• Spaziergänge mit Hilde
obecny
  • Spaziergänge mit Hilde

Eine Pilgerreise ins Leben

Es wird ein Weg der kleinen Schritte sein. Im Inneren und im Äußeren. Czytaj więcej
  • Tag Sechsunddreißig

    24–25 maj, Niemcy ⋅ 🌙 17 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.617
    24/05/2026
    Calvörde

    Es ist schon Mitternacht, als ich schlafen gehe. Hilde hechelt so laut, dass es mein Schlafapnoegerät übertönt. Mach ich den Ventilator aus, wird die Luft im Bus unerträglich. Ich liege wach, Ventilator an, T-Shirt auch, unter der Decke ist es heiß.

    Hilde liegt an den Pedalen, auf dem Sitz, neben der Bank. Jeder Wechsel ist mit Unruhe verbunden. Vielleicht bin ich grade einen Moment eingeschlafen.

    Irgendwann um zwei Uhr muss Hilde raus, die Leine bewegt sich hierhin, dahin, wird plötzlich straff. Es dauert, bis sie endlich wieder einsteigt. Licht kann ich wegen den Mücken nicht anmachen. Sie hechelt, legt sich aber schlafen.

    Halb vier schaue ich auf die Uhr und stell den Wecker aus. Dann schlafe ich bis halb sieben, schreibe der Tochter, sie mögen klopfen und Hilde mitnehmen, ich habe Krämpfe im linken Bein, kann nicht aufstehen.

    Während Hilde unterwegs ist, ziehe ich meine Stützstrümpfe an, bereits ihr Frühstück vor, trinke mein Fitline mit den Medikamenten. Blutverdünner, Blutdrucksenker, Stabilisator gegen Vorhofflimmern, Schilddrüse.

    Wir legen uns wieder schlafen und werden zwei Stunden später wach. Wind durch die geöffnete Seitentür einerseits, Ventilator andererseits, eine Reiterin kommt vorbei. Die anderen Pferde in der Koppel hinter uns wiehern ihr nach. Ich denke an Frühstück, muss mich aber erstmal waschen.

    Der Himmel ist blau mit Schlieren. Vogelgesang und Zirpengeräusch. Ich muss Husten. Hin und wieder ein Auto im schnellen Verkehr. Frohe Pfingsten. Mein Besuch hat ihre Tür geöffnet, mehr kann ich nicht durch die runtergerutschte Verdunklung an der Windschutzscheibe sehen.

    Eine Autotür klappt zu, Hilde setzt sich hin, lauscht auf mögliche Schritte. Mein Sohn schickt eine Nachricht, das Handy klingelt.

    Unser Besuch steht im luftigen Kleid im Frühsommerwind, beschenkt uns reich, und ist abreisebereit. Wir haben schöne Tage zusammen gehabt, verabreden uns locker für Ende September im Norden von Berlin an irgendeinem schönen See im Neuruppiner Land vielleicht.

    Dann startet der Motor, sie verlässt die Damm-Mühle, biegt auf die Landstraße ein. Wir sind alleine im Wind.

    Am Mittag kommt der Schwiegersohn mit Cronos, ich habe gerade zu Ende gefrühstückt. Auf gar keinen Fall, hörst du jetzt hier auf zu gehen, sagt er, als ich erschöpft mich nach vorne beuge. Ich laufe hier extra wegen dir.

    Ich schaffe den nächsten Baum, tausendvierhundert Meter, als wir am Bus zurück sind. Hilde wirft sich in die Ecke und schläft. Der Nachmittag plätschert vorbei, ich fühle mich außerstande zu lesen, aber auch zu schlafen, obwohl das bestimmt traumhaft wäre. Aber wenn ich die Tür schließe, verschwindet die Luft um Bus.

    Hilde hat drei Stunden platt in der Ecke gelegen und fiept um halb fünf ein zwei Mal. Schiebe ihr ein Leckerli ins Maul.

    Auf dem Hof ist reger Reitbetrieb, wir spazieren zur Bank, die für Hilde einen Schatten wirft. Hier sind wir mehr oder weniger die ganze Zeit. Zwischendrin nette Gespräche mit jungen Menschen, ich bewundere ihre Lebensfreude, ihre liebevolle Art mit Hilde umzugehen.

    Immer mal ein Schwätzchen mit meiner Tochter oder dem Schwiegersohn. Jeder genießt den Tag in seiner Weise. Den ganzen Tag haben wir Wind, das ist schön. Jetzt sitzen wir im Bus, Hilde hat Hunger, die Sonne steht auch um acht Uhr noch recht hoch, der Turmfalke rüttelt in ihrem Licht.

    Kurz darauf taucht das Weihenpaar auf, und kreist vielleicht um das Gelege des Falken, denn dieser sorgt vehement dafür, dass die großen Vögel den Bereich verlassen. Für mich die Gelegenheit, noch ein bisschen zu filmen.

    Hilde fiept und will raus, legt sich vor die geöffnete Bustür. Die muss nicht mal, will einfach nicht im Bus sein. Keine Ahnung, was da in ihr vorgeht. Aber weil sie Radfahrern nachläuft, muss ich sie festfinden, damit ich mich um den Abendrhythmus kümmern kann.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,617
    May 24, 2026
    Calvörde

    It is already midnight when I go to bed. Hilde is panting so loudly that she drowns out the sound of my sleep apnea machine. If I turn off the fan, the air inside the bus becomes unbearable. I lie awake—fan on, T-shirt on—while it feels stiflingly hot beneath the blanket.

    Hilde lies by the pedals, on the seat, beside the bench. Every time she moves, it brings a sense of restlessness. Perhaps I drifted off for just a moment.

    Sometime around two o'clock, Hilde needs to go out; her leash shifts this way and that, then suddenly goes taut. It takes a while before she finally climbs back inside. I can't turn on the light because of the mosquitoes. She continues to pant, but settles down to sleep.

    At half past three, I check the time and turn off my alarm. Then I sleep until half past six, at which point I text my daughter, asking her to knock and take Hilde out, as I am suffering from cramps in my left leg and cannot get up.

    While Hilde is out, I put on my compression stockings, prepare her breakfast in advance, and drink my FitLine along with my medications—blood thinners, blood pressure reducers, a stabilizer for atrial fibrillation, and thyroid medication.

    We lie back down to sleep and wake up two hours later. There is a breeze blowing in through the open side door on one side, and a fan running on the other; a horsewoman rides past. The other horses in the paddock behind us whinny after her. I start thinking about breakfast, but first, I need to wash up.

    The sky is blue with wispy streaks of cloud. I hear birdsong and the chirping of insects. I have a coughing fit. Every now and then, a car rushes past in the traffic. Happy Pentecost. My visitor has opened her door; that is all I can see past the blackout shade that has slipped down over the windshield.

    A car door slams shut; Hilde sits up, listening for the sound of footsteps. My son sends a message; my mobile phone rings.

    Our visitor stands there in the early-summer breeze, wearing a light, airy dress; she has showered us with gifts and is now ready to depart. We have spent some lovely days together and make tentative plans to meet again at the end of September—perhaps somewhere north of Berlin, by a beautiful lake in the Neuruppin region.

    Then the engine starts; she leaves the Damm-Mühle and turns onto the country road. We are alone in the wind.

    At noon, my son-in-law arrives with Cronos; I have just finished breakfast. "Absolutely not—you are not stopping your walking here," he says as I lean forward in exhaustion. "I came all the way out here specifically for you."

    I make it to the next tree—fourteen hundred meters—by the time we get back to the bus. Hilde collapses into the corner and falls asleep. The afternoon drifts by; I feel unable to read, yet also unable to sleep—though that would surely be blissful. But if I close the door, the air inside the bus seems to vanish.

    Hilde has been lying flat out in the corner for three hours; around four-thirty, she lets out a little whimper once or twice. I slip a treat into her mouth.

    There is a lively bustle of riding activity on the yard; we stroll over to the bench, which casts a patch of shade for Hilde. We spend more or less our entire time right here. In between, we have pleasant conversations with young people; I admire their zest for life and the affectionate way they interact with Hilde.

    Every now and then, a brief chat with my daughter or my son-in-law. Everyone is enjoying the day in their own way. We have wind all day long, which is lovely. Now we are sitting inside the bus; Hilde is hungry, and even at eight o'clock, the sun is still riding quite high—a kestrel hovers in its light.

    Shortly thereafter, the pair of harriers appears, perhaps circling the falcon's clutch—for the falcon vehemently ensures that the large birds leave the area. This gives me the opportunity to film a little longer.

    Hilde whines, wanting to get out; she lies down right in front of the open bus door. She doesn't actually *need* to go—she simply doesn't want to be inside the bus. I have no idea what is going through her mind. But since she tends to chase after cyclists, I have to keep her tethered so that I can attend to our evening routine.
    Czytaj więcej

  • Tag Fünfunddreißig

    23–24 maj, Niemcy ⋅ 🌙 18 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.616
    23/05/2026
    Calvörde

    In der Nacht habe ich so starke Schmerzen in den Knien und im Rücken, dass ich weder liegen noch einschlafen kann. Also Zeit für eine halbe Ibu. Mit dem Nachteil, dass ich morgens erst spät aufstehen mag, und mich recht dröselig fühle beim Fertigmachen.

    Der Schwiegersohn steht schon vor dem Bus, um uns beim Morgenspaziergang zu begleiten. Es ist um halb acht schon ziemlich warm, aber durch die Medikamente kann ich fast leichtfüßig laufen, während Hilde schon wieder einer frischen Hasenspur folgt.

    Am Ende sind es 1,3 km, so weit bin ich länger nicht mehr in einem Stück gegangen. Sitze dann mit unserem Besuch vor dem Bus. Hilde bekommt Futter und Medizin draußen, sie trinkt Kaffee, und ich warte einfach, bis wir später in den Bus gehen, wo ich mir das Frühstück zubereiten kann.

    In der Mittagssonne sitzen Hilde und ich auf der Bank an den Wiesen. Das heißt natürlich, dass Hilde im Schatten unter der Bank liegt, während ich glücklich über die Windböen mich freue, hier draußen zu sein.

    Wir hören Musik von den Byrds, diese leicht verlorenen Texte und Melodien aus einer vergangenen Epoche meines Lebens, an die ich gerne zurückdenken mag.

    In einer Weise bin ich immer noch verwoben mit den Gedanken und Ideen aus einer mutigen Zeit voller Hoffnung und Aufbruch. Die alte uns hemmende und lähmende Vergangenheit hinter uns lassen, und einer erwachenden Zukunft zuzustreben, ist immer noch lebenswert.

    Halbe Straße mit der Familie. Die Hunde bleiben in jedem Schattenbaum stehen, bis wir aufgeholt haben. Und als Hilde sich entscheidet, zum Bus zu gehen, akzeptiert sie auch kein Sit mehr. Auch wir schleppen uns die letzten hundert Meter in der Sonne zurück.

    Die Temperatur steht mittlerweile auf 28°C im Schatten, Hilde untergräbt den blauen Bus, um sich auf der Erde zu kühlen. Sie kämpft mit den Resten ihres Markknochen, während ich was Eßbares im Kühlschrank suche.

    Der Tag schleppt sich dahin. Mittlerweile wirft der blaue Bus keinen Schatten mehr und die Hitze laugt uns aus. Hilde mag auch nicht mehr mit Cronos an die Straße gehen, aber mit uns nochmals hinten zur Bank, wo wir uns wieder mal mit unserem Besuch unterhalten.

    Ein leichter Wind, die Sonne verabschiedet sich für heute, und die erste Mücke sticht mich schmerzhaft durch den Stützstrumpf ins Fußgelenk, das angeschwollen ist.

    Schnell rein in den Bus, in dem der Ventilator tapfer mit der Luft kämpft, um uns ein bisschen Kühlung zu verschaffen. Ich habe ein schönes Gespräch mit einer jungen Frau, die hier ihr altes Pferd besucht.

    Später bekomme ich den Anruf eines lieben Ehepaars, das unsere Reisen schon seit acht Jahren begleitet. Ist schon ein bisschen her, dass wir uns zuletzt begegnet sind, aber eigentlich haben wir uns nicht arg verändert. Lediglich das Alter hinterlässt seine Spuren.

    Hilde ist abends immer unruhig. Vermutlich ist sie so erschöpft, weil sie auch immer dabei sein will, obwohl der Körper ihr manches Mal rät, doch kürzer zu treten. Tatsächlich ist es einfach zu heiß, und sie kann nicht aus ihrem Fell raus, während ich meine nackte Haut zu Markte trage, während ich abends im Bus sitze.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,616
    May 23, 2026
    Calvörde

    During the night, I suffer such severe pain in my knees and back that I can neither lie still nor fall asleep. So, it is time for half an ibuprofen. The downside is that, come morning, I don't feel like getting up until quite late, and I feel rather groggy while getting ready.

    My son-in-law is already standing outside the bus, waiting to join us for our morning walk. It is already quite warm by seven-thirty, but thanks to the medication, I am able to walk almost light-footed—while Hilde is already off following a fresh rabbit trail.

    In the end, we cover 1.3 kilometers—it has been a long time since I walked that far in a single stretch. Afterward, I sit outside the bus with our visitor. Hilde gets her food and medicine out there; my companion drinks her coffee; and I simply wait until we head inside the bus a bit later, where I can prepare my breakfast.

    In the midday sun, Hilde and I sit on the bench beside the meadows. This means, of course, that Hilde is lying in the shade beneath the bench, while I happily revel in the gusts of wind and the joy of simply being out here.

    We listen to music by The Byrds—those slightly wistful lyrics and melodies from a bygone era of my life, one I look back on with fondness.

    In a way, I remain intertwined with the thoughts and ideas of that spirited time—a time filled with hope and a sense of new beginnings. Leaving behind the old past that once hindered and paralyzed us, and striving instead toward an awakening future—that is still a pursuit worth living for.

    Halfway down the street with the family. The dogs stop beneath every shady tree until we catch up. And when Hilde decides it’s time to head for the bus, she refuses to even sit anymore. We, too, drag ourselves back the final hundred meters under the blazing sun.

    The temperature has now climbed to 28°C in the shade; Hilde burrows beneath the blue bus to cool herself against the earth. She wrestles with the remnants of her marrow bone while I search the fridge for something to eat.

    The day drags on. By now, the blue bus casts no shadow, and the heat is utterly draining us. Hilde has lost the desire to walk down to the street with Cronos, though she is willing to join us once more out back on the bench—where, yet again, we fall into conversation with our visitors.

    The sun bids us farewell for the day, and the first mosquito delivers a painful sting right through my compression stocking into my ankle—which is already swollen.

    I quickly hop onto the bus, where the fan valiantly battles the air in an effort to provide us with a little relief. I have a lovely conversation with a young woman who is here visiting her elderly horse.

    Later, I receive a call from a dear couple who have been joining us on our trips for eight years now. It has been quite some time since we last crossed paths, but truth be told, neither of us has changed all that much—save for the fact that age is beginning to leave its mark.

    Hilde is always restless in the evenings. She is likely so exhausted because she insists on being involved in everything—even though her body often tells her it might be wiser to slow down. In truth, it is simply too hot; she cannot shed her fur coat, whereas I—sitting here on the bus in the evening—can bare my skin to the breeze.
    Czytaj więcej

  • Tag Vierunddreißig

    22–23 maj, Niemcy ⋅ 🌙 17 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.615
    22/05/2026
    Calvörde

    4.43 Uhr. Es ist schon hell, unter den Bäumen und auf den Wiesen liegt Nebel. Ich versuche nochmal zu schlafen.

    Eine Dreiviertelstunde später ist die Sonne gerade dabei, an den Bäumen hochzuklettern. Ich höre eine Predigt aus meiner Heimatgemeinde aus dem Monat März, bin gerne ein bisschen hinten dran, und erlebe indirekt nochmal eine andere Zeit im Jahr.

    Damals gab es einen Visionssonntag, und das Thema "Auf dem Weg zu Dir" berührt meine Lebenssituation so sehr, dass ich die Predigt mit einem Begleittext an einige Menschen versende.

    Würde ich einen wissenschaftlichen Text verschicken oder meinen eigenen abendlichen Beitrag, dann hat das eine Normalität, der sich viele stellen können.

    Eine Predigt bekommt schnell ein "schlechtes Geschmäckle", weil sie tiefere Schichten in unserem Leben berührt. Da sind wir oft nicht mehr 'wertfrei'.

    Aber auch das ist spannend, wenn ich bereit bin, mich trotzdem zu stellen. Es ist schon früh am Morgen ziemlich warm. Hilde hat gleich eine Spur und verausgabt sich auf dem Zickzackweg des Hasen, der wohl über einen großen Radius die Felder und Wiesen durchstreift hat.

    Wir kommen beide erschöpft am blauen Bus an und brauchen Zeit zur Erholung. Unser Besuch ist aufgewacht, wir setzen das intensive Gespräch von gestern Abend fort.

    Frühstück und ein kurzes Schläfchen, weil dann meine Tochter schon wieder mit dem Hund kommt. Die Sonne ist ziemlich heiß, aber ein Wind treibt weiße Wolken vor sich her. Vogelflug unterm Himmel, hoch und virtuos mit Schwüngen und herrlichen Gleitphasen.

    Unser Besuch hat sich einen Krimi aus dem Umland geschnappt und genießt unterm Sonnenhut diesen herrlichen Tag. Hin und wieder verfallen wir in Gespräche, und erfreuen uns an den positiven Ereignisse. Hilde schläft.

    Dreimal sind wir heute die Straße runter gegangen mit der Familie. Nicht mehr soweit, wie am Morgen, aber doch drei Kilometer insgesamt. Am Abend im Schweiße meines Angesichts, denn die Sonne hat jetzt pur an Power zugelegt.

    Auch Hilde ist total fertig. Die Bachstelze läuft vor uns auf und ab, sie brütet keine fünfzig Meter entfernt und kommt uns heute sehr nahe. Auch der Turmfalke rüttelt ganz in unserer Nähe, sodass wir ihn bewundern können.

    Zum Abend habe ich eine andere CD aufgelegt. Daniel Lanois erinnert mich an schöne Touren durch Norwegen, wo die Musik Hintergrund zu so manchen Roadmovies geworden ist.

    Wenn ich manchmal ein bisschen meine Gedanken los lasse, dann reisen sie in den Norden. Ich hätte da eine sehr interessante Tour im Blick, wenn unsere Reise wieder von Rädern getragen wird.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,615
    May 22, 2026
    Calvörde

    4:43 a.m. It is already light out; mist lies beneath the trees and across the meadows. I try to go back to sleep.

    Three-quarters of an hour later, the sun is just beginning to climb up through the trees. I am listening to a sermon from my home congregation dating back to March—I enjoy being a little behind schedule—and, in doing so, I am indirectly reliving a different time of year.

    Back then, there was a "Vision Sunday," and the theme—"On the Way to You"—resonated so deeply with my own life situation that I decided to send the sermon, accompanied by a personal note, to a number of people.

    Were I to send out an academic paper, or perhaps one of my own evening reflections, that would carry a certain air of normality—something that many people could readily relate to.

    A sermon can quickly leave a "bad taste in the mouth," because it touches upon deeper layers of our lives. In such moments, we are often no longer able to remain "value-neutral."

    Yet this, too, is fascinating—provided I am willing to face it nonetheless. It is already quite warm, despite the early hour. Hilde immediately picks up a scent and expends all her energy following the zigzagging trail of a hare that had evidently roamed across a wide radius of fields and meadows.

    We both arrive back at the blue bus, exhausted, and take some time to recover. Our guest has woken up, and we resume the intense conversation we began last night.

    Breakfast is followed by a short nap, as my daughter will soon be arriving with the dog again. The sun is quite hot, but a breeze is driving white clouds across the sky. Birds soar overhead—high up and performing virtuoso aerial displays, full of sweeping turns and magnificent gliding phases.

    Our guest has grabbed a crime novel set in the local area and is enjoying this glorious day from beneath the shade of a sun hat. Every now and then, we fall into conversation, delighting in the positive events of the day. Hilde is asleep.

    We walked down the road three times today with the family. Not quite as far as we did this morning, but still three kilometers in total. The evening walk left me dripping with sweat, for the sun has really ramped up its intensity now.

    Hilde, too, is completely worn out. A white wagtail runs back and forth ahead of us; it is nesting less than fifty meters away and has come remarkably close to us today. A kestrel, too, hovers right nearby, allowing us to admire it.

    This evening, I put on a different CD. Daniel Lanois reminds me of wonderful trips through Norway—journeys where his music became the soundtrack to many a road movie.

    Sometimes, when I let my thoughts wander a little, they travel north. I have a very interesting tour in mind for when our journey is once again carried by wheels.
    Czytaj więcej

  • Tag Dreiunddreißig

    21–22 maj, Niemcy ⋅ 🌙 14 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.614
    21/05/2026
    Calvörde

    Die Luft ist wärmer geworden. Beim Morgenspaziergang mit der Familie trage ich die Jacke überm T-Shirt gleich offen.

    Wenn ich morgens aufwache, kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen, gleich einen Spaziergang zu machen. Die Beine schmerzen über die Knie bis zu den Füßen, als habe ich gar nicht geschlafen. Und die ersten Schritte sind unbeholfen, als müssten sich die Füße den Boden ertasten.

    Zurück habe ich nur wenig Rückenschmerzen, lediglich das linke Knie fühlt sich manches Mal wie ein Fremdkörper an. Seitdem wir wieder in den Bus gezogen sind, habe ich den CD Player rausgestellt, aber gestern das erste Mal benutzt. Oben lag Pulse von Pink Floyd drin, das ich jetzt bestimmt zum fünften Mal anhöre, obwohl ich noch knapp dreihundert andere CDs habe.

    Weil ich am Tag vor der Abreise des Busses ihn weitgehend leer räumen muss, bin ich natürlich jetzt daran interessiert, die Lebensmittel aufzuessen, damit ich nicht soviel wegschleppen
    muss.

    Der Bus muss so leicht wie möglich sein. Das ist die eine Challenge. Die andere ist, dass ich nichts vergessen darf, denn wir sind ja vierzehn Tage ohne die hier gelagerten Sachen unterwegs.

    Also beispielsweise kann das Bettzeug im Bus bleiben, weil es leicht ist. Die Kisten aus dem Schrank kommen bei meiner Tochter in die Lagerhalle, aber ich muss die Medikamente für uns mitnehmen und die Haferflocken fürs Frühstück.

    Unser Besuch mit den beiden Hunden ist nach einem letzten Waldspaziergang gefahren. Sie habe 81 Vogelarten zumindest hören können, sie auch größtenteils gesehen, und ist völlig aus dem Häuschen ob dieser Möglichkeiten.

    Dass der Drömling mal Zonenrandgebiet war und vermutlich größtenteils über Jahrzehnte gesperrt war, mag einer Gründe für die Vielzahl der Vögel sein. Im Herbst dürfte das noch interessanter sein, weil viele Zugvögel durchreisen.

    Wir sitzen lange auf der Bank an der Weide. Es ist ziemlich warm, und der Wind spielt nur eine größere Rolle, wenn die Regenwolken aufziehen. Hilde haart wenig, seit wir hier sind. Trotzdem ist der Bus immer schmutzig. Also ist heute Reinigungstag, bevor der nächste Besuch kommt.

    Dieses Mal ohne Hund, aber aus Berlin. Und wieder freue ich mich sehr. Die Enkelin hat das Abendessen für uns zubereitet. Wir sitzen vor dem Bus und erzählen. Ist ne Weile her, dass wir uns gesehen haben. Und ja, es passiert im Leben immer viel. Nicht nur bei uns. Das miteinander teilen zu dürfen, ist ein besonderes Geschenk.

    Ich bin sehr dankbar für jeden Menschen in meinem Leben. Und Manche kommen mir einfach sehr nahe. Wieder ein besonders schöner Sonnenuntergang, das weiche Licht verbindet unsere Busse.

    "Ein Herz für sich selber haben und sein Herz für andere öffnen - wenn die Balance zwischen Beidem glückt, kann das Leben gelingen." (Anselm Grün)
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,614
    May 21, 2026
    Calvörde

    The air has grown warmer. On my morning walk with the family, I wear my jacket unzipped right over my T-shirt.

    When I wake up in the morning, I find it utterly impossible to imagine going for a walk right away. My legs ache—from above the knees all the way down to my feet—as if I hadn't slept at all. And those first few steps are clumsy, as if my feet have to grope their way across the ground.

    On the way back, I have very little back pain; only my left knee sometimes feels like a foreign object. Since we moved back into the bus, I’ve had the CD player out, but I only used it for the first time yesterday. Pink Floyd’s *Pulse* happened to be sitting in the tray, and I’m now listening to it for what must be the fifth time—even though I still have nearly three hundred other CDs.

    Since I have to clear out most of the bus the day before we depart, I am naturally keen right now on eating up all our groceries so that I don't have to haul so much stuff away.

    The bus needs to be as light as possible. That is one challenge. The other is that I mustn't forget anything, since we will be on the road for fourteen days without the items currently stored here.

    So, for instance, the bedding can stay in the bus because it is light. The boxes from the cupboard are going into storage at my daughter's place, but I have to take our medications with me—as well as the oatmeal for breakfast.

    Our visitor, along with her two dogs, has departed following one last walk in the woods. She managed to hear at least 81 different bird species—and actually spotted most of them, too—and is absolutely thrilled by the opportunities this area offers.

    The fact that the Drömling was once a border zone—and likely remained largely off-limits for decades—may well be one of the reasons for the abundance of birdlife here. It will likely be even more fascinating in the autumn, when many migratory birds pass through.

    We sit for a long time on the bench by the meadow. It is quite warm, and the wind only really makes itself felt when the rain clouds gather. Hilde hasn't been shedding much since we arrived here. Even so, the bus is always dirty. So, today is cleaning day—before our next visitors arrive.

    This time, they are without a dog, but they are coming from Berlin. And once again, I am absolutely delighted. Our granddaughter has prepared dinner for us. We sit outside the bus and chat. It’s been a while since we last saw one another. And yes—there is always so much happening in life. Not just for us. To be able to share it all together is a special gift.

    I am deeply grateful for every person in my life. And some simply feel very close to my heart. Yet another particularly beautiful sunset; the soft light seems to bridge the space between our buses.

    "To have a heart for oneself, and to open one's heart to others—if one succeeds in finding the balance between the two, life can truly flourish." (Anselm Grün)
    Czytaj więcej

  • Tag Zweiunddreißig

    20–21 maj, Niemcy ⋅ ⛅ 14 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.613
    20/05/2026
    Calvörde

    Morgenspaziergang hinter der Meute her, bis mir Hilde die lange Straße entgegenläuft. Frühstück mit Bananennektar fürs Herz, Porridge für den Bauch, und Joghurt zum Abrunden.

    Danach bin ich müde und schlafe eine Stunde. Zwischendrin bewundere ich den Turmfalken, wie er direkt vor uns rüttelt.
    Mal dunkle Wolken, mal herrlichen Sonnenschein, die Fliegen im Bus kümmert es nicht.

    Finnian läuft durchs sonnige Norwegen, Dirk reist im sonnigen Baltikum, der oder die sind hier und da unterwegs. Eine Familie startet heute in ihr Spanienabenteuer, und jede Nacht lese ich von Südamerika.

    Ich schaue aus dem Fenster, es hat angefangen zu regnen. Wollte immer mit den Vögeln reisen können, statt dessen warte ich jeden Tag. Und beschränke meine Bewegung auf den Weg um den blauen Bus herum.

    Und manchmal träume ich. Doch gerade als wir rausgehen wollen, öffnet der Himmel seine Schleusen, und bewirft uns so heftig, dass selbst die regenresistente Vierbeinerin quasi das Handtuch wirft, und beleidigt auf dem Fahrersitz Platz nimmt.

    So war das nicht geplant. Im Bus ist es bei geschlossenen Türen sehr warm. Unser Besuch war heute zu einem Spaziergang an der Ohre, die Calvörde durchquert, während der Mittellandkanal außen entlang führt.

    Der Spazierweg in die Felder hinein ist schön, zumal es da noch trocken war. Im NP, das ist ein Edeka-Ableger im Norden Deutschlands, in dem ich oft günstig und gut einkaufen, gibt es einen Metzger, von dem die Hunde immer die Markknochen bekommen. Und einen guten Bäcker, dessen Preise durchaus noch Vorcorona-Charakter haben.

    Da war die Biologin heute auch und hat was Leckeres mitgebracht. Während sie sich erneut auf die Suche seltener Vögel macht, gehen Hilde und ich zwischen den Regenschauern spazieren.

    Ich nutze die Gelegenheit, um Photos zu machen, kleine Regentropfenbotschaften in bunt und schön. Vielleicht gefallen sie dir. Bisschen Pferd und Hund ist auch dabei.

    Abends treffe ich mich nochmal mit meiner Tochter auf der hinteren Weide, wo die Hunde sich im hohen Gras gut zu beschäftigen wissen. Von Nordwesten nähern sich dunkle Wolken, die schwer über der Mühle hängen.

    Später startet ein weißes Wolkenufo aus der Mitte des dunklen Abendfensters. Nur um vor der Nacht nochmals die Sonne mit allen Sinnen spielen zu lassen.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,613
    May 20, 2026
    Calvörde

    A morning stroll, following behind the pack, until Hilde comes walking down the long road to meet me. Breakfast consists of banana nectar for the heart, porridge for the belly, and yogurt to round it off.

    Afterward, I feel tired and sleep for an hour. In the meantime, I admire a kestrel hovering right in front of us.
    One moment dark clouds, the next glorious sunshine—the flies inside the bus couldn't care less.

    Finnian is walking through sunny Norway; Dirk is traveling through the sunny Baltics; others are out and about here and there. A family sets off today on their Spanish adventure, and every night I read tales from South America.

    I look out the window; it has started to rain. I always wished I could travel alongside the birds; instead, I spend every day waiting. And I limit my movement to the path circling around the blue bus.

    And sometimes, I dream. But just as we are about to head out, the heavens open up and pelt us so fiercely that even my rain-resistant four-legged companion practically throws in the towel, taking her seat on the driver's seat in a huff.

    That wasn't how we planned it. With the doors closed, it gets quite warm inside the bus. Our visitor had planned to go for a walk today along the Ohre—a river that flows right through Calvörde—while the Mittelland Canal runs along the town's outskirts.

    The walking path leading out into the fields is lovely—especially since it was still dry back then. At NP—a subsidiary of the Edeka supermarket chain found in northern Germany, where I often find great deals on quality groceries—there is a butcher who always gives the dogs marrow bones. There is also an excellent baker whose prices still feel delightfully "pre-COVID."

    The biologist stopped by there today as well and brought back a tasty treat. Now, while she sets off once again in search of rare birds, Hilde and I are taking a walk between the rain showers.

    I take the opportunity to snap some photos—little messages in raindrops, colorful and beautiful. Perhaps you’ll like them. There’s a bit of horse and dog in there, too.

    In the evening, I meet up with my daughter again in the back pasture, where the dogs know just how to keep themselves busy in the tall grass. From the northwest, dark clouds approach, hanging heavy over the mill.

    Later, a white cloud-UFO launches from the center of the dark evening sky—just to let the sun play with all the senses once more before night falls.
    Czytaj więcej

  • Tag Einunddreißig

    19–20 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 14 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.612
    19/05/2026
    Calvörde

    In dieser Nacht habe ich unruhig geschlafen, weil meine Knie gar nicht wussten, wohin sie sich legen konnten, ohne zu schmerzen. Am Morgen bin ich mit einem blauen Augenlid aufgewacht, weiß aber nicht, wie das entstanden ist.

    Gestern Abend verschiedene Telefonate und Nachrichten, heute morgen ging es gleich weiter. Thema blauer Bus und die Zusammenführung verschiedener Aufgabenbereiche.

    Hilde merkt gleich, wenn der normale Ablauf unseres Lebens unterbrochen ist, und sei es auch nur in Planung und Absprachen. Dann muss sie genau aufpassen, also am besten auf meinen Füßen liegen.

    Heute sind wir zwei Wochen bei meiner Tochter, und werden noch weitere zwei Wochen bleiben. Dann soll der Bus abgeholt werden, und von seinem Lieblingsschrauber repariert werden.

    Hilde und ich brauchen Mitfahrgelegenheiten. Erst nach Hagenburg und einige Tage später nach Haltern. Nach der ersten Reparatur erfolgt die Tüv - Vorführung, danach der zweite Teil der Reparaturen, und die Nachprüfung. Und zwischendrin frage ich dann auch gerne mal an, wer uns finanziell ein bisschen zur Seite stehen kann.

    Spaziergang am Morgen, ich schiebe meine "Messlatte" ein Stück weiter nach vorne, komme mit weniger Schmerzen zurück. In der Nacht hat es viel und lange geregnet, aber pünktlich zum Ausgehen ist die Luft schon ziemlich angewärmt, sonnig und blau.

    Die Biologin will heute in den Drömling fahren, ein nahes, sehr schönes Naturschutzgebiet, besonders für Vögel, ihr favorite theme. Sie ist voller Vorfreude, hat sie doch heute morgen beim Spaziergang im Wald einen Pirol gehört.

    Ich mach stattdessen ein Schläfchen, was mir vielleicht ganz gut tun wird. Als ich um zwölf Uhr aufwache, sind die Knie eingeschlafen. Wir gehen raus, und während ich zum letzten Mal auf dem niedrigen Stuhl Platz nehme, aus dem ich nur mit Mühe aufstehen kann, kommt ein Fahrzeug den Feldweg entlang gefahren.

    Keine angemessene Geschwindigkeit, einfach mal Staub aufwirbeln und vorne wieder raus auf die Straße. Dumm. Aber schlimm, dass Hilde startet und kötermäßig neben dem Fahrzeug her rennt, meinen Puls auf einhundertachtzig schleudert.

    Nichts passiert, sie läuft zum Glück nicht auf die Landstraße und beeilt sich auch nicht mit dem Rückweg. Klassisches Beispiel von Ungehorsam, also muss sie ihre Leine den Tag über tragen, weil ich zu dem anderen Stress keine Energie mehr habe auf das freie Leben.

    Das alte Thema Freiheit bekommt aktuell die klare Zurechtweisung in die bedingten Schranken. Zwei Wochen waren schon lang, vier Wochen sind eine kleine Ewigkeit. Ich versuche, nicht drüber nachzudenken, aber ich weiß, dass sich bestimmte Umstände meines Lebens in unangenehmer Weise wiederholen.

    Ich sitze auf der Bank an der Weide, Hilde liegt im Gras. Der Wind ist zu dünn für ein T-Shirt, meine nackten Arme frieren. Der Himmel bewölkt sich dunkel, am Zaun der riesigen Anlage zur Erzeugung von Sonnenstrom spazieren Menschen entlang. Ein gelber Lastwagen transportiert Bier in Kästen.

    Die Pferde schauen zu uns herüber. Gerade als wir zum Bus kommen, beginnt es leicht und nur kurze Zeit zu regnen. Unser Besuch kommt vom Unesco Biosphärenreservat Drömling zurück, und hat ganz viele verschiedene Vögel gesehen.

    https://share.google/TDheqNEgVz659eNqE

    Einkauf mit der Familie, der einzige Ausflug weg vom Stellplatz. Mal abgesehen von den täglichen Spaziergängen. Kaufe heute ein bisschen Frustfraß, denn nachdem ich alles geregelt habe für die Aktion in zwei Wochen, falle ich ein Stück in den Keller der Gefühle.

    Abendspaziergang mit der Tochter, die beiden Hunde mitnimmt, sodass Hilde zu einem langen Run zurück zu mir kommt, und später am Bus ziemlich platt ist. Auch ich erhole mich langsam, während der Himmel voller Wolken sich bedeckt, und wir noch ein kleinen Schwatz mit unserer Nachbarin haben, die spät mit ihren Hunden noch einen Spaziergang macht.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,612
    May 19, 2026
    Calvörde

    I slept restlessly last night because my knees simply didn't know how to position themselves without causing pain. This morning, I woke up with a bruised eyelid—though I have no idea how it happened.

    Yesterday evening brought various phone calls and messages, and things picked right up again this morning. The main topic: the "Blue Bus" and the coordination of various tasks and responsibilities.

    Hilde senses immediately whenever the normal rhythm of our lives is disrupted—even if it’s only in the planning and arrangements stages. When that happens, she feels the need to keep a close watch—which, in her view, is best accomplished by lying right on top of my feet.

    As of today, we have been staying with my daughter for two weeks, and we plan to remain for another two weeks. After that, the bus is scheduled to be picked up and repaired by its favorite mechanic.

    Hilde and I are in need of rides. First to Hagenburg, and a few days later to Haltern. After the initial repairs, the vehicle inspection will take place, followed by the second phase of repairs and the re-inspection. And in the interim, I’ll also be reaching out to see if anyone is able to lend us a little financial support.

    During my morning walk, I push my "personal benchmark" a little further forward—and return with less pain. It rained heavily and for a long time during the night, but just in time for us to head out, the air has already warmed up considerably; it is sunny and the sky is blue.

    The biologist plans to drive to the Drömling today—a nearby, beautiful nature reserve, particularly renowned for its birds, which happen to be her favorite subject. She is brimming with anticipation, having heard a golden oriole during her walk in the woods this very morning.

    I, on the other hand, decide to take a nap—something that will likely do me a world of good. When I wake up at noon, my knees have gone completely numb. We head outside, and just as I settle into that low chair—the kind I struggle to rise from—a vehicle comes driving down the dirt track.

    No sensible pace—just kicking up dust, only to pop right back out onto the road up ahead. Stupid. But what’s truly alarming is that Hilde took off—scampering alongside the vehicle like some stray mutt—sending my heart rate skyrocketing to one-eighty.

    Fortunately, nothing happened; she didn’t run out onto the main road, though she certainly didn’t rush back to me, either. A classic case of disobedience—which means she has to wear her leash for the rest of the day, as I simply don’t have the energy to deal with the stress of letting her run free on top of everything else.

    That old theme of "freedom" is currently receiving a sharp rebuke, being firmly confined within its conditional boundaries. Two weeks felt long enough; four weeks feels like a small eternity. I try not to dwell on it, but I know that certain circumstances in my life are repeating themselves in a most unpleasant way.

    I am sitting on the bench by the willow tree; Hilde is lying in the grass. The wind is too biting for a T-shirt, and my bare arms are cold. The sky is darkening with clouds, and people are strolling along the fence of the massive solar power facility. A yellow truck is transporting crates of beer.

    The horses look over at us. Just as we reach the bus, it begins to rain—lightly, and only for a brief moment. Our visitor returns from the UNESCO Drömling Biosphere Reserve, having spotted a great many different birds.

    https://share.google/TDheqNEgVz659eNqE

    A shopping trip with the family—our only excursion away from the campsite. That is, aside from our daily walks. Today I’m buying a bit of comfort food, for now that I’ve got everything sorted out for the event taking place in two weeks, I’ve hit a bit of an emotional low.

    An evening stroll with my daughter—who took the two dogs along—meant that Hilde came running all the way back to me, and by the time we reached the bus stop later on, she was pretty worn out. I, too, am slowly recovering, while the sky fills with clouds overhead, and we share a brief chat with our neighbor, who is out for a late walk with her dogs.
    Czytaj więcej

  • Tag Dreißig

    18–19 maj, Niemcy ⋅ 🌧 12 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.611
    18/05/2026
    Calvörde

    Als ich um viertel nach fünf aufwache, kommt die Sonne gerade zwischen den Bäumen hervor. Wahnsinn. Allerdings auch die Uhrzeit. Ich glaube, wenn wir fahren könnten, wäre ich tatsächlich so früh aufgestanden. Aber mit dem Wissen, eines weiteren Tages im Paradies gönne ich mir noch ein Stündchen Schlaf.

    Danach ist der Himmel immer noch schön, aber erstmal ein wenig verhangen, was den Spaziergang erleichtert. Die Familie geht heute in den Wald, was besonders Hilde sehr komisch findet. Sie wartet die ganze Zeit drauf, dass Cronos endlich kommt.

    Ein Baum weiter, sie seien stolz auf mich, schreibt der Schwiegersohn, aber sie hören mich nicht auf dem Rückweg jaulen. Erholung geht meist schnell. Hilde tobt heute weniger wütend mit Vasco, der die Freiheit hier sehr liebt und sich kaum einfangen lässt.

    Die Biologin erklärt mir, dass die seltene Ammer nicht Gold, sondern Grau ist, was aber wohl kein anderer Leser gemerkt hat. Der NABU schreibt, "Die Grauammer wird bei uns leider immer seltener. Intensive Landwirtschaft und der Rückgang ihres Lebensraumes verdrängen sie immer mehr. Die Grauammer sieht eher unauffällig aus, ihren Gesang lässt sie dafür umso lauter aus exponierter Lage ertönen. Der graubraune Vogel treibt sich heimlich herum, über Brut- und Zugverhalten weiß man nach wie vor nicht allzu viel."

    Hier ist auf jeden Fall eine ziemlich aktiv, auch ein Wiedehopf soll in den Astlöchern der Bäume leben.

    In der Mittagszeit spazieren wir durch den Hof raus auf die Weide. Über uns kreist ein Turmfalke und rüttelt suchend überm Grün. Hilde hat ne Suhle gefunden und wälzt sich vergnügt. Zum Glück stinkt es nicht, und ich kann sie am Bus mit Wasser reinigen.

    Am Morgen habe ich Kontakt mit einer Werkstatt im Umkreis aufgenommen, die mir jemand empfohlen hat, und warte jetzt auf ihren Kostenvorschlag. Diese Woche werde ich eine Entscheidung treffen müssen, welche Variante am Besten ist, natürlich unter der Vorraussetzung, wann die Arbeiten überhaupt möglich sind.

    Mit Hilde sitze ich im Eingang vom blauen Bus und wir mümmeln an Gebäckstangen von Bravo, die gewisslich nicht auf die Hitliste kämen. Zirpen und Zwitschern, Sonne und Blau, Wind und Wolken. Ich habe Reise - Sehn - Sucht.

    Während ich einfach registriere, dass da ne Weihe kreist, ist die Biologin fast aus dem Häuschen, weil sie erkennt, dass ein Paar jagt. Der Turmfalke rüttelt, ein Rotmilan fliegt unter den Wolken. In den Lüften attackiert ein Habicht die Weihe, die daraufhin ihren Kurs ändert. Dann ist der Himmel plötzlich ganz leer.

    Als ich später nochmal hinten an der Weide sitze, werden die Pferde aus der Koppel auf die Wiese gelassen und toben dort fröhlich herum. Mein Schwiegersohn setzt sich zu mir, während Hilde über den Hof stromert.

    Der KVA der Werkstatt liegt ebenfalls über zweitausend Euro, aber plötzlich kommt ein kleines Lichtlein über den Horizont geflackert, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet habe. Da hat sich ein lieber Mensch liebe Gedanken gemacht, und uns eine Tür geöffnet, über die ich jetzt noch nichts erzählen möchte.

    Zur Verwirklichung benötige ich verschiedene Hilfen, aber wenn ich frage, höre ich sofort ein Ja und ein Gerne, was mich zutiefst berührt.

    Wenn ich eins gelernt habe auf dieser Lebensreise - und ich habe ganz viel gelernt - dann leben wir in einer Welt voller herzensguter Menschen, ohne die mein Dasein sehr einsam wäre. Wir brauchen einander, und das merkt man natürlich viel deutlicher, wenn man auf so einem Außenposten lebt, in vielfältiger Weise verletzbar ist.

    Und damit möchte ich jedem gerne Mut machen, sich zu öffnen und Vertrauen zu leben und zu erleben. Wir brauchen den anderen Menschen, und wir benötigen eine positive Einstellung zum Leben, den was zieht den anderen mehr an als Offenheit und Ehrlichkeit.

    Am Abend regnet es. Die Tropfen laufen am Fenster runter, der Himmel ist eingegraut, ich liebe es, wenn die Tropfen aufs Dach fallen. Hilde schläft auf dem Fahrersitz, wer weiß, wovon sie träumt, vielleicht ist auch sie schon wieder auf Reisen.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,611
    May 18, 2026
    Calvörde

    When I wake up at a quarter past five, the sun is just peeking out from between the trees. Incredible. The time is pretty crazy, too. I think if we were able to drive today, I actually would have gotten up this early. But knowing that I have another day in paradise ahead of me, I treat myself to another hour of sleep.

    After that, the sky is still beautiful, though initially a bit overcast—which makes the walk more pleasant. Today, the family heads into the woods—something Hilde, in particular, finds very odd. She spends the entire time waiting for Cronos to finally show up.

    A tree or so later, my son-in-law writes that they are proud of me—though they don't hear me howling on the way back. Recovery usually happens fast. Today, Hilde romps around with Vasco with a little less fury; he absolutely loves the freedom here and is nearly impossible to catch.

    The biologist explains to me that the rare bunting in question is not golden, but gray—a detail, however, that presumably no other reader noticed. The NABU writes: "Unfortunately, the Corn Bunting is becoming increasingly rare in our region. Intensive agriculture and the shrinking of its habitat are displacing it more and more. The Corn Bunting has a rather inconspicuous appearance; to compensate, however, it belts out its song all the more loudly from an exposed perch. This gray-brown bird keeps to itself and moves about furtively; surprisingly little is still known about its breeding and migratory behaviors."

    In any case, there is certainly a very active one right here; apparently, a Hoopoe is also said to make its home in the hollows of the trees.

    At lunchtime, we stroll through the courtyard and out onto the pasture. Above us, a Kestrel circles, hovering searchingly over the greenery below. Hilde has found a mud wallow and is rolling around in it with delight. Fortunately, it doesn't smell bad, and I am able to wash her off with water back at the bus.

    Earlier this morning, I got in touch with a local repair shop—one that had been recommended to me—and I am now waiting for their cost estimate. Sometime this week, I will have to make a decision regarding which option is best—contingent, of course, upon when the work can actually be carried out.

    I am sitting with Hilde in the doorway of the blue bus, nibbling on breadsticks from Bravo—snacks that certainly wouldn't make anyone's "Top Ten" list. The air is filled with chirping and twittering; there is sun and blue sky, wind and clouds. I am seized by a deep wanderlust.

    While I merely register that a harrier is circling overhead, the biologist beside me is practically beside herself with excitement, having recognized that a pair is hunting together. A kestrel hovers in place, while a red kite soars beneath the clouds. High in the skies, a goshawk attacks the harrier, forcing it to change course. Then, suddenly, the sky is completely empty.

    Later, sitting once again by the pasture fence, I watch as the horses are released from their paddock into the meadow, where they frolic about joyfully. My son-in-law joins me, while Hilde wanders off to explore the farmyard.

    The repair estimate from the workshop also comes in at over two thousand euros; yet suddenly, a small glimmer of hope flickers over the horizon—something I hadn't anticipated in the slightest. A kind soul has given the matter some thoughtful consideration and opened a door for us—one about which I’d prefer not to say anything more just yet.

    To bring this to fruition, I require various forms of assistance; yet whenever I ask, I am immediately met with a "yes" and a "my pleasure"—responses that touch me deeply.

    If there is one thing I have learned on this journey through life—and I have learned a great deal—it is that we live in a world filled with people of true goodness, without whom my existence would be a very lonely one. We need one another—a truth that, naturally, becomes far more apparent when one lives in such an outpost, vulnerable in so many different ways.

    And so, I would like to encourage everyone to open themselves up—to practice trust and to experience it firsthand. We need other people, and we need to cultivate a positive outlook on life; for what draws others in more effectively than openness and honesty?

    In the evening, it rains. The drops run down the windowpane, the sky has turned a uniform gray, and I love the sound of the drops falling on the roof. Hilde is asleep in the driver's seat; who knows what she is dreaming of—perhaps she, too, is already off on her travels once again.
    Czytaj więcej

  • Tag Neunundzwanzig

    17–18 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 11 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.610
    17/05/2026
    Calvörde

    Wenn man in den Morgenstunden sein eigenes unglücklich verlaufendes Liebesleben der falschen Entscheidungen und der verpassten Situationen durchträumt, und dann im Aufwachen Wish you were Here hören möchte, aber das kostenlose Spotify mir Summertime mit Janis Joplin, Pale blue Eyes von Velvet Underground und Time of the Seasons vor dem traurigen Liebeslied der Stones, Wild Horses, vorspielt, dann kann man durchaus glauben, dass da einer mit Absicht in meinem Leben herumrührt.

    Als ich dann im Traum mit meiner Liebe zu meinem Camper gehen will, um in den Sonnenaufgang zu fahren, hat mir jemand einen Streich gespielt und ihn entwendet. Für eine kurze Zeit zwar, aber auch für die Länge eines Herzschlags, aus dem ich aufwache.

    Hilde ist ebenfalls wach, sitzt an der Tür und wartet auf mich. Cronos kommt vorbei, Dire Straits singen Down to the Waterline, und die Wolken schieben sich über die Sonne, einen Schwanz an Blau hinter sich her ziehend, während Shine on you crazy Diamond von Pink Floyd läuft, ich in der Bustür sitze und auf meine Tochter warte, die erst die Pferde auf die Koppel lassen muss.

    Heute sieht es so aus, als fliegt der Storch gegen die Hauswand, kann aber grade noch ausweichen. Dieses Mal holen wir meine Tochter bei den Pferden ab und spazieren die kleine Straße in Richtung des nächsten Dorfes hinunter.

    Kein Auto, die Hunde sind sich und den Gerüchen in den Wiesen überlassen und schnüffeln sich wild durchs Gras. Den ersten dicken Baum schaffe ich mit Mühe, und während meine Tochter noch ein Stück weiter geht, drehen wir um, nur um fast gleichzeitig zurück zukommen.

    Hilde verfrachte ich mit einem Leckerli im Bus, denn schon steht Cronos wedelnd hinter mir, weil er weiß, in Opa's blauem Bus wartet auch was Leckeres auf ihn. Er bringt es meiner Tochter und legt es auf den Boden, um die Gelegenheit nochmals zu nutzen, mit dem Opa zu knuddeln.

    Hilde ist nicht so glücklich, aber der Keks hat es heute in sich, sowas Köstliches. Dann gehen die Beiden, und sie hat mich wieder für sich.

    Bleibe gerne noch ein bisschen im Eingang sitzen, die Luft ist windstill, die Schmerzen lassen nach, das Chaos im blauen Bus wartet aufs Aufräumen.

    Am Himmel ein Herz von Blau in Weiß. Vogelflug, gelbe Blumen im Grünen. Und jetzt kommt endlich das schöne Wish You Were Here.

    Hilde und ich gucken grade raus, als die Sonne total schön um die Ecke kommt. Später, ne Weile nach dem Frühstück, fühle ich mich in der Sonne müde, und wir ziehen uns zu einem Schläfchen in den Bus zurück.

    Nachmittags spazieren wir über den Hof und hinten raus zur Weide runter. Neben uns in der Gründüngung verschwindet Hilde mittlerweile fast gänzlich, lediglich der Kopf schaut ab und zu drüber und guckt, wo ich denn bin.

    Als wir zurückkommen, ruft meine Tochter, dass sie nochmals eine Straße mit uns entlang gehen will. Just in dieser Zeit kommt unser Besuch aus Norddeutschland angefahren. Zwei Hunde, eine Frau, für die vierbeinige Hofsituation eine Herausforderung, denn die Rüden dürften miteinander ebenso Schwierigkeiten haben, wie die beiden Hündinnen.

    Und mittlerweile kann Hilde rund um ihren blauen Bus herum auch nicht mehr mit den Rüden, was Cronos sehr galant wegsteckt. Mit Vasco konnte sie im letzten November ganz gut, aber heute Abend ist sie nur griffig.

    Ein kleines giftiges Biest, was sich noch mehr aufregt, wenn die großen Jungs mit weiten Sprüngen hin und her hopsen. Also müssen wir sie auseinander halten, was für alle entspannter sein dürfte.

    Hilde hat halt ein sehr territoriales Verhalten, besonders wenn sie länger an einem Ort ist, dass ich letztens schon zur Familie gesagt habe, ich kauf euch das Stück Land ab und mach n Zaun um den Bus.

    Scherz. Wir bleiben natürlich nur zu Besuch, wenngleich dieses Mal ein bisschen länger. Aber dann fahren wir auch mal wieder, wenn der Bus repariert ist.

    Aber schön ist es. Mit unserem Besuch schwatzen wir ein Weilchen, sie ist Biologin und begeistert über die verschiedenen Vogelarten, die hier rufen. Irgendeine Lerche hat sie rausgehört und die seltene Goldammer, die tieffliegenden Schwalben bekommen nun den Rauch in ihrem Namen dazu.

    Aber weil es schon auf acht Uhr zugeht, ziehen wir uns jetzt zurück zum Abendessen, und später auch zur Nacht, denn unser Tag beginnt früh am Morgen.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,610
    May 17, 2026
    Calvörde

    When, in the early morning hours, you drift through a dreamscape of your own ill-fated love life—a saga of wrong choices and missed opportunities—and then, upon waking, find yourself wanting to listen to "Wish You Were Here," only to have the free version of Spotify play "Summertime" by Janis Joplin, "Pale Blue Eyes" by the Velvet Underground, and "Time of the Seasons" *before* finally getting to that sorrowful Stones love song, "Wild Horses"... well, at that moment, you could certainly be forgiven for believing that someone is deliberately messing with your life.

    Then, in the dream itself—just as I was about to head to my camper with my beloved, intending to drive off into the sunrise—someone played a prank on me and stole it. Only for a brief moment, mind you—but a moment lasting precisely the length of a single heartbeat, the very beat that jolts me awake.

    Hilde is awake, too; she sits by the door, waiting for me. Cronos stops by; Dire Straits sing "Down to the Waterline"; and the clouds drift across the sun, dragging a tail of blue in their wake—all while Pink Floyd’s "Shine On You Crazy Diamond" plays in the background, and I sit in the doorway of the bus, waiting for my daughter, who first has to let the horses out into the pasture.

    Today, it looks as though the stork is flying straight toward the house wall—only to swerve out of the way at the very last second. This time, we pick up my daughter from the stables and stroll down the little road toward the next village.

    There isn't a single car in sight; the dogs are left to their own devices—and to the scents drifting from the meadows—snuffling wildly through the grass. I manage to make it past the first large tree with some effort; while my daughter continues a little further ahead, we turn back—only to arrive back at our starting point almost simultaneously.

    I coax Hilde into the van with a treat, for Cronos is already standing right behind me, tail wagging, knowing that something tasty awaits him in Grandpa’s blue van, too. He carries the treat over to my daughter and places it on the ground, seizing the opportunity to get in a few more cuddles with Grandpa.

    Hilde isn't exactly thrilled about this, but that biscuit really packs a punch today—it is simply delicious. Then the two of them head off, and she has me all to herself once again.

    I’m happy to sit in the doorway for a little while longer; the air is still, the pain is subsiding, and the chaos inside the blue bus is waiting to be tidied up.

    In the sky, a heart of blue against white. Birds in flight, yellow flowers amidst the greenery. And now, finally, the beautiful "Wish You Were Here" comes on.

    Hilde and I are gazing out just as the sun rounds the corner in all its splendor. Later—a while after breakfast—I begin to feel drowsy in the sunshine, so we retreat into the bus for a nap.

    In the afternoon, we stroll across the yard and out the back, down toward the pasture. Walking beside me through the cover crops, Hilde soon disappears almost entirely from view; only her head pops up every now and then to check where I am.

    When we return, my daughter calls out that she wants to walk down the road with us one more time. At that very moment, our visitors from Northern Germany pull into the driveway. Two dogs and a woman—a challenging situation for the four-legged residents of the farm, as the male dogs are likely to have just as much trouble getting along with each other as the two females are.

    By now, Hilde can no longer get along with the male dogs in the area surrounding her blue bus—something Cronos handles with great grace. She got along quite well with Vasco last November, but this evening she is nothing but snappish.

    She is a feisty little beast who gets even more agitated when the big boys bound back and forth with long, leaping strides. So we have to keep them separated—a solution that should prove more relaxing for everyone involved.

    Hilde simply exhibits very territorial behavior—especially when she has been in one place for an extended period—to the point where I recently joked to the family: "I’ll just buy this patch of land from you and put a fence around the bus!"

    Just kidding, of course. We are merely visiting—albeit for a slightly longer stay this time around. But once the bus is repaired, we’ll be back on the road again.

    Still, it is lovely here. We chat for a while with our visitor—a biologist who is absolutely delighted by the various bird species calling out all around us. She managed to identify a lark of some kind, as well as the rare yellowhammer; and as for the low-flying swallows, they have now officially earned the "barn" in their name.

    But since it is already approaching eight o'clock, we are going to retire now for dinner—and later, for the night—as our day begins bright and early in the morning.
    Czytaj więcej

  • Tag Achtundzwanzig

    16–17 maj, Niemcy ⋅ ☀️ 10 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.609
    16/05/2026
    Calvörde

    Als meine Tochter früh am Morgen klopft, bin ich noch nicht fertig. Aber Hilde springt unter der Bettdecke hervor und gleich raus ins Grüne. Sie braucht kein Halsband, lacht meine Tochter, die kommt doch eh gleich zurück.

    Denkste. Heute morgen läuft sie ohne Probleme mit, und dann warten alle Drei bei den kleinen Bäumen auf mich. Auf den letzten hundert Metern lässt meine Tochter sie laufen, was sie in großer Freude macht, mit offen grinsender Schnauze, na bist du endlich aufgestanden.

    Wir gehen zusammen zurück, und auch wenn es irgendwann anfängt zu zwicken, morgens bin ich eigentlich gut drauf.
    Hilde läuft zum Bus vor, als dummerweise grade vorne an der Straße ein Radfahrer vorbeikommt. Das ist ausgesprochen blöd, weil die Landstraße gut befahren ist, wir aber nichts anderes ausrichten können, als sie rufen.

    Der Radfahrer bleibt stehen, gerade als Hilde rechts in die Weide abbiegt und zu uns rüber läuft. Alles gut gegangen!

    Ein Wetter wie im April, dazu ohne Sonne auch gleich unangenehm kalt. Gegen Mittag machen wir unseren Spaziergang über den Hof. Die Luft ist voll mit Fluggeräuschen und wiederholt queren tiefliegende Militärhubschrauber den Himmel, verschwinden hinterm Wald.

    Der Storch war heute morgen auch unterwegs. Er hat sich wohl mit den Luftschichten vertan, denn es reicht nicht, um über die Baumwipfel zu kommen. Angesichts der bellenden Hunde muss er Gas geben, um Land zu gewinnen.

    Immer noch ist der Wind kühl, auch wenn die Sonne in geschützten Ecken durchaus warme Elemente hat. Zwischendurch fegen dunkle Wolken heran, und bringen zumindest bis mittags Regenschauer mit.

    Wir spazieren über den Hof, wo die Enkeltochter die Pferdeboxen säubert, während die Tiere jetzt noch auf der Koppel sind. Allerdings sehe ich sie später auf der Weide, als wir die Straße runtergehen, um dem Schwiegersohn mit Hund Cronos zu begegnen.

    Zurück am Bus lausche ich mit Spannung, wie RW Essen in den letzten Minuten den Relegationsplatz in der dritten Liga schafft, während MSV Duisburg mit leeren Händen dasteht.

    Man sieht also, dass ich auch dem Fußball nicht so fern stehe, allerdings nur so ein bisschen peripher und am liebsten, wenn es am Ende spannend wird. Und da folgt ja noch was in der Bundesliga, wobei ich als Dortmund Fan durchaus zufrieden sein kann.

    Nebenbei knuddeln wir heute ganz lustig im Bus. Irgendwie ist die kleine Maus auf Krawall gebürstet, was uns großen Spaß macht.

    Ein letzter Spaziergang mit der Familie am Abend, ich beiße mich durch und schaffe fast drei Kilometer den Tag über. Während Hilde noch rumstrolcht, setze ich mich noch einen Moment in die kühler werdende Luft.

    Zum Abend hin die obligatorische Sonne, während Hilde sich schon satt und zufrieden in der Reisetasche einrollt.

    Vogelgezwitscher und Schafmilchjoghurt, von denen die Familie heute ein halbes Dutzend gekauft hat. Die Pferde sind heute lange draußen, gerade sehe ich, wie die Familie sie abholt und in die Boxen bringt.

    Alles nur Kleinigkeiten. Ich könnte von den verschiedenen Vögeln erzählen, die auf der Mauer landen. Auch wenn ich nur von den wenigsten ihren biologischen Namen kenne, sind sie alle Geschöpfe Gottes, genauso wie wir.

    Anselm Grün hat einmal gesagt, "wir können spüren, dass das, was in der Natur geschieht, auch unsere Seele berührt".
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,609
    May 16, 2026
    Calvörde

    When my daughter knocks early in the morning, I’m not quite ready yet. But Hilde springs out from under the covers and heads straight out into the greenery. She doesn’t need a collar, my daughter laughs; she’ll be right back anyway.

    Yeah, right. This morning, she trots along without any issues, and then all three of them wait for me by the small trees. For the last hundred meters, my daughter lets her run free—something she does with great joy, her muzzle grinning wide open, as if to say: "Well, did you finally get out of bed?"

    We walk back together, and even though things eventually start to ache a bit, I’m actually in good spirits this morning.
    Hilde runs ahead toward the bus—just as, unfortunately, a cyclist happens to be passing right there on the road. This is extremely bad luck, as the country road sees a fair amount of traffic, yet there is nothing we can do but call out to her.

    The cyclist comes to a halt just as Hilde turns right into the pasture and walks over toward us. Everything went smoothly!

    The weather feels just like April—changeable, and without the sun, it turns uncomfortably cold in an instant. Around noon, we take our stroll across the farmyard. The air is filled with the sounds of aircraft, and low-flying military helicopters repeatedly cross the sky, vanishing behind the woods.

    The stork was out and about this morning, too. He must have misjudged the air currents, for he couldn't gain enough altitude to clear the treetops. Faced with the barking dogs, he has to really put on the gas to make headway.

    The wind remains cool, even though—in sheltered spots—the sunlight holds a distinct warmth. Every now and then, dark clouds sweep in, bringing rain showers that persist at least until midday.

    We stroll across the yard, where the granddaughter is cleaning out the horse stalls while the animals are still out in the paddock. However, I do spot them later in the pasture as we walk down the road to meet my son-in-law and his dog, Cronos.

    Back at the bus, I listen intently as RW Essen secures a relegation playoff spot in the Third League in the final minutes of the match, leaving MSV Duisburg empty-handed.

    So, as you can see, I’m not entirely detached from the world of football—though my interest is somewhat peripheral, and I enjoy it most when things get exciting right at the very end. And there’s still more excitement to come in the Bundesliga—something I, as a Dortmund fan, can certainly be pleased about.

    Meanwhile, we’re having a rather amusing cuddle session inside the bus today. Somehow, the little "mouse" is in a delightfully feisty mood—which is providing us with plenty of entertainment.

    A final evening stroll with the family; I grit my teeth and manage to cover nearly three kilometers over the course of the day. While Hilde is still roaming about, I sit for a moment in the cooling air.

    As evening falls, the obligatory sunshine appears—while Hilde, already full and content, curls up inside her travel bag.

    The sound of birdsong, and sheep’s milk yogurt—of which the family bought half a dozen today. The horses have been out for a long time today; right now, I watch as the family goes to fetch them and lead them into their stalls.

    All just little things. I could tell you about the various birds that land on the wall. Even if I know the biological names of only a very few of them, they are all God’s creatures—just as we are.

    Anselm Grün once said: "We can sense that what happens in nature touches our own souls as well."
    Czytaj więcej

  • Tag Siebenundzwanzig

    15–16 maj, Niemcy ⋅ ☀️ 10 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.608
    15/05/2026
    Calvörde

    Kaum habe ich den gestrigen Text abgeschickt, da fegen Naturschauspiele übers Land. Erst der Regenbogen, der sich ganz am Ende schließt, kurz bevor die Sonne hinter einem Wolkenband verschwindet.

    Dann die Schlange, aus deren Maul das helle Sonnenlicht scheint, bis der Ball unter ihr davonrollt. Zuletzt die tierischen Wolkenbilder. In der Nacht meine ich Stimmen zu hören, ein Knacken an meiner Heckklappe, während Hilde tief und fest schläft, dass ich den Eindruck bekomme, meine Träume hätten mir einen Streich gespielt.

    Früh werde ich in den neuen Tag hinein wach. Die Temperatur ist fast bis zum Gefrierpunkt gefallen. Rauhreif auf den Wiesen, die Sonne taucht hinter den Bäumen auf und zieht mit ihrem Licht einen Schweif Nebel vom Boden hoch.

    Ich mag nicht aufstehen, gebe meinen Träumen Raum, um mich weit in meinem Leben zurück zu bringen. Ein merkwürdiger Weg in die Zeit der frühen Ehe, als die Kinder noch klein waren, die Welt hätte durchaus in Ordnung sein können.

    Viel Wolken, viel Wind, mein Sohn ruft zweimal an, die Temperatur steigt nur langsam. Viel Vogelflug, Gezwitscher und Gewippe auf den Steinen, den Holzbalken. Die grüne Wiese voll gesprenkelt mit gelben Blumen.

    Um zwei Uhr nachmittags bewege ich mich aus dem blauen Bus. Das erste Mal heute. Nach einem Mittagsschlaf, den Hund überm Kopfkissen. Ich habe zugenommen, zuviele Milchprodukte. Was verbrenne ich schon, wenn der Kopf mehr oder weniger genauso lange schläft wie der Körper. Oder anders herum.

    Mir fehlen einfach die wechselnden Bilder, die Herausforderung des Sehens und Erkennens. Hier präsentiert dir die Natur alle Ereignisse frei Haus.

    Heute ist wenig Wind. Ich bin zu warm angezogen. Komme völlig verschwitzt wieder. Es war ein harter Ritt, bis zu dem Baum von gestern. Ich wäre am liebsten an seinem Rumpf weinend zusammengebrochen.

    Mein Schwiegersohn begleitet mich zurück. Auf den Stufen des Busses lässt der Schmerz nach, bricht der Schweiß aus, fächelt ein sanfter Wind über meine Ernüchterung hinweg. Achthundert Meter, tausendeinhundertdreiunddreissig Schritte, eine winzige Entfernung. Lächerlich, angesichts des Vogelflugs vor unseren Augen.

    Hilde blinzelt, bellt, schnappt sich meine Hand. Sie wirkt müde, aber kämpft dagegen. Heute jault sie oft, sobald ich mich nicht um sie kümmere. Ich weiß nicht, ob sie Schmerzen hat oder nur Leckerlis will, Aufmerksamkeit erregen, gestreichelt werden wollen. Vielleicht ein Mix von allem.

    Abends scheint die Sonne. Wir sind übern Hof spaziert und an beiden Enden ein bisschen ins Grüne. Dann hole ich den Stuhl unterm Bus hervor und setze mich an die Koppel, während Hilde herumwuselt, und es dauern lässt, bis sie sich neben mich ins Gras legt.

    Die Pferde kommen vorbei und schauen uns zu, ein Stück Regenbogen schiebt sich hinter den Bäumen hervor, die Vögel zwitschern und sind neben dem Geräusch eines Fliegers gut zu hören.

    In der Ferne rufen Kraniche aus dem Naturschutzgebiet des Drömling. Die Sonne liegt auf dem Dach des blauen Bus.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,608
    May 15, 2026
    Calvörde

    No sooner had I sent off yesterday’s text than natural spectacles swept across the land. First, the rainbow—closing the loop right at its very end, just before the sun vanished behind a band of clouds.

    Then, the serpent, from whose jaws bright sunlight shone until the fiery orb rolled away beneath it. Finally, the animal-shaped cloud formations. During the night, I thought I heard voices—a creaking sound at my tailgate—while Hilde slept soundly, leaving me with the distinct impression that my dreams had played a trick on me.

    I wake early to greet the new day. The temperature has dropped nearly to freezing. Hoarfrost coats the meadows; the sun rises from behind the trees, and with its light, draws a trailing wisp of mist up from the ground.

    I do not want to get up; I give my dreams space to carry me far back in my life—a strange journey back to the time of my early marriage, when the children were still small, and the world could well have been perfectly in order.

    Many clouds, much wind; my son calls twice; the temperature rises only slowly. Much birdflight, chirping, and bobbing on the stones and wooden beams. The green meadow is thickly speckled with yellow flowers.

    At two o'clock in the afternoon, I step out of the blue bus. It is the first time today—after a midday nap, with the dog resting on my pillow. I have gained weight—too many dairy products. What calories, after all, am I burning when my head sleeps for more or less the same amount of time as my body? Or vice versa.

    I simply miss the shifting scenery—the challenge of seeing and recognizing. Here, nature delivers every event right to your doorstep.

    Today, there is hardly any wind. I am dressed too warmly. I return completely drenched in sweat. It was a grueling trek to reach the tree from yesterday. I felt like doing nothing more than collapsing against its trunk and weeping.

    My son-in-law walks me back. On the steps of the bus, the pain subsides; sweat breaks out, and a gentle breeze wafts over my sense of disillusionment. Eight hundred meters, one thousand one hundred thirty-three steps—a minuscule distance. Ridiculous, considering the flight of the birds unfolding before our eyes.

    Hilde blinks, barks, and nudges my hand. She looks tired, yet she fights against it. Today, she whines often—whenever I am not attending to her. I don’t know if she is in pain, or if she simply wants treats, seeks attention, or longs to be petted. Perhaps it is a mix of everything.

    In the evening, the sun is shining. We strolled across the yard and ventured a little way into the greenery at both ends. Then I pull the chair out from under the bus and sit down by the paddock, while Hilde bustles about, taking her time before finally lying down in the grass beside me.

    The horses come by and watch us; a sliver of rainbow emerges from behind the trees; and the birds are chirping—clearly audible, even alongside the sound of a passing plane.

    In the distance, cranes call out from the Drömling nature reserve. The sunlight rests upon the roof of the blue bus.
    Czytaj więcej

  • Tag Sechsundzwanzig

    14 maja, Niemcy ⋅ ☁️ 9 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.607
    14/05/2026
    Calvörde

    Während wir noch im Bus liegen und den Regentropfen lauschen, die ziemlich doll auf den Bus platschen, eilt die Familie mit Hund Cronos zurück ins Haus, denn der Starkregen hat sie beim Spaziergang erwischt.

    Hilde mag auch nicht aufstehen, also füttere ich sie mit der Medizin, und weil sie nichts trinken will, gibt's heute Ayran ins Wasser. Ja, das schmeckt. Dann ist der Bauch voll und ohne Regen und Papa stromert sie durch die Gründüngung, in der sie sich wohl ungestört fühlt.

    Vielleicht ist auch das feuchte, kühle Gras am Bauch eine angenehme Erfrischung. Intuitiv machen wir Lebewesen ja manchmal das Richtige. Zurück im Bus wird kurz der Knochen bearbeitet, dann überkommt die kleine Maus aber schlagartig die Müdigkeit. Und da das Bettzeug noch da ist, wird das Liegen super bequem.

    Um elf Uhr kommt die Familie vorbei und weckt mich aus der Lethargie mit einem Spaziergang. Am Ende kann ich sagen, gut gelaufen, mich angenehm unterhalten, der Regen ist zum Glück ausgeblieben, die dunklen Wolken sind vom Sonnenschein vertrieben.

    Ich habe einem dieser netten Menschen, die sich gerne mit mir unterhalten, von einer Episode aus meinem Leben erzählt, und dazu zwei Bilder rausgesucht, die belegen, wie ich mit etwa dreißig Jahren 1980 ausgesehen haben.

    Das Bild am Fluss ist um zwei Uhr morgens am finnisch-schwedischen Grenzfluss entstanden, das andere in den Niederlanden. Ich dachte, wenn ich sie schon raussuche, dann kann ich sie auch öffentlich zeigen.

    Für Hilde habe ich den größten Markknochen, den ich auftreiben konnte. Ihre Bearbeitung ist ziemlich lautstark, besonders als sie ihn auf die Palette knallt und dort hin und her schiebt. Irgendwann ist sie so erschöpft, dass sie sich wieder schlafen legt.

    Meine Tochter überrascht mich mit einem Teller, lecker gefüllt mit Kartoffelpüree, Spinat und Rührei. Ich bin ihr sehr dankbar, wie sie so hin und wieder mich umsorgt.

    Mitten in einem Regenschauer, kurz bevor die Sonne wieder herausbricht, gibt es zwei heftige Donnerschläge, die wohl so schnell kamen und gingen, dass nicht mal die Wetter App sie erfassen konnte.

    Allerdings hat sich Hilde sehr erschrocken und muss sich erstmal langsam wieder fassen. Dabei wollten wir beide gerade ein Nickerchen am Nachmittag machen.

    Das ist der neunte Tag bei meiner Tochter, der neunte Tag an einem Ort, der neunte Tag ohne zu reisen. Ich versuche zu vermeiden, darüber nachzudenken, was das mit mir macht, um nicht das innere Gleichgewicht zu gefährden, das ich mir aufgebaut habe.

    Aber ich merke schon, dass meine Motivation zur wertfreien Aufnahme all der Möglichkeiten um mich herum sinkt. Mir ist ständig kalt, wenn ich ans Rausgehen denke, obwohl die Sonne so schön scheint. Die Bücher gucken mich blicklos an, ich könnte lesen, fühle mich aber nicht motiviert.

    Letztendlich zwinge ich mich zur Bewegung, um den Gefühlen entgegen zu arbeiten, ihnen eben keinen Raum zu geben. Der früheste Reparaturtermin könnte der 22. Mai sein, vermutlich wird es aber erst nach Pfingsten klappen.

    Das wichtigste Element ist, dass ich jedem Tag positiv begegne und nicht von einer verlorenen Zeit spreche, in der ich unterwegs hätte sein können. Eine junge Frau, die ich persönlich kenne, schreibt mir heute (und ich hoffe, sie ist damit einverstanden, dass ich ihren Text veröffentliche),
    "Es ist wunderbar, wie positiv du bleibst und wie du die schönen kleinen Dinge erlebst und wertschätzt. Davon können wir so viel lernen."

    Das freut mich, aber ich weiß auch, dass es wichtig ist, seinen eigenen Abgrund zu kennen, um dem Bewusstsein Mut zuzusprechen, dagegen anzukämpfen. Keine großen Ziele, sondern die kleinen Schritte sind es, die uns am Leben halten.

    Mir hilft dabei so kämpferische Musik wie die von Beluga Lagoon, auch ein Tipp einer anderen jungen Frau. Wir lernen, dass wir uns gegenseitig bereichern können, wenn wir offenherzig miteinander leben.

    Hör einfach mal rein und nimm den Spirit mit in deinen Alltag.

    https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lIRum…

    Mitten in Musik und Gedanken hinein, schreibt mein Schwiegersohn, er holt Hilde und mich zu einem Spaziergang ab. Wir würden jetzt die Lücke zwischen dem letzten kleinen Baum und dem nächsten dicken Baum schließen.

    Sie waren schon mit ihrem Hund im Wald. Die ersten fünfzig Meter sind schwer. Da tut der Rücken noch nicht weh, aber die Knie sind steif. Hilde erwischt eine Spur, zum Glück an der Leine, die zu halten schwer ist, weil sie Kraft hat.

    Krebs und Kraft schließen sich eigentlich aus, aber bei Hilde nicht. Sie grinst übers ganze Gesicht, sowas macht ihr besonders Spaß. Zehn Minuten lang ist der Geruch hoch aktuell. Uns folgen zwei Wanderer. Schweres Gepäck, heute fünfundvierzig Kilometer. Morgen nochmal, dann hätten sie ihr Ziel erreicht.

    Der Storch fliegt über unsere Schulter, gerade eben über die Spitzen der Bäume. So elegant, wie er den Wind ausnutzt. Wunderschön anzuschauen. Der Himmel ein Potpourri von Wolken und Blau, Sonne und Weite.

    Manchmal mache ich mir ein paar Gedanken, was über den Juni hinaus gehen könnte. Ganz vorsichtig, keine Tagträume, lediglich einige Flusen wie Schneegestöber oder Blütenstaub.

    Tag für Tag, Stunde um Stunde. "Sei heute achtsam darauf, wie jetzt in der Frühlingszeit das Leben neu aufkeimt und aufblüht. Das Lebendige hat Kraft in sich, allen Widerständen zum Trotz." (Anselm Grün)
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,607
    May 14, 2026
    Calvörde

    While we are still lying in the bus, listening to the raindrops—which are drumming quite heavily against the roof—the family, along with their dog Cronos, rushes back inside; a sudden downpour caught them right in the middle of their walk.

    Hilde doesn't feel like getting up either, so I feed her her medicine; and since she refuses to drink plain water, I mix some Ayran into it today. Yes, that hits the spot. With her belly full—and free from both the rain and Dad—she wanders through the cover crops, where she seems to feel completely undisturbed.

    Perhaps the cool, damp grass against her belly also provides a welcome refreshment. After all, we living creatures sometimes do the right thing purely by intuition. Back inside the bus, she works on her bone for a moment, but then, quite suddenly, a wave of exhaustion washes over the "little mouse." And since the bedding is still laid out, lying down feels incredibly comfortable.

    At eleven o'clock, the family stops by and rouses me from my lethargy with an offer of a walk. In the end, I can say it went well; I enjoyed some pleasant conversation, and—fortunately—the rain held off, with the dark clouds having been chased away by the sunshine.

    I shared an episode from my life with one of those lovely people who enjoy chatting with me, and I dug out two photos to show what I looked like around 1980, when I was about thirty years old.

    The picture by the river was taken at two in the morning on the Finnish-Swedish border river; the other was taken in the Netherlands. I figured that since I had already gone to the trouble of digging them out, I might as well share them publicly.

    I found the biggest marrow bone I could get my hands on for Hilde. Her approach to it is quite boisterous—especially when she slams it down onto the pallet and shoves it back and forth. Eventually, she gets so exhausted that she lies back down to sleep.

    My daughter surprises me with a plate deliciously piled high with mashed potatoes, spinach, and scrambled eggs. I am deeply grateful to her for the way she looks after me every now and then.

    Right in the middle of a rain shower—just before the sun breaks through again—there are two violent claps of thunder; they came and went so quickly, it seems, that even the weather app failed to pick them up.

    However, Hilde got quite a fright and needs some time to slowly compose herself again. And here we were, both just about to take an afternoon nap.

    This marks my ninth day staying with my daughter—the ninth day in one place, the ninth day without traveling. I try to avoid dwelling on what this is doing to me, so as not to jeopardize the inner equilibrium I have managed to build.

    Yet I can already feel my motivation waning—my drive to simply and non-judgmentally take in all the possibilities surrounding me. I feel constantly cold whenever I think about stepping outside, even though the sun is shining so beautifully. The books stare at me with vacant eyes; I *could* read, but I just don't feel motivated to do so.

    Ultimately, I force myself to move—to actively counter these feelings, to simply deny them any room to take hold. The earliest possible date for repairs is May 22nd, though in all likelihood, it won't actually happen until after Pentecost.

    The most important thing is that I approach each day with a positive attitude, refusing to speak of this as "lost time"—time I could otherwise have spent out on the road. A young woman I know personally wrote to me today (and I hope she won't mind me sharing her words here):
    "It is truly wonderful how positive you remain, and how you experience and cherish all the beautiful little things around you. We have so much to learn from that."

    I’m glad to hear that, but I also know that it is important to know one’s own abyss—to find the courage within oneself to fight against it. It isn’t grand goals, but rather the small steps that keep us alive.

    Music with a fighting spirit—like that of Beluga Lagoon (a tip I actually got from another young woman)—helps me in this regard. We are learning that we can enrich one another if we live together with open hearts.

    Just give it a listen and carry that spirit with you into your daily life.

    https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lIRum…

    Right in the midst of the music and my thoughts, my son-in-law texts to say he’s coming to pick up Hilde and me for a walk. He says we’re going to close the gap between the last small tree and the next big one.

    They had already been out in the woods with their dog. The first fifty meters are tough. My back doesn’t hurt yet, but my knees are stiff. Hilde catches a scent—luckily she’s on a leash, though holding onto her is a challenge because she’s so strong.

    Cancer and strength are usually mutually exclusive, but not in Hilde’s case. She’s grinning from ear to ear; that kind of thing is her absolute favorite. For ten minutes straight, that scent is the most important thing in the world to her. Two hikers are following us. Heavy packs; they’re covering forty-five kilometers today. Another forty-five tomorrow, and they will have reached their goal.

    The stork flies over our shoulders, just skimming the treetops. How elegantly he harnesses the wind—a truly beautiful sight. The sky is a potpourri of clouds and blue, of sunshine and vastness.

    Sometimes I find myself pondering—ever so gently—what might lie beyond June. No daydreams, mind you; merely a few wisps, like drifting snowflakes or pollen dust.

    Day after day, hour after hour. "Be mindful today of how, in this springtime season, life is newly sprouting and blossoming. Life itself holds a power within it—defying all resistance." (Anselm Grün)
    Czytaj więcej

  • Tag Fünfundzwanzig

    13–14 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 8 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.606
    13/05/2026
    Calvörde

    Heute morgen bin ich sehr müde. Zu lange habe ich Nachrichten beantwortet, und war nach dem Gespräch mit unserem Besuch am Abend ziemlich aufgekratzt.

    Das linke Knie schmerzt, was keine gute Voraussetzung für den Morgenspaziergang ist, weil die Schmerzen dann viel zu früh in den unteren Rücken steigen. Und so jammere ich mich auf dem Weg zurück, wo Hilde schon ganz unruhig auf mich wartet.

    Thomas hat lange geschlafen und kommt sich verabschieden. Hilde ist unruhig, sie spürt, dass hier was Unangenehmes für sie passiert, obwohl wir die Verabschiedung auf ein Minimum beschränken. Entsprechend wütend bellt sie, als das andere Fahrzeug startet und wegfährt.

    Ich tröste sie, und bald danach ist sie eingeschlafen. Allerdings an der Tür, dass ich ja nicht ohne sie gehen kann. Nach dem Spaziergang hatte es geregnet, als Thomas fährt, kommt die Sonne raus.

    Auf die Entfernung einen Reparaturtermin zu bekommen, bedingt viel Schreiberei. Gestern waren wir schon mal persönlich in einer örtlichen Werkstatt, die Kosten liegen bei 1.900 Euro, dafür würde der Bus von hier abgeholt. Ich erbitte mir Bedenkzeit, um noch andere Möglichkeiten auszukundschaften.

    Dummerweise hat mir der Thomas eine Tafel Schokolade geschenkt, die nun unglücklicherweise vor meinen Augen liegt, und dem nicht standhalten kann, sodass ich mich letztendlich erbarme, und mich ihrer annehme, bis ich Bauchweh bekomme. Aber da ist sie dann auch schon weg.

    Mittags kommt mir der Schwiegersohn mit seinem Hund Cronos entgegen. Ich habe die Hälfte seines Weges dazu gebraucht, um mich fertig zu machen. Aber ich bin wieder fünfhundert Meter gegangen, gleich den Motto, jeder Meter zählt, kämpfe ich um die Beweglichkeit meiner Zukunft. Von den angestrebten täglich fünf Kilometern bin ich allerdings noch weit entfernt.

    Ein anderer lieber Mensch löscht heute unseren Homeblog, der schon seit langem nicht mehr aktualisiert worden ist. Damit habe ich einen weiteren Schritt zurück getan.

    Allerdings habe ich auch überlegt, den YouTube Kanal offen zu halten, um dort vielleicht in größeren Zeitabständen über unseren aktuellen Status zu berichten. Das wäre entspannter als bei so einem Reel über neunzig Sekunden im Wind. Und es hätte den Vorteil, dass ich das Video dann überall verteilen kann, sodass alle Follower, aber auch diejenigen, die mit mir sonst noch verbunden sind, über unsere Situation informiert werden könnten.

    Auf unserem üblichen Hofspaziergang mache ich einen netten Schwatz mit der Enkeltochter, und während ich gerade angefangen habe, den Bus zu reinigen, ruft mich ein netter Mensch an, um mal wieder mit mir zu klönen, und ihren Besuch anzukündigen.

    Ich bin so dankbar für all die lieben Menschen in unserem Leben, die uns in unterschiedlicher Intensität jeden Tag erfreuen. Das ist in keinster Weise selbstverständlich, und deshalb feiere ich immer wieder ein kleines Freudenfest.

    Genauso, wenn abends die Sonne untergeht, und auch wenn ich immer wieder den Strommast im Blick habe, ist kein Bild wie das andere. Immer ein Geschenk. Wie der Vogelflug und das Gezwitscher aus allen Lüften.

    In den letzten Tagen ruft ein Kuckuck sehr regelmäßig, heute morgen überfliegt uns ein Storch, und beim Telefonat beobachte ich eine jagende Weihe. Der Bauer düngt das Feld, der Wind trägt die Düfte übers Land, ein kleiner Vogel wippt auf der Mauer. Der Abend kommt mit leisen Schritten.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,606
    May 13, 2026
    Calvörde

    I feel very tired this morning. I spent too long answering messages, and after our conversation with our visitors last night, I was feeling quite wired.

    My left knee aches—not a good start for a morning walk, as the pain then radiates up into my lower back far too soon. And so, I hobble my way back, where Hilde is already waiting for me, growing quite restless.

    Thomas slept in late and comes to say goodbye. Hilde is agitated; she senses that something unpleasant is happening for her here, even though we keep the farewells to a minimum. Accordingly, she barks furiously as the other vehicle starts up and drives away.

    I comfort her, and soon afterward, she falls asleep—right by the door, just to ensure I can't possibly leave without her. It had been raining after our walk, but just as Thomas drives off, the sun comes out.

    Arranging a repair appointment from a distance involves a great deal of back-and-forth correspondence. Yesterday, we visited a local garage in person; the estimated cost is 1,900 euros, which includes having the van picked up from our current location. I asked for some time to think it over so I could explore other options.

    Foolishly, Thomas gave me a bar of chocolate—which, unfortunately, now lies right before my eyes. Unable to resist the temptation, I eventually take pity on it and polish it off completely—right up until I get a stomach ache. But by then, of course, it’s already gone.

    At lunchtime, my son-in-law comes to meet me with his dog, Cronos. It took me half the distance of his walk just to get myself ready to go out. But I did manage to walk another five hundred meters; true to the motto that "every meter counts," I am fighting for my future mobility. However, I am still a long way off from my daily goal of five kilometers.

    Another dear friend is deleting our home blog today, as it hasn't been updated in quite some time. With that, I have taken yet another step back.

    However, I have also considered keeping the YouTube channel open, perhaps to provide updates on our current status there at longer intervals. That would feel much more relaxed than trying to squeeze everything into a ninety-second "Reel" that vanishes into the digital ether. Plus, it would have the advantage of allowing me to share the video across multiple platforms, ensuring that all our followers—as well as anyone else connected to us—could stay informed about our situation.

    During our usual stroll around the yard, I enjoy a nice chat with my granddaughter; then, just as I’ve started cleaning out the camper van, a lovely person calls me up—simply to have a friendly chat and let me know she’s planning a visit.

    I am so grateful for all the wonderful people in our lives who, in various ways and degrees, bring us joy every single day. This is by no means something to be taken for granted—and that is why, time and again, I celebrate it as a little festival of joy.

    Just so—when the sun sets in the evening, and even though the power pylon is constantly within my view—no two scenes are ever alike. It is always a gift. Like the flight of birds and the birdsong drifting down from every quarter of the sky.

    Over the past few days, a cuckoo has been calling with great regularity; this morning, a stork flew overhead; and while on the phone, I watched a harrier hunting. The farmer is fertilizing the field, the wind carries the scents across the land, and a small bird bobs upon the wall. Evening arrives with quiet steps.
    Czytaj więcej

  • Tag Vierundzwanzig

    12–13 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 6 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.605
    12/05/2026
    Calvörde

    Gerade habe ich einen Löffel verloren. Er lag an der Seite vom Kühlschrank und ich habe noch gedacht, leg ihn besser weg, bevor du die Tür öffnest. Ich höre ein klingendes Geräusch, während ich im Kühlschrank was suche. Und als ich den Deckel schließe, ist der Löffel weg. Und lässt sich auch nicht wiederfinden.

    Ein Phänomen in diesem Bus, in dem immer wieder was verschwindet. Nur selten taucht es wieder auf. Aber ich muss heute eh aufräumen. Und zum Glück habe ich noch einen zweiten Löffel.

    Als ich gerade eine Nachricht aufspreche, fällt mein Blick auf die Federn überm Kühlschrank, und was sehe ich, da steckt der Löffel dazwischen. Das ist lustig. Guckt wie ne Feder in die Luft.

    Am Morgen spazieren wir die Straße runter. Es ist kalt und mein linkes Bein tut so weh, dass ich nicht glaube, heute ein Stück weiter zu gehen. Aber - oh Wunder - das klappt dann doch und macht mich ein wenig stolz, besonders als ich gut zum Bus zurück komme.

    Gestern habe ich das Abschiedsvideo für YouTube aufgenommen, das in der Nacht hochgeladen wurde. Nach der Veröffentlichung bekomme ich viele Reaktionen, über die ich mich sehr freue, und die manchmal ein kleines Gespräch in Gang gesetzt wird.

    Hilde schläft derweil dicht neben mir, sie war heute auf dem Spaziergang sehr fröhlich unterwegs und ist sehr ausgiebig gelaufen. Das und das leckere Frühstück machen müde.

    Wocheneinkauf mit Tochter und Enkelin, die auf Hilde aufpasst. Ich glaube, dass ich immer zuviel einkaufe, weil es die Zwischendurch - Möglichkeit ja nicht gibt. Natürlich wäre es immer möglich, dass mir einer was mitbringt, aber ich möchte so eigenständig wie möglich sein.

    Die Enkelin kocht heute, Camembert, diverse Käsebällchen, leckere Kartoffeltaschen. Der liebe Thomas aus Leipzig ist gerade angekommen und erfährt die freudige Nachricht dieses reichhaltigen Abendessen kurz, nachdem er sich für die Nacht eingerichtet hat.

    Wir sitzen lange zusammen und erzählen, bis er sich um 21 Uhr zurückzieht. Das passt mir gut, habe ich noch Zeit zu schreiben und Nachrichten zu beantworten.

    Hilde ist super gut drauf, nach ein paar Runs schnappt sie sich das Bällchen und bringt es in den Bus. Auch für sie ist der Tag aufregend. Sie rollt sich auf ihrem Sitz zusammen und ist gleich wieder eingeschlafen.

    Die kalten Tage haben Wind und Regen mitgebracht, der übers flache Land fegt, ohne Widerstand, denn wir stehen vor den Häusern. Fast überraschend erleben wir aber trotz der dunklen Wolken auch heute eine sonnige Episode.

    Ich freue mich auf den Schlaf, wir liegen so entspannt auf der Matratze, dass ich trotz des nächtlichen Aufwachens mich an Morgen immer wohl fühle.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,605
    May 12, 2026
    Calvörde

    I just lost a spoon. It was sitting on the side of the fridge, and I actually thought to myself, "You’d better put that away before you open the door." I heard a clinking sound while I was rummaging around inside the fridge. And when I closed the door, the spoon was gone. And it simply couldn't be found anywhere.

    It’s a common phenomenon in this bus: things go missing time and again. Only rarely do they ever resurface. But I need to tidy up today anyway. And fortunately, I still have a second spoon.

    Just now, while recording a voice message, my gaze fell upon the feathers perched above the fridge—and what did I see? There, stuck right in amongst them, was the spoon. It’s quite funny. It’s sticking up into the air just like a feather.

    In the morning, we went for a walk down the road. It was cold, and my left leg hurt so much that I didn't think I’d be able to walk very far today. But—lo and behold—it actually worked out after all; it made me feel a little proud, especially when I managed to make it back to the bus without any trouble.

    Yesterday, I filmed the farewell video for YouTube, which was uploaded overnight. Since publishing it, I’ve received a great many responses—which I’m absolutely delighted about—and which have sometimes even sparked up a little conversation.

    Meanwhile, Hilde is sleeping right beside me; she was in high spirits during our walk today and really covered a lot of ground. That—along with her delicious breakfast—has left her feeling quite sleepy.

    I’ve just finished the weekly grocery run with my daughter and granddaughter, who is currently looking after Hilde. I suspect I always end up buying too much, simply because I don't have the option of popping out for quick, impromptu trips in between. Of course, I could always have someone pick things up for me, but I prefer to remain as independent as possible.

    My granddaughter is doing the cooking tonight: Camembert, an assortment of cheese balls, and some delicious potato pockets. Dear Thomas from Leipzig has just arrived and received the joyful news of this lavish dinner shortly after getting settled in for the night.

    We sit together talking for a long time, until he retires for the night at 9 p.m. This suits me well, as it leaves me time to write and catch up on messages.

    Hilde is in high spirits; after a few runs, she grabs her ball and carries it back into the van. It has been an exciting day for her, too. She curls up on her seat and falls right back asleep.

    The cold weather has brought wind and rain, which sweep across the flat landscape—unimpeded, as we are parked out in the open. Yet, almost surprisingly, and despite the dark clouds, we experience a sunny spell today as well.

    I look forward to sleep; we lie so comfortably on our mattress that—even if I wake up during the night—I always feel rested and at ease come morning.
    Czytaj więcej

  • Tag Dreiundzwanzig

    11–12 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 8 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.604
    11/05/2026
    Calvörde

    Es regnet in Strömen, das Regenfass mir vor Augen ist mittlerweile voll. Pfützen auf dem Weg, auf der Koppel, die Pferde bleiben heute in den Boxen oder sind auf einer der hinteren Wiesen, die ich von hier aus nicht sehen kann.

    Ich bin mit dem Frühstück beschäftigt. Porridge und Tee, dann mal wieder Banane im Nektar püriert für meinen Kaliumhaushalt. Ein Schafsmilchjoghurt und ein Ayran. Das zieht sich hin, während ich ein Video von Finnian sehe. Hilde schläft an meinem Oberschenkel.

    Habe überraschend gut geschlafen. Werde zwar dreimal nachts wach, aber fühle mich erholt. Die neue Matratze ist ein Traum. Zum Spaziergang mit der Familie nieselt es nur ein bisschen, aber mit dem Regen kommen die Schmerzen schneller.

    Hilde hat eine geniale Buddelstelle gefunden, an der ich auf sie warte. Währenddessen fällt mein Stock um und trifft genau auf den nackten, dicken Zeh, der in der letzten Zeit ziemlich empfindlich ist. Irgendwann beruhigt sich der Schmerz. Später reibe ich die Zehen und Ballen mit einer heilenden Salbe ein, die langsam einzieht, während ich im Bus sitze.

    Dick vermummt kommt der Schwiegersohn vorbei, der mir zehn Eier gekocht hat. Schöne, grüne, große Eier von den Hühnern am Hof. Perfekt mit hartem Eiweiß und weichem Gelb, das in Dunkelorange übergeht, gerade richtig getimed.

    Da ich kein Salz benutze, lege ich eine kleine Schicht Griebenschmalz zur Würzung drauf. Eier sind eine luxuriöse Abwechslung für mich, und manchmal auch für Hilde, die aber heute den dritten Markknochen bekommt, den ich letzte Woche für sie gekauft habe.

    Anruf beim Urologen ergibt, dass der PSA Wert niedriger ist, was bedeutet, dass es vorerst keine weiteren Untersuchungen gibt, aber eine erneute Kontrolle Mitte September. Ich bin Gott sehr dankbar dafür.

    Ich hänge durch, langweile mich, kann nicht einschlafen. Essen, hier und da eine Nachricht, während der Regen aufhört, die Luft aber auf neun Grad abkühlt. Lese in der Bibel und in einem christlichen Buch über Vergebung, spiele mit Hilde, denke nach.

    Wir machen einen Spaziergang über den Hof, nachdem es aufgehört hat zu regnen. Die Pferde sind unruhig, werden aber abends noch für einige Zeit auf die Weide gelassen.

    Für einen kurzen Moment spiegelt sich die Sonne in einer Pfütze, bevor eine Partie dunkler Wolken wieder überhand nimmt.

    Als ich angekommen bin, habe ich meinen CD-Player aufgebaut und einen der beiden Sampler dazu gestellt. Tatsächlich habe ich seit einer Woche nicht eine CD gehört. Überhaupt ist mir Musik nur selten eine angenehme Unterbrechung des Tages, den ich weitgehend still verbringe.

    Vielleicht mit Ausnahme des Regens und der krachenden Knochen, die Hilde zernagt. Wie eine Ruhe vor dem Sturm vielleicht, wo ich doch hier die Musik ziemlich laut aufdrehen könnte.

    Man kommt oft in seinem Leben zu einer falschen Zeit an den falschen Ort. Nicht räumlich, sondern innerlich, irgendwie seelisch oder herzlich.

    Vielleicht liegt es daran, dass man sich selbst auf dem Weg irgendwann mal falsch oder zu schnell überholt hat, sich einfach nicht mehr richtig erreicht.

    Ich habe in einer Biographie über Jack Kerouac, der das bekannte Buch aus der Beat-Generation "On the Road" geschrieben hat, gelesen, dass er nach all dem Ruhm und der weltweiten Aufmerksamkeit, sich in das Haus seiner Mutter zurück gezogen hat, und Basketballligen aufgestellt hat, dem Alkohol verfallen ist.

    Ich füge mal den Link einen interessanten Textes über das Buch bei, der auch viel zum Background sagt.

    https://share.google/c7trO13wU8IVdg9zH

    Ich muss dagegen halten, zur Sonne schauen, positive Texte lesen.

    "Es wäre falsch zu glauben, wir dürften nur für die anderen sorgen, und nicht für uns selbst. Barmherzig ist, wer ein Herz hat für die Unglücklichen und Armen. Aber bevor er ein Herz für die Unglücklichen und Armen haben kann, muss er ein Herz für das Arme und Unglückliche in sich selber haben."
    (Anselm Grün)
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,604
    11/05/2026
    Calvörde

    It is pouring rain; the rain barrel right before my eyes is now full. Puddles dot the path and the paddock; the horses are staying in their stalls today, or are out in one of the back meadows that I cannot see from here.

    I am occupied with breakfast. Porridge and tea, followed—once again—by a banana pureed in nectar to help maintain my potassium levels. A sheep’s milk yogurt and an Ayran. It’s a drawn-out affair as I watch a video by Finnian. Hilde is sleeping against my thigh.

    I slept surprisingly well. Although I woke up three times during the night, I feel rested. The new mattress is a dream. For our walk with the family, it is only drizzling a little, but with the rain, the pain sets in more quickly.

    Hilde has found a brilliant spot for digging, where I wait for her. In the meantime, my walking stick topples over and lands squarely on my bare big toe—which has been quite sensitive lately. Eventually, the pain subsides. Later, I rub my toes and the balls of my feet with a healing ointment, which slowly absorbs while I sit on the bus.

    Bundled up warmly, my son-in-law stops by; he has boiled ten eggs for me. Beautiful, large, green eggs from the hens on the farm. Perfect—with firm whites and soft yolks that shade into a deep orange—timed just right.

    Since I don’t use salt, I add a thin layer of crackling lard for seasoning. Eggs are a luxurious treat for me—and sometimes for Hilde, too—though today she gets the third marrow bone I bought for her last week.

    A call to the urologist reveals that my PSA level has dropped, which means no further tests are required for the time being—though there will be a follow-up check in mid-September. I am deeply grateful to God for this.

    I’m feeling listless and bored; I can’t fall asleep. I eat a little, check for messages here and there, while the rain lets up—though the air cools down to nine degrees. I read from the Bible and a Christian book on forgiveness, play with Hilde, and spend some time in thought.

    We take a walk around the farmyard after the rain has stopped. The horses are restless, but they are let out into the pasture for a while longer this evening.

    For a brief moment, the sun is reflected in a puddle, before a mass of dark clouds once again takes over the sky.

    When I arrived, I set up my CD player and placed one of my two samplers alongside it. In truth, I haven't listened to a single CD in a week. In general, music rarely serves as a welcome interruption to my day—a day I spend, for the most part, in silence.

    Perhaps with the exception of the rain, and the crunching bones that Hilde gnaws on. It feels, perhaps, like the calm before the storm—especially considering that, here, I could actually turn the music up quite loud.

    Often in life, one arrives at the wrong place at the wrong time. Not in a spatial sense, but inwardly—somehow spiritually, or deep within the heart.

    Perhaps it is because, somewhere along the way, one has somehow overtaken oneself—moving in the wrong direction, or simply too fast—until one can no longer truly reach oneself.

    I once read in a biography of Jack Kerouac—the author of the famous Beat Generation novel *On the Road*—that after all the fame and worldwide attention, he retreated to his mother's house, where he organized basketball leagues and succumbed to alcoholism.

    I’m attaching a link to an interesting piece about the book, which also provides a lot of background context.

    https://share.google/c7trO13wU8IVdg9zH

    I need to push back against this—to look toward the sun, to read positive texts.

    "It would be wrong to believe that we are permitted to care only for others, and not for ourselves. A merciful person is one who has a heart for the unfortunate and the poor. But before he can have a heart for the unfortunate and the poor, he must have a heart for the poor and unfortunate within himself."
    (Anselm Grün)
    Czytaj więcej

  • Tag Zweiundzwanzig

    10–11 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 17 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    TAG 3.603
    10/05/2026
    CALVÖRDE

    Erst der völlig überraschende, grandiose Sonnenuntergang, nachdem eigentlich schon die dunklen Wolken den Himmel verdeckt hatten. Dann die erste Nacht auf der neuen Matratze.

    Ich kann nicht einschlafen. Meine Situation hält mich in Gedanken fest. Ob ich nochmal den Bus reparieren und durch den Tüv bringen soll, und ihn dann fahre, bis er seinen motorischen Geist aufgibt oder das Getriebe. Auch wenn vielleicht noch etliche kleinere Reparaturen anfallen.

    Oder ob ich die Reise jetzt beende, sesshaft werde, ein anderes, gebrauchtes Auto kaufe, um tagsüber wegfahren zu können. Um halb zwei schaue ich das letzte Mal auf den Wecker und wache vor sechs Uhr auf.

    In der Nacht war es ziemlich kalt, aber die Sonne ist schon aufgegangen und erhellt meinen Morgen. Um viertel nach sieben kommt Cronos angerannt, dem kurze Zeit später direkt vor seiner Nase ein Hase entlang läuft.

    Er verliert schnell das Interesse und kommt zurück, aber als Hilde an die Stelle kommt, schreit ihre Nase 'Hurra, was haben wir denn da Feines', und dicht am Boden folgt sie der Zick-Zack-Spur, die sie irgendwann auch verliert.

    Oder sie hat plötzlich festgestellt, dass ich so weit weg bin. Sie stromert durch die Gründüngung, ist die ganze Zeit voll beschäftigt, und komplett nass, als wir zum Bus zurückkommen.

    Während meines Frühstücks schaue ich gerne eins der Wandervideo eines jungen Mannes an, der Skandinavien durchquert. Mich selber nicht bewegen zu können und bewegte Bilder zu sehen, das ist nicht einfach für mich.

    https://youtube.com/@finniangarvey?si=nJ5v-A3J_…

    Heute morgen haben wir die Stühle hinten aus der Heckklappe genommen, damit ich mich immer mal nach draußen zu den Pferden setzen kann. Warum beide Stühle, fragt er mich. Vielleicht kommt ja jemand vorbei und setzt sich zu mir.

    Erstmal werde ich ein kleines Schläfchen machen, muss dafür Hilde kurz von hinten weglotsen, die natürlich den besten Platz sich genommen hat.

    Als ich eine Stunde später aufstehe, hat uns die Sonne voll im Griff. Doch die offene Tür zeigt die Realität, ein kühles Lüftchen trifft nackte Oberschenkel und Arme. Hilde macht ne Spazierrunde um den Bus, kommt zurück und ist durstig.

    Die Familie lädt uns ein zu einem Spaziergang am Mittag. Als ich auf halben Wege umdrehe, ist Hilde sofort dabei. Grade bevor die Schmerzen im Rücken stark werden, sind wir zurück am Bus.

    Während wir uns noch erholen, kommt eine junge Frau auf dem Rad über den Feldweg gefahren. Hilde stoppt sie. Ihr altes Pferd steht hier auf dem Hof, und manchmal, wenn sie aus der Stadt kommt, besucht sie es.

    Wir kommen ins Gespräch, ich erzähle von unseren Geschichten und Büchern. Vom zweiten Band sind nur noch einige Dutzend da. Vielleicht die Gelegenheit, jetzt eins zu kaufen, und da ich gerade bei der Versandstelle bin, sogar mit Widmung, wenn gewünscht. Den ersten Band gibt es als PDF gratis dazu.

    Es ist ein schönes Gespräch, so eins das man manchmal als Geschenk so im Vorbeigehen bekommt, an einem unscheinbaren Tag wie Heute. Ich bin sehr dankbar.

    Wir sitzen an der Koppel, die Sonne im Gesicht. Hilde hat sich unterm Stuhl eingerollt, die Pferde schauen hin und wieder über den Zaun. Ich höre Musik. Schöne Frauenstimmen. Country Melodien.

    Bin erinnert an meine Jugend in Hessen mit dem amerikanischen Soldatensender AFN, dessen Songs in den stillen, einsamen Nächten mich hinweg ge
    tragen. Vielleicht bin ich auch gar nicht mehr so richtig zurück gekommen. Denke ich mir manchmal.

    Hilde geht es heute nicht gut. Sie hechelt und fiept viel, wenn ich nicht bei ihr bin. Also lege ich mich zu ihr. Und es ist ganz emotional. Ich denke daran, wie Blacky in meinen Armen gestorben ist, und Tossi, als mein Sohn grade sieben Jahre alt war, kurz nach der Trennung von meiner Ex-Frau. Das ist jetzt dreißig Jahre her.

    Aber wie das so ist mit Erinnerungen. Sie brauchen einen Anstoß und dann sind sie gleich wieder lebendig. Ich lasse Hilde aus ihrer Kiste fressen, worauf sie Hunger hat. Dann trinkt sie und springt aus dem blauen Bus, und will mit mir Bällchen spielen.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    DAY 3,603
    May 10, 2026
    CALVÖRDE

    First came the utterly surprising, magnificent sunset—appearing after dark clouds had seemingly already obscured the sky. Then, the first night on the new mattress.

    I cannot fall asleep. My situation holds my thoughts captive. Should I repair the bus once more, get it through its technical inspection, and then drive it until its engine finally gives up the ghost—or the transmission fails? Even if that means facing quite a few minor repairs along the way.

    Or should I end this journey now, settle down, and buy a different, used car just so I can still get out and drive around during the day? At half-past one, I check the alarm clock for the last time; I wake up before six.

    It was quite cold during the night, but the sun has already risen and brightens my morning. At a quarter past seven, Cronos comes running up—only for a hare to dash right across his path, directly under his nose, just moments later.

    He quickly loses interest and comes back; but when Hilde reaches the spot, her nose practically screams, "Hurray! What delicious scent have we here?" With her nose held low to the ground, she follows the zigzagging trail—a trail she eventually loses as well.

    Or perhaps she suddenly realized just how far away I am. She roams through the green manure crop, keeping herself fully occupied the entire time—and ends up completely soaked by the time we return to the bus.

    While having my breakfast, I enjoy watching one of the hiking videos made by a young man who is traversing Scandinavia. Being unable to move myself while watching moving images—that isn't easy for me.

    https://youtube.com/@finniangarvey?si=nJ5v-A3J_…

    This morning, we took the chairs out of the back compartment so that I could sit outside with the horses whenever I felt like it. "Why both chairs?" he asked me. "Well, maybe someone will stop by and sit down with me."

    First, though, I’m going to take a little nap; to do so, I have to briefly coax Hilde away from the back of the bus—where she has, naturally, claimed the very best spot for herself.

    When I get up an hour later, the sun has us completely in its grip. Yet the open door reveals the reality: a cool breeze brushes against my bare thighs and arms. Hilde takes a quick stroll around the bus, comes back, and is thirsty.

    The family invites us to join them for a midday stroll. When I turn back halfway through, Hilde is right there with me. Just before the pain in my back becomes too intense, we are back at the bus.

    While we are still catching our breath, a young woman comes riding down the dirt track on her bicycle. Hilde stops her. Her old horse is stabled here on the farm, and sometimes, when she comes out from the city, she stops by to visit him.

    We strike up a conversation; I tell her about our stories and books. We have only a few dozen copies left of the second volume. Perhaps this is the perfect opportunity to buy one—and since I happen to be right here at the "shipping department," I can even include a personal dedication, if she wishes. The first volume is included as a free PDF download.

    It is a lovely conversation—the kind of gift one sometimes receives quite unexpectedly, almost in passing, on an otherwise unremarkable day like today. I feel deeply grateful.

    We sit by the paddock, the sun warming our faces. Hilde has curled up beneath my chair, while the horses occasionally peer over the fence. I am listening to music—beautiful female voices, country melodies.

    I am reminded of my youth in Hesse, and of the American Forces Network—AFN—whose songs carried me away during those quiet, lonely nights. Perhaps, in a way, I never truly came back. That is what I tell myself sometimes.

    Hilde isn't doing well today. She pants and whimpers a lot whenever I’m not right there with her. So, I lie down beside her. And it feels quite emotional. I think back to how Blacky died in my arms—and Tossi, too, back when my son was just seven years old, shortly after my separation from my ex-wife. That was thirty years ago now.

    But that is the nature of memories: they need only a nudge, and suddenly they spring back to life. I let Hilde eat straight out of her crate—whatever she happens to be in the mood for. Then she has a drink, hops out of the "blue bus," and wants to play ball with me.
    Czytaj więcej

  • Tag Einundzwanzig

    9–10 maj, Niemcy ⋅ ⛅ 11 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    TAG 3.602
    09/05/2026
    Calvörde

    Heute bekomme ich eine Nachricht, ob ich schon mal darüber nachgedacht habe, mein Leben dahingehend zu verändern, dass ich vielleicht in ein 'Betreutes Wohnen' einziehen könnte, weil man den Eindruck habe, dass mich das Leben alleine im blauen Bus überfordert.

    Wie viele ältere Menschen reagiere ich auf so einen Vorschlag ablehnend, weil ich glaube, noch eigenständig genug zu sein, um meinen Weg so weiter zu gehen. Tatsächlich habe ich mich in schwierigen Situationen schon mal gefragt, was ich mir selbst vorstellen könnte.

    Bei all diesen Überlegungen gibt es einen Knackpunkt, der in meiner Geschichte zu finden ist. Der Wunsch nach Selbstbestimmung und die Möglichkeit, mich aus eigenen Kräften bewegen zu können, hat einen so hohen Stellenwert in meinem Leben, dass es darüber zur Zeit keine Alternative gibt.

    Nach außen hin betrachtet, mag unser Leben armselig sein, aber ich liebe es. Wir werden heute Nacht auch wieder im Bus schlafen. Trotz des Komfort eines breiten Bettes ist die Qualität unseres Lebens im Bus eindeutig besser.

    Alleine schon das morgendliche Aufwachen, der Blick ins Rund, Hilde's Möglichkeit, kurz mal raus zu gucken, ob noch alle Grashalme da sind, mich vor dem Anziehen zu waschen (und nicht wie jetzt hinterher). Kurz gesagt, mein eigener Lebensrhythmus im Bus ist mir viel lieber als ein Bett im Haus.

    Aber ich musste es mal ausprobieren. Und ich hatte ja auch meine Gründe. Gestern Abend habe ich meine Haare gewaschen, mich rasiert und die Vorzüge eines kleinen Bades genutzt. Das steht mir ja nach wie vor jederzeit frei, solange wir hier wohnen.

    Denn natürlich bin ich dankbar, dass wir hier auf dem Grundstück stehen können, wo der Bus eben nicht fahrbereit ist. Allerdings durchzuckt es mich regelrecht, als ich heute den Motor starte, um den Bus richtig grade zu stellen.

    Auch Hilde guckt sofort, ob es wieder los geht, denn egal wie schön es an einem Ort ist, unterwegs ist viel besser. Ich habe die Fenster vorne verdunkelt und den Bus gereinigt. Für Hilde habe ich noch einen Markknochen, auf den sie sich heißhungrig stürzt, nur um danach ein Schläfchen zu machen.

    Der Tag ist bewölkt, im Bus läuft der Ventilator, und ich überlege, ob ich es Hilde gleich tue. Nach ner Weile kuschelt sich der Hund zu mir, was immer ganz süß ist. Dann klopft es am Bus, Hilde will der erste sein, latscht über meinen Arm, und schwupps, habe ich wieder eine blutende Wunde, dann ein weißes Pflaster. War gerade richtig gesund gewesen. Das ist jetzt vorbei.

    Nachmittags machen wir einen Gang über den Hof, und hinten raus, an den Pferden vorbei zu einer Weide. Da wachsen schöne Blumen an der Koppel, Hilde stromert durch die Boxen der Pferde, wo sie gerne mal jeden Mist findet, den sie nicht mehr hergibt.

    Die Schwalben fliegen tief, es soll Anfang der Woche einen Wetterumschwung geben, heute haben sie schon mal einen reich gedeckten Tisch.

    Um halb sieben gibt es für Hilde Abendessen und für mich ein Fitlinegetränk mit den Tabletten. Ein bisschen Blau ist rausgekommen und erhellt auf seine Art die abendlichen Stunden.

    Als die Familie einen Abendspaziergang macht, schließen wir uns an bzw ich spaziere hinterher, bis sie mir entgegen kommen. Hilde will eilig zurück zum Bus und wartet dort ganz ungeduldig auf mich. Sie ist eindeutig müde.

    Für einen Moment schiebt sich die Sonne dramatisch durch die Wolken und sagt uns gute Nacht. Das wird die Erste auf der neuen Matratze, da bin ich schon ganz gespannt.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    DAY 3,602
    09/05/2026
    Calvörde

    Today I received a message asking whether I had ever considered changing my life—perhaps by moving into an assisted living facility—as the sender felt that living alone in the blue bus was becoming too overwhelming for me.

    Like many older people, I react to such a suggestion with resistance, for I believe I am still independent enough to continue on my path just as I am. In truth, however—particularly during difficult moments—I have indeed asked myself what alternatives I might be able to envision for myself.

    Amidst all these considerations, there is one crucial point rooted in my personal history: the desire for self-determination, and the ability to move about under my own power, hold such paramount importance in my life that—at this moment in time—there simply is no alternative.

    Viewed from the outside, our life may appear meager; yet I love it. Tonight, once again, we will be sleeping in the bus. For despite the comfort of a wide bed, the quality of our life in the bus is unequivocally superior.

    Just the simple act of waking up in the morning, taking in the view all around; the chance for Hilde to pop her head out for a moment to check if all the blades of grass are still there; the ability to wash up before getting dressed (rather than afterwards, as is currently the case)—in short, I much prefer my own personal rhythm of life in the bus to sleeping in a bed inside a house.

    But I had to give it a try at least once. And, after all, I did have my reasons. Last night, I washed my hair, shaved, and took full advantage of the amenities of a small bathroom. That option, of course, remains open to me at any time, for as long as we are staying here.

    For naturally, I am grateful that we are allowed to park here on this property—especially since the bus isn't currently roadworthy. Nevertheless, a genuine thrill runs through me today as I start the engine to straighten up the bus properly.

    Hilde, too, immediately looks up to see if we’re setting off again—for no matter how lovely a particular spot might be, being on the road is always far better. I’ve put up the blackout screens on the front windows and cleaned out the bus. I also gave Hilde a marrow bone, which she pounced on ravenously—only to settle down for a nap immediately afterward.

    The day is overcast, the fan is humming inside the bus, and I’m contemplating following Hilde’s lead. After a while, the dog snuggles up close to me—something that is always quite sweet. Then comes a knock on the bus door; Hilde wants to be the first one there, tramples right over my arm, and—*whoosh*—just like that, I’m sporting another bleeding wound, soon to be covered by a white bandage. I had just managed to get myself fully healed, too. Well, so much for that.

    In the afternoon, we take a stroll across the courtyard and out the back—past the horses—to a pasture. Beautiful flowers are blooming along the paddock fence, while Hilde roams through the horse stalls, where she invariably unearths some piece of junk that she then refuses to give up.

    The swallows are flying low; a change in the weather is forecast for the beginning of the week, but today, at least, they have a veritable feast laid out before them.

    At half past six, Hilde gets her dinner, and I have a FitLine drink along with my supplements. A patch of blue sky has broken through, brightening the evening hours in its own subtle way.

    When the family sets out for an evening walk, we join them—or rather, I trail along behind until they turn around to meet me. Hilde is in a hurry to get back to the bus and waits there for me quite impatiently. She is clearly tired.

    For a brief moment, the sun dramatically pushes its way through the clouds to bid us goodnight. This will be my first night on the new mattress—I’m really looking forward to it.
    Czytaj więcej

  • Tag Zwanzig

    8–9 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 12 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.601
    08/05.2026
    Calvörde

    So ein gespaltetes Leben ist schwierig, aber nicht unmöglich. Es tut uns gut, im Haus zu schlafen, und von dort aus morgens mit der Familie spazieren zu gehen.

    Obwohl ich ausgeruht bin, schafft mein Körper mit Mühe siebenhundert Meter. Auf der Hälfte beginnen die Schmerzen, und der Rückweg ist mühsam. Das Photo ist entstanden, kurz nachdem ich zurück gekommen bin.

    Im Bus koche ich Wasser, dann ziehe ich mich wieder aus, wasche meinen Körper, zieh mich wieder an. Der Schwiegersohn bringt mir die frische Wäsche, ich muss mich um viel weniger kümmern. Das birgt Gefahren. Aber es ist natürlich auch ein angenehmes Entgegenkommen.

    Heute ist die Sonne wieder da. Als ich nachts aus dem Fenster schaue, weht mir eine kalte Nachtluft entgegen, die Sterne leuchten am schwarzen Himmel. Das sieht sehr schön aus. Am Horizont ein roter Streifen, vielleicht ein Widerschein der Lichter von Wolfsburg und seiner Industrie.

    Der volle Kühlschrank hat mich gestern verführt, heute kann ich ihm vielleicht besser widerstehen. Alleine mein dicker Bauch ist schon Schreckgespenst genug. Mässige dich, Peter. Die schlanken Bilder, die ich auf Facebook entdeckt habe, sind keine zehn Jahre her.

    Disziplin bekommt gerade dort einen besonderen Stellenwert, wo man darum kämpfen muss. Wenn dir alles leicht zufällt, ist die Herausforderung viel geringer. Erst wenn die Umstände sich verschlechtern, dann musst du bereit sein, dich für dich selber einzusetzen.

    Das fällt mir nicht leicht. Wenn du eine Sache vergisst, dann überholt es dich spätestens am übernächsten Tag. Deshalb muss ich konsequent bleiben, auch wenn es mir schwer fällt, und so einer Art von Freiheitsgedanken vollkommen widerspricht.

    Um Freunde von Facebook zu entfernen, bedarf es einen Klick. Aber Follower kleben regelrecht an dir. Du musst sie blockieren, um sie loszuwerden. Nach einigen Stunden muss ich die Blockierung wieder aufheben, damit sie auch mit mir kommunizieren können, denn eigentlich möchte ich ja, dass sie unsere Reise auch weiterhin begleiten können.

    Gerade kommt ein lieber Mensch vorbei. Sie hat gestern eine gut erhaltene Matratze geschenkt bekommen, die sie für uns zurecht geschnitten und mit einer Hülle umnäht hat. Die schenkt sie mir jetzt einfach so, ich bin sehr berührt. Ich liege wunderbar darauf und freue mich, endlich wieder im Bus gut schlafen zu können.

    Seit Jahren führe ich eine kleine Kiste mit Erinnerungen mit mir. Hauptsächlich Bilder aus verschiedenen Epochen meines Lebens. Heute habe ich sie alle nochmals gesichtet, und all das rausgenommen, was diejenigen nicht mehr betrifft, die die Kiste eines Tages an sich nehmen.

    Für all die schönen Frauen in meinem Leben, die es länger als einen Tag mit mir ausgehalten haben, braucht es keine Bilder, sie sind in meiner Erinnerung verankert.

    Wir machen kleine Spaziergänge um den Hof herum, spielen mit ihrem Ball, und ich fotografiere sie. Cronos kommt vom Spaziergang zurück. Er macht extra einen großen Bogen um den blauen Bus herum, weil Hilde klare territoriale Ansprüche stellt, und entsprechend gespannt ist.

    Das ist leider so ihr Wesen, dass ihr sofort alles an dem Ort gehört, wo wir stehen. Sofern sie die Gelegenheit dazu hat. Und hier ist das so. Ihr Geruchssinn hat nachgelassen, ebenso die Orientierung. Wenn der Ball an ihr vorbei springt, verliert sie ihn aus dem Blick, und es dauert, bis sie ihn mit meiner Unterstützung wiederfindet. Das kann allerdings auch an der nachlassenden Sehkraft liegen.

    Es emotional schwer für mich, das auszuhalten, und gleichzeitig nicht wegfahren zu können. Sie wirkt den ganzen Tag müde, nimmt sich immer wieder Pausen, in denen sie sofort einschläft.

    Und gleichzeitig ist sie sehr schmusig und anhänglich. Die Sonne ist ein paar Mal zu Besuch, ansonsten haben wir viele Wolken, die aber nicht nach Niederschlag aussehen. Vielleicht ein Stimmungsbild von uns.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,601
    May 8, 2026
    Calvörde

    Living such a divided life is difficult, but not impossible. It does us good to sleep in the house and to go for a walk with the family from there in the morning.

    Although I am well-rested, my body struggles to manage seven hundred meters. The pain sets in halfway through, and the return journey is arduous. The photo was taken shortly after I got back.

    Inside the bus, I boil some water; then I undress again, wash my body, and get dressed once more. My son-in-law brings me fresh laundry; I have far fewer things to worry about. This carries its own risks. But, of course, it is also a welcome kindness.

    Today, the sun has returned. When I look out the window at night, a cold night breeze blows against me, and the stars shine in the black sky. It looks very beautiful. On the horizon, there is a red streak—perhaps a reflection of the lights from Wolfsburg and its industries.

    The full fridge tempted me yesterday; perhaps today I will be better able to resist it. My bulging belly alone is a frightening enough specter. Exercise moderation, Peter. Those photos of my slimmer self that I came across on Facebook were taken less than ten years ago.

    Discipline takes on a special significance precisely in those situations where one has to fight for it. When everything comes easily to you, the challenge is far less intense. It is only when circumstances take a turn for the worse that you must be ready to stand up for yourself.

    This does not come easily to me. If you let one thing slide, it will inevitably catch up with you—usually by the very next day. That is why I must remain consistent, even when I find it difficult—and even when it completely contradicts a certain sense of freedom I hold dear.

    Removing friends on Facebook takes just a single click. But followers practically cling to you. You have to block them to get rid of them. After a few hours, however, I have to unblock them so that they can communicate with me again—for, deep down, I actually want them to continue following along on our journey.

    Just now, a dear friend stopped by. Yesterday, she was gifted a well-preserved mattress, which she then cut to size and fitted with a custom-sewn cover just for us. She is simply giving it to me now, just like that; I am deeply touched. It feels wonderful to lie on, and I am delighted to finally be able to get a good night's sleep in the bus again.

    For years, I have carried a small box of memories with me—mostly photographs from various chapters of my life. Today, I went through them all once more, removing anything that no longer concerns the people who will one day inherit this box.

    For all the beautiful women in my life who have put up with me for longer than a day—no pictures are needed; they are anchored in my memory.

    We take short walks around the yard, play with her ball, and I take photos of her. Cronos returns from his walk. He makes a point of giving the blue bus a wide berth, as Hilde has staked clear territorial claims and is accordingly on high alert.

    Unfortunately, that is simply her nature: she immediately claims ownership of everything in the spot where we happen to be standing—provided, of course, that she has the opportunity to do so. And here, that is exactly the case. Her sense of smell has faded, as has her sense of orientation. If the ball bounces past her, she loses sight of it, and it takes some time—with my assistance—for her to find it again. Though, that could also be due to her failing eyesight.

    It is emotionally difficult for me to bear witness to this, while simultaneously being unable to simply drive away. She seems tired all day long, taking frequent breaks during which she falls asleep instantly.

    And yet, at the same time, she is incredibly cuddly and affectionate. The sun makes a brief appearance a few times; otherwise, we have plenty of clouds—though they don't look like they're going to bring any rain. Perhaps this captures the mood of the moment for us.
    Czytaj więcej

  • Tag Neunzehn

    7–8 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 9 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.600
    07/05/2026
    Calvörde

    Die erste Nacht im Haus ist überraschend angenehm. Hilde kuschelt wie ein Baby, aber ich habe Platz genug, mich zu drehen, und meine schmerzenden Knie zu entspannen.

    Morgens ist noch schwierig. Obwohl ich ein Bad habe, unterlasse ich die Körperwäsche bzw verschiebe sie auf den Bus. Das ist auch schlau, denn nach dem Spaziergang bin ich verschwitzt.

    Wir kommen zu früh aus dem Zimmer und die Hunde treffen aufeinander. Das habe ich immer befürchtet, aber im Gegensatz zu draußen, respektiert Hilde, das Cronos hier das Sagen hat.

    Meine Tochter nimmt sie mit zum Spaziergang, sie dreht sich dauernd nach mir um. Ich gehe hinterher, in meiner Geschwindigkeit, und irgendwann kommt sie im Eiltempo zurück gelaufen. So glücklich.

    Am Bus bin ich durch. Neunhundert Meter waren zuviel, aber ich bin zufrieden. In der Zwischenzeit haben sich liebe Menschen gemeldet, die für die erste Reparatur Möglichkeiten eruieren.

    Das wäre natürlich eine Erleichterung, wenn der Bus früher fahrbereit ist. Ich würde trotzdem hier bleiben, wäre aber unabhängiger. Und es haben sich Besucher angekündigt. Denn wenn man mal weiß, wo wir sind, kann man auch besser planen.

    Frühstück im blauen Bus. Mit Strom haben wir eine Standheizung, denn noch ist es kalt und regnerisch. Nebenan die Pferde, die ab und an gucken, ob wir noch da sind. Die Fußgelenke tun weh, wenn Hilde so nett ist, darf ich mich nachher mal hinlegen.

    Heute beende ich die Aktion mit den Beiträgen von Facebook. Die ersten beiden Bilder vom Anfang im September 2012 füge ich bei. Der Hund ist Blacky, der kurz vorher mit 12 Jahren in meinen Armen gestorben ist. Das andere Bild bin ich, bevor die Haare anfingen zu wachsen.

    Meine Tochter bringt mir leckeres Essen, die Familie unterstützt mich vielfältig, denn außerhalb vom Bus im kleinen Zimmer ist manches durchaus schwieriger. Das Wasser fürs Fußbad bekomme ich nicht die Treppen alleine runter. Also zumindest müsste ich es hinter mir her ziehen, weil Tragen keine Option ist.

    Hilde findet das mit dem Zimmer gut, auch wenn sie vielleicht lieber im Bus wäre. Und ja, ist schon komisch, wenn er da draußen alleine stehen bleibt, er wirkt so verloren. Und ich glaube, er freut sich, wenn wir morgens um die Ecke kommen.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,600
    07/05/2026
    Calvörde

    The first night in the house is surprisingly pleasant. Hilde cuddles up like a baby, but I have enough room to turn over and give my aching knees a rest.

    Mornings are still a struggle. Although I have a bathroom at my disposal, I forgo washing up—or rather, I put it off until we get to the bus. That turns out to be a smart move, as I’m all sweaty after our walk.

    We leave the room a bit too early, and the dogs run into each other. That’s something I’ve always dreaded, but unlike when we’re outdoors, Hilde respects the fact that Cronos calls the shots here.

    My daughter takes her along for the walk, and Hilde keeps turning around to look back at me. I follow behind at my own pace, and eventually, she comes running back toward me at full speed—so happy.

    By the time I reach the bus, I’m completely spent. Nine hundred meters was a bit too much, but I feel satisfied. In the meantime, some kind-hearted people have reached out to explore options for getting the first round of repairs done.

    It would certainly be a relief if the bus were roadworthy sooner. I would still stay here regardless, but I would be more independent. Plus, we have visitors coming over—after all, once people know where we are, it makes planning a lot easier.

    Breakfast in the blue bus. Since we have access to electricity, we’re running the auxiliary heater—it’s still cold and rainy out. Right next door are the horses, who occasionally pop their heads over to check if we’re still around. My ankles are aching; if Hilde is feeling kind, she might let me lie down for a bit later on.

    Today, I’m wrapping up my series of posts featuring content from Facebook. I’ve attached the first two photos from the very beginning, back in September 2012. The dog is Blacky, who passed away in my arms shortly before that—he was twelve years old. The other picture is of me, taken before my hair started growing back in.

    My daughter brings me delicious meals, and my family supports me in countless ways; living outside the bus—in that little room—makes certain things considerably more difficult. For instance, I can’t manage to carry the water for my foot bath down the stairs all by myself. At the very least, I’d have to drag it behind me, since actually carrying it isn’t an option.

    Hilde is quite happy with the room arrangement, even if she might secretly prefer to be inside the bus. And yes, it does feel a bit strange leaving it standing out there all alone; it looks so forlorn. I honestly think it gets excited when we come around the corner in the morning.
    Czytaj więcej

  • Tag Achtzehn

    6–7 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 11 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.599
    06/05/2026
    Oebisfelde -
    Calvörde -
    Damm-Mühle

    Es regnet die ganze Nacht. Morgens um sieben Uhr geht Thomas netterweise kurz mit Hilde raus, weil er in seiner Regenbekleidung schon vorher mit seinem Hund draußen war.

    Bevor ich mich überhaupt anziehen kann, sind die Fahrzeuge neben mir weg, die ganze Familie ist auf dem Weg zur Arbeit. Wir warten im blauen Bus.

    Um kurz vor elf Uhr wird der Bus aufgeladen. Im Regen, während ein lieber Mensch kommt, um Hilde und mich abzuholen. Meine Hündin ist verwirrt und ungläubig. Was passiert nun schon wieder mit ihrem Zuhause.

    Total ängstlich steigt sie zu mir ins andere Auto ein, dass uns zu meiner Tochter fährt, wo wir direkt hinterm Abschleppdienst ankommen.

    Sonst ist sie immer ganz fröhlich, wenn wir hier sind. Aber heute überwiegt deutlich ihre Panik. Also schnell in den blauen Bus hinein.

    Mich fragt öfter mal jemand, warum ich mir diesen ganzen Stress mit dem unsicheren Fahrzeug antue. Hilde ist die Antwort. Der blaue Bus ist ihr Zuhause, außer mir der andere sichere Fixpunkt in ihrem Leben.

    Ohne mich und den blauen Bus wäre sie nur noch ein Häufchen Elend.

    Jetzt bleiben wir etwa fünf Wochen bei meiner Tochter, wohnen nachts in einem kleinen Zimmer im Haus, und sind tagsüber im blauen Bus, und draußen zwischen Sonnenaufgang und ihrem abendlichen Untergang. Oder wie heute, im Regen.

    Würde der Bus letztendlich gar nicht mehr fahren, wäre er aber unser Zuhause, solange wie Hilde lebt. Dann gäbe es vielleicht einen kleinen Pkw für Tagesreisen. Aber da sind wir noch weit entfernt. Hoffe ich zumindest.

    Selbst meine Tochter wird nicht überschwenglich begrüßt, schnell ist Hilde wieder im Bus verschwunden.

    Sie fährt mit uns einkaufen, wir holen die Enkelin von der Schule ab, weil sie dann bei Hilde im Auto bleibt. Erstmal die Schränke vollmachen, die Vorräte auffüllen für die nächsten Wochen.

    Ich hatte Medikamente bestellt für ein halbes Jahr. Wegen der geplanten Verteuerung, der nächsten Reise im Sommer. Denn im Juni wird nochmal Tüv sein, das letzte Mal in seinem blauen Leben.

    Der Einkauf ist im Bus, die Hilde auch. Heute finden keine großen Spaziergänge statt, aber vorhin ist sie mit dem großen Hund vom Hof um die Wette gerannt. Der würde auch noch gerne mehr mit ihr zusammen sein, aber das mag sie nicht leiden.

    Gestern fiel mir der Begriff Lockdown ein. Das hatte die Ursache, dass ich grade die Beiträge auf Facebook löschen und dort diesem Begriff im Jahr 2020 begegnet bin.

    Dieser Moment, in dem von einem Augenblick an, kein Reisen mehr möglich war. Ganz liebe Freunde hatten uns ein Appartement angeboten, und die Teilnahme an den Mahlzeiten im Altersheim nebenan. Also an der Küche mein Essen abholen zu dürfen, welches besondere Entgegenkommen das war, habe ich nie ganz in Worte fassen können. Aber es hat tiefe Spuren in meinem Herzen hinterlassen.

    Damals begann der Frühling und ich hatte mir vorgenommen, an jedem Tag eine neue Blüte zu posten.

    Seinen Facebook Account aufzuräumen würde ich jedem empfehlen. Was sich da ein Mist angesammelt hat, das glaubt man gar nicht. Und ja, man hat das alles gepostet, in vollem Bewusstsein, dass es jemand lesen würde, ja vielleicht sogar liken könnte.

    Definitiv eine interessante Erfahrung. Für die letzten sieben Jahre waren es knapp 4.500 Beiträge. Für die ersten sieben Jahre sind es immer noch über 2.300 weitere Einträge.

    Sehr langatmig der Job, aber gut. Gerade mit Hilde draußen gewesen, und endlich hat sie Lust, Ball zu spielen und Späßchen mit mir zu machen. Da geht mein Herz auf.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,599
    06/05/2026
    Oebisfelde -
    Calvörde -
    Damm-Mühle

    It rained all night. At seven in the morning, Thomas kindly took Hilde out for a quick walk, having already been out earlier with his dog in his rain gear.

    Before I could even get dressed, the vehicles next to me were gone; the whole family was on their way to work. We waited in the blue bus.

    Shortly before eleven, the bus was loaded up. In the rain, while a kind person came to pick up Hilde and me. My dog was confused and incredulous. What was happening to her home again?

    Completely terrified, she climbed into the other car with me, which took us to my daughter's house, where we arrived right behind the tow truck.

    She's usually so cheerful when we're here. But today, her panic clearly overpowered her. So, we quickly got into the blue bus.

    People often ask me why I put myself through all this stress with the unreliable vehicle. Hilde is the answer. The blue bus is her home, the only other stable anchor in her life besides me.

    Without me and the blue bus, she'd be a miserable wreck.

    We're staying with my daughter for about five weeks now, sleeping in a small room in the house at night, and spending our days in the blue bus, or outside between sunrise and sunset. Or, like today, in the rain.

    If the bus were to eventually stop running altogether, it would be our home as long as Hilde lives. Then maybe we'd get a small car for day trips. But we're still a long way from that. At least, I hope so.

    Even my daughter doesn't get a effusive welcome; Hilde quickly disappears back into the bus.

    She comes shopping with us, and we pick up our granddaughter from school because she stays with Hilde in the car. First things first: stocking up on supplies for the next few weeks.

    I ordered enough medication for six months because of the planned price increase and our next trip in the summer. The car's inspection (TÜV) is due in June, the last one in its lifetime.

    The groceries are in the van, and so is Hilde. We're not going for long walks today, but earlier she raced the big dog from the yard. He'd love to spend more time with her, but she doesn't like it.

    Yesterday, the word "lockdown" came to mind. This was because I was deleting posts on Facebook and came across the term in 2020.

    That moment when, suddenly, travel was no longer possible. Very dear friends had offered us an apartment and the opportunity to join them for meals at the retirement home next door. Being able to pick up my food from the kitchen—I've never been able to fully put into words what a special gesture that was. But it left a deep mark on my heart.

    Back then, spring was beginning, and I had resolved to post a new flower every day.

    I would recommend cleaning up your Facebook account to everyone. You wouldn't believe the amount of junk that accumulates there. And yes, you posted all of it, fully aware that someone would read it, maybe even like it.

    Definitely an interesting experience. For the last seven years, there were almost 4,500 posts. For the first seven years, there are still over 2,300 more.

    It's a very tedious job, but good. I was just outside with Hilde, and she finally wants to play ball and joke around with me. That warms my heart.
    Czytaj więcej

  • Tag Siebzehn

    5–6 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 12 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    TAG 3.598
    05/05/2026
    Schwülper -
    Braunschweig -
    Wolfsburg

    Eine gute Nacht, wünscht mir ein lieber Mensch, in der Hoffnung, dass ich überhaupt schlafen kann.

    Eigentlich bin ich davon ausgegangen, denn die Gespräche mit Claus waren gut, und Hilde hat sich in seinem Garten hervorragend ausgetobt.

    Es regnet, und ich liebe das Geräusch, wenn wir im Dunkeln im Bus liegen, während die Tropfen mich in die Nacht wiegen.

    Um ein Uhr morgens nehme ich eine halbe Ibu, weil ich Rückenschmerzen habe, die mit den Gedanken Ping-Pong spielen, sodass ich bald nicht mehr weiß, was schlimmer ist.

    Natürlich rede ich mir gut zu, dass auch alles harmloser sein kann. Aber nachts, ohne Schlaf, da kommen die Gespenster und fressen deine Gedanken auf.

    Um zwei Uhr falle ich in einen tiefen Schlaf, wache pünktlich kurz vor sechs Uhr auf. Es regnet schon wieder, wir fahren zu einem schönen Platz, gehen spazieren. Ich bin unendlich müde in den Kniegelenken. Hilde ist guter Laune.

    Frühstück bei Claus, den wir haben ausschlafen lassen. Hilde macht den Garten unsicher, schaut mal in der Küche vorbei, wo wir ausgiebig frühstücken, ist aber viel zu beschäftigt, um sich länger auszuruhen.

    Das tut sie später im Bus, als wir losfahren, und in Wolfsburg auf den Thomas warten, der das Seitenfenster reparieren will. Aber der Bus macht mir noch ganz andere Sorgen, die Servolenkung geht ganz schwer, wir scheinen ernsthafte Probleme mit dem Verlust der entsprechenden Flüssigkeit zu haben.

    So langsam geht mir die Luft aus. Erstmal esse ich ne Dose Königsberger Klöpse. Kalt geht auch, wenn man Hunger hat. Thomas repariert das Seitenfenster. Das ist die gute Nachricht.

    Dann kommt der Schock.

    Lenkradgetriebe und Servopumpe sind total kaputt, der blaue Bus ist nicht mehr fahrbereit. Der Adac bringt ihn morgen zu meiner Tochter, dort können wir in ihm wohnen, Geld sparen, und ich kann mich um meine Erkrankung kümmern.

    Im Juni besteht die Möglichkeit, dass er repariert werden kann und durch den Tüv gebracht wird. Es ist insbesondere Hilde's Zuhause und so soll es dann auch bleiben.

    Heute Nacht stehen wir vor dem Haus in Wolfsburg. Es ist still in der Straße. Habe Hilde erst spät gefüttert, sie konnte nochmal im Garten der lieben Menschen ihren Hobbys nachgehen, und ist jetzt ziemlich erledigt.

    Auch ich wurde gut versorgt, muss jetzt erstmal sehen, wie ich in der Situation zurecht komme. Auf eine Art bin ich ganz leer, wäre gerne in der Lage, mich die Tage davon zu machen. Jetzt muss ich die Situation aushalten, und das Beste daraus machen.

    Ist ein bisschen wie ein Lockdown, mit all den Ungewissheiten. Aber natürlich hat auch so eine Zeit eine Chance verdient, das Lebenswerte im Dasein zu genießen.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    DAY 3,598
    May 5, 2026
    Schwülper -
    Braunschweig -
    Wolfsburg

    "Good night," a dear friend wishes me, hoping I'll actually be able to sleep.

    I had assumed I would, since the conversations with Claus were good, and Hilde had a wonderful time playing in his garden.

    It's raining, and I love the sound of it when we're lying in the dark in the bus, the drops lulling me into the night.

    At one in the morning, I take half an ibuprofen because I have back pain that's playing ping-pong with my thoughts, so soon I don't know which is worse.

    Of course, I try to reassure myself that it could all be something less serious. But at night, without sleep, the ghosts come and devour your thoughts.

    At two o'clock, I fall into a deep sleep and wake up promptly just before six. It's raining again, so we're driving to a beautiful spot for a walk. My knees are incredibly tired. Hilde is in a good mood.

    Breakfast at Claus's, whom we let sleep in. Hilde is romping around the garden, popping into the kitchen where we're having a leisurely breakfast, but she's far too busy to rest for long.

    She does rest later in the bus, when we set off and wait in Wolfsburg for Thomas, who's going to fix the side window. But the bus is causing me other worries entirely; the power steering is incredibly stiff, and we seem to be having serious problems with a fluid leak.

    I'm starting to feel a bit sluggish. First, I'll eat a can of Königsberger Klopse (meatballs). Cold is fine when you're hungry. Thomas fixes the side window. That's the good news.

    Then comes the shock.

    The steering gear and power steering pump are completely broken; the blue bus is no longer roadworthy. The ADAC (German Automobile Club) is towing it to my daughter's tomorrow, where we can live in it, save money, and I can focus on my illness.

    In June, there's a chance it can be repaired and passed its roadworthiness test. It's Hilde's home, and that's how it should stay.

    Tonight we're parked in front of the house in Wolfsburg. The street is quiet. I fed Hilde late; she was able to enjoy her hobbies in the garden of these lovely people one last time, and now she's quite exhausted.

    I've also been well taken care of, but now I have to figure out how to cope with the situation. In a way, I feel completely drained; I wish I could just take off for the next few days. Now I have to endure the situation and make the best of it.

    It's a bit like a lockdown, with all the uncertainties. But of course, even a time like this deserves a chance to enjoy the good things in life.
    Czytaj więcej

  • Tag Sechzehn

    4–5 maj, Niemcy ⋅ 🌧 16 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.597
    Salzgitter -
    Wolfenbüttel -
    Braunschweig

    Hilde spürt die Unruhe des Vormittags. Erst fahren wir zum Rastplatz in Salzgitter, damit sie spazieren gehen kann, ihre Medizin bekommt.

    Doch anstatt dort zu bleiben, geht's weiter nach Braunschweig, wo ich frühstücke und bei meinem Sohn Sachen abhole, die die Post in der Zwischenzeit geliefert hat.

    Gerade als sie es sich beim nächsten Parkplatz bequem gemacht hat, kommt die Nachricht, dass unsere Hundesitterin jetzt Zeit hat.

    Hilde ist begeistert und geht fröhlich mit. Ich fahre zu meinem Arzttermin. Urologe ist unsicherer geworden, nachdem der PSA Wert von Mal zu Mal sich erhöht hat, ohne dass der Arzt einen Handlungsbedarf sieht.

    Man muss Vertrauen können, aber er kennt mich lange genug, denn ich habe schon seit vielen Jahren eine Verhärtung der Prostata.Ein Zufallsfund nach Fahrradunfall mit Lenkstangenberührung.

    Wie das Leben so spielt. Und so kennen wir uns jetzt schon seit über zwanzig Jahren, der Doktor und ich. Er wandert gerne, läuft alleine durch die Berge. Keine Menschen zu treffen, sei für ihn das Schönste, nur die Natur um sich.

    Die Sonne scheint. Mir gegenüber sitzt eine ungeduldige Patientin, schräg von uns blättert ein Herr durch den Stern, schaut auf seine Uhr. Auch er wartet. Vermutlich sind beide vor mir dran, man kann nichts ändern. Kommt ein Notfall rein, dauert es eben noch länger.

    Dieses Mal gehe ich nicht so entspannt aus der Praxis, ich möge nicht so weit weg fahren, es gäbe noch die Notwendigkeit für weitere Untersuchungen.

    Erst Hilde, dann der Bus, jetzt ich. Für alles gibt es kausale Zusammenhänge. Ich versuche, nicht weiter zu denken, und doch muss ich vielleicht irgendwann einiges organisieren. Das wird nicht einfach.

    Gottvertrauen bekommt da einen ganz anderen Stellenwert. Wo ich doch immer gerne alles selber in der Hand habe.

    Ich hole Hilde ab, sie freut sich sehr und räumt erstmal im Bus auf. Dann ein Leckerli, und zuletzt ein Schläfchen. Wir fahren auf einen kleinen Parkplatz unter einen Baum, der genügend Schatten uns gibt.

    Es ist schon nachmittags um vier und ich habe den ganzen Tag nichts gegessen. Während der Mahlzeit lösche ich Beiträge bei Facebook. Ich bin im Sommer 2020, kurz nach dem letzten Lockdown.

    Es ist ein merkwürdiges Unterfangen, mich im Rückwärtsgang aus dem Netz zu nehmen. Auf eine Art die Reise nochmal stichpunktartig wahrnehmen. Im Überflug sozusagen.

    Wir besuchen einen lieben Menschen, den wir fast ein Jahr nicht gesehen haben. Hilde erkennt den Ort sofort, erobert den Garten in Windeseile. Freut sich riesig, hier zu sein.

    Sitzen bis zu den ersten Regentropfen draußen, bisschen französisches Abendessen mit deutscher Schafsmilch. Vor dem Haus baue ich den Bus um, lasse die Vogelstimmen durch die leicht geöffnete Tür hinein kommen. Hilde fährt langsam runter, ich gähne mich ein, muss den Tag sacken lassen, um schlafen zu können, mich aus den Gedanken zu befreien.

    Regentropfen auf den nackten Oberschenkel, es hat gut getan, zusammen zu reden, auch mein lieber Reisedoktor hatte sich gleich gemeldet, um die Sorgen aufzufangen.

    Noch ist ja nichts passiert.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,597
    Salzgitter -
    Wolfenbüttel -
    Braunschweig

    Hilde senses the restlessness of the morning. First, we drive to the rest stop in Salzgitter so she can go for a walk and get her medication.

    But instead of staying there, we continue on to Braunschweig, where I have breakfast and pick up some things from my son that the mail has delivered in the meantime.

    Just as she's settled down comfortably at the next parking lot, I get a message that our dog sitter is now available.

    Hilde is thrilled and happily goes along. I drive to my doctor's appointment. The urologist has become more uncertain after my PSA level has increased each time, without the doctor seeing any need for action.

    You have to be able to trust him, but he's known me long enough, as I've had an enlarged prostate for many years. It was discovered by chance after a bicycle accident where I touched the handlebars.

    That's life. And so, the doctor and I have known each other for over twenty years now. He enjoys hiking, walking alone through the mountains. For him, the best thing is not to encounter anyone, just nature all around.

    The sun is shining. An impatient patient sits across from me, and a man at an angle flips through a magazine, checking his watch. He's waiting too. They're probably both ahead of me; there's nothing I can do about it. If an emergency comes in, it just takes even longer.

    This time, I don't leave the doctor's office feeling so relaxed. I'd rather not drive so far; there's still a need for further examinations.

    First Hilde, then the bus, now me. There are cause and effect for everything. I try not to think about it too much, but I might have to organize some things at some point. That won't be easy.

    Faith in God takes on a whole new meaning here. Especially since I always like to be in control of everything myself.

    I pick up Hilde; she's very happy and immediately starts tidying up the bus. Then a treat, and finally a nap. We drive to a small parking lot under a tree that provides us with enough shade.

    It's already four in the afternoon and I haven't eaten all day. During my meal, I delete posts on Facebook. It's summer 2020, shortly after the last lockdown.

    It's a strange undertaking, taking myself offline in reverse. A kind of snapshot of the trip. A kind of flyover, so to speak.

    We're visiting a dear friend we haven't seen for almost a year. Hilde recognizes the place immediately and conquers the garden in no time. She's overjoyed to be here.

    We sit outside until the first raindrops fall, enjoying a bit of French supper with German sheep's milk. In front of the house, I rearrange the campervan, letting the birdsong drift in through the slightly open door. Hilde slowly winds down, I yawn, needing to let the day sink in before I can sleep, before I can clear my mind.

    Raindrops on my bare thigh; it felt good to talk together. My dear travel doctor also contacted me right away to address my concerns.

    Nothing has happened yet.
    Czytaj więcej

  • Tag Fünfzehn

    3–4 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 18 °C

    (English Version Below)

    PILGERREISE INS LEBEN
    Tag 3.596
    03/05/2026
    Wichtringhausen -
    Sehnde -
    Söhlde

    Morgenspaziergang auf unserem bekannten Weg außerhalb von Hagenburg. Gerade plane ich, Hilde einfach loszulassen, da hoppeln die ersten Hasen so unbekümmert übers Feld, als seien sie alleine auf der Welt.

    Hilde hat sie nicht gesehen, aber ihre Nase verrät ihr alles. Die fünfzehn Meter der Leine wird bis zum Ende ausgenutzt, ich halte mit dem Stock mein Gleichgewicht und lasse sie hin und her rennen. Wenn sie durch ein Gebüsch mit Gräsern läuft, staubt es gewaltig um sie herum, und ein Geruch von Rauch und Schwefel steigt mir in die Nase.

    Zurück zum Bus läuft sie leichten Fußes mit so einem gewaltigen Grinsen im Gesicht, dass ich spüre, wie glücklich sie ist.

    Auf dem Parkplatz gegenüber sitzen wir zu meinem Frühstück im Schatten der hohen Bäume. Der Ventilator läuft, Porridge und Tee. Heute morgen habe ich mit einem lieben Menschen halbstündige Sprachnachrichten ausgetauscht, während ich mich angezogen habe.

    Erstmal ist die Reinigung des Bus angesagt. Hilde hatte wieder gehaart und in einigen Tagen ist es in dem kleinen Quadrat schnell voller Schmutz, den ich zumindest ausklopfen und wegkehren kann.

    Ein Gartenbesuch steht an, zu Gebäck und Tee mit einem netten Gespräch unterm Sonnenschirm. Hilde darf buddeln und ist völlig erschöpft. Wir sitzen im Schatten und meiden die Sonne.

    Aber trotzdem sind wir beide so müde, dass wir auf dem nächsten Parkplatz ein Schläfchen machen. Bei Wichtringhausen machen wir einen Spaziergang. Als ich aus dem Bus schaue, sehe ich die Erinnerung an einen Toten. Für immer Dein und Wir vermissen Dich. Die Schrift verblasst, das Leben geht weiter. Und das ist auch gut so. Man darf nicht stehen bleiben, der Mensch ist für die Bewegung gemacht. Und wenn jemand diese für sich stoppt, dann dürfen wir anhalten und trauern, aber nicht dem Leben versagen.

    Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es wunderbar, wenn die Menschen in bunter Bekleidung zu meiner Beerdigung kommen, und am Grab fröhlich darüber tanzen, dass wir uns im Leben begegnet sind. Und eigentlich würde ich gerne mitfeiern.

    Der Himmel ist leicht bewölkt, die Luft voll mit so einem Fliegzeug, das träge im Wind hängt. Hilde liegt auf meinem Bauch und schaut aus dem Fenster, den Kopf auf der Tür. Ein Lieblingsplatz, so wie die Oma am Küchenfenster zur Straße hinaus schaut.

    Abends auf dem Schafhof in Söhlde. Hier sind wir immer willkommen. Die nächsten Tage gibt es frische Milch, und unser Joghurtbestand ist aufgestockt.

    Ein fremdes Huhn strolcht über den Hof und weckt den Jagdinstinkt einer der Katzen, die sich aber auch nicht sicher ist, wie gefährlich der Zweibeiner sein könnte.

    Auf der Weide sind heute Schafe, das liebe ich ja. Und Hilde respektiert ihre Anwesenheit auch durchaus. Aber als ich die Tür öffne, bewegen sie sich ein bisschen. Und jetzt sieht das ganz anders aus. Sie bellt, die Schafe rennen weg, kommen dann aber wieder zurück.

    Hilde ist müde heute, aber sie möchte nach der Ankunft mit mir knuddeln. Nicht mehr so wild, wie vor einigen Wochen, eher eben sehr erschöpft, aber dennoch glücklich, dass wir in unserem blauen Bus Zuhause sind.

    Der Himmel ist bewölkt und die Temperatur sinkt in angenehme Grade. Ich habe eine Allergieattacke, die Augen brennen und tränen, als würde ich über jemanden weinen. Wer weiß das schon, was morgen ist.
    ---
    PILGRIMAGE INTO LIFE
    Day 3,596
    03/05/2026
    Wichtringhausen -
    Sehnde -
    Söhlde

    Morning walk on our familiar path outside of Hagenburg. I was just about to let Hilde go when the first hares hopped across the field, so carefree, as if they were the only ones in the world.

    Hilde didn't see them, but her nose tells her everything. She uses the full fifteen meters of the leash, keeping her balance with the stick as she runs back and forth. When she runs through a thicket of grasses, a huge cloud of dust swirls around her, and a smell of smoke and sulfur fills my nostrils.

    She trots back to the bus with such a light step and such a huge grin on her face that I can feel how happy she is.

    In the parking lot across the street, we sit in the shade of the tall trees for my breakfast. The fan is running, and I have porridge and tea. This morning, I exchanged half-hour voice messages with a dear friend while I got dressed.

    First things first: cleaning the bus. Hilde has been shedding again, and in a few days, the small square will quickly be full of dirt that I can at least shake out and sweep away.

    A visit to a garden is on the agenda, with pastries and tea and a pleasant chat under the parasol. Hilde gets to dig and is completely exhausted. We sit in the shade and avoid the sun.

    But we're both so tired that we take a nap in the next parking lot. We go for a walk near Wichtringhausen. When I look out of the bus, I see the memorial for someone who has died. Forever Yours and We Miss You. The writing fades, life goes on. And that's a good thing. We mustn't stand still; humans are made for movement. And if someone stops moving, then we may pause and grieve, but not turn our backs on life.

    If I could have one wish, it would be wonderful if people came to my funeral in colorful clothes and danced joyfully at the grave, celebrating the fact that we had met in life. And actually, I'd like to join in the celebration.

    The sky is lightly clouded, the air filled with the scent of an airplane, hanging lazily in the breeze. Hilde lies on my stomach, looking out the window, her head resting on the door. A favorite spot, just like Grandma used to look out the street from the kitchen window.

    Evening at the sheep farm in Söhlde. We're always welcome here. Fresh milk will be available in the next few days, and our yogurt supply has been replenished.

    A strange chicken wanders across the yard, triggering the hunting instinct of one of the cats, who isn't quite sure how dangerous the two-legged creature might be.

    There are sheep in the pasture today, which I love. And Hilde certainly respects their presence. But when I open the door, they stir a little. And now it's a completely different story. She barks, the sheep run away, but then come back.

    Hilde is tired today, but she wants to cuddle with me after we arrive. Not as wild as she was a few weeks ago, just very exhausted, but still happy that we're home in our blue camper van.

    The sky is overcast and the temperature is dropping to a pleasant level. I'm having an allergy attack; my eyes are burning and watering as if I'm crying over someone. Who knows what tomorrow will bring?
    Czytaj więcej

  • Tag Vierzehn

    2–3 maj, Niemcy ⋅ ☁️ 17 °C

    (English Version Below)

    Tag 3.595
    02/05/2026
    Rechtern -
    Meerbach -
    Hagenburg

    Beim Löschen der Beiträge auf Facebook bin ich gerade auf einen Post gestoßen, an dem wir Mitte November 2021 den Reisekilometer 222.222 erreicht hatten. Das ist sehr lustig, weil wir vor wenigen Tagen 444.444 km auf unserer Lebensreise mit dem blauen Bus unterwegs sind.

    Fünfeinhalb Jahre für die erste Hälfte, viereinhalb für den zweiten Teil. Man sieht also, dass wir deutlich längere Strecken fahren bzw viel weniger längere Aufenthalte einlegen.

    Heute morgen sind wir auf der Suche nach einem Frühstücksplatz am Kirchplatz von Drebber gewesen, der mir aber zu offen war. Fünfzehn Kilometer weiter stehen wir an einer Kanueinsatzstelle der Hunte in Rentern, wo ein Camper aus Bremen übernachtet hat.

    Selbst um zehn Uhr sind die Vorhänge zu, während die Sonne ziemlich heftig uns in ihrem Blick hat. Eine Wespe hat ein ähnliches Ansinnen und möchte gerne in den Bus rein, der ihr so im Wege steht.

    Ihre Bewegungen sind heftig und schnell, ihr Schatten geistert durch den Innenraum. Auf der anderen Seite der Straße geht ein Weg in den Wald, der komplett im Schatten liegt. Dorthin verändern wir jetzt mal unseren Standort.

    Irgendwann kamen die Angler, und wir sind zu einem anderen Weg im Halbschatten gefahren, zwischen einem leichten Wald und den bewegten Halmen eines grünen Getreidefeldes. Hier sind wir ungestört, können einen schönen Spaziergang machen, bevor wir weiterfahren.

    Ich lösche Facebook - Beiträge und denke mir öfter mal, was ich da für einen Mist gepostet habe. Jetzt habe ich die Quittung und muss das alles einzeln löschen, um den Account für mich privat zu nutzen, so wie er früher mal gedacht war.

    Bisschen Familie und die Menschen im Ausland, die man so trifft, die nur über Facebook verfügen. Also tatsächlich eine Art Freundeskreis im ursprünglichen Sinn.

    Kontakte hat der Mensch heute viele, aber wie nah sind sie sich denn eigentlich. Das ist mir heute aufgefallen. Und dass ich von vielen gar nichts weiß, so wie sie von mir persönlich, selbst wenn sie meine Geschichten lesen.

    Über 'Broadcast' bei WhatsApp schicke ich einen kleinen Text an etwa 70 Kontakte und bin überrascht über die vielen, oft sehr ausführlichen Antworten, die ich bekommen habe. Da ist soviel passiert, dabei wissen wir gar nichts voneinander.

    Dabei taucht die Frage auf, was der Reisetitel auf Findpenguins bedeutet, den ich jetzt auch über den Text setze. Bisher war es so, dass wenn einer von uns geht, die Spaziergänge mit Hilde zuende sind, es also auch keine weiteren Beiträge gibt.

    Vor vierzehn Tagen ging es Hilde abends nicht gut, und obwohl ich mit der Situation lebe, war ich den Tränen nahe. Würde sie gehen, wäre das auch ein kleiner Tod in mir.

    Aber ich will nicht so denken, ich lebe in dem Bewusstsein, dass in jedem dunklen Tunnel am Ende Licht ist. Daran habe ich mein Leben lang geglaubt, auch in den Zeiten, in denen um mich herum nur Nacht war.

    Mein Leben ist ein Pilgern. Innen und außen bin ich auf einem langsamen Weg, dessen Ziel das Leben ist. Egal was kommt. Natürlich ist es der Weg eines Christen, ins ewige Leben zu gehen, aber das habe ich nicht gemeint, es ist sozusagen ein Nebeneffekt.

    Es ist mir klar geworden, dass ich solange schreiben werde, bis ich den Stift aus der Hand legen kann. Und dass ich damit die Erinnerung wach halte an uns Drei.

    Ich fahre immer zwischendurch ein Stück. Jetzt stehen wir an einem Rapsfeld bei Meerbach. Leichter Wind, Wolken die am Himmel hochziehen, hin und wieder Autoverkehr. Gleich ist Abendessenzeit, den süßlichen Geruch des Raps in der Nase, den der Wind durch die Seitentür hineinweht.

    Der letzte Spaziergang ist an einem Feld, wo es nach Mäusen riecht. Zwei Buddelaktionen führen zu einer dreckigen Zunge, dreckigen Pfoten, einem staubigen Fell, denn natürlich eignet sich so ein Lehmweg hervorragend zum Wälzen.

    Und ganz nebenbei ist sie völlig erschöpft, sozusagen on top auf die Hitze, denn nachdem wir um zehn Uhr 26°C hatten, ist es am Abend auch nicht bedeutend kühler.

    Auf dem ziemlich vollen, aber kostenlosen Stellplatz in Hagenburg sitze ich deshalb leicht bekleidet mit halb offener Tür bei einem leichten Lüftchen im Wind und höre Musik von Gram Parsons, der schon immer mein Lebensgefühl gut getroffen hat, auch wenn ich weiß, wohin ich geh.

    https://youtu.be/98Ow_Jav_eo?is=1ru_U3Ki7LMgmfxB
    ---
    Day 3,595
    02/05/2026
    Rechtern -
    Meerbach -
    Hagenburg

    While deleting posts on Facebook, I just came across one where we reached 222,222 kilometers in mid-November 2021. That's funny because just a few days ago we traveled 444,444 km on our journey through life in the blue bus.

    Five and a half years for the first half, four and a half for the second. So you can see that we're driving significantly longer distances and making far fewer extended stops.

    This morning we were looking for a place to have breakfast at the church square in Drebber, but it seemed too exposed. Fifteen kilometers further on, we're parked at a canoe launch on the Hunte River in Rentern, where a camper from Bremen spent the night.

    Even at ten o'clock, the curtains are drawn, while the sun beats down on us quite intensely. A wasp has a similar ambition and wants to get into the bus, which is in its way.

    Its movements are rapid and intense, its shadow flickering through the interior. On the other side of the road, a path leads into the woods, completely in shadow. We'll move our camper there for a bit.

    Eventually, the anglers arrived, and we drove to another path in the dappled shade, between a light forest and the swaying stalks of a green grain field. Here we are undisturbed and can take a nice walk before we continue our journey.

    I delete Facebook posts and often think to myself what kind of rubbish I've posted. Now I'm paying the price and have to delete everything individually to use the account privately, as it was originally intended.

    A bit of family and the people abroad you meet who only have Facebook. So, actually a kind of circle of friends in the original sense.

    People have many contacts these days, but how close are they really? That struck me today. And that I know absolutely nothing about many of them, just as they know nothing about me personally, even if they read my stories.

    Using 'Broadcast' on WhatsApp, I send a short text to about 70 contacts and am surprised by the many, often very detailed, replies I receive. So much has happened, yet we know nothing about each other.

    This leads to the question of what the travel title on Findpenguins means, which I'm now also placing above the text. Until now, if one of us passes away, the walks with Hilde end, and there are no further posts.

    Two weeks ago, Hilde wasn't feeling well in the evening, and although I'm used to the situation, I was close to tears. If she were to pass away, it would be a small death inside me, too.

    But I don't want to think that way; I live with the awareness that there is light at the end of every dark tunnel. I've believed that all my life, even in times when all around me was night.

    My life is a pilgrimage. Inwardly and outwardly, I'm on a slow path whose destination is life itself. No matter what comes. Of course, the path of a Christian leads to eternal life, but that's not what I meant; it's a kind of side effect.

    It's become clear to me that I will write until I can put down the pen. And that in doing so, I keep the memory of the three of us alive.

    I always drive a bit in between. Right now, we're standing by a rapeseed field near Meerbach. A light breeze, clouds drifting across the sky, the occasional car passing by. It's almost dinnertime, the sweet scent of rapeseed in my nostrils, carried in by the wind through the side door.

    The last walk is by a field that smells of mice. Two digging sessions result in a dirty tongue, dirty paws, and dusty fur, because, of course, a muddy path like this is perfect for rolling around in.

    And on top of that, she's completely exhausted, which is just another side effect of the heat, because after having 26°C at 10 a.m., it's not significantly cooler in the evening.

    So, sitting in the rather crowded but free parking area in Hagenburg, I'm lightly dressed with the door ajar, enjoying a gentle breeze and listening to music by Gram Parsons, who has always perfectly captured my outlook on life, even though I know where I'm headed.

    https://youtu.be/98Ow_Jav_eo?is=1ru_U3Ki7LMgmfxB
    Czytaj więcej

  • Tag Dreizehn

    1–2 maj, Niemcy ⋅ 🌙 16 °C

    (English Version Below)

    Tag 3.594
    01/05/2026
    Füchtenfeld -
    Twist -
    Lohne

    Heute vor zehn Jahren war die Party zuende. Fast hundert geladene Gäste, mit denen ich mehr oder weniger die letzten dreißig Jahre in Braunschweig bekannt war, haben mit mir das Ende meines Berufslebens und den Beginn einer grandiosen Zeit als Rentner gefeiert.

    Morgens um drei Uhr, nach einer tollen Nacht mit einer Band, zwei Flaschen Sekt von Freixenet, einem mitternächtlichen Wodka mit meinem Sohn, war die kleine Hilde schon längst schlafen gegangen, als ich um die Feuerschale herum mit lauter jungen Menschen noch einmal so ausgiebig dem Joint zugeneigt war, dass ich eine Stunde später nicht mehr aufstehen konnte, um meinen Sohn zu verabschieden, der den ersten Bus nachhause genommen hat.

    Mit fünfundzwanzig habe ich aufgehört zu kiffen, aber passend mit 105 würde ich mir noch einen leckeren Joint gönnen. Von den damaligen Gästen gibt es vielleicht noch ein Dutzend, die auch nach zehn Jahren noch unsere Reise begleiten.

    Wir fahren früh von Stellplatz weg, weil da zu viele Hunde unterwegs sind, und finden nach knapp vier Kilometern einen Feldweg, der in eine Wiese übergeht, und neben einem braunen Feld die Kinderstube des Waldes einlädt, in den Winkeln und Verstecken in Sicherheit aufzuwachsen.

    Hilde frühstückt kurz und bündig, möchte dann kopfgestreichelt werden, und ihren Nachtisch aus der Leckerlikiste bekommen. Dann ist sie zufrieden. Ich fülle Wasser in den Kocher, das auf den nächsten Kilometern heiß werden wird, und mir das Frühstück beschert.

    Die Sonne scheint.

    "Am südwestlichen Rand des Dalum-Wietmarscher Moores, im Ortsteil Füchtenfeld, befindet sich ein Vogelbeobachtungsturm sowie eine interaktive Moorkarte zu den Themen „Natura 2000" und „Moore für den Klimaschutz". Darüber hinaus wurde ein Geocache eingerichtet, dessen „Versteck" über eine intensive Auseinandersetzung mit den Informationen der Station ermittelt werden können."

    https://share.google/Gebk59af2z92S2D0D

    Vorne steht ein Lastwagencamper, der von einem kleinen Terrier bewacht wird, der draußen in der Sonne chillt, während seine Familie schläft.

    Bei uns schläft Hilde, während ich frühstücke, bei offener Tür mit Sonne und den verschiedenen Vogelstimmen, dem blauen Wasser hinter der grünen Wiese.

    In Twist finden wir den nächsten Schattenplatz unter einem Baum am Wohnmobilstellplatz, der am See liegt. Ich schaue mir die Kirche des Nazoräners von außen an, am Eingang ist eine Baustelle.

    Wir nehmen eine möglichst grade Strecke mit Richtung Lohne. Viele Menschenansammlungen ziehen ihrer Wege, mit Bollerwagen oder Fahrrad, zu Fuß oder mit den Auto. Nur auf der Strecke von Osterbrock nach Klosterholte ist fast niemand unterwegs. Die Straße ist etliche Male geflickt, total uneben und kaum befahrbar. Soviel zum Thema Stückwerk.

    Die Beiträge auf Instagram habe ich fast alle gelöscht. Das Bild vom 11.11.2017, das ich als erstes gepostet habe, füge ich dem Beitrag bei. Es ist einfach so süß!

    Obwohl ich nur 21 Beiträge sehen kann, zeigt mir Instagram an, dass ich noch 142 Beiträge hätte. Sehr merkwürdig. Und es gibt auch einen Repost, den ich nicht löschen kann. Traue nie dem Internet. Auch einer der Gründe, warum ich so viel wie möglich von mir wieder löschen will.

    Im Schatten eines Combi - Supermarktes relaxen wir die Stunde übers Abendessen hinaus, und beobachten heimkehrende, bollerwagenschiebende junge Menschen, die ziemlich erschöpft wirken.

    Der kostenlose Stellplatz liegt auf einer völlig zerfahrenen Wiese, was aber ein dutzend Camper nicht davon abhält, mit wackelnden Fahrzeugen zu einem Platz zu eiern. Hinter dem Bus eine hohe Hecke, neben uns in der Ecke steht ein Pkw aus Braunschweig.

    Ich habe ein Glas Apfelmus zur Nacht, Hilde ist mehr oder weniger über einem Leckerli eingeschlafen. Höre Musik von Züri West und wünsche dir einen schönen Heimweg.

    https://youtu.be/oFs3tvgYU1w?is=a2tA2iIKxt_1kYgV
    ---
    Day 3,594
    May 1, 2026
    Füchtenfeld -
    Twist -
    Lohne

    Ten years ago today, the party ended. Almost one hundred invited guests, with whom I had known each other more or less for the past thirty years in Braunschweig, celebrated with me the end of my professional life and the beginning of a wonderful retirement.

    At three in the morning, after a fantastic night with a band, two bottles of Freixenet sparkling wine, and a midnight vodka with my son, little Hilde had long since gone to sleep when I was gathered around the fire pit with a bunch of young people, indulging in a joint so thoroughly that an hour later I couldn't get up to say goodbye to my son, who had taken the first bus home.

    I stopped smoking weed at twenty-five, but fittingly, at 105, I'd still treat myself to a delicious joint. Of the guests from back then, maybe a dozen are still with us, even after ten years.

    We leave the campsite early because there are too many dogs around, and after almost four kilometers, we find a dirt track that turns into a meadow. Next to a brown field, the forest's nursery invites youngsters to grow up safely in its nooks and crannies.

    Hilde has a quick and easy breakfast, then wants a head pat and her dessert from the treat box. Then she's happy. I fill the stove with water, which will get hot over the next few kilometers and provide me with breakfast.

    The sun is shining.

    "On the southwestern edge of the Dalum-Wietmarscher Moor, in the Füchtenfeld district, there is a birdwatching tower and an interactive map of the moor on the topics of 'Natura 2000' and 'Moors for Climate Protection'." Furthermore, a geocache has been set up, the "hiding place" of which can be determined by carefully studying the information provided at the station.

    https://share.google/Gebk59af2z92S2D0D

    Ahead, a camper van is parked, guarded by a small terrier who chills outside in the sun while its family sleeps.

    Hilde is sleeping with us while I have breakfast, with the door open, enjoying the sunshine, the sounds of various birds, and the blue water beyond the green meadow.

    In Twist, we find the next shady spot under a tree at the camper van site by the lake. I take a look at the Church of the Nazarene from the outside; there's construction work going on at the entrance.

    We take the straightest route possible towards Lohne. Many groups of people are making their way around, with handcarts or bicycles, on foot, or by car. Only on the stretch from Osterbrock to Klosterholte is there almost no one around. The road has been patched several times, is completely uneven, and barely passable. So much for that. Piecemeal.

    I've deleted almost all my Instagram posts. I'm attaching the first picture I posted, from November 11, 2017. It's just so cute!

    Even though I can only see 21 posts, Instagram tells me I still have 142. Very strange. And there's also a repost I can't delete. Never trust the internet. That's one of the reasons why I want to delete as much of my own stuff as possible.

    We relax for an hour after dinner in the shade of a Combi supermarket, watching young people pushing handcarts back home, looking quite exhausted.

    The free parking area is on a completely rutted field, but that doesn't stop a dozen campers from wobbling their vehicles to get a spot. There's a tall hedge behind the bus, and a car from Braunschweig is parked in the corner next to us.

    I have a jar of applesauce for dinner; Hilde more or less fell asleep over a treat. Listen to music by Züri West and have a safe journey home.

    https://youtu.be/oFs3tvgYU1w?is=a2tA2iIKxt_1kYgV
    Czytaj więcej

  • Tag Zwölf

    30 kwi–1 maj, Niemcy ⋅ 🌙 13 °C

    (English Version Below)

    Tag 3.593
    30/04/2026
    Höpingen -
    Lingen/Ems -
    Wietmarschen

    Wir sitzen wieder unterm Windrad. Der erste Spaziergang mit Hilde ist auf dem Stellplatz nach einer guten und ruhigen Nacht. Dann baue ich den Bus um und Hilde bekommt Frühstück plus ihre lebenswichtige Medizin.

    Unterm Windrad frühstücke ich, der Schatten der Flügel fährt regelmäßig über uns hinweg. Hilde schläft, ich denke über meine Facebookaktion nach. Ich habe dort 427 Follower, mein Text wurde 578 mal angeklickt, es gab dreißig Likes und acht Kommentare. Ungefähr zwei dutzend Leser haben eine Entscheidung für WhatsApp oder FindPenguins getroffen.

    Und Facebook bietet mir an, meinen Account zu monetarisieren, also finanziellen Gewinn zu machen. Das habe ich noch nie getan. Wenn ich um Spenden bitte, um die Tierarztrechnungen von Hilde zu bezahlen, oder teuere Reparaturen am blauen Bus, dann denke ich, dass es eine legitime Bitte ist, vielleicht als Dankeschön zu den vielen Bildern und kleinen Geschichten aus unserem Leben.

    Aber zurück zur Aktion. Von vierhundert Followern gab es keine Reaktion. Und das verstehe ich nicht. Haben 93% der Leser kein Interesse mehr an unseren Geschichten. Warum sind sie uns denn überhaupt dort gefolgt.

    Spannend. Und leider wird diese Frage vermutlich am Ende auch nicht beantwortet werden. Die Sonne scheint, Wind, blauer Himmel und grüne Getreidehalme. Ein beruhigender Ausblick.

    Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass ich auch die Beiträge bei Facebook löschen kann, was mir ja ein wichtiges Anliegen ist, damit nicht so ein Datenmüll von uns im Netz verbleibt.

    Ausmisten und aufräumen, das sind im Moment so die Gedanken, die sich in mir tummeln. Was man ein Jahr nicht benutzt hat, braucht man auch nicht. Davon gibt es nur wenige Ausnahmen wie Medikamente, Werkzeug, besondere Erinnerungen.

    Und dazu gehören halt nicht die Geschichten und Bilder, sofern sie sich auf sozialen Netzwerken befinden. Von Bexten, das einen interessanten, kostenlosen Stellplatz hat, nach Listrup führt die Straße durch einen hohen Wald, in dem wir anhalten und spazieren gehen.

    Die Wiesen sind voller Gerüche, aber keines ist so intensiv, dass sich ausgiebiges Buddeln lohnt. Wir haben einen Platz im Schatten an einer Seitenstraße gefunden. Während ich so vor mich hin schaue, fällt mir das heutige Datum ein.

    Vor zehn Jahren, just zum Tag der Arbeit, bin ich in Rente gegangen, und habe es nicht einen Tag bereut!!!!!

    Als wir bei Martina um die Ecke fahren, sehe ich sie schon, die 'Tanz in den Mai' Party vorne an der Straße, keine zehn Meter von unserem Parkplatz entfernt, auf dem wir üblicherweise nächtigen, wenn wir zu Besuch sind.

    Das wird ganz bestimmt nichts mit unserem Schlaf hier, ich mag mir gar nicht ausmalen, wer hier nachts trunkenen Schrittes um die Ecke kommt, um sich zu erleichtern.

    Zum Glück gibt es nicht weit entfernt einen kostenlosen Stellplatz, den wir dann ansteuern werden. Aber erstmal warten wir auf unsere Gastgeberin. Die hatte einen vollen Tag.

    Morgens die Handwerker, dann ne alte Freundin, die sie lange nicht gesehen hat, aber auf unseren Besuch hat sie sich sehr gefreut, wollte ihn auf gar keinen Fall absagen.

    Und so geben wir uns ein gutes Miteinander im Gespräch, wie jedes Mal, wenn wir uns begegnen. Während wir dann zum Stellplatz fahren, geht sie noch "in den Mai tanzen", also zumindest zum Nachbarschaftstreff mir Musik und Schwatz.

    Der Stellplatz ist schön gelegen. Ein halbes dutzend kleiner Camper, in fast jedem ein Hund. Meiner hat sich gleich hinten ausgestreckt, und schläft tief und fest.
    ---
    Day 3,593
    April 30, 2026
    Höpingen -
    Lingen/Ems -
    Wietmarschen

    We're sitting under the wind turbine again. The first walk with Hilde is at the campsite after a good and quiet night. Then I rearrange the campervan and Hilde gets breakfast plus her vital medication.

    I'm having breakfast under the wind turbine, the shadow of its blades regularly passing overhead. Hilde is asleep, and I'm thinking about my Facebook campaign. I have 427 followers there, my post has been clicked 578 times, received 30 likes, and eight comments. Around two dozen readers have made a choice between WhatsApp and FindPenguins.

    And Facebook is offering me the option to monetize my account, meaning to make a profit. I've never done that before. When I ask for donations to pay Hilde's vet bills or for expensive repairs to our blue camper van, I think it's a legitimate request, perhaps as a thank you for the many pictures and little stories from our lives.

    But back to the campaign. There was no reaction from my four hundred followers. And I don't understand it. Have 93% of my readers lost interest in our stories? Why did they follow us there in the first place?

    Intriguing. And unfortunately, this question will probably remain unanswered in the end. The sun is shining, there's a breeze, a blue sky, and green stalks of grain. A calming view.

    I've since discovered that I can also delete posts on Facebook, which is important to me so that we don't leave so much digital clutter on the internet.

    Decluttering and tidying up – those are the thoughts swirling around in my head right now. If you haven't used something for a year, you don't need it. There are only a few exceptions, like medications, tools, and special mementos.

    And that doesn't include stories and pictures, especially if they're on social media. From Bexten, which has an interesting, free parking area, the road to Listrup leads through a tall forest where we stop for a walk.

    The meadows are full of scents, but none are so strong that extensive digging is worthwhile. We found a shady spot on a side road. As I gaze into the distance, today's date comes to mind.

    Ten years ago, on Labor Day, I retired, and I haven't regretted it for a single day!
    ...``] As we drive around the corner from Martina's place, I can already see it: the "Dance into May" party out on the street, less than ten meters from our parking spot where we usually stay overnight when we visit.

    There's definitely no way we'll be getting any sleep here. I don't even want to imagine who might come stumbling around the corner in the middle of the night, drunk, to relieve themselves.

    Luckily, there's a free parking area not far away, which we'll head to. But first, we're waiting for our hostess. She's had a busy day.

    In the morning, the workmen came by, then an old friend she hadn't seen in ages, but she was really looking forward to our visit and absolutely didn't want to cancel.

    So we have a nice chat, as always when we meet. While we drive to the parking area, she goes to celebrate May Day, or at least to the neighborhood get-together with music and conversation.

    The parking area is in a lovely spot. Half a dozen small campers, almost all with a dog. Mine immediately stretched out in the back and is fast asleep.
    Czytaj więcej