Planlos durch Pärnu
23 de junio, Estonia ⋅ ☁️ 18 °C
Heute war erst einmal „Strolling around“ angesagt. Also kein fester Plan, keine To-do-Liste und keine Sehenswürdigkeiten, die unbedingt abgehakt werden mussten. Einfach treiben lassen.
Da wir direkt am Rannapark stehen, war dieser nach dem Abladen der Fahrräder unsere erste Station. Der weitläufige Park zieht sich entlang der Küste und gehört zu den beliebtesten Grünanlagen Pärnus. Bereits im 19. Jahrhundert wurde er als Teil des Kurortes angelegt. Breite Wege, alte Bäume, gepflegte Blumenbeete und schattige Plätze laden zum Spazierengehen und Verweilen ein. Besonders schön ist die Skulpturenallee, die mit verschiedenen Kunstwerken immer wieder kleine Blickfänge bietet. Hier trifft Natur auf Kunst – und gelegentlich auch auf Touristen, die versuchen, die perfekte Fotoperspektive zu finden.
Vom Park aus ging es weiter durch das historische Tallinna värav, das Tallinner Tor. Es ist das einzige erhaltene Stadttor der ehemaligen Festungsanlagen von Pärnu und erinnert daran, dass die Stadt einst von mächtigen Mauern umgeben war.
Danach machten wir genau das, was wir am besten können: kreuz und quer durch die Stadt fahren, ohne wirklich zu wissen, wo wir in zehn Minuten sein würden.
Pärnu gilt als die Sommerhauptstadt Estlands und besitzt einen ganz besonderen Charme. Die Stadt verbindet historische Holzhäuser, elegante Villen aus der Kurortzeit und moderne Cafés mit einer angenehm entspannten Atmosphäre. Alles wirkt ruhig, gepflegt und irgendwie entschleunigt. Keine Hektik, kein Großstadtlärm – stattdessen breite Straßen, grüne Parks und viele hübsche Häuser, die aussehen, als hätten sie schon einige Geschichten zu erzählen.
Je länger wir durch die Straßen radelten, desto besser gefiel uns die Stadt. Hinter jeder Ecke wartete ein neues schönes Gebäude, ein kleiner Platz oder eine ruhige Seitenstraße. Es sind oft genau diese Orte, die man nicht im Reiseführer findet, die aber den besonderen Reiz einer Stadt ausmachen.
Nach unserer Stadtrundfahrt ging es gemütlich am langen Sandstrand entlang zurück zu Grisu. Dort wartete bereits die nächste wichtige Tagesaufgabe auf mich: die Hängematte.
Manche Menschen betreiben Yoga zur Entspannung. Andere meditieren. Ich hingegen legte mich in die Hängematte und lauschte dem Wind in den Bäumen. Funktioniert mindestens genauso gut.
Am Nachmittag bekamen wir dann Besuch von Gabi und Rainer. Die beiden hatten wir auf Saaremaa an der Küste kennengelernt. Es ist immer wieder schön, wie schnell man unterwegs mit anderen Reisenden ins Gespräch kommt und sich die Wege später erneut kreuzen.
Am frühen Abend wurde schließlich der Grill angeworfen. Gemeinsam verbrachten wir einen sehr schönen Abend mit guten Gesprächen, leckerem Essen und vielen Reisegeschichten. Wie so oft verging die Zeit viel zu schnell.
So endete ein rundum gelungener Tag in Pärnu: ein wenig Kultur, viel Entspannung, eine Portion Hängematte und ein geselliger Grillabend mit Freunden.
Eigentlich genau die richtige Mischung für einen perfekten Urlaubstag.Leer más
Regen, Ruinen und rote Felsen
24 de junio, Letonia ⋅ ☁️ 18 °C
Die ganze Nacht spielte der Regen sein ganz eigenes Konzert auf Grisu. Mal ganz sanft und leise wie eine beruhigende Einschlafmelodie, dann wieder mit voller Lautstärke und großer Trommel. Manchmal hatte ich das Gefühl, der Dirigent da oben wollte unbedingt noch eine Zugabe geben.
So fiel uns der Abschied von Pärnu am Morgen nicht allzu schwer. Nachdem wir uns herzlich von Gabi und Rainer verabschiedet hatten, machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Lettland.
In Cēsis angekommen, stand zunächst eine der weniger spektakulären, aber umso wichtigeren Camper-Disziplinen auf dem Programm: Wäsche waschen. Wir fanden eine geöffnete Wäscherei und nutzten die Gelegenheit, unseren Kleiderschrank wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Schließlich möchte man ja nicht, dass die Kleidung irgendwann von allein zum Lüften aus dem Schrank krabbelt.
Nachdem die Pflicht erfüllt war, ging es in die Altstadt von Cēsis.
Cēsis, das frühere Wenden, zählt zu den ältesten und geschichtsträchtigsten Städten Lettlands. Die Stadt war im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum des Livländischen Ordens und besitzt bis heute eine sehr charmante Altstadt mit historischen Gebäuden, kleinen Gassen und einem gemütlichen Marktplatz.
Leider hatten wir bei unserem Besuch das Talent, ausgerechnet an einem lettischen Feiertag hier aufzutauchen. Das Ergebnis: Fast alles hatte geschlossen. Geschäfte geschlossen. Kirchen geschlossen. Und zu unserem Bedauern auch die berühmte Schwertbrüderordensburg Wenden.
Die Burg zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Festungen des Baltikums. Sie wurde im 13. Jahrhundert vom Livländischen Orden errichtet und war über viele Jahrhunderte eines der wichtigsten Machtzentren der Region. Die mächtigen Mauern und Ruinen prägen bis heute das Stadtbild und locken normalerweise zahlreiche Besucher an.
Nur leider nicht an unserem Feiertag.
Also begnügten wir uns mit einem kleinen Spaziergang durch die schöne Altstadt und beschlossen anschließend, weiterzufahren. Man muss schließlich immer einen Grund haben, irgendwann noch einmal zurückzukommen.
Da es mittlerweile schon etwas später geworden war, suchten wir uns einen Platz für die Nacht und wurden am Gauja-Fluss fündig. Unser Ziel waren die Ķūķu Cliffs.
Diese beeindruckenden Sandsteinfelsen gehören zu den schönsten Naturdenkmälern im Gauja-Nationalpark. Über Jahrtausende hat der Fluss die bis zu mehreren Dutzend Meter hohen Sandsteinwände geformt. Die rötlich-gelben Felsen leuchten je nach Sonnenstand in unterschiedlichen Farben und bilden einen wunderschönen Kontrast zum dunklen Wald und dem ruhigen Fluss.
Direkt dort fanden wir einen herrlichen Stellplatz mitten im Wald. Nach den vielen Kilometern, der Wäscheaktion und dem Feiertags-Pech in Cēsis fühlte sich dieser Ort wie die perfekte Belohnung an.Leer más
Von Papiermachern und Rittern
25 de junio, Letonia ⋅ ⛅ 22 °C
Nach einer absolut ruhigen Nacht mitten im Wald wachten wir heute Morgen bestens erholt auf. Kein Verkehr, keine Nachbarn, keine Regentrommler auf dem Dach – nur Vogelgezwitscher und die Gewissheit, dass wieder ein spannender Reisetag vor uns lag.
Unser erstes Ziel war das nur wenige Kilometer entfernte Līgatne. Der kleine Ort ist eng mit der Papierherstellung verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert entstand hier eine der bedeutendsten Papierfabriken Lettlands. Das Wasser des Flusses Līgatne lieferte die nötige Energie für die Produktion, und rund um die Fabrik entwickelte sich nach und nach eine ganze Arbeitersiedlung.
Besonders sehenswert sind die historischen Holzhäuser, die für die Fabrikarbeiter gebaut wurden. Viele davon sind bis heute erhalten. Berühmt ist Līgatne außerdem für seine in den Sandstein gehauenen Höhlenkeller. Diese wurden ursprünglich als Lagerräume für Lebensmittel genutzt und halten das ganze Jahr über eine gleichmäßige Temperatur. Wer keinen Kühlschrank hatte, hatte eben eine Sandsteinhöhle.
Wir schlenderten durch das alte Dorf, schauten uns die Höhlen und die ehemalige Papierfabrik an und konnten uns gut vorstellen, wie hier einst das Leben rund um die Fabrik pulsiert haben muss.
Danach ging es weiter nach Sigulda, das oft als die „Schweiz Lettlands“ bezeichnet wird. Nach einem kurzen Pflichtstopp bei Lidl – schließlich lebt auch ein Camper nicht nur von Sehenswürdigkeiten – fuhren wir in die Stadt und fanden an der Gondelstation einen passenden Parkplatz.
Fahrräder runter und los ging die Erkundungstour.
Als Erstes stand das Schloss Segewold auf dem Programm. Das heutige Schloss wurde Ende des 19. Jahrhunderts im neugotischen Stil als Herrenhaus der Fürstenfamilie Kropotkin erbaut. Mit seinen Türmen, Zinnen und dem gepflegten Park wirkt es fast wie aus einem Märchenbuch. Man erwartet förmlich, dass gleich ein Graf um die Ecke kommt und nach dem Zustand seiner Ländereien fragt.
Direkt daneben befinden sich die Ruinen der alten Schwertbrüderordensburg Segewold. Die mächtige Festung wurde Anfang des 13. Jahrhunderts vom Schwertbrüderorden errichtet und gehörte zu den wichtigsten Burgen der Region. Obwohl heute nur noch Teile der Anlage erhalten sind, vermitteln die dicken Mauern und Türme noch immer einen guten Eindruck davon, wie beeindruckend die Burg einst gewesen sein muss.
Eigentlich wollten wir anschließend noch zur Burg Treyden fahren. Doch wie so oft auf Reisen hatten wir die Rechnung ohne die Zeit gemacht. Die Stunden vergingen schneller als gedacht, und irgendwann mussten wir einsehen, dass der Tag leider keine Verlängerung vorsieht.
Da wir ohnehin schon vieles gesehen hatten und Sigulda für uns keine weiteren großen Überraschungen mehr bereithielt, beschlossen wir kurzerhand, bereits heute nach Riga weiterzufahren.
Und so endete der Tag schließlich an einem wunderschönen Stellplatz direkt an der Düna.Leer más
Riga – Tag 1: Markthallen, Menschenmassen
26 de junio, Letonia ⋅ ⛅ 20 °C
und ein taktischer Rückzug
Heute Morgen war erst einmal Ausschlafen, gemütlich frühstücken und den herrlichen Stellplatz direkt an der Düna genießen angesagt. Man muss ja schließlich gut gestärkt in eine Hauptstadt starten.
Unsere erste Erkundungstour führte uns zur Lettischen Akademie der Wissenschaften. Das imposante Gebäude ist schon von Weitem nicht zu übersehen. Mit seinem markanten, stalinistischen Baustil erinnert es ein wenig an die berühmten "Sieben Schwestern" in Moskau. Erbaut wurde es in den 1950er-Jahren und trägt bis heute den Spitznamen „Stalins Geburtstagstorte“. Im 17. Stock befindet sich eine Aussichtsplattform, von der man einen fantastischen Blick über Riga haben soll. Heute haben wir uns allerdings mit dem Anblick von unten begnügt – schließlich wollten wir uns für später noch etwas aufheben.
Von dort führte uns der Zufall direkt zum Zentralmarkt von Riga. Oder besser gesagt: Andrea hat ihn gefunden... und damit war der weitere Tagesablauf eigentlich besiegelt.
Der Rigaer Zentralmarkt gehört zu den größten und bekanntesten Märkten Europas. Die fünf riesigen Markthallen wurden in den 1920er-Jahren aus ehemaligen Zeppelin-Hangars umgebaut. Heute gibt es dort nahezu alles: Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Gewürze, Süßigkeiten und unzählige regionale Spezialitäten. Dazu kommt noch ein riesiger Außenmarkt.
Und wer Andrea kennt, weiß genau, was das bedeutet: Jeder einzelne Gang musste selbstverständlich gründlich inspiziert werden. Man könnte ja irgendwo zwischen Gurken, Käse und geräuchertem Fisch noch etwas entdecken, das man unbedingt braucht. Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass Andrea auch ohne Stadtplan jederzeit den Ausgang jeder Markthalle finden würde.
Nach einer gefühlten Ewigkeit schafften wir es schließlich doch noch, unsere Fahrräder wieder in Richtung Altstadt zu lenken.
Und was soll man sagen? Riga ist wirklich wunderschön. Prächtige Bürgerhäuser, liebevoll restaurierte Fassaden, enge Gassen und der historische Rathausplatz verleihen der Stadt einen ganz besonderen Charme.
Man könnte stundenlang durch die Straßen schlendern...
...wenn da nicht gefühlt sämtliche Kreuzfahrtschiffe der Ostsee gleichzeitig ihre Passagiere freigelassen hätten.
Ich glaube, es lagen drei Schiffe im Hafen. Zumindest fühlte es sich so an, als hätten sich alle Gäste gleichzeitig vorgenommen, genau dieselbe Straße zu besuchen wie wir.
Den absoluten Höhepunkt lieferte dann ein Fahrradrudel der Mein Schiff. Rund 50 Leihräder rauschten geschlossen durch die Altstadt, als würde heute die letzte Etappe der Tour de France in Riga stattfinden. Wer nicht schnell genug zur Seite sprang, lief Gefahr, als Verkehrsinsel zu enden.
Wir schauten nur kurz hinterher und waren uns beide sofort einig: Heute nicht.
Also traten wir den geordneten Rückzug an. Auf dem Rückweg machten wir natürlich – völlig überraschend – noch einmal Halt auf dem Zentralmarkt, um frisches Fleisch für den Grill einzukaufen.
Zurück am Stellplatz genossen wir die herrliche Ruhe an der Düna. Manchmal ist ein gemütlicher Grillabend mit Blick aufs Wasser einfach deutlich entspannter als ein Slalomlauf zwischen mehreren tausend Kreuzfahrttouristen.
Mal sehen, was Riga morgen für uns bereithält. Vielleicht haben die Kreuzfahrtschiffe ja dann Ausgangssperre.Leer más
Riga – Tag 2: Allein auf Entdeckungstour
27 de junio, Letonia ⋅ ☀️ 26 °C
Heute Morgen ging es für mich ausnahmsweise allein los. Andrea hatte sich gestern beim Fahrradfahren das Knie etwas lädiert und legte deshalb einen wohlverdienten Ruhetag ein. Während ich durch Riga radelte, machte sie es sich im Schatten unter einem Baum direkt an der Düna gemütlich. Gar kein schlechter Platz, um das Knie zu schonen.
Meine erste Station war die Lettische Nationalbibliothek. Das markante Gebäude fällt sofort ins Auge und ist eines der modernsten Wahrzeichen Rigas. Wegen seiner markanten Form wird es auch „Das Schloss des Lichts“ genannt. Die Architektur erinnert an einen gläsernen Berg und basiert auf einer lettischen Sage, nach der ein Berg das Wissen des Landes bewahrt. Besonders bei Sonnenschein wirkt das Gebäude beeindruckend.
Von dort rollte ich weiter zum Riga Rise Observation Wheel. Das moderne Riesenrad ist eine der neuesten Attraktionen der Stadt und bietet aus rund 65 Metern Höhe einen fantastischen Blick über Riga, die Düna und die Altstadt. Heute blieb es allerdings beim Blick von unten – schließlich wollte ich noch ein paar Kilometer in den Beinen sammeln.
Am Lettischen Eisenbahnmuseum musste ich mich dann wirklich zusammenreißen. Schon beim Blick auf die alten Lokomotiven war klar: Hier könnte ich locker einen halben Tag verbringen. Aber manchmal muss man als Reisender Prioritäten setzen... auch wenn es schwerfällt.
Über die beeindruckende Vanšu-Brücke ging es weiter. Von hier oben hat man einen tollen Blick über den Hafen. Heute lagen dort "nur" zwei Kreuzfahrtschiffe. Das ließ hoffen, dass Riga heute etwas entspannter sein würde als gestern.
Also nichts wie hinein in die Altstadt.
Vorbei am Rigaer Schloss, dem mächtigen Dom, durch die kleinste Gasse Rigas und über den Rathausplatz radelte ich kreuz und quer durch die Straßen. Und tatsächlich – heute war richtig angenehmes Stadtbummeln möglich. Die Menschenmassen hielten sich in Grenzen und das Beste: Es war weit und breit keine Fahrradrallye mit fünfzig Kreuzfahrtradlern in Sicht. Man konnte also ganz entspannt fahren, ohne ständig Angst haben zu müssen, von einer internationalen Radtour überrollt zu werden.
Am Freiheitsdenkmal legte ich eine kurze Pause ein, studierte den Stadtplan und tat so, als hätte ich jederzeit gewusst, wo ich gerade bin.
Die nächste Station war die Rigaer Christi-Geburts-Kathedrale. Doch bevor es hinein ging, meldete sich mein Magen beziehungsweise meine Kaffeelaune.
Direkt neben der Kathedrale fand ich einen kleinen Kiosk. Ein leckerer Cappuccino und ein paar hervorragende Teilchen später war die Welt wieder in Ordnung. Gut gestärkt konnte die Besichtigung beginnen.
Die orthodoxe Kathedrale ist die größte ihrer Art im Baltikum und wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Schon von außen beeindrucken die goldenen Zwiebeltürme, doch auch innen ist sie wunderschön gestaltet. Prunkvolle Ikonen, reich verzierte Wandmalereien und der Duft von Weihrauch schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Hier setzte ich mich erst einmal für ein paar Minuten hin und genoss einfach die Ruhe.
Danach machte ich noch einen kleinen Abstecher in die Neustadt, bevor es durch den Bastejkalna-Park weiterging. Mit seinen kleinen Wasserfällen, Brücken, Skulpturen und dem gemütlich dahinfließenden Stadtkanal gehört er sicherlich zu den schönsten Parkanlagen Rigas. Anschließend führte mich der Weg weiter durch den Kronvalda-Park, dessen große Bäume an diesem heißen Tag wohltuenden Schatten spendeten.
Die Fahrt durch die grünen Parkanlagen war fast genauso schön wie die Altstadt selbst. Man vergisst dabei völlig, dass man sich mitten in einer Großstadt befindet.
Irgendwann meldete sich dann allerdings mein Popometer unmissverständlich zu Wort. Es war der festen Überzeugung, dass für heute ausreichend Kilometer gesammelt worden waren – und diesem Argument konnte ich mich nur schwer widersetzen.
Also machte ich mich gemütlich auf den Rückweg zu Grisu, wo Andrea bereits entspannt im Schatten saß. Sie hatte einen ruhigen Tag, ich einen erlebnisreichen – und am Ende waren wir beide mit unserem Tagesprogramm mehr als zufrieden.Leer más
Von Spionen, Geisterstädten und einem Wiedersehen
28 de junio, Letonia ⋅ ⛅ 28 °C
Da Andreas Knie leider immer noch nicht ganz mitspielen wollte und außerdem für den Nachmittag noch höhere Temperaturen angekündigt waren, beschlossen wir heute, Riga hinter uns zu lassen und unsere Reise in Richtung Westen fortzusetzen.
Vorher stand allerdings noch ein kurzer Pflichtstopp beim Lidl auf dem Programm. Brot, Brötchen und die Wasservorräte mussten dringend aufgefüllt werden. Ein Camper weiß schließlich: Ohne Wasser geht gar nichts – und ohne frische Brötchen beginnt der Tag auch nur halb so schön.
Unser erstes Ziel war Irbene. Dort wollten wir das berühmte Radioteleskop besichtigen. Leider erfuhren wir vor Ort, dass Besichtigungen nur nach vorheriger Anmeldung per E-Mail möglich sind. Schade – wir hätten die Anlage wirklich gerne aus der Nähe gesehen.
Die Anlage blickt auf eine spannende Geschichte zurück. Während des Kalten Krieges war sie Teil eines streng geheimen sowjetischen Militärgeländes. Offiziell existierte hier praktisch nichts. Tatsächlich diente die riesige Antennenanlage der Funkaufklärung und dem Abhören westlicher Satelliten- und Funkverbindungen. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde das Gelände für wissenschaftliche Zwecke umgebaut. Heute betreibt die Universität Ventspils hier ein modernes Radioastronomie-Zentrum. Die beiden großen Teleskope sollen sogar durch einen rund 700 Meter langen Tunnel miteinander verbunden sein – ob das tatsächlich stimmt, bleibt allerdings eines der vielen kleinen Geheimnisse dieses Ortes.
Nur wenige Kilometer weiter wurde es dann fast schon gespenstisch.
Wir kamen an der sogenannten Ghost City Irbene vorbei. Zwischen Bäumen stehen dort noch die Überreste ehemaliger Plattenbauten. Kaum zu glauben, dass hier früher einmal eine ganze Stadt lebte.
Die Siedlung wurde ausschließlich für Angehörige des sowjetischen Militärs und ihre Familien errichtet. Da sich hier das geheime Spionagezentrum befand, war das gesamte Gebiet Sperrgebiet und auf keiner Landkarte eingezeichnet. Nach dem Abzug der sowjetischen Armee Anfang der 1990er-Jahre wurde der Ort innerhalb kürzester Zeit verlassen. Heute holt sich die Natur langsam alles zurück. Zerfallene Wohnblocks, leere Fenster und überwucherte Straßen erinnern daran, wie vergänglich selbst scheinbar bedeutende Orte sein können. Irgendwie faszinierend – und gleichzeitig ein wenig unheimlich.
Nach so viel Geschichte und ein bisschen Gänsehaut ging es weiter nach Ventspils.
Dort wartete die nächste Überraschung auf uns.
Auf unserem ausgewählten Stellplatz am Hafen standen doch tatsächlich Lisa und Ingo – die beiden hatten wir bereits auf Saaremaa in Kuressaare kennengelernt. Die Freude über das unerwartete Wiedersehen war natürlich groß.
Wie das unter Reisenden so ist, wurden erst einmal die Erlebnisse der letzten Tage ausgetauscht. Aus fünf Minuten wurden ganz entspannt zwei Stunden.
Anschließend gingen wir gemeinsam lecker essen und ließen den Abend gemütlich vor den Wohnmobilen ausklingen. Es wurde viel gelacht, erzählt und natürlich schon wieder über neue Reiseziele philosophiert.
Es ist schon erstaunlich: Man fährt mehrere tausend Kilometer durch das Baltikum und trifft unterwegs immer wieder dieselben netten Menschen. Entweder ist die Welt doch kleiner als gedacht... oder Camper haben einfach ein eingebautes Wiederfindungs-Navi.
So ging ein Tag voller spannender Geschichte, geheimnisvoller Orte und schöner Begegnungen zu Ende – und genau diese Mischung macht unsere Reise immer wieder so besonders.Leer más
Auf Kuhjagd in Ventspils
29 de junio, Letonia ⋅ ☀️ 23 °C
Das Gewitter der letzten Nacht hatte tatsächlich etwas Abkühlung gebracht. Trotzdem war es heute Morgen schon früh wieder so warm, dass an Ausschlafen nicht zu denken war. Also hieß es erst einmal alle Fenster auf, Grisu ordentlich durchlüften und anschließend in aller Ruhe frühstücken. Danach begann die tägliche Camper-Routine: Fahrräder abladen und los geht's!
Heute sollte Ventspils erobert werden.
Unser erster Weg führte uns am großen Hafen vorbei bis zum langen Sandstrand. Ventspils gehört zu den wichtigsten Hafenstädten Lettlands. Der eisfreie Hafen spielt seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle für den Handel an der Ostsee und zählt auch heute noch zu den größten Industrie- und Frachthäfen des Baltikums. Zum Glück trennt die Stadt Industrie und Erholung geschickt voneinander – nur wenige Minuten vom Hafen entfernt beginnt bereits der breite, feine Sandstrand.
Von dort radelten wir gemütlich zurück in die Innenstadt. Ventspils ist eine sehr gepflegte und grüne Stadt mit vielen kleinen Parkanlagen, Blumenbeeten und liebevoll angelegten Plätzen. Spektakuläre historische Bauwerke sucht man zwar eher vergeblich, dafür punktet die Stadt mit ihrer entspannten Atmosphäre.
Und dann wären da natürlich noch... die Kühe!
Überall in der Stadt stehen kunstvoll bemalte Kuhskulpturen in allen erdenklichen Farben und Formen. Das Kunstprojekt entstand 2002 im Rahmen der internationalen Ausstellung CowParade. Viele der bunt gestalteten Kühe blieben anschließend in Ventspils und sind heute ein echtes Wahrzeichen der Stadt. Jede Kuh wurde von einem Künstler individuell gestaltet und erzählt ihre eigene kleine Geschichte.
Eine der besonders großen Exemplare begrüßte uns sogar direkt neben Grisu auf unserem Stellplatz. Da war sofort klar: Heute steht keine Schnitzeljagd auf Zwerge an – heute gehen wir auf Kuhjagd!
Also radelten wir durch die Stadt und hielten Ausschau nach möglichst vielen dieser originellen Kunstwerke. Und wie bei den Zwergen in Breslau entwickelte sich daraus schnell ein kleiner Wettbewerb: "Da vorne steht noch eine!" – "Nein, schau mal links, da ist auch eine!" Irgendwann achteten wir fast mehr auf Kühe als auf Straßenschilder.
Am Nachmittag war dann Schluss mit Kulturprogramm. Die Sonne meinte es inzwischen wieder ausgesprochen gut mit uns, und so verlegten wir unsere Aktivitäten in den Schatten. Dort ließ es sich hervorragend entspannen und den Tag gemütlich ausklingen.
Man muss schließlich auch einmal Kraft sammeln – man weiß schließlich nie, welche Tiere in der nächsten Stadt auf uns warten. Nach Zwergen und Kühen rechnen wir inzwischen mit allem.Leer más

Viajero
Soviel bunte 🐄 hab ich auch noch nicht gesehen aber eine schöne Landschaft aber du auf dem Stuhl das war für mich das schönste Foto LG Mama
Liepāja
30 de junio, Letonia ⋅ ☀️ 23 °C
Nachdem wir uns heute Morgen von Lisa und Ingo verabschiedet hatten, machten wir uns auf den Weg nach Liepāja. Dort angekommen wurden erst einmal die Fahrräder abgeladen – schließlich erkundet man eine Stadt am besten auf zwei Rädern.
Da wir am Ende des Liepājas Jūrmalas Parks geparkt hatten, führte unser erster Weg durch die weitläufige Parkanlage. Eine schöne Gelegenheit, langsam in den Tag zu starten und schon einmal die frische Ostseeluft zu genießen.
Als wir anschließend in die Stadt abbogen, steuerten wir – rein zufällig... oder vielleicht doch vom Marktmagneten angezogen – als Erstes den Libauer Petermarkt an. Und wie das nun einmal bei Andrea ist: Man kann ja nicht einfach mal kurz hineinschauen. Nein, selbstverständlich mussten sämtliche Gänge der Markthalle gründlich inspiziert werden. Irgendwo könnte schließlich noch eine Ecke sein, die wir beim ersten Durchgang übersehen hätten. Ich habe in der Zwischenzeit gelernt: Geduld ist eine Tugend – besonders auf Märkten.
Nach der erfolgreichen Marktexpedition machten wir uns auf den etwa sechs Kilometer langen Weg in den Stadtteil Karosta. Die Strecke führte uns an zahlreichen Baustellen vorbei. Straßen und Bürgersteige werden hier umfassend erneuert – inklusive durchgehender Blindenleitsysteme. Es ist schon beeindruckend, wie viel Wert im Baltikum auf Barrierefreiheit gelegt wird. Das ist uns nicht nur hier in Lettland, sondern bereits in den anderen baltischen Staaten positiv aufgefallen.
Der Weg nach Karosta führt über die Oskaras-Kalpaks-Brücke. Diese historische Drehbrücke wurde 1906 eröffnet und zählt zu den ältesten Metallbrücken Lettlands. Sobald sich ein Schiff nähert, drehen sich die beiden Brückenteile jeweils um 90 Grad zur Seite und geben den Kanal frei – Technik von vor über 100 Jahren, die bis heute zuverlässig funktioniert.
Unser erstes Ziel war die imposante orthodoxe Marinekathedrale von Karosta. Die zwischen 1901 und 1903 im neobyzantinischen Stil errichtete Kathedrale beeindruckt schon von außen mit ihren goldenen Kuppeln und ihrer gewaltigen Größe. Sie war einst die Hauptkirche des russischen Marinehafens. Im Inneren wird derzeit umfangreich renoviert, sodass wir leider nur den Eingangsbereich besichtigen konnten. Trotzdem spürt man sofort die besondere Atmosphäre dieses beeindruckenden Bauwerks.
Anschließend ging es weiter zum Karosta-Gefängnis. Ursprünglich war das Gebäude als Militärkrankenhaus geplant, wurde jedoch noch vor der Eröffnung in ein Militärgefängnis umgewandelt. Bis in die 1990er-Jahre diente es als Haftanstalt – zunächst für das Zarenreich, später für die Sowjetarmee und schließlich für das lettische Militär. Heute ist das Gefängnis ein Museum. Bei einer spannenden Führung erfährt man viel über den harten Alltag der Gefangenen. Wer möchte, kann hier sogar freiwillig eine Nacht in einer Zelle verbringen. Nach der Führung waren wir uns allerdings beide einig: Das Museum war interessant – übernachten möchten wir dann doch lieber in Grisu.
Nach so viel Geschichte und Kultur schwangen wir uns wieder auf unsere Fahrräder und machten uns auf den Rückweg.
Zum Abschluss des Tages suchten wir uns einen Stellplatz direkt am Meer.Leer más
Regen, Raketen und ein Stellplatz mit Aussicht
1 de julio, Lituania ⋅ 🌧 19 °C
Als ich heute Morgen aus dem Fenster schaute, war die Stimmung schnell klar: Dunkle Wolken soweit das Auge reichte. Nichts mit gemütlich am Meer sitzen, schwimmen oder einfach nur die Seele baumeln lassen. Petrus hatte offenbar andere Pläne – also mussten wir unsere kurzerhand ändern.
Plan A war eigentlich ein Besuch der Orvidų sodyba, einem außergewöhnlichen Skulpturenpark des litauischen Bildhauers und Mönchs Vilius Orvydas. Doch während der Fahrt öffnete der Himmel seine Schleusen. Und zwar nicht nur ein bisschen – eher nach dem Motto: Wenn schon Regen, dann richtig! Also wurde Plan A klatschnass und kurzerhand durch Plan B ersetzt.
Das neue Ziel war das Šaltojo karo muziejus – das Museum des Kalten Krieges. Und rückblickend war das eine richtig gute Entscheidung.
Das Museum befindet sich in einer ehemaligen unterirdischen Raketenbasis der Sowjetunion mitten im Nationalpark Žemaitija. Zwischen 1962 und 1978 waren hier vier atomar bestückbare Mittelstreckenraketen stationiert, streng geheim und jederzeit einsatzbereit. Die gesamte Anlage lag tief unter der Erde und war so konzipiert, dass die Raketen innerhalb weniger Minuten gestartet werden konnten. Heute führen die original erhaltenen Gänge, Kommandozentralen und Abschussschächte eindrucksvoll vor Augen, wie angespannt die Welt während des Kalten Krieges war. Wenn man dort unten steht, bekommt man schon eine Gänsehaut – nicht wegen der Temperatur, sondern weil einem bewusst wird, wie nah die Menschheit damals an einer nuklearen Katastrophe vorbeigeschrammt ist.
Die Anlage lässt sich gut besichtigen und vermittelt Geschichte auf eine sehr eindrucksvolle Weise. Man verlässt das Museum nachdenklich – und gleichzeitig froh, dass diese Raketen nie ihr Ziel gefunden haben.
Nach so viel Geschichte machten wir uns wieder auf den Weg – diesmal nach Klaipėda.
Dort haben wir uns einen Stellplatz hinter dem Hafen gesucht. Von hier aus blicken wir direkt auf die Kurische Nehrung. Im Moment versteckt sie sich zwar noch etwas hinter Wolken, aber wir hoffen fest, dass das Wetter morgen ein Einsehen hat. Schließlich haben wir dem Regen heute schon mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als ihm eigentlich zusteht.
Mal sehen, welchen Plan das Wetter morgen für uns bereithält. Wir hätten jedenfalls nichts dagegen, wenn sich Plan A endlich einmal durchsetzen dürfte.Leer más

Hella und UweTja, man darf garnicht darüber nachdenken, was wäre wenn!! Allerdings ist es heut ja auch nicht viel besser.....leider.

Hella und UweDanke dass wir euch folgen dürfen, ihr macht eine tolle Reise. Wir starten morgen, allerdings innerhalb Deutschlands. Termine für August hindern uns noch.......Aber dann.....

Womo TravelerDeutschland hat ja auch schöne Ecken die immer eine Reise wert sind.
Vom Homeoffice zum Bergeeinsatz
2 de julio, Lituania ⋅ ☀️ 21 °C
Auf einem so traumhaften Stellplatz wie an der Kurischen Nehrung bei Klaipėda lässt es sich erstaunlich gut arbeiten. Gestern war nämlich genau so ein Tag. Während andere Urlaub machten, hieß es für mich nach dem Frühstück erst einmal: Ab ins Office! Der Schreibtisch hatte zwar keine vier Wände, dafür aber eine deutlich bessere Aussicht als zu Hause.
Bis zum frühen Nachmittag wurde gearbeitet – egal wie verlockend das Wetter draußen war. Aber danach war Feierabend, die Hängematte wurde aufgebaut und ich konnte den Rest des Tages ganz entspannt genießen. So lässt sich Homeoffice durchaus aushalten.
Am frühen Abend klopfte es plötzlich an unserer Wohnmobiltür. Ein etwas zerknirschter Autofahrer bat um Hilfe. Rund 200 Meter weiter hatte er seinen Wagen im tiefen Sand festgefahren und kam aus eigener Kraft nicht mehr heraus.
Na klar helfen wir!
Also wurde Grisu aus dem Feierabend geholt, die Bergematerialien klargemacht und ab ging's in den Sandkasten. Vor Ort zeigte sich schnell: Der gute Mann hatte seinen Parkplatz wohl etwas zu optimistisch ausgewählt. Mit vereinten Kräften und Grisu als Zugfahrzeug war der Ausflug in die Sandkiste aber schnell beendet. Nach wenigen Minuten stand das Auto wieder auf festem Untergrund und der Fahrer konnte mit einem breiten Grinsen seine Reise fortsetzen.
So schnell kann aus einem entspannten Hängematten-Nachmittag noch ein kleiner Bergeeinsatz werden. Zum Glück hatte Grisu nichts dagegen – der freut sich schließlich auch, wenn er hin und wieder zeigen darf, was in ihm steckt.Leer más
Tankdeckel-Odyssee
3 de julio, Polonia ⋅ ☀️ 16 °C
Heute Morgen verabschiedeten wir uns dann von der Kurischen Nehrung. Das Wetter hatte mal wieder beschlossen, seine Meinung zu ändern, und so machten wir uns auf den Weg Richtung Polen.
Der Plan war eigentlich ganz einfach: Entlang der russischen Grenze fahren und erst in Polen tanken. Schließlich ist der Diesel dort deutlich günstiger. Ein perfekter Plan... zumindest in der Theorie.
Kurz hinter der Grenze musste allerdings erst einmal der Reservekanister dran glauben. Kein Problem – schließlich war er genau für solche Momente dabei.
An der ersten Tankstelle in Polen begann dann allerdings unsere ganz persönliche Tankdeckel-Komödie.
Der Tankautomat funktionierte... also zumindest sah er so aus. Tatsächlich funktionierte aber gar nichts.
"Kein Problem", dachten wir. "Dann eben zur nächsten Tankstelle."
Gesagt, getan.
Dort angekommen wartete schon die nächste Überraschung: Diesmal funktionierte zwar die Zapfsäule – aber dafür ließ sich unser Tankschloss nicht mehr öffnen.
Eine halbe Stunde lang wurde gedreht, gezogen, gedrückt, geflucht und gut zugeredet. Der Tankdeckel zeigte sich davon völlig unbeeindruckt.
Also Plan B: Den Reservekanister wieder füllen und einen Schlüsseldienst suchen.
In Suwałki wurden wir tatsächlich fündig. Allerdings war der Chef erst ab 20 Uhr wieder da. Also suchten wir einen Parkplatz in der Nähe und warteten.
Während ich innerlich schon überlegte, wie kompliziert wohl ein neues Tankschloss einzubauen ist, ließ Andrea die Sache einfach nicht los.
Sie schnappte sich einen Schraubenzieher, klopfte dem Tankdeckel ein paar freundliche – na gut, eher bestimmte – Ermahnungen und versuchte es noch einmal.
Klick!
Das Tankschloss ging auf.
Offenbar hatten die Fahrt und Andreas sanfte Überzeugungsarbeit die verklemmten Stifte endlich zur Vernunft gebracht.
Ich glaube, der Schlüsseldienst war mindestens genauso überrascht wie wir, als wir Ihm per WhatsApp mitteilten das wir keine Hilfe mehr benötigen.
Nach so viel Aufregung hatten wir beide allerdings keine Lust mehr, auch noch den Kochlöffel zu schwingen.
Also ging es kurzerhand zum Kaufland. Im Chili Pizza warteten zwei herrlich duftende Pizzen auf uns – und nach diesem kleinen Abenteuer hatten wir sie uns definitiv verdient.
Satt, erleichtert und mit offenem Tankschloss fanden wir ganz in der Nähe noch einen wunderschönen Stellplatz direkt an einem See.
Manchmal sind es eben nicht die großen Sehenswürdigkeiten, die einen Reisetag unvergesslich machen. Manchmal reicht dafür schon ein störrischer Tankdeckel... und eine Andrea mit Schraubenzieher.Leer más
Boxenstopp, Bunker und ein Kanal ohne Schiffe
4 de julio, Polonia ⋅ 🌬 18 °C
Da uns der Wetterbericht heute Morgen mit reichlich Wolken statt Sonnenschein begrüßte, beschlossen wir kurzerhand, den Tag sinnvoll zu nutzen. Für Grisu stand nämlich ein Reifenwechsel auf dem Programm.
Alle vier Räder mussten von vorne nach hinten und gleichzeitig von rechts nach links getauscht werden. Also ab in die Werkstatt.
Dort hieß es allerdings erst einmal: Warten. Zwei Lkw waren noch vor uns an der Reihe. Also machten wir es uns gemütlich und beobachteten das Werkstattleben. Nach gut zwei Stunden waren wir endlich dran.
Und dann ging alles erstaunlich schnell. Kaum stand Grisu, flogen die Räder nur so durch die Luft. Fast wie bei einem Formel-1-Boxenstopp – nur dass niemand mit Champagner wartete. Nach gerade einmal 30 Minuten waren alle Räder getauscht und Grisu rollte wieder vom Hof.
Gut anderthalb Stunden später erreichten wir unser erstes Tagesziel: den SS-Führungsbunker Hochwald bei Pozezdrze.
Da uns ausgerechnet bei der Ankunft ein Regenschauer begrüßte, legten wir erst einmal eine gemütliche Kaffeepause ein. Irgendwann hatte selbst die Regenwolke genug von uns und zog weiter.
Nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald erreichten wir die weitläufige Bunkeranlage. Der SS-Führungsbunker Hochwald wurde zwischen 1940 und 1944 als streng geheimes Hauptquartier der SS errichtet. Die Anlage gehörte zum militärischen Führungsnetz in Ostpreußen und bestand aus einem massiven Hauptbunker sowie zahlreichen kleineren Bunkern, Schutzräumen und Versorgungseinrichtungen. Beim Rückzug der deutschen Truppen im Jahr 1945 wurden die gewaltigen Stahlbetonbauten gesprengt. Noch heute liegen riesige Betonblöcke kreuz und quer im Wald und zeigen eindrucksvoll, welche gewaltigen Kräfte damals am Werk waren. Ein kleiner Teil des Hauptbunkers ist noch begehbar, zwischen den einzelnen Bauwerken verlaufen ehemalige Schützengräben, die der Anlage eine fast mystische Atmosphäre verleihen.
Nach so viel Geschichte zog es uns weiter nach Mamerki, wo der Masurische Kanal (Kanał Mazurski) endet. Der rund 50 Kilometer lange Kanal sollte Anfang des 20. Jahrhunderts die Masurischen Seen mit der Ostsee verbinden und den Transport von Gütern erleichtern. Wegen der beiden Weltkriege wurde das ehrgeizige Bauprojekt jedoch nie fertiggestellt. Trotzdem entstanden beeindruckende Schleusen und Wasserbauwerke, die heute als technische Denkmäler gelten. Statt Frachtschiffen begegnet man hier heute eher Spaziergängern, Radfahrern und Kanuten.
Genau hier, direkt am Kanal, haben wir unseren Stellplatz für die Nacht gefunden. Jetzt hoffen wir einfach, dass der Wettergott morgen wieder bessere Laune hat. Denn Regen ist zwar gut für die Natur – aber beim Reisen mögen wir ihn am liebsten aus sicherer Entfernung durchs Wohnmobilfenster betrachten.Leer más
Mamerki – Ein Ort, der nachdenklich macht
5 de julio, Polonia ⋅ ☁️ 18 °C
Heute stand ein Kapitel deutscher Geschichte auf unserem Programm, das bedrückender kaum sein könnte.
Nach dem Frühstück machten wir uns mit den Fahrrädern auf den Weg zu den Bunkeranlagen von Mamerki, dem ehemaligen Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres (OKH). Zwischen 1941 und 1944 wurden von hier aus militärische Operationen an der Ostfront geplant und koordiniert. Die Anlage umfasste rund 250 Hektar und bestand aus über 30 massiven Bunkern, zahlreichen Baracken, unterirdischen Versorgungseinrichtungen sowie einem weit verzweigten Netz aus Straßen und Schützengräben. Anders als viele andere deutsche Befestigungen wurden die gewaltigen Stahlbetonbunker am Ende des Krieges nicht vollständig gesprengt. Deshalb gehören sie heute zu den am besten erhaltenen Bunkeranlagen dieser Zeit.
Wir besichtigten unter anderem den gewaltigen Bunker des Generals Ulrich Liss, den Aussichtsturm sowie mehrere weitere Bunker und Bauwerke. Mit dem Fahrrad fuhren wir von Anlage zu Anlage. Überall im Wald tauchten zwischen den Bäumen riesige Betonkolosse, Schützengräben und die Überreste ehemaliger Gebäude auf.
Es ist schwer zu beschreiben, welche Gedanken einem an einem solchen Ort durch den Kopf gehen. Die Bunker beeindrucken durch ihre Größe und Bauweise, gleichzeitig weiß man aber, dass hier Entscheidungen getroffen wurden, die unermessliches Leid über Millionen von Menschen gebracht haben. Genau dieser Gegensatz macht den Besuch so bedrückend.
Je länger wir durch den Wald fuhren, desto stiller wurden wir. Irgendwann rückten die technischen Bauwerke völlig in den Hintergrund. Stattdessen blieb nur noch das Bewusstsein, welche Folgen Krieg, Machtstreben und Menschenverachtung haben können.
Am frühen Nachmittag hatten wir genug gesehen. Eigentlich wollten wir anschließend noch das ehemalige Führerhauptquartier Wolfsschanze in Gierłoż besuchen. Doch nach den vielen Eindrücken aus Mamerki war unser Bedarf an diesem dunklen Kapitel der Geschichte mehr als gedeckt.
Manchmal ist es wichtig, solche Orte zu besuchen, um die Geschichte nicht zu vergessen. Genauso wichtig ist es aber auch, irgendwann einen Schlussstrich für den Tag zu ziehen.
So machten wir uns auf den Weg nach Buczyniec. Während die Landschaft an uns vorbeizog, gingen uns die Eindrücke des Tages noch lange durch den Kopf. Es war kein Tag voller schöner Sehenswürdigkeiten – sondern einer, der zum Nachdenken anregte und uns einmal mehr vor Augen führte, wie wertvoll Frieden, Freiheit und Demokratie sind.Leer más

ViajeroGehört Beides zusammen; die Gräueltaten nicht vergessen und trotzdem heute das Leben achten und genießen.
Ein spontaner Stopp an der Heiligen Linde
5 de julio, Polonia ⋅ 🌧 16 °C
Auf dem Weg nach Buczyniec entdeckten wir im Vorbeifahren plötzlich die mächtigen Türme der Basilika Święta Lipka. Solche Gelegenheiten lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Also Blinker setzen, Grisu auf den Parkplatz lenken und erst einmal nachschauen, was sich hinter diesem beeindruckenden Bauwerk verbirgt.
Die Basilika der Heiligen Linde zählt zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Polens und wird oft als „Perle des Barock“ bezeichnet. Ihre Geschichte reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Der Überlieferung nach schnitzte ein zum Tode verurteilter Gefangener eine Marienfigur aus einem Stück Lindenholz. Nachdem er begnadigt worden war, stellte er die Figur an einer Linde auf. Bald erzählten Pilger von wundersamen Heilungen, sodass der Ort zu einem beliebten Wallfahrtsziel wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert entstand schließlich die heutige prachtvolle Basilika mit ihrem reich verzierten Barockinneren und der berühmten Orgel, deren bewegliche Figuren bei Konzerten sogar in Bewegung geraten.
Schon von außen beeindruckte uns die Kirche mit ihren eleganten Türmen, den kunstvollen Fassaden und dem wunderschön angelegten Vorplatz.
Leider konnten wir das Innere diesmal nicht besichtigen, denn gerade wurde eine Messe gefeiert. Also verzichteten wir darauf, die Andacht zu stören, und begnügten uns mit dem Anblick von außen. Irgendwie auch schön – so bleibt wenigstens ein guter Grund, irgendwann noch einmal wiederzukommen.
Die eigentliche Überraschung des Tages wartete allerdings zwischen den Sehenswürdigkeiten. Fast die gesamte Strecke führte uns durch dichte Wälder und über traumhaft schöne Alleen. Kilometer um Kilometer reihten sich mächtige Bäume links und rechts der Straße aneinander und bildeten stellenweise ein richtiges grünes Tunnelgewölbe. Wir waren total begeistert. So viele Alleenstraßen bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht gefahren. Es war ein Genuss, ganz entspannt durch diese wunderschöne Landschaft zu rollen. Schade eigentlich, dass es solche herrlichen Baumalleen bei uns nur noch so selten gibt.
Nach unserem spontanen Zwischenstopp setzten wir die Fahrt fort. Wieder einmal zeigte sich, dass die schönsten Entdeckungen oft gar nicht geplant sind. Manchmal reicht ein kurzer Blick aus dem Seitenfenster – und plötzlich wird aus einer einfachen Fahrt ein ganz besonderer Reisetag.Leer más

ViajeroGerade während einer Messe beeindruckend mit der Akustik und Atmosphäre
Schiffe auf Schienen – genau mein Ding!
6 de julio, Polonia ⋅ ☁️ 17 °C
Gestern Abend bezogen wir unser Nachtquartier auf dem Parkplatz Buczyniec direkt am Oberländischen Kanal. Schon beim Einschlafen war die Vorfreude auf den nächsten Morgen groß. Schließlich wartete dort ein echtes Technik-Highlight auf mich.
Der Oberländische Kanal, auch Ostróda-Oberländischer Kanal genannt, ist rund 133 Kilometer lang und gilt als ein Meisterwerk der Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts. Er wurde zwischen 1844 und 1881 erbaut, um die masurischen Seen mit der Ostsee zu verbinden. Seine größte Besonderheit: Statt einer langen Schleusentreppe werden die Schiffe auf fünf sogenannten Rollbergen über Land transportiert. Dabei überwinden sie insgesamt fast 100 Meter Höhenunterschied.
Heute Morgen konnten wir uns dieses außergewöhnliche Schauspiel ganz in Ruhe anschauen. Die Schiffe fahren auf einen Rollwagen, werden aus dem Wasser gehoben und anschließend auf Schienen den Hang hinauf oder hinunter transportiert. Das Ganze funktioniert bis heute nahezu unverändert – und das Beste daran: Die riesigen Rollwagen werden ausschließlich durch Wasserkraft angetrieben. Das Wasser setzt große Turbinen in Bewegung, die wiederum über Seile die Wagen ziehen. Kein Diesel, kein Elektromotor – nur die Kraft des Wassers. Für Technikbegeisterte ist das schlichtweg genial.
Natürlich musste ich mir auch das Maschinenhaus ansehen. Dort die alten Zahnräder, Wellen und Antriebe in Betrieb zu beobachten, war mindestens genauso spannend wie die Schiffe selbst. Ich hätte wahrscheinlich noch stundenlang zusehen können. Andrea hat mich dann irgendwann dezent daran erinnert, dass wir heute eigentlich noch weiterfahren wollten.
Unterwegs entdeckten wir noch eine öffentliche Quelle. So konnten wir ganz nebenbei unsere Wasservorräte auffüllen. Frischeres Wasser bekommt man wohl kaum.
Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Malbork.
Am Abend war dann endlich nochmal Reibekuchen Zeit.
Es ist schon erstaunlich: Die meisten Menschen bleiben bei Schiffen auf dem Wasser stehen. Ich freue mich dagegen mindestens genauso sehr, wenn sie plötzlich auf Schienen weiterfahren. Irgendwie bin ich für solche technischen Spielereien wohl nie zu alt geworden.Leer más
Eine Burg, die kein Ende nimmt
7 de julio, Polonia ⋅ 🌧 17 °C
Der Himmel hatte heute Morgen mal wieder beschlossen, sämtliche Schleusen gleichzeitig zu öffnen. An einen gemütlichen Stadtbummel war also erst einmal nicht zu denken. Ich nutzte die Gelegenheit und arbeitete im Office alles ab, was in den letzten Tagen liegen geblieben war. Manchmal ist Regen eben doch für etwas gut.
Gegen 14:30 Uhr hatte Petrus dann endlich ein Einsehen. Der Regen ließ nach und wir schnappten uns die Fahrräder. Ziel des Tages: die gewaltige Marienburg in Malbork.
Unser erster Weg führte uns zum Ticket Office, das sich außerhalb der Burganlage befindet. Dort bekamen wir nicht nur die Eintrittskarten, sondern auch einen Audioguide der besonderen Art. Dank GPS erkennt er automatisch, an welcher Stelle der Burg man sich gerade befindet, und startet die passenden Erklärungen von selbst. Kein lästiges Nummern-Eintippen – einfach loslaufen und zuhören. So macht eine Besichtigung richtig Spaß.
Die Marienburg wurde ab 1274 vom Deutschen Orden erbaut und entwickelte sich zur größten Backsteinburg der Welt. Mehr als 20 Hektar umfasst die gewaltige Anlage mit Hochburg, Mittelschloss, Vorschloss, Wehrmauern, Höfen, Kapellen und unzähligen Räumen. Über viele Jahrzehnte war sie der Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens und damit das politische und militärische Zentrum des Ordensstaates. Heute gehört die beeindruckende Burg zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Festungsanlagen Europas.
Und genau diese Größe merkt man bei jedem Schritt.
Kaum glaubte man, alles gesehen zu haben, öffnete sich hinter der nächsten Tür schon wieder ein neuer Innenhof, ein weiterer Kreuzgang oder die nächste riesige Halle. Irgendwann fragten wir uns ernsthaft, ob die Erbauer überhaupt jemals aufgehört haben zu bauen.
Zum Glück führte uns der Audioguide mit spannenden Geschichten und vielen interessanten Details sicher durch dieses Backstein-Labyrinth. So konnten wir dem wechselhaften Wetter immer wieder geschickt ausweichen.
Nach rund drei Stunden intensiver Besichtigung meldeten sich dann allerdings unsere Füße zu Wort. Und zwar ziemlich deutlich.
Eigentlich wollten wir uns zum Abschluss noch die weitläufigen Außenanlagen anschauen. Doch genau in diesem Moment meinte der Regen, dass jetzt wieder sein großer Auftritt gekommen sei. Also entschieden wir uns für einen geordneten Rückzug und radelten zügig zurück zu Grisu – bevor wir genauso durchnässt waren wie die Burgmauern.
Was bleibt, ist tiefer Respekt vor dieser gewaltigen Anlage. Die schiere Größe der Marienburg hat uns total geflasht. Und eines ist sicher: Wer hier behauptet, nach drei Stunden noch nicht genug Burg gesehen zu haben, sollte vorsichtshalber einen Schrittzähler mitbringen... oder gleich Wanderschuhe.Leer más

ViajeroWir fanden es auch toll. Wir hätten Johann oder Jacob (wir waren da mit dem Namen 😇 geteilter Meinung) gerne am Schluss ein Trinkgeld gegeben 😊

Womo TravelerIch glaube Jacob hat die Führung gemacht, ich hätte ihm auch Trinkgeld gegeben 😊
Zwischen Werftromantik und erster Danzig-Liebe
8 de julio, Polonia ⋅ 🌬 16 °C
Heute hieß es Abschied von Malbork nehmen und Kurs auf Danzig (Gdańsk) setzen.
Schon die Ankunft war etwas Besonderes. Mitten auf dem Gelände der ehemaligen Danziger Werft fanden wir einen Stellplatz direkt am Wasser – umgeben von alten Backsteinhallen, gewaltigen Kränen und jeder Menge Industriegeschichte. Ein Ort mit einer ganz besonderen Atmosphäre.
Die Danziger Werft gehörte einst zu den größten Schiffswerften Europas. Hier wurden jahrzehntelang riesige Frachtschiffe und Fischereifahrzeuge gebaut. Weltweit bekannt wurde sie jedoch vor allem 1980, als hier unter der Führung von Lech Wałęsa die unabhängige Gewerkschaft Solidarność entstand. Die Streiks auf der Werft wurden zu einem wichtigen Auslöser für den politischen Wandel in Polen und später auch in Osteuropa. Nach dem Ende des Kommunismus verlor die Werft zunehmend an Bedeutung. Viele Hallen stehen heute leer oder wurden zu Kultur- und Veranstaltungsorten umgebaut. Zwischen moderner Architektur, Restaurants und den historischen Industriegebäuden lebt die Geschichte bis heute weiter.
Nach einer gemütlichen Kaffeepause wurden die Fahrräder startklar gemacht. Schließlich wartete Danzig darauf, von uns entdeckt zu werden.
Schon auf den ersten Kilometern merkten wir: Diese Stadt hat ihren ganz eigenen Charme. Historische Backsteinhäuser treffen auf moderne Gebäude, alte Hafenanlagen auf lebendige Promenaden und überall spürt man die enge Verbindung zum Wasser. Danzig gehört zu den schönsten Hansestädten an der Ostsee und versprüht schon beim ersten Eindruck jede Menge maritimes Flair.
Viel wollten wir heute noch gar nicht anschauen. Es ging vielmehr darum, ein erstes Gefühl für die Stadt zu bekommen, ein wenig durch die Straßen zu radeln und schon einmal die schönsten Ecken für morgen ausfindig zu machen.
Zwischendurch fiel unser Blick immer wieder auf die gewaltigen Werftkräne, die noch immer über das Gelände ragen. Sie wirken wie stumme Zeitzeugen und erinnern daran, dass hier einst Schiffe gebaut und gleichzeitig Geschichte geschrieben wurde.
Unser erster Eindruck von Danzig: Diese Stadt macht Lust auf mehr.
Und genau deshalb freuen wir uns schon auf morgen – dann nehmen wir uns die wunderschöne Altstadt ganz in Ruhe vor.Leer más
Danzig erobert – und jetzt ab ans Meer!
9 de julio, Polonia ⋅ 🌬 18 °C
Nach dem durchwachsenen Wetter von gestern begrüßte uns heute Morgen endlich wieder die Sonne. Also gab es kein langes Überlegen: Frühstück, Fahrräder startklar machen und auf zur großen Entdeckungstour durch Danzig.
Und was sollen wir sagen? Danzig hat uns vom ersten Moment an begeistert.
Die Stadt blickt auf eine über tausendjährige Geschichte zurück und war über Jahrhunderte eine der bedeutendsten Hansestädte an der Ostsee. Der Reichtum der Kaufleute ist bis heute überall sichtbar. Prächtige Bürgerhäuser mit kunstvoll verzierten Fassaden, schmale Giebelhäuser, historische Speicher und wunderschöne Plätze prägen das Stadtbild. Durchzogen wird die Altstadt von der Mottlau und zahlreichen Wasserarmen und Kanälen, die Danzig einen ganz besonderen maritimen Charme verleihen. An fast jeder Ecke entdeckt man ein neues Fotomotiv, und man weiß irgendwann gar nicht mehr, ob man nach oben zu den Fassaden oder aufs Wasser schauen soll.
Wir ließen uns einfach treiben. Mal durch schmale Gassen, mal über belebte Plätze, dann wieder entlang der Uferpromenade. Hinter jeder Ecke wartete schon das nächste schöne Gebäude. Irgendwann gaben wir es auf zu sagen: „Davon machen wir noch schnell ein Foto.“ Sonst wären wir vermutlich erst nächste Woche wieder am Wohnmobil angekommen.
Besonders die prächtigen Fassaden hatten es uns angetan. Keine gleicht der anderen. Die alten Kaufmannshäuser stehen dicht an dicht und sehen aus, als hätten sie sich für den heutigen Tag besonders herausgeputzt.
Natürlich waren wir nicht die Einzigen, die Danzig erkunden wollten. Aber die Stadt verteilt ihre Besucher erstaunlich gut, sodass man auch immer wieder ruhige Ecken findet, in denen man einfach nur das Flair genießen kann.
Nach zwei Tagen voller Geschichte, wunderschöner Architektur und unzähliger Eindrücke waren wir uns allerdings einig: Für den Moment war unser Stadthunger gestillt.
Also hieß es: Rauf auf die Fahrräder, zurück zu Grisu und weiter Richtung Ostsee.
Bei herrlichem Sonnenschein fanden wir schließlich am Ortsrand des kleinen Urlaubsortes Karwia einen wunderschönen Stellplatz im Wald, nur wenige Schritte vom Meer entfernt.
Genau der richtige Ort, um nach zwei erlebnisreichen Tagen in der Stadt wieder die Ruhe zu genießen. Statt Kopfsteinpflaster gibt es nun wieder Waldboden, statt Menschenmassen das Rauschen der Ostsee – und wir freuen uns schon darauf, morgen den Sand zwischen den Zehen zu spüren.
Manchmal braucht es eben genau diese Mischung: Erst Kultur für den Kopf – und anschließend Meeresluft für die Seele.Leer más
Ostseeromantik? Der Wettergott hatte andere Pläne
10 de julio, Polonia ⋅ ⛅ 17 °C
Eigentlich war der Plan glasklar: schönes Wetter, Ostseestrand, Hängematte, Baden, chillen... kurz gesagt: professionelles Nichtstun.
Doch wie so oft auf dieser Reise hatte der Wetterbericht offenbar eine sehr kreative Interpretation von „Badewetter“. Für Donnerstag und Freitag waren Sonne und sommerliche Temperaturen angekündigt. Bekommen haben wir stattdessen Regen, Wind und gerade einmal 17 Grad.
Vielen Dank auch!
Gestern Morgen machten wir uns trotzdem optimistisch auf den Weg zum Strand. Nach dem Motto: Vielleicht wird's ja noch. Der Strand war wirklich schön, die Ostsee rauschte gemütlich vor sich hin... nur leider wehte uns der Wind so um die Ohren, dass wir irgendwann beschlossen: Genug romantisiert – zurück zu Grisu und erst einmal den nächsten Regenschauer aussitzen.
Am Nachmittag wurde das Wetter etwas freundlicher. Also Fahrräder runter und ab nach Karwia.
Dort angekommen traf uns dann der zweite Schock des Tages.
Einen gemütlichen Ortskern oder ein hübsches Fischerdorf hatten wir erwartet. Bekommen haben wir stattdessen gefühlt 200 Buden auf engstem Raum. Getränkebuden, Dönerbuden, Eisbuden, Spielzeugbuden, Souvenirstände und jede Menge Kram, von dem man vorher gar nicht wusste, dass ihn niemand braucht. Dazwischen schoben sich unzählige Urlauber mit Kind, Kegel, Kinderwagen, Luftmatratzen und Eis durch die Straßen.
Nach einer Viertelstunde wussten wir beide: Ostseeromantik sieht für uns definitiv anders aus.
Getreu dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ fuhren wir weiter nach Jastrzębia Góra. Laut Google sollte uns dort ein wunderschöner Küstenort mit beeindruckenden Steilklippen erwarten.
Die Steilküste war tatsächlich sehenswert. Von oben konnten wir einigen Gleitschirmfliegern beim Start zusehen, die elegant über die Ostsee schwebten. Das war wirklich beeindruckend.
Der Rest des Ortes erinnerte allerdings stark an Karwia – nur in einer etwas größeren Ausgabe. Wieder Buden, Buden und noch mehr Buden.
Als wir zurück bei Grisu ankamen, fiel die Entscheidung einstimmig und ohne lange Diskussion.
Das war's.
Wenn schon das Wetter nicht mitspielt und die Ostseeromantik irgendwo zwischen Dönerbude Nummer 37 und Souvenirshop Nummer 112 verloren gegangen ist, dann ziehen wir lieber weiter.
Also heißt es morgen wieder: Motor starten, Grisu in Bewegung setzen und neue Abenteuer suchen.
Denn eines haben wir auf dieser Reise gelernt: Hinter der nächsten Kurve wartet oft etwas viel Schöneres. Und genau das macht das Reisen schließlich so spannend.
Und weil die Orte nichts zu bieten hatten gibt's heute kein Bild für euch😉Leer más

ViajeroUnd genau durch solche Tage, weiß man die schönen noch mehr zu schätzen

Stefan und Birgit on tourGenau so haben wir das vor zwei Jahren auch erlebt. Fürchterlich.
Posen – eine Überraschung nach der anderen
12 de julio, Polonia ⋅ ☁️ 24 °C
Gestern war mal wieder Fahrtag. Unser nächstes Ziel hieß Posen (Poznań). Da wir bewusst über die Landstraßen unterwegs waren, wurden wir erneut mit traumhaften Alleen und endlosen Wäldern belohnt. Ich weiß gar nicht, wie viele Kilometer wir inzwischen unter einem grünen Blätterdach gefahren sind – aber langweilig wird das einfach nie.
Mitten im Wald musste natürlich noch ein spontaner Zwischenstopp sein. Die Heidelbeersträucher waren randvoll und einige der leckeren Beeren wollten unbedingt mit uns Bekanntschaft machen. Wir haben ihnen diesen Wunsch natürlich nicht abgeschlagen. So schmeckt eine kleine Pause gleich doppelt so gut.
Am Stadtrand von Posen fanden wir einen schönen Stellplatz und ließen den Tag gemütlich ausklingen.
Heute Morgen ging es dann mit den Fahrrädern in die Stadt – und wir haben wirklich nicht schlecht gestaunt.
Posen gehört zu den ältesten Städten Polens und gilt als eine der historischen Wiegen des Landes. Die Stadt verbindet eindrucksvoll ihre über 1.000-jährige Geschichte mit jungem Studentenleben. Überall begegnet man prachtvollen Bürgerhäusern, gepflegten Plätzen und einer lebendigen Atmosphäre.
Besonders beeindruckt hat uns der Alte Markt, einer der schönsten Marktplätze Polens. Rund um den Platz stehen farbenfrohe Renaissance- und Barockhäuser, die aussehen, als hätte jemand eine Farbpalette über die Fassaden ausgeschüttet. Im Mittelpunkt steht das prächtige Renaissance-Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, das zu den Wahrzeichen der Stadt zählt. Dazu kommen schöne Brunnen, gemütliche Cafés und kleine Gassen, die zum Schlendern einladen.
Als wir später an der Universität vorbeikamen, herrschte dort ein riesiges Gedränge. Erst dachten wir, es gäbe irgendwo etwas umsonst – doch beim genaueren Hinsehen wurde schnell klar: Es war die feierliche Diplomübergabe. Überall junge Menschen in schicken Kleidern und eleganten Anzügen, stolze Familien mit Blumensträußen und jede Menge glückliche Gesichter. Ein wirklich schöner Moment, den wir ganz zufällig miterleben durften.
Danach zog es uns noch einmal durch die Altstadt, bevor wir zum Posener Tor (Brama Poznania) radelten. Und dort wartete die nächste Überraschung auf uns.
Vor dem Museum steht ein gläserner Glockenwagen, der ursprünglich vom Glockenmuseum in Danzig stammt. Im Inneren hängen unzählige Glocken in den unterschiedlichsten Größen, die über eine raffinierte Mechanik ähnlich einer Orgel miteinander verbunden sind. Kaum 15 Minuten nachdem wir angekommen waren, begann das Glockenkonzert.
Was für ein Zufall! Genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Klänge erfüllten den Platz und sorgten für einen ganz besonderen Abschluss unserer Stadttour.
Zurück am Wohnmobil wurde dann der Grill angeheizt. Nach so vielen Eindrücken schmeckte das Abendessen gleich doppelt so gut.
Manchmal sind es eben genau diese Tage, an denen man ohne große Erwartungen losfährt – und am Ende mit Heidelbeeren im Bauch, Glockenmusik in den Ohren und einem breiten Grinsen im Gesicht zurückkommt.Leer más
Dresden – Barock bis der Nacken schmerzt
14 de julio, Alemania ⋅ ☁️ 25 °C
Gestern war mal wieder ein klassischer Fahrtag. Von Posen aus ging es auf direktem Weg nach Dresden. Dort fanden wir einen herrlich ruhigen Stellplatz in der Nähe des Zoos und der Altstadt – also genau die richtige Ausgangslage für eine ausgiebige Stadterkundung.
Heute Morgen schwangen wir uns auf die Fahrräder und machten uns auf den Weg.
Und was soll ich sagen? Das war mal wieder ein Tag ganz nach unserem Geschmack. Angenehme Temperaturen, kein Hitzemarathon und eine Stadt, in der gefühlt hinter jeder Straßenecke das nächste historische Prachtstück wartet.
Dresden wird nicht umsonst das „Elbflorenz“ genannt. Vor allem im Barock erlebte die Stadt ihre große Blütezeit. Obwohl sie im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört wurde, konnten viele berühmte Bauwerke originalgetreu wieder aufgebaut werden. Heute verbindet Dresden eindrucksvoll Geschichte, Kunst und Architektur – und genau das macht den besonderen Reiz der Stadt aus.
Natürlich führte unser Weg als Erstes zum Zwinger. Und der war schon ein echter Knaller. Die prachtvolle Barockanlage wurde Anfang des 18. Jahrhunderts unter Kurfürst August dem Starken erbaut. Ursprünglich war sie als Orangerie sowie als Fest- und Turnierplatz gedacht. Mit ihren reich verzierten Pavillons, Skulpturen und dem wunderschönen Innenhof zählt sie heute zu den bedeutendsten Barockbauwerken Europas.
Überhaupt hatte August der Starke offenbar einen ganz ausgezeichneten Geschmack – oder zumindest keine Angst davor, groß zu denken. Der Kurfürst von Sachsen und König von Polen machte Dresden zu einer der prächtigsten Residenzstädte Europas. Kunst, Architektur und Kultur lagen ihm besonders am Herzen. Man könnte auch sagen: Wenn August etwas baute, dann bitte nicht in klein.
Der nächste Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten: die Frauenkirche.
Schon von außen ist sie ein beeindruckender Anblick, doch im Inneren verschlägt sie einem endgültig die Sprache. Die barocke Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und blieb jahrzehntelang als Ruine stehen. Erst nach der Wiedervereinigung begann ihr originalgetreuer Wiederaufbau, der 2005 abgeschlossen wurde. Heute gilt sie weltweit als Symbol für Versöhnung und Frieden. Die helle Kuppel, der wunderschöne Innenraum und die harmonische Architektur haben uns wirklich begeistert.
Natürlich durfte auch die Semperoper nicht fehlen. Das weltberühmte Opernhaus wurde nach Plänen des Architekten Gottfried Semper erbaut und zählt zu den schönsten Opernhäusern Europas. Allein die reich verzierte Fassade ist schon ein Kunstwerk für sich.
Doch damit war längst nicht Schluss. Auch die Kunstakademie, das Albertinum und das Residenzschloss reihten sich nahtlos in die Liste der beeindruckenden Bauwerke ein. Irgendwann wussten wir gar nicht mehr, wohin wir zuerst schauen sollten.
Zum Glück hatten wir die Fahrräder dabei. So konnten wir ganz entspannt von einem Highlight zum nächsten rollen. Nur unser Nacken hatte am Ende des Tages ein kleines Problem – ständig nach oben zu den prachtvollen Fassaden zu schauen, ist auf Dauer eben auch anstrengend.
Dresden hat uns wirklich geflasht. Eine Stadt voller Geschichte, großartiger Architektur und beeindruckender Bauwerke.
Und eines steht fest: August der Starke hatte definitiv Sinn für schöne Gebäude. Unser Glück ist, dass wir sie heute noch bestaunen dürfen – auch wenn wir dafür am Ende des Tages einen leichten Barock-Muskelkater im Hals in Kauf nehmen mussten.Leer más

Viajero
Das war für mich fast eine der schönsten Städte die ihr besucht habt .Es waren viele schöne Städte dabei, aber Dresden war für mich bislang die Nummer 1 gewesen LG Mama

Womo TravelerDas ist die Marmorskulptur „Die Zeit raubt die Schönheit“ (1689; Pietro Balestra)
Fachwerk, Freunde und viele Geschichten
15 de julio, Alemania ⋅ ☁️ 27 °C
Heute Morgen verabschiedeten wir uns von Dresden – allerdings mit dem festen Vorsatz, dass das bestimmt nicht unser letzter Besuch gewesen ist. Es gibt einfach Städte, die einen nicht mehr loslassen.
Unser heutiges Ziel war Alsfeld, wo wir uns mit Claudia und Theo verabredet hatten. Da wir uns schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen hatten, gab es natürlich jede Menge zu erzählen. Unter einem schattigen Baum fanden wir den perfekten Platz, um der Sonne ein Schnippchen zu schlagen und ausgiebig zu klönen. Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht, wenn ein Satz immer mit „Weißt du noch...?“ beginnt.
Am frühen Nachmittag machten wir uns gemeinsam auf den Weg, Alsfeld zu erkunden.
Die Stadt gehört zu den schönsten Fachwerkstädten Deutschlands. Bereits vor rund 800 Jahren erhielt Alsfeld das Stadtrecht. Durch ihre günstige Lage an einer wichtigen Handelsstraße entwickelte sie sich vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit zu einem bedeutenden Handelsplatz. Diesen Wohlstand kann man noch heute überall sehen. Mehr als 400 liebevoll erhaltene Fachwerkhäuser prägen die Altstadt. Besonders beeindruckend ist der historische Marktplatz mit seinem weltberühmten Rathaus aus dem frühen 16. Jahrhundert, das als eines der schönsten Fachwerk-Rathäuser Deutschlands gilt. Die verwinkelten Gassen, kleinen Plätze und kunstvoll verzierten Häuser verleihen der Stadt eine ganz besondere Atmosphäre.
Wir schlenderten gemütlich durch die Altstadt, bestaunten ein Fachwerkhaus nach dem anderen und fragten uns irgendwann, wie Zimmerleute damals ohne Laser, Akku-Schrauber und Wasserwaage solche Meisterwerke hinbekommen haben.
Am Abend saßen wir dann wieder gemütlich vor den Wohnmobilen zusammen. Bei kühlen Getränken und vielen Geschichten wurde gelacht, erinnert und natürlich auch schon über die nächsten Reisepläne gesprochen.
Es sind genau diese Tage, die eine Reise so besonders machen. Schöne Städte sind das eine – aber Zeit mit guten Freunden zu verbringen, ist mindestens genauso wertvoll. Und wenn man dabei noch in einer der schönsten Fachwerkstädte Deutschlands sitzt, kann ein Urlaubstag eigentlich kaum besser enden.Leer más
„Grisu bekommt neue Treter – und
17 de julio, Alemania ⋅ ☁️ 25 °C
wir genießen die letzten Reisekilometer“
Gestern Nachmittag hieß es Abschied nehmen. Nach den schönen Stunden mit Theo und Claudia packten wir wieder unsere sieben Sachen zusammen und machten uns auf den Weg ins rund 100 Kilometer entfernte Neuenkirchen. Unser Nachtplatz am Sportplatz war ruhig und perfekt – schließlich musste Grisu Kräfte sammeln. Am nächsten Morgen stand nämlich ein wichtiger Termin an: Schuhwechsel beim großen Herrn Grisu.
Pünktlich um 8 Uhr rollten wir in die Werkstatt ein. Und dort ging alles schneller als gedacht. Keine 15 Minuten später hing unser 8-Tonnen-Koloss bereits in der Luft. Weitere 15 Minuten später stand er da – ohne Schuhe. Ein Anblick, bei dem selbst ein Feuerwehrfahrzeug wahrscheinlich kurz überlegt: „Und wie komme ich jetzt eigentlich wieder nach Hause?“
Die alten Reifen hatten uns treu begleitet, aber sie hatten inzwischen eindeutig das Rentenalter erreicht. Außerdem hatte das militärische Grobstollenprofil einen kleinen Nachteil: Es hörte sich beim Fahren ungefähr so an, als würde ein Panzer versuchen, heimlich durch die Gegend zu schleichen. Von leise konnte also keine Rede sein.
Also bekam Grisu einen neuen Satz MPT-Reifen. Und siehe da: Schon bei den ersten Metern war der Unterschied deutlich zu hören. Weniger Brummen, weniger Dröhnen – Grisu fährt jetzt deutlich entspannter. Ob er dadurch auch beim Tanken weniger Durst bekommt, konnten wir leider noch nicht feststellen. Man kann schließlich nicht alles haben.
Nach gut drei Stunden war die Operation „Neue Schuhe“ erfolgreich abgeschlossen. Grisu stand wieder auf eigenen Rädern und sah aus, als könnte er direkt zum nächsten Abenteuer starten.
Mit dem frisch besohlten Reisegefährten ging es weiter nach Limburg an der Lahn.
Und was erwartete uns dort? Eine Altstadt wie aus dem Bilderbuch.
Limburg gehört zu den schönsten Fachwerkstädten Deutschlands. Überall stehen wunderschöne alte Häuser mit krummen Balken, bunten Fassaden und viel Geschichte. Mehr als 600 Fachwerkhäuser prägen die Altstadt und machen jeden Spaziergang zu einer kleinen Zeitreise. Man kommt kaum vorwärts, weil ständig jemand sagt: „Warte mal, das Haus müssen wir fotografieren!“
Hoch über der Stadt thront der Limburger Dom St. Georg. Mit seinen sieben Türmen ist er ein echtes Wahrzeichen und gehört zu den bedeutendsten spätromanischen Kirchen Deutschlands. Leider versteckte er sich teilweise hinter einer Schutzfolie. Aber selbst im „Renovierungs-Outfit“ machte er noch eine gute Figur. Andere nennen es Baustelle – wir sagen: Dom mit Regenjacke.
Wir genossen den Nachmittag in der schönen Altstadt, schlenderten durch die Gassen und ließen die vielen Eindrücke der letzten Wochen noch einmal auf uns wirken.
Danach hieß es wieder: Grisu starten und weiter Richtung Koblenz.
Hier stehen wir nun unter Bäumen an einem uns bekannten Platz. Und irgendwie fühlt es sich schon ein bisschen komisch an: Nach Wochen voller neuer Länder, neuer Eindrücke, Stellplätze, Abenteuer und kleiner Überraschungen ist unsere große Baltikumreise nun fast zu Ende.
Am Montag erledigen wir noch ein paar Dinge in Koblenz, bevor es endgültig nach Hause geht.
Aber eine Reise endet ja bekanntlich nicht mit der Rückkehr – sie bleibt im Kopf, in den Bildern und in den vielen Geschichten, die man noch lange erzählt.
Im nächsten Footprint gibt es deshalb noch unser persönliches Fazit dieser unglaublichen Tour.
Und an dieser Stelle sagen wir schon einmal:
Danke an alle, die uns begleitet haben!
Danke fürs Lesen, Liken, Kommentieren und Mitfiebern. Es hat uns riesigen Spaß gemacht, euch mit auf die Reise zu nehmen.
Keine Sorge – Grisu steht schon wieder mit frisch geputzten Schuhen in den Startlöchern. 😉
Im Herbst nehmen wir euch gerne wieder mit, wenn es heißt:
Motor an, Abenteuer los!
Die allerbesten Grüße
Michael, Andrea und natürlich Grisu 🚒😊Leer más

ViajeroHerzlichen Dank, dass wir euch auf dieser Reise begleiten durften. Eure Erfahrungen und Eindrücke geben uns Inspiration für eine eigene Reise in diese Länder. Selbstverständlich freut es uns dass ihr diese Reise ohne ernsthafte Zwischenfälle abschliessen konnte. Ursi und Reto WoMo-Touren
Fazit unserer Baltikumreise
18 de julio, Alemania ⋅ ⛅ 21 °C
70 Tage unterwegs. 8.340 Kilometer auf dem Tacho, fünf Länder bereist unzählige Erinnerungen unzählige Stellplätze, noch mehr Eindrücke – und mindestens genauso viele Tassen Kaffee.
Was bleibt von unserer ersten großen Reise mit Grisu?
Vor allem die unglaubliche Natur. Die endlosen Wälder, glasklaren Seen, ruhigen Flüsse und die vielen einsamen Stellplätze haben uns jeden Tag aufs Neue begeistert. Oft standen wir mitten in der Natur und hatten nichts außer Vogelgezwitscher, Wind in den Bäumen und gelegentlich ein paar neugierige Enten als Nachbarn. Genau so hatten wir uns diese Reise vorgestellt.
Ebenso beeindruckt hat uns die Sauberkeit in den baltischen Ländern. Egal ob in den Städten, an den Seen, in den Wäldern oder auf den Parkplätzen – überall war es ordentlich und gepflegt. Da kann sich so manches andere Land durchaus eine Scheibe abschneiden.
Natürlich lief auch bei uns nicht immer alles nach Plan. Das Wetter hatte gelegentlich seinen ganz eigenen Kopf, der Tankdeckel wollte plötzlich nicht mehr auf, Regen gab es manchmal mehr als uns lieb war und die eine oder andere Straße hatte ihre ganz persönliche Interpretation von „fahrbar“. Aber genau diese kleinen Pannen sind es doch, über die man hinterher am meisten lacht.
Und dann wäre da noch Grisu.
Unsere erste große Reise mit unserem alten Feuerwehrmann war gleichzeitig seine Feuertaufe. Was sollen wir sagen? Er hat sie mit Bravour bestanden. Egal ob schmale Waldwege, holprige Pisten, Fähren, Großstädte oder einsame Stellplätze – Grisu hat alles souverän gemeistert. Er hat uns zuverlässig durch fünf Länder getragen und dabei nie den Eindruck gemacht, dass ihm die Puste ausgeht.
Wir sind uns heute sicherer denn je: Der Umbau vom Feuerwehrfahrzeug zum Expeditionsmobil war genau die richtige Entscheidung. Grisu ist nicht einfach nur ein Wohnmobil – er ist längst ein treuer Reisebegleiter geworden.
Ein ganz herzliches Dankeschön geht an euch alle, die uns auf dieser Reise begleitet haben. Danke für eure Likes, Kommentare, Nachrichten und die vielen netten Worte unterwegs. Es hat uns riesigen Spaß gemacht, euch mit auf diese Tour zu nehmen.
Und wer jetzt denkt, Grisu darf sich erst einmal ausruhen, der kennt ihn schlecht.
Kaum steht er zu Hause, wird er vermutlich schon wieder ungeduldig mit den Reifen scharren und fragen: „Na... wann geht's denn endlich wieder los?“
Keine Sorge, Grisu – wir arbeiten schon am nächsten Abenteuer.
Bis dahin sagen wir: Danke fürs Mitreisen, bleibt gesund und neugierig.
Die allerbesten Grüße
Michael, Andrea und natürlich Grisu 🚒🌍😊Leer más

Liz und Thomas on tourDanke, dass ihr eure schöne Reise geteilt habt. Eure Footprints haben einen tollen Eindruck vom Nordosten Europas vermittelt 🤗.

Reisen mit Moni und MarcoAuch wir sagen Danke fürs mitnehmen, für eure kurzweiligen Texte und grandiosen Bilder. Wir sind sehr neugierig geworden und bekamen durch euch schon mal einen guten Vorgeschmack. Wir starten nächste Woche in die gleiche Richtung und hoffen auf gutes Wetter. 😉👍🙏

ViajeroSehr schön ♥️ - die baltischen Staaten stehen bei uns auch auf dem Programm, vielleicht im nächsten Jahr .... und danach noch nach Finnland, denn Finnland hat uns auf unserer jetzigen Reise am meisten überzeugt.

































































































































































































































































































































































































































































































































Viajero
Erinnert an unsere alte Zahnarzt-Praxis
ViajeroJa, euch zu treffen war richtig schön! Und den gemütlichen Grillabend hinter eurem Schweizer Feuerwehrauto werden wir nicht so schnell vergessen! Danke🥰 Und wenn wir EUCH nicht so schnell vergessen sollen, dann kommt bald mal vorbei👋🏻👋🏻
Womo TravelerJa es war ein sehr schöner Abend. Wenn wir in eurer Nähe sind melden wir uns. Liebe Grüße Michael und Andrea