Auf nach Mückenhausen
4–5 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 23 °C
Wir wachen zeitig auf und ich hopse mit Bella aus Freddie und drehe eine Morgenrunde, während Christian sich um Kaffee- und Teekochen kümmert und Freddie tagesfein macht. Außerdem meldet er uns bei der Rezeption an und zahlt unsere offenen Stellplatzkosten. Die frische Morgenluft tut gut und Bella und ich genießen es, recht mückenfrei durch die Gegend zu stapfen. Der See, an dem wir stehen, ist laut Infotafel durch einen Meteoritenkrater entstanden und mit über 100 Metern Tiefe der tiefste See Manitobas. Demnach ist er ein beliebtes Ausflugsziel für Scuba-Diver. Warnschilder beschwören Angler, hier keine Fische zu fangen, da das Einzige, was sie angeln würden, vermutlich wütende Taucher wären. Auf einem der versteckteren Campingnischen grast in aller Seelenruhe ein Wapiti. In Deutschland werde ich die Vielfalt an Tieren, die nicht durch Menschen vertrieben wurden, ganz schön vermissen.
Zurück an Freddie wartet ein köstlicher Kaffee auf mich, den Christian und ich sogar unter freiem Himmel genießen. Er erzählt, dass die netten Menschen an der Rezeption ganz neugierig nach unserer Reise gefragt haben. Auf seine Frage hin, ob es üblich ist, dass noch so viele Plätze wie gestern Abend frei sind, antworteten die Mitarbeiter, dass um diese Jahreszeit in der Regel alles bis auf das letzte Plätzchen ausgebucht ist. Dieses Jahr hagelt es allerdings Stornierungen und die Camper bleiben aus, da das Jahr auch für an Mücken gewöhnte Kanadier eine Herausforderung darstellt. In uns regt sich so langsam eine kleine Sorge, wie wir die Mückensituation die nächsten 40 Tage überstehen werden. Hier geht es aktuell wie gesagt, wir hoffen einfach darauf, dass wir noch einige Plätzchen finden werden, die nicht so heimgesucht werden wie der Bärenplatz von vorgestern. Denn unsere rosige Vorstellung, auf den Seen Ontarios (hier ist man laut Emilies Aussagen nie weiter als 40 km vom nächsten See entfernt) das Stand Up Paddle endlich auspacken zu können, die wunderschöne Natur wandernd zu entdecken und lange Abende am Lagerfeuer zu verbringen, passt nicht ganz mit der Mückenerfahrung der letzten Tage zusammen. Auch wenn man sich im Internet schlau macht, kommt man schnell eher resigniert zu der Erkenntnis, dass es das ganze Frühjahr über in Kanada eher mild war und viel geregnet hat – ein Sommer mit einer untypisch hohen Mückendichte ist wohl also zu erwarten gewesen. Mal schauen, was wir aus der Situation machen. In Schweden und Schottland haben wir es geliebt, Urlaub zu machen, und auch diese Länder sind bekannt dafür, mückenreich zu sein. Das waren sie auch, als wir dort waren. Allerdings haben die Plagegeister hier nach dem Morgen bis in die frühen Abendstunden immer eine Pause eingelegt. Vielleicht wird das hier ja auch so sein. Wir sind gespannt und leise hoffnungsvoll.
Bis zum Quetico Provincial Park in Ontario sind es noch 443 Kilometer. Wenn man sich unsere Fahrtstrecken der letzten Tage anschaut, ist das ja fast ein Klacks. Wir gehen also davon aus, dass wir heute dort ankommen werden und im Provincial Park selbst übernachten können. Um elf Uhr sind wir auf der Straße und rollen in Richtung Ontario los. Gegen frühen Nachmittag rollen wir auf einen Rastplatz, der direkt an einem See gelegen ist und genießen ein Müsli, das Christian morgens, während meiner Gassirunde, noch vorbereitet hat. Bei der Aussicht schmeckt es sofort noch besser. Und hier sind keine Mücken in Sicht, sodass wir die Natur bei offener Schiebetür genießen können. Na, geht doch.
Heute knallt die Sonne ordentlich, vom Himmel strahlt ein knalliges Blau und die Temperaturen im Fahrerhaus klettern schnell auf 30°C. Hinten ist es ein bisschen kühler, sodass Bella bequem auf dem Bett herumdösen kann. Am Nachmittag passieren wir Dryden, eine etwas größere Stadt, wo Christian noch in den Walmart hopst, damit unsere Obst- und Joghurtvorräte wieder aufgefüllt werden. Ich bleibe bei weit aufgerissenen Fenstern bei Bella im Auto, sodass es nicht zu heiß wird.
Nach dem Einkauf rollen wir sofort gegenüber auf den Parkplatz eines Tim Hortons. Von der „Gebäck- und Fast Food Kette“ hat mir Christian schon öfter vorgeschwärmt und damals in Schottland sind wir bereits in den Genuss gekommen. Hier in Kanada gibt es in jedem kleinen Örtchen einen Tim Hortons und einen A&W Burgerladen. Beides haben wir bisher, wahrscheinlich unterbewusst mehr aus Selbstschutz, noch nicht besucht. Aber der Kaffeedurst meldet sich, kurze Zeit später sitzen wir, unsere kleinen inneren Kinder sehr befriedigt, wieder in Freddie. Neben zwei Eiskaffees gibt es für jeden von uns eine riesige glasierte Apfeltasche und eine 10er-Packung TimBits. Schmeckt wie eine Mischung aus Krapfen und Donut und ist so süß, dass ein Zuckerschock garantiert ist. Oh oh, mal schauen, ob wir mit diesem Besuch den Fett- und Süßstein ins Rollen gebracht haben … und uns damit auf lange Sicht auch.
Wir fahren weiter, halten kurz vor dem Provincial Park nochmal an einem Liquor Store und kaufen uns ein paar Bierchen. Am Campingplatz angekommen kümmert Christian sich um die Anmeldung, kommt mit Flyern, einer Platzerlaubnis für die nächsten zwei Nächte und Feuerholz wieder und wir rollen zum Platz. Hier angekommen merken wir als erstes, dass dieser so windschief ist, dass selbst unsere Keile nicht ausreichen, um Freddie in Waage zu bringen. Aber zwei Nächte in eine Richtung schief zu liegen, wird wohl schon passen. Während wir uns nach fünf Versuchen für das kleinste Übel des schief Stehens entscheiden, wissen wir, dass wir nicht allein sind. Die Mückenplage hat auch diesen Platz ordentlich im Griff und obwohl ich mich vor dem Unterlegen der Keile ordentlich eingecremt habe, haben mir bestimmt zehn Viecher durch Hose und Shirt in Po und andere eigentlich gut verdeckte Körperteile gestochen.
Christian wagt sich mit Bella nach draußen, während ich uns Wraps zaubere. Christian und Bella kommen richtig geknickt und resigniert wieder und auch meine Stimmung ist getrübt, weil Frau Schwarzmalerin sich die nächsten Tage in Freddie und nicht die Natur erkundend sieht. Das Essen ist lecker und den Rest des Abends wird die Laune mit Hilfe von Dexter wieder ein bisschen besser. Morgen ist ein neuer und hoffentlich mückenärmerer Tag.Leia mais
Wir hadern...
5–6 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 22 °C
Eine sanfte Bewegung entlang des linken Beines und meines Fußes am frühen Morgen ist die Bestätigung der bei der gestrigen Abendrunde noch erhaltenen Mückenstiche. In Freddie selbst ist es fast mückenfrei, und es scheint auch nur eine einzige Mücke die Nacht mit uns verbracht zu haben.
Mir fällt es sehr schwer, diese Unmengen an Mücken auszublenden und dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen. Gerade wenn es ständig direkt am Ohr summt und eines der Viecher doch durch die dicke Vans-Jacke sticht.
Es gibt 21 Stellplätze hier auf dem Campground, frei und buchbar war nur noch einer – mit uns sind aber gerade mal 13 andere Leute hier. Ob die Abwesenheit der anderen Camper an der Mückenmenge liegt, ist natürlich nur Spekulation – passt von der Erklärung her aber ganz gut. Von den Mitcampern hat gestern lediglich ein Paar ungeschützt draußen gesessen, dies dann allerdings auch am Feuer, was bekanntlich ganz gut Mücken abwehrt. Fünf Camper haben wie wir den Abend im Fahrzeug verbracht, die verbleibenden sechs Familien haben alle in einem Mückenschutzzelt draußen gesessen.
Wir sind uns beide einig, dass wir Ontario und die Mückensituation noch ein paar Tage auf uns wirken lassen wollen und schauen, wie zermürbend es sein wird. Wenn die Plagegeister wenigstens tagsüber Ruhe geben würden, wäre das Ganze schon mal eine Spur erträglicher. In der Zwischenzeit werden wir uns in Freddie zurückziehen oder in langen Klamotten und „dick“ mit der Abwehrcreme eingerieben die Zeit draußen verbringen.
Nachdem all diese Gedanken gedacht und wir uns gemeinsam darüber ausgetauscht haben, ist es an Hanna, eine Runde mit Bella zu drehen. Ich krieche langsam aus dem Bett, baue schon mal um, koche Kaffee und mache den Laptop bereit für das Streamen des Viertelfinalspiels. Hanna ist passend zur Nationalhymne zurück, und wir machen es uns gemütlich.
Die Internetverbindung ist gut und wir können das Spiel bis auf ein paar gelegentliche Stopper ohne Weiteres verfolgen. Wir schauen interessiert zu, nutzen aber die Zeit auch und fangen mit dem Schreiben der Berichte der letzten Tage an. Mit dem Beginn der letzten zehn Spielminuten und der späteren Verlängerung fiebern wir beide richtig mit, sodass wir das Schreiben erstmal unterbrechen. Schade, dass es dann am Ende doch nichts geworden ist.
Wir machen einen kleinen Mittagsschlaf, bevor wir dann mit neuem Elan weiter tippen. Stichprobenartige Aufenthalte vor Freddie liefern zwischenzeitlich immer wieder das gleiche Ergebnis: Die Mücken sind immer noch da und auch den ganzen Tag über aktiv.
Gegen 17 Uhr trauen wir uns dann aber doch noch für etwas länger nach draußen. Mit Thermacell bewaffnet und unter einer dicken Schicht der Abwehrcreme setzen wir uns nach draußen. Wenig später schmeißen wir auch das Feuer an und es lässt sich gut aushalten. Vereinzelt verirren sich die Viecher dann zwar doch noch in unsere Richtung, aber es bleibt beim Vorbeiflug.
Am frühen Abend macht sich Hanna an die Vorbereitung von Feta-Tomaten-Nudeln und wir lassen den Tag gemütlich in unserer Höhle ausklingen. Morgen geht es für uns weiter und wir wollen bei einem anderen Provincial Park stoppen. Dort gibt es Wasserfälle und somit auch Wasser in Bewegung – vielleicht ist es dort besser.Leia mais
Wasserfälle
6–7 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 27 °C
Wir wachen in unserer kleinen gemütlichen Höhle auf. Wie schon die letzten paar Tage, kostet es mich ganz schön Überwindung, den ersten Schritt vor die Tür zu wagen, um die Moskitolage zu checken. Die Morgenroutine besteht mittlerweile darin, lange Klamotten anzuziehen, alle freiliegenden Körperstellen mit Stinke-Antimückencreme einzureiben und dann "Augen zu und durch" vor die Tür zu springen, um das Mückennetz schnell hinter mir zu schließen. Danach verharre ich kurz und warte ab, was passiert. Heute - nach ein paar bangen Atemzügen - richte ich mich auf und atme durch. Es ist der erste Morgen der letzten Tage, an dem nicht nach kürzester Zeit blutsaugende Ekelviecher gegen meinen Kopf fliegen und mir laut in den Ohren summen. Um mich herum sammeln sich lediglich 3-4 geflügelte Rüsselkumpanen, die sofort weiter surren, sobald sie merken, dass ich Chemiekeule im Gesicht kleben habe. Damit lässt sich doch arbeiten.
Nachdem ich Christians bange Frage nach der Mückenvorhersage außerhalb des Vorhangs beantwortet habe, hole ich Bella an die frische Luft, und wir machen uns auf zur üblichen Morgenrunde. Christian kümmert sich derweil wie auch schon die letzten Tage um die Kaffee- und Teeversorgung.
Heute genieße ich den Kaffee sogar draußen, natürlich im Schutz von Thermacell, aber immerhin - so lässt es sich aushalten. Ich halte einen kurzen Videochat mit Oberauel, während Christian sich derweil zum Duschen begibt. Als er wieder da ist, packe auch ich meine sieben Sachen und genieße die kühle Brause. Die Duschen sind zwar nur lauwarm, aber dafür umso erfrischender. Heute sind die Temperaturen auch ordentlich sommerlich, sodass das kühle Nass angenehm erfrischend ist. Hier müssen wir den Platz erst um 14 Uhr freimachen, das entzerrt die Aufbruchsstimmung sehr und man hat auch am Abreisetag noch etwas vom Stellplatz.
Zurück bei Freddie bereiten wir uns auf die Abfahrt vor und nehmen als kleinen Snack etwas Obst mit nach vorne. Heute geht es weiter zu den Kakabeka Falls, einen Platz hat Christian dort schon reserviert. Nach einem Stopp an der Abwasser-, Müll- und Frischwasserstation sind wir wieder bestens vorbereitet und machen uns auf den Weg. Die Strecke ist nicht allzu weit, wir haben nur knappe zwei Stunden Fahrt vor uns, die recht unspektakulär mit unserem Hörbuch in den Ohren an uns vorbeiziehen.
Kurz vor den Kakabeka Falls überkommt uns die Lust auf Eis, und wir steuern einen Eisladen im Dörfchen an, den uns Google Maps empfohlen hat. Ein Eis ähnlich wie ein McFlurry und zwei normale Eiskugeln später, erreichen wir unseren Stellplatz für den Tag. Wir haben einen kleinen Nischenplatz in der Nähe der Toiletten und sind erstmal zufrieden, da sich hier die Mücken- und Fliegenpopulation im Vergleich zu den letzten Tagen ordentlich in Grenzen zu halten scheint. Gerade als ich von der Toilette zurück zu Freddie gehe, spüre ich unter meinem Oberteil einen heftigen Stich, sodass ich mich unkontrolliert versuche auf den Rücken zu schlagen. Offensichtlich hat sich auf der Toilette eine Biene oder etwas ähnliches unbemerkt unter mein Oberteil verirrt. Christian ist sichtlich verwirrt, als ich an ihm vorbeirasen, in Freddie springen und meine Kleidung von mir werfen, in der Hoffnung, dass das Stechen aufhört. Auf meinem Rücken ist ein ordentlicher Stich zu sehen, und innerlich bin ich resigniert. Kaum habe ich keine Mückenstiche mehr, gesellt sich ein anderer Stich zu den anderen. Vor lauter Frust verkrieche ich mich mit meinem Buch aufs Bett, lese etwas und mache dann ein Nachmittagsschläfchen, während Christian ebenfalls eine Pause einlegt.
Gegen frühen Abend beschließen wir, mit Bella ein Ründchen zu drehen und uns die Kakabeka Falls anzuschauen, immerhin die zweithöchsten Wasserfälle in Ontario. Hier im Provincial Park sind viele schöne kleine und größere Wanderungen angelegt, und wir sind froh, am Ende einen wunderschönen 5 km langen Spaziergang mit Bella gemacht zu haben. Der Wasserfall ist beeindruckend, und die Route führt schön durch den Wald und entlang des Flusses. Solche Erlebnisse haben wir die letzten Tage vermisst, und wir sind super dankbar dafür, dass man auch in einem ungewöhnlich mückenreichen Sommer in Ontario Orte finden kann, die weniger von den kleinen Quälgeistern geplagt sind.
Zurück bei Freddie zaubere ich uns eine riesige Portion Salat, die wir auf dem Bett genießen, während wir ein paar Folgen Dexter schauen. Danach klingt der Abend entspannt aus, und wir schlummern glücklich über diesen Tag ein.Leia mais
Der kleine See
7–8 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 17 °C
Wir wachen an einem leicht bewölkten Sonntag auf und stehen gegen 10 Uhr zum ersten Mal vor Freddie. Der Campingplatz ist ziemlich leer, und wir haben von der morgendlichen Abreisewelle nichts mitbekommen. Mit Bella an der Leine spaziere ich in Richtung der Wasserfälle und wir machen dann einen kurzen Abstecher entlang der Parkroute. Es ist wirklich schön hier und die Mücken halten sich einigermaßen zurück - kein Wunder, das Wasser fließt recht schnell. Ich hoffe, dass sich unser Mut, einen Stellplatz für drei Nächte am Lake Superior zu buchen, auszahlt.
Zurück bei Freddie wartet bereits der Kaffee auf uns, den wir genießen, während wir langsam den Wagen für die Abfahrt vorbereiten. Ich recherchiere noch einmal, welche Outdoor-Geschäfte es in Thunder Bay, der nächstgrößeren Stadt, gibt. Da die spezialisierten Geschäfte an diesem Sonntag alle geschlossen sind, verwerfen wir den Gedanken, heute nach einem Mückenzelt zu suchen. Gegen 12 Uhr brechen wir auf und verlassen den Provincial Park. Nach einer Fahrt durch schwedisch angehauchte Natur erreichen wir Thunder Bay. Im Walmart füllen wir unsere Obst- und Gemüsevorräte auf, bevor wir wenig später die ersten Blicke auf den Lake Superior erhaschen können. Während wir die Größe des Vänern in Schweden schon beeindruckend fanden, werden wir von der Weite des größten Süßwassersees der Welt überwältigt - er ist so groß wie Österreich.
Der Highway verläuft teilweise direkt am Wasser entlang und führt dann leicht zurückversetzt durch das Land am See entlang. Nach einer guten Stunde tanken wir wieder auf und gönnen uns bei Tim Hortons eine Stärkung zur Kaffee- und Kuchenzeit. Der Kaffee mag nicht so großartig sein wie bei Starbucks, aber für das gleiche Geld bekommen wir zusätzlich drei Apfeltaschen, die wir während der Weiterfahrt genießen.
Bevor ich einen Stellplatz im Neys Provincial Park gebucht hatte, haben wir uns auch mögliche kostenlose Stellplätze entlang des Highways angesehen, aber diese schienen nicht vielversprechend zu sein, was sich auch beim Vorbeifahren bestätigte. Daher sind wir beide aufgeregt, als wir gegen 17 Uhr im Park ankommen. Das Einchecken geht schnell, wir erhalten sogar Feuerholz, und mein Mück-o-meter schlägt (noch) nicht aus.
Der Park bietet insgesamt Stellplätze in drei verschiedenen Bereichen. Der erste Bereich direkt am Wasser verfügt über Stromanschlüsse und ist entsprechend teurer. Der zweite Bereich liegt in einem kleinen Wald direkt am Strand. Der dritte Bereich liegt etwas abseits, ist jedoch am ruhigsten und etwa einen Kilometer vom Wasser entfernt.
Wir haben uns für einen Waldplatz mit direktem Strandzugang entschieden und zahlen umgerechnet 90€ für drei Nächte - ein fairer Preis. Unser Stellplatz ist über einen kurzen Weg mit dem Strand verbunden. Nachdem wir Freddie geparkt und ausgerichtet haben, sind Hanna und ich sehr erfreut. Es gibt hier kaum Mücken, und die wenigen werden wir mit Lotion und Thermacell gut im Griff haben - hurra!
Wir machen einen Spaziergang zum Strand und sind glücklich über dieses wunderschöne Fleckchen Erde. Kaum zu glauben, dass wir mitten in der Hauptsaison einen solchen Platz für drei Nächte so spontan buchen konnten.
Mit Bella an der Leine machen wir eine Entdeckungstour entlang des Campingplatzes und des Strandes. Neben der Abwesenheit von Mücken fällt uns vor allem die Ruhe auf - kein einziger Generator ist zu hören. Statt riesiger Wohnmobile sehen wir hier meistens Familien, die es sich in mehreren Zelten gemütlich machen. Es gibt zwar auch einige Dauercamper; ein Platz ist für 151 Tage gemietet. Obwohl es schön wäre, solange an diesem Ort zu bleiben, sind wir beide froh, dass wir in fast demselben Zeitraum einen Großteil der USA und Kanadas bereist haben.
Zurück am Platz kümmert sich Hanna um eine große Portion Guacamole, die wir dann mit heißen Sandwichtoasts genießen. Wir sind beide müde vom Nichtstun und lassen einen weiteren schönen Tag gemütlich mit einem Rotwein und einem Bier ausklingen.Leia mais
La dolce far niente
8–10 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 16 °C
Wir wachen auf an diesem wunderschönen Ort und nach dem ersten Öffnen der Tür sind wir mehr als selig, als wir merken, dass sich hier die Moskitos scheinbar tatsächlich nicht so wohl fühlen wie an all den anderen Orten der letzten Tage. Es surrt und summt zwar hier und da, aber es ist kein Vergleich zu den Moskitowolken der letzten Tage. Ich schnappe mir Bella und wir drehen eine zwei-Kilometer-Runde um den Campground und bestaunen die Zelt- und Campervan-Forts, die hier zum Teil mit Lichterketten und allerhand Equipment dekoriert wurden. Das seichte Schwappen des Wassers dieses größten Sees der Welt an den Sandstrand wirkt beruhigend, und ich freue mich jetzt schon auf die entschleunigten Tage, die hier vor uns liegen. Zurück an Freddie hat Christian bereits Kaffee und Tee aufgesetzt. Ich schnappe mir unsere wuchtigen Campingstühle aus dem Kofferraum, die wir nur super selten aus Freddie herausmanövrieren, weil wir meist zu faul sind, sie am Ende eines kurzen Halts wieder in den Kofferraum hinein zu basteln.
Mit Kaffee und Kindle bewaffnet vergehen die Stunden. Auch Christian hat sich ein kleines Sonnenfleckchen an unserem hauptsächlich schattigen Plätzchen auserkoren und versinkt in der Silo-Reihe, die ich noch vor kurzer Zeit auf seine Empfehlung hin gelesen habe. So verstreicht der Vormittag und auch der frühe Nachmittag. Christian verkriecht sich zwischendurch in Freddie und daddelt ein wenig Zelda, während ich uns einen Porridge zum Frühstück zaubere. Durch den Schatten und den angenehmen Wind, der hier weht, wird es zwischenzeitlich draußen sogar ordentlich zugig, sodass wir einen guten Teil des Nachmittags in Freddie eingekuschelt auf dem Bett lesend, daddelnd und Serie schauend verbringen. Zwischendurch gibt es noch ein Schläfchen und gegen Abend eine ordentliche Portion Nudeln mit Aglio e Olio und frischem Gemüse, die wir draußen an der frischen Luft genießen. Es ist so ein ganz anderes Gefühl, wenn man jederzeit unbedacht nach draußen hüpfen kann, einen Großteil des Tages draußen verbringen kann, ohne sich mit irgendeiner Mückenabwehr einschmieren zu müssen.
Nachdem Christian an der frischen Luft gespült hat und sich zu einer Runde mit Bella aufmacht, kuschle ich mich bei frischen 17°C in Freddie unter unsere Wolldecke, habe drei Kerzen an und versinke wieder in meinem Buch. Christian und Bella sind eineinhalb Stunden unterwegs und sind alle Campingplatzschlaufen einmal abgelaufen. Die Schlaufe, die etwas abseits an einem Flusszulauf liegt, zeigt sich Ungeziefer-technisch wohl in einem ganz anderen Licht. War ich zu Beginn noch unsicher, ob es klug ist, einen Platz sofort am Wasser zu wählen, bin ich nun doppelt froh, auf Christians Bauchgefühl gehört zu haben. Wir schauen gemeinsam noch ein bis drei Folgen Dexter und schlummern dann in Vorfreude auf den nächsten Bummeltag ein.
Auch am nächsten Morgen ist der Ablauf der gleiche. Wir starten vollkommen entspannt und entschleunigt in den Tag, und Bella und ich nehmen auf dem Rückweg der Gassirunde den Strand mit. Barfuß durch den Sand bei einer leichten Brise und frischer Luft. Und dann nur ein paar Meter durch den Wald zu unserem Vorgarten für drei Tage und hin zum himmlischen Kaffeeduft. Wieder besteht unser Tag, wie schon gestern, aus lesen, daddeln, frischer Luft, leckerem Essen (Ramen und Kartoffelpüree mit Gemüse), Weinchen, Quatschen, dösen und einfach nur Seele baumeln lassen. Hier fühlen wir uns pudelwohl und können uns vorstellen, eventuell sogar zu verlängern.Leia mais
Umzug, Sommer, Sonne und Sonnenschein!
10–12 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 20 °C
Nach zwei Tagen des süßen Nichtstuns, werden wir gut erholt am Mittwochmorgen wach. Unser Tag beginnt fast so wie die letzten beiden. Nachdem wir Geburtstagsgrüße an Tim senden (alles so viel leichter, wenn es nur noch sechs Stunden Zeitunterschied hat), kommt gegen 13 Uhr etwas Leben in die „Blechbude“. Gestern am späten Nachmittag ist der Würfel gefallen und wir haben uns dafür entschieden zwei weitere Nächte an diesem wunderschönen Flecken zu bleiben.
Dafür müssen wir dann aber auch mit Freddie einmal umziehen: wir haben noch einen Platz im ersten Bereich bekommen. Dazu ist das Wetter ab heute auch noch besser geworden: perfekt!
Gegen 14 Uhr rollen wir also von unserem Platz. Unsere Siebensachen (Stühle, Feuerholz, etc.) haben wir erstmal nach vorne gestopft, Bella und Hanna fahren die paar Kilometer bis zum anderen Platz hinten mit. Nach einem Zwischenstopp an der Entsorgungsstation kommen wir dann an unserem neuen Domizil an. Wir parken so, dass wir direkten Seeblick aus Freddie haben. Damit steht das Heck dann fast in Richtung Westen, perfekt um nicht von der Morgensonne gegrillt zu werden.
Schnell sind unsere Siebensachen wieder ausgeräumt, diesmal gesellt sich auch unsere Dachleiter dazu und ich rolle das Stand-up-Paddle-Board aus und pumpe es zügig auf, muss aber zwischendurch kurz pausieren: in der prallen Sonne ist das ganz schön anstrengend (zumindest, wenn man es wie ein Halbwahnsinniger macht, wie ich).
Wir lassen den Platz erstmal auf uns wirken und frühstücken in aller Seelenruhe. Auch wenn wir aufgrund der „Premium-Lage“ für zwei Nächte hier ebenso viel zahlen, wie für die drei letzten Nächte, sind wir damit absolut fein 🌞
Während ich es mir mit Bella zum Teil in der Sonne und zum Teil im Schatten mit meinem eBook gemütlich mache, schlüpft Hanna in ihre Badekleidung, cremt sich ordentlich ein und verschwindet das nächste Stündchen auf dem Wasser. Nach den beiden letzten Tagen im Wald bei ohnehin nur wenig Sonnenschein, ist es hier wirklich perfekt.
Es ist mittlerweile früher Abend, als Hanna strahlend mit dem Brett vom Strand zurückkommt und sehr, sehr zufrieden ist. Über 5 Monate hat es gedauert, bis das ganze drumherum mal so gepasst hat, dass es sich gelohnt hat. Vor ein paar Tagen im Quetico Provincial Park, hatten wir auch kurz darüber nachgedacht, aber das ständige Surren im Ohr hat uns davon abgehalten.
Nachdem ich die eine gemütliche Hose gegen die gemütliche Badehose getauscht habe, begebe ich mich aufs Wasser, verbringe aber den Großteil sitzend und paddelnd auf dem Board. Das Wasser ist unglaublich klar und erst gut 30 Meter vom Ufer entfernt, wird es tiefer als zwei Meter. Die Oberflächentemperatur des Lake Superior beträgt im Jahresmittel 4°C, im Juli sind es in den letzten Jahren zumeist zwischen 11-14°C gewesen und meine Füße als geeichtes Thermometer bestätigen mir, dass es auch unter der Oberfläche nicht wesentlich wärmer ist. Trotzdem ist die Abkühlung durch das Nass zwischendurch sehr willkommen.
An der Mündung des Little Pic Rivers in den Lake Superior angekommen, sind die unterschiedlichen Wasserströmungen klar zu erkennen. Während in einem Augenblick das Wasser noch klar ist, ist es im nächsten undurchsichtig und bräunlich. Ich wende schnell und mache mich auf den Rückweg.
Zurück am Platz wird das Board hinter Freddie verstaut und ich marschiere fast direkt mit Bella los, während Hanna sich um das Abendessen kümmert. Eine Stunde später sind wir zurück und Hanna hat den Zeitpunkt für das Fertigwerden der Feta-Tomaten-Nudeln perfekt abgestimmt. Zusammen mit einem Rotwein in der langsam untergehenden Sonne ist es ein wundervoller Ausklang eines perfekten Tages.
Nachdem es dunkel geworden ist, klettern wir langsam in Freddie und versinken vollkommen in die letzten Folgen der vierten Staffel von Dexter. Als wir mit einem Schrecken feststellen, dass es bereits drei Uhr am Morgen ist, machen wir uns schleunigst für das Bett fertig. Hanna ist schon halb dösend, als ich im Bett liegend einen ziemlich klaren Sternenhimmel durch die Dachluke erahnen kann.
Ich hüpfe nochmal aus dem Bett und schmeiße mir schnell eine Hose und ein Shirt über und klettere leise über die Fahrerkabine nach draußen. Es ist fast vollkommen dunkel – einzig und allein eine einsame Telefonzelle in direkter Nähe zu Freddie wirft ein diffuses Licht. Ich stelle mich hinter Freddie, wo das Licht nicht blendet und ein paar Augenblicke später habe ich mich an die Dunkelheit gewöhnt und bin vollkommen überwältigt. Mit zwei Sätzen habe ich Hanna überzeugt und auch sie gesellt sich zu mir. Die nächsten 20 Minuten stehen wir beide mitten in der Nacht hinter Freddie und bewundern die Milchstraße, die sich in einem breiten Streifen fleckig über fast den ganzen Himmel zieht.
Am Donnerstagmorgen lassen wir es langsam angehen und starten gegen 10 Uhr gemütlich in den Tag. Bis in die frühen Abendstunden ist es sonnig und wir verbringen diesen ähnlich wie den gestrigen, heute findet der Tag aber ein wesentlich früheres Ende als gestern. Dafür genießen wir das Abendessen heute am Lagerfeuer, trinken dazu einen Weißwein und tauschen uns begeistert über die Sichtung der Milchstraße in der Nacht aus. So gerne wir diese heute nochmal sehen möchten: die Wolken verdecken die Sicht auf den Himmel, so dass wir ohne etwas zu verpassen früh schlafen gehen können.Leia mais

ViajanteDer Kreis Eurer Reise schließt sich langsam. So stellt sich das auf dem Bild mit Eurem Standort da. Wahnsinnsstrecke die Ihr zurück gelegt habt !
Trennung auf Zeit
12–13 de jul. 2024, Canadá ⋅ ⛅ 25 °C
Bis 14 Uhr müssen wir heute auschecken, und weil wir uns für heute noch die knapp 14 Kilometer lange Wanderrunde vorgenommen haben, werden wir beide auch schon früh wach. Ich habe in der Nacht nichts mitbekommen, aber bei Hanna rumort es ordentlich im Magen, und daher mache ich mich allein mit Bella auf den Weg.
Der erste Kilometer führt mich noch entlang der Straße, da auf dem Stück bis zum Einstieg der Wanderung entlang des Strandes Hunde nicht erlaubt sind. Im Wald angekommen, beginnt Bella mit einer Schnüffelorgie, und ich fühle mich, als würde ich mit einem Anker spazieren. Da ich keine Menschenseele ausmachen kann, mache ich Bella auch los und kann so viel freier stapfen.
Das Wetter ist angenehm kühl, vom See weht eine schöne Brise, und im Wald duftet es herrlich. Immer wieder muss ich mir dünne Spinnfäden aus dem Gesicht wischen – scheinbar sind wir die ersten Spaziergänger des Tages. Insgesamt vier Wanderungen (plus ein gutes Stück an der Straße) lassen sich hier zu einem Rundweg zusammensetzen. Nachdem ich den ersten Teil hinter mir gelassen habe, ist die Landschaft deutlich von Gestein auf dem Boden geprägt, welches von einem unterirdischen Vulkan pro Jahr um wenige Millimeter angehoben wird.
Insgesamt 400 Höhenmeter sind heute zu bewältigen, und knapp 300 davon verteilen sich auf das knapp 3 Kilometer lange nächste Stück. Ich merke deutlich, dass ich nicht mehr in der allerbesten Form bin, marschiere zum Teil aber auch, als gäbe es einen Preis zu gewinnen. Zwischenzeitlich muss ich innehalten und mir den Schweiß aus dem Gesicht wischen. Bella lässt sich entlang des Weges nichts anmerken, hält immer wieder inne und saugt die Gerüche in sich auf.
Trotz der Anstrengung kann ich die ganzen Eindrücke genießen und freue mich sehr über diese mückenfreie Wanderung.
Am Ende des dritten Teils gibt es einen Holzpavillon, der zu einer kurzen Rast und dem Genießen der Aussicht einlädt. Bella streckt sofort alle Viere von sich und genießt die Pause. Langsam ist ihr Alter dann doch zu merken. Ich verputze die mitgebrachte Banane und videofoniere kurz mit Hanna, sodass sie auch etwas von der Wanderung hat. Nach gut einer Viertelstunde geht es weiter, und der vierte Abschnitt führt kontinuierlich abwärts. Es handelt sich um eine Service-Straße des Provincial Parks, wobei der von Gras überwucherte Streifen in der Mitte davon zeugt, dass hier eher selten Fahrzeuge verkehren. Den letzten Teil entlang der Zufahrtsstraße zum Park lassen wir schnell hinter uns und sind nach knapp drei Stunden wieder an Freddie.
Hanna fühlt sich mittlerweile wieder etwas besser und hat in und um Freddie schon mal etwas sauber gemacht und zusammen geräumt. Das Stand-up-Paddle-Board muss verstaut werden, und nachdem ich Hanna erklärt habe, wie ich es in der Vergangenheit erfolgreich verstaut habe, macht sie sich daran. Das Brett und die Doppelhubpumpe werden mittels Spanngurten unter dem Bett verzurrt, aber als ich diese Lösung vorbereitet habe, habe ich mir wenig Gedanken darüber gemacht, wie praktikabel das Entnehmen und Verstauen ist. Es braucht drei Versuche, knapp 20 Minuten und am Ende ein separates Verstauen der Pumpe, bis diese ToDo abgeschlossen ist.
Pünktlich um 14 Uhr verlassen wir den Stellplatz. Hanna war schon am Morgen duschen, aber ich möchte dies nach der Runde vom Vormittag noch unbedingt nachholen, und so stoppen wir kurz am Duschhaus. Auf dem Weg zum Highway halten wir noch am recht interessanten Besucherzentrum.
Während des Zweiten Weltkrieges war auf dem Gelände des heutigen Parks ein Kriegsgefangenenlager untergebracht und neben Ausstellungsstücken der lokalen Fauna und Flora wird hier auch im Detail über dieses Lager berichtet. Die ranghohen deutschen Kriegsgefangenen wurden über den Atlantik gebracht, um sicherzustellen, dass sie bei einer etwaigen Flucht nicht wieder am Krieg teilnehmen können. Historische Aufzeichnungen und Berichte von Gefangenen geben einen guten Einblick in den damaligen Alltag. Wir sind beide mehr als dankbar, dass wir trotz der Geschichte Deutschlands immer und überall während unserer Reise herzlichst willkommen geheißen wurden.
Außerdem finden sich Infos über den Lake Superior, dass es sich um den größten See der Welt handelt wussten wir bereits vor unserem Besuch hier. Das er allerdings so viel Wasser führt, dass bei Umverteilung des Volumens ganz Nordamerika (also USA und Kanada) 10cm unter Wasser stünden, lässt uns ganz schön baff zurück.
Nachdem wir noch die Versorgungsstation mitgenommen haben, machen wir uns, ohne ein konkretes Ziel zu haben, auf den Weg. Da mir mittlerweile der Magen ziemlich durchhängt (und bei Hanna alles wieder fit ist), machen wir Halt bei der kanadischen Burgerkette A&W. Während es für mich die vegetarische Burgervariante gibt, probiert Hanna den Hühnchen-Burger. Dazu gibt es für uns beide als Beilage Poutine. Alles ist direkt frisch zubereitet (hier gibt es gerade aber auch kaum bis keine Kunden), und es gibt richtiges Besteck und Geschirr sowie einen richtigen Krug für das Getränk der Wahl aus der Soda-Maschine. Man sieht den Dingern die Zeichen der Zeit deutlich an, aber trotzdem wirkt das Menü aus dem Schnellrestaurant dadurch direkt hochwertiger.
Nachdem wir gut zwei Stündchen gefahren sind, bekomme ich bei dem guten Wetter Lust auf einen kalten Kaffee und steuere nach dem Tanken einen Tim Hortons an. Wir schaffen es natürlich nicht, nur einen erfrischenden Kaffee zu bestellen – was haben wir da bloß losgetreten.
Ohne konkreten Plan fahren wir weiter, und ab 20 Uhr halten wir immer wieder kurz bei verschiedenen Plätzen entlang des Lake Superior, die bei iOverlander gelistet sind. Wir sind uns beide einig, dass wir nicht an einem Platz mit vielen Mücken stehen wollen. Davon ab finde ich aber an jedem Platz etwas auszusetzen, sodass wir uns gegen 22 Uhr in einen weiteren Provincial Park retten, wo Hanna als erstes ne Abendrund emit Bella dreht.
Wir sind beide müde und satt, aber immer noch von den schönen Eindrücken entlang des Lake Superiors aufgedreht und schauen so noch eine Folge Dexter. Die Ablenkung sorgt dann bei uns beiden dafür, dass wir schnell einschlafen können.Leia mais
Mal eben die Karten neu gemischt
13–14 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 29 °C
Heute Morgen wachen wir im Pancake Bay Provincial Park recht früh am Samstag auf. Wir planen nicht, hier lange zu bleiben, einfach weil es uns nicht so gut gefällt wie die zauberhaften Tage im Neys Provincial Park. Christian geht heute Morgen mit Bella nach draußen, während ich Freddie für den Tag und die Fahrt vorbereite. Wir verzichten auf unsere Kaffee- und Tee-Zeremonie und planen, unterwegs etwas zu holen.
Gestern, kurz bevor wir hier Schutz suchten, sahen wir am Straßenrand ein Schild, das die bekanntesten Apfelkrapfen der Region bewarb. Christian hatte bereits im Voraus überprüft, ob es einen Umweg bedeuten würde, diese Köstlichkeit auf unserem Weg mitzunehmen. Fazit: Es tut es nicht, also ist unser Frühstück gesichert. Neben den Apfelkrapfen (die wirklich köstlich sind) gibt es auch ein Sandwich und einen Kaffee zum Mitnehmen für uns beide.
Die Temperaturen klettern schnell auf dem Thermometer, die Sonne strahlt am knallblauen Himmel, während wir neben dem vorbeiziehenden Lake Superior überlegen, wie wir die nächsten Tage verbringen möchten. Es sind noch knapp 770 km bis Toronto, wo wir bereits vor unserer Reise den einzigen festen Termin für die gesamten 6 Monate geplant haben. Am Mittwoch spielen die Red Hot Chili Peppers; seit einigen Wochen beschäftigen wir uns mit der Planung rund um das Konzert. Christian hat mehrere Hotels kontaktiert, die jedoch unverschämte Preise verlangen. Wir müssen mit 400C$ pro Nacht rechnen. Wir bevorzugen ein Hotel, da wir Bella bei den aktuellen Temperaturen auf keinen Fall in Freddie lassen wollen. Das Problem bei dieser Planung ist, dass kein Hotel einen Parkplatz für Freddie hat, da er anscheinend zu groß ist. Auch die Suche nach öffentlichen Parkplätzen gestaltet sich schwierig. Christian hat mehrere E-Mails hin und her geschrieben. Ehrlich gesagt, hätte ich mir darüber keine Gedanken gemacht, da man in Deutschland überall einen Platz für ein Fahrzeug wie Freddie finden würde. In Airbnbs finden wir auch in der größten Stadt Kanadas nichts Passendes und müssten ähnlich viel bezahlen wie in einem Hotel.
Das alles würde sich wahrscheinlich finden lassen, so wie bisher immer, aber irgendetwas bewegt uns heute dazu, uns zu fragen, wie viel Prozent von uns überhaupt Lust auf das Konzert haben und wie viel Prozent lieber Ruhe möchten und vielleicht schon die Ostküste Kanadas erkunden wollen. Das Fragen nach „Wie viel Prozent von dir möchten gerade das und wie viel Prozent möchten dies“ hat sich im Laufe der Zeit für uns tatsächlich als die beste Möglichkeit herausgestellt, uns klar zu werden, welchen Plan wir in diesem Moment bevorzugen, und zusammen zu entscheiden, was wir gemeinsam tun möchten. Auf unser Bauchgefühl zu hören hat sich in den letzten Monaten immer bewährt, und als wir heute während der Fahrt beide merken, dass wir zu 70% dafür sind, die Karten zu verkaufen, wägen wir noch einmal in aller Ruhe Vor- und Nachteile ab – auf solch einer Fahrt hat man ja genug Zeit, gründlich über bestimmte Entscheidungen nachzudenken.
Wir haben 220C$ für die beiden Karten bezahlt. Wenn wir dann noch ein Hotelzimmer für 1-2 Nächte, Parkgebühren für Freddie sowie Getränke und Essen beim Konzert und in der Stadt hinzurechnen, würden wir leicht 1000C$ für den Spaß am Konzert ausgeben. Nicht nur unser Bauchgefühl, sondern auch der gesunde Menschenverstand spricht dafür, das Geld vielleicht eher für eine Fährfahrt oder ähnliches auszugeben. Wir haben die Red Hot Chili Peppers vor zwei Jahren gesehen und das Konzert geliebt. Im nächsten Jahr werden sie voraussichtlich ein neues Album aufnehmen, also werden sie bestimmt nochmal auf Tour gehen.
Nach guten zwei Stunden im Auto steht unsere Entscheidung mal wieder fest, alles umzuwerfen, und Christian stellt die beiden Tickets zum Wiederverkauf bei Ticketmaster ein. Allein dieser Schritt lässt uns erleichtert zurück und bestätigt, dass es die richtige Entscheidung für diesen Moment war. Keine drei Stunden später sind beide Tickets verkauft, und tatsächlich haben wir sogar 80C$ Gewinn gemacht. Verrückt, wenn man bedenkt, dass unsere Entscheidungen in den letzten Wochen immer von der Frage begleitet waren, ob sie mit unserem Termin am 17.7. vereinbar sind.
Nach diesem Umwerfen der Pläne bleibt jetzt noch die Frage, was wir mit den restlichen vier Wochen unserer Zeit hier auf dem Kontinent anfangen wollen. Wir beide müssen nicht lange überlegen. Am meisten reizt uns Nova Scotia oder Neufundland zu entdecken. Beides liegt noch locker 1600 km und 3 kanadische Provinzen (von Ontario über Quebec nach New Brunswick und dann Nova Scotia) entfernt. Alles klar, der Plan steht. Wir sind motiviert, Strecke zu machen, also auf geht's. Am Ende des Tages haben wir heute mit 782 Kilometern die bisher längste Strecke in 5 Monaten bewältigt. Wir haben nur zum Pinkeln und gegen 19 Uhr für einen Gassistopp angehalten, bei dem wir außerdem eine Pizza to go und Poutine als Fahrtsnack eingepackt haben.
Gegen 22 Uhr parken wir erstmals in Kanada für eine Nacht beim Walmart, um hier am nächsten Morgen unsere Vorräte aufzustocken. Christian geht noch eine Runde mit Bella, und ich schreibe einen Bericht.
Was für ein aufregender Tag hinter uns liegt – voller Entscheidungen und Planänderungen – aber schließlich liegen wir zufrieden mit den Entwicklungen der letzten Stunden im Bett und schlummern voller Vorfreude auf die Entdeckungen und Abenteuer der nächsten Wochen ein.Leia mais
Atemlos durch die Nacht
14–15 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 29 °C
Mit den geänderten Plänen haben wir einige Kilometer vor der Brust, und ich werde überraschend um 6 Uhr wach. Motiviert mache ich mich an das Tippen eines längst überfälligen Berichts, den wir die letzten Tage etwas schleifen lassen haben. Es dauert fast bis 7 Uhr, bis der Bericht fertig ist. Passenderweise öffnet jetzt bereits der Walmart, und während ich mich um den Einkauf kümmere, übernimmt Hanna die Runde mit Bella. Der Anblick der Gegend bei Tageslicht zeigt uns mal wieder, wie generisch die Straßen mit den Läden in Vororten in Nordamerika aufgebaut sind.
Ich habe schon fast alles verstaut, als Hanna nach gut 45 Minuten wieder mit Bella an Freddie auftaucht. Auf der Runde hat Hanna noch eine Entsorgungsstation entdeckt, und so entleeren wir hier einmal die Tanks von Freddie. Auch wenn das keine größere körperliche Arbeit ist, schwitzen wir beide schon ordentlich. Kein Wunder bei bereits 27°C um 9 Uhr. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass wir eine Stunde später bei Starbucks neben einem heißen Kaffee auch noch eine kalte Variante dazu bestellen. Auf dem Weg zum Starbucks ist immer wieder der Duft der halben Pizza in die Fahrerkabine geschwappt. Nachdem wir beide in die Luft riechen und uns verschwörerisch zunicken, holen wir diese nach vorne.
Die Fahrzeit bis zum Fähranleger im Norden von Nova Scotia ist mit knapp 20 Stunden angegeben, und ich stelle fest, dass es auch die Möglichkeit gibt, über Quebec bis nach Labrador zu fahren. Dort kann in Blanc-Sablon ebenfalls eine Fähre genommen werden. Die Strecke ist nur unwesentlich länger, dafür ist die Zeit auf der Fähre viel kürzer. Hinzu kommt, dass wir durch Quebec entlang des Sankt-Lorenz-Stroms fahren können. Landschaftlich mit Sicherheit ansprechend, und das Wetter verheißt angenehme Temperaturen um die 20°C (und nicht 30°C wie in Richtung Nova Scotia). Es braucht nicht viel Überzeugungsarbeit bei Hanna, und wir ändern unsere Pläne erneut.
Dass wir hinter Ottawa in Quebec einfahren, merken wir fast direkt an den nur noch französischsprachigen Schildern. Es ist unfassbar warm in Freddie, und besonders Hanna, die die Sonne auf der Beifahrerseite abbekommt, leidet. Wir lassen Montreal ohne einen Stopp hinter uns. Sofern wir diese Pläne nicht auch noch ändern, werden wir auf dem Weg zum Rückflug ohnehin halten. Uns fällt ein, dass wir an der weniger dicht besiedelten Küste und vermutlich auch in Neufundland nicht unbedingt das Futter für Bella bekommen werden. Nach Recherche im Internet halten wir in Quebec-Stadt an einer Tierhandlung. Die Mitarbeiterin ist zum Glück des Englischen mächtig, teilt uns aber mit, dass das Futter seit fast einem Jahr nicht mehr verkauft wird. Sie schaut noch nach Restbeständen in anderen Filialen, letztlich müssen wir aber mit einer anderen Futtersorte von dannen ziehen.
Bevor es weitergeht, werfe ich noch einmal einen Blick auf die Strecke bei Google und stelle mit leichtem Schrecken fest, dass es nach halber Strecke entlang der Küste nur noch per Fähre weitergeht. Eine kurze Recherche im Internet zeigt, dass die Fähren hier auch regelmäßig verkehren. Allerdings werden nur Fahrzeuge mitgenommen, die per Container verladen werden können. Zudem müsste Bella die ganze Zeit in einem Käfig bleiben. Zuviel Gründe, die dagegen sprechen, aber zum Glück haben wir das Ganze noch früh genug entdeckt.
Wir ändern also das Ziel im Navi wieder auf das Städtchen North Sydney. Die Fahrzeit wird mit knapp 14 Stunden angegeben. Bedingt durch einen Zeitzonensprung könnten wir am nächsten Morgen gegen 7 Uhr dort sein. Die Website des Fährunternehmens zeigt an, dass noch Plätze auf der Fahrt am nächsten Tag um 12 Uhr verfügbar sind. Alles in allem also machbar! Wenn also alles nach Plan liefe, könnten wir schon am Montagmittag auf Neufundland ankommen – also fast eine ganze Woche eher, als wenn wir das Konzert in Toronto mitgenommen hätten. Perfekt!
Uns macht die Hitze beiden ordentlich zu schaffen, und der Fahrtwind erinnert bis in den frühen Abend an einen Fön. Trotzdem kommen wir gut voran. Der Highway ist die ganze Zeit gut befahrbar, der Verkehr ist übersichtlich, und wir machen gute Fortschritte. Da bei uns beiden auch gegen 18 Uhr noch keine Verschleißerscheinungen einsetzen, gehen wir in die Essensplanung über und finden ein Sushi-Restaurant, welches auf dem Weg liegt. Praktischerweise kann online zur Abholung vorbestellt werden. Wir haben am Anfang Schwierigkeiten, uns zu entscheiden, dafür klingen die meisten Gerichte einfach zu lecker. Am Ende wird es dann eine Sushi-Platte, eine Sommerrolle und eine Mini-Bowl. Hanna muss nur kurz in den Laden hüpfen, und so sind wir nach einem kurzen Abstecher nach Riviere-de-Loup schnell wieder auf dem Highway.
Auf dem mittleren Sitz haben wir seit geraumer Zeit einen Sitz-Organizer mit einem festen Deckel, und dieser ist mal wieder bestens als kleiner Tisch geeignet. Da es weiterhin keinen nennenswerten Verkehr gibt, die Straße in gutem Zustand und sehr geradlinig verläuft, gelingt es mir, sowohl die Sommerrolle als auch das leckere Sushi mit Stäbchen beim Fahren zu futtern. Lediglich bei meiner Hälfte der wirklich kleinen Bowl bin ich auf eine Fütterung durch Hanna angewiesen.
Auch nachdem die Sonne untergegangen ist, werden wir nicht müde, und so heißt es weiterhin Volldampf voraus. Während wir uns bis Mitternacht noch mit dem Hörbuch ablenken, verquatschen wir uns danach über alle möglichen Dinge. Wir gehen beide der spannenden Frage der allerersten Kindheitserinnerung nach, können uns beide aber nicht wirklich festlegen.
Bei einem der kleinen Stopps stellen wir fest, dass wir zeitlich immer noch auf Kurs sind und mit einer Pause von einer Stunde immer noch genug Reserve hätten, um vor dem Check-In-Zeitpunkt am Fährterminal anzukommen. Wir entscheiden uns daher, die Fähre zu buchen, müssen aber feststellen, dass diese mittlerweile ausgebucht ist, ebenso wie die beiden Fahrten danach.
Etwas versteckt auf der Internetseite finden wir dann eine Statusinformation, dass die Fähre aufgrund eines mechanischen Defektes erst am Dienstagabend wieder in See stechen wird. Wie schon am Mittag hält sich unser Kummer darüber in Grenzen: fahren wir halt etwas später.
Komplett ohne Zeitdruck entscheiden wir uns dann dafür, innerhalb der nächsten Stunde einen Stellplatz zu finden. Dank iOverlander ist das Ganze kein Problem, und im Örtchen Hillsborough, welches sich in der Provinz New Brunswick befindet, kommen wir gegen 4 Uhr morgens auf einem offiziellen und kostenlosen Stellplatz der kleinen Gemeinde an. Hanna bereitet umgehend das Bett vor, Bella und ich spazieren noch ein wenig die Straße entlang. Wieder in Freddie buche ich zur Sicherheit noch die nächste verfügbare Überfahrt. Am Dienstagabend um 20 Uhr geht es also nach Neufundland.
Bevor ich die Augen schließe, werfe ich noch einen Blick auf unseren GPS-Tracker. Seitdem Morgen haben wir 1350 Kilometer zurückgelegt und waren zweimal tanken, bei einem Verbrauch von etwas über 8 Litern auf 100 Kilometer.Leia mais

Das waren mal ein paar Kilometer und ein paar Routenänderungen. Ein Hoch auf Internet und Co......wenn es dann funktioniert. [Petra]
Von Braunschweig nach Schottland...
15–16 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 29 °C
Die Nacht über hat Freddie sich nur bedingt abgekühlt. Durch die vielen Kilometer der letzten Tage haben wir beide dennoch gut geschlafen und wachen recht entspannt und ausgeruht auf. Wahnsinn, dass es bereits fast 30°C draußen hat. Christian macht sich auf zu einer Runde mit Bella, und ich baue alles soweit um.
Wir machen uns recht flugs nach dem Gassigang gemeinsam auf, um dem ortsansässigen „Cinnamon Soul Café“ einen Besuch abzustatten. Wir hoffen auf eine überdachte, schattenspendende Veranda, wo wir mit Bella sitzen und einen Kaffee sowie einen kleinen Snack genießen können. Das Café liegt nur ein paar hundert Meter die Hauptstraße hinauf; auf dem kurzen Weg passieren wir einige wunderschöne, teilweise leerstehende Villen, die von der langen Geschichte des Ortes zeugen. Gestern musste ich auch wieder an Diana Gabaldons "Outlander"-Romane denken, als wir in Hillsborough, New Brunswick (auf Deutsch übrigens Neu-Braunschweig), waren. Obwohl die Haupthandlung später in North Carolina spielt und es dort ebenfalls ein Hillsborough gibt, werden die Orte wohl unterschiedlich sein.
Im Café finden wir einen schattigen Platz. Christian genießt kurz darauf einen Eiskaffee und ein Panini mit Chips, während ich mir einen Latte Macchiato und einen Salat gönne. Das Café selbst ist sehr belebt. Es ist wunderschön eingerichtet und das Angebot ist klein, aber fein. Ein solches Café hätte auch seinen Reiz, denke ich. Wir wissen aber beide, dass ich mir oft viel vorstellen kann, wenn es um unsere Zukunft geht. Christian schreibt solche wilden Ideen mittlerweile auf eine imaginäre Liste.
Nach der Erfrischung kehren wir zu Freddie zurück. Christian tippt noch ein wenig am Laptop herum, bevor wir uns entscheiden, vorerst nicht weiter Richtung Nova Scotia (Neu Schottland) aufzubrechen, sondern einen kleinen Abstecher nach Süden zu planen. Gut 20 Fahrminuten von Hillsborough entfernt befindet sich der Hopewell Rocks Provincial Park, der auf den Fotos in Maps sehr sehenswert aussieht. Dort gibt es Gesteinsformationen, die durch Küstenerosion bei Ebbe am Strand sichtbar werden. Der Weg führt entlang des Petitcodiac Rivers, und wir nähern uns der Bay of Fundy im Süden, bekannt für ihren extrem hohen Tidenhub von bis zu 21 Metern. Als wir auf dem Besucherparkplatz ankommen, stellen wir jedoch fest, dass der Parkplatz des Provincial Parks überfüllt ist. Wir sind nicht die einzigen, die auf diese Idee gekommen sind. Nach einem Blickaustausch und einem kurzen Wortwechsel beschließen wir, nur eine Runde über den Parkplatz zu drehen und dann wieder gen Norden zu fahren. Auf nach Nova Scotia. Vielleicht machen wir uns in ein paar Wochen, wenn wir zum Flughafen in Montreal müssen, erneut auf den Weg zu den Hopewell Rocks.
Unser Plan für heute ist es, bis kurz vor den Fähranleger zu fahren, von dem aus wir morgen Abend nach Neufundland aufbrechen werden. Die Temperaturen bleiben den Tag über hoch, und wir fahren mit heruntergelassenen Fenstern durch die Hitze, die bis zu 36°C im Fahrerhaus erreicht. Nur für Pinkelpausen und einen Eiskaffee von Starbucks machen wir Halt. Nach insgesamt 444 km erreichen wir den Whycocomagh Provincial Park in Nova Scotia. Schon bei der Buchung der Stellplätze konnten wir auf der Parkseite sehen, ob der Platz schattig oder sonnig ist. Perfekt für solche heißen Tage. Außerdem gibt es hier eine Dusche für uns.
Nach einem Sandwich-Abendessen, Duschen und Abwaschen geht es recht schnell ins Bett für uns.Leia mais

ViajanteBEI UNS GIBT ES NICHTS NEUES. Besonders bleibt uns der Regen erhalten, Gestern gab es bei leckeren 35 Grad widerum geschätzte 30 bis 40 Liter pro Qm2 inerhalb von 30 Minuten. RICHTIG ABGEKÜHLT IST ES ABER NICHT. Manno wat e wedder widder wat :-) .
Schiff Ahoi!
16–17 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 21 °C
Ein Platz, der den Tag über viel Schatten verspricht, ist natürlich schon mal ein Anfang. Für einen guten Schlaf kühlt es sich nachts draußen auch noch ab, sodass die Temperaturen in Freddie während der Nacht sinken können. Die aktuelle Hitzewelle macht Letzterem einen Strich durch die Rechnung, sodass wir in der Nacht immer noch knapp 25°C in Freddie hatten.
Trotzdem schaffen wir beide es, in dieser Nacht genug Erholung zu bekommen und schlafen mal wieder recht lange. Das lange Sitzen und Fahren bei den Temperaturen sorgt dann doch für genug Erschöpfung. Mit dem Wachwerden sind wir uns beide aber auch einig, dass wir heute vor der Abfahrt nochmal eine Dusche mitnehmen.
Während Hanna die Morgenrunde mit Bella übernimmt, kümmere ich mich um den Kaffee und räume in Freddie auf. Den Kaffee und einen leckeren Orangensaft können wir am Picknicktisch im Schatten genießen. Unsere Vorfreude auf Neufundland steigt und wir freuen uns vor allem auf die angenehmeren Temperaturen dort. Die hiesigen knapp 30°C würden wir ohne die hohe Luftfeuchtigkeit ohne weiteres gut aushalten können.
Bis zur Fähre müssen wir nur knapp 150 Kilometer zurücklegen und auf dem Weg nach North Sydney halten wir Ausschau nach einer Möglichkeit für ein leckeres Frühstück, bleiben aber erfolglos. Wir machen einen Schlenker über Sydney, auf der anderen Seite der Bucht, und beschaffen uns nochmal einen Eiskaffee bei Starbucks und tanken Freddie ebenfalls noch einmal auf. Schattige Parkplätze finden wir entlang des Weges zur Fähre nicht und so entscheiden wir uns, direkt zum Fähranleger zu düsen. Weiter vor der Zeit, gegen 16 Uhr, kommen wir an und werden einer der vielen Reihen zugewiesen. Mit offenen Türen und einem leicht gespannten Sonnenschutz lässt es sich dank der leichten, aber warmen Brise gut in Freddie aushalten. Kurz bevor es mit dem Befahren der Fähre losgeht, beginnen die Temperaturen in Freddie langsam zu fallen.
Wir gehören zu den ersten, die auf die Fähre fahren dürfen und bekommen nach dem Parken den Tipp, direkt auf Deck 8 zu gehen. Im dortigen Ruheraum sind in der Regel immer Plätze frei und man ist etwas weiter ab vom sonstigen Gewusel. Bella bekommt noch ihre Portion Futter vorbereitet, bevor wir dann die Schiebetür schließen und uns auf den Weg machen.
Wir haben Glück, und im Ruheraum ist es noch sehr leer. Wir entscheiden uns für Fensterplätze auf der rechten Seite. Nachdem wir es uns gemütlich gemacht haben, mache ich mich auf, die Lage zu checken. Vorab war zu lesen, dass es auf dem Schiff ein Restaurant gibt und man dort für umgerechnet 25€ ein Essen inklusive Vor- und Nachspeise bekommen kann. Ich lerne aber schnell, dass das Restaurant für die heutige Überfahrt gar nicht geöffnet hat und stelle mich daher schnell im Bistro in die länger werdende Schlange. Mit zwei Stücken Pizza und zwei Käsebroten bin ich knapp 20 Minuten später wieder zurück bei Hanna.
Diese ist gerade im Gespräch mit einer älteren Dame vertieft, die berichtet, dass sie seit über 30 Jahren das erste Mal wieder auf dem Weg nach „The Rock“ (Neufundland) ist und eigentlich auf „The Island“ (Nova Scotia) lebt. Ein paar Augenblicke später verabschiedet sich die Dame in den späten 70er Jahren mit den pinken Haaren, damit wir in Ruhe essen können. Nach Obst und ein wenig Salzgebäck merken wir beide beim Essen, wie hungrig wir anscheinend gewesen sind.
Es ist mittlerweile fast 21 Uhr, als das Schiff mit knapp einer Stunde Verspätung ablegt und wir feststellen, dass wir entgegen der Fahrtrichtung sitzen – anders würde es aber ohnehin nicht gehen.
Während wir draußen auf das Beladen der Fähre gewartet haben, habe ich noch eine Möglichkeit gefunden, sowohl die Kopfhörer von Hanna als auch meine mit dem Laptop zu verbinden, sodass wir beide, ohne andere Menschen zu stören, Dexter schauen können. Trotz des in den letzten Tagen verschobenen Rhythmus klappen wir nach drei Folgen den Laptop zu und versuchen etwas zu schlafen. Das gelingt mir etwas besser als Hanna, trotzdem ziehe ich nach knapp einer Stunde auf den Boden um und komme dort sogar nochmal etwas besser in den Schlaf. Knapp 90 Minuten vor der Ankunft wird eine Durchsage zur bevorstehenden Ankunft gemacht und die gedimmten Lichter wieder aufgehellt. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Die meisten Mitreisenden sind dadurch geweckt und aus der Stille wird nach und nach ein diffuses Stimmengewirr, das man aus Restaurants oder Kinos kennt. Ich tippe bis zum Anlegen noch einen der Berichte fertig und Hanna schaut verträumt in die Dunkelheit oder liest etwas auf dem Kindle.
Wir sind gegen vier Uhr wieder an Freddie und Bella schaut uns strafend an: Hier sind wir nun die Störenfriede des Schlafs. Das Verlassen der Fähre geht erstaunlich schnell vonstatten und vorab hatten wir uns bereits einen Stellplatz in zwanzig Minuten Entfernung herausgesucht.
Dort angekommen, spazieren wir noch eine Runde mit Bella. Im einsetzenden, kühlen Regen hält sich die Begeisterung in Grenzen und trotz sämtlicher Motivationsversuche geht es unverrichteter Dinge wieder zu Freddie. Im leichten Nebel und der einsetzenden Dämmerung sind kleine Hügel zu erkennen. Hanna und ich lächeln uns zufrieden an: Es ist kühl und gerade fühlt es sich wie eine Mischung aus Irland und Schottland an. Willkommen „zuhause“.
P.S.: Nachdem wir Freddie geparkt haben, möchte ich das kleine gelbe Schild mit der Aufschrift "Animal in car" für die Rückfahrt verstauen. Dazu möchte ich es zu unserem Nationalparkausweis klemmen, der sich in meiner Sonnenblende befindet. Mit Schrecken stelle ich fest, dass der Ausweis nicht mehr vorhanden ist, um im nächsten Moment zu begreifen, was passiert sein muss: Am langen Fahrtag habe ich die Sonnenblende öfter bei geöffnetem Fenster zur Seite gedreht. Diebisch wie eine Elster hat sich der Fahrwind dann wohl am Ausweis bedient. Lachend berichte ich Hanna davon und wir kommen überein, dass sich der Ausweis, den wir von den Kongs geschenkt bekommen haben, wohl auf die gleiche Art und Weise verabschiedet haben muss. Case closed!Leia mais
Herzensheimatgefühle
17–18 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 17 °C
Wir sind gegen Mittag aufgewacht. Ankunft an diesem Ort war erst um halb fünf Uhr morgens, und nach dem nassen Gassigang dauerte es bis 5 Uhr, bis wir endlich die Augen schließen konnten. Daher ist es verständlich, dass wir erst um halb zwölf wieder aufwachen. Der Blick nach draußen zeigt immer noch eine mystisch neblige Landschaft um uns herum und erinnert mich wie gestern Abend schon an Schottland. Christian geht eine Runde mit Bella und ich bereite Freddie vor. Die Kaffee- und Tee-Zubereitung lassen wir heute Morgen ausfallen, da wir noch Tee vom gestrigen Tag haben und den Kaffee unterwegs besorgen möchten.
Auf der Fähre haben wir ein gut aufgearbeitetes Reiseführer-Büchlein über Neufundland ergattert. Die Insel ist darin von Westen über Nordosten und so weiter aufgeteilt, und verschiedene Routen, Highlights und Sehenswürdigkeiten sind anschaulich beschrieben. Neufundland ist flächenmäßig sogar noch etwa 20.000 km² größer als Irland. In unserer Uninformiertheit wundert uns das zu Beginn ein wenig, sieht die Insel doch im Vergleich zum Festland eher pupsklein aus. Aber wir vergessen schnell, dass wir die letzten Wochen bzw. Monaten das zweitgrößte Land der Welt durchquert haben. Die Vielfalt, die Neufundland zu bieten hat, lässt uns darüber nachdenken, ob wir nicht die nächsten Wochen komplett hier verbringen und unseren Flug so umbuchen sollen, dass wir möglicherweise von Halifax aus zurückreisen können. Wir lassen diese Idee etwas reifen und entscheiden in den nächsten Tagen. Selbst wenn wir diesen Plan umsetzen, werden wir bei Weitem nicht alles von diesem auf den ersten Blick wirklich wunderschönen Fleckchen Erde erkunden können. Es gibt so viel zu sehen, angefangen im Nordwesten der Insel, wo man einen Blick auf den Erdmantel werfen kann, der sich hier an die Erdoberfläche gedreht hat, bis hin zum Highlight im Norden, wo man beizeiten Eisberge aus Grönland vorbeiziehen sehen kann. Vielleicht bekommen wir ja auch noch Wale zu Gesicht.
Es versprechen auf jeden Fall noch aufregende Wochen zu werden, und wir sind schon jetzt gespannt darauf. Während wir entlang der Westküste fahren, suchen wir nach einem geeigneten Stellplatz. Christian findet recht schnell eine Möglichkeit an den Klippen des Boutte du Cap Parks an der Westküste. Auf dem Weg dorthin passieren wir das Städtchen Stephenville, wo wir für einen Kaffee im "The Wild Strawberry Crêperie & Café" anhalten. Hier gibt es eine Granola-Bowl mit Erdbeeren, Bananen und Blaubeeren für jeden von uns, die wir zusammen mit dem Kaffee in einer kleinen Bücherecke in gemütlichen Sesseln genießen. Wir hatten gehofft, noch Crêpes zu bekommen, die in den Bewertungen des Cafés hoch gelobt wurden, aber leider waren wir um 15:30 Uhr zu spät dran. Die Bowl ist jedoch köstlich, genauso wie der Kaffee, und frisch gestärkt machen wir uns auf die letzten Kilometer zum ausgewählten Stellplatz.
Die Strecke des heutigen Tages lässt in uns auf jeden Fall schockverliebte Gefühle unserer Herzensheimatländer der letzten Jahre aufkommen. An einer Ecke fühlen wir uns an die sanften, mystischen Weiten Schottlands erinnert, während hinter der nächsten Kurve raue Klippen und wildes Meer wie in Irland auf uns warten. Wir fühlen uns sofort wohl und sind mehr als zufrieden damit, dass unsere Entscheidungen der letzten Tage uns genau hierher geführt haben. Ich würde sagen, wir haben alles richtig gemacht. Am Kap angekommen, sind wir begeistert von der Weitläufigkeit der Anlage. Hier gibt es einige Stellplätze mit Picknickbänken und atemberaubenden Ausblicken. Zusätzlich gibt es Mülleimer, Toiletten, einen Spielplatz an der Einfahrt und eine kleine Hütte, in der Einheimische im Juli und August täglich Brot verkaufen. Und das alles ist umsonst nutzbar. Was will man mehr?! Wir steigen aus Freddie aus und drehen zuerst eine kleine Gassirunde mit Bella, um den Platz zu erkunden. Danach steht für mich besonders das Tippen von Berichten an, denn der Bericht, der heute Abend online gehen soll, existiert noch nicht.
Als wir aus Freddie aussteigen, fällt uns ein älterer Herr auf, der mit seinem Pyrenäenhund am Rande der Klippen steht und uns freundlich anlächelt. Wir kommen ins Gespräch mit Jerry, der vor drei Jahren mit seiner Frau von Ontario nach Neufundland gezogen ist und hier super glücklich in der kleinen Gemeinde am Kap in einem Haus mit Meerblick lebt. Wir unterhalten uns ausgiebig und gehen dann nach der Verabschiedung mit Bella die Klippen hoch, wo laut Jerry der atemberaubendste Platz sein soll. Oben angekommen, können wir ihm nur zustimmen und beschließen, Freddie abzuholen und uns hier häuslich einzurichten. Als wir zu Freddie zurückkehren, fährt plötzlich ein Jeep vor, und eine ältere Frau in schicker Kleidung steht an den Klippen und schaut intensiv aufs Meer hinaus. Als sie sich umdreht, richtet sie ihren Blick auf Freddies Kennzeichen und fragt uns, woher wir kommen. Sie erzählt uns, dass sie oft hierherkommt, um nach Walen und Seehunden Ausschau zu halten, die hier häufig vorbeiziehen. Die Frau stellt sich als Mercedes vor und fragt, wie lange wir hier bleiben werden. Morgen plant sie eine große Geburtstagsfeier mit ihrem Mann zu Hause und lädt uns ein, auch vorbeizukommen. Wir haben, wie so oft, noch nicht entschieden, wie lange wir bleiben wollen, und als wir das erwähnen, fragt sie, ob wir dann nicht Lust hätten, später auf einen Tee vorbeizukommen. Sie wohnt im orangefarbenen Haus mit der orangefarbenen Garage davor. Als ich frage, ob wir an der Straße nach rechts oder links abbiegen müssen, überlegt sie kurz und schlägt dann vor, dass wir einfach jetzt mitfahren könnten. Es sei sowieso schon 18 Uhr, und so könne sie uns einfach mitnehmen. Christian und ich tauschen Blicke aus und sind uns einig, dass nichts dagegenspricht. Ich bringe schnell noch Bellas Kotbeutel weg, und dann steigen wir ins Auto. Christian murmelt noch: "Was haben uns unsere Eltern beigebracht, steige nie zu Fremden ins Auto?!" Ich muss grinsen. Das toppt ja fast die Freundlichkeit des Fischers in Florida.
Mercedes blubbert während der 5minütigen Fahrt lustig vor sich hin, dass ihr Mann sowas mittlerweile gewöhnt sei, sie würde häufiger Leute einladen, aber fände es auch einfach zu spannend, Geschichten von anderen zu hören. Er ergebe sich meist schnell in sein Schicksal und würde am Ende die Konversation auch immer genießen. Kurz vor ihrem Haus sehen wir am Straßenrand Jerry mit seinem Hund spazieren. Mercedes ruft laut, winkt und hupt eine Runde – Jerry ist ihr Mann, und Christian und ich grinsen breit. Mit heruntergelassenen Fenstern halten wir neben Jerry, und mir entfährt ein "I don’t know how this happened", worauf Jerrys erste Reaktion gegenüber seiner Frau ein resigniertes "Again?! Our house is a mess!" ist. Mercedes lacht und meint, dass es ihr egal sei, wie das Haus aussähe, und dass es uns bestimmt auch nicht stören würde. Sie verabschiedet sich mit einem fröhlichen "See you home, pal" aus dem Fenster, und dann rollen wir die letzten Meter weiter.
Wir kommen an einem knallorangefarbenen Haus an, das auf einem Grundstück direkt an den Klippen bunt herausragt. Es ist ein richtiger Farbtupfer. Schon auf dem Weg hierher ist uns aufgefallen, dass in der kleinen Siedlung bunte Häuschen in allen erdenklichen Farben stehen. Wir treten ein, und das Haus ist wirklich wunderschön chaotisch. Auf der Küchenanrichte, die man vom Eingang aus sehen kann, liegen kein Geschirr oder etwa Lebensmittel, sondern Mercedes' aktuelle Steinsammlung, aus der sie kleine Steinmännchen gebastelt hat. Das Haus ist ein Traum. Alles ist offen, und mitten im Erdgeschoss führt eine Treppe in die Mitte des oberen Stockwerks. Mercedes führt uns herum. Um die zentrale Treppe herum befinden sich eine Wohnzone, die offene Küche und ein Essbereich mit atemberaubender Aussicht durch die Fensterfront zum Meer. In einer weiteren Nische steht ein riesiger Fernsehsessel, und neben diesem befindet sich der Zugang zur großen Veranda mit Meerblick. Im oberen Stockwerk ist eine Sichtwand ähnlich wie ein Paravent eingezogen, hinter der direkt vor der Fensterfront das Bett mit Blick auf das Meer steht. Von hier aus gelangt man in ein Badezimmer mit freistehender Badewanne, die ebenfalls einen Blick über die Klippen bietet. Es gibt noch ein Badezimmer, und das ist das gesamte Obergeschoss. Wir sind begeistert vom Design des Hauses, das Mercedes und Jerry alleine ausgetüftelt haben. Während des Baus gab es einen Brand, und sie mussten mitten im Bau von vorne beginnen. Das gesamte Haus ist voller Erinnerungen und Souvenirs von ihren Reisen. Es hängen viele Fotoerinnerungen im Haus, und es strahlt nur so vor Charme und Charakter. Auch dieses Haus kommt sofort auf unsere imaginäre Liste.
Wir bekommen beide eine Tasse schwarzen Tee und ein Stück Geburtstagskuchen und machen es uns im Essbereich gemütlich. Mittlerweile ist auch Jerry dazugekommen und gesellt sich zu uns. Wir vier verquatschen uns wahnsinnig, die beiden erzählen von ihrer Lebensgeschichte, wir von unserer Reise und wir kommen von Hölzcken auf Stöcksken. Nach guten zwei Stunden eisen wir uns voller Dankbarkeit los und laufen zum Platz zurück. Solche Begegnungen sind einfach zauberhaft besonders und wir sind mehr als dankbar für die Offenheit, Neugier und Nettigkeit mancher Menschen, die wir auf der Reise treffen durften.
Zurück bei Freddie können wir momentan nur knapp zwei Meter weit sehen, da dichter Nebel aufgezogen ist. Glücklicherweise ist der Platz auf den Klippen immer noch frei. Also richten wir Freddie mit bester Aussicht (sobald sich der Nebel verzieht) aus und verarbeiten diesen zauberhaften Tag. Ich bereite schnell eine Bowl mit Reis, Gemüse und Erdnusssauce zu und beschließe, dass ich nach dem Essen bestimmt keinen Blogbeitrag mehr schreiben werde. Das ist glaube ich das erste Mal, dass wir trotz gutem Empfang nichts posten werden, aber manchmal kommt das Leben eben dazwischen, nicht wahr?! Nach dem Essen kuscheln wir uns also ein, schauen zwei Folgen Dexter und schlafen dann unter dem sanften Schaukeln durch den kräftigen Wind ein.Leia mais

ViajanteDas ist mal wieder ein sehr schōner Bericht bei dem man sich mittendrin in Eurer Reise fühlt ! Ich glaube das gerade die Begegnungen und Unterhaltungen die Ihr auf Eurer Reise erleben durftet und hattet , ewig in Euch nachklingen werden ;-)
Schaukelfreddie an der Klippe
18–19 de jul. 2024, Canadá ⋅ 🌬 19 °C
Die ganze Nacht wurde Freddie schon sanft im Wind gewiegt, aber in den frühen Morgenstunden wird es draußen deutlich wilder. Wir stehen seitlich in Richtung des Windes unmittelbar an der Klippe und so werden wir ordentlich durchgeschaukelt. Unser Schiebefenster in der Schiebetür ist nach wie vor nur mit Panzer- und Aluminiumklebeband gesichert, und immer wieder findet der Wind eine Lücke und dringt pfeifend in Freddie ein. Gegen halb sieben habe ich die Ohren voll genug von den Geräuschen und springe aus dem Bett. Ein aufgerolltes Stück Küchenpapier lässt sich in die verantwortliche Öffnung stecken und sorgt für Ruhe. Das Ganze sieht zwar abenteuerlich aus, aber wenn das undichte Fenster bei der Abgabe von Freddie in drei Wochen (😭) das einzige Problem gewesen sein wird, werden wir damit vollkommen fein sein.
Danach finden wir beide nochmal für zwei Stündchen in den Schlaf, schaffen es aber eine lange Zeit nicht, uns vom Bett zu lösen. In Freddie ist es angenehm kühl, und der Blick auf den sich lichtenden Nebel und das Meer dahinter ist einfach zu meditativ. Wir fangen dann aber doch noch an, das „Erwachsen-Sein“ zu üben und pellen uns aus dem Bett. Hanna übernimmt mal wieder die Morgenrunde und ich bereite die leckeren Heißgetränke zu. Hinzu kommt das Spülen des Kochgeschirrs vom gestrigen Abend. Hanna kommt passend zum Kaffee zurück, und da es sich draußen etwas zuzieht, verkriechen wir uns in Freddie.
Hanna ist heute die Fleißigere von uns beiden und kümmert sich um das Tippen des Berichts – von unseren geänderten Plänen und dem Verzicht auf das Konzert weiß bislang ja noch niemand etwas. Fast schade, dass die Karte auf Find Penguins immer verrät, wo wir sind.
Der heutige Tag wird für uns beide ein sehr ruhiger Tag. Immer wieder genießen wir die Aussicht, dösen vor uns hin und machen einen Filmnachmittag. Im Fokus der Filme stehen Zeitreisen und Romantik. Wir kommen nach dem dritten Film (About Time) überein, dass wir vermutlich einfach immer wieder unser Sabbatical wiederholen würden, wenn wir die Möglichkeit dazu hätten.
Wir sind zwar immer noch ein wenig gesättigt von leckerem Sandwich zum Frühstück, aber um einer Heißhungerattacke am späten Abend vorzubeugen, zaubert Hanna uns mal wieder leckeren Ramen. Bei den kurzen Regenschauern draußen genau das Richtige. Dankbar über den ruhigen, gemütlichen und erholsamen Tag schlafen wir beide schnell ein.Leia mais

ViajanteHm, es mag Euch ja stōrend vorkommen das wir sehen kõnnen wo Ihr seid :-) Es ist fūr mich aber sehr beruhigend :-) !!! und Interessant.
Berichte, Aussichten und Meeresrauschen
19–20 de jul. 2024, Canadá ⋅ 🌬 19 °C
Verrückte Welt, schon ist wieder Freitag. Wir wachen heute gegen neun Uhr auf und haben beide exzellent geschlafen. Diese Nacht wehte etwas weniger Wind, sodass wir uns nicht wie in einer wild schaukelnden Hängematte gefühlt haben. Gegen neun sind wir beide wach und während Christian schon anfängt, Kaffee zu mahlen (übrigens, seit wir wieder eine Handmühle haben, gibt es keine Verluste mehr zu beklagen), baue ich schon mal das Bett um und mache es tagesfein.
Danach geht’s mit Bella vor die Tür. Einmal laufe ich mit ihr bis nach unten zur äußersten Spitze, wo wir vorgestern Mercedes und Jerry getroffen haben. Dann geht es nicht über die Zufahrtsstraße weiter, sondern über den Brotkrumen-Trail an der Küste entlang. Die Anwohner bieten hier für Campingwütige wirklich große Mühen auf. Der Platz ist sauber, mit viel Liebe zum Detail angelegt und die Aussichten sind wirklich rundum traumhaft.
Wieder zurück bei Freddie, blubbern gerade die letzten Tropfen Kaffee aus der Bialetti und wir genießen kurze Zeit später eine Runde Kaffee und O-Saft mit dieser unglaublichen 270°-Rundumsicht. Was es nicht für zauberhaft schöne Orte auf dieser Welt gibt. Einfach gigantisch. Danach verziehen wir uns in Freddie, weichen so dem Wind aus und schreiben die nächsten Stunden die Berichte der letzten Tage. Während Christian mit seinen Berichten gut vorankommt und nur noch einen zu tippen hat, muss ich noch drei weitere schreiben und versinke nochmals in all den Erlebnissen der letzten Tage. Christian fängt derweil an, unsere Fotos und Videos der letzten fünf Monate auf einer 1-Terabyte-großen Festplatte zu sichern, damit wir sie in einem nächsten Schritt auf Ähnlichkeit abgleichen und ordentlich aussortieren können. Eine Sisyphusarbeit, die nicht an einem Tag zu bewältigen sein wird. Die Stunden verstreichen, Berichte werden mittels Chat GPT korrigiert, hochgeladen, mit Fotos und Videos bestückt und Christian gleicht die Standorte ab. Wahnsinn, wie viel man allein in einer Woche erleben kann. Und auch wenn man vor dem Tippen das Gefühl hat, nur gefahren zu sein, gibt es doch noch viele andere Erinnerungen, die die Tage wundervoll abrunden. Zwischendurch gibt es Snacks: Salzbrezeln, Käse und Cracker, die das eher weniger nahrhafte „Frühstück“ des Tages sein sollen.
Gegen Abend füllt sich der freie Platz auf den Klippen um uns herum, während wir ein Nachmittagspäuschen bei Dexter genießen. Danach unternehmen wir eine gemeinsame Abendgassirunde. Wieder angekommen bei Freddie, setzen wir uns noch ein wenig nach draußen und genießen die Aussicht mit einem kleinen Whiskey, bevor ich mich an Feta-Nudeln zum Abendessen mache. Die Feta-Soße brutzelt gerade im Omnia vor sich hin, während Christian unsere gemeinsamen Ausgaben in die App Split einträgt. So können wir am Ende auf einen Blick in einer Kostenaufstellung sehen, wie viel Geld wir wofür ausgegeben haben – von Spritkosten über Unterkünfte (also Campingplätze, Nationalparks und Provincial Parks), Lebensmittel, Kosmetika, bis hin zu Kaffee, Kuchen und Genuss. Wir sind echt gespannt, was bei dieser Aufstellung am Ende herauskommen wird. Unsere Hecktüren sind geöffnet, die Sonne sinkt am Horizont immer weiter gen Meer und eine leichte, mit Tomaten und Knoblauch angereicherte Brise zieht durch Freddie. Bella schnarcht auf ihrem Bettchen vor sich hin und ich freue mich auf die nächsten Stunden des Abends. Leckeres Essen, eventuell später noch ein Whiskey unterm Sternenhimmel und das nächste Staffelfinale von Dexter warten heute noch auf uns. Wie glücklich wir uns mit all der wunderbaren Zeit, die wir aktuell zusammen gestalten, schätzen können. Lucky us.Leia mais
Neufundland, wo warst Du all die Jahre?
20–21 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 25 °C
Nach einer angenehm windstillen Nacht werden wir am Samstagmorgen gut erholt wach. Keiner von uns möchte diesen wundervollen Platz wirklich verlassen, aber wir sind uns sicher, dass Neufundland noch ein paar andere schöne Stellen zu bieten hat. Nachdem Hanna und Bella von der Morgenrunde zurückkommen, genießen wir den Kaffee an der frischen Luft mit der gigantischen Aussicht, von der wir einfach nicht genug bekommen. Wir lassen den Blick über die anderen Camper schweifen und ja, wir haben wirklich den besten Platz gesichert. Zu Beginn unserer Abenteuer hätten wir vermutlich mehrfach überlegt, ob es nicht zu unverschämt wäre, dort zu parken. Mittlerweile sind wir etwas mutiger geworden und es gelingt uns, dank der vielen Stellplätze in den letzten Monaten, die richtige Mischung aus respektvollem Umgang mit der Natur und Mitcampern sowie einer tollen Positionierung am Stellplatz zu finden.
Trotzdem zucke ich kurz innerlich zusammen, als wir von zwei älteren Paaren gegrüßt und auf unser Kennzeichen angesprochen werden. Schnell entwickelt sich wieder mal ein schönes Gespräch und von Ressentiments wegen des gewählten Stellplatzes ist nichts zu hören, eher im Gegenteil. Nach einem kurzen Austausch bekommen wir noch den Tipp, die Halbinsel in nördlicher Richtung zu verlassen und einen Stopp in einem kleinen Lokal, dem „Tea by the Sea“, einzulegen.
Nachdem alles verstaut ist und wir uns von diesem wundervollen Platz verabschiedet haben, machen wir uns auf den Weg. Wir sind unfassbar dankbar, dass die kleine Gemeinde hier das kostenfreie Campen erlaubt und es sogar eine große Mülltonne gibt, die wir dankbar nutzen. Es war zwar erst der erste richtige Stellplatz auf Neufundland, aber irgendwie scheinen die Camper hier dankbarer und umsichtiger mit der angebotenen Natur umzugehen.
An der Zufahrt folgen wir also der Straße in nördlicher Richtung, die sich dann immer unterschiedlich nah am Wasser vorbeischlängelt. Dabei geht es auch immer wieder hoch und runter. Immer wieder taucht hinter einer Kurve oder einem Hügel das Meer auf und wir können uns gar nicht sattsehen.
Dreißig Minuten später parken wir am empfohlenen Restaurant. Leider gibt es keine Möglichkeit, draußen zu sitzen. Wahrscheinlich ist das Klima den Großteil des Jahres einfach zu rau und selbst wenn die Temperaturen so wie heute mitspielen, ist es vermutlich die meiste Zeit immer sehr windig – so wie heute halt. Im Innern ist das Lokal schlicht und rustikal eingerichtet. Neben einem bestuhlten großen Tanzsaal gibt es zwei Bereiche, die direkten Meerblick ermöglichen, und wir ergattern die letzten Fensterplätze mit bester Aussicht. Zum deftigen Frühstück gibt es für mich einen Kaffee, Hanna folgt dem Titel des Restaurants. Gesättigt, aber kulinarisch nicht vollkommen befriedigt, machen wir uns etwas über eine Stunde später auf den Weg.
Im Norden der Insel folgen wir einer Schotterpiste, die zu einem kleinen Fischerdorf führt. Auch hier soll es ein paar Stellplätze geben, aber wir wollen uns in erster Linie den Blick entlang des Weges nicht entgehen lassen. Das Fischerdorf und die Schotterpiste liegen auf einer nadelförmigen Insel, die schmaler als 300 Meter ist. An der Spitze angekommen, entpuppt sich das Fischerdörfchen in großen Teilen als Feriendörfchen. Entlang der einzigen Straße stehen überall kleine bunte Hütten und Wohnwagen. Beim Durchrollen werden wir von allen fröhlich begrüßt und angelächelt. Obwohl wir uns willkommen fühlen und mit Sicherheit auch noch ein Plätzchen finden würden, fahren wir weiter.
Unser nächstes Ziel, die Hauptstadt der Eisberge – Twillingate, ist noch etwas mehr als 400 Kilometer entfernt und zudem ist mal wieder ein Einkauf fällig. Nachdem wir also die Nadel und die Halbinsel verlassen haben, machen wir uns auf den Weg nach Corner Brook. Hier leben immerhin knapp 30.000 Einwohner. Dort angekommen, übernehme ich den Einkauf im Walmart – Hanna gesellt sich zu Bella nach hinten. Die Hitzewelle ist uns vom Festland gefolgt und draußen steht die Luft. Wir sind zwar noch nicht wirklich im Inland, aber trotzdem fehlt die kühle Brise vom Meer gerade sehr.
Der hiesige Walmart verfügt nicht über eine Frische-Abteilung, so dass ich nach der ersten Warenlieferung an Freddie noch zu einem anderen Supermarkt laufe. Hier finde ich dann die restlichen Sachen. Eine Stunde später sind wir dann auch wieder auf der Straße und entscheiden uns für einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Twillingate. Wir verlassen den Trans-Canada-Highway und folgen der Straße in Richtung der kleinen Gemeinde Howley. Die Stellplätze auf dem Weg dorthin sind schon gefüllt, aber in Howley selbst werden wir fündig.
Die beiden Navigationsprogramme haben etwas Schwierigkeiten, uns zum Ziel zu navigieren – die Zufahrtsstraße ist als Wanderweg eingezeichnet, aber Reifenspuren zeugen davon, dass der Weg tatsächlich befahren werden kann. Vor einer stabilen Brücke, die zu einer Insel führt, parken wir Freddie auf einem kleinen Parkplatz. Es ist mittlerweile kurz nach 20 Uhr und ich mache mich direkt mit Bella auf den Weg. Auf der Brücke sind einige Angler unterwegs, die freundlich grüßen. Die Brücke gewährt einen guten Blick auf die Insel und ich kann einige Fahrzeuge entdecken, die direkt am Strand am Wasser geparkt haben. Auf der Insel selbst laufen wir zunächst durch ein Waldstück – die Bremsen und Mücken nutzen den windgeschützten Bereich und lassen uns nicht in Ruhe. Der Forscherdrang wird so relativ schnell erstickt und wir kehren recht zügig um. Sobald wir das Waldstück verlassen haben und wir vom Wind erfasst werden, laufen wir ganz, ganz gemütlich.
Während Bella mal wieder alle Gerüche in sich aufsaugt, schaue ich mir diese herrliche Gegend an. Der See ist tiefblau, in der Ferne sind Wälder zu erkennen und vereinzelt sind am Horizont Hügel zu sehen. Ich muss an meine Zeit und an unseren Urlaub in Schweden denken und entdecke viele Parallelen.
Zurück an Freddie ist Hanna mit der Zubereitung des Salats schon fast fertig. Bevor es aber ans Schlemmen geht, nutzen wir die Gelegenheit des mittlerweile leeren Parkplatzes und manövrieren Freddie kurz in die Ecke des Platzes. So haben wir dann auch direkten Wasserblick aus allen Fenstern und bekommen am frühen Morgen die Sonne nicht direkt auf die Heckfenster.
Begeistert von den Eindrücken, aber vor allem von der Vielfältigkeit Neufundlands, lassen wir den Abend gemütlich ausklingen.
Hanna übernimmt heute das Bereitstellen des Futters und bereitet Bella eine kleine Abwechslung. Beim Bewegen des Napfes zum Wasserhahn bleibt Hanna jedoch an der Arbeitsplatte hängen und verteilt den größten Teil des Futters auf dem Boden. Zum Glück war das Wasser noch nicht auf dem Futter und es handelt sich um Trockenfutter. Unser Staubsauger schaut uns erst etwas irritiert an, leistet dann aber hervorragende Arbeit.Leia mais

Viajante03:35 in Germany, just returned from the loo to read this new foodprint. Amazing like always. Go back to sleep with a smile on my face 😍
Auf der Suche nach Eisbergen und Walen
21–22 de jul. 2024, Canadá ⋅ ⛅ 22 °C
Nach einer entspannten Nacht wachen wir heute am Sonntag in dieser zauberhaften Seenlandschaft auf. Ich schnappe mir Bella und drehe eine Runde, wobei ich etwa einen Kilometer in eine Richtung laufe, dann wende und bis zum Anfang der Zufahrtsstraße zurückgehe, um dann wieder zu Freddie und Christian zurückzukehren. Nachdem Christian gestern erzählt hat, dass er auf seiner Abendrunde von Mücken geplagt wurde, sobald er auf der angrenzenden Insel angekommen war und kein Wind mehr ging, habe ich beschlossen, bis zu den ersten Mücken zu laufen und dann umzukehren. Auch so habe ich am Ende der „Runde“ zweieinhalb Kilometer zurückgelegt, ein paar Kanufahrer beobachten können und Bella konnte gleich beide Wegseiten markieren und so für sich erobern 😉.
Zurück bei Freddie testet Christian gerade verhalten die Wassertemperatur des Sees; ein kleiner Teil von ihm möchte heute Morgen eine Runde schwimmen gehen. Nach dem Wassertest entscheidet er sich jedoch dagegen. Wir trinken gemeinsam Kaffee und genießen das warme und sonnige Wetter. Es ist wirklich faszinierend, wie diese Provinz Kanadas die Vielfältigkeit von Schottland, Irland und Schweden zu vereinen scheint.
Am späten Morgen machen wir uns auf den Weg und schlagen die nordöstliche Richtung ein. Auf Neufundland gibt es den Trans Canada Highway, der die Insel auf einer recht vorgegebenen Route durchqueren lässt. Viele Seitenstraßen oder querende Straßen gibt es nicht, und so halten wir uns auf dem Highway. Unser schlauer Reiseführer hat uns ein paar Orte raussuchen lassen, die uns interessieren. Den Gros-Morne-Nationalpark haben wir gestern im wahrsten Sinne des Wortes vorerst links liegen lassen und heben ihn uns optional für die Rückfahrt auf. Unser heutiges Ziel ist Twillingate, genauer gesagt Crow Head. Hierhin werden wir gut vier Stunden unterwegs sein, es geht ganz an die Nordküste Neufundlands.
Die kleine Gemeinde hat hauptsächlich unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil sie sich selbst das „Iceberg Capital of the World“ nennt. Jedes Jahr schippern an der nördlichen Küste Neufundlands einige riesige Eisberge vorbei, die vom Gletscher in Baffin Island in Grönland abbrechen und dann gen Süden treiben. Aus dem letzten Jahr gibt es auf FindPenguin fantastische Bilder, die Ende Juli diese weiß-blauen Giganten in der Bucht von Crow Head aufgenommen haben. Während der Fahrt recherchiere ich ein wenig, wie wahrscheinlich es für uns ist, welche zu sehen. Verrückt, was es alles gibt. Von Webseiten wie dem „Iceberg-Finder“ bis hin zu von der Regierung angelegten Satellitenkarten, die in Breiten- und Längengradrastern die Menge der aktuellen Eisberge in der Labradorsee beobachten und täglich aktualisieren, gibt es viele Möglichkeiten. Leider sieht es aktuell eher so aus, als seien nur vereinzelte Eisberge unterwegs. Allerdings lassen uns aktuelle Beiträge auf Instagram und FindPenguin trotzdem innerlich vor Vorfreude jubeln. Der Stellplatz ist ein verlassener Campingplatz, der nicht mehr betrieben wird, und wenn er hält, was die Bilder versprechen, können wir uns auf weites Meer und eine zerklüftete Küstenlandschaft freuen.
Zwischendurch tanken wir und probieren die Fast-Food-Kette Mary Brown aus, an der wir hier in Neufundland schon öfter vorbeigefahren sind. Am Tresen sieht uns die Mitarbeiterin scheinbar an, dass wir überfordert sind, und empfiehlt uns eine gemischte Box mit Hähnchenteilen (es handelt sich um ein Äquivalent zu KFC) und Kartoffelspalten. Wir entscheiden uns dafür und mampfen kurze Zeit später im Auto vor uns hin. Ich bin immer wieder fasziniert, dass es komplette Mahlzeiten gibt, die aus einem durchgängigen Farbton bestehen: panierte Hähnchenteile mit gleichfarbigen Kartoffeln und dazu eine braune Bratensoße. Es schmeckt gut, allerdings haben wir schnell genug von dem Mix und haken die Kette als „Okay, aber muss nicht nochmal besucht werden“ ab.
Kurze Zeit später queren wir Twillingate und sind ganz verzaubert von diesem kleinen, bunten Fischerörtchen. Christian sorgt sich kurz, dass wir beim auserkorenen Ziel keinen Stellplatz mehr finden, ich bin da aber guter Dinge. Und tatsächlich, als wir auf den Platz rollen, ist die Aussicht fantastisch und wir parken erstmal auf dem erstbesten Plätzchen, das wir finden. Christian dreht eine kleine Runde mit Bella. Kurze Zeit später bekomme ich ein Video von ihm geschickt, auf dem ein Wal gerade vor der Küste umherschwimmt. Was?! Nicht lange danach kommt er mit Bella schalkhaft grinsend zu Freddie zurück. „Also da oben ist ein richtig schöner Platz, aber ich weiß nicht, ob wir gut da hochkommen.“ Naja, wenn nicht, dann rollen wir halt wieder hier runter zu den hübschen, kleinen, verlassenen, bunten Hütten und stellen uns in die Reihe der anderen Camper. Ein klein wenig unsicher bin ich schon, denn Christian betont, dass er ein bisschen aufgeregt ist und einen Puls von 180 hat, kurz bevor er Freddies Motor anschmeißt. Na, das kann ja was werden. Keine fünf Minuten später sind wir angekommen. Unser Freddie hat uns mal wieder überrascht, und wir stehen staunend vor dieser fantastischen Aussicht. Wow, selbst ohne Eisberge ist das hier ein Platz zum Bleiben.
Die nächsten Stunden sitzen wir mit Kamera, Teleobjektiv und Spektiv vor Freddie und beobachten mehrere Wale, die auf ihrem Weg durchs Wasser an der Küste vorbeischwimmen. Das ist so besonders; ich bin vollkommen erfüllt von diesem Ort, und das jetzt schon, nachdem wir erst ein paar Stunden hier sind. Christian geht abends eine Runde mit Bella, während ich uns einen kleinen Sandwich-Snack vorbereite. Auf mehr haben wir keinen Appetit, uns hängt das Essen ein bisschen quer im Magen. Als Christian wiederkommt, ist er vollkommen überwältigt und berichtet, dass dies wohl eine der schönsten Wanderungen seines Lebens war, auch wenn sie „nur“ 2,5 km lang war. Ich bin jetzt schon gespannt auf meine Morgenrunde und nehme mir vor, mit Bella auf Christians Spuren zu wandeln. Wir sitzen bis nach Sonnenuntergang draußen und genießen den Wind, das Wellenrauschen und die so herrlich angenehmen Temperaturen und gönnen uns dazu ein Weinchen und ein Bierchen. Später schauen wir noch zwei Folgen Dexter und lesen dann zum Einschlafen noch etwas. Ich mag gar nicht daran denken, dass unsere Entdeckerlust in ein paar Wochen vorerst ein Ende finden muss.Leia mais
Kein Eisberg in Sicht
22–23 de jul. 2024, Canadá ⋅ 🌬 19 °C
In der Nacht hat Freddie immer wieder wild geschaukelt, wir haben aber trotzdem (oder deswegen) sehr gut geschlafen. Das einzig Störende ist eine der Vasen, die mittlerweile frei schwingend am Deko-Ast hängt und wie der Stößel einer Glocke die besonders intensiven Windböen verkündet.
Während sich Hanna für die Morgenrunde auf den Weg macht und das Wasser langsam zu kochen beginnt, versuche ich, die Vase mit Kleber erneut zu befestigen. Ich scheitere allerdings kläglich, der Kleber ist zu flüssig und die Vase temporär bis zum Aushärten zu befestigen klappt auch nicht. Also muss die Vase später „entfernt“ werden.
Da Hanna noch nicht in Sicht ist, stelle ich den Herd nochmal aus und schaue zwischenzeitlich immer wieder um die Ecke. Dort treffe ich dann allerdings nicht auf Hanna, sondern auf ein älteres Paar aus Quebec, die weiter unten mit ihrem Camper stehen und sich aufgrund des fehlenden Vierradantriebs nicht bis nach oben getraut haben. Unser Kennzeichen war natürlich mal wieder der ausschlaggebende Punkt und so unterhalte ich mich mit den beiden fast eine Viertelstunde, bevor sich Hanna und Bella dazugesellen. Die Frau muss zwischenzeitlich immer wieder ins Französische für ihren Mann übersetzen – wie schön und praktisch es einfach wäre, wenn wir beide diese Sprache beherrschen würden. Am Spruch „Du lernst nicht für die Schule, sondern fürs Leben“ ist scheinbar doch was dran.
Nachdem sich die beiden auf den Weg zur Wanderung machen, kümmere ich mich um Kaffee und Tee, die dann auch wenige Minuten später fertig sind. Hanna ist ebenfalls begeistert von der kleinen Rundwanderung und kann meine gestrige Begeisterung absolut nachvollziehen.
Der Hauptgrund, warum wir unsere Rückreise ab Montreal antreten, ist natürlich Bella. Mit Lufthansa gab bzw. gibt es keine Direktflüge ab Halifax. Während unserer Reise habe ich aber herausgefunden, dass Condor ab Halifax fliegt und wir hatten eine mögliche Rückreise ab Halifax immer wieder auf dem Schirm. Nachdem wir beim Kaffee noch ein paar Mal hin- und herüberlegen, bleiben wir aber doch bei einer Rückreise ab Montreal. Ich schnappe mir also meinen Laptop, um endlich mal den Mietwagen zu buchen, den wir für die knapp 1200 Kilometer lange Strecke zwischen Halifax und Montreal benötigen. Wir hatten uns die Mietwagenpreise vorab schon mal angeschaut und deswegen falle ich fast hinten über (die Klippe), als mir eines der Vergleichsportale Preise ab 1400€ aufwärts für eine Mietdauer von vier Tagen anzeigt. Ich vermute erst einen Fehler auf der Website, probiere noch ein paar Mietwagenanbieter direkt aus, aber es ändert nichts an den Preisen.
Eine kurze Recherche im Netz ergibt, dass hohe Gebühren für Einweg-Mieten anfallen, da die Fahrzeuge an den Abgabestationen nicht wieder vermietet werden können, sondern per LKW zurückgebracht werden müssen. Das Ganze kenne ich auch von meinen Elopak-Reisen. Für uns sind 1200 Kilometer gerade auch nur ein „Katzensprung“, von Solingen aus ist fast jeder Staat der EU innerhalb eines Luftlinienradius dieser Distanz zu erreichen.
Unsere Überlegung fällt daher kurz auf einen Umzugstransporter der amerikanischen Firma U-Haul, für den wir nur 400€ bezahlen müssten. Wir stellen die Preise für den Umzugstransporter, Spritkosten und andere Posten, die uns einfallen, den Kosten gegenüber, die wir für einen Flug ab Halifax bezahlen und kommen schnell zu dem Punkt, dass die vermeintlichen Mehrkosten für eine Rückreise ab Halifax von knapp 200€ zu verschmerzen sind. Insbesondere, da wir so Freddie nicht am Donnerstag, den 8. August, abgeben würden, sondern erst am Montag, dem 12. August, und wir am Dienstag zurückflögen. Und da uns die Zeit gerade gefühlt durch die Finger rinnt, ist diese auch mit Geld nicht wirklich aufzuwiegen.
Das ganze Hin und Her Überlegen und die Recherche erstrecken sich über den Großteil des späten Vormittags und frühen Nachmittags. Zwischendurch machen wir eine Müslipause und halten wieder Ausschau nach Walen, die wir fast die ganze Zeit in der vor uns liegenden Bucht beobachten können. Nachdem die Erkenntnisse einige Zeit auf uns gewirkt haben, entscheiden wir uns für die Rückreise ab Halifax. Ich melde mich also beim Reiseservice mit meiner Kreditkarte (hier gibt es gerade bei telefonischer Buchung Rabatt), werde aber darauf hingewiesen, dass ich außerhalb der Geschäftszeiten anrufe. Also wird das Ganze auf morgen vertagt und wir verlassen den „Büro“-Modus, tauchen wieder vollkommen in die wundervolle Natur um uns herum ein und lassen die Seele baumeln.
Am Abend mache ich mich in der untergehenden Sonne auf den Weg mit Bella. Diesmal möchte ich die andere Seite erkunden und muss dafür über den unter uns liegenden Campingplatz laufen. Dieser ist gut gefüllt – sowohl mit anderen Campern als auch mit einem Hochzeitspaar, das sich vor der untergehenden Sonne und später im Gras ablichten lässt. Kein Wunder, bei dieser wundervollen Kulisse.
Die andere Seite führt über exponierte Klippen direkt am Meer entlang und endet an der Spitze an einer weitläufigen Bucht. Hier tauchen in knapp 350 Metern Entfernung immer wieder drei Wale auf. Mir fällt es sehr, sehr schwer, mich von diesem Anblick im Sonnenuntergang zu lösen, und schicke Hanna nach einer halben Stunde eine Nachricht, dass ich schwerstens in Wale verliebt bin, mich jetzt aber auf den Heimweg mache. Hanna hat sich so etwas aber bereits gedacht und vorsorglich das Curry noch nicht weiter köcheln lassen.
Gemütlich lassen wir den Abend in Freddie ausklingen, futtern das leckere Curry und freuen uns beide immer wieder über den Entschluss, ab Halifax zu fliegen und so noch ein paar Tage gewonnen zu haben.Leia mais
Aufbruch wider Willen
23–24 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 20 °C
Wir werden recht zeitig, um kurz nach acht, wach und genießen, wie die letzten Morgen schon, diese atemberaubende Aussicht. Christian und ich überlegen, ob wir noch eine Nacht bleiben oder weiterfahren wollen. Ich bin total hin- und hergerissen und kann mich nur schlecht entscheiden. Als Nächstes wollen wir zum Cap Bonavista, wo eine riesige Puffinkolonie (Papageientaucher) zu bestaunen sein soll. Die Frage ist nur, ob wir uns schon heute dorthin aufmachen oder nicht. Das Argument, dass man ja wieder hierher zurückkehren könnte, lässt uns einen kleinen Spalt in einer Tür offen, die ein Teil von uns noch nicht schließen will. Und ja, auf dem Rückweg könnten wir hier definitiv nochmal einen Stopp einlegen. Die nächsten zwei Tage soll das Wetter noch schön sein, danach ist erst einmal Regen angesagt. Wichtig wäre außerdem, mal wieder Wäsche zu waschen, und auch das Einkaufen von Toilettenpapier ist seit gestern unumgänglich. Die nächstgelegenen Eisberge sind auch noch 300 Seemeilen entfernt und werden die nächsten Tage also nicht hier vorbeitreiben. So viele tiefgründige Gedanken sofort nach dem Aufstehen. Aber leider stehen die Anzeichen mehr auf Weiterfahrt, als dass es vernünftig wäre, noch hier zu bleiben. Die Entscheidung steht also und lässt uns ein wenig trübsinnig sein. Die Aussicht, in den Ort zu fahren, um Wäsche zu waschen, dann einzukaufen und danach noch gut 350 km zu fahren, lässt mich in latenten Stress ausbrechen. Oh weia, wie soll ich mich bitteschön wieder in den Lehreralltag einfinden, in dem man nach Studien während einer (wenn auch bereits gut vorbereiteten) Unterrichtsstunde im Durchschnitt 200 spontane Entscheidungen für einen Haufen kleiner Wichtel trifft 😂. Nicht zu vergessen, dass man nie nur eine Unterrichtsstunde pro Tag hat. Naja, vertrauen wir mal darauf, dass die Fähigkeit ganz schnell wieder an die Oberfläche kommt, wenn es dann so weit ist.
Ich mache mich also mit Bella bereit zum Morgengassigang und gehe heute mal in Richtung der gegenüberliegenden Klippen. Auch dieser Weg ist zauberhaft, überall säumen sommerliche Blüten das zum Teil kniehohe Gras, eine leichte Meeresbrise weht Bella und mir um die Nase und die Aussichten von den Klippen aus sind auch von hier aus wahnsinnig toll. Auf der gegenüberliegenden Seite scheint Freddie auf Spielzeugautogröße geschrumpft zu sein und ich winke Christian rüber, der gerade aus Freddie hüpft.
Nachdem wir wieder an unserem Blechheimchen angekommen sind, hat Christian das Bett bereits abgezogen und die Wäsche vorbereitet. Außerdem duftet uns Kaffee entgegen. Wir genießen noch das Käffchen mit Aussicht auf ein paar Wale und Christian räumt währenddessen wie ein kleines Eichhörnchen mit einem genauen Plan im Kopf alles zusammen und bereitet unsere Abfahrt vor. Ich bin immer wieder fasziniert, wie er ohne den Faden zu verlieren häufig 23 Dinge gleichzeitig anfängt und parallel abwuselt und dabei schneller ist als ein Grauhörnchen, das Nüsse sammelt. Das Tollste daran ist, dass er das gerne macht und ich mich ohne schlechtes Gewissen auf eine Sache nach der anderen konzentrieren „darf“.
Gegen kurz vor elf machen wir uns also auf und lassen diesen wunderschönen Ort hinter uns, um als Erstes zum nahegelegenen Campingplatz zu düsen. Hier kann man, auch ohne einen Platz zu haben, Waschmaschine, Trockner und Duschen nutzen. Für insgesamt 18$ ist das ein gutes Angebot, wir haben bisher zum Teil allein für die Wäsche mancherorts schon mehr bezahlt. Um 13:30 Uhr machen wir uns mit frisch gefalteter und trockener Wäsche und frisch geduscht nach einem kleinen Müsli auf zum nächsten Stopp. Abwasser dumpen und Frischwasser auffüllen an der örtlichen Hockeyhalle, auch den Müll werden wir hier los. Nächster Stopp, einkaufen – hier besorge ich für stolze 30$ Toilettenpapier, Kleenex und 3 Paprika. Christian hängt sich derweil in die Hotline mit American Express und bucht tatsächlich unsere Rückflüge nochmal neu. Der neue Plan ist, Freddie am 12.08. in Halifax am Hafen abzugeben und einen Tag später abends mit dem Flieger (der auch nur 6 Stunden braucht) zurück nach Frankfurt zu fliegen, wo wir dann am 14.08. morgens eintrudeln werden. Bella hat auch ein kuscheliges Plätzchen im Cargo bekommen und Erfahrungsberichte zeigen uns, dass Fliegen gen Deutschland mit Hund und Condor genauso gut funktioniert wie mit Lufthansa. Das Beste an der Entscheidung ist, dass wir nochmal 3 Tage mit Freddie gewonnen haben und von heute an immer noch 3 Wochen Zeit haben. Witzig, dass wir mittlerweile seit 5 Tagen sagen können, dass wir noch 3 Wochen Zeit haben, weil wir mal wieder unsere Pläne anpassen und umschmeißen.
Nach all dem Organisieren fahren wir um 14:30 Uhr endgültig in Twillingate los und machen uns auf den Weg nach Bonavista. Die Fahrt verläuft unspektakulär, wir gönnen uns ein paar ungesunde Snacks (Eis, Chips und Applefritter) – die meinem prämenstruellen Heißhunger und Christians Gelüsten ein wenig entgegenwirken. Wir kommen gegen 20 Uhr nach 377 km in Bonavista an, fahren das süße Städtchen ab und machen uns dann auf in Richtung Leuchtturm, um den herum es einige Stellplätze geben soll. Kurz vor dem Leuchtturm liegt der „The Dungeon Provincial Park“, in dem man in einem abgegrenzten Teil mit seinem Camper sofort am Meer auf den grasigen Klippen parken kann. Wir sind ein bisschen unsicher, da an der Einfahrt einerseits steht, dass man seine Tiere jederzeit unter Kontrolle haben sollte und sie die grasenden Kühe nicht gefährden sollen; kurz dahinter ist ein Schild angebracht, dass Hunde und Jagen auf der Weide nicht erlaubt sind. Ich interpretiere es so, dass Bella nicht auf die Grasflächen soll. Christian betont aber, dass es ja schon komisch wäre, wenn Kühe auf den Feldwegen gejagt werden dürften, aber nicht auf der Weide, und ob sich das Schild nicht vielleicht doch auf die ganze Anlage bezieht. Wir sind ein bisschen unsicher. Dadurch, dass es aber schon spät ist, suchen wir uns ein nettes Plätzchen und beschließen, dass Bella auf den Wegen in sicherer Entfernung zu den Kühen schon erlaubt sein wird. Dennoch hat Christian ein wenig das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, als er sich kurz nach der Ankunft zu einer kleinen Gassirunde aufmacht, während ich Ramen zum Abendessen vorbereite. Als die beiden wieder zurückkehren, ist alles gut gegangen und auch andere Camper und ihm entgegenkommende Autos, die Christian getroffen hat, haben sich nicht über unsere Fellnase beschwert.
Den Abend über schauen wir das nächste Staffelfinale von Dexter und schlummern mit Meeresrauschen in den Ohren ein.Leia mais

Viajantemanno man. Die Zeit die rast Seid Ihr wrklich schon so lange unterwegs:-) ? Das heißt bald Berichtverzicht. :-( :-) ich bin hin und her gerissen .
Puffins!
24–25 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☀️ 16 °C
Wir wachen im Dungeon Provincial Park auf und auch wenn wir den Platz gestern Abend „nur“ als okay empfunden haben, ist der Ausblick aus den Heckfenstern traumhaft schön. Wir stehen wieder direkt am Meer und genießen es einfach so sehr, aktuell nahezu jeden Morgen mit Meeresbrise und Wellenrauschen geweckt zu werden.
Ich mache mich auf zu einer Runde mit Bella. Das Wetter ist fantastisch, der Himmel knallblau und unterwegs treffe ich ein paar Menschen, für die es absolut kein Problem zu sein scheint, dass ich mit Bella auf den Wegen des Parks unterwegs bin. Wir watscheln bis zu den vorderen Klippen und Bella fühlt sich sichtlich wohl in dieser Kulisse. Auf dem Rückweg treffe ich ein Pärchen, das ebenfalls mit zwei Hunden und jeweils einer Tasse Kaffee in der Hand unterwegs ist. Das ungute Gefühl von gestern Abend, dass Bella hier ein Problem sein könnte, ist mittlerweile wie weggeblasen.
Zurück an Freddie wartet Kaffee, Tee und ein leckerer O-Saft auf mich. Ich steige aufs Bett und nehme meinen Laptop mit. Mit Kaffee neben mir mache ich mich an das Tippen des Berichts von gestern. Christian sitzt, wie meist beim Arbeiten, unten am Tischchen und hat seinen Laptop ebenfalls aufgeklappt. Heute hat er mal ein paar Berichte mehr zu tippen als ich, was daran liegt, dass er sich in den letzten Tagen viel mit organisatorischen Dingen für unsere Rückreise beschäftigt hat. Auch heute kümmert er sich noch darum, dass wir in Halifax zwei Nächte in einem Hotel unterkommen. Eine Nacht, bevor wir fliegen (da ist Freddie dann schon abgegeben), und die Nacht davor, damit wir nicht vom Hafen aus mit Sack und Pack für den Flug quer durch Halifax hoppeln müssen. Ich bin ganz schön froh, einen Recherchian an meiner Seite zu haben, der so einen Kram auf dem Schirm hat, gut durchdenkt und gerne macht.
Ich lese noch ein wenig, nachdem mein Bericht fertig und korrigiert ist, und mache uns dann als Frühstückssnack eine Runde Sandwiches mit Käse, Avocado, Ei und Salat. Irgendwie verfliegt der Vormittag ganz schön schnell und so richtig geplant haben wir noch gar nicht, wie der Tag weitergehen soll. So in den Tag hinein zu leben ist einfach zauberhaft und immer wieder führe ich mir vor Augen, dass wir das genießen sollten, solange es noch geht. Das ist mir tatsächlich über die ganze Zeit wirklich gut gelungen. Ich erinnere mich, dass ich recht am Anfang geschrieben habe, dass ich mir vornehme, immer wenn es mir auffällt, die Besonderheit dieser Zeit des Sabbaticals ganz bewusst zu genießen. Wie wenig selbstverständlich es ist, so eine Möglichkeit zu haben, wird mir insbesondere jetzt gegen Ende immer wieder bewusst.
Als alles fertig getippt und gebucht ist, überlegen wir kurz, ob wir die 5 Kilometer bis zum Kap laufen, dann wieder zurückkommen und noch eine Nacht hier verbringen, oder ob wir mit Freddie in Richtung Kap fahren, hier eine Runde Puffins beobachten, weiter nach Ellington (wo es auch eine Puffin-Kolonie gibt) fahren und danach einen Platz für die Nacht suchen. Für morgen haben wir in St. John’s, der Hauptstadt der Provinz Labrador und Neufundland, einen Campingplatz gebucht und wollen die Stadt ein wenig erkunden. Da es noch ungefähr 300 Kilometer bis nach St. John‘s sind, machen wir uns mit Freddie auf den Weg in Richtung Kap und parken gute 2 Kilometer entfernt an einem kleinen Wanderweg, wo es auch ein kleines Schnellrestaurant gibt und einige Parkplätze vorhanden sind. Wir laufen los und genießen die Natur und Landschaft. Nach einiger Zeit passieren wir die Statue von John Cabot (Giovanni Caboto), einem italienischen Seefahrer, der 1497 wahrscheinlich hier am Kap als erster Europäer die Küste Nordamerikas betreten haben soll. Vermutlich tatsächlich hier in Neufundland am Kap Bonavista. Er startete 1497 mit seiner Mannschaft auf der Matthews in Bristol und sollte im Auftrag Heinrichs VII. neues Land finden. Als er hier Land sah, soll er „Oh, buon vista“ gerufen haben und so der späteren Siedlung zu ihrem Namen verholfen haben (ob dem wirklich so war, kann aber auch nicht belegt werden).
Am Leuchtturm angekommen, sind wir nicht allein. Einige Leute tummeln sich und flanieren am Rand der Klippen mit Fotoapparaten und Handys. Nicht weit vorgelagert vor der Küste ist ein riesiger Felsen, nur wenige Meter vom Festland entfernt, auf dem eine riesige Papageientaucher-Kolonie ihre Brutstätte hat. Vollkommen fernab von jeglichen natürlichen Feinden. Sie haben hier also den perfekten Ort als Sommerdomizil auserkoren. Durch den Sucher meines Teleobjektivs kann ich ein paar Puffins gut ausmachen. Nach kurzer Zeit gehe ich aber dazu über, wie Christian einfach das wilde Treiben zu beobachten. Es ist wirklich putzig anzusehen, wie diese kleinen, charmanten, tollpatschig laufenden Wesen ihrem Tagwerk nachgehen. Zwischenzeitlich fliegen sie immer wieder los und kehren kurze Zeit später mit einem Schnabel voll Mini-Fische zurück. Dabei fliegen sie teilweise ganz nah über uns, aber die kleinen Wichte im Flug zu fotografieren, gelingt nicht annähernd. Auch Christian versucht es, aber es läuft einfach nur darauf hinaus, dass ich ein paar Stunden später eine Menge an himmelblauen Fotos von der Speicherkarte löschen muss. Aber auch so wird dieser Stopp eine zauberhafte Erinnerung bleiben.
Wir machen uns wieder auf den Rückweg zu Freddie und entschließen uns, noch einen Snack im Schnellrestaurant zu genießen. Für Christian gibt es Fish & Chips und ich bestelle mir Fish Bites mit Pommes. Beides lokal gefangen. Wir können auf dem riesigen Grundstück im Garten essen, der direkt mit Meerblick und wirklich traumhaft gelegen ist. Bella macht es sich auf dem Rasen gemütlich und wir sitzen selig vor uns hin mampfend hier und beobachten ein paar Schiffe und Schnellboote, die vor der Küste unterwegs sind. Es ist mittlerweile schon 18 Uhr, aber wir möchten gern noch die 20 Minuten nach Elliston fahren, wo ebenfalls ein guter Ort sein soll, um Puffins zu beobachten. Wir haben keinerlei zeitlichen Druck und so rollen wir nach dem Schmackofatz weiter.
In Elliston angekommen, parken wir auf einem Parkplatz und machen uns auf die 800 Meter bis zu dem Puffin-Felsen zu laufen. Bella muss hier im Auto bleiben, aber sie scheint sowieso zufriedener damit zu sein, ein Nickerchen auf dem Bett zu machen. Über den grasgrünen Teppich gelaufen, der sich über die Felsen zieht, kommen wir nach einer kleinen Anhöhe zu dem „place to be“ und staunen nicht schlecht, als wir eine Reihe von Menschen am Rand der Klippen sehen, die alle Kameras mit riesigen Teleobjektiven dabei haben. Einige haben Stative aufgebaut und es sieht einfach wie eine ziemlich surreale Kulisse aus. Dagegen stinken wir mit unserem Mini-Teleaufsatz ganz schön ab. Das Tolle ist aber, dass diese Puffins so nah sind, dass man auch mit einem solchen „Amateur-Aufsatz“ ganz coole Fotos machen kann. Ich bin zufrieden und am Ende sitzen Christian und ich bestimmt eine gute halbe Stunde hier oben und beobachten das Treiben von Menschen und Tieren. Scheinbar haben sich einige der Fotografen verabredet, denn es wird sich zwischenzeitlich über Lichteinfluss, den besten Winkel zum Fotografieren, Einstellungen und auch über eventuell andere Orte mit besserem Lichteinfall unterhalten. Ganz schön spannend, das Treiben auf sich wirken zu lassen.
Nach diesem Stopp bin ich sehr beseelt. Vor zwei Jahren in Schottland haben Christian und ich das erste Mal Puffins auf einer unserer Reisen beobachten dürfen und sind seitdem richtige Fans der kleinen, taubengroßen, bunten Luftbewohner mit den süßen Clownsgesichtern. Sie brüten immer auf und am Fuße von Klippen und sind seit 2015 auf der Liste der gefährdeten Tierarten. Zu finden sind sie hauptsächlich am Nordatlantik. So schön, so viele der kleinen Luftakrobaten auf einen Haufen gesehen zu haben.
Jetzt geht es noch ein Stückchen auf der Strecke in Richtung St. John’s weiter. Wir haben ein paar Stellplätze im Blick und kommen einige Zeit später in der Nähe von Trinity auf einem Wanderparkplatz an. Wir hatten auf einen der beiden Plätze vorne am Leuchtturm gehofft, von dem aus die Aussicht von der Landzunge aus wirklich gigantisch schön ist. Allerdings stehen hier auf zwei kleinen Flächen bereits 8 Camper dicht gedrängt und so bevorzugen wir dann doch den ruhigen, großen Platz, der nur auf einer Seite Sicht auf die Bucht gewährt. Dafür ist die Aussicht auf Trinity selbst, ein kleines 170-Seelen-Dörfchen, richtig malerisch. Voller schöner Eindrücke des Tages schließen wir den Tag wie schon so oft mit einer Folge Dexter und machen uns dann auf ins Land der Träume.Leia mais
Kein Guinness im Irish Pub
25–26 de jul. 2024, Canadá ⋅ 🌙 18 °C
Nachdem ich mir den ersten Schlaf aus den Augen gerieben habe, werfe ich einen Blick auf das Handy und sehe, dass wir noch eine Nachricht von Emilie bekommen haben. Vor zwei Tagen hatten wir schon eine Nachricht von ihr erhalten, in der sie berichtete, dass die Waldbrandsaison mittlerweile in vollem Gange sei. In der neuen Nachricht fragt sie, ob wir die Neuigkeiten aus Jasper mitbekommen haben. Mir schwant Schlimmes, und ein Blick in die Nachrichten bestätigt meine Befürchtungen leider.
Die Stadt Jasper wird seit gestern Abend evakuiert, und der Waldbrand hat sich über Nacht durch die Stadt gefressen. Via Reddit und im Laufe des Tages auch über den Instagram-Account des dortigen Pizza-Restaurants sind Videos und Bilder der zum Teil völlig zerstörten Stadt zu sehen. Die kurze Zeit, die wir im Nationalpark und im Städtchen verbracht haben, gehört zu den schönsten Erinnerungen aus den Rocky Mountains, und es ist irgendwie unbegreiflich, dass sowohl große Teile des Parks als auch der Stadt dem Erdboden gleichgemacht sind. Wir sind beide tief traurig – wie muss es bloß erst den Menschen dort gehen, die in wenigen Stunden alles verloren haben?
Mit diesen Eindrücken macht sich Hanna mit Bella auf den Weg; ich bereite in der Küche alles vor und fliege eine Runde mit der Drohne um unseren Stellplatz herum. Ein Teil von uns wäre gestern gerne noch weitergefahren, aber es war dann doch vernünftiger, hier zu halten. Die Aussicht von Freddie auf die kleine Bucht ist wundervoll, und auch der Blick aus der Luft zeigt, wie schön dieses Plätzchen ist.
Im milden Sonnenschein genießen wir den Kaffee und sind beide schon gespannt, was uns heute in St. John’s erwarten wird. Es ist noch keine 11 Uhr, als wir uns auf den Weg machen und das Örtchen Trinity hinter uns lassen. Wir folgen der Straße für gute 60 Kilometer, um dann wieder dem Trans-Canada-Highway in Richtung Osten zu folgen. Immer wieder passieren wir dabei Seen unterschiedlicher Größe, fahren durch kleine Orte und denken fast die meiste Zeit an Schweden.
Unterwegs halten wir mal wieder bei Tim Hortons und verputzen die lieb gewonnenen Apple Fritter zum Frühstück. Mittlerweile ist es schon wärmer geworden und zum Teil auch ein wenig drückend, aber wir sind schlimmeres aus den vergangenen Tagen gewöhnt. Wir erreichen den Pippy Park Campground gegen 15 Uhr und richten uns erstmal ein wenig gemütlich ein. Es gibt innerhalb der Stadtgrenzen auch die Möglichkeit, am Straßenrand zu übernachten, aber ein Platz mit Dusche hat uns heute etwas mehr angelacht.
Wir dösen auf dem Bett, folgen den News-Updates mit Blick auf Jasper ein wenig und machen uns ein Stündchen später mit Bella auf den Weg in Richtung der Hauptstraße, wo ein paar Dutzend Pubs auf uns warten. Der knapp vier Kilometer lange Spaziergang führt uns durch schöne Wohngebiete, vorbei an bunten Häusern und zum Teil steil bergab in Richtung des Stadtkerns. Es dauert nicht lang, und wir sind beide dem Charme der ältesten Hauptstadt Nordamerikas erlegen.
Angekommen flanieren wir erst einmal die für Fahrzeuge gesperrte Einkaufsstraße entlang und werfen einen Blick auf die verschiedenen Restaurants. Wie immer dürfen Hunde nicht mit hineingenommen werden, bei dem guten Wetter wird es dann halt die Terrasse. Hier haben wir die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht, und nachdem Hanna auch im dritten Laden mitgeteilt bekommt, dass Hunde auch nicht draußen erlaubt seien, laufen wir etwas frustriert die Einkaufsstraße entlang. Unser Problem hat ein älteres Paar mit ihrem Hund kreativ umgangen: Während die beiden auf der Terrasse einer Martini-Bar sitzen, liegt der Hund außerhalb dieser auf der Straße – gewusst wie!
Zumindest das „The Salt House“ am Beginn der Straße ist hundefreundlich, und so laufen wir wieder dorthin zurück. Das Lokal ist aber gut besucht, sodass wir nach einer Viertelstunde des Wartens aufgeben. Wir sind beide ziemlich hungrig, und so entscheiden wir uns für zwei Spezialitäten des hiesigen Poutine-Schnellimbisses. Zehn Minuten später sitzen wir fröhlich mampfend auf einer der vielen Bänke entlang der Straße und schlagen uns den Magen voll.
Unser Ziel danach ist „The Trinity Pub“, bei dem Hunde sowohl im Innen- wie im Außenbereich erlaubt sind; dafür wird dort aber kein Essen serviert. Während ich mit Bella direkt einen Platz draußen ansteuere, übernimmt Hanna die Bierbestellung. Mit zwei Gläsern bewaffnet kommt sie wenig später zu uns – allerdings gibt es hier im Pub kein Guinness. Der hiesige Lieferant scheint sehr unzuverlässig zu sein, sodass auf den Ausschank verzichtet wird. Nachvollziehbar, aber doch ein wenig schade. Immerhin mögen wir beide Murphy’s auch, sodass der Verzicht gar nicht so schwer fällt.
Während es zu Beginn noch recht leer ist, füllt sich der Pub im Laufe des frühen Abends immer mehr. Ein kleiner Teil der Gäste wird von Bella begrüßt, ein großer Teil begrüßt Bella. Zu Beginn seiner Schicht verquatschen wir uns mit Finley, dem Sohn der Besitzer, und er erobert Bellas Herz im Sturm mit einem Leckerchen. Beim zweiten Bierchen fragen wir uns, ob wir hier wirklich alt werden, vergessen dann aber diese Frage zu beantworten. Immer wieder verquatschen wir uns mit Leuten, mit denen wir in erster Linie wegen Bella ins Gespräch kommen.
Bei einer der weiteren Bierrunden ist der Pub dann mit einem Mal übervoll. In St. John’s findet gerade eine Familienzusammenkunft statt mit weit über 80 Teilnehmern, die teilweise ihren Familienteil auf einem Stück Tartan am Revers tragen. Während ich Hanna von dem Trubel im Pub berichte, werden wir beide von einem „I looooove youuuuu“ abgelenkt, das Bella von einem Mann entgegengeworfen wird, der uns schon ein paar Bierchen voraus zu sein scheint. Er wäre gerade am liebsten bei seinen Hunden, aber seine Frau hat ihn gezwungen, mit zur Familienzusammenkunft zu kommen. Als wir wenig später auf seine Holde treffen und dies im Gespräch aufkommt, zoffen sich die beiden auf eine herrlich liebevolle Art und Weise.
Mittlerweile ist es nach 23 Uhr, und wir entscheiden uns für ein letztes Bierchen, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Campground machen. Draußen ist es mittlerweile recht frisch, sodass wir nach drinnen umziehen. Hier verquatschen wir uns dann mit einem jungen Grüppchen, die sich in den ersten Berufsjahren nach dem Studium befinden. Während die einzige Frau direkt aus St. John’s stammt, unterhält sich Hanna angeregt mit einem Perser und ich mit einem Ägypter. Die Themen wechseln rasant und die Zeit verfliegt, und es ist bereits nach Mitternacht, als sich das Grüppchen verabschiedet: Es hat halt nicht jeder Sabbatical.
Ein Blick in das Gesicht des Herzensmenschen genügt, und wir holen uns noch je ein weiteres Murphy’s, das dann aber wirklich das letzte sein soll. Wir verquatschen uns kurzzeitig mit Finley, bekommen dann aber Gesellschaft von Brady und seinem jüngeren Bruder, der uns seiner Optik nach beide an eine Mischung aus Wayne’s World und Dustin von Stranger Things erinnert. Beide werden von Bella in ihren Bann gezogen und erzählen uns, dass der Familienhund im April nach 16 Jahren verstorben sei. Es ist ein wirklich schönes Gespräch, die beiden lassen uns an der einen oder anderen Geschichte teilhaben, und vereinzelt fließen Tränen.
Nachdem sich auch das Grüppchen auf den Heimweg gemacht hat, kommen wir beim wirklich letzten Bier des Tages an. Das etwas ungewöhnliche und cringe Angebot eines älteren Herren, das letzte Bier und die komplette Rechnung zu bezahlen, lehnt Hanna dankend ab. Wenig später haben wir es dann mal wieder geschafft: Wir sind neben Finley die letzten beiden Menschen im Pub, bekommen noch zwei T-Shirts mit dem Schriftzug des Pubs geschenkt und machen uns dann auf den Weg zurück zum Campground. Draußen ist es angenehm kühl, und mit all der Leichtigkeit und Schwierigkeit, die Bierkonsum mit sich bringt, bewegen wir uns elegant wie Elfen durch die Nacht von St. John’s.
Nicht zuletzt, weil es bergauf geht, dauert der Heimweg etwas länger. Wir sind der Bewegung und der frischen Luft im Nachhinein aber sehr dankbar. Am Campground angekommen, laufen wir durch Zufall dem im Auto patrouillierenden Nachtwächter in die Arme, und wie sollte es auch anders sein, verquatschen uns noch für ein Viertelstündchen. Platt, aber glücklich kommen wir an Freddie an. Welch ein Glück, dass wir beide noch einen Großteil der Poutine vom Abend übrig haben und so noch vor dem Schlafengehen ein kleines Katerfrühstück haben können. Das Führen der Gabel stellt dabei eine der beiden anwesenden Personen vor große Herausforderungen.Leia mais
Ein Kater auf Wanderschaft
26–27 de jul. 2024, Canadá ⋅ 🌧 16 °C
Nach ungefähr vier Stunden eher unruhigem und „Murphy-geschwängertem“ Herumgedöse kämpfen wir uns langsam in den Tag. Christian hat das Bier ein bisschen besser vertragen, aber gut, wenn ich mir die gleiche Menge wie er genehmige, sieht es meist so aus. Aaaaber, ich habe keine Kopfschmerzen und außer einer ordentlichen und sehr verdienten „Kodderigkeit“ geht es mir gut. Ich denke mir, dass wir heute keine andere Aufgabe haben, als den Platz bis 11 Uhr geräumt zu haben und dann irgendwo einen anderen Stellplatz zu finden, um dort herumvegetieren zu können. Zu Hause würde ich einen solchen Katertag gemütlich auf der Couch mit Filme bingen und Essen bestellen verbringen. Das wäre für heute genau das Richtige und theoretisch ist das, bis auf das Essen bestellen, ja auch genauso in Freddie möglich. (Wir wissen ja alle, dass der Tag ganz anders verlaufen wird, da ich meine Rechnung zu dem Zeitpunkt ohne „Energetian“ gemacht habe).
Ich watschele verschlafen in Richtung Dusche und bin ganz schön dankbar, dass diese mir einen kleinen Frischekick gibt und ich dem Tag gegenüber ein wenig seichter gestimmt bin. Frisch fertig gemacht und zusammen geräumt rollen wir um kurz vor elf zur Abwasserstation des Campingplatzes und befreien den Abwasserkanister von seiner Füllung. Wasser konnte Christian sofort am Stellplatz auffüllen und hat dies bereits erledigt, als ich mich fertig gemacht habe. Mit dem Rest der Poutine vom Vorabend (jep, die beiden Portionen zusammen waren so groß, dass wir tatsächlich dreimal davon essen konnten) im Fahrerhaus bewaffnet, machen wir uns auf den Weg und rollen erstmal in Richtung Starbucks. Mit Bella sind wir noch nicht gegangen, da sie ja heute Nacht um vier noch eine ordentliche Gassirunde hinter sich gebracht hat.
Mit einem riesigen Kaffee im Anschlag geht es weiter. Christian bringt das logische und nachvollziehbare Argument an, dass es wahrscheinlich sinnvoll wäre, hier in St. John’s noch einmal unsere Vorräte aufzufüllen. Die Besiedelung der Hauptstadt von Neufundland und Labrador toppt mit ihren 113.000 Bewohnern alle anderen Städte Neufundlands um mindestens 80.000 Einwohner. Man stelle sich vor, Hennef (die nächste Stadt meines Heimatdorfes) wäre mit ihrer Einwohnerzahl von ca. 46.000 Menschen locker die zweitgrößte Stadt dieser gesamten riiiiieeesigen Insel. Lediglich vier Städte nach St. John’s haben mehr als 10.000 Einwohner. Ob ich gerade vielleicht ein wenig abschweife?! Jedenfalls… Einkaufen…logisch… Also geht es in Richtung Walmart, um unsere Vorräte aufzustocken. Nachdem Walmart nicht alles hat, was wir brauchen, rollen wir weiter in Richtung Dominion, einer weiteren Supermarktkette. Hier hopse ich rein, besorge Udon-Nudeln, Hafermilch und Brokkoli. Christian dreht in der Zeit ein Mini-Ründchen mit Bella. Nach diesen Stopps ist der Kaffee mittlerweile nur noch lauwarm. Ob es wohl klüger gewesen wäre, ihn erst nach dem Einkaufen zu besorgen – ja, im Nachhinein ist man immer ein wenig schlauer.
Ich denke immer noch nur daran, irgendwo anzukommen und eventuell ein ordentliches Mittagsschläfchen zu machen. Aber da sind halt auch noch ein paar Orte, die wir uns ganz gern anschauen wollten. Ich bin ein wenig im Zwist heute, wie ihr merkt. Signal Hill ist der historisch bekannteste Ort St. John’s und steht ganz oben auf unserer Liste der „we want to sees“. Gelegen an der Nordseite der Hafeneinfahrt nach St. John’s (die übrigens sehr schmal ist) ist das hierauf errichtete Bauwerk das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Der „Battle of Signal Hill“ ist Grund dafür, dass dieser Ort von der kanadischen Regierung zu einer „national historic site“ ernannt wurde). Ich persönlich finde viel spannender, dass 1901 genau hier das erste transatlantische Funksignal empfangen wurde. Hier gibt’s also einiges zu entdecken und wir fahren in Richtung Signal Hill weiter. Am Fuß des Berges hat Christian die Idee, dass wir doch ganz unten parken und dann hoch laufen könnten. Das gibt ein ganz klares Nein von meiner Seite, aber ich schlage ihm (semi-höflich) vor, dass er gerne auch am anderen Ende der Stadt parken und dann einen ganz großen Spaziergang machen kann, ich würde dann einfach so lang in Freddie schlafen. Wir einigen uns auf den in der Mitte des Hügels gelegenen Parkplatz und ich muss mich mehr als nur ein bisschen überwinden, nicht einfach in Freddie zu bleiben, weil mir jegliche Muße fehlt auf große Entdeckertour zu gehen. Allerdings bestehe ich darauf, erstmal den Kaffee auszutrinken, der immer noch zu einem Drittel voll und mittlerweile kalt ist.
Ich bin so unglaublich dankbar für dieses halbe Jahr, zusätzlich so neugierig auf all diese Orte, Landschaften und Gegenden, allerdings habe ich gerade momentan, kurz vor Ende der Reise, ganz schöne Sorge, etwas zu verpassen und mich dann am Ende eventuell zu ärgern. Und ich bin mir mehr als sicher, dass ich mich wahnsinnig ärgern würde, wenn ich in Freddie rumliege, nur weil ich heute wenig Energie und ein selbst fabriziertes Käterchen habe und ich mir aus dem Grund nicht die Ecken hier anschauen würde, die ich so schnell nicht nochmal besuchen kann. Ich habe aber halt einfach wirklich wenig Lust, gerade auszusteigen. Im Moment wünsche ich mir Couch, Bridgerton und Nichts tun. Ich fühle mich wie ein bockiger kleiner Teenager und benehme mich, glaube ich, auch so. Ein Teil von mir hofft, dass ich den Großteil des Zwists mit mir selbst austrage, so dass Christian so wenig wie möglich von meiner Laune abbekommt. An solchen Tagen finde ich’s ja schon anstrengend, mit mir zusammen sein zu müssen, da tun mir alle Wesen um mich herum doppelt Leid. Ich hoffe, ein Teil von euch kennt das auch, manchmal fühle ich mich eher wie ein Alien, wenn es mir so geht.
Naja, nach einer heißen inneren Diskussion zwinge ich mein bockiges Ich, mich fertig zu machen und einfach mit zu watscheln. Plan ist „nur kurz hoch gehen, sich Infotafeln anschauen, Aussicht genießen und dann wieder runter zu Freddie gehen“. Mir ist im Vorhinein bereits klar, dass das nicht so laufen wird, denn die Ecke hier ist voller Wanderwege und es ist atemberaubend schön, was Aussichten und Natur angeht. Christian schafft es in solchen Situationen immer (ich glaube, er denkt, dass er das ganz subtil macht), mir kleine Alternativrouten anzubieten. „Wenn wir hier lang laufen, schau mal, das sind 800 Meter Umweg und 30 Höhenmeter“ – Am Ende sind wir knappe 5 Kilometer gelaufen. Das Gute ist, meine Stimmung hellt sich in der Regel an der frischen Luft nach so 1-2 Kilometern auf und ich bin stolz und dankbar, dass ich meinen inneren Schweinehund niedergerungen habe. Die Runde wird richtig schön, die Luft ist angenehm frisch, der Wind pustet uns frischen Sauerstoff entgegen und selbst als es nach 2 Kilometerchen anfängt zu regnen, ist das eher erfrischend als störend.
Nach knappen 2 Stündchen kommen wir pitschenass wieder an Freddie an, wechseln Klamotten und rollen dann langsam weiter. Die Stimmung ist gut, die Bewegung und die Runde waren erfrischend und nun steht die Frage im Raum, was wir denn heute essen wollen. Nachdem gestern der geplante Restaurantbesuch ja nun ganz schön ins Wasser gefallen ist, wollen wir heute gern hier in der Stadt noch ein Restaurant mitnehmen. Dadurch, dass es kühl und bewölkt ist, kann Bella problemlos im Auto bleiben. Wir finden uns kurze Zeit später in einem Steakhaus wieder und genießen hier ein wirklich gutes Steak mit Balsamico-Pilzen, Brokkoli, Salat und Pommes für Christian. Mit vollen Bäuchen und nahezu selig fahren wir weiter und machen uns langsam auf den Weg, Stellplätze etwas außerhalb von St. John’s abzuklappern. Wir fahren vier Plätze ab, die uns alle nicht so ganz zusagen, und kommen abends an einem Plätzchen nahe eines Marine Instituts der Universität und eines Wanderwegs an. Christian dreht noch ein kleines Ründchen an der frischen Luft mit Bella, während ich selig auf dem Bett einschlummere. Als die beiden wieder da sind, wird nur noch Zähne geputzt und heute wirklich früh ins Bettchen gegangen. Wie schön, dass ein Tag, der mit so ordentlichem Kater und semi-guter Laune gestartet ist, noch so einen Verlauf genommen hat. Da darf man im Nachhinein auch mal stolz sein, dass man es geschafft hat, das Ruder noch so herumzureißen.Leia mais
Ein geschäftiger Tag
27–28 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 16 °C
Ich werde am Samstagmorgen von Stimmengewirr wach, und ein Blick nach draußen zeigt eine hochmotivierte Meute, die keine 50 Meter von uns entfernt darauf wartet, an einem Trailrun entlang der Küste teilzunehmen. Wie belohnend und motivierend muss die Kulisse dabei sein! Ein Teil von mir freut sich darauf, nach der Rückkehr wieder sportlich aktiver zu sein, doch dieser Teil lässt sich heute Morgen nicht auftreiben.
Wir entscheiden uns, heute im „The Battery Cafe“ zu frühstücken. Zuvor mache ich mich mit Bella aber noch auf den Weg, die Gegend ein wenig zu erkunden. Auch wenn es nur ein Wanderparkplatz ist, haben wir die Nacht wieder einmal schön gestanden, und es dauert nur 30 Sekunden von Freddie, bis wir einen Blick auf den nordatlantischen Ozean werfen können.
Das Cafe ist nur gute zwanzig Minuten entfernt, und wir überlegen kurz, ob wir Bella mitnehmen – hier sind im Außenbereich Hunde herzlich willkommen. Es ist aber ziemlich frisch, und wir merken, dass vom Meer eine steife Brise in die Stadt hineinweht. Daher entscheiden wir uns für ein Frühstück ohne unsere vierbeinige Begleitung. Schnell ist zum Kaffee noch ein Frühstück bestellt, und in der gemütlichen Atmosphäre genießen wir es. Ein wenig Schwermut begleitet uns jedoch, und wir fragen uns beide, wie die Reintegration in den Alltag wohl gelingen wird und ob wir es schaffen, dem Trott mit genügend Akzenten entgegenzuwirken.
Obwohl wir vor ein paar Tagen erst gewaschen haben, entscheiden wir uns, hier in St. John’s noch eine kleine Zwischenwäsche zu machen. Meine Jacke hat gestern komischerweise ein paar Bierflecken abbekommen, und auch ansonsten gibt es noch ein paar Teile, die wir waschen können. Die Maschine im sehr modernen Waschsalon überrascht uns nach dem Starten mit einer ungewohnt langen Laufzeit von 45 Minuten. Diese Zeit und die Trocknerzeit nutzen wir dann beide, um die Berichte der letzten Tage zu schreiben. Zeitmanagement können wir!
Danach machen wir uns auf den Weg zum östlichsten Punkt Nordamerikas – Grönland außen vorgelassen. Heute sind wir der Heimat also so nahe wie in den letzten knapp sechs Monaten nicht, und so sehr wir Euch auch vermissen: fast alles in uns schreit danach, noch einmal (mindestens) sechs Monate dranzuhängen. Trotzdem genießen wir den Moment und spazieren von einem leicht außerhalb liegenden Parkplatz zum besagten Punkt und genießen dabei die Aussicht. Der Wanderweg liegt in einem heideähnlichen Gebiet, und eine Brise vom Meer sorgt für Abkühlung. Mittlerweile ist es aufgeklart, und die Sonne gibt sich alle Mühe, uns für den wolkigen Vormittag zu entschädigen.
Nachdem wir einige Zeit auf das Meer geschaut haben und hinter uns auch den Signalturm von gestern ausmachen können, machen wir uns langsam wieder zurück zu Freddie. Wir halten noch beim Restaurant und erstehen zwei Softeis, die wir in einer fischförmigen Waffel serviert bekommen. So wird aus dem kleinen Snack fast eine vollwertige Mahlzeit. Inzwischen sind wir beide von den Eindrücken der letzten beiden Tage mehr als übervoll und freuen uns darauf, einen Stellplatz anzusteuern, der zum mehrtägigen Verweilen einlädt.
Zuvor rollen wir jedoch noch in die entgegengesetzte Richtung. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, dass wir Freddie heute noch einmal waschen. Das ist seit Winnipeg nicht mehr geschehen, und nach den mittlerweile 4000 Kilometern hat sich Freddie das wirklich mal wieder verdient. Eine halbe Stunde später ist Freddie gewaschen und große Teile sind gesaugt. Dann machen wir uns auf den Weg in Richtung unseres Stellplatzes. In knapp einer Stunde Entfernung wartet das Örtchen Ferryland mit einem Stellplatz auf uns, der auf einer vorgelagerten Halbinsel eine schöne Sicht auf das Meer verspricht. Ganz die Abenteurer, die wir sind, schauen wir uns jedoch noch ein paar andere Plätze entlang des Weges an. Das hätten wir uns ehrlich gesagt auch sparen können. Dafür ist dann die Freude umso größer, als wir gegen 21 Uhr endlich in Ferryland ankommen.
Hier findet heute Abend auch das alljährliche Shamrock Festival statt, aber wir sind wirklich voll mit Eindrücken und entscheiden uns für Ramen zum Abendessen in trauter Dreisamkeit.Leia mais
Entspannung
28–29 de jul. 2024, Canadá ⋅ 🌬 18 °C
Wir wachen in einem schön kühlen Freddie auf und hören um uns herum ausgehende Motoren, Autotüren, die geöffnet und geschlossen werden, und gemurmelte Unterhaltungen. Als wir die Thermomatten an den Heckfenstern herunterklappen, ist der Parkplatz um uns herum ordentlich gefüllt. Ganz schön wat los hier am Platz. Der Elan, aus Freddie zu hopsen, um mit Bella zu gehen, hält sich unter den Umständen ein wenig in Grenzen, und so entscheiden wir uns, einfach noch ein wenig im Bett herumzulümmeln.
Christian hat gestern bereits herausgefunden, dass hier am Leuchtturm ein besonderes kulinarisches Erlebnis buchbar ist. Man kann ein Picknick buchen, das sowohl im Reiseführer angepriesen als auch bei Google als „Restauranterlebnis“ sehr gut bewertet ist. Auch wir fanden das Angebot verlockend, allerdings war für heute bereits alles ausgebucht. Nachdem die meisten Murmler sich auf den Weg in Richtung Leuchtturm gemacht haben (ungefähr ein 1,5 km langer Fußmarsch), schnappen wir uns Bella und machen uns bei richtig schönem Wetter ebenfalls auf den Weg zur Leuchtturmrunde. Unterwegs begegnen wir einigen Leuten, die alle in Richtung Leuchtturm zu pilgern scheinen. Nachdem man einer Schotterpiste in eine Senke und wieder hinauf gefolgt ist (rechts und links fällt ein Hang sofort zum Meer hinab), geht es weiter über einen Waldweg, der durch einen kleinen Hain führt. Angekommen am Leuchtturm, hat man einen weiten Blick über das Meer, auf den alten Turm und über die Hügel, die sich seicht um den Leuchtturm auf dem Kap befinden und von kleinen Trampelpfaden durchzogen sind. Rechts neben dem Leuchtturm hat sich schon ein Grüppchen eingefunden, das scheinbar auf den Start des Picknicks wartet.
Nachdem wir einen der Trampelpfade um den Turm gewählt und abspaziert haben, machen wir uns wieder auf in Richtung Freddie. Wir hatten gestern schon überlegt, dass wir zwei Nächte an diesem Ort stehen könnten und eventuell noch zum Shamrock Festival, das auch heute stattfindet, laufen könnten. Zurück bei Freddie staunen wir nicht schlecht darüber, dass immer noch Grüppchen von Menschen nach oben zum Leuchtturm watscheln. Am Parkplatz angekommen, steht sogar ein ATV (quadähnliches Offroad-Fahrzeug) als Shuttle bereit. Um Freddie herum sind Autos aus Florida, Texas, Kalifornien, Ontario und aus vielen anderen Staaten und Provinzen geparkt. Gestern hat das Dörfchen wie schlafend da gelegen und überhaupt nicht so gewirkt, als sei es ein so großer Touristenmagnet. Aber scheinbar ist hier einiges los. Das Festival und die Leuchtturm-Picknicks scheinen ein wahrer Menschenmagnet zu sein.
Bei Freddie machen wir uns aber erstmal an unser tägliches Kaffeekränzchen und überlegen, was der Tag für uns noch so bereithält. Ich bin eher schlapp und energielos, und selbst Christian springt heute nicht vor Begeisterung auf, um noch einen Ausflug zum Festival zu machen. Ein klein wenig regt sich ein „aber es ist doch so ein toller Zufall, dass dort gerade heute ein Festival ist; es wäre bestimmt schön, das mitzunehmen, und nicht dass wir am Ende bereuen, dass wir den Tag nur in Freddie rumgegammelt haben.“ Aber im Endeffekt ist ein Tag Rumgammeln und Verarbeiten genau das, was wir heute brauchen. Wir merken beide, dass wir wohl mal einen actionfreien Tag ohne neue Eindrücke, ohne Fahren, ohne menschliche Begegnungen und mit ordentlich Ruhe brauchen. Selbst wenn wir hier unsere wahnsinnig schönen und bunten Erlebnisse gut reflektieren können, kommt mein Kopf und, ich glaube, auch Christians Kopf nicht immer so schnell mit, wie uns Freddie durch die Welt trägt.
Nach dieser Erkenntnis passiert dann den Tag über auch nicht mehr viel. Ich telefoniere eine Runde mit Oberauel (der Empfang ist mehr schlecht als recht), lese, wir dösen, schreiben Berichte, schauen Dexter und verpflegen uns mit Müsli, Sandwiches und Feta-Spaghetti. Der Tag war genauso richtig nötig und herrlich unspektakulär.Leia mais
Da wo die Wale am Ufer sind
29–30 de jul. 2024, Canadá ⋅ 🌬 20 °C
Auch wenn dieser Flecken Erde direkt über dem Meer uns verlockt, noch eine weitere Nacht zu bleiben, geht es für uns weiter! Hanna spaziert mit Bella los und berichtet stolz nach der Rückkehr, dass sie einen Großteil des Weges von einem sehr zutraulichen Fuchs begleitet wurde. Bis auf wenige Meter hat er sich herangetraut und scheinbar Bella zum Spielen aufgefordert. Der Kaffee schmeckt bei solchen Erzählungen nochmal besser, als er es bei der fantastischen Aussicht ohnehin tut. Es ist für unsere Verhältnisse noch recht früh, als wir in Freddie steigen und uns auf den Weg machen. Auf dem Weg zu unserem Tagesziel machen wir noch einen Stopp am Cap Race und durchqueren dabei eine Landschaft, die eins zu eins aus Irland hierhin kopiert zu sein scheint. Nicht umsonst wird die Route um die Halbinsel auch die „Irish Loop“ genannt.
Die Halbinsel Avalon, auf der wir uns in den letzten Tagen bewegen, liegt im Durchschnitt an 158 Tagen des Jahres im Nebel. Deshalb wurde im Jahr 1856 am Cap Race ein Leuchtturm errichtet, der knapp 50 Jahre später um eine Funkstation erweitert wurde. Diese Station war im Jahr 1912 die erste Landstation, die die Notrufe der untergehenden RMS Titanic empfangen hat. Das Wrack derselbigen liegt von hier aus übrigens „nur“ etwa 600 Kilometer entfernt.
Nach einem Spaziergang, einer wilden Toberunde mit Bella und dem Studieren von Informationstafeln machen wir uns weiter auf den Weg nach St. Vincent. Die Küstenstraße liegt heute zwar nicht im Nebel, doch mit ziemlich starken Querwinden werden wir zwischenzeitlich ordentlich durchgeschaukelt. Trotzdem erreichen wir am frühen Nachmittag unser Ziel. Hier parken wir direkt vor dem Strand und springen voller Vorfreude aus Freddie. Der Meeresboden fällt hier in der Bucht bereits nach den ersten Metern sehr steil ab. Diese Besonderheit, zusammen mit dem jährlichen Laichen der Lodden, die hier in Schwärmen unterwegs sind, lockt Buckelwale auf ihrer Reise an. An keinem anderen Ort der Welt kommen die Wale so nah an das Ufer wie hier. Wir sind nicht die Einzigen, die am Strand spazieren und aufmerksam die Blicke über das unruhige Meer schweifen lassen. Doch wir entdecken keine Wale – wie wir ein paar Tage später lernen, sind diese den Lodden-Schwärmen gefolgt, die weitergezogen sind. Trotzdem ist es ein schöner Nachmittag, an dem wir die meiste Zeit Seevögel beobachten, die sich rasant wie Pfeile ins Meer stürzen, um nach wenigen Augenblicken wieder in die Luft zu schießen. Manchmal sogar mit einem Fisch im Schnabel.
Die Gemeinde vor Ort bietet einen Stellplatz in der Nähe des Strandes an, den wir am frühen Abend als Platz für die Nacht auswählen. Nicht, weil uns dieser Platz besonders gut gefällt, sondern weil der Rest des Tages heute zu einem der 158 Nebeltage gehört. An den Waschräumen wird dann zu einer Spende in Höhe von 10 C$ bei Übernachtung aufgefordert, die für Kosmetikartikel verwendet wird. Während wir körperlich erleichtert und um diese Information bereichert wieder an Freddie ankommen, unterhalten wir uns kurz mit einem Paar aus den USA, die mit ihrem Dachzelt-Auto neben uns geparkt haben. Wir teilen unsere frischen gewonnen Informationen, und nach ein paar weiteren Sätzen verabschieden wir uns und wünschen eine gute Nacht.
Während ich schaue, ob wir den Betrag auch elektronisch an die bereitgestellte E-Mail-Adresse übermitteln können und Hanna sich um das Essen kümmert, klopft es an der Schiebetür. Hanna öffnet lächelnd und bietet proaktiv Wechselgeld an, weil sie einen 20 Dollarschein in der Hand flattern sieht. Die nette Dame teilt uns mit, dass sie die Übernachtungskosten für uns (aus Mangel an Wechselgeld) übernehmen werden. Hanna ist das Ganze etwas unangenehm, insbesondere weil wir genug Wechselgeld zur Verfügung haben. Jeder, der schon mal versucht hat, Geld von seiner Oma nicht anzunehmen, weiß, wie unmöglich eine solche Aufgabe ist. Nachdem wir mehrfach unseren Dank bekundet haben, ist die Dame auch schon verschwunden.
Wir sind immer noch etwas perplex, aber auch erfreut über diese nette Geste, als wir wenig später den Abend bei Rotwein und Gemüse in Erdnusssoße mit Reis ausklingen lassen.Leia mais
Irish Loop
30–31 de jul. 2024, Canadá ⋅ ☁️ 27 °C
Wir wachen in einem Sumpf aus Nebel in Freddie auf und können aus dem Heckfenster gerade eben so das nahegelegene Ufer des Meeresarms Holyrood Ponds ausmachen. Die Luftfeuchtigkeit in Freddie liegt seit gestern Abend bei stolzen 75-80%, und alles fühlt sich ein wenig klamm an. Aber immerhin schwitzen wir nicht 😉.
Ich starte mit Bella zu einer kleinen Runde zum Saint Vincents Beach, wo sich aber auch heute Morgen keine Wale zeigen. Auf der Informationstafel des Strandes habe ich gestern bereits gelesen, dass sich die Wale in der Regel im Juni und Anfang Juli hier die Bäuche vollschlagen. Wahrscheinlich sind wir einfach ein wenig zu spät dran für dieses Jahr. Während ich anfangs noch ein wenig geknickt mit Bella am Meer stehe, wird mir nur einen Augenblick später bewusst, dass ich hier gerade mit der tollsten Salzluft in der Nase und mitten in einer steifen Meeresbrise am Kiesstrand stehe, während die Wellen mit ohrenbetäubendem Klatschen am Strand brechen. Und schon breitet sich ein zufriedenes Grinsen auf meinem Gesicht aus, ich atme tief durch und genieße diesen Moment so sehr. Als Kind habe ich schon immer gesagt, dass ich irgendwann mal am Meer wohnen werde. Hier fühle ich mich einfach pudelwohl und liebe insbesondere diese klippenreiche Kulisse. Wer weiß, wo uns unsere Zukunft mal hintreiben wird. Für diesen Moment genieße ich es aber einfach, gerade hier zu sein, und weiß, dass ich genau das in zwei Wochen nicht mehr haben werde. Also ist das Aufsaugen dieser Meerluft, der Umgebung und einfach nur das Genießen der restlichen Zeit meine mir selbst gestellte Hauptaufgabe für die nächsten 14 Tage. Das sollte ich doch gut hinbekommen. Wir sind immer noch von Nebelschwaden umgeben, und diese mystische Stimmung gibt mir ein ganz schön wohliges und irgendwie besonderes Gefühl. Ich und Bella allein am Strand – ganz schön schön.
Mit nebelfeuchtem Haar und Fell geht es dann zu Freddie zurück, wo gerade die letzten Tropfen Kaffee aus der Bialetti blubbern. Christian und ich schnappen uns unsere Becher, genießen die ersten Schlucke an einem Picknicktisch und machen es uns dann aber doch in Freddie gemütlich. Trotz des Nebels und der Feuchtigkeit ist die Temperatur angenehm, und so lassen wir die Schiebetür offen. Nach kurzer Zeit macht sich Christian auf den Weg zu den Toiletten und ich daddel ein wenig am Handy herum. Nachdem ganz schön viel Zeit vergeht, frage ich mich, wo es Christian wohl hin verschlagen haben könnte, und bilde mir zwischenzeitlich ein, dass Christian in kurzer Entfernung von Freddie in ein Gespräch vertieft ist. Meine Vermutung, dass er sich eventuell mit unseren Nachbarn aus New Hampshire verquatscht haben könnte, bestätigt sich nach einer weiteren Viertelstunde, als er mit den beiden um Freddie herum zur Seitentür kommt. Wir schnattern bestimmt noch 45 Minuten mit den beiden über unseren Ausbau und ihre Reiseerfahrungen. Die beiden sind bereits pensioniert und touren mit ihrem Kombi und Dachzelt durch Neufundland, müssen sich aber langsam auf den Heimweg machen. Die Frau (wir haben uns eigenartigerweise nicht namentlich vorgestellt) ist hellauf begeistert und animiert ihren Mann noch während unseres Gesprächs, dass ein Sprinter her muss. Sie erzählt, wie sie mit Backpacking mit je einem 45-Liter-Rucksack angefangen hat und mit der Zeit beim Dachzelt angekommen ist. Ein Auto zu haben, bei dem man nach der Ankunft nichts mehr machen muss, außer vielleicht das Bett herzurichten, ist da natürlich um einiges komfortabler.
Wir bekommen vor der Weiterfahrt der beiden noch ein paar Kekse zum Snacken während der Fahrt und ziehen dann alle weiter. Was für ein schöner und entspannter Plausch. Es ist immer wieder spannend, von anderen Reisewütigen Geschichten und Erlebnisse erzählt zu bekommen. Durch unsere Plauderei ist es mittlerweile schon halb eins, und wir rollen los, um dem Nebel zu entkommen und über die Irish Loop die Halbinsel Avalon weiter zu entdecken. Ein Ziel für heute haben wir noch nicht, auch wissen wir noch nicht, ob wir noch eine weitere Halbinsel mitnehmen wollen oder ob wir uns nach einer weiteren Übernachtung nicht vielleicht schon wieder in Richtung Twillingate aufmachen wollen. So könnten wir am Ende unserer Entdeckungsreise auf Neufundland noch den Gros Morne Nationalpark besuchen, den wir ja anfangs „links liegen gelassen“ haben. Wir werden sehen und lassen uns erst einmal treiben.
Der Nebel schwindet, mit uns sind nur wenige Autos unterwegs, und zwischendurch machen wir eine Pause an einer Straßenbucht mit einer fantastischen Aussicht. Wieder im Fahrerhäuschen, rollen wir weiter und halten nach einiger Zeit im kleinen Örtchen Saint Brides. Hier besuchen wir das Restaurant „Da Birds Eye“ und genießen frischen Fisch zum Mittagessen. Ganz schön lecker. Nachdem wir gesättigt sind und vorne an der Theke bezahlen wollen, kommen wir mit der Besitzerin und der Angestellten ins Gespräch. Wir müssen uns ordentlich konzentrieren, um der Dame zu folgen, da ihr einheimischer Dialekt wirklich sehr stark ist. Die beiden sind super herzlich und ganz begeistert, dass wir aus Deutschland kommen. Sie berichten von ihrem Bekannten Detlev, der aus Deutschland stammt, fragen uns nach unseren Jobs und fallen fast vom Glauben ab, als wir ihre Frage nach der Einwohnerzahl in Deutschland beantworten. Sie können sich nicht im Ansatz vorstellen, dass in einem Land, das zwar dreimal so groß ist wie Neufundland, 83,3 Millionen mehr Menschen wohnen können. Auf ganz Neufundland leben 521.542 Menschen (Stand 2019). Die beiden müssen sich das Leben in Deutschland ähnlich wie in einem Ameisenhaufen vorstellen. Nach diesem netten Geplauder machen wir uns weiter auf, um die Straßen der Irish Loop zu befahren. Auf einem Teilstück des Wegs wird Christian plötzlich langsamer und sofort danach sehe ich den Grund dafür. Eine Elchkuh steht mit zwei Jungen am Wegrand ziemlich nah an der Straße. Als sie die Motorengeräusche hört wendet sie sich zügig ab und hopst ins Dickicht. Ihre zwei Jungen springen hinterher und werden sofort vom hohen Gras verschluckt. Wahnsinn, wie viele Wildtiere hier so wenig scheu auf Wegen und in Gewässern unterwegs sind.
Gegen 19 Uhr finden wir ein nettes Plätzchen nahe dem Dörfchen „Come by Chance“, das auf einem Isthmus, also einer Landenge, die von Meer umgeben ist und Avalon mit dem Rest Neufundlands verbindet, gelegen ist. Hier gibt es mehrere kleine Buchten und Nischen, auf denen man mit dem Camper direkt an einer Feuerstelle parken kann. Die Plätze sind zum Teil auch mit Mülleimern und Picknicktischen ausgestattet, sodass wir alles haben, was das Campingherz nur begehren kann. Der Himmel ist klar, und wir laufen den Platz ein wenig mit Bella ab. Danach macht Christian sich mit Bella auf zu einem ordentlichen Gassigang, und ich bereite als Abendessen Ugly Ork vor (oder Spaghetti Aglio e Olio, wenn man es auf Nicht-Christianisch sagen mag).
Unser Tag endet, wie meist, mit Dexter, und dazu gibt es ein Gläschen Weißwein. Wir sind mittlerweile bei der letzten Staffel angekommen und werden uns für zu Hause wahrscheinlich eine neue Serie suchen müssen. Auch wenn ich ein bisschen Startschwierigkeiten hatte, habe ich Dexter mittlerweile doch ganz schön lieb gewonnen 😉.Leia mais























































































































































































































































ViajanteDa kann man Euch nur die Daumen halter das die Mücken Euch nicht môgen :+)