Sarajevo
24–27 Ağu 2024, Bosna Hersek ⋅ ⛅ 33 °C
"Sarajevo erzählt seine Geschichten selber ganz gut, wenn mensch mit offen Augen durch die Stadt geht." Diese Beschreibung einer Bekannten trifft es sehr gut. Die Einflüsse der ottomanischen Zeit treffen in der Stadt auf die der österreichisch-ungarischen Besatzung: Baustile der Häuser, Christentum und Islam, Kremsnita und Baklava. Mitten in der Altstadt ist eine (ehemalige) kulturelle Grenze sichtbar, auf der einen Seite imposante Kirchen, auf der anderen Seite schmuckvolle Moscheen mit dem Ruf vom Minarett. Die olymipschen Winterspiele von 1984 scheinen noch immer präsent zu sein, so sehen wir die olympischen Ringe und Souvenirs noch oft in der Stadt. Unübersehbar sind die Spuren des Bosnienkrieges, die 1425 Tage der Besetzung der Stadt und alle damit verbundenen gewaltvollen Verbrechen. Heute erinnern die vielen Einschusslöcher und die Rosen auf den Fußwegen daran.
Ich (anna) habe schon einige Tage mit Freunden in der Stadt verbracht, bin die ehemalige Bob-Rennbahn hinuntergewandert und haben im Museum versucht, den Jugoslawienkrieg zu erinnern. Als Tim in Sarajevo ankommt, ist es ein glücklicher Moment des Wiedersehens, ein Eintauchen in Sarajevo und dann beginnen wir, die gemeinsame Etappe zu planen. Zu konkret werden unsere Pläne jedoch nicht, damit wir noch links und rechts des Weges die Augen offen haben können.
Neben der Tourplanung verbringen wir noch einen Tag mit Stadtbummel, Moscheebesichtigung und der Besichtigung der Stadthalle Vijećnica, in der es auch eine Ausstellung zum Jugoslawienkrieg und der Aufarbeitung der Kriegsverbrechen gibt – ziemlich krass.Okumaya devam et
Ausgenockt
26–28 Ağu 2024, Bosna Hersek ⋅ ☀️ 29 °C
Sarajevo - Ilovice
Heute geht's wieder los. Allerdings müssen wir zunächst noch einmal in die Altstadt, um zwei traditionelle Suppen zu probieren und die Route neu zu planen. Statt der Nordroute an der Donau wollen wir nun doch die etwas bergigere Variante im Süden wählen.
Weit kommen wir jedoch nicht: Ab Kilometer 15 habe ich (Tim) den Eindruck, dass etwas mit meinem Magen nicht stimmt – Einbildung, denke ich. Doch die nächsten Kilometer werden immer anstrengender, insbesondere als uns ein russischer Radler einholt und sich unterhalten möchte. Eine Weile kann ich mich noch zusammenreißen, bis es dann nach 28 km aus mir heraussprudelt – immerhin etwas Gewissheit, ich habe mich auch mit dem Magendarmvirus angesteckt, der in unserem Sarajevo Airbnb herum ging.
Wir pausieren zunächst an einem Restaurant und beschließen schließlich, im angrenzenden Gästehaus zu bleiben.
Gute Entscheidung, am Abend folgt Fieber und Anna geht es am Ende des Tages auch nicht mehr so gut.
Der nächste Tag besteht für Tim aus ausgiebigem Ausnutzen des Motels, wo er 24 Stunden an der Matratze festklebt. Ich (Anna) verbringe den Pausentag mit Ausschlafen und einer kleinen Fahrradtour mit kostenloser Freiluftdusche zum nächsten Ort und Krankenpflege. Zwischendurch ergeben sich viele kleine Gespräche mit dem Besitzer Bojan, der die Gaststätte mit 45-jähriger Familientradition führt. Das Motel wirkt auch wie eine Zeitreise: Kachelofen, Kerzen für den Fall eines Stromausfalls und natürlich kein Internet. Im Sonnenuntergang spaziere ich noch den Berg hinauf und erspähe die Berge, die wir am nächsten Tag bezwingen wollen.
Erfolg des Tages: Salzbrezel und BananeOkumaya devam et
Losgerollt & Zusammengefunden
28 Ağustos 2024, Bosna Hersek ⋅ ☀️ 29 °C
Der Tag beginnt mit Müsli zum Frühstück - und bei uns beiden bleibt alles im Magen! Gutgelaunt packen wir die Räder und verabschieden uns von Bojan und dem Motel Good Luck wie von guten Bekannten.
Wir rollen am Fluss entlang los, bis sich immer steilere Felswände vor uns erheben. In Serpentien erarbeiten wir uns die Höhenmeter zum Javorak (1163m), wo wir unsere zweite Frühstückspause einlegen. Kaum haben wir die Räder abgestellt, kommt ein niederländisches Paar aus ihrem Camper zu uns gelaufen und schenkt uns Weintrauben von einem slowenischen Weinbauern. Und kaum sind sie weitergefahren, kommt ein weiteres niederländisches Paar zu uns - diesmal aber auf E-Bikes und mit Ortliebtaschen! Wir tauschen Geschichten über Tauchsieder und Reiserouten aus und teilen die Weintrauben mit ihnen.
Wir rollen den Berg wieder hinab, bis sich links und rechts von uns Karstfelsen erheben. Einige Tunnel und Wasserläufe passieren wir, bis uns ein kurzes Sommergewitter mit Regen aus Eimern überrascht und wir von den Pfützen geduscht werden, sobald ein schweres Gefährt hindurchrollt. Später stärken wir uns beim Pekara mit Pide und Joghurtdrink, mhhh!
Abends fahren wir an mehreren Glampingplätzen vorbei, wo laute Musik über die Poolanlagen schallt - so eine andere Art von Camping, als wir es suchen. Wir fragen bei einem ruhigeren Platz nach und können für zusammen 5€ (wow!) unser Zelt aufschlagen. Abkühlung bietet der nahgelegene Fluss Drina (Zusammenfluss von Piva und Tara) mit 11 °C Wassertemperatur und rauschenden Stromschnellen, die all die Rafting-Werbeschilder erklären. Erfrischt laufen wir zum Zelt zurück, wo wir Philipp und Ladina kennenlernen, die nach ihrem Studium mit ihren Rädern von der Schweiz losgefahren sind und auch nach Istanbul wollen - und dank Tims Ratschlägen vielleicht danach nach Marokko? Es ist spannend, sich mit ihnen auszutauschen, welche Route sie nehmen wollen und für welche Ausstattung sie sich entschieden haben.Okumaya devam et
Wildschweine und traditionelle Polenta
29 Ağustos 2024, Karadağ ⋅ ⛅ 22 °C
Beim morgendlichen Flussbesuch beobachten wir eine Wildschweinfamilie beim Frühschwimmen. Mit olympiawürdiger Geschwindigkeit leider so schnell, dass ich nicht einmal das Objektiv wechseln konnte. So sind sie leider nur schwer auf dem Foto zu erkennen.
Der frühe Start klappt dann leider doch nicht, da wir uns noch mit Philipp und Ladina verquatschen und ich die Einladung auf einen Bialettikaffee natürlich nicht ausschlagen kann. Die Verabschiedung ist ein „Bis später“, da wir dieselbe Strecke fahren.
Als wir schließlich loskommen, sind die Kilometer bis zur Grenze schnell erledigt. Hier will man überraschenderweise eigentlich weder Pass noch irgendetwas sehen. Wir bestehen allerdings dennoch auf ein Stempelchen.
Dann biegen wir direkt auf eine kleine Straße in den Anstieg ab. Bis auf Schlauchboottransporte und ein paar Kleinbusse, die aber nach ein paar Kilometern verschwinden, ist hier nichts los. Landschaft und Aussicht sind wundervoll, was sich auch oben als wir die Hochebene erreichen fortsetzt. Es ist eine Mischung aus kleinen Dörfern, Kiefernwäldern und weiten Graslandschaften, deren Form durch Dolinen und Karstgestein geprägt wird. Es ist wirklich unglaublich schön und bis auf ein paar Motorräder und verhältnismäßig viele Radreisende wenig touristisch erschlossen. Unterwegs treffen wir zwei Mal Philipp und Ladina wieder und begegnen Janne, die ebenfalls mit dem Rad unterwegs ist. Da Anna und ich unsere Route anpassen, um ein paar Höhenmeter zu sparen, treffen wir uns am Ende des Tages alle in Trsa wieder. Drei Räder und zwei Zelte stehen bereits gegenüber eines gut aussehenden Restaurants und Pferdehofs. Hier darf kostenlos gezeltet werden mit der Bitte, eine Kleinigkeit im Restaurant zu trinken oder zu essen. Und so entscheiden wir uns – obwohl wir erst das halbe Tagessoll an Kilometern geschafft haben – hier zu bleiben und die gute Radel-Gesellschaft zu genießen.
Das Restaurant profitiert auch, als wir uns alle durch die schmackhafte Speisekarte futtern: Superleckere Tomatensuppe mit Reis, traditionelle Polenta (Maismehl, Käse, Schmand/Frischkäse-Auflauf) und ein sehr leckerer und würziger Grillgemüseteller.
Tagesresümee:
Ein wunderschöner Radeltag, leckeres Essen, tolle Gesellschaft und eine klasse Aussicht vom Zeltplatz – besser geht es wohl kaum!Okumaya devam et
Radreisegruppe Deutschland-Schweiz
30 Ağustos 2024, Karadağ ⋅ ⛅ 22 °C
Trsa - Žabljak
Auch heute Morgen verabschieden wir uns lediglich mit einem „Bis später“. Unsere Route ist wieder identisch. Zunächst brechen Philipp und Ladina auf, dann Anna zusammen mit Janne und ich als Letzter, um noch einen FindPeguins fertigzuschreiben.
Nicht die allerbeste Idee, denn allein falle ich scheinbar auf Touristenfallen rein und kaufe so am ersten Käsestand, den ich freudig erblicke, einen überteuerten Käse. Auf der weiteren Fahrt habe ich dann genügend Zeit, mich darüber zu ärgern – Spoiler: Immerhin schmeckt er später gut.
Nach vielen Fotostopps, einigen Höhenmetern und ein oder zwei Stunden Fahrzeit finde ich alle vier bei einer Snackpause mit Felssicht im Gras wieder. Nachdem auch ich mich gestärkt habe, geht es gemeinsam weiter. Vorher zwackt uns – zumindest zu meinem Unmut – ein Ranger noch fünf Euro pro Person ab. Nicht, dass das viel wäre, und wenn es in den Schutz des Nationalparks fließt (was ich nicht ganz glaube, da hier auch dicke Geländewagen durchfahren dürfen und ich eher den Eindruck habe, dass es dem Ausbau des Tourismus dient), wäre es schon voll okay, aber man könnte wenigstens irgendwo mit einem Schild darauf hinweisen, dass das Befahren der Straße durch den Nationalpark eben fünf Euro kostet.
Glück haben wir auf jeden Fall, dass wir gerade in der Gruppe unterwegs sind und uns überhaupt Bargeld zum Bezahlen leihen können.
Wie dem auch sei, der Nationalpark lohnt sich auf jeden Fall. Die mächtigen Felsen und Berge sind wirklich einzigartig. Also wirklich eine Empfehlung, aber immer 5 Euro cash einstecken:)
Als wir den finalen Pass erklommen haben, beginnt die Abfahrt nach Žabljak. Hier wollen Anna und ich eigentlich nur einkaufen, um dann noch ein paar Kilometer zu fahren. Allerdings bleibt der Rest unserer geselligen Radelrunde hier und so entscheiden wir uns, obwohl es sich bei der kleinen Stadt inzwischen fast um eine Touristenhochburg handelt, die durch viel Wildwuchs an Gebäuden (Hotels und Ferienwohnungen) gekennzeichnet ist, hier zu bleiben und einen letzten gemeinsamen Abend zu verbringen. Wir finden einen Campingplatz, auf dem wir uns lieber zweimal nach dem Preis erkundigen, haben dann aber einen wunderschönen gemeinsamen letzten Abend in unserer kleinen Radelgruppe.Okumaya devam et
Herzliche Begegnungen
31 Ağustos 2024, Karadağ ⋅ 🌙 17 °C
Der Tag beginnt mit Morgenschwimmen im Crno Jezero, der schwarze See, dessen Wassertemperatur höher ist als die der Luft. Es sind eigentlich 2 Seen, die je nach Jahreszeit eine unterschiedliche Fließrichtung haben und entweder die Tara oder die Piva speisen. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Ladina, Philipp und Janne - es war eine richtig schöne Zeit als 5er Gruppe.
Die Radelstrecke beginnt mit einer 11km langen Abfahrt zur Taraschlucht. Ich (anna) erinnere mich an die Magie des Ortes, als ich vor 5 Jahren mit Noreen da war, alles ruhig und frisch verschneit im Dezember und wir waren die einzigen Touristen. Jetzt ist die Brücke über die tiefste Schlucht Europas gefüllt mit Touristen aus aller Welt. Unser Weg führt uns entlang einer kurvigen Straße an den Steilhängen der Taraschlucht. Wir kommen durch eine Baustelle, die gerade den Fels freigelegt hat und wo Bewährungsstahl geflochten wird. So sehen wir den wunderschönen grünen und roten Stein, der bald darauf hinter Betonmauern verschwinden wird. Ein plötzlicher Regenschauer überrascht uns, wir stellen uns bei einem Baum unter und sehen, wie ein Mann uns von der anderen Straßenseite zuwinkt. Wir können unsere Räder bei ihm unterstellen und werden in seine einfache Wohnküche eingeladen. Im Fernsehen laufen serbische Hits mit Video, teilweise sieht es aus wie die Schlagerparade. Wir haben die Wahl zwischen Pivo und Raki, entscheiden uns für letzteres und stoßen mit hausgemachten Jagoda Raki an. Wir verstehen erst nicht, woraus er den Raki gemacht hat, bis uns Mijo das Obst aus seinem Garten holt: Jagoda (Apfel), Kruška (Birne) oder Šljiva (Pflaume). Mijo bietet uns Milka und Reisschoki an, bevor er uns im Fernsehen auch das deutsche Programm und österreichische Volksmusik zeigt. Stolz präsentiert er seine Felle, er habe schon Bären und einen Wolf erlegt. Zur Hilfe hat er 8(!) Hunde, die uns eher einschüchtern, früher waren es wohl 30. Als die Sonne wieder scheint, bekommen wir noch eine kleine Hofführung, Pferde hat er, ein Shimanofahrrad und viele Walnüsse, von denen er uns einen Beutel schenkt. Wir verabschieden uns voller Dankbarkeit für diese herzliche Nachmittagspause.
Abends suchen wir einen Schlafplatz und fragen bei einem Haus am Straßenrand, das gerade gebaut wird, ob wir auf der Wiese daneben am Fluss stehen dürfen. Wir bekommen ein ausdrückliches Ja - und bald darauf zeigen uns die fünf Kinder den besten Platz zum Zelten. Nicht nur das, auch helfen sie uns begeistert beim Zeltaufbau und der Älteste (12 Jahre) kann sich gut mit uns auf Englisch verständigen. Schneller als wir schauen können ernten sie Mais vom eigenen Feld, sammeln Steine vom Fluss und errichten ein Lagerfeuer aus Stöcken, welches wir gemeinsam entfacht bekommen. Zusammen grillen wir den Mais (Kukuruz) und sind einfach sehr dankbar für die herzliche Begegnung.Okumaya devam et

GezginDiese Gastfreundschaft welche ihr erfahren dürft ist beeindruckend und tut so gut. Weiterhin eine gute Fahrt!
Caféstadt
1 Eylül 2024, Karadağ ⋅ ⛅ 23 °C
Heute soll es früh losgehen. Wir verschieben das Frühstück und packen direkt alles zusammen. Trotzdem brauchen wir gut 45 Minuten, um loszukommen. Die Montenegriner hier sind auch schon wach und schwer am Arbeiten. Drei schwere Baustellen-LKWs fahren auf der Wiese hin und her und laden Aushub am Wiesenrand/Flussufer ab – gemischte Gefühle.
Die Straße nach Kolašin fährt sich trotz Sonntagvormittag aufgrund des vielen Verkehrs etwas unentspannt. Nach einer guten Stunde ist diese allerdings auch geschafft und wir erreichen die Stadt, die im ehemaligen Jugoslawien die höchste Cafédichte mit genügend Sitzplätzen für alle Einwohner besaß. Bessere Gegebenheiten für ein Frühstück lassen sich wohl kaum finden und so bestellen wir im Koniba Nišavić traditionelle Popara (ähnlich wie die Polenta vor ein paar Tagen, eine Art Auflauf aus Brot, Käse und Sahne/Schmand/Frischkäse?) und Priganice (frittierte Teigbällchen, vergleichbar mit Berlinern) mit Marmelade, Honig und Eurocrem, der Nutella des Balkans. Lecker, lecker und ziemlich fettig.
Von Kolasin wird die Straße für einige Kilometer leider zum Autobahnzubringer. Dafür wird sie im Anschluss umso ruhiger und kleiner. Die Autobahn mit ihren vielen Brücken und Tunneln scheint ziemlich neu zu sein und ich frage mich, ob sie das Werk einer Chinesischen Firma ist, als wir an einem großen verlassenen Gelände mit einem Schild "China Road and Bridge Cooperation" vorüberkommen.
Einige Kilometer weiter müssen wir uns entscheiden: links oder geradeaus? Der Blick in das sonnenbeleuchtete Tal macht es uns einfach, und so nehmen wir noch ein paar mehr Höhenmeter in Kauf und biegen in die Berge ab. Das wird auch direkt belohnt, es ist malerisch und – abgesehen von ein paar Quads, die uns entgegenkommen – scheint es aus einer anderen Zeit zu stammen. Eine ältere Dame in traditioneller Kleidung ist draußen am Waschen.
Wieder ein paar Kilometer später folgt der letzte Abzweig und Anstieg. Oben angekommen, blinzelt uns die Sonne entgegen, und wir blicken in eine grandiose Berglandschaft mit felsigen Gipfeln und einem kleinen Bergsee. Früher als geplant beschließen wir daher, unsere Etappe zu beenden und am Bergsee zu übernachten.Okumaya devam et
Großstadtziele und Landidylle
2 Eylül 2024, Karadağ ⋅ ☁️ 34 °C
Wir wachen auf mit kühlen 11°C und Blick auf die Bergkette. Langsam zieht die Sonne über den Berg und erwärmt die Luft, noch einmal die kühle Luft genießen bevor wir dad Gebirge wieder verlassen.
Unser Start ist wie zur zweiten Vorlesung um 9.15, nur statt Radwege eine holprige Schotterpiste. Das Auffüllen der Flaschen erledigen wir am Trinkwasserreservoir am Wegesrand, Leitungswasser gibt es hier nicht.
Es soll heute 1800m bergab gehen - und trotzdem startet unser Tag mit kleinen Serpentinien. Als unser Höhenmeter-Konto voll geladen ist, eröffnet sich ein unglaublicher Weitblick, wir erkennen schon Podgorica und rollen eine wirklich lange Abfahrt ins Tal hinab. Und sogar eine Radroute führt auf dem Weg, der sich wie Radeln durch italienische Dörfchen anfühlt, nicht wie der Weg in eine Hauptstadt. Erst im Stadtzentrum wird es lauter, die Straße vierspurig und die Suche nach einem Mittagsplatz eröffnet uns viele Optionen: Biergarten oder noble Pizzeria? Unschlüssig steuern wir erstmal einen Radladen an, der leider geschlossen ist, uns aber einen Mittagsplatz offenbahrt. Wir essen nochmal Priganice, das typische Frühstück in Montenegro (siehe gestern) zusammen mit Teilchen vom Bäcker. Danach geht die Suche nach einem Radladen weiter, schließlich werden wir bei der Bajkeraj freundlich begrüßt und mein verbogenes Schaltauge freigelegt. Ersatz gibt es nicht, bestellen bringt lange Liederzeiten und 3D-Drucken dauert auch ein paar Tage. Ich frage im Fahrradladen nebenan nach, auch dort ist kein passebdes Schaltauge vorhanden, sodass schneller als ich intervenieren kann die Hammermethode angewendet wird. Einige Schläge später scheint das Schaltauge wieder gerade und ich kreuze die Finger, dass das Aluminumteil seine Aufgabe noch bis Istanbul erledigt. Zurück in der Bajkeraj kaufen wir noch einen Helm - für all die andere Hilfe sollen wir nichts bezahlen. Wir tauschen noch Radgeschichten aus, der Besitzer war früher quer durch Europa als Mechaniker bei Profi-Radrennen dabei. Super hilfspbereite Person mit viel Sachverstand - er hätte mein Schaltauge nicht gehämmert ;). Also wenn ihr braucht: holt euch Hilfe bei der Bajkeraj. Podgorica ist für mich die Hauptstadt der Werkstätten. Vor 5 Jahren war ich mit Noreen auf der Suche nach einem Gaszug, heute nach einem Schaltauge. Beide Male nicht das Erstazteil, aber trotzdem eine Lösung gefunden.
Der Weg aus der Stadt ist staubig und laut - wir besorgen noch unsere Einkäufe und biegen dann auf eine kleinere Straße ab.
Dieser führt uns durch eine Gartensiedlung, jede Familie scheint ein eigenes Feld zu haben, mal wachsen große Kürbisse, mal viele Weinreben. Ob die Erträge wohl auch in der Stadt verkauft werden? Oder gemeinsam geteilt? Wir ernten uns frische Feigen (oberlecker) und eine Kaktusfeige (schleimig-stachelig) am Wegesrand.
Immer wieder stehen Kühe auf der Straße, besonders, als der Weg immer kleiner wird. Im Sonnenuntergang holpern wir über einen Feldweg mit Bergkulisse in verschiedenen Blautönen, begleitet vom Quaken, Zirpen und Muhen der Tiere. Landidylle und Einsamkeit - hätten wir genug Trinkwasser, würden wir direkt unser Zelt aufschlagen. So rollen wir zum nächsten Campingplatz, verhandeln den zuvor unverhältnismäßig hohen Preis erfolgreich runter und schlafen bald ein. Lacu noć!Okumaya devam et
Anstiege am See, Bilanz Montenegro
3 Eylül 2024, Arnavutluk ⋅ 🌙 23 °C
Dodoši, ≈Podgorica - ≈Oblikë, Skoder
Für unsere Verhältnisse brechen wir relativ zeitnah vom Campingplatz auf - immerhin waren wir früher wach als alle anderen.
Die unglaubliche Landschsften des Skaderar Nationalparkes und des Flusses Riejeka setzen sich direkt fort. Gleichzeitig ist die Strecke aufgrund des Auf und Abs der nahen Hügel und Berge in Kombination mit relativ hocher Luftfeuchtigkeit wirklich schweißtreibend. So stoppen wir in Rijeka Crnojevića, dem nächsten Dorf mit Supermarkt, wo es erstmal anderhalb Liter Joghurt mit Saft - geschüttelt nicht gerührt - zur Stärkung und Erfrischung gibt.
Von hier geht es auf dem Eurovelo 8 weiter bis nach Virpazar. Hier machen wir Mittagspause am Hauptplatz und beobachten das touristische Treiben. Es ist eine sonderbare Stadt, die nur für den Tourismus zu existieren scheint. Das Klientel besteht dabei aus Jung und Alt und könnte vermutlich genauso auf Mallorca angetroffen werden.
Aber auch ein paar Radler sind anzutreffen: ein etwas verloren wirkender Schweizer, der uns bereits in Sarajevo angesprochen hatte, und zwei Stuttgarter Radler, die ihren Arbeitgebern Sabbatical oder Tschüss als Option gegeben haben, um die Zeit zum Reisen zu nutzen, während ihr Sohn im Ausland ist – lange Reisen gehen also in jedem Lebensabschnitt!
In Virpazar gibt es auch die letzte Möglichkeit, (öffentlich) Wasser aufzufüllen. Die nächsten gut 40 km kommt dann erst mal nichts, außer überteuerten Touri-Bars oder Friedhofszisternen. Bei der Hitze gehen unsere Vorräte allerdings doch schnell zur Neige, doch fragt Anna eine freundliche Tabakfrau (ja, wir sind auch überrascht, hier wird tatsächlich Tabak angebaut und getrocknet), und der Engpass ist behoben. Dass es hier etwas trockener ist und möglicherweise Wassermangel herrscht, lässt auch ein Waldbrand oben in den Bergen vermuten.
Als wir in den letzten Anstieg kommen, geht die Sonne bereits unter, was uns einen herrlichen Sonnenuntergang beschert, aber auch weitere 20 km im Dunkeln, da wir noch die Eco Social Farm in Albanien erreichen wollen (mehrfach von Radreisenden empfohlen). So freuen sich die Warnwesten, seit Langem mal wieder zum Einsatz zu kommen. Wir freuen uns ebenfalls, da die größere Grenzstraße sich als sehr wenig befahren herausstellt. Nach unkompliziertem Grenzübertritt und einigen weiteren Kilometern in der albanischen Nacht erreichen wir die Eco Social Farm und sind ziemlich geschafft. Wir kochen lediglich noch unser Notfallessen, Nudeln mit Pilzsuppe als Soße (Empfehlung von Philipp und Ladina) und sind dann fast zu müde, um uns ins Zelt zu bewegen. Das klappt am Ende aber doch und unser Schlaf wird nur von einigen wirklich nervigen Hunden, die auf irgendwelche kilometerweit entfernte Kläffer reagieren, gestört.
Bilanz Montenegro:
Montenegro hat mit vielen wunderschönen und teils sehr einsamen Nationalparks überrascht. Definitiv gibt es hier noch viel mehr zu erwandern und zu erfahren. Kleiner Downer war leider der viele Müll, der sich am Straßenrand oder bei wilden Müllabladungen an Flüssen und in der Natur findet.
An einigen Orten war es sehr touristisch, was mit sonderbaren Preisvorstellungen einherging und gerne mal dazu führte, dass man sich hier häufiger mal verrechnete und höhere Preise zahlen sollte als vereinbart – also immer mal nachrechnen. Interessanterweise waren Preise manchmal auch verhandelbar, was vor allem mir auf dem Balkan neu war. In den nicht touristischen Gegenden hingegen trafen wir hingegen auf super nette und herzliche Menschen, genauso wie auf ein paar andere Radler, mit denen es unglaublich schön war, ein paar Tage zusammenzufahren und Zeit zu verbringen.Okumaya devam et
Ausschlafen bis zur Nachtfahrt
4 Eylül 2024, Arnavutluk ⋅ ☀️ 29 °C
Ausschlafen, Aufwachen und Umschauen: wie liebevoll dieser Ort gestaltet ist, an dem wir gestern angekommen sind. Mit viel Holz, Ziegelsteinen und Kreativität wird die Ecosocial-Farm noch immer gebaut. Es gibt ein Hauptgebäude mit Küche, großem Gemeinschafts-Wohnzimmer und Terrasse, die in den Gemüsegarten führt. Darüber sind kleine Wege im Fels zu den Zeltplätzen, zwischendrin Gänse, Katzen und Hunde sowie ein Esel, alle gehören dazu. Hungrig radeln wir los, wobei unsere Ideen für das Frühstück mit Küche das Angebot des ersten Supermarktes deutlich übersteigen. Es ist eigentlich nur eine lange Theke, manche Bäcker sind größer. Wir radeln weiter und holen uns beim Bäcker Byrek mit Joghurt und Käse, die direkt in unseren knurrenden Mägen landen, sowie helle Brötchen. Im zweiten Supermarkt ist der Großteil der Produkte auch hinter der Theke, es fühlt sich eher an wie im einer Apotheke, und so zeigen wir Artikel nach Artikel als Übersetzung auf dem Handy an was wir wollen. Per Hand wird unser Preis errechnet und wir bekommen von der zweiten Mitarbeiterin die Produkte schneller in Plastikbeutel gepackt, als wir nein sagen können.
Die Hitze lässt uns müde werden, wir fahren wieder zurück zur Ecosocial Farm. Brötchen mit Nusscreme, Hagebuttenmarmelade und Feta landen als zweites Frühstück in unseren Mägen, dazu türkischer Kaffee. Großes Interesse bekommen wir dabei von den 5 Katzen und 5 Hunden gezollt, ob wir unser Essen nicht mit ihnen teilen wollen? Ein ganzes Konzert von Wuffen, Mauzen und Iahhhen des Esels begleitet uns. Wir nehmen uns Zeit für Organisatorisches, wie Emails beantworten, Wäsche waschen, Akkus von uns und all den Geräten aufladen, Fotos sortieren und und und. Auch im Schatten lässt uns die Hitze schwitzen und wir sind froh, nicht radeln zu müssen. Dafür erzeugen wir noch mehr Wärme und kosten die Küche aus: eine große Kochaktion später steht ein dekadentes Nachmittagsmahl auf den Tisch: Eierkuchen, Salat mit albanischen Ziegenkäse, Nugatcreme und Honig. Bis wir fertig sind mit Genießen, Packen und Verabschieden von den Freiwilligen, darunter ein Radler aus Deutschland, ist es 18.30 und wir radeln so spät los wie noch nie.
Ein kurzer Stopp beim Flohmarktes am Wegesrand gibt uns die überfordernde Wahl aus wortwörtlich haufenweise Kleidung (aus Altkleidersammlungen?), mehr oder weniger sortiert, alles für 1€. Ohne Fundstück lassen wir Shkoder hinter uns, stoppen für eine Eispause am Supermarkt und Radeln dann mit teilweise 26km/h die Straße entlang. Die Nachtfahrt ist erstaunlich entspannt an der Bundesstraße, jedoch zeigt uns das mehrmalige Abkommen vom Weg, dass es doch schwierig sein kann im Dunkeln zu Navigieren. Wir passieren mehrere Steintagebaue mit Betonwerken, ansonsten sehen wir eher wenig von unserer Umgebung. Durch die noch immer schwül-warm Luft kommen wir auch ohne Sonne ins Schwitzen und stoppen zum Abendessen in Leshë, einer Stadt mit angenehmen sommerlichen Flair, in einem voll besuchten Bistro. Wir bestellen das, was es gerade noch gibt und bekommen gerollte Pitabrote mit Fleisch/Käse, Gemüse, Soße und Pommes und dazu einen obligatorischer Joghurt (tatsächlich ist es Buttermilch). Auf Empfehlung unserers Host von der Ecosocialfarm fahren wir auf Schlafplatzsiche in den nahgelegnen Nationalpark an der Küste. Überras ht von einer offiziellen Eingangsstation stehen wir verwundertert an der Schranke, bis tiefenentspannt der Wärter angeradelt kommt. Er scheint selber keinen Plan zu haben, was wir von ihm wollen und verlabgt auch nicht die angeschriebenen Eintrittspreise. Er fragt uns, ob wir zum Camping wollen, und wir nicken einfach. So kommen wir in den Nationalpark und radeln zwischen quakenden Seen und aufgescheuchten Vögeln auf einem extra Radweg hindurch. Aufgrund der späten Uhrzeit sind der Campingplatz und die Restaurants alle bereits geschlossen, wir wollten sowieso lieber wild campen. Allerdings ergibt sich keine Wiese mehr, sodass wir auf dem Parkplatz am Ende der Straße das Zelt aufschlagen und einen zeitigen Wecker stellen, um nicht von Parkbesuchern überrascht zu werden.Okumaya devam et
Me(e)(h)r Berge
5 Eylül 2024, Arnavutluk ⋅ ☁️ 27 °C
Die Nacht auf unserem Naturparkparkplatz verlief – bis auf ein SUV, das hier um 1 Uhr eine kurze Runde drehte – ruhig. Trotz Wecker um 6 Uhr werden wir etwas früher durch ein paar Fischer wach, die wir allerdings nicht zu stören scheinen.
Im Sonnenaufgang offenbart sich erst die schöne Gegend, die wir in der Nacht gar nicht erspähen konnten.
Ein kurzes Pfannkuchenfrühstück stehend im Sonnenaufgang lassen wir uns natürlich nicht nehmen. Im Anschluss überwinden wir das Holzbrückengerüst und passieren das Häuschen der Fischer. Eine etwas urigere Dirtroad führt bis zum Strand. Hier kann Anna dem Meer nicht widerstehen und schwimmt ein paar Runden. Alleine am Ufer ist natürlich auch langweilig und so hüpfe ich ebenfalls, begleitet von etwas penetrantem Rap aus den Strandbars, kurz hinein. Die nachfolgende Strandmorgendusche stellt auch die letzte Frische der eher kurzen Nacht wieder her. Nun kann es weitergehen.
Begleitet von freundlich grüßenden, winkenden oder mit den Händen Herzchen formenden und unglaublich rücksichtsvollen und langsam fahrenden (vielleicht aus Rücksicht auf ihre Autos oder der Gefahr potenzieller Schlaglöcher aus vergangenen Zeiten) AutofahrerInnen, erreichen wir nach 20 km Milot.
Hier wollen wir ein zweites Frühstück einnehmen. Beim Bäckereinkauf wird direkt ein Junge von nebenan herbeigewunken, der etwas Englisch spricht, superlieb und hilfsbereit ist. So geht es doch etwas einfacher und wir probieren, ein paar Worte auf Albanisch zu lernen. Während wir uns noch entscheiden müssen, platzt ein kleiner Junge herein, kauft ein Croissant und verschwindet wieder. Wir haben uns inzwischen für ein Gjizëbyrek (hier heißt es auch mit Käse Byrek), einen Gemüsemaisfladen und zwei Cookies entschieden. Das Bezahlen geht nur in bar, aber dafür sowohl in Euro als auch mit albanischem Lek. Wir zahlen in Euro und bekommen – wie bereits gestern einmal – Lek zurück. So sparen wir uns sogar die Geldautomatengebühren.
Mit den Backwaren suchen wir ein Café auf. Auf der Straße, die durchs Dorf führt, ist viel los. Die Cafés sind gut, vor allem von Männern, besucht. An der Straße hält ein Auto. Im Kofferraum zwei große weiße Kunststofffässer. Auf dem Gehweg ein weiteres und eine Waage. Die ersten Kunden kommen vorbei und eine mittelalte Frau packt mit einer großen roten Schaufel kiloweise Käse in gelbe Plastiktüten, die von einer jüngeren, mutmaßlich der Tochter, offengehalten werden. Dann wird abgewogen und direkt verkauft. Sowohl die Kunden als auch die Verkäuferinnen nehmen sich dabei sehr viel Zeit, zelebrieren dieses Vorgehen schon fast, obwohl es eigentlich nur dieses eine Produkt zu kaufen gibt.
Von Milot aus müssen wir leider erst einmal auf einer großen, stark befahrenen Straße radeln. Glücklicherweise fahren die Albaner aber sehr rücksichtsvoll und nach einigen Kilometern biegen wir nach Süden ab. Auf der Karte ist die Straße zwar nur eine Nummer kleiner eingezeichnet, in der Realität ist hier aber sehr wenig los. Eine angenehme Straße, die sich entlang eines Flusses und Stausees durch die Berge windet. Wirklich ein schöner Abschnitt und dazu gibt es noch ab und an Wasserquellen, um die Trinkvorräte aufzufüllen und die Klamotten zu tränken – so sind auch die Anstiege bei über 30 Grad gut auszuhalten.
Nach gut 65 km erreichen wir zur Mittagspause Burrel (frühes Aufstehen lohnt sich), wo wir uns beim Bäcker mit Nachtisch eindecken und danach ein Restaurant aufsuchen. Es gibt sehr leckere Pilzsuppe, einen knusprig gebratenen Maisbrotfladen mit Knoblauch-Zitronen-Joghurt und Petersilie oder geschmacksneutralem Koriander und Fërgesë Tirana (geröstetes Paprika-, Tomaten-, Käsegemisch und hier scheinbar Fleisch), das sehr gut, aber dessen vegetarische Variante sehr fleischig schmeckt.
Was uns bereits mehrfach aufgefallen ist und nun auch wieder in Burrel zu beobachten ist, ist das häufige Spülen von Höfen oder Terrassen mit Wasser. Was es damit auf sich hat, müssen wir noch ergründen.
Nach der Mittagspause sind wir ganz schön müde und kommen leider erst langsam wieder in die Gänge. Hinzu kommt noch eine zusätzliche Gewitterpause, sodass wir etwas später als geplant loskommen und den Weg in die Berge antreten. Obwohl wir unsere Route nach dem Tipp eines Polizisten bereits hinsichtlich der Straßenbeschaffenheit optimiert haben, kommen wir doch nur langsam voran und aus Asphalt wird irgendwann eine Schotterpiste. So erreichen wir leider nicht mehr das angepeilte Örtchen in den Bergen, finden aber in der Dämmerung eine kleine Seitenstraße, in der wir unser Zelt aufschlagen können. Mit fließendem Wasser zum Waschen fast schon ein Premiumplatz. ;)Okumaya devam et
Kaffee für die Oberschenkel
6 Eylül 2024, Arnavutluk ⋅ ☁️ 26 °C
Vig - Peshkopi
Unser Wecker ist auch heute unnötig: gestern waren es die Fischer, heute ist es ein Jäger mit seinen Hunden, der uns weckt. Auf der holprigen Bergstraße ist erstaunlich viel Betrieb, vollbeladene Pickups mit Kindern auf der offenen Ladefläche rollen ins untengelegene Dorf. Bis ins Bergdorf sind es noch 3km steinige Schotterpiste bergauf, wir motivieren uns mit einem Cafebesuch im Bergdorf und der hoffentlich ab da besseren Straße. Als wir auf dem Gipfel in Vig ankommen, sehen wir zwar Licht im Cafe und einen laufenden Fernseher, aber sonst scheint niemand da zu sein. Nach ratlosen Warten kommt über den nächsten Hügel der verhältnismäßig schick angezogene Besitzer und öffnet das Cafe extra für uns. Leider setzt sich der Schotterweg weiter und wir bekommen die leise Vorahnung, dass der Weg bis zur 40km nächsten Stadt Peshkopi so bleiben könnte, auch wenn er auf der Karte als Landstraße verzeichbet ist. Unser Unmut darüber wird noch durch dunkle Wolken verstärkt, die in unsere Richtung zu ziehen scheinen. Ein vorbeikommender Mann scheint unsere Lage zu erkennen und lädt uns spontan zum Kaffee bei seinem Nachbarn ein. Sie zeigen ihren Respekt für unsere Oberschenkel, was uns kurz verwirrt, begründen damit aber ihren schnell für uns gedeckten Tisch: selbstgemachter Raki aus Weintrauben, selbstgemachter Käse aus Schafsmilch, vor unseren Augen frischgemachte Buttermilch, Äpfel, Haselnüsse und vier Chillis als Geschenk. Wir unterhalten uns mit ihnen, in Vig wohnen 10 Menschen, 200 Schafe und 150 Hühner, die beiden Herren sind um die 70 Jahre alt und ihre Familien wohnen in der nächstgelegenen Stadt. Als Dankeschön schenken wir Ihnen Gewürze aus Marokko und überlegen, was wir zukünftig als Gastgeschenk vorbereiten könnten. Nach einer knappen Stunde scheint die Sonne wieder, die Flasche Raki ist dank des Nachbarn leer (erst Gäste mitbringen und dann den Schnaps austrinken, scheint eine gute Nachbarschaft und ein handfestes Alkoholproblem zu sein) und wir sind wieder voller Energie. Die Straße zieht uns selbst beim Hinunterfahren viel Energie, sodass wir glücklich an überreifen Brombeersträuchern und Pflaumen am Wegesrand halten und unsere Mittagspause nach sagenhaften 8 km verbringen.
Wir rumpeln weiter über die Steine, bremsen bergab soviel wie noch nie und halten kurz im nächsten Ort, um unsere Handgelenke auszuruhen. Eine typisch bäuerlich abgezogene Frau sieht uns und lädt uns zum Kaffee express ein, als Energie für die Oberschenkel, den wir nur schwerlich ablehnen, um endlich ein paar Kilometer zu schaffen. Diese freunflichen Interaktionen und spontanen Einladungen lassen all den Mismut über die Wegbeschaffenheit wieder kleiner werden. Wir fragen uns: Wie oft wird diese straße von den Dorfbewohnern wohl benutzt, wie oft verlässt mensch dieses Dorf?
Uns kommen vollbepackte Autos entgegen, jede Sitzplatz scheint ausgenutzt und hinten liegen Zementsäcke. Zur Belohnung aller Anstrengung ergeben sich Weitblicke ins Tal an den Fluss. Die Straße wechselt zwischen großen Steinen und schlammigen Pfützen, sodass wir unsere Höhenmeter wegbremsen müssen. Und dann - es fühlt sich komisch an, so euphorisch deswegen zu sein - endlich wieder Asphalt auf der Landstraße!
So schaffen wir es abends in Peshkopi anzukommen und folgen der Restaurantempfelung von Theo, wo wir nicht nur leckeres Essen, sondern auch einen Zeltplatz im Garten geboten bekommen. Nach dem Abendessen finden wir volle Straßen bei einem Stadtspaziergang und für uns noch Trileçe als Nachtisch, bevor wir schlafen gehen. Danke an Teho, der und nach Peshkopi und ins Restaurabg Miku geführt hat, wir können es nur herzlich weiterempfehlen.Okumaya devam et
Zentrumnahes Wildcampen, Bilanz Albanien
7 Eylül 2024, Kuzey Makedonya ⋅ 🌙 20 °C
Peshkopi - Ohrid
Genau wie Theo vor circa zwei Monaten versuchen wir uns leise aus dem Garten zu schleichen, was bei dem großen Metalltor gar nicht so einfach ist. Im Anschluss suchen wir den Supermarkt auf, kaufen noch etwas Brot beim Bäcker und frühstücken im nächstbesten Park. Obwohl die Stadt gar nicht so groß ist, herrscht genau wie gestern Abend reges Treiben, was interessant zu beobachten ist. Vor allem die vielen kleinen Läden entlang der Hauptstraße ziehen beim Herausfahren unsere Blicke auf sich.
Als wir ein wenig aus der Stadt heraus sind, folgt ein Zähneputz-, Sonnencreme- und Kettenpflegestopp. Ein paar Autos fahren an uns vorbei und aus einem tönt ein lautes „Guten Morgen!“, scheinbar sind wir ganz gut als Deutsche zu erkennen.
Als wir die Grenze erreichen, winkt uns ein albanischer Polizist erst einmal an allen Autos vorbei, sodass wir bei der Ausreise gar keine Wartezeit haben – nett :)
Mazedonien begrüßt uns zunächst einmal mit einer großen Müllhalde zu unserer Rechten. Wieder einmal frage ich mich, warum Grenzübergänge und Grenzstraßen nicht hübsch gestaltet werden – der erste Eindruck ist doch wichtig! Und er bestätigt sich später auch. Müll scheint auch hier wieder einmal ein großes Problem zu sein.
In Debar, der ersten Stadt in Mazedonien, steuern wir zunächst einen Bäcker für ein paar Snacks, Brot und etwas Wechselgeld an. Wieder einmal klappt das Bezahlen in Euro und wir erhalten Mazedonische Denar als Wechselgeld. Im Anschluss gibt es einen Tankstellenstopp für Kocherbenzin, Toilettengang, WLAN und einen Kaffee (+ Bäckersnacks). Die Angestellten sind lustig und freundlich und tragen zu einer allgemeinen Ansehenssteigerung von Tankstellen bei uns bei. Überhaupt dienen Tankstellen oder besser Raststätten ja eigentlich dem Reisenden, trotzdem schaffen sie es in Deutschland (und vielleicht auch in anderen Ländern) meist, ein unattraktiver, dreckiger Ort mit teurem und schlechtem Essen zu sein. Diese hier war sauber, günstig und hatte eine kleine Sitzgelegenheit in einem Pavillon. Häufig steht auch ein kleines oder größeres Café oder ein Restaurant daneben. Dann gleichen sie vielleicht eher dem, was früher Gaststätten oder Herbergen waren.
Unsere Erledigungen schaffen wir in für uns rekordverdächtigen 40 Minuten. Dann folgen wir weiter der Straße, die sich irgendwann etwas eintönig, aber mit moderater Steigung entlang eines Stausees und danach eines Flusses bis nach Struga zu einem der ältesten Seen weltweit schlängelt.
In Struga schlendern wir durch die bunte Fußgängerzone und bewundern die Kräutervielfalt an kleinen Ständen. Dann geht es auch schon fix weiter bis nach Ohrid. In der touristischen Stadt wollen wir eigentlich nur den klassischen Ohridkuchen probieren, bekommen dann aber beim Schlendern durch die Stadt von einem Local, der aus dem Restaurant auf uns zu springt, einen Strand zum Campieren empfohlen. Wir ändern unseren Plan, essen noch etwas Typisches in der Stadt und erklimmen noch ein paar steile Wege, um an den Strand zu gelangen. Etwas beschwerlich erreichbar liegt er trotzdem nur 500 m vom Zentrum entfernt und hat bereits ein paar andere Gäste angezogen. Wir zögern ein bisschen, uns ebenfalls niederzulassen, überwinden uns dann aber doch und genießen noch ein kurzes Bad im See. Wie schön es hier aussieht, werden wir morgen erst bei Tageslicht erfahren.
Bilanz Albanien:
Albanien haben wir damit heute verlassen. Obwohl es nur ein wirklich kurzer Aufenthalt war und es viel mehr zu sehen gegeben hätte, haben wir Land und Leute liebgewonnen und es war eine super Zeit. Zwar gab es hier die mit Abstand schlechtesten bzw. zumindest unsichersten Straßen, dafür aber die rücksichtsvollsten Autofahrer, was möglicherweise eben auch mit den Straßenverhältnissen zusammenhing. Ansonsten waren große Umbrüche auf kleinem Raum zu beobachten, z. B. Tourismus, Natur, westliche Entwicklung und weniger entwickelte ländliche Gegenden aus einer anderen Zeit, wo selbst mit dem Auto stundenlang zum nächsten Supermarkt gefahren werden müsste. In Letzteren begegnete uns außergewöhnliche Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Die Natur und Berge waren wieder einmal atemberaubend und erfreulicherweise lag etwas weniger Müll in der Gegend als erwartet und im Vergleich zu Montenegro oder Bosnien.
Natürlich gab es auch in Albanien wieder sehr leckeres Essen. Neben den klassischen Balkanspeisen waren Maisbrot mit Knoblauch-Käse (Gijzë) oder Knoblauch-Joghurtcreme, Fergësë (Tirana), Burek (mit Joghurt) und Trileçe (Tiramisuartiger Flüssigkuchen) unser Highlight.Okumaya devam et
Steiniger Triathlon im Galicica-NP
8 Eylül 2024, Kuzey Makedonya ⋅ ☀️ 18 °C
Aufwachen mit Wellenrauschen - es sind die Wellen des See Ohrid, die sich fast wie am Meer anhören. Wir starten mit Frühschwimmen, erkennnen wie schön unser Schlafplatz direkt am Wasser ist und beobachten die vorbeifahrenden Fischer- und Touriboote. Nach einem Kaffee an der Hafenkante von Ohrid lassen wir die Stadt mit ihren unzähligen alten Klöstern und Kirchen hinter uns. Eine steile Bergetappe auf einer Asphaltstraße später erreichen wir den Beginn des Nationalparks Galicica. Unsere ausgewählte Route ist anstatt eines kleinen befestigten Weges wie mapy.cz es gezeigt hatte ein anspruchsvoller Wanderweg und später ein Mountainbiketrail - das könnte spannend werden. Um die nächste Kurve sehen wir schon, was uns heute erwartet: große Steine auf einem steilen Weg. Ein Déjà vu zur Straße nach Peshkopi vor 2 Tagen? Der Weg ist unfassbar schwer zu bewältigen, an Fahren ist nicht zu denken und hochschieben geht auch nur mit Hilfe der Bremsen, damit das Rad nicht wieder hinunterrollt. Daneben kratzen wildwachsende Dornen an unseren Beinen und über uns hängen dunkle Wolken, obwohl uns die Sonne gerade noch Schweiß ins Gesicht treibt. Wir beschließen, unsere Räder abzustellen und die weiteren Wege erstmal wandernd zu erschließen, wofür wir 1,5h brauchen, dann aber den radtauglichsten Weg wählen können. Und dann Durchziehen: für Für 3,5 km Weg brauchen wir damit insgesamt 3h und werden dann so von fliegen umringt, dass wir erst am Gipfel um 16.30 erschöpft unsere Mittagspause einlegen. Der Blick auf Ohrid und den See ist dafür grandios und auch die dunklen Wolken haben sich inzwischen verzogen, außerdem können wir Gelitschirmflieger beobachten. Dann heißt es weiter durchhalten, der Mountainbikeweg ist für uns wirklich unlustig bis unfahrbar.
Im Sonnenuntergang erreichen wir die Hochebene des Galicica Nationalparks mit wellenförmigen Hügeln und endlich der erwarteten Wegqualität, sodass wir tatsächlich noch ins Rollen durch die wunderschöne Einsamkeit kommen. Die Lufttemperatur fällt schlagartig von 24 auf 14 °C und wir begeben uns auf Wassersuche an einer verschlossenen Wanderhütte, um im Nationalpark übernachten zu können. Wir finden nur einen Brunnen und sind froh, uns mit Spanngurten und Wassersack etwas Wasser angeln zu können, um es dann mittels Wasserfilter zu Trinkwasser zu filtern. Schön, alle Equipment kommt mal zum Einsatz. Wir richten uns in der Hütte ein und kochen mit unseren verbliebenen Essensresten Nudelrisotto mit Gemüse und Erdnüssen, was erstaunlich lecker schmeckt. Zusammenfassend: dieser Tag war ein geschafftes Durchhalten, ein steiniger Triathlon. Ohne es zu wollen, haben wir erneut das RadWandern zelebriert, dafür am Ende aber beeindruckende Natur gesehen.Okumaya devam et
Restday in den Bergen
9 Eylül 2024, Kuzey Makedonya ⋅ ☁️ 25 °C
? - Stenje
Heute ist Erholung angesagt. Wir wollen ausschlafen und schaffen dies tatsächlich (nach mehrmaligem Aufwachen) bis halb zwölf.
Dann wecken uns allerdings fünf Geländewagen, die hier eine Gruppe Touris abladen. Witzigerweise sind sie gekleidet, als würden sie direkt aus einem Restaurant in Ohrid kommen. Das Bild passt überhaupt nicht zu den Geländewagen und den wilden Bergen. Und dann wird es noch skurriler: Die Tische werden mit Einwegtischdecken bedeckt, Geschirr und Weingläser werden gedeckt und ein Teil der Tourguides fängt an, Essen zu schnibbeln.
Wir haben schnell alles zusammengepackt, schnappen unsere Frühstückssachen und suchen zum Essen den nächstbesten ruhigen Spot. Eigentlich die falsche Reaktion, da die Nationalparkhütte mit Picknickplatz doch für alle und vielleicht eher nicht für kommerzielle Touri-4x4-Glamourlunches in den Bergen gedacht ist. Manchmal sollte man etwas dominanter auftreten. Als wir zurückkommen, liegen noch Essensreste auf dem Boden und Tischdeckenfetzen hängen an den Tischen - was für ein Scheißverein!
Als wir weiterfahren, ist es im Nationalpark wieder einsam. Nach ein paar Kilometern erreichen wir wieder eine asphaltierte Straße und treffen auf einen deutschen Camper-Lkw, quasi ein Tinyhouse auf Rädern. Doch auch wenn man mit so einem Gerät alles dabei hat, gibt es immer etwas zu tun. Gerade ist die Stoßdämpferaufnahme gebrochen und muss geschweißt werden. Wir wünschen viel Erfolg. Ganz günstig scheint so ein Gefährt übrigens nicht zu sein – 22 Liter verbraucht das Ding im Schnitt auf 100 km.
Auf der Asphaltstraße rollen wir mit wunderbaren Ausblicken nun fix zum Prespasee hinunter und steuern das kleine Dorf Stenje an, in dem zumindest ein kleiner Laden eingezeichnet ist. Dort gibt es wirklich nur das Nötigste, und obwohl vor dem Laden einige alte Karten spielende Herren sitzen, wirkt das Dörfchen doch sehr heruntergekommen und verlassen – so, als habe es mal goldene Zeiten gegeben, die nun vorbei seien.
Dennoch entdecken wir im Anschluss noch ein geöffnetes und tatsächlich ganz gut besuchtes Restaurant für ein sehr spätes Mittagessen. Auch die Strandpromenade deutet darauf hin, dass hier einmal viel mehr los war.
Während wir noch essen, bricht der Regen los, der sich schon seit einer Weile angekündigt hat. Es schüttet wie aus Eimern. Wir schauen nach einem regengeschützten Übernachtungsplatz und brechen in einer Regenpause zu einer in der Nähe liegenden Kapelle auf. Als wir ankommen, finden wir sie mit einem großen Vordach, aber umzäunt auf einem Friedhof liegend vor.
Sollen wir hier, auf dem Friedhof, übernachten? Vielleicht ein bisschen gruselig? Aber ist es nicht auch respektlos? Andererseits soll es gewittern.
Nach einigem Abwägen entscheiden wir uns dann zunächst, zum Restaurant zurückzufahren, um uns zu erkundigen, ob wir dort auf der Terrasse unser Zelt aufstellen dürfen. Erfreulicherweise ist das gar kein Problem, der Kellner scheint eher leicht amüsiert und interessiert. So bauen wir unser Zelt also auf der Restaurantterrasse auf, während noch ein letzter Gast sein Essen bestellt. Ihm fallen wir natürlich ebenfalls auf, sodass er den Kellner fragt, woher wir kommen und ob wir nicht noch etwas trinken wollten. So ganz können wir dann mal wieder nicht Nein sagen und setzen uns mit an den Tisch.
Und tada, natürlich spricht er mal wieder Deutsch, da er in seiner Jugend als Volleyballspieler nach Wien gegangen ist.
Wir unterhalten uns noch nett und bekommen noch einige Infos: Er macht hier Angelurlaub, weil es schön ruhig ist. Früher, im ehemaligen Jugoslawien, sei die Gegend hingegen ein gut besuchtes Urlaubsziel gewesen. Nach dem Krieg und insbesondere in den letzten Jahren verliert der See jedoch Wasser und spätestens seit Corona ist der Tourismus hier deutlich zurückgegangen. Darauf deuten auch die brachliegenden Häuser, Hotels und die Strandpromenade hin.
Ein letzter Fun-Fact: Der See hat keine oberirdischen Abflüsse, speist aber unterirdisch den Ohridsee.Okumaya devam et
Verlassene Orte, belebte Städte
10 Eylül 2024, Kuzey Makedonya ⋅ ☁️ 20 °C
Stenje - Prilup
Es regnet, tröpfelt, plätschert, trippelt, die Erde wird nass. Wir zum Glück nicht, denn wir liegen geschützt unter dem Vordach des Hotels auf der Terrasse und starten dekadent mit Erbsen-Rührei und Haferflocken (Brot hat der Dorfladen nicht) in den Tag. Der Regen wird stärker und so trinken wir noch einen Kaffee und heiße Schokolade (wie Pudding im Glas, sehr lecker) im Restaurant, um den größten Regenschauer abzuwarten. Um 9 starten wir dann in voller Regenmontur auf die Straße und lassen den merkwürdig verlassenen Ort Stenje hinter uns, mitsamt seinen verlassenen Häusern und der unvollendeten Kirche im Stadtkern.
Wir folgen der Straße sm See und kommen am Hotel Europa vorbei. Das wahrscheinlich begehrte Feriendomizil der 70/80er liegt heute als verlassener Hotelkomplex da, ohne abgerissen zu sein. Kegelbahn, Zimmer mit Seeblick, Disko und Eingangshalle sind noch erkennbar und lassen und fragen, wann dieser Ort aufgegeben wurde.
Um den Dreck der letzten Tage loszuwerden, legen wir schon bald eine Fahrradputzpause am Friedhof ein, wo wir mit hilfe von Stöckchen, Tüchern und viel Geduld versuchen, den trotz Strakregen haftenden Dreck abzubekommen. Wir finden uns noch Äpfel am Wegesrand von den unzähligen Apfelplantagen als Snack. Dann kommen wir endlich ins Rollen und sind den dunklen Wolken sehr dankbar, dass sie den Regen eine Weile in sich behalten. In der nächsten Stadt halten wir an einem Bäcker, decken uns einmal mit der herzhaften Ladenauswahl und Joghurt (gibt es hier standardmäßig beim Bäcker im Kühlregal) ein und als wir Nachschlag holen muss die Verkäuferin schon lächeln. Unser Favorit: Sesamkringel gefüllt mit Oliven und Käse. Danach stoppen wir noch bei einem Bäcker im belebten Stadtzentrum, uns haben frische Krapfen gelockt. Die Stadt wirkt sehr gepflegt, ohne dass dabei alles neu oder schick ist, sondern es scheint, also würde sorgsam mit den Dingen umgegeangen werden. Wir sehen noch viele alte Schilder und außerhalb der offiziellen Bezeichnungen fast nur kyrillische Buchstaben. Es scheint nicht touristisch, sondern einfach ein normaler geschäftigter Alltag zu sein. Die weiteren Kilometer tauchen wir mit einem Podcast (Lage der Nation ist aus der Sommerpause zurück;) ) ab und sehen, wie wir sowohl unserem Ziel Prilup, als auch einer schwarzen Regenfront immer Näher kommen.
Pünktlich am Ortseingang beginnt die Regendusche und so trinken wir einen Kaffee gegen den Starkregen, Besuchen die moderne Galerie nebenan und finden dann ein spontanes Schmäppchen: eine Wohnung für 18€ pro Nacht in der Stadt mit Waschmaschine. Wir radeln an den Einfamilienhäuser im Stadtkern vorbei, benutzen dabei die modernen Fahrradwege mit LED-Lichtsignal im Boden und sehen viele kleine Geschäfte und auch hier alltäglichen, wenig touristisch wirkenden Trubel.
Ich begebe mich auf der Suche nach einer Radbrille (Fliegen können wirklich nervig sein) und kostenfreiem Geldabheben in den Trubel und gebe 6 Geldautomaten und 5 Geschäfte später erfolglos meine Suche auf. Tim sucht unsere Einkäufe in 3 Supermärkte zusammen, um dann eine schwere, bis oben hin gefüllte Essenstasche nach Hause zu schleppen. Mit einer richtigen Küche sind wir immer sehr kochmotiviert und freuen uns über Bratkartoffeln, Tzatziki und griechischen Salat mit Oliven. Ich verschwinde danach müde ins Bett, in Tims Magen findet aber noch fast 1l
Pudding den Weg - wie war da noch Platz für? Radelmägen sind mir ein anatomisch-physiologisches Mysterium, scheinen sie so aufnahmefähig wie Hermines Beutel.
Tagesresümee: Erstaunlich wenig Regen für die draamtische Wetterprognose.Okumaya devam et

Gezgin
Du bekommst wohl kein Geld zurück: "Wenn die Kegelbahn in der Reisebeschreibung oder im Vertrag als wichtiger Bestandteil der Hotelanlage beworben wurde und sie für die Entscheidungsfindung des Reisenden relevant war, kann dies als Reisemangel angesehen werden. Ist sie jedoch nur eine Nebeneinrichtung, deren Nutzung nicht von vornherein zugesichert wurde, wäre es vermutlich kein Reisemangel. In diesem Fall wäre auch eine Reisepreisminderung eher unwahrscheinlich."
Spielerrisch verfliegen die Kilometer
11 Eylül 2024, Kuzey Makedonya ⋅ ☀️ 22 °C
Prilep - ≈Gradec
Wir kosteten die Vorzüge eines ganzen Apartments vollends aus. Ausgiebiges Kochen am Abend ebenso wie ein gemütliches Frühstück und die sonstigen To-Dos: Elektrogeräte laden, Fotos sichern, Wäsche waschen, Wäsche trocknen, Mittagessen vorkochen, Routenplanung etc. Dementsprechend wurde es doch spät, und wir saßen erst kurz vor 11 Uhr auf dem Rad.
Es geht direkt in den Anstieg auf einer leider etwas stark befahrenen Straße. Dafür ist allerdings der Asphalt gut und in der Abfahrt können wir so einige Kilometer machen. Die Landschaft ist bergig und landwirtschaftlich. Vorwiegend sind Tabakfelder und Weinberge zu sehen. Die Wälder auf den Hügeln haben bereits eine leicht rötliche Färbung und lassen Herbststimmung aufkommen. Da wirkt der drohende, grau bewölkte Himmel tatsächlich ganz passend.
Nach zweieinhalb Stunden haben wir die meisten Höhenmeter geschafft und machen Mittagspause in Kavardarci. In einem kleinrn Park verspeisen wir unsere Bratkartoffelreste von gestern und den vorbereiteten eher Nudel-statt- Couscous-Salat. Überraschemderweise findet sich in der Stadt und auch schon in der Gegend zuvor häufig der Werbeslogan "German Limonade Sinalco", sonderbar aber beim herausfahren aus der Stadt entdecken wir seinen Ursprung: Der Hauptsitz des mazedonischen Unternehmens Kožuvčanka, welches die Berechtigung zur Herstellung von Sinalcogetränken besitzt.
Beim Verlassen der Stadt trübt noch der Anblick eines überfahrenen Hundes, der in seiner Blutlache und unter irritierten Blicken einiger anderer Hunde mitten auf der Straße liegt, die Stimmung. Traurigerweise ist dies bei den vielen streunenden Straßenhunden und dem vielen Verkehr kein vollkommen überraschender und leider nicht seltener Anblick.
In Negotino stoßen wir auf den Eurovelo 11 und decken uns noch mit ein paar zusätzlichen Baklavakalorienbomben ein. Was auf den nächsten Kilometern bis nach Demir Kapija zu sehen war, habe ich leider gar nicht mitbekommen, da wir eine Reisevariante Stadt, Land, Fluss für zwei Personen erfanden: Es funktioniert wie das Original, nur folgen die Kategorien nacheinander. Das Wort wird direkt genannt, dann hat die zweite Person noch fünf Sekunden Zeit, um ihr Wort zu nennen. Ein klasse Reisespiel für zwei oder mehr Personen, das in jedes Großhirn passt!
Aufmerksam wurden wir dann wieder in Demir Kapija, einem schönen Ort, eigentlich ein Dorf, aber mit kleiner Fußgängerzone liegt es direkt am Fluss in der Nähe einiger Berge, die auch als Klettergebiet ausgewiesen sind. Eurovelo ist hier schon sehr gut ausgebaut und führt entlang der Bahntrasse und des Flusses. Einige Kilometer später, als es wieder etwas einsamer und schottriger geworden ist, stoppen wir direkt am Wegesrand und schlagen unser Nachtlager auf.Okumaya devam et
Hätte, hätte Fahrradkette, B. Mazedonien
12 Eylül 2024, Yunanistan ⋅ ☀️ 28 °C
Oder auch Se(h)en von Mazedonien nach Griechenland
Unser Tag beginnt direkt am Eurovelo, und das in Mazedonien tiefenentspannt: zelten, kochen, pinkeln und niemand kommt vorbei. Wir radeln los und treffen einen Radreisenden aus Schweden sowie einen Fußreisender mit Fahrradanhänger auf der Landstraße, als wir gerade mit viel Schwung den Berg hinunterrollen und uns fragen, warum ein Mensch als Reisemottel über Landstraße den Fußbus wählt, sieht es doch anstrengend aus, wie er bergrunter den Wagen festhält. In der Kleinstadt Valandovo decken wir uns beim Supermarkt ein und halten natürlich auch beim Bäcker für einen Burek, Joghurt und eine kunstvolle Biskuitteigschnitte mit Sahne. Gestärkt und mit Rückenwind rollen wir zum Doyrannsee, wo uns beeindruckend große Geier (?) und Algengeruch begrüßen. Wir essen Fischsuppe und Kartoffelsalat im Restaurant, stoppen dann nochmal beim Bäcker und geben unsere letzten Denare für Eurocrem-Waffeln (sehr lecker!) aus. Und so endet unsere Zeit in Mazedonien bereits, es ist ein Land welches wir beide nochmal mit mehr Zeit bereisen wollen, hält es neben durchwachsener Geschichte vielfältige Nationalparks bereit. Der Grenzübergang nach Griechenland ist komisch, mal wieder in der EU zu sein, so kurz vor Istanbul. Kurz danach reißt meine Kette auf einem Feldweg (ja, sowas ist möglich!), aber dank des Flix 24/7 Reparaturservice bekommen wir die Kette behilfsmäßig mit anderen Kettenglieder zusammengenietet. Wie lang das wohl hält? Von den Anwohner des Dorfes bekommen wir eine Tankstelle empfohlen, die von nur einem Mann betrieben wird und zugleich ein Restaurant, ein Minimarkt und eine Werkstatt ist. Statt einer neuen Kette (Motorradketten waren die kleinsten) probieren wir Baklavaeis und radeln weiter. Der nächstgelegene Radladen in Rudolfino ist unauffindbar, dafür werden uns in der Kleinstadt Ketten für den Hals und für Kettensägen angeboten, die wir dann doch ablehnen. Im Sonnenuntergang radeln wir mit Seeblick und Bergkettenpanorama zum Kerkinisee, um unser Nachtlager an einem Vogelbeobachtungsturm aufzuschlagen. Eine Minzpolenta mit Salat wandert in unsere Mägen und wir fallen müde ins Bett - aufgrund der Zeitumstellung nochmal eine Stunde später.
Bilanz Mazedonien:
Mazedonien* hat uns schnell von sich begeistert: große Seen liegen umringt von Bergen, die Bäcker halten eine Brotauswahl, Bureks, Kühlschränke voller Ayran und Trilece parat und die Menschen sind oft freundlich zu uns. Der Fahrstile der Autofahrer ist leider nicht so respektvoll wie in Albanien, steile Bergwege und beeindruckende Natur haben wir hier auch finden können. Es ist auch das Land der unerwarteten Übernachtungsorte: Am touristischen Ohridsee sind wir ungläubig einer Empfehlung gefolgt und haben am Stadtstrand gezeltet, am nächsten See sogar auf der Restaurantterasse. Und am Ende verabschieden wir uns genussvoll von der Eurocrem, dem Nutella des Balkans.
* Seit 2019 offiziell Nordmazedonien, was allerdings zu großem Unmut bei den Menschen geführt hat, mit denen wir geredet haben. Lest gern selber mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Streit_um_den_Nam…Okumaya devam et
Die Größten ihrer Gattung
13 Eylül 2024, Yunanistan ⋅ ⛅ 25 °C
Die Zeitumstellung in Griechenland lässt uns ohne zu frühes Aufstehen den Sonnenaufgang am See beobachten. Bis auf ein paar Fischer schläft noch alles, und wir versuchen, ein paar Vögel und den Sonnenaufgang zu fotografieren. Tatsächlich legen wir entlang des Sees ebenfalls noch mehrere Fotostopps ein. Es gibt Flamingos und Krauskopfpelikane, die laut Wikipedia mit über drei Meter Flügelspannweite und 10–13 Kilogramm Gewicht die größten ihrer Gattung sind, zu bestaunen. Ein gutes Foto einzufangen ist dabei gar nicht so einfach.
Auf dem Weg nach Serres entgehen wir noch einer kleinen Hundeattacke, als ein Hund (****** Köter) aus einem Café geschossen kommt und mir (Tim) fast von der Seite ins Fahrrad läuft. Glücklicherweise war gerade kein Auto auf der Straße, und mein Rad hinten war so schwer, dass man sich auch bei einer Vollbremsung quasi nicht überschlagen kann. Sobald ich stehe, dreht der Hund ab und verschwindet im Café. Nach dem ersten Schrecken drehen wir noch einmal um, um der Cafébesitzerin klarzumachen, dass so etwas nicht geht. Die redet sich allerdings nur heraus. Es sei nicht ihr Hund. Verantwortungsbewusstsein Fehlanzeige schließlich ist es ja ihr Café. Das Ereigniss ist traurigerweise exemplarisch für viele Länder: Fehlendes Verantwortungsbewusstsein und schlechter Umgang mit Hunden bzw. Tieren allgemein. Hier könnten sich andere Länder tatsächlich mal etwas von Deutschland abschauen.
Auf dem weiteren Weg müssen wir aufgrund des Windes ganz schön strampeln, um die Fahrradläden in Serres noch vor ihrer Siesta zu erreichen und eine Ersatzkette für Anna zu besorgen. Zum Glück sind wir ja mit dem Fahrrad unterwegs, sodass uns eine Sandhaufen-Straßenbarriere auch keine Probleme macht. Auf dem Weg fallen uns übrigens noch Baumwollfelder auf. Dass hier Baumwolle angebaut wird, wussten wir bisher auch nicht. Zugegebenermaßen sehen die Pflänzchen auch ziemlich mickrig aus.
Fahrradladen Nr. 1 verlangte erstaunliche 32 Euro pro Fahrradkette, was uns Sparfüchsen, die wir die handelsüblichen Preise kennen, doch etwas viel erschien. Im zweiten waren wir dann erfolgreicher und zahlten nur 20 Euro für die Kette (Empfehlung ΛΑΖΑΡΙΔΗΣ ΝΙΚΟΛΑΟΣ). Danach folgte der Bäckerei- und Supermarktbesuch (Essen gehen ist hier wieder deutlich teurer als in den anderen Balkanländern) fürs Picknick im Stadtpark. Überraschend dabei waren das erstaunlich gute Brot und ein riesiges Angebot an Keksen, das sich auch in anderen Bäckereien fand. Hier schien immer Weihnachtszeit zu sein.
Nach der Stadt geht es fast nur noxh auf einer großen Straße weitet. Nicht so schön, dafür stelle ich allerdings fest, dass sich mit einem Ingenieur- bzw. Naturwissenschaftlichem Background Griechische Straßenschilder sehr gut übersetzen lassen:
Δράμα = DeltaRhoAlphaMyAlpha = Drama
Im kleinen Dorf Lefkothea füllen wir noch einmal 14 Liter Wasser auf, was ausgiebiges Duschen verspricht, und biegen dann in einen Feldweg Richtung Fluss ab. Hier überfahre ich versehentlich eine Schlange, was dieser allerdings nichts auszumachen scheint. Als Anna dann auch noch eine zweite sieht, beschließen wir, heute Abend besser feste Schuhe und lange Kleidung zu tragen. An unserem anvisierten Zielort findet – mit sehr lauter Musik – eine Kulturveranstaltung statt. Daher fahren wir noch etwas weiter und treffen auf einen Baumhausgarten/-park. Wer so etwas ins Leben ruft, wird bestimmt nichts gegen Zelten haben, und so bleiben wir dort.
Für eine kleine Schauergeschichte zum Einschlafen sorgt die Natur, als wir zwei Gottesanbeterinnen beim Kannibalismus beobachten – das Weibchen frisst das Männchen, von dem am Ende nur noch die Flügel übrig bleiben.Okumaya devam et

Gezgin
Und ich hatte gehofft, die leben nur in Ländern, zu denen wir keine Landverbindung haben und aus denen uns keine Bananenfrachter erreichen. Gruselig!
Hätte, hätte Fahrradpumpe
14 Eylül 2024, Yunanistan ⋅ ☀️ 27 °C
Wir starten gemütlich im Baumhausdorf: Schaukeln im Baum, hören das Plätschern des Flusses und Beobachten das tapsige Aufwachen der Katzenfamilie. Der Ort ist ein
Kunstprojekt, ein Cafe, ein Spielplatz und ein Lebensraum für Mensch und Tier zugleich. Wir sehen Fische, Flusskrebse und eine Vielzahl von Insekten. Wie wohl der Besitzer Nikos so ist? Wir würden euch den Ort auch gern empfehlen, allerdings haben wir Nikos nicht kennengelernt, dafür nur einen Griechen auf dem Fahrrad, der uns gekonnt ignoriert hat. Wir starten auf kleinen Wegen, sind schnell auf der Landstraße und werden von einem freundlich hupenden Motorradfahrer (ja, die gibt es viel) überholt, der unser Strampeln am Berg witzig nachmacht. Unsere erste Snackpause auf dem Berg hält einen Schokodrink und Sesamcrackersticks parat, dabei trocknet das Zelt auf dem Supermarktparkplatz und wir werden von der Dorfgemeinschaft beäugt.
Nach bergigen 50 km erreichen wir die Hafenstadt Kevala und finden neben beim Bäcker einzelnes Stieleis, dunkles Brot und eine große Keksauswahl. Unser Mittagessen wird im Supermarkt noch mit Oliven und Aufstrichen (geröstete Aubergine, Paprika und Schoko) von der Theke erweiert, wobei die Preise günstiger als im Regal sind. Wir fahren an den Strand und können endlich wieder ins Meer springen, lassen uns treiben und den Staub von uns spülen. Wir picknicken am Sandstrand, wobei wir auf die Boote und die Burg der Stadt blicken. Die Stadt hat ein noch erhaltenes großes Aquädukt, welches Wasser von den Bergen auf die Burg leitet, und was heute von Häusern umbaut ist. Und dann weist ein Schild den Weg nach Konstantinopel - 460 km in 4/5 Tagen und wir haben unser Ziel erreicht! Das motiviert und wir strampeln weiter, düsen im Sonnenuntergang die griechischen Straßen entlang. Als es bei Tim immer langsamer rollt, fragen wir uns: hätte, hätte Luft im Schlauch? 20 km vor unserem Tagesziel hat es da wohl ein Platten in Tims Schlauch geschafft, den wir aber lieber erst am Ziel flicken wollen, da es schon fast dunkel ist. Also schnell Aufpumpen, dann 5 km stärkstes Strampeln und wieder aufpumpen, bis die Luft den Reifen verlässt. Mit drei Stopps schaffen wir es zu unserem Zeltplatz unter Bäumen am Fluss, kochen Dal mit Salat und Brot und sind gespannt auf den Aufwachausblick morgen.Okumaya devam et
Kapelle am Meer
15 Eylül 2024, Yunanistan ⋅ ☀️ 24 °C
Stathmós Angístas - Galani
Wir brauchen sage und schreibe drei Stunden zum Aufbrechen, allerdings war der Ort auch wirklich schön und ein Bad im ca. 14 °C kalten Bergfluss musste sein. Dafür strampelten wir im Anschluss fix bis Lagos. Eigentlich erwarten wir ein kleines Dörfchen, werden aber von einem riesigen Markt und großen Menschenmengen überrascht. Perfekt für eine Mittagspause mit unserem vorgekochten Dal.
Für unser selbst Gekochtes ernten wir auch direkt das Lob eines Griechen, der seit über 50 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet.
Mit 17 kam er nach Heilbronn und hat auch immer selbst gekocht. Es sei nicht ganz leicht gewesen, aber er habe sich alles erarbeitet und sich selbst Deutsch beigebracht. Nun sei er Rentner und lebe immer noch in Deutschland, ebenso wie seine Kinder und Enkelkinder (spannenderweise hat er dennoch nie einen deutschen Pass beantragt oder dies vor, da wir ja alle Europäer seien). Es sei besser dort, insbesondere im Winter, weil man die Zeit häufiger drinnen mit Freunden und Bekannten verbringe (hier kenne er die Leute nicht mehr und Anschluss sei schwieriger) – eine interessante und unerwartete Perspektive.
Als seine Frau hinzukam, rutschte das Gespräch dann leider – wie so häufig – in eine unangenehme Richtung. Früher seien die Leute hilfsbereiter gewesen, heute seien sie neidischer. Beim Gespräch über Istanbul und die Türkei ist die Flüchtlingsdebatte dann nicht mehr weit: Die bekämen heute alles, ohne zu arbeiten. Den Widerspruch, dass dies zu ihren vorherigen Aussagen steht, bemerkt sie nicht. Überhaupt ist es mal wieder interessant, wie Menschen, die selbst aus wirtschaftlichen Gründen für ein besseres Leben nach Deutschland kamen, nun auf andere Migranten oder Flüchtlinge blicken.
Auch weil es durchblicken lässt, dass viele Vorurteile (gegenüber TürkInnen) oder gegenüber anderen Ländern und Menschen bestehen, war sie sichtlich überrascht, als ich von Marokko erzählte. Sie schüttelte nur den Kopf und sagte: „Ist das nicht gefährlich dort?“ Menschen, die in die Fremde gehen und Angst vor dem Fremden und Unbekannten haben – schon skurril.
Nach unserer mäßig entspannten Mittagspause bemerkt Anna, dass die provisorisch reparierte Kette nach etwa 150 km wieder nachgibt. Demnach folgt noch ein Kettenwechsel vor der Weiterfahrt.
Später sehen wir noch einmal einige Flamingos und fahren entlang schöner Küstenorte, die noch nicht so touristisch wirken. In einem kleinen Dorfladen machen wir letzte Einkäufe (inkl. Benzin auffüllen) und lassen uns noch ein Mini-Eis (die gibt es hier in jeder Bäckerei und in jedem Tante-Emma-Laden unverpackt) schmecken. Man ist sichtlich bemüht, uns zu verstehen und zu helfen, und sicherlich waren wir auch Gegenstand der Gespräche der Dorfältesten, die bei verschiedenen Getränken den Sonntag im Schatten der Ladenmarkisen genossen.
Wir fahren bis kurz vor Sonnenuntergang und finden eine kleine Kapelle mit Sitzgelegenheit direkt am Strand. Hier springen wir noch einmal ins Meer, kochen und bauen schließlich im Wellenrauschen das Zelt auf.Okumaya devam et
Αντίο! & Hoş geldiniz!, Bilanz Griech.
16 Eylül 2024, Türkiye ⋅ ☀️ 21 °C
Mit Wellenrauschen und Dämmerlicht beginnt unser Tag neben der Kapelle. Salziger Wind schlägt uns beim Frühstücken entgegen und gibt uns wohl Rückenwind, denn unserStart um 8.10 Uhr ist ein Rekord - schließlich ist es nach unserer Zeit erst 7.10 Uhr. Ein steiniger Küstenweg führt uns an Ausgrabungen wie einem alten Amphitheather vorbei. Die Straße besteht aus mehreren Baustellen und wir fragen uns, warum aus dem kleinen Küstenweg eine mehrspurige Straße werden soll. Auch sehen wir die Auswirkungen der Waldbrände, von denen wir bislang nur in den Nachrichten gehört hatten: verbrannte Olivenbäume stehen neben saftig grünen, ein trauriger Anblick neben der fotowürdigen Landschaft, ein großer Kontrast. Die Verlassenheit der Orte und die Baustellenein- und -ausfahrten führen dann zu einer kleinen Vermisstenjagd, die sich aber dank dem Zusammenkommen der Wege auf einem Küstenweg schnell wieder auflösen lässt. Ein Glück, in einer Stadt wäre das schwieriger geworden. Sobald die Straße wieder asohaltiert ist wird es deutlich besiedleter, so kommen wir zu unserem ersten Keksstopp beim Bäcker. In das Küstenpanorama fügen sich Fischrestaurantsm und schließlich erreichen wir die Stadt Alexandropouli, wo kulturell einzigartige Erfahrungen im vollen Lidl haben. Es landen Laugenbrötchen, Kräuterbaguette auch typische Artikel wie ein Pfund Feta, Tahini mit Schokolade und Olivenöl für insgesamt 40€ und gefühlten 10 kg in unserem Fahrradtaschen. Gefühlt haben wir jetzt eine fahrende Küche und eine Frage im Kopf: häh? wie waren doch bei Lidl, wir dachten das lohnt sich? Die restliche Stadt Alexandropouli bekommen wir eine laute Straße voller Geschäfte mit, die uns nur für einen Keksstopp bei Bäcker 2 anhalten lässt.
Nach 60 km halten wir für ein spätes Mittagessen in Ferres kurz vor der türkischen Grenze, was sich als schmackhaftes 10/10 Erlebnis entpuppt. In einer liebevoll dekorierten Taverne bekommen wir Ztaziki, Auberginencreme, Weinblätter und eine Grillauswahl zu griechischer Schlagermusik gereicht. Die Gastwirte sitzen gerade mit Freunden am Nachbartisch und sind so selbst Gäste ihres Restaurants. Sie fragen, wo wir herkommen und erzählen begeistert, dass sie im Dezember nach Dresden reisen werden. Auf einen Zettel schreiben wir unsere Empfehlungen und finden es schön, dass wir gegenseitig an unseren Heimatorten zu Besuch sind. Als Dankeschön bekommen wir eine Fruchtplatte zum Nachtisch und frischen Basilikum geschenkt. Es ist so sympathisch, dass wir bei der Rechnung (er sagt einfach 25€ ohne groß zu rechnen) nicht nachfragen, obwohl sie uns etwas hoch erscheint, und uns darüber später etwas ärgern, haben sie doch den von uns bestellten Feta vergessen.
Am Nachmittag erreichen wir die Grenze, wobei wir fast 1h auf der griechischen Seite anstehen. Dank aktivem Anstehen und der Einladung eines Grenzbeante kommen wir schneller durch die türkische Einreise. Im Sonnenuntergang präsentiert sich das große Tor mit den durchaus sehr ästhetischen Türkeiflaggen, eine eindrucksvolle Grenze der Türkei. Was für ein Privileg haben wir, bedenkenlos an einer EU-Außengrenze auszureisen, weil wir wissen, dass wir entspannt wieder reinkommen. Und auch in die Türkei einzureisen, ein Land, was Menschen wegen Teilnahme an Demonstrationen oder Facebookposts politisch verfolgt. Soll dieses sehr schicke Tor all das vergessen lassen? Wir merken, dass uns beide die politische Entwicklung der Türkei unter Erdogan bislang von ihr als Reiseziel abgeschreckt haben und wir mit wenig Vorstellung des Landes einreisen.
Unser erster Eindruck der Türkei ist eine große beleuchtete Straße mit breitem Seitenstreifen, daneben großflächige Felder. Das Licht des Sonnenuntergangs geht in Vollmondlicht über und so wir fragen ganz im Stil von Theo, einem radreisendem Freund von uns, ob wir an der Tankstelle campen dürfen. Die Tankstelle kann mit unserer Frage wenig anfangen, also fragen wir im Hotel nebenan, wobei wir erstmal die Zimmerpreise von 60€ p.N. zu zweit abschreckend finden. Der Hotelward deutet auf den einzigen Baum neben der Tankstelle und zeigt uns auch, wo wir frisches Trinkwasser bekommen. Zusammen mit den sehr modernen, kostenfreien Toiletten der Tankstelle und dem gemütlichen Tankstellenlokal mit Steckdosen haben wir fast eine Campingplatzerfahrung. Wir machen es uns gemütlich, kochen direkt neben der Tankstelle unseren Bulgur. Es fühlt sich kriminell an, den Benzinkocher mit Flamme so nah daran anzumachen, allerdings stehen die angestellten selbst rauchend direkt vir der Tankstelle. und fragen uns, ob Tankstellen unsere neuen Lieblingsorte werden. Danke an Theo für den Tipp :)
Bilanz Griechenland:
Auch in Griechenland waren wir tatsächlich gar nicht so lange. Dennoch hat uns etwas sofort gecatched: Die Bäckereien, bei denen es neben ganz gutem Brot immer eine große und leckere Auswahl an Keksen und manchmal kleinen Eisvariationen gab. Ein tägliches Muss!
Etwas überraschend war hingegen, dass die Menschen doch etwas verschlossener wirkten. Zumindest waren wir häufig diejenigen, die zuerst oder überhaupt grüßten. Natürlich hatten die vorherigen Länder in dieser Hinsicht die Messlatte auch wirklich hoch gesetzt, doch hier schienen die Menschen etwas reservierter, vielleicht so wie in Deutschland? Und liegt es vielleicht auch einfach an dem vielen Tourismus? Wer weiß, letzterer hatte sich hier eigentlich sogar in Grenzen gehalten, wenn wir abseits der Küste unterwegs waren.
Auf jeden Fall entdeckten wir trotz der kurzen Zeit mal wieder sehr tolle Orte, schöne Seen und Flüsse, und es wäre mal wieder schön gewesen, noch etwas mehr Zeit zum Erkunden zu haben!Okumaya devam et
Bei Vollmond im Land des Halbmondes
17 Eylül 2024, Türkiye ⋅ ☁️ 24 °C
Die Übernachtung zwischen Landmaschinen an der Tankstelle, neben der quasi Autobahn, war erstaunlich ruhig. Am Morgen packen wir fix unsere Sachen zusammen und begeben uns in das Restaurant neben der Tankstelle. Wir dürfen hier unser eigenes Essen verzehren, sind aber auch neugierig auf das Frühstücksangebot. So stehen am Ende auch eine Linsensuppe, Peynir Helvasi (Käsepaste mit Zucker, wie wir nun wissen), ein paar Brötchen und Çay auf dem Tisch. Die kulinarische Erfahrung erstreckt sich von sehr lecker (Linsensuppe) bis unerwartet sonderbar (süßer Käse).
Als ich bezahlen will, soll ich plötzlich nur die Linsensuppe bezahlen. Çay und Käse sind kostenlos oder werden uns geschenkt.
Nach unserer Frühstücksstärkung und wirklich positiven Tankstellenerfahrung brechen wir auf. Immer geradeaus auf der großen Straße. Nach ca. 40 km wollen wir eine Pause machen und kommen kurz vor Malkara wie zufällig an einer Käserei oder zumindest einer Käsereifiliale vorbei. Frisch gezapfter Ayran, Käse und Brot stellen die perfekte frühe Mittagspause dar.
Die nächste Pause findet in Tekirdağ statt, wo wir zunächst einen Fahrradladen aufsuchen, um (nach dem Platten vor ein paar Tagen) etwas mehr Druck auf meine Reifen zu bekommen. Danach rollt es sich wieder besser. Unsere zweite Essenspause mit Bulgursalatresten findet dann im Strandpark statt.
Bis zum Abend geht es dann abgesehen von einem schön aufgehenden Vollmond relativ ereignislos weiter bis Marmaraereğlisi. Wo wir ein Restaurant aufsuchen in der Hoffnung, uns ebenfalls wieder nach einem Übernachtungsplatz erkundigen zu können. Das Essen ist auch wieder mal sehr gut, die Leute super freundlich, doch die Gegend stark besiedelt und der Strand bebaut, sodass sie sich nicht wirklich zum Zelten eignet. Überraschenderweise erhalten wir (nach dem Essen) wieder einen kostenlosen Çaj. Dies scheint wohl Tradition in der Türkei zu sein.
Gestärkt klappern wir – nach der guten Tankstellenerfahrung – zwei Tankstellen, einen Campingplatz und ein weiteres Restaurant ein paar Kilometer weiter ab, um uns nach Übernachtungsplätzen zu erkundigen. Tankstelle eins schlägt uns den Stadtstrand vor, der doch ziemlich bebaut ist und wo noch einiges los ist, und der Campingplatz ist verhältnismäßig teuer und der Besitzer unfreundlich. Bei der zweiten, etwas außerhalb liegenden Tankstelle sind wir dann erfolgreicher und bekommen einen kleinen Strand in der Nähe empfohlen. Hier haben wir noch ein halb lustiges, halb unangenehmes Gespräch mit einer Gruppe Männer, die gerade mit dem Auto vorfuhren und offensichtlich in der Pubertät steckengeblieben waren, bevor wir uns weiter zum Strand aufmachen.
Der Strand ist zwar bebaut, aber wirklich schön, und wir sichern uns nur noch einmal im Restaurant nebenan ab, ob Campen hier wirklich kein Problem sei. Dann ist das Zelt schnell aufgebaut, und wir fallen nach fast 150 km schnell in den Schlaf.Okumaya devam et
Istanbul
18–27 Eyl 2024, Türkiye ⋅ ☁️ 25 °C
Eine Woche Istanbul schriftlich zusammenzufassen ist gar nicht so einfach. Die Stadt ist so groß (obwohl wir zufällig zwei Schweizer Radreisende, die wir in Albanien kennenlernten, wiedertrafen) und vielfältig, dass es hinter jeder Ecke etwas Neues zu entdecken gibt. Angefangen letzten Mittwoch mit einem Abschnitt an der Küste, der Ankunft in Fatih, der Altstadt, zwischen der Blauen Moschee und der Hagia-Sophia, den Moment, den wir gar nicht so richtig zelebrieren und realisieren konnten, weil wir noch mit der Metro auf die asiatische Seite in unsere Unterkunft einchecken mussten.
Am nächsten Tag das Wiedersehen mit Kaja und Patrick. Es war schon ein verrückter Moment, sich das erste Mal seit Weihnachten unter einer türkischen Flagge in Istanbul zu sehen. Die darauffolgenden Tage waren unglaublich schön und von viel Essen und Teetrinken geprägt. Die Teekultur ist überhaupt etwas, das bestimmt in Erinnerung bleibt. Sei es der Tee nach dem Essen, im Café, auf dem Markt, bei einer Fährfahrt, wo er – für 10 Lira (ca. 26 Cent) unglaublich günstig war (insbesondere zu Kaffees in der Deutschen Bahn), oder einfach zu Hause. Hauptsache mit viel Zucker – ich hoffe, mir keine Diabetes eingefangen zu haben! Auch jetzt gerade, als ich diesen FindPenguins schreibe, geht ein Kellner umher und verteilt Çaj an den Tischen – einfach gut!
Dennoch muss man manchmal nach dem Preis schauen, um nicht als Touri ausgemolken zu werden. Nicht nur die Touristenattraktionen sind unglaublich teuer, auch beim Essen kann gerne mal ein Vielfaches bezahlt werden, und für SIM-Karten bezahlt der Tourist den dreifachen Preis als der Einheimische. Das geduldige Erkunden kleinerer Straßen und abgelegenerer Orte lohnte sich daher nicht nur finanziell, sondern ließ uns vor allem auch nicht-touristische Viertel, Restaurants und leckeres Essen entdecken. Gleichzeitig zeigten sich hier auch die Kontraste, welche in so einer großen Stadt wohl unvermeidbar sind: Touristische Orte und Reichtum gegenüber ärmlichen Vierteln und Menschen, die Müllbeutel durchwühlten, um die Reste an Maiskolben abzuknabbern. Einmal wurde uns einer dieser Maiskolben sogar hinterhergeworfen – ein Moment, der wohl traurig in Erinnerung bleiben wird und mit unbeantworteten Fragen einherging, was dieser Mensch wohl durchgemacht haben muss.
Neben abgenagten, fliegenden Maiskolben sind vollständige, gerillte oder gekochte Maiskolben und geröstete Maronen übrigens viel häufiger hinter jeder Ecke an mobilen Ständen anzutreffen. Ebenso wie – wer hätte es gedacht – Dönerläden und Baklavläden. Auch hier will man wohl fortgeschrittener Tourismusexperte sein, um die guten von den schlechten Geschäften zu unterscheiden. Zumindest mit einer Lokantasi (quasi eine öffentliche Kantine) und einer Bäckerei ist dies vorzüglich gelungen.
Auch wenn ich mich selbst erfolgreich drückte und ausschlief, etablierten Kaja, Anna und Patrick fast eine tägliche Routine, um die morgendliche Versorgung mit ofenfrischen Simit, Milchbrötchen, Tahinischnecken und weiteren Leckereien vom Bäcker um die Ecke sicherzustellen.
Trotz des Gewusels in der Stadt finden sich auch ein paar nahe gelegene ruhige Orte, wie wir bei unserem Ausflug auf die Prinzeninsel Burgaz Adası feststellten. Hier war trotz guter Anbindung verhältnismäßig wenig los und wir konnten nach einer kurzen Wanderung auf die Südseite der Insel ein paar ruhige Stunden am Strand mit kurzen Tauchgängen genießen. Obwohl hier eigentlich das Zelten verboten war, schienen an diesem Ort einige Backpacker oder Wochenendausflügler aus Istanbul ihre Zelte aufzuschlagen. Einziges Manko hier wie auch an so vielen anderen Orten: Der Müll und das Umweltbewusstsein. Sowohl der Gäste, die wir auf frischer Tat ertappten, als sie ihren Müll auf einen bereits großen Müllhaufen am Strand warfen, als auch die Eigentümer zweier vernachlässigter Strandcafés oder Campingeinrichtungen, deren Sonnenschirme, Stühle, Elektrogeräte usw. am Strand verrotten. Beides geht beim besten Willen nicht in meinen Kopf hinein und löst eine Wut und ein Unverständnis aus, die einen zur Verzweiflung treiben. Was kann man als Mensch, der dies (aus der Ferne) sieht und zudem die Landessprache nicht beherrscht, dagegen tun? Eine Person, die wir freundlich darauf ansprachen und nachfragten, was es mit diesen verwahrlosten Gebäuden auf sich hätte, gab zunächst fragwürdige Aussagen von sich, die offensichtlich nicht stimmen konnten, und wurde beim weiteren Nachhaken plötzlich abweisend und unfreundlich.
Der letzte (gemeinsame) Tag in Istanbul verging dann eigentlich viel zu schnell. Eigentlich wollten wir noch ein paar ruhige Minuten oder Stunden in einem Café finden, um die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Stattdessen verlängerte sich unsere Radtour zu ein paar Fahrradläden auf der asiatischen Seite, bei denen ich mir eine neue Kassette und einen Brookssattel besorgte, durch die Entdeckung eines schönen, großen und vor allem authentischen Basars. Nicht ganz geplant, aber eine wunderbare Entdeckung am letzten Tag, die nicht wie ein touristischer Abklatsch wirkte. Von Teeverkäufern, die über den Markt gingen, gekochten Maiskolben-, Döner- und Gözlemeständen bis hin zu Marktschreiern von Gewürz-, Gemüse- und Klamottenständen gab es alles zu sehen.
Ein bisschen Ruhe zum Ausklingenlassen der letzten Wochen fanden wir dann noch bei einem Çai auf der Fähre und einem letzten Abendessen in einem weniger touristischen Viertel, das wir ein paar Tage vorher entdeckt hatten (leider nicht ganz so lecker wie beim ersten Besuch).
Und dann kam der letzte Abschied. Einen Monat und dann die letzte Woche war ich mit ganz vertrauten Personen unterwegs.
Gestern verabschiedeten sich zunächst Kaja und Patrick, nun Anna, und zu Hause ist gute 2.000 km Luftlinie entfernt.
Einsamkeit, Traurigkeit, Verletzlichkeit, Unsicherheit sind die Gefühle, die mich überkommen. Wie werden die nächsten Wochen alleine? Wo will ich überhaupt noch hin? Ist es Zeit umzudrehen?
Ähnliche Gedanken gingen mir schon bei früheren Abschieden durch den Kopf, z. B. damals in Marrakesch. Es wäre so einfach, ebenfalls in einen Bus oder Flieger zu steigen, nach Hause zurückzukehren, um diesem Moment zu entgehen.
Gleichzeitig war es aber aufmunternd, dass ich noch eine Warmshower-Unterkunft gefunden habe und so ein wenig soziale Interaktion und (Radreise-)Gedanken teilen kann. Adrien, bei dem ich hoste, ist vor zweieinhalb Jahren ebenfalls mit dem Fahrrad (von Frankreich) aufgebrochen, hatte ähnliche Gedanken und hat, nachdem er fünf Monate später Istanbul erreichte, beschlossen, hier zu bleiben und sich einen Job an einer französischen Schule zu suchen – seine größte Herausforderung beim Radeln war das Alleinsein.
Ich bleibe tatsächlich noch ein paar Tage bei Adrien (vielen, vielen Dank für die Tage der Gastfreundschaft!), um mir meine weitere Route zu überlegen, mal wieder eine Waschmaschine zu benutzen, Kleidung zu flicken und meinen frisch erworbenen Brooks-Sattel zu montieren.
Tatsächlich überkommt mich auch noch eine kleine Erkältung. Großstadtprobleme oder waren vielleicht einfach nur mal ein paar Tage Ruhe fällig?
Auf jeden Fall habe ich jetzt viel Zeit, um zu überlegen, wie es nun weitergeht. Istanbul war ein Ziel, das ich lange vor Augen hatte, genau genommen die letzten fünf Monate. Nun ist es erreicht. Wohin soll es weitergehen? Über Griechenland und Italien zurück nach Deutschland? Ich bin unentschlossen. Eigentlich will ich zu Weihnachten wieder zurück sein, gleichzeitig gibt es Richtung Osten noch so viel mehr zu entdecken. Die Türkei ist riesig, Georgien klingt auch spannend, und einige Radreisende, die ich auf der Reise getroffen habe, sind hier auch unterwegs. Das Wetter könnte allerdings herausfordernd werden. Gleichzeitig habe ich genauso Lust, nach Hause zurückzukehren, mal wieder einen normalen Alltag zu führen, zu arbeiten, Ideen umzusetzen. Wie ich Lust hätte, weiterzufahren, Richtung Osten, gerade weil ich schon mal hier bin, auf Reisen bin, und es somit viel leichter ist als später nochmal.
Bilanz: Sarajevo - Istanbul
Kürzeste Strecke: 21 km
Längste Strecke: 147 km
Strecke Gesamt: 1725 km, 19192 hm
Platten: 1 (Nr. 2 nach 13.000 km)
Reisetage (davon Radeltage): 33 (23)
Zelt (davon Campingplatz): 16 (4)
WarmShowers und Leute: 2
Airbnb/Hostel: 12
Verloren: Anna (Tim), Tim (Anna)
Geschenkt bekommen: Käse, Suppe, Chillis, Walnüsse, Weintrauben, viel Kaffee und Çaj
Verschenkt: Zucker, Chillis, Weintrauben
Mit dem Rad umgefallen: mehrfach zu 50 % (Anna), Resümee: Vorderradtaschen sorgen für besseres Gleichgewicht
Kaputgegangen/Ersetzt: in die Jahre gekommenen Fahrradhelm (Tim), Schaltwerk (Anna), Kette gerissen (Anna), Speiche gebrochen (Anna) ich glaube es wird Zeit für ein frisches Reiserad;-)Okumaya devam et

GezginIch bin ja für weiter in den Osten, dann gibt's länger was zu lesen. Falls es zurück gehen soll, würde ich mich für eine Route durch die Karpaten und Transsilvanien einsetzen.

GezginIch bin dafür, dass Du mit einem Frachter in die USA fährst und John Steinbecks Route aus "Travels with Charley" radelst. Ich habe noch irgendwo vierzig Dollars, die kannst Du haben. Und dann die Panamericana von Alaska nach Feuerland und dann natürlich nach Hawaii - fit genug bist Du ja jetzt ;-) Was auch immer Du machst - alles Gute!
Speichenlos und Angekommen
18 Eylül 2024, Türkiye ⋅ ☁️ 24 °C
Es ist ein Aufwachen vom Meeresrauschen. So nah haben wir selten am Wasser gestanden. Ein frühes Bad und eine Stranddusche helfen uns beim Wachwerden, wobei wir interessiert von einem Anwohner hinter dem Stacheldraht der Wohnanlage beschaut werden. Auf den Grundstücken wachsen Blumen, es sieht sehr schön aus - bis eben auf die Stacheldrähte. Wir spielen mit herumtobenden jungen Katzen und werden vom Kläffen der Hunde verabschiedet. Die Bundesstraße ist laut und voll, die von Landwirtschaft geprägte Umgebung von gestern wird heute durch Besiedlung eingenommen. Direkt von der großen Straße gehen Schotterwege ab oder kleine Straßen, die oft in bewachte und für uns verschlossene Wohnsiedlungen (gated communities) führen.
Da sixh so leider kein Cafe am Straßenrand zeigt, frühstücken wir an der Tankstelle, wo wir die Wahl zwischen Kaffee von Starbucks oder Nescafe haben. Und dann passiert an dem Tag so viel, dass es scheint, als wären es zwei Tage. Wenn ihr mehr Details wissen wollt, fragt uns einfach, aber ich versuche, hier einiges wiederzugeben:
In der ersten Stadt biegen wir von der großen Straße ab und finden einen klassischen Bäcker, der ausnahmlos leckere Dinge im Angebot hat: Pogaca (käsegefüllte Milchbrötchen), Tahinischnecken und Baklava. Vor dem Bäcker sitzend werden wir erst von einen türkisch-deutschen Reiseführer angesprochen, der begeistert von unserer Reise ist, uns dann aber für den Fall der Fälle seine Nummer gibt und vor Straßenhunden warnt. Es ist total lieb, dass er uns seine Nummer gibt, aber warum hält er es für nötig? Vielleicht, weil die Englischkenntnisse der türkischen Menschen oft nicht gut sind?
Wir packen zusammen und holen unsere Flaschen vor, um sie nochmal mit Trinkwasser bei der Bäckerei auffüllen zu lassen. Eine mit Melonen bepackte Frau sieht uns, deutet auf Tims Thermosflasche und spricht uns herzlich auf Türkisch an. Per Übersetzer verstehen wir, dass sie uns auf einen Kaffee/ Tee bei sich einlädt, und wir Tee in der Thermoskanne bestimmt gut als Energirquelle gebrauchen können. So freundlich wie sie ist, können wir die Einladung nicht ausschlagen, folgen ihr und stehen kurz darauf in ihrer Wohnung. Mit Hausschlappen ausgestattet gehen wir auf den Balkon, wo wir neben ihren selbstangebauten Chillipflanzen etwas verduzt auf die belegten Sofas blicken. Auf Bettlaken befinden sich orange-rote Fladen, Flocken, Brocken? Guckt euch jetzt das Foto an und ratet, was das wohl ist?
Auf den Balkon kommt die 90-jährige Schwiegermutter unserer Gastgeberin, sie beugt sich über die Brocken und beginnt, diese in routinierter Bewegung zu zerkrümeln.
Die Frauen trocknen insgesamt 15 Tage lang Tarhana, eine klassische türkische Suppe aus Tomaten, Paprika, Zwieblen, Knoblauch, Mehl und natürlich den selbstangebauten Chillis (Zitat Übersetzungsapp: es tut ein bisschen weh [beim Essen]). Das entstandene Pulver wird dann bei Bedarf, gern bei Erkältungen im Winter, wieder zu Suppe aufgekocht. Es scheint uns erstaunlich viel Aufwand zu sein, um sozusagen selbstgemachte Tütensuppe zu haben und wir sind begeistert von dem Trocknungsprozess. Wir bekommen frischen Caj, Nüsse und Flakes als Snack gereicht und eine Tüte voll Tarhanasuppenkrümel, was wir erneut vor lauter Freundlichkeit nicht ablehnen können. Unsere Gastgeberin ruft ihren englischsprechenden Sohn an und gibt ihn uns zum Telefonieren, eine etwas witzige Situation, aber er sagt uns, wir sollen uns wie zuhause bei seiner Mama fühlen. Wir bedanken uns herzlich und schenken ihr zwei von den Chillis aus Albanien, die sie in ihre nächste Tarhanasuppe verarbeiten kann. Es fällt uns schwer, uns wieder zu verabschieden, aber wir haben noch einige wahrscheinlich verkehrsreiche Kilometer vor uns. Zum Abschied schenkt sie uns noch je ein Kopf-/Halstuch vom Stadtkulturfest und wir fahren beschwingt mit Caj in der Flasche weiter.
Auf einmal klingt es mehrmals metallisch an meinem Hinterrad, damit lag kein Draht (wie sonst manchmal) auf der Straße. Komisch. Beim Anhalten stellt sich heraus, dass eine Speiche gebrochen ist und mein Hinterrad eine dicke Acht hat. Notdürftig tapen wir die Speichreste fest, nehmen etwas Last von meinem Hinterrad (danke an Spedition Flix) und rollen vorsichtig weiter. Ich stelle mir nun ernsthaft die Frage, ob das wohl die letzte Tour mit meinem Rad war?
Nach 60 km kommen wir in die zweite Stadt, ohne dazwischen je besiedeltes Gebiet verlassen zu haben. Hungrig wie wir sind werden wir in einem Lokantasi zum Mittag fündig: es ist ein Lokal mit vorgekochten Speisen in der Theke, aus denen wir uns unser Essen kombinieren können. Da das vegetarische Angebot begrenzt ist, wandert noch eine Käsepide vom Bäcker in meinen Magen, bevor wir gestärkt weiter den Weg am Verkehr vorbei suchen.
Sieben Hügel später wissen wir, woher die Höhenmeter des heutigen Tages kommen - von wegen flache Küstenstraße. Wir brauchen nochmal eine Snackpause und finden einen etwas herunterkommenden Park am Meer mit Katzen, die sehr gern an unserem Snack teilhaben wollen. Schwieriger zu finden ist der Radweg, manchmal wurde er einfach überbaut umd endet aprubt vorm Zaun.
Es ist ungewiss, wann wir in Istanbul waren - wir sehen kein Ortseingangsschild. Schon den ganzen Tag sind wir durch die Metropolregion gefahren, aber wann war es Istanbul? Zumindest waren wir gefühlt irgendwann in Istanbul und mussten feststellen, dass unsere Abendpläne die Stadtgröße übersteigen. Schweren Herzens schaffen wir es also nicht, die Radreisende Janne, die wir in Montenegro kennengelernt haben, noch einmal in Istanbul zu treffen, zu weit ist ihr Stadtviertel entfernt. Und auch Tims Schwester werden wir erst am nächsten Tag treffen. Da wir ein Hostel auf der asiatischen Seite gebucht haben, suchten wir im WLAN eines Restaurants nach Fährverbindungen. Selbst mit der Hilfe der 5 Angestellten, dem Versuch die Websiten zu entschlüsseln dem Anrufen bei der Fährgesellschaft und dem Nachfragen an einem großen Hafen konnten wir keine Gähre mehr finden, die uns um 21 Uhr noch mitnehmen wollte. So haben wir den Bosporus von unten durchfahren: mit der Metro Marmarey waren wir innerhalb von 7 Minuten auf einem anderen Kontinent! Es scheint bis jetzt jnwirklich, dass wir das mit dem Fahrrad gecshafft haben, es ist der dritte Kontinent für Tim auf dieser Radreise.
Wir checken schnell im Hostel ein, mittlerweile ist es schon kurz vor 22 Uhr, um uns dann hungrig nach Essen umzuschauen. Das am besten gefüllte Lokal ist ein Dönerladen. Schon als wir ankommen, werden wir vom Kellner besonder begrüßt: er steht mit einer gefüllten Dönerschaufel vor uns und steckt Tim (ich kann es gerade so unter Protest ablehnen) frisches Dönerfleisch in den Mund. Für mich findet sich Salat, Reis und Ayran,während Tim die volle kulinarische Erfahrung eines türkischen Döners und dazu Chilli-Ayran mitnimmt. Seht selbst - hier gibt es den Döner ohne Fladenbrot, Salat und Sauce, sondern direkt auf dem Teller mit dünnem Brot, Zwiebln und Tomaten. Gesättigt fallen wir müde ins Bett und können es selbst kaum glauben, in Istanbul angekommen zu sein.Okumaya devam et








































































































































































































































































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