Cusco - Hauptstadt der Inka
7–12 okt. 2025, Peru ⋅ ☁️ 14 °C
Der letzte Stopp auf meiner Busreise mit Peru Hop sollte Cusco sein. Die Stadt hat rund 430.000 Einwohner, liegt auf etwa 3.400 Metern über dem Meeresspiegel und zählt damit zu den höchstgelegenen größeren Städten der Welt. Ich hatte ein paar Tage eingeplant, um mich weiter an die Höhe zu gewöhnen, die Stadt und die umliegenden Ruinen zu erkunden und auch, um etwas zu entspannen und vielleicht einen oder zwei Tage das Hostel mal nicht zu verlassen.
Hier hatte ich wirklich Glück. In meinem Dreibettzimmer war ich der einzige Gast. Eine 1,40 Meter breite Matratze und ein recht schickes Badezimmer ganz für mich allein. Nachts zog es zwar an allen Ecken und Enden durch dieses obere Stockwerk – ordentlich gebaut ist hier kaum etwas – aber dafür gab es genug schwere Wolldecken. Der Regen prasselte auf die zusammengeschusterten Wellblechdächer, doch in meinem Zimmer blieb alles trocken. Nur unten im Flur standen immer ein paar Eimer bereit, denn hier und da tropfte es hinein. In Küche kochte ich seit langem mal wieder selbst, das hatte mir gefehlt. Das Ganze für 6 Euro pro Nacht – da blieb ich gerne eine oder zwei Nächte länger.
Das Wetter war insgesamt durchwachsen. Es regnet hier inzwischen täglich ein paar Stunden, denn die Regenzeit beginnt langsam. Nachts ist es frisch bis kalt und wenn tagsüber mal die Sonne rauskommt braucht man Hut, Sonnenbrille und eigentlich keine Jacke.
Roman aus Aachen, den ich bereits in Lima kennengelernt hatte, riet mir zu einer Walking Tour, die er selbst schon gemacht hatte – und trotzdem nochmal ein Stückchen mitkam. Auf dem Mercado San Pedro gab es wieder einmal eine unglaubliche Vielfalt an Früchten, dutzende Sorten Mais und Kartoffeln zu bestaunen.
Cusco ist historisch eine der bedeutendsten Städte Südamerikas. Vor der spanischen Kolonialisierung war sie die Hauptstadt des Inkareichs – des größten Reichs, das jemals in Südamerika existierte. Das Reich der Inka, genannt Tawantinsuyu („Land der vier Regionen“), erstreckte sich einst über weite Teile der Anden, Wüsten- und Dschungelregionen des heutigen Kolumbiens, Ecuadors, Perus und Boliviens bis hinunter nach Chile und Argentinien. Der neunte Inka-Herrscher, Pachacútec, gilt als jener König, der die vier Regionen vereinte und Cusco zu ihrem Mittelpunkt machte. Hauptstraßen der vier Königreiche laufen in Cusco zusammen, wo sich das politische, religiöse und wirtschaftliche Zentrum über ca. 130 Jahre entwickelte.
Heute heißt der zentrale Platz „Plaza de Armas“ – wie fast alle Hauptplätze in den von Spanien kolonisierten Städten. Auffällig sind die zwei Kirchen. Eigentlich gestattete der Vatikan damals nur den Bau einer Kirche pro Platz, aber die Inka hatten hier zwei bedeutende Tempel erbaut und weil es gute Kolonialmanier war jegliche Tempel und überreste fremder Religionen abzureißen und an selber Stelle, aus den gleichen Steinen, Kirchen zu bauen, gestatte der damalige Papst hier eine Ausnahme. Ich finde es unfassbar traurig und tragisch, was die Spanier und Kirche hier alles kaputt gemacht haben... so viel Kultur sowie Wissen über Natur ist verloren gegangen, welches wir bis heute nicht zurück erlangt haben. Wenn ich hier in dieser Stadt stehe macht mich wütend auf die gierigen Europärer und den damaligen Zeitgeist.
Typisch für die Inka-Baukunst sind die perfekt behauenen Steine, die millimetergenau ineinandergreifen, ohne dass Mörtel nötig war. Die daraus entstehenden Gebäude sind dazu noch Erdbeeben sicher. Der berühmte „Zwölf-Ecken-Stein“ in der Hatunrumiyoc-Straße ist eines der bekanntesten Beispiele (unser Guide zeigte uns einen mit 13 Winkeln). Auch die trapezförmigen Türen und Fenster sind charakteristisch. Viele dieser alten Mauern sind noch heute erhalten, oft im unteren Teil moderner Gebäude. Ab einer Höhe von zwei bis drei Metern wurden sie in und nach der Kolonialzeit mit simpleren Baumethoden aufgestockt. Selbstverständlich nachdem die Spanier damals alles auseinender genommen und kaputt gemacht haben... man vermutete in den meisterhaft gefertigten Steinen verstecktes Gold....
Jeder der 13 Inka-Herrscher ließ sich in Cusco ein eigenes Haus bauen – meist mit mehreren Innenhöfen, Tempeln und Wohnräumen für seine vielen Frauen und Kinder. Der nächste Herrscher wurde meist aus den Söhnen des Königs gewählt, wobei nicht das Alter, sondern Fähigkeiten, Gesundheit und Herkunft der Mutter eine Rolle spielten. Das Reich bestand bis ins 16. Jahrhundert, als die Spanier einmarschierten und den letzten legitimen Inka-Herrscher, Atahualpa, welcher sich eigentlich auf Verhandlungen einlassen wollte, 1533 hinrichten ließen.
Am Plaza de Armas traf ich später auf einen Einheimischen, etwas jünger als ich. Mit ihm bin ich lange per ChatGPT-Übersetzer ins Gespräch gekommen. Er stellte viele spannende Fragen über das Leben in Deutschland, und ich lernte dabei einiges über den Alltag in Cusco und die aktuelle politische Situation in Peru. Die ehemalige Präsidentin Dina Boluarte steht derzeit massiv in der Kritik und musste sich vor Gericht verantworten, während gleichzeitig über vorgezogene Neuwahlen diskutiert wird – ein Thema, das viele hier beschäftigt.Läs mer
Inka Ruinen bei Cusco
10 oktober 2025, Peru ⋅ ☁️ 12 °C
Die Tempel in der Stadt Cusco selbst sind heute entweder sehr zerfallen, oder es sind nur noch die Fundamente zu sehen. Viele wurden nach der Eroberung durch die Spanier abgerissen und an ihrer Stelle Kirchen errichtet – oft mit denselben Steinen, die zuvor Teil der Inka-Tempel waren. Im Umland jedoch gibt es noch einige besser erhaltende, beeindruckende Ausgrabungsstätten zu besichtigen, die einen faszinierenden Einblick in die Architektur und Spiritualität der Inka geben.
Ich nahm mir ein Taxi und fuhr die Serpentinen hinauf in die Berge über Cusco, bis zu der am weitesten entfernten Anlage, die ich mir ansehen wollte: Tambomachay. Von dort wollte ich gemütlich zurück ins Tal wandern und unterwegs drei weitere Tempelstätten besuchen.
Gleich am Anfang traf ich zufällig wieder auf Ellen aus London – sie hatte ich beim Wandern im Colca Canyon kennengelernt. Es ist wirklich witzig, wie oft man in Peru denselben Leuten begegnet, aber klar – die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen nun mal auf den gleichen Routen. Sie hatte sich ein Taxi für den ganzen Tag gebucht und nahm mich spontan bis zur nächsten Ruine mit. Danach ging ich zu Fuß weiter, vorbei an kleinen Bauernhöfen mit Lamas, Alpakas, Schafen und Pferden, durch winzige Dörfer, wo Kinder winkten und Hunde faul in der Sonne lagen. Es war eine sehr schöne Strecke – und im Vergleich zum Colca Canyon wirklich entspannt zu laufen.
Tambomachay, die erste Anlage auf meiner Route, wird oft als „Bad des Inka“ bezeichnet. Sie liegt auf etwa 3.700 Metern Höhe und besteht aus terrassenförmigen Mauern mit perfekt gearbeiteten Wasserkanälen, die bis heute frisches Quellwasser leiten. Vermutlich diente der Ort nicht nur rituellen Waschungen, sondern auch als eine Art Heiligtum für Wasser – eines der wichtigsten Elemente im Inka-Glauben.
Nur wenige hundert Meter weiter liegt Puka Pukara, was „Rote Festung“ bedeutet. Die Anlage erhielt ihren Namen von der rötlichen Färbung des Gesteins im Sonnenlicht. Vermutlich war sie ein militärischer Posten oder Kontrollpunkt am Eingang zum Heiligen Tal, vielleicht auch eine Raststation für Reisende oder königliche Boten. Von hier aus hatte man eine großartige Aussicht über das Tal und die umliegenden Berge.
Weiter bergab kam ich nach Q’enqo, einem mystischen Ort mit labyrinthartigen Gängen, in den Fels gehauenen Altären und Opferstellen. Der Name bedeutet „Labyrinth“ oder „Zickzack“. Hier fanden vermutlich rituelle Zeremonien statt, möglicherweise auch Opfergaben zu Ehren der Sonnengöttin Inti und der Erde Pachamama. In den Felsen sind noch heute Kanäle zu erkennen, durch die einst Blut, Wasser oder Chicha (Maisbier) geflossen sein sollen. Die Anlage hat eine ganz besondere Atmosphäre – irgendwie still, kühl und gleichzeitig geheimnisvoll.
Die letzte und größte Ruinenstätte auf meiner Wanderung war Sacsayhuamán – nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und auf einem Hochplateau gelegen. Von hier oben hat man eine unglaubliche Aussicht über ganz Cusco, das dicht bebaut das weitläufige Tal ausfüllt. Die gewaltigen Mauern aus riesigen, perfekt behauenen Steinen sind einfach beeindruckend. Manche dieser Steine wiegen über 100 Tonnen, und doch passen sie millimetergenau ineinander – ganz ohne Mörtel. Die größte Mauer ist in drei Terrassen angelegt, jede fast 400 Meter lang. Sacsayhuamán war ursprünglich eine Tempel- und Festungsanlage, wahrscheinlich auch ein zeremonielles Zentrum, das der Verehrung des Sonnengottes diente. Später nutzten die Spanier viele der Steine für den Bau von Kirchen in Cusco – nur die größten Blöcke blieben, weil die Kunst diese zu bewegen die Fähigkeiten der Eroberer überstieg.
Abends traf ich Ellen wieder, diesmal zusammen mit einer anderen Reisenden aus den USA. Wir gingen gemeinsam in ein kleines Restaurant in der Altstadt – gutes Essen, interessante Gespräche und ein schöner Abschluss meiner Zeit in Cusco. Die fünf Nächte hier haben sich wirklich gelohnt. Ich habe viel gesehen, aber längst nicht alles. Kein einziges Museum und es gibt noch viele weitere Ruinen und Tempel in der Umgebung, die man besuchen könnte. Auch zu den Rainbow Mountains habe ich es nicht geschafft – alles gute Gründe, eines Tages wiederzukommen.Läs mer
Aguas Calientes
13–16 okt. 2025, Peru ⋅ ☁️ 19 °C
Wenn man Machu Picchu besuchen möchte, führt fast jeder Weg zunächst in das kleine Örtchen Aguas Calientes, auch bekannt als Machu Picchu Pueblo. Es liegt tief im Tal am Fuß des Berges, auf dem die weltberühmte Inka-Stadt thront. Doch dorthin führen keine Straßen – man muss also zunächst entscheiden, wie man überhaupt in diese abgelegene Region gelangt.
Die bekannteste Möglichkeit ist die Inca Rail oder PeruRail, die von Ollantaytambo – einem Ort etwa auf halber Strecke zwischen Cusco und Machu Picchu – nach Aguas Calientes fährt. Selbst die günstigste Klasse ist hier jedoch erstaunlich teuer. Eine zweite Option ist die klassische Inka-Wanderung. Dieser Weg wurde schon von den Inka genutzt und führt über rund 70 Kilometer durch die Anden – mit zahlreichen Höhenmetern, Pässen über 4.000 Meter und mehreren Tempelanlagen entlang der Strecke. Die Tour dauert meist vier bis fünf Tage und erfordert gute Kondition sowie eine geführte Gruppe - oft lange im Voraus ausgebucht. Alternativ gibt es den Salkantay-Trek, eine moderne Route mit ähnlicher Länge.
Für mich war das allerdings zu viel des Guten.
Ich entschied mich für die sogenannte „Hydroelectrica-Route“, eine Art Kompromiss. Mit einem Kleinbus ging es von Cusco über das Heilige Tal und den Pass von Abra Málaga bis zum Wasserkraftwerk „Hidroelectrica“ – etwa 210 Kilometer und rund sieben Stunden Fahrt entfernt. Von dort führt eine alte Bahnstrecke noch etwa elf Kilometer bis nach Aguas Calientes. Diese Strecke läuft man zu Fuß, immer entlang der Gleise, flankiert von dichtem Regenwald, Wasserfällen und dem rauschenden Urubamba-Fluss.
Die Busfahrt selbst war schon ein Erlebnis. Die gesamte Strecke führte in endlosen Serpentinen durch die Anden – es gab kaum ein gerades Stück, das länger als ein paar Hundert Meter war. An manchen Stellen hatten Felsstürze Teile der Straße weggerissen oder verschüttet, und der Bus musste warten, bis der Gegenverkehr durch war. Die Aussicht war allerdings atemberaubend: schneebedeckte Gipfel, tiefe Täler, und dann plötzlich dichter, grüner Dschungel.
Am Hydroelectrica angekommen, ging es endlich zu Fuß weiter. Leider hatte ich mir in Cusco bei der Ruinenwanderung eine fiese Blase an der rechten Ferse geholt. Zuerst versuchte ich, links einen normalen Schuh und rechts einen Croc zu tragen – weil der hinten offen ist. Aber auf dem groben Schotter der Bahngleise war das keine besonders bequeme Idee. Zudem regnete es fast durchgehend. Gleichzeitig war es tropisch warm und feucht – kein Wunder, denn hier beginnt bereits der Regenwald. Der Urubamba-Fluss, der unterhalb von Machu Picchu fließt, mündet später in den Amazonas.
Ich wurde ziemlich nass und hatte keine Lust, anzuhalten oder Fotos zu machen. Vom meinem Besuch auf dem Machu Piccuu berichte ich im nächsten Post. Hier erzähle ich noch kurz vom Rückweg, damit ich die Bilder und Videos dazu packen kann. Dieser war etwas trockener, wenn auch nicht sehr viel. Ich konnte es trotzdem mehr genießen und musste die beeindruckende Landschaft und abenteuerliche Strecke entlang der Gleise, eingerahmt von riesigen Felsen, tropischem Grün und kleinen Holzhütten einfangen - seht selbst.
Wieder am Hydroelectrica angekommen, wollte ich spontan mit Josiah – einem Reisenden, aus meiner Gruppe der Tour durch Machu-Picchu – noch einen Zwischenstopp auf dem Rückweg einlegen, im „Sacred Valley“, dem Heiligen Tal der Inka, um dort noch einige Ruinen zu sehen. Ich hatte meine kleine Tasche bereits vorne auf den Beifahrersitz gelegt und wartete etwa eine Stunde neben dem Bus, bis es losgehen sollte. Doch kurz vor der Abfahrt schmiss mich der Fahrer plötzlich raus – er wollte lieber zwei andere Personen mitnehmen, um den Bus voll zu machen. Ich war ziemlich sauer, schließlich hätte ich dann auch einen anderen Bus nehmen können und nicht so lange warten müssen.
Der Fahrer meinte, ich müsse nur fünf Minuten die Straße hinunterlaufen – dort gäbe es einen anderen Bus. Der fuhr allerdings direkt nach Cusco, ohne Zwischenstopp im Sacred Valley. Also verpasste ich die Gelegenheit, Josiah zu begleiten. Ich war etwas enttäuscht und dachte zunächst ich hätte meinen Platz nicht so einfach aufgeben sollen.
Doch am nächsten Tag erfuhr ich, dass der Bus mit Josiah und den anderen auf halber Strecke liegengeblieben war – mitten in den Bergen, irgendwo auf einem Pass. Alle mussten aussteigen und auf eigene Faust per Anhalter weiterkommen. Josiah erzählte mir später, dass er schließlich auf der Ladefläche eines Pickup-Trucks im Regen mitfahren durfte. Das Geld für die überteuerte Fahrt hat natürlich niemand zurückbekommen.
Im Nachhinein war ich dann doch froh, dass mich der Fahrer rausgeworfen hatte – sonst hätte mich dasselbe Schicksal ereilt. So fügen sich die Dinge manchmal auf erstaunliche Weise. Alles passiert aus einem (allermeistens guten) Grund!Läs mer

ResenärDie Strecke nach Hydroelectrica haben wir auf einer Liste der 10 gefährlichsten Straßen in Südamerika gefunden… wir haben uns deshalb für die (Ja! Völlig überteuerten) Bahntickets entschieden. 😅

LKuppersWandern ist total entspannend - man braucht keine Musik im Ohr und nichtmal einen Gesprächspartner. Ich entdecke das hier richtig für mich 😬
Machu Picchu
15 oktober 2025, Peru ⋅ ☁️ 19 °C
Am ersten Morgen in Aguas Calientes stellte ich mich um 5:30 Uhr in die Schlange zum Ticketschalter. Online sind die Tickets für Machu Picchu meist monatelang im Voraus ausgebucht. Doch es gibt die Möglichkeit, vor Ort ein Ticket zu kaufen – jeden Tag wird ein Kontingent von 1000 Tickets für den jeweils nächsten Tag ausgegeben. Die Schlange war schon einige Häuserblöcke lang. Um Viertel vor acht war ich vorne und bekam die Wartenummer 578 für diesen Tag – gute Neuigkeiten, denn es gibt je 300 Tickets für die Routen 2A und 2B, die zu den beliebtesten in Machu Picchu gehören. Sie beinhalten die Schleife durch die angelegten Agrarterrassen, von denen man den klassischen Blick auf das darunterliegende Dorf hat. Nach einer weiteren Stunde hatte ich dann mein Ticket: Route 2A für 14:00 Uhr am darauffolgenden Tag. Glück gehabt! Erstmal zurück ins Bett und einen chilligen machen.
Am nächsten Tag war es soweit – mein drittes Weltwunder auf dieser Reise wartete auf mich. Ich hatte mich entschieden, zu Fuß den Berg hochzusteigen, statt den Bus zu nehmen. Die Busfahrt kostet mittlerweile stolze 12 US-Dollar pro Strecke, und ich wollte mir den Aufstieg durch den Dschungel und mit eigener Kraft nicht entgehen lassen, schließlich war ich ja schon hierher gelaufen. Los ging es über die Brücke über den Río Urubamba bis zum Eingang des Wanderwegs. Der Weg führt fast ausschließlich über Stufen – rund 400 Höhenmeter nach oben. Immer wieder hörte man unten den Fluss rauschen, ab und zu ein Zughorn durch das Tal dröhnen und das Zwitschern der Vögel, dazu überall den feuchten Geruch des Waldes. Nur Stufen nerven mich echt... Nach den gefühlt ersten 300 hatte ich keine Lust mehr, ständig anzuhalten, um durchzuatmen. Also ging ich die Serpentinen entlang der Straße hinauf, die die Busse nehmen – etwas mehr Strecke, aber deutlich entspannter. Nach etwa anderthalb Stunden erreichte ich um 13:30 Uhr völlig durchgeschwitzt das Eingangstor. Gut in der Zeit, um noch einen Guide mit einer Gruppe zu finden.
Raul führte Linda aus Österreich, Victoria aus den USA, Josiah aus Neuseeland und mich mehr als drei sehr spannende Stunden durch die Anlage. Wir hatten richtig Glück mit dem Wetter – am Vormittag hatte es noch geregnet, und die Wolken hingen so tief, dass die Sicht oben kaum 50 Meter betrug, so Raul. Bei uns dagegen war es sonnig, warm und wunderbar klar.
Die Stadt Machu Picchu liegt auf dem gleichnamigen Berg („Alter Berg“) und war zur Zeit der Inka eine der wichtigsten Städte ihres Reiches. Zwei Besonderheiten machen diesen Ort einzigartig: mehrere Quellen auf dem Machu Picchu, die man zur Bewässerung und Versorgung der 500 bis 1000 Einwohner nutzte, sowie die Ausrichtung zum Sonnenaufgang, der für die Inka eine große spirituelle Bedeutung hatte. Vermutlich wurde die Stadt um 1450 unter dem Herrscher Pachacútec Inca Yupanqui erbaut. Bei der Ankunft der Spanier wurde sie verlassen, die damaligen Hängebrücken aus Schilfgräsern von den Inka abgerissen, und dieser heilige Ort erfolgreich geheim gehalten. Die Spanier entdeckten die Stadt nie – was vermutlich der Grund ist, warum sie so gut erhalten blieb und warum hier heute keine Kirche steht. Erst 1911 wurde sie von dem US-amerikanischen Forscher Hiram Bingham wiederentdeckt – beziehungsweise von Einheimischen gezeigt, die unten im Tal am Fluss lebten und natürlich von der Ruinenstadt wussten.
Raul erklärte uns, dass Machu Picchu aus drei großen Sektoren besteht:
– dem landwirtschaftlichen Bereich mit unzähligen Terrassen, auf denen Mais, Quinoa und Kartoffeln angebaut wurden,
– dem urbanen Bereich mit Wohnhäusern, Plätzen und Werkstätten,
– und dem religiösen Bereich, in dem sich die wichtigsten Tempel befinden.
Manche Tempel wurden nie fertiggestellt, und andere Bereiche weiter unten am Berg sind archäologisch noch gar nicht erforscht. Es wird vermutet, dass sich die Stadt teilweise bis ins Tal ausdehnte.
Es gibt einen Steinbruch auf der Rückseite, wo man grobe Felsen abflachte, um daraus Gebäude und an derselben Stelle Terrassen zu bauen. Oft schmiegen sich die Bauwerke hier an die Felsen – ein beeindruckendes Zusammenspiel aus Natur und Baukunst.
Die Präzision, mit der die Inka ihre Steine bearbeiteten, ist wirklich unglaublich. Oft waren weder Mörtel noch Fugen notwendig – und trotzdem sind die Mauern seit Jahrhunderten erdbebensicher. Manche Steine wiegen über 20 Tonnen und wurden aus mehreren Kilometern Entfernung hierher transportiert. Man weiß nicht genau, mit welchen Methoden und Werkzeugen die Inka das geschafft haben – vermutlich mit vielen Hebeln und der Bearbeitung durch härtere Steine, denn Metalle besaßen sie nur in weichen Formen (Bronze, Silber, Gold).
Nicht alle Mauern sind perfekt gearbeitet. Es gibt auch Bereiche, wie z. B. die Wohnhäuser, die schnell und gröber gebaut wurden. In deren Mauern wurde ein Mörtel aus verschiedenen Erdschichten, Sand und Gräsern verwendet. Das Niveau richtete sich nach der Bedeutung und Nutzung der Gebäude – die Tempel sind am hochwertigsten gebaut.
Besonders beeindruckend ist der Sonnentempel, dessen geschwungene Steinmauern exakt auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende ausgerichtet sind. Ebenso faszinierend war der Intihuatana-Stein – eine Art Sonnenuhr oder astronomisches Instrument der Inka, mit dem sie Jahreszeiten und Zeremonien bestimmten. Die originalen Dächer aus Holz und Stroh sind heute natürlich nicht mehr erhalten, doch an einigen Stellen gibt es Rekonstruktionen, damit man sehen kann, wie es einst aussah.
Ein Gebäudekomplex wird als ehemalige Art Universität vermutet. Gelehrte aus dem gesamten Inka-Reich kamen hier zusammen, um ihr Wissen auszutauschen und an die nächste Generation weiterzugeben. Auf dem zentralen Platz und den umliegenden Terrassen wurde keine Landwirtschaft betrieben – sie dienten der Zusammenkunft zu Zeremonien und Festen. In der Mitte befindet sich ein Altar, der heute von einem kleinen Dach geschützt wird.
Es war wieder einer dieser Orte, der einfach nur zum Fantasieren einlädt... Welche Handwerkskunst, welches Wissen und wie viele Jahrhunderte an Erfahrung hier wohl eingeflossen sind. Wie die Menschen hier gelebt, gearbeitet, geglaubt und gefeiert haben – und was sie angetrieben hat...
Machu Picchu war für mich definitiv eines der absoluten Highlights in Peru. Nicht nur wegen der atemberaubenden Kulisse, sondern auch wegen der Geschichte, der Baukunst und der Energie dieses Ortes. Man spürt einfach, dass das hier etwas ganz Besonderes ist – und zu Recht ein Weltwunder.Läs mer

Hallo Lukas, was für beeindruckende Erlebnisse du erleben kannst , genieße die Möglichkeiten , alles richtig gemacht du Weltenbummler 😍😍🙋♀️🙋♀️ [Jutta]
Titicaca See
17–19 okt. 2025, Peru ⋅ ⛅ 13 °C
Puno ist eine der größeren Städte auf der peruanischen Seite des Titicaca-Sees und mein letzter Stopp in diesem Land. Ein nettes Örtchen mit ein paar schönen Plätzen zum verweilen, vielen Straßenverkäufern und belebten Straßen. An diesem Wochenende gab es eine Art Fest der Kultur – so ganz habe ich das nicht verstanden … immer mal wieder hat man Feuerwerk und Musikgruppen gehört. An meinem letzten Abend habe ich vom Restaurant aus eine Parade gesehen.
Hauptziel hier ist natürlich der Besuch des Titicaca-Sees, eines der höchstgelegenen Seen der Welt auf rund 3.812 Metern über dem Meeresspiegel – mit seinen zahlreichen Inseln und vor allem der schwimmenden Schilf-Stadt Uros.
Die Islas Uros sind wirklich einzigartig. Sie bestehen komplett aus Totora-Schilf, das überall am Seeufer wächst. Schon vor Jahrhunderten begannen die Uros, auf dem Schilf zu leben – ursprünglich, um sich vor feindlichen Stämmen am Festland zu schützen. Die Inseln werden Schicht für Schicht aus frischem Schilf aufgebaut und müssen regelmäßig erneuert werden, weil das untere Material im Wasser verrottet. Heute gibt es dort noch einige Dutzend Familien, die teils vom Tourismus, teils vom Fischfang leben. Alles – Häuser, Boote, Möbel – ist aus Schilf gefertigt. Ein faszinierender und besonderer Ort, der fast ein wenig surreal wirkt.
Mit dem Boot ging es am Samstag zuerst dorthin. Uros liegt nur wenige Kilometer vor Puno und war in kurzer Zeit mit dem Boot erreicht. Wir stoppten auf der Insel einer einheimischen Familie, die der Reisegruppe erklärte, wie die schwimmenden Inseln gebaut und durch konstante Ausbesserungen und Reparaturen erhalten werden. Alles auf Spanisch, aber dank der modellhaften Veranschaulichung für mich verständlich und recht amüsant.
Weiter ging es etwa drei Stunden hinaus auf den riesigen See. Bei bestem Wetter hatten wir zwei Stunden Aufenthalt auf der Isla Taquile.
Die Isla Taquile liegt mitten im Titicaca-See und ist bekannt für ihre traditionelle Lebensweise und die farbenfrohen Webarbeiten der Einheimischen. Männer tragen hier gestrickte Mützen, deren Farben den Familienstand anzeigen, und Frauen bunte, handgewebte Röcke. Auf der Insel gibt es keine Autos und kaum moderne Infrastruktur – alles wirkt sehr ruhig und ursprünglich. Vom höchsten Punkt aus hat man einen fantastischen Blick über den See bis hinüber nach Bolivien.
Das Boot setzte uns auf der einen Seite ab und sollte uns auf der anderen später wieder einsammeln, sodass man einmal die Insel durchqueren konnte. Während die meisten der anderen entweder ihre Unterkunft aufsuchten – weil sie eine Nacht hier blieben – oder in ein Restaurant gingen, entschied ich mich, etwas herumzuwandern und schneller auf die andere Seite zu gehen, um dort im See zu schwimmen. Das Wasser war etwas kühl, aber mit der heißen Sonne von oben herrlich erfrischend und wunderbar klar – zumindest auf den ersten zwanzig Metern vor dem Ufer, denn dann wurde der See schnell sehr tief.
Wirklich eine tolle Kulisse!
Zurück in Puno, an meinem letzten Abend in Peru, wollte ich mir noch etwas Besonderes gönnen. Cuy (Meerschweinchen) sind eine peruanische Spezialität und werden, weil sie recht teuer sind, vor allem zu besonderen Anlässen serviert. Der Gedanke war zunächst schon etwas komisch, aber in den vergangenen drei Wochen habe ich das öfter gesehen, und man gewöhnt sich ein bisschen daran. Neue Kulturen zu entdecken heißt auch, Neues und oft Ungewöhnliches Essen zu probieren – das gehört einfach dazu. Geschmacklich war es sehr fettarmes Fleisch, kaum anders als Schweinefleisch, dafür mit umso mehr knusprig gebratener Haut außen drum. Dazu gab es verschiedene Kartoffelarten, Mais, etwas Salat und mein letztes Cusqueña (peruanisches Bier) – das ich echt super finde.
Wenn ich auf die 3,5 Wochen zurückblicke, die ich durch die südliche Hälfte von Peru gereist bin, wundere ich mich, wie viel ich erlebt habe – damit habe ich echt nicht gerechnet. Und dabei habe ich nicht einmal den Norden oder den östlichen Teil mit dem Amazonas gesehen. Dieses Land ist wirklich eine Reise wert: Es bietet tolle Landschaften und viele alte Ruinen der Inka- und Prä-Inka-Kulturen. Gemüse, Obst und die Gerichte, die daraus gemacht werden, sind vielfältig und sehr gut. Die Menschen sind nett, offen und perfekt auf Touristen eingestellt. Zudem fühlt sich alles – für südamerikanische Verhältnisse – sehr sehr sicher an.
Ein richtiges Einsteigerland, wenn man sich einmal auf diesen Kontinent trauen möchte. Ich werde ganz bestimmt eines Tages wieder hier her kommen.Läs mer

ResenärVielen lieben Dank mal wieder für den tollen Bericht und die wunderbaren Fotos. 😃😃😃 Ich wusste auch nicht, dass Peru so ein tolles Land ist. Da würde ich auch gerne mal hin. Schade, dass es so weit weg ist

LKuppersDie Flüge, gerade über Bogota (Kolumbien) können recht günstig sein. Und vor Ort ist es dann natürlich auch günstiger als in Europa oder Nordamerika

LKuppersMan muss sich auf einfachere Verhältnisse einstellen und genug Geduld mitbringen, dann geht das. Natürlich kommt es auch darauf an, wie man das Land bereist – ob man mehr fliegt, mit dem Bus fährt oder sich vielleicht sogar ein Auto leiht, was in Peru durchaus möglich wäre, weil die Straßen gut sind. Ich habe es zudem als komfortabel empfunden.
Copacabana - Bolivien
19 oktober 2025, Bolivia ⋅ ☀️ 12 °C
Bolivien stand eigentlich gar nicht auf meiner Wunschliste der Länder auf dieser Reise. Nachdem ich in Brasilien schon nicht den Amazonas-Dschungel besucht hatte, wollte ich das in Peru machen. Doch dann gab es so viel anderes zu sehen, und ich hörte von anderen Reisenden, dass Bolivien auch schön sei und Ausflüge in den Dschungel preiswerter sind.
Also machte ich mich am Sonntag auf in Richtung Grenze. An diesem Tag waren Präsidentschaftswahlen in Bolivien, und die großen Touristenbusse fuhren nicht. Zur Frage, ob denn die Grenze geöffnet sei, bekam ich widersprüchliche Antworten. Weil die öffentlichen Busse aber fuhren, wollte ich es versuchen. Damit zu fahren ist ganz witzig, denn es gibt keinen Fahrplan. Man geht einfach zum Terminal de buses (Busbahnhof), findet den richtigen Bussteig mit Bus, steigt ein und wartet, bis er voll ist – dann geht es los.
Die Grenze war ganz seltsam, so etwas habe ich noch nie erlebt. Zumindest nicht außerhalb von Europa, denn man konnte einfach durchlaufen. Keine Kontrollen, gar nichts. Ich wollte noch meinen Reisepass vorzeigen, aber der Beamte auf der bolivianischen Seite winkte mich einfach durch. Im Hostel in dem kleinen Ort Copacabana auf der anderen Seite des Titikakasee tauschte ich etwas Geld – dann bekommt man einen bis zu 50 % besseren Kurs als beim Abheben am Automaten – und aß trucha (Forelle), ein typischer Fisch aus dem See, in einer der kleinen Imbissbuden direkt am Ufer.
Im Hostel lernte ich Matty aus Großbritannien kennen, der mich zu Recht zum Nachdenken brachte, denn seinen Reisepass hatte man bei der Einreise gestempelt. Nicht nur, dass ich aktuell inoffiziell im Land war – mir fiel auf, dass ich ja gar nicht aus Peru ausgereist war. Am nächsten Morgen fuhr ich noch einmal die 15 Minuten mit einem Taxi zur Grenze zurück und holte das nach. Ich war am Vortag einfach an den richtigen Gebäuden vorbeigelaufen, und es hatte niemanden interessiert.
Matty erzählte mir auch von seiner Tour in den Dschungel und empfahl mir seinen Reiseveranstalter. Mit einem Bus fuhr ich an diesem Tag zuerst von Copacabana in die Hauptstadt (technisch "nur Regierunssitz") La Paz. Der Weg führte anfangs noch entlang des Titicacasees. Auffällig waren die von den Inka angelegten und größtenteils zerfallenen Bauernterrassen, die man schon auf der peruanischen Seite und auf der Isla Tranquila, die ich am Vortag besucht hatte, sehen konnte. An einer Stelle fuhr der Bus auf eine viel zu kleine und unsicher aussehende Fähre, wie ich dachte. Wenn man das überhaupt so nennen kann, denn eigentlich war es nur eine Barke mit Motor dran. Die kurze Überfahrt war aber ganz entspannt.
Am Nachmittag in La Paz angekommen, suchte ich mir direkt einen Nachtbus, um am Abend weiter nach Rurrenabaque zu fahren, von wo aus ich den Dschungel und die Pampas besuchen wollte.
Die Fotos aus La Paz kommen, wenn ich am Ende meiner Zeit in Bolivien noch einmal für drei Tage hierher zurückkomme.Läs mer
Rurrenabaquae
21 oktober 2025, Bolivia ⋅ ☀️ 33 °C
Dieses kleine, aber wachsende Örtchen liegt ein Stückchen flussabwärts des Pilón Lajas Territorio Indígena y Reserva de la Biósfera (Indigenes Territorium und Biosphärenreservat) am Río Alto Beni. Aus diesem Grund ist es für Touristen ein beliebter Ausgangspunkt für Expeditionen in den Dschungel und in die Pampa.
Die Busfahrt hierhin war schon ein kleines Abenteuer und auch nicht ungefährlich, denn das erste Stück aus La Paz hinaus ins Amazonas-Tal im Osten Boliviens führt entlang der „Death Road“. Eine in den steilen Fels gesprengte Straße ohne Sicherungen am Abgrund. Dank der andauernden Ausbaumaßnahmen wird sie zwar sicherer, dennoch verunglücken hier regelmäßig Fahrzeuge im Abgrund der Andenschlucht. Der Bus war alt, bis unter die Decke vollgestopft und oben drauf wurde noch alles Mögliche aufgeladen, denn die Busgesellschaft Trans Pando liefert auch Waren in die abgelegenen Teile des Landes. Vor der Abfahrt sah ich zu, wie Matratzen, Kühlschränke, Kochausstattungen und zahlreiche weitere Kisten oben auf den Bus geladen und mit Planen und Seilen gesichert wurden. Die Busse fahren zum Glück sehr langsam an den kritischen Stellen, auch später ging es nicht schneller voran. Aus den angekündigten 13 Stunden wurden 16 oder vielleicht auch mehr – ich weiß es nicht mehr genau - auch dank der zahlreichen Toilettenpausen, denn im Bus gab es keine.
In Rurrenabaque angekommen, suchte ich mir das Lobo Hostel direkt am Fluss mit Pool aus. Zum Sonnenuntergang ging ich mit ein paar Reisenden aus dem Hostel auf die große Brücke, die die beiden Hälften des Ortes verbindet. Die Aussicht bot einen tollen Vorgeschmack auf das, was mich die kommenden Tage erwarten würde: ganz viel Dschungel.
Für die zwei Nächte im Dschungel, eine in der Pampa und eine dazwischen, mache ich separate Posts. Hier packe ich noch die kleinen Geschichten sowie Fotos und Videos vom Tag danach, zurück in Rurrenabaque, dazu.
Ich kehrte zunächst in dasselbe Hostel zurück und freute mich unverhältnismäßig über die Tatsache, dass das gleiche Bett, welches ich bei meinem ersten Aufenthalt hier hatte, nochmal frei war. Ein bisschen Gewohnheit nach vier Tagen Abenteuer.
Nach der überfälligen Dusche brach ich am Abend zunächst alleine auf, um ein Restaurant zu finden. Auf der Straße, keine 200 Meter vom Hostel entfernt, sprach mich Ivan an. Ein super spannender Mensch – er kommt aus England, ist heute schätzungsweise in seinen sechzigern, und hat als Kind ein Buch über einen Entdecker gelesen, der hier in der Gegend um 1910 unterwegs war. Mittlerweile lebt er seit über 30 Jahren in Rurrenabaque, arbeitet als Funk-Techniker oder Handwerker, Übersetzer und manchmal auch als Tour Guide. Alleine geht er gerne 5–10 Tage tief in den Dschungel, um dort Gold zu schürfen. Ich lud ihn ein, mich in ein Restaurant zu begleiten. Auf dem Weg dorthin liefen uns Deborah aus Frankreich (die ich noch aus dem PeruHop-Bus kenne) und Sebastian (den ich in den letzten Tagen kennlernte) über den Weg. Zu viert hatten wir einen sehr spannenden Abend mit tollen Geschichten, die Ivan uns über seine Erfahrungen hier im Ort und im Dschungel erzählte. Leider habe ich keine Fotos gemacht.
In der Nacht fing es an zu regnen, in einer Menge und Lautstärke, wie ich es selten erlebt habe. Es wurde angenehm kühl im 8-Personen-Schlafsaal, es gab so gut wie keine Fenster, überall waren lediglich Moskitonetze in die Maueröffnungen gespannt. Die Geräuschkulisse war herrlich zum Schlafen. Am nächsten Morgen regnete es immer noch. Der Graben hinter dem Pool hatte sich über Nacht komplett gefüllt (siehe Foto).
Der Bus zurück nach La Paz fuhr erst am Abend ab, und ich wollte die Gegend noch etwas auf eigene Faust erkunden. Daher lieh ich mir für 5 Stunden ab dem Nachmittag ein Motorrad aus. Das Ding hatte weder Kennzeichen, noch funktionierende Blinker, aber die verwendet hier soweiso keiner. Dafür einen vollen Tank, nicht unbedingt selbstverständlich, da Bezin hier oft knapp ist. Der Regen hatte größtenteils aufgehört, und so wollte ich dem Ganzen eine Chance geben. Mein Plan war es, zuerst in das 55 km entfernte Nachbardorf Tumupasa zu fahren. Ivan erzählte mir am Vorabend, das würde sich lohnen. Man fährt dorthin durch den Dschungel und die Aussicht ist schön, aber die Straßen sind schlecht. Natürlich hatte er Recht. Der Asphaltbelag hörte nur kurz hinter der Ortsgrenze von Rurrenabaque auf. Ich fuhr ca. die Hälfte der Strecke ganz vorsichtig mit 20–30 km/h über die matschige Schotterpiste und wurde dabei gut durchgeschüttelt und von unten ziemlich eingesaut. Es gab zwar viele Pfützen, aber der Regen hatte das Ganze nicht zu schlammig gemacht – zumindest am Anfang. Als es später doch zu tiefe Schlaglöcher und matschige Passagen gab, entschied ich mich umzudrehen. Hier wollte ich nicht wegrutschen – erst recht nicht ohne gute Schutzausrüstung.
Stattdessen fuhr ich dann nach Reyes. Ein weiteres Nachbarörtchen in anderer Richtung, und von der Fahrt in die Pampa, die hier vorbei führte, wusste ich, dass die Straßen asphaltiert und sehr gut waren. Angekommen drehte ich ein paar Runden um den zentralen Platz und fand einen Markt, auf dem ich Teigtaschen und Käsebrötchen von lokalen Verkäuferinnen kaufte.
Abends ging es mit dem Bua zurück nach La Paz. Ich kann Rurrenabaque wirklich nur empfehlen, auch wenn es sehr ärmlich und vieles heruntergekommen ist, so ist das halt in Bolivien. Meine wahren Erlebnisse hier - Dschungel und Pampa kommen in den nächsten Posts, da könnt ihr euch echt drauf freuen!Läs mer
Abenteuer im bolivianischen Dschungel
22–23 okt. 2025, Bolivia ⋅ ☀️ 34 °C
Dass die zwei Nächte im Dschungel kein Sterneaufenthalt werden würden, war mir natürlich klar. Aber wie extrem, anstrengend, primitiv, insektenreich, warm, schlammig und nass es tatsächlich werden würde, hatte ich unterschätzt. Es war eine der heftigsten, aber auch eindrucksvollsten Erfahrungen meines Lebens.
Vieles konnte ich gar nicht fotografieren – weil alles nass war, ich zu beschäftigt mit mir selbst oder die Momente – vor allem bei Tieren – einfach zu flüchtig waren. Trotzdem denke ich, mit meinen Ausschnitten, hier einen guten Eindruck vermitteln zu können.
Schon der Start war typisch bolivianisch: etwas chaotisch, unorganisiert und improvisiert. Organisation, Englischkenntnisse oder logisches Mitdenken haben hier einfach keine Priorität – eine Herausforderung für jemanden wie mich, der gerne den Überblick behält. Gelassen zu bleiben und die Dinge zu nehmen, wie sie kommen. Das fällt mir hier manchmal wirklich, wirklich schwer.
Als ich morgens um neun im Büro von Jaguar Sirius Eco-Tours ankam, wartete dort bereits Sebastian. Er kommt ursprünglich aus Cochabamba, lebt aber seit einigen Jahren in Dublin, wo er als Koch arbeitet. Nun war er zurück in seiner Heimat – auf Familienbesuch und mit dem Plan, endlich auch den Dschungel und die Pampa anzusehen – hier war er nämlich auch noch nie. Eigentlich waren wir gar nicht für dieselbe Tour gebucht, aber weil ein Bus ausgefallen war, wurde kurzerhand umgeplant.
Unsere Rucksäcke waren nach Anweisung gepackt: Toilettenpapier, Handtuch, Wechselkleidung, Stirnlampe, Plastiktüten, Insektenschutz – das Nötigste eben. Es gab nur noch einen intakten Leinensack, den wir uns teilen mussten. Dazu bekamen wir Isomatte, Decke, Laken und Gummistiefel. Letztere waren zunächst ein Problem: keine passende Größe für mich. Miki, einer der Besitzer – ein witziger, leicht verpeilter Typ – organisierte kurzerhand per Motorrad noch ein Paar in Größe 46. Immer noch zu klein, aber halbwegs tragbar.
Kurz darauf übergab er uns an Jesús, unseren Guide für die nächsten zwei Nächte. Wir liefen zum Fluss und stiegen in eines dieser typischen Boote – lang, schmal, flach gebaut, mit einem alten Automotor hinten dran, der vier Stunden lang ununterbrochen knatterte, als wir den Fluss aufwärts fuhren. Unterwegs hielten wir an einer kleinen Zuckerrohrplantage, wo wir mit einer über 80 Jahre alten Holzpresse unseren eigenen Zuckerrohrsaft pressen durften. Mit etwas Zitrone verfeinert herrlich erfrischend und ziemlich sättigend. Ich entdeckte mal wieder eine neue Frucht, die ich vom Baum pflücken und probieren durfte – das weiße, sehr weiche Fruchtfleisch war Zuckerwatte nicht unähnlich.
Weiter ging es über einen Seitenarm des Flusses, der zunehmend flacher wurde. Immer wieder mussten wir aussteigen, um das Boot anzuschieben. Das braune Wasser fand ich überhaupt nicht einladend, ist aber im Flachen recht sicher. Wenn man sich daran gewöhnt, dass man, sobald man den Boden berührt, nochmal mindestens 30 cm im sehr feinen matschigen Schlamm einsinkt, ist es sogar ein ganz angenehmes Gefühl mit nakten Füßen.
Am Basiscamp – ein paar einfache Hütten mit Dach, Tischen, Regalen und einer kleinen Kochecke – ließen wir überflüssiges Gepäck und ein paar Flaschen Wasser zurück. Von dort ging es in Gummistiefeln und mit Macheten bewaffnet tiefer in den Dschungel. Unser Camp lag etwa anderthalb Stunden Fußmarsch entfernt. Der Pfad war meist gut erkennbar, doch immer wieder versperrten umgestürzte Bäume den Weg, und zwei Flüsse mussten wir ebenfalls durchqueren. Dabei blieb es nicht aus, dass irgendwann das braune Wasser gefolgt vom Schlamm in die Stiefel lief.
Etwa 30 Meter vor dem Camp zeigte Jesús uns frische Jaguarspuren – beeindruckend und ein bisschen unheimlich. Kleiner Spoiler: Wir sahen leider keinen Jaguar. Das wäre zwar ziemlich cool, aber auch etwas gruselig gewesen. Es gibt sie hier, und manchmal kann man hören, wie sie in der Ferne Geräusche machen, aber Menschen meiden sie normalerweise. Jesús selbst hat in seinem ganzen Leben gerade einmal zehn Tiere gesehen – meist bei Nacht am Flussufer vom Boot aus.
Unser Camp war extrem simpel: zwei mit Palmzweigen und Planen abgedeckte Dächer und eine Kochstelle, die allerdings nur aus großen Baumstämmen bestand, zwischen denen kleine Äste verbrannt wurden und auf denen Jesús die Töpfe balancierte. Darüber lagen ein paar Palmzweige und getrocknete Blätter, damit das Feuer vor Regen geschützt war. Das wars. Keine Tische, Stühle oder andere annehmlichkeiten wie eine Toilette. Zum waschen gab es den Fluss etwa 30 Meter entfernt.
Wir liefen ohne unser Gepäck etwas tiefer in den Dschungel, um fischen zu gehen. Jesús zeigte uns auf dem Weg einen Baum, dessen Holz so viel Wasser speichert, dass man daraus tatsächlich trinken kann – erstaunlich frisch und klar im Geschmack. Zum Glück mussten wir uns darauf nicht verlassen, denn Sebastian und ich hatten je acht Liter Wasser dabei. Jesús selbst trank nur abgekochtes Flusswasser.
Die Angel bestand aus einer Leine, einem Haken und etwas Geduld. Als Köder dienten
Drahtwürmer, die wir am Ufer im Schilfgras suchten. Ich fing sogar einen kleinen Fisch! Der wurde prompt mit der Machete zerteilt und als Köder für größere Fische verwendet – allerdings ohne Erfolg. Zum Abendessen gab es an diesem Tag nur Gemüse mit Reis, natürlich mit Flusswasser gekocht.
Die erste Nacht war besser als erwartet. Auf der Isomatte lag es sich bequem, das Moskitonetz hielt die Insekten fern, und trotz der Schwüle ließ es sich aushalten. Ich lag da, schweißgebadet, schwitze noch eine Weile im liegen weiter und lauschte den unzähligen, unbeschreibbaren Geräuschen des Dschungels. Da war mir so, als ob irgendetwas um unser Camp herumschlich. Wahrscheinlich nur Einbildung. Hoffentlich.Läs mer
Affen, Fische & ein Dschungelhuhn
23–24 okt. 2025, Bolivia ⋅ ☁️ 31 °C
In der ersten Nacht regnete es nur leicht, und alles unter dem kleinen Dach des Camps blieb trocken – ein Glück, denn eigentlich ist hier im Dschungel alles immer nass. Entweder vom Regen oder weil man sich in einer Tour vollschwitzt. Alles stinkt und klebt, ständig, nichts trocknet wirklich von alleine. Gerade an den Füßen kann das wirklich problematisch werden, denn Fußpilz ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Meine nassen Socken hängte ich am Abend zuvor über die Reste des Feuers, und am Morgen waren sie trocken. Die Gummistiefel stülpte ich über zwei Stöcke, und nachdem ich morgens ein paar Spinnen aus dem Inneren ausschüttelte, waren diese wieder einsatzbereit.
Zum Frühstück schnitzten wir uns Becher aus Bambus und tranken Kaffee (mit Flusswasser gekocht) daraus. Dann ging es los – in eine neue Richtung tiefer in den Dschungel, und pünktlich dazu fing der Regen auch wieder an, diesmal etwas stärker als in der Nacht. Eigentlich egal, denn bereits seit dem Aufstehen schwitzte ich schon wieder wie in der Sauna, unangenehm. Auch die zahlreichen Fliegen, Bienen und andere Insekten, die dauerhaft meine Beine belagerten, waren sofort wieder da und machten mich ein wenig wahnsinnig. Ich ertrug es jedoch besser als am Vortag und machte mich nicht ständig damit verrückt, sie zu verscheuchen, sondern blickte nur noch genervt hinunter, wenn mich mal wieder etwas zwickte, biss oder stach. Zum Glück hielten sich die Mücken in Grenzen... das Insektenabwehrspray half zwar, aber auch eben nur so lange, bis man es alles weggeschwitzt hatte. Lange Kleidung war der beste Schutz, der es aber natürlich nicht kühler machte. Sobald diese dann durchnässt war, lockte das wieder alles an was fliegen konnte ... ein zermürbender Teufelskreislauf.
Auf dem Weg durch den Dschungel gingen wir Pfade entlang, die immer schwerer zu erkennen waren, manchmal liefen wir entlang eines Flusses oder Flussbettes, in dem nur ein Rinnsal floss. Dann kämpften wir uns Macheten schwingend durch dichtes Unterholz oder Schilfgras. Ab und zu ließ der durchgehend Coca-Blatt kauende Jesús entweder Sebastian oder mich vorgehen, half uns dann aber auf dem richtigen Kurs zu bleiben.
Er zeigte uns mehr spannende Pflanzen und erzählte, wie man diese zu medizinischen oder anderen Zwecken verwenden kann, beziehungsweise er erklärte alles Sebastian, der mir dann Ausschnitte davon übersetzte. Ich fand es leider ziemlich frustrierend, nicht alles zu verstehen... eigentlich hatte ich mit einem englischsprachigen Guide gerechnet, und das nagte an mir. Na ja, das war nun nicht zu ändern, immerhin konnte Sebastian für mich übersetzen oder auch mal eine Rückfrage stellen.
Es gab viele interessante Vögel zu sehen und zu hören, jede Menge riesige Schmetterlinge und Straßen aus Ameisen, die ständig in Farbe und Größe variierten. Hier und da gab Jesús uns Zeichen, langsamer zu gehen, stehen zu bleiben oder ganz still zu sein. Dann lauschte er in das dichte Grün und imitierte erstaunliche Geräusche von Vögeln oder Affen, um diese anzulocken. Wir sahen kleine Chichilo-Affen, große schwarze Spinnenaffen und auch ein paar Brüllaffen. Man konnte sie meist schon von weitem hören, wie sie sich Blätter zur Seite klatschend, Äste knackend und mit einem Affentheater durch die Baumdächer des Dschungels ihren Weg bahnten – ein wildes, lebendiges Spektakel. Meist alle hintereinander und die Gruppen bestanden immer aus vielen Tieren. Leider sehr schwer zu filmen, erst recht im Regen.
An einem geeigneten Fluss angekommen fischten wir wieder. Wie am Vortag schon suchten wir zuerst diese parasitären Wurm-Larven aus den Schilfgräsern am Ufer. Damit fingen wir ein paar kleine Köder-Fische und damit dann große. Ich bin ja ohnehin kein guter Angler, aber nur mit einer Schnur und Haken finde ich es nochmal anspruchsvoller. Dementsprechend stolz war ich auch auf mich selber, als ich es zu Stande brachte, einen Fisch von guter Größe aus dem Wasser zu ziehen – Triumphgefühl pur! Sebastian hatte außer Köderfischen, die zwar auch wichtig waren, leider kein Glück bei den großen. Jesús hingegen hatte nach der ersten Stunde Flaute einen richtigen Lauf und zog sechs Fische verschiedener Arten in den zwei darauf folgenden Stunden aus dem Wasser.
Vorher waren wir einen großen Bogen von über zwei Stunden durch den Dschungel zum Fluss gelaufen, an dem wir fischten. Der Rückweg dauerte nur eine Stunde. Wir wuschen uns und die verschwitzen Sachen im Fluss. Ich nahm die Fische am Ufer aus. In Blätter eingewickelt wurden sie auf Stöcken über der Glut des Feuers gegart. Eine tolle Mahlzeit, die mich mit tiefer Zufriedenheit erfüllte!
Am späteren Nachmittag schliefen wir alle ein paar Stunden, denn um 22 Uhr machten wir uns zu einer Nachtwanderung auf. Die knapp vier Stunden in der Dunkelheit liefen wir größtenteils an einem halb trockenen Flussbett entlang in der Hoffnung, Schlangen oder vielleicht sogar einen Jaguar zu sehen – eine Mischung aus Aufregung, stiller Angespanntheit und ein wenig Angst. Leider ohne Erfolg. Dafür sahen wir verschiedene Frösche, Flusskrebse, Insekten in allen erdenklichen Formen und Größen – die die fliegen konnten, vor allem die ganz großen Motten, flatterten einem dank der Stirnlampe praktischerweise immer direkt ins Gesicht, was mich mittlerweile mehr amüsierte als nervte. Und jede Menge Spinnen. Darunter auch die gruselig aussehenden Skorpion-Spinnen. Das Allermeiste in der Dunkelheit war schwer zu filmen, obwohl unsere Stirnlampen eigentlich einen ganz guten Lichtkegel warfen. Dennoch war die Dunkelheit gerade unter dem dichten Dach des Dschungels erdrückend und als wir mal kurz die Lichter ausmachten, absolut alles verschlingend.
Jesús meinte noch, dass wir wenig Glück hatten, weil wir aus Kleingetier nichts Spannendes sahen. Dann etwa 100 Meter vom Camp entfernt entdeckte er ein wildes Dschungel-Huhn auf einem Ast sitzend. Er schlug vor, das Tier zu erlegen, denn es sei gut zu essen. Sebastian und ich willigten ein, mit einem Hauch von Jagtlust. Mit einer Steinschleuder versuchten wir, das Huhn am Kopf zu treffen, um es vom Baum zu holen. Ich versuchte auch ein paar Schüsse, traf aber nicht. Verwunderlich war, dass das Tier komplett still auf seinem Ast saß, selbst nachdem einige Steinchen knapp an ihm vorbei und laut krachend in die Blätter dahinter eingeschlagen waren. Selbst nach einem Treffer in die Brust, bei dem ein paar Federn zu Boden flatterten, bewegte sich das Huhn nicht. Dann erwischte Jesús es am Kopf. Es stürzte vom Baum, er fing es schnell ein und nach einem kurzen Gezappel drehte er dem Tier den Hals um. Hier im Dschungel gilt das Recht des Stärkeren – eine harte, aber natürliche Realität. Am Abend noch kochten wir das gerupfte und ausgenommene Huhn kurz ab.
Zum Abendessen gab es nochmal Fisch mit Gemüse und diesmal Nudeln. Nach der zweiten Nacht, die gemütlich und wieder etwas regnerisch war, liefen wir mit unserem Gepäck wieder zurück zum Basislager. Dort badeten wir lange im Fluss, wuschen unsere Sachen und kochten aus dem Dschungel-Huhn Majadito Beniano (eine Art Frikassee) - ein typisches Eintopf-Reisgericht aus dem bolivianischen Tiefland mit zwiebeln, Möhren, Tomaten, Gewürzen und Reis. Das Fleisch war extrem mager und wie die Haut des Vogels sehr fest, geschmacklich wie Hühnchen mit einem Hauch von Wild. Zum Abschluss durften wir uns als kleines Souvenir noch Armbänder mit Samen aus dem Dschungel flechten. Dann ging es mit dem Boot, diesmal mit mehr Leuten beladen und gefährlich tief im Wasser liegen, wie ich fand, zurück.
Ach du heftige Wildnis... was für ein intensives Erlebnis diese doch recht kurze Zeit war. Ich hab viel über den Dschungel gelernt, aber auch einiges über mich selber.
Es war sehr sehr anstrengend. Ich habe wirklich gelitten und das nicht zu knapp. Körperlich durch Hitze, Nässe, Insekten und die zu engen Gummistiefel. Geistig durch Angst vor giftigen Tieren und Pflanzen, möglichen Verletzungen beim Wandern durch unwegsames Gelände oder Stürzen, Fußpilz und den ganzen mir unbekannten Gefahren. Auch, dass ich den Guide nicht verstehen konnte und von Sebastian abhängig war für mich zu übersetzen, was ja nicht seine Aufgabe war, hat mir zugesetzt und mich frustriert. Doch es war nicht nur Schlechtes dabei, sondern auch Wundervolles. Ich habe Pflanzen und Natur gesehen, wie ich es mir nicht vorstellen konnte. Nein, nicht nur gesehen, ich habs erlebt und war mitten drin, umgeben von purer Wildnes und Leben. Die ganzen Geräusche und Gerüche, die ich gar nicht beschreiben kann, haben mich überwältigt. Der Geschmack des selbst gefangenen Fischs und des Hühnchens – unvergesslich. Die perfekt natürliche Schönheit des unberührten Dschungels und wilder Tiere, auch der gruseligen Insekten, hat mich tief berührt. Das werde ich nie vergessen.
Zuerst war ich ein bisschen froh, da raus zu sein, doch heute ein paar Tage später, nachdem ich alles verarbeiten konnte, muss ich sagen, das löst bei mir nur eines aus: wahnsinnige Lust auf mehr! Beim nächsten Mal auch gerne noch extremer, härter, tiefer rein und ein paar Tage länger. Mit etwas besserer Ausrüstung, neuen Zielen und definitiv einem Guide, den ich verstehe.Läs mer

ResenärDeine Beschreibungen sind wie immer awesome und lassen uns teilhaben an Deiner Reise. Sie ist mittlerweile auch eine Reise mit Dir geworden. Nimm alle Erfahrungen und Erlebnisse mit, die du bekommen kannst. Vieles davon wird once in a lifetime sein.
Pampa: Capybaras, Kaimane und mehr
25 oktober 2025, Bolivia ⋅ ⛅ 33 °C
Nach dem Dschungel ging es für eine Nacht in ein schönes Hostel direkt am Alto Beni-Fluss, nur etwa fünf Minuten oberhalb von Rurrenabaque. Ich hatte ein Einzelzimmer mit toller Aussicht zum Aufwachen. Das Essen war super, und Micky war wieder da, der etwas Englisch kann. Er zeigte uns seine Videos von Schlangen und Jaguaren aus dem Dschungel. Auch erzählte er uns die Geschichte, wie er einmal von fünf Bullet ants (auf Deutsch als 24-Stunden-Ameise, Gewehrkugel-Ameise oder tropische Riesenameise bezeichnet) gebissen wurde. Danach hatte er zwei Tage und eine Nacht heftigste Schmerzen sowie Lähmungen und Krämpfe am ganzen Körper. Gut, dass wir denen im Dschungel nicht begegnet sind.
Der zweite Teil der Tour sollte in die Pampas führen. Es ist ein Gebiet entlang des Yacuma-Flusses, etwa 100 km östlich von Rurrenabaque, das größtenteils mit großen Farmen und Viehzucht gefüllt ist, aber auch mit Sümpfen, Graslandschaften und vielen spannenden Tieren. Die Autofahrt dauerte etwa 2,5 Stunden, dann ging es drei Stunden in einem kleinen Boot den Fluss aufwärts. Hier sind wesentlich mehr Touristen unterwegs als im Dschungel, zumindest sieht man mehr andere Boote voller Menschen.
Entlang des Flusses gab es schon einiges zu sehen. Hier am Río Yacuma in Bolivien leben unter anderem Rosa-Flussdelfine, Kaimane, Capybaras (Wasserschweine), Affen wie die Totenkopf- oder Brüllaffen, Schildkröten, Faultiere, Vögel wie Reiher, Tukane und Papageien, sowie diverse Fische, Spinnen und Schlangen, darunter Boas und Anakondas. Am meisten sahen wir wirklich die Kaimane, der Fluss war buchstäblich verseucht von ihnen. Auf der Hinfahrt zählte ich in wenigen Minuten über 80 Tiere an den Seiten des Flusses. Daher müssen es hunderte gewesen sein, die wir auf dem Weg zur Lodge gesehen haben. Die meisten waren einen bis drei Meter lang, ein paar kleinere waren auch dabei und eine Handvoll wirklich gigantische Exemplare: 4-6 m lang, hunderte Kilos schwer und mindestens 30-40 Jahre alt. Gruselig, hier in dem kleinen Boot vorbeizufahren, aber solange die urzeitlichen Reptilien bewegungslos am Ufer lagen, halb so wild. Natürlich waren auch viele im Fluss unter uns, die man nicht sah. Generell sind diese Tiere aber eher jagdaktiv in der Nacht, also erstmal alles gut.
Wir sahen auch einige Affen, darunter eine kleine Gruppe Totenkopfaffen, von denen einer neugierig ins Boot kletterte. In einer breiteren Kurve des Flusses sahen wir einen Rosa-Flussdelfin, genauer gesagt nur ab und zu kurz die Rückenflosse. Unser Kapitän (auch Guide, der leider mal wieder kein Englisch konnte) meinte, hier sei eine gute Stelle zum Schwimmen. Nachdem wir ihm kurz verdutzt zusahen, wie er ins Wasser sprang, ein bisschen plantschte und nichts weiter geschah, folgten wir ihm für ein paar Minuten in das braune, wenig einladende, aber erfrischende Wasser. Wir, das waren immer noch Sebastian, Jacob aus UK sowie Oscar und seine Freundin aus Schweden – eine coole Truppe, mit denen ich hier die zwei Tage und eine Nacht verbrachte.
Mit der Nachtfahrt auf dem Fluss und dem zweiten Tag geht es im nächsten Post weiter.Läs mer
Anakonda-Suche in der Pampa
26 oktober 2025, Bolivia ⋅ ☁️ 31 °C
In der Unterkunft teilten wir alle eine der auf Stelzen erbauten Hütten (Kaiman- und Schlangenschutz) mit recht bequemen Betten und Moskitonetzen und einem Bad.
Den Sonnenuntergang schauten wir nur schräg gegenüber des Flusses von unserer Unterkunft aus. Hier gab es eine schöne Aussicht über Felder mit ein paar Kühen, Pferden und Hühnern, leider etwas bewölkt an diesem Abend. Außerdem gab es hier eine Bar und viele der Boote, die wir tagüber sahen, brachten ihre Touristen ebenfalls hier hin. Ich traf wieder auf Deborah aus Frankreich, die ich noch aus dem Peru Hop Bus kenne. Zurück an unserer Unterkunft gab es ein üppiges Abendessen für die kleine Gruppe, zu dem wir uns ein paar Flaschen Wein teilten, die wir vorsorglich mitgebracht hatten. Anschließend etwas Entspannung in Hängematten und später ging es nochmal auf den Fluss. Diesmal mit Stirnlampen ausgerüstet. Etwa eine halbe Stunde fuhren wir den Fluss langsam und leise hinauf, dann ließen wir uns ohne Motor in der Stille zurücktreiben. Noch auf der Hinfahrt sahen wir wieder einen der riesigen Kaimane. Das mindestens 5 Meter lange Tier lag zunächst seitlich am Fluss, die Augen offen. Der Fahrer des Bootes verlangsamte das Gefährt zunächst und fuhr noch ein kleines Stück zurück, damit wir das Monster besser betrachten und Fotos machen konnten. Dann passierte es: Das Ungetüm setzte sich in Bewegung. Langsam und mit kalter tödlicher Absicht hinter den emotionslosen Augen. Nervöses Gelächter brach auf dem Boot aus und ich bin sicher, nicht nur mein Herz übersprang einen Schlag in diesem Moment. Schnell schmiss der Fahrer den Motor wieder an und brachte uns da weg, allerdings kam das Tier dem Boot verdammt nahe, welches es ohne Probleme hätte kippen können. Uff... das war krass.
Etwas Derartiges passierte anschließend nicht mehr – mehr oder weniger auch besser so. Als wir den Fluss hinabtrieben, war es absolut still. Jeder schaute mit seiner Kopflampe entlang der Ufer, wir sahen viel weniger Tiere als zuvor. Gerade Vögel, von denen es hier jede Menge tagsüber gab, waren nun nur noch ganz oben in den Bäumen zu sehen oder gar nicht mehr. Entlang der Ufer konnte man schon aus weiter Ferne die vielen orange farbenen Augenpaare der Kaimane im Lichtkegel der Lampen reflektieren sehen. Nun waren alle im Wasser und auf der Jagd. Meist tauchten sie ab, wenn das Boot näher kam. Angespannte Stille und Kopflampen, die die Ufer wie Suchscheinwerfer absuchten, begleiteten den Rest der Fahrt in dieser Nacht.
Die Nacht war recht kurz, denn zum Sonnenaufgang fuhren wir zu einem anderen Ort entlang des Flusses – leider wieder recht bewölkt. Ein üppiges Frühstück an der Lodge später ging es nochmal mit dem Boot etwas weiter den Fluss hinauf in die Pampas. Wir wollten eine (riesige) Anakonda finden. Dazu legte der Guide an einer Stelle an, an der man gemütlich und kaimanfrei das Ufer hinauf in die Weiten der Pampas gehen konnte. Durch ein Schilfgrasfeld gelangten wir auf eine halb offene Fläche, die hier und da von buschähnlichen Schilfgräsern bedeckt, aber größtenteils frei war. Der Boden bestand aus flachen Pflanzen, die wild ineinander verwachsene Wurzeln hatten. Die ganze Fläche stand 10–50 cm tief im Wasser und wenn man mit den Gummistiefeln dort entlang stapfte, sank man mal mehr, mal weniger ein. Nur der Guide hatte diesmal eine Machete, wir nahmen ein paar lange Stöcke mit, die vermutlich jemand aus den Gruppen vor uns am Ufer zurückgelassen hatte. Hilfreich, um das Gleichgewicht zu halten und auch um vor sich den Morast abzutasten, damit man eine Anakonda frühzeitig aufscheuchte und zumindest nicht direkt darauf trat. Wir bildeten eine Kette mit je 3–4 m Abstand zwischen den Personen und durchstreiften das Gelände. Zuerst passierte eine ganze Weile gar nichts. Dann irgendwann fand unser Guide einen Kaiman an einer etwas tieferen Stelle. Ups, die gibt es hier auch? Mit seiner Machete stocherte er nach dem Tier, um es uns zu zeigen... verrückt (siehe Video). Etwas später, als ich etwas abseits der anderen auf Anakonda-Suche war, trat ich auf etwas ungewöhnlich Hartes. Hinter mir stocherte ich mit meinem Stock etwas im Morast, da schnappte ein eher kleiner, aber dennoch gefährlich aussehender Kaiman nach meinem Stock... uff, das war knapp. Wir betrachteten das Tier eine Weile und machten unsere Fotos. Als es anfing, mit der Schnauze unterzutauchen und dabei auszuatmen, was blubbernde und etwas angsteinflößende Geräusche verursachte, wussten wir, es war Zeit, mehr Abstand zu gewinnen und den Kaiman in Ruhe zu lassen.
Eine Anakonda sahen wir leider nicht.
Anschließend fischten wir im Fluss nach Piranhas. Das war sehr schwer, denn die gefräßigen Fische knabberten nur die Köder am Haken weg, bissen aber nie richtig an. Sobald man den Haken an der Leine – eine richtige Angel gab es nicht – ins Wasser warf, fühlte man direkt etwas Action daran. Außer kleinen Köderfischen schafften wir es leider nicht, einen richtigen großen Piranha ins Boot zu holen. Halb so wild, es machte trotzdem Spaß.
Nach einem, mal wieder sehr guten Mittagessen in der Lodge ging es mit dem Boot die drei Stunden zurück bis zum Auto und dann zurück nach Rurrenabaque.
Auch wenn die Pampas für mich lange nicht so eindrucksvoll wie der Dschungel war, hat es sich trotzdem gelohnt. Wir haben so viele Tiere und neue tolle Landschaften gesehen. Das bolivianische Tiefland im Amazonas hat viel zu bieten und ich kann mir gut vorstellen, eines Tages wiederzukommen.Läs mer
Death Road - Camino de la muerte
29 oktober 2025, Bolivia ⋅ ☁️ 14 °C
Die Camino de la Muerte („Todesstraße“) war einst die einzige Verbindung von den Anden in den Nordosten Boliviens – in das Amazonasgebiet des Landes. Sie wurde von Soldaten und Kriegsgefangenen des Krieges mit Paraguay in die steilen Hänge der Anden gesprengt und führt von rund 4.650 Metern über dem Meeresspiegel nahe La Paz hinunter auf etwa 1.200 Meter. Schmal gebaut, von Wasserfällen und Flüssen durchzogen, von Erdrutschen geplagt, stellenweise nur drei Meter breit und meist ohne jegliche Sicherung am Abgrund – diese Straße forderte im Laufe der Jahre unzählige Opfer. Deswegen ist sie so berüchtigt - hier stürtzten es früher beinahe jede Woche Autos, Busse und Lastwagen in die Tiefe. Meine Bebochtungen hier, lassen mich vermuten was dazu beitrug: in diesem Entwicklungsland gibt es natürlich keinen TÜV, die Fahrzeuge werden überladen und die Fahrer sind sind oft zu schnell, zu unvorsichtig, nachts oder unter Alkoholeinfluss unterwegs.
Im Jahr 2006 wurde eine neue Umgehungsstraße eröffnet, die zunächst auf derselben Strecke verläuft, später jedoch abzweigt. Sie ist durchgehend zweispurig, deutlich sicherer und mit mehr Schutzeinrichtungen versehen. Zwar bleibt sie anspruchsvoll zu befahren, doch die Zahl der Unfälle ist seither stark zurückgegangen. Der alte, noch erhaltene Teil der ursprünglichen Straße wird heute nur noch selten von Fahrzeugen genutzt, die Waren oder Menschen in die an ihr gelegenen Orte bringen – dafür umso häufiger von Abenteurern und Touristen, die hier den Nervenkitzel suchen.
In La Paz bieten zahlreiche Veranstalter Mountainbike-Touren über die Death Road an. Nach etwas Recherche entschied ich mich für Barracuda Biking - eine gute Entscheidung.
Am Morgen trafen wir uns um sieben Uhr in einem Hostel in der Innenstadt. Nach einem heißen Coca-Tee und einem kleinen Frühstück fuhren wir zum höchsten Punkt der Strecke. An einem Bergsee rüsteten wir uns mit "Schutz"-Kleidung, Helm, Handschuhen und sehr gut gefederten Fahrrädern mit Scheibenbremsen aus.
Zum Warmfahren ging es die ersten 20 Kilometer über die neue Straße. Warm war es allerdings nicht – oben auf über 4.000 Metern war es bitterkalt, neblig, windig und regnerisch. Die Sicht war schlecht, und nach wenigen Minuten waren alle durchnässt. Die uns gegebenen "Regen"-Jacken und -Hosen halfen kein bisschen. Der Wind biss, und durch die Wolken war kaum etwas zu erkennen. Trotzdem reichte es aus, um ein Gefühl für das Fahrrad zu bekommen.
Dann wurden die Räder wieder auf den Bus geladen, und wir fuhren ein Stück weiter den Berg hinauf. Am Beginn der alten Death Road luden wir alles ab, machten ein Gruppenfoto und dann begann das eigentliche Abenteuer.
Etwa 30 Kilometer ging es nun nur bergab: rechts die steilen Berghänge, links der Abgrund und dazwischen jede Menge Wasser. Auch wenn es nicht geregnet hätte wären wir ziemlich nass geworden, daher machte das eigentlich keinen Unterschied. Strampeln mussten wir kaum, dafür fast durchgehend gebremst. Der Boden war meist steinig, mit Schotter bedeckt und teilweise von kleinen Wasserläufen durchzogen. Es war nicht zu steil, und die Räder boten mit ihren guten Bremsen und der Federung ein sicheres Fahrgefühl. Trotzdem wurde ich ordentlich durchgeschüttelt, immer nasser, und die Konzentration forderte einiges. Ich fahre sonst nie mit dem Mountainbike in den Bergen, aber meine Motorrad-Erfahrung half mir, ruhig, sicher und vorrausschauend zu fahren. Ich war einer der schnelleren aus der Gruppe und fuhr meist direkt hinter dem ersten Guide – es machte riesigen Spaß!
Die Guides waren hervorragend organisiert. Wir legten die Strecke in kurzen Abschnitten zurück, hielten regelmäßig an, um uns zu sammeln, kurz zu verschnaufen und Hinweise zum nächsten Teil zu bekommen. Einer der Guides fuhr immer wieder voraus und machte Fotos oder Videos von uns – besonders an spektakulären Stellen, oft dort, wo Wasserfälle die Straße überquerten.
Der Begleitbus sollte eigentlich hinter uns herfahren, damit man zwischendurch etwas trinken oder in trockene Kleidung wechseln konnte. Doch weil es in der Nacht zuvor zwei Erdrutsche gab, war das diesmal nur auf den ersten Kilometern möglich. Der Bus musste an einer breiteren Stelle ganz vorsichtig wenden und über die neue Straße ins Tal fahren.
Der Regen hielt sich hartnäckig, doch je tiefer wir kamen, desto wärmer wurde es. Der Nebel lichtete sich langsam, und nach und nach öffnete sich der Blick auf die beeindruckende Landschaft. Was wir sahen, war schlicht atemberaubend. Dichte grüne Vegetation, steile Felswände und weit unten das Tal. Das Adrenalin rauschte, und trotz aller Anstrengung war das Erlebnis überwältigend. Die meiste Zeit konzentrierte ich mich auf den Weg direkt vor mir, um die beste Spur zu finden, doch hin und wieder blickte ich nach links in die Tiefe – jedes Mal schlug mein Herz einen Takt schneller.
Auch wenn hier schon einige Jahre kein Unfall mehr passiert ist, bleibt die Gefahr spürbar. Die zahlreichen Gedenktafeln und aufgestellten Kreuze am Straßenrand sowie die alten Autowracks, die man manchmal tief in der Schlucht erkennen kann, erinnern eindrucksvoll daran.
Am Ende kamen alle aus der Gruppe heil im Tal an. Dort wartete ein Mittagessen und ein Pool zum Entspannen, bevor es mit dem Bus zurück nach La Paz ging – müde, durchnässt, aber glücklich und sehr zu frieden mit der Leistung des Tages.Läs mer

ResenärWas für ein tolles Erlebnis und wirklich atemberaubende Aussichten. Ich bin happy , dass du alles heil überstanden hast. 🙏😃🙏Ich hatte mir letztens auf YouTube ein paar Reiseberichte über Bolivien angesehen. Unter anderem war auch ein Bericht über genau das, was du gemacht hast und ich hatte gehofft du würdest es nicht machen 🙈 😅Gut, dass ich erst im Nachhinein davon erfahre.😜 glG 😘🤗😘
La Paz
30 oktober 2025, Bolivia ⋅ ☁️ 17 °C
La Paz zusammen mit El Alto (früher ein Stadtteil, heute eigenständig) sind mit ihrer Lage zwischen etwa 3.250 und 4.100 Metern über dem Meeresspiegel die höchstgelegene Metropole der Welt. Es ist zwar nicht die Hauptstadt des Landes – das ist Sucre –, doch die Regierung hat hier ihren Sitz. Eingebettet in ein schüsselförmiges Tal zwischen dem Hochplateau, auf dem der Aeropuerto Internacional El Alto liegt, und den schneebedeckten Gipfeln der Anden, bietet die Stadt ein tolles Panorama. Trotzdem hat sie mir persönlich zur Abwechslung einmal nicht ganz so gut gefallen. La Paz ist sehr lebendig, aber auch laut und überfüllt – verstopfte Straßen, heruntergekommene Häuser, wenig Grünflächen, viele Bettler und schmutzig. Alte, bunt Busse fahren durch die engen Straßen, was zwar einen gewissen Charme hat, das Gesamtbild aber trotzdem noch chaotischer wirken lässt. An jeder Ecke riecht es nach frittiertem Hähnchen, und kleine Läden verkaufen Souvenirs und Krimskrams – was seltsam wirkt, weil es zwar Touristen gibt, aber verhältnismäßig wenige.
Ein Erlebnis war das Cholita Wrestling (Frauen-Wrestling), das hier sehr beliebt ist. Die Show war laut, übertrieben und ziemlich skurril – viel Schauspielerei, mit Handlungen, die ich nicht immer verstand. Zwischendurch mischte sich der Schiedsrichter ein und kämpfte mit, bis jemand aus dem Publikum kurzerhand zum neuen Schiedsrichter ernannt wurde. Typisch Wrestling – alles nur Show, aber einigermaßen unterhaltsam.
Am letzten Tag verbrachte ich viel Zeit in den verschiedenen Linien der Teleféricos (Seilbahnen) über der Stadt. Eine Fahrt kostet nur 3–5 Bolivianos (etwa 40–60 Cent) und bietet beeindruckende Ausblicke auf das bunte, chaotische Stadtbild – von alten Lehmhäusern über halb fertig gemauerte und selten verputzte, mehrstöckige Wohnhäuser bis zu moderneren Gebäuden mit verspielten und seltsamen Fassaden. Man sieht Sportplätze, dichten Verkehr und im Stadtteil El Alto den größten Freiluftmarkt Südamerikas. Dieser zieht sich jeden Donnerstag und Sonntag entlang der Avenida 16 de Julio, unter der blauen Seilbahnlinie hindurch und durch zahllose Seitenstraßen über mehrere Quadratkilometer hinweg. Von oben wirkt das faszinierend, unten zwischen den Ständen aber verwirrend und chaotisch, wie so vieles hier. Ich lief etwa eine halbe Stunde hindurch und blieb dabei fast nur im Bereich der Autoteile. Wer kauft hier abgenutzte Zahnräder, rostige Schrauben und Dinge, die eigentlich auf den Schrott gehören?
Im Hostel lernte ich ein paar nette Reisende kennen und ging am letzten Abend mit einigen von der Death-Road-Bike-Tour richtig gute Pizza essen.
Meine Zeit in Bolivien war mit nur zwölf Tagen recht kurz, aber dafür intensiv – Dschungel, Pampa, die Death Road und eine volle, laute Stadt. Dieses Land hat definitiev noch mehr zu bieten ... vielleicht für eine zukünftige Reise.Läs mer
Bogota
31 okt.–4 nov. 2025, Colombia ⋅ ☁️ 17 °C
Ankunft in der Hauptstadt meines nächsten Landes – Kolumbien. Ich möchte hier einige Städte kennenlernen, mehr Dschungel erleben und die Karibikküste im Norden sehen. Die Einreise war unkompliziert, auch wenn die Schlange lang war. Mit Aubin, einem Reisenden aus Frankreich, teilte ich mir ein Uber zu unseren Unterkünften. Ich hatte mich erneut für ein Hostel der Viajero-Kette entschieden. Schon in Peru war ich zweimal in einem und jedes Mal überzeugt: hochwertige Mehrbettzimmer, gute Betten, häufig mit eigenem Bad, dazu Bars, Gemeinschaftsräume, Pools und mehr.
Das Hostel im Stadttei La Candelaria (Altstadt) in Bogotá hat eine Besonderheit: Direkt daneben liegt ein kleines Spa, dessen normale Sauna, drei verschiedene türkische Dampfsaunen sowie den Ruhebereich mit Duschen man kostenlos mitbenutzen darf. Nur der Pool kostet extra. Mir reichten die Saunen vollkommen, und ich ging jeden Nachmittag dort hin. Unter anderem deshalb verlängerte ich meinen Aufenthalt hier um zwei weitere Nächte.
Im Hostel lernte ich mehrere Reisende kennen – teils aus meinem Zimmer, teils in den Saunen über die nächsten Tage hinweg.
Mit Phillipe aus Brasilien, der unterwegs arbeitet und sich das Hostel vor allem wegen des Co-Working-Raums ausgesucht hatte, verbrachte ich Halloween, den 31.10.2025. Am Freitagabend gingen wir in den Antisistema Club, wo zufällig ein deutscher DJ sauberen, gut gemischten elektronischen Sound auflegte. Die Nacht wurde lang und ausgelassen - Kolumbianer wissen wie man Party macht.
Ein besonders schöner Aussichtspunkt über Bogotá ist der Berg Monserrate. Oben steht eine Kirche mit einer etwas unheimlich wirkenden Jesusstatue. Zwar gibt es eine Seilbahn, aber ich wollte laufen. Katy aus den USA, Elliot aus England und sein Kumpel aus Irland schlossen sich an. Der Weg besteht fast vollständig aus Stufen, ist steil und war an diesem Sonntag sehr voll – Familien aus Bogotá, sportliche Läufer, die ein beeindruckendes Tempo vorgaben, und viele Touristen. Wir gingen es entspannt an und benötigten etwa 1,5 Stunden. Von 2.640 Metern bis auf 3.152 Meter über dem Meeresspiegel. Die Aussicht war außergewöhnlich: eine endlos wirkende Großstadt, dahinter grüne Hügel und auf der anderen Seite dichter Urwald.
In der Sauna lernte ich Astro kennen, einen Reisenden aus Bayern, der seit neun Jahren unterwegs ist. Vor fünf Jahren kaufte er gemeinsam mit einem Freund ein Stück Land im südlichen Kolumbien, mitten im Dschungel. Ich fragte, ob ich ihn besuchen dürfe – und er lud mich ein. Am Dienstagabend fuhren wir zum Busterminal und nahmen einen sehr bequemen Nachtbus, der uns innerhalb von 14 Stunden nach Mocoa bringen sollte.Läs mer
Mocoa
5–6 nov. 2025, Colombia ⋅ 🌧 23 °C
Mocoa ist mit rund 50.000 Einwohnern die Hauptsadt des Departamento Putumayo (Bundesstaates Putumayodes) im Amazonasgebiet des südlichen Kolumbiens.
Der Nachtbus von Bogotá brauchte statt der angesagten 14 Stunden nur 13,5 – eine sehr angenehme Fahrt. Auf der Strecke gibt es oft viele Baustellen, teilweise wegen Erdrutschen. In dieser Nacht war das alles kein Problem für Asto und mich. Seine Vorfreude, wieder auf sein Land zurückzukehren und in den Dschungel einzutauchen, war schon im Bus spürbar und wurde auf den letzten Kilometern sichtbar intensiver. Zunächst wollten wir jedoch hier in der Stadt eine Nacht verbringen, um ein paar Erledigungen zu machen.
Wir brachten unsere Wäsche in eine Lavandería, gingen in ein veganes Restaurant – dort gab es das große Menü für 12.000 COP pro Person (ca. 2,80 €). In einem größeren Supermarkt kauften wir Reis, Nudeln, Bohnen, getrocknete Hülsenfrüchte, Maismehl und Kerzen.
Dann ging es auf den zentralen Markt - ein Erlebnis ganz für sich und vielleicht der beste Markt meiner Reise bis jetzt. Astro hatte mir bereits erzählt, dass dieser Markt bisher allen gefallen hat, die er hierher mitgenommen hat – und er hat nicht übertrieben. Die Auswahl und Qualität an frischem Obst und Gemüse war außergewöhnlich gut und nicht zu groß. Frische, saftige Drachenfrüchte, süße Chiro sowie herzhafte Koch-Bananen (Plátano), Mangos, Melonen, Kiwis, Birnen, Äpfel, Trauben und riesige Möhren. Vieles kannte ich nicht - das musste ausprobiert werden!
Die Tomate de Árbol (Baumtomate) ist eine ungewöhnliche Mischung aus Tomate und etwas Süß-Säuerlichem und nicht ganz mein Fall - vielleicht auch nur roh komisch. Die sauren Lulo ähneln im Aufbau ebenfalls Tomaten, aber die Schale kann man nicht mitessen, darunter befindet sich viel süß-saures Fruchtfleisch mit zwei Reihen Kernen – ich finde sie richtig gut, auch ohne zusätzlichen Zucker. Sie haben einen ganz eigenen Geschmack, irgendwo zwischen Kiwi, Honigmelone und dabei sehr sauer. Guave kenne ich schon, ist aber jedes Mal aufs Neue gut.
Die Sapote-Frucht sieht kokosnussähnlich aus und hat hartes, faseriges, orangefarbenes Fruchtfleisch um die Kerne herum. Dann die Borojó-Frucht... uff, ein wirklich seltsames Ding – die Haut ist so weich und verderblich, dass sie schon bei der Ernte entfernt und das Innere in Plastik verpackt verkauft wird. Sehr herb und matschig. Die Konsistenz erinnert an bereits Verdautes, und auch geschmacklich hat sie mich nicht überzeugt. Eine richtige Scheißfrucht. Ich glaube, sie wird eher zum Kochen verwendet und stark gesüßt. Zur Caimito-Frucht weiß ich nicht mehr viel – da muss ich auf dem Rückweg noch eine probieren.
Besonders begeistert haben mich die gekochten Chontaduros (Pfirsichpalmenfrüchte). Sie wachsen an hohen, stacheligen Palmen und sind hier überall zu finden. Auf dem Markt werden sie gekocht und abgekühlt für 10.000 COP (ca. 2,30 €) pro 500 g angeboten. Geschmacklich und in der Konsistenz erinnern sie an eine Mischung aus Süßkartoffel und Maniok. Mit etwas Salz oder Honig darüber ein großartiger Snack.
Der Markt bietet außerdem viele Heilpflanzen, Heilkräuter, natürliche Medizin, Salben, Tinkturen und anderen traditionellen Heilmittel, die die örtlichen Schamanen und Bewohner als natürliche Medizin verwenden. Beispielsweise auch Palo Santo (heiliges Holz), das beim Verglühen einen angenehmen Duft verbreitet und spirituell reinigend wirkt. In Deutschland teilweise für viel Geld pro Gramm gehandelt, bekommt man hier einen 500g-Sack für etwa 3 €.
Es gibt auch einige Restaurants und Snack-Stände hier. Wir waren wiederholt bei einem Stand der für 5.000 COP Fruchtsaft anbietet. Für die 1,16€ bekommt man hier unglaubliche 0,75 bis 1L frischesten Ogangen-, Apfel, Mango, Lulo, Acai- oder jeglichen anderen Saft der Früchte, die es hier auf dem Markt gibt. Das aller Meiste hier kommt aus der unmittelbaren Umgebung - vor Allem die Dschungel-Früchte sind vom Aller feinsten!
Die Mägen mit Saft und Früchten voll geschlagen, mit Nahrungsmitteln und Ausrüstung versorgt, geht es für Astro und mich nun endlich weiter in den Dschungel!Läs mer
La Turbina
6–17 nov. 2025, Colombia ⋅ ☁️ 26 °C
Südlich von Mocoa liegen die 9 Hektar wilder Dschungel von Astro und seinem alten Freund Jet. Das Gelände ist im unteren Bereich flach, darüber steiler ansteigend den Hang hoch. Es wird vom großen Rio Mocoa und zwei kleineren namenlosen Bächen rechts und links eingerahmt. Oberhalb liegt eine steinige Felskante, dahinter ist ein Naturschutzgebiet.
Mit einem Transport-Motorrad-Taxi fuhren wir von Mocoa aus zunächst etwa 20 Minuten in Richtung Süden. An einer Stelle neben der Straße beginnt der schmale Pfad in die Grundstücke auf der anderen Seite des Rio Mocoa. Einige Meter darüber hängt eine angsteinflößende Hängebrücke. Etwa zwanzig Minuten gingen wir durch Nachbargrundstücke bis zur Haupt-Hütte. La Turbina ist der Name, den die Freunde ihr gaben – symbolisch dafür, Energie aus dem Wasser und der Natur zu beziehen.
Es ist eine einfache und doch recht große offene Haupthütte im Dschungel mit vielen Annehmlichkeiten, dafür dass keine Straßen hierher führen und alles in den Dschungel getragen werden muss. Unten ist die Küche mit Gaskocher und fließend trinkbarem Wasser aus dem Fluss. Es gibt sogar eine Keramiktoilette mit Wasserschlauch und einen Bereich für Hängematten. Darunter ein kleines Stück Beton, der meiste Boden ist feste Erde. Auf Stelzen darüber steht ein Lagerzimmer zum Abschließen, davor eine überdachte Holzplattform zum Schlafen. Neu daran gebaut haben Astro und seine Freunde eine hohe Überdachung mit Feuerstelle. Keine Fenster, alles ist offen. Die Aussicht ist klasse, da die Lichtung bis auf ein paar Bananen-Stauden baumfrei ist und der Blick bis zum kleinen Bach an der Grundstücksgrenze geht.
Den Hang hoch sind mehr große Bananen und Chiro-Bananen, Ananas-Büsche, Papaya, Maniok, Guave, Limon-Mandarina, Chontaduros, Zuckerrohr, Kakao, Copoazu (weißer Kakao) und Guamo gepflanzt. Es gibt einen kleinen noch wachsenden Mangobaum und eine Kokosnusspalme. Exotische Kräuter wie Dschungel-Koriander wuchern überall. Dazu kommen auch Heilpflanzen wie die Nesselpflanze Ortiga, einen großen Chagropanga-Busch und die Yajé Cielo-Lianen, die zur Herstellung von Yajé, der kolumbianischen Ayahuasca-Variante, verwendet werden.
Auf dem Grundstück gibt es noch weitere einfache überdachte Schlafhütten, die der Dschungel in der Abwesenheit von Menschen teilweise verschlungen hat. Weiter oben den Hang hoch es einige kleine und drei größere Wasserfälle, von denen die Jungs bis jetzt wissen. Darunter einer etwa 25 Meter hoch, teilweise mit Becken zum Schwimmen oder Reinspringen davor.
Weil das Grundstück die letzten drei Monate unbewohnt war, hatten wir bei der Ankunft erst mal einiges zu tun. Es ging darum, die Hütte wieder vom Dschungel zu befreien, der langsam aber unaufhaltsam versuchte, sich jedes bisschen Boden zurückzuerobern. Die ersten zwei Tage verbrachten wir größtenteils damit, mit Macheten alles in der Lichtung und an den Wegen um die Nutzpflanzen herum, was in den letzten Monaten nachgewachsen war, kurz zu hauen. Es gab zwei erntereife Chiro-Bananenpflanzen, von denen ich eine ernten durfte. Im Video stelle ich mich dabei nicht so clever an, aber das nächste Mal wird es aussehen wie bei einem Profi.
Zwischen den Topfdeckeln in der Küche fanden wir ein Wespennest, das wir mehrfach aufscheuchen und dann Deckung suchen mussten. Mit etwas glimmenden Kohlen und getrocknetem Harz räucherten wir die letzten Reste schließlich aus. In der Plane vor der Hütte fanden wir ebenfalls ein kleines Nest; Astro schlug mit einem Stock davor, dann suchten wir schnell das Weite. Als wir wieder kamen, waren alle weg.
Im Holzlager entdeckten wir eine braune Schlange, die zusammengerollt zwar klein aussah, aber bestimmt 2 Meter lang und zudem hochgiftig war. Gekonnt warf Astro eine Schale darauf, hob sie mit einem Spaten hoch und brachte sie auf die andere Seite des Baches, wo wir sie freiließen.
Um die Feuerholzvorräte aufzustocken, gingen wir zum nahe gelegenen Sandstrand des Rio Mocoa und sammelten angeschwemmte Baumstämme, die wir klein hackten und zur Hütte zurücktrugen.
Ich habe die Zeit hier wirklich seit dem ersten Moment aus vollen Zügen genießen können. Die meisten Tage waren recht ähnlich: simpel, entspannt und ohne viele Verpflichtungen. Mit dem Licht des Tages aufstehen. Manchmal meditierte ich mit Astro, der jeden Morgen sein Programm durchzog. Jeden Tag kochten wir sehr gesund und lecker vegan. Oft machte einer Tee aus Früchten und Ingwer. Wir badeten jeden Tag im Fluss, ich auch gerne mehrmals länger, ab und zu mit einer Tasse heißem Tee oder Kaffee.
Das Wetter war immer herrlich warm, nie trugen wir Shirts. In der schwülen Luft wünschte ich mir manchmal, jemand würde ein Fenster aufmachen und eine kühle Brise hereinlassen. Dann half nur der Sprung in den Fluss. Tagsüber arbeiteten wir etwas mit der Machete, wenn die Sonne raus kam, sonnten wir uns, saßen da und betrachteten die Natur. An regnerischen Tagen war es das Entspannteste, in der Hängematte zu schweben, zu lesen, raus zu gucken oder dem Regen zu lauschen.
Wir waren offline – ich hatte keinen Internetempfang und ich hab mein Handy sehr wenig benutzt. Stattdessen las ich jeden Tag etwas und hörte Hörbücher, okay, 2-3 heruntergeladene Filme und Folgen waren schon dabei. Aber so gut wie keine Elektronik um einen herum zu haben war für ein paar Tage eine sehr tolle Erholung.
Abends saßen wir immer am Lagerfeuer, unterhielten uns oder Astro spielte Gitarre und sang etwas dazu. Wir gingen zeitig ins Bett, einfache Matratzen auf dem Holzboden des ersten Stocks der Hütte. Erstaunlich bequem. Insektennetze braucht es zum Glück nicht.
Die Geräuschkulisse war immer phantastisch. Eigentlich ist es im Dschungel immer recht laut. In unserem Fall hörten wir das Rauschen des großen Flusses in der Ferne und das des kleinen im Vordergrund. Dazu die Blätter im Baumdach des Waldes und die unzähligen Insekten, Vögel und andere Tiere. Man ignoriert diese Geräuschkulisse schnell, aber wenn man sich dann wieder darauf konzentriert, hält man den Atem kurz an und lauscht Minuten lang einfach nur dahin.Läs mer
Königreich des Lebens
13 november 2025, Colombia ⋅ ☁️ 26 °C
In der Luft hängt immer schwere, warme Feuchtigkeit; alles modert um dich herum. Doch manchmal weht sie plötzlich auf – die frischeste, reinste, Luft. Manchmal getrieben von fließendem Wasser, das sich klar und geräuschvoll abwärts gräbt durch smaragdgrünes Moos, verflochtene Wurzeln, schwarzen Schlamm und knirschenden Kies, bis es mit großen, steinigen Flüssen verschmilzt.
Tagsüber liegen die Temperaturen zwischen 22 und 35 Grad. Der Himmel bleibt gerne wolkenverhangen und schickt neues, schweres Nass herab. Die Sonne darüber berührt deine Haut seltener; nur auf wenigen Lichtungen bricht ihr Licht durch das dichte Blätterdach. Sonst verschlingen die unendlichen Farbtöne des Grün die Blicke. In jede Richtung kannst du nur ein paar Meter weit gucken. In unbegreiflichem Umfang und in mehr Formen und Ausprägungen als man es sich erträumen kann, wuchert alles aus der Erde empor, viele Meter hoch, dem heißen Licht entgegen, das irgendwo weit oben glüht.
Im Hintergrund rauscht fernes Wasser, mächtig und tief, davor plätschern kleine flüsternde Bäche. Darüber schieben sich Pflanzen ineinander, gierig nach Licht, Blätter im Wind aneinander raschelnd.
In dieser lebendigen Schicht zwischen Erde und Himmel bewegst du dich. Vorsichtig, fast unbeholfen - ein großes, langsames Tier, schutzlos ohne Werkzeug und Rüstung – gnadenlos dem überlegenen, einheimischen Leben ausgeliefert.
Alles, aber auch wirklich ALLES lebt, wohin du auch schaust:
Hinter jedem Baum steht ein weiterer.
Hinter jedem Blatt leuchtet ein neues.
Unter jeder Wurzel wuchern tiefere.
Hinter jedem moosbedeckten Stein versteckt sich ein kleinerer.
Überall – darauf, darunter, dazwischen und darin – tummelt, pulsiert und bewegt sich das Leben.
In jedem Fluss münden feinere Rinnsale mit noch kleineren Fischen darin.
Unter jeder Armeise krabbelt eine kleinere.
Es brummt, summt, zwitschert, knattert und pfeift die wahnsinnige Symphonie der Insekten.
Schöne Vögel schallern mit unerwarteten, nie gehörte Gesänge durch das Grün – hell und frei.
Es wurmt, kriecht, krabbelt, schleicht, klettert.
Es hangelt, flattert, fliegt, nagt und frisst.
Das Leben erobert jede Ecke, jeden Winkel, jede Ritze und jeden Punkt, der sich nicht zu whren weiß.
Du spürst deutlich wie das wilde, wunderschöne Leben dich umgibt,
wie dessen Energien in dich hinein vibrieren
und du erkennst, wie du ein natürlicher Teil davon bist.
Du bist im Dschungel: Königreich des Lebens.Läs mer

LKuppersIst mal etwas anderes als meine bisherigen Texte … Ich habe mich echt ein bisschen in den Dschungel verliebt und wollte das hier zum Ausdruck bringen. Außerdem brauchte ich einen extra Post für die ganzen tollen Fotos. 😋
Im Dschungel mit Freunden
17 november 2025, Colombia ⋅ ☁️ 25 °C
In der zweiten Woche kam Ali. Dazu ein weiterer Freund von Astro aus Frankreich, den ich bereits im Hostel in Bogotá kennengelernt hatte und der ein paar Tage länger dort geblieben war. Er war genauso entspannt und vielleicht sogar noch etwas musikalischer erfahren. Was ist besser als eine Gitarre am Lagerfeuer? Genau: zwei!
Jet aus England ist der Kumpel, mit dem Astro das Grundstück zusammengekauft hat. Er hat sich in Mocoa verliebt, geheiratet, ist nun stolzer Vater eines zwei Monate alten Sohnes und lebt mit seiner Familie in einem Haus in der Stadt. Obwohl es so nah ist, war er dank Hochzeit und Kinder-Vorbereitung schon viele Monate nicht mehr im Dschungel. Umso besonderer war es, dass er mit seiner Frau Jessie und dem kleinen Sohn einen Tag vorbeigekommen ist. Das erste Mal für den Säugling im Dschungel, dem es sichtbar gefallen hat, denn er lag viel auf dem Rücken und betrachtete das Grün der Bäume interessiert. Einen weiteten Kumepl haben sie auch noch mit gebracht. Wir gingen den Berg hoch zum zweiten Wasserfall. Dieser hat ein tiefes Becken davor, das zum Springen und Planschen einlädt. Abends kochten wir zusammen.
Mit Astro führte ich noch viele spannende, aufschlussreiche und inspirierende Gespräche in meiner Zeit hier. Er ist, wie gesagt, seit neun Jahren mehr oder weniger auf Reisen, hat schon viel Spannendes, Verrücktes und Unglaubliches erlebt. Und nicht zuletzt einiges an Lebenserfahrung und Weisheit dazu gelernt. Vor einigen Jahren gelangte er zu Spiritualität und Verbundenheit mit der Natur, die ihn dazu getrieben hat, hier dieses Stückchen Land zu kaufen, als eine seiner Basen zu halten und hierher zu kommen, um Energie in der Natur aufzutanken. Ich kann das gut verstehen. Als Bewohner eines entwickelten Landes und „moderner Mensch“ aus der Stadt hat man viel von dem Bezug zu natürlichen Dingen und den Einklang damit verloren.
Eigentlich wollte ich nur eine Woche bleiben, im Endeffekt waren es fast zwei, gefühlt noch länger und gerne wäre ich noch geblieben. Doch ich möchte mir auch andere Dinge in Kolumbien anschauen und daher muss es nun mal weitergehen. Am letzten Morgen gab es noch einen kleinen Bonus. Beim Meditieren nach dem Aufstehen sah Astro drei Riesenotter den Berg hochgehen und zeigte sie mir. Eine besondere Sichtung, er hat hier nur einmal solche Tiere gesehen.
Astro hat mich eingeladen, auch in Zukunft das Grundstück wieder zu besuchen, selbst wenn er vielleicht selbst auf Reisen ist. Ich nehme mir vor, auf dieses Angebot zurückzukommen!Läs mer
Guatapé – malerische Seenlandschaft
18–20 nov. 2025, Colombia ⋅ ⛅ 21 °C
Der Stausee von Guatapé, auch bekannt als Embalse Peñol-Guatapé, ist eine atemberaubende künstliche Seenlandschaft in den kolumbianischen Anden, die in den 1970er Jahren durch den Bau eines Staudamms entstanden ist. Mit einer Fläche von über 2.200 Hektar bietet er eine idyllische Kulisse aus türkisblauem Wasser, umgeben von grünen Hügeln und Felsformationen. Die Region ist besonders bei Touristen beliebt: Viele unternehmen Tagesausflüge in den farbenfrohen Ort Guatapé mit seinen bunt bemalten Häusern, erklimmen den berühmten Aussichtspunkt auf dem Felsen Piedra del Peñol für einen Panoramablick über den See oder machen Bootstouren, um die Landschaft zu erkunden. Ein dunkleres Highlight ist die Ruine der Villa La Manuela, die ehemalige Mansion des Drogenbarons Pablo Escobar – früher konnte man dort tatsächlich mal Paintball spielen, heute ist das Grundstück nur noch vom Wasser aus zu besichtigen, da sie von Rivalen bombardiert wurde. Das hab ich vom Hostel aus, welches ganz in der Nähe ist, mit dem Kanu gemacht. Leider hatte ich mein Handy nicht für Fotos dabei. Bilder gibt's im Internet, wen es interessiert.
Ich suchte mir mal also wieder ein Hostel aus der Viajero-Kette aus und wurde natürlich nicht enttäuscht. Das relativ neu gebaute Gelände verfügte über eine dreistöckige, in den Hang gebaute Rezeption, ein Restaurant, eine Bar und einen Aufenthaltsbereich. Auf dem Grundstück am Hang gab es mehrere Hütten, teilweise mit Acht-Bett-Schlafzimmern, En-Suites mit Badezimmer oder Suiten mit Aussicht auf den See. Unten war ein Pool, ein heißes Becken, Bar, und ein Strand mit Steg angelegt - direkter Zugang zum See. Tagsüber wurden hier Paddleboard- oder Kanu-Touren angeboten. Abends gab es unter anderem Lagerfeuer am See.
Ich blieb zwei Nächte und lieh mir ein Motorrad für einen Tag aus, mit dem ich die Landschaft um den See erkundete. Es war teilweise etwas regnerisch, doch lohnenswert. Meist sind die Grundstücke großzügig und von Villen bebaut, es gibt einige Hotel- und Hostelanlagen sowie die umliegenden Dörfer mit allem, was dazu gehört. Am östlichen Ufer wollte ich den See in Richtung Norden entlang fahren, weil mir der Verleiher empfohlen hatte, dass es dort einen guten Aussichtspunkt gäbe. Leider war der letzte Teil der Schotterpiste gesperrt, also musste ich umdrehen. Auf dem Rückweg, etwa einen halben Kilometer vor der großen Straße, merkte ich, dass mein Hinterrad ungewöhnlich instabil war. Auf Schotter schlittert man schon mal gerne mit dem Vorderrad eines Motorrads, aber das Hinterrad sollte immer stabil bleiben. Es fehlte etwas Luft. Auf der Straße war dann kein vernünftiges Fahren mehr möglich – ich hatte einen Platten hinten. In dem Moment hatte ich echt Glück, denn keine fünfzig Meter geschoben, hielt das erste Auto direkt schon. Ein netter junger Rinderzüchter aus der Region bot mir seine Hilfe an. Wir luden das Motorrad auf die Ladefläche seines Pick-up-Trucks und er fuhr mich zurück zum Verleiher.
Der war zunächst nur mittelmäßig begeistert, denn er schraubte bereits an zwei Motorrädern gleichzeitig aus seinem Arsenal, dessen Teile verstreut über den Gehweg lagen. Dankbarerweise nahm er sich für mich Priorität. Kaum fünfzehn Minuten brauchte er, um das Hinterrad der Maschine auszubauen, den Mantel professionell mit dem Ständer eines anderen Motorrads zu lösen, den Schlauch hervorzuziehen und festzustellen, dass ein Metallstück den Schlauch mehrfach punktiert hatte und eine Reparatur nicht möglich war. Dazu gab es eine Runde Bier für alle. Nebenan war der Shop für Ersatzteile, also wurde ein neuer Schlauch geholt, eingebaut, das Ganze wieder zusammengebaut – und ich war wieder auf der Fahrbahn, aber nur kurz. Leider hatte ich dann nicht mehr genug zeit um auf Aussichtsberg zu gehen, denn der wartete der nächste Kunde auf das Motorrad.
Nachmittags ging es mit dem Bus weiter nach Medellín, doch vorher war noch Zeit für eine ziemlich günstige, aber üppige Grillplatte, von der ich die zweite Hälfte als Abendessen locker ausreichte.Läs mer
Medellín – als meine Schuhe fremdgingen
21–22 nov. 2025, Colombia ⋅ ⛅ 25 °C
Uff… nach Dschungel und Guatapé mal wieder eine Riesenstadt, über die ich vor allem viel Gutes über die Ausgeh- und Feierkultur gehört habe. Ob mir wirklich danach ist, weiß ich noch gar nicht. Abends angekommen, habe ich außer ins Hostel einzuchecken nicht mehr viel gemacht. Im Mehrbett-Schlafsaal hatten alle ihre Schuhe neben die Tür gestellt. Normalerweise schließe ich nur meine Wertgegenstände ein, wenn überhaupt. Solange man nichts offen herumliegen lässt, sondern alles immer wieder in den Backpack räumt, kommt in Hostels eigentlich nie etwas weg. Bei der Ankunft fiel mir auf, dass jemand aus dem Zimmer genau die gleichen Schuhe wie ich hatte. Klar, das ist nicht komplett unmöglich, Decathlon gibt es nicht nur in Deutschland, trotzdem ein witziger Zufall, wie ich dachte. Am nächsten Morgen war es dann nicht mehr so witzig, denn als ich aufstand, waren meine Schuhe weg. Was für eine Scheiße. Mir sind auf der Reise schon ein paar Kleinigkeiten abhanden gekommen, meist weil ich irgendwo etwas vergessen oder verlegt habe, aber zum Glück noch nichts Wichtiges – bis jetzt. Meine gesunden Füße und deren Fähigkeit, mich an neue Orte zu bringen, sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Reisen, vielleicht sogar die wichtigste.
Ich vermute hinter dem Verschwinden meiner Schuhe ganz ehrlich keine böse Absicht, sondern ein versehentliches Einpacken der anderen Person – trotzdem verdammt ärgerlich, weil mir direkt klar war, dass es so gut wie unmöglich ist, in meiner Schuhgröße (48) irgendwo in Südamerika Schuhe zu finden. Die netten Mitarbeiter im Hostel haben versucht, die anderen Gäste aus dem Zimmer zu kontaktieren, und wir haben auch die Überwachungskamera-Videos angeschaut, um zu sehen, wer denn die gleichen Schuhe wie ich trug – alles vergebens. Mir wurde langsam klar, meine Schuhe werde ich nie wiedersehen. Ich könnte mir jetzt online neue bestellen und dorthin liefern lassen, wo ich in zwei Wochen bin – aber wo wird das sein? Mein Kumpel Silas wird mich zum Ende des Jahres in Neuseeland treffen, daher kann er mir ein neues Paar aus Deutschland mitbringen. Bis dahin muss ich dann mit meinen Crocs auskommen – okay, das wird schon irgendwie machbar sein. Nur die haben mittlerweile beide Löcher unten drunter und damit lange über harte Böden in der Stadt zu laufen, ist unangenehm.
Die Stadt Medellín und alles, was sie zu bieten hatte, war plötzlich überhaupt nicht mehr von Relevanz für mich. Meine Tagesmission sollte es sein, neue Sohlen unter die Crocs machen zu lassen. Diese Idee hatte ich tatsächlich schon vorher, weil dort, wo die Löcher unter den Fußballen nun sind, immer genau die Stelle ist, die den meisten Verschleiß abbekommt. Auf die Art habe ich letztes paar Crocs kaputt gemacht. Ob man tatsächlich neue Sohlen unter Schaumgummi-Schuhe kleben kann, wusste ich nicht.
Nur wenige Minuten vom Hostel entfernt entdeckte ich zwei Schuhmacher (zapateros) nebeneinander. Der erste lehnte meine Anfrage ab, der zweite zeigte sich optimistisch und fand ein Stück Sohlen-Gummi, das er mir zeigte – es sah super aus. Er sagte mir, in einer Stunde wäre das gemacht und ich könnte im Laden warten, doch das wollte ich nicht. In der Nähe war ein Park und ich hatte etwas Hunger, also ging ich in einen "D1". Das ist ein Kolumbianischer Discounter, welcher mich immer sehr an mein geliebtes ALDI Süd aus der Heimat errinert. Dort holte mir einen Snack, ging in den Park und setzte mich auf eine Bank. Wenn man sich mal richtig bescheuert vorkommen will, kann ich empfehlen, als offensichtlicher Ausländer barfuß in einer fremden Stadt umherzulaufen. Selbst Obdachlose sprachen mich an, um mir zu sagen, dass ich keine Schuhe anhätte und dass es unsicher sei – ein bisschen amüsant war das schon. Eine dahergelaufene ziemlich offensichtlich zwielichtige Gestalt versuchte mich in ein kurioses Gespräch zu verwickeln um mir dabei langsam das Handy aus der Sporthosentasche zu ziehen. Ich bemerkte die List, schob meine hand auf mein Handy in der Tasche und verdrängte dadurch seine, tat so als ob ich das ganze nicht bemerkte und winkte das Gespräch lässig ab. Ohne Schuhe scheint man ein leichtes Opfer ab zu geben, aber nicht mit mir.
Zurück beim Schuhmacher wurden meine Erwartungen übertroffen: die neuen Sohlen saßen perfekt und boten sehr guten Halt. Mein nächstes Paar Crocs werde ich von Anfang an so aufwerten lassen.
Die restliche Zeit in Medellín verbrachte ich am Pool des Hostels, lief etwas durch die Innenstadt über sehr volle Märkte und fuhr mit der Seilbahn eine Seite des Tals hinauf, was eine tolle Aussicht bot. Zum Ausgehen und Feiern war mir die wenige Lust, die ich anfangs hatte, dann endgültig vergangen, vielleicht auch ein bisschen, weil ich mir mit Crocs im Club doof vorgekommen und vielleicht gar nicht reingekommen wäre.
Am Abend des zweiten Tages nahm ich einen Bus über Nacht in den Norden zur Küstenstadt Cartagena.Läs mer
Tayrona mit dem Motorrad
23–27 nov. 2025, Colombia ⋅ ☁️ 27 °C
Die letzte 14+ Stunden Fahrt mit dem Bus in Kolumbien von Medellín nach Cartagena war mal wieder recht entspannt. Klar, dass WLAN und die Steckdosen nicht funktionierten – eigentlich wie immer, dafür die Klimaanlage umso mehr. Eiskalt mögen es die Kolumbianer nachts im Bus. Wenn man dann an einer Station aussteigt, um sich kurz die Beine zu vertreten, trifft einen jedes Mal die schwüle Hitze der Nacht wuchtig.
Am Busbahnhof in Cartagena angekommen, wurde ich von einem Fahrer des Motorradverleihs mit dem Auto abgeholt. Ein netter Service, aber mit 50 € pro Tag war das Ausleihen auch nicht ganz billig. Insgesamt ist Kolumbien schon sehr günstig, daher passen die vier Tage auf zwei Rädern noch gut ins Budget. Nachdem ich das Motorrad ausgeliehen, kurz vollgetankt und den Reifendruck auf Sollwert gebracht hatte, fuhr ich an diesem Tag entspannte 260 km entlang der kolumbianischen Karibikküste Richtung Osten. In der größeren Stadt Barranquilla gab es eine Trinkpause, an Santa Marta fuhr ich nur vorbei und zwischendurch gab es immer wieder kleine Fischerdörfer. Am Straßenrand gönnte ich mir die ein oder andere gekühlte Kokosnuss. Die letzten 60 km waren die schönsten, hier ging es schon durch den Tayrona-Nationalpark. Die Landschaft wurde hügeliger und die Straße kurvenreicher. Die über 30 °C mit heißem Sonnenschein wichen Wolken und sogar etwas feinem Regen in den letzten Minuten.
Der Tayrona-Nationalpark liegt direkt an der Karibikküste: Malerische Strände und Meer, riesige Granitfelsen und direkt dahinter dichter Regenwald, der sich bin an den Strand schiebt. Tagsüber Wander-Paradies, nachts Lagerfeuer-Romantik.
Das Viajero hier gleicht eigentlich mehr einem Luxus-Ferienpark als einem Hostel und ist vielleicht das beste auf meiner Reise bis jetzt. Es gibt viele kleinere Hütten mit privaten Doppelzimmern und ein paar größere Hütten mit 8 Betten sowie Dusche und Toilette im Außenbereich mit Blick ins Grüne. Ein normales und ein Pizza-Restaurant, zwei Bars, einen Co-Working-Space, einen schönen großen Pool, Tischtennisplatte und Beachvolleyball-Platz. Alles direkt am Strand. Das Meer hier hat eine starke Strömung und es wird viel Holz sowie Pflanzenreste angespült, die es in der Brandung zermahlt, daher lädt es nicht so sehr zum Schwimmen ein, trotzdem hat man eine tolle Aussicht entlang der Küste. Man kann Surfboards ausleihen, verschiedene Aktivitäten wie Salsa-Kurse, Yoga oder Meditation mitmachen, einfach nur in einer der Hängematten entspannen oder von hier aus Wanderungen und Ausflüge zu den anderen Stränden in der Nähe und in den Hauptteil des Parks unternehmen. Nachts gibt es immer ein Lagerfeuer am Strand, und jeden Freitag und Samstag legt ein DJ auf.
Am ersten Abend lernte ich bereits einige Leute beim Willkommens-Cocktail und aus meinem Zimmer kennen. Darunter eine Gruppe Mädels, die in Party- und Vorglühstimmung waren, ich ließ mich mitreißen. Wir gingen in das benachbarte Rio Hostel Buritaca welches für seine Partys bekannt ist. Auf dem Weg vom Hostel zur Hauptstraße sahen wir eine recht große Würgeschlange; wenn selbst der Taxifahrer aussteigt und Fotos macht, weiß man, dass diese Sichtung etwas Besonderes ist.
Das Rio Hostel war nicht weit entfernt, ebenfalls sehr schön aufgebaut und liegt, wie der Name vermuten lässt, direkt an einem Fluss. Es wurde ein langer ausgelassener Abend mit guter elektronischer Musik, viel Tanzen und dem ein oder anderen frisch gezapften Kokos-Bier – eine erstaunlich gute Kombi. Der Kokosgeschmack kommt nur im Abgang leicht durch und ist nicht zu süß. Als morgens um 4 der DJ Feierabend machte, ging ich mit den letzten 15–20 anderen Gästen der Nacht im Fluss Skinny-Dipping. Den Sonnenaufgang schauten wir uns am Ufer an. Was für eine Nacht …
Der nächste Tag sollte eigentlich ein „am Strand gammeln und betrinken“-Tag werden – stattdessen verbrachte ich ihn damit, am Strand nach der wilden Nacht wieder nüchtern zu werden. Auch gut.
Mit dem Motorrad machte ich an den anderen Tagen ein paar kleine Touren in der Ecke, den großen Park besuchte ich nicht mehr, dafür hatte ich nun genug Dschungel und Natur gesehen und wollte lieber das Motorrad nutzen.
Auf dem Rückweg verbrachte ich eine Nacht in dem kleinen Dörfchen Puerto Colombia an der Küste. Abseits von den Touristenströmen ein idyllisches Fleckchen, voller einheimischem Leben.
Zu den Fotos füge ich noch meine Sammlung außergewöhnlicher Tier-Warnschilder hinzu, die ich auf dem Weg gefunden habe. All zu viele davon hab ich leider nicht gesehen, klar die Schlange vom ersten Tag (von dem Schlangen-Schild hab ich kein Foto) und ein paar Krabben am Strand. Dann war da noch dieser riesige Leguan, die sich auf dem Asphalt sonnte und mich dazu zwang, zum ersten Mal in meinem ganzen Biker-Leben das Fahrschul-Manöver „Gefahrenbremsung + Ausweichen“ in freier Wildbahn anzuwenden – ich hab’s noch voll drauf! Gerne hätte ich einen Ameisenbär gesehen, doch die sind scheu und man muss tiefer in den geschützten Teil des Nationalparks wandern und viel glück haben - genau wie mit dem Jaguar.
Das Motorrad gab ich ziemlich mit mir selbst zufrieden wieder zurück – auf etwa 600 km keine Zwischenfälle oder Blitzerfotos, super viel Spaß gehabt und tolle Landschaften gesehen, ein voller Erfolg.Läs mer
Cartagena - Abreise Kolumbien
27–28 nov. 2025, Colombia ⋅ ⛅ 31 °C
Cartagena ist eine bedeutende Küstenstadt im Norden Kolumbiens. Gegründet in 1533 von dem spanischen Konquistador Pedro de Heredia, war sie eine der ersten spanischen Siedlungen in der Region und spielte eine entscheidende Rolle während der Kolonialzeit als wichtiger Hafen für den (Sklaven)Handel. Die Stadt ist berühmt für ihre imposanten alten Wehranlagen, wie die Festungsmauern und das Castillo San Felipe de Barajas, die sie vor Piratenangriffen schützten. Heute verbindet Cartagena historisches Erbe mit moderner Entwicklung: Neben dem traditionellen Hafen gibt es einen großen Containerhafen und einen Yachthafen, umgeben von modernen sehr hohen und schmalen Hochhäusern, die das Stadtbild prägen.
Mein Plan ist es, hier nur eine Nacht zu verbringen, denn am nächsten Tag werde ich mit einem Segelschiff in See Richtung Panama aufbrechen.
Das Hostel, welches ich mir aussuchte lag direkt am Yachthafen. Das Wasser in der ganzen Stadt war an diesem Tag ausgefallen, aber der Pool tat es ausnahmsweise auch ohne Dusche vorher.
Ich lief ein bisschen durch den historischen Teil der Innenstadt, entlang der alten Festungsmauern. Ein buntes Treiben in den belebten Straßen. Es waren viele Touristen unterwegs, von denen die meisten aus Kolumbien zu kommen schienen. Entlang der Festungsmauer fand ich ein Fischrestaurant, das einen Platz für mich in den Schießscharten der Mauer hatte – ich gönnte mir die große Fischplatte, zwar etwas teurer, aber wann isst man schon mal Hummer? Ein toller Abschluss für meinen letzten Abend und die etwa vier Wochen Kolumbien.
Was für ein Land.... so grün und so wild. Ich bin so Dankbar für die Zeit, die ich mit Astro im Dschungel verbringen durfte. Die riesigen Städte voller Chaos, Leben und neuen Eindrücken hab ich nicht unbedingt so erwartet. Die Menschen hier haben mir mit am besten auf meiner Reise bis jetzt gefallen, sehr offen, freundlich und ehrlich interessiert. Viele Kolumbianier sind Touristen im eigenen Land, auch in den Hostels in denen ich war und alle sind sie gut in englisch und relatiev leicht kennen zu lernen. So viele neue Früchte, günstiges und sehr gutes Essen. Klar, man muss aufpassen, aber es ist sicherer als gedacht, auch wenn ich die ein oder andere komische Situation hier mehr erlebt habe als in anderen Ländern auf meiner Reise bis jetzt. Ganz bestimmt komme ich eines Tages wieder!Läs mer
Segel setzen auf der Nacar 2
28–30 nov. 2025, Caribbean Sea ⋅ 🌧 27 °C
Der Darién Gap (Darien-Lücke) ist eine etwa 100–160 km lange, unwegsame Region aus dichtem Regenwald, Sümpfen, Flüssen und Bergen zwischem dem nördlichen Kolumbien und südlichen Panama. Er stellt die einzige Unterbrechung des Pan-American Highway dar, einer sonst durchgehenden Straße an der Westküste der Amerikas. Es gibt hier gar keine Straßen, diese Lücke macht eine überquerung auf dem Landweg zwischen Süd- und Mittelamerika unmöglich und gilt als eine der gefährlichsten Regionen der Welt. Nicht zuletzt auch wegen der Kartelle, die hier im Tiefen Dschungel ihr unwesen treiben.
Wenn man also zwischen Kolumbien und Panama reisen möchte, gibt es nur die Optionen zu fliegen oder den Seeweg zu nehmen. Gerne hätte ich ein privates Boot gefunden, das mich mitnimmt, doch ich habe einige Gruselgeschichten von anderen Reisenden gehört – die Kapitäne sind besoffen und auf Drogen, Trinkwasser oder Essen gehen auf hoher See aus oder man wird erpresst und bekommt den Reisepass nur gegen Lösegeld zurück. Ich war noch nie auf einem Segelschiff, habe keine Ahnung, wie das geht oder worauf man da achten muss, und daher war mir das dieses Mal zu heikel. Es gibt ein paar Firmen, die eine gute Reputation haben und die Touren von Kolumbien nach Panama oder andersherum anbieten. Ich entschied mich für Blue Sailing, auch weil ich zwei Reisende in der Sauna in Bogotá getroffen habe, die von ihrer Erfahrung schwärmten – explizit vom Schiff Nacar 2 und dessen hervorragendem Koch.
Am Morgen des Abreisetages checkte ich im Hostel aus, ging mit meinem Rucksack zum Jachthafen in Cartagena und fand die Nacar 2. Es handelt sich um einen 12 Meter langen, maßgefertigten Katamaran aus dem Jahr 1991. Sie bietet Platz für 12 Passagiere, verteilt auf zwei private Doppelkabinen im Heck, zwei halbprivate Doppelkabinen im Gang und zwei Einzelkabinen im Bugbereich, die über einen Durchgang zu den halbprivaten Kabinen erreichbar sind. Zusätzlich gibt es ein Doppelbett oben in der Mitte. Letzteres bietet zwar weniger Privatsphäre, dafür spürt man den Seegang hier weniger.
Ich bekam das Einzelbett im rechten Bug, also ganz vorne in der Kufe des Katamarans. Und darüber hätte ich nicht glücklicher sein können – dort gibt es eine Luke über der Matratze, durch die ich in den Nachthimmel gucken und mit der ich lüften konnte, allerdings nicht bei Fahrt, dann kam das Spritzwasser rein. Außerdem konnte ich mit Hilfe der zwei Tritte an der Innenwand von hier aus direkt auf das Deck klettern. In der Nacht musste ich für den kleinen Toilettengang nicht mal das Bett verlassen, Luke auf, einfach aufstehen und ab über die Reling, ein Traum.
Wir trafen uns also morgens um 10 Uhr zum Check-in und für ein kleines Briefing am Boot. Die Reisepässe wurden eingesammelt, die Crew erledigte die Ausreise für uns. Der Preis sollte in bar gezahlt werden, ich musste noch mal los, einen Geldautomaten finden und kurz ein paar Millionen kolumbianische Pesos abheben. Es wurde uns empfohlen, Snacks sowie alkoholische Getränke im Supermarkt um die Ecke einzukaufen und in einer der Kühlboxen auf dem Schiff zu lagern. Hoch motiviert füllten alle Gäste sämtlichen gekühlten Platz mit Bier, ein wenig Softdrinks und reichlich Flaschen Rum.
Bis zur Abfahrt am Abend verbrachte ich den Tag noch mal am Pool meines Hostels. Gegen den Erwerb des ein oder anderen Biers durfte ich mich hier den Tag über noch aufhalten. Na gut, es wäre auch ohne das Bier gegangen, aber man will ja nicht nehmen, ohne zu geben.
Um 20 Uhr trafen sich wieder alle am Schiff. Um etwa 22:30 waren wir immer noch nicht abgefahren, dafür war die Party schon im vollen Gang. An dem großen Tisch im hinteren Bereich des Katamarans fanden alle Platz. Wir vernichteten bereits einen erheblichen Teil der gekühlten Biere, spielten Karten und lernten uns untereinander kennen. Im Nachhinein muss ich wirklich sagen, wie cool die Truppe insgesamt war. Aus Neuseeland kommen das Pärchen George und Page, sowie die Freundinnen Katy und Natascha. Aus den Niederlanden sind die beiden Solo-Reisenden Anuk und Mees. Die deutschsprachige Fraktion war erstaunlich groß: Sandra aus Österreich, sowie die alleine reisenden Schweizer Sarah und Matthias, sowie das Abenteuer-Pärchen Michel und Serafina. Letztere sind die vergangenen 14 Monate mit einem selbst umgebauten und aus der Schweiz per Container verschifften Jeep Defender in Südamerika unterwegs gewesen. Die beiden gehen viel wandern, fischen und fliegen mit ihren eigenen Gleitschirmen. Außerdem fotografieren sie viel und sehr gut, wie ich finde. Sie hatten auch eine Drohne dabei und beschenkten die anderen Gäste mit atemberaubenden Luftaufnahmen unserer Segeltour, die ich euch hier selbstverständlich nicht vorenthalten kann.
Generell mischen sich in diesem und in den nächsten Beiträgen der Segeltour meine Fotos mit denen der anderen Gäste. Bis jetzt habe ich fast ausschließlich nur meine Fotos verwendet, doch diesesmal muss ich euch auch die der anderen zeigen, sie sind einfach zu gut.
Michel und Serafina berichteten weiter von ihren Abenteuern, ich hörte super gerne zu und fragte sie auch ein bisschen aus. Alle, aber vor allem die Schweizer – nicht nur die beiden, sondern auch Sarah und Matthias – sind mir echt ein wenig ans Herz gewachsen in der Zeit, die wir nun zusammen verbringen sollten.
Die Besatzung bestand aus Carmello, dem Kapitän, Santiago war der erste Matrose und Damian unser Koch. Letzterer konnte als Einziger Englisch und fungierte ebenfalls als Guide. Auch wenn er diese Rolle nicht so ernst nahm – wir bekamen keine richtige Einweisung in das Boot und mussten uns einiges selbst zusammenreimen. Die Toiletten funktionierten über eine von Hand betriebene Pumpe. Zuerst musste man Spülwasser in die Schüssel pumpen und nach dem Geschäft alles wieder raus. Auch eine Sicherheitseinweisung gab es nicht, lediglich auf die Rettungswesten wurden wir kurz aufmerksam gemacht.
Bei der gemütlich verspäteten Abfahrt war die Aussicht auf die vorgelagerte Halbinsel von Cartagena mit ihren vielen schlanken Hochhäusern sehr gut. Wir waren per Motor und nicht per Segel unterwegs und das Ganze recht langsam. Die Haupt-Segelsaison in dieser Ecke der Karibik beginnt erst Mitte Dezember, daher war mir vorher schon klar, dass die Segel auf dieser Reise vermutlich wenig Verwendung finden würden. Am nächsten Tag wurde dann doch das vordere kleinere Seegel für ein paar Stunden gesetzt. Der Wind war nicht stark, daher es trug weniger zum Antrieb, als zum Ambiente bei.
Die ersten etwa 40 Stunden nach der Abfahrt verbrachten wir auf hoher See. Am ersten Tag entspannten alle an Deck, wir spielten Spiele, kümmerten uns weiter um die mitgebrachten Alkoholvorräte und hatten einfach eine tolle Zeit. Naja, zumindest die von uns, denen der Seegang nichts anhaben konnte. Nicht allen ging es durchgehend gut. Ab und zu erbrach sich jemand über die Reling und warf anschließend eine Übelkeitstablette ein, die mal mehr, mal weniger gut halfen, den zwar nicht extremen, aber durchaus penetranten Seegang zu kontern. Für mich ist sowas gar kein Problem. Das Wasser ist mein Element, mir hat es einfach nur Spaß gemacht, und ich hätte es nicht mehr genießen können.
Am Nachmittag um vier wurde es dann kurz richtig spannend. Die ganze Zeit schon, seit wir den Hafen verlassen hatten, zogen wir die Hochseeangel mit Köder im Wasser hinter uns her. Und dann gegen vier Uhr war es so weit: Etwas hatte angebissen. Gekonnt holte Carmello, die mehr als einen Meter lange Königsmakrele bis ans Boot und dann mit einem Haken aus dem Wasser. Um das Ableben zu erleichtern, gab er dem Fisch einen Schluck Aperol aus der Flasche direkt ins Maul. Das scheint man hier so zu machen, ich fand es trotzdem etwas komisch und konnte mich nicht recht entscheiden, ob das nun Tierquälerei oder doch human ist. Der Fisch wurde direkt zerlegt und bescherte uns einen ganzen Eimer voll dicker Filets, welche Damian, unser Koch, in eine üppige Fischplatte verwandelte. Das Fleisch war erstaunlich fest und sehr gut im Geschmack.
Wir sahen tagsüber noch Wale in großer Ferne hinter dem Boot, leider nur für einen sehr kurzen Moment. Vermutlich waren es Orcas, allerdings war das sehr schwer zu erkennen, und keiner schaffte es schnell genug, ein Foto zu machen.
In der zweiten Nacht versuchte ich an Deck, in dem Netz vorne am Boot neben meiner Luke zu schlafen. Das Spritzwasser von unten durchnässte meinen Schlafsack, und irgendwann machte es keinen Spaß mehr. Es war schon weit nach Mitternacht und sowohl die Wolken, als auch der helle Mond waren nicht mehr direkt über uns. Die Sterne boten ein atemberaubendes Bild, und so saß ich noch eine Weile da und staunte nicht schlecht. Als ich gerade dabei war, wieder durch die Luke in mein Bett zu klettern, entdeckte ich einen einzelnen Delfin, der neben dem Boot verspielt eine kurze Weile mit uns daher schwamm, da fiel mir auf, dass wir durch fluoreszierendes plankton fuhren. Tausende kleine leuchtende Punkte im Wasser, die durch unsere Bugwellen und die Bewegungen des Delfin kurz bläuchlich aufleuchteten. Ein Magischer Anblick.
Am Morgen des zweiten Tages waren wir noch nicht angekommen, doch ich wurde plötzlich wach. Ich weiß nicht mehr genau wie, meine Luke war leicht geöffnet und vielleicht habe ich etwas gehört, vielleicht habe ich auch die Spannung in der Luft gespürt. Den Kopf aus der Luke gesteckt und zum Heck des Schiffs geschaut, wusste ich direkt was los war. Es hatte wieder ein Fisch angebissen. Natürlich musste ich mir das ansehen. Sarah, die in dieser Nacht im hinteren Bereich draußen auf der Bank schlief, weil sie mit dem Seegang nicht zurechtkam und es hier etwas weniger stark schwankt, erzählte mir später davon, dass vorher noch so gut wie keiner wach gewesen sei. Um kurz nach 7 Uhr morgens kamen dann alle Männer wie verabredet in Windeseile an die Angel geschnellt, weil es was zu gucken gab. Sie schoss das Foto, auf dem man uns neugierig das Spektakel verfolgend sehen kann. Auch dieser Fisch war wieder recht groß, es war ein orang-kupferfarbener Hundsschnapper, ebenfalls sehr lecker, auch wenn mir die Königsmakrele besser gefallen hat.
Kurze Zeit später kam Land in Sicht, doch damit geht es im nächsten Post weiter.Läs mer
San Blas Inseln
30 nov.–1 dec. 2025, Panama ⋅ ☁️ 27 °C
Die San Blas Inseln sind ein Archipel mit über 350 Inseln vor der Karibikküste Panamas. Sie gehören zum autonomen Territorium der indigenen Guna, die dort leben und die Region selbst verwalten. Guna Yala ist in drei administrative Bereiche unterteilt: Corregimiento de Narganá, Corregimiento de Ailigandí und Corregimiento de Puerto Obaldía. Die Flagge von Guna Yala zeigt ein rotes Feld mit einem gelben Rechteck in der Mitte und einem nach links gedrehten Hakenkreuz. Dieses traditionelle Guna-Symbol stellt eine Nase-Ring-Form da, die auf alte Schmucktraditionen verweist und hat nichts mit dem bei uns bekannten Symbol zu tun hat.
Nach dem Frühstück ankerten wir zwischen unseren ersten drei Inseln. Alle waren sie recht klein, eine war mit einer großen Hütte bebaut und privat, da sollten wir nicht hinschwimmen. Auf einer der anderen stand eine kleine Hütte und eine einheimische Familie lebte hier, die letzte war nicht bewohnt und steht unter Naturschutz. Auf diesen Inseln, wie auch auf den meisten anderen, wachsen ausschließlich Palmen und ein paar Bodengewächse. Leider ist am Strand relativ viel Plastikmüll angeschwemmt. Ich umrundete die Insel zuerst im Wasser und dann noch mal am Strand. Im Inneren entdeckte ich, dass der Boden hinter dem weißen Sandstrand, also im Inneren der Insel, sehr sumpfig war. Ich fand auch ein paar frische Kokosnüsse, die man leider weder mitnehmen noch öffnen darf, verständlich.
Mit dem kleinen Schlauchboot unseres Katamarans konnten wir zum Ufer gebracht werden, wenn man trocken bleiben wollte. Ich schwamm aber meistens lieber. Gerne legte ich jedoch ein paar Bier in die kleine Kühltruhe, die dann zum Strand gefahren wurde. Wir saßen dort, hörten Musik und spielten Karten. Es macht einfach nur Spaß, mit diesen Leuten im Paradies unterwegs zu sein!
Am Abend gab es auf der anderen Insel, die mit der Hütte, ein Zusammentreffen mit den Gästen des anderen Bootes, der Amande. Ebenfalls aus der Blue Sailing Flotte und mit uns zeitgleich von Kolumbien aus losgefahren. Wir durften ein Lagerfeuer am Strand machen, genug angeschwemmtes Treibholz war vorhanden, auch wenn alles etwas nass war. Die Stimmung war ausgelassen und es wurde ein langer Abend.Läs mer
Paradiesische Inseln
1–3 dec. 2025, Panama ⋅ 🌧 27 °C
An den letzten beiden Tagen besuchten wir noch weitere Inseln. Die erste davon war recht groß, hier gab es eine kleine Hotelanlage mit Hütten, Bar, Süßwasserduschen und ein Beachvolleyballfeld. Im knietiefen Wasser gab es Hängematten und kleine überdachte Tische mit Bänken. Dort saßen wir, die Beine im Wasser baumelnd, frische Kokosnüsse schlürfend. Die mitgebrachten alkoholischen Vorräte neigten sich schon dem Ende entgegen und so gab es Dosenbier von der Bar. Nach ein paar Runden Beachvolleyball entdeckten wir ein Salzwasserkrokodil genau zwischen uns und unserem Katamaran entlang der Küste durch das Wasser schwimmen – siehe Video. Nur kurz zuvor waren hier ein paar Leute aus meiner Gruppe zurück zum Boot geschwommen... uff, ein kleiner Schock, doch zum Glück ist nichts passiert. Danach nahmen wir alle nur noch das kleine Schlauchboot.
Abends gab es frische Hummer, welche Damian am Strand für uns grillte. Ich habe selten in meinem Leben Hummer gegessen, aber es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis. Später legte ein DJ in einer Bar auf der anderen Seite der Insel auf. Nur einen kurzen Fußmarsch durch das Zentrum entfernt wurde es mal wieder lang und ausgelassen. Am nächsten Tag taten allen die Füße weh, vielleicht vom rauen Sand, der ab und zu noch größere scharfkantige Korallenstücke enthielt, dem Beachvolleyball spielen darin oder vom baarfuß Tanzen auf unebenen Holzbrettern, egal.
Am letzten ganzen Tag besuchten wir noch mal zwei neue Inseln. Hier war das Schnorcheln sehr gut, wie eigentlich schon die ganze Zeit, doch ich fand, es gab noch mal mehr Riff-Strukturen und Korallen zu sehen und verbrachte daher einige Stunden im Wasser, auch wenn die Strömung hier etwas stärker war. Außerdem nutzte ich eines der Stand-Up-Paddle-Boards des Bootes – im Sitzen als Kanu – und erkundete damit die Ufer der nahegelegenen Insel, welche zur Abwechslung richtige Bäume und abwechslungsreiche Vegetation zu bieten hatte.
In der letzten Nacht fuhren wir zum Hafen Puerto Lindo, wo wir um etwa zwei Uhr morgens ankamen. Die Gäste durften sich ausschlafen und nach dem Frühstück gingen wir von Bord.
Die fünf Nächte auf See vergingen wirklich schnell. Trotz Starlink-Internet verbrachte ich kaum Zeit online und auch so ganz wenig am Handy, eigentlich nur um Fotos zu machen. Den ganzen Tag leicht angetrunken genoss ich den Seegang, die pralle Sonne und auch den ein oder anderen kleinen Schauer. Die Zeit mit den anderen Gäste war einfach nur toll. Vor allem die Kombination aus den beiden Schweizern Michel und Matthias war einfach nur zum Wegschmeißen. Ständig alberte einer herum und machte sich zur Belustigung aller zum Narren. Es fand sich immer jemand für spannende Gespräche oder um ein Kartenspiel zu starten. Die Crew war sehr nett und vorallem Damian versüßte uns mit seinen Kochkünsten im wahrsten Sinne des Worte die Reise.
Ein richtig tolles Abenteuer, das einfach zu schnell vorbei war, ich hätte echt hier auf dem Schiff einziehen können.Läs mer

Resenär
Was für tolle Erlebnisse in diesen 5 Tagen 🤩🎉😃 vielen Dank für die tollen Berichte und die super schönen Fotos und Videos 🙏😘🤗





































































































































































































































































































































































































































































































































































































ResenärWie immer super geschrieben. Ich mag es sehr, dass du dich kritisch mit der Geschichte auseinander setzt. Der Austausch mit einheimischen ist sehr wertvoll und dank der Technik auch einfach möglich.