Zwischen Gutshaus, Moor und Waldsee
10 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 18 °C
Vom Kloster aus ging es für uns weiter durch die typisch estnische Bilderbuchlandschaft. Sanfte Hügel, endlose Wälder und überall blühende Wiesen, die gerade in voller Pracht standen. Besonders die Wildblumen entlang der Straßen haben es uns angetan – Estland wirkt im Moment wie ein einziges, großflächiges Naturgemälde.
Nach etwa 1,5 Stunden Fahrt erreichten wir Palmse und damit eines der bekanntesten Gutshäuser des Landes: das barocke Gut Palmse.
Das Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert und war einst im Besitz der deutschbaltischen Adelsfamilie von der Pahlen. Diese Familie gehörte zu den einflussreichen Gutsbesitzern in der Region und prägte über Jahrhunderte die Entwicklung des Landguts. Das Ensemble wurde im typisch barocken Stil angelegt: ein repräsentatives Hauptgebäude, symmetrische Nebenbauten und ein großzügiger Park.
Heute ist das Gut sorgfältig restauriert und gilt als eines der schönsten Gutshäuser Estlands. Es vermittelt einen sehr guten Eindruck davon, wie der baltische Adel einst lebte.
Nach einem entspannten Rundgang und einer wohlverdienten Kaffeepause setzten wir unsere Fahrt fort.
In der Nähe von Kolga erreichten wir schließlich den Nationalpark Lahemaa, einen der ältesten und größten Nationalparks Estlands. Besonders bekannt ist er für seine ausgedehnten Moorlandschaften, die hier fast schon mystisch wirken.
Über gut angelegte Holzbohlenwege ging es hinein ins Moor. Links und rechts nichts als Wasserflächen, Moospolster und kleine Kiefern, die sich tapfer an das karge Leben in dieser Landschaft angepasst haben. Ein Moor ist im Grunde ein riesiges, langsam wachsendes Ökosystem aus Torf, Wasser und Geduld – sehr viel Geduld.
Vom Aussichtsturm aus hatten wir schließlich einen beeindruckenden Blick über das gesamte Gebiet. Von oben wirkt das Moor fast wie eine fremde Landschaft: endlos, ruhig und irgendwie zeitlos. Kein Straßenlärm, kein Stress, nur Natur in ihrer ganz eigenen Geschwindigkeit.
Nach dieser kleinen Wanderung ging es für uns weiter auf Stellplatzsuche. Und wie so oft in Estland wurden wir auch diesmal fündig.
Mitten im Wald, direkt an einem See, fanden wir wieder einen dieser Plätze, bei denen man sofort weiß: Hier bleiben wir.
Keine Nachbarn, kein Lärm, nur Wasser, Bäume und absolute Ruhe. Grisu hat seinen Platz gefunden, wir haben unseren Frieden gefunden – und das Moor scheint noch ein bisschen in unseren Gedanken nachzuwirken.
So endet ein Tag, der eigentlich alles hatte: Barock, Geschichte, Holzstege im Moor und einen See mitten im Wald als Abschluss.
Man könnte fast sagen: Estland hat heute wieder ein bisschen übertrieben.Leer más
Hinter Klostermauern und bunten Bienenstöcken
10 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 16 °C
Heute Morgen hatte der Regen endlich ein Einsehen mit uns. Kaum hatten sich die dunklen Wolken verzogen, machten wir uns auf den Weg zum berühmten Kloster von Kuremäe.
Schon beim Näherkommen beeindruckte uns die große orthodoxe Klosteranlage. Auf einer Anhöhe über der umliegenden Landschaft gelegen, wirkt das Kloster schon von Weitem sehr imposant. Die Gebäude sind außergewöhnlich gepflegt und die charakteristischen Kuppeln und Türme ragen über die Klostermauern hinaus. Zusammen mit den gepflegten Grünanlagen ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild.
Das Kloster Kuremäe, offiziell Pühtitsa-Kloster genannt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und ist bis heute das einzige aktive russisch-orthodoxe Nonnenkloster Estlands. Rund um die Anlage leben und arbeiten zahlreiche Nonnen, die das Kloster bis heute betreiben und pflegen. Trotz seiner bewegten Geschichte – von der Zarenzeit über die Sowjetherrschaft bis in die Gegenwart – blieb das Kloster durchgehend bestehen und gilt heute als eines der wichtigsten orthodoxen Zentren im Baltikum.
Durch das große Eingangstor betritt man eine andere Welt. Das reich verzierte Tor wirkt beinahe wie der Eingang zu einer kleinen Festung und trennt den Alltag von der ruhigen Atmosphäre innerhalb der Mauern.
Im Mittelpunkt der Anlage steht die prachtvolle Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Mit ihren markanten orthodoxen Kuppeln, den Kreuzen und den kunstvollen Verzierungen ist sie ein beeindruckendes Beispiel russisch-orthodoxer Baukunst. Die Kirche wirkt von außen bereits sehr eindrucksvoll und vermittelt mit ihren Formen und Farben den typischen Charakter orthodoxer Sakralarchitektur. Im Inneren entfaltet sie ihre ganz eigene Atmosphäre aus Ikonen, Kerzenlicht und jahrhundertealter Tradition.
Besonders gefallen hat uns auch die Parkanlage. Zwischen den Gebäuden wachsen zahlreiche Obstbäume, die dem Kloster fast den Charakter eines großen Gartens verleihen. Überall blühte und grünte es, und die gepflegten Wege luden zum gemütlichen Spazieren ein.
Ein echter Hingucker waren die vielen bunt bemalten Bienenstöcke. Sie standen ordentlich aufgereiht zwischen den Grünflächen und sorgten mit ihren kräftigen Farben für fröhliche Akzente. Die fleißigen Bewohner schienen dabei deutlich beschäftigter zu sein als wir.
Nach dem Rundgang hieß es Abschied nehmen und weiterfahren. Wir verließen die Klostermauern und machten uns auf den Weg Richtung Tallinn.
Hinter uns lagen beeindruckende Klostermauern, eine prachtvolle Kirche, alte Obstgärten und bunte Bienenstöcke. Eine Kombination, die man nicht alle Tage erlebt. Genau solche besonderen Orte abseits der großen Touristenströme sind es, die unsere Reise durch das Baltikum immer wieder zu etwas Besonderem machen.
Und ganz nebenbei haben wir wieder festgestellt: Nicht nur Burgen und Schlösser können beeindrucken. Manchmal reichen ein paar Nonnen, ein wunderschöner Klostergarten und einige äußerst fleißige Bienen, um einen Reisetag unvergesslich zu machen.Leer más
Zum östlichsten Punkt unserer Reise
9 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 17 °C
Heute war wieder einer dieser klassischen Campertage, an denen eigentlich gar nichts Besonderes geplant ist – und am Ende trotzdem jede Menge passiert.
Die Nacht über hatte der Regen unermüdlich auf Grisu getrommelt. Irgendwann klang das fast wie ein kostenloses Wellnessprogramm mit Einschlafgarantie. Entsprechend ließen wir es am Morgen etwas gemütlicher angehen und gönnten uns eine Extraportion Schlaf.
Nach dem Frühstück stand zunächst eine der wichtigsten Disziplinen des mobilen Reisens auf dem Programm: Einkaufen. Ein Vergnügen, das erstaunlicherweise nie von der To-do-Liste verschwindet. Kaum hat man den Kühlschrank gefüllt, behauptet er schon wieder, leer zu sein.
Danach machten wir uns auf die Suche nach einer Wasserstelle. Schließlich sind volle Wassertanks für Camper ungefähr so wichtig wie Kaffee am Morgen.
An der Wasserstelle angekommen trafen wir auf einige andere Camper. Und wie das unter Reisenden nun einmal so ist, kommt man schnell ins Gespräch. Erst wird gefragt, woher man kommt, dann wohin man fährt, anschließend werden Stellplätze, Reiseerlebnisse und Geheimtipps ausgetauscht. Und ehe man sich versieht, hat die Uhr einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht.
Direkt neben der Wasserstelle befand sich praktischerweise ein kleiner Imbiss. Da es mittlerweile Mittag geworden war, beschlossen wir, dort eine Kleinigkeit zu essen. Aus der Kleinigkeit wurde leckerer Fisch, und während wir auf unser Essen warteten, kamen wir mit einem sehr netten estnischen Ehepaar ins Gespräch.
Was als kurzer Plausch begann, entwickelte sich zu einer ausgesprochen netten Unterhaltung. Wir tauschten Reisegeschichten aus, lachten viel und stellten fest, dass Reisende überall auf der Welt erstaunlich schnell gemeinsame Themen finden.
Irgendwann bemerkten wir, dass erneut anderthalb Stunden vergangen waren. Nachdem wir Telefonnummern ausgetauscht hatten und von den beiden zu einem Besuch bei Ihnen auf unserer Rückreise eingeladen wurden, mussten wir irgendwann doch weiterfahren. Sonst würden wir vermutlich immer noch dort sitzen.
Nach rund 50 Kilometern erreichten wir schließlich den östlichsten Punkt unserer Reise: das kleine Dorf Vasknarva am Fluss Narva.
Ein wirklich besonderer Ort.
Auf der anderen Seite des Flusses liegt bereits Russland. Genauer gesagt konnten wir direkt auf das russische Dorf Skam'ya blicken. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, auf der einen Seite Europas zu stehen und nur wenige Meter entfernt ein anderes Land zu sehen.
Der Fluss bildet hier die Grenze zwischen der Europäischen Union und Russland. Trotzdem wirkte alles erstaunlich ruhig und friedlich. Keine Hektik, keine sichtbaren Spannungen, keine dramatischen Filmszenen mit Grenzsoldaten. Nur ein ruhiger Fluss, einige Fischer und eine friedliche Landschaft.
Manchmal sieht eine Weltgrenze eben überraschend unspektakulär aus.
Am Nachmittag machten wir uns schließlich auf den Weg nach Kuremäe. Dort fanden wir einen schönen Platz direkt vor dem berühmten Kloster, das wir uns morgen in Ruhe anschauen möchten.
So ging wieder ein typischer Reisetag zu Ende. Eigentlich wollten wir nur Wasser tanken und ein paar Kilometer fahren.
Stattdessen haben wir neue Bekanntschaften geschlossen, Telefonnummern ausgetauscht, Fisch gegessen, internationale Freundschaften geknüpft und ganz nebenbei noch den östlichsten Punkt unserer gesamten Baltikumreise erreicht.
Manchmal sind die ungeplanten Tage eben die besten.Leer más
Ein Nachmittag zwischen Pfingstrosen und Palmen
8 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 23 °C
Am Nachmittag erreichten wir den Botanischen Garten von Tartu, der direkt am Ufer des Emajõgi und nur wenige Schritte vom Stadtzentrum entfernt liegt. Bereits beim Betreten wurde uns klar, warum dieser Garten zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört.
Der Botanische Garten wurde bereits 1803 von der Universität Tartu gegründet und zählt zu den ältesten botanischen Gärten im Baltikum. Ursprünglich diente er der Forschung und Ausbildung der Studenten, heute ist er gleichzeitig ein wunderschöner Erholungsort für Einheimische und Besucher.
Besonders bekannt ist der Garten für seine beeindruckende Sammlung von Pfingstrosen. Und wir hatten das Glück, genau zur richtigen Zeit dort zu sein. Überall leuchteten die prachtvollen Blüten in den unterschiedlichsten Farben. Von zartem Weiß über Rosa bis hin zu kräftigem Rot war alles vertreten. Manche Blüten waren so groß, dass sie aussahen, als hätten sie heimlich einen eigenen Dünger-Lieferservice bestellt.
Die gesamte Außenanlage ist wunderschön angelegt und hervorragend gepflegt. Liebevoll gestaltete Beete, alte Bäume, kleine Wege und zahlreiche Sitzgelegenheiten laden dazu ein, einfach gemütlich durch den Garten zu schlendern. Wer einmal nach Tartu kommt, sollte sich für diesen Ort unbedingt etwas Zeit nehmen. Hier kann man wunderbar entschleunigen und die Seele baumeln lassen.
Nachdem wir die Außenanlagen ausgiebig erkundet hatten, zog es uns noch in das große Tropenhaus.
Und plötzlich fühlten wir uns nicht mehr wie in Estland, sondern eher wie irgendwo zwischen Amazonas und Südostasien.
Auf mehreren Ebenen wachsen dort tropische und subtropische Pflanzen aus aller Welt. Palmen, Bananenstauden, Kakteen, Farne und zahlreiche exotische Pflanzen schaffen eine völlig andere Welt. Während draußen die estnische Sommerluft wehte, herrschte drinnen ein angenehm feuchtwarmes Klima. Nach wenigen Minuten wusste sogar meine Kamera, wie sich eine Brille beim Betreten einer Sauna fühlen muss.
Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Pflanzen. Hinter jeder Ecke wartete eine neue Überraschung. Man merkt sofort, dass hier nicht nur Pflanzen gesammelt, sondern auch über viele Jahrzehnte gepflegt und erforscht werden.
Nach unserem Besuch machten wir uns ganz entspannt auf den Rückweg. Gemütlich radelten wir entlang des Emajõgi zurück zu unserem schönen Stellplatz. Die Abendsonne spiegelte sich auf dem Wasser, die Stadt wurde langsam ruhiger und wir ließen den Tag noch einmal Revue passieren.
Ein Dom als halbe Ruine, eine entspannte Studentenstadt, tausende Blüten und ein kleiner Ausflug in die Tropen – für einen einzigen Tag in Tartu war das schon eine ganze Menge.
Und während wir am Abend vor Grisu saßen, waren wir uns einig: Manchmal braucht es gar keine spektakulären Attraktionen. Ein schöner Garten, ein ruhiger Fluss und ein paar außergewöhnlich große Pfingstrosen reichen völlig aus, um einen gelungenen Reisetag zu haben.Leer más
Tartu, Studentenstadt mit ganz viel Charme
8 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 22 °C
Nach unserem entspannten Nichtstun-Tag gestern wurde es heute wieder Zeit für etwas Kultur. Also machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands.
Tartu gilt als geistiges und kulturelles Zentrum des Landes. Hier befindet sich die älteste und größte Universität Estlands, die bereits 1632 gegründet wurde. Entsprechend jung, lebendig und gleichzeitig erstaunlich entspannt wirkt die Stadt.
Am Fluss Emajõgi fanden wir außerhalb des Zentrums an einem kleinen Strandabschnitt einen wunderschönen Stellplatz. Der Fluss verbindet den Peipussee mit dem Võrtsjärv und schlängelt sich mitten durch die Stadt. Nachdem Grisu seinen Platz bezogen hatte, wurden die Fahrräder abgeladen und die Stadterkundung konnte beginnen.
Schon nach den ersten Kilometern waren wir positiv überrascht. Tartu wirkt angenehm ruhig, fast entschleunigt. Keine hektischen Menschenmassen, kein Großstadtstress. Stattdessen gepflegte Straßen, hübsche Häuser und viele Grünflächen. Irgendwie hat die Stadt genau die richtige Mischung aus Geschichte, Kultur und Gelassenheit.
Natürlich führte uns unser Weg auch zum Rathausplatz. Die farbenfrohen historischen Gebäude rund um den Platz verleihen dem Zentrum einen ganz besonderen Charme. Hier scheint man das Leben etwas langsamer und entspannter anzugehen – ganz nach unserem Geschmack.
Das eigentliche Highlight des Tages war für uns jedoch der Dom von Tartu.
Genauer gesagt: die Ruine des Doms.
Die mächtige Backsteinkathedrale wurde im 13. Jahrhundert erbaut und gehörte einst zu den größten Kirchen des Baltikums. Nach der Reformation verlor sie jedoch ihre Bedeutung und verfiel über die Jahrhunderte zunehmend. Kriege, Brände und politische Umwälzungen hinterließen ihre Spuren.
Heute strecken sich große Teile der Außenmauern noch immer beeindruckend in den Himmel, während andere Bereiche längst verschwunden sind. Genau das macht den besonderen Reiz des Bauwerks aus. Der Dom ist weder vollständig erhalten noch vollständig zerstört – er befindet sich irgendwo dazwischen.
Man könnte sagen: Er ist eine Ruine mit Würde.
Während viele historische Gebäude auf Hochglanz restauriert werden, zeigt der Dom von Tartu ganz offen seine Narben der Vergangenheit. Und gerade deshalb wirkt er unglaublich beeindruckend. Die alten Mauern erzählen ihre Geschichte oft eindrucksvoller als manch perfekt restauriertes Schloss.
Nachdem wir den Dom ausgiebig erkundet hatten, fuhren wir noch durch verschiedene Straßen und Gassen der Altstadt. Überall entdeckten wir schöne Fassaden, liebevoll restaurierte Häuser und kleine Details, die Tartu seinen besonderen Charakter verleihen.
Irgendwann wurde es dann Zeit für den nächsten Programmpunkt. Also machten wir uns auf den Weg zum Botanischen Garten. Doch darüber gibt es einen eigenen Footprint, denn der hat definitiv seine eigene Geschichte verdient.
So endet unser erste Hälfte des Tages in Tartu mit vielen positiven Eindrücken. Die Stadt hat uns auf Anhieb gefallen. Sie ist vielleicht nicht die spektakulärste Metropole Europas, aber genau das macht ihren Reiz aus.
Und seien wir ehrlich: Ein Dom, der seit Jahrhunderten halb Ruine und halb Kathedrale ist, passt eigentlich perfekt zu unserer Reise. Schließlich mögen wir Orte mit Charakter deutlich lieber als geschniegelt und gestriegelte Perfektion.Leer más

ViajeroIn Tartu auf dem Markt bekommt man leckere eingelegte Gurken. Außerdem kann man bei einem Spaziergang viel StreetArt bewundern (unsere Reise mit dem Titel" Nord/Nordost 2023")

ViajeroSehr interessant - und so treffend locker beschrieben. Diesen Teil Estlands hatten wir letzten Sommer (leider) ausgelassen. Umso schöner, nochmals mit euch "in Estland zu reisen". Danke.
Ein Tag voller Nichtstun
7 de junio, Estonia ⋅ ☀️ 23 °C
und das war wunderbar😍
Gestern stand etwas auf dem Programm, das auf Reisen viel zu selten vorkommt: absolut gar nichts.
Von unserem wunderschönen Stellplatz kurz vor der lettisch-estnischen Grenze fuhren wir gemütlich die letzten rund 30 Kilometer nach Estland. Der Grenzübertritt verlief dabei genauso unspektakulär wie schon zuvor. Kein Schlagbaum, keine Kontrolle, kein Grenzer mit strengem Blick. Lediglich ein kleiner Grenzpfosten und ein Schild verrieten uns, dass wir nun in Estland angekommen waren.
Oh wie schön ist Europa. Man fährt los, überquert eine Landesgrenze und merkt es oft erst, wenn plötzlich die Straßenschilder etwas anders aussehen.
Unser Ziel war Võnnu Mahetalu, ein ehemaliger Kolchosen-Bauernhof von Evelyn und Lennart. Hier fanden wir einen herrlich ruhigen Stellplatz mitten auf dem Land. Genau der richtige Ort für das, was wir uns vorgenommen hatten: nichts.
Und das haben wir dann auch äußerst konsequent umgesetzt.
Das Wetter zeigte sich endlich von seiner besten Seite. Also wurden die Campingstühle ausgeklappt, die Sonne genossen und sämtliche sportlichen Ambitionen erfolgreich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Zwischendurch wurde natürlich der Grill angeheizt. Schließlich gehört Grillen bei Sonnenschein zu den wichtigsten Aufgaben eines Wohnmobilreisenden. Wissenschaftlich belegt ist das zwar nicht, aber es fühlt sich absolut richtig an.
Während andere Menschen Wanderungen planen, Sehenswürdigkeiten besichtigen oder Museen besuchen, haben wir uns der hohen Kunst des Entspannens gewidmet. Die Disziplin beherrschen wir mittlerweile fast auf Profi-Niveau.
So verging der Tag zwischen Sonne, gutem Essen, Vogelgezwitscher und völliger Entschleunigung. Keine Termine, keine Kilometerjagd und keine Besichtigungslisten.
Manchmal sind die schönsten Reisetage eben genau die, an denen man am Abend sagen kann: Heute haben wir nichts gemacht. Und das war perfekt.Leer más

ViajeroWie ist das aktuell im Baltikum mit Mücken, in Finnland werden ja aktuell alle schier aufgefressen?

Womo TravelerHier ist es gut auszuhalten, wir stehen fast immer irgendwo am Wasser und mussten noch nirgendwo flüchten.
Regenflucht mit Schlossbesichtigung
6 de junio, Letonia ⋅ 🌧 16 °C
In Aglona hatten wir gestern Abend direkt am See einen wunderschönen und vor allem herrlich ruhigen Stellplatz gefunden. Die Aussicht war traumhaft, die Nacht angenehm ruhig und eigentlich hätten wir dort noch länger bleiben können. Eigentlich.
Denn heute Morgen hatte der Wettergott offenbar andere Pläne. Kaum waren wir wach, trommelte der Regen wieder aufs Dach von Grisu. Also blieb uns nichts anderes übrig, als die Regenflucht anzutreten und die Weiterreise in Angriff zu nehmen.
Unser erstes Ziel war das kleine Städtchen Cesvaine, wo das beeindruckende Schloss Seßwegen auf uns wartete.
Das Schloss wurde Ende des 19. Jahrhunderts für Baron Adolf von Wulf erbaut und gilt als eines der schönsten Beispiele des Historismus in Lettland. Die Architekten kombinierten Elemente der Gotik, der Renaissance und der Romanik zu einem Bauwerk, das fast wie ein Märchenschloss wirkt. Mit seinen Türmen, Erkern, Natursteinfassaden und den kunstvoll gestalteten Dächern macht das Schloss schon von außen ordentlich Eindruck.
Und tatsächlich präsentiert sich das Gebäude von außen in einem erstaunlich guten Zustand. Man könnte fast meinen, der Baron käme jeden Moment mit seiner Kutsche um die Ecke gefahren.
Im Inneren zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Ein verheerender Brand im Jahr 2002 richtete große Schäden an. Seitdem wird das Schloss Stück für Stück restauriert. Einige Räume erstrahlen bereits wieder in altem Glanz und geben einen Eindruck davon, wie prachtvoll das Schloss einst gewesen sein muss. Andere Bereiche warten dagegen noch auf ihre Wiedergeburt und wirken eher wie eine Mischung aus Baustelle und Zeitreise.
Gerade dieser Kontrast macht den Besuch aber besonders interessant. Man sieht nicht nur ein Schloss, sondern auch die gewaltige Arbeit, die nötig ist, um solch ein historisches Gebäude für kommende Generationen zu erhalten.
Nach unserem Rundgang durch die Gemäuer machten wir uns wieder auf den Weg. Die lettischen Straßen führten uns durch endlose Wälder, vorbei an kleinen Dörfern und Seen in Richtung Norden.
Am späten Nachmittag fanden wir schließlich kurz vor der estnischen Grenze einen ganz besonderen Stellplatz. Solche Orte sind schwer zu beschreiben. Man kommt an, steigt aus, schaut sich um und weiß sofort: Hier bleiben wir.
Während Grisu seinen Platz für die Nacht bezog, genossen wir die Ruhe und die Natur um uns herum. Kein Verkehrslärm, keine Menschenmassen, nur Vogelstimmen und das Rascheln der Bäume im Wind und ein wunderschöner Sonnenuntergang.
Manchmal sind es eben nicht die großen Sehenswürdigkeiten, die einen Reisetag besonders machen. Manchmal reicht ein altes Schloss, ein paar Kilometer durch die lettischen Wälder und ein Stellplatz, bei dem man sich fragt, warum man eigentlich jemals auf Campingplätze gefahren ist.
Jetzt genießen wir den Abend und freuen uns auf morgen. Dann wartet schon das nächste Land auf uns: Estland.Leer más
Daugavpils im Dauerfeucht-Modus
5 de junio, Letonia ⋅ ☁️ 22 °C
In Molėtai fanden wir gestern Abend einen wunderbar ruhigen Stellplatz direkt über dem See. Perfekt zum Runterkommen – einzig das Wasser kam diesmal von unten und oben gleichzeitig in Form von See und Himmel. Heute Morgen starteten wir deshalb etwas gemütlicher in den Tag.
In Smėlynė überquerten wir dann ganz unspektakulär die Grenze nach Lettland. Kein großes Tor, kein Fanfarenzug, kein Grenzbeamter mit feierlicher Ansprache – einfach ein Schild und weiter ging’s. Europa in seiner entspanntesten Form.
Unser erstes Ziel in Lettland war Daugavpils, wo wir uns die berühmte Ordensburg Dünaburg anschauen wollten. Die Festung wurde im 19. Jahrhundert unter russischer Herrschaft erbaut und zählt zu den größten erhaltenen Festungsanlagen im Baltikum. Mit ihren massiven Mauern, Bastionen und weitläufigen Innenhöfen wirkt sie fast wie eine eigene kleine Stadt. Ursprünglich sollte sie die westlichen Grenzen des Zarenreiches sichern – heute dient sie eher als beeindruckende Zeitmaschine in eine militärische Vergangenheit.
Kaum hatten wir die ersten Gebäude erkundet und begonnen, uns einen Überblick zu verschaffen, zeigte sich allerdings die lettische Wetterrealität von ihrer klassischen Seite: Regen. Und zwar nicht dieser freundliche Nieselregen, sondern eher die Variante „alles wird nass, egal wie schnell du bist“.
Also suchten wir zunächst Zuflucht im Café „Arsenāls“. Dort konnten wir wenigstens trocken sitzen und das Wetter draußen beobachten, das weiterhin konsequent seiner Aufgabe nachging.
Da der Regen keinerlei Anzeichen von Besserung zeigte, beschlossen wir pragmatisch umzudisponieren und noch schnell zum Einkaufen zu fahren. Ein klassischer Camping-Plan B: Wenn Sightseeing nicht geht, wird der Kühlschrank optimiert.
Nach dem Einkauf war das Wetter allerdings immer noch überzeugt, dass es heute der Hauptdarsteller ist. Also entschieden wir uns, den Nachmittag kulturell „indoor-tauglich“ zu gestalten und besuchten die orthodoxe Kathedrale der Heiligen Boris und Gleb.
Die Kathedrale gehört zu den markantesten Sakralbauten in Daugavpils. Mit ihren leuchtenden blau-goldenen Kuppeln im russisch-byzantinischen Stil hebt sie sich deutlich von der restlichen Stadtarchitektur ab. Die Kirche wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und diente lange Zeit als Garnisonskirche. Heute ist sie ein wichtiges Zentrum der orthodoxen Gemeinde.
Im Inneren erwartet einen eine klassisch orthodoxe Pracht: reich verzierte Ikonen, goldene Elemente und eine ruhige, fast meditative Atmosphäre, die im starken Kontrast zum trüben Wetter draußen steht. Während der Regen gegen die Kuppeln trommelte, wirkte das Innere fast wie ein schützender Gegenpol zur Außenwelt.
So verbrachten wir den Tag zwischen Festungsmauern, Regenwolken, Supermarktgängen und goldenen Kirchenkuppeln – ein typischer Reisetag eben, an dem der Plan ungefähr so stabil ist wie das Wetter.
Aber immerhin: Grisu ist trocken, der Kühlschrank gefüllt, und Lettland hat uns schon am ersten Tag gezeigt, dass es auch ohne Sonne beeindruckend sein kann.Leer más

ViajeroIch hatte alle Mühe ihn davon abzuhalten, das Glockenseil zu ziehen. Der Turm ist von jedem ohne Aufsicht zu erklimmen. Aber wir wären die Leitern nicht schnell genug hinunter gekommen wenn er eingeläutet hätte.😂
Kunst, Wald und große Visionen
4 de junio, Lituania ⋅ ☁️ 19 °C
Nach einer herrlich ruhigen Nacht mitten im Europos Parkas wurden wir heute Morgen nicht von Straßenlärm oder Nachbarn geweckt, sondern von Vogelgezwitscher und raschelnden Blättern. Zugegeben, an so einen Stellplatz könnten wir uns durchaus gewöhnen.
Nach dem Frühstück schnappten wir uns die Fahrräder und machten uns auf den Weg, den Park in Ruhe zu erkunden. Und auch bei Tageslicht waren wir wieder beeindruckt.
Auf einer Fläche von rund 55 Hektar sind hier mehr als 100 Kunstwerke und Skulpturen ausgestellt, die von Künstlern aus 33 Ländern geschaffen wurden. Die Kunstwerke verteilen sich über Waldwege, Lichtungen und Wiesen. Hinter jeder Kurve wartet die nächste Überraschung. Mal steht dort ein riesiges Kunstwerk aus Metall, mal eine filigrane Skulptur aus Stein und manchmal etwas, bei dem man sich fragt: „Ist das Kunst oder hat hier jemand Material vergessen?“
Genau das macht den Reiz dieses Parks aus.
Besonders beeindruckend ist aber die Geschichte dahinter. Der Europos Parkas wurde 1991 von dem litauischen Bildhauer Gintaras Karosas gegründet. Damals war er gerade einmal 19 Jahre alt und hatte die Vision, nahe dem geografischen Mittelpunkt Europas einen einzigartigen Kunstpark zu schaffen.
Mit 19 Jahren hatte ich andere Visionen. Die drehten sich meist darum, wo es das günstigste Essen gab oder wie lange man ausschlafen konnte.
Gintaras Karosas hingegen beschloss kurzerhand, einen der größten Freilicht-Skulpturenparks Europas aufzubauen.
Und das Erstaunliche daran: Er verfolgt diese Idee nun seit über drei Jahrzehnten mit unglaublicher Konsequenz. Finanziert wurde das Projekt über Spenden, Sponsoren und die Unterstützung zahlreicher freiwilliger Helfer. Wenn man heute durch den Park fährt, kann man kaum glauben, dass all dies einmal mit einer Idee eines 19-Jährigen begann.
Besonders bekannt wurde der Park durch eine außergewöhnliche Installation von Gintaras Karosas selbst. Sein Kunstwerk „LNK Infotree“ brachte ihm sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ein. Die riesige Installation bestand aus mehr als 3.500 ausgedienten sowjetischen Fernsehgeräten, die von Menschen aus ganz Litauen gespendet wurden. Anlass war eine landesweite Sammelaktion des Fernsehsenders LNK.
Die Fernseher wurden auf einer gewaltigen Holzkonstruktion montiert und bildeten aus der Vogelperspektive die Form eines stilisierten Baumes. Die gesamte Anlage erstreckte sich über eine Fläche von mehr als 3.100 Quadratmetern und war damit das größte Kunstwerk der Welt aus Fernsehgeräten.
Besonders interessant ist die Symbolik des Kunstwerks. Die vielen alten sowjetischen Fernseher stehen für die jahrzehntelange Propaganda und Informationskontrolle während der Zeit der Sowjetunion. Am Ende des „Fernsehbaums“ lag eine gestürzte Lenin-Statue am Boden. Sie symbolisiert den Zusammenbruch der sowjetischen Herrschaft und das Ende einer Ideologie, die das Leben der Menschen in Litauen über Jahrzehnte geprägt hatte.
Die Idee hinter dem Kunstwerk war es, die Absurdität und Sinnlosigkeit der sowjetischen Ideologie sichtbar zu machen. Statt eines mächtigen Denkmals erhebt sich hier ein Baum aus ausrangierten Fernsehern – genau den Geräten, über die früher die staatliche Propaganda verbreitet wurde. Ein durchaus nachdenklich stimmendes Kunstwerk, das weit mehr ist als nur ein kurioser Weltrekord.
Je länger wir durch den Park fuhren, desto mehr wuchs unser Respekt vor diesem Projekt. Es ist nicht einfach nur ein Skulpturenpark, sondern der sichtbare Beweis dafür, was aus einer mutigen Idee entstehen kann.
Irgendwann meldete sich allerdings unser Magen. Offenbar verbrauchen frische Waldluft, Kunstgenuss und Fahrradfahren deutlich mehr Energie als gedacht.
Also wurde die Mittagspause kurzerhand etwas nach hinten verschoben und anschließend gründlich nachgeholt. Schließlich muss man auch auf Reisen seine Prioritäten richtig setzen.
Gut gestärkt verabschiedeten wir uns schließlich vom Europos Parkas und machten uns mit Grisu noch auf den Weg zum nahe gelegenen geografischen Mittelpunkt Europas. Dieser liegt nur wenige Kilometer vom Europos Parkas entfernt und wurde 1989 von französischen Geografen des Institut Géographique National als geografisches Zentrum Europas berechnet. Heute erinnert eine Granitsäule mit einem Kranz aus goldenen Sternen an diesen besonderen Ort.
Zugegeben, der geografische Mittelpunkt Europas präsentiert sich deutlich bescheidener, als man es vielleicht erwarten würde. Wer hier ein riesiges Besucherzentrum, blinkende Lichter oder eine europäische Blaskapelle erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen steht man auf einer ruhigen Lichtung im Grünen vor einem schlichten Denkmal. Dennoch hat es etwas Faszinierendes, an einem Punkt zu stehen, der als das geografische Herz Europas gilt. Natürlich mussten auch wir ein Erinnerungsfoto machen – wann steht man schließlich schon einmal mitten in Europa.
Hinter uns liegen Kunstwerke, Wälder und eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Vor uns warten neue Länder, neue Orte und vermutlich auch wieder die eine oder andere Kirche.
Man soll ja seinen Gewohnheiten treu bleiben.Leer más
Waschtag deluxe und eine Nacht im Kunstpark
3 de junio, Lituania ⋅ ⛅ 23 °C
Heute stand mal wieder einer dieser Tage auf dem Programm, die auf keiner Reise fehlen dürfen: Waschen, Wasser tanken und die Versorgung sichern. Klingt erstmal wenig spektakulär, gehört aber genauso zum Reisealltag wie Burgen, Kirchen und Sonnenuntergänge.
Nach dem Frühstück machten wir uns daher zunächst auf den Weg zu einem Waschsalon etwas außerhalb von Vilnius. Dort drehten sich für die nächsten drei Stunden die Trommeln auf Hochtouren. Während Hemden, Hosen und T-Shirts ihre Wellnessbehandlung bekamen, vertrieben wir uns die Zeit und freuten uns schon auf den Duft frisch gewaschener Wäsche. Irgendwie erstaunlich, wie glücklich einen saubere Socken auf einer langen Reise machen können.
Nachdem die Wäsche wieder sauber, trocken und verstaut war, stand die nächste wichtige Mission an: Wasser tanken.
Dafür fuhren wir zu einer Quelle, die bei den Einwohnern von Vilnius äußerst beliebt ist. Viele Litauer holen sich dort regelmäßig ihr Trinkwasser. Als wir ankamen, wurde schnell klar: Das wird keine Angelegenheit von fünf Minuten.
Zunächst mussten Strom für die Pumpe gelegt und der Schlauch bis zur Quelle verlegt werden. Dann begann das geduldige Warten. Das Wasser sprudelt dort aus zwei Rohren, allerdings hatten die Einheimischen natürlich Vorrang. So füllten wir literweise Geduld nach, während sich unser Wassertank nur langsam füllte.
Nach gut zwei Stunden war es dann endlich geschafft. Grisu hatte wieder einen randvollen Tank und war bereit für die nächsten Abenteuer. Und wir hatten ausreichend Zeit, das bunte Treiben an der Quelle zu beobachten. So eine Wasserstelle ist manchmal fast geselliger als mancher Campingplatz.
Anschließend setzten wir unsere Fahrt in Richtung Europos Parkas, dem „Park Europas“, fort.
Am Nachmittag erreichten wir den weitläufigen Skulpturenpark. Der Europos Parkas wurde Anfang der 1990er Jahre gegründet und liegt nahe dem geografischen Mittelpunkt Europas. Auf einem großen Wald- und Wiesengelände verteilen sich zahlreiche moderne Kunstwerke internationaler Künstler.
Am Eingang kamen wir mit dem Kassierer ins Gespräch. Und dann geschah etwas, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten: Wir bekamen die Erlaubnis, mitten im Park zu übernachten.
Was für ein Erlebnis!
Während die letzten Besucher den Park verließen, wurde es um uns herum immer ruhiger. Plötzlich standen wir mit Grisu allein zwischen Wäldern, Wiesen und Kunstwerken. Keine Nachbarn, kein Straßenlärm, keine Menschentrauben. Nur wir, die Skulpturen und die Natur.
Irgendwie hat es etwas Besonderes, wenn man am Abend aus dem Wohnmobil schaut und statt anderer Camper moderne Kunstwerke zwischen den Bäumen entdeckt.
Jetzt genießen wir die Ruhe dieses außergewöhnlichen Ortes und freuen uns auf eine Nacht mitten im Park. Und wer weiß – vielleicht spaziert heute Nacht ja nicht nur ein Schlossgeist vorbei, sondern auch die eine oder andere Skulptur macht einen kleinen Rundgang.
Bei den Kunstwerken hier würde uns jedenfalls nichts mehr überraschen.Leer más

Liz und Thomas on tourDa habt ihr ja wirklich ein Traumplätzchen ergattert. Das war sicherlich Glücksgefühl pur 🤩.
Vilnius Tag 2
2 de junio, Lituania ⋅ ⛅ 23 °C
Heute Morgen machten wir uns wieder mit den Fahrrädern auf den Weg in die Altstadt von Vilnius. Eigentlich hatten wir keinen genauen Plan. Naja, zumindest keinen Plan, der länger als fünf Minuten hielt. Am Ende wurde daraus ein klassischer „Wir schauen mal hier rein“-Tag. Und wie so oft führte uns das von einer Kirche zur nächsten.
Als erstes besuchten wir den Kalvarijos Market. Der große Markt gehört zu den bekanntesten in Vilnius und bietet alles, was man sich vorstellen kann: frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Kleidung, Haushaltswaren und jede Menge Dinge, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie vielleicht brauchen könnte. Zwischen den zahlreichen Ständen herrschte reges Treiben, und wir schlenderten erstmal gemütlich durch die Gassen des Marktes. Solche Märkte sind immer ein wunderbarer Ort, um das alltägliche Leben einer Stadt kennenzulernen.
Anschließend führte unser Weg am Präsidentenpalast vorbei. Hinter den hohen Mauern residiert der litauische Präsident. Wir beließen es allerdings bei einem Blick von außen. Schließlich hatten wir weder einen Termin noch eine Einladung zum Kaffee.
Unser erstes kirchliches Ziel war die Kirche der Heiligen Konstantin und Michael. Schon von weitem fallen die goldenen Zwiebeltürme ins Auge, die man eher in Russland oder der Ukraine erwarten würde als mitten in Vilnius. Die orthodoxe Kirche wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und wirkt mit ihren hellen Fassaden und den goldenen Kuppeln äußerst imposant.
Im Inneren erwartete uns ein wunderschöner vergoldeter Altar, der förmlich im Licht strahlte. Überhaupt hat die Kirche eine ganz besondere Atmosphäre. Während draußen das geschäftige Stadtleben tobt, herrscht drinnen eine angenehme Ruhe. Nur die vielen goldenen Verzierungen erinnern einen daran, dass orthodoxe Kirchen bei der Inneneinrichtung eher selten nach dem Motto „weniger ist mehr“ arbeiten.
Danach ging es weiter zur Halės turgus Markthalle, der ältesten Markthalle von Vilnius. Das historische Gebäude stammt aus dem Jahr 1906 und wird bis heute als Markt genutzt. Leider waren wir etwas spät dran und viele Händler hatten ihre Stände bereits geschlossen. Trotzdem konnten wir noch einen guten Eindruck vom Marktleben gewinnen. Zwischen den verbliebenen Ständen wurden regionale Spezialitäten, frisches Gemüse, Obst, Fleisch und allerlei Leckereien angeboten. Man konnte gut erkennen, warum die Markthalle bei Einheimischen so beliebt ist.
Anschließend besuchten wir die Kirche des Heiligen Franz von Assisi, besser bekannt als Bernhardinerkirche. Die römisch-katholische Kirche stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert und beeindruckt mit ihrer wunderschönen gotischen Backsteinfassade. Im Inneren dominieren warme Holzelemente und eine angenehm ruhige Atmosphäre. Die Kirche wirkt deutlich schlichter als viele andere Gotteshäuser der Stadt, besitzt aber einen ganz besonderen Charme.
Direkt daneben steht die berühmte St.-Anna-Kirche. Und was soll man sagen? Dieses Bauwerk ist einfach ein Meisterwerk der Backsteingotik. Die Kirche wurde um 1500 erbaut und besteht aus über 30 verschiedenen Backsteinformen. Die filigranen Türme, Bögen und Verzierungen sehen fast so aus, als wären sie aus Spitze gefertigt.
Man versteht sofort, warum die Kirche als eines der Wahrzeichen von Vilnius gilt. Von innen ist sie durchaus schön, aber ihre wahre Stärke liegt eindeutig außen. Wir standen eine ganze Weile davor und entdeckten immer neue Details.
Auf dem Rückweg meinte Andrea dann ganz unschuldig: „Wir könnten ja noch kurz in die Kathedrale schauen.“
Wer mit Andrea unterwegs ist, weiß mittlerweile, dass „kurz“ ein sehr dehnbarer Begriff sein kann.
Also fuhren wir noch zur Kathedrale St. Stanislaus und St. Ladislaus. Die klassizistische Kathedrale wirkt mit ihren mächtigen Säulen eher wie ein antiker Tempel als wie eine Kirche. Im Inneren erwarteten uns prächtige Seitenkapellen, kunstvolle Verzierungen und eine beeindruckende Atmosphäre. Besonders die reich ausgestattete Kasimir-Kapelle gehört zu den schönsten sakralen Räumen Litauens.
Während ich langsam begann, die Anzahl der heute besichtigten Altäre nicht mehr zählen zu können, war Andrea noch immer voller Entdeckerfreude unterwegs.
Am Ende des Tages hatten wir wieder unzählige Eindrücke gesammelt. Goldene Kuppeln, gotische Backsteinkunst, historische Märkte, prachtvolle Altäre und jede Menge Geschichte.
Kurz gesagt: Eigentlich wollten wir heute nur ein bisschen durch Vilnius radeln. Stattdessen sind wir versehentlich auf eine kleine Pilgerreise gegangen.
Und morgen? Mal sehen. Vielleicht schauen wir zur Abwechslung mal keine Kirche an. Wobei ... wer uns kennt, weiß, wie unrealistisch dieser Plan vermutlich ist.Leer más
Vilnius Tag 1
1 de junio, Lituania ⋅ ⛅ 20 °C
Heute Morgen schwangen wir uns auf die Fahrräder und machten uns auf den rund sechs Kilometer langen Weg vom Einkaufszentrum in die Altstadt von Vilnius. Unser Weg führte uns entlang des Neris, der sich gemütlich durch die Stadt schlängelt. Bei angenehmen Temperaturen und bestem Radfahrwetter ließ sich der Tag schon mal gut an.
Um uns zunächst einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, fuhren wir mit der Schrägseilbahn auf den Gediminas-Hügel. Oben angekommen wurden wir mit einem fantastischen Blick über Vilnius belohnt. Vom Turm aus liegen einem die roten Dächer der Altstadt, die Kirchtürme und die modernen Hochhäuser förmlich zu Füßen. Plötzlich erkennt man erst, wie groß und abwechslungsreich die litauische Hauptstadt eigentlich ist.
Nach so viel Aussicht war erstmal Kaffee angesagt. In einem kleinen Biergarten direkt neben dem Denkmal des Großfürsten Gediminas am Kathedralenplatz ließen wir uns nieder und genossen bei einer Tasse Kaffee das bunte Treiben. Gediminas gilt übrigens als Gründer von Vilnius. Der Legende nach träumte er einst von einem eisernen Wolf, dessen Geheul so laut war wie hundert Wölfe. Die Priester deuteten dies als Zeichen, an dieser Stelle eine große Stadt zu errichten. Offenbar hatten die Priester damals ein gutes Gespür.
Frisch gestärkt ging es weiter zur Peter-und-Paul-Kirche. Und dort verschlug es uns tatsächlich erstmal die Sprache.
Von außen wirkt die Kirche noch vergleichsweise schlicht. Doch sobald man den Innenraum betritt, beginnt das große Staunen.
Die Kirche wurde zwischen 1668 und 1676 im prachtvollen Barockstil erbaut und zählt zu den außergewöhnlichsten Sakralbauten Europas. Besonders erstaunlich ist, dass der eigentliche Innenausbau und die kunstvolle Ausschmückung fast 30 Jahre in Anspruch nahmen. Unzählige Künstler, Bildhauer und Handwerker arbeiteten über Jahrzehnte an den Stuckarbeiten. Über 2.000 weiße Stuckfiguren schmücken heute Wände, Decken, Bögen und Nischen. Engel, Heilige, Tiere, mythologische Figuren und unzählige weitere Darstellungen scheinen aus allen Richtungen auf den Besucher herabzublicken.
Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Kaum hat man eine Figur entdeckt, wartet daneben schon die nächste Überraschung. Besonders beeindruckend sind die unglaublich fein ausgearbeiteten Gesichter und Augen. Viele Figuren wirken so lebendig, als würden sie den Besucher tatsächlich beobachten. Je länger man dort sitzt, desto mehr Details entdeckt man. Ich setzte mich schließlich auf verschiedene Bänke und ließ dieses Kunstwerk einfach auf mich wirken. Ehrlich gesagt hätte man dort vermutlich auch drei Stunden verbringen können und hätte immer noch neue Figuren entdeckt.
Nach diesem überwältigenden Erlebnis ging es weiter zur orthodoxen Heilig-Geist-Kirche. Sie ist das wichtigste orthodoxe Gotteshaus Litauens und beeindruckt vor allem durch ihre prachtvolle Ikonostase, die reich verzierten Ikonen und ihre ruhige, fast mystische Atmosphäre. Im Gegensatz zum barocken Überfluss der Peter-und-Paul-Kirche wirkt hier alles etwas zurückhaltender, aber nicht weniger beeindruckend.
Besonders beeindruckt hat uns in der Heilig-Geist-Kirche ein Glasschrein mit den Reliquien der drei orthodoxen Heiligen Antonius, Johannes und Eustachius. Die drei Märtyrer lebten im 14. Jahrhundert und starben im Jahr 1347 unter der Herrschaft des litauischen Großfürsten Algirdas für ihren christlichen Glauben. Nach orthodoxer Überlieferung gelten ihre mumifizierten Körper als wundersam erhalten. Seit inzwischen mehr als 660 Jahren ruhen sie in der Kirche und werden von Gläubigen verehrt. Die in kostbare Gewänder gehüllten Reliquien liegen sichtbar in einem Glasschrein und ziehen jedes Jahr zahlreiche Pilger an. Selbst wenn man religiösen Wundern eher nüchtern gegenübersteht, ist es doch ein sehr besonderer Moment, vor sterblichen Überresten zu stehen, die seit so vielen Jahrhunderten verehrt werden und ein wichtiger Bestandteil der orthodoxen Tradition Litauens sind.
Direkt daneben steht die Kirche der Heiligen Teresa. Die barocke Kirche stammt aus dem 17. Jahrhundert und gehört zu den schönsten Kirchen der Altstadt. Besonders bekannt ist sie jedoch wegen ihres direkten Zugangs zur Kapelle des Tores der Morgenröte.
Durch einen Seitengang gelangten wir in die berühmte Kapelle über dem Stadttor. Das Tor der Morgenröte ist eines der bedeutendsten Heiligtümer Litauens. In der Kapelle befindet sich das wundertätige Marienbild „Unsere Liebe Frau vom Tor der Morgenröte“, das von Gläubigen aus Litauen, Polen und vielen anderen Ländern verehrt wird.
Nach so vielen Kirchen, Heiligen, Engeln und sakralen Meisterwerken war unser Kulturbedarf für heute allerdings mehr als gedeckt. Irgendwann erreicht selbst der motivierteste Kirchenbesucher seinen Tagesgrenzwert an Altären pro Stunde.
Also machten wir uns mit vielen neuen Eindrücken auf den Rückweg. Unterwegs besorgten wir uns noch frische leckere Teilchen. Schließlich muss man nach so viel Kultur auch wieder etwas für die Seele tun.
Nun freuen wir uns schon auf morgen, wenn wir weitere Schönheiten von Vilnius entdecken werden. Die Stadt hat bisher jedenfalls bewiesen, dass hinter jeder Ecke die nächste Überraschung wartet.Leer más

ViajeroWow, eine solche Fülle an Stuckfiguren haben wir bislang nur in Palermo gesehen 🤓

ViajeroSehr beeindruckend 🤩 … ich frage mich bei Burgen, Schlössern, Kirchen, ob das heute noch jemand so schön bauen könnte … mit der Technik von damals wohlgemerkt. Es sind Schätze von unermesslichem Wert. Euch weiterhin viele schöne Erlebnisse 🍀 🏰 ⛪️ ⛰️ 🌞
Abschied von Trakai
31 de mayo, Lituania ⋅ ☁️ 14 °C
Bevor wir uns heute endgültig von Trakai verabschiedeten, stand noch ein letzter Programmpunkt auf unserer Liste: die wunderschöne Villa Užutrakis. Da sie nur etwa 400 Meter von unserem Stellplatz entfernt lag, konnten wir den Tag mit einem gemütlichen Morgenspaziergang beginnen.
Schon der Weg dorthin war wunderschön. Das rund 80 Hektar große Anwesen erstreckt sich bis an den Galvė-See und bietet herrliche Ausblicke auf die Wasserlandschaft rund um Trakai. Besonders beeindruckend sind die zahlreichen Teiche, die einst vom Grafen angelegt wurden. Insgesamt sollen es rund 20 miteinander verbundene Teiche gewesen sein, die dem Park einen fast märchenhaften Charakter verleihen.
Die Villa selbst wurde Ende des 19. Jahrhunderts für Graf Józef Tyszkiewicz erbaut, einen Angehörigen einer der bedeutendsten Adelsfamilien Litauens. Nach den Wirren des 20. Jahrhunderts verfiel das Anwesen lange Zeit, bevor es aufwendig restauriert wurde.
Und die Restaurierung hat sich wirklich gelohnt. Besonders die Räume im Erdgeschoss haben uns begeistert. Kunstvoll gestaltete Decken, elegante Möbel, Gemälde und liebevoll restaurierte Details vermitteln noch heute einen Eindruck davon, wie die wohlhabende Oberschicht damals lebte. Im Obergeschoss und im Keller befinden sich wechselnde Ausstellungen, die dem historischen Gebäude zusätzlich Leben einhauchen.
Leider wird ein Teil des weitläufigen Geländes derzeit weitgehend sich selbst überlassen. Dadurch konnten wir nicht alle Bereiche erkunden. Aber vielleicht ist das auch Absicht – schließlich braucht ein Grafenpark heutzutage vermutlich auch eine kleine Wildnisabteilung.
Danach hieß es dann endgültig Abschied nehmen von Trakai und seinen Seen. Unser nächstes Ziel: Vilnius.
Dort angekommen bezogen wir Quartier am riesigen Akropolis-Einkaufszentrum am Stadtrand. Gerade rechtzeitig, denn der Himmel sah nicht gerade vertrauenserweckend aus. Also beschlossen wir kurzerhand, das schlechte Wetter für eine kleine Erkundungstour durch die Shoppingmall zu nutzen.
Und klein ist hier wirklich gar nichts. Das Akropolis gehört zu den größten Einkaufszentren Litauens und umfasst weit über 100.000 Quadratmeter Fläche. Neben unzähligen Geschäften gibt es Restaurants, Cafés, Freizeitangebote und sogar eine Eislaufbahn. Man könnte vermutlich morgens hineingehen und erst wieder herausfinden, wenn Weihnachten vor der Tür steht.
Während draußen die ersten Regentropfen fielen, schlenderten wir also durch die riesigen Einkaufspassagen. Nach Tagen voller Burgen, Kirchen, Klöster und Natur fühlte sich das fast wie ein kleiner Kulturschock an. Statt Vogelgezwitscher hörte man plötzlich Rollkoffer, Musik aus den Geschäften und das Rascheln von Einkaufstüten.
So endete unser Tag irgendwo zwischen litauischer Adelsgeschichte und modernem Konsumtempel. Und während Grisu draußen geduldig auf dem Parkplatz wartete, waren wir uns einig: Trakai war ein wunderbarer Abschluss unserer Seen-Abenteuer – und Vilnius verspricht schon jetzt die nächsten spannenden Entdeckungen.Leer más
Zwischen Engeln, Schilf und
30 de mayo, Lituania ⋅ ☁️ 14 °C
einem Traum von Sonnenuntergang
Nach unserem erlebnisreichen Tag in Trakai machten wir uns noch auf zu einem besonderen Ort, der nur wenige Kilometer von der berühmten Wasserburg entfernt liegt: dem Hill of Angels – auf Litauisch „Angelų Kalva“.
Eigentlich dachten wir, wir würden dort ein paar Skulpturen anschauen. Aber als wir ankamen, staunten wir nicht schlecht. Über 70 große Engelskreuze und Engelsfiguren stehen auf dem Hügel verteilt. Manche sind kunstvoll aus Holz geschnitzt, andere aus Metall oder Stein gefertigt. Jede Figur wurde von Künstlern, Gemeinden oder privaten Spendern gestiftet und hat ihre eigene Bedeutung.
Der Hill of Angels entstand erst im Jahr 2009 anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung Litauens. Die Engel sollen Frieden, Hoffnung, Glauben und den Schutz des Landes symbolisieren. Viele Besucher kommen hierher, um innezuhalten, die Aussicht zu genießen oder einfach die besondere Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.
Und Atmosphäre hat dieser Ort wirklich. Zwischen den Engelsfiguren weht der Wind über die Hügel, Glocken klingen leise und überall blickt man auf die wunderschöne Seenlandschaft rund um Trakai. Es ist ein Ort, der gleichzeitig friedlich, beeindruckend und irgendwie ein kleines bisschen mystisch wirkt.
Nach unserem Besuch hieß es dann aber: Schnell den Nachtplatz beziehen.
Wir hatten uns einen Stellplatz direkt an einem der zahlreichen Seen der Region ausgesucht. Die Landschaft rund um Trakai besteht aus einem ganzen Netz von Seen, Halbinseln, kleinen Inseln und bewaldeten Ufern. Über 200 Seen soll es allein in dieser Gegend geben. Kein Wunder also, dass man hier ständig Wasser sieht und sich manchmal fragt, ob man gerade an einem See, einer Bucht oder einer Insel vorbeifährt.
An unserem Platz angekommen fanden wir eine kleine Anlegestelle, umgeben von dichtem Schilf. Das Wasser lag spiegelglatt vor uns, nur gelegentlich zog eine Ente vorbei und hinterließ ihre Kreise auf der Oberfläche.
Und dann kam der große Auftritt des Abends.
Gegen halb zehn begann die Sonne langsam hinter den Bäumen zu versinken. Der Himmel färbte sich erst goldgelb, dann orange und schließlich tiefrot. Das Schilf spiegelte sich im Wasser und alles wirkte plötzlich wie ein perfekt gemaltes Landschaftsbild.
Selbst Grisu schien den Moment zu genießen. Zumindest stand er ungewöhnlich still da und knarzte ausnahmsweise mal nicht.
So saßen wir noch lange am Wasser, schauten auf den See und genossen die Ruhe. Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage war das genau der richtige Tagesabschluss.
„Manchmal braucht es keine Burg, keine Kirche und kein Museum. Manchmal reichen ein paar Engel auf einem Hügel, ein schöner Stellplatz am Wasser und ein Sonnenuntergang, der den Tag nicht schöner hätte verabschieden können.“Leer más
Trakai in Feierlaune
30 de mayo, Lituania ⋅ ☁️ 15 °C
Heute Morgen stand Trakai mit seiner berühmten Wasserburg ganz oben auf unserer Liste. Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Doch wie so oft auf Reisen hatte Trakai andere Pläne mit uns.
Bereits kurz vor der Innenstadt mussten wir feststellen, dass dort sämtliche Straßen gesperrt waren. Unser erster Gedanke war natürlich: „Na super, was jetzt?“ Also wurde kurzerhand umgeplant. Etwas außerhalb fanden wir schließlich einen Parkplatz am Friedhof. Nicht unbedingt die Lage, die man sich für einen entspannten Stadtbummel aussucht, aber immerhin stand Grisu sicher und wir konnten die Fahrräder ausladen.
Also hieß es: Aufsatteln und losradeln.
Als wir in der Innenstadt ankamen, war schnell klar, warum hier alles abgesperrt war. An diesem Wochenende fand das große Sommerfest von Trakai statt. Die gesamte Hauptstraße hatte sich in einen riesigen Markt verwandelt. Überall Stände mit regionalen Spezialitäten, Handwerkskunst, Souvenirs und allerlei Leckereien. Und wie es sich für gute Reisende gehört, mussten wir natürlich hier und da probieren. Rein aus kulturellem Interesse versteht sich.
So schlenderten wir erstmal gemütlich durch das bunte Treiben, beobachteten die Menschen und ließen uns von den Düften verführen. Es ist erstaunlich, wie oft man auf solchen Märkten eigentlich satt werden könnte, ohne jemals richtig essen zu gehen.
Schließlich erreichten wir den See. Von dort führt eine malerische Holzbrücke direkt zur berühmten Wasserburg von Trakai. Und genau dort wartete der nächste Wow-Moment.
Die Wasserburg von Trakai gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Litauens und ist tatsächlich die einzige echte Inselburg Osteuropas. Sie wurde im 14. Jahrhundert unter dem litauischen Großfürsten Kęstutis begonnen und später von seinem Sohn Vytautas dem Großen weiter ausgebaut. Die Burg diente einst als wichtige Residenz der litauischen Herrscher und spielte eine bedeutende Rolle bei der Verteidigung des Großfürstentums Litauen.
Nach Jahrhunderten des Verfalls wurde die Burg im 20. Jahrhundert aufwendig restauriert und rekonstruiert. Heute präsentiert sie sich wieder in ihrer ganzen Pracht mit ihren roten Backsteinmauern, den Türmen und den Innenhöfen. Die Ausstellungen im Inneren zeigen Waffen, Möbel, Dokumente und viele interessante Einblicke in die Geschichte Litauens.
Besonders schön ist die Lage mitten im See. Von allen Seiten von Wasser umgeben wirkt die Burg fast wie aus einem Märchenbuch. Eigentlich fehlte nur noch ein Ritter auf der Zugbrücke oder ein Drache über dem See.
Nach der Besichtigung meldete sich dann der kleine Hunger. Also gab es erstmal eine Stärkung, bevor wir uns wieder ins Festgetümmel stürzten.
Das Sommerfest von Trakai gehört zu den beliebtesten Veranstaltungen der Region. Jedes Jahr verwandelt sich die Stadt für ein Wochenende in eine große Bühne für Musik, Folklore, Tanz und traditionelle Handwerkskunst. Auf mehreren Bühnen treten Musiker, Chöre und Folkloregruppen auf und sorgen den ganzen Tag für beste Unterhaltung.
Wir lauschten den verschiedenen Musikgruppen, schauten den Tänzern zu und genossen einfach die fröhliche Atmosphäre. Überall wurde gelacht, getanzt und gefeiert. Die ganze Stadt schien auf den Beinen zu sein.
Am frühen Abend machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg zu Grisu. Nach einem Tag voller Marktstände, Musik, Geschichte und Menschenmassen freuten wir uns nun auf etwas Ruhe.
Also hieß es: Fahrräder verladen, Stellplatz suchen und den Tag gemütlich ausklingen lassen.
Und wieder einmal zeigte sich, dass die schönsten Reisetage oft genau die sind, die man ursprünglich gar nicht so geplant hatte.Leer más

ViajeroDas Sommerfest haben wir 2019 erlebt, wir standen auf einem Busparkplatz, als auf einmal die ganzen Gruppen kamen und sich aufstellten. Da waren wir ziemlich schnell weg

Womo TravelerWir waren uns da auch nicht sicher und bleiben bei unserem selbst gebackenem Brot.

Womo TravelerIch hatte vorher einen so lecker geräucherten Rinderschinken getestet und gekauft da wollte der gute Geschmack nicht unterbrochen werden 😄
Unser Tag in Kaunas
29 de mayo, Lituania ⋅ ☁️ 14 °C
Zwischen Abiturienten, Hochzeiten und ganz viel Backstein –
Heute Morgen wurden wir plötzlich unsanft aus unserer herrlichen Ruhe gerissen. Rund um unseren Stellplatz wurde es auf einmal deutlich lebhafter. Als wir neugierig aus dem Fenster schauten, stiegen dort plötzlich etwa 25 junge Menschen geschniegelt und gestriegelt aus mehreren Autos. Die jungen Frauen in schicken Kleidern, die Männer in Anzügen – unser erster Gedanke: Ah, eine Hochzeitsgesellschaft.
Beim genaueren Hinschauen merkten wir allerdings schnell, dass es sich um eine Abiturabschlussklasse mit ihrer Lehrerin handelte. Offenbar gehört es hier zur Tradition, gemeinsam an besondere Orte zu fahren und den Schulabschluss zu feiern. Einer nach dem anderen sagte einen kleinen Spruch – vermutlich Wünsche für die Zukunft – und anschließend ließen alle weiße Luftballons in den Himmel steigen. Das Ganze hatte irgendwie etwas sehr Schönes und Emotionales. Und gleichzeitig standen wir zwei mit Kaffeetassen daneben und beobachteten alles leicht verschlafen vom Stellplatz aus.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Kaunas. Und auch unterwegs begegneten uns ständig weitere Abiturienten in schicken Anzügen und Kleidern. Ganz Litauen schien heute entweder den Schulabschluss oder Hochzeit zu feiern.
In Kaunas fanden wir tatsächlich einen Parkplatz direkt neben der Burg Kaunas. Allein dafür hätten wir uns eigentlich schon selbst feiern können. Die Burg schauten wir uns allerdings nur von außen an. Die mittelalterliche Backsteinburg aus dem 14. Jahrhundert gehört zu den ältesten Burgen Litauens und wirkt mit ihren runden Türmen und den dicken Mauern ziemlich beeindruckend. Früher diente sie zur Verteidigung gegen den Deutschen Orden – heute verteidigt sie vor allem erfolgreich Fotomotive.
Danach ging es weiter zur St.-Georgs-Kirche der Franziskaner. Die Kirche wird derzeit renoviert, weshalb der eigentliche Altar abgebaut wurde. Stattdessen hängt dort momentan ein riesiges Bild des Altars in Originalgröße. Irgendwie eine kreative Lösung. Fast wie ein XXL-Poster mit der Aufschrift: „Der echte Altar ist gerade kurz weg.“
Kaunas selbst hat uns richtig gut gefallen. Die Stadt wirkt lebendig, gepflegt und angenehm entspannt. Besonders die Altstadt mit ihren vielen Backsteingebäuden und historischen Häusern hat richtig Charme.
Und dann waren da noch die Hochzeiten.
Vor dem wunderschönen Rathaus von Kaunas stapelten sich gefühlt die Brautpaare. In der kurzen Zeit, die wir im Zentrum unterwegs waren, sahen wir tatsächlich sieben Brautpaare. Überall weiße Kleider, Fotografen, Blumen und glückliche Menschen. Teilweise wusste man gar nicht mehr, welchem Brautpaar man jetzt eigentlich gratulieren müsste.
Das Rathaus selbst – oft auch „Weißer Schwan“ genannt – ist wirklich wunderschön. Mit seinem hohen weißen Turm wirkt es fast ein wenig märchenhaft mitten auf dem Platz.
Auch das berühmte Perkūnas-Haus schauten wir uns an. Das spätgotische Gebäude mit seiner roten Backsteinfassade gehört zu den bekanntesten Häusern der Stadt und sieht wirklich beeindruckend aus. Irgendwie wirkt es gleichzeitig elegant und ein kleines bisschen wie aus einem Fantasyfilm.
Die Vytautas-Magnus-Kirche konnten wir leider ebenfalls nur kurz anschauen, denn auch dort fand gerade eine Hochzeit statt. Direkt hinter der Kirche war bereits das nächste Brautpaar beim Sektempfang beschäftigt. Kaunas schien heute wirklich komplett im Hochzeitsmodus zu sein.
Die Kathedrale St. Peter und Paul konnten wir uns dann aber endlich in Ruhe ansehen. Von außen wirkt sie eher schlicht und zurückhaltend. Doch innen überrascht die riesige Kirche mit ihrer beeindruckenden Größe, den hellen Gewölben und den kunstvollen Altären. Wieder einmal so ein Bauwerk, bei dem man außen denkt: „Ganz nett“ – und innen plötzlich staunend stehen bleibt.
Am frühen Nachmittag machten wir uns schließlich auf den Weg Richtung Vilnius. Jetzt stehen wir in Trakai an einem wunderschönen See mitten im Wald. Ruhig, grün und genau der richtige Ort, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen.
Und morgen wartet schon das nächste Highlight auf uns.Leer más
Ein Tag am Kaunasser Stausee
28 de mayo, Lituania ⋅ ☀️ 7 °C
Heute Morgen war ich schon vor Sonnenaufgang wach. Und das ausnahmsweise mal nicht, weil irgendwo etwas geklappert oder gequietscht hätte, sondern freiwillig. Direkt vom Bett aus konnte ich beobachten, wie langsam die Sonne über dem Wasser aufging. Hier in Litauen beginnt der Tag wirklich früh – kurz vor 5 Uhr stand die Sonne bereits am Himmel.
Während draußen langsam alles heller wurde, schwammen Enten gemütlich vorbei und überall hörte man Vogelgezwitscher. Kein Straßenlärm, kein Stress, einfach nur Natur und absolute Ruhe. Es gibt diese seltenen Plätze auf Reisen, an denen man sofort merkt: Hier stimmt einfach alles. Und genau so ein Platz ist das hier.
Direkt an unserem Stellplatz befindet sich der Skulpturenpark „Lipantys iš vandens“ – auf Deutsch etwa „Die aus dem Wasser Steigenden“. Die Skulpturen wirken, als würden menschliche Figuren langsam aus dem Wasser auftauchen. Je nach Licht und Wetter sehen sie völlig unterschiedlich aus: mal geheimnisvoll, mal fast etwas unheimlich und manchmal einfach nur beeindruckend ruhig. Die Figuren sollen die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Wasser darstellen und symbolisieren gleichzeitig Aufbruch, Veränderung und das Leben im Einklang mit der Umgebung.
Besonders spannend ist dabei auch die Geschichte des Sees selbst. Der Kaunasser Stausee entstand in den 1950er Jahren durch den Bau eines Wasserkraftwerks an der Memel. Für den riesigen Stausee wurden damals mehrere Dörfer überflutet und ganze Landschaften verschwanden unter Wasser. Viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen und umsiedeln. Die Skulpturen erinnern symbolisch auch an diese verlorenen Orte und die Menschen, deren Heimat im Wasser versank.
Besonders morgens im Nebel oder bei Sonnenaufgang wirken die Skulpturen fast lebendig. Ehrlich gesagt musste ich beim ersten Blick kurz überlegen, ob dort wirklich Kunstwerke stehen oder jemand beschlossen hat, mitten im See spazieren zu gehen.
Nach dem Frühstück hieß es dann allerdings erstmal: Wellnessprogramm für Grisu.
Abschmieren stand auf dem Plan. Und wer einen alten Feuerwehr-LKW fährt, weiß: So ein Fahrzeug besitzt ungefähr genauso viele Schmiernippel wie ein mittelgroßer Bauernhof bewegliche Teile. Zum Glück war unser Stellplatz schön eben und der Untergrund angenehm glatt. Also Rollbrett raus und los ging die Expedition unter Grisu.
Wie ein Mechaniker auf geheimer Mission rollte ich unter dem alten Schweizer hin und her und versorgte brav jede Schmierstelle. Vermutlich sah das Ganze von außen aus, als würde ich versuchen, unter dem Wohnmobil zu wohnen.
Grisu genoss die Aufmerksamkeit jedenfalls sichtbar. Alte Fahrzeuge lieben sowas. Ein bisschen Fett hier, etwas Pflege dort und schon fühlt sich der alte Herr wieder wie ein junges Einsatzfahrzeug.
Den Rest des Tages verbrachten wir dann ganz professionell mit absolut nichts tun. Einfach die Landschaft genießen, aufs Wasser schauen, die Ruhe aufsaugen und den Gedanken freien Lauf lassen.
Und ganz ehrlich: Genau für solche Tage lieben wir diese Reise.Leer más
Kloster Mariä Verkündigung
27 de mayo, Polonia ⋅ 🌬 19 °C
Heute Morgen hieß es nach dem Frühstück erstmal: arbeiten. Ja, tatsächlich. Auch unterwegs holt einen der Alltag manchmal ein. Während andere vermutlich denken, wir sitzen den ganzen Tag nur mit Kaffee in der Sonne, wurde heute erstmal gearbeitet. Aber immerhin mit deutlich schönerer Aussicht als in vielen Büros dieser Welt.
Nach getaner Arbeit machten wir uns anschließend auf den Weg zum Kloster Mariä Verkündigung in Supraśl.
Schon von außen wirkt das orthodoxe Kloster unglaublich imposant. Die mächtigen Gebäude, die hellen Mauern und die markanten Türme verleihen der gesamten Anlage eine ganz besondere Ausstrahlung. Das Kloster gehört zu den bedeutendsten orthodoxen Klöstern Polens und wurde bereits im 16. Jahrhundert gegründet. Über viele Jahrhunderte war es ein wichtiges religiöses und kulturelles Zentrum der Region.
Besonders spannend ist die bewegte Geschichte des Klosters. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrfach zerstört, umgebaut und wieder aufgebaut. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Anlage schwere Schäden und Teile des ursprünglichen Klosters gingen verloren. Vieles wurde später liebevoll rekonstruiert. Heute verbindet der Ort Geschichte, Spiritualität und orthodoxe Tradition auf beeindruckende Weise.
Am Eingang gibt es übrigens keinen festen Eintrittspreis. Stattdessen spendet jeder einfach so viel, wie er möchte. Ein Konzept, das erstaunlich angenehm wirkt. Keine riesigen Preisschilder, keine Diskussion über Familientickets und kein Gefühl, beim Kircheneingang versehentlich ein Konzertticket kaufen zu müssen.
Immer zur vollen Stunde finden Führungen statt – allerdings ausschließlich auf Polnisch. Das bedeutete für uns mal wieder: aufmerksam schauen, freundlich nicken und an den Stellen beeindruckt gucken, an denen vermutlich etwas besonders Wichtiges erklärt wurde. Inzwischen sind wir darin erstaunlich professionell geworden.
Nach der Besichtigung setzten wir unsere Reise weiter Richtung Norden fort. Und plötzlich waren wir einfach in Litauen. Ohne Grenzstation, ohne Kontrolle und ohne großes Schild mit dramatischer Musik im Hintergrund. Genau das ist wirklich das Schöne an Europa. Eben noch Polen – fünf Minuten später Litauen.
Kurz vor der Grenze bekam Grisu allerdings noch einmal einen randvollen Tank. Denn Diesel ist in Polen fast 30 Cent günstiger als in Litauen. Und bei einem alten Mercedes 1120er mit großem Tank entwickelt man plötzlich erstaunliches Talent im internationalen Kraftstoffpreisvergleich.
Jetzt stehen wir im Regionalpark Lagune von Kaunas direkt an der Memel auf einem wunderschönen Stellplatz unmittelbar am Wasser. Ruhig, grün und mit perfektem Ausblick für den Abend.
Während die Sonne langsam über dem Wasser verschwindet und Grisu gemütlich am Ufer steht, fühlt sich dieser Reisetag mal wieder genau so an, wie wir uns unsere Sommerreise vorgestellt haben: ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Kultur und zwischendurch ganz normale Dinge wie Arbeiten und Dieselpreise vergleichen.Leer más

ViajeroFindet man das im ländlichen Polen häufiger mit den Führungen, kann man manche Orte ansonsten nicht besuchen?
Morgengesang auf dem heiligen Berg
26 de mayo, Polonia ⋅ 🌬 24 °C
Da die Kirche auf dem heiligen Berg Grabarka gestern Abend leider geschlossen war, ließ mir das Ganze keine Ruhe. Also machte ich mich heute Morgen ganz früh noch einmal alleine auf den Weg den Berg hinauf. Und diesmal hatte ich Glück.
Schon bevor ich die Kirche erreichte, hörte ich wunderschönen Gesang aus dem Inneren. Als ich vorsichtig die Tür öffnete, saßen dort drei Nonnen und ein orthodoxer Priester hielt gerade die Messe. Also setzte ich mich still ganz nach hinten und lauschte einfach nur.
Und was soll ich sagen: Das war wirklich etwas ganz Besonderes.
Eine orthodoxe Messe unterscheidet sich deutlich von dem, was man aus katholischen Kirchen kennt. Es wird erstaunlich wenig gesprochen – stattdessen wird fast alles gesungen. Die Gebete, die Antworten, die Liturgie… alles klingt wie ein durchgehender Gesang. Dazu dieser mehrstimmige Choral der Nonnen, der komplett ohne Instrumente die kleine Holzkirche erfüllte. Das Ganze hatte etwas unglaublich Ruhiges und Feierliches.
Durch den Weihrauch, das warme Licht und die alten Ikonen wirkte die Atmosphäre fast zeitlos. Obwohl ich kein Wort verstanden habe, war die Stimmung unglaublich beeindruckend. Eigentlich wollte ich nur kurz hineinschauen… am Ende blieb ich die komplette Messe dort sitzen und hörte einfach zu.
Und ganz ehrlich: Selten hat mich eine Messe so ruhig und beeindruckt zurückgelassen.
Nach diesem besonderen Erlebnis ging es zurück zu Grisu, wo erstmal Frühstück angesagt war. Anschließend machte ich mich gemeinsam mit Andrea noch einmal auf den Weg den Berg hinauf – schließlich sollte sie diesen besonderen Ort auch noch erleben.
Danach fuhren wir weiter nach Białystok, der Hauptstadt der Woiwodschaft Podlachien im Osten Polens. Dort schauten wir uns als erstes den beeindruckenden Branicki-Palast an.
Der Palast wird oft als das „polnische Versailles“ bezeichnet – und wenn man davorsteht, versteht man auch warum. Das prachtvolle Gebäude mit seinen eleganten Fassaden, den Türmen und den kunstvoll angelegten Gärten wirkt unglaublich majestätisch. Besonders der Park rund um den Palast ist wunderschön gestaltet: Symmetrische Wege, Blumenbeete, Figuren und perfekt angelegte Grünflächen. Man merkt sofort, dass hier früher nicht einfach gewohnt, sondern ordentlich repräsentiert wurde.
Danach besuchten wir noch die Cathedral Basilica of the Assumption of the Blessed Virgin Mary. Leider wird die Kirche außen momentan renoviert, weshalb sie teilweise hinter Gerüsten verschwindet. Trotzdem beeindruckt der riesige Bau aus roten Ziegelsteinen sofort.
Im Inneren wirkt die Kirche deutlich schlichter als manche der prunkvollen Kathedralen, die wir bisher gesehen haben. Aber genau das macht ihren besonderen Charme aus. Besonders die hohen Säulen und die harmonische Architektur wirken sehr elegant und ruhig. Keine völlige Goldexplosion, kein barocker Überfall auf die Augen – sondern einfach eine sehr schöne und beeindruckende Kirche.
Nach einem kleinen Rundgang über den Marktplatz machten wir uns schließlich auf den Weg ins nahe gelegene Supraśl.
Und natürlich fanden wir auch dort wieder einen herrlich ruhigen Platz direkt am Fluss unterhalb des Klosters. Langsam entwickeln wir wirklich ein Talent dafür, die schönsten Stellplätze aufzuspüren.
Jetzt sitzt Grisu wieder gemütlich zwischen Bäumen und Wasser, während der Abend langsam ruhig wird. Und nach einem Tag voller Gesänge, Kirchen, Paläste und Eindrücke genießen wir einfach die Ruhe am Fluss.Leer más

Womo TravelerNein da kommen wir nicht mehr vorbei. Morgen geht’s weiter Richtung Kaunas.
Ein Abend auf dem heiligen Berg Grabarka
25 de mayo, Polonia ⋅ ⛅ 24 °C
Am frühen Abend erreichten wir einen ganz besonderen Ort unserer Reise:
Krzyże pątnicze na Górze Grabarce – den heiligen Berg Grabarka.
Schon bei der Ankunft merkten wir sofort, dass dieser Ort eine ganz besondere Atmosphäre besitzt. Direkt in der Nähe des heiligen Berges fanden wir einen wunderschönen Stellplatz mitten im Wald. Ruhig, grün und genau die Sorte Platz, bei der man sofort denkt: „Hier bleiben wir.“
Natürlich zog es mich direkt hinauf zur berühmten Pilgerstätte. Und ganz ehrlich: Der erste Blick auf die unzähligen Kreuze ist wirklich überwältigend. Tausende Holzkreuze stehen dicht an dicht zwischen den Bäumen verteilt. Kleine Kreuze, große Kreuze, verwitterte, neue, schiefe und kunstvoll geschnitzte Kreuze – überall Kreuze. Ich war wirklich total erstaunt über diese gewaltige Menge.
Der heilige Berg Grabarka gilt als wichtigster orthodoxer Wallfahrtsort Polens. Seine Geschichte reicht mehrere hundert Jahre zurück. Besonders bekannt wurde der Ort Anfang des 18. Jahrhunderts während einer Choleraepidemie. Der Überlieferung nach sollen Menschen hier Heilung gefunden haben, nachdem sie mit einem Kreuz auf den Berg gepilgert waren und aus der Quelle am Berg getrunken hatten. Seitdem bringen Gläubige aus Dankbarkeit, Hoffnung oder zum Gebet ihre Kreuze hierher. Jedes einzelne Kreuz erzählt dabei vermutlich seine ganz eigene Geschichte.
Mitten zwischen all diesen Kreuzen steht die wunderschöne orthodoxe Holzkirche. Leider war sie bereits geschlossen, als ich ankam. Aber allein von außen ist sie beeindruckend. Die Kirche wurde komplett aus Holz gebaut und besitzt diese typische orthodoxe Bauweise mit dunklem Holz, kunstvollen Details und den markanten Zwiebeltürmen. Sie wirkt fast ein wenig wie aus einem alten Märchenfilm – still, geheimnisvoll und perfekt passend zu diesem mystischen Ort.
Und mystisch ist Grabarka wirklich. Besonders am Abend, wenn kaum noch Menschen dort sind und nur der Wind durch die Bäume rauscht. Da der Souvenirshop bereits geschlossen hatte – natürlich gibt es auch hier einen Souvenirshop, schließlich endet selbst Spiritualität irgendwann an der Kasse – hatte ich den gesamten Kreuzberg fast für mich alleine.
Zwischen den tausenden Kreuzen herrschte eine unglaubliche Ruhe. Irgendwie gleichzeitig friedlich, ehrfürchtig und leicht geheimnisvoll. Ehrlich gesagt hätte es mich nicht überrascht, wenn plötzlich irgendwo ein orthodoxer Mönch mit Laterne aus dem Wald aufgetaucht wäre.
Nach dem Besuch ging es zurück zu Grisu wo Andrea schon auf mich wartete. Dort hieß es erstmal: Außenküche aufbauen und Abendessen kochen. Und genau dafür lieben wir solche Stellplätze. Mitten im Wald kochen, die Ruhe genießen und den Tag langsam ausklingen lassen – viel besser kann Reisen eigentlich nicht werden.
Während irgendwo die Vögel ihr Abendkonzert gaben und der Duft vom Essen durch den Wald zog, waren wir uns einig: Dieser Ort gehört definitiv zu den außergewöhnlichsten und eindrucksvollsten Stationen unserer Reise.Leer más
Nationalpark Polesie
25 de mayo, Polonia ⋅ ☁️ 22 °C
Zwischen Holzstegen, Blütenduft und einem flüchtenden Elch – Unterwegs im Osten Polens
Nach einem herrlich entspannten Frühstück in der Sonne – inzwischen fast schon ein kleines Wunder auf dieser Reise – und nachdem wieder alles fein säuberlich an Ort und Stelle verräumt war, machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Osten.
Unterwegs lag der Nationalpark Polesie auf unserer Route. Und natürlich konnten wir da nicht einfach vorbeifahren. Also hieß es: Fahrräder runter vom Grisu und ab in die Natur.
Der Polesie-Nationalpark gehört zu den ursprünglichsten Landschaften Polens. Die Gegend ist bekannt für ihre riesigen Moor- und Sumpfgebiete, stille Seen, dichte Wälder und eine erstaunlich vielfältige Tierwelt. Hier leben seltene Vogelarten, Biber, Elche und vermutlich auch Mücken mit Kampfausbildung. Zum Glück hielten sich Letztere weitestgehend zurück.
Unsere kleine Tour führte über wunderschöne Holzstege zuerst zu einem idyllischen See und anschließend weiter durch den Wald. Und dieser Wald wirkte heute fast märchenhaft. Der Boden war übersät mit kleinen weißen Blüten und überall lag ein unglaublich angenehmer Duft in der Luft. Irgendwo zwischen Frühlingswald, Blumenwiese und Naturparfüm.
Und dann passierte plötzlich das, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten: Wir scheuchten tatsächlich einen Elch auf. Offenbar hatten wir ihn bei unserer gemütlichen Fahrradtour aus seinem Mittagsschlaf geweckt. Mit einem ordentlichen Satz verschwand er plötzlich zwischen den Bäumen und war schneller weg, als wir überhaupt realisieren konnten, was da gerade passiert. Natürlich waren wir viel zu langsam für ein Foto. Wie immer bei solchen Momenten: Erst staunen, dann Kamera suchen und am Ende nur noch raschelnde Büsche sehen.
Man fährt dort ganz entspannt entlang, hört nur Vogelgezwitscher und das Knarzen der Holzstege unter den Reifen. Ehrlich gesagt hätten nach dem Elch jederzeit auch noch Elfen oder Waldgeister auftauchen können und wir hätten es vermutlich einfach akzeptiert.
Nach rund 13 Kilometern erreichten wir schließlich wieder unseren treuen Grisu, der geduldig am Parkplatz auf uns wartete. Und weil Radfahren durch duftende Wälder natürlich anstrengend ist, gab es erstmal eine wohlverdiente Kaffeepause – inklusive leckerer Teilchen. Schließlich müssen Reisende ihre Kräfte sinnvoll einteilen.
Danach setzten wir unsere Fahrt Richtung Osten fort und genossen noch lange die ruhigen Straßen, die Natur und diesen wunderschönen Reisetag irgendwo mitten im grünen Osten Polens.Leer más
Ein stiller Tag in Majdanek
24 de mayo, Polonia ⋅ ☁️ 24 °C
Nach einer ruhigen und angenehm warmen Nacht konnten wir heute Morgen zum ersten Mal ganz entspannt draußen frühstücken. Was für ein Gefühl nach all dem Regen zu Beginn unserer Reise. Die Sonne, frischer Kaffee und einfach draußen sitzen – manchmal sind es genau diese kleinen Momente, die unterwegs besonders schön sind.
Nach dem Frühstück bereitete Andrea schon alles für unser heutiges Grillen am Abend vor. Grillen… das fühlte sich fast schon an wie ein kleines Stück Sommerurlaub, das wir lange vermisst hatten. Während Andrea marinierte, schnippelte und organisierte, kümmerte ich mich darum, den Grill endlich wieder einsatzbereit zu machen.
Anschließend fuhren wir mit den Fahrrädern zum ehemaligen Konzentrationslager Majdanek in Lublin.
Schon bei der Anfahrt verändert sich die Stimmung. Majdanek liegt nicht versteckt irgendwo abgelegen, sondern direkt am Rand der Stadt. Genau das macht diesen Ort noch bedrückender. Das Konzentrations- und Vernichtungslager wurde während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg errichtet. Zehntausende Menschen wurden hier inhaftiert, gequält und ermordet. Juden, politische Gefangene, Kriegsgefangene und viele andere Opfergruppen litten hier unter unmenschlichen Bedingungen.
Heute sind große Teile des Lagers erhalten geblieben. Die langen Reihen der Baracken, die Wachtürme, Zäune und Wege machen das Ausmaß dieses Ortes erschreckend greifbar. Man läuft dort entlang und spürt eine bedrückende Stille, obwohl viele Besucher unterwegs sind.
Besonders tief beeindruckt hat uns das „Mauzoleum Pomnika Walki i Męczeństwa“, das Mausoleum des Kampfes und Martyriums. Das monumentale Bauwerk steht am Ende des ehemaligen Lagergeländes und erinnert an die Opfer von Majdanek. Unter der gewaltigen Kuppel befindet sich Asche der Ermordeten – ein Ort des stillen Gedenkens und der Mahnung. Die monumentale Architektur wirkt schwer und bedrückend und genau das soll sie vermutlich auch sein.
Was wir dort gesehen haben, hat mich sprachlos gemacht.
Es ist kaum in Worte zu fassen, welches Leid den Menschen an diesem Ort angetan wurde. Die Dimension der Grausamkeit, die systematische Entmenschlichung und das Wissen, dass all dies von Menschen geplant und durchgeführt wurde, erschüttert zutiefst.
Man verlässt einen Ort wie Majdanek anders, als man ihn betreten hat.
Tief beeindruckt und nachdenklich fuhren wir später zurück zu unserem Stellplatz. Heute war keiner dieser Reisetage voller Abenteuer oder Leichtigkeit. Heute war ein Tag des Erinnerns und des stillen Nachdenkens darüber, wie wichtig Menschlichkeit, Respekt und Frieden sind.
Am Abend werden wir sicher gemeinsam draußen sitzen, grillen und die Ruhe genießen. Und vielleicht gerade deshalb bewusster als sonst.Leer más

ViajeroMein Großvater war in Buchenwald ich hab erst kürzlich die Dokumente dazu im Internet gefunden. Originale zu seiner vierjährigen Haft. Geschichte wird ist wohl vielen Schulen inzwischen gar nicht mehr im Lehrplan. Ich hab noch Originalfilme zu KZs gesehen als Schüler heute möchte man das den Kinder vermutlich nicht zumuten. Das Holocaust Museum in Berlin ist sehr beeindruckend und einen Besuch wert.

Viajero
Das sind ja Bilder des Grauens hoffentlich kommt sowas nicht noch einmal LG Mama

Viajero
Ganz furchtbar, wenn ich das sehe ,bekomm ich selbst nur von den Fotos Gänsehaut und Übelkeit
Durch die Obstkammer Polens
23 de mayo, Polonia ⋅ ☁️ 22 °C
Heute stand die Weiterreise nach Lublin auf dem Programm. Von Kielce aus ging es immer weiter Richtung Osten – und unterwegs hatten wir plötzlich das Gefühl, mitten durch einen gigantischen Obstkorb zu fahren.
Unsere Strecke führte uns durch die berühmte Obstkammer Polens. Kilometerweit reihten sich riesige Apfel- und Birnenplantagen aneinander. Dazwischen endlose Felder mit Johannisbeeren, Himbeeren und anderen Obstsorten. Teilweise sah man wirklich bis zum Horizont nur Obstbäume und Plantagen. Wenn irgendwo plötzlich ein einzelner Baum ohne Früchte stand, wirkte er fast schon fehl am Platz.
Polen gehört tatsächlich zu den größten Apfelproduzenten Europas und genau durch diese Regionen sind wir heute gefahren. Besonders rund um Ostpolen und die Gebiete Richtung Lublin wird unglaublich viel Obst angebaut. Überall kleine Höfe, landwirtschaftliche Betriebe und Menschen, die scheinbar genau wissen, wie man perfekte Äpfel produziert.
Was uns dabei immer wieder auffällt: Wie ordentlich und sauber hier alles wirkt. Die kleinen Orte, die Gärten, die Straßen – selbst entlang der Landstraßen liegt kaum Müll herum. Keine überquellenden Straßengräben, keine wilden Müllsammlungen und kein kaputtes Sofa am Waldrand. Irgendwie wirkt alles gepflegt und aufgeräumt. Man ertappt sich fast dabei, automatisch langsamer zu fahren, weil man ständig links und rechts schauen möchte.
Die Fahrt selbst war unglaublich entspannt. Kleine Straßen, viel Natur und immer wieder diese endlosen Obstplantagen. Ehrlich gesagt hatten wir irgendwann ständig Lust auf Apfelkuchen.
Jetzt bleiben wir erstmal über Pfingsten hier in Lublin – genauer gesagt etwa fünf Kilometer außerhalb der Stadt auf einem kleinen gemütlichen Stellplatz. Nach den letzten Tagen voller Eindrücke tut ein etwas ruhigerer Abend richtig gut.Leer más
Besuch im Kloster Jasna Góra
22 de mayo, Polonia ⋅ ⛅ 21 °C
Gestern war erstmal ein wohlverdienter Pausentag am kleinen See. Einfach mal nichts tun, die Ruhe genießen und Grisu ebenfalls ein wenig Erholung gönnen. Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage tat das richtig gut.
Heute Morgen führte uns unsere Reise dann weiter nach Częstochowa zum berühmten Kloster Jasna Góra – einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Polens. Und schon bei der Ankunft merkt man sofort: Das hier ist nicht einfach nur ein Kloster. Das ist eine Mischung aus Festung, Pilgerzentrum, Sehenswürdigkeit und spirituellem Ausnahmezustand.
Jedes Jahr reisen hier Millionen Pilger an. Besonders zu den großen Wallfahrten ziehen tausende Menschen oft tagelang zu Fuß nach Jasna Góra, um vor dem berühmten Gnadenbild der Schwarzen Madonna von Częstochowa zu beten. Dieses Bild gilt für viele Gläubige als wundertätig und ist das Herzstück der gesamten Anlage.
Die Dimensionen des Klosters sind wirklich enorm. Riesige Höfe, lange Gänge, mächtige Mauern und überall beeindruckende Gebäude. Besonders die Basilika hat uns sofort beeindruckt. Die prachtvollen Deckengemälde, die vergoldeten Säulen und die unzähligen Figuren wirken fast überwältigend. Man schaut ständig nach oben, weil es überall etwas zu entdecken gibt. Irgendwann bekommt man automatisch leichte Nackenschmerzen vom Dauer-Staunen.
Einen besonders guten Überblick über die riesige Anlage konnte ich mir vom Glockenturm verschaffen. Fast ganz oben angekommen liegt einem das gesamte Kloster zu Füßen. Von dort oben erkennt man erst richtig, wie gewaltig die gesamte Anlage eigentlich ist. Und nebenbei merkt man auch, dass Kirchtürme grundsätzlich immer exakt so viele Treppen haben, dass man oben außer Atem ankommt.
Besonders eindrucksvoll war die Kapelle des wundertätigen Bildes der Schwarzen Madonna. Dort saßen und standen viele Gläubige, beteten und sangen Psalmen auf Polnisch. Trotz der vielen Menschen herrschte eine ganz besondere Atmosphäre. Gleichzeitig wirken die Wände mit all den aufgehängten Rosenkränzen, Krücken und Stöcken fast surreal. Viele dieser Gegenstände wurden offenbar von geheilten oder dankbaren Gläubigen zurückgelassen.
Und genau dort kamen bei mir auch gemischte Gedanken auf. Einerseits ist die Atmosphäre unglaublich beeindruckend und emotional. Andererseits wirkt der enorme Prunk manchmal etwas befremdlich. Gold, Verzierungen, Souvenirshops und überall religiöser Kommerz passen für mich nicht immer ganz zu dem Bild von Bescheidenheit und Demut, das man eigentlich mit einem Kloster verbindet. Manchmal hatte man fast das Gefühl, zwischen Pilgerstätte und religiösem Einkaufszentrum unterwegs zu sein.
Trotzdem war der Besuch unglaublich spannend und eindrucksvoll. Man spürt dort sofort die enorme Bedeutung dieses Ortes für viele Menschen.
Nach der Besichtigung machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Osten. Jetzt stehen wir erneut an einem kleinen See und genießen die Ruhe des Abends. Nach so viel Gold, Glockengeläut und Menschenmassen fühlt sich das Plätschern des Wassers plötzlich besonders entspannend an.
Und Grisu? Der steht wie immer ganz gelassen da – vermutlich der einzige heute, der komplett ohne Wallfahrt ausgekommen ist.Leer más

Viajero"religiöses Einkaufszentrum" trifft's sehr gut. Und die stoische Haltung von Grisu vielleicht deshalb, weil er als Schweizer dasselbe vom Kloster Einsiedeln bereits kennt. (-;

Viajero
Kein Problem ihn wiederzufinden😉, ja und das Kloster,so kennt man es oft an berühmten heiligen Stätten, mit spirituellem Materialismus
320 Meter unter der Erde
20 de mayo, Polonia ⋅ ⛅ 22 °C
Nach unserer gemütlichen Mittagspause hieß es: weiterfahren nach Zabrze. Dort stand ein ganz besonderes Highlight auf unserer Liste – das Bergwerksmuseum Guido. Und was sollen wir sagen: Das war definitiv nichts für Menschen mit Platzangst oder schwachen Nerven.
Schon der Beginn hatte etwas von einer Mischung aus Abenteuerfilm und Industriegeschichte. Mit einem Förderkorb ging es erstmal ganze 320 Meter tief unter die Erde. Und wenn sich die Türen schließen und man plötzlich mit ordentlich Tempo in die Tiefe rauscht, merkt man erst, wie weit unten 320 Meter eigentlich wirklich sind. Irgendwann denkt man automatisch: „Jetzt müsste man doch langsam mal angekommen sein…“
Unten angekommen erwartete uns eine etwa zweistündige Führung durch das ehemalige Steinkohlebergwerk. Leider komplett auf Polnisch. Das bedeutete für uns: sehr konzentriert schauen, freundlich nicken und hoffen, dass man an den richtigen Stellen beeindruckt wirkt. Immerhin versteht man unter Tage auch ohne Sprache ziemlich schnell, wie hart und gefährlich die Arbeit dort früher gewesen sein muss.
Das Bergwerk Guido ist eines der beeindruckendsten Bergbaumuseen Polens. Früher wurde hier tatsächlich aktiv Kohle gefördert. Heute kann man tief unter der Erde durch kilometerlange Gänge laufen und die riesigen Maschinen bestaunen. Besonders faszinierend war, dass viele Anlagen extra für die Besucher angeschaltet wurden. Plötzlich setzen sich gigantische Förderbänder in Bewegung, Maschinen rattern los und überall dröhnt und scheppert es wie früher im echten Bergwerksbetrieb.
Und ganz ehrlich: Das ist schon gewaltig. Diese riesigen Maschinen wirken unter Tage nochmal doppelt so groß. Man steht daneben und fühlt sich plötzlich ungefähr so klein wie einer der Breslauer Zwerge. Gleichzeitig bekommt man großen Respekt vor den Bergarbeitern, die dort unten früher täglich gearbeitet haben – oft unter extrem schwierigen Bedingungen.
Besonders beeindruckend ist auch die Größe der gesamten Anlage. Das Streckennetz zieht sich über viele Kilometer durch den Untergrund und wirkt fast wie eine kleine unterirdische Stadt. Teilweise vergisst man komplett, dass über einem noch ganz normal Menschen, Autos und Häuser existieren.
Zwischendurch hatte die Führung fast etwas Surreales. Tief unter der Erde, überall dunkle Tunnel, Maschinenlärm und dazu polnische Erklärungen, von denen wir ungefähr jedes zwanzigste Wort verstanden haben. Aber genau das machte den Besuch irgendwie noch spannender. Man konzentriert sich automatisch viel stärker auf das, was man sieht und hört.
Nach zwei Stunden unter Tage waren wir jedenfalls wieder froh, das Tageslicht zu sehen. Frische Luft fühlt sich plötzlich deutlich luxuriöser an, wenn man gerade noch 320 Meter unter der Erde unterwegs war.
Und während wir später wieder zu Grisu zurückliefen, waren wir uns einig: Heute haben wir definitiv den tiefsten Punkt unserer Reise erreicht – im wahrsten Sinne des Wortes.
Am Abend haben wir einen wunderschönen Stellplatz oberhalb eines kleinen See gefunden.Leer más






















































































































































































































































































































































































































































































































































Viajero
Das sieht ja schon sehr schön aus.das ist ja ein riesiges Moor Gebiet .Aber tolle Pracht Bauten, mit sehr schönen Anlagen. LG Mama
SirHenry-macht-Urlaub.deTolles Haus😍