konnten wir heute Morgen endlich das tun, worauf wir gefühlt seit Reisebeginn gewartet hatten: draußen frühstücken – und zwar in kurzer Hose! Keine Regenjacke, keine Kapuze, kein hektisches Reinräumen der Kaffeetassen wegen plötzlich auftauchender Wolken. Einfach Sonne, Vogelgezwitscher und gemütlich mehrere Tassen Kaffee vor Grisu. Man merkt plötzlich erst, wie glücklich einen trockene Socken und warme Sonnenstrahlen machen können.

    Nach einem entspannten Morgen machten wir uns gemütlich auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: den „Ruiny pałacu Ernesta Wolfganga von Rothkircha und Tracha“ in Pątnów, im niederschlesischen Teil Polens.

    Und was sollen wir sagen – dieser Ort hat sofort eine ganz besondere Stimmung. Die Ruinen des ehemaligen Schlosses liegen versteckt zwischen alten Bäumen und wirken gleichzeitig majestätisch, geheimnisvoll und ein wenig traurig. Früher gehörte das Anwesen der Adelsfamilie von Rothkirch und Trach, einer bedeutenden schlesischen Familie. Das Schloss selbst wurde im 19. Jahrhundert prachtvoll ausgebaut und war einst ein beeindruckender Adelssitz mit großem Park, herrschaftlichen Räumen und allem, was damals zu einem standesgemäßen Leben gehörte – vermutlich inklusive Dienerschaft und Menschen, die anderen Menschen den Tee nachtragen mussten.

    Doch wie so viele Schlösser in Niederschlesien überstand auch dieses die Wirren des Zweiten Weltkriegs und die Zeit danach nicht unbeschadet. Nach Kriegsende verfiel das Gebäude zunehmend, wurde geplündert und sich selbst überlassen. Heute stehen nur noch eindrucksvolle Ruinen mit bröckelnden Mauern, leeren Fensteröffnungen und Resten alter Architektur. Gerade das macht den Ort aber so faszinierend. Man läuft dort herum und stellt sich automatisch vor, wie hier früher Kutschen vorfuhren, elegante Gesellschaften durch die Säle wandelten und irgendwo ein Butler verzweifelt versuchte, Silberbesteck zu polieren.

    Besonders schön ist der alte Schlosspark rund um die Ruine. Riesige alte Bäume, verwilderte Wege und überall Vogelgezwitscher sorgen für eine fast märchenhafte Atmosphäre. Eigentlich fehlte nur noch leichter Nebel und irgendwo ein geheimnisvoller Graf mit Kerzenleuchter.

    Da es uns dort so gut gefiel, beschlossen wir kurzerhand zu bleiben und die Nacht direkt im alten Schlosspark zu verbringen. Und ganz ehrlich: Es gibt deutlich schlechtere Orte für einen Stellplatz. Grisu steht jetzt zwischen uralten Bäumen, die Vögel liefern das Abendkonzert und die Schlossruine schaut still über den Park hinweg.

    Sollte heute Nacht irgendwo eine Kutsche vorbeifahren oder ein Schlossgeist auftauchen, wissen wir wenigstens sofort: Wir stehen richtig.
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  • Sonne! Endlich Sonne!

    15. Mai in Polen ⋅ ☁️ 12 °C

    Nach einer weiteren regenreichen Nacht geschah heute Morgen tatsächlich das Unfassbare: Die Sonne war da!
    Wirklich.
    Dieses große helle Ding am Himmel, das wir fast schon vergessen hatten. Wir konnten es kaum glauben und prüften sicherheitshalber mehrmals, ob das vielleicht nur eine besonders helle Straßenlaterne war.

    Die gute Laune war sofort zurück. Nach dem Frühstück wurden blitzschnell die Fahrräder abgeladen und los ging es Richtung „Grüne Grenze“ nach Deutschland. Praktischerweise liegt die Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Neiße gerade einmal 200 Meter von unserem schönen Stellplatz entfernt. Einmal kurz rübergeradelt und schwups – schon standen wir mitten im Fürst-Pückler-Park bei Bad Muskau.

    Unser erster Halt war die neue Orangerie mit ihrer kleinen Ananaszucht. Tatsächlich wachsen dort echte Ananaspflanzen – mitten in der Lausitz. Irgendwie fühlte sich das an wie tropischer Urlaub mit deutschem Wetterrisiko.

    Danach ging es weiter zum Schlossvorwerk, wo erstmal eine dringend notwendige Kaffeepause anstand. Nach gefühlt einer Woche Dauerregen war es eine echte Wohltat, endlich draußen auf einer sonnigen Terrasse zu sitzen. Cappuccino, Sonne und trockene Kleidung – plötzlich wirken die kleinen Dinge des Lebens wie purer Luxus.

    Frisch gestärkt machten wir anschließend einen Rundgang um das Schloss Muskau. Das Schloss wirkt mit seinen roten Fassaden und den vielen Türmen fast märchenhaft und passt perfekt in die riesige Parklandschaft. Ursprünglich wurde es im Stil der Renaissance erbaut und später mehrfach umgestaltet. Besonders spannend ist seine wechselvolle Geschichte: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss bei einem großen Brand schwer zerstört und brannte fast vollständig aus. Erst viele Jahrzehnte später begann der aufwendige Wiederaufbau. Heute sieht das Gebäude von außen wieder beeindruckend aus, innen ist allerdings vieles modern rekonstruiert. Deshalb verzichteten wir auf eine Führung – wir wollten lieber die Sonne genießen, solange sie noch da war. Man weiß ja nie bei dieser Reise.

    Der Fürst-Pückler-Park selbst ist wirklich gigantisch und wunderschön angelegt. Der exzentrische Fürst Hermann von Pückler-Muskau schuf hier im 19. Jahrhundert eine riesige Landschaftsparkanlage, die heute sogar UNESCO-Welterbe ist. Das Besondere: Der Park wirkt überhaupt nicht geschniegelt oder künstlich, sondern eher wie eine perfekte natürliche Landschaft mit sanften Wegen, weiten Wiesen, kleinen Seen, Brücken und herrlichen Sichtachsen. Man fährt oder läuft dort durch die Gegend und denkt ständig: „Hier könnte man eigentlich sofort eine Picknickdecke ausrollen.“

    Und dann hieß es: zurück über die Grenze nach Polen – auf zum berühmten Polenmarkt. Und was sollen wir sagen… der legendäre Ruf dieses Marktes hat bei uns leichte Verwirrung ausgelöst. Gefühlt bestand der Markt aus 500 Ständen mit immer exakt denselben Produkten: Zigaretten, Schuhe, Kleidung, Alkohol, Gemüse und wieder Schuhe. Alles unter riesigen Blechdächern aufgebaut.

    Ganz ehrlich: Da gefallen uns die Souks in Tunesien oder Marokko deutlich besser. Dort gibt es wenigstens noch Überraschungen, Gewürzduft und Händler mit echtem Verhandlungstalent. Hier dagegen wirkte vieles eher wie eine Dauerschleife im Einkaufszentrum.

    Immerhin gingen wir nicht ganz leer aus: Drei Bund Spargel zu einem wirklich guten Preis und ein Glas Honig durften mit zu Grisu. Mehr brauchten wir aber auch nicht.

    Zurück am Stellplatz wurde dann erstmal die Sonne genossen – und zwar ausgiebig. Am späten Nachmittag machte ich mich nochmal alleine mit dem Fahrrad auf den Weg, um den riesigen Park weiter zu erkunden. Zwischen alten Bäumen, Seen und geschwungenen Wegen ließ sich der Tag wunderbar ausklingen.

    Ein rundum schöner Tag geht zu Ende. Und das Beste daran: Wir haben endlich wieder gelernt, wie Sonne aussieht.
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  • Energiefabrik Knappenrode

    14. Mai in Deutschland ⋅ ⛅ 14 °C

    Heute ging es für uns vom Regen in die Kohle
    Eigentlich wollten wir uns heute Morgen noch das berühmte Völkerschlachtdenkmal in Leipzig anschauen. Aber unsere Reise entwickelt sich langsam zu einer Mischung aus Abenteuerurlaub und Wettersimulation. Pünktlich nachdem wir Grisu geschniegelt, gestriegelt, ver- und entsorgt hatten, öffnete der Himmel erneut sämtliche Schleusen. Also hieß es: Plan ändern und weiterfahren.

    Unser Ziel war die Energiefabrik Knappenrode – und das war im Nachhinein eine richtig gute Entscheidung. Dort angekommen hatte das Wetter tatsächlich kurz Mitleid mit uns. Zwischen den Wolken zeigte sich sogar ab und zu die Sonne. Vermutlich wollte sie selbst mal sehen, wie so eine alte Brikettfabrik aussieht.

    Die Energiefabrik Knappenrode ist ein riesiges ehemaliges Braunkohlekraftwerk beziehungsweise eine Brikettfabrik aus der Lausitz. Früher wurde hier aus Braunkohle Brennstoff für Haushalte und Industrie hergestellt. Heute ist die gewaltige Anlage ein beeindruckendes Industriemuseum. Überall riesige Maschinen, endlose Förderbänder, Stahlkonstruktionen und Hallen, in denen man sich sofort wie in einem alten Industriefilm fühlt. Man läuft durch die Gebäude und merkt schnell, wie hart die Arbeit hier früher gewesen sein muss.

    Die Arbeitsbedingungen damals waren alles andere als romantisch. Hitze, Kohlenstaub, Lärm und körperliche Schwerstarbeit bestimmten den Alltag der Arbeiter. Schutzkleidung oder moderne Sicherheitsstandards waren eher Wunschdenken. Viele Menschen arbeiteten unter unmenschlich harten Bedingungen, oft im Schichtbetrieb und mit enormer körperlicher Belastung. Wenn man dort heute durch die riesigen Maschinenhallen läuft, bekommt man großen Respekt vor den Menschen, die hier Jahrzehnte gearbeitet haben. Nach ein paar Stunden Besichtigung waren selbst wir froh, wieder frische Luft zu bekommen – und wir mussten nicht einmal Kohle schaufeln.

    Nach der Besichtigung ging es weiter zum „Turm am Schweren Berg“ mit Blick über den Tagebau Nochten. Und dieser Ausblick ist wirklich gleichzeitig faszinierend und erschreckend. Vor einem liegt eine riesige Mondlandschaft aus Sand, Erde und gigantischen Maschinen. Man erkennt erst dort oben richtig, welche gewaltigen Eingriffe ein Tagebau in die Natur hinterlässt. Ganze Landstriche wirken, als hätte jemand vergessen, die Welt fertigzubauen.

    Von dort aus fuhren wir weiter Richtung Polen. Ganz unspektakulär überquerten wir die Grenze und stehen nun auf einer schönen Wiese am Ortsrand von Łęknica. Direkt hinter der Grenze befindet sich der bekannte Polenmarkt, den wir uns morgen in Ruhe anschauen wollen. Wir sind gespannt, was uns dort erwartet. Wahrscheinlich alles von Gartenzwergen bis Motorsägen – und mindestens drei Dinge, von denen wir vorher nicht wussten, dass wir sie unbedingt brauchen.

    Jetzt genießen wir erstmal den Abend in Grisu und hoffen heimlich, dass der Wettergott morgen vielleicht mal Urlaub macht.
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  • Leipzig

    13. Mai in Deutschland ⋅ ☁️ 9 °C

    Unser heutiger Tag begann – wie sollte es auf dieser Reise auch anders sein – erstmal mit Regen. Langsam haben wir den Verdacht, dass uns eine kleine persönliche Regenwolke verfolgt. Immerhin liegt unser Stellplatz direkt hinter dem Leipziger Hauptbahnhof und damit perfekt für eine Stadterkundung zu Fuß. Also Regenjacken an und los ging’s.

    Vom Goethedenkmal aus, mit Blick auf die Alte Börse, starteten wir unseren Rundgang durch Leipzig. Das Goethedenkmal erinnert daran, dass der junge Johann Wolfgang von Goethe hier in Leipzig studierte. Wahrscheinlich lief er damals ähnlich oft durch Regen wie wir heute – nur ohne Funktionsjacke. Die Alte Börse direkt daneben zählt zu den ältesten Barockgebäuden der Stadt. Früher trafen sich hier die Kaufleute und handelten Waren aus aller Welt. Heute wirkt das elegante Gebäude mit seiner hellen Fassade und den vielen Verzierungen eher wie ein Ort, an dem man stilvoll Kaffee trinken sollte, anstatt hektisch Geschäfte abzuschließen.

    Weiter ging es zum Marktplatz, der wirklich beeindruckend groß und lebendig ist. Umgeben von prachtvollen historischen Häusern spürt man sofort, wie wichtig Leipzig schon seit Jahrhunderten als Handelsstadt war. Besonders dominant steht dort das Alte Rathaus – ein wirklich imposantes Gebäude der Renaissance. Mit seiner langen Fassade, den vielen Fenstern und dem markanten Turm sieht es fast aus, als hätte jemand ein Schloss mitten auf den Marktplatz gestellt. Man erwartet förmlich, dass gleich ein Stadtschreiber aus dem Fenster schaut und neue Handelsgesetze verkündet.

    Da das Wetter weiterhin seine sehr wechselhafte Persönlichkeit zeigte, nutzten wir immer wieder die berühmten Leipziger Passagen als Zuflucht. Besonders die Königshaus-Passage mit ihren schönen Glasdächern und eleganten Geschäften hat uns gefallen. Überhaupt sind diese vielen Durchgänge und Passagen etwas ganz Besonderes in Leipzig. Man kann gefühlt die halbe Innenstadt erkunden, ohne komplett nass zu werden – eine geniale Erfindung für Touristen wie uns.

    Die Nikolaikirche wollten wir natürlich ebenfalls besuchen. Leider war sie geschlossen. Wahrscheinlich brauchte sie nach all den Besuchern auch mal einen freien Tag.

    Das absolute Highlight des Tages war aber ohne Zweifel das Neue Rathaus. Schon von außen wirkt das Gebäude gigantisch. Mit seinem riesigen Turm, den kunstvollen Fassaden und den unzähligen Verzierungen sieht es eher aus wie eine Mischung aus Schloss, Burg und Regierungsgebäude. Tatsächlich wurde das Neue Rathaus Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Resten der alten Pleißenburg erbaut. Teile der alten Burg wurden sogar in das Gebäude integriert. Besonders beeindruckend ist der gewaltige Rathausturm – er gehört zu den höchsten Rathaustürmen Deutschlands.

    Aber auch innen hat uns das Gebäude komplett geflasht. Riesige Treppenhäuser, prunkvolle Säle, schwere Türen, kunstvolle Decken und überall diese Mischung aus Macht, Geschichte und Architekturwahnsinn. Man läuft durch die Flure und fühlt sich plötzlich sehr klein. Wahrscheinlich könnte man dort tagelang herumlaufen und würde trotzdem noch neue Räume entdecken. Selbst Grisu wäre vermutlich beeindruckt gewesen – und der ist immerhin eine ehemalige Schweizer Feuerwehr.

    Und dann geschah tatsächlich das Unglaubliche: Die Sonne kam heraus! Nach gefühlt mehreren Tagen Dauerbewässerung konnten wir endlich draußen auf einer schönen Terrasse sitzen und in Ruhe einen Cappuccino trinken. Dabei ergab sich ein wirklich nettes Gespräch mit einem Ehepaar aus der Region. Genau diese spontanen Begegnungen machen Reisen oft besonders schön.

    Die Höfe am Brühl – eine riesige moderne Einkaufspassage – waren anschließend unsere vorletzte Station. Dort wurde nochmal ein wenig gebummelt, bevor wir uns langsam auf den Rückweg machten. Nach etlichen Kilometern zu Fuß wartete zum Abschluss noch der Leipziger Hauptbahnhof auf uns. Und der ist wirklich gigantisch. Der Bahnhof zählt zu den größten Kopfbahnhöfen Europas und wirkt innen fast wie eine eigene kleine Stadt. Riesige Hallen, unzählige Geschäfte, breite Bahnsteige und eine beeindruckende Architektur aus der großen Zeit der Eisenbahn. Eigentlich könnte man dort problemlos einen halben Urlaubstag verbringen – inklusive Shopping, Essen und Menschenbeobachtung.

    Danach ging es müde, aber begeistert zurück zu unserem Grisu, der direkt hinter dem Bahnhof geduldig auf uns wartete. Morgen hoffen wir dann vielleicht endlich mal auf einen komplett trockenen Tag. Wobei… irgendwie gehört der Regen inzwischen fast schon zur Reise dazu.
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  • Bad Dürrenberg und seine Sole

    12. Mai in Deutschland ⋅ 🌧 8 °C

    Nach einer Nacht, in der der Regen auf Grisu trommelte, als wollte er unbedingt ins Fahrzeug gelassen werden, starteten wir heute gemütlich in den Tag. Ausschlafen, spätes Frühstück und erstmal schauen, ob draußen noch Land zu sehen ist – die klassische Regenreise-Routine eben.

    Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Gradierwerk in Bad Dürrenberg. Schon von weitem wirkt die riesige Anlage beeindruckend. Mit mehreren hundert Metern Länge gehört das Gradierwerk zu den längsten zusammenhängenden Gradierwerken Europas. Ursprünglich diente es dazu, den Salzgehalt der Sole zu erhöhen. Die Sole stammt aus tiefen unterirdischen Salzlagerstätten, wo sich das Wasser über Jahrtausende mit Salz angereichert hat. Früher war dieses „weiße Gold“ unglaublich wertvoll und Grundlage für den Wohlstand vieler Städte.

    Besonders spannend ist dabei die Konstruktion des Gradierwerks. Die Sole rieselt über riesige Wände aus Schwarzdornzweigen herunter. Warum ausgerechnet Schwarzdorn? Ganz einfach: Die dichten, robusten und extrem widerstandsfähigen Zweige bieten eine riesige Oberfläche, an der das Wasser langsam herunterlaufen kann. Dabei verdunstet Wasser, die Sole wird konzentrierter und gleichzeitig entsteht die salzhaltige Luft. Außerdem hält Schwarzdorn erstaunlich lange durch – quasi der Mercedes unter den Sträuchern.

    Und genau das merkten wir sofort. Rund um das Gradierwerk liegt eine angenehm salzige, frische Luft in der Atmosphäre. Fast wie Nordseeurlaub… nur ohne Möwenklau beim Fischbrötchen.

    Besonders spannend fanden wir die Kaltinhalierhalle. Dort atmet man die feine salzhaltige Luft direkt ein, die durch die rieselnde Sole entsteht. Das soll besonders gut für Atemwege, Bronchien und das allgemeine Wohlbefinden sein. Wir saßen also ganz entspannt dort, atmeten tief durch und fühlten uns für einen Moment wie zwei Wellness-Profis auf Kurreise. Wahrscheinlich waren wir noch nie so gesund beim Nichtstun.

    Nach unserem Besuch ging es weiter Richtung Leipzig. Leider meinte das Wetter auch dort, uns weiterhin begleiten zu müssen – allerdings eher in Form eines Dauerwaschgangs. Wegen des starken Regens fiel die geplante Stadterkundung buchstäblich ins Wasser. Statt Sightseeing gab es heute also hauptsächlich Scheibenwischer in Höchstleistung und den romantischen Klang von Regentropfen auf dem Fahrerhaus.

    Jetzt hoffen wir auf morgen und darauf, dass Leipzig sich vielleicht doch noch von seiner sonnigen Seite zeigt. Grisu jedenfalls steht tapfer auf seinem Platz und wirkt, als könnte ihn selbst ein kleiner Monsun nicht aus der Ruhe bringen.
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  • Erfurt im Regen

    11. Mai in Deutschland ⋅ ☁️ 15 °C

    Der Tag begann heute ganz entspannt – zumindest für mich. Andrea dagegen stand schon früh im mobilen Backstudio und knetete erstmal den Brotteig fertig. Während draußen der Himmel aussah, als hätte jemand sämtliche Grautöne gleichzeitig eingeschaltet, wurde in Grisu fleißig vorbereitet. Frisches Brot auf Reisen – wir arbeiten eindeutig an unserer Sternebewertung als Wohnmobilbesatzung.

    Danach ging es Richtung Erfurter Altstadt. Schon die Fahrt durch die engen Straßen war ein Erlebnis. Wunderschöne historische Häuser, liebevoll restaurierte Fassaden und überall dieses mittelalterliche Flair, bei dem man ständig erwartet, dass gleich ein Ritter um die Ecke geritten kommt. Stattdessen kam höchstens ein E-Scooter – die moderne Version des Streitrosses.

    Unser erster Halt war die beeindruckende St.-Severi-Kirche. Besonders fasziniert haben uns das kunstvolle Taufbecken und die mächtige Orgel, die auf ihrem Marmorpodest thront, als würde sie jederzeit ein eigenes Konzert geben wollen. Überhaupt wirkt die Kirche unglaublich majestätisch – ruhig, gewaltig und voller Geschichte.

    Kaum waren wir allerdings wieder draußen, öffnete der Himmel sämtliche Schleusen gleichzeitig. Regen wäre untertrieben gewesen – eher eine kostenlose Komplettwäsche für Touristen. Zum Glück lag direkt gegenüber der Hohe Dom St. Marien zu Erfurt. Also flüchteten wir kurzerhand hinein und bestaunten dort die riesigen Gewölbe, die prachtvollen Fenster und die beeindruckende Atmosphäre. Der Domberg mit Dom und Severikirche nebeneinander ist wirklich ein Anblick, den man nicht vergisst – selbst wenn man dabei langsam durchweicht.

    Nach so viel Kultur musste dringend ein Cappuccino her. Also ab ins Eiscafé, um dort die nächste Regenrunde auszusitzen. Leider hatte das Wetter offenbar andere Pläne. Der Regen blieb hartnäckiger als ein Vertreter an der Haustür. Deshalb beschlossen wir spontan, ins Einkaufszentrum Anger 1 zu fahren und dort ein wenig trocken weiterzubummeln.

    Als der Regen endlich etwas nachließ, ging es zurück zu Grisu – und wir beschlossen kurzerhand weiterzufahren. Jetzt stehen wir in Bad Dürrenberg direkt vor dem riesigen Gradierwerk und hoffen, dass das Wetter morgen wieder etwas freundlicher wird. Grisu jedenfalls steht tapfer da wie ein alter Feuerwehrmann im Ruhestand: wetterfest, gelassen und jederzeit bereit für das nächste Abenteuer.
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  • Auf zu neuen Abenteuern

    10. Mai in Deutschland ⋅ ☁️ 19 °C

    Heute Morgen war es endlich soweit: Nach acht langen Monaten des Wartens rollte Grisu zum ersten Mal als neues Zuhause auf Rädern auf große Reise. Bei bestem Sommerwetter starteten wir voller Vorfreude Richtung Baltikum.

    Seit unserer letzten Reise hat sich einiges verändert. Zum einen können wir jetzt endlich auch im Sommer länger unterwegs sein – und zum anderen haben wir unseren treuen Concorde gegen ein echtes Abenteuerfahrzeug eingetauscht. Schweren Herzens zwar, aber manchmal muss man eben Platz machen für neue Verrücktheiten.

    Unser neuer Begleiter heißt Grisu – eine ehemalige Schweizer Feuerwehr von 1989. Mit H-Kennzeichen, ordentlich Charakter und vermutlich mehr Geschichten auf dem Buckel als wir selbst. Der alte Mercedes 1120 mit Allrad fühlt sich jetzt schon an, als würde er am liebsten direkt bis nach Afrika weiterfahren. Wüste? Schotterpiste? Schlagloch? Grisu lacht nur müde.

    Die erste Etappe führte uns ganz entspannt von unserer alten Heimat Prüm nach Erfurt. Und was sollen wir sagen: Grisu hat seine Sache hervorragend gemacht. Kein Gemecker, kein Gezicke – nur das gemütliche Brummen eines alten Feuerwehrmanns, der offenbar froh ist, endlich wieder unterwegs zu sein.

    Jetzt stehen wir in der Nähe der Erfurter Altstadt und freuen uns darauf, morgen die Stadt in Ruhe zu erkunden. Grisu darf sich derweil ausruhen. Schließlich muss ein pensionierter Feuerwehrmann nicht mehr jeden Einsatz fahren.
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    Beginn der Reise
    10. Mai 2026