Trakai in Feierlaune
30 de mayo, Lituania ⋅ ☁️ 15 °C
Heute Morgen stand Trakai mit seiner berühmten Wasserburg ganz oben auf unserer Liste. Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Doch wie so oft auf Reisen hatte Trakai andere Pläne mit uns.
Bereits kurz vor der Innenstadt mussten wir feststellen, dass dort sämtliche Straßen gesperrt waren. Unser erster Gedanke war natürlich: „Na super, was jetzt?“ Also wurde kurzerhand umgeplant. Etwas außerhalb fanden wir schließlich einen Parkplatz am Friedhof. Nicht unbedingt die Lage, die man sich für einen entspannten Stadtbummel aussucht, aber immerhin stand Grisu sicher und wir konnten die Fahrräder ausladen.
Also hieß es: Aufsatteln und losradeln.
Als wir in der Innenstadt ankamen, war schnell klar, warum hier alles abgesperrt war. An diesem Wochenende fand das große Sommerfest von Trakai statt. Die gesamte Hauptstraße hatte sich in einen riesigen Markt verwandelt. Überall Stände mit regionalen Spezialitäten, Handwerkskunst, Souvenirs und allerlei Leckereien. Und wie es sich für gute Reisende gehört, mussten wir natürlich hier und da probieren. Rein aus kulturellem Interesse versteht sich.
So schlenderten wir erstmal gemütlich durch das bunte Treiben, beobachteten die Menschen und ließen uns von den Düften verführen. Es ist erstaunlich, wie oft man auf solchen Märkten eigentlich satt werden könnte, ohne jemals richtig essen zu gehen.
Schließlich erreichten wir den See. Von dort führt eine malerische Holzbrücke direkt zur berühmten Wasserburg von Trakai. Und genau dort wartete der nächste Wow-Moment.
Die Wasserburg von Trakai gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Litauens und ist tatsächlich die einzige echte Inselburg Osteuropas. Sie wurde im 14. Jahrhundert unter dem litauischen Großfürsten Kęstutis begonnen und später von seinem Sohn Vytautas dem Großen weiter ausgebaut. Die Burg diente einst als wichtige Residenz der litauischen Herrscher und spielte eine bedeutende Rolle bei der Verteidigung des Großfürstentums Litauen.
Nach Jahrhunderten des Verfalls wurde die Burg im 20. Jahrhundert aufwendig restauriert und rekonstruiert. Heute präsentiert sie sich wieder in ihrer ganzen Pracht mit ihren roten Backsteinmauern, den Türmen und den Innenhöfen. Die Ausstellungen im Inneren zeigen Waffen, Möbel, Dokumente und viele interessante Einblicke in die Geschichte Litauens.
Besonders schön ist die Lage mitten im See. Von allen Seiten von Wasser umgeben wirkt die Burg fast wie aus einem Märchenbuch. Eigentlich fehlte nur noch ein Ritter auf der Zugbrücke oder ein Drache über dem See.
Nach der Besichtigung meldete sich dann der kleine Hunger. Also gab es erstmal eine Stärkung, bevor wir uns wieder ins Festgetümmel stürzten.
Das Sommerfest von Trakai gehört zu den beliebtesten Veranstaltungen der Region. Jedes Jahr verwandelt sich die Stadt für ein Wochenende in eine große Bühne für Musik, Folklore, Tanz und traditionelle Handwerkskunst. Auf mehreren Bühnen treten Musiker, Chöre und Folkloregruppen auf und sorgen den ganzen Tag für beste Unterhaltung.
Wir lauschten den verschiedenen Musikgruppen, schauten den Tänzern zu und genossen einfach die fröhliche Atmosphäre. Überall wurde gelacht, getanzt und gefeiert. Die ganze Stadt schien auf den Beinen zu sein.
Am frühen Abend machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg zu Grisu. Nach einem Tag voller Marktstände, Musik, Geschichte und Menschenmassen freuten wir uns nun auf etwas Ruhe.
Also hieß es: Fahrräder verladen, Stellplatz suchen und den Tag gemütlich ausklingen lassen.
Und wieder einmal zeigte sich, dass die schönsten Reisetage oft genau die sind, die man ursprünglich gar nicht so geplant hatte.Leer más
Zwischen Engeln, Schilf und
30 de mayo, Lituania ⋅ ☁️ 14 °C
einem Traum von Sonnenuntergang
Nach unserem erlebnisreichen Tag in Trakai machten wir uns noch auf zu einem besonderen Ort, der nur wenige Kilometer von der berühmten Wasserburg entfernt liegt: dem Hill of Angels – auf Litauisch „Angelų Kalva“.
Eigentlich dachten wir, wir würden dort ein paar Skulpturen anschauen. Aber als wir ankamen, staunten wir nicht schlecht. Über 70 große Engelskreuze und Engelsfiguren stehen auf dem Hügel verteilt. Manche sind kunstvoll aus Holz geschnitzt, andere aus Metall oder Stein gefertigt. Jede Figur wurde von Künstlern, Gemeinden oder privaten Spendern gestiftet und hat ihre eigene Bedeutung.
Der Hill of Angels entstand erst im Jahr 2009 anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung Litauens. Die Engel sollen Frieden, Hoffnung, Glauben und den Schutz des Landes symbolisieren. Viele Besucher kommen hierher, um innezuhalten, die Aussicht zu genießen oder einfach die besondere Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.
Und Atmosphäre hat dieser Ort wirklich. Zwischen den Engelsfiguren weht der Wind über die Hügel, Glocken klingen leise und überall blickt man auf die wunderschöne Seenlandschaft rund um Trakai. Es ist ein Ort, der gleichzeitig friedlich, beeindruckend und irgendwie ein kleines bisschen mystisch wirkt.
Nach unserem Besuch hieß es dann aber: Schnell den Nachtplatz beziehen.
Wir hatten uns einen Stellplatz direkt an einem der zahlreichen Seen der Region ausgesucht. Die Landschaft rund um Trakai besteht aus einem ganzen Netz von Seen, Halbinseln, kleinen Inseln und bewaldeten Ufern. Über 200 Seen soll es allein in dieser Gegend geben. Kein Wunder also, dass man hier ständig Wasser sieht und sich manchmal fragt, ob man gerade an einem See, einer Bucht oder einer Insel vorbeifährt.
An unserem Platz angekommen fanden wir eine kleine Anlegestelle, umgeben von dichtem Schilf. Das Wasser lag spiegelglatt vor uns, nur gelegentlich zog eine Ente vorbei und hinterließ ihre Kreise auf der Oberfläche.
Und dann kam der große Auftritt des Abends.
Gegen halb zehn begann die Sonne langsam hinter den Bäumen zu versinken. Der Himmel färbte sich erst goldgelb, dann orange und schließlich tiefrot. Das Schilf spiegelte sich im Wasser und alles wirkte plötzlich wie ein perfekt gemaltes Landschaftsbild.
Selbst Grisu schien den Moment zu genießen. Zumindest stand er ungewöhnlich still da und knarzte ausnahmsweise mal nicht.
So saßen wir noch lange am Wasser, schauten auf den See und genossen die Ruhe. Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage war das genau der richtige Tagesabschluss.
„Manchmal braucht es keine Burg, keine Kirche und kein Museum. Manchmal reichen ein paar Engel auf einem Hügel, ein schöner Stellplatz am Wasser und ein Sonnenuntergang, der den Tag nicht schöner hätte verabschieden können.“Leer más
Abschied von Trakai
31 de mayo, Lituania ⋅ ☁️ 14 °C
Bevor wir uns heute endgültig von Trakai verabschiedeten, stand noch ein letzter Programmpunkt auf unserer Liste: die wunderschöne Villa Užutrakis. Da sie nur etwa 400 Meter von unserem Stellplatz entfernt lag, konnten wir den Tag mit einem gemütlichen Morgenspaziergang beginnen.
Schon der Weg dorthin war wunderschön. Das rund 80 Hektar große Anwesen erstreckt sich bis an den Galvė-See und bietet herrliche Ausblicke auf die Wasserlandschaft rund um Trakai. Besonders beeindruckend sind die zahlreichen Teiche, die einst vom Grafen angelegt wurden. Insgesamt sollen es rund 20 miteinander verbundene Teiche gewesen sein, die dem Park einen fast märchenhaften Charakter verleihen.
Die Villa selbst wurde Ende des 19. Jahrhunderts für Graf Józef Tyszkiewicz erbaut, einen Angehörigen einer der bedeutendsten Adelsfamilien Litauens. Nach den Wirren des 20. Jahrhunderts verfiel das Anwesen lange Zeit, bevor es aufwendig restauriert wurde.
Und die Restaurierung hat sich wirklich gelohnt. Besonders die Räume im Erdgeschoss haben uns begeistert. Kunstvoll gestaltete Decken, elegante Möbel, Gemälde und liebevoll restaurierte Details vermitteln noch heute einen Eindruck davon, wie die wohlhabende Oberschicht damals lebte. Im Obergeschoss und im Keller befinden sich wechselnde Ausstellungen, die dem historischen Gebäude zusätzlich Leben einhauchen.
Leider wird ein Teil des weitläufigen Geländes derzeit weitgehend sich selbst überlassen. Dadurch konnten wir nicht alle Bereiche erkunden. Aber vielleicht ist das auch Absicht – schließlich braucht ein Grafenpark heutzutage vermutlich auch eine kleine Wildnisabteilung.
Danach hieß es dann endgültig Abschied nehmen von Trakai und seinen Seen. Unser nächstes Ziel: Vilnius.
Dort angekommen bezogen wir Quartier am riesigen Akropolis-Einkaufszentrum am Stadtrand. Gerade rechtzeitig, denn der Himmel sah nicht gerade vertrauenserweckend aus. Also beschlossen wir kurzerhand, das schlechte Wetter für eine kleine Erkundungstour durch die Shoppingmall zu nutzen.
Und klein ist hier wirklich gar nichts. Das Akropolis gehört zu den größten Einkaufszentren Litauens und umfasst weit über 100.000 Quadratmeter Fläche. Neben unzähligen Geschäften gibt es Restaurants, Cafés, Freizeitangebote und sogar eine Eislaufbahn. Man könnte vermutlich morgens hineingehen und erst wieder herausfinden, wenn Weihnachten vor der Tür steht.
Während draußen die ersten Regentropfen fielen, schlenderten wir also durch die riesigen Einkaufspassagen. Nach Tagen voller Burgen, Kirchen, Klöster und Natur fühlte sich das fast wie ein kleiner Kulturschock an. Statt Vogelgezwitscher hörte man plötzlich Rollkoffer, Musik aus den Geschäften und das Rascheln von Einkaufstüten.
So endete unser Tag irgendwo zwischen litauischer Adelsgeschichte und modernem Konsumtempel. Und während Grisu draußen geduldig auf dem Parkplatz wartete, waren wir uns einig: Trakai war ein wunderbarer Abschluss unserer Seen-Abenteuer – und Vilnius verspricht schon jetzt die nächsten spannenden Entdeckungen.Leer más
Vilnius Tag 1
1 de junio, Lituania ⋅ ⛅ 20 °C
Heute Morgen schwangen wir uns auf die Fahrräder und machten uns auf den rund sechs Kilometer langen Weg vom Einkaufszentrum in die Altstadt von Vilnius. Unser Weg führte uns entlang des Neris, der sich gemütlich durch die Stadt schlängelt. Bei angenehmen Temperaturen und bestem Radfahrwetter ließ sich der Tag schon mal gut an.
Um uns zunächst einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, fuhren wir mit der Schrägseilbahn auf den Gediminas-Hügel. Oben angekommen wurden wir mit einem fantastischen Blick über Vilnius belohnt. Vom Turm aus liegen einem die roten Dächer der Altstadt, die Kirchtürme und die modernen Hochhäuser förmlich zu Füßen. Plötzlich erkennt man erst, wie groß und abwechslungsreich die litauische Hauptstadt eigentlich ist.
Nach so viel Aussicht war erstmal Kaffee angesagt. In einem kleinen Biergarten direkt neben dem Denkmal des Großfürsten Gediminas am Kathedralenplatz ließen wir uns nieder und genossen bei einer Tasse Kaffee das bunte Treiben. Gediminas gilt übrigens als Gründer von Vilnius. Der Legende nach träumte er einst von einem eisernen Wolf, dessen Geheul so laut war wie hundert Wölfe. Die Priester deuteten dies als Zeichen, an dieser Stelle eine große Stadt zu errichten. Offenbar hatten die Priester damals ein gutes Gespür.
Frisch gestärkt ging es weiter zur Peter-und-Paul-Kirche. Und dort verschlug es uns tatsächlich erstmal die Sprache.
Von außen wirkt die Kirche noch vergleichsweise schlicht. Doch sobald man den Innenraum betritt, beginnt das große Staunen.
Die Kirche wurde zwischen 1668 und 1676 im prachtvollen Barockstil erbaut und zählt zu den außergewöhnlichsten Sakralbauten Europas. Besonders erstaunlich ist, dass der eigentliche Innenausbau und die kunstvolle Ausschmückung fast 30 Jahre in Anspruch nahmen. Unzählige Künstler, Bildhauer und Handwerker arbeiteten über Jahrzehnte an den Stuckarbeiten. Über 2.000 weiße Stuckfiguren schmücken heute Wände, Decken, Bögen und Nischen. Engel, Heilige, Tiere, mythologische Figuren und unzählige weitere Darstellungen scheinen aus allen Richtungen auf den Besucher herabzublicken.
Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Kaum hat man eine Figur entdeckt, wartet daneben schon die nächste Überraschung. Besonders beeindruckend sind die unglaublich fein ausgearbeiteten Gesichter und Augen. Viele Figuren wirken so lebendig, als würden sie den Besucher tatsächlich beobachten. Je länger man dort sitzt, desto mehr Details entdeckt man. Ich setzte mich schließlich auf verschiedene Bänke und ließ dieses Kunstwerk einfach auf mich wirken. Ehrlich gesagt hätte man dort vermutlich auch drei Stunden verbringen können und hätte immer noch neue Figuren entdeckt.
Nach diesem überwältigenden Erlebnis ging es weiter zur orthodoxen Heilig-Geist-Kirche. Sie ist das wichtigste orthodoxe Gotteshaus Litauens und beeindruckt vor allem durch ihre prachtvolle Ikonostase, die reich verzierten Ikonen und ihre ruhige, fast mystische Atmosphäre. Im Gegensatz zum barocken Überfluss der Peter-und-Paul-Kirche wirkt hier alles etwas zurückhaltender, aber nicht weniger beeindruckend.
Besonders beeindruckt hat uns in der Heilig-Geist-Kirche ein Glasschrein mit den Reliquien der drei orthodoxen Heiligen Antonius, Johannes und Eustachius. Die drei Märtyrer lebten im 14. Jahrhundert und starben im Jahr 1347 unter der Herrschaft des litauischen Großfürsten Algirdas für ihren christlichen Glauben. Nach orthodoxer Überlieferung gelten ihre mumifizierten Körper als wundersam erhalten. Seit inzwischen mehr als 660 Jahren ruhen sie in der Kirche und werden von Gläubigen verehrt. Die in kostbare Gewänder gehüllten Reliquien liegen sichtbar in einem Glasschrein und ziehen jedes Jahr zahlreiche Pilger an. Selbst wenn man religiösen Wundern eher nüchtern gegenübersteht, ist es doch ein sehr besonderer Moment, vor sterblichen Überresten zu stehen, die seit so vielen Jahrhunderten verehrt werden und ein wichtiger Bestandteil der orthodoxen Tradition Litauens sind.
Direkt daneben steht die Kirche der Heiligen Teresa. Die barocke Kirche stammt aus dem 17. Jahrhundert und gehört zu den schönsten Kirchen der Altstadt. Besonders bekannt ist sie jedoch wegen ihres direkten Zugangs zur Kapelle des Tores der Morgenröte.
Durch einen Seitengang gelangten wir in die berühmte Kapelle über dem Stadttor. Das Tor der Morgenröte ist eines der bedeutendsten Heiligtümer Litauens. In der Kapelle befindet sich das wundertätige Marienbild „Unsere Liebe Frau vom Tor der Morgenröte“, das von Gläubigen aus Litauen, Polen und vielen anderen Ländern verehrt wird.
Nach so vielen Kirchen, Heiligen, Engeln und sakralen Meisterwerken war unser Kulturbedarf für heute allerdings mehr als gedeckt. Irgendwann erreicht selbst der motivierteste Kirchenbesucher seinen Tagesgrenzwert an Altären pro Stunde.
Also machten wir uns mit vielen neuen Eindrücken auf den Rückweg. Unterwegs besorgten wir uns noch frische leckere Teilchen. Schließlich muss man nach so viel Kultur auch wieder etwas für die Seele tun.
Nun freuen wir uns schon auf morgen, wenn wir weitere Schönheiten von Vilnius entdecken werden. Die Stadt hat bisher jedenfalls bewiesen, dass hinter jeder Ecke die nächste Überraschung wartet.Leer más

ViajeroWow, eine solche Fülle an Stuckfiguren haben wir bislang nur in Palermo gesehen 🤓

ViajeroSehr beeindruckend 🤩 … ich frage mich bei Burgen, Schlössern, Kirchen, ob das heute noch jemand so schön bauen könnte … mit der Technik von damals wohlgemerkt. Es sind Schätze von unermesslichem Wert. Euch weiterhin viele schöne Erlebnisse 🍀 🏰 ⛪️ ⛰️ 🌞
Vilnius Tag 2
2 de junio, Lituania ⋅ ⛅ 23 °C
Heute Morgen machten wir uns wieder mit den Fahrrädern auf den Weg in die Altstadt von Vilnius. Eigentlich hatten wir keinen genauen Plan. Naja, zumindest keinen Plan, der länger als fünf Minuten hielt. Am Ende wurde daraus ein klassischer „Wir schauen mal hier rein“-Tag. Und wie so oft führte uns das von einer Kirche zur nächsten.
Als erstes besuchten wir den Kalvarijos Market. Der große Markt gehört zu den bekanntesten in Vilnius und bietet alles, was man sich vorstellen kann: frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Kleidung, Haushaltswaren und jede Menge Dinge, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie vielleicht brauchen könnte. Zwischen den zahlreichen Ständen herrschte reges Treiben, und wir schlenderten erstmal gemütlich durch die Gassen des Marktes. Solche Märkte sind immer ein wunderbarer Ort, um das alltägliche Leben einer Stadt kennenzulernen.
Anschließend führte unser Weg am Präsidentenpalast vorbei. Hinter den hohen Mauern residiert der litauische Präsident. Wir beließen es allerdings bei einem Blick von außen. Schließlich hatten wir weder einen Termin noch eine Einladung zum Kaffee.
Unser erstes kirchliches Ziel war die Kirche der Heiligen Konstantin und Michael. Schon von weitem fallen die goldenen Zwiebeltürme ins Auge, die man eher in Russland oder der Ukraine erwarten würde als mitten in Vilnius. Die orthodoxe Kirche wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und wirkt mit ihren hellen Fassaden und den goldenen Kuppeln äußerst imposant.
Im Inneren erwartete uns ein wunderschöner vergoldeter Altar, der förmlich im Licht strahlte. Überhaupt hat die Kirche eine ganz besondere Atmosphäre. Während draußen das geschäftige Stadtleben tobt, herrscht drinnen eine angenehme Ruhe. Nur die vielen goldenen Verzierungen erinnern einen daran, dass orthodoxe Kirchen bei der Inneneinrichtung eher selten nach dem Motto „weniger ist mehr“ arbeiten.
Danach ging es weiter zur Halės turgus Markthalle, der ältesten Markthalle von Vilnius. Das historische Gebäude stammt aus dem Jahr 1906 und wird bis heute als Markt genutzt. Leider waren wir etwas spät dran und viele Händler hatten ihre Stände bereits geschlossen. Trotzdem konnten wir noch einen guten Eindruck vom Marktleben gewinnen. Zwischen den verbliebenen Ständen wurden regionale Spezialitäten, frisches Gemüse, Obst, Fleisch und allerlei Leckereien angeboten. Man konnte gut erkennen, warum die Markthalle bei Einheimischen so beliebt ist.
Anschließend besuchten wir die Kirche des Heiligen Franz von Assisi, besser bekannt als Bernhardinerkirche. Die römisch-katholische Kirche stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert und beeindruckt mit ihrer wunderschönen gotischen Backsteinfassade. Im Inneren dominieren warme Holzelemente und eine angenehm ruhige Atmosphäre. Die Kirche wirkt deutlich schlichter als viele andere Gotteshäuser der Stadt, besitzt aber einen ganz besonderen Charme.
Direkt daneben steht die berühmte St.-Anna-Kirche. Und was soll man sagen? Dieses Bauwerk ist einfach ein Meisterwerk der Backsteingotik. Die Kirche wurde um 1500 erbaut und besteht aus über 30 verschiedenen Backsteinformen. Die filigranen Türme, Bögen und Verzierungen sehen fast so aus, als wären sie aus Spitze gefertigt.
Man versteht sofort, warum die Kirche als eines der Wahrzeichen von Vilnius gilt. Von innen ist sie durchaus schön, aber ihre wahre Stärke liegt eindeutig außen. Wir standen eine ganze Weile davor und entdeckten immer neue Details.
Auf dem Rückweg meinte Andrea dann ganz unschuldig: „Wir könnten ja noch kurz in die Kathedrale schauen.“
Wer mit Andrea unterwegs ist, weiß mittlerweile, dass „kurz“ ein sehr dehnbarer Begriff sein kann.
Also fuhren wir noch zur Kathedrale St. Stanislaus und St. Ladislaus. Die klassizistische Kathedrale wirkt mit ihren mächtigen Säulen eher wie ein antiker Tempel als wie eine Kirche. Im Inneren erwarteten uns prächtige Seitenkapellen, kunstvolle Verzierungen und eine beeindruckende Atmosphäre. Besonders die reich ausgestattete Kasimir-Kapelle gehört zu den schönsten sakralen Räumen Litauens.
Während ich langsam begann, die Anzahl der heute besichtigten Altäre nicht mehr zählen zu können, war Andrea noch immer voller Entdeckerfreude unterwegs.
Am Ende des Tages hatten wir wieder unzählige Eindrücke gesammelt. Goldene Kuppeln, gotische Backsteinkunst, historische Märkte, prachtvolle Altäre und jede Menge Geschichte.
Kurz gesagt: Eigentlich wollten wir heute nur ein bisschen durch Vilnius radeln. Stattdessen sind wir versehentlich auf eine kleine Pilgerreise gegangen.
Und morgen? Mal sehen. Vielleicht schauen wir zur Abwechslung mal keine Kirche an. Wobei ... wer uns kennt, weiß, wie unrealistisch dieser Plan vermutlich ist.Leer más
Waschtag deluxe und eine Nacht im Kunstpark
3 de junio, Lituania ⋅ ⛅ 23 °C
Heute stand mal wieder einer dieser Tage auf dem Programm, die auf keiner Reise fehlen dürfen: Waschen, Wasser tanken und die Versorgung sichern. Klingt erstmal wenig spektakulär, gehört aber genauso zum Reisealltag wie Burgen, Kirchen und Sonnenuntergänge.
Nach dem Frühstück machten wir uns daher zunächst auf den Weg zu einem Waschsalon etwas außerhalb von Vilnius. Dort drehten sich für die nächsten drei Stunden die Trommeln auf Hochtouren. Während Hemden, Hosen und T-Shirts ihre Wellnessbehandlung bekamen, vertrieben wir uns die Zeit und freuten uns schon auf den Duft frisch gewaschener Wäsche. Irgendwie erstaunlich, wie glücklich einen saubere Socken auf einer langen Reise machen können.
Nachdem die Wäsche wieder sauber, trocken und verstaut war, stand die nächste wichtige Mission an: Wasser tanken.
Dafür fuhren wir zu einer Quelle, die bei den Einwohnern von Vilnius äußerst beliebt ist. Viele Litauer holen sich dort regelmäßig ihr Trinkwasser. Als wir ankamen, wurde schnell klar: Das wird keine Angelegenheit von fünf Minuten.
Zunächst mussten Strom für die Pumpe gelegt und der Schlauch bis zur Quelle verlegt werden. Dann begann das geduldige Warten. Das Wasser sprudelt dort aus zwei Rohren, allerdings hatten die Einheimischen natürlich Vorrang. So füllten wir literweise Geduld nach, während sich unser Wassertank nur langsam füllte.
Nach gut zwei Stunden war es dann endlich geschafft. Grisu hatte wieder einen randvollen Tank und war bereit für die nächsten Abenteuer. Und wir hatten ausreichend Zeit, das bunte Treiben an der Quelle zu beobachten. So eine Wasserstelle ist manchmal fast geselliger als mancher Campingplatz.
Anschließend setzten wir unsere Fahrt in Richtung Europos Parkas, dem „Park Europas“, fort.
Am Nachmittag erreichten wir den weitläufigen Skulpturenpark. Der Europos Parkas wurde Anfang der 1990er Jahre gegründet und liegt nahe dem geografischen Mittelpunkt Europas. Auf einem großen Wald- und Wiesengelände verteilen sich zahlreiche moderne Kunstwerke internationaler Künstler.
Am Eingang kamen wir mit dem Kassierer ins Gespräch. Und dann geschah etwas, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten: Wir bekamen die Erlaubnis, mitten im Park zu übernachten.
Was für ein Erlebnis!
Während die letzten Besucher den Park verließen, wurde es um uns herum immer ruhiger. Plötzlich standen wir mit Grisu allein zwischen Wäldern, Wiesen und Kunstwerken. Keine Nachbarn, kein Straßenlärm, keine Menschentrauben. Nur wir, die Skulpturen und die Natur.
Irgendwie hat es etwas Besonderes, wenn man am Abend aus dem Wohnmobil schaut und statt anderer Camper moderne Kunstwerke zwischen den Bäumen entdeckt.
Jetzt genießen wir die Ruhe dieses außergewöhnlichen Ortes und freuen uns auf eine Nacht mitten im Park. Und wer weiß – vielleicht spaziert heute Nacht ja nicht nur ein Schlossgeist vorbei, sondern auch die eine oder andere Skulptur macht einen kleinen Rundgang.
Bei den Kunstwerken hier würde uns jedenfalls nichts mehr überraschen.Leer más

Liz und Thomas on tourDa habt ihr ja wirklich ein Traumplätzchen ergattert. Das war sicherlich Glücksgefühl pur 🤩.
Kunst, Wald und große Visionen
4 de junio, Lituania ⋅ ☁️ 19 °C
Nach einer herrlich ruhigen Nacht mitten im Europos Parkas wurden wir heute Morgen nicht von Straßenlärm oder Nachbarn geweckt, sondern von Vogelgezwitscher und raschelnden Blättern. Zugegeben, an so einen Stellplatz könnten wir uns durchaus gewöhnen.
Nach dem Frühstück schnappten wir uns die Fahrräder und machten uns auf den Weg, den Park in Ruhe zu erkunden. Und auch bei Tageslicht waren wir wieder beeindruckt.
Auf einer Fläche von rund 55 Hektar sind hier mehr als 100 Kunstwerke und Skulpturen ausgestellt, die von Künstlern aus 33 Ländern geschaffen wurden. Die Kunstwerke verteilen sich über Waldwege, Lichtungen und Wiesen. Hinter jeder Kurve wartet die nächste Überraschung. Mal steht dort ein riesiges Kunstwerk aus Metall, mal eine filigrane Skulptur aus Stein und manchmal etwas, bei dem man sich fragt: „Ist das Kunst oder hat hier jemand Material vergessen?“
Genau das macht den Reiz dieses Parks aus.
Besonders beeindruckend ist aber die Geschichte dahinter. Der Europos Parkas wurde 1991 von dem litauischen Bildhauer Gintaras Karosas gegründet. Damals war er gerade einmal 19 Jahre alt und hatte die Vision, nahe dem geografischen Mittelpunkt Europas einen einzigartigen Kunstpark zu schaffen.
Mit 19 Jahren hatte ich andere Visionen. Die drehten sich meist darum, wo es das günstigste Essen gab oder wie lange man ausschlafen konnte.
Gintaras Karosas hingegen beschloss kurzerhand, einen der größten Freilicht-Skulpturenparks Europas aufzubauen.
Und das Erstaunliche daran: Er verfolgt diese Idee nun seit über drei Jahrzehnten mit unglaublicher Konsequenz. Finanziert wurde das Projekt über Spenden, Sponsoren und die Unterstützung zahlreicher freiwilliger Helfer. Wenn man heute durch den Park fährt, kann man kaum glauben, dass all dies einmal mit einer Idee eines 19-Jährigen begann.
Besonders bekannt wurde der Park durch eine außergewöhnliche Installation von Gintaras Karosas selbst. Sein Kunstwerk „LNK Infotree“ brachte ihm sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ein. Die riesige Installation bestand aus mehr als 3.500 ausgedienten sowjetischen Fernsehgeräten, die von Menschen aus ganz Litauen gespendet wurden. Anlass war eine landesweite Sammelaktion des Fernsehsenders LNK.
Die Fernseher wurden auf einer gewaltigen Holzkonstruktion montiert und bildeten aus der Vogelperspektive die Form eines stilisierten Baumes. Die gesamte Anlage erstreckte sich über eine Fläche von mehr als 3.100 Quadratmetern und war damit das größte Kunstwerk der Welt aus Fernsehgeräten.
Besonders interessant ist die Symbolik des Kunstwerks. Die vielen alten sowjetischen Fernseher stehen für die jahrzehntelange Propaganda und Informationskontrolle während der Zeit der Sowjetunion. Am Ende des „Fernsehbaums“ lag eine gestürzte Lenin-Statue am Boden. Sie symbolisiert den Zusammenbruch der sowjetischen Herrschaft und das Ende einer Ideologie, die das Leben der Menschen in Litauen über Jahrzehnte geprägt hatte.
Die Idee hinter dem Kunstwerk war es, die Absurdität und Sinnlosigkeit der sowjetischen Ideologie sichtbar zu machen. Statt eines mächtigen Denkmals erhebt sich hier ein Baum aus ausrangierten Fernsehern – genau den Geräten, über die früher die staatliche Propaganda verbreitet wurde. Ein durchaus nachdenklich stimmendes Kunstwerk, das weit mehr ist als nur ein kurioser Weltrekord.
Je länger wir durch den Park fuhren, desto mehr wuchs unser Respekt vor diesem Projekt. Es ist nicht einfach nur ein Skulpturenpark, sondern der sichtbare Beweis dafür, was aus einer mutigen Idee entstehen kann.
Irgendwann meldete sich allerdings unser Magen. Offenbar verbrauchen frische Waldluft, Kunstgenuss und Fahrradfahren deutlich mehr Energie als gedacht.
Also wurde die Mittagspause kurzerhand etwas nach hinten verschoben und anschließend gründlich nachgeholt. Schließlich muss man auch auf Reisen seine Prioritäten richtig setzen.
Gut gestärkt verabschiedeten wir uns schließlich vom Europos Parkas und machten uns mit Grisu noch auf den Weg zum nahe gelegenen geografischen Mittelpunkt Europas. Dieser liegt nur wenige Kilometer vom Europos Parkas entfernt und wurde 1989 von französischen Geografen des Institut Géographique National als geografisches Zentrum Europas berechnet. Heute erinnert eine Granitsäule mit einem Kranz aus goldenen Sternen an diesen besonderen Ort.
Zugegeben, der geografische Mittelpunkt Europas präsentiert sich deutlich bescheidener, als man es vielleicht erwarten würde. Wer hier ein riesiges Besucherzentrum, blinkende Lichter oder eine europäische Blaskapelle erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen steht man auf einer ruhigen Lichtung im Grünen vor einem schlichten Denkmal. Dennoch hat es etwas Faszinierendes, an einem Punkt zu stehen, der als das geografische Herz Europas gilt. Natürlich mussten auch wir ein Erinnerungsfoto machen – wann steht man schließlich schon einmal mitten in Europa.
Hinter uns liegen Kunstwerke, Wälder und eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Vor uns warten neue Länder, neue Orte und vermutlich auch wieder die eine oder andere Kirche.
Man soll ja seinen Gewohnheiten treu bleiben.Leer más
Daugavpils im Dauerfeucht-Modus
5 de junio, Letonia ⋅ ☁️ 22 °C
In Molėtai fanden wir gestern Abend einen wunderbar ruhigen Stellplatz direkt über dem See. Perfekt zum Runterkommen – einzig das Wasser kam diesmal von unten und oben gleichzeitig in Form von See und Himmel. Heute Morgen starteten wir deshalb etwas gemütlicher in den Tag.
In Smėlynė überquerten wir dann ganz unspektakulär die Grenze nach Lettland. Kein großes Tor, kein Fanfarenzug, kein Grenzbeamter mit feierlicher Ansprache – einfach ein Schild und weiter ging’s. Europa in seiner entspanntesten Form.
Unser erstes Ziel in Lettland war Daugavpils, wo wir uns die berühmte Ordensburg Dünaburg anschauen wollten. Die Festung wurde im 19. Jahrhundert unter russischer Herrschaft erbaut und zählt zu den größten erhaltenen Festungsanlagen im Baltikum. Mit ihren massiven Mauern, Bastionen und weitläufigen Innenhöfen wirkt sie fast wie eine eigene kleine Stadt. Ursprünglich sollte sie die westlichen Grenzen des Zarenreiches sichern – heute dient sie eher als beeindruckende Zeitmaschine in eine militärische Vergangenheit.
Kaum hatten wir die ersten Gebäude erkundet und begonnen, uns einen Überblick zu verschaffen, zeigte sich allerdings die lettische Wetterrealität von ihrer klassischen Seite: Regen. Und zwar nicht dieser freundliche Nieselregen, sondern eher die Variante „alles wird nass, egal wie schnell du bist“.
Also suchten wir zunächst Zuflucht im Café „Arsenāls“. Dort konnten wir wenigstens trocken sitzen und das Wetter draußen beobachten, das weiterhin konsequent seiner Aufgabe nachging.
Da der Regen keinerlei Anzeichen von Besserung zeigte, beschlossen wir pragmatisch umzudisponieren und noch schnell zum Einkaufen zu fahren. Ein klassischer Camping-Plan B: Wenn Sightseeing nicht geht, wird der Kühlschrank optimiert.
Nach dem Einkauf war das Wetter allerdings immer noch überzeugt, dass es heute der Hauptdarsteller ist. Also entschieden wir uns, den Nachmittag kulturell „indoor-tauglich“ zu gestalten und besuchten die orthodoxe Kathedrale der Heiligen Boris und Gleb.
Die Kathedrale gehört zu den markantesten Sakralbauten in Daugavpils. Mit ihren leuchtenden blau-goldenen Kuppeln im russisch-byzantinischen Stil hebt sie sich deutlich von der restlichen Stadtarchitektur ab. Die Kirche wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und diente lange Zeit als Garnisonskirche. Heute ist sie ein wichtiges Zentrum der orthodoxen Gemeinde.
Im Inneren erwartet einen eine klassisch orthodoxe Pracht: reich verzierte Ikonen, goldene Elemente und eine ruhige, fast meditative Atmosphäre, die im starken Kontrast zum trüben Wetter draußen steht. Während der Regen gegen die Kuppeln trommelte, wirkte das Innere fast wie ein schützender Gegenpol zur Außenwelt.
So verbrachten wir den Tag zwischen Festungsmauern, Regenwolken, Supermarktgängen und goldenen Kirchenkuppeln – ein typischer Reisetag eben, an dem der Plan ungefähr so stabil ist wie das Wetter.
Aber immerhin: Grisu ist trocken, der Kühlschrank gefüllt, und Lettland hat uns schon am ersten Tag gezeigt, dass es auch ohne Sonne beeindruckend sein kann.Leer más

ViajeroIch hatte alle Mühe ihn davon abzuhalten, das Glockenseil zu ziehen. Der Turm ist von jedem ohne Aufsicht zu erklimmen. Aber wir wären die Leitern nicht schnell genug hinunter gekommen wenn er eingeläutet hätte.😂
Regenflucht mit Schlossbesichtigung
6 de junio, Letonia ⋅ 🌧 16 °C
In Aglona hatten wir gestern Abend direkt am See einen wunderschönen und vor allem herrlich ruhigen Stellplatz gefunden. Die Aussicht war traumhaft, die Nacht angenehm ruhig und eigentlich hätten wir dort noch länger bleiben können. Eigentlich.
Denn heute Morgen hatte der Wettergott offenbar andere Pläne. Kaum waren wir wach, trommelte der Regen wieder aufs Dach von Grisu. Also blieb uns nichts anderes übrig, als die Regenflucht anzutreten und die Weiterreise in Angriff zu nehmen.
Unser erstes Ziel war das kleine Städtchen Cesvaine, wo das beeindruckende Schloss Seßwegen auf uns wartete.
Das Schloss wurde Ende des 19. Jahrhunderts für Baron Adolf von Wulf erbaut und gilt als eines der schönsten Beispiele des Historismus in Lettland. Die Architekten kombinierten Elemente der Gotik, der Renaissance und der Romanik zu einem Bauwerk, das fast wie ein Märchenschloss wirkt. Mit seinen Türmen, Erkern, Natursteinfassaden und den kunstvoll gestalteten Dächern macht das Schloss schon von außen ordentlich Eindruck.
Und tatsächlich präsentiert sich das Gebäude von außen in einem erstaunlich guten Zustand. Man könnte fast meinen, der Baron käme jeden Moment mit seiner Kutsche um die Ecke gefahren.
Im Inneren zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Ein verheerender Brand im Jahr 2002 richtete große Schäden an. Seitdem wird das Schloss Stück für Stück restauriert. Einige Räume erstrahlen bereits wieder in altem Glanz und geben einen Eindruck davon, wie prachtvoll das Schloss einst gewesen sein muss. Andere Bereiche warten dagegen noch auf ihre Wiedergeburt und wirken eher wie eine Mischung aus Baustelle und Zeitreise.
Gerade dieser Kontrast macht den Besuch aber besonders interessant. Man sieht nicht nur ein Schloss, sondern auch die gewaltige Arbeit, die nötig ist, um solch ein historisches Gebäude für kommende Generationen zu erhalten.
Nach unserem Rundgang durch die Gemäuer machten wir uns wieder auf den Weg. Die lettischen Straßen führten uns durch endlose Wälder, vorbei an kleinen Dörfern und Seen in Richtung Norden.
Am späten Nachmittag fanden wir schließlich kurz vor der estnischen Grenze einen ganz besonderen Stellplatz. Solche Orte sind schwer zu beschreiben. Man kommt an, steigt aus, schaut sich um und weiß sofort: Hier bleiben wir.
Während Grisu seinen Platz für die Nacht bezog, genossen wir die Ruhe und die Natur um uns herum. Kein Verkehrslärm, keine Menschenmassen, nur Vogelstimmen und das Rascheln der Bäume im Wind und ein wunderschöner Sonnenuntergang.
Manchmal sind es eben nicht die großen Sehenswürdigkeiten, die einen Reisetag besonders machen. Manchmal reicht ein altes Schloss, ein paar Kilometer durch die lettischen Wälder und ein Stellplatz, bei dem man sich fragt, warum man eigentlich jemals auf Campingplätze gefahren ist.
Jetzt genießen wir den Abend und freuen uns auf morgen. Dann wartet schon das nächste Land auf uns: Estland.Leer más
Ein Tag voller Nichtstun
7 de junio, Estonia ⋅ ☀️ 23 °C
und das war wunderbar😍
Gestern stand etwas auf dem Programm, das auf Reisen viel zu selten vorkommt: absolut gar nichts.
Von unserem wunderschönen Stellplatz kurz vor der lettisch-estnischen Grenze fuhren wir gemütlich die letzten rund 30 Kilometer nach Estland. Der Grenzübertritt verlief dabei genauso unspektakulär wie schon zuvor. Kein Schlagbaum, keine Kontrolle, kein Grenzer mit strengem Blick. Lediglich ein kleiner Grenzpfosten und ein Schild verrieten uns, dass wir nun in Estland angekommen waren.
Oh wie schön ist Europa. Man fährt los, überquert eine Landesgrenze und merkt es oft erst, wenn plötzlich die Straßenschilder etwas anders aussehen.
Unser Ziel war Võnnu Mahetalu, ein ehemaliger Kolchosen-Bauernhof von Evelyn und Lennart. Hier fanden wir einen herrlich ruhigen Stellplatz mitten auf dem Land. Genau der richtige Ort für das, was wir uns vorgenommen hatten: nichts.
Und das haben wir dann auch äußerst konsequent umgesetzt.
Das Wetter zeigte sich endlich von seiner besten Seite. Also wurden die Campingstühle ausgeklappt, die Sonne genossen und sämtliche sportlichen Ambitionen erfolgreich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Zwischendurch wurde natürlich der Grill angeheizt. Schließlich gehört Grillen bei Sonnenschein zu den wichtigsten Aufgaben eines Wohnmobilreisenden. Wissenschaftlich belegt ist das zwar nicht, aber es fühlt sich absolut richtig an.
Während andere Menschen Wanderungen planen, Sehenswürdigkeiten besichtigen oder Museen besuchen, haben wir uns der hohen Kunst des Entspannens gewidmet. Die Disziplin beherrschen wir mittlerweile fast auf Profi-Niveau.
So verging der Tag zwischen Sonne, gutem Essen, Vogelgezwitscher und völliger Entschleunigung. Keine Termine, keine Kilometerjagd und keine Besichtigungslisten.
Manchmal sind die schönsten Reisetage eben genau die, an denen man am Abend sagen kann: Heute haben wir nichts gemacht. Und das war perfekt.Leer más

ViajeroWie ist das aktuell im Baltikum mit Mücken, in Finnland werden ja aktuell alle schier aufgefressen?

Womo TravelerHier ist es gut auszuhalten, wir stehen fast immer irgendwo am Wasser und mussten noch nirgendwo flüchten.
Tartu, Studentenstadt mit ganz viel Charme
8 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 22 °C
Nach unserem entspannten Nichtstun-Tag gestern wurde es heute wieder Zeit für etwas Kultur. Also machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands.
Tartu gilt als geistiges und kulturelles Zentrum des Landes. Hier befindet sich die älteste und größte Universität Estlands, die bereits 1632 gegründet wurde. Entsprechend jung, lebendig und gleichzeitig erstaunlich entspannt wirkt die Stadt.
Am Fluss Emajõgi fanden wir außerhalb des Zentrums an einem kleinen Strandabschnitt einen wunderschönen Stellplatz. Der Fluss verbindet den Peipussee mit dem Võrtsjärv und schlängelt sich mitten durch die Stadt. Nachdem Grisu seinen Platz bezogen hatte, wurden die Fahrräder abgeladen und die Stadterkundung konnte beginnen.
Schon nach den ersten Kilometern waren wir positiv überrascht. Tartu wirkt angenehm ruhig, fast entschleunigt. Keine hektischen Menschenmassen, kein Großstadtstress. Stattdessen gepflegte Straßen, hübsche Häuser und viele Grünflächen. Irgendwie hat die Stadt genau die richtige Mischung aus Geschichte, Kultur und Gelassenheit.
Natürlich führte uns unser Weg auch zum Rathausplatz. Die farbenfrohen historischen Gebäude rund um den Platz verleihen dem Zentrum einen ganz besonderen Charme. Hier scheint man das Leben etwas langsamer und entspannter anzugehen – ganz nach unserem Geschmack.
Das eigentliche Highlight des Tages war für uns jedoch der Dom von Tartu.
Genauer gesagt: die Ruine des Doms.
Die mächtige Backsteinkathedrale wurde im 13. Jahrhundert erbaut und gehörte einst zu den größten Kirchen des Baltikums. Nach der Reformation verlor sie jedoch ihre Bedeutung und verfiel über die Jahrhunderte zunehmend. Kriege, Brände und politische Umwälzungen hinterließen ihre Spuren.
Heute strecken sich große Teile der Außenmauern noch immer beeindruckend in den Himmel, während andere Bereiche längst verschwunden sind. Genau das macht den besonderen Reiz des Bauwerks aus. Der Dom ist weder vollständig erhalten noch vollständig zerstört – er befindet sich irgendwo dazwischen.
Man könnte sagen: Er ist eine Ruine mit Würde.
Während viele historische Gebäude auf Hochglanz restauriert werden, zeigt der Dom von Tartu ganz offen seine Narben der Vergangenheit. Und gerade deshalb wirkt er unglaublich beeindruckend. Die alten Mauern erzählen ihre Geschichte oft eindrucksvoller als manch perfekt restauriertes Schloss.
Nachdem wir den Dom ausgiebig erkundet hatten, fuhren wir noch durch verschiedene Straßen und Gassen der Altstadt. Überall entdeckten wir schöne Fassaden, liebevoll restaurierte Häuser und kleine Details, die Tartu seinen besonderen Charakter verleihen.
Irgendwann wurde es dann Zeit für den nächsten Programmpunkt. Also machten wir uns auf den Weg zum Botanischen Garten. Doch darüber gibt es einen eigenen Footprint, denn der hat definitiv seine eigene Geschichte verdient.
So endet unser erste Hälfte des Tages in Tartu mit vielen positiven Eindrücken. Die Stadt hat uns auf Anhieb gefallen. Sie ist vielleicht nicht die spektakulärste Metropole Europas, aber genau das macht ihren Reiz aus.
Und seien wir ehrlich: Ein Dom, der seit Jahrhunderten halb Ruine und halb Kathedrale ist, passt eigentlich perfekt zu unserer Reise. Schließlich mögen wir Orte mit Charakter deutlich lieber als geschniegelt und gestriegelte Perfektion.Leer más

ViajeroIn Tartu auf dem Markt bekommt man leckere eingelegte Gurken. Außerdem kann man bei einem Spaziergang viel StreetArt bewundern (unsere Reise mit dem Titel" Nord/Nordost 2023")

ViajeroSehr interessant - und so treffend locker beschrieben. Diesen Teil Estlands hatten wir letzten Sommer (leider) ausgelassen. Umso schöner, nochmals mit euch "in Estland zu reisen". Danke.
Ein Nachmittag zwischen Pfingstrosen und Palmen
8 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 23 °C
Am Nachmittag erreichten wir den Botanischen Garten von Tartu, der direkt am Ufer des Emajõgi und nur wenige Schritte vom Stadtzentrum entfernt liegt. Bereits beim Betreten wurde uns klar, warum dieser Garten zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört.
Der Botanische Garten wurde bereits 1803 von der Universität Tartu gegründet und zählt zu den ältesten botanischen Gärten im Baltikum. Ursprünglich diente er der Forschung und Ausbildung der Studenten, heute ist er gleichzeitig ein wunderschöner Erholungsort für Einheimische und Besucher.
Besonders bekannt ist der Garten für seine beeindruckende Sammlung von Pfingstrosen. Und wir hatten das Glück, genau zur richtigen Zeit dort zu sein. Überall leuchteten die prachtvollen Blüten in den unterschiedlichsten Farben. Von zartem Weiß über Rosa bis hin zu kräftigem Rot war alles vertreten. Manche Blüten waren so groß, dass sie aussahen, als hätten sie heimlich einen eigenen Dünger-Lieferservice bestellt.
Die gesamte Außenanlage ist wunderschön angelegt und hervorragend gepflegt. Liebevoll gestaltete Beete, alte Bäume, kleine Wege und zahlreiche Sitzgelegenheiten laden dazu ein, einfach gemütlich durch den Garten zu schlendern. Wer einmal nach Tartu kommt, sollte sich für diesen Ort unbedingt etwas Zeit nehmen. Hier kann man wunderbar entschleunigen und die Seele baumeln lassen.
Nachdem wir die Außenanlagen ausgiebig erkundet hatten, zog es uns noch in das große Tropenhaus.
Und plötzlich fühlten wir uns nicht mehr wie in Estland, sondern eher wie irgendwo zwischen Amazonas und Südostasien.
Auf mehreren Ebenen wachsen dort tropische und subtropische Pflanzen aus aller Welt. Palmen, Bananenstauden, Kakteen, Farne und zahlreiche exotische Pflanzen schaffen eine völlig andere Welt. Während draußen die estnische Sommerluft wehte, herrschte drinnen ein angenehm feuchtwarmes Klima. Nach wenigen Minuten wusste sogar meine Kamera, wie sich eine Brille beim Betreten einer Sauna fühlen muss.
Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Pflanzen. Hinter jeder Ecke wartete eine neue Überraschung. Man merkt sofort, dass hier nicht nur Pflanzen gesammelt, sondern auch über viele Jahrzehnte gepflegt und erforscht werden.
Nach unserem Besuch machten wir uns ganz entspannt auf den Rückweg. Gemütlich radelten wir entlang des Emajõgi zurück zu unserem schönen Stellplatz. Die Abendsonne spiegelte sich auf dem Wasser, die Stadt wurde langsam ruhiger und wir ließen den Tag noch einmal Revue passieren.
Ein Dom als halbe Ruine, eine entspannte Studentenstadt, tausende Blüten und ein kleiner Ausflug in die Tropen – für einen einzigen Tag in Tartu war das schon eine ganze Menge.
Und während wir am Abend vor Grisu saßen, waren wir uns einig: Manchmal braucht es gar keine spektakulären Attraktionen. Ein schöner Garten, ein ruhiger Fluss und ein paar außergewöhnlich große Pfingstrosen reichen völlig aus, um einen gelungenen Reisetag zu haben.Leer más
Zum östlichsten Punkt unserer Reise
9 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 17 °C
Heute war wieder einer dieser klassischen Campertage, an denen eigentlich gar nichts Besonderes geplant ist – und am Ende trotzdem jede Menge passiert.
Die Nacht über hatte der Regen unermüdlich auf Grisu getrommelt. Irgendwann klang das fast wie ein kostenloses Wellnessprogramm mit Einschlafgarantie. Entsprechend ließen wir es am Morgen etwas gemütlicher angehen und gönnten uns eine Extraportion Schlaf.
Nach dem Frühstück stand zunächst eine der wichtigsten Disziplinen des mobilen Reisens auf dem Programm: Einkaufen. Ein Vergnügen, das erstaunlicherweise nie von der To-do-Liste verschwindet. Kaum hat man den Kühlschrank gefüllt, behauptet er schon wieder, leer zu sein.
Danach machten wir uns auf die Suche nach einer Wasserstelle. Schließlich sind volle Wassertanks für Camper ungefähr so wichtig wie Kaffee am Morgen.
An der Wasserstelle angekommen trafen wir auf einige andere Camper. Und wie das unter Reisenden nun einmal so ist, kommt man schnell ins Gespräch. Erst wird gefragt, woher man kommt, dann wohin man fährt, anschließend werden Stellplätze, Reiseerlebnisse und Geheimtipps ausgetauscht. Und ehe man sich versieht, hat die Uhr einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht.
Direkt neben der Wasserstelle befand sich praktischerweise ein kleiner Imbiss. Da es mittlerweile Mittag geworden war, beschlossen wir, dort eine Kleinigkeit zu essen. Aus der Kleinigkeit wurde leckerer Fisch, und während wir auf unser Essen warteten, kamen wir mit einem sehr netten estnischen Ehepaar ins Gespräch.
Was als kurzer Plausch begann, entwickelte sich zu einer ausgesprochen netten Unterhaltung. Wir tauschten Reisegeschichten aus, lachten viel und stellten fest, dass Reisende überall auf der Welt erstaunlich schnell gemeinsame Themen finden.
Irgendwann bemerkten wir, dass erneut anderthalb Stunden vergangen waren. Nachdem wir Telefonnummern ausgetauscht hatten und von den beiden zu einem Besuch bei Ihnen auf unserer Rückreise eingeladen wurden, mussten wir irgendwann doch weiterfahren. Sonst würden wir vermutlich immer noch dort sitzen.
Nach rund 50 Kilometern erreichten wir schließlich den östlichsten Punkt unserer Reise: das kleine Dorf Vasknarva am Fluss Narva.
Ein wirklich besonderer Ort.
Auf der anderen Seite des Flusses liegt bereits Russland. Genauer gesagt konnten wir direkt auf das russische Dorf Skam'ya blicken. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, auf der einen Seite Europas zu stehen und nur wenige Meter entfernt ein anderes Land zu sehen.
Der Fluss bildet hier die Grenze zwischen der Europäischen Union und Russland. Trotzdem wirkte alles erstaunlich ruhig und friedlich. Keine Hektik, keine sichtbaren Spannungen, keine dramatischen Filmszenen mit Grenzsoldaten. Nur ein ruhiger Fluss, einige Fischer und eine friedliche Landschaft.
Manchmal sieht eine Weltgrenze eben überraschend unspektakulär aus.
Am Nachmittag machten wir uns schließlich auf den Weg nach Kuremäe. Dort fanden wir einen schönen Platz direkt vor dem berühmten Kloster, das wir uns morgen in Ruhe anschauen möchten.
So ging wieder ein typischer Reisetag zu Ende. Eigentlich wollten wir nur Wasser tanken und ein paar Kilometer fahren.
Stattdessen haben wir neue Bekanntschaften geschlossen, Telefonnummern ausgetauscht, Fisch gegessen, internationale Freundschaften geknüpft und ganz nebenbei noch den östlichsten Punkt unserer gesamten Baltikumreise erreicht.
Manchmal sind die ungeplanten Tage eben die besten.Leer más
Hinter Klostermauern und bunten Bienenstöcken
10 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 16 °C
Heute Morgen hatte der Regen endlich ein Einsehen mit uns. Kaum hatten sich die dunklen Wolken verzogen, machten wir uns auf den Weg zum berühmten Kloster von Kuremäe.
Schon beim Näherkommen beeindruckte uns die große orthodoxe Klosteranlage. Auf einer Anhöhe über der umliegenden Landschaft gelegen, wirkt das Kloster schon von Weitem sehr imposant. Die Gebäude sind außergewöhnlich gepflegt und die charakteristischen Kuppeln und Türme ragen über die Klostermauern hinaus. Zusammen mit den gepflegten Grünanlagen ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild.
Das Kloster Kuremäe, offiziell Pühtitsa-Kloster genannt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und ist bis heute das einzige aktive russisch-orthodoxe Nonnenkloster Estlands. Rund um die Anlage leben und arbeiten zahlreiche Nonnen, die das Kloster bis heute betreiben und pflegen. Trotz seiner bewegten Geschichte – von der Zarenzeit über die Sowjetherrschaft bis in die Gegenwart – blieb das Kloster durchgehend bestehen und gilt heute als eines der wichtigsten orthodoxen Zentren im Baltikum.
Durch das große Eingangstor betritt man eine andere Welt. Das reich verzierte Tor wirkt beinahe wie der Eingang zu einer kleinen Festung und trennt den Alltag von der ruhigen Atmosphäre innerhalb der Mauern.
Im Mittelpunkt der Anlage steht die prachtvolle Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Mit ihren markanten orthodoxen Kuppeln, den Kreuzen und den kunstvollen Verzierungen ist sie ein beeindruckendes Beispiel russisch-orthodoxer Baukunst. Die Kirche wirkt von außen bereits sehr eindrucksvoll und vermittelt mit ihren Formen und Farben den typischen Charakter orthodoxer Sakralarchitektur. Im Inneren entfaltet sie ihre ganz eigene Atmosphäre aus Ikonen, Kerzenlicht und jahrhundertealter Tradition.
Besonders gefallen hat uns auch die Parkanlage. Zwischen den Gebäuden wachsen zahlreiche Obstbäume, die dem Kloster fast den Charakter eines großen Gartens verleihen. Überall blühte und grünte es, und die gepflegten Wege luden zum gemütlichen Spazieren ein.
Ein echter Hingucker waren die vielen bunt bemalten Bienenstöcke. Sie standen ordentlich aufgereiht zwischen den Grünflächen und sorgten mit ihren kräftigen Farben für fröhliche Akzente. Die fleißigen Bewohner schienen dabei deutlich beschäftigter zu sein als wir.
Nach dem Rundgang hieß es Abschied nehmen und weiterfahren. Wir verließen die Klostermauern und machten uns auf den Weg Richtung Tallinn.
Hinter uns lagen beeindruckende Klostermauern, eine prachtvolle Kirche, alte Obstgärten und bunte Bienenstöcke. Eine Kombination, die man nicht alle Tage erlebt. Genau solche besonderen Orte abseits der großen Touristenströme sind es, die unsere Reise durch das Baltikum immer wieder zu etwas Besonderem machen.
Und ganz nebenbei haben wir wieder festgestellt: Nicht nur Burgen und Schlösser können beeindrucken. Manchmal reichen ein paar Nonnen, ein wunderschöner Klostergarten und einige äußerst fleißige Bienen, um einen Reisetag unvergesslich zu machen.Leer más
Zwischen Gutshaus, Moor und Waldsee
10 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 18 °C
Vom Kloster aus ging es für uns weiter durch die typisch estnische Bilderbuchlandschaft. Sanfte Hügel, endlose Wälder und überall blühende Wiesen, die gerade in voller Pracht standen. Besonders die Wildblumen entlang der Straßen haben es uns angetan – Estland wirkt im Moment wie ein einziges, großflächiges Naturgemälde.
Nach etwa 1,5 Stunden Fahrt erreichten wir Palmse und damit eines der bekanntesten Gutshäuser des Landes: das barocke Gut Palmse.
Das Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert und war einst im Besitz der deutschbaltischen Adelsfamilie von der Pahlen. Diese Familie gehörte zu den einflussreichen Gutsbesitzern in der Region und prägte über Jahrhunderte die Entwicklung des Landguts. Das Ensemble wurde im typisch barocken Stil angelegt: ein repräsentatives Hauptgebäude, symmetrische Nebenbauten und ein großzügiger Park.
Heute ist das Gut sorgfältig restauriert und gilt als eines der schönsten Gutshäuser Estlands. Es vermittelt einen sehr guten Eindruck davon, wie der baltische Adel einst lebte.
Nach einem entspannten Rundgang und einer wohlverdienten Kaffeepause setzten wir unsere Fahrt fort.
In der Nähe von Kolga erreichten wir schließlich den Nationalpark Lahemaa, einen der ältesten und größten Nationalparks Estlands. Besonders bekannt ist er für seine ausgedehnten Moorlandschaften, die hier fast schon mystisch wirken.
Über gut angelegte Holzbohlenwege ging es hinein ins Moor. Links und rechts nichts als Wasserflächen, Moospolster und kleine Kiefern, die sich tapfer an das karge Leben in dieser Landschaft angepasst haben. Ein Moor ist im Grunde ein riesiges, langsam wachsendes Ökosystem aus Torf, Wasser und Geduld – sehr viel Geduld.
Vom Aussichtsturm aus hatten wir schließlich einen beeindruckenden Blick über das gesamte Gebiet. Von oben wirkt das Moor fast wie eine fremde Landschaft: endlos, ruhig und irgendwie zeitlos. Kein Straßenlärm, kein Stress, nur Natur in ihrer ganz eigenen Geschwindigkeit.
Nach dieser kleinen Wanderung ging es für uns weiter auf Stellplatzsuche. Und wie so oft in Estland wurden wir auch diesmal fündig.
Mitten im Wald, direkt an einem See, fanden wir wieder einen dieser Plätze, bei denen man sofort weiß: Hier bleiben wir.
Keine Nachbarn, kein Lärm, nur Wasser, Bäume und absolute Ruhe. Grisu hat seinen Platz gefunden, wir haben unseren Frieden gefunden – und das Moor scheint noch ein bisschen in unseren Gedanken nachzuwirken.
So endet ein Tag, der eigentlich alles hatte: Barock, Geschichte, Holzstege im Moor und einen See mitten im Wald als Abschluss.
Man könnte fast sagen: Estland hat heute wieder ein bisschen übertrieben.Leer más
Vom Waldsee zum Wasserfall
11 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 17 °C
Die Nacht an unserem Stellplatz mitten im Wald war herrlich ruhig. Kein Verkehr, keine Nachbarn, kein Lärm – nur das leise Rascheln der Bäume und gelegentlich das Gequake irgendeines Bewohners des Sees. So lässt es sich aushalten.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Jägala-Wasserfall, dem größten natürlichen Wasserfall Estlands.
Schon beim ersten Blick wird klar, warum dieser Ort so beliebt ist. Der Wasserfall ist rund 50 Meter breit und etwa 8 Meter hoch. Besonders auffällig sind die braunen Wasserstreifen, die sich über die Felskante ziehen. Diese Färbung stammt vom Moorwasser, das reich an Huminstoffen ist und dem Wasser seine typische bernsteinbraune Farbe verleiht. Dadurch wirkt der Wasserfall fast so, als hätte jemand mit einem riesigen Pinsel braune Streifen in die Landschaft gemalt.
Auch wenn er nicht mit den gigantischen Wasserfällen anderer Kontinente mithalten kann, besitzt der Jägala-Wasserfall seinen ganz eigenen Charme. Die breite Wasserkante, das tosende Wasser und die umliegende Natur bilden ein wunderschönes Gesamtbild. Im Winter friert der Wasserfall teilweise zu und verwandelt sich in eine riesige Eiswand – heute waren wir allerdings froh, dass das Wasser noch flüssig war.
Nach unserem Besuch ging es weiter nach Tallinn.
Dort wartete bereits ein Wiedersehen, auf das wir uns schon lange gefreut hatten. Monika und Otto, die wir auf einer unserer Marokko-Reisen kennengelernt haben, sind ebenfalls hier. Es ist schon erstaunlich, wie viele nette Bekanntschaften man auf Reisen macht – und wie schnell man sich wieder fühlt, als hätte man sich erst gestern gesehen.
Die Begrüßung fiel entsprechend herzlich aus, und wir freuten uns schon auf ein paar gemeinsame Tage in Estland.
Leider hatte das Wetter mal wieder andere Pläne.
Am Nachmittag zog sich der Himmel zu und kurz darauf begann es zu regnen. Und diesmal war es kein kurzer Schauer, sondern eher die Kategorie „Ich habe heute frei und bleibe den ganzen Tag“.
So mussten unsere gemeinsamen Unternehmungen zunächst verschoben werden. Statt Stadtbesichtigung und Erkundungstouren gab es erstmal gemütliches Beisammensein, Reisegeschichten und die Hoffnung auf bessere Wetterbedingungen.
Aber immerhin: Schlechte Tage mit Freunden sind deutlich angenehmer als schlechte Tage ohne Freunde.
Und die Wettervorhersage macht Hoffnung. Morgen soll die Sonne wieder das Kommando übernehmen.
Bis dahin genießen wir die Vorfreude auf Tallinn, auf die gemeinsame Zeit mit Monika und Otto und hoffen, dass der Regen heute Nacht endlich genug getrommelt hat. Grisu hat schließlich schon ein komplettes Baltikum-Konzert erlebt.Leer más
Eine Stadt zum Verlieben
12 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 16 °C
Nachdem der Regen die ganze Nacht fleißig auf Grisu eingetrommelt hatte, sah es am Morgen zunächst nicht nach einem idealen Tag für eine Stadtbesichtigung aus. Doch gegen späten Vormittag hatte der Wettergott endlich ein Einsehen mit uns. Die Wolken rissen auf, die ersten Sonnenstrahlen zeigten sich und sofort war klar: Räder raus, Freunde einsammeln und ab nach Tallinn!
Schon nach den ersten Metern durch die Altstadt waren wir begeistert. Tallinn gehört ohne Zweifel zu den schönsten Städten, die wir auf dieser Reise bisher besucht haben. Die mittelalterliche Altstadt zählt zum UNESCO-Welterbe und wirkt an vielen Stellen wie eine Filmkulisse.
Überall führen verwinkelte Kopfsteinpflastergassen zwischen alten Kaufmannshäusern hindurch. Hinter jeder Ecke wartet ein neuer Platz, ein historisches Gebäude oder eine gemütliche Terrasse. Statt einem festen Plan zu folgen, ließen wir uns einfach treiben – und genau das war die richtige Entscheidung.
Besonders beeindruckend ist der Rathausplatz mit seinem gotischen Rathaus. Umgeben von farbenfrohen Bürgerhäusern und kleinen Cafés bildet er das Herz der Altstadt. Hier herrscht ein lebendiges Treiben, ohne dass es hektisch wirkt.
Immer wieder entdeckten wir wunderschöne Kirchen. Die mächtige Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren schwarzen Zwiebeltürmen und den reich verzierten Fassaden ist schon von Weitem ein Blickfang. Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich die Domkirche auf dem Domberg, die seit Jahrhunderten das Stadtbild prägt.
Von den Aussichtspunkten auf dem Toompea-Hügel boten sich fantastische Blicke über die roten Ziegeldächer der Altstadt bis hin zum Hafen und zur Ostsee. An solchen Orten bleibt man automatisch länger stehen als geplant. Zumindest solange, bis jemand fragt, ob es nicht Zeit für einen Kaffee wäre.
Und genau so verging der Tag. Eine schöne Gasse führte zur nächsten, aus einem kurzen Fotostopp wurde eine kleine Pause und aus einer kleinen Pause wurde manchmal eine größere. Ehe wir uns versahen, zeigte die Uhr bereits kurz vor 19 Uhr.
Also machten wir uns langsam auf den Rückweg zu Grisu.
Dort wartete bereits das nächste Highlight des Tages. Der Grill wurde aufgebaut, das Lagerfeuer entfacht und schon kurze Zeit später saßen wir gemeinsam mit Monika und Otto gemütlich beisammen.
Während die Flammen knisterten, wurden Reisegeschichten erzählt, Erinnerungen an Marokko ausgetauscht und natürlich auch neue Pläne geschmiedet. Solche Abende kann man nicht planen – sie entstehen einfach.
So ging ein wunderschöner Tag zu Ende. Tallinn hat uns mit seinen Gassen, Kirchen, Türmen und Plätzen vollkommen begeistert. Und als wäre das nicht schon genug gewesen, durften wir den Abend mit guten Freunden am Lagerfeuer ausklingen lassen.
Manchmal sind es genau diese Tage, die eine Reise unvergesslich machen: morgens noch Regen, tagsüber eine Traumstadt und abends Lagerfeuerromantik mit Freunden.
Viel besser wird es eigentlich nicht.Leer más
Rummu, von Gefängnismauern, versunkenen Gebäuden
14 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 13 °C
Gestern stand ein ganz besonderer Ort auf unserer Liste – einer dieser Plätze, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Unser Ziel war das ehemalige Gefängnis von Rummu.
Schon bei der Ankunft wird klar: Das ist kein gewöhnliches Museum. Das ehemalige Gefängnis aus Sowjetzeiten ist heute ein sogenannter Lost Place, den man auf eigene Faust erkunden kann. Verlassene Gebäude, offene Zellentüren, lange Flure und der sichtbare Zahn der Zeit verleihen dem Gelände eine ganz besondere Atmosphäre.
Zum Glück gibt es einen hervorragenden Audioguide, der nicht nur die Geschichte erklärt, sondern dies auch noch mit einer guten Portion Humor tut. So wurde aus einem Rundgang durch ein ehemaliges Gefängnis überraschenderweise eine ziemlich unterhaltsame Angelegenheit.
Das Gefängnis wurde während der Sowjetzeit betrieben und war eng mit dem angrenzenden Kalksteinbruch verbunden. Viele der Häftlinge mussten dort Zwangsarbeit leisten und unter teilweise sehr harten Bedingungen Kalkstein abbauen. Die Gefangenen verbrachten ihre Tage im Steinbruch und ihre Nächte hinter den Gefängnismauern – keine Kombination, die man sich für den Urlaub wünschen würde.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Gefängnis schließlich geschlossen. Die Pumpen, die das Grundwasser aus dem Steinbruch fernhielten, wurden abgeschaltet. Was dann geschah, ging erstaunlich schnell: Das Wasser eroberte sich sein ursprüngliches Gebiet zurück.
Der ehemalige Steinbruch lief voll und verwandelte sich in den heutigen Rummu-See.
Und genau dieser Kontrast macht den Ort so faszinierend.
Wo früher Gefangene schwer arbeiten mussten, glitzert heute ein türkisblauer See in der Sonne. Einige Gebäude des ehemaligen Steinbruchs wurden vom Wasser verschluckt. Dächer, Mauern und andere Gebäudeteile ragen noch heute aus dem Wasser heraus und verleihen dem See ein fast surreal wirkendes Aussehen.
Mittlerweile hat sich Rummu zu einem beliebten Bade- und Tauchspot entwickelt. Taucher können dort die versunkenen Bauwerke erkunden, die heute auf dem Grund des Sees liegen. Vermutlich einer der wenigen Orte der Welt, an denen man gleichzeitig Industriegeschichte, Lost Place und Badesee erleben kann.
Natürlich durfte auch der berühmte Ascheberg nicht fehlen. Genau genommen handelt es sich um einen riesigen Abraumhügel aus den Zeiten des Kalksteinabbaus. Durch seine helle Farbe wirkt er fast wie ein kleiner Gebirgszug oder eine überdimensionierte Sanddüne mitten in Estland.
Von oben bietet sich ein fantastischer Blick über das gesamte Gelände. Auf der einen Seite der türkisblaue See, auf der anderen die verlassenen Gefängnisgebäude und dazwischen die Überreste einer bewegten Vergangenheit.
Je länger wir dort unterwegs waren, desto mehr wurde uns bewusst, wie außergewöhnlich dieser Ort ist. Rummu vereint Geschichte, Natur und Abenteuer auf eine Weise, die man kaum erwartet.
Und während wir durch die alten Gebäude liefen, fragten wir uns immer wieder, wie die ehemaligen Insassen wohl reagieren würden, wenn sie wüssten, dass heute Touristen freiwillig Eintritt bezahlen, um ihre ehemalige Haftanstalt zu besichtigen.
Die Antwort würden wir wirklich gerne hören.
So blieb Rummu für uns einer der außergewöhnlichsten Orte unserer bisherigen Baltikum-Reise – ein Platz, an dem sich die Geschichte nicht versteckt, sondern an jeder Ecke sichtbar bleibt.Leer más
Historische Gleise und entspannte Seemomente
14 de junio, Estonia ⋅ 🌧 15 °C
Nach so viel Geschichte, Gefängnismauern und frischer Seeluft in Rummu war erstmal eine Kaffeepause fällig. Gut gestärkt setzten wir anschließend unsere Reise in Richtung Hapsalu fort.
Dort stand das Eisenbahn- und Kommunikationsmuseum auf unserem Programm. Schon der historische Bahnhof ist einen Besuch wert. Das Bahnhofsgebäude stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und gehörte einst zu den repräsentativsten Bahnhöfen Estlands. Besonders bekannt ist der außergewöhnlich lange, überdachte Bahnsteig. Dieser wurde seinerzeit eigens für den Besuch des russischen Zaren gebaut, damit dieser bei Wind und Wetter trockenen Fußes aus seinem Zug steigen konnte. Nicht schlecht für einen Bahnhof in einer kleinen Küstenstadt.
Heute beherbergt das Gelände das Eisenbahn- und Kommunikationsmuseum. Hier sind verschiedene historische Lokomotiven, Waggons und Eisenbahntechnik ausgestellt. Einige der Fahrzeuge kann man aus nächster Nähe betrachten, andere leider nur durch einen Zaun. Das ist ein wenig schade, denn gerade bei alten Lokomotiven juckt es einen doch in den Fingern, einmal näher heranzugehen und die vielen Details zu entdecken.
Trotzdem macht das Museum Spaß. Zwischen alten Signalen, Telefontechnik und historischen Eisenbahnfahrzeugen lässt sich wunderbar in vergangene Zeiten eintauchen. Man bekommt einen guten Eindruck davon, wie Reisen früher funktioniert hat – als Fahrkarten noch aus Papier waren und man nicht alle fünf Minuten aufs Handy schauen musste.
Nach unserem Rundgang ging es weiter durch die wunderschöne estnische Landschaft. Nur wenige Kilometer später fanden wir wieder einen dieser Stellplätze, bei denen man sich fragt, warum man überhaupt jemals weiterfahren sollte.
Direkt an einem See, umgeben von Wald und Vogelgezwitscher, stand Grisu für die Nacht perfekt. Da die Sonne heute endlich einmal zeigte, was sie eigentlich kann, war die Entscheidung schnell getroffen: Hängematte raus!
Kurz darauf hing ich gemütlich zwischen den Bäumen und lauschte den Vögeln. Die schienen sich über das schöne Wetter mindestens genauso zu freuen wie wir. Während Amseln, Finken und andere gefiederte Sänger ihr Nachmittagskonzert veranstalteten, fiel es zunehmend schwer, noch irgendeine Aktivität für den Rest des Tages zu planen.
Manchmal sind die schönsten Reisetage eben nicht die mit den spektakulärsten Sehenswürdigkeiten, sondern die, an denen man einfach die Natur genießt und die Seele baumeln lässt.
Oder in meinem Fall: gleich den ganzen Körper in der Hängematte.Leer más

ViajeroMan weiß garnicht wo man mit Schreiben anfangen soll. Zuerst das riesige Gefängnis wie die armen Leute dort untergebracht Waren.zum Glück sind die heute etwas besser geworden. LG MAMA
Inselhüpfen mit Grisu
15 de junio, Estonia ⋅ 🌧 15 °C
Gestern machten wir uns auf den Weg zu einem weiteren Highlight unserer Baltikumreise: der estnischen Inselwelt.
Nach einer kurzen Fährüberfahrt erreichten wir zunächst die Insel Muhu. Die kleine Schwester von Saaremaa ist bekannt für ihre ursprüngliche Landschaft, traditionelle Bauernhöfe und die vielen Wacholderbüsche, die hier überall wachsen. Eigentlich ein perfekter Ort, um die Seele baumeln zu lassen.
Andrea hatte auch direkt einen wunderschönen Stellplatz am Meer gefunden. Der Blick war traumhaft, die Umgebung herrlich ruhig und eigentlich fehlte nur noch die Sonne. Leider hatte das Wetter erneut andere Pläne. Kaum angekommen, öffnete der Himmel seine Schleusen und schickte uns in den ungeplanten Schlechtwettermodus.
Während draußen die Regentropfen ihre tägliche Vorstellung gaben, konnte ich die Zeit immerhin sinnvoll zum Arbeiten nutzen. Man muss die Vorteile eines Regentages schließlich auch sehen.
Heute Morgen ging es dann weiter nach Saaremaa, der größten Insel Estlands. Muhu und Saaremaa sind durch den berühmten Väinatamm miteinander verbunden. Der etwa 3,5 Kilometer lange Damm wurde bereits 1896/97 gebaut und war damals ein echtes Meisterwerk. Vor seiner Errichtung gelangte man nur per Boot oder im Winter über das Eis von einer Insel zur anderen. Heute fährt man ganz entspannt darüber hinweg und denkt kaum darüber nach, wie aufwendig das früher gewesen sein muss.
Unser erstes Ziel auf Saaremaa war Kuressaare, die einzige Stadt der Insel. Die Stadt liegt direkt an der Ostsee und gilt als kulturelles Zentrum der Insel. Mit ihren historischen Gebäuden, den gepflegten Parks und der berühmten Bischofsburg zählt sie zu den schönsten Orten Estlands.
Doch bevor wir uns den Sehenswürdigkeiten widmen konnten, stand zunächst eine der wichtigsten Aufgaben eines jeden Campers an: Wasser tanken.
Nach erfolgreicher Mission und gefülltem Tank kehrten wir direkt nebenan in die historische Saaremaa Veski Windmühle ein. Bei einem Bier und einem Cappuccino genossen wir das gemütliche Ambiente der alten Mühle und den liebevoll angelegten Garten. Genau die richtige Mischung aus Entspannung und Belohnung nach erfolgreicher Wasserversorgung.
Anschließend folgte die nächste Lieblingsbeschäftigung vieler Reisender: Einkaufen. Schließlich verschwinden Lebensmittel im Wohnmobil auf mysteriöse Weise oft schneller als Diesel.
Nachdem alle Pflichten erfüllt waren, steuerten wir unseren Stellplatz im Jachthafen Roomassaare an. Der kleine Hafen liegt etwas außerhalb von Kuressaare und bietet einen schönen Blick aufs Wasser.
Der Plan war eigentlich perfekt: Fahrräder abladen, in die Stadt fahren und Kuressaare erkunden.
Doch das Wetter hatte offenbar Zugriff auf unsere Reiseplanung.
Kaum standen wir, setzte erneut Regen ein. Nicht ein paar Tropfen. Nicht ein kurzer Schauer. Sondern die bewährte baltische Premiumversion.
Also wurde der Nachmittag kurzerhand auf Couching umgestellt. Auch das gehört schließlich zum Camperleben.
Am Abend zeigte der Himmel dann doch noch etwas Gnade. Ich schnappte mir das Fahrrad und machte eine kleine Erkundungstour durch die Stadt. Dabei fand ich einen idealen Parkplatz direkt am Stadion, nur wenige Schritte von der berühmten Burg entfernt.
Morgen werden wir deshalb unseren Standort wechseln und Kuressaare in aller Ruhe erkunden.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Wettergott diesmal nicht schon wieder andere Pläne hat. Wobei wir langsam den Verdacht haben, dass er heimlich mit uns reist und sich prächtig amüsiert.Leer más
Sonne über Kuressaare – es geschehen noch Wunder
17 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 17 °C
Heute Morgen traute ich meinen Augen kaum. Kein Trommeln auf dem Dach, keine dunklen Wolken am Horizont, kein hektischer Blick auf die Wetter-App. Stattdessen: strahlend blauer Himmel!
Nach den vielen Regentagen fühlte sich das fast schon unwirklich an. Sicherheitshalber haben wir mehrmals aus dem Fenster geschaut, ob die Sonne auch wirklich bleibt.
Zunächst stand ein kleiner Umzug an. Vom Jachthafen wechselten wir auf den Parkplatz am Stadion, den ich gestern Abend bei meiner Erkundungstour entdeckt hatte. Dort angekommen standen bereits einige andere Camper, und wie das unter Reisenden so ist, dauerte es nicht lange, bis man miteinander ins Gespräch kam.
Aus einem kurzen „Hallo“ wurden schnell interessante Reisegeschichten, Tipps und Erfahrungen. Ehe wir uns versahen, war wieder eine ganze Weile vergangen. Aber genau diese spontanen Begegnungen machen das Reisen mit dem Wohnmobil so besonders.
Irgendwann schafften wir es dann doch, die Fahrräder zu satteln und in die Stadt aufzubrechen.
Kuressaare ist die einzige Stadt auf Saaremaa und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im Mittelalter entwickelte sich der Ort zu einem wichtigen Handelsplatz. Später wurde die Stadt vor allem als Kurort bekannt. Wohlhabende Gäste kamen wegen des milden Klimas, der frischen Seeluft und der heilenden Schlammbäder auf die Insel. Wer damals etwas auf sich hielt, fuhr zur Erholung nach Kuressaare.
Beim Radeln durch die Stadt versteht man schnell, warum sich die Menschen hier wohlfühlen. Die Straßen sind gepflegt, die Atmosphäre entspannt und überall stehen wunderschöne historische Holzhäuser und elegante Villen aus der Zeit, als Kuressaare ein beliebter Bade- und Kurort war. Viele der Gebäude sind liebevoll restauriert und verleihen der Stadt einen ganz besonderen Charme.
Statt zielstrebig von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu fahren, machten wir das, was wir am liebsten tun: uns treiben lassen. Mal hier durch eine kleine Gasse, mal dort über einen Platz, immer wieder neue schöne Häuser entdecken und einfach die entspannte Stimmung genießen.
Am Marktplatz angekommen fanden wir schließlich ein gemütliches Restaurant mit einem sonnigen Plätzchen im Freien. Genau dort ließen wir uns nieder, bestellten einen leckeren Cocktail und eine kleine Stärkung und genossen das bunte Treiben um uns herum.
Nach den vielen Regentagen fühlte sich das fast wie ein kleiner Feiertag an.
Doch wir waren nicht die Einzigen, die Interesse an unserem Essen hatten.
Plötzlich erschien eine äußerst selbstbewusste Nebelkrähe. Zunächst tat sie völlig harmlos und schlenderte scheinbar zufällig in unserer Nähe herum. Sie dachte wohl das wir kurz abgelenkt waren, schlug blitzschnell zu und klaute gleich zwei Stücke Käse von Andreas Teller.
Die Diebin verschwand anschließend mit ihrer Beute so professionell, dass man meinen könnte, sie betreibe dieses Geschäft hauptberuflich. Andrea war um zwei Käsestücke ärmer, die Krähe um ein erfolgreiches Mittagessen reicher und wir um eine lustige Urlaubsgeschichte.
Während um uns herum Menschen flanierten, Fahrräder vorbeiratterten und die Terrassen gut gefüllt waren, beobachteten wir nun zusätzlich die gefiederte Räuberbande von Kuressaare. Offenbar gehören hier nicht nur die Touristen, sondern auch die Krähen zu den Stammgästen der Gastronomie.
Das berühmte Schloss von Kuressaare und das Restaurant Hafen heben wir uns ganz bewusst für morgen auf. Man muss ja schließlich noch etwas für den nächsten Tag übrig lassen.
So wurde aus einem eigentlich unspektakulären Tag ein wunderschöner Sommertag. Sonne, nette Gespräche, eine charmante Stadt, ein leckerer Cocktail und eine Nebelkrähe mit ausgezeichnetem Geschmack.
Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die einen Reisetag besonders machen. Wobei die Sonne nach den letzten Wochen eigentlich schon fast als Sehenswürdigkeit durchgeht – dicht gefolgt von der Käse-Diebin vom Marktplatz.Leer más
Sagenhaft unterwegs in Kuressaare
18 de junio, Estonia ⋅ ⛅ 19 °C
Nach dem Frühstück machten wir uns heute Morgen als Erstes mit den Fahrrädern auf den Weg zum kleinen Jachthafen von Kuressaare. Bei strahlendem Sonnenschein radelt es sich schließlich deutlich angenehmer als mit Regenjacke und Kapuze.
Unterwegs kamen wir an der Skulptur Suur Tõll ja Piret vorbei. Sie zeigt den sagenhaften Riesen Suur Tõll und seine Frau Piret. In den estnischen Sagen, besonders auf Saaremaa, spielen Riesen eine wichtige Rolle. Suur Tõll gilt als Beschützer der Inselbewohner. Er war stark, gerecht und half den Menschen, wenn sie in Not waren. Gleichzeitig soll er aber auch ein recht temperamentvoller Zeitgenosse gewesen sein, wenn ihm etwas nicht passte. Seine Frau Piret stand ihm dabei stets zur Seite und wird in den Geschichten als ebenso kräftig und klug beschrieben.
Die Skulptur erinnert an diese alten Legenden, die auf Saaremaa bis heute lebendig geblieben sind. Wenn man vor den beiden Figuren steht, kann man sich gut vorstellen, wie sie früher riesige Felsbrocken durch die Gegend geworfen oder ganze Schiffe über die Ostsee getragen haben sollen. Zumindest erklärt das, warum hier und da ein paar größere Steine in der Landschaft liegen.
Am Hafen angekommen schauten wir eine Weile den Kindern der Segelschule zu. Es war schön zu sehen, mit welchem Eifer die kleinen Kapitäne ihre Boote über das Wasser steuerten. Manche sahen bereits sehr professionell aus, andere übten vermutlich noch das kontrollierte Kreisefahren.
Danach stand das eigentliche Highlight des Tages auf dem Programm: Schloss Arensburg.
Die mächtige Burg steht auf einer kleinen Insel und wird von einem sechseckigen Wassergraben umgeben. Schon von außen wirkt die Anlage beeindruckend. Bevor wir uns ins Innere wagten, erkundeten wir zunächst ausgiebig die Außenanlagen mit dem Fahrrad. Rund um die Burg gibt es schöne Wege, Bastionen und immer wieder tolle Ausblicke auf die alten Mauern und die wunderschönen gut erhaltenen Häuser in der Stadt.
Die Burg Arensburg gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Festung im gesamten Baltikum. Sie wurde im 14. Jahrhundert von den Bischöfen von Ösel-Wiek errichtet und diente sowohl als Wehrburg als auch als Verwaltungssitz. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Herrscher mehrfach, doch die Burg blieb erstaunlich gut erhalten.
Besonders beeindruckend ist, wie vollständig die Anlage heute noch wirkt. Während viele Burgen Europas nur noch aus ein paar romantischen Mauern bestehen, steht hier fast die komplette Festung. Türme, Wehrgänge, Innenhöfe und massive Mauern vermitteln einen hervorragenden Eindruck davon, wie das Leben im Mittelalter ausgesehen haben könnte.
Nach der ausgiebigen Erkundung des Schlosses waren wir uns einig: So eine Burg erobert sich schließlich nicht von allein. Deshalb war die anschließende Kaffeepause im Innenhof des Schlosses absolut verdient. Bei Cappuccino und herrlichem Wetter ließen wir die Eindrücke auf uns wirken und genossen die besondere Atmosphäre.
Irgendwann mussten wir uns dann doch von Rittern, Bischöfen und Riesen verabschieden. Also schwangen wir uns wieder auf die Fahrräder, fuhren zurück zu Grisu und machten uns bereit für das nächste Abenteuer.Leer más
Schafpolitik am Ende der Welt
18 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 16 °C
oder: Demokratie auf Estnisch
Von Kuressaare aus zog es uns heute in den Westen der Insel Saaremaa, dorthin, wo die Straßen schmaler werden, die Landschaft noch ruhiger ist und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man eher Schafen als Menschen begegnet.
In Karala stießen wir dann auf ein ganz besonderes „Parlament“: das sogenannte Lammparlament von Estland.
Der Künstler, Parlamentarier und Landwirt Mart Maastik hat hier einen außergewöhnlichen Kunstpark geschaffen, der irgendwo zwischen politischer Satire, Landschaftskunst und sehr kreativer Bauernhofgestaltung liegt. Auf seinem Gelände versammeln sich mehrere hundert Steinskulpturen in Schafgestalt, die in einer Art „parlamentarischer Ordnung“ angeordnet sind.
Das Ganze nennt sich nicht ohne Grund „Schafparlament“. Die Idee dahinter ist eine humorvolle, aber auch nachdenkliche Parallele zur menschlichen Politik: Viele Schafe, viele Meinungen, viel Bewegung – aber am Ende bleibt die Herde oft doch auf dem gleichen Weg. Genau diese Mischung aus Ironie und Beobachtung macht den Ort so besonders.
Inspiriert wurde das Ganze unter anderem von Stonehenge in England. Daraus entstand das sogenannte „Lambhenge“, eine Art steinernes Schafkreis-Parlament unter freiem Himmel. Dort kann man tatsächlich zwischen den „Abgeordneten“ spazieren, sich in „Schafversammlungen“ einfinden und sogar eine „Schafparade“ beobachten – zumindest in der Fantasie des Künstlers. In der Realität läuft man eher grinsend durch ein Feld voller liebevoll gestalteter Steinschafe und fragt sich, wie man auf solche Ideen kommt.
Die Entstehung begann vor über 15 Jahren. Aus einem ersten Steinschaf wurden schnell weitere Figuren: ein Elch, ein Küken, ein Schweineschaf und sogar eine Schildkröte. 2003 bekam das Projekt sogar offiziellen Besuch, als die damalige Präsidentin des estnischen Parlaments Ene Ergma auf dem Hof vorbeischaute. Die Idee, ein „Parlament aus 101 Schafen“ zu erschaffen, wurde mit Humor aufgenommen – und wuchs anschließend stetig weiter. Heute sind es mehrere hundert Figuren, und Ideenmangel scheint hier tatsächlich ein Fremdwort zu sein.
Das eigentlich Schönste an diesem Besuch war jedoch nicht nur die Kunst selbst, sondern die Begegnung mit Mart Maastik persönlich. Als wir das Gelände erkundeten, trafen wir ihn zufällig an seinem reetgedeckten Haus bei der Arbeit im Garten. Daraus entwickelte sich ein sehr angenehmes Gespräch.
Als wir ihn auf die Sauberkeit und Ordnung in Estland ansprachen, erklärte er mit einem Schmunzeln, dass diese Tugenden teilweise aus der historischen deutschen Prägung in Estland stammen würden – Pünktlichkeit, Ordnung und ein gewisser Sinn für Struktur. Eine Beobachtung, der wir nur zustimmen konnten, auch wenn wir uns dabei innerlich ein kleines bisschen schämten, wie sehr uns diese Tugenden manchmal selbst abhandengekommen sind.
Es war eines dieser Gespräche, die man nicht plant, aber lange im Kopf behält.
Nach diesem sehr besonderen und leicht skurrilen Kulturerlebnis fanden wir ganz in der Nähe einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer. Die Wellen, die Ruhe und der weite Blick über die Ostsee bildeten einen perfekten Kontrast zu den philosophierenden Steinschafen des Nachmittags.
Ein Tag zwischen Kunst, Humor, Politik im Schafspelz und einem sehr ruhigen Platz am Wasser – und irgendwie passt das alles erstaunlich gut zusammen.Leer más
Vom Schafparlament zum Lost Place
19 de junio, Estonia ⋅ ⛅ 21 °C
– ein Tag voller Geschichten“
In der letzten Nacht fiel mir das Einschlafen überhaupt nicht schwer. Ich hatte noch so viele Schafe vom Schafparlament im Kopf, dass ich beim Zählen gar nicht weit gekommen bin. Irgendwo zwischen Schaf Nummer 37 und einem Schafgeneral mit wichtiger Parlamentssitzung war ich bereits friedlich eingeschlafen.
Heute Morgen konnten wir direkt am Meer und in aller Ruhe frühstücken. Das sanfte Rauschen der Wellen, die frische Seeluft und ein guter Kaffee – mehr Luxus braucht man manchmal gar nicht. Was für ein Genuss!
Unser erster Stopp des Tages war der Lymanda Limepark. Der kleine, aber sehr interessante Natur- und Industriepark widmet sich ganz dem Thema Kalkstein, einem der wichtigsten Baustoffe Saaremaas. Auf dem nur 1,8 Kilometer langen Rundweg werden die einzelnen Arbeitsschritte von der Gewinnung des Kalksteins über das Brennen und Löschen bis hin zur Verwendung anschaulich erklärt. Besonders beeindruckend sind die rekonstruierten Kalkbrennöfen, die zeigen, wie aufwendig die Kalkherstellung früher war. Trotz der kurzen Strecke gibt es jede Menge zu entdecken.
Während unserer Wanderung sorgte die Natur außerdem bestens für unser leibliches Wohl. Überall am Wegesrand fanden wir köstliche Walderdbeeren. So wurde der Spaziergang gleichzeitig zu einer kleinen Schatzsuche mit sehr leckerem Ergebnis.
Danach führte uns unsere Reise weiter durch die wunderschönen Wälder Saaremaas. Vorbei an blühenden Wiesen voller leuchtend rotem Klatschmohn erreichten wir schließlich einen echten Lost Place – das alte Herrenhaus von Kõljala.
Die Kõljala mõis wurde ursprünglich im Mittelalter als Gutshof gegründet und entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem bedeutenden Herrenhaus der Region. Das heutige Gebäude stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und war einst Mittelpunkt eines großen landwirtschaftlichen Anwesens. Nach den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verlor das Gut seine ursprüngliche Bedeutung und verfiel nach und nach. Heute steht das Gebäude verlassen da und erzählt still von besseren Zeiten.
Besonders faszinierend war, dass Teile des Hauses noch eingerichtet sind. Es wirkt stellenweise tatsächlich so, als hätten die Bewohner erst vor wenigen Tagen ihre Koffer gepackt und wären kurz um die Ecke gegangen. Gleichzeitig ist es traurig zu sehen, wie ein so schönes Gebäude langsam der Natur und dem Verfall überlassen wird. Man fragt sich unweigerlich, welche Geschichten sich wohl hinter den alten Mauern verbergen.
Nach unserer Erkundung des Herrenhauses ging es weiter zum Angla Windmill Park.
Der Windmühlenpark von Angla gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Saaremaas. Hier stehen mehrere historische Bockwindmühlen, die eindrucksvoll zeigen, wie die Menschen früher Getreide mahlten und ihren Lebensunterhalt sicherten. Ergänzt wird die Anlage durch ein Museum mit einer bemerkenswerten Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte, Werkzeuge und industrieller Maschinen. Besonders beeindruckend fanden wir den Zustand der Ausstellungsstücke. Viele Maschinen wurden liebevoll restauriert und sind sogar noch voll funktionsfähig. Man spürt förmlich den Stolz und die Leidenschaft, mit der hier die Technik vergangener Zeiten erhalten wird.
Gegen 20:30 Uhr fanden wir schließlich einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer. Der Blick auf das Wasser, die absolute Ruhe und die frische Seeluft machten schnell klar: Hier bleiben wir ein paar Tage.
Nach den vielen Eindrücken, Erlebnissen und Kilometern der letzten Zeit ist eine kleine Reisepause genau das Richtige. Jetzt heißt es erst einmal entschleunigen, die Seele baumeln lassen und all die schönen Momente der vergangenen Tage Revue passieren lassen.
Und wer weiß – vielleicht tagt heute Nacht erneut das Schafparlament. Die Chancen stehen jedenfalls gut, dass ich wieder rechtzeitig zur ersten Zählung einschlafe.Leer más

ViajeroHerrliche Schaferinnerungen! Auch spannend, wenn man sich mal mit der Geschichte des Gutes beschäftigt und der Familie, die dahintersteckte. Unter anderem Gründer von Riga, 1919 enteignet und dann halt leider wie so vieles im Sozialismus runtergewirtschaftet. Doch ein wunderbarer Ort!

Viajero
Schön das die Sachen von früher noch so in Ehren gehalten werden LG Mama
Abschied von den Inseln
22 de junio, Estonia ⋅ ⛅ 22 °C
Nach ein paar herrlich entspannten Tagen am Ostseestrand hieß es heute Morgen langsam Abschied nehmen. Die Ostsee zeigte sich noch einmal von ihrer freundlichen Seite, doch neue Abenteuer warteten bereits auf uns.
Unser erster Stopp führte uns noch einmal auf die kleine Insel Muhu. Genauer gesagt nach Koguva, einem der besterhaltenen historischen Dörfer Estlands.
Schon bei der Ankunft fühlten wir uns ein wenig in die Vergangenheit versetzt. Reetgedeckte Häuser, alte Steinmauern, urige Wirtschaftsgebäude und gepflegte Höfe prägen das Bild des Dorfes. Koguva gilt als eines der am besten erhaltenen Bauerndörfer des Landes und vermittelt einen Eindruck davon, wie die Menschen hier über Jahrhunderte gelebt haben.
Im Muhu Museum konnten wir diesen Eindruck noch vertiefen. Das Freilichtmuseum besteht aus mehreren historischen Gebäuden, darunter ein alter Bauernhof, Wirtschaftsgebäude und eine Dorfschule. Besonders interessant ist, dass viele der Gebäude original erhalten geblieben sind und nicht erst nachträglich hierher versetzt wurden. So bekommt man einen authentischen Einblick in das Leben der Inselbewohner vergangener Zeiten. Während wir durch die alten Räume gingen, konnte man sich gut vorstellen, wie hier früher gekocht, gearbeitet und gelernt wurde – allerdings vermutlich ohne WLAN und Kaffeemaschine.
Besonders die reetgedeckten Häuser hatten es uns angetan. Sie wirken, als wären sie direkt einem Bilderbuch entsprungen. Man erwartet fast, dass gleich ein Bauer mit Pferdewagen um die Ecke kommt und sich über die merkwürdigen Besucher mit ihren Fahrrädern wundert.
Nach unserem Rundgang machten wir uns wieder auf den Weg zur Fähre. Langsam verschwanden Muhu und Saaremaa hinter uns am Horizont. Die beiden Inseln haben uns mit ihrer Ruhe, den schönen Landschaften und ihren liebenswerten Eigenheiten wirklich begeistert.
Wieder auf dem Festland angekommen führte uns unsere Reise weiter nach Pärnu, der Sommerhauptstadt Estlands. Diesen Titel trägt die Stadt nicht ohne Grund. Mit ihrem kilometerlangen Sandstrand, den vielen Cafés, Parks und Promenaden zieht sie jedes Jahr Urlauber aus dem ganzen Land an.
Wir fanden einen ausgezeichneten Stellplatz in direkter Strandnähe. Besser geht es kaum. Kaum angekommen, konnte man bereits die Ostsee riechen und das Urlaubsgefühl stellte sich sofort wieder ein.
Jetzt freuen wir uns darauf, die Sommerhauptstadt Estlands morgen genauer zu erkunden.
Und wer weiß – vielleicht spielt ja sogar das Wetter einmal dauerhaft mit auf unserer Reise. Die Hoffnung geben wir jedenfalls noch nicht auf.Leer más



















































































































































































































































































































































































































































































































































ViajeroDas Sommerfest haben wir 2019 erlebt, wir standen auf einem Busparkplatz, als auf einmal die ganzen Gruppen kamen und sich aufstellten. Da waren wir ziemlich schnell weg
Viajero
Verführerisch
Viajero
Muss das so?
Womo TravelerWir waren uns da auch nicht sicher und bleiben bei unserem selbst gebackenem Brot.
ViajeroGerade deswegen hätte ich es quer getestet 😁
Womo TravelerIch hatte vorher einen so lecker geräucherten Rinderschinken getestet und gekauft da wollte der gute Geschmack nicht unterbrochen werden 😄
ViajeroVerständlich