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  • Arnd Diestelhorst
  • Hea-Jee Im

Going to Finn Part 1

Wir wollen ohne zu fliegen (soweit möglich) von München nach Korea und weiter nach Australien. Dort ist vor einem Jahr unser Enkel Finn zur Welt gekommen. Die Reise hat also zwei Teile, und dies ist der Teil von München nach Korea. Baca lagi
  • Tag 26 - Tbilissi

    21 Julai, Georgia ⋅ ⛅ 33 °C

    Nur Arnd:
    Heute morgen ein Ausflug auf einen der Berge, die hier sehr nah an der Innenstadt liegen. Auf diesen Berg kommt man per Standseilbahn, zwei Wagen auf Schienen, die an einem gemeinsamen Seil hängen. Sie fahren immer gleichzeitig, der abwärts fahrende Wagen zieht den aufwärtsfahrenden hoch, so dass man nur den Gewichtsunterschied durch einen Motor ausgleichen muss. Die Talstation liegt ganz bei uns in der Nähe, so das wir zu Fuß hin laufen können.

    Von oben hätte man eine tolle Aussicht, nur leider war es heute etwas dunstig, keine gute Voraussetzung für Fotos. Ansonsten gab es oben einen Vergnügungspark, aus dem Alter sind wir aber raus. Und den markanten Funkturm ganz aus Stahl, der mal einen neuen Anstrich gebrauchen könnte. Aber in dem Gebäude, in dem die Standseilbahn ankommt, gibt es ein Restaurant mit Terrasse direkt über der Stadt, und dort war es nicht sehr voll. Wir konnten also lange dort sitzen und die Aussicht genießen.

    Ich werde mit dieser Stadt aber nicht warm. Sie hat enormes Potential zu einer wirklich schönen und lebenswerten Stadt. Leider hat sie sich aber einen Autoverkehr zugelegt, der fast alles ruiniert. Die großen Straßen mitten durch die Stadt sind breit und es gibt keine Fußgängerüberwege. Alle paar hundert Meter gibt es eine Unterführung, häßlich und in schlechtem Bauzustand. Alte Menschen oder Menschen mit Behinderung kommen da nicht rüber. Es wird schnell und aggressiv Auto gefahren. Das ist schon nicht schön.

    Ich sehe aber noch einen anderen Zusammenhang, und wenn der stimmt, dann frustriert mich das richtig. Es gibt so viele schöne alte Häuser hier. Und in vielen Straßen auch wunderbare alte Bäume. Aber die meisten dieser Häuser sind nur noch Wracks, anders kann man das nicht bezeichnen. Klar, in der Sowjetzeit ist hier wie überall sonst alles verfallen, aber die liegt nun schon 35 Jahre zurück. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab es hier zunächst eine tiefe Krise, aber auch die ist schon länger überwunden. Geld ist da, das sieht man auch an den Autos, die hier herumfahren. Es ist zwar nicht wie in München, mit all den Luxuskarossen, aber mit Bremerhaven kann sich der Autobestand in seiner Qualität messen. Ich vermute nun, dass die Kosten dieses Autobestands so hoch sind, dass für die Renovierung der Häuser einfach nichts mehr übrig bleibt. Das durchschnittliche Einkommen in Georgien liegt bei etwas über 500€, wie will man davon ein modernes Auto finanzieren und nebenbei noch sein Haus renovieren? Man sieht die Prioritäten, das Auto ist der Götze der Neuzeit und absolut heilig. Alles andere muss da eben zurückstehen.

    Hinten gibt es bei den Fotos noch eine Miniserie über Hindernisse auf Bürgersteigen. Und ganz zum Schluss noch ein Foto das zeigt, dass Georgier auch heute noch durchaus schön bauen können.

    Hea-Jee schläft schon
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  • Tag 25 - Tbilissi

    20 Julai, Georgia ⋅ ☀️ 32 °C

    Nur Hea-Jee:
    Kaum hatte Arnd gestern von unser mühsamen Reise berichtet, schrieb eine Freundin gleich einen Kommentar:
„Schon vom Lesen werde ich müde. Ich hoffe, ihr habt auch mal einen Tag, an dem ihr einfach nichts macht und euch ausruht.“
Ich denke, auch andere Freundinnen haben sich Sorgen um mich gemacht. Sorry!

    Als ich heute Morgen aufwachte, hatte ich ein bisschen Rückenschmerzen. Also habe ich die 108 Verbeugungen und die Meditation gemacht, die ich in den letzten Tagen ausgelassen hatte. Danach fühlte sich Körper und Geist wieder leicht und frei an, also beschlossen wir, einen kleinen Spaziergang zu machen.
    
Aber wie es so ist – eine neue Stadt zu entdecken heißt auch, in eine neue Welt und ihre Geschichte kennen zu lernen. Das ist immer spannend. Erst gegen 16 Uhr sind wir zurück zur Unterkunft gekommen. Vielleicht haben wir beide eine Art Erwachsenen-ADHS.

    Ich habe so viel über Tiflis zu erzählen. Es geht dabei nicht nur um das, was ich gesehen habe, sondern auch um das, was ich beobachtet, hinterfragt und für mich gedeutet habe. Deshalb fällt es mir nicht leicht, sie einfach so niederzuschreiben. Zum Glück bleiben wir noch ein paar Tage hier. Ich möchte noch mehr beobachten, verstehen und dann schreiben.

    Auf dem Rückweg haben wir leckeres Brot, Obst und Gemüse gekauft und unser Abendessen auf der Dachterrasse bei Sonnenuntergang genossen. Das ist das Schöne daran, in einem Airbnb zu wohnen und nicht im Hotel. Nach dem Essen haben wir die Wäsche aus der Waschmaschine geholt, gut ausgeschüttelt und oben auf der Terrasse zum Trocknen aufgehängt.
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  • Tag 24 - Ankunft in Tbilissi

    19 Julai, Georgia ⋅ ☀️ 35 °C

    Arnd:
    Ursprünglich war mein Plan, mit der Eisenbahn in den Osten der Türkei zu fahren. Es gibt eine Linie bis nach Kars, was etwa 170km Luftlinie von der Schwarzmeerküste entfernt liegt. Die Strecke soll landschaftlich spektakulär sein. Die Fahrt dauert einen Tag. Allerdings muss man von Kars wieder einen Bus zur Küste nehmen und sich dann mit Hilfe von Kleinbussen und Taxis nach Batumi in Georgien durchschlagen. Bei der genaueren Suche habe ich dann aber den Bus in den Bus-Suchmaschinen nicht mehr finden können. Es sah so aus, als ob der abgeschafft wäre. 170km Taxi sind auch in der Türkei kein Schnäppchen. Also hatte ich das aufgegeben. Irgendwann habe ich den Bus aber doch gefunden, die Suchmaschinen waren einfach zu blöd, einen Zwischenhalt zu finden. Leider war es da aber schon zu spät. In diesem Zug möchte man per Liegewagen fahren, weil man eine Nacht dabei hat. Und die Liegewagenplätze sind 2-3 Wochen im voraus ausgebucht!

    Also haben wir diese doch recht weite Strecke komplett mit dem Bus zurückgelegt. Dabei haben wir einmal zwischendurch in Ordu im Hotel übernachtet. Die Strecke von Ordu bis Batumi ist aber so lang, dass man entweder sehr früh morgens losfahren muss, oder erst spät abends ankommt. Die Hotels hier haben zwar oft durchgehend besetzte Rezeptionen, aber irgendwie mag ich das nicht so. In Deutschland macht spätes Erscheinen immer Ärger. Die Busse kommen auch oft aus Istanbul, wo sie morgens zu vernünftiger Zeit losfahren. In Ordu z.B. kommen sie dann aber mitten in der Nacht vorbei. Kurzum, die Abfahrt- und Ankunftszeiten sind schwierig. Und wenn der Bus bis nach Georgien hinein fahren soll, dann gibt es auch nicht mehr viele. Die meisten fahren bis kurz vor der Grenze.

    Wir haben uns dann für eine Übernachtfahrt entschieden, obwohl das sehr anstrengend ist. Letztlich sind wir bis Tiflis durchgefahren, was insgesamt 14 Stunden gedauert hat. Der Blick morgens nach Sonnenaufgang aus dem Fenster zeigte, dass wir in einer anderen Welt angekommen waren. Alles grün, Berge bewaldet, Flüsse mit Wasser. Und in den Städten Häuser mit Charakter. Aber auch viele ziemlich heruntergekommene Häuser, ein Zeichen von Armut.

    Ankunft etwa 10:00. Einchecken in unserem Airbnb erst ab 15:00. Aber wir mussten uns erstmal organisieren. An der Grenze hatten wir schon 5$ in Georgische Lari umgetauscht. Ein bisschen Bargeld braucht man, um auf die Toilette gehen zu können. Der Busbahnhof lag natürlich nicht im Zentrum. Dort haben wir einen Platz gefunden, an dem man nett sitzen konnte und haben erstmal das Nahverkehrssystem studiert.

    Es gibt eine Metro, viele Busse und auch ein paar Seilbahnen. Zum Zahlen kann man tatsächlich eine Kreditkarte direkt benutzen, besser natürlich in Form des Smartphones. Was ich nicht verstehe, ist die Kontrolle in den Bussen, ob man bezahlt hat. Das Geld wird von meiner Karte abgebucht, aber einen Nachweis habe ich nicht und der Busfahrer kann das nicht überwachen, wenn ich auch hinten einsteigen kann. In den Metrostation gibt es Drehkreuze, da kommt man nur rein, wenn man wirklich bezahlt hat.

    In den Metrostationen gibt es Schalter, bei denen man eine Prepaidkarte für den öffentlichen Verkehr erwerben kann. Damit wird das Fahren etwas günstiger, weil man umsteigen kann, ohne dass man erneut zahlen muss. Google Maps war wieder hilfreich mit den Buslinien, das ist aber nicht überall so. Also konnten wir mit dem Bus zur nächsten Metrostation fahren und diese Strecke per Smartphone bezahlen.

    In der Metrostation wurden wir dann gezwungen, erstmal mehr Bargeld abzuheben, eine Bank war in der Nähe. Dann hatten wir endlich unsere Tifliskarte für den öffentlichen Verkehr und konnten in die Stadt fahren. Die Metro liegt enorm tief unter der Erde. Die Rolltreppen sind rasend schnell und doch dauert es etwa 2 Minuten, bis man unten ist. Dort gibt es ein Häuschen, in dem eine Frau sitzt und die Rolltreppe beobachtet. Wenn es bei der Geschwindigkeit ein Problem gibt, kann sie die Rolltreppe wahrscheinlich sofort anhalten. Solche Jobs würde man in westlichen Staaten nicht finden. Wir haben Leute gesehen, die sich auf der Rolltreppe hingesetzt haben.

    Die Züge sind wahrscheinlich sowjetischen Ursprungs. Sie machen einen Höllenlärm, weshalb die Ansage der nächsten Station im Moment des Abfahrens in der vorherigen Station erfolgt. Sekunden später wäre es nicht mehr verstehbar. Eine Anzeige gibt es nicht. Die Schienen sind offensichtlich nicht sehr gerade, weshalb die Züge heftig auf und ab schwanken. Die Federung stößt dabei immer wieder an den Anschlag. Das Tempo ist aber hoch.

    In der Stadt war es dann schon 11:30 und Hea-Jee hatte seit gestern nachmittag nichts mehr gegessen. Ich hatte im Bus noch Reste von unserem Mittagessen verputzt, aber Hea-Jee mochte das nicht. Der erste Eindruck der Stadt: Mal wieder Autos überall. Und wir mit unseren Koffern sind nicht so beweglich. Wir waren dann in einem Restaurant mit Außenbedienung an einer vierspurigen Straße - laut. Gegessen haben wir eines der georgischen Nationalgerichte, Khinkali. Das sind gefüllte Nudeltaschen. Die sind ziemlich groß mit viel Füllung. Sie sind aber nicht voll gefüllt, da ist auch viel Luft drin, weshalb sie einen hohen Anteil an Nudel haben. Wir hatten welche mit Fleisch und welche mit einer Pilzfüllung. Bei der Fleischfüllung war Koriander drin, was wir sehr gern mögen. Bei den Pilzen waren wohl auch Steinpilze dabei - sehr lecker.

    Dann haben wir noch etwas in einem Cafe abgehangen und uns schließlich mit letzter Kraft den Berg rauf zu unserer Unterkunft geschleppt und dort erstmal den verpassten Schlaf nachgeholt.

    Hea-Jee ist zu müde zu schreiben.
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  • Tag 23 - Ordu

    18 Julai, Turki ⋅ ☀️ 31 °C

    Arnd:
    Heute nur ein paar Eindrücke von der Stadt. Die Schwarzmeerküste in der Türkei ist ein beliebtes Ziel für türkische Touristen. Ausländer kommen eher selten hierher. Auf unserem Fußweg vom Hotel zum Strand kamen wir bei diesem spektakulären Fuß- Radweg vorbei. Der Fußweg hatte einen Mittelstreifen. Was fehlte, waren die Radfahrer. Ein einziger Radweg macht eine Stadt halt noch nicht fahrradfreundlich. Vielleicht liegt es aber auch an der Hitze.

    Entlang der gesamten Schwarzmeerküste verläuft eine große Fernstraße. Da im Hinterland der Küste sofort Berge kommen, hat man sich für die einfache Lösung entschieden und die Straße auf weiten Strecken direkt am Meer gebaut. Das zerschneidet den Zusammenhang zwischen Stadt und Meer. In den Städten hat man dann zwischen Meer und Straße einen Park angelegt. Aber schön ist das leider nicht.

    Es gab eine Fußgänger- Einkaufszone mit modernen jungen Geschäften. Hier haben wir ein paar Häuser mit Charakter gesehen, die wohl älteren Ursprungs sind und gut gepflegt waren. Ansonsten sind die Häuser in türkischen Städten halb verfallen, wenn sie alt sind, funktional für Geschäfte aber häßlich, moderne geschmacklose Protzbauten oder es sind diese neuen Wohnsiedlungen, die auch eintönig wirken. Einfach mal in die Stadt gehen und die Architektur genießen ist in der Türkei nicht möglich.

    Der Haken, der ins Meer ragt, ist der Hafen. Ungewöhnlich: Es gibt keine Schiffe.

    Hea-Jee:
    Heute fahren wir mit dem Nachtbus nach Georgien. Früh am Morgen haben wir ausgecheckt, das Gepäck im Hotel gelassen und Ordu besichtigt.

    Wir sind mit der Seilbahn, die Arnd so mag, auf den Berggipfel gefahren und haben Stadt und Meer von oben bestaunt. Auf der Terrasse eines Cafés mit toller Aussicht haben wir frittierte Snacks zum Mittag gegessen. Es war so heiß, dass wir beide kaum Appetit hatten – wir haben nur die Hälfte gegessen. Den Rest wollten wir nicht einfach wegwerfen, also haben wir ihn eingepackt. Ob wir das später im Bus essen oder doch wegwerfen, wissen wir noch nicht.

    Ordu ist eine kleine, hübsche Küstenstadt. Eigentlich sollte es hier durch die Meeresbrise angenehm kühl sein, aber die ganze Stadt ist mit Asphalt und Beton versiegelt, sodass die Hitze kaum entweichen kann. Wenn man wenigstens ein paar Straßenbäume gepflanzt hätte, wäre es für die Menschen erträglicher und das Regenwasser könnte auch besser versickern.

    Frühzeitig haben wir unser Gepäck abgeholt und sind zum Fernbusbahnhof gefahren. Selbst im Taxi war es noch brütend heiß, darum waren wir umso erleichterter, als wir das klimatisierte Terminalgebäude betraten.

    Wir machten uns auf weichen Sofas bequem, schrieben an unserem Reisetagebuch und gingen abwechselnd auf die Toilette, um uns die Zähne zu putzen und die Sonnencreme von Gesicht und Armen zu entfernen – eine Vorbereitung auf die Nachtfahrt.

    Unsere Reise dauert nun schon eine Weile, und der Wartesaal fühlte sich fast schon ein bisschen wie Zuhause an. Ich musste lachen – fast wie eine Obdachlose, was?

    Beim Händewaschen auf der Toilette habe ich auch die kleinen Pflaumen gewaschen, die wir tagsüber auf der Straße gekauft hatten. Ich füllte den Pflaumenbeutel mit Wasser, schwenkte ihn leicht und ließ das Wasser dann langsam ablaufen. Da sprach mich eine ältere türkische Dame energisch an, die neben mir ihre Hände wusch. Rügte sie mich, weil man so etwas auf der Toilette nicht machen sollte? Sie kam mir vor wie eine Deutsche. Obwohl ich kein Wort verstand, war ich irgendwie gekränkt und antwortete auf Türkisch kurz angebunden: „Nix verstehen.“

    Daraufhin wandte sich die Oma an eine andere, etwas jüngere Frau und sagte etwas über mich. Diese kam dann auf mich zu, streckte ihre Hand aus und stach mit ihren spitzen Fingernägeln in den Pflaumenbeutel. Sofort lief das Wasser aus dem kleinen Loch, das sie gemacht hatte. Ich verstand und bedankte mich artig mit gesenktem Kopf. Die Oma und die Frau verließen sehr zufrieden den Raum – Mission erfüllt.

    Diesen Text schreibe ich jetzt im Nachtbus. Der Bus kam etwa eineinhalb Stunden zu spät und steckt nun gleich nach der Abfahrt im Stau fest – nichts geht mehr.

    Eigentlich wollten wir nur bis zur Grenzstadt Batumi fahren, von dort mit dem Taxi oder zu Fuß zu einem anderen Terminal und dann den Bus nach Tiflis nehmen. Kurz vor der Abfahrt erfuhren wir dann durch eine georgische Dame im Bus, dass dieser Bus direkt bis nach Tiflis fährt. Sie war sehr hilfsbereit und half uns. Schließlich haben wir dem Busbegleiter den Restbetrag in bar ohne Quittung bezahlt, sodass wir bis zur Endstation mitfahren durften.

    Die georgische Dame, der Busbegleiter und ich – wir haben dieses großartige Geschäft abgeschlossen, ohne dass wir auch nur ein einziges Wort in der Sprache des anderen verstanden hätten. Der KI-Übersetzer hat den Turm zu Babel neu errichtet.

    Das bereits gebuchte Busticket von Batumi nach Tiflis konnte man angeblich bis drei Stunden vor Abfahrt stornieren – aber als Arnd es dann wirklich stornieren wollte, ging es doch nicht. Wir üben uns nun darin, in der Fremde kleine Verluste einfach hinzunehmen. Inschallah.
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  • Tag 22 - Reise

    18 Julai, Turki ⋅ ☀️ 31 °C

    Arnd:
    Heute geht es nach Ordu am schwarzen Meer. Aber das ist nur eine Zwischenstation. Wir fahren morgen weiter in Richtung Georgien. Zunächst über Nacht nach Batumi und dann gleich weiter nach Tiflis.

    In Ordu gibt es einen kleinen Hafen, aber der ist leer. Auch auf dem Meer sieht man keine Schiffe, außer einem Touristenboot, dass Kurzausflüge macht. Es gibt wohl nur einen interessanten Transportweg über das schwarze Meer, von Rumänien nach Georgien, also in Ost-West-Richtung, weit hinter dem Horizont. Da werden wohl LKWs mit Containern geschifft. Wir hätten da auch mitfahren können, das dauert 3 Tage und man spart sich die Türkei. In Nord-Süd-Richtung wären Verbindungen zwischen der Türkei und Russland bzw. der Ukraine. Das liegt jetzt sicher brach. Aber warum es hier keine Segel- oder Motoryachten gibt, weiß ich nicht.

    Hea-Jee
    Der Strand von Ordu am Abend war wunderschön. Auf der Wiese saßen Familien im Kreis und genossen ein Picknick, Kinder und Jugendliche fuhren fröhlich mit dem Fahrrad umher, und Kinder schrien ausgelassen auf dem Spielplatz – es wirkte alles friedlich und fröhlich.

    In einem Strandcafé haben wir Pide mit Käse und lecker aussehende Desserts gegessen und dabei die wechselnden Farben des Meeres während des Sonnenuntergangs beobachtet.
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  • Tag 21 - Ḫattuša

    16 Julai, Turki ⋅ ☀️ 30 °C

    Arnd:
    Heute gibt es viel zu sagen. Es sind 3 Themen: Ein bisschen Erklärungen zu den Bildern, die wirtschaftliche Situation in dem Ort bei Ḫattuša, Boğazkale, und das große Thema, das einen hier verfolgt: Der Zusammenbruch von Zivilisationen.

    Fotos:
    Wenn man zu dem Gelände der ehemaligen Stadt Ḫattuša kommt, sieht man als erstes einen rekonstruierten Abschnitt der alten Stadtmauer. Dies ist ein Stück experimentelle Archäologie, es wurde nur mit den alten Techniken gebaut. Die Form ist teilweise nach auf Keramiken gefundenen Bildern gewählt.

    Hinter dem Eingang kommt der große Tempel, von dem, wie bei den meisten Gebäuden, nur die Grundmauern aus Naturstein erhalten sind. Darauf befand sich früher eine Konstruktion aus Holz und Lehm. Das Holz wurde in Löchern befestigt, die man in die Steine mit dem zur Verfügung stehenden Kupferwerkzeug gebohrt hat. In diesem Tempel findet man auch den grünen Stein, der doch recht besonders aussieht. Ihm wurden diverse Dinge zugeschrieben, er soll z.B. aus Ägypten stammen. Tatsächlich handelt es sich aber um eine lokale Steinart und man weiß nicht um irgendeine besondere Bedeutung des Steins.

    Das Gelände steigt im Laufe des Weges immer weiter an, wir mussten auf einem 6km langen Rundkurs knapp 300m Höhe erwandern. Wir waren etwas über 5 Stunden unterwegs. Zum Glück lag die Temperatur nur bei 30°C, aber leider ohne Schatten.

    Es ging auf diesem Weg vorbei an Grundmauerresten der Stadtmauer und etlichen Stadttoren, von denen die Bögen mit den Hochachtung einflößenden Statuen noch teilweise vorhanden waren, u.a. das Löwentor, das Sphinxtor und das Königstor. Beim Sphinxtor standen außen und innen je 2 Sphingen (das scheint der Plural von Sphinx zu sein).

    Die inneren waren bei einer großen Ausgrabung 1907 noch vorhanden, aber stark beschädigt. Eine wurde nach Istanbul gebracht, die andere zur Reparatur nach Berlin. Und da stand sie dann. Es kam der erste Weltkrieg, der zweite Weltkrieg, dann waren sie in der DDR und erst nach 1990 hat die Türkei stark auf Rückgabe gedrängt. Es dauerte dann noch bis 2011, bis sie endlich wieder zurückkam. Heute stehen beide im Museum in Boğazkale. Im Gelände hat man weiße Kopien angebracht.

    Der obere Teil der Anlage ist erst später errichtet worden und bekam eine eigene Stadtmauer. Ganz oben wurde die noch durch eine Wallanlage erhöht. Am höchsten Punkt gibt es einen Tunnel nach draußen. Diese Tunnel heißen Poternen, es gab etliche davon, aber nur die Poterne ganz oben ist noch begehbar und ziemlich eindrucksvoll.

    Wir kamen dann noch an zwei künstlichen Grotten vorbei. Eine davon ist wieder hergestellt worden, die Steine mit Hieroglyphen darauf fanden sich alle in der Umgebung wieder.

    Abends sind wir noch ins Museum von Boğazkale gegangen, ein kleines aber feines Museum. Dort gibt es etliches über die Hethiter zu lernen.

    Boğazkale:
    Ḫattuša ist seit 1986 Unesco Weltkulturerbe. Eine Zeit lang gab es einen regen Tourismus und die lokale Bevölkerung konnte davon sicher gut leben. Zu der Zeit hätten uns unten sicher etliche Taxifahrer eine geführte Tour aufgedrängt. Heute ist davon nicht mehr viel geblieben. Als wir nach längerer Wanderung eine Pause unter einem Baum einlegten, sprach uns ein älterer Mann an. Er hütete die dort oben grasenden Rinder - und sprach etwas Englisch. In den guten Zeiten hat er ausländische Touristen geführt, jetzt gibt es keine Arbeit mehr. Er sagte auch, dass vor nicht allzu langer Zeit die ganze Gegend noch grün war mit offenem Wasser. Durch den Klimawandel ist jetzt aber alles sehr trocken geworden.

    Wir waren in dem einzigen übers Internet buchbaren Hotel und auch das war eine eher traurige Geschichte. Wir waren fast die einzigen Gäste. Es gibt im Ort aber wohl noch andere Gasthäuser und die graben sich gegenseitig die Kunden ab, so dass keiner richtig davon leben kann. Als wir ankamen war dort z.B. ein französisches Filmteam mit einer jungen türkischen Reiseleiterin. Die hat sich im Restaurant nebenan, das von einem Cousin unseres Hotelbesitzer geführt wird, abwerben lassen und ist mit der ganzen Filmcrew umgezogen. Ohne dieses Hotel hätten wir diesen Ort aber wohl nicht besucht, oder zumindest nicht so gründlich anschauen können. Und der Hotelbesitzer sprach Englisch und hat uns sehr geholfen, uns zurechtzufinden. Er betreibt das Hotel allein.

    Der bronzezeitliche Zusammenbruch der Zivilisation:
    Die imperiale Periode des Hethitischen Reiches war zwischen 1380 und 1200 BC. Zur Zeit der größten Ausdehnung nach Süden grenzte das Reich in der Mitte des heutigen Syriens an Ägypten. Die beiden Länder haben 1259 BC einen schriftlichen Friedensvertrag geschlossen, der erhalten ist und heute als der älteste derartige Vertrag gilt und im Gebäude der UNO ausgestellt ist. Etwa um 1200 BC gab es einen plötzlichen und recht schnellen Zusammenbruch des Reiches.

    Genau zu der Zeit ist aber nicht nur das Hethitische Großreich zusammengebrochen, sondern fast alle großen Zivilisationen des östlichen Mittelmeers und bis weit nach Osten. Nur die Assyrer und die Agypter haben diese Zeit überlebt, wenn auch stark geschwächt. Die große, bis heute nicht geklärte Frage ist, wie es zu diesem allgemeinen Zusammenbruch der Zivilisation kommen konnte. Und die andere Frage ist, ob wir heute gegen so etwas gefeit sind, oder ob es uns nicht ganz genauso treffen kann.

    Die vielen großen und kleinen Reiche zu dieser Zeit waren eng miteinander verflochten. Sie trieben regen Handel und es gab auch kulturellen und Bevölkerungsaustausch. Der vielleicht wichtigste Stoff seinerzeit war das Zinn. Es hatte vielleicht eine mit dem heutigen Rohöl vergleichbare Bedeutung. Man braucht es um Bronze herzustellen und davon waren diese Völker vollkommen abhängig. Die nächste große Zinn-Förderstelle befand sich in Afghanistan. Das Material wurde über diese weite Entfernung gehandelt. Es lief wie heute. Alle haben mitgehandelt und mitverdient. Aus der Bronze wurden vor allem Waffen hergestellt, mit denen man sich dann bekriegt hat.

    Wer sich für den Untergang von Zivilisationen interessiert, dem sei der Podcast und gleichnamige Youtube-Kanal „The Fall of Civilizations“ ans Herz gelegt. Der Brite Paul M. Cooper erzählt dort auf wunderbare Art und Weise den Aufstieg und Fall großer Zivilisationen rund um die Welt. Eine Folge ist „The Bronze Age Collapse“. Für die eiligeren hier eine Kurzform davon.

    Man kennt drei große Kräfte, die die Zivilisationen zu dieser Zeit bedrängt haben. Da werden zunächst die sagenhaften „Seevölker“ genannt. Eine wohl wild zusammengewürfelte Horde von Seefahrern, die über eine beträchtliche Flotte im Mittelmeer verfügten und dort große Handelsstädte wie aus heiterem Himmel überfallen und weitgehend zerstört haben. Wer sie waren und woher sie kamen, ist nicht ganz klar. Als Herkunft genannt wird das westlichere Mittelmeer, u.a. z.B. Sardinien. Für die Städte und Staaten an der Küste war dies wohl der Hauptgrund ihres Untergangs. Aber für die Städte im Landesinneren, wie z.B. Ḫattuša kann das nicht sein.

    Genau zu dieser Zeit ist der Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit. Das hat mich zunächst verwirrt. Wie kann zu so chaotischen Zeiten etwas so bedeutendes wie die Erfindung der Stahlherstellung passieren? Es war aber wohl anders herum. Nachdem die Herstellung von Stahl erfunden worden war, stand nicht nur ein besseres Waffenmaterial zur Verfügung, man war zu seiner Herstellung auch nicht von diesen weiten Handelsbeziehungen abhängig. Dies war die Chance für kleinere unbedeutendere Länder, eine schlagkräftige Armee aufzubauen und gegen die großen anzutreten. Wenn die gleichzeitig aus anderen Gründen geschwächt waren, dann konnte das ihren endgültigen Untergang bedeuten. Und das ist so wohl auch mehrfach passiert.

    Der dritte Grund könnten große Dürren gewesen sein, die zu dieser Zeit stattfanden und die große Hungersnöte verursacht haben. Eine mögliche Erklärung dazu liegt ganz weit entfernt. Es ist der isländische Vulkan Hekla, der zu dieser Zeit seinen wohl größten bekannten Ausbruch hatte, genannt Hekla 3. Aus Baumringanalysen weltweit ist bekannt, dass es da eine etwa 20 Jahre lange Periode mit nur sehr wenig Wachstum der Bäume gegeben hat.

    Was hier zusammen kam waren hoch entwickelte Zivilisationen, die wirtschaftlich eng miteinander verflochten und voneinander abhängig waren. Diese wurden getroffen von einem Mangel an essentiellen Gütern, hier sogar Nahrung. Durch neuartige Technologien änderte sich das Kriegsspiel grundlegend. Möglicherweise waren auch die Seevölker nur aufgrund des allgemeinen Nahrungsmagels aufgebrochen, bessere Orte zum Leben zu finden.

    Eine gewisse Ähnlichkeit zu unserer heutigen Zeit ist wohl gegeben. Wir haben eine global verflochtene Wirtschaft, die immer mehr von Mangel an Rohstoffen und Nahrung und von Naturkatastrophen getroffen wird, was in Zukunft immer weiter zunehmen dürfte, da wir viele Rohstoffe schon weitgehend abgebaut haben und der Klimawandel immer weiter voranschreitet.

    Der zivilisatorische Zusammenhalt, der unseren Frieden ermöglicht, bröckelt zusehends, Krieg scheint wieder zum Mittel zu werden, das eigene Wohlergehen zu verbessern. Wir wissen aus der Erforschung komplexer Systeme dass, wenn das alles kritische Grenzen überschreitet, der Zusammenbruch sehr schnell passiert.

    Der italienische Physiker, Blogger und Mitglied des Club of Rome Ugo Bardi nennt das den Seneca Effect: „Der Römische Philosoph Lucius Anneaus Seneca (4 BCE-65 CE) war vermutlich der erste, der die universelle Regel bemerkte, Wachstum ist langsam, aber der Ruin ist schnell“

    Hea-Jee:
    Es war ein sehr dichter Tag – voller Eindrücke, voller Lernen, voller Gefühle.
Obwohl Arnd sich schon im Voraus vorbereitet hatte, kaufte er sich am Eingang der Ausgrabungsstätte von Ḫattuša trotzdem noch ein Buch, las darin und erklärte mir alles ganz genau.
    
Ich war am Anfang noch müde vom Vortag und nicht besonders neugierig, aber je mehr ich Arnd zuhörte, desto mehr wollte ich selbst wissen.
Später gab es sogar Dinge, die ich gern genauer erforscht hätte – ich wollte an einen Stein kratzen und sogar darunter schauen. Dann fiel mir ein, dass das ja gar nicht meine Ausgrabung ist. Also hab ich schnell den Staub von den Händen geklopft und bin weitergegangen.

    Ich war so müde, dass ich eigentlich Arnd allein ins Museum schicken wollte, aber dann packte mich doch die Neugier und ich bin mitgegangen. Gut so – ich hätte es sonst bereut. Dass so schöne Gegenstände aus genau den Ruinen stammen, die wir heute gesehen haben! Ich war richtig neidisch auf das Ausgrabungsteam.

    Abends hat uns der Hotelbesitzer auf eine Tasse Tee eingeladen, aber ich war zu müde und habe dankend abgelehnt. Ich sagte zu Arnd, er könnte allein hingehen und sich mit dem Hotelbesitzer unterhalten. Er meinte aber, dass er lieber mit mir redet als mit dem Hotelbesitzer – und ist auch nicht gegangen. So ging ein Tag vorbei, an dem ich meinen Körper überfordert, aber meinen Kopf erfreut habe.
    
Ich habe mir vorgenommen: Beim nächsten Mal, wenn wir mit Gepäck unterwegs sind, sollten wir möglichst auf Taxis zurückgreifen und unsere Energie für die Besichtigungen aufsparen.
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  • Tag 20 - Reise nach Ḫattuša

    15 Julai, Turki ⋅ ☀️ 34 °C

    Arnd:
    Unser nächstes Ziel ist Ḫattuša, die alte Hauptstadt des Reiches der Hethiter. Das Hethitische Großreich wurde erst Ende des 19. Jhdts. entdeckt, auch in antiker Zeit war es bereits unbekannt. Fundstücke hatte man den Ägyptern zugeschrieben. Das Großreich begann etwa 1350 BC, der Untergang geschah im frühen 12. Jhdt. BC. In seiner Blütezeit überdeckte es fast die gesamte heutige Türkei und den Norden Syriens und grenzte dort an das antike Ägypten. Die Hethiter sprachen eine Indogermanische Sprache und verwendeten die Keilschrift. Man hat in Ḫattuša etwa 30000 Keilschrifttafeln gefunden. Auch in Ägypten wurden solche Tafeln gefunden. Hethitisch ist damit die erste geschriebene indogermanische Sprache.

    Ach ja, indogermanisch. Hört man immer wieder, aber es sagte mir bis vor kurzem nicht viel. Es war eine der größten Entdeckungen der Sprachwissenschaften, festzustellen, dass es zwischen dem indischen Sanskrit (genauer den meisten Sprachen in der nördlichen Hälfte Indiens) und europäischen Sprachen, u.a. auch Latein und Griechisch, eine große strukturelle Verwandschaft gibt, die nicht zufällig sein kann. Erste Entdeckungen in diese Richtung geschahen bereits im späten 16. Jhdt. Irgendwo muss sich die Mutter all dieser Sprachen entwickelt und sich dann mit den Völkerwanderungen in prähistorischer Zeit in alle Richtungen verbreitet haben. Wie das genau ablief, ist bis heute Gegenstand aktiver Forschung.

    Hea-Jee:
    Heute ist ein nationaler Feiertag in der Türkei: Der Tag der Demokratie und der Nationalen Einheit. Er wurde eingeführt, um an den 15. Juli 2016 zu erinnern, als Bürger sich dem versuchten Militärputsch entgegenstellten und die Demokratie verteidigten. Es ist ein freudiger Gedenktag – deshalb war heute die Metro in Ankara kostenlos.

    Wir haben Ankara verlassen und sind in die Kleinstadt Boğazkale weitergereist, wo sich die Ruinen der antiken Stadt Hattuša befinden. Nach dem Aussteigen aus dem Fernbus mussten wir erst einmal eine Weile zu Fuß laufen, um einen Minibus zu finden – aber es hieß, dass heute wegen des Feiertags keine Minibusse fahren. Die Türkei ist wirklich ein lustiges Land.

    Am Ende nahmen wir ein Taxi zum Hotel, das wir im Voraus gebucht hatten. Es ist das einzige Hotel hier, das wir reservieren konnten – offenbar ist das ein sehr selten besuchtes Reiseziel.

    Der Preis ist derselbe wie das Hotel gestern in Ankara, aber das Gebäude ist ein ganz normales, schlichtes Haus, was irgendwie angenehm war. Es gibt keine Klimaanlage, aber das Zimmer war nicht heiß. Der Wind war kühl. Vielleicht liegt es daran, dass es hier auf dem Land weniger aufgeheizten Beton gibt und viel mehr Grünflächen?

    Der Hotelbesitzer rät uns ab, ins Restaurant nebenan zu gehen – das werde von seinem Cousin geführt, und sie verstehen sich nicht gut. Stattdessen empfahl er uns, im Hotel zu essen. Seine Mutter hatte ein einfaches, aber bekömmliches Hausessen gekocht. Den Preis wissen wir nicht – wir sollen einfach alles beim Auschecken bezahlen.

    Die Menschen in der Türkei sind wirklich friedlich im Wesen. Wir haben bisher nie jemanden streiten oder laut werden sehen. Alle sind höflich und hilfsbereit. Sie beobachten uns nicht aufdringlich, aber wenn wir Hilfe brauchen, taucht plötzlich jemand auf und hilft ohne zu zögern. Mit solchen Menschen zusammenzuleben – das könnte ich mir in diesem Land durchaus vorstellen.
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  • Tag 19 - Ankara Castle

    14 Julai, Turki ⋅ ☀️ 34 °C

    Arnd:
    Meine erste Orientierung, wenn ich wissen will, was irgendwo sehenswert ist, ist die Wikipedia. Da haben alle Orte ihren Platz (eine immer gleich strukturierte Seite) und dort gibt es meist den Abschnitt Tourismus. Zu Ankara ist dort nicht viel im Angebot. Im Museum für Anatolische Zivilisationen waren wir ja bereits. Bleibt als Highlight noch Ankara Kalesi, die Zitadelle von Ankara. Das war unser Hauptziel für heute. Nach dem reichhaltigen Frühstück sind wir diesmal mit dem Bus in die Gegend der Zitadelle gefahren. Die liegt in der Nähe des Museums für Anatolische Zivilisationen und da hatte uns letztes Mal ein Foto des Gebäudes gefehlt. Das wird hier nachgeliefert.

    Bus fahren ist eigentlich auch ganz einfach, man muss nur herausfinden, welchen Bus man nehmen muss, und das ist meist nicht so einfach, weil es so viele davon gibt und die offiziellen Informationen nicht gut zugänglich sind. Für Ankara war tatsächlich Google Maps eine gute Informationsquelle. Bezahlt wird in Ankara für Metro und Busse einheitlich mit der Ankara Card, die man z.B. in Metrostationen kaufen und aufladen kann.

    Die Zitadelle ist ein Teil eines Wohngebiets, das noch von einer alten Stadtmauer eingeschlossen ist. Die Häuser dort sehen neu und sehr einheitlich aus, sind aber in einem alten Stil gebaut. Interessant ist vor allem eine Festung in der Stadtmauer, die man besteigen kann. In den Mauern der Festung wurden auch Bruchstücke von älteren Gebäuden verbaut, was man an vielen Orten zu sehen bekommt und was ganz lustig aussieht.

    Von der Festung aus hat man eine fantastische Aussicht über die Stadt. Die Hochhäuser im Zentrum gehören meist irgendwelchen Firmen und haben eine sehr individuelle Gestaltung. Die Hochhäuser am Stadtrand sind dagegen Wohngebäude, teilweise bis zu 20 Stockwerke hoch und meist in Gruppen stehend. Das ist uns aus Korea nur allzu bekannt. In diesen Hochhäusern wohnt eine neue Mittelschicht und diese Wohnform ist in Korea sehr beliebt. Das dürfte in der Türkei auch so sein. Diese Wohnform ist also nicht, wie in Deutschland, unbeliebt und gilt als minderwertig. Es sind eher gesellschaftliche Stimmungen, die da eine Rolle spielen. Bei uns hat man sowas auch gebaut, um damit preisgünstigen Wohnraum zu schaffen. Dann wurden diese Viertel von den sozial schwächeren Menschen erobert und hatten damit ihren Ruf weg. Wenn man aber ein Wohnraumproblem hat, wie die Großstädte in Deutschland und nicht mehr genügend Baugrund hat, dann sollte man vielleicht doch nochmal darüber nachdenken. Baut doch mal kompakte, aber hochwertige hoch gestapelte Wohnungen. Diese Häuser in der Türkei sind ziemlich neu und ein Zeichen der zunehmenden Verstädterung.

    Rund um die Zitadelle gibt es Verkaufsstände für die meist türkischen Touristen. Etliche alte Frauen bieten dort handgemachte Sachen an. Auf dem Weg zurück hatte Hea-Jee noch ihren Spaß beim stöbern in einem Kleidermarkt, ich habe derweil ein paar Katzenfotos gemacht.

    Nachmittags wollten wir noch ein Highlight des öffentlichen Verkehrs ausprobieren. Es gibt im Norden von Ankara Neubaugebiete, die auf höheren Hügeln errichtet wurden. Und dorthin hat man 2014 eine Seilbahn mit 4 Stationen als städtisches Nahverkehrsmittel errichtet. Sowas ist mittlerweile ein globaler Trend. Auch München hat das schon überlegt, aber leider verworfen. Ich wollte das gern mal in Aktion erleben. Also sind wir mit der Metro zur Talstation gefahren und mussten dann enttäuscht feststellen, dass die Seilbahn nicht fährt. Zurück im Hotel zeigte eine Recherche, dass die Ankaraer Architekten die Stadt wegen dem Bebauungsplan verklagt und Recht bekommen hatten. Daraufhin wurde die Seilbahn erstmal still gelegt.

    Hea-Jee:
    Im Vergleich zu dem Hotel, in dem wir letztes Mal in Ankara übernachtet haben, ist dieses hier richtig luxuriös. Das Zimmer, das wir über Expedia für 59 Euro gebucht hatten, kostet normalerweise 100 Euro. Wegen der schlechten Wirtschaftslage scheinen viele Zimmer leer zu stehen – also senkt man wohl inoffiziell ein wenig den Preis, um sie trotzdem zu vermieten.

    Die Einrichtung ist auffällig edel, und das Frühstück war luxuriöser als in allen Hotels, in denen wir bisher übernachtet haben. Es ist erstaunlich, wie viel komfortabler das Leben wird, wenn man nur ein bisschen mehr Geld ausgibt. Arnd und ich haben über unseren Lebensstandard gesprochen. Wollen wir künftig etwas mehr Geld ausgeben, um bequemer und luxuriöser zu leben?

    Wir waren uns beide sofort einig: „Nein.“

    Arnd meinte, er fühle sich in diesem Ambiente einfach nicht wohl. Er fand es unangenehm, dass vor dem Hotel eine Reihe protziger, spritfressender Luxusautos geparkt war – ich musste fast lachen (er ist wirklich konsequent!). Wahrscheinlich, so meinte er, habe das Hotel die Autos zur Schau dort abgestellt.

    Mir gefiel es nicht, dass ein Page unser Gepäck ins Zimmer trug – obwohl es sogar zwei Aufzüge gab. Es ging mir dabei nicht ums Trinkgeld. Wir packen unsere Taschen so, dass wir sie selbst tragen können, und hatten bislang nie ein Problem damit, auch in Hotels ohne Aufzug alles selbst zu schleppen. Wenn jemand eine Aufgabe übernimmt, die wir problemlos selbst erledigen könnten, ist das für uns kein Vorteil – und kein Grund, mehr Geld auszugeben.

    Für mich lohnt es sich, etwas mehr Geld auszugeben, wenn das Zimmer und das Bad sauber sind und Klimaanlage sowie Dusche gut funktionieren. Aber nur weil Marmor und teure Materialien verwendet wurden, verbessert sich meine Lebensqualität nicht. Ich habe natürlich auch meinen Geschmack – aber der hängt nicht vom Preis der Materialien ab.

    Ein vielfältiges und reichhaltiges Frühstück ist zwar schön, aber ich bin mit einfachem Essen schnell zufrieden. Das Frühstücksangebot der Hotels, die wir bisher für etwa 50 Euro gebucht haben, reicht mir völlig. Außerdem bin ich ein Gefühlsmensch: Wenn ich in einem einfachen Hotel das Gefühl habe, dass die Leute sich ehrlich Mühe geben, dann ist das für mich der beste Service.

    Wir haben im Laufe unseres Lebens erfahren, dass man umso freier lebt, je weniger Geld man für den selbst festgelegten Lebensstandard braucht. Als wir als Studenten unser erstes Kind bekamen, beschlossen wir, Eltern zu sein, die ihrem Kind mehr Zeit als Geld schenken. Damit stellten wir damals die Weichen für unsere Zukunft: ein Leben mit weniger Geld.

    Seitdem achten wir darauf, dass sich unser Lebensstandard nicht unbemerkt immer weiter erhöht. Wenn man dasselbe Geld ausgibt und sich dabei schlechter fühlt – ist das nicht ein Verlust? Deshalb führen wir ab und zu solche Gespräche, um uns selbst zu überprüfen.

    Arnd hat heute unsere Erlebnisse mit viel Details erzählt – deshalb beende ich heutigen Eintrag mit ein paar Gedanken über Hotels und das Leben.
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  • Tag 18 - Reise

    13 Julai, Turki ⋅ ☀️ 37 °C

    Arnd:
    Zum Abschied von Göreme nochmal ein schönes Frühstück auf dem Dachgarten mit der phantastischen Aussicht. Das Personal, insbesondere die Frauen, hatten Hea-Jee wieder ins Herz geschlossen und uns alles Gute gewünscht.

    Um 12:15 ging unser Bus zurück nach Ankara. Eigentlich ist unser nächstes richtiges Ziel nur etwa 200km entfernt, aber es ist nicht einfach, von Göreme aus direkt dahin zu fahren. Wir haben keine Eile. Wie schon früher erwähnt, müssen wir von Tiflis in Georgien aus ein Stück weit fliegen. Den Flug haben wir für den 26.7. gebucht. Wir können uns also nur aussuchen, wo wir die Zeit bis dahin verbringen wollen.

    Wir bleiben jetzt nochmal einen Tag in Ankara und schauen uns die Stadt noch etwas an. Das erste Mal war ich krank und wir haben fast nichts gesehen.

    Hea-Jee:
    Wie gut, dass wir wieder nach Ankara gekommen sind. Beim letzten Mal war Arnd krank, und wir hatten auch sonst keine große Sympathie für die Stadt. Damals dachten wir, Ankara sei nur ein Verkehrsknotenpunkt – ein Zwischenstopp auf dem Weg, vielleicht mit einem Besuch im weltberühmten archäologischen Museum.

    Außerdem hegten wir Vorurteile gegenüber der Stadt: Als Hochburg des autoritären Präsidenten erwarteten wir eher konservative und verschlossene Menschen. Doch schon in der ersten Nacht sahen wir eine völlig andere Welt.

    Im Gegensatz zum letzten Mal wohnten wir diesmal mitten im Stadtzentrum. Kaum war die Sonne untergegangen und wir verließen unser Hotel, begrüßte uns eine lebendige, junge Abendstimmung. Überall waren junge Männer und Frauen zu sehen, die ihr Leben genossen – mit all der Leichtigkeit eines Feierabends. Auch die Frauen zeigten sich selbstbewusst und modern, viele trugen Minirock oder bauchfreie Tops, ganz wie junge Frauen im Westen – und das ohne Kopftuch.

    Auffällig waren die vielen mobilen Lottostände auf der Straße. Menschen versammelten sich um die Tische, um Lose zu kaufen und zu rubbeln. Arnd meinte, dass Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eher zum Glücksspiel greifen. Ob das wirklich der Grund ist oder ob die Türken einfach eine traditionelle Vorliebe für solche Spiele haben, kann ich nicht sagen. Fest steht jedoch: Die Inflation ist enorm, und das Leben für die einfachen Leute ist hart geworden.

    Da Ankara kaum ausländische Touristen anzieht, sind die Preise noch stark auf Einheimische zugeschnitten – und entsprechend günstig. Ein Menü aus zwei Lahmacun (eine Art türkischer Flammkuchen) und ein Ayran kostet nur 99 Lira. Umgerechnet haben wir etwa 2,50 Euro für ein richtig leckeres Abendessen zu zweit bezahlt.

    Besonders auffällig günstig waren die öffentlichen Verkehrsmittel. Eine Fahrt mit der Metro kostete nur 12,5 Lira – also etwa 27 Cent. Im Vergleich zu München, wo ein Einzelticket stolze 4,10 Euro kostet, ist das geradezu 15-mal günstiger. Vermutlich wird der Nahverkehr stark subventioniert. Man fragt sich, wie der Staat das finanziert – aber immerhin ermöglicht es so auch Menschen mit wenig Einkommen, mobil zu bleiben und am Wirtschaftsleben teilzunehmen.

    Arnd hatte das öffentliche Verkehrsnetz von Ankara im Handumdrehen durchschaut. Mit echter Begeisterung lernte er alles, als wolle er künftig als Reiseleiter in der Türkei arbeiten.
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  • Tag 17b - Burgfelsen in Uçhisar

    12 Julai, Turki ⋅ ☀️ 36 °C

    Arnd:
    Schon bei der Hinfahrt nach Göreme kamen wir an einem recht spektakulären Felsen im Nachbarort von Göreme vorbei, dem Burgfelsen von Uçhisar. Den wollten wir uns gern noch genauer anschauen. Am Göremer Busbahnhof haben wir erfahren, dass alle 30 Minuten ein Bus dorthin fährt. Meine Karten-App, die ich auch für Planungen von z.B. Bergwanderungen verwende, hat mir dann noch gesagt, dass es da zurück einen ganz schönen Fußweg von etwa 3km Länge gibt. Unser Plan: Am späten Nachmittag, nach der größten Hitze, fahren wir per Bus nach Uçhisar und schauen uns das an.

    Die „Burg“ ist natürlich eine Touristenattraktion. Man kann hinein und bis oben hinauf klettern, wo es eine tolle Aussicht gibt. Der Felsen ist die höchste Erhebung weit und breit. Natürlich haben wir auch schöne Fotos gemacht.

    Der Fußweg zurück war wunderschön. Wir haben nochmal interessante Felsformationen aus nächster Nähe gesehen. Wir mussten dabei etwa 300m absteigen und das war für Hea-Jee etwas schwierig. Der Weg war teilweise steil und von einer Art Sand, abgeriebenem Tuff, bedeckt und deshalb rutschig. Und Hea-Jee hatte nicht die besten Schuhe für diesen Zweck. Aber mit meiner Hilfe sind wir heil heruntergekommen.

    Übrigens schönen Dank an Monika für die hier sehr praktische Mondrian-Tasche!

    Hea-Jee:
    Vor ein paar Tagen war ich innerlich ein bisschen genervt. Bei der brütenden Hitze hatte Arnd vorgeschlagen, einen Spaziergang auf einen Hügel zu machen – was für mich eher eine kleine Wanderung war. Arnd, der nichts von meiner schlechten Laune merkte, erzählte auch noch begeistert, dass es eine mehrstündige „geführte Wanderung“ gebe, die in Touristenführern empfohlen werde – mit sehr guten Bewertungen.

    Ich meinte schroff, solche Touren seien nichts für den Hochsommer, sondern eher für kühlere Tage gedacht. Während ich das sagte, dachte ich insgeheim: Wer macht denn bitte bei dieser Hitze so was?

    Heute standen wir oben auf dem Burgfelsen von Uçhisar und blickten auf die atemberaubende Landschaft hinunter. Plötzlich fiel mein Blick auf ein besonders schönes Dorf, eingebettet zwischen weißen Felsformationen. Und das war tatsächlich Göreme, der Ort, in dem wir übernachten. Man könnte durch die bizarr geschwungenen Felsen dorthin zurückwandern. Was, das ist der Weg, den wir heute gehen wollen?

    Vielleicht lag es daran, dass die Sonne langsam an Kraft verlor, oder daran, dass ich mir kurz vorher am Straßenrand einen Becher voll gesalzenem Mais gegönnt hatte – auf jeden Fall fühlte ich mich plötzlich voller Energie und Vorfreude. Ich schnürte meine Lieblingslaufschuhe fest und machte mich bereit.

    Der Weg war noch schöner, als ich ihn mir von oben vorgestellt hatte. Nur, wenn es steil wurde, war es ziemlich rutschig. Ich sehnte mich nach meinen Wanderschuhen, die zu Hause geblieben waren. Ich rutschte aus, fiel auf den Po und schürfte mir dabei auch noch die Hand auf. Zum Glück konnte ich mich an Arnds Hand festhalten und kam so halbwegs heil unten an.

    Normalerweise hätte ich Arnd vielleicht unfreundlich gefragt, warum er mich über so einen gefährlichen Weg geschleppt hat – aber heute war ich einfach zufrieden. Es war ein tolles Erlebnis, fast noch schöner als die Ballonfahrt gestern.

    Und jetzt frage ich mich plötzlich: War dieser Wanderweg heute nicht genau die Tour, die Arnd vor ein paar Tagen erwähnt hatte – die ich damals so schnippisch abgelehnt habe?
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  • Tag 17a - Die unterirdische Stadt

    12 Julai, Turki ⋅ ☀️ 31 °C

    Arnd:
    In Göreme werden Ausflugstouren angeboten, auf denen man eine Reihe von Attraktionen gezeigt bekommt. Sie dauern 6 Stunden, der Transport im Kleinbus und ein Mittagessen sind enthalten. Der Preis dafür ist 60€ pro Person. Auf einen so langen Ausflug hatten wir allerdings bei der Hitze keine Lust und wir befürchten auch, dass die Zeit bei jeder Attraktion sehr knapp bemessen ist. Was uns noch interessierte, war eine der unterirdischen „Städte“ zu sehen. Das haben wir uns privat organisiert und hatten dann 1 1/2 Stunden Zeit, um es gründlich anzuschauen.

    Der Boden hier in der Gegend besteht überall aus diesem weichen Tuff-Gestein, in das man leicht Hohlräume graben kann. Es ist wohl nicht ganz sicher, wann es begann, hier eine ganze Stadt zu errichten. Es gibt Vermutungen, dass die Anfänge schon auf die Hethiter zurückgehen, die vor etwa 3000 Jahren diese Gegend besiedelten. Diese Städte waren nicht dauerhaft besiedelt, sondern dienten als kurzfristiger Rückzugsort, wenn mal wieder feindliches Militär die Gegend unsicher machte. Ab dem 2. Jahrhundert lebten hier Christen. Zur Erinnerung, das römische Reich war zu der Zeit noch nicht in West und Ost geteilt und auch noch nicht christianisiert.

    Der erste Laden, bei dem wir nach einer Exkursion nur nach so einer unterirdischen Stadt gefragt haben, meinte, wir sollten einfach ein Taxi nehmen, was wir am Ende auch getan haben. Wir sind am Tag vorher zum Taxistand gegangen und haben gefragt. Der Preis war gut 50€. Dafür wurden wir zum vereinbarten Termin beim Hotel abgeholt, die 30km zu unserem Ziel gefahren. Der Taxifahrer hat 1 1/2 Stunden auf uns gewartet und uns wieder nach Hause gebracht. Ein typischer Job hier.

    Unser Ziel hieß Kaymaklı. Wir haben hier ein paar Bilder eingestellt, die Erklärungen findet man besser in der Wikipedia:
    Deutsch: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaymaklı
    Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Kaymakli_undergro…
    Da gab es auch noch einen Link auf ein (deutsches) pdf mit mehr Informationen und vor allem einigen Illustrationen, die zeigen, wie das Leben dort ausgesehen haben mag:
    http://www.mineral-exploration.com/mepub/kaymak…

    Hea-Jee:
    Die unterirdische Stadt ist dafür bekannt, dass frühe Christen sich hier zeitweise versteckten, um den Verfolgungen durch das Römische Reich zu entkommen und als Glaubensgemeinschaft zusammenzuleben. Auch danach diente sie bis ins 19. Jahrhundert hinein bei feindlichen Überfällen immer wieder als Schutzraum für die Bewohner. In friedlicheren Zeiten wurde sie als kühles Lager für Wein oder sogar als Stall genutzt.

    Der Teil, den wir besichtigt haben – also der für Touristen freigelegte Bereich – macht laut Angaben nur ein Zehntel der ursprünglich existierenden Stadt aus. Die tatsächliche Größe verdient also mit Recht die Bezeichnung „Stadt“. Laut unserem Guide lebten hier einst mehr als 5000 Menschen.

    Vom Eingang, der in den Felsen gehauen ist, geht es zunächst hinab zu Stallungen, etwas tiefer befinden sich Kapellen und Priesterzimmer, dann folgen Wohnräume. Wieder ein Tunnel, dann erneut Wohnräume – so geht es immer weiter, bis man schließlich eine Tiefe von etwa 60 Metern erreicht.

    Einige Gebrauchsgegenstände wie Mühlsteine wurden zur Veranschaulichung aufgestellt, doch ohne die Beschriftungen an den Wänden und die Erklärungen des Guides wäre es schwer gewesen, sich das damalige Leben vorzustellen.

    Besonders faszinierend war zu sehen, wie grundlegende Bedürfnisse wie Wasser, Luft und Licht in dieser unterirdischen Stadt gedeckt wurden. Das Wasser stammte aus tiefen Brunnen, die bis ins Grundwasser reichten. Die Luft wurde durch ein ausgeklügeltes Belüftungssystem, das wie riesige Kamine gebaut war, bis in die tiefsten Bereiche geleitet. Für Licht sorgten kleine Nischen in den Wänden, in die man Leinsamenöl-Lampen stellte.

    Es gab sogar eine Küche. Im Boden war ein großes, fassähnliches Loch gegraben, in dem Feuer gemacht wurde – an dessen Wand klebte man Teigfladen, ähnlich einem Tandoori-Ofen. Wegen des Rauchs und der Gefahr entdeckt zu werden, wurde nur nachts gekocht – und das auch nur ein- bis zweimal pro Woche. Lebensmittel wurden so weit wie möglich in getrockneter Form für lange Zeit gelagert.

    Gelegentlich stießen wir auf enge, lange Tunnel, durch die gerade einmal eine Person gebückt hindurch passte. Diese engen Durchgänge dienten der Verteidigung – damit im Ernstfall die Feinde nur einzeln eindringen und leichter abgewehrt werden konnten.

    Erstaunlicherweise stellte sich mir nicht die Frage, wie die Menschen mit Konflikten umgingen, die durch das lange Zusammenleben in engen Verstecken entstanden sein könnten. Ich stelle mir vor: In einer Umgebung, in der das bloße Überleben im Mittelpunkt stand, schienen zwischenmenschliche Spannungen kaum Raum zu haben – fast wie ein Luxus. Vielleicht mussten unsere Vorfahren sich notgedrungen aufeinander verlassen, einander unterstützen – einfach, um als Gemeinschaft überleben zu können.
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  • Tag 16 b - Göreme Freilichtmuseum

    11 Julai, Turki ⋅ ☀️ 37 °C

    Arnd:
    Nachdem das Hauptereignis des Tages schon vor dem Frühstück zu Ende war, haben wir noch eine zweite Unternehmung gemacht. Etwas außerhalb des Ortes gibt es ein Freilichtmuseum mit Höhlenbauten, das zum Unesco Weltkulturerbe gehört.

    Das sind alles Kirchen und ein Männer- und ein Frauenkloster. Die ältesten Höhlen stammen aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Spätere waren aus dem 11. Jhdt. Die Räume waren ziemlich klein, heute würde man das eher Kapellen nennen. Die Struktur der Räume mit Bögen, Säulen und sogar Kuppeln (in die Decken gehauene Halbkugeln) und die Bemahlung mit biblischen Geschichten war aber durchaus aufwändig.

    Aber es haben auch nicht viele Menschen dort gelebt. Leider war es nicht erlaubt, in den Kirchen zu fotografieren, nur in undekorierten Räumen, z.B. in einem Speisesaal mir einer interessanten Konstruktion eines langen Tisches mit Sitzgelegenheit.

    Hea-Jee:
    Am Nachmittag fuhren wir mit dem Taxi zum Freilichtmuseum. Wir dachten zunächst, es handle sich um ein geologisches Museum, aber es war ein Ort mit in den Fels gehauenen Kirchen, Kapellen und Klöstern. Da religiöse Gebäude oft auch Grabstätten enthalten, gab es dort auch Höhlen, in deren Felsboden lange Gruben gehauen waren – gerade groß genug, dass ein Mensch hineinpasst. (Früher glaubte man, wer neben der Kirche beerdigt wird, komme in den Himmel – deshalb gab es fast immer einen Friedhof neben der Kirche.)

    Viele Wandmalereien wurden mühsam restauriert. Bei nicht restaurierten Fresken konnte man erkennen, dass sie zum Teil durch natürliche Erosion, aber auch durch menschliche Einwirkung beschädigt worden waren – viele hatten einfach hineingekratzt oder ihren Namen eingeritzt. Der Mensch ist manchmal wirklich gedankenlos.

    Mit Hilfe des Audioguides versuchten wir uns vorzustellen, wie die Menschen damals hier gelebt haben könnten.

    Es war unglaublich heiß – gefühlt bestimmt 38 Grad. Wir sind mit einem Sonnenschirm herumgelaufen. Für das am besten restaurierte Gebäude hätte man noch einen zusätzlichen Eintritt zahlen müssen, aber es war nicht das Geld, sondern die Hitze, die uns davon abgehalten hat. Also fuhren wir einfach wieder mit dem Taxi zurück ins Hotel.
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  • Tag 16 a - Ballonfahrt

    11 Julai, Turki ⋅ 🌙 20 °C

    Arnd:
    Es sind wohl etwa 160 Ballone, die bei einem Flugtag abheben. Es gibt also ein riesiges Angebot. Allgemein ist es in der Türkei aber auch noch so, dass es hier viele geschäftstüchtige Leute gibt, die sich gern als Zwischenhändler etwas dazu verdienen. Auf die Weise kann man hier auch mal viel zu viel bezahlen. Schwierig!

    Ich hatte länger im Internet gesucht und auch da gibt es eine große Preisspanne, ohne dass ein bedeutender Unterschied erkennbar wäre (zw. 120€ und 250€). Nachdem ich ein günstiges Angebot gefunden hatte, sind wir zu dem im Angebot angegebenen Treffpunkt gegangen. Treffpunkt ist ungewöhnlich, da man bei fast allen Angeboten vom Hotel abgeholt wird. Aber der Treffpunkt war auch nur 3 Minuten zu Fuß von unserem Hotel entfernt, also warum für etwas zahlen, was man nicht braucht? Am Treffpunkt gab es einen Shop eines Ballontourverkäufers, aber der war geschlossen. Und zwar von den Behörden wegen illegalem Devisenhandel - stand so auf einem offiziellen Papier an der Tür.

    Also sind wir mal versuchsweise um die Ecke zum nächsten Laden gegangen und haben einfach gefragt. Der Mann sagte uns sofort einen Preis, der weit niedriger als alles war, was ich bis dahin gesehen hatte. Es kann eigentlich nur ein Last Minute Angebot gewesen sein. 60 € pro Person!Zahlung in Cash, per Kreditkarte gegen 15€ Aufpreis, weil angeblich die Banken soviel abzweigen. Aber diesen Cash „Rabatt“ haben alle, also wird das wohl so in Ordnung sein. Deshalb mussten wir nochmal schräg über die Straße zum nächsten Geldautomaten und unseren Bargeldvorat aufstocken und haben die Sache dann fix gemacht. Es wurde dann eine WhatsApp Verbindung hergestellt und darüber erhielten wir, wie angekündigt, Abends den Abholzeitpunkt mitgeteilt: 3:40.

    Unser Ballonabenteuer begann also mit dem Abholen um 3:40. Ein Kleinbus holt die Gäste bei ihren Hotels ab. Als wir dann nach einiger Zeit zum Startplatz kamen, lag der Ballon noch am Boden und wurde gerade mit einem großen Ventilator aufgeblasen. Nachdem der Ballon und vor allem die Öffnung unten groß genug war, konnten sie den Flammenwerfer anmachen und die Luft im Inneren erhitzen. Dann ging eigentlich alles ziemlich schnell. Der Ballon ging nach oben, der auf der Seite liegende Korb kippte in die aufrechte Lage und unser Guide, der uns abgeholt hatte, rief sofort zum einsteigen. Dazu musste man über die Brüstung des Korbes klettern, was vor allem für ältere nicht ganz einfach war, aber es wurde geholfen. Der Korb war unterteilt in 8 Gästeabteile und das zentrale Abteil für den Ballonführer und seine Assistentin. Durch die Unterteilungen ist er stabiler, aber vor allem laufen die Gäste nicht kreuz und quer herum, was ganz schlecht für die Flugstabilität wäre. Wir wurden sogar ermahnt, uns nicht innerhalb unseres Teilkorbes zu bewegen.

    Dann dauerte es nicht mehr lange und wir hoben so gegen 4:30 fast unmerkbar ab. Man merkt keine Beschleunigung, aber es ging dann doch ziemlich schnell nach oben, erstmal bis auf 500m. Der Ballonführer meinte, in Bodennähe sei es aber eigentlich viel schöner. Also schwebten wir noch einige Zeit zwischen den bizarren Felsformationen und auch knapp über die Häuser hinweg. Ich hatte meinen GPS Tracker mitlaufen lassen und der zeigte mir nachher, dass wir eigentlich einmal über den Ort geflogen sind und dabei einen Abstecher in ein Tal und wieder zurück gemacht haben. Also kann man so einen Ballon wohl doch etwas steuern. Der Flug dauerte ungefähr eine Stunde.

    Für die Landung hatte der Ballonführer Funkkontakt mit der Bodentruppe. Die kamen irgendwann mit dem Auto und einem langen Anhänger am Boden angebraust. Als wir in der Nähe waren, wurden Leinen heruntergeworfen und drei Männer am Boden konnten den noch schwebenden Ballon zum Anhänger ziehen und den Korb präzise darauf absetzen. Dann wurde der Ballon entlüftet und wir durften aussteigen. Es gab noch eine Abschiedszeremonie mit Sektumtrunk (Alkohohlfrei) und wir wurden wieder ins Hotel gebracht, immer noch zwei Stunden vor der Frühstückszeit.

    Es war ein tolles Erlebnis, unbedingt zu empfehlen. Es gibt aber wohl nicht viele Orte auf diesem Planeten, wo das derartig effizient durchorganisiert und deshalb eigentlich recht preisgünstig ist, selbst wenn man den vollen Preis bezahlt.

    Hea-Jee:
    Der Preis, den wir vereinbart hatten, war so günstig, dass ich mich fragte, ob es sich vielleicht um ein schlechtes Billigprodukt handeln könnte – aber das war nicht der Fall.

    Und es war wirklich großartig. Die einzigartige Landschaft, die man von oben betrachten konnte, war beeindruckend, aber noch schöner war, dass ich nicht allein war – überall um mich herum stiegen unzählige Heißluftballons gleichzeitig auf und schwebten gemeinsam durch die Luft.

    Die runden Ballons, die nur ab und zu beim Entzünden des Feuers in hellem Licht aufleuchteten, schwebten mit mir durch den noch dunklen Morgendämmerungshimmel. Es war echt ein ganz besonderes Erlebnis.
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  • Tag 15 - Göreme 1

    10 Julai, Turki ⋅ ☀️ 35 °C

    Arnd:
    4:50 aufgestanden zum Ballonschauen. Um 5:00 waren wir auf dem Dach und die Ballone waren schon da, aber noch niedrig. Außerdem ging die Sonne erst um 5:40 auf, es herrschte also Dämmerung. Es war spektakulär. Leider kann man das in den Fotos nicht so gut einfangen, da die Ballone nur dann schön leuchten, wenn sie den Gasbrenner anmachen und das tun sie nur wenig und niemals viele gleichzeitig. Später kam ein Mann mit einer Drohne aufs Dach und hat auch für uns einen Film gedreht und per WhatsApp geschickt.

    Nach dem Frühstück auf eine Anhöhe spaziert, von der man tolle Ausblicke in verschiedene Richtungen hatte. Obwohl noch vormittag war es schon extrem heiß und wir waren die meiste Zeit in der Sonne. Unten dann noch ein Mittagessen. Hea-Jee ist ein großer Fan von Ayran und den bekommt man hier mit Schaumkrone aus der Ayranmaschine.

    Später noch einen Ballonflug für uns für morgen organisiert. Wir werden vom Hotel abgeholt - um 3:40. Gute Nacht!

    Hea-Jee:
    Arnd hat geschrieben, dass wir morgens einen Spaziergang auf eine Anhöhe gemacht haben. Aber ich finde, es war eher eine kleine Bergwanderung. Ehrlich gesagt war das Wetter viel zu heiß.

    Aber oben angekommen war die Landschaft einfach mystisch – die Formen der Felsen und die Aussicht waren atemberaubend. Es hat richtig Spaß gemacht, die Felsen und Gesteinsschichten zu beobachten und geologisch ein bisschen Detektiv zu spielen.

    Wir haben begeistert miteinander diskutiert. Wir haben anhand der Oberfläche unsere eigene Theorie entwickelt, wie die Gesteine auf diese Weise erodiert sein könnten. Auf einem Foto sieht es so aus, als ob gerade ein Babykegel entsteht.

    Bei der Hitze sind wir, glaube ich, beide ein bisschen durchgedreht. Am Nachmittag haben wir uns dann einfach im kühlen Hotelzimmer ausgeruht und entspannt.

    Morgen früh fahren wir mit dem Heißluftballon und am Vormittag wollen wir ins geologische Museum fahren. Mal sehen, ob unsere Theorie stimmt!
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  • Tag 14 - Auf nach Göreme

    9 Julai, Turki ⋅ ☀️ 33 °C

    Arnd:
    Im Zentrum der Türkei gibt es eine Gegend mit einer einzigartigen Landschaft, Kapadokien. Und dort im Zentrum wiederum den Ort und die Umgebung von Göreme. Die Geologie dort besteht aus weichem Tuffstein, der seltsame kegelförmige Strukturen geschaffen hat. Und darin wiederum wurden über lange Zeiträume von den Menschen Höhlen zum Wohnen und als Kirchen gebaut. Eine wirklich spektakuläre Landschaft.

    Der zweite Grund, weshalb Göreme einen Besuch wert ist, ist ein touristisches Ereignis. Bei geeigneter Wetterlage starten hier morgens zum Sonnenaufgang hunderte Heißluftballone, man kann auch selbst mitfliegen, aber auch das Zuschauen ist wohl sehr eindrucksvoll.

    Deshalb ist unser nächstes Ziel Göreme in Kapadokien. Von Konya aus kommt man dahin in 4 Std. mit dem Bus.

    Der erste Abend in Göreme ist schon ganz besonders. Mit unserem Hotel sind wir wieder sehr zufrieden. Das Zimmer ist das schönste, dass wir bisher hatten und es gibt wieder einen Dachgarten, von dem aus man in alle Richtungen schauen kann. Und auf Dachterassen von Restaurants in der Nachbarschaft wird sehr geschmackvolle Livemusik mit Klarinette gespielt, wir haben sogar getanzt.

    Hea-Jee:
    Heute war es 38 Grad Celsius, aber der lange Weg mit all unserem Gepäck erschien mir gar nicht so anstrengend. Arnd hat – wie versprochen – nicht gedrängt, sondern sich meinem Tempo angepasst und mich lieb angeschaut. Das hat meine Stimmung gehoben und meine Schritte leicht gemacht.

    Es war auch ein guter Einfall, den Laptop aus dem Rucksack zu nehmen – so war er deutlich leichter zu tragen. Und mit dem Sonnenschirm, den Jae-Eun mir gegeben hatte und den ich bisher nur als Regenschirm benutzt hatte, war die Sonne viel erträglicher. Bis wir schließlich in den Bus steigen konnten, gab es ein paar Komplikationen – aber wie immer sind helfende Menschen aufgetaucht, und alles hat sich gut gefügt.

    Als der Bus in die Region Kappadokien einfuhr, haben wir beide gejubelt. Die vielen spitzen Felsformationen ragten bizarr, aber gleichzeitig weich wirkend aus der Erde. Es war eine Landschaft, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte – und auch ein Gefühl, das ich so noch nie gespürt hatte. Wahrscheinlich lag das an den hellen Farben und der weichen Beschaffenheit des Gesteins. Auch die Gebäude, die sich an die Felsen schmiegten und aus dem gleichen Stein errichtet waren, wirkten harmonisch. Alles war schlicht, liebevoll, fast märchenhaft.

    Plötzlich hielt der Bus einfach am Straßenrand – nicht einmal an einem richtigen Terminal – und sagte uns, dass wir beide hier aussteigen sollten. Wir waren ziemlich überrascht, hatten wir doch erwartet, dass viele Touristen hier aussteigen würden. Wie kann es sein, dass nur wir zwei diesen berühmten Ort besuchen?
    
Beim Laufen zum Hotel erzählte Arnd, dass ihm das Hotel zweimal geschrieben und gefragt hatte, ob wir einen Flughafentransfer möchten. Offenbar reisen die meisten Leute hier mit dem Flugzeug an und werden direkt vom nächstgelegenen Flughafen abgeholt.

    Als wir mit unserem Gepäck über das holprige Kopfsteinpflaster zogen, musterten uns vermutlich die Gäste der Cafés zu beiden Seiten der Straße, während sie an ihren bunten Getränken nippten. Vielleicht wirkten wir wie ein sonderbares altes Ehepaar.

    Es erinnerte mich an unsere Fahrradtouren, bei denen unser kleines grünes Zelt allein zwischen riesigen Wohnmobilen auf dem Campingplatz stand. Doch egal, wie sie uns ansahen oder was sie über uns dachten – ich liebte und war stolz auf unseren Lebensstil. Ich denke sogar: Wenn sie könnten, würden sie genauso schlicht und bodenständig leben wollen wie wir.

    Da wir vier Nächte hier bleiben wollten, hatten wir das Hotel sorgfältig ausgewählt – und es gefiel uns auf Anhieb. Das Zimmer war klein, schlicht, ohne unnötigen Kram, aber mit allem, was man braucht – und alles funktionierte. Besonders gefiel uns die Dachterrasse mit Blick über das ganze Dorf und die umliegende Landschaft.
    
Da Arnds Magen noch nicht ganz in Ordnung war, holten wir im Supermarkt trockenes Brot für ihn und einen Salat für mich. Wir aßen oben auf der Dachterrasse zu Abend. Und was Arnd dort sagte, werde ich mein Leben lang nicht vergessen:
„Für mich ist das genug. Ich brauche nichts weiter.“
    Ich verstand so: Selbst wenn er sich nicht ganz erholt und wir hier nichts von dem machen, was wir geplant hatten – solange wir einfach nur im Hotel in dieser Umgebung bleiben, ist er glücklich. Das beruhigte mich sehr.

    Als es Nacht wurde und alle anderen Gäste gegangen waren, blieben wir allein auf der Dachterrasse. Wir machten Fotos und schrieben. Vor uns lag Göreme – ein märchenhaftes Dorf, eingehüllt in mystische Felsen und schimmerndes Licht. Aus dem Restaurant auf der Dachterrasse nebenan erklang leise Live-Musik auf der Klarinette, die sich in den Nachthimmel schwebend verteilte.
    
Als ein Cha-Cha-Cha-Stück gespielt wurde, standen wir auf, tanzten fröhlich eine Runde und setzten uns danach wieder hin, um weiterzuschreiben.

    Übersetzung ins Koreanische: https://dulguk.tistory.com/
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  • Tag 13 - Çatalhöyük

    8 Julai, Turki ⋅ ☀️ 36 °C

    Arnd:
    Heute wie geplant zur Ausgrabung Çatalhöyük gefahren. Das liegt etwa 40km südostlich von Konya. Deshalb braucht man jemanden, der einen dahin fährt. Es gibt einen täglichen Bus, der aber nur fährt, solange genügend Kunden da sind. Vor Ort wartet er 1 1/2 Std. Und fährt dann wieder zurück. Wir hätten gern etwas mehr Zeit gehabt, aber es war trotzdem gut. Ich hatte das vorher online (tripadvisor) gebucht. Es gibt aber nur den einen Anbieter und überlaufen ist es nicht, man hätte es auch spontan vor Ort kaufen können - aber man will ja seine Sicherheit haben und da sind diese Internetdienste wirklich hilfreich. Sie sind aber auch voll mit Nepp, also aufpassen.

    Im Stadtzentrum von Konya sind die Häuser eher weniger hoch, 2-3 Stockwerke, aber wenn man aus der Stadt herausfährt, dann kommt man an sehr sehr vielen neuen 6-stöckigen Wohngebäuden vorbei. Hier wird massiv Wohnraum geschaffen. Aber da gibt es auch Platz ohne Ende, weil etwas weiter außerhalb ist nur noch Ödnis, während in Deutschland und anderen Ländern mit Wohnraumproblemen kommen da die freistehenden Einfamilienhäuser.

    Çatalhöyük ist die bedeutenste Neolithische Ausgrabung aus dem späteren Neolithikum. Die Menschen waren bereits sesshaft und haben hier erstmals in einer großen Gemeinschaft zusammengelebt. Deshalb mussten sie nicht nur Häuser bauen, sondern eine Stadt, was viel schwieriger ist. Die Siedlung war bewohnt zwischen 7100 und 5950 BC.

    In der Wikipedia ist ein Animationskurzfilm abgelegt, der mal vom deutschen öffentlichen Fernsehsender ZDF ausgestrahlt worden ist. Es gibt da auch eine Version mit englischem Text:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Catalhöyük,…

    Vor Ort gibt es die eigentliche Grabung unter einem transparenten Tunneldach, ein paar rekonstruierte Gebäude mit Inneneinrichtung und ein Museum. Unter dem Tunneldach herrschten bestimmt 50°C (außen waren es 36°C). Aber Sauna mit noch höheren Temperaturen kann man eine gewisse Zeit ja aushalten.

    Hea-Jee hatte natürlich sofort wieder ihren Detektivblick aktiviert und konnte mir Dinge zeigen. So hat sie z.B. gleich gesehen, dass die Gebäude unten auf Naturstein gebaut waren, aber oben aus Ziegeln. Der Zeitraum ist aber noch akeramisch, die Menschen kannten noch nicht das Brennen von Ton. Es müssen also reine Lehmziegel gewesen sein. Dann gab es da auch noch eine „Wand“ mit vielen dünnen horizontalen Linien, offensichtlich nichts von Menschen gebautes. Das haben die Archäologen vermutlich stehen lassen, weil man an diesen Linien die Zeiten ablesen kann. Je weiter unten, desto früher.

    Sehr schön konnte man überall die Gruben erkennen, in denen die Menschen damals ihre Toten begraben haben, mitten in der Wohnung.

    Die rekonstruierten Gebäude machten das Ganze dann sehr lebendig. Da ist z.B. der Ofen mit einer Mulde davor, in der Lehmkugeln liegen. Sie hatten zwar Töpfe, wie auch im Bild zu sehen, aber die waren ja nicht gebrannt und deshalb konnte man die nicht übers Feuer hängen. Statt dessen hat man die Kugeln ins Feuer gelegt und erhitzt und hat sie dann um den Topf herum angeordnet und ein paar wohl auch in den Topf zum Essen dazugegeben und dadurch die Speisen erwärmt.

    Besonders fasziniert hat mich die Kunst an den Wänden. Bei den rekonstruierten Gebäuden hatte ich mich gefragt, woher man das weiß, denn in der Ausgrabung selbst habe ich nichts von Wandmalereien gesehen. Im Museum wurden aber auf einer Videotafel Beispiele gezeigt, Nachzeichnungen oder Abpausungen. Diese Bilder würden ja mit Leichtigkeit als frühe abstrakte Bilder des 20. Jhdts. Durchgehen - unglaublich!

    Im Museum gab es dann noch einige interessante Erklärungen. Z.B, das von den mehreren 100 großen Säugetieren weltweit sich nur 16 haben vom Menschen zähmen lassen. 4 davon, und das sind die bedeutendsten, Ziege, Schaf, Schwein und Rind, wurden im Gebiet des fruchtbaren Halbmonds (Mesopotamien) domestiziert und kamen mit den die Donau hinaufwandernden Völkern nach Europa. Früher dachte man ja, das Rind sei aus dem europäischen Auerochsen gezüchtet worden. Das konnte man mittels DNA-Analysen mittlerweile ausschließen.

    Die etwas merkwürdig aussehende hockende Figur zeigt auf der Vorderseite eine gebärende Frau und auf der Rückseite vielleicht ein Gerippe und zeigt damit in einer Figur den Zyklus des Lebens.

    Nach der Rückkehr beim Hotel um die Ecke noch eine pürierte Linsensuppe gegessen, in der Hoffnung, dass das darmfreundlich ist. Der winzige Straßenverkauf war in einer schmalen Straße. Der Betreiber und sein helfender Sohn haben sich unheimlich gefreut und uns später immer wieder freundlich gegrüßt, wenn wir vorbeikamen. Wahrscheinlich haben Hea-Jees Türkischkenntnisse wieder geholfen.

    Hea-Jee:
    Heute war ein wirklich schöner Tag. Die Sonne brannte stark, und das erinnerte mich auf angenehme Weise an das Wetter vor 38 Jahren, als ich an einer Ausgrabung in Mesopotamien teilnahm. Damals gab es viele Tage, an denen es im Schatten 50 Grad heiß war. Auf dem Hügel von Çayönü, wo wir arbeiteten, gab es weder Bäume noch Schatten. Und trotzdem war ich glücklich – obwohl ich den ganzen Tag unter der prallen Sonne arbeitete.

    Von dieser Ausgrabung in Çatalhöyük hatte ich durch einen Kollegen aus dem Institut für Baugeschichte erfahren, der an diesem Projekt beteiligt war. Jetzt, wo ich tatsächlich selbst hier bin, habe ich das Gefühl, als hätte ich damals auch hier mitgearbeitet. Und ich vermisse diese Zeit.

    Arnd hat heute so ausführlich und anschaulich erklärt, dass ich dem eigentlich nichts mehr hinzufügen kann. Ach doch, eine Kleinigkeit vielleicht: Die Hose, die ich heute trug, ist dieselbe, die ich damals bei der Ausgrabung in Çayönü anhatte. Sie war ursprünglich violett, aber nach der Ausgrabung – vielleicht war ihr auch zu heiß – ist sie zu einem Rosa verblasst.
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  • Tag 12 - Von Ankara nach Konya

    7 Julai, Turki ⋅ ☀️ 29 °C

    Arnd:
    Heute nur Reise. Hea-Jee hat gestern bis 1:00 morgens an ihrem Blog gearbeitet. Deshalb heute ausgeschlafen, gefrühstückt und dann mit reichlich Zeit wieder zu Fuß zum Bahnhof gelaufen. Der Weg verlief durch den Gençlik Parkı, ein Park mit diversen Attraktionen wie aufwändige Wasserspiele, ein Riesenrad und viele kleine Cafes und Imbisse und viel Platz zum sitzen und abhängen.

    Die Landschaft auf der Strecke besteht aus weiten Ebenen, die von Bergketten begrenzt sind. Die vorwiegende Farbe ist erdig, es sieht alles sehr trocken aus. In den Ebenen wird Landwirtschaft betrieben, meist Getreideanbau, aber auch etwas Gemüse. Die Getreidefelder sind weitgehend abgeerntet. Es gibt sehr wenig Bäume oder Sträucher, man hat deshalb einen weiten Blick. Die Felder sind riesig, die Berge fast vollständig kahl. Die Landschaft ist dünn besiedelt, die Landwirte haben einen weiten Weg zu ihren Feldern. Neuere Ansiedlungen bestehen aus hohen Mehrfamilienhäusern, etwa 5 Stockwerke hoch. Etliche Berge sind angebaggert - Bergbau. Leider waren die Fenster im Zug nicht sauber, deshalb sind die Bilder etwas trüb.

    Wir sind eine Station zu früh aus dem Zug gestiegen, im ersten Bahnhof von Konya. Wir haben zwei Leute gefragt, ob das richtig ist. Aber es war ja Konya, also haben die ja gesagt. Wir hatten uns nur gewundert, dass nicht alle ausgestiegen sind, schließlich sollte das ja die Endstation sein. War aber gar nicht schlimm. Konya hat eine ziemlich moderne Straßenbahn mit zwei Linien. Eine Linie lief nicht weit von unserem Bahnhof entlang und der Weg dahin war sogar ausgeschildert. Wie überall bisher in den türkischen Großstädten gibt es eine Konya Card und an der Straßenbahnstation gab es einen Automaten bei dem man die per Kreditkarte (Smartphone) kaufen konnte. Nur das Menü des Automaten war komplett in Türkisch. Es gab keine Warteschlange und so wir konnten wir uns im übersetzen üben. Google Translate schaut durch die Kamera und ersetzt den Text durch Deutsch. Hat gut funktioniert. Preis: 1€71 für die Karte und genug Guthaben für die 3 Strecken, die wir insgesamt fahren werden.

    Wir mussten einmal umsteigen. Leider scheint es aber mitten in der Stadt eine große Baustelle zu geben und die Straßenbahn fuhr nicht bis zur Umsteigestation. Mehrere freundliche Menschen wiesen uns darauf hin, dass wir jetzt aussteigen müssen und draußen sprach uns eine junge Frau in ganz gutem Englisch an, ob sie uns helfen kann. Wir mussten ein Stück zu Fuß laufen. Weil unser Weg etwa ihrem entsprach, hat sie uns begleitet und wir haben uns nett unterhalten und dabei schon was von der Stadt gesehen.

    Konya ist sehr ordentlich und sauber. In Reiseführern steht, dass dies eine der konservativsten Gegenden der Türkei ist. Man solle sich bitte zurückhaltend kleiden. Tatsächlich sieht man weit mehr Frauen mit Kopfbedeckung, als anderswo. Ich habe deshalb im Zug meine Ziphose um die Beinteile verlängert, hatte dann also eine lange Hose an. Und ja, ich habe hier keine Männer mit kurzen Hosen gesehen.

    Unser Hotel liegt wieder touristisch zentral, ganz in der Nähe eines großen Platzes neben der wahrscheinlich wichtigsten Moschee hier. Vermutlich ist dies eine beliebte Stelle zum heiraten, wir haben etliche Paare gesehen, die auf der Straße fotografiert wurden. Dass das schöne weiße Kleid dabei über den Straßenboden gezogen wird, scheint nicht zu stören.

    Jedes zweite Haus ist ein Hotel und überall gibt es Restaurants. Auf dem Weg zum Hotel hat Hea-Jee in einem Restaurat ein lange Pide gesehen, was uns gereizt hat. Deshalb sind wir zum Abendessen wieder dahin gegangen. Man wird gleich auf der Straße abgefangen und sanft zu einem Platz gedrängt. Der Kellner konnte auch etwas Englisch und hat uns Gerichte der Konya-Küche empfohlen. Zum einen ein Ofenkebab vom Lamm - sehr sehr lecker - und zum anderen eben dieses Pide, was einmal längs über den Tisch ging. Der Fotoservice gehört dazu und die Kellnertruppe wollte auch gern selbst aufs Bild.

    Vorher waren wir noch Bargeld abheben. Man braucht das zwar sehr selten hier, aber für kleine Beträge ist es doch gut. Interessanterweise stehen die Geldautomaten immer bündelweise in der Gegend. Manche verlangen bei ausländischen Karten einen dicken Aufschlag, andere gar keinen. Man muss also wissen, wohin man geht und evtl. auch etwas weiter gehen (Ziraat, Halkbank, PTT, ING, HSBC, Fibabanka).

    Heute habe ich auch einige Radfahrer gesehen, was mich natürlich besonders freut. In Istanbul würde da schon eine Portion Todesmut dazugehören, in Konya ist der Autoverkehr nicht so dicht und gerast wird hier sowieso nicht. Aber das Verhältnis zum Auto ist bei türkischen Männern schon noch sehr innig. Im Zug von Istanbul nach Ankara lief ein vermutlich Werbefilm für die Regierung in Dauerschleife. Der zeigte welche tollen Fortschritte die Infrastruktur in dem Land macht - große Straßentunnel und gigantischge Brücken für 4-spurige Autobahnen und außerdem Flughäfen. Herr Erdogan zerschneidet Eröffnungsschleifen. Und das in einem durchaus sehr modernen Zug, der zwar Schneisen durch die Landschaft schneidet, aber wenig Brücken und Tunnel hat und dabei trotzdem recht schnell unterwegs ist.

    Hea-Jee:
    Arnd scheint selbst in völlig fremden Städten, wo er die Sprache nicht spricht, den öffentlichen Nahverkehr so souverän zu nutzen wie ein Einheimischer. Natürlich steckt da auch viel Vorbereitung drin – er recherchiert alles im Voraus ganz genau. Mit Bus und Tram unterwegs zu sein, ist oft die beste Möglichkeit, das System eines Landes und seine Leute kennen zu lernen. Dafür bin ich ihm auch wirklich dankbar.

    Aber wenn man mit all dem Gepäck bei brütender Hitze lange Wege zu Fuß zurücklegen muss, wird es richtig anstrengend. Der Rücken ist danach komplett durchgeschwitzt. Arnd ist dann so aufs Navigieren konzentriert, dass er gar nicht merkt, ob ich überhaupt noch hinter ihm bin – er läuft einfach zügig voran.

    Und wenn er sich dann doch mal umdreht, ist sein Blick nicht gerade liebevoll. Es wirkt, als wäre er genervt, dass ich nicht schnell genug bin. Also schlage ich vor, einfach ein Taxi zu nehmen – obwohl ich das selbst gar nicht will. Ich will einfach mal ein bisschen sticheln.
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  • Tag 11 - Ankara

    6 Julai, Turki ⋅ ☀️ 27 °C

    Arnd:
    Unser Hotel in Ankara hatte ich danach ausgesucht, dass wir sowohl zu Fuß vom Bahnhof dahin kommen, als auch heute zu Fuss zum Museum für Anatolische Zivilisationen laufen können, was unser Ziel für heute ist. Das ist sicher eines der bedeutendsten archäologischen Museen weltweit.

    Ich habe mir leider eine Darminfektion zugezogen. Deshalb fühlte ich mich krank und musste immer wieder Pausen einlegen. Zum Glück ist das Museum sehr lange geöffnet. Wir rätseln, wo das passiert sein kann, aber wir haben keine Idee, weil wir eigentlich meistens das gleiche gegessen haben. Ich habe dann morgens mal Durchfall bei Google eingetippt. Nach dem ersten Wort macht Google Vorschläge, basierend auf den häufigsten Suchtexten. Bei mir kam als erster Vorschlag “Durchfall Türkei”. Naja, Google weiß natürlich auch, dass ich gerade in der Türkei bin. Was mir das aber vor Augen geführt hat ist, dass man als Hotelreisender blöd dran ist. Die Essensratschläge sind nicht umzusetzen. In Restaurants gibt es sowas nicht und selber machen geht im Hotel auch nicht. Ich habe deshalb heute Simit und abends eine Banane gegessen.

    Der Weg zum Museum verlief den Berg hinauf durch Marktgegenden. Unten gab es Werkzeug- und Metallgeschäfte, weiter oben Haushaltswaren und Kleider. Das ganze erinnerte uns stark an Korea, an das Korea, dass wir in den 80er Jahren gesehen haben. Mal schauen, ob man sowas heute noch findet.

    Vom Museum haben wir außen leider keine Fotos gemacht, es war schon fast Mittag und so heiß, dass wir schnell reingegangen sind. Schade,denn das Gebäude ist auch ganz besonders. Es war mal in Muslimischer Zeit ein Markthaus mit etlichen Kuppeln, das ab etwa 1932 bis 1968 (!) für das Museum restauriert wurde. Das Museum selbst geht auf Wunsch Atatürks zurück, der hier vor allem die Hetitische Kultur zeigen wollte.

    Heute ist es viel breiter aufgestellt. Es beginnt mit ein paar Objekten aus der Altsteinzeit, dem Paläolithikum und dann kommen die großen Neolitischen Ausgrabungen (Jungsteinzeit, Sesshaftwerdung und Übergang zur Landwirtschaft). Hea-Jees Ausgrabung wurde auf einer Tafel erwähnt, aber es gab keine Objekte.

    Am meisten Material aus dieser Periode stammt aus Çatal Höyük, wo wir übermorgen hinfahren wollen. Das ist eine schon recht große Siedlung mit Einzelhäusern für Familien. Sie hatten keine Fenster und keine Tür, man kam per Leiter vom Dach ins Haus. Es gab einen kleinen Ofen und in dem gezeigten Beispielraum ein paar Stierköpfe, wohl für religiöse Zwecke. Die Toten wurden unter dem Fussboden recht oberflächennah bestattet. Und an den Wänden hatte man Wandmalereien. Diese Siedlung bestand wohl zwischen 7500 und 5700 BC.

    Die andere ältere Ausgrabung, noch aus der Übergangszeit zur Sesshaftwerdung ist Göbekli Tepe. Das ist ein ritueller Ort, wo aber niemand gewohnt hat. In der Ausstellung gab es zwei Stelen, vermutlich Repliken. Leider können wir dort nicht hin. Das wäre ein zu großer Umweg und liegt auch in der Nähe der iranischen Grenze. Wen das interessiert: Sucht mal in der Wikipedia nach den beiden Namen, da steht viel interessantes.

    Dann ging es immer weiter in der Zeit. Kulturen kamen und gingen, erst wurde die Kupferbearbeitung erfunden, später Bronze und Eisen. Dabei wurden die Artefakte immer vielseitiger und kunstvoller. Das Ende der Ausstellung war um 600 BC in der klassischen Periode der griechischen Kultur.

    Faszinierend.

    Ach ja, bei dem Foto durch die Häuserschlucht zoomt mal rein, dann könnt ihr das Atatürk Mausoleum sehen. Leider dreht die aktuelle Regierung viele seiner Errungenschaften wieder zurück.

    Hea-Jee:

    Arnd ist heute nicht so fit, hätte eigentlich ruhig einen Tag Pause haben können – aber er wollte unbedingt ins archäologische Museum. Wir beide haben großes Interesse an Archäologie. Wahrscheinlich, weil Archäologie ein Fachgebiet ist, das zeigt, wie sich Gesellschaft und die menschliche Natur im Fluss der Geschichte offenbaren.

    Besonders fasziniert hat mich diesmal der Untergang hochentwickelter Zivilisationen. Viele Kulturen im Ägäischen Raum, die Kunst und Kultur liebten und wohlhabend lebten, begannen um das 12. Jahrhundert v. Chr. durch die Invasion der sogenannten „Seevölker“ aus dem Norden zu zerfallen. Schriftkundige Zivilisationen stürzten in ein rund 400‑bis‑500‑Jahre andauerndes dunkles Zeitalter zurück.

    Mich interessierten die Zivilisationen, die vor Einbruch dieses dunklen Zeitalters lagen. Welche Kulturen haben wir verloren? Die Menschheit musste noch lange daran arbeiten, diesen Glanz wiederherzustellen. Deshalb habe ich mir sehr genau die Keilschrift-Tontafeln aus dem alten mesopotamischen Reich Assyrien angesehen. Beim Betrachten, wofür solche Tafeln im Alltag genutzt wurden, habe ich versucht, mir vorzustellen, was die Menschen damals dachten und wie sie lebten.
    Hier sind zwei Beispiele:

    "💍 Heiratsurkunde
    Terrakotta, Kultepe, 19.–18. Jh. v. Chr.
    In diesem Dokument wird die Ehe zwischen dem Assyrer Idi‑Adad und der Anatolierin Anana in Anwesenheit von drei Zeugen festgehalten. Der Vertrag legt fest, dass Idi‑Adad in Anatolien keine weitere Frau heiraten darf. Falls er es doch tut und sich von Anana scheidet, muss er ihr fünf Minen Silber zahlen. Da die Scheidung einvernehmlich erfolgt, ist ausdrücklich festgehalten, dass keine zusätzliche Entschädigung anfällt.“

    "💔 Scheidungsurkunde
    Terrakotta, Kultepe, spätere Jahrhunderte v. Chr.
    Diese Tontafel dokumentiert die Scheidung zwischen dem Anatolier Sakriusva und dem assyrischen Händler Asur‑Taklaku. Das Schriftstück besagt, dass Männer und Frauen gleiche Rechte auf Scheidung, Wiederverheiratung und freie Partnerwahl haben. Außerdem betont es, dass – da beidseitiges Einvernehmen vorliegt – keine Entschädigung zu zahlen ist.“

    Es scheint, dass diese Gesellschaft damals ähnliche Werte hatte wie wir im 21. Jahrhundert. Und dann ist sie untergegangen – die Menschheit hat Jahrhunderte im Dunkel verbracht.

    Manche Interpretationen sehen die „Seevölker“ als Teil großer Völkerwanderungen, bei denen Flüchtlinge neue Lebensräume suchten. Die Geschichte war oft ein Konflikt zwischen „da gewesenen“ und „hineingerollten“ Steinen – um es bildlich zu sagen. Im Museum spürte ich, dass das menschliche Grundgefühl der Angst vor Fremden sich bis heute kaum verändert hat.

    Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise machen die Menschen ungebremst weiter, als wäre ihnen nicht bewusst, dass selbst die fortschrittlichsten Zivilisationen untergehen können. Als Einzelne fühlt man sich dabei oft machtlos. Wenn ich in einem archäologischen Museum stehe, denke ich oft: Was vor uns liegt, ist vielleicht kein Ausnahmezustand, sondern ein Muster, das sich in der Geschichte immer wiederholt. Dieser Gedanke hat auf seltsame Weise etwas Tröstliches. Wenn wir am Ende ohnehin untergehen, erscheint es doch würdevoller, bewusst dagegen angekämpft zu haben – statt achtlos und unbeteiligt.

    Normalerweise hätten wir wohl bis zur Schließung drinnen geblieben. Aber Arnds Zustand war heute nicht gut, also sind wir etwas früher gegangen.

    Auf dem Rückweg durch die belebten Marktgassen fühlte ich Dankbarkeit gegenüber Atatürk, der dieses archäologische Museum möglich gemacht hat. Atatürk war der Gründer und erste Präsident der Türkischen Republik ab 1923, nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches. Er trennte Staat und Religion, führte radikale Reformen in den Bereichen Modernisierung und Bildung durch und verwandelte die Türkei in einen modernen Nationalstaat.

    In den frühen Tagen der Archäologie waren es meist europäische Forscher, die die Grabungen leiteten. Zeigte die türkische Seite nicht genügend Mittel oder Interesse, wurden die Fundstücke kurzerhand außer Landes gebracht. Wenn der Staat mit anderen Problemen beschäftigt war, nutzten Einheimische die antiken Steine zum Hausbau oder zur Reparatur von Ställen – und so verschwanden wertvolle Ausgrabungsstätten still und leise. Das Museum in Ankara hat maßgeblich dazu beigetragen, die mesopotamischen Funde im Land zu bewahren und der Zerstreuung dieses kulturellen Erbes entgegenzuwirken. Es war ein entscheidender Schritt, um den Export antiker Artefakte einzudämmen.
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  • Tag 10 - Von Istanbul nach Ankara

    5 Julai, Turki ⋅ ☀️ 29 °C

    Arnd:
    Heute auf zur nächsten Station unserer Reise, Ankara. Von dort sind die nächsten Ziele gut erreichbar und ich habe gelesen, dass viele archäologische Funde aus verschiedenen Grabungsstätten ins Archäologische Museum von Ankara gebracht wurden. Deshalb wollen wir einen Tag dort bleiben und das Museum besuchen.

    Leider habe ich mit dem Buchen des Zugtickets wieder zu lange gewartet. Zugtickets gibt es wohl nur mit reservierten Plätzen (zumindest beim Onlinekauf) und die waren weitgehend ausgebucht, als ich endlich buchen wollte. Jetzt fahren wir Business Class und um 16:30 und kommen gegen 21:00 an. Die 4 Std. Fahrt bei 350km Luftlinie kosten etwa 25€, Econony wäre 16€ gewesen. Dafür haben wir jetzt nur 3 Stühle nebeneinander (2+1) und deshalb mehr Armfreiheit.

    Das Onlineportal zum Kauf der Zugtickets gibt es mittlerweile in Englisch, deshalb kein Problem hier. Der Bahnhof fühlt sich aber etwas anders an. Er liegt auf der asiatischen Seite. Wir kamen per Marmaray, das ist die S-Bahn, die unter dem Bosporus durchfährt.

    Es gab keine wirkliche Bahnhofshalle und keine Geschäfte, wir wollten eigentlich noch Wasser und Proviant kaufen. Auch gab es keine englische Beschilderung. Es war so, wie eine Haltestation in einer deutschen Kleinstadt. Man kommt vom Bahnsteig (der S-Bahn) die Treppe runter und kann nach links oder rechts gehen, also vorne aus dem Bahnhof heraus oder hinten. Irgendwo war noch ein Eingang mit einer Schlange von Menschen, dort gab es eine Sicherheitskontrolle mit Gepäckröntgen. Also erstmal gefragt, ob wir da richtig sind - das war so.

    Dann sind wir aus dem Bahnhof raus und haben dort einen Straßenhändler gefunden, der Wasser und Simit hatte. Simit, das sind quasi die türkischen Brezeln. Die Form ist ein Ring, der Teig durchaus ähnlich zur Brezel (natürlich nicht mit Lauge) und bestreut sind sie mit Sesamkörnern. Ich finde sie sehr lecker, Hea-Jee findet sie etwas zu trocken. Die Straßenverkäufer für Simit haben immer ein rotes Wägelchen mit rotem Sonnenschutzdach und einem Glaskasten für die Ware.

    Interessant war auch die Ticketkontrolle. Beim Onlinekaufen mussten wir die Nummer unseres Passes angeben, nach der Nationalität haben sie nicht gefragt. Am Aufgang zum Bahnsteig gab es dann die Kontrolle. Da haben sie nur nach der Nummer auf unserem Pass geschaut und haben die wohl mit einer Liste abgeglichen. Damit waren wir wohl hinreichend identifiziert. Im Zug ist bisher niemand gekommen.

    Wir sitzen gerade im Zug und eben kam der Kioskwagen durchgefahren. Zum Service gehört hier ein kostenloses Lunchpaket und eine Tasse Kaffee oder Tee. Wenn das der Business Class geschuldet ist, dann ist das ein echt guter Deal.

    Bis 16:30 mussten wir uns die Zeit vertreiben. Erst haben wir noch etwas auf dem Dachgarten des Hotels gearbeitet und dann noch einen Spaziergang gemacht. In unserem Viertel liegt auch der Topkapı-Palast, der Palast der Osmanischen Sultane, heute eine der Top Touristenattraktionen. Den Palast haben wir uns geschenkt, wir haben schon genug Reichtümer von Aristokraten gesehen, das Interesse ist nicht mehr so groß. Die Sultane hatten aber auch einen Garten, der heute ein Park ist und in den kommt man umsonst hinein. Dort war es sehr angenehm und wir konnten etwas abhängen.

    Dann noch ein schnelles Mittagessen. Weil Jörg nach Döner gefragt hat und wir das tatsächlich noch nicht hatten, haben wir in der Richtung gesucht. Es war dann zwar kein richtiger Döner - die hatten keinen Spieß - aber es war gut. Das ı in Topkapı-Palast ist übrigens ein i ohne Punkt. Um das zu sprechen macht man einen Mund wie beim i und versucht ein u zu spechen. Koreaner kennen das, es ist ähnlich wie ein 으.

    Überhaupt, Hea-Jee kann richtig gut Türkisch sprechen. Das hat sie vor 40 Jahren auf der Ausgrabung in Ostanatolien gelernt, an der sie mal teilgenommen hat. Und weil Koreanisch und Türkisch irgendwie verwandt sind, kann sie das auch gut aussprechen. Deshalb wird sie hier von allen geliebt. Und wenn die Türken erfahren, dass sie aus Korea kommt, dann kommt meist der koreanische Gruß Anyeong haseo. Zwischen den beiden Ländern gibt es eine spezielle alte Beziehung, türkische Soldaten haben im Koreakrieg mitgekämpft. Damals hatte die UNO beschlossen, eine internationale Truppe zur Verteidigung Südkoreas zu entsenden und da waren etliche Länder beteiligt.

    Ach ja, die Türken sind sowieso überaus freundliche, ruhige und hilfsbereite Menschen. Es können zwar bei weitem nicht alle Englisch, aber irgendjemand ist immer da, und kann helfen.

    Der Bahnhof in Ankara ist ganz anders, als der in Istanbul. Er ist gigantisch, hochglanzpoliert und es gibt ein paar Geschäfte für Reiseutensilien, u.a. eine Rossman Drogerie (eine Drogeriekette in Deutschland).

    Hea-Jee:
    Heute ist der Tag des Abschieds von Istanbul, das uns in den letzten Tagen richtig ans Herz gewachsen ist. Nach fünf Tagen Aufenthalt haben wir uns sogar mit dem Hotelpersonal angefreundet, sodass wir uns persönlich verabschieden wollten. Der Dame, die uns jeden Morgen das Frühstück vorbereitet hat, haben wir 100 Lira gegeben. Für die Reinigungskraft haben wir ebenfalls 100 Lira auf dem Tisch liegen lassen.

    Davor mussten Arnd und ich aber eine ganze Weile über das Thema Trinkgeld diskutieren. Ich hatte einfach ChatGPT gefragt, sofort einen Betrag festgelegt und das Geld vorbereitet. Arnd hingegen konnte sich auf ChatGPT nicht so recht verlassen – schließlich, meinte er, klinge es manchmal zu überzeugend, selbst wenn es Unsinn erzählt. Also hat er lieber selbst recherchiert. Nach längerer Suche stand er zwischen zwei Extremen: Einerseits 3 Euro pro Nacht, was uns völlig unrealistisch erschien, andererseits dem Standpunkt, dass es in der Türkei gar keine Trinkgeldkultur gebe und Touristen deshalb auf keinen Fall etwas geben sollten.
    
Am Ende haben wir entschieden, es einfach nach Gefühl zu machen – und ich habe den Betrag überreicht, den ich vorbereitet hatte. Beide Damen haben sich mehrfach bedankt, also scheinen wir damit nicht ganz falsch gelegen zu haben.

    Unser Freund Jörg hatte in einem Kommentar gefragt, wie das Eis und der Döner in der Türkei schmecken. Also haben wir heute Mittag einen Döner gegessen. Im Gegensatz zu dem in Deutschland hatte er nicht diesen typischen, intensiven Gewürzgeruch, was mir besser gefallen hat. Eis haben wir keins gekauft – ich mag diese aufwendige Show bei der Übergabe nicht, bei der man sich zum Narren machen lassen muss. Ich bezahle doch nicht, damit jemand auf meine Kosten eine Zirkusnummer abzieht!

    Mit dem schweren Gepäck bei der Hitze Straßenbahn und U-Bahn zu wechseln, war ziemlich anstrengend – vor allem über das holprige Kopfsteinpflaster auf dem Weg zum Bahnhof. Weil wir spät in Ankara ankommen, haben wir vorher noch schnell ein paar Sandwiches und Wasser fürs Abendessen besorgt und sind dann in den Bahnhof gegangen.
    
Alles war nur auf Türkisch angeschrieben, sodass wir nicht wussten, wo wir hinmüssen und wo wir uns anstellen sollen. Erst schien niemand unsere Hilflosigkeit zu bemerken, aber als wir jemanden direkt ansprachen, war er dann sehr freundlich und hat uns auf Englisch weitergeholfen. Hätte man nicht einfach helfen können, wenn man sieht, dass Ausländer hilflos umherirren?
    
Wie am Flughafen wurden unsere Taschen per Röntgen gescannt, wir mussten den Pass zeigen und konnten dann in den Zug einsteigen.

    Weil wir das Ticket etwas spät gebucht hatten, war die Economy-Klasse schon ausgebucht, also sind wir Business gefahren. Es ist so komfortabel, dass man richtig Lust bekommt, etwas zu schreiben. Die Zugbegleiter haben uns sogar Lunchpakete gebracht und Tee eingeschenkt – ich hatte Spaß beim Essen.

    Vorhin sahen wir noch das Meer draußen am Fenster vorbeiziehen, aber inzwischen fährt der Zug durch eine recht gebirgige Landschaft. Arnd, der eben noch eifrig recherchiert und Fotos sortiert hat, ist mit geneigtem Kopf eingeschlafen. Den ganzen Tag über hat sein Kopf pausenlos gearbeitet: den richtigen Weg finden, die komplizierten öffentlichen Verkehrsmittel korrekt nutzen, genau rechnen, um das Restguthaben auf der Istanbulkart sinnvoll aufzubrauchen… Kein Wunder, dass er jetzt müde ist – auch wenn Kopfarbeit eigentlich sein Hobby ist.
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  • Tag 9 - Istanbul 4

    4 Julai, Turki ⋅ ☀️ 29 °C

    Arnd:
    Uns ist es uns am Tag 1 ja nicht gelungen, zum Taksimplatz und dem angrenzenden Gezipark zu gelangen. Das haben wir heute nachgeholt. Uns wurde bestätigt, dass die Schließung der U-Bahn zum Taksimplatz tatsächlich wegen einer Demo dort geschehen ist. Das passiert so wohl immer noch regelmäßig. In der ganzen Gegend ist auch ziemlich viel Polizeipräsenz.

    Auf dem Weg dahin sind wir nochmal beim Galatturm vorbeigegangen, sprich den Berg hochgelaufen, in der Hoffnung, dass dieses Mal die Schlange kürzer ist und wir den tollen Blick über die Stadt doch noch genießen können. Das war auch so, aber der Besuch des Ticket Office war ernüchternd. 30€ pro Kopf wollten sie haben (wird von der Stadt betrieben). Das Ding läuft als Museum, vielleicht ist innen ja auch ein Museum untergebracht. Touristen mit Interesse an Museen sollen sich das 5-Tage Museumsticket für 105€ kaufen. Dann tut der Besuch dieses Turms nicht weh. Also weiter zum Taksimplatz. Der Weg dahin verläuft durch die größte Istanbuler Fussgängerzone und man kann auch eine Museumsstraßenbahn benutzen (kostet wie ein normales Ticket mir der Istanbul Kart).

    Hea-Jee war ziemlich enttäuscht. Sie hatte Berichte gelesen, dass hier das Leben nur so pulsiert. Es war aber ziemlich öde. Das kann aber auch an der Uhrzeit gelegen haben. Am Freitag um 10:00 ruht sich das Leben vielleicht noch von gestern Abend aus. Am massiven Dönerangebot kann man aber sehen, dass hier manchmal doch mehr abgeht.

    Zurück sind wir dann erst durch die Fussgängerzone gelaufen. Da gab es wieder etliche Eisstände. Die rühren ständig mit einer dicken Stahlstange artistisch in den Eisklumpen rum. Das sieht sehr anstrengend aus und die haben auch meisten dicke Armmuskeln. Eiskaufen ist ein Abenteuer. Die Verkäufer ziehen eine ziemliche Show ab.

    Den Berg runter sind wir mit einer unterirdischen Kabelbahn gefahren. Das ist angeblich die zweitälteste U-Bahn der Welt. Unten haben wir den Super Mario gesucht. Hea-Jee hatte im koreanischen Internet eine Empfehlung dafür gefunden, weil der exzellentes Makrelen-Dürüm macht. War wirklich gut. Es scheinen auch öfter Koreaner vorbeizukommen, er hatte Handreinigungstücher mit einem Koreanischen Gruß drauf.

    Mittags Pause im Hotel, wobei ich eine lange Liste gemacht habe, was ich demnächst alles buchen muss. Denn jetzt wird die Reise wieder enger getaktet und fahrtechnisch etwas kompliziert.

    Nachmittags haben wir dann eine Schifftour den Bosporus rauf gemacht. Aber statt 30€ für einen Vergnügungsdampfer haben wir lieber in Summe 4€ für öffentliche Verkehrsmittel bezahlt, denn der Bosporus wird kreuz und quer von Schiffen befahren, die zum öffentlichen Nahverkehr gehören. Am nördlichsten Punkt hatten wir einen entspannten Aufenthalt an einer Uferpromenade mit Blick auf das asiatische Ufer. Dann wieder mit dem Schiff zurück zur asiatischen Seite für ein kleines Abendessen und schließlich mit der Marmaray nach Hause gefahren. Das ist die S-Bahn Linie, die unter dem Bosporus durchgeht. Außer dass diese Teilstrecke etwas länger dauert, bekommt man davon aber nichts mit.

    Abends nochmal das Licht auf der Dachterasse genossen und die erste Buchungen für eine archäologische Stätte gemacht, die wir nächsten Dienstag besuchen wollen.

    Hea-Jee:
    Mein Mann, der gerne fotografiert, wollte unbedingt auf den Galataturm hinauf. Also sind wir früh am Morgen aus dem Hotel aufgebrochen. Der Weg nach oben war ziemlich steil, aber als wir ankamen, war die Warteschlange tatsächlich sehr kurz. Wir freuten uns, dass sich das frühe Aufstehen gelohnt hatte.

    Doch dann meinte mein Mann, dass der Eintritt zu teuer sei und er nicht hineingehen wolle. Ich versuchte ihn zu überreden – bei etwas, das man so gerne macht, darf man sich doch auch mal etwas gönnen. Aber er war empört: Wie könne ein Aussichtsturm mehr kosten als das Museum der Menschheitsgeschichte, das wir gestern den ganzen Tag besucht hatten? Er hatte nicht ganz unrecht, und da es auch nicht mein Wunschziel war, kehrten wir ohne großes Zögern um.

    Wir spazierten weiter über den fast leeren Taksim-Platz, der mit Eisenbarrieren der Polizei teilweise abgesperrt war, und machten eine kurze Pause im Gezi-Park. Der Park war eine eher unscheinbare, kleine Grünfläche und schien ein Rückzugsort für Obdachlose zu sein. Ein fliegender Tee-Verkäufer war mit seinen Kannen unterwegs, und so genossen wir auf einer Parkbank ein Glas Tee. Als wir wie auf dem Sultan Ahmed Platz 100 Lira für zwei Pappbecher gaben, bekamen wir diesmal 50 Lira zurück.

    Am Nachmittag nahmen wir mit den Berufspendlern die Fähre und fuhren ein Stück den Bosporus hinauf. Wir stiegen an einem Ort aus, der kein Touristenort war, und ich war begeistert, einen Einblick in das alltägliche Leben der Menschen hier zu bekommen.

    Kinder und Jugendliche sprangen lachend ins Wasser, während Erwachsene am Straßenrand saßen, aßen und sich unterhielten. Die Stimmung war friedlich und warmherzig. Obwohl sich niemand für uns zu interessieren schien, begrüßte mich ein Mann so herzlich, als würden wir uns kennen, nur weil unsere Blicke sich zufällig kreuzten.

    Die Sonne brannte immer noch, also setzten wir uns auf eine schattige Bank am Pier und schauten hinüber zum asiatischen Ufer. Ich kaufte einen Maiskolben – wie auf dem Sultan Ahmed Platz zahlte ich 50 Lira, doch diesmal forderte der Verkäufer 25 Lira zusätzlich. Beim genaueren Hinsehen war das auch tatsächlich so angeschrieben. Seltsam. Aber der Mais schmeckte dafür umso besser. Arnd wollte ursprünglich keinen, fand ihn dann aber auch lecker, also teilten wir uns den einen freundschaftlich.

    Wir beobachteten noch kurz, wie Männer zwischen den festgemachten Fähren einen Fisch nach dem anderen angelten – winzig kleine Fische, kaum so groß wie ein Finger –, bevor wir wieder an Bord gingen.

    Abends aßen wir auf der asiatischen Seite in einem Marktviertel zu Abend. Der Weg führte uns durch eine Eisenwarenstraße, die mich an das alte Cheonggyecheon in Korea erinnerte, und dann durch eine Gasse voller Billigschmuckläden, bis wir schließlich in einer kleinen Essensstraße landeten, wo wir Pasta bestellten.

    Ich mag die türkischen Menschen sehr. Sie sind insgesamt ruhig, freundlich und rücksichtsvoll. Es macht mich traurig, dass solch sanfte und einfühlsame Menschen unter einem autoritären Herrscher leben müssen. Ich verabscheue Diktatoren – und auch jene, die davon träumten, einer zu werden.
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  • Tag 7&8 - Istanbul 2&3

    3 Julai, Turki ⋅ ☀️ 28 °C

    Arnd:
    Am Tag 2 stand die Hagia Sophia auf dem Programm. Die wurde in ihrer heutigen Form ab 532 erbaut, zwei Vorgängerbauten waren abgebrannt. Herausragend an dem Bauwerk war die Kuppel mit über 30m Durchmesser. In 1500 Jahren gibt es natürlich immer wieder Umbauten. Insbesondere natürlich nach der Eroberung von Byzanz durch die Osmanen, die das Bauwerk 1453 in eine Moschee umgewandelt haben. Da im Islam keine Bilder erlaubt sind, und auch keine Musik, wurden die bildlichen Mosaike mit Putz verdeckt. Ein paar davon hat man erst vor kurzem teilweise freigelegt. Darunter eine Maria mit Kind, die in den Hauptraum hinunterschaut und heute geschickt so verhängt ist, dass die betenden Muslime unten sie nicht sehen, die Besucher auf der Empore aber schon.

    1931 ist die Hagia Sophia nach einem Beschluss von Atatürk profaniert worden und wurde 1935 als Museum eröffnet. 2020 hat die derzeitige türkische Regierung mithilfe eines Gerichtsbeschlusses über die Entscheidung von 1931 die Rückumwandlung in eine Moschee betrieben. Wahrscheinlich deshalb kann man heute als nicht-Moslem nur noch von der Empore aus den Bau bewundern.

    Es gibt hier ja eine ganze Menge großer Moscheen. Was auffällt ist, dass deren Baustruktur bis hin zu ganz modernen Bauten sehr stark durch die Hagia Sophia mit ihren Kuppeln geprägt ist.

    Nachmittags haben wir uns dann die Reste der alten, ab dem Jahr 412 errichteten Stadtmauer von Byzanz angeschaut. Sie galt sehr lange als uneinnehmbar. In einem kleinen Bereich um das Belgrader Tor ist sie restauriert worden. Sonst ist sie mehr oder weniger verfallen, aber noch weitgehend vorhanden.

    Abends wollten wir Fisch essen. Dazu sind wir in ein Viertel gefahren, dass dafür wohl bekannt ist. Die Auswahl des Restaurants ist etwas schief gegangen, wir haben wesentlich mehr bezahlt, als wir geplant hatten. Aber die Show war Aufsehen erregend und geschmeckt hat es auch.

    An Tag 3 haben wir das Istanbuler Archäologische Museum besucht. In der Türkei gibt es ja eine extrem reiche Geschichte. Hea-Jee war als junge Studentin mal 3 Monate im Osten der Türkei zwischen Euphrat und Tigris auf einer Ausgrabung aus der Zeit vor der Sesshaftwerdung der Menschheit. Im Istanbuler Museum gibt es Artefakte ab der Bronzezeit. Alles sehr spannend. In ein paar Tagen bleiben wir einen Tag in Ankara, wo es die noch älteren Objekte zu sehen gibt.

    Die Highlights hatten wir uns bis zum Schluss aufbewahrt. Es gab eine Sammlung von eindrucksvollen Sarkophagen. Man sagt ja, dass wir in mancher Hinsicht besser leben, als frühere Könige. Was unsere Grabstätten angeht, stimmt das eindeutig nicht.

    Hea-Jee:
    Als ich in der Hagia Sophia mit dem Audioguide durch die Geschichte geführt wurde und das Bauwerk mit eigenen Augen sah, wurde mir plötzlich ganz wehmütig zumute. Dieses Gebäude hat im Laufe der Geschichte so viele Besitzer und Funktionen gewechselt, hin und her geworfen vom Schicksal – und steht trotzdem noch immer stolz da, als ob nichts gewesen wäre, und erfüllt einfach weiter seine Aufgabe. Unten beten die Muslime, oben laufen Ungläubige aus aller Welt herum – und die Hagia Sophia empfängt sie alle gelassen.

    Wir sind lange gelaufen, um die Reste der alten byzantinischen Stadtmauer zu besichtigen. Istanbul, eine Stadt, die wegen ihrer geopolitischen Lage so oft von Fremden angegriffen wurde, ist voll von mächtigen Stadtmauern. Besonders faszinierend fand ich das Nebeneinander zweier Welten: die zerfallenen, bedrohlich wirkenden Ruinen direkt neben sorgfältig restaurierten Abschnitten. Diese Mischung liebe ich – und so verging die Zeit wie im Flug. Beim schnellen Hinauf- und Hinabsteigen der hohen Mauertreppen war ich froh, dass ich in letzter Zeit jeden Morgen brav meine 108 Verbeugungen gemacht hatte.

    Mein Mann ist eigentlich der perfekte Reisegefährte – er kann sich gut orientieren, beherrscht schnell den öffentlichen Nahverkehr, weiß viel und zeigt mir Dinge, von denen er weiß, dass ich sie mögen werde. Ich war sehr dankbar dafür.
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  • Tag 6 - Istanbul 1

    1 Julai, Turki ⋅ ☀️ 24 °C

    Arnd:
    Morgens erstmal ein schönes Frühstück mit toller Aussicht. Wir mussten gleich lernen, dass es Möwen gibt, die auch gern Käse mögen. Also, den Teller nicht unbeaufsichtigt lassen. Zum Glück sind sie zurückhaltend und nicht aggressiv.

    Dann auf in die Stadt und Istanbul ist einfach eine tolle Stadt. Überall quirliges Leben, Laden neben Laden und überall was zu essen. Allerdings wird man in den touristischen Ecken alle 20 Sekunden freundlich angesprochen und auf den Dachgarten mit leckerem Essen hingewiesen. Es ist auch alles gut organisiert, z.B. der öffentliche Verkehr. Der ist einfach zu benutzen, überall gibt es Ticketmaschinen, die einem in vielen Sprachen die Istanbul Kart aufladen und beim ersten Mal auch eine verkaufen. Die hält man dann beim Drehkreuz einmal an die Maschine und es wird ein kleiner Betrag abgebucht. Es gibt alle möglichen Verkehrsmittel, bis hin zu Zahnrad- und Seilbahnen und die fahren so oft, dass man sich um Wartezeiten einfach keine Gedanken macht. Nur bei den Schiffen über den Bosporus muss man bis zu 20 Minuten warten. Vom Autoverkehr bekommen wir nicht viel mit, weil es sehr viele Fussgängerzonen gibt. Für die Autos ist es in den Bereichen wo wir waren sehr eng und deshalb fahren sie nur langsam. Etwas irritierend ist, dass man selbst in vollen Fussgängerzonen Motorroller fahren darf. Aber alle gehen sehr entspannt damit um. Ampeln werden von Fussgängern auch nicht besonders ernst genommen.

    Morgens sind wir in die blaue Moschee gegangen, eine der Hauptattraktionen hier. Ein endloser Strom an Touristen wälzt sich hinein. Man wird auf die Kleiderordnung hin kontrolliert - Männer lange Hosen, Frauen ein Kopftuch - und muss vor dem Eingang noch die Schuhe ausziehen - dafür gibt es innen dann Ablagen. Innen ist das eine beeindruckende verschachtelte Ansammlung von Kuppeln, die prächtig mit Mosaiken und Kalligraphien verziert sind. Die Geschichte dazu hatten wir vorher gelesen.

    Nachmittags zuerst durch die Altstadt Richtung Galatbrücke gebummelt. Die führt über das goldene Horn, einen Meeresarm. Unser Stadtteil Fatih liegt südlich davon und ist der älteste Teil von Istanbul. Hier lag des alte Zentrum von Byzanz. Die Brücke hat im Untergeschoss ein Restaurant neben dem anderen. In der Mitte der Brücke muss man einmal nach oben steigen, weil das Untergeschoss da für Schiffe unterbrochen ist. Oben stehen Angler auf der Brücke, mitten in der Stadt.

    Von der Brücke haben wir auf der anderen Seite den Galatturm gesehen und dachten, den könnten wir besteigen wegen der sicher sehr schönen Aussicht. Also sind auf wir den Berg hochgelaufen, nur um zu sehen, dass die Warteschlange endlos ist und sich nicht vorwärts bewegt. Nächster Plan: Wir fahren mal zum Geziplatz. Da sollte uns eine Straßenbahn hinbringen zu der wir hinlaufen mussten. An der Station stand, dass die leider vorrübergehend nicht fährt und wir sicher Verständnis haben. Um die Ecke gibt es auch eine U-Bahnstation. Aber die war verrammelt. War heute etwa wieder Demo auf dem Geziplatz?

    Nun ja. Der nächste Plan: Per Schiff einmal nach Asien fahren. Kostet 0,80€. Hea-Jee meinte, da ist das Essen billiger und das war auch so. Direkt beim Hafenterminal lag ein großer Einkaufsdistrikt, der gar nicht mehr touristisch aber besonders lebendig war. Sehr schön. Dort noch ein bisschen gebummelt und dann zurück per Schiff nach Europe ins Hotel und auf der Dachterasse während der goldenen Stunde Pinguine gefüttert. Gute Nacht!

    Hea-Jee:
    Vor 38 Jahren kam ich nach Istanbul. Ich lebte vier Monate in der Türkei, um an Ausgrabungen in Mesopotamien im Osten Anatoliens teilzunehmen, und habe in dieser Zeit ein wenig Türkisch gelernt. Obwohl das schon sehr lange her ist, konnte ich mich noch leicht an einfache türkische Begrüßungen erinnern.

    Das Lustige ist: Wenn ich „Merhaba“ sage, antworten mir viele Türken mit „Annyeonghaseyo“ - auf Koreanisch. Die Menschen in der Türkei sind immer noch freundlich und herzlich wie damals. Aber die Atmosphäre in Istanbul hat sich so sehr verändert, dass ich sie kaum wiedererkenne – sie ist jetzt viel lebhafter und kommerzieller geworden. Weil man nun mit Tourismus Geld verdient, ist das wohl unvermeidlich.
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  • Tag 5 - Istanbul Ankunft

    30 Jun, Turki ⋅ ☀️ 28 °C

    Arnd:
    Nachdem wir Pass- und Zollformalitäten überstanden haben, ging es weiter nach Istanbul, wo wir mit 2h Verspätung ankamen. Die erste Überraschung: Wir dachten, dass die Kloformalitäten im Busbahnhof schwierig werden könnten, weil wir keinerlei Münzen dabei hatten. Hea-Jee ging zuerst und kam strahlend zurück. Es ging mit Smartphone-Bezahlung, also Kreditkarte! Später wurde mir klar, dass das daran liegt, dass es in Istanbul ein System mit drahtlosen Karten zum Bezahlen des Nahverkehrs gibt, und das funktioniert auch auf den Toiletten. Super! Jeder hat hier so eine Karte, sie heißt Istanbul Kart. Und dann haben sie eben auch noch Kreditkarten und Smartphones integriert.

    Zuerst haben wir noch im Busbahnhof, der natürlich riesig ist, eine Mahlzeit eingenommen, die schon das Mittagessen war. Sie war liebevoll gemacht und super lecker!

    Als wir dann gegen 14:00 zum Hotel kamen, konnten wir gleich einchecken, haben uns frisch gemacht und sind eingeschlafen. Die Busfahrt war eben doch etwas anstrengend. Abends sind wir dann zum Sultan-Ahmet-Platz gegangen. Das ist der zentrale Platz, wo die Haupt Sehenswürdigkeiten sind, u.a. die Hagia Sofia. Es ist von unserem Hotel gleich um die Ecke. Nein, unser Hotel ist nicht teuer, aber es hat eine schöne Dachterasse, auf der auch gefrühstückt wird. Am Sultan-Ahmet-Platz gab es Stände mit gerösteten Maiskolben und Maroni und einen fliegenden Teeverkäufer und ein paar Lokum hatten wir uns auch noch besorgt.

    Hea-Jee:
    Am Busbahnhof in Istanbul angekommen, gingen wir in ein einfaches Restaurant dort. Wir waren neugierig auf das einfache Alltagsleben der Einheimischen und aßen ein Auberginengericht, das uns schon lange interessiert hatte – zu einem vernünftigen Preis und es schmeckte köstlich.

    Wir kamen in einem sauberen Hotel an, das in historischer europäischer Altstadt lag. Inklusive Frühstück zahlen wir 45 Euro pro Nacht für zwei Personen.

    Jetzt beginnt endlich unsere lang erwartete Reise durch Istanbul!
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  • Tag 4 - Bucuresti 2

    29 Jun, Romania ⋅ ⛅ 29 °C

    Arnd:
    Zum Frühstück gab es verschiedene warme Dinge, z.B. einen Reis mit Gemüse, diverse rohe und gegarte Gemüse. Natürlich auch das obligatorische Ei. Dafür nicht viel Brot, im wesentlichen nur Toast. Wir mochten das gern.

    Anschließend bis fast 12:00 diverse digitale Dinge in Ordnung gebracht. Da gibt es aber noch mehr zu tun, so gesehen sind wir noch nicht vollständig bei der Reise angekommen.

    Nachmittags mussten wir uns die Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses nach Istanbul um 22:00 vertreiben. Das Gepäck konnten wir im Hotel lassen. Wir haben uns für ein Freilichtmuseum entschieden. Das ist schon recht alt und hat deshalb eine große Zahl von ländlichen Häusern zusammengetragen, die man in allen Landesteilen aufgespürt und ins Museum verbracht hat. Leider konnte man die meisten nur von außen betrachten. Trotzdem war das für uns sehr interessant, wir stehen ja auf alten Häusern. Da es Sonntag war, gab es auch folkloristische Musik- und Tanzaufführungen.

    Abends in der Innenstadt gegessen. Diesmal vegetarische Auberginengerichte, die waren aber vermutlich nicht original Rumänisch, eher ist das ein aktueller Trend. Abends dann zum Busbahnhof gefahren. Es hätte auch einen Zug nach Istanbul gegeben, aber der braucht 24h. Vermutlich weil es gar kein Zug ist, sondern ein paar Schlaf- und Liegewagen, die im Verlauf der Fahrt an verschiedene Züge angehängt werden und zwischendurch immer wieder warten müssen. Der Bus braucht laut Plan nur 11h. Während ich dies schreibe, sitze ich aber immer noch im Bus und er hat schon Verspätung. Ich schätze mal, dass das 2h werden.

    Hea-Jee:
    Es war ein wenig ermüdend, den ganzen Tag unter der sengenden Sonne umherzulaufen. Zum Glück war das Thema des Freilichtmuseums interessant genug, um es auszuhalten. Viele der Häuser waren einfache Holzbauten, die aus den Gebirgsregionen umgesetzt worden waren.

    Es gab auch halbunterirdische Behausungen, ähnlich wie Grubenhäuser. Um sich vor Eindringlingen zu verstecken, bedeckten die Menschen ihre Dächer mit Heu – es sah tatsächlich so aus, als ob man im Wald kaum entdecken könnte.

    Anscheinend haben auch die Menschen in Rumänien unter einer langen Geschichte der Invasionen viel gelitten. Es ist fast erstaunlich, wie freundlich sie zu Fremden sind.

    Als wir abends den Bus sahen, mit dem wir die Nacht über fahren sollten, waren wir schockiert. Wir hatten uns auf Liegesitze gefreut, die sich bequem nach hinten neigen lassen – nein, nicht der Fall. Die Sitze in diesem Bus waren auch noch besonders eng. Arnd sagte, auch er habe das bei der Buchung nicht gewusst. Ich war nicht einmal verärgert, sondern eher neugierig und gespannt, was auf uns noch alles zukommen würde.

    In dieser Nacht, während wir im Bus saßen, schliefen und immer wieder aufwachten, dachte ich darüber nach, wie vieles auf dieser Reise wohl noch anders verlaufen würde als geplant – und ob wir es ebenso gelassen hinnehmen könnten wie diesmal. Zum Glück tat uns der Rücken nicht weh.
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