Deutsche Vorfahren
23–24 мар. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ⛅ 21 °C
Fast wie erwartet, haben wir beide ziemlich lange geschlafen und so stolpern wir gemeinsam mit Bella gegen halb elf aus Freddie. In der Nähe ist ein Starbucks und da keiner so recht Lust hat, den Kaffee selbst zu kochen, wird er heute halt gekauft.
Beim Starbucks gibt es auch eine gemütliche und schattige Sitzecke und so schlürfen wir dort in Ruhe den Kaffee und machen uns ein paar Gedanken, was wir nach Fredericksburg noch in Texas besuchen wollen. Zwischendurch melde mich noch bei meiner Oma. Diese kriegt zwar zwischendurch immer mal wieder die Berichte von ihren Kindern vorgelegt, aber ist es für mich auch wirklich schön, immer kurz mit ihr zu schnacken.
Gegen zwölf Uhr rollen wir vom Parkplatz, tanken erstmal voll und machen uns dann auf den Weg zur 1693 Distillery im Texas Hill Country. Letzteres ist ein Landstrich in Texas, der als geografische Grenzen zwischen dem Südosten und Südwesten der USA gilt, gleichzeitig aber auch der Mittelpunkt der texanischen Weinindustrie ist. Es geht entlang des Highways und vorbei an ein paar verschlafenden Nestern. Nach gut einer Stunde fahren wir rechts ran, der Kaffee treibt etwas. Kurz bevor wir losfahren wollen, kommt uns ein Auto entgegen und jemand winkt uns wild zu. Ein paar Augenblicke später unterhalten wir uns mit einem älteren Deutschen, der seit knapp 60 Jahren in Texas lebt. Er hat sichtlich Spaß daran, dass wir unseren Camper verschifft haben, und wünscht uns eine großartige Reise. Wir merken: ein guter Norddeutscher Akzent überlebt auch mehr als ein halbes Jahrhundert im texanischen Exil.
Die Landschaft ändert sich kaum, aber mit der Zeit fahren wir an immer mehr Winzern und „Weinkellern“ vorbei. Wir sind im Zentrum besagter Weinindustrie angekommen, grübeln aber schon beim Blick auf die ersten sehr zarten Weinreben, wie daraus bloß Wein gewonnen werden soll. Zum Teil ist das wohl nur „Show“, der Wein selber wird in anderen Gebieten produziert. Aha.
Gegen halb drei Rollen wir auf den Parkplatz der 1693 Distillery und parken Freddie hinter dem Gebäude auf einer großen Wiese, wo bereits ein paar andere Camper stehen. In weiser Vorrausicht bestellen wir beim mexikanischen Foodtruck auf dem Gelände erstmal Burger zum Frühstück und trinken eine Cola. Auch hier dauert es keine zwei Minuten und wir sind schon im Gespräch mit einem jungen Paar vertieft, die beide sehr angetan von Bella sind. Die weibliche Hälfte von Beiden kann auch ein paar Brocken deutsch, ihre Großeltern sind nach dem zweiten Weltkrieg in die USA übergesiedelt und sprechen wohl bis heute fast kein Englisch. Nach zwanzig Minuten des Austausches verabschieden sich die beiden auch und steigen in einen Shuttlebus. Für 40$ am Tag pro Person kann man diese Shuttle nutzen, die im 15 Minuten Rhythmus vorbeibekommen und sich von einer Location zur nächsten fahren lassen. Clever gemacht.
Wir genießen die Livemusik und ich hole uns Getränke: Ein Bier für mich und eine Hill Country Lemonade für Hanna. Mal wieder ist es Bella, die ein paar Minuten später Aufmerksamkeit auf sich zieht und so gesellt sich Jacob zu uns und streichelt Bella ausgiebig, natürlich nicht ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Als dieser merkt, dass Bella aus Griechenland und wir aus Deutschland kommen, holt er sein Getränk und setzt sich zu uns: „A dumb american question – has everybody been friendly to you so far?“.
Er ist sichtlich beruhigt, dass wir mit den Amerikanern bislang nur gute Erfahrungen gemacht haben und die negativste Erfahrung ein Mittelfinger eines LKW-Fahrers war, der etwas länger hinter uns herschleichen musste. Wie verquatschen und vertrinken uns mit ihm und seiner Frau Amber. Stolz zeigt uns Jacob das Tattoo mit dem Namen seiner deutschen Vorfahren: Heesch.
Ich bekomme kurzerhand von einem seiner Freunde ein Bier ausgegeben und unser Versuch diesen Gefallen etwas später zu revanchieren scheitert kläglich. Statt die beiden auf ein Bier und ein Cocktail einzuladen, bezahlt Jacob zweimal das Whiskeyprobierset mit 3 Gläsern für je 30 Dollar für Hanna und ich mich. Wir sind perplex, nehmen das Geschenk aber trotz komischem Gefühl gerne an. Es gibt ja immer noch die nächste Runde.
Wir unterhalten uns lange und intensiv über alle möglichen Themen und auch ein wenig über die Politik. Auch hier wieder ein schwieriges Unterfangen und wir stimmen einander zu, dass es andere, leichtere Themen gibt, die an einem Samstagnachmittag mit Live-Musik und guten Getränken wohl besser diskutiert werden können. Wir tauschen Nummern aus und werden zu den beiden und ihren Freunden für eine Party am Abend eingeladen, die Ferienwohnung hat auch ein Whirlpool. Wir sind nicht ganz abgeneigt, aber die Unterkunft ist mit 11 Meilen Entfernung dann doch etwas weit ab vom Schuss. Gegen 18 Uhr macht sich die Gruppe vom Hof und wir sehen aus der Entfernung das Jacob selber fährt. Ich schaue sicherheitshalber nach und ja, auch in Texas darf man nicht mit Alkohol am Steuer fahren.
Mittlerweile haben sich die meisten Leute verabschiedet und so sitzen am Ende noch drei andere Gruppen zusammen und lauschen dem zweiten Musiker. Dieser spielt ebenfalls Countrymusik und sammelt die Lieblingsmusikrichtungen der Gäste ein. Es braucht die Hilfe der anderen Gäste, damit wir verstanden werden (Rock & Metal), am Akzent hat es nicht gelegen lernen wir später.
Nachdem ich nochmal Wasser für uns beide hole, werde ich – zum dritten Mal am heutigen Tage – auf Deutsch angesprochen und verquatsche mich mit Karl Kellner und seiner Frau Michelle. Zwanzig Minuten später winke ich Hanna rüber und für den restlichen Abend tauschen wir uns mit den beiden Rentnern aus Michigan aus. Die Bar schließt gegen 20 Uhr und wir merken etwas später, dass wir mittlerweile auf dem Trockenen sitzen. Ein Glück, dass wir als Camper immer etwas im Bus haben. Während Karl, Michelle und Hanna zu diesen laufen, trage ich unsere Sachen zu einer Feuerschale und lege ein paar Holzscheite nach. Es ist mittlerweile dunkel und windig geworden: eine kühle Nacht kündigt sich an.
Bis weit nach Mitternacht unterhalten wir uns mit den beiden über wirkliche alle Themen, lauschen gespannt der Lebensgeschichte und haben eine wirklich fantastische Zeit mit Michelle und Karl. Beide laden uns ein im Juli nach Michigan zu kommen und sie zu besuchen (ein Zettel den wir am nächsten Morgen an Freddie finden, bekräftigt die Einladung nochmal und macht klar, dass es nicht nur eine „Schnapsidee“ war).
Gesättigt von viel sozialer Interaktion machen wir uns auf den Weg zu Freddie und zaubern uns noch ein paar Spiegeleier und futtern einen Gemüsewrap dazu. Auch wenn wir es dem Kater mit dem heutigen Tag recht leicht gemacht haben, wollen wir uns nicht kampflos ergeben.
So schön die Partymeile in Nashville auch war; eine kleine Open-Air-Kneipe mit Live-Musik und einer Feuerschale ist definitiv mehr nach unserem Geschmack.Читать далее
Kleinstadtcharme und State Park Liebe
24–25 мар. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☁️ 20 °C
Sonntagmorgen (oder eher Vormittag), wir werden nach einer, wie zu erwarten, etwas wühligen und recht kurzen Nacht wach. Christians Kopf bewschwert sich heute ein wenig, meiner ist dankenswerterweise gnädig mit mir. Langsam starten wir in den Tag. Es ist super windig und angenehm kühl. Freddie schwankt ganz schön auf der Wiese der Destillerie.
Gestern Abend, bevor der Food Truck geschlossen hat, hatte die Dame gefragt, ob wir heute Frühstückstacos haben möchten. Ich hoffe, dass sie sich daran erinnern kann, denn das klingt nach dem perfekten "After-Drinks-Frühstück". Aus Freddie heraus gehopst, liest Christian erstmal den Zettel mit Michelles und Karls Nachricht vor, die nochmal unterstreicht, dass die Einladung zu den beiden nicht nur daher gesagt war. Mit Bella streifen wir über das Anwesen, finden den Food Truck aber leider noch nicht besetzt vor.
Kein Problem, wir packen zusammen und rollen kurze Zeit später, nachdem Christian Bella noch gekämmt hat, vom Hof in Richtung Fredericksburg. Einer von Deutschen gegründeten Stadt aus 1846. In mehreren "Texas-Roadtrip-Artikeln" wurde diese 11.000 Seelen Stadt als Abstecher empfohlen. Amber und Jacob haben gestern erzählt, dass dieses "Weinanbau-Gebiet" und somit auch das 20 Minuten entfernte Fredericksburg, ein beliebtes Reiseziel für Amerikaner ist. Wir parken nahe des Stadtzentrums und schlendern als erstes in Richtung ausgeschilderten "Marktplatz". Hier findet grade eine Open-Air Messe der Methodisten Kirche zum Palmsonntag statt. Außerdem gibt es einige Gedenktafeln die auf Gründung, Gemeinschaft und Friedenspfeifen des Gründers Ottfried Hans Freiherr von Meusebach mit den Ureinwohnern hinweisen.
Als wir durch das kleine Städtchen schlendern, merken wir, dass dies doch sehr touristisch aufgebaut ist. Es gibt eine High Street, die (wie man es aus typisch amerikanischen Serien gewohnt ist) gesäumt ist von all den "wichtigen" Geschäften und viel mehr ist da nicht. Viele Restaurants (unter Anderem den "Ausländer", der Schmorbraten mit Kartoffelstampf und Rotkohl, Käsewurst und auch Rouladen anbietet), Wein- Tasting-Rooms und Läden für Cowboy und natürlich -girl- Bedarf. Einige Besucher schlendern am frühen Mittag, mit geeisten Cocktails in der Hand, die Straße rauf und runter und schlürfen hier und da ihre Erfrischung aus den Strohhalmen.
Wir werden von der Musik einer Country-Band in ein mexikanisches Restaurant in einer Seitengasse gelockt. Im El Milagro sitzen außer uns noch ein paar andere Hundebesitzer und genießen kulinarische Kleinigkeiten. Wir bestellen uns Kaffee, eine Suppe und Enchilladas zum Frühstück und lassen und ein wenig beschallen. Der Besitzer macht uns sogar den Heizpilz an, weil es doch durch den Wind ein wenig schuppig ist. Während dem Essen überlegen wir, wie wir den Rest des Tages gestalten wollen.
Weiter gehen soll es in Richtung Südwesten, über San Antonio in Richtung des Big-Bend Nationalparks. Heute haben wir aber weder Lust die ganze Strecke bis nach San Antonio zu machen, noch am Ende des Tages durch eine zweite Stadt zu schlappen. Zu unserem Glück gibt es auf dem Weg nach San Antonio den Guadalupe River State Park, diesen hören wir schon nach uns rufen, also rollen wir gesättigt und entspannt los und kommen bereits um 15:30 Uhr an unserem neuen Stellplatz für die Nacht an. Hier mache ich erstmal ein Nickerchen, während Christian unseren neuen kleinen Gaskocher installiert. Der alte hat nach fünf Jahren nur noch auf Sparflamme gekocht. Wir haben zwar viel Zeit, aber wenn man hungrig ist oder Kaffeedurst hat, möchte man nicht ewig auf heiße Köstlichkeiten warten.
Wir weihen den neuen Kocher mit einer Runde Kaffee ein, dazu gibt es richtig gute Zimtschnecken. Wir setzen uns daran die letzten drei Berichte zu tippen und genießen dabei den, wieder einmal, wunderschönen Stellplatz im State Park. Am frühen Abend machen wir uns auf zu einer kleinen 3 Kilometer Runde über die Wanderwege, die sofort neben unserem Stellplatz starten. Bevor wir aber los watscheln werden wir noch von einem Gürtelier ohne jegliche Scheu besucht. Diese Wesen sehen einfach so witzig aus und wir können den ledrigen Freund beobachten, während er unseren Stellplatz nach Überbleibseln von Campern durchforstet. Bella weiß nicht so genau, was Sie von diesem raschelnden Etwas halten soll. So kauern wir zu dritt in gebührendem Abstand herum und genießen es uns unbekannte Tierarten so nah und live mitzubekommen.
Nach der Gassi Rund machen wir es uns in Freddie gemütlich, ich mache einen Kartoffelauflauf während Christian eine Amazon Bestellung fertig macht. Parallel läuft für mich Germanys next Topmodel als seichte Unterhaltung und so plätschert der Abend gemütlich vor sich hin. Wenig später geht wieder ein zauberhafter Tag zu Ende. Aktuell mögen wir es sehr, wie wir unsere Tage füllen, Natur und Stadt halten sich richtig gut die Waage und wir sind super dankbar. Читать далее

ПутешественникWieviel Jahre. mag das Mühlrad gearbeitet haben und was hat es angetrieben 🙂
We're walkin'... and talkin'
25–26 мар. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☀️ 26 °C
Am Montagmorgen werden wir um neun Uhr wach und starten sehr entspannt in den Tag. Ich hopse zur Dusche, die super modern und sauber ist und genieße es in vollen Zügen mich fresh zu machen. Als ich zu unserem schönen Plätzchen wieder komme, erschnuppere ich schon zwei Plätze bevor ich an Freddie ankomme, einen herrlichen Kaffeeduft. Christian hat bereits einen Pott aufgesetzt und wir beide genießen den Kaffee und ich schreibe den Footprint von gestern, während Christian ebenfalls den Luxus der Duschen genießt.
Nachdem der Kaffee leer ist, wir gespült haben und wir beide alles verstaut und fest gemacht haben, halten wir noch kurz am Dumpster, entfernen Müll und Abwasser und stellen uns dann auf einen der Tagesparklplätze am Start einer kurzen Rundwanderung durch den State Park. Wir entscheiden uns für eine nette 4,3 Kilometer Runde, die wir in einem Stündchen absolvieren. Die Strecke besteht aus schönen abgelegenen grasigen Trampelpfaden, die gesäumt sind von Wiesen, Bäumen (mit grünen Kronen und ganz karge Totholzbäume), Kakteen, bunten Blumen (unter anderem wieder den schönen Bluebonnets) und kleinen Insekten. Ein weiteres Armadillo bekommen wir leider nicht zu sehen. Dennoch sind wir nach der Runde glücklich eine so schöne Morgen-/Mittagsrunde mit Bella gestapft zu sein.
Nach dem kurzen Trail machen wir uns auf den Weg in Richtung San Antonio. Im Vorhinein haben wir etwas länger überlegt, ob wir San Antonio "mitnehmen" wollen oder nur kurz durchfahren möchten. Die Stadt ist mit 1,5 Millionen Einwohnern auf Platz sieben der Top10 der einwohnerreichsten Städte der USA. Hauptsächlich bekannt für seine geschichtsträchtige Rolle im texanischen Unabhängigkeitskampf von Mexiko. Hier fand 1836 die Schlacht von Alamo statt, einer der wichtigsten Wendepunkte im eben genannten Unabhängigkeitskampf. Übrig blieb das Alamo, ein kleines Gebäude und heutiges Museum. Außerdem soll der Riverwalk sehenswert sein.
Wir tuckern ein Stündchen durch Texas immer weiter Richtung Süden, bevor wir in San Antonio ankommen. Der erste Stopp ist mal wieder ein Amazon Locker; wir haben neue "Kackbeutel" für Bella, ein Buch (das in den westlichen Staaten alles öffentliche Land skizziert), ein Ladekabel für unsere elektrischen Zahnbürsten (welches wir zu Hause vergessen haben - übrigens das einzige was wir bisher zu Hause vergessen haben) und noch ein paar andere Kleinigkeiten bestellt. Alles ausgepackt und den Abfall sofort in dem Mülleimer der Packstation entsorgt, machen wir uns auf die Suche nach einem Parkplatz von dem aus wir zu Fuß die Stadt gut erkunden können. Auf den ersten Blick sieht San Antonio um einiges grüner als erwartet aus, allerdings erstrahlen die Hochhäuser vorwiegend nicht mit schicken Glasfronten, sondern vereint in beigem Sandstein. Irgendwie ganz anders als alle bisherigen Großstädte hier.
Nachdem wir Freddie auf einem Kirchenparkplatz abgestellt haben, beschließen wir, uns zu Fuß in Richtung Riverwalk aufzumachen und diesen in Richtung Downtown zu laufen, um dann dort in einem Bistro oder Restaurant, etwas zu essen (bisher haben wir beide Banane, Mandarine und Apfel genossen). Nach ein paar 100 Metern kommen wir an einem Abgang zum Riverwalk an. Wir steigen ein paar Stufen hinab und fühlen uns, als wären wir in einen ganz anderen Teil der Stadt abgetaucht. Der Riverwalk zieht sich insgesamt 15 Meilen (ca. 25 Kilometer) durch San Antonio und liegt eine "Etage" unter der Straßenebene. Zu Beginn ist recht wenig los, im Zentrum sind aber auf der Flussebene unglaublich viele touristische Lokale, Bars und Restaurants, die den Riverwalk säumen. Es fahren Boote auf dem San Antonio River, die voller Besucher der Stadt sind, die Böötchen erinnern uns ein wenig ans Phantasialand. Auch die Restaurants sind alle proppevoll, kein Wunder denn das Wetter zeigt sich von einer königlichen Seite. Wir gucken uns recht schnell ein nett aussehendes Restaurant aus, werden allerdings bereits beim Einlass gefragt, ob Bella denn ein Service-dog sei, leider nein, also bleibt uns der Einlass verwehrt. Wir watscheln noch weitere zwei Kilometer durch den touristischsten Teil und leider sind die Restaurants entweder super rummelig, die Karten sagen uns nicht zu oder irgendetwas anderes passt nicht zu unserem Appetitgefühl. Wir sind beide durchaus hungrig und so schlägt der Appetit irgendwann in Hangry Sein um. Nicht das beste für unser grundsätzliches Harmoniebedürfnis. Unser Ausflug endet also mit hängendem Magen und einem etwas schief geratenen Haussegen in Freddie, wo ich mir einen Bagel mache und sich unsere Gemüter erstmal etwas beruhigen müssen. Es macht uns beide total fuchsig, wenn unsere Kommunikation in Schieflage gerät, obwohl wir beide in solchen Momenten genau das gleiche und keiner dem anderen etwas Böses möchte.
Nachdem wir uns bei dem jeweils anderen rückversichert haben, dass wir uns immer noch toll finden und die Situation einfach wirklich blöd aus dem Ruder gelaufen ist, machen wir uns nochmal kurz auf den Weg zum Alamo. Wie erwartet ist nicht wirklich viel zu sehen außer einem kleinen Steinhäuschen, das wirklich sehr geschichtsträchtig ist.
Gegen kurz vor acht machen wir uns auf den Weg zu einem Cracker Barrel im Nordwesten San Antonios und gönnen uns dort ein leckeres Abendessen. Es gibt Barbecue Chicken Tenders mit Pommes, Mais und Brokkoli und ein Stirloin Steak mit Pommes und Kartoffelpüree. Dazu gönnen wir uns je eine Bloody Mary und verziehen uns danach in Freddie. Ein wirklich schöner Tag mit einer leicht holprigen Phase geht vorbei und wir freuen uns darauf am nächsten Tag einen Fahrtag einzulegen, um weiter südlich gen Mexiko zu fahren. Hier wartet in ein paar Tagen der Big Bend National Park auf uns.Читать далее

ПутешественникWas da gegessen wird ist immer interessant, welche Informationen aber wirklich wichtig wäre: wie schwer kann man denn so ein Steak bekommen? Gibt’s da tatsächlich so schwere Dinger? Frage für einen Freund 😜
Quadratur des Kreises
26–27 мар. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☀️ 23 °C
Dienstagmorgen, mal wieder werden wir auf dem Parkplatz eines Cracker Barrel wach. In Texas ist es für uns also wirklich entweder ein wunderschöner State Park oder halt ein praktischer Stadtparkplatz. Die Praktikabilität steht also auch erstmal im Vordergrund.
Während Hanna Freddie für die Abfahrt vorbereitet, laufe ich mit Bella zwei Kilometer an der Straße entlang. Überraschenderweise gibt es überall Bürgersteige, so dass es trotz viel Verkehr eine entspannte Runde wird. Zurück an Freddie nutzen wir noch das WLAN vom Cracker Barrel aus und synchronisieren die Fotos in die Cloud und laden ein paar Updates runter.
Der Kühlschrank ist zwar noch gut gefüllt, aber der Chemiekäse ist leer und neue Gaskartuschen braucht es auch noch. So halten wir kurz beim Walmart, besorgen die Sachen und rollen dann weiter zu einer Tierhandlung und besorgen das Hundefutter. Die praktische und gut verstaubare 6 Kilogramm Packung gibt es anscheinend in keinem der Läden im Umkreis von einigen 100 Kilometern und so holen wir die doppelt so große Packung. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht auch noch irgendwie in Freddie unterbekommen.
Gerade sind wir beide auch wieder recht interessiert an Fast Food und so überlegen wir kurz, ob es ein Frühstück bei Five Guys wird, entscheiden uns aber erstmal für die Weiterfahrt. Ziel heute ist der Seminole Canyon River State Park an der mexikanischen Grenze und es sind knapp 200 Meilen bis dorthin.
Nachdem wir San Antonio hinter uns gelassen haben, wird die Landschaft ländlicher (haha Wortspiel). Immer wieder durchqueren wir winzig kleine Städte, der Ort Knippa wirbt auf einem Schild mit dem Slogan „Knippa is bigger than you think“ und wir müssen beide schmunzeln. In Uvalde machen wir Halt und tanken Freddie nochmal voll. Es werden zwar nur 40 Liter, aber wer weiß wann die nächstgrößere Tankstelle im dünn besiedelten Westen auftaucht, bei der es guten Diesel gibt.
Neben der Tankstelle stoppen wir bei Whataburger, eine Fast Food Kette, die wir noch nicht ausprobiert haben. Via Handy bestellen wir die Burger, die sich auf der Internetseite ziemlich genial und gut anpassen lassen und holen diese ein paar Minuten später ab. Wir stehen im Schatten und können ganz entspannt in Freddie „frühstücken“.
Das Ziel der Gründer von Whataburger war es, eine Schnellrestaurantkette mit solch guten Burgern zu gründen, bei denen die Kunden nach dem ersten Biss „What a Burger“ sagen. Was soll ich sagen: Mission accomplished. Während ich es mit vollem Mund vor mich hinplappere, hat Hanna ihre Tischmanieren nach knapp zwei Monaten noch nicht vergessen und denkt sich den Spruch nur. Gesättigt und gestärkt fahren wir weiter und haben noch gut 110 Meilen vor uns. Kurz hinter Uvalde sehen wir auf der Gegenfahrbahn eine Kontrollstelle der Grenzschutzbehörde der USA, die ausnahmslos jedes Fahrzeug kontrolliert. Die Situation an der Grenze zu Mexiko ist zur Zeit relativ angespannt, unter anderem auch weil es unterschiedliche Vorstellung der Grenzpolitik auf Bundes- und Staatsebene gibt. Verrückt, dass etwas das noch vor ein paar Wochen so fern war, wie die Grenze zwischen Mexiko und den USA, jetzt für uns nur noch ein paar Dutzend Meilen entfernt ist.
Nach dem Kontrollpunkt gibt es fast keine Städte bzw. Dörfer mehr, aber fast ausnahmslos auf den nächsten 100 Meilen sind die Grundstücke links und rechts der Straße eingezäunt. Alle paar Meilen taucht ein schweres gusseisernes Tor auf, über dem der Name der Ranch prangert. Für mich, der im Ruhrgebiet groß geworden ist und sonst auch nur die „kleinen“ Bauernhöfe auf dem Land kennt, ist das ziemlich verrückt.
Kurz bevor wir am State Park ankommen, müssen wir dann auch an einer Kontrollstelle halten. Wir vermuten, dass es nur eine Routinestopp ist, aber ein wenig aufgeregt sind wir dann doch. Ausländisches Fahrzeug, keine amerikanischen Staatsbürger, noch dazu ein Hund dabei. Auf eine volle Inspektion inklusive Untersuchung von Freddie durch Spürhunde haben wir beide keine Lust. Zum Glück müssen wir uns darüber aber keine Gedanken machen, was die Hunde eventuell erschnüffelt hätten. Es geht alles reibungslos von Statten und unsere Personalausweise reichen als Identitätsnachweis auch aus, die Reisepässe konnten wir also im „Geheimversteck“ belassen.
Gegen 18 Uhr rollen wir dann auf das Gelände des State Parks, füllen den Registrierungsnachweis aus und fahren auf den Stellplatz und richten uns häuslich ein. Eine halbe Stunde, bevor die Sonne untergeht, machen wir uns mit Bella auf und drehen eine Runde entlang der Wanderwege. Aus einer kleinen geplanten Runde wird dann doch noch ein 90 Minuten Rundgang, zum Teil schon entlang des Canyons, den wir uns morgen in Ruhe angucken wollen. Wieder an Freddie angekommen, bereitet Hanna das Abendessen vor und ich schaue mir auf der Karte nochmal alle Ziele in den USA an, die uns interessieren.
Während wir einen Tomatensalat und Bagels verputzen, planen und recherchieren wir die ganze Zeit. Grob Anfang Mai, also in fünf Wochen, wollen wir in Kanada ankommen. 6000 Meilen haben wir bislang hinter uns und das Restprogramm für die 35 Tage umfasst 5600 Meilen. Das ist selbst für uns sportlich und selbst wenn wir die Zeit in den USA um 1-3 Wochen verlängern würden, hätte das wenig mit entspanntem Reisen zu tun.
Wir schauen uns nochmal die optimale Reisezeit für den Yellowstone-Nationalpark an und finden bei fast allen Quellen ähnliche Informationen. Der Park öffnet die meisten Routen erst Mitte April und zu dieser Zeit liegt dort noch Schnee, oft bis zur vier Meter hoch. Selbst mit Standheizung und den guten All Terrain Reifen etwas zu viel des Guten. Uns wird klar, dass wir die Quadratur des Reisekreises nicht wie geplant schaffen werden und entscheiden, dass wir – für diese Reise – auf den Yellowstone-Nationalpark verzichten müssen.
Damit verkürzt sich die Route um knapp 500 Meilen und mit Optimierung der anderen Routenpunkte landen wir dann bei 4700 Meilen. Wir überlegen noch weiter hin- und her und legen - nicht ganz ohne Herzschmerz – fest, dass wir auch den Bundesstaat Colorado außen vorlassen werden. Der lässt sich dann aber irgendwann anders gut mit dem Yellowstone-Nationalpark verbinden.
Nach etwas hin- und her ist unsere neue Route knapp 3000 Meilen lang und der nächste große Stopp nach dem Big-Bend-Nationalpark ist…? Na, was meint ihr?Читать далее
Ein furztrockener Canyon
27–28 мар. 2024, Соединенные Штаты ⋅ 🌬 24 °C
Die Sonne ist gerade 20 Minuten am Horizont erschienen. Wir beiden springen um kurz vor acht aus dem Bett und machen uns für eine Wanderung im State Park bereit. Gestern Abend haben wir uns noch darauf verständigt auf dem Rückweg zu entscheiden, ob wir noch eine Nacht hierbleiben oder schon den langen Weg in Richtung Nationalpark in Angriff nehmen. Das heißt dann aber auch erstmal, dass wir Freddie abfahrbereit machen.
Alles in allem kein Hexenwerk, aber ein paar Minuten nimmt es dann doch immer in Anspruch. Auch wenn wir früh loskommen und die Wanderung nur 12 Kilometer lang ist, packen wir großzügig Wasser für uns und Bella ein – gegen Mittag werden knapp 30 °C erwartet. Bevor es losgeht, öffnen wir noch alle Dachluken, schalten den Lüfter ein und packen die Thermomatten an die Fenster: Vielleicht hilft es ja ein wenig die Temperatur aus unserem schwarzen Gefährt herauszuhalten.
Mittlerweile ist es neun Uhr und wir marschieren los. Die ersten paar Kilometer sind noch vertrautes Terrain vom gestrigen Abend, aber es sieht in der Morgensonne dann doch nochmal ganz anders aus. Wir laufen dauerhaft über Geröll und grobe Steine und müssen dabei immer wieder kleinen Kakteen und kleinen Büschen mit spitzen Nadeln ausweichen. Die Wanderung führt entlang eines Canyons, dessen Wasserzufuhr schon vor langer, langer Zeit versiegt ist. Zuletzt hat dieser wohl vor knapp 60 Jahren Wasser geführt, dies dann aber durch sintflutartige Regenfälle. So bleibt bei der Wanderung entlang der Kante nur das Staunen über die verschiedenen Gesteinsschichten, kleinen Höhlen und abgebrochenen Felskanten. Die Gesteinsschichten sind auch ein guter Beleg für den Western Interior Seaway, der nach der Formung der Rocky-Mountains, den nordamerikanischen Kontinent teilte (das haben wir aber erst später an diesem Tag gelernt).
Die ganze Zeit weht ein gutes Lüftchen und in den ersten 70 Minuten lässt es sich in der Sonne gut aushalten und wir stapfen frohen Mutes durch die Gegend. Mittlerweile sind wir auch in dem Bereich angekommen, in dem sich im Canyon Wasser befindet. Dieses stammt vom Fluss Rio Grande und wurde in den Canyon gedrückt, als jener mehr Wasser führte. Die Sedimente aus dem Wasser haben sich über die Zeit am Grund abgelagert und bilden nun einen natürlichen Deich, so dass das Wasser aus dem Canyon nicht mehr abfließen kann. Während alles um uns herum steinig und trocken ist, sehen wir unten entlang des Canyons Bäume und Gräser wachsen, die einen wahnsinnig großartigen Kontrast bilden.
Wir kommen an einer Schattenschutzhütte und einem mit einem Zaun gesicherten Bereich am Canyon an und sehen auf der anderen Seite einen kleinen Bootsanleger. Zweimal am Tag gibt es geführten Touren zur anderen Seite des Canyons zu einer kleinen Höhle, dem Panther Cave. An dessen Wand befinden sich jahrtausendealte Wandmalereien. Mit leicht zugekniffenen Augen und später mit der Kamera lässt sich der Leib und Schwanz eines Panthers ausmachen, der von Kopf bis Schwanzspitze knapp 3 Meter lang gezeichnet wurde.
Beeindruckt machen wir uns auf den Rückweg und folgen dem Rio Grande für einen knappen Kilometer. Wir haben beide mehr erwartet, sind aber auch nicht wirklich überrascht, dass uns anstelle eines reisenden Stromes nur ein kleines Rinnsal erwartet. In meinem Hinterstübchen klingelt es und das Internet bestätigt uns später, dass Teile des Rio Grandes in den letzten beiden Jahren wegen langanhaltender Trockenheit ausgetrocknet waren.
Entlang des Rio Grandes bedeutet im Übrigen auch, dass wir nur etwas mehr als einen Steinwurf von der Grenze zu Mexiko entfernt sind.
Der Weg geht entlang des Hinterlandes zurück in Richtung Startpunkt. Hier steht die Luft richtig und vom Wind ist nicht mehr viel zu spüren. Ein wieder sandig bis gerölliger Weg schlängelt sich durch die Landschaft aus Kakteen und den anderen stacheligen Büschen und Sträuchern. Nach insgesamt etwas über drei Stunden sind wir wieder zurück an Freddie. Während ich den Wagen aufmache, werde ich von zwei Amerikaner interviewt, die sichtlich beeindruckt von unserem bisherigen Tagewerk sind. Wir sind beide auch recht zufrieden, wobei uns mehr das Wetter als die Strecke herausgefordert haben. Ein kurzer Blick auf die Thermometer zeigt, dass die Massnahmen etwas gebracht haben: Vorne in Freddie sind es knapp 32 °C, hinten ist es mit knapp unter 30 °C etwas kühler. Platt sind wir von der Wanderung nicht, aber die Sonne ist uns beiden ein wenig zu Kopf gestiegen, so dass wir uns entscheiden eine weitere Nacht hier zu verbringen.
Am Besucherzentrum können wir den letzten freien Platz für den heutigen Tag ergattern und schauen uns dort noch die Ausstellung an und lernen einiges über die Geschichte der Ureinwohner, die die Bilder an die Felsen im Panther Cave gemalt haben. Auch gibt es einen zehnminütigen Film, der den ganzen State Park beschreibt. Wir sehen bei der Aufnahme von vor knapp 18 Jahren auch, wieviel Wasser der Rio Grande „damals“ noch führte.
Am Stellplatz 19 angekommen, richten wir den Wagen wieder so gut es geht in Waage aus, lassen die Fahrerseite und einen kleinen Spalt an der Schiebetür, die in der prallen Sonne steht, auf. Von vorne weht ein gutes Lüftchen durch den Wohnraum und so können wir den Nachmittag bei knapp 26 °C in Freddie gut aushalten und genießen auch einen heißen Kaffee. Unsere Köpfe leiden beide noch etwas von der intensiven Sonnenbestrahlung und so wird es ein recht ruhiger restlicher Tag. Nach einer leckeren Gemüsepfanne mit Reis wird es dann wieder Zeit die Berichte der letzten Tage zu schreiben, Bilder auszusortieren und nochmal die Planung für die nächsten Tage durchzugehen.
Ziemlich platt schlafen wir weit nach Mitternacht ein und nehmen uns direkt vor, den nächsten Tag etwas später zu starten.
P.S.: Auch wenn es ein paar zusätzliche Stopps auf dem Weg geben wird, ist das nächste Große Ziel der Grand Canyon.
P.P.S.: Frohe Ostern 🥕Читать далее

Путешественник
Du hast ja mehr Farbe als Bella. Euch Beiden und Bella Frohe Ostern und eine ruhige Zeit :-)
Let's go to Big Bend Nationalpark
28–29 мар. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☀️ 23 °C
Am Donnerstag haben wir uns wieder früh einen Wecker gestellt und kommen diesmal tatsächlich noch ein bisschen besser aus dem Bett, als noch am Vortag zur Wanderung. Dieser Ort ist wirklich faszinierend, diese Weite, das absolute Fehlen von Bäumen und die Berge, die ganz weit hinten am Horizont eine schöne Silhouette an den Himmel zaubern. Ganz, ganz anders aber total faszinierend und schön.
Heute möchten wir uns aufmachen zum Big Bend National Park, zu dem die eben genannten Bergen am Horizont gehören. Wir haben knappe drei Stündchen Fahrt vor uns und werden dann im Park auch noch einige Meilen zu erkunden haben. bisher wissen wir auch noch nciht genau, ob wir im Park schlafen werden oder gegen Abend noch ein Stück nach außerhalb fahren müssen. Alles in allem heißt das für den Tag: Viele Stunden in Freddie mit laufendem Motor und einer Höchsttemperatur von 28°C, die sich in Freddie schnell erhöht, da wir ohne Klimaanlage unterwegs sind. Mit solchen Aussichten fällt das frühe aufstehen sofort viel leichter.
Also hopsen wir flugs aus dem Bett, bauen um, machen die Thermomatten ab, Belas Schlafplatz wird verstaut, Zähne putzen, Anziehen und während ich mit Bella eine kleine Runde gehe, kümmert sich Christian noch um das Entsorgen des Abwassers und verstaut den Auffahrkeil. Danach holt er mich am Wanderparkplatz ab, zu und um den herum Bella und ich spaziert sind. Wenn es nur nicht so schwerfiele, so früh aufzustehen, wenn man nicht fix was geplant hat... Ich genieße die frische Morgenluft und das sanfte Morgenlicht, die Ruhe und zu wissen, dass wir durch das frühe Aufstehen ganz viel vom Tag haben werden.
Ins Auto gehopst geht es bis zum Nationalpark zunächst westwärts und dann noch ein Stück weiter in den Süden. Der Big Bend Nationalpark hat seinen Namen von einem großen Bogen den der Rio Grande (wie wir ja aus dem Seminole Canyon State Park wissen, der Grenze nach Mexiko) im Süden Texas macht, erhalten. Mit einer Gesamtfläche von über 3200 Quadratkilometern gehört er zu den ordentlich großen Nationalparks. Ich bin total neugierig und habe das Gefühl, seit wir die unsichtbare Grenze von Südosten nach Südwesten der USA durchfahren haben, dass jetzt das große Nationalparkabenteuer endlich so richtig los geht. Ich bin bereit für Natur über Natur, Weite, verrückte und nicht greifbare Landschaften, huiiii das wird fein. Natürlich wollen wir nicht vergessen, dass wir mit den Everglades bereits einen Nationalpark besucht haben.
Mit der Strecke in Texas Südwesten, wird auch die Bevölkerungsdichte um einiges spärlicher. Gestern im Visitor Center des Seminole Canyon State Parks hat mir die nette Dame beim Check-In eingeschärft alles an Tankmöglichkeiten mitzunehmen und mit gut aufgestockten Vorräten loszufahren. Vorräte haben wir noch ordentlich und nach einer Tankstelle halten wir Ausschau. Die nächsten drei Stunden vergehen wie so oft, wenn wir gemeinsam im Auto sitzen, wie im Flug. Wir hören Musik und später Hörbuch, besorgen uns zwischendurch Kaffee, Tanken tatsächlich zweimal (kurz vor dem Nationalpark nehmen wir noch einmal die letzte Tankmöglichkeit mit, wir wollen ja bestmöglich vorbereitet sein und wer weiß, wann die nächste Tankmöglichkeit nach dem Nationalpark kommt), außerdem besorgen wir uns einen Chicken Fajita Tacco - Köstlich, ich sach et euch. Die ganze Fahrtzeit schon ist das Internet super unzuverlässig und wir stellen uns darauf ein, die nächsten Tage ohne stundenlange Daddel-Sessions auszukommen. Den Familien wird kurz Bescheid gegeben und auch einen Beitrag schalten wir noch frei, damit keine zu große Pause entsteht.
Allein bei der letzten halben Stunde Anfahrt zum Big Bend staunen wir nicht schlecht. Das Fenster ist runter gekurbelt und meine Kamera klickt ganz schön oft. Auf den Bildern sieht es nach kargen Steinen aus, in echt ist es wirklich unglaublich schön. Wir kommen zum Eingang und schauen nochmal in der recreation.gov App nach, wie es mit Campingplätzen im Park aussieht. Wir waren im Vorhinein tatsächlich ein bisschen hin und her gerissen, da Bella nur dort erlaubt ist, wo auch Autos hinkommen. Im Endeffekt sind dies also geteerte Straßen und Dirt roads, die nur für Gefährte mit Vierradantrieb empfohlen sind. Natürlich könnten wir auch auf dem Campground mit ihr gehen. Wegfallen würden für uns auf jeden Fall jegliche Wanderwege. Wir denken uns aber mittlerweile, dass es bestimmt ganz besonders ist, die Szenerie im Park selbst auch abends und nachts zu genießen. Bella wird es überleben einen stinknormalen Straßen-Gassigang zum Abend zu machen, der mal kein 8-12 km Trail ist. Also schauen wir, ob das Glück mal wieder mit den Unorganisierten ist. Wir haben Glück, im ganzen Park ist ein einziger passender Platz frei, auf dem Chisos Basin Campground auf gut 1600 Höhenmetern. Klingt super und wird mit dem letzten Zipfelchen kargem Internetempfang gebucht.
Danach geht es in das kleine Gebäude, wir legen unseren "America the Beautiful Pass" vor und haben dadurch 30$ Eintritt für Freddie gespart. Als Willkommen bekommen wir ein Park-Map und eine Zeitung, die alle möglichen Trails, Events, Tipps was man sich mit wie viel Zeit anschauen könnte und andere Kleinigkeiten nett aufgemacht hat. Wir sind also bestens ausgestattet, um den Park erkunden zu können.
Heute fahren wir als erstes in Richtung "Rio Grande Village" - zu erwarten ist hier kein Dorf, sondern einer von drei Campingplätzen, eine Zapfsäule für Diesel und Benzin, Picknick-Areas und Aussichten auf den Rio Grande. Außerdem ist von dort aus ein Grenzübergang nach Mexiko anfahrbar. Hier kann man jeden Tag zwischen 9 und 16 Uhr nach Mexiko bzw. in die U.S. einreisen. Wir ziehen vorbei an den Chisos Mountains, in die wir später hoch fahren werden, eine beeindruckende Bergkette, an Canyons und der staubigen kargen Weite. Auf der Karte und in der Zeitung wird man über das Wildlife informiert. Neben vielen Vögeln (unter anderem dem Roadrunner, der nicht nur lustig aussieht sondern auch bis zu 20 Meilen die Stunde rennen kann), leben hier Schwarzbären, Berglöwen (Pumas) und Javelinas (eine Schweineart).
In Freddie sind es mittlerweile 34° Celsius, die Fenster sind runter gekurbelt und der fönartige Wind pustet uns ordentlich um die Köppe. Nachdem wir also in den südwestlichsten Zipfel des Parkes gefahren sind, machen wir uns nun, weiterhin staunend auf den Weg zu unserem Campground. Die Straße in die Berge ist von der Breite her, im Vergleich zu Irland oder Schottland, Luxus. Die Höhenmeter bringen Freddie aber ordentlich zum Röhren. Christian lenkt Freddie gekonnt die Serpentinen nach oben. Umgeben von imposanten Bergspitzen liegt in einem Talkessel aus der Ferne zu sehen der Campingplatz. Wir sind so glücklich heute nochmal nach Plätzen geschaut zu haben.
Angekommen am Stellplatz steht hier eine Reservierungsnotiz, allerdings nicht für uns. Wir schauen nochmal beide in App und Bestätigungsmail nach und vergewissern und rück, dass wir einen Platz für heute gebucht haben, dass die Nummer korrekt ist und wir bezahlt haben. Alles so wie wir es im Kopf haben. Wir stellen Freddie also erst einmal ab und Christian watschelt einmal zum Camphost ein paar Plätze weiter, um nachzufragen. Dieser ist leider nicht da und so gehen wir beide einfach mal davon aus, dass der Platz kurzfristig storniert wurde und wir das Glück hatten genau zum richtigen Zeitpunkt zu schauen und die Reservierung zu übernehmen. Für den Rest des Tages lauert bei mir im Hinterkopf, sobald ich ein Motorengeräusch höre, dass jetzt bestimmt der ominöse R.P. auftaucht und uns verscheucht. Dem war aber nicht so ;)
Da der Platz ohne jeglichen Schatten ist, genießen wir draußen ein Müsli und einen Kaffee und verbringen dann aber den Rest des Nachmittags bei 30 Grad in Freddie. Die Sonne ist hier oben nochmal anders gnadenlos. Wir dösen ein wenig und genießen die Ruhe.
Gegen 19 Uhr machen wir uns auf zu einer kleinen Runde mit Bella, die Sonne geht gerade unter. Autos fahren oben aktuell nicht mehr auf den Straßen und so watscheln wir eine nette Runde zu einem Gruppen Campingplatz in ein wenig Entfernung. Wieder an Freddie angekommen, mache ich uns einen Salat und einen Bagel und wir setzen uns nach draußen und genießen bei den ersten aufblitzenden Sternen und Kerzenschein unser Abendessen. Danach gibt es noch einen Whisky für jeden von uns und wir bestaunen ganz in Ruhe den Nachthimmel. Ich bin fast schon gerührt in einer solchen Kulisse so unglaublich viele Sterne bestaunen zu dürfen. Christian zückt sein Handy mit einer Sternen-App und wir suchen die verschiedensten Sternenbilder. Was ein zauberhafter Abend und Tag.
Voller Eindrücke steigen wir in Freddie und kuscheln uns ein, ich bearbeite die Fotos der letzten Tage und recht bald kuscheln wir uns ins Bett.Читать далее

Путешественник
Ach daher kommen die Kabel von einem der vorherigen Bilder.
Aussichten
29–30 мар. 2024, Соединенные Штаты ⋅ 🌬 27 °C
Irgendwas läuft in den letzten Tagen wirklich schief. Es ist wieder früher Morgen und wir stehen erneut früh auf. Aber gut, mit Leiden hat es ja nicht wirklich etwas zu tun und wir haben für den heutigen Tag auch wieder schöne Pläne.
Getreu den Vorgaben des Nationalparks laufe ich mit Bella eine Runde, so groß sie eben unter den Vorrausetzungen geht, am Campground entlang und kann dabei der Sonne zuschauen, wie diese sich über die Berge kämpft und alles in ein schönes güldenes Licht taucht. Bella ist vom Lichtspiel nicht wirklich beeindruckt, sondern schnüffelt wie verrückt am Boden entlang. Wer weiß, welche wilden Fährten sie hier aufnehmen kann.
Den Kaffee gibt es heute zum Mitnehmen und gegen halb zehn verlassen wir unseren Platz und fahren erstmal den Weg wieder zurück ins Tal. Freddie hat heute Mal wieder ein paar Sekunden länger zum Anspringen gebraucht, aber alles in allem scheint es dem guten Dieselmotor egal zu sein, ob es kalt, warm oder nass ist und welche Güte der Diesel selbst hat. Welch ein Glück.
Im Tal angekommen biegen wir auf die Hauptstraße des Parks, der Panther Junction Road, ab und folgen dieser für einen Kilometer, bis es nach links auf den Ross Maxwell Scenic Drive geht. Vorher halten wir aber noch kurz am Straßenrand an und ich putze erstmal die Fenster. In den letzten Tagen hat sich die Windschutzscheibe zur Ruhestätte unzähliger Insekten entwickelt und die Aussicht war ziemlich getrübt. Bereits auf den ersten Metern werden wir mit einer malerischen, aber auch irgendwie unwirklichen Aussicht belohnt.
Zunächst erreichen wir Sotol Vista. Von hier aus können wir einen weiten Blick über die endlose Weite der Chihuahua-Wüste genießen. Die Stille der Wüste, zum Teil in ein Flimmern gefasst, können wir entlang des Horizonts betrachten. Weiter auf der Fahrt passieren wir die markante Felsformation der Mule Ears. Diese erinnern tatsächlich an die Ohren eines Maultiers und ragen dramatisch aus der umliegenden Wüstenlandschaft heraus.
Am Ende erreichen wir den Aussichtspunkt von Santa Elena Canyon: Die hohen, steilen Felswände ragen majestätisch über den Rio Grande, der ruhig unter ihnen hindurch plätschert. Die Sonne taucht die Szenerie in warmes Licht, trotzdem wirkt dies alles ziemlich unwirklich.
Direkt am Santa Elena Canyon ist auch der Beginn einer weiteren malerischen Route, der Old Maverick Route. Dieser ist nicht asphaltiert und ein Vierradantrieb ist empfohlen. Wir befahren den ersten Kilometer der Schotterpiste und erweitern in Gedanken die Ausstattung eines neuen Vans um eine entsprechende Federung und eben erwähnten Vierradantrieb. Zu holprig ist die Strecke und mit schönem Fahren hat dies dann nichts zu tun – dafür erwartet uns dann ja noch der Rückweg auf dem Ross Maxwell Scenic Drive mit einer leicht anderen Perspektive. Diese genießen wir auch und saugen alles in uns auf. Zurück auf der Hauptstraße machen wir uns auf den Weg aus dem Park und können auch hier nochmal in die Weite blicken und die Szenerie genießen.
Nachdem wir knapp 140 Kilometer in Richtung Norden gefahren sind, passieren wir erneut eine Kontrollstation. Hier wollen die Beamten zunächst doch unsere gut verstauten Reisepässe sehen und wir fahren an die Seite. Ich werde kurz über unsere Reisepläne interviewt und kann diese scheinbar plausibel genug darlegen, so dass wir die Pässe doch im versteckten Schrank belassen können und weiterfahren dürfen. Weiter geht es gen Westen, unser Ziel El Paso an der mexikanischen Grenze in knapp 3 Stunden Entfernung. Hanna hat sich bei den Fahrten mit runtergekurbelten Fenstern und trockener, warmer Luft in den letzten Tagen einen Zug am Auge geholt, so dass die zweite Hälfte der heutigen Fahrt ein Kompriss zwischen halb geschlossenen Augen und halb geöffneten Fenstern wird. Aus diesem Grund steuern wir auch gegen 16 Uhr eine Harvest Host Location an, die wir spontan buchen konnten.
In 15 Kilometern Entfernung gibt es die Desert Garden Oasis. Hier werden wir von Ted begrüßt, der sein 40 acre großes Grundstück allen für einen kleinen Obolus zur Verfügung stellt, die auf der Durchreise sind oder einfach nur Abstand zur Zivilisation benötigen. Wir stellen uns auf einen der Plätze, erkunden das Grundstück und lassen den Nachmittag gemütlich ausklingen.
Berichte wollen mal wieder geschrieben werden, mir gelingt es heute etwas besser als Hanna. Ob es nur an den schmerzenden Augen oder auch akuter Unlust liegt, überlassen wir mal der Phantasie.
Im Sonnenuntergang verputzen wir Burritos als Abendessen und schreiben dann die angefangenen Berichte zu Ende. In absoluter Stille schlafen wir gegen halb elf ein und haben mal wieder einen wunderschönen Tag erlebt.Читать далее
Wüste, Köstlichkeiten und New Mexiko
30–31 мар. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☁️ 23 °C
Heute ist Samstagmorgen, wir schlafen ein klein wenig länger als die letzten Tage. Es sind aber auch herrliche 15° C in Freddie, da macht das Einkuscheln auch einfach nochmal mehr Spaß. Wenn man hinten die Thermomatten ein wenig nach unten macht und raus luschert, sieht man wie die Sonne sich langsam über die Berge kämpft. Christian hopst zuerst aus dem Bett und sagt mir ich solle erwachsen sein und mich auch aus den Laken pellen – also ehrlich, ich war die letzten paar Tage schon erwachsen und bin früh aufgestanden. Trotzdem klettere ich kurze Zeit später auch nach unten.
Christian macht sich mit Bella auf den Weg zu einer Gassirunde und hat vorher schon die Bialetti zum Kaffee kochen vorbereitet. Was habe ich ein Glück. Ich stelle den Pott auf unseren Gasherd und organisiere mich ein wenig. Meiner Haut macht es ganz schön zu schaffen, dass seit drei Tagen die Luftfeuchtigkeit nicht höher als 10% geklettert ist. Dazu noch Sonne und salziger Schweiß – Neurodermitis freut sich. Ich wurschtel mich also durch mein Aloe Vera und alle möglichen Creme-Döppchen und glänze kurze Zeit später wie eine Speckschwarte. So das kann mal schön einziehen und dann kommt noch ne fette Schicht Sonnencreme drüber… wie hat Christian einer Mitarbeiterin im VisitorCenter letztens gesagt: „This girl knows just two colours, either she is white or red.“ Recht hat er, Dabei hat sich das „red“ bisher in Grenzen gehalten.
Während der Kaffee langsam anfängt zu blubbern, beantworte ich ein paar Nachrichten, schicke ein Lebenszeichen an meine Family und bestaune die ganze Zeit die Landschaft in der wir stehen. Es will mir nicht so recht in den Kopf, dass das hier wirklich als Wüste zählt, ich meine karg genug ist es ja, aber es ist so bergig. Außerdem gibt es trotzdem ein wenig Gestrüpp hier und da. Aber es ist wirklich die Chihuahua-Wüste, die größte Wüste Nordamerikas, durch die wir uns die letzten Tage bewegen. 90% dieser Wüste liegt zwar in Mexiko dennoch nimmt sie ebenfalls einen Teil von New Mexiko und südöstliche Teile von Arizona ein. Diese Wüstenlandschaft wird uns also noch ein wenig begleiten.
Als Christian und Bella wieder da sind, trinken wir erstmal gemütlichst Kaffee. Außerdem schreibe ich den Bericht von gestern weiter, für den ich am Ende des Abends gestern einfach zu unmotiviert war. Christian schraubt noch ein wenig an seinem Bericht und beginnt außerdem den von gestern. Gefühlt haben wir alle drei Tage Schreibtage, fühlt sich ein wenig an wie Bürotage. Gegen elf machen wir ab, in ungefähr einer Stunde los zu fahren. Bis dahin werden die Berichte fertig, Freddie wird ausgefegt, es wird noch ein Bagel und ein bisschen krosse Müslihappen gesnackt, dann wird alles fest gemacht und wir machen uns bereit diesen so anderen aber auch schönen Ort zu verlassen. Ein Teil von mir ist ein wenig traurig, dass wir dieses riesige Grundstück, zu dem einfach auch die Berge hinter uns gehören, nicht näher erkundet haben. Aber es ist okay und es warten noch so viele andere schöne Landschaften auf uns.
Wir rollen heute nach El Paso, einer recht bekannten Grenzstadt nach Mexiko, die sowieso auf unserem Weg liegt und wo wir denken, dass sie einen Besuch wert sein könnte. Ich muss ein wenig an Jacob und Amber denken, die uns ganz dringend davon abgeraten haben nach El Paso zu fahren. Das wäre sicher sehr gefährlich, wegen der ganzen Immigranten. Es sei ja aktuell so schlimm mit der Migrationspolitik. Christian hat nachgeschaut und El Paso wurde vor zwei Jahren zur zehntsichersten Stadt in den USA ernannt. Wir gehen also dieses „Risiko“ ein (neben dem Fakt, dass wir schon so viele überzeugte Trump Wähler getroffen haben, hatten leider auch alle diese Paare das Gefühl, dass ganz viele Ausländer – natürlich insbesondere Mexikaner – in ihr Land wollen; gespickt mit ein paar rassistischen Kommentaren, bei denen sich mir die Fußnägel aufrollen).
Wir rollen gute zwei Stunden nach El Paso, als wir ankommen sind wir ein wenig enttäuscht, bzw, vielleicht finden wir auch einfach den richtigen Stadtkern nicht. Allerdings sind wir durch die Stadtteile „Downtown“ und „El Centro“ gerollt und so richtig gekriegt hat uns die Stadt sofort an der Grenze zu Mexiko rein optisch nicht. Es ist allerdings ganz schön beeindruckend, dass eine Gebirgskette sofort an die Stadt anschließt, bzw. auch zu Teilen in das Stadtbild und die Bebauung dieser eingebunden ist. Wir fahren mit Freddie einen der Berge hinauf in Richtung eines kleinen Parkes, von dem aus man eine fantastische Aussicht auf die Stadt haben soll. Oben angekommen sind wir in der Tat baff. Die Aussicht ist toll und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass El Paso unglaublich riesig ist. Schaut man aber genau, sieht man das Rinnsal des Rio Grande (ja, der Name ist mittlerweile wirklich sehr ambivalent) mitten durch die Bebauung fließen. Auf der mexikanischen Seite des Flusses liegt die Stadt Ciudad Juárez, die mit einer Einwohnerzahl von ca. 1,3 Mio. Einwohnern (Stand 2010!) locker doppelt so groß ist wie El Paso.
Wir fahren den Berg über einen Scenic Drive wieder nach unten und machen uns auf die Suche nach Futter. Wir würden gerne mexikanisch Essen gehen, es ist ja davon auszugehen, dass wir hier die authentischste mexikanische Küche finden. Nachdem wir Google befragt haben landen wir bei Kiki’s Mexikan Restaurant. Von außen ist das Gebäude absolut nicht einladend, in der Regel lassen wir uns von sowas schnell abschrecken, aber heute haben wir uns vorgenommen, dass wir genau das nicht tun. Wir beide sind richtig stolz auf uns, als wir in dem, seit den 70ern familiengeführten, Restaurant sitzen und die Karte vor der Nase haben. Christian bestellt sich einen Combo Teller No.3 und bei mir dürfens die Fajitas mit Steak, Bohnenpaste, Guacamole, Reis und Tacos sein. Es schmeckt wahrhaftig köstlich, wir waren auch so geblendet von dem Essen, dass wir keine Fotos zur Erinnerung gemacht haben.
Gesättigt und zufrieden machen wir uns mit Freddie auf die Weiterfahrt. Es sind noch Energiereserven übrig und als nächstes steht der White Sands National Park in New Mexiko an. Davor warten noch Pakete auf uns in einem Amazon Locker in Alamogordo, ebenfalls in New Mexico. Dorthin sind es noch eineinhalb Stunden Fahrt, das passt also gut zum Rest des ungeplanten Tages. Auf dem Weg überprüfen wir noch unseren Reifendruck, Tanken auf und stellen auf der Fahrt fest, dass unser Zeitunterschied nach Deutschland ab morgen 8 Stunden beträgt. Wir passieren nämlich eine weitere Zeitzone und in Deutschland werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt.
Mit der Staatsgrenze nach New Mexiko fahren wir in unseren 12. Staat, das ist ganz schön viel in 8 Wochen. Dennoch haben wir auch das Gefühl, dass wir in den 11 Tagen, die wir in Texas verbracht haben, den Staat doch ganz schön gut und in vielen Facetten kennen gelernt haben. Die Stereotypen, die wir zu Texas in unseren Köpfen hatten, haben sich z großen Teilen nicht bestätigt und insgesamt ist der zweitgrößte Staat nach Alaska ganz schön bunt und voller unterschiedlicher, wunderschöner Landschaften. New Mexiko zeigt sich zunächst karg, weit und staubig, aber auch schön. Ich muss einfach sofort an die Serie Breaking Bad denken, die in diesem Staat ihren Hauptspielort hat und muss innerlich ganz schön grinsen.
Angekommen in Alamogordo gehen wir erstmal für einen Großeinkauf zu Walmart, fahren dann kurz zum fünf Minuten entfernten Amazon Locker und stellen uns dann wieder auf den Walmart Parkplatz. Auch wenn es im Umkreis einige atemberaubende Natur-Stellplätze gibt, macht es heute für uns Sinn einfach hier stehen zu bleiben. Christian bringt es auf den Punkt als er sagt, dass man hier auf dem Walmart Parkplatz schöner stünde als auf manchen Campingplätzen in Deutschland. Ich muss sagen, ich gebe ihm recht, die Aussicht auf die Berge ist fantastisch. Außerdem werden wir hier unseren Bestellungs- und Einkaufsmüll gut los.
Wir machen uns einen Obstjoghurt und gehen danach gemeinsam eine Runde mit Bella. In dem Paket des Amazon Lockers war unter anderem ein Rasierer für Bella, den Christian gerne nach dem Gassigang sofort ausprobieren möchte. Gerade bei diesen Temperaturen hat Bella es auch ordentlich nötig kurz geschoren zu werden. Sie hat so lange Haare, wie schon vor Ewigkeiten nicht mehr. Also sitze ich nun auf unserem Bett uns schreibe diesen Bericht und Bella bekommt ihre neue Kurzhaarfrisur. Dazu gibt es ein Bierchen, Limetten-Nachos für mich und Schoki für Christian. Hätte uns mal jemand vor zehn Jahren gesagt, dass wir heute mitten in New Mexiko in unserem Camper auf einem Walmartparkplatz die Haare unseres Hundes scheren, hätten wir wahrscheinlich beide gedacht unser Gegenüber hätte nicht mehr so ganz alle Tassen im Schrank. Somit ein Auf uns und gute Nacht.Читать далее

Путешественник
Oha, ich stelle mir gerade vor ich müsste Tinkerbell rasieren

ПутешественникIch glaube Bella sähe auch wilder auch, wenn ich sie rasieren würde

Путешественникoder: Wann krieg ich mein Leckerlie, dafür, dass ich so gut mitmache?
Tolle Menschen im Katzenklo
31 мар.–1 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ 🌬 23 °C
Ostersonntag, wir wachen zeitig auf, weil wir heute gerne in den White Sands National Park möchten. Es ist ziemlich praktisch, dass wir in der neuen Zeitzone angekommen sind. Wir werden eine Stunde eher als sonst wach und haben so ein bisschen mehr Zeit. Ehrlicherweise ist Ostern bei uns hauptsächlich im Kopf, weil zu Hause unsere Liebsten Ostern feiern und weil im Walmart Gänge über Gänge Plastik Oster Dekoration verkauft wird. Von Ostergras in allen Farben, zu befüllbaren Ostereiern, es ist wirklich eine wildes Auffahren von Wegwerfartikeln.
Dennoch denken wir natürlich auch mit einem kleinen Stückchen Wehmut an die schönen Ostertreffen im Kreise aller Daheimgebliebenen. Bilder von köstlichen Buffets und Spaziergängen oder Ausflügen mit Fahrrädern und kleinen Ostertänzchen lassen uns aber dankenswerter weise teilhaben. Auf dem Weg zum Nationalpark machen wir noch einen Halt bei Starbucks und schnacken über einen Videoanruf das erste Mal, seit wir unterwegs sind, mit meinen Eltern. Sie berichten von einem richtig schönen Ostertag bei meiner Schwester.
Wir rollen Kaffee schlürfend zum Visitor Center am Eingang des Nationalparks, um uns anzumelden (das muss man dann aber eine viertel Meile weiter machen) und bestaunen die Sandschlitten (sehr komfortabel aussehende Tellerschlitten), die hier für 20 Dollar pro Stück and den Mann und die Frau gebracht werden. Bevor wir auf den Hof gefahren sind, haben wir einen VW Crafter überholt, der ein Mainzer Kennzeichen hatte. Wieder zurück auf dem Weg zu Freddie sehen wir, dass dieser auch auf den Hof gerollt ist. Wir kommen ins Gespräch mit Alina und Timo, die wir ungefähr auf unser Alter schätzen würden. Beide sind seit 18 Monaten unterwegs und haben ihren Camper nach Montevideo in Uruguay verschifft und sind auf den Spuren der Panamericana unterwegs und seit 3 Tagen in den USA. Ein mega Abenteuer und super spannend. Die beiden sind außerdem Ende offen unterwegs, was wir super interessant finden. Während wir schnattern stößt Kristin zu uns, die uns ebenfalls auf Deutsch anquatscht und lustigerweise mit ihrem amerikanischen Mann Phil (beide Anfang 40) sowie ihren beiden kleinen Töchtern sofort neben unserem Sprinter steht. Gut getarnt, da ihr Sprinter ein New Yorker Kennzeichen hat. Nach kurzer Zeit eisen sich Alina und Timo los, sie haben aktuell ein wenig Zeitdruck, da sie in zwei Tagen in L.A. von Familie besucht werden. Sie haben ordentlich Meilen zu fahren.
Kristin, Phil, Christian und ich verquatschen uns richtig, wir bekommen super viele Flyer von National- und State-Parks von den beiden. Sie sind in der Zeit in der ihre große Tochter Ilsa, die dieses Jahr in die Schule kommt, noch kleiner war ziemlich lang am Stück durch die USA getourt. Dadurch das Phil in Amerika geboren ist und die beiden so viel rumgekommen sind, sind die Tipps der beiden Gold wert. Kristin hat super viele Ideen, was wir während unserer Tour mitnehmen könnten und wie wir sie evtl. anpassen können. Wir könnten noch ewig weiter quatschen, aber Ilsa und Hallie Mae haben sich sowieso schon über 45 Minuten geduldet und aufs Sandschlitten fahren warten müssen. Wir halten locker fest, dass wir uns ja vielleicht später nochmal sehen (da wir alle ja sowieso noch in den Nationalpark fahren, in den nur eine einzige Straße mit ein paar Parkplätzen am Rand führt).
Wir fahren los und nach ein paar Minuten verschwindet die Vegetation immer mehr und Freddie ist umgeben von weiß. Der White Sand National Park ist ein 712km² großes Gipsfeld. Durch Abtragungen über Jahrtausende durch Wind und Wetter sind riesige Dünen aus Gipssand entstanden. Das ganze Gebiet liegt knapp 1200 Metern Höhe und ist die größte Gipssandwüste der Erde. Auf dem Dünengebiet um den heutigen Nationalpark, war eine Zeitlang eine alternative Landebahn für das Space Shuttle. Auch wurde der erste Kernwaffentest der Geschichte auf einem heutzutage gesperrten Teil des Geländes durchgeführt, während das Manhatten-Projekt die Entwicklung der Atombombe vorantrieb (na, jemand Oppenheimer gesehen? 😉). Heute liegt die Holloman Air Force Base sehr nah bei den Dünen. Der Nationalpark macht nur einen kleinen Teil des Ganzen Gebietes aus und die Fläche um ihn herum wird von der AirForce als Missile Range genutzt. Im Nationalpark selbst sind 2009 menschliche Fußabdrücke entdeckt worden, die nach einigen Studien ergaben, dass sie ca. 23.000 Jahre alt sind. Durch diesen Fund konnte die bisher gesicherte Datierung des Menschen in Nordamerika um 10.000 Jahre vorverlegt werden. Ein geschichtsträchtiges und super interessantes Gebiet.
Nachdem wir einige Kilometer auf der Gipsstraße bis zum Ende dieser gefahren sind, stellen wir Freddie auf dem Parkplatz ab und bekommen von einer Gruppe Jungs einen Schlitten geschenkt, den sie vorher genutzt haben und nun nicht mehr brauchen. Bevor wir diesen einweihen, möchten wir aber eine Runde wandern gehen.
Es gibt eine 8km Rundwanderung durch die Dünen. Die Strecke heißt „Alkali Flat Trail“, ist aber alles andere als flach. Die Bewertungen in unserer Wander-App beschreiben diese als super anstrengend, leicht zu unterschätzen und Garanten für Sonnenbrand. Gut, dass wir gestern aus dem Amazon Locker die hässlichste aber wahrscheinlich effektivste Art an Sonnenhut abgeholt haben. Außerdem bin ich sehr froh, dass es sehr bewölkt und windig ist, so fällt es leichter lange Klamotten anzuziehen. Ob wir den ganzen Rundweg gehen oder nach einer bestimmten Zeit umdrehen, lassen wir für uns offen und nehmen uns so von vornherein den Druck.
Fertig angezogen, eingeschmiert und mit Wasser bewaffnet, stapfen wir mit einigen anderen Wanderlustigen los. Der Sand ist die meiste Zeit fein und weich und die Dünen folgen in kurzen Abschnitten und mit unterschiedlich steilen Aufstiegen. Der Trail ist durch sehr lange rote Pfeiler markiert, von denen man meist nur den nächsten, entweder in einer Senke oder oben auf der nächsten Düne, ausmachen kann. Die Menschen, die sich am Anfang um uns herum gefühlt noch gehäuft haben, verlieren sich vor oder hinter uns in dieser wirklich unbeschreiblich verrückten Dünenlandschaft. Nach kurzer Zeit fühlen wir uns wie die einzigen Menschen und Bella sich wahrscheinlich wie der einzige Hund in dieser irren Weite. Nur selten können wir Fußabdrücke unserer Vorgänger ausmachen, da diese häufig verweht sind, sobald wir dort entlanglaufen. So weit wir schauen können, sehen wir weißen Sand in Hügeln aufgetürmt, teilweise mit einem bis zu einer Schneide aufgehäuftem Grad, den man entlang stapfen kann, dann wieder in feinsten Wellen aufsteigend oder abfallen. Ganz weit hinten am Horizont kann man grün braune Berge ausmachen. Wie atemberaubend der Kontrast zum weißen Sand bei blauem Himmel sein muss, bleibt unserer Fantasie überlassen.
Wir kämpfen uns die Dünen hoch und rennen sie wie die Wilden nach unten und gackern dabei wie kleine Kinder – das macht ganz schön Spaß. Immer mal wieder machen wir Bella los, die Sand sowieso über alles liebt, und bestaunen wie viel schneller und leichtfüßiger als wir diese Flauschkugel die Dünen hoch und runter wetzt. Am Horizont tauchen aus verschiedensten Senken zwischenzeitlich kleine schwarze Punkte auf, die sich gefühlt in Zeitlupe nach vorn gelehnt voran kämpfen und dann wieder in das nächste Dünental verschwinden. In den Senken zwischen den Dünen ist der Boden teilweise hart, wie Gips halt. Nach guten zwei Kilometern sehen wir im weiteren Verlauf der Wanderung am Horizont viel Sandstaub in der Luft, es erinnert fast an einen Sandsturm. Dadurch, dass es so windig ist, kann man in wenigen Kilometern wahrscheinlich nicht mehr so gut sehen und auch hier merke ich, dass trotz viel trinken Rachen und auch Nase ordentlich trocken und staubig sind.
Wir entscheiden uns umzukehren, wie sagt Christian so schön, er erwartet jetzt nicht, dass sich die Landschaft noch groß verändern wird. Trotzdem kitzelt es bei mir ein bisschen und bei Christian ein bisschen mehr in den Fingern und Füßen den Trail doch ganz zu gehen. Im Endeffekt war es wahrscheinlich klug, dass wir umgekehrt sind.
Insgesamt gibt es zu wenige Worte um diese Erfahrung, die sich für mich so sehr wie nicht von dieser Welt anfühlt, zu beschreiben. Christian spricht zwischendurch von einem übergroßen Katzenklo. Mit gefühlt drei Kilo Sand in unseren Schuhen kommen wir wieder auf dem Parkplatz an. Als wir zu Freddie latschen sehen wir, dass die Familie Kong (Name des Instagram Accounts von Kristin, Phil, Ilsa und Hallie Mae ist @thevankongs) auch ihren Weg auf den Parkplatz gefunden haben. Sie stehen quer auf der anderen Seite und haben in den Dünen ihren Spaß. An Freddie angekommen, kommt Ilsa barfuß bei uns angeflitzt und fragt, ob wir uns einen ihrer Schlitten ausleihen wollen. Ich sichere ihr zu, dass wir gleich gerne rüberkommen und auch sogar schon einen Schlitten haben. Sie blubbert noch kurz stolz weiter, dass sie auch schon viel Schlitten gefahren seien und gerade Drachen steigen lassen, ob ich den Bienen-Drachen sehen würde (was ich tue) und dass als nächstes der Hai-Drachen ausprobiert wird.
Wir sortieren uns kurz, während wir Schuhe auskippen, ein paar Nüsse naschen und uns von Hüten und Sonnenbrillen und Jacken befreien. Wir fühlen uns trotz der langen Klamotten wie frisch panierte Schnitzel, die Haut spannt und die Lippen schmecken salzig. Aber das war es wert. Ich creme mich nochmal ein und dann schultern wir unseren Schlitten, lassen Bella im Auto (durch Wolken und Wind sind es in Freddie angenehme 24°C), ich gehen nochmal auf die öffentliche Toilette und dann sind wir auch schon bei den Vieren angekommen. Kristin sitzt mit ihrer Kamera am Rande einer Düne, aktuell sind Ilsa und Phil oben auf der Düne, wickeln den Drachen ab und versuchen ihn in die Luft steigen zu lassen und Hallie Mae sitzt mit ihren eineinhalb Jahren im Sand, und bedient sich herzhaft an diesem, um zu schauen, ob er ihr nicht vielleicht doch schmeckt.
Wir verbringen zauberhafte zweieinhalb Stunden zu sechst und quatschen, fahren mehrfach die Dünen runter (und klettern sie notgedrungen auch nach oben), bestaunen die Drachen, quatschen noch mehr, schäkern mit den Kids und lauschen mit leuchtenden Augen den Abenteuern der Familie. Wenn wir vorher schon dachten, dass wir paniert seien, waren wir es um kurz nach drei auf jeden Fall. Wir besprechen mit Kristin und Phil, dass wir uns einfach gemeinsam an den Stellplatz stellen können, an dem die vier bereits davor die Nacht waren. Wenn die Chemie schon so passt, dann sollte man das doch nutzen. Christian und ich wollen vorher aber nochmal zum Amazon Locker (gestern wurden nicht alle Sachen geliefert, die wir bestellt hatten), unser Abwasser entsorgen und Wasser auffüllen. Außerdem hopsen wir nochmal zum Walmart und können den Kongs von dort auch Müsli mitbringen. Ein wenig hoffen wir auch auf eine Dusche, aber der Planet Fitness hat wegen des Osterfestes verständlicherweise schon um 13 Uhr zu gemacht.
Als wir um sechs auf den Stellplatz fahren, kommt Ilsa auf uns zu gelaufen und gibt uns erstmal zu verstehen, dass wir ja schon ganz schön lange gebraucht haben. Dann hilft sie uns noch einen guten Platz neben dem Van der vier zu finden und Christian und Phil durchdenken ebenfalls, wie wir uns am besten ausrichten könnten. Als wir geparkt haben und uns mit einem Keil immerhin in eine Richtung gerade ausrichten konnten, hüpfen wir aus Freddie, geben die Müsli-Cheerios ab und machen uns daran alle Gummibänder, die eine Doppelsicherung für unsere Schubladen während der Fahrt sind abzumachen. Währenddessen hopst Ilsa zu uns in Freddie und unterzieht ihn einem genauen Vergleich mit ihrem Van. Sie beschreibt ganz genau, wo ihr Kleiderschrank ist, fragt wie das bei uns ist und inspiziert (natürlich nachdem sie nachgefragt hat, ob sie darf) Schubladen und Schränke aufs genaueste. Ihr Fazit ist auf jeden Fall, dass Freddie richtig cool und auch gemütlich ist. Drüben im Kong-Haushalt wird gerade ein Chili vorbereitet und Stühle werden zum Essen aufgebaut. Christian schnackt ein wenig und kommt dann in Freddie und beginnt das Essen vorzubereiten. Es soll mal wieder unser aktuelles Lieblingsgericht - Reis mit Gemüse und Erdnusssoße - werden. Ilsa ist hellauf begeistert und will unbedingt beim Kochen helfen. So machen wir uns zu zweit daran beim Schnibbeln zu helfen und Ilsa befüllt nach und nach den Wok mit dem vorbereiteten Gemüse. Wir schieben unseren Toilettenhocker so zurecht, dass sie perfekt im Stehen das Gemüse im Wok rühren kann. Als das Gemüse schon brutzelt fällt Christian und mir auf, dass es ja schon recht klug gewesen wäre, zuerst den Reis zu kochen. Also wird das Gemüse-Gebrutzel unterbrochen und der Wok zum Auskühlen mit Untersetzer aufs Bett gestellt. Das Reis waschen übernimmt zu 80% Ilsa und Christian geht nach draußen und baut unsere Stühle auch schonmal auf. Als der Reis auf dem Herd steht und nicht mehr all zu viel zu tun ist, lässt sich Ilsa von Kristin überreden, etwas von dem Chili zu essen, das Hallie Mae, Phil und Kristin draußen schon essen. Vorher war Ilsa aber einfach zu sehr beschäftigt. Nachdem Ilsa fertig gegessen hat, hilft sie mir beim restlichen Zubereiten unseres Gerichtes. Phil beginnt draußen mit Hallie Mae Holz für ein Feuerchen zu hacken (Hallie Mae ist hierbei stolze Holzhalterin) und Kristin hat ihre Kamera gezückt und bestaunt die Farben des Sonnenuntergangs. Christian und ich setzen uns mit unseren Stühlen mit Blick zum See, den Bergen am Horizont und der Sonne, die gerade mal wieder dabei ist, die schönsten Farben an den Himmel zu zaubern. Ilsa holt flugs ihren Schmetterlingsklappstuhl dazu und kurze Zeit später gesellt sich auch Kristin neben uns. Die Erwachsenengespräche interessieren Ilsa nicht so sehr, also hilft sie Phil und Hallie Mae beim Feuer vorbereiten.
Als alle satt und zufrieden sind, bringt Christian unser Geschirr zu Freddie und ich drapiere unsere Stühle zu denen der anderen ums nun schon leicht knisternde Feuer. In den nächsten Stunden gibt es Smores (Marshmallows mit Schokolade umkleidet von zwei Keksen), Nachos, Bierchen, und viele Schnattereien. Nachdem Hallie Mae und Ilsa von Phil und Kristin ins Bett gebracht wurden, trinken wir zu dritt (Kristins Geschmack ist es nicht) noch ein paar kleine Whiskys und sowohl Phil als auch Christian machen sich immer wieder auf, um nach kleinen bzw. auch etwas größeren Stöckern zu suchen, damit wir immer noch ein bisschen länger gemeinsam am gemütlichen Feuerchen sitzen können. Wir reden über Alles und Nichts, Politik, Träume, unsere Leben, Kinder, Berufe, Familien, Geschwister, Eltern, Freundschaften, das Leben der Vier zwischen zwei Kontinenten und Kulturen, über Vergangenheit und Zukunft.
Es ist wirklich so herrlich auf Leute zu treffen, die ähnlich denken wie wir, die politisch eine gesunde Einstellung haben und die ein so spannendes Leben, mit zwei zauberhaften Wilden Seelen als Kindern, bemerkenswert zu meistern scheinen. Weit nach Mitternacht machen wir vier uns nach Rauch stinkend und beseelt, aber hundemüde auf in unsere beiden rollenden Heime. Da es richtig gut zeitlich passt, rufe ich in Deutschland an und halte mit Emma (bei der es grad 10 Uhr morgens ist) einen Osterschnack, bevor dort der Besuch zum Frühstücken eintrifft. Währenddessen spült Christian dankenswerterweise, telefoniert noch mit seiner Oma und kurze Zeit später fallen wir hundemüde, ein bisschen angeschwipst und reich an Eindrücken dieses fantastischen Tages, ins Bett.Читать далее

ПутешественникJa Geilomat, so stell ich mir das auch vor. Man trifft Leute die zu einem passen und fühlt sich einfach nur wohl. Ein tolles Gefühl wenn man fern von zuhause ist.

ПутешественникDas triffts auf den Punkt... wir sind super dankbar, wie uns das Schicksal an dem Tag in die Karten gespielt hat
Ostermontag
1–2 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ⛅ 13 °C
So kühl es gestern Abend am Ende war, in Freddie sind es dann gegen halb acht schon 19 °C. Der doch noch sehr intensive Geruch des Lagerfeuers aus unseren Klamotten liegt auch in Freddie und wir drehen uns nochmal ein wenig rum und dösen etwas weiter – konkrete Pläne für den Tag gibt es nicht.
Eine Stunde später haben wir uns gerade aus dem Bett gepellt, als es auch schon an der Schiebetür klopft, Ilsa von draußen schnell in Freddie und dann zu Hanna auf das Bett hüpft. Hanna zieht Kinder wie ein Magnet an und so kriege ich auch nur mit, dass die beiden bereits in ein ernstes Gespräch über Lieblingstiere und Lieblingsessen vertieft sind, als ich mich mit Bella auf den Weg mache.
Es geht ein guter Wind, es ist teilweise bewölkt und von den Bergen in Osten und Westen ist gerade nicht viel zu sehen - trotzdem ist es eine schöne Runde mit Bella. Vereinzelt sehe ich andere Camper die sich abfahrbereit machen oder gerade im Trailer frühstücken. Ein paar Mal höre ich – wie so häufig in Amerika – das doch sehr vertraute Geräusch der Diesel- oder Gasgeneratoren. Irgendwie schade, dass diese hier so häufig vertreten sind und die meistens absolute Stille stören. Zurück an Freddie, schaue ich Ilsa beim Aufschäumen der Milch zu und bekomme einen Kaffee durch das Schiebefenster gereicht. Verträumt laufe ich zwischen den beiden Sprinter durch und schaue über den kleinen See in Richtung des Nationalparks und lasse den gestrigen Tag nochmal in Gedanken an mir vorbei ziehen.
Nachdem Hanna und Ilsa im Innern ein wenig umgeräumt haben, biete ich Phil unsere kleine Propangasflasche an, die aber nicht zu deren Kocher passt: drüben ist gestern Abend nach knapp sechs Wochen die Gasflasche leer. Daher wird kurze Zeit später unser Gaskocher übergeben, der ja zum Glück nur mit vier Magneten auf der Arbeitsplatte befestigt ist. Auf dem „Rückweg“ kommt Hallie Mae mit und klettert auch schnell zu den anderen auf das Bett. Während drüben das Frühstück zubereitet wird, toben die beiden Mädels durch das Bett, und wir bauen Mithilfe der Bettdecke, Wäscheklammern und der Wäscheleine eine Höhle.
Etwas später werden wir alle zum Frühstück gerufen und bewaffnet mit unserem Geschirr, Honig, Tassen und einer vorbereiteten Bialetti besteigen wir den anderen Sprinter. Der Fahrer- und Beifahrersitz sind hier drehbar, so dass der Fahrerraum schnell zum Teil des „Esszimmers“ umgebaut werden kann. Definitiv etwas, dass wir beim nächsten Ausbau auch nutzen würden (TÜV-Abnahme der Drehkonsole wird dann halt in Kauf genommen). Phil backt und verteilt immer wieder – göttliche – Pfannkuchen und wir genießen diesen leicht anderen Ostermorgen sehr. Während Hanna eine Geschichte über Brono den Bären von Ilsa diktiert bekommt und sich darin vollkommen verliert, bekomme ich von Kristin und Phil noch unglaublich viele Reisetipps. Den Yellowstone und Grand Teton Nationalpark haben alle vier ins Herz geschlossen und so wird zwischendurch immer wieder von den Bärensichtung in beiden Parks berichtet.
In meinem Kopf rattert es zwischendurch ziemlich und ich frage mich, ob uns die Quadratur des Reisekreises nicht doch noch irgendwie gelingt oder welche Möglichkeiten es gibt aus 6 Monaten spontan 12 Monate zu machen. In der Zwischenzeit bekommen wir noch ein paar nach Bundesstaaten organisierte Google Maps Listen zugeschickt. Gerade Arizona und Utah haben so viele tolle Orte zu bieten, so dass wir uns erstmal um die unmittelbaren Ziele Gedanken machen, die sich zwischen dem Grand und Bryce Canyon sowie dem Zion-Nationalpark befinden. Wir bekommen – danke dafür – von den Kongs noch den Jahrespass für die kanadischen Nationalparks geschenkt, der noch bis Juni diesen Jahres gültig ist. Super praktisch.
Während sich das Wetter draußen verschlechtert, genießen wir die Gemütlichkeit. Wir haben uns damals bewusst für viel weiße Farbe in Freddie entschieden, gerade weil wir wenig Fenster haben. Kristin und Phil haben viele Fenster und konnten an den Wänden und Decken mit dunklem Holz arbeiten, das in leichten Grün- und Blautönen lasiert wurden. Wir sind beide Fans von der Farbgebung und nehmen das gesamte Konzept als spätere Inspiration in uns auf.
Immer wieder landen wir auch bei politischen Themen beider Länder und gewinnen nochmal einen anderen Einblick auf die politische Situation in den USA. Nach all den engstirnigen und beratungsresistenten Unterstützern von Trump, ist ein Austausch aus einer sehr ähnlichen Werteecke wirklich sehr schön und sorgt trotz aller Wolken am Himmel für Zuversicht. Fast die ganze Zeit wird musikalisch von Ilsas Lieblingsplaylist untermalt, ein kunterbunter Mix aus deutschen und englischen Liedern. Ich finde es richtig cool, dass die beiden Kiddies direkt zweisprachig aufwachsen.
Mit Phil tausche ich mich noch ein wenig über die Vor- und Nachteile des eigenen Ausbaus aus, irgendwie herrlich etwas zu „fachsimpeln“ und noch mehr Eindrücke und Ideen zu gewinnen. Ich finde den Ausbau wirklich sehr gelungen und bin fasziniert, dass hier eine vierköpfige Familie so gut Platz findet. Sogar eine „Bücherei“ mit knapp zwei Dutzend Büchern ist vorhanden.
Nach gut drei Stunden „laufen“ wir zurück zu Freddie, während sich die anderen abfahrbereit machen. Ilsa und Hallie Mae statten uns noch einen kleinen Abschiedsbesuch ab und toben nochmal mit Hanna und mir durch Freddie. Nach einem kleinen, aber herzlichen Umarmungsmarathon trennen sich die Wege – zum Glück haben wir aber Kontaktdaten ausgetauscht.
Nicht, dass die letzten Tage richtig anstrengend gewesen wären, aber einen richtigen „Couch-Tag“ hatten wir schon lange nicht mehr und so entscheiden wir uns spontan, noch eine Nacht hier stehen zu bleiben. Erstmal machen wir aber einen kleinen Mittagsschlaf und können so die ganzen Einrücke der letzten Stunden gut verarbeiten. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass manche soziale Interaktionen so viel Energie fordern, während andere einem einfach so viel geben.
Ausgeruht und gestärkt macht sich Hanna an eine kleine Bastelaktion - der bevorstehende Geburtstag von Emma wirft seine Schatten voraus. Ich schnappe mir mein Werkzeug und tausche an einer unserer Schubladen die Kugelschnappverschlüsse gegen bessere Verschlüsse aus. Auch hier merke ich mal wieder, dass man mit ein paar kleinen Änderungen im Vorhinein, alles etwas einfacher haben könnte. Trotz all der Inspiration und dem Drang nochmal einen Bus auszubauen, bin ich aber sehr glücklich mit der Art und Weise wie wir Freddie ausgebaut haben. In den letzten genau acht Wochen haben wir beide gemerkt, dass uns allerhöchstens Kleinigkeiten am Ausbau stören. In Summe aber wesentlich weniger Dinge als an unserer Wohnung. Einer der größten Vorteile an Freddie ist natürlich, dass wir uns die unmittelbaren Nachbarn hier selbst aussuchen können.
Gegen Abend drehe ich noch eine große Runde mit Bella. Es stehen wieder gut 20 Camper auf diesem Stellplatz, die sich aber gut verteilen. Das komplette Spektrum ist vertreten. Ich laufe an einem Zelt vorbei, sehe einen Jeep mit Dachzelt, einen riesigen LKW-Reisebus, ein paar Schulbusse und auch ein paar Sprinter. Nachdem ich etwas die Geröllstraße entlang gelaufen bin, sind die Fahrzeuge kleiner geworden und meine Gedanken schweifen herum. Ich bin so dankbar, dass wir dieses Abenteuer machen können, weiß aber auch um die Endlichkeit unserer Reise. Die Vorstellung, eine solche Reise für mehr als nur sechs Monate zu machen – wie die Kongs halt – übt eine ziemliche Faszination aus. Auf der anderen Seite kriege ich das Ganze aber auch nicht mit meinem "Sicherheitsbedürfnis” unter einem Hut. Ein geregeltes Einkommen, damit einhergehende Zahlung in die Rentenkasse und andere Sparmaßnahmen stehen einem Abenteuer mit offenem Ende konträr gegenüber. Zumindest in meinem Kopf. Aber wir wissen ja alle, das steter Tropfen den Stein höhlt (das sehen wir hier in der Natur ja durchaus öfter). Mit all diesen Gedanken, etwas österlichem Familien- und Freundesheimweh und Melancholie über den Abschied des heutigen Tages komme ich zurück am Bus an.
Hanna ist gerade mit dem Kochen fertig geworden: Kartoffelpüree mit grünem Spargel und brauner Soße – yummi! Zunächst kommt aber erstmal das Erste-Hilfe-Set zum Einsatz. Ein gutes Gefro-Messer hat sich in den Daumen von Hanna verirrt. Nachdem der Abwasch getan ist, ziehen wir uns in unser Wohnzimmer zurück und schauen uns noch eine deutsche Serie bei Netflix an und lassen so unser Osterwochenende ausklingen.Читать далее

Путешественник
Wow Super Euch so glücklich zu sehen. Da ❤️😊geht einem das Herz auf
Cibol National Forest
2–3 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ⛅ 10 °C
Zur Abwechslung ist heute Morgen mal wieder Rollentausch. Während Hanna sich mit Bella aufmacht, kratze ich mir den Schlaf aus den Augen und sortiere erstmal Freddie zurecht. So gut es geht, fege ich grob den Sand wieder zurück in die Natur und setze dann den Kaffee auf.
Während dieser langsam durchläuft, entscheide ich mich spontan eines meiner schon länger vorhandenen Gelüste zu stillen: Rührei. Flugs wird eine Zwiebel gewürfelt und ich schmeiße noch ein paar grüne Bohnen mit in die Pfanne. Ein paar Eier werden verquirlt und als ich am Horizont Hanna und Bella entdecke, gieße ich das ganze zum Gemüse in die Pfanne. Wenig später legen wir das Rührei mit einer Tomate und etwas Cottage Cheese in einen Wrap und haben ein ziemlich leckeres Frühstück – inklusive unseres geliebten Kaffee.
Wir wuseln beide in den nächsten zwei Stündchen durch Freddie, machen alles und nichts und am Ende dann doch noch Freddie für die Abfahrt bereit. Auf dem Weg zum Grand Canyon wollen wir noch Halt am Petrified Forest National Park machen, dieser ist aber gut sechs Stunden entfernt, allerdings schenkt uns eine weitere Zeitzone wiederum eine Stunde. Den gesamten Weg werden wir unabhängig davon aber am heutigen Tage nicht schaffen. Wir planen aber, bis zum Sonnenuntergang zu fahren.
Der Anblick des Stellplatzes am See ist heute nochmal auf eine andere Art und Weise schön. Es geht fast kein Wind, die Sonne scheint und im Westen und Osten lassen sich die Berge fast die ganze Zeit erkennen. Zwischendrin können wir ein paar Kampfflieger beim Formationsflug beobachten, was ich ehrlich gesagt ziemlich spannend finde. Ich muss sowohl an das Original als auch an die Fortsetzung von Top Gun aus dem letzten Jahr denken.
Gegen 13 Uhr schaffen wir es loszukommen und rollen ein letztes Mal durch Alamogordo und sammeln den letzten Teil der Amazon Bestellung ein. Der Sonnenhut für Hanna mit Pferdeschwanzöffnung ist angekommen und zusätzlich noch ein Gardena-Adapter für die Wasseranschlüsse. Letzterer ist nötig, da die Gewinde hier zwar die gleiche Größe aber eine andere Gewindesteigung haben und so bei unserem Adapter während dem Auffüllen immer ziemlich viel Wasser in alle Richtungen spritzt. In Baumärkten habe ich einen Solchen bislang nicht gefunden und so musste Amazon herhalten.
Die Fahrt der nächsten zwei Stündchen geht entlang der Missile Range, erst in Richtung Norden und dann in Richtung Westen. So bekommen wir auch ein recht gutes Gefühl dafür, wie groß dieses Gelände insgesamt ist. Während der Fahrt haben wir uns heute ein etwas anderes Unterhaltungsprogramm ausgesucht. Kristin hat und erzählt, dass sie einen Podcast mit ein paar Folgen auf Spotify haben. So schalten wir neugierig "Die Abenteuer von Ilsa und Jetlag" ein und versinken in den Geschichten die die kleine Ilsa im Van mit ihren Eltern und ihrem Lieblings Kuscheltier Jetlag, einem Faultier, erlebt. Es sind richtig coole Abenteuer und Jetlag ist ein kleiner Alleswisser, weswegen die Folgen spielerisch richtig informativ und gehaltvoll sind. Ein süßer Podcast für Groß und auch klein.
Durch das Hinterland fahren wir in Richtung Socorro und können in weiter Ferne einige Schneebedeckte Berge entdecken. Um uns herum ist die Landschaft dagegen wie gewohnt trocken und es sind Büsche und Sträucher zu sehen, die sich überall einigermaßen gleichmäßig verteilen. Das Navi will uns von Socorro in Richtung Norden zur Interstate 40 in der Nähe von Albuquerque schicken, aber ein Schild am Rand lässt mich einen anderen Weg einschlagen: VLA. Hier geht es natürlich nicht um die bekannte Süßspeise (oder die Virtuelle-Leit-Achse) sondern um das Very Large Array welches sich in knapp 50 Meilen Entfernung befindet. Das VLA ist ein Verbund von 27 aktiven Radioteleskopen, die sich auf einem Y-förmig angeordneten Gleissystem befinden und dort in unterschiedlichen Abständen positioniert werden können. Filmfreunde kennen dieses vielleicht aus dem Film „Contact“ mit Jodie Foster.
Sowohl Hanna als auch insbesondere ich nehmen die Gelegenheit gerne war, an diesem vorbeizufahren. Der Eindruck, den wir dabei bekommen, ist sehr imposant. Nach und nach tauchen die einzelnen Radioteleskope auf und nach ein paar Minuten sind die einzelnen Teleskope zum Teil nicht mehr auszumachen. Es ist schade, dass wir außerhalb der Öffnungszeiten des Besucherzentrum dort entlang rollen.
Gegen halb sieben halten wir entlang des Highways Ausschau in einer unserer Apps und finden Stellplätze ohne Ende. In der Gegend gibt es viel öffentliches Land und einen großen Nationalwald, so dass wir frei auswählen können, wo wir stehen wollen.
Wir entscheiden uns für einen Platz im Wald, etwas Abseits vom Highway und kommen hier eine gute halbe Stunde vor dem Sonnenuntergang an. Der erste Stellplatz hat eine bereits vorbereitete Feuerstelle, aber wir sehen dort auch ziemlich viel Müll liegen und rollen noch etwas die Waldstraße weiter. Der Boden ist durch die Schneeschmelze der letzten Tage oder Wochen ziemlich aufgeweicht und so zeigen die All-Terrain-Reifen das erste Mal so richtig, was sie draufhaben – was ein Spaß. An einem kleinen Wendepunkt führt die Waldstraße etwas bergab und ein paar tiefe Furchen in Sichtweite, erinnern uns dann nochmal daran, dass wir keinen Jeep mit Vierradantrieb fahren, sondern nur einen Sprinter mit knapp 3500 Kilogramm und guten Reifen.
Es geht also zurück zum ersten Platz, Freddie wird mit der „kalten“ Schulter zur Feuerstelle geparkt und ich marschiere mit Bella los. Das Thermometer zeigt nur noch knapp 7°C an, als ich mich mit Bella auf den Weg in den Wald mache und diese so ganz andere Welt im Nationalwald erkunde. Die Schnelligkeit, mit der sich die Natur in den USA teilweise komplett ändert, ist verrückt. Zurück an Freddie angekommen, bürste ich Bella so gut es geht die von Matsche verklebten Pfoten sauber, bevor sie in den Bus hüpfen darf. Die Tür wird geschlossen und alle offenen Fenster hat Hanna bereits mit Thermomatten verkleidet – jedes Grad zählt.
Zum Abendessen gibt es einen sehr gemüselastigen Nudelauflauf, der Hanna wirklich sehr gut gelungen ist. Ein positiver Nebeneffekt an einem Auflauf ist natürlich, dass sich beim Kochen die Abwärme in Freddie gut verteilt. Wir schauen beim Essen und danach die spannende Mini-Serie zu Ende und lassen so diesen Fahrtag ausklingen.Читать далее

Путешественник
Zwei Effelsberger Radiusteleskope Wie kommen die dahin? Nachdem ich den Bericht gelesen habe weiß ich das die wohl Teleskope aus der ganzen Welt eingesammelt haben. 🙄❤️
Petrified Forest National Park
3–4 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☀️ 19 °C
Mittwoch -> Notiz am Rande – ich sitze gerade hier, einen Tag später um diesen Bericht zu schreiben und frage Christian gerade ernsthaft, ob er mir mal kurz auf die Sprünge helfen kann, wo wir gestern nochmal aufgewacht sind. Ich glaube wir kommen ganz gut rum 😉. Wie gut, dass wir im Nachhinein diesen Blog haben werden, um uns an alle schönen Momente erinnern zu können.
So Mittwoch also: Wir wachen morgens nach einer wirklich kalten Nacht auf. Bella hat ja gestern Abend ein Bett nur knapp unter unserer Schlaf-Ebene gebaut bekommen. Sie hatte also die ganze Nacht den Luxus von unserer 2,20m x 2,40m Decke zu profitieren. Wir haben uns schon darüber unterhalten, dass wir eventuell vor dem Scheren die Höhe mit hätten einrechnen sollen und, dass wir weiter im Norden sein werden. So ist es Nachts einfach wirklich ganz schön kalt für eine kurz geschorene Bella. Aber die Lösung, die wir gefunden haben ist eine gute.
Der Blick aus dem Fenster ist auch am Morgen recht surreal. Wir sind hier auf 2000 Meter Höhe und ich hätte auf jeden Fall eher Gestein, karge Landschaft und Staub erwartet. Stattdessen ist es hier sehr feucht, erdig, bewaldet und aber auch recht begrast. Ein paar Meter weiter liegt noch ein wenig Schnee. Am Horizont erheben sich ein paar Hügel, die ordentlich schneebedeckt sind. Verrückt zu wissen, dass diese Hügel eigentlich nur die Spitzen dieses Gebirges sind.
Christian hopst mit Bella morgens aus Freddie, während ich das provisorische Hundebett abbaue, alles umbaue und Kaffee vorbereite. Außerdem halte ich einen Videoschnack mit meiner Schwester und Familie. Christian kommt dazu und wir genießen Kaffee, Ruhe und den Schnack. Wobei Christian ein bisschen Hummeln im Pöppes hat und sich nach kurzer Zeit, während ich noch telefoniere, dem Müll vor unserer Haustür widmet. Wir haben Einmalhandschuhe dabei und Mülltüten en Masse. Es ist wirklich ein Unding was da neben der Feuerstelle alles im Gebüsch liegt. Schinkenpackungen von 2016 nur als Beispiel. Es wirkt als hätte jemand seine gesamten abgelaufenen Lebensmittel einfach hier in der Natur abgeladen. Christian sammelt innerhalb von 20 Minuten zwei Müllbeutel voll Abfall.
Danach packen wir alles in Freddie, machen ihn reisefertig und rollen um 11:30 Uhr los in Richtung Nordwesten. Unterwegs halten wir Ausschau nach öf fentlichen Mülltonnen und werden lange nicht fündig. An Rastplätzen sind zwar welche ausgeschildert aber in fast allen Fällen abgebaut. An einem Rastplatz sind 12 große Mülltonnen, als wir auf den Platz mit Picknicktischen fahren steht, dass bitte kein Hausmüll entsorgt werden soll. Scheinbar wird der Platz gern dafür genutzt den Müll von Privatpersonen hier wegzuschmeißen. Alle Tonnen sind randvoll. Während wir also weiter durch die Landschaft rollen, wird uns mit der Zeit immer klarer, dass hier ganz bestimmt nicht alle paar Wochen eine Müllabfuhr entlang rollt. Wir merken mal wieder, dass wir in Deutschland ganz schön verwöhnt sind, was sowas angeht. Nach einer guten Stunde rollen wir durch ein kleines Städtchen, in dem wir den Abfall endlich los werden.
Um 13 Uhr überqueren wir die nächste Staatsgrenze und kommen in Arizona an. Verrückterweise haben wir ab dem Zeitpunkt sogar 9 Stunden Zeitverschiebung nach Deutschland, aber nur weil hier in diesem Teil Arizonas die Uhren auch auf Sommerzeit umgestellt werden. Das ist alles ein wenig verwirrend. Wir sind heute auf dem Weg in den Petrified Forest National Park. Der Name lässt einen ja sehr überzeugend denken, dass wir in einen Wald fahren aber weit gefehlt. Es handelt sich um einen Nationalpark in dem unglaublich viele versteinerte Bäume und Baumstümpfe gefunden wurden, bzw. fast kann man sagen, dass sie dort herumliegen. So ganz vorstellen kann ich mir das im Vorhinein nicht, aber wir lassen uns überraschen. Auf der Nationalparkseite wird beschrieben, dass es sich hier nicht ausschließlich um einen Park der versteinerten Bäume handelt, sondern, dass hier eher zwei Nationalparks in einem zusammengefasst sind. So findet sich neben den Baumresten auch das sogenannte Painted Desert.
Nach insgesamt vier Stunden Fahrt kommen wir an und hopsen kurz zum Visitor Center. Hier besorgen wir uns einer Karte des Parks und freuen uns, dass Bella auf allen Trails erlaubt ist. Auf dem Weg zurück zu Freddie verleitet uns noch ein himmlischer Duft in das Diner zu gehen, das sofort beim Visitor Center ist. Wir bestellen uns einen Navajo Taco zum mitnehmen. Eine Art frittiertes Brot, das an Lángos erinnert aber weicher ist, welches mit Chili, Tomate, Avocado und Streukäse belegt ist. Bepackt mit dieser Köstlichkeit nehmen wir uns vor eine nahe gelegene Picknick Area anzufahren und dort mit guter Aussicht zu essen. Gesagt getan. Gesättigt machen wir uns dann auf die Erkundungstour durch den recht kleinen Nationalpark. Durch ihn hindurch führt eine 28 Meilen lange Straße, von der vereinzelt noch kurze Rundwege abzweigen.
Die ersten paar Kilometer durch den Park zeigen noch nicht viele versteinerte Baumstümpfe, dafür aber weite Landschaften, wüstenartig und tatsächlich Berge und Canyons in ganz verschiedenen Farbschichten. Hier kann man sehen, wie sich verschiedenste Zeit – Ären in Sedimenten abgesetzt haben. Die unterschiedlichen Aussichtspunkte sind wirklich sehr abwechslungsreich. Wir halten auch an einem Punkt, durch den bis 1958 die Route 66 geführt hat. Weltbekannt und als die "Mother Road" bezeichnet habe ich tatsächlich auch bis kurz vor unseren Trip gedacht, dass man die Route 66 bis heute noch befahren könnte (Upsi! Wissenslücke). Andere Punkte an denen wir halten haben Namen wir „Newspaper Rock“, „The Tepees“, „Blue Mesa“, „ Agate Bridge“ und „Crystal Forest“.
Ich finde die versteinerten Baumstämme tatsächlich am faszinierendsten. Es sieht ein bisschen so aus als könnte man hier eine ordentliche Portion Feuerholz sammeln. Schaut man genauer hin, leuchten und schimmern die Stämme von innen aber in buntesten Farben und sind Eisenoxide bis hin zu purem Quartz. Vor über 200 Millionen Jahren, bevor die Kontinentalplatten auseinandergedriftet sind, lag dieser Teil des heutigen Amerikas in Äquatornähe und hatte ein Klima wie das heutige Costa Rica. Ganz schön unvorstellbar, wenn man hier in dieser Wüste herumstapft. Durch die Zeit und das Umstürzen der Bäume, das Begraben dieser über Jahr-Äonen durchdrang mit Kieslsäure angereichertes Wasser die Stämme. Dieses ersetzte die organischen Moleküle des Holzes und bildete ein Replik aus Quartz. Diese Stämme sind also nicht Holz, das ummantelt wurde von Gestein, sondern es sind Gesteinsblöcke, die so aussehen wie Holz. Verrückte Natur.
Immer wieder steigen wir aus, laufen kurze Trails und knipsen ganz schön viele Fotos. Das aussortieren wird bestimmt nicht spaßig 😉. Gegen sechs Uhr dann, fahren wir aus dem Nationalpark und finden einen Stellplatz sofort in der Nähe des Eingangs an einem Museum. Sehr praktisch für uns, dass dieses Vans und RVs anbietet hier umsonst zu stehen, so dass man nach dem Besuch im Nationalpark nicht mehr weit fahren muss.
Zum Abendessen bereite ich uns einen Tomaten-Avocado Salat vor, während Christian die Google Maps Sammlungen der VanKongs sichtet und eine App sucht, die uns beim Routen optimieren helfen kann. Nach dem Essen schaue auch ich mir die Stopps der Familie an, die über zwei Jahre mit dem Van durch die USA getourt ist und bin sehr schnell heillos überfordert. Es sind so viele mögliche Ausflugsziele, die den Bildern nach umwerfend sind. Wie soll man sich denn da entscheiden, worauf man verzichtet und was man gerne sehen möchte. Wenn ich mich mit so etwas auseinandersetze, möchte mein Inneres gern alles sehen, sich nicht gegen irgendetwas entscheiden müssen, friert dann gefühlt in Schockstarre ein und kann sich am Ende für Nichts entscheiden. Christian ist da besser im Planen und Unterbringen von verschiedenen Stopps und Möglichkeiten. Gemeinsam versuchen wir zu durchdenken, wie viele Stopps noch möglich sind, bis wir in spätestens sechs Wochen nach Kanada einreisen wollen, damit wir diesem riesigen Land wenigstens ansatzweise gerecht werden können. Ein Teil von mir wünscht sich, ohne festes Enddatum auf Entdeckungstour sein zu können.
Mit qualmendem Kopf baue ich Freddie zum Schlafzimmer um, während Christian (danke dafür!) kurz mit Bella eine letzte Runde geht. Ich drapiere Bellas improvisiertes Bett, bereite Christian eine Schreibtischecke vor und mache mich selbst schonmal bettfertig. Als Christian wieder da ist, setzt er sich noch an den „Schreibtisch“ und tippt den Bericht vom Vortag. Ich packe mir meine Einschlafbegleitung auf die Ohren und schlummere unter dem meditativen Tippen aus Richtung meines Fußendes und mit dem „Gefangenen von Azkaban“ im Ohr ein.Читать далее
Das größte Indianerreservat der USA
4–5 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ 🌬 21 °C
Es ist schon wieder Donnerstagmorgen. Die letzten paar Wochen fliegen gefühlt nur so vorbei. Wir werden vor dem Petrified Forest National Park wach. Nachdem ich die Augen aufmache, murmelt Christian neben mir… „Es gibt eine kleine Planänderung, wir fahren nicht als nächstes zum Grand Canyon“. Mein Kopf verarbeitet diesen neuartigen Guten-Morgen-Gruß und ich denke mir, dass es da bestimmt einen Grund für gibt, den mir Christian als nächstes erklären wird. Genauso ist es auch. Die Tage werden am Grand Canyon -4°C bis 8°C erwartet, die durch Regen und Wolken nochmal extra kuschelig daherkommen sollen. Gute Entscheidung nochmal nach einer anderen Abfolge zu schauen. Ich bin super dankbar, dass Christian mit seiner neuen Routenoptimierungsapp, ganz gut Alternativrouten durchspielen kann. Der nächste Stopp wird Monument Valley werden, den Rest möchte Christian später am Tag noch ein wenig ausfeilen.
Jetzt heißt es aber erstmal raus aus den Federn und Freddie und uns fertig machen für den Tag. Wir hatten gestern schon überlegt, heute Morgen noch einen Trail mit Bella zu machen. Zur Auswahl stehen ein 11,9 km langer Trail oder ein 4,5 km Trail. Da mich die Höhe tatsächlich ein bisschen schlappi und kurzatmig macht, entscheiden wir uns für den kurzen Trail, der quasi ein entspannter Morgenspaziergang ist. Für diesen düsen wir nochmal in den Nationalpark und halten am Parkplatz vom Rainbow Forest Museum.
Um auf die 4,5 km zu kommen, kombinieren wir den Long Logs und den Agate House Trail.
Auf dem Long Logs Trail sollen besonders lange versteinerte Baumstücke zu finden sein. Nachdem wir gestern den ganzen Nachmittag in ähnlicher Natur unterwegs waren, kommen uns die versteinerten Baumstämme nicht so viel größer vor als die von gestern. Gestern habe ich mich gefragt, wie es denn sein kann, dass all diese Baumstammstücke (hihi, was ein lustiges Wort) so akkurat zerteilt wirken. Heute lerne ich, dass dies ein Schritt in der Versteinerung ist und dass die Holzstücke im Laufe des Versteinerns einfach zerbrechen. Trotz der Ähnlichkeit, zu all den versteinerten Holzstücken vom Vortag, lässt die Faszination absolut nicht nach und ich knipse nochmal knapp 40 Fotos von Holz (bzw. Stein), Natur und Farbenpracht in dieser auf den ersten Blick so eintönig wirkenden Landschaft.
Der Agate House Trail führt zu einem großen Anwesen ehemaliger Bewohner dieser Gegend. Aus versteinertem Holz wurden Grundrisse des 8 Zimmer großen Anwesens nachgebaut. Das ursprüngliche Haus wurde irgendwann zwischen 1050-1300 erbaut und bewohnt. Während eine Zeit lang gedacht wurde, dass das Haus ein Einzelstück war, fanden sich mit der Zeit immer mehr ähnliche Grundmauern von Ruinen. Super spannend zu sehen, wie riesig dieses Haus für damalige Verhältnisse war und wie gut sich die unförmigen Steinblöcke zum Hausbau eignen.
Auf dem Rückweg sehen wir, wie etwas über die Steine huscht und verfolgen es. Auf den ersten Blick wirkt es ein wenig wie eine Ratte. Auf einem Holz- bzw. Steinstück angekommen, richtet sich das kleine Tier allerdings auf und entpuppt sich als Präriehund. Ich freue mich wie ein kleines Kind und suche durch die Kameralinse den kleinen murmeltierartigen Höhlenbewohner. Immerhin ein wenig erkennt man ihn auf dem Foto, das ich schießen kann, bevor er Wind von mir bekommt und schnell wie eine Rakete wieder abzischt.
Nachdem wir wieder an Freddie angekommen sind, nehmen wir uns vor nochmal an den Aussichtspunkt von gestern zu fahren, an dem überdachte Picknicktische stehen. Hier möchten wir in Ruhe einen Kaffee trinken und Müsli essen, bevor wir uns zur Weiterfahrt aufmachen. Gesagt, getan, wir kommen an, ich bereite Kaffee und Müsli vor und Christian setzt sich mit Laptop und Flyern von Kristin an einen der Picknicktische und plant ein wenig weiter. Bella begleitet Christian begeistert und bekommt einen riesigen Kauknochen zur Beschäftigung.
Bei Kaffee und Müsli überlegen wir beide gemeinsam weiter, wägen ab, was wir sehen möchten an Nationalparks, Aussichtspunkten und Städtchen, die auf unserer Route liegen könnten, ohne, dass es zu viel wird. Ich gehe in Freddie und spüle schonmal und Christian gibt unserem Plan auf dem Bett den letzten Schliff. Dieser sieht nun für die nächsten Wochen folgendermaßen aus: Heute schonmal in Richtung Monument Valley zu fahren (ankommen werden wir dort heute wahrscheinlich nicht), danach dem Forest Gump Point einen Besuch abzustatten, dann Mexican Hat, Moab, Canyonland National Park, Arches National Park, Scenic Byway No. 12, Bryce Canyon, Zion National Park, Buck Skin Gulch Slot Canyon und dann Grand Canyon. Hmmmmm, ob da wohl die nächsten Tage ein bisschen Reizüberflutung auf uns warten wird?! Aber ich freue mich wie Bolle auf all die Stopps. Da bleibt uns bestimmt nicht nur einmal die Spucke weg.
Voller Tatendrang machen wir uns auf den Weg in Richtung Norden und fahren nach einiger Zeit über die Grenzen in die Navajo Nation Reservation. Dies ist das größte Indianer Reservat der Vereinigten Staaten und ist von der Größe her gleichzusetzen mit Bayern. Dieses Reservat liegt in den Bundesstaaten Arizona, Utah und New Mexiko. Sobald wir die Grenze überfahren haben, springen unsere Uhren wieder mal eine Stunde vor. Der Zeitunterschied nach Deutschland beträgt nun also wieder 8 Stunden. Ich muss ehrlich gestehen, so ganz verstehe ich das mit den Zeitzonen nicht, denn hier spielt auch die Sommerzeit eine Rolle, die in manchen Bereichen angewendet wird und in anderen nicht. Das gepaart mit der Ost-West Zeitzonen Verschiebung ist ein bisschen zu komplex für mein Hirn. Christian hat da schon ein bisschen mehr Durchblick. Ich bin dankbar für meine Smartwatch, die mir das Gedanken machen abnimmt und einfach umspringt und mir anzeigt, wie viel Uhr es gerade in Deutschland sind.
In diesem Reservat liegt auch Monument Valley, welches von den Navajo verwaltet wird und somit nicht als staatliches Schutzgebiet gelten kann. Demnach kann es kein Nationalpark sein, sondern ist ein Navajo Tribal Park. Wenn man sich mit dem Reservat auseinandersetzt, kann man sich leicht in geschichtlichen und auch aktuellen Informationen im Netz verlieren. Im ganzen Reservat wohnen aktuell 170.000 Menschen, für die es 2023 auf der gesamten Fläche lediglich 13 Lebensmittelmärkte gab. Mehr als ein Drittel der Haushalte hatte zur gleichen Zeit kein fließend Wasser und in 60% der Haushalte fehlte ein Anschluss ans Breitband Internet. Von den etwa 50.000 Gebäuden des Gebietes hatten 2023 weniger als 500 eine formale Postanschrift. Es ist schon schwer sich das vorzustellen.
Besonders für das Gebiet ist auf jeden Fall für uns, dass man nirgendwo „frei stehen“ darf, weswegen wir am Abend auf einen Campingplatz angewiesen sind. Wir fahren gegen 16 Uhr an einem Supermarkt vorbei und füllen noch einmal Milch und Äpfel auf. Danach machen wir uns auf in Richtung eines Campingplatzes in Chinle. Hier können wir dann um kurz nach 17 Uhr noch einen Platz bekommen, obwohl die Anmeldung bereits zu hat. Hier läuft die Bezahlung dann über einen Briefumschlag auf Vertrauensbasis. Über diese Möglichkeit freuen wir uns ganz schön. Wir kommen an, richten uns ein und ich mache mich ans Kochen. Christian nimmt sich eine kleine Auszeit und als wir satt und zufrieden sind, gehen wir noch eine Runde mit Bella. Hier gibt es einige Straßenhunde, die aber bei sich bleiben und nicht aufdringlich sind. Im gesamten Navajo Reservat ist der Besitz von Alkohol untersagt, wir arbeiten an dem Abend hinter Thermomatten in Freddie daran unseren Besitz von Bier ein wenig zu dezimieren und schauen eine Folge Serie.
Um elf machen wir einen Geburtstagsanruf in Oberauel, da Emma heute sechs Jahre alt wird und machen uns danach ganz gemächlich bettfertig.
Wir sind gespannt was der nächste Tag bringt.Читать далее

ПутешественникGeilomat Mexican hat, das einzige „Hotel“ damals waren mehrere 40“ Container und das Restaurant mit Indianern voll, sehr interessant

ПутешественникEs ist auch einfach so eine andere Welt nochmal....aber auch Amerika an sich ist einfach so anders als Deutschland 😂
Vom Winde verweht
5–6 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ 🌬 14 °C
Es ist für unsere Verhältnisse doch schon recht spät, als wir gegen halb neun wach werden. Die Sonne wirft schon seit etwas über einer Stunde ihre Blicke auf Freddie, aber eine ziemlich steife Brise hält dagegen. Hier am Campingplatz gibt es keine Duschen, dafür können wir aber Wasser nachfüllen und Abwasser entsorgen.
Da wir schon seit gut zehn Tagen unseren Zusatzkanister mit Wasser gefüllt haben, nutzt Hanna die Gelegenheit, um dieses Wasser für eine Haarwäsche zu gebrauchen. Am Kanister ist eine kleine Tauchpumpe verbaut, die wir per Zigarettenanzünder einfach einschalten können. Ein kleines Stück Gartenschlauch und eine Gartenbrause und fertig ist die provisorische Dusche.
Es geht ein kurzes Quieken durch den Bus, als dass doch sehr kühle Nass auf die Kopfhaut von Hanna trifft. Nach dem ersten Befeuchten stellen wir fest, dass das Wasser aus dem Waschbecken nicht abläuft und ich schaue nochmal auf den Abwasserkanister – dieser ist randvoll. Den Füllstand hatte ich bevor es losging, zwar geprüft, mich aber gehörig vertan.
Während Hanna den Stopfen vom Waschbecken einsetzt, lasse ich das Abwasser in unseren Urinkanister ab und entleere diese an der Abwasserstation auf dem Platz. So müssen wir wenigsten hinterher nicht mehr dorthin rollen. Das Ganze wiederhole ich dreimal und kümmere mich dann auch noch direkt um das Auffüllen unseres Wassers. Der Hahn dazu befindet sich mitten auf der grünen Wiese und so laufe ich – auch dreimal – mit dem Zusatzkanister zwischen Auto und Wasserstelle hin- und her. Während all der Spaziergänge muss ich mich zum Teil gehörig gegen den Wind lehnen. Der Blick ein die Wetterapp zeigt mir eine dunkelrote Warnung vor starkem Wind. Ich schnappe mir Bella und wir drehen eine Runde über dem Campingplatz. Unser Hund kann dem Wind nicht viel abgewinnen und ist bemüht, schnell wieder zu Freddie zu kommen. Muss wohl an der Bequemlichkeit des Alters liegen.
Unterdessen hat Hanna einen zweiten Geburtstagsplausch mit Emma gehalten und sie haben gemeinsam ihr Geschenk am Telefon ausgepackt. So richtig glücklich ist Emma mit der nur digital vorhandenen Patentante am Geburtstag nicht, aber sie macht einen doch sehr tapferen Eindruck. Der Kaffee, den Hanna nach der Waschaktion gekocht hat, ist mittlerweile nur noch warm und so wird er für die Fahrt in Thermobecher ausgetauscht.
Heute wollen wir nur knapp 120 Meilen fahren, uns das Monument Valley anschauen, am berühmten Forrest Gump Point vorbei und am Ende des Tages an einer Schlucht inmitten der Wildnis parken. Mit etwas Glück stehen wir da sogar allein.
Erstmal fahren wir aber die nördliche Strecke am Canyon de Chelly entlang, einem Nationalmonument. Wir haben vorher noch nichts davon gehört und sind gespannt, was uns erwartet. Die Straße führt ein wenig bergauf, links und rechts sind vereinzelt Häuser zu sehen. Während wir am ersten Aussichtspunkt nur vorbei rollen, stoppen wir am zweiten Punkt und laufen zu einer kleinen Plattform. Ein Paar was uns entgegen kommt, rät mir meine Schiebermütze gut festzuhalten, es wird sehr windig. Während uns beiden der Wind so richtig um die Ohren fliegt, sind wir beide erstmal total platt von der Aussicht auf dem Canyon. Damit haben wir nicht gerechnet und saugen die Sicht in uns auf. Die Felswände sind zum Teil bis zu 300 Meter hoch. Als wir uns auf den Fußweg zum zweiten Aussichtspunkt machen, warnt uns ein älterer Herr vor, dass der Wind dort unten noch wilder sein soll. Wenige Meter später wissen wir, was er meinte. Ich habe mich selten in einer windigeren Umgebung bewegt und wir hören zwischendrin immer wieder für kurze Augenblicke das laute Grollen des Windes im Canyon. Während wir bei der ersten Aussicht das Ende des Canyons sehen konnten, haben wir nun einen ziemlichen Blick in Richtung der Länge des Canyons. Mal wieder sind wir begeistert. Wie soll es denn dann erst im Grand Canyon werden? Eines wissen wir beiden jetzt schon: es wird dort definitiv voller!
Durch den Umweg am Nationalmonument vorbei hat sich unsere Fahrt um gut 20 Meilen verlängert und wir rollen zunächst erstmal wieder ein wenig ins Tal, auf eine weitere kleine Bergkette zu. Diese schimmert uns durch einen leichten, roten Sandnebel entgegen. Was das wohl für eine Sicht bei klarem Himmel ist. Diese Frage wird uns für den Rest des Tages begleiten. Während wir den Highway entlang fahren, weht ein schubartig Wind, der die meisten Zeit auf die Fahrerseite einwirkt. Während zu Beginn nur der Horizont links und rechts durch den roten Sand verdunkelt wird, verlagert sich das Ganze mehr und mehr auch auf die Fahrbahn. Von kleinen roten Dünen weht der Sand über die Fahrbahn und wir sehen die berühmten Heuballen über die Straße wehen.
Mittlerweile sind hinter dem dichten Sandnebel die Steinformationen nicht mehr in Gänze auszumachen, obwohl sich diese zum Teil nur ein paar Hundert Meter von der Straße entfernt befinden. Der Wind nimmt immer weiter zu und die Sichtweite nimmt den roten Sandstaub auf wenige Dutzend Meter ab. Obwohl wir nur geradeausfahren und der Tempomat die Geschwindigkeit vorgibt, muss das ESP von Freddie ein paar Mal eingreifen. Wir kämpfen uns die nächste Stunde durch dieses andere Unwetter und kommen in der kleinen Stadt Kayenta an. Hier holen wir uns erstmal einen Kaffee und verputzen dann erstmal das Müsli, dass Hanna noch vor der Abfahrt vorbereitet hatte. Durch den wilden Ritt durch den Wind, war es nicht möglich während der Fahrt zu Essen.
Gut gestärkt entscheiden wir, heute nicht mehr weiterzufahren. Die Wettervorhersage bzw. -warnung gilt bis in den Abend und so würden wir von der Landschaft auch nichts sehen. Wir sind ein wenig hin- und her gerissen, ob wir die einzige Möglichkeit der kostenlosen und legalen Übernachtung in der unmittelbaren Umgebung in Anspruch nehmen und auf einem Burger King Parkplatz übernachten oder die Navajo Nation verlassen, um dann dort außerhalb zu übernachten. Die Entscheidung fällt auf Ersteres und wir machen aus der Not eine Tugend und fahren daher zum ortsansässigen Waschsalon und kümmern uns um die Schmutzwäsche.
Während Hanna die Wäsche in Freddie verräumt und das Bett frisch bezieht spaziere ich mit Bella durch Kayenta. Im Norden ist noch immer der aufgewirbelte Sand zu sehen. Im Osten erkenne ich dagegen schon wieder einzelne rote Blöcke, die zum Teil von der Sonne hell erleuchtet sind. Im Süden kann ich den Berg Black Mesa ausmachen, in dessen waldigem Gipfel einzelne Schneeflächen auszumachen sind. Im Westen kann ich dagegen den Regen beobachten, der sich so langsam auf den Weg in unsere Richtung macht. Welch ein Glück, dass wir auf unserer Reise durch die USA nicht auf das Aprilwetter verzichten müssen.
Gegen 18 Uhr ist alles erledigt, wir parken beim Burger King und verspeisen dort einen Salat, der sich zwischen zwei Brötchenscheiben befindet. Dazu gibt es in Salz ummantelte Kartoffelstangen. Wir sind zufrieden mit unserer gesunden Wahl. Am Abend sitzen wir beide mal wieder vor unseren Laptops und schreiben wieder fleißig die Berichte, während Freddie vom Wind geschaukelt wird und Regen, Schneeregen und am auch ein wenig Schnee aushalten muss.Читать далее
Once in a lifetime ❤️
6–7 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ 🌬 7 °C
Wir haben gestern Abend glücklicherweise mit dem Heck in Richtung Osten geparkt und so profitieren wir direkt von den ersten Sonnenstrahlen, die sich auf Freddie legen. Der Schneeregen und der konstante Wind haben Freddie in der Nacht gut abgekühlt und so sind wir froh, dass es doch schon 15 °C sind, als wir uns aus dem Bett pellen.
Es kommt wirklich selten vor, dass ich Dinge vor mir herschiebe. Aus den letzten Jahren kommen mir da nur drei Dinge in den Sinn: das Schneiden eines Hochzeitsvideos, ein versprochener Arztbesuch und der Einbau der Standheizung für Freddie.
Letztere habe ich bereits im Oktober 2020 gekauft, aber bis Ostern 2022 gebraucht, um diese dann unter dem Fahrersitz zu installieren. Nochmal 1,5 Jahre später und zumindest die Pumpe ist am Dieseltank angeschlossen (danke nochmal an Papa und Kugelfisch für die Unterstützung). Ich bin aber guter Dinge, diese dann doch noch vor der Rückkehr aus dem Sabbatical betriebsfertig zu haben. Gerade seitdem wir flach gelegen haben, gab es ja gute Gründe, warum es seitdem noch nicht geklappt hat: entweder war das Wetter zu schlecht oder wir haben uns mitten in der Natur befunden, und ich möchte diese nicht aus Versehen durch eventuell tropfenden Diesel verunreinigen.
Während Hanna sich um Freddie und vor allem den Kaffee kümmert, laufe ich nochmal eine Runde mit Bella durch Kayenta. An der Wäscherei von gestern werden aus einem PKW heraus Frühstück-Burritos verkauft, auf der anderen Straßenseite kann ich ein paar der Straßenhunde herumlaufen sehen. Meine Blicke verweilen aber mehr in der Ferne. Die Regen- bzw. die Schneeschauer haben auch den letzten Sand aus der Luft zu Boden gedrückt und in der Distanz lässt sich heute morgen so viel mehr ausmachen als gestern. Ich bin gespannt, was uns heute wohl an Eindrücken erwartet.
Zunächst rollen wir in Richtung des Monument Valley, jener Ebene auf dem Colorado-Plateau, dass die meisten entweder aus „Zurück in die Zukunft“ oder aus dem Westernklassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ kennen. Auf dem Weg dorthin sehen wir dann aber doch immer wieder kurz ein ähnliches Bild wie gestern. Gesteinsformationen links und rechts der Fahrbahn und immer wieder, heute aber kurze, Sandstürme. Auf den letzten Metern zum Monument Valley ist davon zum Glück nichts zu erkennen und so steigt die Vorfreude auf die Aussicht.
Die Informationen auf der Internetseite haben schon angekündigt, dass Camper auf der malerischen Route nicht gestattet sind und so haben wir uns darauf eingestellt, dass wir uns für je 8$ pro Person nur die Ausstellung über die Navajo anschauen und das Valley auf uns wirken lassen werden. Vom Parkplatz müssen wir nur ein paar Meter in Richtung einer Aussichtsplattform gehen und zu unseren Füßen liegt dann direkt das Panorama mit den vier Spitzkuppen: Sentinel Mesa, West Mitten Butte, East Mitten Butte und Merrick Butte. Die klare Sicht und die Weite in Kombination sind wahnsinnig beeindruckend und kaum in Worte zu fassen. Wie lange und intensiv Wind, Regen und Temperaturen gearbeitet und gewirkt haben müssen, um diese Ansicht zu kreieren überschreitet meine Vorstellungskraft.
Im Besucherzentrum schauen wir uns die kleine Ausstellung an, die sich den Navajo Code Talkers widmet. Während des Zweiten Weltkrieges wurden knapp 400 Angehörige der Comanche, Hopi, Meskwaki und Navajo von der US-Armee rekrutiert. Diese kleine Gruppe war damit beauftragt militärisch sensible Informationen unter der Verwendung der eigenen Sprache zu übertragen. Durch ein zweimal erweitertes Vokabular waren sie in der Lage jedwede Informationen zu übertragen. Es wird davon ausgegangen, dass eine der bekanntesten Schlachten des zweiten Weltkrieges, der Kampf um Iwo Jima, nur aufgrund des geheimen Codes der Code Talker für die Alliierten siegreich war. Bis zur Veröffentlichung des Codes im Jahre 1968 durch das US-Militär konnte diese nicht dechiffriert werden – ein Novum.
Nach der Ausstellung haben wir uns dann noch in den Souvenirshop begeben, konnten uns aber weder für T-Shirts, Traumfänger, Bilder oder Flachmänner begeistern. Angetan waren wir beide von den Zimtschnecken im Restaurant, von denen wir dann zwei als Frühstück mitgenommen haben.
Ermutigt durch einen anderen Sprinter auf dem Rundweg, habe ich es mir dann doch nicht nehmen lassen diesen auch zu befahren. Eine etwas perplex dreinschauende Hanna konnte ich auch schnell davon überzeugen, dass wir mit Sicherheit die ersten 2-3 Kilometer der Strecke ohne Probleme befahren können. Die ersten paar hundert Meter windet sich die nicht asphaltierte Strecke recht steil nach unten und ich musste zunächst ordentlich mit der Bremse spielen. Ein Sportwagen mit recht wenig Bodenfreiheit hatte die Herausforderung ebenfalls angenommen und musste viel vorsichtiger als wir taktieren.
Unten, am ersten Aussichtspunkt angekommen, gab es dann die letzten Tropfen unseres Kaffees und die leckeren Zimtschnecken. Sehr lecker, aber kein Vergleich zu denen, die wir sonst aus familiären Quellen gewohnt sind.
Der Touristeninformationskarte entnehmen wir, dass in knapp 3 Kilometern der malerische Rundweg in Form einer Einbahnstraße beginnt. Bis dorthin wollen wir noch fahren, um vor allem die Felsformation der Three Sisters betrachten zu können. Diese sind dann aus der Nähe auch sehr spannend anzuschauen und wir wundern uns beide, dass diese Formation noch nicht in sich zusammengekracht ist. Wir müssen mit Freddie schließlich anhalten, weil vor uns ein Fahrzeug sichtlich Probleme hat, eine kleine Steigung mit sandigem Untergrund zu überwinden. Während wir warten, steigt die Beifahrerin aus und informiert uns akzentfrei: „Wie häf sam trabbel gedding ab sähr.“ Nach ein paar weiteren Versuchen ruft die Beifahrerin laut „Stopp, Stopp! Du musst rückwärts“ und wird in der folgenden Rückwärtsfahrt fast noch im Sand begraben. Das Auto wird schließlich gewendet und die Flucht nach hinten angetreten. Während wir gewartet haben, kamen mir auch kurze Zweifel, ob Freddie es schafft. Das schlimmste Szenario, das Festfahren im losen Sand, war mir dann den Versuch aber doch wert. Gas geben, einkuppeln und wir sind oben. Ziemlich euphorisch, innerlich musikalisch untermalt von Wagners Walkürenritt, fahre ich weiter. Auf dem weiteren Weg zum nächsten Aussichtspunkt ist der Untergrund ebenfalls sehr sandig und Hanna holt mich dankenswerterweise wieder etwas auf den Boden der Tatsachen zurück. So kommt es dann weder auf der Fahrt zum Aussichtpunkt noch auf dem Rückweg zu irgendwelchen testosterongeschwängerten Zwischenfällen.
Vollkommen beeindruckt von Monument Valley rollen wir zurück auf den Highway und schon kurze Zeit später weiter auf den Forrest Gump Point zu. Bereits ein paar Meilen bevor wir diesen erreichen, wird schon vor Fußgängern auf der Straße gewarnt – diese wollen die berühmte Szene aus dem Film mit Tom Hanks nachstellen. Am Anfang sind wir verwirrt, weil wir diesen Punkt ganz anders in Erinnerung haben, aber ein Perspektivwechsel in Form eines nicht nur flüchtigen Blickes aus dem Rückspiegel hilft. Es ist wenig Verkehr und so nutzen wir die Gelegenheit uns auch einmal wie Tom Hanks einst auf diese Straßen zu stellen, schaffen es aber nicht, das ganze gut auf einem Foto festzuhalten. Auch wenn gerade keine Autos fahren, sind wir nicht die einzigen, die das Foto nachstellen wollen. Die Erinnerung kann uns aber keiner mehr nehmen.
Weiter geht es in Richtung des Dorfes Mexican Hat, benannt nach der gleichnamigen Felsformation. Statisch ist diese beeindruckend, wir sind aber nach den monumentalen Eindrücken von Vorhin noch etwas reizüberflutet. Vor ein paar Wochen hatte ich auf unserer Google-Karte schon einen Stellplatz markiert, der sich in der Nähe vom Mexican Hat befindet. Beim Abgleich dieses Stellplatzes mit einer unserer App, habe ich dann gestern noch einen anderen Platz gefunden, der zuletzt mit „Once in a lifetime spot“ kommentiert wurde. Genau richtig also für uns drei + Freddie. Ein paar Meilen hinter dem Mexikan Hat nehmen wir also die Abzweigung in Richtung Westen in Richtung des Muley Points. Die neu asphaltierte Straße ist mit einem Warnschild versehen, dass diese nicht für schwere oder überlange Fahrzeuge geeignet sei. Wir gehören keiner der Kategorien an und düsen drauf los.
Unser Navi weist die verbleibende Wegstrecke zum Muley Point mit knapp 14 Meilen aus, während wir uns zielsicher auf die Klippen desselbigen zubewegen. Mit nur noch knapp 10 verbleibenden Meilen beginnen Hanna und ich zu rätseln, wie denn der weitere Verlauf der Straße zum Stellplatz sein soll. Vor den Klippen ist bei all der Weitsicht keine Straße mehr sichtbar und wir können uns nicht wirklich vorstellen, dass die Straße die Fortsetzung in den Steilklippen selbst hat. Eine Meile später hat sich diese Frage dann von selbst beantwortet, als die asphaltiere Straße sich in einen breiten Kiesweg verwandelt, der sich in engen Serpentinen an den Klippen nach oben windet.
Mit der optimistischen Einstellung, dass wir notfalls schon wieder nach unten kommen, kämpfen wir uns die nächsten 2,5 Meilen knapp 500 Höhenmeter nach oben. Während Freddie gemütlich im zweiten Gang mit etwas Gas nach oben rollt, kämpfen wir beide etwas mit der Anspannung. Es geht dicht am Abgrund nach oben und mit jedem Meter wird die Aussicht auf das Tal vor uns imposanter. Wir halten einmal an, werfen einen Blick auf das Tal der Götter und können verstehen, warum dieses diesen Namen trägt. Oben angekommen, wird aus dem Kiesweg sofort wieder eine asphaltiere Straße. Wir biegen aber direkt davor ab und folgen den letzten Meilen einer roten Schotterpiste, die sich nach starken Regenfällen mit Sicherheit in eine matschige Lehmpiste verwandelt und das Passieren so gut wie unmöglich macht. Gut, dass es bis morgen nicht regnen soll.
Am Muley Point angekommen, sind wir beiden absolut sprachlos von der atemberaubenden Aussicht, die die Schönheit der umliegenden Landschaft offenbart. Wenn man sich an den Rand des Plateaus wagt und über die Felsen hinunterblickt, breitet sich eine Szenerie von epischer Größe und gefühlt unendlicher Weite aus. Die Weite des Horizonts zieht sich in alle Richtungen, scheinbar endlos und unberührt. Unmittelbar unter uns breiten sich Schluchten aus, die über Jahrtausende ausgewaschen wurden. An ein oder zwei Stellen lässt sich der San Juan River ausmachen, der sich durch einen Teil ebendieser Schluchten windet. In der Ferne erheben sich die majestätische Felsformationen, die wir früher am Tag aus der Nähe betrachtet haben. Durch die klare Luft sind die Konturen scharf und markant und es wirkt nicht so, als sei das Monument Valley knapp 30 Kilometer entfernt. Auf dem Plateau selbst wirkt die Vegetation auf den ersten Blick eintönig, aber mit jedem, selbst einem flüchtigen, Blick, lässt sich auch hier so unglaublich viel ausmachen.
Wir parken Freddie für die Nacht am Muley Point und drehen in der Abenddämmerung eine Runde mit Bella. Hätte ich den Antrag nicht bereits vor der Reise gemacht, wäre dies der Ort geworden. Mit weitem Abstand ist dies der für mich schönste Stellplatz, den wir in den letzten fünf Jahren genießen können. Once in a lifetime.Читать далее
Verarbeiten und Genießen
7–8 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ⛅ 12 °C
Wir werden heute am Sonntag nach einer entspannten Nacht wach. Der Wind, der uns gestern Abend zwischenzeitlich noch ordentlich durchgeschaukelt hat, ist über Nacht gut abgeflaut. Jetzt heißt es noch so lange im Bett rumzumümmeln (hier mal wieder eine kurze Pause, um dieses schöne Wort zu genießen 😉), bis die Innentemperatur nicht mehr 10°Celsius sagt. Ich muss aber sagen, dass es sich nachts wirklich gut in Freddie aushalten lässt. Auch wenn draußen Minus Temperaturen herrschen. Solange man nicht frierend ins Bett geht, halten die Decke und unsere Wolldecke gut warm. Morgens ist es Gold wert, dass Freddie schwarz ist. So dauert es heute auch „nur“ bis halb elf, bis wir in Freddie die 20°C knacken, ohne, dass wir irgendetwas an Heizungswärme bräuchten. Es ist immerhin Sonntag, da kann man es mal genießen, so einen langen Morgen im Bettchen zu verbringen.
Um halb elf schaffe ich es dann mich aus dem Bett zu pellen und nach kurzer Zeit mit Bella aus Freddie in die frischen 16°C des Vormittags zu hopsen, während Christian Freddie tagesfein macht. Wir gehen eine entspannte zwei Kilometer Runde in dieser verrückten Natur, die Sonne scheint, es gibt keinerlei Vogelgezwitscher oder sonstige Naturgeräusche hier. Es ist einfach nur ruhig. Außer uns steht in einem guten Kilometer Entfernung ein Wagen am Aussichtspunkt, ansonsten: Nichts und Niemand auf 1900 m über dem Meeresspiegel. Die Aussicht ist nach gestern immer noch atemberaubend. Wir stehen auf dieser Klippe und das Wissen, dass nur ein paar Dutzend Meter von uns entfernt Steilklippen in den Canyon um uns herabfallen ist surreal. Aber die Aussicht genauso. Nach einem Kilometer setze ich mich und lasse all das nochmal auf mich wirken. Links auf einer Anhöhe hinter Büschen sehe ich Freddie mattschwarz in der Sonne. Schwenke ich meinen Blick nach rechts sehe ich ganz weit unten einen Teil des San Juan Rivers, der aber nach eine kleinen Windung hinter den majestätischen Höhen des ihn umgebenden Canyons verschwindet. Die Canyons in unmittelbarer Nähe, die 500 Meter unter uns liegen, gehören zum Gooseneck State Park (weil sich der Fluss durch den Canyon windet und diese aus der Vogelperspektive aussehen, wie Gänsehälse). Weit hinten am Horizont sehe ich Monument Valley. Da waren wir gestern und es sieht am Horizont so klein aus. Aber ich weiß noch, wie ameisenklein wir uns gefühlt haben, als wir dort hindurch gefahren sind. Von hier aus wirkt es ein bisschen wie eine nette kleine Gesteinsformation. Ich kann diese unfassbare Weite nicht gut verarbeiten und sitze staunend da. Das könnte ich stundenlang tun. Sitzen und in die Ferne und Tiefe starren. Faszinierend.
Nach kurzer Zeit machen Bella und ich uns auf zurück zu Christian und Freddie. Hier wartet köstlicher Kaffee und ein blitzender Freddie auf uns. Während wir den Kaffee vor uns hin schlürfen, unsere Blicke immer wieder in die Ferne schweifen und wir staunen, überlegen wir auch, was der Tag so bringen könnte. Es gibt zwei recht simple Möglichkeiten: entweder wir fahren weiter, oder wir bleiben noch eine Nacht. Keiner von uns beiden hat den dringenden Drang weiterzufahren, hier ist es super schön und morgen ist ja auch eine Sonnenfinsternis gemeldet. Wenn es hier wolkenlos ist, würden wir immerhin eine partielle Finsternis mitbekommen können. Auch die Eindrücke von gestern verarbeite auf jeden Fall ich und ich denke auch Christian noch. Ich meine, was waren das bitte für ungreifbare Naturwucher gestern.
Wenn man das so schreibt, weiß ich gar nicht, warum wir überhaupt überlegt haben weiterzufahren. Die Entscheidung scheint ja unausweichlich. Wir bleiben also noch eine Nacht und freuen uns, dass ein entspannter Rest-Tag in luftigen Höhen vor uns liegt. Tatsächlich steht auch nicht wirklich etwas wichtiges auf unserer ToDo, also schauen wir mal, was der Tag noch so bringt.
Nach kurzer Zeit fühlt Christian einfach, dass genau hier der perfekte Ort ist, um endlich mal unsere Schiebetüre ordentlich zu arretieren. Unser Vorbesitzer hat allerdings wirklich irgendetwas gewerkelt und an der Aufnahme der Führungsschiene der Schiebetüre Holzunterfütterungen eingebaut. Warum ist uns nicht klar. Die Türe schließt, allerdings nur, wenn man sie mit ordentlich Wumms zu scheppert. Also probieren wir doch einfach mal, ob Markus die Holzstücke einfach nur aus Langeweile eingebaut hat oder ob die Teile wichtig für den Schließmechanismus sind. Nach kurzer Zeit hängt die Türe sicherheitshalber durch Spanngurte unterstützt in der Angel und Christian hebt sie an, damit ich die Schrauben ohne Unterfütterung wieder fest surren kann. Es folgt noch ein bisschen Gewurschtel von Christian, während ich anfange, die gut über 150 Fotos der letzten Tage von meiner Kamera auf mein Handy zu spielen und die ebenfalls über 100 Fotos der drei Tage davor auszumisten und zu bearbeiten. Info am Rande, Fotos in der horizontalen Ausrichtung am Handy zu bearbeiten, macht wenig Sinn, während Christian testet, ob die Schiebetür nun richtig schließt oder nicht (ungefähr 10 mal in Folge). Alles in allem scheint die Tür nun leichtgängiger zu sein und Türschluss scheint auch nicht schlechter (vielleicht sogar besser) als vorher zu sein.
Die Stunden vergehen, ich bearbeite Fotos, sortiere welche aus, bestücke unsere Berichte mit Fotos und Videos und Christian liest die Berichte nochmal gegen und ergänzt seinerseits Fotos. Danach baut Christian die schon vorhandene Feuerstelle des Stellplatzes aus, gräbt eine kleine Mulde, macht sie ein bisschen windfester und zerkleinert schon mal etwas Totholz mit unserer Axt. Ich stricke und döse ein wenig und so zieht dieser herrlich faule Nachmittag vorbei. Am frühen Abend macht sich Christian mit Bella zu einer Runde auf, während ich Nudeln mit Tomatensoße vorbereiten möchte. So weit so gut, bis ich feststelle, dass wir eine Dose gestückelte Tomaten gekauft haben, für die es einen Dosenöffner benötigt. Mal wieder ein Gimmick, dass wir auf unserer Amazon Liste setzen können. Heute Abend muss ich mir aber irgendwie anders behelfen. Christian bestätigt mir kurz mit einem Anruf, als Antwort auf meine Nachfrage, ob wir einen Öffner haben, dass dem nicht so ist. Mit einem ermunternden „Pass auf dich auf, es war schön dich gekannt zu haben.“ spricht er mir sein absolutes Vertrauen in meine tollpatschigkeitsfreien Fähigkeiten aus und legt auf. Nach der Auseinandersetzung mit dem Gefro Messer vor ein paar Tagen, gehe ich extra vorsichtig an die Sache ran. Ich muss ehrlich sagen, ich bin so maximal tollpatschig, dass ich meinem Körper durchaus zutraue, dass er sich auf ungünstige Art und Weise verselbstständigen könnte. Aaaaaaber, keine Zwischenfälle beim Öffnen der Dose. Mit Taschenmesser und Küchenschere bekomme ich eine Öffnung hin (mit ein paar Tomatenspritzern hier an diese Wand und dort auf den Boden) aus der ich die stückigen Tomaten in unseren Allrounder Wok befördert bekomme.
Als Christian und Bella wieder da sind, ist das Essen fertig und wir lassen es uns bei einer Folge Outlander schmecken. Danach wird gespült und im Anschluss macht sich Christian daran das Feuer anzufachen. Um acht ist es bereits dunkel. Drinnen mache ich schonmal die Thermomatten vor die Fenster und möchte noch kurz meine Kamera durch unsere Durchreiche nach vorne ins Fahrerhaus legen. Hierfür plane ich kurz auf unsere Toilette zu steigen und mich dann auf die Küchenzeile zu knien. Schon tausendmal gemacht, aber diesmal schlägt die Tollpatschigkeit hier zu (vielleicht einfach, weil beim Kochen alles rund gelaufen ist) und ich stelle mich ein mini bisschen zu weit rechts auf das Klo, es kippt zur Seite und ich knalle mit meinem Schienbein auf die Kante. Im Van liegt glücklicherweise als Folge nur etwas Streu, aber ich ärgere mich beim Aufräumen sehr über meine Körperklausigkeit und darüber, dass mich nun über die nächste Woche wieder eine neue Beule inklusive blauem Fleck begleiten wird. Christian ist nach dem lauten Krachen nur kurz ans Fenster gekommen, hat gefragt, ob mir was passiert ist und hat sich dann weiter dem Feuer zugewandt. Ich mein, er kennts halt auch nicht anders. Selbst Bella hat sich nur hingesetzt und mir seelenruhig beim Aufräumen zugeschaut. Naja, ich schüttele meinen Frust über mich selbst ab, mache Bella noch essen und packe mich warm ein. Dann gehe ich zu Christian ans Feuer und lasse Bella in Ruhe futtern. Die nächste gute Stunde genießen wir das Feuer. Es ist super schön und ich freue mich auf alle Feuer, die noch kommen werden, aber es ist auch so ganz anders nur zu zweit am Feuerchen zu sitzen. Zu Hause ist Lagerfeuer so besonders, dass man es meist mit Freunden oder Familie an gemeinsamen Abenden bei Bierchen oder einer Feier genießt. Darauf freue ich mich auch jetzt schon wieder. Aber auch so anders und nur zu zweit unter einem tollen Sternenhimmel im ziemlich kalten Utah ist es super schön.
Nachdem alles Holz abgebrannt ist, machen wir es uns richtig gemütlich in Freddie, kuscheln uns mit Bella unter unsere Wolldecke, machen unsere kleine Indoor-Gasheizung an, mümmeln noch etwas Salzgebäck und schauen Serie.
Was ein schöner entschleunigter Tag hier wieder zu Ende geht. Zauberhaft.Читать далее

Путешественник
wow was für ein cooler Typ 😎 kann man sich als Schwiegersohn vorstellen
Keine Sonne - keine Finsternis
8–9 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☁️ 8 °C
Gefühlt noch vor dem wach werden, klappe ich die Thermomatte um und schaue aus dem Fenster. Die Wettervorhersage hat recht behalten und der Himmel ist in ein fahles Grau getaucht. Einzig an einer kleinen Stelle ist etwas blau zu sehen – es besteht also doch noch etwas Hoffnung, dass wir heute etwas von der Sonnenfinsternis zu sehen bekommen.
Wir sind zwar nicht mehr im Pfad der totalen Verdunklung, aber zumindest eine partielle wäre für uns unter guten Wetterbedingungen sichtbar.
Während für alle Fleißigen in der Heimat die Arbeitswoche nach den Osterferien angefangen hat, gehen wir den Tag in aller Seelenruhe an. Nachdem mir per Benachrichtigung auf dem Handy angekündigt wurde, dass der Mond angefangen hat, sich vor die Sonne zu schieben, kommt etwas Leben in Freddie. Ich ziehe mich an, diesmal sogar mit Vans-Hoodie, und mache mich auf den Weg mit Bella. Ein erster Blick gen Himmel lässt hinter den Wolken die Sonne erkennen, immerhin etwas. Wir spazieren wieder die kleine Piste entlang. Diese soll nicht mehr befahren werden, aber wir konnten gestern in der Ferne noch zwei Fahrzeuge ausmachen, die genau das dann trotzdem gemacht haben. Ein Teil von mir kann es nachvollziehen – nochmal etwas weiter abseits zu stehen ist halt auch verlockend. Nach gut 20 Minuten laufe ich am Stellplatz des ersten Fahrzeuges vorbei. Dieses ist am Morgen schon weitergefahren, aber das noch leicht schwelende Lagerfeuer verrät den Stellplatz.
Ich werfe ein paar Mal den Blick zum Himmel, nutze semi-professionell Handy und Sonnenbrille, aber hinter der Wolkendecke ist kaum etwas von der Sonnenfinsternis auszumachen.
Zurück an Freddie wartet schon das Frühstück auf mich. Hanna hat eine leckere Guacamole gezaubert, dazu gibt es englische Muffins (sowas wie Toasties), Spiegelei und Cheddar. Letzterer ist mit Abstand der schlechteste Cheddar, den wir bislang in den USA gefunden/getestet haben. Dagegen schmecken die veganen Varianten aus den deutschen Supermärkten sogar deutlich besser. Aber unter reichlich Guacamole versteckt, lässt er sich dann doch gut verzehren.
Zwischendurch schauen wir immer wieder in Richtung Himmel und mit etwas Fantasie können wir dann doch etwas erkennen. Schade, dass es nicht so wirklich funktioniert hat, wo wir schon in der Gegend waren. Die Kongs haben in Texas mehr Glück und wir bekommen später zwei großartige Fotos geschickt, die mich dann an die totale Sonnenfinsternis erinnern, die kurz vor der Jahrtausendwende in Deutschland zu sehen war. Kristin gibt später auch noch den Hinweis, dass im August 2026 eine Sonnenfinsternis in Island zu sehen sein soll. Die Information ist gespeichert – vielleicht wird Island dann ja das Ziel unseres Sommerurlaubes.
Der Plan für den restlichen Tag ist erschreckend simpel: wir wollen bis nach Moab fahren, um dort am nächsten Tag den Arches National Park und eventuell noch den Canyonlands National Park zu besuchen. Wir verabschieden uns etwas wehmütig von dem großartigen Platz und werfen während der Fahrt zurück zum Highway noch unzählige Blicke in Richtung Horizont. Nach ein paar Meilen auf dem Highway, biegen wir spontan nach links in Richtung des Natural Bridges National Monument ab. Mit dem Nationalparkpass dürfen wir auch wir wieder ohne weitere Kosten einfahren und folgen dort einer knapp 15 Kilometer langen Route. Diese führt an drei natürlich entstanden Steinbrücken vorbei. Wir lernen auf einer der Informationstafeln, dass es trotz der optischen Ähnlichkeit Unterschiede bei der Entstehung gibt. Bridges und Arches entstehen beide durch Erosion. Arches entstehen, wenn Wind, Wasser und Eis über lange Zeiträume weichere Gesteinsschichten erodieren, während härtere Schichten intakt bleiben und eine Bogenform bilden. Bridges hingegen formen sich meist durch fließendes Wasser, das sich durch Gesteinsformationen schneidet und Durchgänge oder Verengungen schafft. Beide Formationen bieten Einblicke in die langfristigen geologischen Prozesse der Erdgeschichte und können in verschiedenen Landschaften gefunden werden, von Wüsten bis hin zu Schluchten und Küstenregionen.
Die drei Bridges entlang des Rundweges sind sehr imposant, allerdings ist es doch schwer diese, aufgrund des bewölkten Himmels vor dem Hintergrund, gut auszumachen. Wir sind trotzdem begeistert und freuen uns noch ein wenig mehr auf den Besuch im Arches National Park am nächsten Tag. Nach dem kurzen Abstecher geht es weiter in Richtung Moab. Die Landschaft ändert sich kaum, aber immer wieder tauchen im Westen und Norden Berge auf, die noch zum Teil von Schnee bedeckt. Der Kontrast der Berge vor der unmittelbar in Rot getränkten Landschaft ist fantastisch und wir schwärmen die ganz Zeit vor uns hin. Bis zum Dorf Monticello führt der Highway immer wieder auf und ab, und am Ende haben wir in Summe vermutlich mehr als 1500 Höhenmeter zurückgelegt, als wir auf den Parkplatz eines kleinen, thailändischen Restaurants rollen. Dort kommen wir in den Genuss eines wirklich guten Essens, das eine doch sehr willkommen Abwechslung zur bisherigen amerikanischen Restaurantküche ist.
Den kleinen Supermarkt im Dorf besuchen wir ebenso wie die Tankstelle. Nach dem Volltanken werden wir hier auch unser Abwasser los und können unseren Wassertank auffüllen. Seit dem letzten Auffüllen vor vier Tagen haben wir knapp 23 Liter verbraucht.
Wir überlegen kurz und entscheiden uns gegen die Fahrt bis nach Moab. Nach einer kurzen Suche finden wir am Rand einer kleinen abgelegenen Straße einen Stellplatz für die Nacht. Dieser bietet uns eine wunderschöne Sicht auf den vor uns liegenden Berg, allerdings stehen wir recht exponiert und so wird unmittelbar nach der Abendrunde mit Bella die kleine Gasheizung eingeschaltet. Es wird so richtig gemütlich und wir machen uns an die Aufgabe, die Berichte der letzten beide Tage zu schreiben – da haben wir ja Einiges erlebt.
Um kurz nach Mitternacht legen wir uns hin. Ich werfe nochmal kurz einen Blick auf das Thermometer in der Fahrerkabine. Dort sind es nur noch 5°C. Schnell unter die Decke!Читать далее

Путешественник
Wow wenn Du da ein E Auto mit Dynamo hättest, wäre der wohl, wenn Du unten bist aufgeladen, ¦¬}
Gespannte Bögen
9–10 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☀️ 15 °C
So schnell wie sich Hanna heute Morgen aus dem Bett gepellt hat, kann ich gar nicht gucken. Ein paar Augenblicke später sind die beiden Damen unterwegs und ich werde erstmal richtig wach. Meine Nase ist in den letzten Tagen etwas verstopft und so gönne ich mir noch einen Sprühstoß vom Nasenspray aus dem Walmart. Dieses ist gefühlt 10x stärker dosiert als die europäische Variante und zudem noch mit ätherischen Ölen versehen. Mein Gesichtsausdruck nach dem Sprühen könnte wahrscheinlich die Einnahme von harten Drogen vermuten lassen.
Wieder zur vollen Sauerstoffaufnahme befähigt, komme ich dann auch schnell aus dem Bett und kümmere mich um die übliche Morgenroutine – heute erweitert um das Vorbereiten eines Müslis. Nach der Rückkehr von Hanna und Bella machen wir uns flugs abfahrbereit und rollen zurück auf den Highway. Hier ist ordentlich Verkehr und die Dichte an Wohnmobilen und anderen Übernachtungsfahrzeugen nimmt deutlich zu.
Nach einer knappen Stunde rollen wir durch das touristische Moab und saugen die irgendwie süße Atmosphäre in uns auf. Hier gibt es kaum hohe Gebäude und die meisten haben zumindest eine Holzfront. Wir sind etwas hin und her gerissen, ob wir stoppen sollen – fürchten aber, dass wir an einem der FoodTrucks oder Cáfes stoppen und das Müsli dann im Kühlschrank versauern würde. Dank dieser vernünftigen Entscheidung erreichen wir 15 Minuten später die Zufahrt des Arches National Park. Neben dem Erwerb einer Eintrittskarte (oder einem vorhandenem Nationalparkpass) muss hier auch ein Zeitslot vorab gebucht werden. Für jede Stunde zwischen 7-16 Uhr gibt es davon knapp 200, wir hatten aber kein Problem kurzfristig einen Slot zu bekommen. Nach der Einfahrt dürfen wir uns dann auch beliebig lange im Nationalpark aufhalten.
Am Besucherzentrum vorbei geht es erstmal eine gewundene Straße nach oben, ähnlich einem Pass. Da der gesamte Park relativ übersichtlich ist, entscheiden wir uns, ihn einmal komplett abzufahren. Zunächst geht es aber erstmal auf einen kleinen Parkplatz und wir frühstücken das Müsli in aller Ruhe. So frisch es heute Nacht auch war, gerade ist es in der Sonne schon wieder angenehm warm. Während es in Texas zwischenzeitlich gestürmt hat und wir in New Mexico ein paar Regenschauer abbekommen haben, ist es hier ansonsten – abgesehen vom kurzen Schneeregen in Kayenta – doch sehr trocken. Utah liegt im sogenannten "Regenschatten" westlicher Gebirgsketten, einschließlich der Sierra Nevada und der Rocky Mountains. Wenn feuchte Luft vom Pazifischen Ozean landeinwärts strömt, wird sie an diesen Gebirgen aufgestaut und verliert einen Großteil ihrer Feuchtigkeit, bevor sie Utah erreicht.
Mit dem Wissen, dass sich die Wetterverhältnisse spätestens nach Nevada deutlich ändern werden, nehmen wir gerne so viel Sonne mit, wie es nur geht. Unsere Haut zeigt zwar unterschiedliche Varianten der Sonnenbräune, aber vermutlich waren wir noch nie zuvor so gebräunt.
Der Park hat die meisten Steinbögen der Welt aufzuweisen, über 2000 davon sind dokumentiert. Wir fahren zunächst in Richtung des Devil Garden und können entlang der Strecke insgesamt fünf größere und bekannte Steinbögen bewundern. Im Park ist richtig viel los und gerade an den Aussichtspunkten stauen sich die Menschen. An jedem dieser wird darauf hingewiesen, dass die Steinbögen nicht bestiegen bzw. begangen werden dürfen. Ich frage mich, ob es diesen Hinweis schon immer gegeben hat, oder ob dies erst durch Social Media erforderlich wurde.
Die Steinbögen sind in jedem Fall beindruckend und faszinierend. Schon verrückt, dass die Gewalt der Natur solche wunderschönen Strukturen hervorbringt (und noch viel verrückter, dass wir als Menschen in solchen Strukturen „Schönheit“ erkennen).
Wir sind beide heute nicht in großer Spazier- bzw. Wanderlaune und bei Hanna kommt zudem noch akute Müdigkeit dazu. Die letzten Nächte hat sie zwar durchgeschlafen, fühlte sich dann aber doch am Tag nicht komplett fit. Wir vermuten, dass es ein wenig an der Höhe liegt, können das aber natürlich erst später „beweisen“. Auf dem Rückweg vom Devil Garden halten wir am Fiercy Furnace Aussichtspunkt. Von dort haben wir eine großartige Sicht auf die faszinierende und einzigartige Landschaft des Arches National Park, die sich durch enge Schluchten, versteckte Höhlen und labyrinthartige Felsformationen auszeichnet. Diese unberührte Wildnis ist eines der anspruchsvollsten und abenteuerlichsten Gebiete im Park und kann nur mit einem erfahrenen Führer oder einer speziellen Genehmigung erkundet werden. Die Formationen im Fiery Furnace sind das Ergebnis von Millionen Jahren der geologischen Erosion, die tiefe Kluften und scharfe Kanten in den roten Sandstein gemeißelt hat.
Mit den ersten Eindrücken dieser tollen Landschaft legt sich Hanna für ein Nickerchen auf das Bett und ich kümmere mich mal wieder um eine Bestellung im Internet. Auch wenn es bis zum Geburtstag von Hanna noch etwas hin ist, haben wir entschieden, dass ihr Geburtstaggeschenk dieses Jahr vorgezogen wird. Zwei weitere Objektive (eines davon als Geschenk) für die Kamera werden bestellt. Das erste für Weitwinkelaufnahmen, um die Natur einfach besser einfangen zu können. Das zweite dagegen ist ein Teleobjektiv, um Details in der Ferne mit der Kamera heranholen zu können. Gleichzeitig wird auch noch rückwirkend mein Geburtstagsgeschenk bestellt: eine 360° Kamera mit starkem Fokus auf Videoaufnahmen. Verständlicherweise ist das Fliegen von Drohnen in den Nationalparks und in vielen anderen Schutzgebieten verboten, so dass ich mir von der 360° Kamera verspreche, trotzdem etwas von der Schönheit der Gebiete in Bewegung aufzeichnen zu können.
Wir planen einen kleinen Umweg ein, um die Bestellung (über-)morgen im nördlich gelegenen Spanish Fork abholen zu können.
Nachdem sich Hanna, wieder gestärkt, vom Bett erhoben hat, fahren wir zum Delicate Arch. Seine markante Form und seine majestätische Präsenz machen ihn zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Utah. Mit einer Spannweite von etwa 20 Metern und einer Höhe von rund 16 Metern ragt der Delicate Arch über einem steilen Abhang empor und bietet einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegende Wüstenlandschaft. Um den Delicate Arch zu erreichen, müssten wir eine knapp 3,5 km lange Wanderung (eine Richtung) unternehmen – Hunde sind wie so oft und immer noch mit vollem Verständnis – nicht gestattet. Bella bei dem Wetter für mehr als 90 Minuten im Auto zu lassen, ist auch keine Option. Zum Glück gibt es den Delicate Arch Aussichtspunkt, von dort lässt sich der Steinbogen auch einigermaßen gut sehen. Leider ist ein Wanderpfad der uns etwas näher gebracht hätte gesperrt, so dass wir den Steinbogen nur aus der Ferne sehen können. Wir können aber auch sehr, sehr viele Menschen ausmachen, die sich um den Steinbogen herumbewegen und sind dann doch auch ein wenig froh, um die Menschenmassen herum zu kommen.
Schon gut gesättigt von Eindrücken, machen wir uns auf zu den nächsten markanten Punkten des Nationalparks, die in der „The Windows“ Sektion liegen. Südlich vom dortigen Parkplatz liegen zwei Bögen, die wir nur aus der Ferne betrachten – es ist einfach zu überlaufen. Kurz vor uns haben auf dem Parkplatz zwei große Reisebusse Halt gemacht. Wir entscheiden uns für den kurzen Fußweg zum nördlichen Double Arch, einem doppelten Steinbogen, der uns dann auch für die nächsten zwanzig Minuten absolut in seinen Bann zieht. Wenn man sich dem Double Arch nähert, sieht man zwei massive Steinbögen, die sich über dem Wüstenboden erheben. Diese Bögen sind miteinander verbunden und bilden eine einzigartige Formation, die man sonst nirgendwo auf der Welt findet. Die Umgebung des Double Arch ist von roten Felsen und skurrilen Felsformationen geprägt, die eine imposante Kulisse für die beiden Bögen bilden.
Mittlerweile sind wir vollkommen erschlagen von den ganzen Eindrücken, haben aber die meisten Aussichten im Park auf uns wirken lassen. Gegen halb sechs verlassen wir den Park nach mehr als fünf Stunden und machen uns auf dem Weg zum Stellplatz. Vom Highway, der durch Moab führt, ist der Canyonlands National Park noch mehr als 40 Kilometer entfernt. Wir wählen einen Stellplatz, der die Entfernung halbiert und kommen dort eine gute Stunde vor dem Sonnenuntergang an. Inmitten einer wunderschönen Aussicht spazieren wir zwischen freilaufenden Kühen umher. Während Bella die ganzen Gerüche wie ein Schwamm in sich aufzunehmen scheint, lassen wir den Tag noch etwas auf uns nachwirken.
Es wird – wie fast immer – ein sehr gemütlicher Abend in Freddie. Nicht zuletzt, weil Hanna eine fantastischen Kartoffelpfanne zaubert.Читать далее
Ein Auf und Ab
10–11 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☀️ 16 °C
Nach dem Tag am Arches National Park war ich ziemlich früh im Bett und habe seit längerer Zeit mal wieder so richtig gut und richtig tief geschlafen. Dementsprechend wache ich um einiges energiegeladener als die letzten Tage und genauso gut gelaunt auf. Der Tag kann kommen und nach einer kleinen Morgen-Kuschelrunde, hopst Christian mit Bella los und ich bereite eine Runde Kaffee in unseren Thermobechern vor, nachdem Freddie in frischem Morgenglanz erstrahlt.
Wir stehen hier auf BLM Land. Das Bureau of Land Management ist eine Behörde, die das öffentliche Land der Vereinigten Staaten verwaltet. Es gibt immer noch ein Drittel der USA, die als Public Land gelten. Land, das allen gehört und für jeden nutzbar ist. Hört sich ein wenig schwammig an und ist auch etwas komplex zu greifen, denn auch Naturwunder und Nationalparks werden dazu gezählt. Auf bestimmten Bereichen dieses Landes kann man aber umsonst mit dem Camper übernachten (in Nationalparks natürlich nicht 😉). Theoretisch könnten wir in bestimmten Bereichen mit Freddie querfeldein fahren und uns da hinstellen, wo wir es zu dem Zeitpunkt am schönsten finden. Eigenartige Vorstellung. Hier in der Nähe des Nationalparkes stehen extra Infotafeln vom BLM, die erläutern, wo man umsonst stehen kann -> hier sind ein paar Camp Areas ausgeschildert, von denen wir eine mit fantastischem Blick gestern abends für uns genutzt haben. Auch wenn man hier nicht allein steht, ist man relativ gerade ausgerichtet, steht umsonst, hat eine Feuerstelle vor der Haustür und Kühe im Garten.
Heute wartet der Canyonlands Nationalpark auf uns. Dieser liegt gefühlt nur einen kleinen Steinwurf vom Arches entfernt. Der Colorado River und der Green River haben in dem 1366 km² großen Gebiet tiefe Canyons in das Colorado Plateu geschnitten, die man hier bestaunen kann. Der Park ist, recht untypisch, in verschiedene Bereiche aufgeteilt, die jeweils verschiedene Zufahrten haben. Die Parkbereiche heißen „The Needles“, „The Maze“ und „Island in the Sky“. Wir haben in der Nähe der „Island in the Sky“ geparkt und werden heute diesen Teil erkunden. Zu „The Needles“ würden wir von diesem Stellplatz aus mit dem Auto noch mal zwei Stunden brauchen. „The Maze“ ist mit dem Auto über 6 Stunden entfernt (um sich eine Vorstellung davon zu machen, wir riesig das Gebiet ist). Dadurch, dass die Canyons nicht einfach so zu überwinden sind, macht es Sinn entweder seeeehr viel Zeit dafür einzuplanen, alle Bereiche erkunden zu können, oder sich halt wie wir für eines zu entscheiden.
Wir fahren also mit Thermobechern bewaffnet zur Island in the Sky. Es handelt sich um eine Hochebene, von der aus man grandiose Aussichten haben soll. Als wir am Visitor Center vorbeigezogen sind, fühlen wir uns teilweise, als würden wir gleich hinter der nächsten Anhöhe von der Erde plumpsen. Erreicht man diese und fährt über die Kuppe, erstrecken sich vor einem mal wieder Weiten, die man weder mit Worten erklärt, noch mit Blicken verarbeitet bekommt. Wahnsinn, diese tiefen Schluchten, abgebrochenen Steilklippen, die Weite und ganz am Ende des Horizonts schneebedeckte Bergketten.
Durch den Parkbereich führen insgesamt „nur“ 27 Kilometer asphaltierte Straße, die an verschiedensten Wanderungs-Startpunkten und an unterschiedlichen Aussichtspunkten vorbeiführen. Der Park ist gut besucht und teilweise sind die Parkplätze ganz schön vollgeparkt, so dass wir zunächst an den südlichsten Zipfel fahren, und uns dann auf dem Rückweg noch einzelne Aussichtspunkte anschauen wollen.
Am „Grand View Point Overlook“ angekommen, schnabulieren wir noch jeder eine Banane und watscheln dann eine schöne 3 km Runde zum Aussichtspunkt. Es sind eigentlich „nur“ 17° C. Durch die Sonne und ein laues Lüftchen fühlt es sich aber angenehm warm an. Das Beste an diesem Wetter ist, dass Bella entspannt eineinhalb Stündchen in Freddie bleiben kann und es nicht wärmer als 25° C in unserem zu Hause wird. Der volle Parkplatz spiegelt herrlicher Weise nicht wider, wie voll es auf dem Trail ist. Viele Besucher hopsen kurz aus dem Auto, machen an der Balustrade ein Foto und fahren dann weiter. Die Menge, die sich doch für den Trail entscheidet, verläuft sich ganz gut auf der Strecke. Es ist super Wetter, der Himmel ist blau, ein kühlendes Lüftchen weht und die Natur ist einfach fantastisch. Klar, trocken, felsig, sandig aber doch einfach auf seine Art superschön. Hier oben wächst auch hier und da ein Baum und Christian entdeckt mit seinem Tier-Scanner-Blick insgesamt drei Mini-Geckos.
Ich denke auf dem Rückweg ein wenig daran, dass sich die Grafik Designer der Zelda Konsolenspiele, hier an dieser Art von Natur bestimmt ein paar Inspirationen mitgenommen haben müssen und stelle mir vor, wie es wäre mit einem sich selbst entfaltendem Paraglider von den Steilklippen eine Etage tiefer zu fliegen, um dort die Natur erkunden zu können. Um danach dann mit der Unterstützung der Titanen-Macht Rivalis Sturm und ein paar Kletter-Hopsern (untermalt von den „hua, hua, hua“ Anstrengungslauten) die 300 Meter hohe Steilwand wieder hochzukommen.
Wieder an Freddie angekommen lugt uns Bella aus müden Äuglein vom Bett herab an und klopft nur verzögert mit ihrer Rute als Zeichen der Anerkennung, dass wir unseren Weg zu ihr zurückgefunden haben. Man merkt mittlerweile immer öfter, dass die Süßwurst schon 10 Jahre alt ist. Sie ist super zufrieden damit in Freddie gemütlich ihre Schläfchen abzuhalten, während wir uns bewegen. Nach einer kleinen Bella Kuschelrunde steigen wir wieder ins Fahrerhaus und zuckeln langsam zurück Richtung Norden durch den Park. Einen Abzweig nehmen wir in Richtung der Aussichtspunkte Whale Rock und Upheaval Dome. An zweiterem angekommen, möchten wir noch einen Overlook mitnehmen, zu dem es knapp über zwei Kilometer zu Fuß sind. Hier versteckt sich eine Aussicht, die sich von den restlichen des Parkes abhebt. Man weiß nicht genau, wie sie entstanden ist. Es handelt sich um ein riesiges 400 m tiefes kraterähnliches Loch, das einen Durchmesser von 1,5 km hat. In diesem Krater erheben sich dann aber grünliche Steinberge. Geologen untersuchen seit Jahrzehnten verschiedene Entstehungshypothesen, die von einer erodierten Salzstruktur oder einem Meteoriteneinschlag ausgehen. Festlegen, wie diese besondere geologische Formation entstanden ist, kann man bis heute nicht sicher.
Als wir am Outlook angekommen sind bleibt uns beiden die Spucke weg. Die Aussicht ist gigantisch, wir fühlen uns winzig und das Naturschauspiel lässt sich mit der Kamera leider nicht festhalten, weil es einfach zu groß ist, um es auf die Linse zu bekommen. Tief beeindruckt, machen wir uns auf den Rückweg. Angekommen an Freddie zaubert Christian und belegte English Muffins (ein wenig vergleichbar mit Toasties), die wir in Freddie genießen.
Wir zuckeln noch ein wenig durch den Park, halten hier und dort und machen uns dann dankbar für die wundervollen Eindrücke, die spannenderweise so anders sind als die des 40 km entfernten Arches Nationalparks, auf den Weg in Richtung des 3 Stündchen entfernten Spanish Fork. Christian hatte ja bereits geschrieben, dass wir dorthin mal wieder eine, diesmal ganz schön wertvolle, Amazon Fracht hinbestellt haben.
Die Strecke ist toll, wir fahren einfach drauf los und waren uns im Vorhinein überhaupt nicht bewusst, dass wir auf dem Weg in Richtung Utah-See durch die Wasatch-Gebirgskette fahren, die ein Teil der Rocky Mountains ist. Es geht ordentlich nach oben, am Straßenrand liegt noch etwas Rest-Schnee und wir passieren mehrere Buchten, die als „Schneeketten-Aufzieh-Buchten“ ausgeschildert sind.
Während wir ungefähr auf 2000 Höhenmetern durch die Berge röhren, fragt mich Christian, ob ich mal nachschauen könnte, was denn wohl die Kontrollleuchte bedeuten könnte, die grade angegangen ist. 🥴 Nach ein wenig Recherche, wissen wir, dass es der Luftfilter ist. Der ist zwar letztes Jahr in der Inspektion ausgetauscht worden, allerdings sind wir ja nun auch seit einiger Zeit in "Staubistan von Staubanien" unterwegs. Außerdem vermutet Christian, dass die doch recht ordentliche Höhendifferenz unseres heutigen Weges, die Sensoren im Luftfilter zusätzlich beeinflusst haben könnten. Wir kommen auf jeden Fall unbeschadet nach Spanish Fork und werden die Recherche, was wir am besten mit der Situation anfangen sollen, weiter im Blick haben
Gegen 19:30 Uhr stoppen wir an einem kleinen Wanderparkplatz sofort am Beginn Spanish Forks und drehen eine große und richtig schöne Bella-Runde im Sonnenuntergang.
Danach geht es in Richtung Innenstadt und wir sind ganz schön baff, wie riesig Spanish Fork ist. Wir befinden uns hier nur 70 Meilen von Salt Lake City entfernt und vermuten, dass hier eventuell auch einige Pendler wohnen. Christian hat im Vorhinein geschaut, mit welcher Art von Burgerkette wir uns nach einem so bewegungsreichen Tag am ehesten belohnen können und freut sich während der Fahrt schon wie ein kleines Kind. In Spanish Fork gibt es einen In’N’Out Burgerladen, der uns im Vorhinein von Jan-Philipp und Daniel und auch während unserer Reise von einigen Bekannten intensivst angepriesen wurden. Unser nächstes Ziel ist also klar und wir genießen, die köstlichen Pommes und wirklich sehr guten Burger in vollen Zügen.
Danach stoppen wir noch beim Amazon Locker, holen dort unsere Pakete ab und fahren weiter bis zum Cracker Barrel Parkplatz, den wir uns im Vorhinein als Bleibe für die Nacht ausgesucht hatten. Hier feiern wir Bescherung und fühlen uns wie fünfjährige Kinder an Weihnachten. Ausprobiert werden Objektiv und 360° Grad Kamera natürlich auch sofort und der Abend vergeht wie im Flug. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen noch Berichte zu schreiben, schieben dies allerdings auf den nächsten Tag und fallen glücklich und zufrieden ins Bett. Was ein toller, ereignisreicher und spannender Tag.Читать далее
Ein Donnerstag im Samstagsgewand
11–12 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☀️ 18 °C
Heute, am Donnerstag, war es gefühlt ein typischer Samstag. Ein solcher Samstag, an dem nach einer geschäftigen Woche viele der notwendigen Dinge erledigt werden. Nach unserer üblichen Morgenroutine ging es zunächst zum Walmart für einen Großeinkauf, der für die nächsten 7-10 Tage reichen soll.
Während Hanna den Einkauf dann verstaut hat, habe ich den Luftfilter ausgebaut. Seit der großen Inspektion vor der Abfahrt haben wir erst 12.000 Kilometer zurückgelegt, so dass der Verschleiß am Filter minimal sein sollte. Trotzdem war schon einiges an rotem Staub in den Luftfilter gelangt, der sich aber doch ziemlich gut ausklopfen ließ. Im gesamten Motorraum war auch einiges an Staub verteilt, so dass hier dann bei Gelegenheit (und erst nachdem wir Utah, Arizona sowie Nevada verlassen haben) eine Reinigung fällig wird. Die Kontrollleuchte hat sich von der Reinigung nicht beeindrucken lassen, so dass wir dann den Kauf und Austausch eines neuen Filters organisieren müssen.
In den nächsten Stunden haben wir uns dann aber erstmal um einen leckeren Kaffee, das Entleeren des Abwassers und eine Dusche gekümmert. Heute war ich zur Abwechslung mal der schnellere beim Duschen und konnte so noch in Erfahrung bringen, wie sich denn am bequemsten und schnellsten ein Luftfilter in der näheren Umgebung besorgen lässt. Bevor ich mit der Recherche komplett fertig war, war Hanna aber schon wieder zurück und wir haben uns ganz gespannt auf dem Weg zu Trader Joe’s gemacht. Hierbei handelt es sich um eine amerikanische Supermarktkette, die seit Ende der 1970er Jahre im Besitz der Aldi-Familie ist. Vom Konzept erinnert der Laden ziemlich an die bekannten Alnatura-Ökoläden in Deutschland und wir haben das Erforschen der einzelnen Gänge genossen. Frustriert vom letzten Cheddar haben wir dann auch willentlich tiefer in die Geldbörse gegriffen und uns Brie sowie Bergkäse weit jenseits der 25€ pro Kilogramm gegönnt.
Der nächste kurze Stopp hat dann zu einem Baumarkt geführt. Holzzuschnitt war dort nicht möglich, so dass wir erst einmal beim provisorischen Umbau für die neue Version des Hundebetts bei akuter nächtlicher Kälte bleiben. Fündig wurden wir dagegen bei den Eisenwaren, auch wenn das Heraussuchen passender zölliger Schrauben etwas Zeit in Anspruch genommen hat. Die Information auf der Verpackung der Gewindeschrauben gibt eine Schraubengröße an, z.B. 6-32, wobei sich die erste Ziffer auf die Schraubengröße bezieht. Bei den kleineren Schrauben reichen diese Ziffern von 0-12 und der Unterschied im Durchmesser zwischen zwei Schraubengrößen liegt dabei bei umgerechnet 0,33 mm, wobei der Durchmesser der kleinsten Schraube ungefähr 1,5 mm entspricht. Wir waren ohne dieses Wissen im Baumarkt und haben beide eine passende Schraubengröße – wie sich erst beim Verwenden am nächsten Tag zeigen sollte - erfühlt.
Aus dem Baumarkt zurück in Freddie habe ich dann noch kurz zu Ende recherchiert, wo sich denn der Luftfilter auf dem Weg abholen ließe. Zwar nicht die aktuell verbaute Variante, aber zumindest ein passender Filter mit guten Bewertungen. Es ist praktisch, dass der Mercedes Sprinter auf dem amerikanischen Markt von Mercedes selbst, aber auch von Dodge als Pro Master vertrieben wird und so eine gute Ersatzteilversorgung sichergestellt ist.
Praktischerweise wäre der Luftfilter dann entlang der geplanten Route verfügbar, aber kurz vor dem Losfahren konnten wir unsere Pläne dann verwerfen: Die Kontrollleuchte hat nicht mehr aufgeleuchtet und so haben wir das Beschaffen auf einen späteren Zeitpunkt vertagt, sofern das Ganze dann doch noch notwendig sein sollte.
Entlang der Interstate 15 ging es dann Richtung Süden zum Fishlake Nation Forest, wo wir nach ein paar Meilen auf der Rumpelpiste mit einem wunderschönen Stellplatz belohnt wurden. Umfasst von ein paar kleinen Bäumen, stehen wir umgeben von ein paar schneebedeckten Bergen. So anders wunderschön als vorgestern!Читать далее
So baumele die Seele
12–13 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ 🌬 21 °C
Wir wachen im Fish Lake National Forest auf, wo wir gestern recht kurz vor Sonnenuntergang angekommen sind. Es ist wirklich wunderschön hier und himmlisch ruhig. Hier ist zwar weder auf Anhieb ein Fishlake, noch ein Wald in sofortiger Nähe auszumachen, aber es gibt ein paar Bäume, Aussicht auf Berge und wieder mal eine Feuerstelle sofort am Platz.
Dadurch, dass mal wieder ein paar Berichte zu schreiben sind, haben wir bereits gestern Abend geplant, heute Vormittag beim Morgenkaffee eine kleine Bürozeit einzulegen. Natürlich ist es manchmal so, dass wir nicht so ganz motiviert sind in die Tasten zu hauen, aber ganz ehrlich: Ich würde mit dem Verarbeiten dieser Unmengen an Eindrücken einfach vorne und hinten nicht klar kommen, wenn ichs nicht schriftlich reflektierte. Im Nachhinein wird es außerdem die perfekte Erinnerung sein. Heute Morgen schnappe ich mir Kaffee und Laptop, setze mich bei offenen Hecktüren aufs Bett und verbringe erstmal ein bisschen Zeit am Handy auf Instagram. Klappt ja super mit dem Tippen 😉. Christian prokrastiniert in Bezug auf das Schreiben des Berichtes heute morgen, indem er eine Sonnenschutz-Aufhängung an der Seitentür erbastelt, das hat wenigstens Mehrwert. Bella ist aus Freddie gehopst, sobald wir die Türen geöffnet haben und wechselt alle paar Minuten von ihrem Sonnenplätzchen in den Schatten und dann wieder zurück. Sie kann sich hier frei bewegen und genießt es total, sich ihren Pelz von der Sonne bescheinen zu lassen.
Der Vormittag zieht dahin, ich habe eine halbe Seite getippt und Christian hat es um kurz vor zwölf auch geschafft ein Zipfelchen Motivation zum Schreiben zu finden. Wir beide haben bereits gemeinsam überlegt, dass der Platz so wundervoll abgelegen ist, dass man hier richtig gut auch noch eine Nacht bleiben könnte. Daher haben wir auch keinen Zeitdruck. Kurze Zeit später klingelt mein Handy und ich habe meine Schwester an der Strippe. Ich hopse auch aus Freddie, setze mich auf die Wiese umgeben von getrockneten Kuhfladen und verquatsche mich total mit Jenny. Ich liebe es mit den Zwergen zu telefonieren, aber auch mal nur mit meiner Schwester zu schnacken ist total schön. Während wir quatschen bringt Marc die Kleinen nämlich gerade ins Bett. Wir blubbern eine gute Stunde, zwischendurch taucht eine Hand zwischen dem Sonnenschutz und Freddie auf und Christian wirft mir Schokoriegel zu und versorgt mich mit Wasser.
Als ich aufgelegt habe ist Christian mit seinem Bericht fertig und recherchiert noch etwas im Internet. Ich tippe drauf los und so zieht die nächste Stunde vorbei. Nach dem ganzen herum Gesitze gehe ich nach der Schnack- und Schreibtischaktion eine ordentliche Runde mit Bella. Sie könnte zwar frei machen wohin sie wollte, erledigt aber ihr großes Geschäft nur, wenn man neben ihr her spaziert. Ein wohlerzogener Hund unsere Schnüffelnase. Auf dem Rückweg höre ich zwischendurch ein Drohnen-Surren und vermute, dass Christian irgendwo hier herum fliegt und die Landschaft erkundet. Tatsächlich kurz vor Freddie wird das Summen lauter und Christian fliegt das letzte Stück mit uns zu Freddie zurück. Bella ist das Geräusch auch nach mehrmaligem Hören immer noch nicht geheuer, wahrscheinlich weil es sich anhört wie das Summen eines ganzen Bienenschwarms. Aber die „Gefahr“ kriegen wir mit Leckerchen und Geduld auf jeden Fall noch gebannt, da bin ich mir sicher.
Wir machen uns eine zweite Runde Kaffee und „frühstücken“ dazu jeder eine köstlichste Zimtschnecke, die es immer mal wieder bei Walmart zu finden gibt. Eine klebrig köstliche Angelegenheit inklusive Frosting, das einen Zuckerschock garantiert. Heute ist unsere Ernährung wirklich sehr ausgewogen. Wir haben 17 Uhr und haben bisher einige Schokoriegel eine Handvoll Nachos und besagte Zimtschnecke zu uns genommen, Klasse Klaus. Während wir Kaffee und Zimt-Köstlichkeit genießen, schauen wir eine Folge Outlander. Christian hat vorgestern aus dem Amazon Locker, nebst bereits erwähnten Teilen, auch eine Magnethalterung für das IPad geholt. Dieser ist mittlerweile (seit gestern Abend) an unserer Decke angebracht, so dass wir nun einen wirklich sehr luxuriösen Bildschirmhalter haben (den man in unterschiedlichste Richtungen ausrichten kann), der Serien- und Filmabende im Bequemlichkeitslevel nochmal ordentlich hat steigen lassen. Nach der Folge gibt es ein kleines Nickerchen und dann bereitet Christian für den Abend die Lagerfeuerstelle vor, während ich Fotos aussortiere, bearbeite und Berichte damit bestücke.
Der Nachmittag ist nur so vorbei geflogen und als Christian sich mit Bella auf zu einer Abendrunde macht, bereite ich eine Guacamole vor, die heute die Beilage zu Röstkartoffeln aus dem Feuer sein soll. Den Abend verbringen wir über Stunden am Feuer, es geht kein Wind und die Temperatur ist so angenehm, dass man mit Feuerwärme gut und gemütlich lange draußen sitzen kann. Um Mitternacht telefonieren wir eine Runde mit Moritz und Emma, die es komisch finden, dass bei uns der Mond scheint, es dunkel ist und wir am Feuer sitzen, während die beiden ja gerade erst aufgestanden sind. Ganz ehrlich, auch ich finde das immer noch total surreal und bin ganz schön fasziniert von unserer wunderschönen Welt. Gegen eins eisen wir uns vom Feuer los und machen es uns in Freddie ganz schnell gemütlich. Herrlich, dass wir aktuell den Luxus haben, uns so sehr treiben lassen zu können. Es war eine gute Idee einfach noch einen Tag die Ruhe, Natur und das durch den Tag treiben lassen zu genießen.Читать далее
Und sie baumelte
13–14 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☀️ 19 °C
Nach einer deutlich längeren Nacht werden wir am Sonntagmorgen ganz entspannt wach. Der obligatorische Blick auf die Wettervorhersage offenbart für die Fahrt entlang am Scenic Byway und den Bryce Canyon nichts Gutes, so dass wir entscheiden noch eine weitere Nacht hier zu bleiben – der nächste fixe Termin ist erst am Dienstagabend der Stellplatz am Zion National Park.
Mit dem spontan gewonnen und unverplanten Tag, drehen wir uns alle noch einmal im Bett um und verlängern die doch recht kurze Nacht. Im Halbschlaf überlege ich, wie und was am heutigen Tag noch getan werden kann. Bevor ich meine Gedanken aber sortiert habe, erklärt Hanna die Nacht für beendet und lädt mich zu Kaffee und English Muffins mit Salat und dem guten Brie ein. Es dauert keine zwei Minuten, bis ich wie aus dem Ei gepellt am Esstisch sitze. Beim Frühstück schauen wir eine Folge Outlander und genießen dabei immer wieder die grandiose Aussicht draußen. Mit jedem Bissen merke ich, wie sehr ich guten Käse vermisse und wie gesegnet wir in Deutschland bzw. Europa sind, Käse blind im Supermarkt kaufen zu können und dabei immer etwas besseres zu erhalten als hier.
Nachdem schon Müßiggang den Morgen dominiert hat, setze ich meine Gedanken aus dem Halbschlaf fort. Immer wieder stolpern meine Gedanken über den Endgegner meiner Motivation: die Standheizung (hier bitte dramatische Musik vorstellen). Ein Teil von mir sucht in Gedanken fast verzweifelt nach alternativen Beschäftigungen, aber ich merke, dass mein Unterbewusstsein schon die Entscheidung getroffen hat und ich irgendwann später unter dem Auto liegen werden. Bis dahin kann ich das Ganze zumindest etwas verzögern und setze mich erstmal an Laptop bzw. Tablet und aktualisiere unser Serien- und Filmportfolio. Es gibt so ein gutes Dutzend (vermeintlicher) Klassiker, die mich durch meine Jugend begleitet haben und die ich gerne mal wieder sehen will: Der Gladiator, Der Patriot, Blade, From Dusk Till Dawn um nur ein paar zu nennen. Während ich mit dieser Aufgabe beschäftigt bin, tippt Hanna „fröhlich“ einen Bericht und wir beobachten beide immer wieder Bella.
Letztere macht zwar kurz ein kleines Geschäft, weigert sich aber wirklich einen Haufen in den „Garten“ zu setzen. Dabei wirkt sie alles in allem aber ganz entspannt und glücklich im neuen Territorium. Während beide Geräte gut damit beschäftigt sind alle möglichen Filme, Serien und Updates herunterzuladen, habe ich ein Erbarmen mit dem Fellknäul und spaziere mit ihr los. Nach gut 100 Metern wird dann auch direkt der erste Haufen gemacht. Anti-Heimscheißerin.
Hanna hat gestern auf der Runde mit Bella ein Schild am Wegesrand gesehen und bis dort ungefähr will ich auch laufen. Nach gut einer halben Stunde wird mir aber klar, dass ich das Schild übersehen haben muss und viel weiter als beabsichtigt gelaufen bin. Allerdings bin ich im Abenteurer-Modus und frage mich bei jeder Kurve auf dem Waldweg, was mich dort wohl hinter dieser erwartet. Nach einer Weile höre ich ein Rauschen, dass mit jedem Meter lauter wird, und ich versuche den dazugehörigen Fluss auszumachen. Es dauert aber noch gut zehn Minuten, bis ich diesen ausmachen kann. Dort angekommen, trinkt Bella erstmal ausgiebig und ich stecke meine blanke Birne in das eisige Wasser – herrlich!
Nach ein paar weiteren Minuten drehen wir dann um, da ich Hanna angekündigt hatte nur eine wirklich kleine Runde zu drehen. Zwar verselbstständigen sich ihre Unglücksgedanken äußerst selten, aber ich möchte das Ganze auch nicht dadurch provozieren, dass ich noch eine Stunde weiter vor mich her stapfe. Wir zwei Entdecker kommen zufrieden zurück bei Freddie an. Hanna ist ganz entspannt und hört sich die Neuigkeiten des entdeckten Flusslaufes an. Auch wenn ich mich heute auf bereits ausgetretenen Pfaden bewegt habe, ist es ein wundervolles Gefühl, sich so in der Natur treiben lassen zu können. Wie da dann wohl erst die Weite Kanadas sein wird?
Nach einem kleinen Päuschen krame ich meine Sieben-Werkzeugsachen zusammen und lege mich für eine erste kleine Inspektion unter den Wagen. Der elektrische Anschluss der Dieselpumpe geht dann recht schnell von der Hand, auch wenn ich immer wieder damit zu kämpfen habe, dass ich leicht abschüssig unter dem Auto in trockener, sandiger Erde liege.
Für die Montage von Frischluft- und Auspuffleitung baue ich dann noch die Verkleidung der Trittstufe habe, entferne dort erstmal den ganzen roten Utah-Staub und habe dann relativ fix ein paar Löcher gebohrt und alsbald die Frischluftleitung verlegt.
Etwas länger muss ich beim Verlegen der Auspuffleitung überlegen. Diese wird ziemlich heiß und ein geschmolzener Dieseltank bzw. Reifen ist das letzte, was wir brauchen. Nach ein paar Versuchen habe ich dann auch die optimale Position gefunden und dabei so gut es ging die Einbauvorschriften eingesammelt.
Mittlerweile wackelt und schaukelt der Bus ein wenig vor sich hin, denn Hanna bereitet unser Abendessen vor. Es gibt Bergkäsesalat mit Sellerie und Walnüssen. Seitdem wir diesen das erste Mal auf dem Geburtstag meiner Patentante Pretra 😉 vor knapp sechs Jahren entdeckt haben, gehört er mit zu unseren Lieblingssalaten.
Passend zum Sonnenuntergang war dann auch die Arbeit getan und ich habe mich gefragt, warum ich überhaupt wegen der knapp vier Stunden innerlich so ein Riesenfass aufgemacht habe. Beim ersten Einschalten der Standheizung wird kein Fehler angezeigt und ich vertrage das Testen dann auf später. Hanna hat eine ganze Menge Totholz gesammelt, so dass das Entzünden des Lagerfeuers auch schnell funktioniert. Danach wird erstmal das Werkzeug von Staub und Dreck befreit und provisorisch in der Fahrerkabine deponiert.
Wie gestern haben wir dann am Lagerfeuer gefuttert, Bierchen getrunken und die Natur um uns herum auf uns wirken lassen. Auch wenn es mittlerweile fast zum Alltag gehört, in solch schönen Umgebungen zu sein, ist es für uns keine Selbstverständlichkeit und wir können jeden Platz, an dem wir stehen mit seiner jeweiligen Schönheit bzw. Besonderheit genießen.
Als das Feuer dann gegen Mitternacht ordnungsgemäß gelöscht war, habe ich dann noch versucht die Standheizung ans Laufen zu bekommen. Während ich parallel dazu noch das Werkzeug in die dazugehörigen Kisten verräumt habe, war deutlich der Lüfter der Standheizung zu hören. Von Wärme aber keine Spur. Ein Blick in die Bedienungsanleitung hat dann geholfen von den Modus von Lüften auf Heizen umzustellen. Nach zwei weiteren Startvorgängen (Dieselleitung musste erstmal vollwerden) strömte dann auch endlich die warme, fast heiße Luft aus dem Luftverteiler. Da die Heizung beim ersten Starten für mindestens eine Stunde laufen sollte, konnten wir dann auch direkt beobachten, wie schnell und wie sehr die Heizung für Wärme in Freddie sorgt.
Gegen halb zwei am frühen Morgen habe ich die Heizung dann nach etwas über einer Stunde Laufzeit ausgeschaltet. Bei angenehmen 26 °C war ich entsprechend auch nur noch im Adamskostüm unterwegs.Читать далее
Von rot zu weiß aka von warm zu kalt
14–15 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ⛅ 15 °C
Sonntagmorgen, nach der zweiten Nacht an diesem heimeligen Plätzchen und nachdem gestern Abend das erste Mal die Standheizung unseren Freddie und uns gewärmt hat, wachen wir gemütlich auf. Heute wollen wir auf jeden Fall so langsam los düsen, da wir gestern einen Campingplatz im Zion National Park gebucht haben. Von Dienstag auf Mittwoch wollen wir dort schlafen. Vor dem Zion steht auf unserer „Möchten-wir-sehen-Liste“ der Scenic-Byway No. 12, ein knapp 200 km langer und nach Erzählungen sehr spektakulärer Highway und außerdem der Bryce Canyon (der praktischerweise am Scenic Byway liegt) 😊.
Insgesamt ist das in zweieinhalb Tagen wirklich entspannt und stressfrei machbar. Bis zum Start des Scenic Byways haben wir noch ein wenig zu fahren, aber wir planen einfach zu schauen wie viel Fahren heute in uns steckt. Morgen würden wir gern den Bryce Canyon mitnehmen; selbst wenn es erst am Dienstag was mit dem Bryce werden sollte und wir dann erst spät abends im Zion am Campground ankämen (vom Bryce zum Zion National Park fährt man knapp 2 Stunden) wäre das fein. Wir haben also einiges an Luft eingeplant.
Wir sind wirklich richtig entschleunigt im Moment. Zwischendurch hatten wir ein bisschen Sorge, dass wir so viel Zeit in den USA „vertrödeln“, dass wir es in Kanada bereuen würden, weil dort dann evtl. weniger Zeit wäre als zu Beginn eingeplant. Allerdings haben wir durchgespielt, was wir noch alles hier in den USA sehen möchten (Vieles haben wir auf spätere Reisen verlegt und das auch nicht leichten Herzens – beispielsweise den Yellowstone National Park, Grand Teton National Park, die Westküste in ausführlichster Form, einige Großstädte und ganz schön viele andere Teile der USA, die bestimmt noch atemberaubend schön sind. Alles, was jetzt noch in der Planung übrig ist, sollte eigentlich gut in die letzten 4 Wochen USA passen, sogar mit der ein oder anderen Doppel-Übernachtung. Ich habe auch einfach gar keine Lust mich an ganz fixe Pläne zu halten, die uns unterschwellig stressen könnten. Alles genau durchzutakten überfordert mich, von daher bin ich doppelt happy, dass wir es aktuell so gut schaffen, zwar einen groben Plan zu haben, aber den ein oder anderen Tagesplan spontan zu überdenken und evtl. sogar über den Haufen zu werfen, ohne dass es uns unter Druck setzt. Ich denke, dass wir am Ende Nichts bereuen werden, wenn wir mal den einen oder anderen Tag länger an einem Ort geblieben sind, der uns ein wohliges Gefühl gegeben hat und uns beim Entschleunigen geholfen hat.
Mit dem Gefühl der Entschleunigung und dass wir uns nicht stressen müssen, starten wir auch heute in den Tag. So ist es dann auch schon 10:30 Uhr, als ich mich mit Bella auf den Weg zu einer Gassi Runde mache, während Christian nach der Standheizungsaction von gestern, die Fahrerkabine auf Vordermann bringen möchte und sich um den Kaffee kümmert. Los geht’s also auf ein 2,5 km Ründchen mit Bella. Die Raketenwurst genießt es total, seit mittlerweile 6 Gassi Runden ganz ohne Leine laufen zu dürfen. Wir haben zwar immer eine Leine dabei und sind uns auch durchaus bewusst, dass es hier Tiere aller Art gibt, allerdings hört Queen B in letzter Zeit super, die Landschaft ist sehr einsichtig und von daher klappt das richtig gut. Wir lassen uns über Feldwege treiben, Bella schnüffelt wie eine Wilde und markiert ordentlich die ihr mittlerweile schon bekannte Hood. Wir laufen bis zu einem Bach, der durch die Schneeschmelze mitten über den Weg führt und drehen dann um und machen uns auf den Rückweg. Ich komme immer noch nicht so ganz auf die Schönheit dieses Ortes klar. Die schneebedeckten Berge, die diese Weite einkesseln, die leichten grün-gelblich bewachsenen Hügel, vereinzelte Bäume, die aussehen, wie übergroße Brokkoli-Röschen und Kakteen, die sich auf der Wiese verstecken.
Zurück bei Freddie hat Christian schon ordentlich geordnet, sortiert und aufgeräumt. Auf dem Tischchen in Freddie stehen duftender Kaffee und der Rest des Sellerie-Salats, den wir zum Frühstück genießen werden (yum, ein ganz schön gesunder Einstieg in den Tag). Hierzu gibt es noch den Rest der Folge Outlander, die ich gestern aufgrund von akuter Müdigkeit nicht ganz geschafft habe.
Dann geht’s aber um viertel nach eins auch endgültig los. Freddie ist fertig gemacht für die Fahrt, alle Schubladen sind abgespannt, die Trinkflaschen sind gefüllt und der Abfall der letzten Tage ist in Tüten verpackt und fährt im Fahrerhaus mit, um dann an einer Raststätte entsorgt werden zu können.
Wir beide haben richtig Lust gemütlich in Freddie die nächsten Stunden über die Pisten zu huckeln. Es hat was ganz schön Gemütliches, wohlig eingemummelt aus dem Fenster heraus Autos, Kleinstädtchen, Dörfer und Landschaften zu bestaunen. Parallel dazu werden Sprachnachrichten abgehört, einem Hörbuch oder Musik gelauscht und geschnackt. Faszinierend, dass einem nicht die Themen ausgehen, wenn man so lange Zeit nur zu zweit (also ich lasse hier Bella mal außen vor, weil sie zu Gesprächen nicht ganz so viel beiträgt) verbringt.
In Torrey (dem Startpunkt des Scenic Byways No. 12) angekommen, fahren wir noch nicht sofort auf den Scenic Byway sondern halten uns, nach einer Tankfüllung, noch kurz geradeaus und biegen dann zum Capitol Reef National Park ab. Einer der 5 Nationalparks Utahs. Ich hatte diesen tatsächlich so gar nicht auf dem Schirm, Christian schon. Er stand aber nicht auf unserer must-see- Liste, bis wir im Flyer zum Scenic Byway No. 12, den wir netterweise von den Kongs vererbt bekommen haben, von ihm gelesen haben. Naja, was soll ich sagen, was auf dem Weg liegt nehmen wir doch gern mit. Der Capitol Reef National Park ist hauptsächlich für die sogenannte Waterpocket Fold bekannt. Dies ist eine 150 km lange (sich durch den gesamten Park ziehende) geologische Formation, bei der die ursprünglich horizontalen Bodenschichten aus verschiedensten Sedimenten, bei der Anhebung des Colorado Plateaus leicht geneigt und gebogen wurden. Hierdurch entstand eine Art Falte, die markante Trennlinien zwischen den Gesteins- und Sedimentschichten aufweist. Christian probiert hier das erste Mal die Magnetfunktion seiner neuen 360° Kamera aus, mittels der er die Kamera während der Fahrt einfach auf die Motorhaube „plömpen“ kann. Sieht ein wenig aus, als sei Freddie ein Einhorn. Nach den ersten Bodenwellen, als die Kamera immer noch in der Ausgangsposition und bombenfest auf Freddie klebt, entspannen wir uns und sind gespannt auf die Aufnahmen. Wäre ja mega, wenn man am Ende tatsächlich als Betrachter der Aufnahme das Gefühl hätte, durch den Park zu fahren. Wieder mal sind wir von Gesteins- und Felsformationen, den Farben der unterschiedlichen Sedimentschichten und der Belassenheit dieses Ortes gefangen und machen uns nach guten eineinhalb Stunden zufrieden auf den weiteren Weg.
Wieder in Torrey angekommen, füllen wir nochmal unseren Wassertank und biegen dann auf den Scenic Byway ab. Die nächsten Stunden bis zum Sonnenuntergang staunen wir immer wieder und weisen uns gegenseitig auf die Schönheit, die da vor unseren Fenstern vorbeizieht, hin. Wir fahren etliche Höhenmeter über gut geräumte Straßen an knietiefem Schnee vorbei. Schließlich passieren wir Boulder eine kleine Ortschaft auf knapp über 2000 Höhenmetern, zu der im Prospekt steht, dass diese schon lange bevölkert ist, sie aber in früheren Zeiten dafür bekannt war, dass sie nur mitßtels Pferd erreichbar war. Viele Lebensmittel wurden auf diesem Weg in das Dorf transportiert. Hierbei ist es nicht selten vorgekommen, dass das was als Milch in die Ortschaft geschickt wurde, durch die beschwerliche Reise, oben als Butter angekommen ist.
Kurz hinter Boulder finden wir einen wunderschönen und einsamen Stellplatz auf BLM Land in den Boulder Mountains. Christian geht mit Bella los und ich mache mich an unser Abendessen. Bei Reis mit Gemüse in Erdnusssoße und einer Folge Outlander lassen wir diesen zauberhaften Tag ganz entspannt ausklingen.Читать далее
Hoodoos
15–16 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ 🌬 5 °C
Nach einer recht frischen Nacht werden wir beide gut gelaunt am Montagmorgen wach. Die Aussicht ist wirklich gigantisch. Ohne den reservierten Platz im Zion National Park würden wir auch definitiv noch eine Nacht hier verbringen. Während Hanna eine Runde mit Bella dreht, baue ich unser Bett um und kümmere mich um den Kaffee.
Innerhalb von knapp zehn Minuten sehe ich dabei tollsten Sonnenschein, Regen, Hagel und Schnee aus dem Seitenfenster. Ähnlich wild in so kurzer Zeit habe ich es bislang nur auf Island gesehen. Aber wie schon in einem anderen Bericht erwähnt, passt das Wetter auch zum April.
Zum Glück sind die beiden auf der morgendlichen Runde nicht nass geworden, sondern maximal etwas angefroren. Die Standheizung lassen wir aber erstmal aus, immerhin kommt die Sonne wieder durch und wärmt Freddie so etwas auf.
Während wir den Kaffee genießen, schauen wir noch einmal auf die Wettervorhersage. Am Bryce Canyon ist schlechtes und vor allem kaltes Wetter angesagt. Wir treten also ein wenig auf die Bremse und trödeln ein wenig vor uns hin. Die letzten zwei Wochen sind wir vom Wetter doch sehr verwöhnt worden und mit der groben Route für die nächsten und letzten vier Wochen in den USA lebt es sich dann noch einmal viel entspannter in Tag hinein.
Unabhängig voneinander haben wir am Vortag beim Erforschen der Karte der Umgebung den kleinen Ort Escalante ausgemacht und sind dort beide über ein kleines Restaurant gestolpert. Dort soll es den Bildern nach gute Pizzen geben – wir haben beide große Luft darauf und so ist dann auch etwas später die Route eingegeben.
Der Anweisung des Navi folgen wir aber erstmal nicht, sondern fahren in Richtung der Hells Backbone Road. Diese Schotterpiste verbindet wie der Highway die Orte Boulder und Escalante, ist allerdings nur gut in den Sommermonaten passierbar. Wir unternehmen den Versuch trotzdem, auch wenn uns ein Schild ein paar Meilen hinter dem Stellplatz schon verkündet, dass die Strecke nicht passierbar ist. Davon nicht beeindruckt und mutig aufgrund der 7-Meilen-Stiefel auf Freddie, fahren wir die nächsten paar Meilen entlang der Schotterpiste durch einen Wald. Kontinuierlich windet sich der Weg nach oben und nachdem wir auf knapp 2600 Höhenmeter angekommen sind, ist auch links und rechts im Wald noch eine zum Teil geschlossene Schneedecke auszumachen. Die ersten meterlangen Abschnitte von Schnee auf dem Weg überwinden wir auch noch ohne Probleme, danach wird es dann aber schon herausfordernd. Unter dem Schnee ist der Waldboden matschig, der Schnee in der Fahrspur ist zum Teil zu Eis gefroren und unsere Bodenfreiheit ist schon fast nicht mehr ausreichend.
An einer Stelle des Weges der erstmal ein paar Meter abwärts fährt, halten wir dann an. Zwar würden wir ohne Probleme nach unten rollen können, aber es ist nicht absehbar, wie es weitergeht. Bergauf zurück könnte es auch problematisch werden. Unser Streben als Schlagzeile in der Bildzeitung zu enden, weil zwei abenteuerlustige Deutsche sich in der Wildnis von Utah festgefahren haben, ist ebenfalls nicht ausgeprägt und so lassen wir die Vernunft siegen.
Eine halbe Stunde später rollen wir wieder am Stellplatz vorbei und sind auch flugs wieder auf dem Highway in Richtung Escalante unterwegs. Wir werden des dauerhaften Staunes auch heute nicht müde und wissen zum Teil gar nicht, wo wir bei all Landschaft hinschauen sollen. Für ein Minuten sind wir zumindest kurzfristig von der Landschaft ablenkt. Vor uns fährt ein Pickup-Truck mit offener Ladefläche und auf dieser fährt ein Hund mit. Er läuft dabei von links nach rechts auf der Ladefläche herum. Wir sind nicht sicher, ob er unsicher ist, aufpasst oder sich auch einfach nicht an der Ladefläche satt sehen kann. Es ist aber definitiv nicht seine erste Reise auf diese Art und Weise.
In Escalante angekommen, parken wir auch direkt bei den Escalante Outfitters und sind direkt hin- und weg vom Konzept. Im vorderen Teil befindet sich ein Geschäft für den Bedarf der modernen Wandersleute und im hinteren wird der Hunger selbiger gestillt.
Wir schauen auf die Karte und entscheiden uns für zwei vegetarische Pizzen. Ein kurzer Blick und wir haben uns wortlos darauf geeinigt, dass es jeweils die große 16 Zoll Variante der Pizza wird. Zusammen mit zwei kalten Getränken sowie dem fast obligatorischen Trinkgeld, wechseln dann umgerechnet knapp 70€ den Besitzer. Fast ein Schnäppchen, aber zum Einen wird die Pizza auch Frühstück des nächsten Tages und zum Anderen haben wir auch einfach gigantische Sehnsucht nach guter Pizza.
Während sich das 3er-Grüppchen am Nebentisch eine kleine 10“ Pizza teilt, kommt die Servicekraft mit einer Etagere und unseren beiden Pizzen an und verschwindet flugs wieder, aber nicht ohne noch einen charmant-frechen Kommentar zu hinterlassen. Wir fühlen uns ein wenig beobachtet, genießen aber die beiden grandiosen Pizzen bzw. zumindest jeder die Hälfte eines der Wagenräder. Hanna bringt es ganz gut auf den Punkt, als sie in einer Kaupause festhält, dass wir so auch einfach mehr Belag und weniger Rand haben.
Nach einer guten halben Stunde haben wir den Rest der Pizza in Alufolie verpackt und laufen ein wenig durch den anderen Teil des Ladens. Hanna wird bei einer ziemlich schicken Mütze mit Sonnenschutz fündig und gemeinsam rollen wir uns noch eine große Bauchtausche mit Trinkblase und genug Stauraum für die 360°-Kamera und anderen Kleinkram.
Wieder zurück auf dem Highway stellen wir fest, dass es bis zum Bryce Canyon nur noch knapp 50 Minuten sind. Das Himmel soll laut Vorhersage bei unserer Ankunft auch aufklaren und so beschließen wir, dem Nationalpark heute noch zu besuchen. Der Eingang liegt auf einer Höhe von knapp 2400 Metern und während wir auf diesen zu rollen, kommen uns noch drei Reisebusse und Unmengen an anderen Fahrzeuge entgegen. Wir gestehen uns ein, dass wir uns von der Einsamkeit der letzten gut zehn Tage verabschieden müssen und wir mit dem Bryce Canyon, Zion und Grand Canyon Nationalpark in dem Gebiet angekommen sind, dass ohne Ende von Touristen frequentiert ist – uns eingeschlossen.
Wir sind aber erstmal dankbar, dass der Park dann doch einigermaßen leer ist. Die Kombination aus schlechtem Wetter, einem Montag und einer Temperatur um den Gefrierpunkt haben dazu vermutlich auch beigetragen. Von Fotos und aus Erzählungen von Tante und Onkel wissen wir was uns erwartet: Hoodoos.
Diese turmartigen Gebilde aus Sedimentgesteinen, werden durch langsame Erosion geformt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Felsnadeln besitzen Hoodoos eine charakteristische Silhouette, die sich von der Basis zur Spitze in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen verjüngt und verbreitert. Diese einzigartige Form erinnert oft an einen Totempfahl. Ihre Gestalt verdanken sie den unterschiedlich harten Sedimentschichten, aus denen sie aufgebaut sind. Insbesondere die harte Schicht an der Spitze schützt den Hoodoo vor Erosion von oben. Die verschiedenen Minerale in den Schichten verleihen den Hoodoos eine Vielfalt an Farben, die sich oft von Weiß zu verschiedenen Rottönen ändern, je nach Höhe des Turmes.
Mit beiden Vorkenntnissen gewappnet, waren wir dann aber trotzdem nicht auf die beeindruckende Schönheit der Hoodos gefasst. Diese nebeneinander in Reih und Glied vor steilabfallenden Klippen in der untergehenden Sonne auszumachen und dabei gleichzeitig einen Blick auf die Weite des Colorado-Plateaus zu werfen ist wirklich einmalig. Fotos können dieser Aussicht auch nur in Teilen gerecht werden, daher sind wir unglaublich dankbar, diese Aussicht live auf uns wirken lassen zu können. Wir verbringen knapp drei Stunden im Park und fahren dabei von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt und kommen wirklich aus dem Staunen nicht mehr raus. Zum Teil fröstelt es und aber auch ganz schön gewaltig, es geht eine mehr als steife Brise. Nach Sonnenuntergang spazieren wir, fast alleine, mit Bella einen kleinen Teil des Rim-Trails entlang. So wie sich langsam die Dunkelheit über das Colorado-Plateau legt, habe ich mir immer das „Nichts“ aus der Unendlichen Geschichte von Michael Ende vorgestellt.
Die Wettervorhersage für den morgigen Dienstag sowie das „Hundeproblem“ stimmen uns ein wenig traurig, dass wir hier nicht noch mehr richtig wandernd entdecken können. Aber so viel wie wir schon erlebt haben, können wir ehrlich gesagt auch nicht mehr verpassen. Da es uns beiden aber mittlerweile ziemlich in den Füßen kribbelt, nehmen wir uns vor, aktiver nach Wanderung außerhalb der Nationalparks zu suchen.
Die Suche nach einem Stellplatz im dunklen Wald in der Nähe des Bryce Canyon zieht sich etwas in die Länge und so dauert es fast bis zehn Uhr, bis wir für die Nacht geparkt haben. Schwermütig, überwältigt und irgendwie überfordert machen wir uns beide für die Nacht fertig.Читать далее
Zion National Park!
16–17 апр. 2024, Соединенные Штаты ⋅ ☀️ 19 °C
Die erste Amtshandlung des Tages ist heute Morgen das Einschalten der Standheizung. Die Temperaturen an unserem Stellplatz in der Nähe des Bryce Canyon sind heute Nacht auf knapp -3 °C gesunken. Ohne großen Wind, der den Wagen noch weiter ausgekühlt hat, sind wir dann bei 7 °C wach geworden – immerhin! Dank der Standheizung erhöht sich die Temperatur dann auch zügig, wird zweistellig und nach etwas über einer Stunde sind es dann auch „schon“ über 22 °C in Freddie. Auch wenn ich nur in Shorts in der Küche stehe, macht mir die Temperatur irgendwie nicht viel aus und so bereite ich den Kaffee vor.
Die steigenden Temperaturen erwecken auch Hanna und nachdem ich ein paar ihrer Kleidungsstücke am Auslass der Standheizung „aufgetaut“ habe, werden diese auch bereitwillig angezogen. Im und auf dem Bett sitzen bringt Hanna das akrobatische Kunststück fertig, dass Bett umzubauen und zu machen, während sowohl sie selbst und der Hund in diesem sind. Chapeau! Ich habe mir in der Zwischenzeit die in Alufolie verpackte Pizza von gestern geschnappt und Wärme diese in einer großen Auflaufform auf dem Gaskocher auf. Nach ein paar Minuten fängt diese an köstlichst zu duften.
Beim Frühstück bekommen wir am Telefon Gesellschaft von Moritz der ein wenig Sehnsucht nach Bella und uns hat. Während der nächsten halben Stunde quatschen wir mit ihm und Jenny, leisten ihm Gesellschaft auf dem Spieleteppich im Kinderzimmer und führen mit der Granate ein paar sehr witzige Dialoge. Nachdem Pizza sowie Kaffee leer sind und Moritz‘ Telefonlust erloschen ist, gehe ich mit Bella los.
Im Licht der Sonne sieht der Wald viel einladender und freundlicher aus und nach ein paar Minuten ziehe ich mir auch meine Jacke aus. Es geht kein Wind und in der Sonne lassen sich die knapp zehn Grad auch gut aushalten. Nach ein paar Minuten biege ich an einer Kreuzung im Wald ab. Gestern hätten wir hier auch noch abbiegen können, um einen Stellplatz zu finden, aber im Dunklen sah der Pfad nicht einladend aus. Schade, dass wir bzw. ich nicht dorthin abgebogen bin: ein süßer kleiner Stellplatz hätte uns belohnt. Schlecht haben wir aber auch so heute Nacht nicht gestanden.
Gegen Mittag fahren wir los, knapp zwei Stunden sind es bis zum Besucherzentrum des Zion National Park. Auf der Fahrt dahin fahren wir durch zwei Steinbögen, irgendwie simpel aber schon wieder spektakulär. Die Fahrt bis zum östlichen Eingang des Nationalparks ist für sich genommen atemberaubend schön, allerdings muss ich mich jetzt beim Schreiben, etwas über 24 Stunden später, schon sehr anstrengen mich an Details zu erinnern. Dafür waren die Eindrücke im Nationalpark einfach zu beeindruckend.
Das Grau des Highways wechselt kurz vor dem Park in ein tiefes, fast braunes, Rot und so fügt sich die Straße doch ziemlich gut in die Landschaft ein. Eine sehr kurvige Straße führt für ein paar Meilen durch den Park, ausnahmslos alle Parkbuchten an den Aussichtspunkten sind komplett belegt und es geht ein wirklich ordentlicher Verkehr auf der Straße. So gut es geht, blenden wir das aus und genießen erstmal beim Fahren den Blick auf eine markante geologische Formation, die als "Checkerboard Mesa" bekannt ist. Diese Formation besteht aus horizontalen und vertikalen Rissen, die das Gestein in regelmäßige quadratische oder rechteckige Muster aufteilen, ähnlich einem Schachbrett. Diese Risse entstehen durch Erosion und die natürlichen Kräfte der Witterung über lange Zeiträume hinweg. Die einzigartige Struktur und die markanten Muster sind faszinierend – sowas haben wir beide noch nicht gesehen.
Wir passieren den ersten, kurzen Tunnel des Parks, der einfach durch das rote Gestein führt und kommen wenig später am zweiten Tunnel an. Dieser ist knapp 2 Kilometer lang und nicht für alle Fahrzeuge passierbar. Fahrzeuge ab einer bestimmten Größe brauchen eine Genehmigung und sobald diese an einem der Eingänge ankommen, wird der ansonsten zweispurige Tunnel zu einer Einbahnstraße und der Gegenverkehr muss warten. Warten müssen auch wir erst einmal und nach knapp zehn Minuten geht es dann auch weiter in den stockfinsteren Tunnel.
Mittelgroße Öffnungen lassen beim Durchfahren erahnen, was uns am Ende erwartet, und so sind wir beide etwas vorbereitet, aber dennoch vollkommen sprachlos, als wir auf der anderen Seite angekommen sind. Die große Schlucht ist schwer in Worte zu fassen und es gibt auf der Fahrt bis nach unten so unglaublich viel zu sehen und zu entdecken. Wir sind beide begeistert und auch von all dem etwas reizüberflutet. Auf dem dauerhaften Gefälle gilt es auch ein paar Mal abrupt zu bremsen, als spontan Fußgänger über die anscheinend unsichtbaren Zebrasteifen laufen. Unten angekommen fahren wir weiter in Richtung des Campingplatzes und erreichen dann unseren Platz nach einem kurzen Austausch mit dem Ranger.
Wir sammeln uns beide und entscheiden, erstmal etwas abzuwarten. Der Besucherparkplatz war fast komplett gefüllt und die Schlangen im Shuttle-Bus auch recht lang. Shuttle-Bus? Mit steigenden Besucherzahlen in den 1990er Jahren, musste der Park eine Lösung finden, um mit den damals knapp 5000 Fahrzeugen am Tag umzugehen. Eine der Hauptattraktionen, die Straße in den Zion Canyon, ist seit 1999 in der Hauptsaison für Privatfahrzeuge gesperrt und alle Besucher müssen daher mit einem der kostenlosen Shuttlebusse verkehren. Wir finden, dass das eine super Idee ist. Allerdings haben sich die Besucherzahlen in den letzten 25 Jahren mehr als verdoppelt und dies führt unweigerlich zu langen Wartezeiten an den Busstationen von zum Teil weit mehr als zwei Stunden.
Erstmal Spazieren wir mit Bella aber den Pa'rus Trail entlang, der einzige Weg der Hunde erlaubt. Die Reihen der Besucher haben sich mittlerweile schon gelichtet, allerdings kommen uns im Minutentakt dicke E-Bikes entgegen – kaum vorzustellen, wie das im Laufe eines kompletten Tages sein muss. Der Rückweg ist deutlich entspannter und die Anzahl der Radfahrer ist auf ein gutes Dutzend zurück gegangen. Wir können aber sowohl den Hin- als auch den Rückweg genießen. Der Weg folgt dem Verlauf des Virgin River und ist links und rechts eingefasst von steilen Felskanten, an den sich die verschiedenen Gesteinsschichten sehr gut erkennen lassen.
Auf dem Rückweg macht Hanna eine ausgiebige Fotosession mit ein paar Maultierhirschen. Während wir uns anfänglich noch über die scheinbar besondere Sichtung freuen, merken wir am Campingplatz, dass auch diese Tiere nicht doof sind. In der Nähe der schweinischen Menschen fällt in der Regel immer etwas zu Essen herunter.
Zum Abendessen gibt es mal wieder leckere Guacamole, dazu den guten Brie, Spiegeleier und Gurken und Laugenburgerbrötchen, die wir im Supermarkt als "Bavarian Buns" entdeckt haben.
Während Hanna all das vorbereitet, plane ich den morgigen Tag. Ein Stopp der Buslinie ist gesperrt, an einem weiteren Stopp ist das Überqueren in Richtung des Wanderweges nicht möglich. Wir sind beide hin- und her gerissen. Der Entdeckerdrang auf der einen Seite, steht hohen Temperaturen mit Blick auf das Verbleiben von Bella im Auto und gigantischen Menschenmassen auf der anderen Seite gegenüber.
Wenn wir morgen wollten, gäbe es einen groben Plan. Also mal schauen. Mit ein paar Blicken auf die tolle Kulisse, in der wir uns befinden, begeben wir uns dann ins Bett.Читать далее



































































































































































































































































































































































































ПутешественникGuten Morgen.Mal wieder ein toller Bericht. Man hat ja bald die Vermutung daß wir hier im kleinen Deutschland nicht so richtig über das schwierige Thema das uns so beschäftigt nicht richtig unterrichtet sind. 🥺
Путешественник
:-)
Путешественник
😘