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Sommerreise 2026 Rumänien

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    🇷🇴 Jina, Rumänien

    Pfingstverkehr in den Karpaten

    31. maj, Rumænien ⋅ ☀️ 22 °C

    Nachdem wir feststellen mussten, dass unser bevorzugter Pass nicht passierbar ist und wir bereits einige Kilometer unterhalb der Sperre übernachtet haben, fassen wir einen neuen Plan. Wir wollen die Karpaten über die Transalpina überqueren. Zwar ist die Straße für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt, doch abgesehen vom zulässigen Gesamtgewicht entspricht unser Wohnmobil eher den Abmessungen eines deutlich kleineren Fahrzeugs. Die Alternative wäre ein zusätzlicher Umweg von weit über 200 Kilometern entlang der westlichen Umgehung der Karpaten – keine besonders verlockende Aussicht.

    Nach dem Frühstück brechen wir auf und werden von der Transfăgărășan mit einigen letzten Bärensichtungen verabschiedet. Unter anderem beobachten wir eine Bärenmutter mit ihren zwei noch sehr kleinen Jungen, die sich aufmerksam am Straßenrand bewegen. Wenig später entdecken wir einen stattlichen Bären, der sich gemütlich über die Leitplanke lehnt und scheinbar völlig entspannt das rege Treiben auf der Straße beobachtet. Fast wirkt es, als würde er den Feiertagsverkehr analysieren oder die vorbeiziehenden Touristen begutachten. Nach den zahlreichen Begegnungen der vergangenen Tage sind wir mit unserer persönlichen Bärenausbeute mehr als zufrieden.

    Heute ist orthodoxes Pfingsten, und das macht sich auf den Straßen deutlich bemerkbar. Schon am Vormittag kommen uns Hunderte Fahrzeuge entgegen. An den bekannten Aussichtspunkten und Bären-Hotspots drängen sich Tausende von Menschen. Immer wieder sehen wir lange Fahrzeugschlangen und dicht belegte Parkplätze. In diesem Moment sind wir besonders froh, die Transfăgărășan bereits am Vortag befahren zu haben. Einen Tag später wäre das Vergnügen vermutlich deutlich kleiner ausgefallen.

    Der dichte Verkehr begleitet uns fast den gesamten Tag. Dabei durchqueren wir auch erstmals auf dieser Reise ein ausgedehntes Industriegebiet. Es bietet eine interessante Erkenntnis: Industriegebiete sehen offenbar überall auf der Welt gleich aus. Große Hallen, Lagerflächen, Schornsteine und Zweckbauten schaffen eine Kulisse, die zwar wirtschaftlich sinnvoll sein mag, landschaftlich jedoch kaum Begeisterungsstürme auslöst.

    Am Nachmittag beschließen wir, die heutige Etappe zu beenden. In einem kleinen Ort entdecken wir eine große Festwiese, die sich hervorragend als Übernachtungsplatz eignet. Zu unserer Überraschung sind wir dort völlig allein. Kein weiteres Wohnmobil, keine Camper und keine neugierigen Spaziergänger. Nach den Menschenmassen des Tages genießen wir die Ruhe umso mehr. So lassen wir den Abend entspannt ausklingen und sammeln Kraft für die bevorstehende Überquerung der Karpaten auf der Transalpina.
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  • Heiliges Wasser & Bären

    30. maj, Rumænien ⋅ ☁️ 11 °C

    Beim Frühstück studieren wir zunächst die Bärenwarnungen vom Vortag. Dabei stellen wir fest, dass der Alarm in unmittelbarer Nähe unseres Übernachtungsplatzes ausgelöst wurde. Als wir den Parkplatz verlassen, entdecken wir eine große Mülltonne, die umgeworfen wurde. Ihr Inhalt liegt weiträumig verstreut herum und wurde ganz offensichtlich nach Essbarem durchsucht. Wir leben gefährlich!

    Heute sind wir ungewöhnlich früh unterwegs. Der Hauptgrund dafür ist weniger Abenteuerlust als vielmehr Sparsamkeit – wir möchten keine Parkgebühren für eine zweite Gebührenperiode bezahlen.

    Eine Bäckerei am Straßenrand kommt uns daher gerade recht. An einem landschaftlich eher unspektakulären Platz direkt an der Landstraße genießen wir unser Frühstück. Unser zunehmend leerer Wassertank wird anschließend an einer „heiligen“ Quelle aufgefüllt, die von vielen Einheimischen genutzt wird. Seit ich das Wasser trinke, verspüre ich eine zunehmende Transzendenz. Ob es an den Mineralien liegt oder an der besonderen Atmosphäre des Ortes, lässt sich schwer sagen.

    Die Fahrt geht weiter, und die rumänischen Straßen halten eine besondere Form der Unterhaltung für uns bereit: nahezu unsichtbare Bodenwellen, die quer zur Fahrbahn verlaufen. Jedes Mal fühlt es sich an, als würde das Wohnmobil kurz überlegen, ob es nicht lieber auf die Seite kippen möchte. Entsprechend vorsichtig tasten wir uns voran.

    Da wir vor der Transfăgărășan keinen wirklich schönen Stellplatz finden und es noch vergleichsweise früh am Tag ist, beschließen wir spontan, die berühmte Gebirgsstraße bereits heute in Angriff zu nehmen.

    Kaum haben wir die Strecke erreicht, erwartet uns schon das erste Highlight. Direkt vor unserem Fahrzeug überquert eine Bärenmutter mit ihrem noch sehr jungen Nachwuchs die Straße. Mehrere Touristen haben angehalten und beobachten das Schauspiel aus sicherer Entfernung. Wenige Minuten später meldet sich erneut das Handy mit einer Bärenwarnung. Kurz darauf kommt uns ein Rangerfahrzeug mit Blaulicht entgegen. Vermutlich wird man versuchen, die beiden Tiere wieder tiefer in das Schutzgebiet zurückzudrängen. Für uns ist es eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass wir hier nicht nur Gäste in den Bergen, sondern auch im Revier der Bären sind.

    Schon nach kurzer Zeit wartet die nächste Bärenbegegnung auf uns. Papa Bär hat es sich am Straßenrand gemütlich gemacht, genießt die Sonne und erhält einige Minuten lang unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Offenbar gehört er zu den Einheimischen, die sich von vorbeifahrenden Touristen nicht weiter beeindrucken lassen.

    Fast dramatisch wird es wenig später. Ein junger Bär steht am Straßenrand und wird von zwei wildernden Hunden lautstark verbellt. Keiner der Beteiligten scheint jedoch wirklich an einer Eskalation interessiert zu sein. So entsteht eine merkwürdige Pattsituation: Die Hunde bellen, der Bär beobachtet die Hunde, und alle warten darauf, dass der jeweils andere den ersten Schritt macht. Nach einigen Minuten löst sich die Spannung von selbst auf. Beide Parteien ziehen sich vorsichtig und in entgegengesetzte Richtungen zurück.

    Die Straße führt uns immer tiefer in die Schluchten des Gebirges. Der Asphalt ist teilweise überraschend gut, steigt aber stetig und ohne Gnade an. Als wir schließlich vor einer Straßensperre stehen, die die Weiterfahrt nur auf eigene Gefahr erlaubt, ernte ich deutliche Proteste meiner Copilotin. Diese werden jedoch mit der Gelassenheit eines erfahrenen Wohnmobilfahrers zur Kenntnis genommen und anschließend ignoriert. Also fahren wir weiter bergauf.

    Schon bald wird klar, worauf sich die Warnung bezieht. Der Winter hat seine Spuren hinterlassen. Kleine und größere Geröllbrocken liegen auf der Fahrbahn und reichen teilweise bis zur Straßenmitte. Ständig muss man aufmerksam bleiben und Hindernissen ausweichen. Oberhalb der Baumgrenze entdecken wir eine weitere Quelle mit beeindruckend starkem Wasserstrahl. Die Gelegenheit ist zu gut, um sie ungenutzt zu lassen, und so ergänze ich erneut unseren Wasservorrat. Die zunehmende Transzendenz wird dadurch selbstverständlich weiter gefördert.

    Wenige Kilometer vor der Passhöhe endet unsere Fahrt jedoch abrupt. Eine mächtige Schneewehe liegt quer über die gesamte Fahrbahn und macht jede Weiterfahrt unmöglich. Damit ist klar: Heute wird niemand mehr den Tunnel oder die Passhöhe erreichen. Also drehen wir um – zwar etwas enttäuscht, aber dennoch guter Dinge. Schließlich gehört auch das zum Reisen dazu. Die Erkenntnis, dass uns nun ein Umweg von mehr als 200 Kilometern bevorsteht, versuchen wir dabei großzügig zu verdrängen.

    Ein Stück weiter unten entdecken wir einen einsamen Verkaufsstand am Straßenrand. Dort decken wir uns mit regionalen Spezialitäten für das Abendessen ein: Pflaumenschnaps, Hirschsalami und Käse. Wenn man schon umkehren muss, dann wenigstens mit angemessener Verpflegung.

    Anschließend geht es einige hundert Höhenmeter talwärts. Schließlich finden wir einen ruhigen Platz im Wald direkt an der Straße. Diese wird ab 21 Uhr für den Verkehr gesperrt, sodass wir auf eine besonders ruhige Nacht hoffen dürfen. Umgeben von Bergen, Wäldern und einer beeindruckenden Stille lassen wir den Tag ausklingen. Die Passhöhe haben wir zwar nicht erreicht, dafür aber einen weiteren jener Reisetage erlebt, die man nicht planen kann und die gerade deshalb lange in Erinnerung bleiben.
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  • Achterbahnfahrt & königliches Ziel

    29. maj, Rumænien ⋅ ⛅ 16 °C

    Nach einer ruhigen Nacht starten wir in unser nächstes Abenteuer. Gleich zu Beginn verpassen wir auf einer ohnehin schmalen Straße die richtige Abzweigung, und Google Maps korrigiert so schnell, dass wir die Routenänderung zunächst gar nicht bemerken.

    Es folgt eine regelrechte Achterbahnfahrt durch die Landschaft. Hochprozentige Anstiege wechseln sich mit ebenso kräftigen Gefällen ab, die Straße ist teils nur einspurig und wirkt seit der Zeit Ceaușescus kaum noch gepflegt. Trotz der Abgeschiedenheit herrscht erstaunlich viel Verkehr: Kinder auf dem Schulweg, Busse im Einsatz und sogar Sattelzüge auf diesen schmalen Strecken – eine Mischung, die höchste Aufmerksamkeit verlangt. Erst nach einer Weile erreichen wir wieder eine „richtige“ Straße und fahren entspannter weiter in Richtung unseres Tagesziels, das wir müde, aber unbeschadet erreichen.

    Höhepunkt des Tages ist der Besuch von Peleș Castle, errichtet ab 1873 von Carol I. von Rumänien. Das Schloss gilt als eines der modernsten seiner Zeit und war mit Wasserkraftwerk, elektrischer Beleuchtung, Zentralheizung, Warmwasser, Aufzug und sogar einem beweglichen Glasdach technisch weit voraus. Carol I. nutzte es als Sommerresidenz und als Symbol für Fortschritt und Modernisierung Rumäniens. Die Lage in den Karpaten und die Architektur machen den Besuch zu einem klaren Reisehighlight. Neben der Bärenhöhle bei Peștera Urșilor und dem Donaudelta zählt es eindeutig zu den Top-Empfehlungen der Reise.

    Auch einige Randepisoden prägen den Tag: Beim Parken werden wir von einem findigen „Parkwächter“ mit überhöhten Gebühren und ungewöhnlichem Parkplatz überrascht, und die vorab online gekauften Eintrittskarten erweisen sich zwar als teuer, aber immerhin zuverlässig geliefert. Kulinarisch bleibt die erwartete Bärenfleisch-Spezialität aus, stattdessen überzeugt eine solide Wildgrillplatte. Versöhnlich endet der Tag schließlich in der Schlosspatisserie, wo wir uns für den Nachmittagskaffee eindecken – und mit deutlich entspannter Stimmung als noch ein paar Stunden zuvor.
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  • Strand, Kontemplation & Reise

    28. maj, Rumænien ⋅ ☁️ 17 °C

    Den Mittwoch verbringen wir noch einmal ganz entspannt auf dem Campingplatz. Juliane zieht es erneut mit unseren Nachbarn ins Schwarze Meer, während ich den Tag deutlich ruhiger angehe. Zwischen ein paar YouTube-Videos, einer Tasse Kaffee und dem Blick aufs Wasser lasse ich die Eindrücke der vergangenen Wochen Revue passieren. Wenn man lange unterwegs ist, sammelt sich erstaunlich viel Stoff zum Nachdenken an. Am frühen Abend sitzen wir noch mit Bettina und Gerold zusammen. Wir plaudern über Reisen, Wohnmobile und alles Mögliche dazwischen, bevor der Tag in angenehmer Atmosphäre ausklingt.

    Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen. Wir starten recht früh in Richtung Norden. Ursprünglich hatten wir überlegt, auch Constanța zu besuchen, entscheiden uns aber dagegen. Stattdessen möchten wir lieber mehr Zeit in den Gebirgsregionen verbringen, die noch vor uns liegen.

    So verbringen wir den gesamten Tag auf der Straße. Das Fahren in Rumänien verlangt deutlich mehr Aufmerksamkeit, als wir es von zu Hause gewohnt sind. Die teilweise schlechten Straßenverhältnisse setzen der Geschwindigkeit natürliche Grenzen. Gleichzeitig scheint es für manche Einheimische nur zwei Fahrzustände zu geben: Vollgas oder Überholen. Wer vorsichtig fährt, wird regelmäßig überholt – oft auf schmalen Straßen und bei dichtem Gegenverkehr. Das sorgt gelegentlich für Momente, in denen man lieber nicht zu genau in den Rückspiegel schaut.

    Am Abend erreichen wir die Gegend von Ploiești. Die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz gestaltet sich unerwartet schwierig. Mehrere Möglichkeiten erweisen sich als ungeeignet oder bereits belegt. Nach einiger Fahrerei und mehreren Wendemanövern finden wir schließlich einen ruhigen Parkplatz an einer Grillhütte. Nicht gerade ein Ort, der in Reiseführern hervorgehoben wird, aber für die Nacht erfüllt er seinen Zweck. Nach dem anstrengenden Fahrtag sind wir ohnehin froh, die Zündung ausschalten und die Beine hochlegen zu können. Manchmal sind die unscheinbaren Übernachtungsplätze genau die, die man am meisten zu schätzen weiß.
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  • Abendlicher Überfall auf Camper

    26. maj, Rumænien ⋅ ☀️ 25 °C

    Am Dienstag lassen wir es ruhig angehen. Frühstück direkt vor dem Wohnmobil, Blick aufs Schwarze Meer – besser kann ein Tag eigentlich kaum starten. Danach passiert erstmal genau das, was man sich hier wünscht: nichts Eiliges.

    Juliane geht mit unseren Nachbarn zum Schwimmen ins Meer. Mir ist das Salzwasser eher wenig sympathisch, daher bleibe ich oben auf der Klippe und übernehme die Rolle des „strategischen Beobachtungspostens“ mit guter Aussicht. Der Nachmittag vergeht in entspannter Runde mit den Nachbarn. Viel reden, viel schauen, wenig planen – genau richtig für so einen Platz. Auch das Abendessen findet wieder draußen vor dem Wohnmobil statt, mit Meerblick und einer angenehmen Mischung aus Wind, Sonne und Urlaubstempo.

    Am späteren Abend steht noch eine Webkonferenz mit Funkamateuren aus der Heimat an. Eigentlich eine ruhige, angenehme Sache – bis sich die lokale Fraktion kleiner Vampire einschaltet. In der Dämmerung tauchen die Plagegeister in einer Anzahl auf, die man nur noch als „vollständige Anwesenheitspflicht“ bezeichnen kann. Trotz Anti-Brumm und optimistischem Auftreten bleiben die ersten Stiche nicht aus. Mit zunehmender Dauer wird klar: Die Mücken haben heute deutlich mehr Ausdauer als ich Konzentration. Aus der geplanten lockeren Teilnahme wird ein permanentes Abwehrmanöver. Nach einer Weile gebe ich auf, verabschiede mich aus der Runde und ziehe mich ins Wohnmobil zurück – nicht ganz freiwillig, aber eindeutig überlegen ist hier gerade jemand anderes.
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  • Hoch über dem Schwarzen Meer

    25.–28. maj, Rumænien ⋅ ☁️ 24 °C

    Ab Mitternacht wird es auf unserem Parkplatz endlich ruhig. Die Jugendlichen haben ihre private Disco beendet und sich verzogen. Entsprechend erholt wachen wir am Morgen auf.

    Das Ehepaar, das wir im Donaudelta kennengelernt haben, hat uns einen Campingplatz einige Kilometer entfernt empfohlen. Die Anfahrt dorthin hat allerdings ihren eigenen Charakter: Kilometerlang geht es über eine Holperpiste durchs Nirgendwo. Eine Strecke, die man möglichst nicht häufiger fahren möchte. Deshalb kaufen wir vorher noch ausreichend Proviant ein und machen uns dann auf den Weg. Die Mühe lohnt sich jedoch.

    Der Campingplatz liegt direkt an einer Abbruchkante, etwa dreißig Meter über dem Meer. Von dort reicht der Blick kilometerweit über das Schwarze Meer, und am Horizont zeichnet sich sogar die Skyline von Constanța ab. Nach den letzten Fahrtagen fühlt sich dieser Ort fast ein wenig wie Ankommen an.

    Wir stellen Tisch und Stühle vor das Wohnmobil, rollen die Markise aus und lassen es uns am Nachmittag gutgehen. All dies ist ist Campingverhalten, das auf einem Stellplatz verboten ist. Weil es uns so gut gefällt, beschließen wir spontan, bis Donnerstag zu bleiben.

    Die Nacht lädt eigentlich zur Sternbeobachtung ein. Viel weiter als bis zu einem Foto des zunehmenden Mondes komme ich allerdings nicht. Ich habe zeitweise das Gefühl, die Mücken würden mich lebendig auffressen. Schließlich breche ich das Ganze schweren Herzens ab und flüchte zurück ins sichere Wohnmobil.
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  • Erholungstage & unterwegs im Donaudelt

    21.–24. maj, Rumænien ⋅ 🌧 21 °C

    Donnerstag und Freitag nutzen wir erstmal zur Erholung vom vielen Fahren. Es tut gut, nicht ständig hinter dem Lenkrad zu sitzen und einfach einmal die Seele baumeln zu lassen. Eigentlich wollen wir bereits am Freitag mit dem Boot ins Donaudelta fahren. Am Morgen ist das Wetter jedoch so trüb und grau, dass wir unseren Gastgeber bitten, die Tour um einen Tag zu verschieben. Im Laufe des Freitags treffen noch drei weitere deutsche Wohnmobile auf dem Campingplatz ein. So sind wir schließlich am Samstag zu acht Personen auf dem Boot – sicher auch zur Freude des Veranstalters. Außerdem lernen wir Bettina und Gerold aus Kaiserslautern kennen. Mit den beiden sitzen wir bis spät am Abend zusammen, trinken Aperol und führen angenehm entspannte Gespräche.

    Am Samstagmorgen geht es dann endlich aufs Wasser. Zur für Ruheständler eher untypischen Uhrzeit stehen wir früh auf, damit wir pünktlich um acht Uhr bereit sind. Tatsächlich erscheinen auch die anderen Camper rechtzeitig.Mit d em Boot unseres Gastgebers fahren wir vom Hafen aus über einen der drei Donauarme hinein in das Donaudelta. Schnell befinden wir uns in einem Labyrinth aus natürlichen und künstlich angelegten Kanälen sowie mehreren großen Seen.

    Unterwegs passieren wir die ehemalige Sommerresidenz von Nicolae Ceaușescu. Die Anlage auf einer Insel wird offenbar bis heute für hochrangige Politiker und Konferenzen genutzt. Betreten darf sie die normale Bevölkerung nicht, bewacht wird sie ebenfalls weiterhin. Etwas später gleitet links ein Dorf mit auffallend prächtigen Häusern vorbei, das nach einer schweren Jahrhundertflut vollständig neu aufgebaut wurde. Die Fahrt führt durch Kanäle, die teilweise so schmal sind, dass unser Boot gerade noch hindurchpasst. Die Seen wiederum sind stellenweise über hunderte Meter mit gelben und weißen Seerosen bedeckt.

    Flora gibt es reichlich zu bestaunen – bei der Tierwelt bleiben unsere touristischen Erwartungen dagegen nur teilweise erfüllt. Während in den Ankündigungen von hunderten Pelikanen die Rede war, bekommen wir nur wenige davon tatsächlich zu Gesicht. Ganz leer gehen wir dennoch nicht aus. Wasserhühner, Enten, Ibisse, Schwäne, Kmorane, Fischreiher und sogar Eisvögel zeigen sich unterwegs immer wieder. Auf den großen Blättern der Seerosen sitzen grüne und braune Frösche, die sich von unserem Boot erstaunlich wenig stören lassen.

    Anfangs dachte ich noch, der 150-PS-Außenborder unseres Gastgebers sei eher seinem persönlichen Testosteronspiegel geschuldet. Auf den großen Seen zeigt sich allerdings schnell der eigentliche Grund für die hohe Motorleistung. Wie ein Geländewagen im Schlamm kämpft sich das Boot durch dichte Unterwasserpflanzen, die nur knapp unter der Oberfläche wachsen. Erstaunlich dabei: Die meisten dieser großen Seen sind kaum tiefer als etwas mehr als ein Meter.

    Nach den versprochenen vier Stunden bringt uns unser Gastgeber wieder zurück zum Campingplatz. Dort lassen wir das Erlebte noch einmal Revue passieren und die Bilder des Tages langsam im Kopf vorbeiziehen.
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  • Mit Seitenwind ins Donaudelta

    20. maj, Rumænien ⋅ ⛅ 25 °C

    Am Morgen rüttelt ein heftiger Wind am Wohnmobil. Und dieser Wind bleibt uns bis weit in den Nachmittag hinein als unangenehmer Begleiter erhalten. Da wir heute unbedingt noch das Donaudelta erreichen wollen, beeilen wir uns mit der Morgenroutine und kommen tatsächlich ungewöhnlich schnell los.

    Den ersten Halt legen wir bei einem großen Supermarkt in Brăila ein. Weil wir nicht wissen, wie die Versorgungslage im abgelegenen Donaudelta aussieht, decken wir uns vorsorglich mit Proviant für etwa eine Woche ein. Der Einkaufswagen ist am Ende bis oben gefüllt.

    Danach geht es auf der Landstraße weiter. Die Fahrt ist allerdings alles andere als entspannt. Der starke Wind trifft ständig die Breitseite des Wohnmobils. Das Lenkrad will festgehalten werden, permanentes Gegenlenken ist nötig. Wirklich angenehm fährt sich das nicht.

    Die Landschaft, durch die wir kommen, wirkt dabei fast surreal. Weite grüne Hügelketten ohne sichtbare Zeichen menschlicher Besiedlung – soweit das Auge reicht. Ich ärgere mich mehrfach darüber, weder die passende Kameraausrüstung noch das fotografische Können zu besitzen, um diese Stimmung vernünftig festhalten zu können.

    Als wir Tulcea erreichen, hat der Wind glücklicherweise deutlich nachgelassen. Das macht Hoffnung, die letzten Kilometer entspannter zurücklegen zu können.

    Am Ortseingang tanken wir noch einmal Diesel. Dabei entwickelt sich allerdings unerwartet Chaos an der Kasse. Die Zahlung per Handy wird mehrfach ohne Buchung abgebrochen, das mobile Kartenlesegerät ist nicht geladen und damit unbrauchbar. Das gesamte Tankstellenpersonal gerät sichtbar in Aufregung. Ich verstehe natürlich kein Wort und hoffe nur, dass am Ende nicht mehrfach Geld von unserem Konto verschwindet.

    Nach einiger Zeit beruhigt sich die Lage wieder, und tatsächlich gelingt es schließlich, den korrekten Betrag einmalig abzubuchen.

    Die letzte Etappe des Tages ist dann schnell geschafft. Im Donaudelta angekommen beziehen wir einen sichtbar neuen und sehr gepflegten Campingplatz – und sind dort zunächst die einzigen Gäste.

    Hier wollen wir nun einige Tage bleiben, bevor es weitergeht.
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  • Von den Schlammvulkanen zum Donaudelta

    19. maj, Rumænien ⋅ ☁️ 24 °C

    Eine dunkle und ruhige Nacht stärkt Körper und Geist. Entsprechend frisch und munter starten wir in den Morgen. Nach dem Frühstück sehen wir uns direkt die Schlammvulkane von Berca an.

    Ganz ehrlich: Der Eindruck bleibt etwas hinter den Erwartungen zurück. Einige kleinere Schlammlöcher blubbern ruhig vor sich hin, eingebettet in eine Landschaft mit dem eher rustikalen Charme einer Kiesgrube. Kein Vergleich zu den geothermalen Gebieten, die wir vor vielen Jahren in Island erlebt haben.

    Beim Verlassen des Geländes erleben wir dann allerdings eine Überraschung: Zahlreiche Wohnmobile mit deutschen Kennzeichen rollen auf den Parkplatz. Offenbar keine organisierte Reisegruppe, sondern viele Individualtouristen, die sich hier zufällig sammeln. Für uns ist das Thema damit abgehakt. Nach den vielen Bergen und kurvigen Straßen der letzten Tage wächst langsam die Sehnsucht nach flacherem Gelände. Also machen wir uns auf den Weg Richtung Donaudelta.

    Südlich von Bacău umfahren wir die Innenstadt. Dort erwartet uns ein fast mediterraner Eindruck. Statt großer Wohnblocks oder Plattenbauten stehen entlang der Straße viele kleine eingeschossige Häuser, bunt gestrichen und oft liebevoll gepflegt. Vor fast jedem Haus liegen kleine Gärten mit Blumen und jungen Bäumen in frischem Frühlingsgrün. Zwischen Grundstück und Straße finden sich häufig ordentlich gemähte Rasenflächen.

    Dazu sonniges Wetter und angenehme Temperaturen – stellenweise fühlt es sich eher nach einem kleinen Dorf in Südfrankreich an als nach Osteuropa. Wir fahren noch bis in den frühen Nachmittag hinein weiter. Vom Vorgebirge der Karpaten haben wir einen weiten Blick über die Ebene Richtung Schwarzes Meer. Das Land wirkt endlos weit, grün und offen.

    Schließlich führt uns eine gut ausgebaute Straße hinunter zum Lacul Balta Albă. Dort finden wir einen ruhigen Platz am See und lassen den Rest des Tages entspannt in der Sonne ausklingen.

    Uns fällt plötzlich ein deutliches Surren über unseren Köpfen auf. Zunächst können wir die Ursache kaum erkennen, denn mit bloßem Auge lässt sich der Schwarm nur schwer fokussieren. Erst nach genauerem Hinsehen wird klar: Millionen von Eintagsfliegen tanzen über uns in der Luft. Der gemeinsame Flügelschlag erzeugt tatsächlich ein überraschend lautes Geräusch für diese kleinen Insekten. Gefährlich oder lästig sind die harmlosen Tiere allerdings nicht. Also bleiben wir gelassen sitzen und chillen einfach weiter in der Nachmittagssonne.
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  • Abenteuerliche Straßen Richtung Buzău

    18. maj, Rumænien ⋅ ⛅ 22 °C

    Die hellen Flutlichtstrahler machen die vergangene Nacht fast zum Tage. Zum Glück haben wir sämtliche Rollos im Wohnmobil geschlossen und kommen trotzdem zu einem recht erholsamen Schlaf.

    Am Morgen starten wir zur Karpatendurchquerung mit dem Ziel der Schlammvulkane bei Buzău. Der erste Teil der Strecke verläuft zunächst unspektakulär. Ein Stück fahren wir dieselbe Route zurück, die wir bereits auf dem Weg zum Schloss Bran genommen haben.

    In Brașov wollen wir uns eigentlich noch die Stadt ansehen. Unser erstes Ziel soll die berühmte „schmale Gasse“ sein – ein Durchgang, der nur etwas mehr als einen Meter breit sein soll. Schon die Anfahrt entwickelt sich allerdings zum kleinen Abenteuer. Die Straßen werden immer enger, beidseitig wird geparkt und an einen geeigneten Parkplatz für unser Wohnmobil ist nicht zu denken. In solchen Momenten bin ich froh, dass die Fahrräder nicht hinten am Fahrzeug hängen. So kommen wir wenigstens ohne Schaden, wenn auch leicht genervt, wieder aus der Situation heraus.

    Wir beschließen daher, die Stadtbesichtigung abzubrechen und direkt Richtung Karpaten weiterzufahren.

    Der Zustand der Straßen wechselt ständig. Teilweise wird das Fahrzeug kräftig durchgeschüttelt. Dazu kommt ein Fahrstil der Einheimischen, der uns einiges an Konzentration abverlangt. Überholt wird gerne im Überholverbot, vor Kuppen oder mitten in Ortschaften. Große Lkw ziehen mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei. Mein Blick geht deshalb nicht nur nach vorne, sondern ständig auch in die Spiegel. Die Fahrt strengt entsprechend an.

    Umso erfreuter sind wir, als das Navi einige Kilometer vor dem Ziel eine vermeintliche Abkürzung über eine Bergstraße entlang der Höhenlinien anbietet. Anfangs wirkt die Strecke noch harmlos, doch die Straße wird zunehmend schmaler, bis nur noch ein einspuriger Weg übrig bleibt. Dazu kommen starke Steigungen und Gefälle.

    Als der Asphalt schließlich in Kies und Geröll übergeht, ziehen wir sprichwörtlich die Notbremse und drehen um.

    Also zurück zur Hauptstraße und wieder auf die offiziell vorgesehene Route. Über teils holprige, aber immerhin ausreichend breite Straßen erreichen wir schließlich den Parkplatz vor den Schlammvulkanen, auf dem wir die Nacht verbringen wollen.
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  • Klöppelnde Nonnen & Draculas Schloss

    17. maj, Rumænien ⋅ ☁️ 14 °C

    Wir werden bereits beim Frühstück von den Lockrufen zur heiligen Messe begleitet. Neben dem händischen Läuten der Glocken klöppeln die Nonnen mit Holzstücken auf Metallplatten ein rhythmisches Signal. Das ergibt ein erstaunlich lautes und eindringliches Geräusch. Der Brauch stammt noch aus den Anfängen der christlichen Kirche, als es vielerorts noch keine Glocken gab. Später wurde das Klöppeln auch dort genutzt, wo Glockengeläut zeitweise verboten war.

    Die liturgischen Gesänge des Sonntagsgottesdienstes werden über Lautsprecher weit über das Klostergelände getragen. Musikalisch entspricht das zwar nicht ganz unserem Geschmack, die Kirche ist jedoch gut besucht und offensichtlich ein wichtiger Treffpunkt für die Menschen aus der Umgebung.

    Nach einem ausgiebigen Frühstück lassen wir Brașov links liegen und fahren direkt weiter zum Schloss Bran. Hier soll einst Vlad III. – besser bekannt als Dracula – gelebt haben.

    Rund um das Schloss hat sich ein kleines Dorf aus Souvenirständen, Fast-Food-Buden und touristischem Nippes entwickelt. Wir gehen zügig zum Eingang und buchen neben der Schlossbesichtigung auch gleich die Folterkammer mit dazu.

    Das Schloss erinnert stellenweise ein wenig an Schloss Neuschwanstein oder die Burg Eltz – allerdings deutlich kleiner. Natürlich führen auch hier wieder zahlreiche Treppen durch das Gebäude. An manchen Stellen werden die Treppenschächte so eng, dass man sich regelrecht hindurchquetschen und dabei den Kopf einziehen muss.

    Im Inneren ist vieles gut restauriert und mit zeitgenössischer Einrichtung ausgestattet. Die Folterkammer wirkt durchaus eindrucksvoll – und gleichzeitig unerquicklich. Erstaunlich, auf welche Ideen Menschen kommen, um anderen Menschen Schmerzen zuzufügen.

    Nach dieser eher unangenehmen Geschichtsstunde gönnen wir uns im Schlossrestaurant ein überraschend gutes Gulasch zusammen mit Korianderbier, das wir durchaus weiterempfehlen können.

    Für die Nacht bleiben wir ganz in der Nähe und stellen uns auf den örtlichen Parkplatz.
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  • Deutsch-Weißkirch & ein Kloster bei Bras

    16. maj, Rumænien ⋅ ☁️ 21 °C

    Bei der Abreise vom Campingplatz kommen wir noch mit dem Seniorchef ins Gespräch. Er ist in Schäßburg geboren und spricht fließend Deutsch. Eigentlich schade, dass wir weiter müssen – vermutlich hätte er noch viele interessante Geschichten über die Stadt und die Region erzählen können.

    Die kurze Strecke bis Deutsch-Weißkirch, dem heutigen Viscri, führt durch fast surreal wirkende grüne Landschaften. Weite Wiesen, Hügel und einzelne Höfe prägen das Bild. Industrie sieht man nur vereinzelt, meist in Form größerer Zementwerke.

    In Deutsch-Weißkirch wirkt es stellenweise tatsächlich so, als sei die Zeit seit hundert Jahren stehen geblieben. Das Dorf sieht aus, als hätten die letzten Deutschen ihre Häuser erst vor kurzem verlassen. In einem der Höfe finden wir – dank eines Hinweises im Reiseführer – eine kleine versteckte Bäckerei. Ohne den Eintrag hätten wir sie vermutlich nie entdeckt. Dort kaufen wir Brot. Geschnitten oder geteilt wird hier nichts. Also tragen wir einen kompletten Laib mit etwa 2,5 Kilogramm zum Wohnmobil. Das sollte für einige Zeit reichen.

    Danach fahren wir weiter Richtung Brașov, wo es eine bekannte Wehrkirche gibt. Bei näherer Betrachtung wirkt sie allerdings weniger beeindruckend als erwartet – möglicherweise setzt inzwischen auch einfach eine gewisse Kirchensättigung ein. Nach den vielen besichtigten Klöstern und Kirchen der letzten Tage fehlt etwas die Begeisterung für weitere sakrale Architektur.

    Also fahren wir weiter und landen – wie könnte es anders sein – schließlich auf dem Parkplatz des Mănăstirea Sfântul Mare Mucenic Dimitrie unweit von Brașov auf einer Anhöhe. Eine der Nonnen erlaubt uns freundlich, dort die Nacht zu verbringen. Nach der Besichtigung der reich ausgestatteten Klosterkirche machen wir es uns im Wohnmobil gemütlich und verfolgen aus der Ferne den abendlichen Gottesdienst, dessen Gesänge und Gebete über Lautsprecher bis nach draußen getragen werden.
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  • Auf den Spuren der Vergangenheit

    15. maj, Rumænien ⋅ ⛅ 21 °C

    Eigentlich ist unser Platz am Fluss viel zu schön, um weiterzufahren. Trotzdem haben wir noch Strecke vor uns und machen uns bald auf den Weg nach Schäßburg, dem heutigen Sighisoara.

    Der Ort gilt als Geburtsstadt von Vlad dem Pfähler https://youtu.be/JJ37aWJIdkg?si=Nda3XXJFxbGgPqkW , der die Vorlage für die Dracula Mythen ist. Nach gut zwei Stunden Fahrt erreichen wir die Stadt und finden auf dem Campingplatz Aquaris mitten in der Stadt ein ordentliches Nachtquartier.

    Den jungen Tag nutzen wir direkt für einen Rundgang durch die Altstadt. Sighișoara wurde im 12. Jahrhundert von deutschen Siedlern gegründet und geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung jedoch nach und nach aus der Region vertrieben.

    Über eine kleine Fußgängerbrücke über die Große Kokel gelangen wir zunächst zum Stundturm. Und natürlich führen auch hier wieder unzählige Treppenstufen nach oben – inklusive Eintrittsgeld. Der Blick über die mittelalterliche Stadt entschädigt allerdings für die Mühe.

    Das Geburtshaus von Vlad III. selbst wirkt eher unspektakulär. Ein Blick von außen reicht uns völlig.

    Wir schlendern weiter durch die Gassen, gönnen uns ein kleines, aber sehr gutes Eis auf die Hand und machen uns anschließend auf den Weg hinauf zum Gymnasium. Wie sollte es anders sein: weitere 182 Stufen bergauf. So hält man nicht nur Touristen, sondern auch die Schüler fit, die den Weg zeitweise mehrfach machen müssen.
    Die Treppe ist vollständig überdacht, damit Schnee und Eis im Winter nicht zum Problem werden – praktische Infrastruktur aus vergangenen Zeiten.

    Oben angekommen laufen wir noch etwas rund um die Kirche neben der Schule und genießen den Blick über die Dächer der Stadt. Danach geht es wieder hinunter.Zum Abschluss des Tages essen wir in der Alten Post noch Schweinerippchen und lassen den Abend anschließend ruhig auf dem Campingplatz ausklingen.
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  • Kloster Voronet & wilde Kühe

    13. maj, Rumænien ⋅ 🌧 8 °C

    Von Humor fahren wir weiter zum Kloster Voroneț, ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Aufbau und Architektur ähneln stark dem zuvor besuchten Kloster. Deutlich anders ist allerdings das Umfeld. Rund um die Anlage zieht sich ein ganzer Straßenzug voller Verkaufsstände, an denen alles angeboten wird, was man Touristen verkaufen kann – von Souvenirs bis zu eher fragwürdigen Devotionalien.

    Auffällig ist bei beiden Klöstern der hervorragende Zustand. Nicht nur die Gebäude und Wandmalereien wirken sorgfältig restauriert, auch die Gartenanlagen sind außergewöhnlich gepflegt.

    Nach inzwischen drei besichtigten Klosteranlagen steht uns eher der Sinn nach Ruhe. Deshalb fahren wir weiter Richtung Bicaz-Schlucht, durch die wir später den Lacul Roșu erreichen wollen.

    Die Landschaft verändert sich unterwegs deutlich. Aus den Nadelwäldern der Berge wird langsam ein hügeliges Kulturland mit vielen Gärten und kleinen Feldern. Immer wieder durchqueren wir langgezogene Ortschaften, die scheinbar ohne Übergang direkt in die bewirtschaftete Landschaft übergehen.

    Später steigt die Straße wieder an und führt erneut durch Waldgebiete. Bären sehen wir dort allerdings keine – stattdessen einige ausgesprochen eigensinnige Kühe, die unvermittelt mitten auf der Landstraße stehen und nur sehr gemächlich Platz machen.

    Die Straße folgt schließlich längere Zeit einem Wasserlauf. Geeignete Rückzugsmöglichkeiten für die Nacht gibt es dort kaum. Am Ende finden wir mit etwas Abstand zur Straße ein brachliegendes Grundstück, auf dem wir unser Nachtquartier beziehen.
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  • Kloster Humor & kalte Luft

    13. maj, Rumænien ⋅ 🌧 8 °C

    Heute Morgen werden wir bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt wach. Die europäische Kaltfront hat uns inzwischen vollständig erreicht. Entsprechend starten wir etwas zügiger als sonst und fahren über viele Kurven hinab nach Marginea.

    Der Ort ist eigentlich für seine Töpfereien bekannt. Wir hatten erwartet, dort eine Art Töpferviertel oder wenigstens einige Werkstätten zu finden, vielleicht sogar mit Vorführungen oder Besichtigungsmöglichkeiten. Trotz Suche finden wir jedoch nichts dergleichen. Wahrscheinlich hätten wir gezielter suchen müssen.

    Von dort geht es weiter zum Kloster Humor. Schon vor der Anlage fällt uns ein auffallend gepflegter Friedhof auf. Jedes Kreuz ist mit einem kleinen bunten Blumenkranz geschmückt.

    Das Kloster selbst wirkt mit seinen Mauern und kleinen Türmen fast wie eine Burganlage. Entlang der Innenmauern liegen die Wohngebäude der Nonnen, in der Mitte des Innenhofs steht die eigentliche Klosterkirche.

    Wie bereits in den zuvor besuchten Klöstern besteht auch diese Kirche aus drei hintereinanderliegenden Räumen. Die Aufteilung steht einerseits für die Heilige Dreifaltigkeit, hatte früher aber auch eine praktische Bedeutung: Der erste Raum war für Ungetaufte gedacht, der zweite für getaufte Gläubige und der letzte Bereich für Geistliche. Entsprechend unterscheiden sich auch die Wandmalereien. Besonders im ersten Raum dominieren Darstellungen von Hölle, Strafe und ewiger Verdammnis – offensichtlich wollte man dort pädagogisch recht eindeutig arbeiten.
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  • Regen, Kloster & ein Platz auf 1100m

    12. maj, Rumænien ⋅ ☁️ 16 °C

    Der Wetterumschwung setzt sich in der Nacht fort. Immer wieder ziehen Regenschauer über uns hinweg, und das Prasseln auf dem Dach hält uns lange wach. Erst irgendwann nach Mitternacht lässt der Regen langsam nach.

    Was bleibt, ist die Sorge, am Morgen überhaupt wieder aus der nassen Wiese herauszukommen.

    Geweckt werden wir von weiterem Regen und dem Geläut der Kirche jenseits des Tales. Noch vor dem Frühstück entschließen wir uns deshalb, unsere selbstgewählte Falle zu verlassen. Glücklicherweise gelingt es problemlos, das Wohnmobil wieder auf festen Untergrund zu bringen.

    Den Kaffee gibt es wenig später unten im Tal, unweit der Landstraße – diesmal auf sicherem Boden.

    Da wir heute nur eine kurze Strecke fahren wollen, lassen wir uns Zeit. Erst am späten Vormittag fahren wir weiter und besuchen das Mănăstirea Moldovița. Das Nonnenkloster aus dem 15. Jahrhundert wirkt mit seinen rechteckigen Mauern fast wie eine kleine Festung.

    Im Inneren befindet sich eine sehenswerte Kirche mit drei hintereinanderliegenden Räumen. Wände und Altäre sind reich mit farbigen Malereien geschmückt. Insgesamt wirkt die Anlage ruhig und gepflegt, ohne überlaufen zu sein.

    Nach der Besichtigung suchen wir uns einen Platz für die Nacht. Fündig werden wir auf dem Pasul Ciumârna - https://maps.app.goo.gl/P5JS8vuAdG5FCmTd8 - auf etwa 1100 Metern Höhe.
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  • Totale Erschöpfung & herrlicher Ausblick

    11. maj, Rumænien ⋅ ⛅ 15 °C

    In der Nacht schaut die Grenzpolizei bei uns vorbei. Der Wagen steht einige Zeit neben unserem Wohnmobil, ohne dass uns jemand anspricht oder stört. Auffällig ist vor allem die Dunkelheit. So wenig künstliches Licht erlebt man selten – sobald man aus dem Fenster schaut, verschwindet die Umgebung praktisch vollständig. Am Morgen werden wir vom Geläut der Klosterkirche geweckt. Die Glocken klingen angenehm dunkel und voll, fast so, als würde dort eine besonders alte oder wertvolle Glocke hängen.

    Wir lassen den Morgen ruhig angehen und fahren irgendwann los. Lange dauert die Ruhe allerdings nicht: Plötzlich beginnt unter dem Fahrzeug ein lautes Quietschen. Der erste Gedanke geht natürlich sofort Richtung Bremse oder Lenkung. Nach einigen vorsichtigen Tests scheint aber beides in Ordnung zu sein. Und genauso plötzlich, wie das Geräusch auftaucht, verschwindet es einige hundert Meter später wieder.

    Bis Borșa ist es nur eine kurze Strecke. Der Ort zieht sich, wie viele Orte hier, kilometerlang entlang der Straße. Noch vor dem eigentlichen Ortsende biegen wir auf einen kleinen Platz unterhalb eines Skigebietes ab und machen erstmal Mittagspause. Danach entschliessen wir uns zu einer kleinen Tour zu einem Wasserfall. Auf dem Weg zum Sessellift kommen wir mit einem Rumänen ins Gespräch, der mit Frau, Hund, Katze und Wohnmobil neben uns steht. Daraus entwickelt sich ein längeres und interessantes Gespräch über Reisen, Fahrzeuge und Rumänien allgemein. Mit dem Lift geht es zügig hinauf auf den Hausberg. Von dort sind es angeblich nur noch etwa ein Kilometer bis zu einem Wasserfall. „Nur ein Kilometer“ bedeutet hier allerdings: mehrfach steil bergab und natürlich ebenso steil wieder hinauf. Relativ schnell stoßen wir an die Grenzen unserer Kondition und sind entsprechend froh, als wir wieder am Lift ankommen.

    Für heute reicht das Programm. Einige Kilometer weiter finden wir auf einer Bergkuppe etwas abseits der Landstraße einen Platz für die Nacht. - https://maps.app.goo.gl/GyVEejCRxWTCgbXc8 - Von dort haben wir zunächst einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Karpaten. Der Ausblick hält allerdings nicht lange. Dicke dunkle Regenwolken ziehen auf und legen innerhalb kurzer Zeit einen grauen Schleier über die gesamte Landschaft.
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  • Wildschweinabwehr und bunte Friedhöfe

    10. maj, Rumænien ⋅ ⛅ 18 °C

    Die letzte Nacht ist eigentlich fast perfekt – wenn nicht die Wildschweinabwehr gewesen wäre. Irgendwann kurz nach Einbruch der Dunkelheit, ziemlich genau zur Zeit des ersten Einschlafens, beginnt draußen ein dauerhaftes Piepen. Über eine halbe Stunde lang. Juliane reicht mir irgendwann Ohrenstöpsel, wodurch das Ganze zumindest erträglich wird. Im Laufe der Nacht wiederholt sich das Schauspiel mehrfach. Irgendwann gewöhnt man sich offenbar daran oder resigniert einfach.

    Am Morgen besorgen wir uns an der Information zwei Eintrittskarten, und eine Rangerin schließt uns die Holzkirche der Heiligen Erzengel Michael und Gabriel auf. Die Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert und wirkt innen deutlich kleiner, als man von außen vermutet. Wände und Decke sind vollständig mit bunten biblischen Szenen bemalt. Auf den Bänken und selbst auf dem Boden liegen gemusterte Stoffe. Der Raum ist traditionell aufgeteilt: vorne der Bereich für die Männer, dahinter der für die Frauen. Wir hinterlassen noch einen kleinen Beitrag für die Renovierung und fahren weiter.

    Unser nächstes Ziel ist der Fröhliche Friedhof. Eigentlich sind es nur etwa sechzig Kilometer, durch die kurvige und teilweise gebirgige Strecke brauchen wir jedoch fast zwei Stunden.

    Der Friedhof wirkt tatsächlich ungewöhnlich freundlich – soweit man das über einen Friedhof sagen kann. Die Grabkreuze sind bunt bemalt und zeigen Szenen aus dem Leben oder Hinweise auf den Tod der jeweiligen Person. Manche wirken ernst, andere fast humorvoll. Auch die dazugehörige Kirche fällt sofort auf. Innen wie außen ist sie reich mit bunten Ornamenten und Motiven verziert und erinnert stellenweise eher an einen buddhistischen Tempel als an eine orthodoxe Kirche.

    Nach einem verspäteten Mittagessen in einem der touristischen Lokale sehen wir uns noch einen alten Waschplatz an. Dort werden zwei große Waschbecken direkt mit sprudelndem Bachwasser gespeist.

    Danach fahren wir weiter zu einer größeren Klosteranlage in der Nähe. Eigentlich wollen wir dort den restlichen Tag verbringen. Unter den großen Kastanienbäumen gibt es allerdings keinen Internetempfang – ein heutzutage nicht zu unterschätzender Mangel. Also zieht es uns weiter entlang des Grenzflusses zur Ukraine hinauf in die Berge.

    Dort finden wir oberhalb einer kleinen Klosterkirche einen abgelegenen Platz für die Nacht. Ruhig, einsam und diesmal hoffentlich ohne technische Wildschweinabwehr.
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  • Zigeunermädchen und Kirchen

    9. maj, Rumænien ⋅ ☁️ 18 °C

    Eigentlich verbringen wir eine ruhige Nacht auf dem Campingplatz bei Turda, trotzdem fühlen wir uns am Morgen nicht wirklich fit. Nach dem Frühstück fahren wir dennoch weiter und steuern zunächst einen großen Supermarkt an, um Vorräte aufzufüllen.

    Während ich draußen die Einkäufe im Wohnmobil verstaue, geht Juliane noch schnell in einen Drogeriemarkt. Kaum ist sie verschwunden, steht plötzlich eine hübsche junge Zigeunerin vor mir – genau so, wie man es seinen Vorstellungen kennt: weiße Bluse, bunter Rock, Kopftuch über den schwarzen Haaren. Mit deutlichen Gesten macht sie mir klar, dass sie gerne mit ins Wohnmobil kommen würde. Da ich bekanntermaßen ein keuscher und asketischer Mensch bin, lehne ich ebenso deutlich ab. Daraufhin verschwindet sie so schnell wieder, wie sie aufgetaucht ist.

    Von Turda aus fahren wir weiter Richtung Baia Mare. Die Strecke ist überraschend gut ausgebaut und vielerorts mit Hinweisen auf Fördermittel der Europäischen Union versehen. Trotzdem merken wir unterwegs zunehmend, wie müde wir eigentlich sind. Deshalb suchen wir uns an einem kleinen Angelsee ein vermeintlich ruhiges Nachtquartier.

    Die Ernüchterung folgt schnell: Direkt neben dem Platz verläuft eine Bahnlinie. Jeder Zug klingt so, als würde er mitten durchs Wohnmobil fahren. Zusätzlich liegt wenige Meter entfernt ein Bahnübergang, an dem selbstverständlich jeder Lokführer ausgiebig pfeift.

    Unser Entschluss steht schnell fest: Hier bleiben wir nicht.

    Also fahren wir weiter, tanken noch in Baia Mare und suchen anschließend bewusst die Einsamkeit. Nach einigen Kilometern finden wir schließlich einen Platz nahe der Holzkirche der Heiligen Erzengel Michael und Gabriel, einem UNESCO-Weltkulturerbe unweit des Ortes Șurdești.

    Dort wollen wir die Nacht verbringen.
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  • Treppen, Salz und ein Riesenrad unter Ta

    8. maj, Rumænien ⋅ ⛅ 20 °C

    Den gestrigen Tag verbringen wir weitgehend auf der Wiese unseres Nachtquartiers. Unser Gastgeber überrascht uns am Morgen mit sechs frischen Hühnereiern, die wir uns direkt als Spiegeleier zubereiten. Den restlichen Tag wechseln sich Sonne und Regenschauer ab. Viel Anlass, unterwegs zu sein, gibt es daher nicht. Also beschäftigen wir uns mit Internet und Fernsehen und machen einfach einen ruhigen Tag.

    Heute geht es weiter nach Turda. Obwohl die Bundesstraße gut ausgebaut ist, brauchen wir für die rund hundert Kilometer fast zwei Stunden. Gerade Straßen scheint es in diesem Teil Rumäniens kaum zu geben. Ständig folgen Kurven, dazu immer wieder kleinere Ortsdurchfahrten.

    In Turda fahren wir direkt zum alten Salzbergwerk, der Salina Turda. Schon der Weg nach unten hat es in sich: Über kleine und teils steile Treppen geht es tief hinab in das Bergwerk. Unten angekommen eröffnet sich eine etwas eigenartige Mischung aus Industriedenkmal und Freizeitpark. In mehr als hundert Metern Tiefe gibt es einen kleinen See, ein Riesenrad und verschiedene Freizeitangebote – im Grunde eine Kirmes unter Tage.

    Beeindruckend ist vor allem die riesige Halle, deren Höhe ungefähr der Tiefe entspricht, in der man sich befindet. Ansonsten wirkt vieles eher touristisch als spektakulär.

    Da der Aufzug nur bis etwa fünfzig Meter Höhe funktioniert und der obere Teil außer Betrieb ist, steht erneut Treppensteigen auf dem Programm. Danach genießen wir die restliche Auffahrt und stehen bald wieder im Tageslicht.

    Rumänien wird uns langsam als das Land der Treppen in Erinnerung bleiben.

    Den restlichen Tag verbringen wir ruhig auf einem Campingplatz im Süden von Turda.
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  • Steile Auffahrten und kalte Höhlen

    6.–8. maj, Rumænien ⋅ ☀️ 22 °C

    Die erste Herausforderung des Tages besteht darin, überhaupt wieder von der Flussaue hinauf auf die Landstraße zu kommen. Die Auffahrt ist steil, unser Wohnmobil schwer – erst im dritten Anlauf stehen wir wieder sauber auf der Straße. Zusätzlich machen die tief hängenden Dachüberstände die enge Auffahrt nicht einfacher.

    Bis zum ersten Ziel ist es eigentlich nicht weit, die nächste Herausforderung wartet allerdings schon. Die Zufahrt zur Höhle führt über eine schmale, kurvige Bergstraße mit ordentlicher Steigung. Meistens geht es nur noch im ersten Gang vorwärts. Nach gut einer halben Stunde erreichen wir schließlich den Parkplatz unweit der Höhle. Ein kurzer Fußweg später stehen wir vor dem Eingang der Scărișoara-Höhle. Von dort geht es über eine steile Metalltreppe rund fünfzig Meter in die Tiefe. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind eindeutig von Vorteil.

    Unten angekommen erwartet uns vor allem eines: Kälte. Die Höhle selbst besteht im Wesentlichen aus einer einzigen großen Halle mit einem eher kurzen Rundweg. Insgesamt weniger spektakulär als erwartet. Der anschließende Aufstieg fordert dafür deutlich mehr als der Abstieg. Oben angekommen setzen wir uns erstmal auf die bereitstehenden Bänke und sammeln wieder etwas Kraft.

    Nach einer kurzen Pause fahren wir weiter nach Roșia Montană. Der ehemalige Bergbauort wirkt eigenartig – irgendwo zwischen Geisterstadt, einfachem Dorf und zaghaftem Tourismusprojekt. Einige Häuser stehen leer oder verfallen, daneben finden sich kleine renovierte Bereiche.

    Zum touristischen Teil gehört auch ein Bistro am Hauptplatz, in dem wir unser spätes Mittagessen einnehmen. Danach geht es weiter.

    Der nächste Schreck folgt wenig später: Unser Fahrradträger am Wohnmobil ist verbogen, außerdem ist die rechte Leuchte teilweise zersplittert. Wann genau das passiert ist, können wir nicht sagen. Vor Ort finden wir jedenfalls keine Splitter auf der Straße, weshalb der Schaden wohl schon etwas älter sein muss.

    Wir nehmen trotzdem noch die letzte Etappe des Tages in Angriff und fahren weiter in Richtung Turda. Unterwegs finden wir auf einer privaten Wiese einen Platz für die Nacht und richten uns dort ein.
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  • Bärenhöhle – kurz hoch, tief rein

    5. maj, Rumænien ⋅ ☀️ 20 °C

    Unser erster Weg heute Morgen ist kurz. Mit den altersbedingt inzwischen unverzichtbaren Wanderstöcken und einer erfreulich entgegenkommenden Treppe mit genau 132 Stufen erreichen wir den Eingang der Peștera Urșilor zügig und erstaunlich komfortabel.

    Nach Zahlung des Obolus von 8 € pro Person heißt es erstmal warten. Etwa eine halbe Stunde später startet die Führung – leider ausschließlich auf Rumänisch. Wir haben jedoch Glück: Ein junger Rumäne, der Englisch spricht, übersetzt uns ungefragt die wichtigsten Inhalte. Das macht die Sache deutlich einfacher.

    Die Höhle selbst beeindruckt. Große Räume, viele ausgeprägte Tropfsteinformationen und teils skulpturartige Strukturen. In dieser Form haben wir das bisher nur in den Postojna-Höhlen erlebt – wobei unser Besuch dort so lange zurückliegt, dass die Erinnerung eher vage ist.

    Der Name der Höhle kommt nicht von ungefähr: Hier wurden rund 140 Skelette von Höhlenbären gefunden. Die Tiere nutzten die Höhle früher als Winterquartier, bis ein Erdbeben den Eingang verschloss – mit entsprechendem Ausgang für die Bewohner. Ein Skelett am Ende der Höhle steht stellvertretend für die anderen. Nach etwa 45 Minuten stehen wir wieder draußen.

    Wir wollen weiter zur nächsten Höhle und fahren zunächst ein Stück zurück. An der Quelle füllen wir noch einmal Wasser auf – nachdem wir die Nacht ohne Durchfall, Ruhr oder Cholera überstanden haben, scheint das vertretbar.

    Nach etwa 30 Kilometern erreichen wir das Nachbartal und die Straße Richtung Ziel. Es folgt eine Strecke mit gefühlt tausend Kurven, hoch auf rund 1.200 Meter und anschließend wieder hinunter. Fahren, lenken, bremsen – in gleichmäßiger Abfolge.

    Unten im Tal finden wir auf dem Grundstück eines Einheimischen einen Platz für die Nacht. Den Rest des Tages verbringen wir dort recht unspektakulär: auf der Wiese neben einem kleinen Bach, in der Sonne, ohne Programm. Passt.
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  • Grenzübertritt nach Rumänien

    4. maj, Rumænien ⋅ ☀️ 20 °C

    Entgegen unserer Erwartung ist die Nacht ruhig, obwohl wir an einem lokalen Touristen-Hotspot stehen. Am Morgen kümmern wir uns um das Formale: Wir fahren jetzt mit gültiger Vignette und lösen auch gleich online das Ticket für Rumänien. Ein gutes Gefühl, alles geregelt zu haben.

    Heute nehmen wir die Autobahn in Richtung Oradea. Die Straße ist sehr gut ausgebaut und gleichzeitig erstaunlich leer. Wir „fliegen“ also mit Höchstgeschwindigkeit durch weites, flaches und einsames Grasland – zumindest fühlt es sich so an. Entsprechend schnell erreichen wir die Grenze, danach geht es über die Landstraße weiter.

    Wir fahren durch kleine, ruhige Vororte, bevor uns Oradea mit seinem eher nüchternen, teils sozialistisch geprägten Stadtbild empfängt. Der einzige Campingplatz liegt hinter einer Bahnlinie und ist nur über schmale Straßen mit ordentlicher Steigung erreichbar. Das sparen wir uns und fahren weiter.

    Nächster Versuch ist Băile Felix, ein Kurort in der Nähe. Dort wird allerdings so viel gebaut, dass wir auch hier nicht bleiben möchten.

    Also weiter. Nach etwa sechzig Kilometern erreichen wir die hügeligere Region rund um die Peștera Urșilor(Bärenhöhle). Unterwegs füllen wir unser Trinkwasser an einer Quelle auf – landestypisch und rustikal.

    Am Ende finden wir einen kleinen Platz unweit der Höhle und richten uns dort für die Nacht ein. Ruhig gelegen, genau passend nach diesem Fahrtag.
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  • Schwarzfahren auf holprigen Strassen

    3. maj, Ungarn ⋅ ☀️ 21 °C

    Der Start in den Tag ist unspektakulär. Wir kommen ohne Hektik los, der Himmel ist wieder klar und blau. Kurz nach der Abfahrt ändern wir unsere ursprüngliche Planung: Statt über Győr fahren wir nun nördlich am Balaton vorbei, über Székesfehérvár weiter in Richtung Kecskemét. Die Namen muss man ein paar Mal lesen, bis sie sitzen.

    Die Strecke verläuft größtenteils über Landstraßen und soll laut Navigation mautfrei sein. Allerdings tauchen immer wieder Mautbrücken über der Straße auf. Das passt nicht ganz zusammen und sorgt für Unsicherheit. Also halten wir an und versuchen, das Thema zu klären. Nach gut einer Stunde Recherche mit teils widersprüchlichen Angaben auf offiziellen Seiten entscheiden wir uns für eine Vignette, von der wir hoffen, dass sie die richtige ist. Ganz sicher sind wir nicht – ob für den bisherigen Abschnitt doch noch Gebühren oder gar Bußgelder anfallen, wird sich zeigen.

    Die Weiterfahrt ist dann eher zweckmäßig. Wir kommen durch viele kleinere Orte, die Straßen sind teilweise in sehr schlechtem Zustand. Es rüttelt und klappert ordentlich – unabhängig davon, ob wir schneller oder langsamer fahren. Der Fahrradträger verändert unterwegs selbstständig seine Position, und auch im Innenraum bleibt nichts ganz an seinem Platz. Die Mikrowelle verschwindet kurzerhand im Schrank, ohne dass wir nachhelfen.

    Die lange Fahrt lässt Zeit für Gedanken. Die Landschaft erinnert mich immer wieder an unsere Tour durchs Baltikum. Wenig Industrie, viele kleine Dörfer, dazwischen weite, offene Ebenen. Die Straßen sind über weite Strecken schlecht. Auch die Sprache bleibt für mich ungewohnt und schwer greifbar - nicht ableitbar, die orientierung fast nur am Navi.

    Gegen Abend erreichen wir schließlich ein Naherholungsgebiet mit einem kleinen See. Dort wollen wir die Nacht verbringen und es ruhig angehen lassen – nach der Strecke genau das Richtige.
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  • Richtung Ungarn – Abstecher zum See

    2. maj, Ungarn ⋅ ☀️ 23 °C

    Die Nacht an der Gedenkstätte in Mauthausen verläuft ruhig. Bis in den späten Morgen stehen wir allein auf dem großen Parkplatz. Entsprechend entspannt kommen wir los und fahren wieder hinunter ins Donautal.

    Im nächsten Ort hält Juliane kurz an und besorgt einen Reiseführer für Rumänien. Das ergänzt unsere Planung ganz gut – unterwegs schnell etwas nachschlagen zu können, ist einfach praktisch.

    Wir folgen anschließend der „Romantischen Donaustraße“. Der Name ist nicht übertrieben: Immer wieder tauchen Burgen und Schlösser auf, meist etwas erhöht über dem Tal. Nach einiger Zeit lotst uns das Navi von der Strecke weg auf eine kleinere Landstraße. Der Unterschied ist deutlich spürbar. Kaum Verkehr, keine größeren Orte mehr. Stattdessen einzelne Höfe, kleine Siedlungen und viel offene Landschaft. Die Wiesen sind frisch grün, dazwischen blüht Löwenzahn – ein recht typisches Bild für diese Jahreszeit.

    Kurz darauf erreichen wir die Grenze nach Ungarn. Ohne große Planung entscheiden wir uns, die Route leicht zu ändern, und fahren über Sopron weiter in Richtung Neusiedler See. An der Südspitze finden wir eine kleine Marina und legen eine längere Pause ein.
    Nach der Fahrt tut es gut, sich etwas zu bewegen. Ein paar Schritte am Wasser entlang, danach einfach sitzen und nichts tun. Die Sonne ist angenehm, es ist ruhig – ein guter Moment, um kurz durchzuatmen.

    Übernachten können wir dort leider nicht. Ein Hinweis am Platz macht klar, dass am Abend geräumt wird. Also fahren wir weiter nach Fertőrákos. Dort finden wir an einem Badesee einen Stellplatz für die Nacht.

    Der Platz ist zweckmäßig und für eine Zwischenübernachtung völlig ausreichend. Allerdings bleibt es bis nach Mitternacht recht unruhig. Immer wieder kommen Autos, Stimmen sind zu hören, es ist mehr los als erwartet. Nicht ideal, aber es bleibt bei einer Nacht – und am nächsten Morgen geht es ohnehin weiter Richtung Osten.
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