• Claudia
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Kurs Südost

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  • Tankstellen-Camping

    25 giugno 2025, Turchia ⋅ ☀️ 32 °C

    Inzwischen fast schon traditionell klingelt der Wecker um fünf Uhr. Heiko lässt die Drohne zum Sonnenaufgang über unserem Zeltplatz kreisen, wir teilen uns den letzten vorhandenen Apfel zum Frühstück, dann geht es an den Abbau des Zeltes und das Beladen der Fahrräder. Ein paar wenige Kilometer Abfahrt erwarten uns zu Beginn dieser Etappe, sie führen uns zunächst in den Ort Veysel Karani. Glücklicherweise haben trotz der frühen Stunde schon ein paar Läden geöffnet, so dass wir uns mit dem nötigen Proviant versorgen können, eine Einladung zu Tee und Schokoriegel gibt's obendrauf. Ab jetzt wird es für den Rest des Tages nur noch bergauf gehen und auch das Profil für den morgigen Tag sieht nicht anders aus. Es geht in die Berge...! Bei milder Steigung geht es auf der Hauptstraße langsam aber sicher aufwärts. Von der recht befahrenen Straße mal abgesehen radeln wir durch eine traumhaft schöne Landschaft. Wir bewegen uns durch eine imposante felsige Gebirgswelt, kommen an historischen Brücken vorbei, genießen den Anblick von Wäldern und erfreuen uns an dem hübschen Fluss Bitlis, der die ganze Zeit
    zu unserer Rechten parallel zur Straße fließt. Es könnte also ganz wunderbar sein, könnte...! Denn während Claudia sich insbesondere darüber freut, dass die heutigen Steigungen allesamt gut fahrbar sind, wird Heiko von seinem Erzfeind zur Weißglut getrieben: Wir haben Gegenwind, direkt von vorne bremst er uns und rauscht in den Ohren. Wir lassen ein wenig Abstand zwischen unseren Rädern, damit Heiko ungestört und ungefiltert den einen oder anderen Fluch an den fiesen Gegner richten kann. An einer sehr kleinen Moschee entdecken wir einen perfekten Pausenplatz. Es gibt eine schöne Fläche zum Sitzen im Schatten und eine Wasserstelle. Heiko hält zur Abkühlung seinen Kopf unter das erfrischende Nass, außerdem werden Füße gewaschen und Hemden, Mütze, Kappe zumindest von den gröbsten Salzkrusten befreit. Etwas erholt, erfrischt und in saubererer Kleidung als vor der Pause sind wir bereit für die nächsten Höhenmeter. Glücklicherweise hat in der Zwischenzeit auch der Wind deutlich nachgelassen. Nach einer ganzen Weile erreichen wir einen kleinen Teegarten am Straßenrand und Claudia lechzt, wie so oft, nach einem Kaltgetränk. Wir halten also an, um nur kurz etwas zu trinken. Eigentlich! Aus dem Hintergrund ruft ein Mann in gebrochenem Deutsch, dass wir kommen sollen. Wir kommen näher und sehen, dass der Herr nicht allein ist, sondern zwei Ehepaare hier am Tisch sitzen und während einer Pause auf ihrer Autofahrt von İstanbul über Mardin, wo der Mann ursprünglich herkommt und noch ein Haus hat, nach Van ihr mitgebrachtes Picknick verzehren. Der Mann habe vor dreißig Jahren in Deutschland Elektrotechnik studiert, das Studium aber nicht beendet, sondern sich zur Rückkehr in die Türkei entschieden. Inzwischen ist er Rentner und davor sei er Fahrer des türkischen Präsidenten gewesen. Wir bekommen Besteck gereicht und werden zum aufgetischten Picknick eingeladen. Und das ist extrem lecker! Es gibt gefüllte Auberginen und Paprika, dazu Brot und bereits in kleine Stücke geschnittene Wassermelone. Nach einem abschließenden gemeinsamen Tee verabschieden wir uns von diesen vier supernetten Menschen und setzen ganz beseelt von der Begegnung unsere Bergauffahrt fort. Weiterhin werden wir regelmäßig durch Hupen und Winken gegrüßt, ein Auto kommt vor uns auf dem Seitenstreifen zum Stehen und der Fahrer schenkt uns eine Flasche Wasser sowie eine Rolle Pizza-Cracker. Im Laufe unserer weiteren Fahrt wird uns bewusst, dass es äußerst schwierig werden wird, einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Auf der linken Seite befinden sich Felswände, die steil emporragen und rechts geht's ebenso steil abwärts zum Fluss. Die Chance einer ebenen Fläche wittern wir im Bereich von Tankstellen oder Restaurants an der Strecke, also checken wir Google Maps. Auf unserer Straßenseite sind in Fahrtrichtung zwei Restaurants und eine Tankstelle verzeichnet, die nicht allzu weit entfernt sind. Was wir in jedem Fall brauchen ist Wasser und so bestimmen wir als erstes Ziel die Tankstelle. Bei "Tuncer Petrol" angekommen erwerben wir das nötige Wasser und nehmen für ein Getränk auf der Bank einer überdachten Sitzgruppe Platz. Der Tankstellenbetreiber weist seinen Angestellten an, uns noch mit einem Tee zu versorgen. Wir scannen das Gelände der Tanke und stellen fest: Hier könnte man auch zelten! Als der Chef der Tankstelle, der mit seinem schwarzen Mercedes und dem düsteren Gesichtsausdruck dem Klischee von Menschen entspricht, denen man lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte, uns plötzlich mit einem sehr freundlichen Lächeln Pflaumen anbietet, nutzt Heiko die Chance. Die Sache ist schnell geregelt. Die Frage, ob wir auf dem Gelände der Tankstelle übernachten dürfen, scheint nicht mal groß zu überraschen, ohne Zögern erhalten wir die Antwort: "Tamam, Problem yok - Einverstanden, kein Problem!" Nach Plauderei über dies und das (u.a. Zölle auf Mercedes...) und einem weiteren Tee stellen wir Zelt und Stühle auf. Sehr schön ist, dass es in einem separaten Gebäude Toiletten gibt. Und da zu diesem Gebäude auch eine Moschee gehört, gibt es hier die Möglichkeit, sich die Füße zu waschen, so richtig mit Seife und so, perfekt! Während wir vor unserem kleinen Refugium sitzen, Tee kochen und Salat essen, wecken wir auch immer mal wieder das Interesse von Tankstellen-Besuchern. Einige schauen nur leicht irritiert, andere kommen vorbei, grüßen freundlich und stellen Fragen. Ein türkischer Herr mit Camper-Van zeigt uns mit gewissem Stolz Fotos von seiner Europa-Reise. Wir sehen u.a. reichlich Bilder von Bremen, Hamburg, Berlin, Paris und insbesondere Monaco. Außerdem bekommen wir Besuch von einem italienischen Vater-Tochter-Gespann auf Motorrädern. Für die beiden wie auch für uns ist es die erste Begegnung mit europäischen Touristen in diesem Teil des Landes. Es folgt ein kurzer Austausch der sich wie folgt darstellt: Heiko spricht mit der italienischen Tochter in der Türkei französisch, Claudia und der italienische Vater verstehen nur Bahnhof und warten interessiert auf Übersetzung. Das sympathische Pärchen braust schließlich weiter und wir setzen uns wieder vor unser kleines Zelt, wo wir vom Tankstellenchef noch einen Kaffee serviert bekommen. Draußen wird es dunkel und während an der Tanke die Beleuchtung angeht, machen wir im Zelt das Licht aus.
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  • Tatvan

    26 giugno 2025, Turchia ⋅ ☀️ 26 °C

    Wir haben eine gute Nacht auf der Tankstelle verbracht und beginnen den Morgen wie üblich mit einem Obstfrühstück. Währenddessen haben wir eine Entscheidung bezüglich der weiteren Route nach Van zu treffen. Unser ursprünglicher Plan sieht vor, dass wir vor Erreichen der Stadt Bitlis die Hauptstraße verlassen, um auf einer kleinen Nebenstrecke ostwärts in die Berge zu schwenken. Alternativ könnten wir weiter der Hauptstraße bis zum Ort Tatvan und dann mehr oder weniger am See entlang Richtung Van folgen. Beide Möglichkeiten bieten Vor- und Nachteile. Autoverkehr versus Ruhe, Sicherheit versus Abenteuer, Zivilisation versus Einsamkeit und Risiko von Wildtierbekanntschaft (...in ca. 20km Entfernung existiert eine Braunbärenpopulation, warum also nicht auch hier?). Nach reiflichem Überlegen und Abwägen fällt die Wahl auf die Sicherheitsvariante, wir werden Tatvan ansteuern. Nach einem letzten Tee von den Tankstellenjungs verabschieden und bedanken wir uns und rollen gegen halb acht auf die Straße. Entlang des Flusses Bitlis geht es kaum merklich bergauf. Zu unserer Freude sind wir inzwischen in einer Region und Höhe angekommen, in der Temperaturen mit um die 27 Grad deutlich niedriger und angenehmer sind als in des ersten Wochen unseres Urlaubes. Wir erreichen bald einen Punkt, an dem wir die Wahl haben: Fahren wir durch zwei Tunnel ohne Seitenstreifen oder begeben wir uns alternativ für ca. 2,5 Kilometer als "Geisterfahrer" in den Gegenverkehr. Da letztere Option mit einem breiten Seitenstreifen einhergeht, wählen wir den Gegenverkehr. Fasziniert von den Bergen die uns umgeben, nehmen wir auch die zusätzlichen Höhenmeter, die uns dieser Weg einbringt, gerne im Kauf. Die Fahrt in die Gegenrichtung erweist sich tatsächlich auch als völlig unproblematisch, der Seitenstreifen ist ausreichend breit und die entgegenkommenden Fahrzeuge stören sich in keinster Weise an uns. Kurz bevor wir die Stadt Bitlis erreichen, legen wir noch eine kurze Tanstellenrast ein: Kurz im Schatten sitzen, ein kaltes Getränk schlürfen und Sonnencreme nachlegen. Ein älterer Herr kommt zu uns und ist sehr interessiert an unserer Sonnencreme. Heiko lässt ihn testen und er scheint sehr angetan. Als der Mann erneut an uns vorbeikommt, schenken wir ihm eine Tube Sonnencreme aus unserem Vorrat. Er ist sichtlich gerührt und freut sich. Aus den letzten Jahren wissen wir noch, dass Sonnencreme in der Türkei extrem teuer ist, weshalb wir auch unseren Bedarf für die komplette Zeit aus Deutschland mitgebracht haben. Die weitere Fahrt geht für uns durch die sehr langestreckte Stadt Bitlis. Besonders hübsch zeigt sich der kleine Altstadtkern mit historischen Häusern und Brücken sowie einer großen Festung. Am Ortsausgang von Bitlis werden wir sportlich gefordert. Es gilt, eine böse Steigung zu bewältigen, an deren Ende wir neben einer Moschee ein Weilchen pausieren. Auf der recht stark befahrenen Hauptstraße radeln wir weiter, erstmals ist nun auch der Iran ausgeschildert. Angesichts der aktuellen Situation lässt es uns nicht unberührt, dass wir der Straße lediglich noch 200km folgen müssten, um an der iranischen Grenze zu stehen. Auch während unserer Reise verfolgen wir die Nachrichten und die räumliche Nähe stimmt uns umso mehr nachdenklich. Nicht mehr lange rollen wir abwärts vor uns hin, bis zum ersten Mal der Van Gölü (Van-See) zu sehen ist. Selbstverständlich muss dieser Anblick fotografisch festgehalten werden, bevor wir gemeinsam mit unzähligen anderen Fahrzeugen in die 80000-Einwohner-Stadt Tatvan fahren. Einige Kilometer schlängeln wir uns entlang der Haupteinfallstraße durch den wuseligen und lauten Verkehr, dann erreichen das vorab recherchierte Hotel. Nach dem ersten Anblick nehmen wie jedoch eine Planänderung vor, da bereits eine recht hohe und schmale Treppe überwunden werden muss, um die Rezeption zu erreichen. Hinsichtlich unseres Wunsches, die Räder mit hineinzunehmen, ist dieser Umstand eher unglücklich. Etwas um die Ecke auf der anderen Straßenseite gibt es ein zweites Hotel, hier sehen die "Zugangsmöglichkeiten" besser aus. Wir werden sehr freundlich empfangen, erhalten ein sehr schönes Zimmer im fünften Stock und unsere Räder dürfen eine kleine Ecke im Speisesaal in der ersten Etage bewohnen. Es folgt das übliche Prozedere nach dem Bezug eines Hotelzimmers: duschen, Wäsche waschen, Akkus der elektronischen Geräte sowie des eigenen Körpers laden. Am späten Nachmittag verlassen wir das Gebäude, es zieht uns als erstes an den See. Dort angekommen fällt uns direkt das "Bisiklet Café - Fahrrad Café" auf. Hier werden verschiedene Fahrräder und kleine Kinderautos, welche durch die Eltern ferngesteuert werden können, vermietet. Auf der autofreien Uferstraße sehen wir viele kleine Kinder in Mini-Autos und auch diverse kleine und große Menschen bei ihren mehr oder weniger geglückten Versuchen, Fahrrad zu fahren. Wir schlendern die Promenade entlang und beobachten das bunte Treiben. Viele kleine Buden sind aufgebaut, auf den Wiesen wird gepicknickt, Fahnen kündigen das morgen beginnende Kultur- und Kunstfestival an. An einigen Stellen sind Leinen mit kleinen Luftballons in Strandnähe über dem Wasser gespannt. Wir sehen, dass es mehrere Stände an der Promenade gibt, wo man gegen Bezahlung mit Luftgewehren auf die Ballons schießen kann. Schräg. Wir flanieren weiter und machen die Bekanntschaft mit einem in der Schweiz lebenden türkischen Ingenieur, der hier vor Ort gerade beruflich zu tun hat, und mit einem jungen Arzt aus Tatvan, der uns auch gleich seine Telefonnummer gibt für den Fall, dass wir Hilfe brauchen. Bei einem Straßenhändler holen wir uns Çiğköfte-Dürüm auf die Hand, die für unseren Geschmack deutlich zu scharf geraten sind. Da Heiko die pikante Rolle auch tatsächlich nicht ganz aufessen kann, gibt es auf der Hauptstraße noch Tantuni, eine ursprünglich aus Mersin stammende Streetfood-Spezialität. Satt und zufrieden begeben wir uns ins Hotel und freuen uns auf den morgigen Ruhetag.Leggi altro

  • Ruhetag in Tatvan

    27 giugno 2025, Turchia ⋅ ☀️ 27 °C

    Gut ausgeschlafen begeben wir uns um acht Uhr in den Frühstückssaal und freuen uns über das reichhaltige und vielfältige Buffett. Im weiteren Verlauf sorgen wir dafür, dass der Ruhetag seinem Namen alle Ehre macht. Wir sind in erster Linie faul und vertrödeln den Vormittag im Hotelzimmer mit Dingen wie Routenplanung, lesen, Packtaschen sortieren.
    Gegen Mittag treibt uns der Hunger in das quirlige Treiben der Hauptstraße. Wir wollen etwas Obst und Joghurt sowie etwas Proviant für einen morgigen Ausflug einkaufen. Zusätzlich können wir sogar noch eine große Gaskartusche erwerben, was uns angesichts der Rarität von Kartuschen für Campingkocher in diesem Land sehr freut. Mit vollen Tüten machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel, wo wir eine große Portion Obst genießen. Erneut dauert es eine ganze Weile, bis wir uns wieder aus dem Hotel begeben. Da Tatvan nicht mehr vor Sehenswürdigkeiten strotzt, spazieren wir wie schon gestern an die Promenade des Van-Gölü. Bei dem vulkanischen Stausee, der durch den Ausbruch des Vulkans Nemrut entstanden ist, handelt es sich mit 3713 Quadratkilometern um dem größten See der Türkei und um den größten Sodasee der Welt.
    Genau wie am Vortag treffen wir hier den Ingenieur aus der Schweiz. Er sitzt auf derselben Bank wie gestern, hat seinen Tee und sein Tablet, auf dem er einen türkischen Musiksender verfolgt, dabei und bittet uns auch heute, doch neben ihm Platz zu nehmen. Wir leisten ihm kurz Gesellschaft und folgen dann dem Menschenstrom in die Richtung einer Konzertbühne. Das Kultur- und Kunstfestival hat heute begonnen und wir wollen mal schauen, ob wir dem Programm etwas abgewinnen können. Leider bekommen wir keinen Livemusik-Ohrenschmaus zu hören, sondern eine sehr lange Ansage in extrem schriller Tonlage und schlechter Akustik dringt durch die Lautsprecher in unsere Ohren. Eine Weile warten wir noch ab, ergreifen aber schließlich die Flucht. In einem kleinen Laden in der Nähe unseres Hotels essen wir köstliche Joghurt-Tantuni, von denen wir sehr begeistert sind. Anschließend wagen wir einen zweiten Versuch und kehren zur Konzertbühne zurück. Inzwischen wird zwar tatsächlich gesungen, für unseren Geschmack aber zu laut, zu schrill und auch einfach nicht gut anzuhören. Wir zwei Kulturbanausen kaufen uns lieber etwas Schokolade und verbringen den Rest des bereits recht fortgeschrittenen Abends in trauter Zweisamkeit und Stille im Hotelzimmer.
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  • Hoch hinaus

    28 giugno 2025, Turchia ⋅ ⛅ 24 °C

    Um halb acht klingelt der Wecker, es strahlt bereits gleißendes Sonnenlicht in unser behagliches Hotelzimmer. Durch den Türschlitz zieht ein verlockender Duft von Omlett und Menemen. Wenige Minuten später sind wir im Frühstückssaal (dort, wo auch unsere Fahrräder wohnen) und erfreuen uns an dem fantastischen Buffet. Frisch zubereitet und liebevoll angerichtet gibt es alles, was zu einem Kahvaltı, einem Frühstück in der Türkei dazugehört.
    Ganz in Ruhe genießen wir die Mahlzeit und trinken den einen oder anderen Çay. Eigentlich hatten wir für den heutigen Tag geplant, einen Tagesausflug hinauf zum Nemrut-Kratersee zu unternehmen. Die Internetrecherche zu dem Gebiet brachte allerdings auch viele Informationen bezüglich der im Kraterbereich beheimateten Bärenpopulation hervor – einschließlich einiger Berichte von Angriffen auf Besucher. Das verunsicherte uns so sehr, dass wir uns gegen den Ausflug entschieden.
    Da die Bilder des Sees und des Bergs aber zu verlockend aussehen, befragen wir nach dem Frühstück doch noch einmal das Hotelpersonal zum Bärenthema. „Problem yok“ (kein Problem) versichert man uns fast amüsiert. O.k., dann soll es wohl so sein. Manchmal sind unsere Entscheidungen von Wankelmut charakterisiert.
    Eine Dreiviertelstunde später sitzen wir auf den Rädern (Kocher, Klappstühle, Proviant, umfangreiches Kameraequipment und acht Liter Wasser an Bord) und machen uns an den langen Anstieg. Schon, als wir um halb elf (ganz schön spät für so eine Aktion…) die Hauptstraße von Tatvan in westlicher Richtung zum Ortsausgang rollen, baut sich der Zielberg gewaltig und respekteinflößend in der Ferne auf.
    Heiko hatte schon zwei Tage zuvor eine Route mit komoot geplant und die gpx-Dateien auf die Navigationsgeräte
    kopiert. Da es sowohl in komoot wie auch in GoogleMaps so aussah, als wäre die Asphaltstraßenanbindung zum Berg unterbrochen, führt der Track über weite Strecken über, allerdings zumeist relativ gut fahrbare, Feldwege hinauf. Gut 800 Meter Höhendifferenz sind von Tatvan bis zum Kraterrand zu überwinden – auch mit un- bzw. wenig beladenen Rädern durchaus ein sportliches Unterfangen.
    Die Fahrt/ das Schieben führt durch ein kleines Dorf, in welchem wir direkt wieder von einer Kinderschar umringt sind. Sie vermitteln uns, dass wir nicht weiterfahren dürfen, es gäbe Bären, es sei verboten, Verhaftung durch Polizei drohe. Dabei machen sie jedoch einen recht freundlichen Eindruck, erst zum Ende der Begegnung beginnen auch sie ein kleines „Money, money“-Konzert, ohne dabei zudringlich oder unangenehm zu werden.
    Heiko checkt auf dem Navigationsgerät noch einmal die Route hinauf, sie ist alternativlos. Da auch mehrere Erwachsene im Dorf uns sehen und ohne jede Warnung nach freundlichem Gruß fahren lassen, werten wir die „Warnungen“ der Kleinen als Kinderspielerei und setzen in sehr langsamem Tempo die Fahrt fort.
    Fünfhundert Meter an Höhe haben wir dem Relief abgerungen, als der Feldweg endlich auf die Asphaltstraße, die eigentliche Hauptroute zum Krater, trifft. Eine Pause unterwegs verkneifen wir uns mit Blick auf die voranschreitende Tageszeit, so dass wir ohne Halt weiter hinaufstreben. Die Freude am Asphalt ist von kurzer Dauer, sehr bald geht der Straßenbelag in ein sehr unangenehmes Kopfsteinpflaster über, eine arge Schaukelei ist es ab sofort.
    Es ist ein wenig aufregend, den höchsten Punkt am Rande des Kraters zu erreichen - beachtliche 2.533m über dem Meeresspiegel zeigen unsere Navigationsgeräte an, damit steht ein neuer Kurs-Südost-Passhöhenrekord fest. Und auch Heikos bisher höchster erradelter Berg, der Port d’Envalira (2.408m) in den Pyrenäen, wird damit übertrumpft. Der Ausblick ist majestätisch, es ist, als blicke man aus einem Flugzeug auf die fernen Berge, den Van-See und die Stadt Tatvan.
    Im Westen geht der Blick in den Krater. Was hat ChatGPT dazu zu sagen? „Der Nemrut‑Kratersee bei Tatvan in der osttürkischen Provinz Bitlis ist ein beeindruckendes Naturdenkmal: Er liegt auf rund 2.247 m Höhe und bedeckt die westliche Hälfte einer riesigen Caldera des Vulkanbergs Nemrut, dessen Kegel während des Holozäns einst stürzte. Mit einer Fläche von etwa 12 km², einer durchschnittlichen Tiefe von rund 100 m (max. 176 m), gilt er als größter Kratersee der Türkei und einer der weltweit größten. In der Caldera finden sich fünf Seen – zwei dauerhaft, darunter kalte und heiße Gewässer – sowie Thermalquellen, Eishöhlen und Dampfschächte.“

    Beim Namen „Nemrut Krater“ drängt sich die Frage auf, ob es eine Verbindung gibt zum „Nemrut Dağı“ bei Adıyaman, welchen wir vor einigen Wochen besuchten.
    Hierzu befragt, gibt die KI die folgende Antwort: „Die beiden Berge teilen sich den Namen aus mythologischer Überlieferung, aber eine direkte geografische oder historische Verbindung besteht nicht. Der Name wurde wahrscheinlich unabhängig voneinander jeweils aufgrund der imposanten Naturerscheinung oder lokaler Legenden übernommen.“ O.k., ist das auch geklärt.

    Der beschi..ne Straßenbelag setzt sich auch im Krater fort, so dass die Abfahrt auf der zum Teil garstig steilen Piste fast genau so anstrengend ist wie der Anstieg. Bald schmerzen die Handgelenke, da sich die Finger auf der langen rumpeligen Abfahrt in die Bremsen krallen. Der Krater ist riesig, etwa 10 Kilometer und bald 300 Abwärtshöhenmeter sind es bis zum See. Uns sitzt die Zeit im Nacken, denn wir wollen auf jeden Fall vor Einbruch der Dunkelheit wieder unten in der Stadt sein. Also fahren wir nicht ganz hinab bis an das Ufer des Sees, sondern schlagen unser „Pausenlager“ ein, zwei Kilometer vorher auf. Endlich eine Rast! Es gibt Tee, Kekse, Salzstangen und Äpfel, während die Drohne aufsteigt, um ein paar schöne Luftaufnahmen zu machen. Lange währt der Müßiggang nicht und so poltern wir bald zurück. Erst hinauf zum Kraterrand, dann hinab nach Tatvan. Diesmal bleiben wir auf der Straße, irgendwann gelangen wir wieder auf den Asphaltabschnitt, auf welchem wir flott vorankommen. Heiko kann am Abend eine Höchstgeschwindigkeit von etwas über 78 km/h auf seinem Tacho ablesen… Noch ein Rekord!

    Von Bären letztendlich unbehelligt erreichen wir in der herannahenden Dämmerung wieder unser Hotel. Die Sorge vor einer Begegnung mit diesen Tieren begleitete Claudia durch den Tag, was für sie manchmal den Genussfaktor etwas dämpfte. Ziemlich k.o. geht es unter die Dusche und es werden für ein halbes Stündchen die Füße hochgelegt, bevor wir uns dann auf den kurzen Fußweg zu genau dem Restaurant machen, in welchem wir bereits gestern zu Abend aßen. Wir bestellen das gleiche Gericht, Tantuni mit Yogurt. Der junge Inhaber des Ladens lässt es sich nicht nehmen, uns den einen oder anderen Tee zu spendieren und mit uns ein Pläuschchen zu halten. Bei Kaltgetränk (Fuse Tea Melone, Claudia) und Tee (Fenchel, Heiko) nebst Schokoriegel klingt der Tag im Hotelzimmer aus.
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  • Zelten mit Seeblick

    29 giugno 2025, Turchia ⋅ ☀️ 26 °C

    Ein letztes Mal bedienen wir uns im Hotel Karaman am herrlichen Frühstücksbuffet, dann verstauen wir das im Zimmer verbreitete Chaos wieder ordnungsgemäß in die Packtaschen. Es ist sehr angenehm, dass die Wetterbedingungen es inzwischen zulassen, nicht mehr in den ganz frühen Morgenstunden losradeln zu müssen. Die Temperaturen sind moderat, so dass wir den ganzen Tag fahren können, ohne lange Hitzepausen einzulegen. Der Weg führt uns heute zunächst vom See weg. Wir müssen quasi einen Berg "umrunden", bevor wir wieder an das Wasser gelangen. Eine ganze Weile haben wir beim Radeln nun den schönen Anblick des Van-Gölü zu unserer Linken. Damit wir während einer Pause nicht nur die schöne Aussicht, sondern auch etwas Stille genießen können, verlassen wir die Straße und richten etwas abseits unser Picknickplätzchen ein. Ein Pferd schaut vorbei, ein Hirte mit zwei Kühen grüßt freundlich und zwei Frauen erkundigen sich nach unserem Wohlbefinden, ansonsten haben wir unsere Ruhe. Der Tag geht recht unspektakulär weiter. Ohne nennenswerte Steigungen fahren wir bei herrlichem Wetter weiter entlang des Sees. Als wir an einem kleinen Laden mit angeschlossenem Teegarten unsere Wasservorräte auffüllen wollen, laden uns zwei junge Männer, einer ist Lehrer und der andere Ingenieur, zum Tee ein. Sehr viel weiter radeln wir heute auch nicht mehr, nach wenigen Kilometern ernennen ein Stoppelfeld zum Zeltplatz. Nach einer abendlichen Portion "Instant-Curry-Nudeln" bauen wir unser Zelt am oberen Rand des Feldes auf, so dass wir einen guten Blick auf den See haben. Etwas abschüssig ist die Position unserer Isomatten heute, aber wir werden schon nicht den Hang runterrutschen...., hoffentlich!Leggi altro

  • Zelten in luftiger Höhe

    30 giugno 2025, Turchia ⋅ ☀️ 19 °C

    Unser Lagerplatz am Hang ist ziemlich abschüssig, weshalb wir anstreben, die überdachten Picknickbänke direkt am See für unser Frühstück zu nutzen. Also bauen wir das Zelt ab, beladen die Räder und rollen zum See. Leider bietet sich uns vor Ort jedoch ein trauriges Bild: Müll! Überall Müll! Der Platz könnte so schön sein...! Es ist uns, wie auch schon so manches Mal vorher, ein Rätsel, warum dieses Problem hier scheinbar nicht in den Griff zu bekommen ist. Wir entscheiden uns auf jeden Fall für den Rückzug und bauen lieber unser Mobiliar am Rande eines Feldes auf. Nach dem Frühstück schwingen wir uns auf die Fahrräder und folgen zunächst der Straße am Van-Gölü entlang. Schon bald müssen wir uns allerdings vom See verabschieden, die Navigationsgeräte lotsen uns ins Hinterland. An einer Tankstelle legen wir eine ausgiebige Tee-Pause ein, denn vor uns liegt ein 18 Kilometer langer Anstieg. Ein schöner Nebeneffekt der milderen Temperaturen ist der, dass wir Schokolade transportieren können, ohne dass sie sofort wegfließt. Das versüßt die Pausen im wahrsten Sinne des Wortes erheblich. Während der ganzen Etappe freuen wir uns schon auf den letzten Abschnitt, der uns zum Gipfel, aber vor allem weg von der Hauptstraße führen soll. An der Stelle, wo der motorisierte Verkehr in einen längeren Tunnel verschwinden und durch den Berg hindurch fahren wird, nehmen wir die Nebenstrecke und strampeln auf den Berg hinauf. Wie schön wäre es, dort oben in über 2000m Höhe das Zelt aufschlagen und die Nacht verbringen zu können. Am Abzweig angekommen ist erstmal die Enttäuschung groß: Der Tunnel ist gesperrt. Zu unserem Leidwesen hat dieser Umstand zur Folge, dass nicht nur wir, sondern der gesamte Verkehr, der vorher auf einer vierspurigen Straße unterwegs war, jetzt auf zwei Spuren über den Berg rollt. Das haben wir uns definitiv anders vorgestellt. Während einerseits die Aussicht fantastisch ist, wird uns andererseits mitunter angst und bange, wenn die LKW teilweise wenige Zentimeter neben uns vorbeidonnern. Das unaufhörliche laute Rauschen des Verkehrs ist zudem sehr lästig und nervraubend. Am Ende ist es dennoch ein gutes Gefühl, den Gipfel in 2234m Höhe erreicht zu haben. Als wir hier oben unsere Stühle für ein Päuschen aufbauen wollen, hält auch ein Wohnmobil an. Am Nummernschild erkennen wir, dass es sich um deutsche Reisende handelt. Nach einem kurzen Plausch mit dem älteren Ehepaar aus Garmisch-Partenkirchen winken wir dem Wohnmobil hinterher, während wir an Ort und Stelle bleiben. Und das Beste ist, dass es plötzlich still ist. Der Tunnel ist wieder geöffnet und es kommt so gut wie gar kein Verkehr mehr über den Berg. Dieser Umstand ist so herrlich, dass wir unsere Pause zeitlich ziemlich ausdehnen. Warum überhaupt noch den Berg wieder runterfahren, fragen wir uns, warum nicht einfach hier bleiben? Der Gipfel beherbergt eine kleine Station, von der wir nicht wissen, ob sie zu einigen Windkrafträdern gehört oder eine andere Funktion hat. Auf jeden Fall treffen wir hier einen etwas verwegen aussehenden Mann an und fragen, ob es okay wäre, die Nacht auf dem Gipfel zu verbringen. Wie nicht anders zu erwarten stellt unser Anliegen kein Problem dar. Was sich dann allerdings doch als Problem entpuppt, ist der fiese und insbesondere stachelige Boden. Etwa eine Dreiviertelstunde und viele Nerven kostet es, eine kleine Fläche so zu bearbeiten, dass der Zeltboden hoffentlich keinen Schaden nehmen wird. Als wir endlich an unserem fertig eingerichteten Lagerplatz auf den Campingstühlen sitzen, Instant-Nudeln schlürfen und das Panorama genießen, stellt sich ein Gefühl ein, welches uns in diesem Urlaub bislang fremd war: Wir frieren! Es ist empfindlich kalt kalt hier oben in luftiger Höhe, so dass es uns bald in die warmen Schlafsäcke zieht, die wir erstmals sogar bis oben hin zumachen.Leggi altro

  • Wenn ich den See seh‘...

    1 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 23 °C

    Wir sind zwar früh wach, vetrödeln aber noch recht viel Zeit an unserem Zeltplatz, so dass wir erst ziemlich spät auf den Rädern sitzen. Mit einer steilen Abfahrt vom Berg starten wir in die heutige Etappe. Zu unserem Leidwesen müssen wir uns die Straße erneut mit dem Rest des Verkehrs teilen - der Tunnel ist heute in der Frühe wieder gesperrt worden. Die Berge zur Rechten und einen wunderbaren Seeblick zur Linken fahren wir unter blauem Himmel gen Osten. Irgendwann bleibt ein Kleinbus stehen, zwei Frauen und ein Mann steigen aus. Eine Frau hat einen Wanderrucksack nebst Isomatte auf dem Rücken und trägt ein Mikro am T-Shirt. Die Aufklärung erhalten wir postwendend: Es handelt sich bei den Dreien um ein Fernsehteam des Senders WAAR, die in uns ihre nächsten Opfer, äääh, Interviewpartner gefunden haben. Auf türkisch steht Heiko Rede und Antwort, so gut es ihm möglich ist. Eine kurze Radel-Szene mit uns wird noch gedreht, dann ist das Schauspiel-Engagement auch schon wieder vorbei. Als Gage erhalten wir eine Tüte voll mit frischen Früchten. Hätten wir besser verhandeln sollen?
    Es ist noch nicht spät am Tag und wir haben auch noch nicht viele Kilometer in den Beinen, dennoch ruft der Feierabend. Wir wollen einen kleinen Campingplatz am See ansteuern, der laut Internet einen sehr netten Eindruck macht. Über kleine Straßen und einen Schotterweg erreichen wir das Ziel "Bienya Camping & Beach". Das erste Mal seit 2021 rollen wir auf einen richtigen Campingplatz und wir werden nicht enttäuscht. Die kleine Anlage ist tatsächlich sehr hübsch und wir werden freundlich empfangen. Der junge Platzbetreiber fragt, woher wir kommen und will uns sicherlich einen Gefallen damit tun, dass er uns sofort den Platz neben einem riesigen Camper mit deutschem Kennzeichen zuweist. Klaus und Nic (Nicole?) stellen sich vor, die anfangs einen schrägen Eindruck auf uns machen. Mal sehen, was das wird. Erstmal stellen wir das Zelt auf, richten uns ein, platzieren unsere Stühle mit Blick auf das Wasser und genießen die Ruhe und die schöne Aussicht. Wie heißt es so schön: "Wenn ich den See seh‘, brauch ich kein Meer mehr." Tatsächlich könnte man den Van-See mit einem Meer verwechseln. Das gegenüberliegende Ufer ist nicht zu sehen, kleine Wellen rollen heran, Möwen segeln über dem Wasser. Herrlich!
    Das Thema Ruhe erledigt sich leider im weiteren Verlauf, da zum Zwecke der Testung einer Bewässerungsanlage regelmäßig ein nervtötender Generator angeschmissen wird. Eigentlich wollten wir heute noch einen kleinen Ausflug auf eine nahegelegene Insel machen. Nach eher halbherzigen Bemühungen vertagen wir diese Aktion aber auf morgen und beschränken uns heute auf Faulsein. Da wir gar nicht mehr wirklich Proviant in den Packtaschen haben, lassen wir uns aus der Campingplatz-Küche ein mittelprächtes, aber auch kostengünstiges belegtes Toast ans Zelt liefern. So richtig satt werden wir nicht und da zögern wir nicht lang, als Klaus und Nic uns zum Essen einladen. Im gusseisernen Topf haben sie ein Gericht aus Möhren und Datteln zubereitet, dazu gibt es Gemüse und Fleisch vom Grill. Zu viert sitzen wir vor dem großen Auto, wo ein Essbereich auf einem Teppich platziert ist. Obwohl wir beim ersten Kennenlernen etwas skeptisch waren, wird es ein sehr netter, leckerer und unterhaltsamer Abend, der vom Austausch unserer vielen Reiseerfahrungen lebt. Klaus und Nic sind bereits seit September unterwegs und haben bereits den Oman, Saudi-Arabien, den Irak, den Iran und die Türkei bereist. Über Georgien und Armenien werden sie weiterfahren und voraussichtlich im März zurück in die Heimat in Deutschland kommen. Als uns alle vier so langsam die Müdigkeit überkommt, ziehen wir uns zur Nachtruhe zurück - die einen ins große Auto, die anderen ins kleine Zelt.
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  • Über Akdamar nach Van

    2 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 26 °C

    Noch vor dem Weckerklingeln sind wir wach. Es ist etwa sechs Uhr und es herrscht noch wunderbare Stille auf dem Campingplatz. Nur das Plätschern der Wellen ist zu hören, als wir mit Blick auf den See frühstücken. Wir sind bereits in Aufbruchstimmung, als sich irgendwann die Tür des Nachbarcampers öffnet und Klaus und Nic in den Tag starten. Wir verabschieden uns und rollen durch das Tor des Campingplatzes zurück in Richtung Hauptstraße. Nach etwa acht Kilometern erreichen wir den Fähranleger, wo wir ein Boot besteigen möchten. Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Van, unserem heutigen Zielort, ist nämlich gar nicht direkt in Van. Die armenische Kirche zum Heiligen Kreuz liegt auf der kleinen Insel Akdamar in der Nähe des Ortes Gevaş etwa 45km südwestlich von Van. Es gibt keinen festen Fahrplan, sondern es wird abgelegt, wenn mindestens zwanzig Personen auf die Insel möchten. Nach einer Wartezeit von etwa einer halben Stunde ist die Anzahl erreicht und nach einer kurzen Fährfahrt erreichen wir die Insel. Während die meisten Menschen zuerst die Kirche, welche schon vom Wasser aus sichtbar war, ins Visier nehmen, schwimmen wir gegen den Strom und lassen zuerst am ausgewiesenen Aussichtspunkt den Blick über den See und auf die Berge am Festland schweifen, während ein schrilles Konzert aus Möwengeschrei in unsere Ohren dringt. Die kleine Kirche mit ihrer aufwändigen Architektur und den vielen Ornamenten ist schließlich schnell besichtigt. Sie ist Teil eines ehemaligen Klosterkomplexes, welcher ab dem Jahr 915 erbaut wurde. Das Kloster selbst wurde im Laufe des Völkermordes an den Armeniern 1915 zerstört. Über die kommenden fast 100 Jahre verfiel die Kirche. Doch dann entschied sich die türkische Regierung, das Gebäude aufwändig zu restaurieren, um es 2007 als Museum wiederzueröffnen. Die einst sicher sehr schönen, tiefblauen Fresken im Innenbereich sind leider in keinem besonders guten Zustand mehr. Ungefähr ein Stündchen verweilen wir auf dem kleinen Eiland, bevor es zurück zur Fähre und ans Festland geht. Hier warten bereits unsere Fahrräder, die uns jetzt entlang des Van-Gölü in die gleichnamige Stadt Van tragen. Die Einfahrt in die Stadt zieht sich wie Kaugummi, ungefähr zwanzig Kilometer erstreckt sich die Fahrt durch zunehmend besiedeltes Gebiet bis in Zentrum. Es herrscht wahnsinnig viel Verkehr, was in Städten speziell für Claudia stets einen Stressfaktor darstellt. Als wir endlich das vorab ausgesuchte Hotel erreichen, folgt die Ernüchterung: Geschlossen! Nun gut, über GoogleMaps ist schnell eine nahegelegene Alternative gefunden und diese erweist sich als Glücksgriff. Zu einem moderaten Preis checken wir im schicken Van Life Hotel ein. Unsere Räder finden im Aufzug zur Parkgarage Unterschlupf, wir beziehen ein sehr helles und großes Zimmer im sechsten Stock. Wir duschen und belegen sämtliche Steckdosen des Zimmer, um Ladevorgänge zu starten, dann steht der letzte Programmpunkt des Tages an: Essen. In unmittelbarer Nähe zum Hotel finden wir ein ansprechendes Restaurant, wo wir uns leckere Pide und Köfte schmecken lassen. Satt und müde fallen wir in die Hotelbetten, von denen vor allem Heiko restlos begeistert ist. Morgen wird kein Wecker klingeln, Ruhetag ist angesagt.Leggi altro

  • Van Kalesi

    3 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 24 °C

    Die Begeisterung über unser Hotel wird auch beim Anblick des Frühstücksbuffets nicht getrübt. Wir freuen uns über die vielen Leckereien und essen zur Abwechslung mal wieder viel zu viel. "Nach dem Essen sollst du ruh'n", lautet das Motto, welches wir nun beherzigen. Das gibt uns Zeit, etwas über unseren Aufenthaltsort zu recherchieren:
    Die Stadt Van mit ihren etwa 370.000 Einwohnern ist auch Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz Van. Am Ostufer des Van-Gölü liegt sie in der Region Ostanatolien ganz in der Nähe der iranisch-türkischen Grenze.
    Van war unter dem Namen Tuschpa seit dem 9. Jahrhundert vor Christus die Hauptstadt des Königreichs Urartu. Mittelpunkt der Stadt bildete damals die Festung auf dem Burgberg (Van Kalesi). Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Herrschaft in Van regelmäßig. Erst im Jahr 1548 gelang es den Osmanen, einen endgültigen Sieg zu erringen und Van unter ihre Herrschaft zu bringen. Während der Weltkriege wurde Van schwer beschädigt und einige Kilometer östlich der alten Festung wieder aufgebaut. Genau diese ehemalige Festung des längst vergangenen urartäischen Reiches ist heute unser Ziel. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg und erreichen nach knapp fünf Kilometern den etwa 100m hohen und lang gestreckten Kalksteinrücken. Direkt am Vansee erheben sich hier majestätisch die Überreste der Befestigungsanlage. Über den Eingang am nördlichen Ende der Burg folgen wir dem Weg hinauf auf den Berg und erkunden die Festung. Die Aussicht auf das weitläufige Gelände ist grandios. In der einen Richtung blicken wir auf den Van-Gölü und auf der anderen Seite erheben sich die Berge hinter der Stadt. Am Fuße des Festungsberges sind die Überreste des alten Van bzw. Tušpa, der Hauptstadt des historischen Königreiches Urartu, zu sehen. Nach dem Abstieg gönnen wir uns vom letzten Bargeld, das sich noch im Portemonnaie befindet, ein kühles Getränk, bevor wir uns auf den Rückweg begeben. Für Bus oder Taxi ist keine Kohle mehr da, also wird erneut marschiert. Als wir das Zentrum erreichen, steuern wir erst einen Bankautomaten und dann einen Obsthandel sowie einen Supermarkt an. Im Hotel angekommen erfreuen wir uns an der von uns so geliebten Mahlzeit aus frischen Früchten mit Joghurt. Den Rest des Tages passiert nicht mehr viel. Tatsächlich ist nämlich zwar die Festung von Van sehr sehenswert, die Stadt selbst aber nicht sooo attraktiv, dass wir uns zu weiteren Erkundungen hinreißen lassen. Erst am Abend macht Heiko noch einen kleinen Spaziergang zu einem Geschäft, welches möglicherweise Gaskartuschen führen könnte. Leider mussten wir nämlich feststellen, dass die kürzlich erworbene Kartusche nicht funktioniert. Blöd! Wenn schon kein Gas, entdeckt Heiko aber auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen kleinen Imbiss, der die leckeren Joghurt-Tantuni im Angebot hat, die uns schon in Tatvan so gut geschmeckt haben. Ein offenes WLAN macht es zudem möglich, Claudia zu kontaktieren und "zum Abendessen zu rufen". Mit leckerem Essen und dem einen oder anderen Dessert-Schokoriegel im Hotel lassen wir den heutigen fahrradfreien Tag ausklingen.
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  • Katzenbehaart auf's Stoppelfeld

    4 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 22 °C

    Wir frühstücken zwar schon um sieben Uhr, verweilen im Anschluss aber noch recht lange in unserem Luxuszimmer. Als wir dann um halb elf endlich starten wollen, müssen wir feststellen, dass unsere Fahrräder, die sich noch im Aufzug der Tiefgarage befinden, von einem iranischen Auto eingeparkt sind. Wie man es auch dreht und wendet, die Räder sind unerreichbar. Das Hotelpersonal kümmert sich und nach etwa zehn Minuten ist die Fahrerin des Wagens gefunden. Sie entschuldigt sich, setzt das Auto zurück und der Weg zu unseren Vehikeln ist frei. Wir radeln zunächst die gestern spazierten Kilometer zur Festung und dann am Ufer des Van-Gölü weiter. Nach etwa 15 Kilometern erreichen wir unser erstes Ziel des Tages, das "Van Kedisi Evi (Van Katzenhaus)". Ein Hauptanliegen des Van-Kedisi-Evi ist es, die abnehmende Population der Van-Katze zu schützen und einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung zu leisten. Charakeristisch für Van-Katzen sind ihr seidiges langes oder kurzes weißes Fell, ihr hervorragender Jagdinstinkt, ihre Liebe zum Spielen im Wasser und ihre ungewöhnlichen Augen.
    In der Region Van wird die Katze von den Einheimischen „Pişik“ genannt . Je nach Augenfarbe werden die Katzen in drei Gruppen eingeteilt: zwei blaue Augen, zwei bernsteinfarbene Augen oder ein blaues und ein bernsteinfarbenes Auge. Früher verbrachte die Van-Katze die Sommermonate auf den Gebirgskämmen des Erek und ist in den Wintermonaten nach Hause zurückgekehrt. Heute ist die Van-Katze sehr selten und galt vor einigen Jahren sogar als vom Aussterben bedroht. Wir verbringen eine ganze Weile im Katzenhaus und sind insgesamt positiv überrascht. Es ist Besuchern möglich, das Katzengehege zu betreten, die Tiere können aber frei entscheiden, ob sie bleiben oder sich über eine unterirdische Röhre ins Freigehege zurückziehen. Auch gibt es Räume mit einer Art Betten für die Katzen, hier haben Besucher keinen Zutritt. Die Samtpfoten präsentieren sich extrem zutraulich und der Anblick der verschiedenfarbigen Augen ist wirklich faszinierend. Als wir uns sattgesehen und -gespielt haben, setzen wir unsere Reise, mit reichlich weißen Katzenhaaren bestückt, nach einem kleinen Einkauf vor Ort fort. Diesig ist es heute, wir können kaum die Berge in der Ferne ausmachen, die gestern noch deutlich zu sehen waren. Nach etwa zwölf geradelten Kilometern verlassen wir die Hauptstraße und folgen einer Schotterpiste. Es tut gut, mal "autofrei" unterwegs zu sein, da lässt sich die wunderbare Landschaft mit den kargen Bergen gleich noch besser genießen. Im Schatten eines Baumes gibt es Tee und ein kleines Picknick, bevor uns bald darauf die Straße wieder hat. Glücklicherweise hält sich der Verkehr in Grenzen und auch die Sicht ist inzwischen wieder etwas klarer. Nachdem wir uns mit ausreichend Wasser verproviantiert haben, lassen wir uns auf einem Stoppelfeld nieder. Hier gibt es einen leckeren Gemüsetopf vom Gaskocher, anschließend wird das Zelt aufgebaut und der Feierabend eingeläutet.
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  • Zwischen Felsen und Mini-Schlucht

    5 luglio 2025, Turchia ⋅ ☁️ 21 °C

    "Morgenstund' hat Gold im Mund" - Wir beherzigen diesen Kalenderspruch und verlassen um sechs Uhr die Schlafsäcke für unser Frühstück. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir auch zeitig in die Pedale treten. Seeehr entspannt starten wir in den Tag und so ist es am Ende neun Uhr, als wir unser Stoppelfeld-Hotel verlassen. Entspannt beginnt auch die heutige Fahrt, wir dürfen abwärts rollen. Bald erreichen wir das Ufer des Van-Gölü, welches wir fortan zu unserer Linken haben. Vor einem kleinen Lokal am Strand Beredelek winken ein Mann und sein Sohn uns energisch zu und rufen: "Çay, Çay!" Wir nehmen die Einladung an und rollen auf die andere Straßenseite. Während wir unser Glas Tee schlürfen, erfahren wir, dass zum Lokal auch ein Campingplatz gehört und man hier im See gut schwimmen kann. Kurz überlegen wir tatsächlich, die bislang sehr kurze Etappe zu beenden und einfach hier zu bleiben, entscheiden uns aber schließlich doch dagegen. Der etwa zehnjährige Sohn äußert mittels Gesten den Wunsch, eines unsere Räder fahren zu dürfen. Wir sind angesichts der schweren Beladung eher skeptisch, ob er das hinbekommt, wollen ihm aber den Wunsch auch nicht abschlagen. Der Junge kommt mit Claudias Fahrrad etwa zwanzig Meter weit, bevor er das Gleichgewicht verliert und im Schotter landet. Weder Rad noch junger Fahrer nehmen Schaden, aber seiner Reaktion und seiner Mimik können wir noch mehrmals entnehmen, dass der Junge nachhaltig beeindruckt ist. Kurz vor Aufbruch fragt Heiko den Lokalbetreiber, ob seiner Meinung nach heute Regen zu erwarten ist. Sehr überzeugt winkt er ab: "Yağmur yok - kein Regen!" Wir hatten wegen der im Vergleich zu den Vortagen deutlich kräftigeren und auch eher düsteren Bewölkung andere Befürchtungen, aber der Aussage eines Einheimischen glauben wir natürlich. Etwa eine halbe Stunde später suchen wir klitschnass Unterschlupf unter dem Vordach eines geschlossenen Ladens. Es schüttet nicht nur wie aus Eimern, sondern ein ordentliches Gewitter zieht über uns hinweg. Ob der Herr vom Beredelek-Strand wohl gerade an uns denkt? Wie auch immer..., wir kauern uns auf unseren kleinen Stühlen dicht an die Wand, um einigermaßen geschützt zu sein, trinken einen warmen Tee und futtern Chips. Es dauert nicht besonders lange, da verschwindet die Schlechtwetterfront ebenso schnell wie sie über uns hereingebrochen ist und der Himmel strahlt wieder in herrlichem Blau. Wir können also weiterradeln und sind auch in kürzester Zeit wieder trocken. Zu den Ereignissen auf den nächsten Kilometern zählen ein Wassereinkauf an der Tanke, der Erwerb von Halka Tatlisi (Teig-Ring, der frittiert und danach in Sirup gebadet wird und vor allem Claudia schmeckt...) an einem kleinen Verkaufswagen und die Sichtung einer Storchenfamilie in ihrem Nest. Als wir die Tiere entdecken, breitet gerade ein Storchen-Elternteil die Flügel aus und schwebt davon, vermutlich um Nahrung für den Nachwuchs herbeizuschaffen. Eine ganze Weile beobachten wir die fünf Heranwachsenden, die gar nicht mehr so klein sind, bis wir uns einen netten Pausenplatz suchen. Frisch gestärkt verlassen wir bald die Hauptstraße. Wir queren die Şeytan Köprüsü (Teufelsbrücke) und folgen einer kleinen, sehr ruhigen Nebenstrecke. Zu unserer Rechten schlängelt sich ein Fluss namens Bend-i-Mahi, bei dem es sich um den größten Zufluss des Van-Gölü handelt, durch eine Mini-Schlucht. Die Nebenstraße geht sehr schnell in eine Schotterpiste über, vermehrt türmen sich Felsen zu unserer Linken auf. Am Fuße ebendieser Felsen finden wir auf einer erhöhten Ebene, die man fast Wiese nennen kann, einen schönen Lagerplatz für die Nacht. In nur knapp einem Kilometer Entfernung befindet sich der Yaşar Kemal Şelalesi (Wasserfall), der aus einer Höhe von etwa 40 Metern in die Tiefe stürzt. Da dieser aber laut unserer Recherche nur während der Schneeschmelze Wasser führt und Heikos Drohnenflug das Trockenfallen in den Sommermonaten bestätigt, verzichten wir auf einen Spaziergang zu dieser "Sehenswürdigkeit". Stattdessen chillen wir auf der Wiese, essen Nudeln und bauen irgendwann das Zelt auf. Eine Weile teilen wir uns das Areal mit recht vielen Kühen und ihrem Hirten, weder Tiere noch Mensch scheinen sich aber an unserer Anwesenheit zu stören. Und als es dunkel wird und wir die Nachtruhe einläuten, sind wir auch wieder allein.Leggi altro

  • Boah, ist das kalt...

    6 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 16 °C

    Die Morgenstunden gemütlich auskosten? Ja, das können wir gut. Vom Aufwachen um halb sechs vergehen fünf Stunden, die dem Frühstück, der Drohnenfliegerei, dem E-Book und dem simplen "Dasein" gewidmet werden, bis wir um halb elf unsere Räder von der Nachtlager-Wiese zurück auf die Schotterpiste bugsieren. Wir holpern nur knappe drei Kilometer unseres Weges, dann ist bereits wieder Pause angesagt. Wir erreichen den 50m hohen Muradiye Şelalesi (Muradiye Wasserfall), welcher nach dem osmanischen Sultan Murad IV. benannt ist, der hier einst seinen Bagdad-Feldzug führte. Er fällt in eine tiefe Schlucht, durch welche der Fluss Bend-i-Mahi Richtung Van-Gölü fließt. Über den Fluss ist eine recht wacklige Hängebrücke gespannt, die es ermöglicht, das Naturschauspiel aus verschiedenen Perspektiven zu bestaunen. Tatsächlich ist es sehr schön anzusehen, wie das Wasser aus unterschiedlichen Höhen in die Tiefe fällt. Von den verschiedenen Aussichtsplattformen betrachten und fotografieren wir den Wasserfall. Neben uns hatten viele weitere Menschen die Idee, am heutigen Sonntag diesen Ort aufzusuchen. Familien picknicken auf den angrenzenden Wiesen, tragbare Samowar-Teekessel werden mit Holz angefeuert, Kinder plantschen vor dem Wasserfall und der Eisverkäufer macht ein gutes Geschäft. Wir schieben unsere Räder durch das nette Treiben und stellen fest, dass auch unsere letzte Mahlzeit schon eine ganze Weile her ist. Für ein Picknick reicht der Inhalt unserer Taschen nicht, also kehren wir spontan in einem Restaurant außerhalb des Geländes an der Straße ein. Wir genehmigen uns eine stattliche Portion Kebab und müssen dann bei den ersten Pedalumdrehungen feststellen, dass dies vielleicht nur eine mittelgute Idee war. Sehr mühsam fühlen sich die ersten Kilometer mit reichlich gefüllten Bäuchen an. Naja, selbst Schuld! Nach kurzer Fahrt auf der Nebenstrecke landen wir mal wieder auf der Hauptstraße, die aber auch eher mäßig stark befahren ist. Parallel windet sich weiterhin der Bend-i-Mahi durch die Schlucht. Zwischendurch hält ein LKW-Fahrer und schenkt uns zwei kleine Flaschen Wasser und eine große Flasche kalte Zitronenlimonade. Bald erreichen wir den Ort Çaldıran, der einen sehr netten Eindruck auf uns macht. Überraschenderweise entdeckt Heiko in einer kleinen Seitenstraße ein kleines Fahrradgeschäft. Da sein Hinterrad seit geraumer Zeit nicht rund läuft und Heiko einen Schaden am Mantel als mögliche Ursache identifiziert hat, besuchen wir das kleine Geschäft. Unsere Hoffnung, einen passenden Ersatzmantel zu bekommen, ist angesichts des äußeren Eindrucks vom Laden nicht besonders hoch, werden aber eines Besseren belehrt. Die zwei maximal zehn Jahre alten Kinder, die während unseres Besuches den Laden schmeißen, können tatsächlich für umgerechnete acht Euro einen Reifen anbieten. Perfekt! Beim anschließenden Gemüsekauf werden wir direkt noch zum Tee eingeladen, im Anschluss laden wir noch Wasser und ein Brot ein, dann geht die Fahrt weiter. Nicht der Hauptstraße, sondern kleineren Wegen auf Asphalt und später Schotter folgen wir und passieren winzige Dörfer. Landschaft, Licht und Atmosphäre sind großartig hier, in der Ferne über den Bergen leuchtet ein Regenbogen, Lavafelder und die umliegenden Berge lassen Erinnerungen an Island wach werden. Gerne würden wir hier übernachten und inzwischen ist auch die Zeit so fortgeschritten, dass die Etappe durchaus ihr Ende finden dürfte. Heiko fragt zwei Männer, die gerade vom Feld kommen, ob es okay wäre, hier zu zelten. Die beiden weisen uns auf Tiere und speziell Bären hin, grundsätzlich könnten wir aber ruhig hier übernachten. Hmmm...! Nach einigem Zögern treibt die Verunsicherung uns doch wieder auf den Radsattel. Es dauert nicht lange, bis wir wieder die Hauptstraße erreichen, die nun entlang der auf dem parallel laufenden Bergrücken liegenden iranischen Grenze führt und durch reichlich militärische Wachtürme sehr genau beobachtet zu werden scheint. Empfindlich kalt ist es mittlerweile, wir haben kräftigen Gegenwind, ein guter Zeltplatz ist nicht wirklich in Sicht..., das Launen-Barometer sinkt! Dezent frustriert entscheiden wir uns irgendwann für den erstbesten Platz, der irgendwie tauglich scheint. Etwas unterhalb der Straße, aber für den Verkehr durchaus einsehbar, nehmen wir erstmal auf unseren Stühlen Platz und kümmern uns um unser leibliches Wohl. Die Küche bleibt kalt, es gibt Salat mit Brot. Apropos kalt: Obwohl wir schon ein bis zwei Schichten Kleidung nachgelegt haben, macht uns die abendliche Kälte zu schaffen. Dass wir im Juli in der Türkei so frieren werden, nein, damit haben wir nicht gerechnet. Um so schöner ist es, als wir nach Zeltaufbau endlich in die warmen Schlafsäcke kriechen und den Reißverschluss bis oben hin zuziehen können.Leggi altro

  • Abfahrt in eine andere Welt

    7 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 22 °C

    Als wir kurz nach dem Aufgang der Sonne aufwachen und frühstücken stellen wir fest, dass unser Zeltplatz eigentlich viel besser ist als von uns am gestrigen Abend wahrgenommen. Während Claudia sich nach dem Essen mit dem Schreiben von Notizen beschäftigt, kümmert Heiko sich um den Mantelwechsel an seinem Fahrrad. Der erste Eindruck nach Vollendung der Arbeit ist gut, nun dürfen wir gespannt sein, wie das Rad und speziell der Mantel sich unter der täglichen Belastung verhält. Um viertel vor zehn ist unser Lager geräumt und wir bereit zur Abfahrt. Als Claudia bereits an der Straße und Heiko noch auf dem Feld steht, erscheint ein gepanzertes Militärfahrzeug. Auf Höhe von Heiko kommt es zum Stehen und der augenscheinlich auch mit Kameras ausgestattete Geschützturm nimmt ihn nach Seitwärtsbewegung und Absenkung ins Visier. Etwas irritiert schwenkt Heiko das deutsche Fähnchen, welches hinten an seinem Fahrrad befestigt ist. Daraufhin öffnet sich die schwere Tür des Fahrzeugs, ein Soldat kommt zum Vorschein und fragt, ob alles in Ordnung ist oder es ein Problem bzw. Hilfebedarf gibt. Als der Soldat hört, dass alles bestens ist und wir nur hier gezeltet haben, verabschiedet er sich freundlich und taucht wieder in seine Panzerhülle ab. Laut unserer Recherche waren Kanone und Kamera eines taktisch gepanzerten Radfahrzeugs "Otokar Cobra II", das u.a. auch als Späh- und Patrouillenfahrzeug im Bereich des Grenzschutzes eingesetzt wird, auf Heiko gerichtet. Skurril! Wir haben uns zwar inzwischen fast daran gewöhnt, dass unterschiedlich geartete Militär- und Polizeifahrzeuge sowie unzählige Kontrollpunkte (wir werden immer freundlich durchgewunken...) zum üblichen Straßenbild in Kurdistan gehören, eine derartige Begegnung hatten wir aber bislang nicht. Die verstärkte Militärpräsenz begeitet uns auch während des Anstieges, den wir nun zu bewältigen haben. Nur wenige hundert Meter entfernt von uns verläuft parallel die iranische Grenze, was angesichts der auf dem Bergrücken zu unserer Rechten verlaufenden Mauer und den vielen Wachposten unübersehbar ist. Während wir uns von dieser Seite unter Dauerbeobachtung wähnen, sieht es linker Hand gänzlich anders aus. Weite Lavafelder am Fuße des Schildvulkans Tendürek Dağı und wunderschöne Berge am Horizont prägen das Landschaftsbild im Grenzbebiet zum Iran. Nach einiger Anstrengung können wir schließlich einen neuen Höhenrekord von 2581m auf unserer Reise dokumentieren. Die wohlverdiente Pause verschieben wir noch etwas, da wir uns hier auf dem Gipfel quasi auf dem Präsentierteller sämtlicher, uns umgebender Militärposten befinden. Wir rollen also ein Stück abwärts und sobald wir zumindest halbwegs außer Sichtweite sind, lassen wir uns für eine ausgedehnte Pause mit Heißgetränken und Knabbereien am Straßenrand nieder. Und das Tollste ist, dass uns nach dem kleinen Picknick nur noch eine Abfahrt erwartet, die sich über sagenhafte 30 Kilometer zieht. Wir rollen los und es ist, als würden wir in eine neue, eine andere Welt eintauchen. Die Landeschaft ist geprägt von fantastisch aussehenden Hügeln und Bergen in verschiedensten Formen und Farben: felsgrau, sandbeige, grasgrün und rostrot. Der Weg hinab bietet uns so viele schöne Panoramen, dass wir ständig anhalten, staunen und Bilder machen. Dank dieser kurzen Stopps entgehen uns glücklicherweise auch die Tiere am Wegesrand nicht: Noch in luftiger Höhe zeigt sich uns ein Fuchs (glauben wir...), weiter unten flitzen Erdmännchen, von denen die Google-Bildersuche behauptet, es seien Ziesel, über staubige Sandflächen und einige Pferde traben in wildromantischer Art und Weise über die Felder. Deutlich weniger schön hingegen werden wir die Begegnung mit einem Kind in Erinnerung behalten. Der vielleicht maximal achtjährige Junge taucht aus dem Nichts auf der großen Straße auf und wirft einen Stein auf Heikos Hinterrad, während dieser bergab fährt. Als Heiko anhält, wird er von dem Jungen, der auch einen Stock in der Hand hält, bedrängt und um Geld angebettelt. Als auch Claudia den Punkt erreicht, heißt es nur noch: Gas geben! Die Szene beschäftigt uns, vor allem Heiko, noch eine ganze Weile. Gemischte Gefühle machen sich breit, die von Wut bis hin zu Enttäuschung, Traurigkeit und Mitleid reichen. Was veranlasst ein Kind dazu, mit Steinen auf Touristen bzw. das Fahrrad zu werfen? Mit Sicherheit hat dieser Junge wie auch die vielen weiteren Kinder und deren Familien in dieser Gegend alles andere als ein leichtes Leben. Aber mit Steinen zu werfen und danach den Beworfenen um Geld zu bitten...? Die Gedanken um diese Situation fahren eine Weile mit. Trotz allem entgeht uns aber nicht, dass der höchste Berg der Türkei, der Ararat, in unser Blickfeld rückt. Wir erreichen unseren Zielort Doğubeyazıt, wo wir zu unserer Freude eine neue Gaskartusche erwerben können. Die Freude nach dem letzten Kauf hielt ja leider nur bis zu Feststellung an, dass die Kartusche nicht funktioniert. Einen Einkauf erledigen wir noch und steuern dann ein Hostel etwas östlich der Stadt an, welches uns aufgrund der ungewöhnlich tollen Google-Bewertungen neugierig gemacht hat. Schon während der Fahrt können wir den beeindruckenden İshak Pasha Palast in der Ferne erkennen, dem wir morgen einen Besuch abstatten wollen. Es ist etwa 18 Uhr, als wir ohne Probleme die Unterkunft "ARK Hostel & Camp Caravaning" erreichen. Sofort macht die Anlage einen sympathischen Eindruck auf uns, vom Gastgeber Zafer werden wir freundlich empfangen. Wir erfahren, dass wir aktuell die einzigen Gäste sind, was laut Zafer daran liegt, dass viele Reisende wegen der derzeitigen Situation im benachbarten Iran die Gegend meiden bzw. die Reiseroute ändern. Wir beziehen ein großzügiges Zimmer, duschen ausgiebig und sind fasziniert vom Anblick der Berge in herrlichstem Abendlicht. Das Essen in einem nahegelegenen Restaurant ist köstlich und zum Ausklang des Tages genießen wir einen Tee auf der gemütlichen Terrasse unseres Hostels mit Blick auf den Ararat. Was geht es uns doch gut...!Leggi altro

  • İshak Paşa Sarayı

    8 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 20 °C

    Wir lassen den Tag mit einem entspannten Frühstück angehen und treffen die Entscheidung, nicht nur einen, sondern zwei fahrradfreie Tage an diesem Ort zu verbringen. Am heutigen Vormittag nutzen wir den Luxus der vorhandenen Waschmaschine sowie reichlich Wäscheleine im Freien, um unseren Klamotten mal wieder einen frischen Duft zu verleihen. Ansonsten lassen wir es uns die meiste Zeit auf der herrlichen Hostel-Terrasse mit Blick auf den Berg Ararat gut gehen, auch unsere Mittagsmahlzeit bestehend aus Wassermelone und Joghurt lassen wir uns hier schmecken. Am Ende vertrödeln wir die Zeit so sehr, dass der geplante Besuch des İshak Paşa Sarayı (İshak Paşa Palast) zu Fuß kaum noch lohnt. Etwa 4,5 Kilometer müssten wir spazieren und dabei mehr als 300 Höhenmeter überwinden. Damit wir ausreichend Zeit für die Besichtigung der Anlage haben, ersetzen wir den Fußmarsch durch eine Taxifahrt. Der Gastgeber des Hostels bestellt uns ein Auto und dann dauert es nicht lange, bis wir vor dem beeindruckenden Palast stehen, der sich wenige Kilometer hinter dem Ort vor einer grandiosen Bergkulisse erhebt. Der Palast wurde ab dem Ende des 17. Jahrhunderts vom damaligen kurdischen Machthaber der Stadt Doğubeyazıt gebaut. Die Fertigstellung erfolgte allerdings erst fast ein Jahrhundert später im Jahr 1784 durch den Namensgeber des Bauwerks İshak Paşa. Das imposante Bauwerk ist eines der herausragendsten Beispiele der Architektur des späten Osmanischen Reiches, welches osmanische, seldschukische, georgische, persische und armenische Stilarten vereint und als "türkisches Neuschwanstein" gilt. Wir zahlen den Eintritt und sind gespannt auf das Innere des Palast-Komplexes. Nach und nach erschließen wir uns die verschiedenen Höfe und besichtigen das prächtige Haupttor, sowie die zahlreichen Räume, darunter Moschee, Zeremonienhalle, Bad, Küche, private Gemächer, Mausoleum und Haremsraum. Es faszinieren uns die mit sehr detailreichen Ornamenten verzierten Fassaden. Besonders fällt das kunstvolle Grabmal der Herrscherfamilie auf, das reich mit einer Mischung aus seldschukischen Schnitzereien und persischen Reliefs verziert ist. Außerdem gefällt uns ein Raum an der Nordseite des Palastes sehr gut, denn hier wurde eine Außenwand zugunsten eines Balkons mit Ausblick entfernt. Der Blick auf das Gebirge ist fantastisch, zu sehen ist auch die alte Moschee der ursprünglich an diesem Ort befindlichen Siedlung mit ihrem Minarett und die Mauern der ehemaligen Zitadelle, die sich an dem Berg entlang schlängelt. In den vergangenen Jahrhunderten sind Erdbeben, ständig neu aufflammenden Konflikte zwischen dem Osmanischen Reich und Russland sowie verschiedene Kriege nicht spurlos am İshak Paşa Saray vorübergegangen. So wurde z.B. auch ein großer Teil der Holzkonstruktion zerstört und nie wieder wirklich aufgebaut, so dass bis heute ein modernes, schützendes Glasdach einen großen Teil des Palastes bedeckt.
    Wir halten uns nicht allzu lange im Inneren des Palastes auf, sondern freuen uns jetzt sehr darauf, von außen einen Überblick über das gesamte Ensemble zu bekommen. Wir spazieren in Richtung der alten Siedlung, von den Mauern der Zitadelle aus haben wir den gewünschten Überblick über den Palastkomplex und zusätzlich eine tolle Sicht ins Tal. Über eine weitere schöne Perspektive freuen wir uns, als wir einen kleinen Hügel direkt vor dem Eingang zum Palast hinauflaufen. Nach einigen Bildern gehen wir den Weg hinauf bis zum Ende und landen in einem Lokal. Bei türkischem Tee und Kaffee lassen wir die Aussicht auf uns wirken. Zum Abschluss unseres kleinen Ausfluges ist der Sonnenuntergang hinter der Kulisse des İshak Paşa Sarayı ein wunderbares Erlebnis. Kuppel und Minarett heben sich von einer weiten, scheinbar unendlichen Landschaft ab. Nachdem die Sonne sich für heute verabschiedet hat, treten wir zu Fuß den Rückweg vom Berg hinab in Richtung Doğubayazıt an. Kurz vor Erreichen unseres Hostels kehren wir im selben Restaurant wie schon am gestrigen Tag ein, wo das Essen auch heute wieder köstlich schmeckt. Zurück an der Unterkunft beenden wir den Tag mit Tee und Schokoriegel auf der beleuchteten Hostel-Terrasse, wunderbar!
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  • Einfach faul...

    9 luglio 2025, Turchia ⋅ 🌙 18 °C

    Der heutige Tag beginnt mit der Idee, dass wir nicht nur zwei, sondern sogar drei fahrradfreie Tage hier im Hostel am Rande von Doğubayazıt verbringen könnten. Gesagt, getan: Heiko teilt unserem Gastgeber Zafer mit, dass wir eine vierte Nacht bleiben werden. Warum tun wir das und was hält uns hier? Es ist dieses nette Hostel, in dem wir uns so wahnsinnig wohl und willkommen fühlen. Tatsächlich können wir die unzähligen begeisterten Google-Rezensionen der als "Travellers Meeting Point" ausgeschilderten Unterkunft nur bestätigen. Die Tage gehen damit los, dass wir uns in der Küche, die gleichzeitig Rezeption und Aufenthaltsraum ist, unser Frühstück zubereiten. Für wenig Geld haben wir die morgendliche Mahlzeit mit gebucht, das System von Zafer unterscheidet sich aber deutlich von anderen Unterkünften. Es gibt weder ein Buffet noch wird uns ein zubereitetes Frühstück vor die Nase gestellt. Stattdessen stellt Zafer morgens frisches Brot bereit, den Rest dürfen sich die Gäste selbst zusammenstellen. Tee und Kaffee dürfen wir uns kochen, so viel wir wollen, und das sogar den ganzen Tag. Im Kühlschrank findet sich alles, was das Frühstücksherz begehrt. Mundfertig geschnitten hat Zafer alles in kleinen Dosen portioniert, u.a. verschiedene Käsesorten, Wurst, Gurken, Tomaten, Oliven, Butter, Honig, Sirup, Wasser- und Honigmelone. Auch Eier finden sich im Kühlschrank, welche die Gäste sich kochen oder braten können. Uns gefällt das Konzept sehr gut, da wir das Frühstück ganz nach unserem Geschmack gestalten können und nichts weggeschmissen wird. Nach der ersten Mahlzeit des Tages begeben wir uns auf die "Terrasse auf Stelzen". Diese ist sehr gemütlich gestaltet und auch hier ist es den Hostelgästen jederzeit möglich, Tee und/oder Kaffee zu kochen. Unschlagbar ist zudem der Ausblick: Eine fantastische Sicht auf den Berg Ararat mit seinem verschneiten Gipfel haben wir, was wir sehr genießen können. Mit seiner Höhe von 5137 Metern ist der erloschene Vulkan und höchste Gipfel der Türkei zwar von fast jedem Punkt der Stadt und weit darüber hinaus zu sehen, unseren Panorama-Platz finden wir aber besonders großartig. Es heißt übrigens, dass der Ararat der Ort ist, der in der Bibel als Landeplatz Noahs mit seiner Arche gegen Ende der Sintflut gemeint ist: "Am siebzehnten Tag des siebenten Monats setzte die Arche auf dem Gebirge Ararat auf."
    (Buch Genesis, Kapitel 8). Wir glauben zwar nicht, dass die Höhe des Meeresspiegels jemals ausgereicht hat, um mit einem Schiff auf oder an diesem Berg zu stranden, beeindruckt von seinem Erscheinungsbild sind wir aber allemal. So können wir uns auch nicht satt sehen und verbringen die meisten Stunden des heutigen Tages auf der Terrasse mit dieser herrlichen, "realen Fototapete". Die weiteren Ereignisse lassen sich kurz zusammenfassen: Heiko verlässt einmalig das Hostel-Gelände, um im nahegelegenen Supermarkt frischen Joghurt für unsere Obstmahlzeit zu organisieren, Zafer kümmert sich um seine Hühner samt Küken und seine Katze mit ihrem niedlichen Nachwuchs, eine Alleinreisende Italienerin und vier Motorradfahrer checken ein. Am Abend essen wir ein drittes Mal in dem bereits bewährten Restaurant und lassen auch heute wieder den Tag auf der Hostel-Terrasse bei Tee und Schokolade ausklingen.
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  • Immer noch faul...

    10 luglio 2025, Turchia

    Inzwischen fast schon routiniert bereiten wir unser Frühstück in der Hostel-Küche vor. Während wir essen, kommt die alleinreisende Frau aus Italien mit Zafer zu den Themen Wirtschaft und Politik in der Türkei ins Gespräch. Wir zeigen uns ebenfalls interessiert und lauschen den Ansichten unseres Gastgebers. Spannend ist es, abseits der Medien die Perspektiven von Einheimischen zu hören. Die folgenden Stunden machen wieder ihrem Namen alle Ehre: Ruhetag! Lediglich für ein paar Erledigungen macht Heiko sich gegen Mittag auf den kurzen Weg in die "City" von Doğubayazıt. Er lässt beim Schneider für ein paar Lira zwei Nähte an seinem Hemd und seinem Fleecepullover nähen, bekommt vom Berber eine frische Frisur verpasst und kann die bei Ankunft erworbene Gaskartusche, die leider mal wieder nicht funktionierte, problemlos zurückgeben und sich das Geld erstatten lassen. Mit frischem Obst und Baklava kehrt er zurück und wir gehen wieder dem nach, was wir im diesen Hostel-Tagen so gerne tun: Essen und Faulenzen! Naja, fast..., Heiko nimmt auch noch eine Reparatur an seinem Fahrrad vor. Nachdem der vor einigen Tagen vollzogene Manteltausch nicht den gewünschten Effekt hatte und das Fahrrad nach wie vor leicht "hüpft", hat Heiko bei seiner Stadtfahrt nun möglicherweise das echte Problem entdeckt: Eine Speiche ist gebrochen, die nun durch eine Intakte ersetzt wird, bevor es wieder in den Chill-Modus geht. Erst am frühen Abend raffen wir uns doch noch auf und verlassen die nette Terrasse. Mit unseren unbeladenen Rädern fahren wir nochmal ein Stück hinauf zum İshak Paşa Palast. Wir suchen uns einen netten Platz mit guter Aussicht, machen Bilder im Abendlicht und lassen uns natürlich auch den Sonnenuntergang nicht entgehen. Nach diesem Mini-Ausflug rollen wir die Straße in flottem Tempo wieder abwärts, parken die Räder am Hostel und gehen schnurstracks in unser "Stamm-Restaurant". Ein letztes Mal lassen wir es uns hier noch vorzüglich schmecken, denn morgen ist Schluss mit Völlerei und Faulenzerei - die Reise soll weitergehen!Leggi altro

  • Majestätischer Ararat

    11 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 29 °C

    Noch einmal bereiten wir uns ein gutes Hostel-Frühstück vor, dann heißt es Packen und Abschied nehmen. Als das gemeinsame Erinnerungsfoto mit Zafer im Kasten ist, rollen wir winkend vom Hof. Eine Weile müssen wir ohne unsere Navigationsgeräte den Weg finden, der fehlende GPS-Empfang steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem riesigen Militärgelände, an welchem wir entlangradeln. Am Ortsausgang von Doğubayazıt ist das Signal wieder da und so verpassen wir es auch nicht, die Hauptstraße zugunsten einer kleineren Nebenstrecke zu verlassen. Die Landschaft präsentiert sich spektakulär schön: Steppenartige Weiten auf der einen, aber auch eine große sumpfartige Wasserstelle mit grüner Vegetation auf der anderen Seite. Mehrere Störche ziehen am Himmel ihre Kreise, Kühe waten durch das Wasser, wir rollen auf Schotterwegen durch winzige Dörfer. Dominiert wird das Landschaftsbild aber zweifellos vom majestätisch anmutenden Ararat. Wir kommen dem Berg immer näher, was ihn noch einmal deutlich größer und imposanter wirken lässt. Vielleicht ist es auch seine isolierte Stellung, die eine besondere Faszination bei der Betrachtung auslöst. Sehr warm ist es heute und weit und breit bietet sich kein schattiger Platz für eine Pause an. Da wir aber unbedingt vor dem erneutem Erreichen der Hauptstraße eine Rast einlegen möchten, kommt eine neue Erreungenschaft zum Einsatz: Der persönliche Schatten! Claudia ist seit kurzem stolze Besitzerin eines zum Campingstuhl passenden Gestänges mit rechteckigen Tuch, welches schattenspendend am Sitzmöbel befestigt werden kann. So verbringen wir eine Weile am Fuße des Ararat, schlürfen Tee und genießen die Aussicht. Zurück im Radsattel hat uns schnell die Hauptstraße wieder, auf gutem Asphalt arbeiten wir uns mal wieder den einen oder anderen Höhenmeter hinauf. Als wir die Passhöhe erreicht haben und nur entspanntes Abwärtsrollen ansteht, spähen wir bereits rechts und links der Straße nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Wir finden ihn schließlich auf einer kargen Wiese unterhalb der Straße, den wunderbaren Blick auf den Schneegipfel des Ararat im Abendlicht gibt es gratis dazu. Während wir das Panorama genießen und Chips knabbern, hält auf unserer Höhe ein Auto. Zwei Männer steigen aus und lassen sich quasi direkt über uns zum Picknick nieder. Unsere anfängliche Verunsicherung bezüglich dieses "Besuches" löst sich schnell in Luft auf, als Heiko die Böschung hinaufsteigt und sich zu den Männern gesellt. Die beiden sind sehr freundlich, plaudern eine Weile mit Heiko und teilen ihren gekühlten Pfirsichsaft mit uns. Bevor wir uns verabschieden und wieder zu unserem Lagerplatz hinuntergehen, wird uns noch eine Warnung vor hier lebenden Spinnen und Schlangen mitgegeben. Wir quittieren den Hinweis mit einem Lächeln und schauen lieber etwas genauer hin, wo wir mit unseren nackten Füßen in Sandalen so hintreten. Wirklich groß ist die Gefahr heute aber nicht mehr, die Sonne ist bereits untergegangen und wir verziehen uns zügig in das Innere unserer vier Zeltwände.Leggi altro

  • Über Umwege ins Wäldchen

    12 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 35 °C

    Es ist halb sechs, als wir die Zeltreißverschlüsse öffnen und mit dem Blick auf den Ararat-Schneegipfel in den Tag starten. In Ruhe frühstücken wir, im Anschluss lässt Drohnenpilot Heiko seinen kleinen Flieger ein paar Runden über die Landschaft kreisen. Es ist etwa neun Uhr, als wir auf den beladenen Fahrrädern sitzen, so wirklich in die Pedale treten müssen wir aber zunächst nicht. Ganz entspannt beginnt die heutige Etappe nämlich mit einer Abfahrt. Auf unter 900m Höhe geht es am Ende hinab, eine so geringe Höhe haben unsere Messgeräte lange nicht gezeigt. Als wir die Stadt Iğdır erreichen, nutzen wir die Infrastruktur dafür, Wasser und Proviant aufzufüllen. Wir verlassen kurz hinter dem Ortsausgang die Hauptstraße und unsere Sinne nehmen deutlich die Veränderungen durch den Höhenverlust wahr: Wärmer ist es und viel grüner, Bäume gehören wieder zum Landschaftsbild und es herrscht viel landwirtschaftlicher Betrieb. Die von uns gewählte Nebenstraße geht im Verlauf in eine sandige Schotterpiste über. Teilweise ist der Sand recht tief und der Schotter sehr grob, zusätzlich gibt es auf dem kilometerlangen Weg keinen Schatten. Claudia verzweifelt an dem Untergrund und kapituliert. Bei der nächstmöglichen Gelegenheit beenden wir das Gerumpel und tauschen Schotter gegen Asphalt unter Inkaufnahme eines Umweges. Am Rande eines kleinen Dorfes legen wir unter einem Maulbeerbaum eine Pause ein. Das komplette Picknickmobiliar wird aufgebaut, wir machen es uns gemütlich und gönnen uns Chips, Kuchen, Tee und Kaffee. Man kann also sagen, dass wir mehr als satt sind, als zwei Männer auf einem Moped neben uns bremsen. Einer der Männer überreicht uns eine Styroporbox mit einer vollständigen warmen Mahlzeit bestehend aus Reis und Curryhähnchen. Aber das ist nicht alles, zur Lieferung gehört tatsächlich das Komplettpaket. Man reicht uns noch Brot, kalten Ayran, Plastiklöffel, Servietten, ein kleines Tütchen Salz uns sogar zwei einzeln verpackte Feuchttücher, um unsere Hände nach dem Essen säubern zu können. Als wir alles dankend in Empfang genommen haben, knattern die beiden winkend auf ihrem Moped davon. Tja, da sitzen wir nun, gefühlt satt für die nächsten drei Tage und dennoch mit einer Mahlzeit vor der Nase. Den kühlen Ayran trinken wir schließlich direkt, das Essen packen wir uns dann doch lieber ein, um es zu einem späteren Zeitpunkt zu essen. Bei 37 Grad radeln wir weiter und erreichen bald die Hauptstraße, rare Schatteplätze werden stets für eine kurze Erholung genutzt. Einmal dient dazu ein kleiner Baum am Straßenrand, ein anderes Mal hocken wir uns in den schmalen Schatten vom Eingang eines Ladens, der zu einem kostenpflichtigen Picknickgelände gehört. Hier können wir auch kalte Getränke kaufen, was besonders Claudia sehr freut, da sie eine "innere Abkühlung" immer als extreme Wohltat empfindet. Einen letzten Anstieg bewältigen wir noch, bevor es mal wieder Zeit wird für die Schlafplatzsuche. Heiko erspäht einen Feldweg, der zu einem großen, potentiell geeigneten Terrain führt. Am Wegesrand machen wir es uns zunächst auf unseren Campingstühlen bequem und essen Tomatensuppe, die mit der Mahlzeit, die wir geschenkt bekommen und eingepackt haben, verfeinert wird. Später inspiziert Heiko die Umgebung hinsichtlich der Frage, ob und wo ein Zelt platziert werden könnte. Neben einigen hohen Bäumen, oder eher Bäumchen, die in dieser Gegend fast schon als Wald, oder eher Wäldchen, gelten können, richten wir uns schließlich häuslich ein. Als aber alles aufgebaut und verstaut ist, halten einige schwarz gekleidete Männer mit ihren Motorrädern an der nahegelegen Straße. Erst sind es zwei, dann vier und nach einiger Zeit hält noch ein fünfter Motorradfahrer an dieser Stelle. Wir finden das irgendwie merkwürdig und es beschleicht uns ein mulmiges Gefühl. Wahrscheinlich ist unsere Sorge völlig unnötig und irrational, sie veranlasst uns aber tatsächlich dazu, das Zelt trotz bereits hereinbrechender Dunkelheit wieder abzubauen und die Räder zu beladen. Wir wollen lieber ein Stück weiterfahren und einen anderen Platz für die Nacht finden. Als wir vom Wäldchen zur Straße schieben und die Männer erreichen, klärt sich die Situation auf: Einer der sehr jungen Fahrer hatte wohl eine Panne, die anderen sind bei ihm geblieben und ein anwesender älterer Herr war scheinbar angerufen worden und dann dazugekommen, um zu helfen. Wir sind gerade ein paar Meter an der Gruppe vorbeigefahren, da scheint deren Problem gelöst und die Motorräder fahren in unterschiedliche Richtungen davon. Wir halten an, überlegen kurz und machen schließlich kehrt, um unser Zelt ein zweites Mal neben dem Wäldchen aufzubauen. Der Rest des Abends und der Nacht bleibt ruhig, nur noch das Zirpen von Zikaden und das Knarzen der Bäumchen im Wind ist zu hören.Leggi altro

  • Heiß und hoch

    13 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 32 °C

    Der Wecker beendet unsere Nacht um fünf Uhr, zwei Stunden später sind wir nach Frühstück und der morgendlichen Pack- und Abbauroutine bereit zur Abfahrt. Nachdem der erste Anstieg des Tages bewältigt ist, rollen wir abwärts und sind überrascht von der Landschaft, die uns hier erwartet. Die farbenfrohen Hügel wecken bei Claudia über 30 Jahre alte Erinnerungen an das Wüstengebiet "Painted desert" im Petrified Forest Nationalpark in Arizona unweit des Grand Canyons. Wir machen viele Bilder sowohl vom Boden als auch aus der Luft und freuen uns über die bislang herrliche Fahrt. Ob der malerische Anblick natürlichen Urspungs oder aber in irgendeiner Art und Weise menschgemacht ist, können wir leider nicht in Erfahrung bringen. Die Temperaturen sind wieder hoch heute, da kommt die Pause für einen Einkauf und insbesondere das Kaltgetränk im Ort Tuzluca gerade recht. Ab jetzt sollen wir eine ganze Weile bergauf radeln, was uns bei der vorherrschenden Hitze einiges abverlangt. Die nächste kleine Auszeit haben wir deshalb schon fest im Blick. Bereits während der Reiseplanung zu Hause haben wir uns notiert, dass in wenigen Kilometern ein kleiner Campingplatz mit Teegarten und Restaurant lokalisiert ist, von welchem man zudem noch einen schönen Blick auf die Schlucht hat, welche die Türkei vom gegenüberliegenden Armenien trennt. Wir freuen uns auf diese kleine Oase, als wir uns schweißgebadet und durstig den Berg hinaufarbeiten. Leider werden wir aber bitter enttäuscht. Beim "Acar Camping Çay Bahçesi" angekommen werden wir schlichtweg ignoriert. Durch unsere Recherche wissen wir zwar, dass es einen Teegarten mit Schluchtblick gibt und sehen ihn auch, einen offensichtlichen Zugang können wir aber nicht erkennen. Wir setzen uns also zunächst an einen der drei Tische vor dem Haus mit Straßen- statt Schluchtblick. Weiterhin lassen die drei Männer, die zu diesem Laden gehören, uns jedoch links liegen. Nachdem wir eine Weile dort gesessen haben, ohne dass uns irgendjemand Beachtung schenkt, stehen wir leicht frustriert auf, nehmen unsere Räder und fahren weiter. Schade! Immerhin, und das ist das Gute, ist dieses Erlebnis eine absolute Ausnahme auf unserer Reise. Fies steil geht es für uns weiter bergauf, aber es soll sich lohnen. Auf der ersten Anhöhe angekommen kommen wir dann nämlich doch noch in den Genuss einer fantastischen Aussicht auf die vom Fluss Aras geformte Schlucht sowie Armenien auf der anderen Seite. Im Schatten eines Containers stellen wir unsere Stühle auf, knabbern Salzstangen und strecken die Beine aus. Nicht wenige Autos halten hier auf dem Plateau, um zu schauen und Fotos zu machen. Ein kleines Café oder dergleichen würde sich an dieser Stelle sicher lohnen, denken wir, und bedauern, dass bislang offensichtlich niemand auf die Idee gekommen ist. Wie auch immer, für uns geht es weiter: Heiß & hoch! Mühsam arbeiten wir uns in der Hitze Höhenmeter für Höhenmeter weiter nach oben. Als der steilste Abschnitt geschafft ist, verkriechen wir uns ein Weilchen unter den "personal shadow", den wir mit Hilfe einer kleinen Picknickdecke zu einem "Doppelschatten" erweitern. Nach der folgenden Dreiviertelstunde Sonnenfahrt sind es die drei einzigen Bäume weit und breit, die uns wohltuenden Schatten spenden. Eine innere Abkühlung erfahren unsere Körper etwas später an einer ehemaligen Tankstelle. Die noch vorhandenen Zapfsäulen sind augenscheinlich schon lange außer Betrieb, aber zu unserer Freude wird der dazugehörige kleine Shop weiterhin betrieben. Dies ist sicher eine kluge Idee des Inhabers: Viele Lastwagen stehen am Straßenrand und ihre Fahrer pausieren hier, ein Bus hält vor dem Laden und spuckt eine Ladung Menschen aus und auch recht viele Autos legen einen kurzen Stopp ein. Wir essen Eis und schlürfen eisgekühlte Getränke - was für eine Wohltat! Etwas runtergekühlt und ausgeruht nehmen wir schließlich das letzte Stück der Bergauffahrt in Angriff. Bald erreichen wir die Passhöhe und mit diesem Moment beginnt auch unsere Suche nach einem Übernachtungsplatz. Zum wiederholten Male zieht es uns auf ein Stoppelfeld, etwas unterhalb der Straße lassen wir uns nieder. Chefkoch Heiko zaubert auf dem Gaskocher ein leckeres Abendessen mit Nudeln und Auberginen, die wir gestern von einem Straßenhändler geschenkt bekommen haben. Als die Dämmerung hereinbricht, stellen wir das Zelt auf und nicht viel später liegen wir auf unseren Isomatten. Feierabend!Leggi altro

  • Offline in (vermeintlicher) Stille

    14 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 31 °C

    Nicht unser Wecker ist es, der uns heute aus dem Schlaf reißt, sondern ein Traktor, der auf "unser" Stoppelfeld geknattert kommt. Wie üblich stört man sich nicht daran, dass wir hier die Nacht verbracht haben, sondern ruft uns ein freundliches "Günaydın - Guten Morgen" zu. Während die Männer in aller Herrgottsfrühe ihrer Arbeit nachgehen und Strohballen einsammeln, duftet es vor unserem Zelt bald nach Tee und Kaffee. Auch ein Hirte mit seiner Schafherde zieht im Sonnenaufgang vorbei, unser heutiges Frühstück wird nicht langweilig. Sieben Uhr ist es, als wir uns auf die Straße begeben. Heiko fühlt sich heute ziemlich schlapp und kommt nicht so richtig in den Tritt. Daher passt es ganz gut, dass wir zwar bergauf fahren müssen, die Steigung sich aber sehr milde präsentiert. Ungefähr fünfzehn Kilometer sind wir unterwegs, als wir die Stadt Digor erreichen. Hier füllen wir unsere Vorräte auf, um für heute und morgen ausreichend versorgt zu sein. Es ist zwar heute dezent kühler als gestern, dennoch freuen wir uns über jeden Schatten. Als 27 Kilometer und 500 Höhenmeter absolviert und wir reichlich pausenbedürftig sind, muss mal wieder die Notlösung des Selfmade-Schattens herhalten, da weit und breit kein Sonnenschutz verfügbar ist. Auf der Weiterfahrt eröffnet sich nach Überqueren der Passhöhe ein wunderbarer Blick in die Weite, hinunter in das vor uns liegende Tal und die hügelige Landschaft. Immer mal wieder sehen wir Greifvögel durch die Lüfte segeln. Ein letztes Mal am heutigen Tag führt unsere Route bergauf, den höchsten Punkt erreichen wir jedoch nicht mehr. Im Schatten einer Felsabbruchkante in einer Senke neben der Straße wollen wir eigentlich nur eine Pause machen, kommen am Ende aber nicht viel weiter. Die Gegend hier, durch die sich auch eine kleine Schlucht zieht ist ganz hübsch und wir stellen fest, dass wir unseren Fahrrädern auch gut und gerne Feierabend geben könnten. In etwas Entfernung ist eine Baumreihe an einem Feld zu sehen, das könnte uns in doppelter Hinsicht nützlich sein: Schatten für den Rest des Tages und ein Plätzchen für die Nacht. Nachdem Claudia die Örtlichkeiten aus der Nähe inspiziert hat, packen wir unser Picknicklager am Straßenrand zusammen und poltern einen knappen Kilometer über die Felder an der Schluchtkante zur Baumreihe hinauf. Schnell sind vor Ort Tisch und Stühle wieder aufgebaut. Wir genießen einen kleinen Salat mit Brot sowie Aussicht und Stille. Stille? Leider währt diese nicht lange...! Erst kommt noch ein Traktor mit Anhänger auf das benachbarte Feld gefahren und es werden in Seelenruhe Strohballen eingesammelt (das haben die Jungs heute in der Frühe deutlich schneller erledigt...), danach stellen zwei Kinder unsere Nerven auf eine Probe. Die beiden Jungs, wir schätzen sie auf etwa acht und fünf Jahre, tauchen in unmittelbarer Nähe mit einer Kuhherde auf. Wir erleben nicht das erste Mal, dass Kinder hier ganz selbstverständlich große Tierherden über die Wiesen führen, diese beiden jungen Hirten sind aber doch sehr speziell. Sie ziehen nicht mit den Tieren lediglich an uns vorbei, sondern halten sich ziemlich lange in Sicht- und vor allem Hörweite auf. Und zu hören bekommen wir deutlich. In schöner Regelmäßigkeit dringt der schrille Schrei des jüngeren Kindes in unserer Ohren: "Abiiiii, Abiiii...!" Abi heißt (Großer) Bruder und der Kleine wird nicht müde, immer wieder lauthals nach diesem zu rufen. Wir machen drei Kreuze, als Kühe und Kinder sich nach einer gefühlten Ewigkeit über einen Hang entfernen und endlich wieder Ruhe einkehrt an diesem Ort, der zudem noch ein absolutes Funkloch ist. Unser mobiler WLAN-Router hat keinerlei Empfang, so dass wir zunächst mal offline sind. Inzwischen ist die Sonne untergegangen und es ist an der Zeit, das Zelt aufzustellen. Da ausnahmsweise mal sehr wenig Mücken und nervige Fliegen unterwegs sind, hocken wir noch einen Moment vor dem Zelt auf unseren Stühlen, bevor wir die Nachtruhe antreten.Leggi altro

  • Letzte Outdoor-Nacht

    15 luglio 2025, Turchia ⋅ ☁️ 20 °C

    Am heutigen Morgen werden wir noch vor dem Frühstück von der Kuhherde begrüßt, mit der wir bereits gestern Bekanntschaft gemacht haben. Heute werden sie aber nicht von den beiden kleinen Brüdern vor sich hergetrieben, sondern lediglich der größere Junge ist mit seinem Vater unterwegs. Er zeigt sich uns gegenüber sehr schüchtern, vor allem als sein Vater ihn irgendwann mit den Kühen und uns allein lässt. Wahrscheinlich ist er froh, als wir das Zelt abgebaut und unsere Räder beladen haben. Wir schenken dem Mini-Hirten noch eine Tüte Pizza-Cracker, die er mit einem leisen "Teşekkürler - Danke" annimmt, bevor wir ihn mit seinen Kühen auf der Wiese allein lassen und uns auf den Weg machen. Zu Beginn gilt es, die letzten Höhenmeter des Anstieges zu meistern, den wir am gestrigen Tag nicht mehr vollständig gefahren sind. In der Kühle des Morgens ist der höchste Punkt schnell erreicht, ab jetzt ist erstmal nur noch Lenken angesagt, bergab rollen die Drahtesel schließlich ganz alleine.
    Es ist noch nicht mal neun Uhr, als wir unser geplantes Sightseeing-Ziel für heute, die antike Stadt Ani, erreichen. Die historische Stätte öffnet um neun, der große Besucherparkplatz ist noch herrlich leer. Unsere Fahrräder dürfen wir netterweise mit auf das Gelände nehmen und direkt neben dem Ticket-Office parken, wo wir dann zwei Eintrittskarten kaufen. Gerne hätten wir im Café im Eingangsbereich des großen Besucherzentrums noch etwas getrunken, leider findet sich aber hinter den Scheiben des Kühlschranks nur gähnende Leere. Komisch, denken wir, so ein großes Café mit Innen- und Außenbereich, aber nicht mal Wasser ist vorrätig. Aber was soll's, dann beginnen wir eben direkt mit der Besichtigung. Ani war einst armenische Hauptstadt, ist aber seit vielen Jahrhunderten verlassen. Die Ruinen befinden sich rund 42 Kilometer in südöstlicher Richtung entfernt vom Endpunkt unserer diesjährigen Reise, der Stadt Kars, entfernt.
    Die Geschichte der Stadt, die im fünften Jahrhundert als Festung der Armenier gegründet wurde, reicht gute 1.500 Jahre zurück. Um das Jahr 1.000 war Ani eine blühende Metropole. Durch ihre strategische Lage entlang der nördlichen Seidenstraße sowie weitere wichtige Handelsnetze wurde die Hauptstadt des armenischen Königreiches zu einem Zentrum von Kultur und Wohlstand. Bis zu 100.000 Einwohner soll sie gezählt haben, damit gehörte sie zu den bevölkerungsreichsten Städten der Welt. Zu der Zeit wurde Ani auch Stadt der 1.001 Kirchen genannt.
    Geblieben ist von Glanz und Gloria leider nur wenig. Nach Belagerungen, Kriegen und schweren Erdbeben seit dem 12. Jahrhundert verlor Ani allmählich an Bedeutung und geriet in Vergessenheit. Nachdem die Region lange Zeit militärisches Sperrgebiet war, sind seit der touristischen Erschließung heute große Teile der Stadt frei zugänglich. Wir treten also durch die Überreste der massiven Stadtmauer, um die seit mehr als drei Jahrhunderten verlassenen Ruinen der ehemaligen Festungsstadt zu erkunden. Es erinnert nicht mehr viel an die 100.000 Einwohner, die einst in dieser Stadt lebten. Neben den Kirchen mit noch teilweise erhaltenen Fresken und diversen Grundmauern lassen heute nur noch die Überreste eines ehemaligen Palastgebäudes sowie die Zitadelle erahnen, wie die Stadt wohl zur Blütezeit des armenischen Reiches ausgesehen haben mag. Wie schon oftmals und an anderen Orten zuvor überlegt Heiko, wie es wohl wäre, in die damalige Zeit zu reisen und Zeuge des Lebens und Treibens in Ani zu sein. Aber wir müssen uns wohl unsere Fantasie spielen lassen. Über eine Strecke von etwa fünf Kilometern folgen wir den Wegen durch die Geister- oder Ruinenstadt und besichtigen die mehr oder weniger gut erhaltenen Bauten. Besonders angetan sind wir aber auch von der landschaftlichen Schönheit. Die Stadt liegt auf einem Plateau und bietet einen atemberaubenden Blick auf die Schlucht des Flusses Arpaçay, welche hier die natürliche Grenze zu Armenien bildet. Die sehr hübsche und besonders gut erhaltene Kirche Sankt Gregor von Tigran Honent liegt malerisch direkt an der Schlucht mit Blick auf den Grenzfluss. Gute zwei Stunden spazieren wir über die weitläufige antike Stätte und freuen uns sehr, diesen Abstecher gemacht zu haben. Wir erreichen schließlich wieder das Besucherzentrum am Ein- bzw. Ausgang, wo inzwischen reger Betrieb ist. Der Parkplatz ist deutlich voller und viele Menschen strömen in Richtung des Einlasses. Wir sind froh, dass wir so früh vor Ort und fast allein auf dem Gelände unterwegs waren. Gleichzeitig verwundert es uns angesichts der Besuchermenge nun umso mehr, dass auf dem Gelände nicht einmal Getränke zum Verkauf angeboten werden. Wir schnappen uns unsere Räder, die artig neben dem Ticket-Häuschen auf uns gewartet haben und lassen Ani hinter uns. Wir sind noch nicht weit gefahren, da kommen uns zwei Radreisende entgegen - die ersten und einzigen in diesem Urlaub. Die beiden steuern auf uns zu und natürlich halten wir für einen kurzen Austausch an. Bérangère und David kommen aus Frankreich und sind seit acht Monaten mit dem Rad unterwegs, ihr weiterer Weg wird die beiden nach Georgien führen. Nach einer Weile fahren wir weiter, die Franzosen bergab nach Ani und wir bergauf in die entgegengesetzte Richtung. Die Temperatur ist inzwischen bereits wieder ordentlich nach oben geklettert, Schatten suchen wir vergeblich. Leider existiert auch das in Google Maps verzeichnete und gut rezensierte Restaurant nicht, auf welches wir für eine Rast gehofft hatten. Und nicht nur das, zusätzlich ziehen auch bedrohlich dunkle Wolken auf, in der Ferne hören es es bereits verdächtig grummeln. Das Glück ist aber auf unserer Seite, noch im Trockenen erreichen wir eine Tankstelle. Kurz nach Ankunft unter dem schützenden Dach frischt der Wind auf und Regen setzt ein. Binnen weniger Minuten weht es so stark, dass selbst die große Mülltonne droht, über das Tankstellengelände zu fliegen. Heiko checkt seine türkische Wetter-App und stolpert über folgende Unwetterwarnung: "Es werden örtlich schwere Gewitter erwartet. Vorsicht und Vorsichtsmaßnahmen sind bei möglichen Gefahren wie Sturzfluten, Überschwemmungen, Blitzen, Hagel, Tornados, starkem Wind und Verkehrsbehinderungen während der Regenfälle geboten." Tatsächlich fegt ein ausgewachsenes Gewitter über uns hinweg. Und während wir gerade noch auf dem Rad geschwitzt haben, ist uns nun empfindlich kalt. Ein freundlicher Herr hat wohl Mitleid, als er sieht, wie wir uns schlotternd vor Kälte in eine möglichst windgeschützte Ecke des Tankstellengebäudes kauern. Er überreicht uns jedem einen Tee und eine Rolle Kekse. Glücklicherweise ist der Spuk schnell vorbei, die dunklen Wolken ziehen weiter, der Regen hört auf, es wird wieder hell und warm. Ein letztes Mal in diesem Urlaub ernennen wir 25 Kilometer vor unserem Ziel, der Stadt Kars, ein Stoppelfeld zum Zeltplatz. Frische Tomatensuppe mit Nudeln gibt es zum Abendessen, das Dessert besteht aus Tee und Keksen. Die Sonne geht noch einmal besonders hübsch für uns unter und dann bricht sie an, unsere letzte Outdoor-Nacht.
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  • Mission completed

    16 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 24 °C

    Wie üblich stehen wir mit der Sonne auf, lassen uns aber ziemlich viel Zeit und sitzen erst um halb neun im Radsattel. Es ist ein wunderschöner Morgen. Die Sonne scheint, die Luft ist nach reichlich nächtlichem Regen sehr gut und die Temperaturen sind zu dieser Tageszeit noch sehr angenehm. Am Wegesrand blühen Wiesenblumen in den unterschiedlichsten Farben, flauschige Hummeln tummeln sich in leuchtend-pinken Disteln. Die letzten Höhenmeter dieses Urlaubes sind schnell bezwungen, dann rollen wir geradewegs ans Ziel. Über zwanzig Kilometer erstreckt sich die sanfte Abfahrt in die Stadt Kars. Hier steuern wir in der Hoffnung, große Kartons zu ergattern, zuallererst ein Fahrradgeschäft an. Der Ladenbesitzer bejaht die Frage nach Kartons zu unserer Freude sofort und lädt uns auch direkt zum Kaffee an. Er hatte zunächst angenommen, dass wir auch die Verpackung der Räder durch ihn wünschen, dieses Missverständnis lässt sich aber aufklären. Wir verabreden, dass wir zu unserem Hotel fahren und in etwa zwei Stunden zurückkommen und die Kartons abholen. Zu unserer Unterkunft ist es nicht mehr weit, etwas versteckt liegt das Hotel Katerina Sarayı, ein historisches Gebäude aus der russischen Besatzungszeit von Kars, am Fuße des Festungsberges direkt am Flussufer. Was das Radeln angeht, heißt es jetzt und hier: Mission completed! Wir werden sehr freundlich empfangen, beziehen unser Zimmer, welches von rotem Samt und goldenen Verzierungen dominiert wird, und unterziehen uns einer gründlichen Dusche. Frisch und sauber spazieren wir zurück zum Fahrradgeschäft, um die Kartons abzuholen, unterwegs können wir auch noch das für die Verpackung nötige Klebeband und eine Tüte Kabelbinder ergattern. Zurück am Hotel sind wir etwas besorgt, da wieder dunkle Wolken am Himmel zu sehen sind und ein schützender Unterstand oder ähnliches auf dem Hotelgelände nicht zu sehen ist. Das Personal des Hotels hat aber sofort eine Lösung parat. In einer Mischung aus Vorratsraum und Personalküche in einem Nebengebäude wird Platz geschaffen, damit Heiko hier trocken und in Ruhe die Fahrräder flugttauglich verpacken kann. Am frühen Abend ist die lästige Pflicht erledigt und die Abreise so weit es geht vorbereitet. Das gibt uns die Möglichkeit, den morgigen Tag zum Sightseeing zu nutzen. Der heutige Tag klingt mit einem eher mäßigen Essen im Laden einer Kebab-Restaurantkette, etwas Straßenmusik auf dem Rückweg zum Hotel sowie Schokolade und Tee im Zimmer aus.Leggi altro

  • Kars

    17 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 22 °C

    Kein Frühstück im Zelt, sondern am Buffett im ehrwürdigen Saal des Palasthotels stellt heute den Start in den Tag dar. Wir verbringen im Anschluss noch eine Weile im Zimmer, bevor wir über die supernette Rezeptionistin Melissa einen Shuttle für die morgige Fahrt zum Flughafen organisieren lassen und uns dann auf den Weg zur Erkundung der Stadt machen. Kars war vor der gestern besichtigten antiken Stadt Ani im 10. Jahrhundert die Hauptstadt des armenischen Königreichs. Und ähnlich wie Ani war sie auch ziemlich umkämpft. So wechselte sie mehrmals zwischen armenischer, mongolischer, osmanischer, türkischer und russischer Herrschaft, bis sie nach dem Türkischen Befreiungskrieg dann der Republik Türkei zugehörig wurde.
    Aufgrund der langen Geschichte der Stadt gibt es hier im Stadtbild die Einflüsse armenischer, georgischer, griechischer, russischer und türkischer Kultur zu sehen. Da es im Verlauf des Tages laut Vorhersage noch regnen könnte, nutzen wir das aktuell schöne Wetter als erstes für einen Besuch der ehemaligen Festung von Kars (Kars kalesi). Ein Spaziergang von etwa 15 Minuten führt uns über eine gepflasterte Straße auf das Plateau eines Hügels, auf welchem die Burg im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Wir schlendern eine Weile durch das Innere der Festungsmauern dieses einst prächtigen Bauwerks, insbesondere erfreuen wir uns aber auch am Ausblick. Immer und überall ist es uns ein Anliegen, eine Vogelperspektive einzunehmen. Und auch hier oben auf dem Festungshügel hat sich diesbezüglich der Aufstieg gelohnt, wir bekommen eine fantastische Aussicht auf die ganze Stadt Kars und die umliegende Landschaft geboten. Selbst unsere Einfahrt in die Stadt mit den Rädern über die entfernten Hügel und die Gegend unseres letzten Zeltplatzes lassen sich ausmachen. Den einsetzenden Regen und ein "kleines" Gewitter können wir wunderbar in einem Lokal auf dem Hügel aussitzen, leckere Käse-Gözleme lassen wir uns hier schmecken. Als es wieder trocken und der Himmel blau ist, machen wir uns auf den Weg nach unten. Am Fuße des Hügels steht in der scheinbar neu angelegten Parkanlage am Fluss Kars Çayı die Kathedrale von Kars, eine armenische Kirche aus dem 10. Jahrhundert. Eine alte Steinbrücke (Taşköprü) verbindet hier unten auch drei Badehäuser, die aber nicht mehr in Betrieb sind. Wir begeben uns für eine Mittagspause erstmal wieder ins Hotel, am Nachmittag setzen wir unsere Kars-Tour fort. Wir lassen uns durch die Straßen der sympathischen Kleinstadt treiben, stöbern durch einige Geschäfte, wobei uns der bunte Mix an kulturellen Einflüssen nicht entgeht. Besonders bekannt ist Kars für Honig und Käse, selbst ein Käsemuseum, welchem wir Banausen aber keinen Besuch abstatten, existiert hier. Wir bedauern, dass ausgerechnet Honig und Käse nicht wirklich flugreisetauglich sind, sehr gerne hätten wir von den Spezialitäten etwas mitgenommen. Einen kurzen Abstecher machen wir noch zu einer bis heute mehrfach restaurierten seldschukischen Moschee aus dem 12. Jahrhundert namens Büyük-Abdiağa-Moschee, die uns bei der gestrigen Einfahrt in die Stadt ausgefallen ist. Wir beenden schließlich den Tag und auch diesen Urlaub mit Erinnerungen an den Ort, wo er begonnen hat, in Gaziantep, auch schlicht Antep genannt: "Antep Pide & Lahmacun" heißt das Restaurant, in dem wir zu Abend essen und den süßen Abschluss lassen wir uns im "Antephan Künefe & Katmer Kars" schmecken. Zur köstlichen Nachspeise gibt es kleine Silberteller mit Obsthäppchen und eine Kanne Tee als Geschenk des Hauses dazu, toll! Es wird bereits dunkel, als wir uns auf den Weg zum Hotel machen. Auf halber Strecke lauschen wir noch ein Weilchen den Straßenmusikern, die wir schon gestern an selber Stelle gehört haben, bevor im Hotel noch eine letzte Aufgabe auf uns wartet: Packen! Sämtliches Equipment verschwindet in zwei gut zusammengeschnürten Päckchen aus IKEA-Taschen und dann dürfen wir uns letztmalig eine gute Nacht auf türkischem Boden wünschen. İyi geceler!
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  • The End

    18 luglio 2025, Turchia ⋅ ☀️ 25 °C

    Recht entspannt beginnt der heutige Rückreisetag. Es ist noch ausreichend Zeit für das Frühstück im Hotel, der Shuttle zum Flughafen ist für halb neun bestellt. Als das Taxi vorfährt, fragen wir uns kurz, wie Fahrräder und Gepäck in das Auto passen sollen, bis wir erfahren, dass mindestens ein Rad auf dem Dach transportiert werden soll. Zur Befestigung soll lediglich eine dünne Wäscheleine dienen, was uns etwas nervös werden lässt. Heiko hat glücklicherweise noch einen langen Spannriemen griffbereit und befestigt diesen zusätzlich, was uns zumindest etwas beruhigt. Der zweite Karton und das Gepäck werden in das Innere des Autos geschoben, Claudia quetscht sich irgendwie dazwischen. Menschen und Gepäck erreichen am Ende unbeschadet das Ziel, nun ist die Abreise wirklich nicht mehr fern. Am kleinen, sehr übersichtlichen Flughafen von Kars ist das übliche lästige Procedere vor Abflug schnell erledigt. Pünktlich heben wir ab, um nach einem Zwischenstopp in İstanbul in die norddeutsche Heimat zurückzukehren.

    THE END...
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