• Claudia
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Kurs Südost

April 2016 - open end Les mer
  • Über Akdamar nach Van

    2. juli 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 26 °C

    Noch vor dem Weckerklingeln sind wir wach. Es ist etwa sechs Uhr und es herrscht noch wunderbare Stille auf dem Campingplatz. Nur das Plätschern der Wellen ist zu hören, als wir mit Blick auf den See frühstücken. Wir sind bereits in Aufbruchstimmung, als sich irgendwann die Tür des Nachbarcampers öffnet und Klaus und Nic in den Tag starten. Wir verabschieden uns und rollen durch das Tor des Campingplatzes zurück in Richtung Hauptstraße. Nach etwa acht Kilometern erreichen wir den Fähranleger, wo wir ein Boot besteigen möchten. Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Van, unserem heutigen Zielort, ist nämlich gar nicht direkt in Van. Die armenische Kirche zum Heiligen Kreuz liegt auf der kleinen Insel Akdamar in der Nähe des Ortes Gevaş etwa 45km südwestlich von Van. Es gibt keinen festen Fahrplan, sondern es wird abgelegt, wenn mindestens zwanzig Personen auf die Insel möchten. Nach einer Wartezeit von etwa einer halben Stunde ist die Anzahl erreicht und nach einer kurzen Fährfahrt erreichen wir die Insel. Während die meisten Menschen zuerst die Kirche, welche schon vom Wasser aus sichtbar war, ins Visier nehmen, schwimmen wir gegen den Strom und lassen zuerst am ausgewiesenen Aussichtspunkt den Blick über den See und auf die Berge am Festland schweifen, während ein schrilles Konzert aus Möwengeschrei in unsere Ohren dringt. Die kleine Kirche mit ihrer aufwändigen Architektur und den vielen Ornamenten ist schließlich schnell besichtigt. Sie ist Teil eines ehemaligen Klosterkomplexes, welcher ab dem Jahr 915 erbaut wurde. Das Kloster selbst wurde im Laufe des Völkermordes an den Armeniern 1915 zerstört. Über die kommenden fast 100 Jahre verfiel die Kirche. Doch dann entschied sich die türkische Regierung, das Gebäude aufwändig zu restaurieren, um es 2007 als Museum wiederzueröffnen. Die einst sicher sehr schönen, tiefblauen Fresken im Innenbereich sind leider in keinem besonders guten Zustand mehr. Ungefähr ein Stündchen verweilen wir auf dem kleinen Eiland, bevor es zurück zur Fähre und ans Festland geht. Hier warten bereits unsere Fahrräder, die uns jetzt entlang des Van-Gölü in die gleichnamige Stadt Van tragen. Die Einfahrt in die Stadt zieht sich wie Kaugummi, ungefähr zwanzig Kilometer erstreckt sich die Fahrt durch zunehmend besiedeltes Gebiet bis in Zentrum. Es herrscht wahnsinnig viel Verkehr, was in Städten speziell für Claudia stets einen Stressfaktor darstellt. Als wir endlich das vorab ausgesuchte Hotel erreichen, folgt die Ernüchterung: Geschlossen! Nun gut, über GoogleMaps ist schnell eine nahegelegene Alternative gefunden und diese erweist sich als Glücksgriff. Zu einem moderaten Preis checken wir im schicken Van Life Hotel ein. Unsere Räder finden im Aufzug zur Parkgarage Unterschlupf, wir beziehen ein sehr helles und großes Zimmer im sechsten Stock. Wir duschen und belegen sämtliche Steckdosen des Zimmer, um Ladevorgänge zu starten, dann steht der letzte Programmpunkt des Tages an: Essen. In unmittelbarer Nähe zum Hotel finden wir ein ansprechendes Restaurant, wo wir uns leckere Pide und Köfte schmecken lassen. Satt und müde fallen wir in die Hotelbetten, von denen vor allem Heiko restlos begeistert ist. Morgen wird kein Wecker klingeln, Ruhetag ist angesagt.Les mer

  • Wenn ich den See seh‘...

    1. juli 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 23 °C

    Wir sind zwar früh wach, vetrödeln aber noch recht viel Zeit an unserem Zeltplatz, so dass wir erst ziemlich spät auf den Rädern sitzen. Mit einer steilen Abfahrt vom Berg starten wir in die heutige Etappe. Zu unserem Leidwesen müssen wir uns die Straße erneut mit dem Rest des Verkehrs teilen - der Tunnel ist heute in der Frühe wieder gesperrt worden. Die Berge zur Rechten und einen wunderbaren Seeblick zur Linken fahren wir unter blauem Himmel gen Osten. Irgendwann bleibt ein Kleinbus stehen, zwei Frauen und ein Mann steigen aus. Eine Frau hat einen Wanderrucksack nebst Isomatte auf dem Rücken und trägt ein Mikro am T-Shirt. Die Aufklärung erhalten wir postwendend: Es handelt sich bei den Dreien um ein Fernsehteam des Senders WAAR, die in uns ihre nächsten Opfer, äääh, Interviewpartner gefunden haben. Auf türkisch steht Heiko Rede und Antwort, so gut es ihm möglich ist. Eine kurze Radel-Szene mit uns wird noch gedreht, dann ist das Schauspiel-Engagement auch schon wieder vorbei. Als Gage erhalten wir eine Tüte voll mit frischen Früchten. Hätten wir besser verhandeln sollen?
    Es ist noch nicht spät am Tag und wir haben auch noch nicht viele Kilometer in den Beinen, dennoch ruft der Feierabend. Wir wollen einen kleinen Campingplatz am See ansteuern, der laut Internet einen sehr netten Eindruck macht. Über kleine Straßen und einen Schotterweg erreichen wir das Ziel "Bienya Camping & Beach". Das erste Mal seit 2021 rollen wir auf einen richtigen Campingplatz und wir werden nicht enttäuscht. Die kleine Anlage ist tatsächlich sehr hübsch und wir werden freundlich empfangen. Der junge Platzbetreiber fragt, woher wir kommen und will uns sicherlich einen Gefallen damit tun, dass er uns sofort den Platz neben einem riesigen Camper mit deutschem Kennzeichen zuweist. Klaus und Nic (Nicole?) stellen sich vor, die anfangs einen schrägen Eindruck auf uns machen. Mal sehen, was das wird. Erstmal stellen wir das Zelt auf, richten uns ein, platzieren unsere Stühle mit Blick auf das Wasser und genießen die Ruhe und die schöne Aussicht. Wie heißt es so schön: "Wenn ich den See seh‘, brauch ich kein Meer mehr." Tatsächlich könnte man den Van-See mit einem Meer verwechseln. Das gegenüberliegende Ufer ist nicht zu sehen, kleine Wellen rollen heran, Möwen segeln über dem Wasser. Herrlich!
    Das Thema Ruhe erledigt sich leider im weiteren Verlauf, da zum Zwecke der Testung einer Bewässerungsanlage regelmäßig ein nervtötender Generator angeschmissen wird. Eigentlich wollten wir heute noch einen kleinen Ausflug auf eine nahegelegene Insel machen. Nach eher halbherzigen Bemühungen vertagen wir diese Aktion aber auf morgen und beschränken uns heute auf Faulsein. Da wir gar nicht mehr wirklich Proviant in den Packtaschen haben, lassen wir uns aus der Campingplatz-Küche ein mittelprächtes, aber auch kostengünstiges belegtes Toast ans Zelt liefern. So richtig satt werden wir nicht und da zögern wir nicht lang, als Klaus und Nic uns zum Essen einladen. Im gusseisernen Topf haben sie ein Gericht aus Möhren und Datteln zubereitet, dazu gibt es Gemüse und Fleisch vom Grill. Zu viert sitzen wir vor dem großen Auto, wo ein Essbereich auf einem Teppich platziert ist. Obwohl wir beim ersten Kennenlernen etwas skeptisch waren, wird es ein sehr netter, leckerer und unterhaltsamer Abend, der vom Austausch unserer vielen Reiseerfahrungen lebt. Klaus und Nic sind bereits seit September unterwegs und haben bereits den Oman, Saudi-Arabien, den Irak, den Iran und die Türkei bereist. Über Georgien und Armenien werden sie weiterfahren und voraussichtlich im März zurück in die Heimat in Deutschland kommen. Als uns alle vier so langsam die Müdigkeit überkommt, ziehen wir uns zur Nachtruhe zurück - die einen ins große Auto, die anderen ins kleine Zelt.
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  • Zelten in luftiger Höhe

    30. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 19 °C

    Unser Lagerplatz am Hang ist ziemlich abschüssig, weshalb wir anstreben, die überdachten Picknickbänke direkt am See für unser Frühstück zu nutzen. Also bauen wir das Zelt ab, beladen die Räder und rollen zum See. Leider bietet sich uns vor Ort jedoch ein trauriges Bild: Müll! Überall Müll! Der Platz könnte so schön sein...! Es ist uns, wie auch schon so manches Mal vorher, ein Rätsel, warum dieses Problem hier scheinbar nicht in den Griff zu bekommen ist. Wir entscheiden uns auf jeden Fall für den Rückzug und bauen lieber unser Mobiliar am Rande eines Feldes auf. Nach dem Frühstück schwingen wir uns auf die Fahrräder und folgen zunächst der Straße am Van-Gölü entlang. Schon bald müssen wir uns allerdings vom See verabschieden, die Navigationsgeräte lotsen uns ins Hinterland. An einer Tankstelle legen wir eine ausgiebige Tee-Pause ein, denn vor uns liegt ein 18 Kilometer langer Anstieg. Ein schöner Nebeneffekt der milderen Temperaturen ist der, dass wir Schokolade transportieren können, ohne dass sie sofort wegfließt. Das versüßt die Pausen im wahrsten Sinne des Wortes erheblich. Während der ganzen Etappe freuen wir uns schon auf den letzten Abschnitt, der uns zum Gipfel, aber vor allem weg von der Hauptstraße führen soll. An der Stelle, wo der motorisierte Verkehr in einen längeren Tunnel verschwinden und durch den Berg hindurch fahren wird, nehmen wir die Nebenstrecke und strampeln auf den Berg hinauf. Wie schön wäre es, dort oben in über 2000m Höhe das Zelt aufschlagen und die Nacht verbringen zu können. Am Abzweig angekommen ist erstmal die Enttäuschung groß: Der Tunnel ist gesperrt. Zu unserem Leidwesen hat dieser Umstand zur Folge, dass nicht nur wir, sondern der gesamte Verkehr, der vorher auf einer vierspurigen Straße unterwegs war, jetzt auf zwei Spuren über den Berg rollt. Das haben wir uns definitiv anders vorgestellt. Während einerseits die Aussicht fantastisch ist, wird uns andererseits mitunter angst und bange, wenn die LKW teilweise wenige Zentimeter neben uns vorbeidonnern. Das unaufhörliche laute Rauschen des Verkehrs ist zudem sehr lästig und nervraubend. Am Ende ist es dennoch ein gutes Gefühl, den Gipfel in 2234m Höhe erreicht zu haben. Als wir hier oben unsere Stühle für ein Päuschen aufbauen wollen, hält auch ein Wohnmobil an. Am Nummernschild erkennen wir, dass es sich um deutsche Reisende handelt. Nach einem kurzen Plausch mit dem älteren Ehepaar aus Garmisch-Partenkirchen winken wir dem Wohnmobil hinterher, während wir an Ort und Stelle bleiben. Und das Beste ist, dass es plötzlich still ist. Der Tunnel ist wieder geöffnet und es kommt so gut wie gar kein Verkehr mehr über den Berg. Dieser Umstand ist so herrlich, dass wir unsere Pause zeitlich ziemlich ausdehnen. Warum überhaupt noch den Berg wieder runterfahren, fragen wir uns, warum nicht einfach hier bleiben? Der Gipfel beherbergt eine kleine Station, von der wir nicht wissen, ob sie zu einigen Windkrafträdern gehört oder eine andere Funktion hat. Auf jeden Fall treffen wir hier einen etwas verwegen aussehenden Mann an und fragen, ob es okay wäre, die Nacht auf dem Gipfel zu verbringen. Wie nicht anders zu erwarten stellt unser Anliegen kein Problem dar. Was sich dann allerdings doch als Problem entpuppt, ist der fiese und insbesondere stachelige Boden. Etwa eine Dreiviertelstunde und viele Nerven kostet es, eine kleine Fläche so zu bearbeiten, dass der Zeltboden hoffentlich keinen Schaden nehmen wird. Als wir endlich an unserem fertig eingerichteten Lagerplatz auf den Campingstühlen sitzen, Instant-Nudeln schlürfen und das Panorama genießen, stellt sich ein Gefühl ein, welches uns in diesem Urlaub bislang fremd war: Wir frieren! Es ist empfindlich kalt kalt hier oben in luftiger Höhe, so dass es uns bald in die warmen Schlafsäcke zieht, die wir erstmals sogar bis oben hin zumachen.Les mer

  • Zelten mit Seeblick

    29. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 26 °C

    Ein letztes Mal bedienen wir uns im Hotel Karaman am herrlichen Frühstücksbuffet, dann verstauen wir das im Zimmer verbreitete Chaos wieder ordnungsgemäß in die Packtaschen. Es ist sehr angenehm, dass die Wetterbedingungen es inzwischen zulassen, nicht mehr in den ganz frühen Morgenstunden losradeln zu müssen. Die Temperaturen sind moderat, so dass wir den ganzen Tag fahren können, ohne lange Hitzepausen einzulegen. Der Weg führt uns heute zunächst vom See weg. Wir müssen quasi einen Berg "umrunden", bevor wir wieder an das Wasser gelangen. Eine ganze Weile haben wir beim Radeln nun den schönen Anblick des Van-Gölü zu unserer Linken. Damit wir während einer Pause nicht nur die schöne Aussicht, sondern auch etwas Stille genießen können, verlassen wir die Straße und richten etwas abseits unser Picknickplätzchen ein. Ein Pferd schaut vorbei, ein Hirte mit zwei Kühen grüßt freundlich und zwei Frauen erkundigen sich nach unserem Wohlbefinden, ansonsten haben wir unsere Ruhe. Der Tag geht recht unspektakulär weiter. Ohne nennenswerte Steigungen fahren wir bei herrlichem Wetter weiter entlang des Sees. Als wir an einem kleinen Laden mit angeschlossenem Teegarten unsere Wasservorräte auffüllen wollen, laden uns zwei junge Männer, einer ist Lehrer und der andere Ingenieur, zum Tee ein. Sehr viel weiter radeln wir heute auch nicht mehr, nach wenigen Kilometern ernennen ein Stoppelfeld zum Zeltplatz. Nach einer abendlichen Portion "Instant-Curry-Nudeln" bauen wir unser Zelt am oberen Rand des Feldes auf, so dass wir einen guten Blick auf den See haben. Etwas abschüssig ist die Position unserer Isomatten heute, aber wir werden schon nicht den Hang runterrutschen...., hoffentlich!Les mer

  • Hoch hinaus

    28. juni 2025, Tyrkia ⋅ ⛅ 24 °C

    Um halb acht klingelt der Wecker, es strahlt bereits gleißendes Sonnenlicht in unser behagliches Hotelzimmer. Durch den Türschlitz zieht ein verlockender Duft von Omlett und Menemen. Wenige Minuten später sind wir im Frühstückssaal (dort, wo auch unsere Fahrräder wohnen) und erfreuen uns an dem fantastischen Buffet. Frisch zubereitet und liebevoll angerichtet gibt es alles, was zu einem Kahvaltı, einem Frühstück in der Türkei dazugehört.
    Ganz in Ruhe genießen wir die Mahlzeit und trinken den einen oder anderen Çay. Eigentlich hatten wir für den heutigen Tag geplant, einen Tagesausflug hinauf zum Nemrut-Kratersee zu unternehmen. Die Internetrecherche zu dem Gebiet brachte allerdings auch viele Informationen bezüglich der im Kraterbereich beheimateten Bärenpopulation hervor – einschließlich einiger Berichte von Angriffen auf Besucher. Das verunsicherte uns so sehr, dass wir uns gegen den Ausflug entschieden.
    Da die Bilder des Sees und des Bergs aber zu verlockend aussehen, befragen wir nach dem Frühstück doch noch einmal das Hotelpersonal zum Bärenthema. „Problem yok“ (kein Problem) versichert man uns fast amüsiert. O.k., dann soll es wohl so sein. Manchmal sind unsere Entscheidungen von Wankelmut charakterisiert.
    Eine Dreiviertelstunde später sitzen wir auf den Rädern (Kocher, Klappstühle, Proviant, umfangreiches Kameraequipment und acht Liter Wasser an Bord) und machen uns an den langen Anstieg. Schon, als wir um halb elf (ganz schön spät für so eine Aktion…) die Hauptstraße von Tatvan in westlicher Richtung zum Ortsausgang rollen, baut sich der Zielberg gewaltig und respekteinflößend in der Ferne auf.
    Heiko hatte schon zwei Tage zuvor eine Route mit komoot geplant und die gpx-Dateien auf die Navigationsgeräte
    kopiert. Da es sowohl in komoot wie auch in GoogleMaps so aussah, als wäre die Asphaltstraßenanbindung zum Berg unterbrochen, führt der Track über weite Strecken über, allerdings zumeist relativ gut fahrbare, Feldwege hinauf. Gut 800 Meter Höhendifferenz sind von Tatvan bis zum Kraterrand zu überwinden – auch mit un- bzw. wenig beladenen Rädern durchaus ein sportliches Unterfangen.
    Die Fahrt/ das Schieben führt durch ein kleines Dorf, in welchem wir direkt wieder von einer Kinderschar umringt sind. Sie vermitteln uns, dass wir nicht weiterfahren dürfen, es gäbe Bären, es sei verboten, Verhaftung durch Polizei drohe. Dabei machen sie jedoch einen recht freundlichen Eindruck, erst zum Ende der Begegnung beginnen auch sie ein kleines „Money, money“-Konzert, ohne dabei zudringlich oder unangenehm zu werden.
    Heiko checkt auf dem Navigationsgerät noch einmal die Route hinauf, sie ist alternativlos. Da auch mehrere Erwachsene im Dorf uns sehen und ohne jede Warnung nach freundlichem Gruß fahren lassen, werten wir die „Warnungen“ der Kleinen als Kinderspielerei und setzen in sehr langsamem Tempo die Fahrt fort.
    Fünfhundert Meter an Höhe haben wir dem Relief abgerungen, als der Feldweg endlich auf die Asphaltstraße, die eigentliche Hauptroute zum Krater, trifft. Eine Pause unterwegs verkneifen wir uns mit Blick auf die voranschreitende Tageszeit, so dass wir ohne Halt weiter hinaufstreben. Die Freude am Asphalt ist von kurzer Dauer, sehr bald geht der Straßenbelag in ein sehr unangenehmes Kopfsteinpflaster über, eine arge Schaukelei ist es ab sofort.
    Es ist ein wenig aufregend, den höchsten Punkt am Rande des Kraters zu erreichen - beachtliche 2.533m über dem Meeresspiegel zeigen unsere Navigationsgeräte an, damit steht ein neuer Kurs-Südost-Passhöhenrekord fest. Und auch Heikos bisher höchster erradelter Berg, der Port d’Envalira (2.408m) in den Pyrenäen, wird damit übertrumpft. Der Ausblick ist majestätisch, es ist, als blicke man aus einem Flugzeug auf die fernen Berge, den Van-See und die Stadt Tatvan.
    Im Westen geht der Blick in den Krater. Was hat ChatGPT dazu zu sagen? „Der Nemrut‑Kratersee bei Tatvan in der osttürkischen Provinz Bitlis ist ein beeindruckendes Naturdenkmal: Er liegt auf rund 2.247 m Höhe und bedeckt die westliche Hälfte einer riesigen Caldera des Vulkanbergs Nemrut, dessen Kegel während des Holozäns einst stürzte. Mit einer Fläche von etwa 12 km², einer durchschnittlichen Tiefe von rund 100 m (max. 176 m), gilt er als größter Kratersee der Türkei und einer der weltweit größten. In der Caldera finden sich fünf Seen – zwei dauerhaft, darunter kalte und heiße Gewässer – sowie Thermalquellen, Eishöhlen und Dampfschächte.“

    Beim Namen „Nemrut Krater“ drängt sich die Frage auf, ob es eine Verbindung gibt zum „Nemrut Dağı“ bei Adıyaman, welchen wir vor einigen Wochen besuchten.
    Hierzu befragt, gibt die KI die folgende Antwort: „Die beiden Berge teilen sich den Namen aus mythologischer Überlieferung, aber eine direkte geografische oder historische Verbindung besteht nicht. Der Name wurde wahrscheinlich unabhängig voneinander jeweils aufgrund der imposanten Naturerscheinung oder lokaler Legenden übernommen.“ O.k., ist das auch geklärt.

    Der beschi..ne Straßenbelag setzt sich auch im Krater fort, so dass die Abfahrt auf der zum Teil garstig steilen Piste fast genau so anstrengend ist wie der Anstieg. Bald schmerzen die Handgelenke, da sich die Finger auf der langen rumpeligen Abfahrt in die Bremsen krallen. Der Krater ist riesig, etwa 10 Kilometer und bald 300 Abwärtshöhenmeter sind es bis zum See. Uns sitzt die Zeit im Nacken, denn wir wollen auf jeden Fall vor Einbruch der Dunkelheit wieder unten in der Stadt sein. Also fahren wir nicht ganz hinab bis an das Ufer des Sees, sondern schlagen unser „Pausenlager“ ein, zwei Kilometer vorher auf. Endlich eine Rast! Es gibt Tee, Kekse, Salzstangen und Äpfel, während die Drohne aufsteigt, um ein paar schöne Luftaufnahmen zu machen. Lange währt der Müßiggang nicht und so poltern wir bald zurück. Erst hinauf zum Kraterrand, dann hinab nach Tatvan. Diesmal bleiben wir auf der Straße, irgendwann gelangen wir wieder auf den Asphaltabschnitt, auf welchem wir flott vorankommen. Heiko kann am Abend eine Höchstgeschwindigkeit von etwas über 78 km/h auf seinem Tacho ablesen… Noch ein Rekord!

    Von Bären letztendlich unbehelligt erreichen wir in der herannahenden Dämmerung wieder unser Hotel. Die Sorge vor einer Begegnung mit diesen Tieren begleitete Claudia durch den Tag, was für sie manchmal den Genussfaktor etwas dämpfte. Ziemlich k.o. geht es unter die Dusche und es werden für ein halbes Stündchen die Füße hochgelegt, bevor wir uns dann auf den kurzen Fußweg zu genau dem Restaurant machen, in welchem wir bereits gestern zu Abend aßen. Wir bestellen das gleiche Gericht, Tantuni mit Yogurt. Der junge Inhaber des Ladens lässt es sich nicht nehmen, uns den einen oder anderen Tee zu spendieren und mit uns ein Pläuschchen zu halten. Bei Kaltgetränk (Fuse Tea Melone, Claudia) und Tee (Fenchel, Heiko) nebst Schokoriegel klingt der Tag im Hotelzimmer aus.
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  • Ruhetag in Tatvan

    27. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 27 °C

    Gut ausgeschlafen begeben wir uns um acht Uhr in den Frühstückssaal und freuen uns über das reichhaltige und vielfältige Buffett. Im weiteren Verlauf sorgen wir dafür, dass der Ruhetag seinem Namen alle Ehre macht. Wir sind in erster Linie faul und vertrödeln den Vormittag im Hotelzimmer mit Dingen wie Routenplanung, lesen, Packtaschen sortieren.
    Gegen Mittag treibt uns der Hunger in das quirlige Treiben der Hauptstraße. Wir wollen etwas Obst und Joghurt sowie etwas Proviant für einen morgigen Ausflug einkaufen. Zusätzlich können wir sogar noch eine große Gaskartusche erwerben, was uns angesichts der Rarität von Kartuschen für Campingkocher in diesem Land sehr freut. Mit vollen Tüten machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel, wo wir eine große Portion Obst genießen. Erneut dauert es eine ganze Weile, bis wir uns wieder aus dem Hotel begeben. Da Tatvan nicht mehr vor Sehenswürdigkeiten strotzt, spazieren wir wie schon gestern an die Promenade des Van-Gölü. Bei dem vulkanischen Stausee, der durch den Ausbruch des Vulkans Nemrut entstanden ist, handelt es sich mit 3713 Quadratkilometern um dem größten See der Türkei und um den größten Sodasee der Welt.
    Genau wie am Vortag treffen wir hier den Ingenieur aus der Schweiz. Er sitzt auf derselben Bank wie gestern, hat seinen Tee und sein Tablet, auf dem er einen türkischen Musiksender verfolgt, dabei und bittet uns auch heute, doch neben ihm Platz zu nehmen. Wir leisten ihm kurz Gesellschaft und folgen dann dem Menschenstrom in die Richtung einer Konzertbühne. Das Kultur- und Kunstfestival hat heute begonnen und wir wollen mal schauen, ob wir dem Programm etwas abgewinnen können. Leider bekommen wir keinen Livemusik-Ohrenschmaus zu hören, sondern eine sehr lange Ansage in extrem schriller Tonlage und schlechter Akustik dringt durch die Lautsprecher in unsere Ohren. Eine Weile warten wir noch ab, ergreifen aber schließlich die Flucht. In einem kleinen Laden in der Nähe unseres Hotels essen wir köstliche Joghurt-Tantuni, von denen wir sehr begeistert sind. Anschließend wagen wir einen zweiten Versuch und kehren zur Konzertbühne zurück. Inzwischen wird zwar tatsächlich gesungen, für unseren Geschmack aber zu laut, zu schrill und auch einfach nicht gut anzuhören. Wir zwei Kulturbanausen kaufen uns lieber etwas Schokolade und verbringen den Rest des bereits recht fortgeschrittenen Abends in trauter Zweisamkeit und Stille im Hotelzimmer.
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  • Tatvan

    26. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 26 °C

    Wir haben eine gute Nacht auf der Tankstelle verbracht und beginnen den Morgen wie üblich mit einem Obstfrühstück. Währenddessen haben wir eine Entscheidung bezüglich der weiteren Route nach Van zu treffen. Unser ursprünglicher Plan sieht vor, dass wir vor Erreichen der Stadt Bitlis die Hauptstraße verlassen, um auf einer kleinen Nebenstrecke ostwärts in die Berge zu schwenken. Alternativ könnten wir weiter der Hauptstraße bis zum Ort Tatvan und dann mehr oder weniger am See entlang Richtung Van folgen. Beide Möglichkeiten bieten Vor- und Nachteile. Autoverkehr versus Ruhe, Sicherheit versus Abenteuer, Zivilisation versus Einsamkeit und Risiko von Wildtierbekanntschaft (...in ca. 20km Entfernung existiert eine Braunbärenpopulation, warum also nicht auch hier?). Nach reiflichem Überlegen und Abwägen fällt die Wahl auf die Sicherheitsvariante, wir werden Tatvan ansteuern. Nach einem letzten Tee von den Tankstellenjungs verabschieden und bedanken wir uns und rollen gegen halb acht auf die Straße. Entlang des Flusses Bitlis geht es kaum merklich bergauf. Zu unserer Freude sind wir inzwischen in einer Region und Höhe angekommen, in der Temperaturen mit um die 27 Grad deutlich niedriger und angenehmer sind als in des ersten Wochen unseres Urlaubes. Wir erreichen bald einen Punkt, an dem wir die Wahl haben: Fahren wir durch zwei Tunnel ohne Seitenstreifen oder begeben wir uns alternativ für ca. 2,5 Kilometer als "Geisterfahrer" in den Gegenverkehr. Da letztere Option mit einem breiten Seitenstreifen einhergeht, wählen wir den Gegenverkehr. Fasziniert von den Bergen die uns umgeben, nehmen wir auch die zusätzlichen Höhenmeter, die uns dieser Weg einbringt, gerne im Kauf. Die Fahrt in die Gegenrichtung erweist sich tatsächlich auch als völlig unproblematisch, der Seitenstreifen ist ausreichend breit und die entgegenkommenden Fahrzeuge stören sich in keinster Weise an uns. Kurz bevor wir die Stadt Bitlis erreichen, legen wir noch eine kurze Tanstellenrast ein: Kurz im Schatten sitzen, ein kaltes Getränk schlürfen und Sonnencreme nachlegen. Ein älterer Herr kommt zu uns und ist sehr interessiert an unserer Sonnencreme. Heiko lässt ihn testen und er scheint sehr angetan. Als der Mann erneut an uns vorbeikommt, schenken wir ihm eine Tube Sonnencreme aus unserem Vorrat. Er ist sichtlich gerührt und freut sich. Aus den letzten Jahren wissen wir noch, dass Sonnencreme in der Türkei extrem teuer ist, weshalb wir auch unseren Bedarf für die komplette Zeit aus Deutschland mitgebracht haben. Die weitere Fahrt geht für uns durch die sehr langestreckte Stadt Bitlis. Besonders hübsch zeigt sich der kleine Altstadtkern mit historischen Häusern und Brücken sowie einer großen Festung. Am Ortsausgang von Bitlis werden wir sportlich gefordert. Es gilt, eine böse Steigung zu bewältigen, an deren Ende wir neben einer Moschee ein Weilchen pausieren. Auf der recht stark befahrenen Hauptstraße radeln wir weiter, erstmals ist nun auch der Iran ausgeschildert. Angesichts der aktuellen Situation lässt es uns nicht unberührt, dass wir der Straße lediglich noch 200km folgen müssten, um an der iranischen Grenze zu stehen. Auch während unserer Reise verfolgen wir die Nachrichten und die räumliche Nähe stimmt uns umso mehr nachdenklich. Nicht mehr lange rollen wir abwärts vor uns hin, bis zum ersten Mal der Van Gölü (Van-See) zu sehen ist. Selbstverständlich muss dieser Anblick fotografisch festgehalten werden, bevor wir gemeinsam mit unzähligen anderen Fahrzeugen in die 80000-Einwohner-Stadt Tatvan fahren. Einige Kilometer schlängeln wir uns entlang der Haupteinfallstraße durch den wuseligen und lauten Verkehr, dann erreichen das vorab recherchierte Hotel. Nach dem ersten Anblick nehmen wie jedoch eine Planänderung vor, da bereits eine recht hohe und schmale Treppe überwunden werden muss, um die Rezeption zu erreichen. Hinsichtlich unseres Wunsches, die Räder mit hineinzunehmen, ist dieser Umstand eher unglücklich. Etwas um die Ecke auf der anderen Straßenseite gibt es ein zweites Hotel, hier sehen die "Zugangsmöglichkeiten" besser aus. Wir werden sehr freundlich empfangen, erhalten ein sehr schönes Zimmer im fünften Stock und unsere Räder dürfen eine kleine Ecke im Speisesaal in der ersten Etage bewohnen. Es folgt das übliche Prozedere nach dem Bezug eines Hotelzimmers: duschen, Wäsche waschen, Akkus der elektronischen Geräte sowie des eigenen Körpers laden. Am späten Nachmittag verlassen wir das Gebäude, es zieht uns als erstes an den See. Dort angekommen fällt uns direkt das "Bisiklet Café - Fahrrad Café" auf. Hier werden verschiedene Fahrräder und kleine Kinderautos, welche durch die Eltern ferngesteuert werden können, vermietet. Auf der autofreien Uferstraße sehen wir viele kleine Kinder in Mini-Autos und auch diverse kleine und große Menschen bei ihren mehr oder weniger geglückten Versuchen, Fahrrad zu fahren. Wir schlendern die Promenade entlang und beobachten das bunte Treiben. Viele kleine Buden sind aufgebaut, auf den Wiesen wird gepicknickt, Fahnen kündigen das morgen beginnende Kultur- und Kunstfestival an. An einigen Stellen sind Leinen mit kleinen Luftballons in Strandnähe über dem Wasser gespannt. Wir sehen, dass es mehrere Stände an der Promenade gibt, wo man gegen Bezahlung mit Luftgewehren auf die Ballons schießen kann. Schräg. Wir flanieren weiter und machen die Bekanntschaft mit einem in der Schweiz lebenden türkischen Ingenieur, der hier vor Ort gerade beruflich zu tun hat, und mit einem jungen Arzt aus Tatvan, der uns auch gleich seine Telefonnummer gibt für den Fall, dass wir Hilfe brauchen. Bei einem Straßenhändler holen wir uns Çiğköfte-Dürüm auf die Hand, die für unseren Geschmack deutlich zu scharf geraten sind. Da Heiko die pikante Rolle auch tatsächlich nicht ganz aufessen kann, gibt es auf der Hauptstraße noch Tantuni, eine ursprünglich aus Mersin stammende Streetfood-Spezialität. Satt und zufrieden begeben wir uns ins Hotel und freuen uns auf den morgigen Ruhetag.Les mer

  • Tankstellen-Camping

    25. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 32 °C

    Inzwischen fast schon traditionell klingelt der Wecker um fünf Uhr. Heiko lässt die Drohne zum Sonnenaufgang über unserem Zeltplatz kreisen, wir teilen uns den letzten vorhandenen Apfel zum Frühstück, dann geht es an den Abbau des Zeltes und das Beladen der Fahrräder. Ein paar wenige Kilometer Abfahrt erwarten uns zu Beginn dieser Etappe, sie führen uns zunächst in den Ort Veysel Karani. Glücklicherweise haben trotz der frühen Stunde schon ein paar Läden geöffnet, so dass wir uns mit dem nötigen Proviant versorgen können, eine Einladung zu Tee und Schokoriegel gibt's obendrauf. Ab jetzt wird es für den Rest des Tages nur noch bergauf gehen und auch das Profil für den morgigen Tag sieht nicht anders aus. Es geht in die Berge...! Bei milder Steigung geht es auf der Hauptstraße langsam aber sicher aufwärts. Von der recht befahrenen Straße mal abgesehen radeln wir durch eine traumhaft schöne Landschaft. Wir bewegen uns durch eine imposante felsige Gebirgswelt, kommen an historischen Brücken vorbei, genießen den Anblick von Wäldern und erfreuen uns an dem hübschen Fluss Bitlis, der die ganze Zeit
    zu unserer Rechten parallel zur Straße fließt. Es könnte also ganz wunderbar sein, könnte...! Denn während Claudia sich insbesondere darüber freut, dass die heutigen Steigungen allesamt gut fahrbar sind, wird Heiko von seinem Erzfeind zur Weißglut getrieben: Wir haben Gegenwind, direkt von vorne bremst er uns und rauscht in den Ohren. Wir lassen ein wenig Abstand zwischen unseren Rädern, damit Heiko ungestört und ungefiltert den einen oder anderen Fluch an den fiesen Gegner richten kann. An einer sehr kleinen Moschee entdecken wir einen perfekten Pausenplatz. Es gibt eine schöne Fläche zum Sitzen im Schatten und eine Wasserstelle. Heiko hält zur Abkühlung seinen Kopf unter das erfrischende Nass, außerdem werden Füße gewaschen und Hemden, Mütze, Kappe zumindest von den gröbsten Salzkrusten befreit. Etwas erholt, erfrischt und in saubererer Kleidung als vor der Pause sind wir bereit für die nächsten Höhenmeter. Glücklicherweise hat in der Zwischenzeit auch der Wind deutlich nachgelassen. Nach einer ganzen Weile erreichen wir einen kleinen Teegarten am Straßenrand und Claudia lechzt, wie so oft, nach einem Kaltgetränk. Wir halten also an, um nur kurz etwas zu trinken. Eigentlich! Aus dem Hintergrund ruft ein Mann in gebrochenem Deutsch, dass wir kommen sollen. Wir kommen näher und sehen, dass der Herr nicht allein ist, sondern zwei Ehepaare hier am Tisch sitzen und während einer Pause auf ihrer Autofahrt von İstanbul über Mardin, wo der Mann ursprünglich herkommt und noch ein Haus hat, nach Van ihr mitgebrachtes Picknick verzehren. Der Mann habe vor dreißig Jahren in Deutschland Elektrotechnik studiert, das Studium aber nicht beendet, sondern sich zur Rückkehr in die Türkei entschieden. Inzwischen ist er Rentner und davor sei er Fahrer des türkischen Präsidenten gewesen. Wir bekommen Besteck gereicht und werden zum aufgetischten Picknick eingeladen. Und das ist extrem lecker! Es gibt gefüllte Auberginen und Paprika, dazu Brot und bereits in kleine Stücke geschnittene Wassermelone. Nach einem abschließenden gemeinsamen Tee verabschieden wir uns von diesen vier supernetten Menschen und setzen ganz beseelt von der Begegnung unsere Bergauffahrt fort. Weiterhin werden wir regelmäßig durch Hupen und Winken gegrüßt, ein Auto kommt vor uns auf dem Seitenstreifen zum Stehen und der Fahrer schenkt uns eine Flasche Wasser sowie eine Rolle Pizza-Cracker. Im Laufe unserer weiteren Fahrt wird uns bewusst, dass es äußerst schwierig werden wird, einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Auf der linken Seite befinden sich Felswände, die steil emporragen und rechts geht's ebenso steil abwärts zum Fluss. Die Chance einer ebenen Fläche wittern wir im Bereich von Tankstellen oder Restaurants an der Strecke, also checken wir Google Maps. Auf unserer Straßenseite sind in Fahrtrichtung zwei Restaurants und eine Tankstelle verzeichnet, die nicht allzu weit entfernt sind. Was wir in jedem Fall brauchen ist Wasser und so bestimmen wir als erstes Ziel die Tankstelle. Bei "Tuncer Petrol" angekommen erwerben wir das nötige Wasser und nehmen für ein Getränk auf der Bank einer überdachten Sitzgruppe Platz. Der Tankstellenbetreiber weist seinen Angestellten an, uns noch mit einem Tee zu versorgen. Wir scannen das Gelände der Tanke und stellen fest: Hier könnte man auch zelten! Als der Chef der Tankstelle, der mit seinem schwarzen Mercedes und dem düsteren Gesichtsausdruck dem Klischee von Menschen entspricht, denen man lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte, uns plötzlich mit einem sehr freundlichen Lächeln Pflaumen anbietet, nutzt Heiko die Chance. Die Sache ist schnell geregelt. Die Frage, ob wir auf dem Gelände der Tankstelle übernachten dürfen, scheint nicht mal groß zu überraschen, ohne Zögern erhalten wir die Antwort: "Tamam, Problem yok - Einverstanden, kein Problem!" Nach Plauderei über dies und das (u.a. Zölle auf Mercedes...) und einem weiteren Tee stellen wir Zelt und Stühle auf. Sehr schön ist, dass es in einem separaten Gebäude Toiletten gibt. Und da zu diesem Gebäude auch eine Moschee gehört, gibt es hier die Möglichkeit, sich die Füße zu waschen, so richtig mit Seife und so, perfekt! Während wir vor unserem kleinen Refugium sitzen, Tee kochen und Salat essen, wecken wir auch immer mal wieder das Interesse von Tankstellen-Besuchern. Einige schauen nur leicht irritiert, andere kommen vorbei, grüßen freundlich und stellen Fragen. Ein türkischer Herr mit Camper-Van zeigt uns mit gewissem Stolz Fotos von seiner Europa-Reise. Wir sehen u.a. reichlich Bilder von Bremen, Hamburg, Berlin, Paris und insbesondere Monaco. Außerdem bekommen wir Besuch von einem italienischen Vater-Tochter-Gespann auf Motorrädern. Für die beiden wie auch für uns ist es die erste Begegnung mit europäischen Touristen in diesem Teil des Landes. Es folgt ein kurzer Austausch der sich wie folgt darstellt: Heiko spricht mit der italienischen Tochter in der Türkei französisch, Claudia und der italienische Vater verstehen nur Bahnhof und warten interessiert auf Übersetzung. Das sympathische Pärchen braust schließlich weiter und wir setzen uns wieder vor unser kleines Zelt, wo wir vom Tankstellenchef noch einen Kaffee serviert bekommen. Draußen wird es dunkel und während an der Tanke die Beleuchtung angeht, machen wir im Zelt das Licht aus.
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  • Im Schatten der Aleppo-Eiche

    24. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 33 °C

    Als wir wie üblich um fünf Uhr aufstehen, wird auf den umliegenden Feldern bereits gearbeitet. Mit Spaten wird an den Bewässerungsgräben dafür gesorgt, dass alle Bereiche des Feldes gleichermaßen mit Wasser versorgt werden. Wir beginnen unsere heutige Fahrt in der Ebene durch die landwirtschaftlich genutzte Region. Lange dauert es aber nicht, dann heißt es wieder: Gang runter, Berg rauf! Zu Beginn des Anstieges kommt es zu einer unschönen Situation. Während Claudia von einigen Kindern auf den Feldern und von einem entgegenkommenden Hirtenjungen mit ein paar Kühen lediglich gegrüßt wird, ergeht es Heiko ein gutes Stück dahinter leider anders.
    Eines der Kinder kommt direkt auf ihn zu: "Money, money", wird immer wiederholt. Als der Hirtenjunge noch dazukommt, ebenfalls um Geld bettelt und sich zudem sehr aufdringlich zeigt und fast ans Fahhrad greift, nimmt die Situation einen eher unheimlichen bis bedrohlichen Charakter an. So etwas haben wir in den gesamten Reisen durch die Türkei in den letzten Jahren nicht erlebt. Wir haben gemischte Gefühle, die von Mitleid mit diesen Kindern in ihrer Lebenssituation, Unsicherheit bezüglich des Umgangs mit derartigen Szenen bis hin zu einer Sorge, dass das dank der unzähligen großartigen Erfahrungen gewachsense Vertrauen in die so wahnsinnig gastfreundliche Bevölkerung einen kleinen Riss bekommt. Die Gedanken um dieses Thema fahren eine Weile mit.
    Als wir auf der ersten Bergkuppe ankommen, genießen wir die herrliche Aussicht in die Weite, welche sich hier offenbart, bei einer kleinen Pause im Schatten. Hier kommen wir auch tatsächlich wieder in den Genuss eines sehr positiven Erlebnisses: Ein LKW-Fahrer sieht uns, hält an und reicht uns eine große Flasche Eiswasser. Ja, es sind diese freundlichen, warmen, herzlichen Momente, die bei weitem überwiegen! Dieses Plätzchen wäre auch ein herrlicher Ort zum Zelten, dafür ist aber dann doch noch etwas zu früh am Tage und wir möchten noch etwas vorankommen. Unsere Hoffnung ruht stattdessen auf dem nächsten, noch höher gelegenen Gipfel. Wir nehmen die folgende, fünf Kilometer lange Abfahrt in Angriff, bevor es über eine Strecke von neun Kilometern rauf auf 1100m zu strampeln gilt. Heiko gehört an dieser Stelle ein Extra-Orden verliehen, schließlich fährt er zusätzlich zum regulären Gepäck und reichlich Wasservorräten auch noch eine diverse Kilogramm schwere Wassermelone den Berg hinauf. Man kann sich natürlich fragen: Ist das nötig? Da es uns ein großes Anliegen ist, sehr respektvoll und dankbar mit den Dingen umzugehen, die uns unterwegs aus Gastfreundschaft geschenkt werden, lautet die Antwort: Ja! Ja, auch wenn es zu noch mehr Schweiß und etwas Schlagseite führt.
    Der Wunsch nach einem tollen Campingplatz in luftiger Höhe erfüllt sich nach der Anstrengung aber leider nicht. Nicht einen halben Quadratmeter Schatten finden wir vor, so dass an ein längeres Verweilen auf dem Gipfel nicht zu denken ist. So bedauerlich es auch ist, begeben wir uns also direkt wieder auf den Weg nach unten. Sehr steil windet sich die Straße anfangs vom Berg und wird, speziell bei Claudia, zur Belastungsprobe für Bremsen und Handgelenke. Einige Kilometer müssen wir noch suchen, bevor wir endlich den ersehnten Schattenfleck unter einem großen, alleinstehenden Baum auf einem Stoppelfeld finden. Unsere kleinen, aber sehr feinen Möbel sind schnell aufgebaut, wir knabbern Chips, kniffeln (inzwischen steht es 6:1 für Heiko...), löffeln Wassermelone, lesen, schreiben und lassen es uns gut gehen. Traktoren und andere Erntefahrzeuge fahren mehrfach hin und her, jedesmal werden wir auf's Neue mit einem freundlichen Hupen und Winken bedacht. Ein Auto hält an und der Beifahrer, ein vielleicht zehnjähriger Junge, winkt uns heran und überreicht uns zwei Becher kalte Cola [...während ich gerade den Beticht von vor zwei Tagen verfasse, als wir von drei "Archäologen" kalte Cola eingeschenkt bekommen]. Viele Schwalben sind über unseren Köpfen unterwegs und ein großer Vogel, den wir bei erstem Hinsehen kurz für einen Storch halten, zieht etwas höher seine Kreise. Heiko schafft es, den Vogel mit der Kamera einzufangen, was uns ermöglicht, ihn zu bestimmen. Wir kommen zu dem Ergebnis, dass es sich um einen Schmutzgeier, der sich von Aas aller Art ernährt, handelt. Ist das ein Zeichen? Sollten wir möglicherweise mal wieder duschen? In Berlin wird derweil eine Bestimmungs-App bemüht, damit wir Botanikbanausen wissen, unter welcher Art von Baum wir eigentlich hocken. Die Quercus infectoria oder auch Aleppo-Eiche ist es wohl, die uns so wunderbaren Schatten spendet. Diesem Schatten wandern wir während unserer langen Pause gerne hinterher, sitzen erst hinter und inzwischen vor dem Baum. Das bedeutet auch, dass der Tag bereits recht fortgeschritten ist. In dem Wissen, dass wir bei Weiterfahrt in Kürze wieder auf die Hauptstraße stoßen würden, entscheiden wir kurzerhand, die Pause bis morgen auszudehnen. Am frühen Abend ziehen wir uns lediglich ein paar Meter bis zum Feldrand zurück uns errichten unser Nachtlager. Es bleibt zu hoffen, dass der Schmutzgeier uns nicht im Schlaf damit überrascht, dass er uns für eine Aas-Delikatesse hält.
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  • Mais- und Tabakstraße

    23. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 33 °C

    Wer kennt sie nicht, die böse Radel-Weisheit: "Wer am Abend auf einen bevorstehenden Anstieg verzichtet, darf sich nicht darüber wundern, dass es am nächsten Morgen anstrengend wird." Diese leidvolle Erfahrung dürfen wir dann auch heute in den frühen Morgenstunden machen. Nach Frühstück und Lagerräumung führt unser Weg direkt bergauf. Es ist bereits zu dieser Tageszeit sehr warm und wir sind extrem nassgeschwitzt, als wir irgendwann den höchsten Punkt erreichen. So richtig wildromantisch ist es hier allerdings nicht, vielmehr sind wir auf einem Erdölfeld gelandet. Obwohl der Panoramablick großartig ist, lassen sich die Ölfördertürme um uns herum nicht gänzlich ausblenden.
    Da es aber auch ohnehin kaum ein Fleckchen Schatten hier oben gibt, begeben wir uns ohne Pause abwärts. Einen sehr freundlichen Empfang erfahren wir, als das steilste Stück der Abfahrt hinter uns liegt. Ein paar Bauarbeiter winken uns heran und bitten uns an ihren Tisch. Mundgerecht geschnittene Wassermelone liegt schon bereit, dazu bekommen wir noch Brot, Käse und natürlich Tee serviert. Als die Jungs wieder ihrer Arbeit nachgehen müssen, rollen wir weiter, erst noch ein Stück bergab, dann eine Weile auf recht ebener Strecke. Im kleinen Ort İkiköprü erledigen wir einen Einkauf und wollen dann zur Abwechslung mal einen Pausenplatz finden. Wie schon des öfteren gestaltet sich die Suche nicht ganz einfach angesichts der Tatsache, dass große Bäume und somit auch Schatten sehr, sehr rar sind in dieser Gegend. Irgendwann entdecken wir aber am Straßenrand dann doch noch ein paar Bäumchen, die uns Sonnenschutz bieten. Die Aussicht ist toll: Die Flußnähe ermöglicht rege landwirtschaftliche Nutzung, so dass anders als sonst viel sattes Grün zu sehen ist. Im Hintergrund heben sich die beige-braunen, von der Sonne angestrahlten Berge ab, weiter entfernt am Horizont lässt sich eine weitere, höhere Bergkette erahnen. Schön! Gerne hätten wir etwas abseits der Straße pausiert, um etwas Ruhe vor Autos und Menschen zu haben, aber man muss es wohl nehmen, wie es kommt. Und wie sollte es anders sein: Da kommt so Einiges. Nicht gerechnet hatten wir damit, dass drei Wasserbüffel auf der Straße herangetrottet kommen. Mindestens genauso wenig haben die Tiere ganz offensichtlich mit uns gerechnet, ziemlich verdutzt schauen sie uns an, bleiben stehen und trauen sich scheinbar nicht vorbei. Nach einigem Zögern entscheiden die drei Büffel sich für einen Umweg durch das gegenüberliegende Maisfeld. Sie verschwinden in dem hochgewachsenen Mais, nur noch das eine oder andere brummende Muhen hören wir. Einer der drei Büffel steckt noch zweimal den Kopf durch die Halme und späht zu uns hinüber, dann verschwindet auch er raschelnd im Feld. Die nächste Begegnung ist ein freundlicher Herr, der mit seinem Auto anhält und uns eine riesige Wassermelone schenkt. Das Auto ist schon wieder in Bewegung, da hält er erneut an und schenkt uns eine zweite, ebenso große Melone. Das ist natürlich total nett und Melonen sind ja auch ausgesprochen köstlich, aber die eingeschränkte Transportkapazität auf einem Fahrrad scheint den Einheimischen nicht wirklich bewusst zu sein. Eine der Melonen "schlachten" wir einfach sofort und löffeln jeder eine Hälfte aus. Ein weiterer Mann parkt sein Auto am Straßenrand und zeigt sich sehr gesprächsfreudig. Unter anderem berichtet er, dass er vor dreißig Jahren in Deutschland in Garmisch-Partenkirchen gearbeitet habe. Mehrfach verabschiedet er sich von uns und geht zu seinem Auto, kommt aber jedes Mal wieder zurück, weil er noch etwas erzählen oder uns noch einen guten Rat geben möchte. Parallel gesellt sich ein weiterer Mann zu uns, der sich partout nicht damit zufrieden geben möchte, dass wir mit allem versorgt sind und nichts brauchen. Als er erfährt, dass sich kein Käse in unseren Packtaschen befindet, ist sein Auftrag klar und er setzt sich in sein Auto und düst davon. Der erste Besucher ist derweil immer noch da und erzählt, der er in der Textilbranche tätig sei. Er öffnet den Kofferraum seines Transporters, der bis unter das Dach mit Kleidung gefüllt ist. Nach einigem Suchen in diversen großen Tüten hält er drei T-Shirts in den Händen, die er uns schenken möchte. Die Kleidungsstücke sehen eher nach Kindergröße aus, aber er präsentiert uns eindrücklich, wie dehnbar das Material ist. Nun gut, vielleicht können wir die neuen Klamotten ja neben der Wassermelone verstauen, wir haben ja Platz...! Apropos Wassermelone: Der Mann, der mit dem Auto weggefahren ist, kommt zurück und übergibt uns Brot, reichlich Käse uuuund eine halbe Wassermelone. Als wir (endlich) wieder zu zweit sind, hoffen wir inständig, dass weitere Besuche (und Wassermelonen) erstmal ausbleiben. Wir haben Glück, es wird allenfalls noch aus vorbeifahrenden Autos gewunken. Die einzigen Lebewesen, die erneut auftauchen, diesmal aus der anderen Richtung, sind die drei Wasserbüffel. Auch aus dieser Richtung sind wir ihnen nicht geheuer. Mit gehörigem Abstand bleiben sie am Straßenrand stehen, bis sie dann doch noch von einem Bauern "abgeholt" werden. Beladen mit neuer Kleidung und 1,5 Wassermelonen fahren wir nach unserer ausgedehnten Rast nicht mehr weit. Der Weg führt durch ein großes Anbaugebiet für Mais und Tabak. Die Pflanzen werden ausgiebig bewässert, die Felder werden regelrecht von extra angelegten Wassergräben umspült. Dieser Umstand macht die Zeltplatzsuche nicht einfacher, wollen wir doch gerne trocken bleiben. Am Ende verschlägt es uns auf der langen Mais- und Tabakstraße wie schon so oft auf ein Stoppelfeld. Sobald das Zelt steht, verkriechen wir uns, um vor den penetranten Mücken sicher zu sein, geschätzt sind es Millionen...
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  • Stoppelfeld mit Asphaltflair

    22. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 33 °C

    Abermals stehen wir früh auf, unseren kleinen privaten Campingplatz verlassen wir durch das große Grundstückstor mit der Aufschrift "Qesra Dêxîr" noch vor dem Frühstück. Wir wollen dadurch einer möglichen und nach allen Erfahrungen sogar sehr wahrscheinlichen entsprechenden Einladung aus dem Weg gehen, um die noch nicht ganz so heißen morgendlichen Stunden zum Radeln nutzen zu können. Zum Etappenstart dürfen wir etwas bergab und in der Ebene fahren, die kleine kaum befahrene Straße führt uns durch eine herrliche Landschaft. Den ersten geeigneten Platz mit etwas Schatten nutzen wir direkt, um unser Frühstück nachzuholen. Auf der Weiterfahrt genießen den Anblick der spärlich mit kleinen Bäumen bewachsenen Berge und alten Dörfer mit ihren Moscheen, die sich in die Landschaft einpassen. Heiko nimmt sich noch die Zeit für einen Drohnenflug, bevor es mal wieder anstrengend wird. Ein fieser Anstieg steht uns bevor, die ziemlich steile Herausforderung haben wir nach reichlich Schwitzen und Schnaufen um neun Uhr bewältigt. Und da wir ja Urlaub haben, gönnen wir uns die nächste Pause. Wir teilen das Feld, auf dem wir unsere Picknickstühle aufbauen, mit Eseln und Pferden, auch zwei neugierig tobende Fohlen tummeln sich hier. Die Arbeit des Tages ist jedoch noch nicht getan, gerne wollen wir den nächsten Gipfel, den es zu bezwingen gilt, vor der schlimmsten Hitze des Tages erreichen. Nach einer kurzen Abfahrt sind also wieder die ganz kleinen Gänge gefragt. Mit vielen Verschnaufpausen unterwegs arbeiten wir uns langsam, aber sicher aufwärts. Der Blick zurück ist herrlich, von immer weiter oben schauen wir auf einen Fluss, den wir am Ende der Abfahrt, bzw. zu Beginn des Anstieges gequert haben. Die Gegend, die wir nun erreichen, hat fast Wüstencharakter. Insgesamt stellen wir in diesem Urlaub fest, dass wir trotz der vielen Wochen, die wir in den letzten Jahren durch die Türkei geradelt sind, nochmal ein ganz anderes Gesicht dieses Landes sehen. Um halb eins haben wir es tatsächlich geschafft, reichlich außer Atem stehen wir auf dem höchsten Punkt. Und dann passiert tatsächlich das Beste, was einem in dieser Situation passieren kann. Ein Auto hält an, drei Männer steigen aus und bieten uns kalte Cola an. Was für eine Wohltat! [Während ich zwei Tage später den letzten Satz während einer Pause schreibe, hält eine Traktor an und der Fahrer reicht uns zwei Becher kalte Cola - was für ein Zufall]. Eine Weile unterhalten wir uns mit den Dreien und erfahren, dass es sich bei der kleinen Truppe um Vater, Sohn und Onkel/Bruder handelt. Sie erzählen, dass sie kurdische Archäologen auf Schatz- bzw. Goldsuche suche seien. Schon vorher haben wir wahrgenommen, dass es den Menschen in dieser Region sehr wichtig zu sein scheint, auf ihre kurdische Zugehörigkeit hinzuweisen. Der älteste "Archäologe" verteilt noch leckere, den Gewürzen nach sehr weihnachtlich anmutende Plätzchen und zum Abschied wird uns noch eine Flasche mit eiskaltem Wasser für die Fahrt gereicht. Auch das ist uns in den letzten Tagen schon öfter passiert. Scheinbar frieren viele Leute hier Wasserflaschen ein, um über den Tag kaltes Wasser zu haben. Wir begeben uns auf die verdiente Abfahrt, finden aber leider keinen mindestens ebenso verdienten (finden wir jedenfalls...) schattigen Pausenplatz. Also radeln wir notgedrungen weiter abwärts, in der Ferne ist bereits die Stadt Batman zu sehen und die Bebauung nimmt merklich zu. Erst als wir Batman erreichen, bietet sich endlich die Möglichkeit, der Sonne zu entfliehen. Neben dem Schulhof eines Gymnasiums entdecken wir überdachte Holzbänke und nehmen diese sofort in Beschlag. Wir schaffen es gerade so, unsere Tüte Chips allein und ungestört zu vertilgen, dass gesellt sich Mathelehrer Murat zu uns. Er stellt die üblichen interessierten Fragen, immerhin spricht er sogar ein bisschen englisch. Wir verweilen am Ende nicht sehr lange an diesem Ort, da wir quasi auf dem Präsentierteller sitzen und die Wahrscheinlichkeit weiterer Besuche sehr hoch wäre. Wir fänden gerade etwas Ein- bzw. Zweisamkeit aber auch mal ganz schön. Wir folgen der Hauptstraße entlang der Stadt Batman in der Hoffnung, noch etwas Nahrhaftes und danach einen guten Schlafplatz zu finden. Diese Hoffnung wird leider nur sehr mittelmäßig erfüllt. Wir fahren durch kilometerlange Industrie- und Gewerbegebiete, Supermärkte oder andere Lebensmittelhändler: Fehlanzeige. Wir geben uns am Ende mit Wasser und einem indonesisches Fertignudelgericht von der Tankstelle zufrieden. Für die Nacht finden wir ein Stoppelfeld inmitten der Industrieanlagen. Am Rande dieses Feldes schlagen wir an einer Mauer das Zelt auf, auf der anderen Mauerseite wird noch in der Asphaltfabrik gearbeitet..., und so riecht es auch.Les mer

  • Campingplatz für uns allein

    21. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 29 °C

    Es ist fünf Uhr, als wir aufstehen und etwas Obst mit Joghurt frühstücken. Um viertel nach sechs sind die Räder startklar und wir verlassen unser nettes Hotel und den hübschen Ort Midyat. Beide fühlen wir uns recht schlapp, als wir uns den etwa zehn Kilometer langen Anstieg hinaufarbeiten, immerhin ist die Steigung eher von der milden Sorte. Oben angekommen kaufen wir Gemüse für das heutige Abendessen sowie frisch gebackene Gözleme für die Pause ein. Genau diese genehmigen wir uns dann auch nach kurzer Abfahrt in unmittelbarer Nähe zu einem See. Im Schatten einiger verfallener Gebäude, man könnte eher von Mauerresten sprechen, gibt es Tee und Kaffee. Als uns wieder auf den Weg machen, dürfen wir uns zunächst noch über die Fortsetzung der Bergabfahrt freuen, bevor bald darauf der Startpunkt für einen 14 Kilometer langen Anstieg erreicht ist. Ein Stück des anstrengenden Weges legen wir noch zurück, dann heißt es: Siesta! Es ist wieder sehr warm heute, also streichen wir um die Mittagszeit erstmal die Segel und bauen unser Mobiliar für eine ausgedehnte Pause unter einigen Mandelbäumen auf. Wir genießen den Schatten und machen außer kniffeln und lesen lange einfach nix. Erst am Nachmittag schmeißt Heiko den Gaskocher an und zaubert ein leckeres Gemüsegericht, welches wir uns mit Gözleme schmecken lassen. 17 Uhr ist es, als wir uns wieder rüsten und auf die Fahrräder steigen. Unser Plan sieht vor, dass wir die restlichen zehn Bergaufkilometer noch irgendwie hinter uns bringen und dann einen Platz für unser Zelt suchen. Ja, tatsächlich, nach den diversen Hotelübernachtungen soll heute endlich das Zelt wieder zum Einsatz kommen. Mehrfach werden wir auf der kleinen Straße, auf der wir unterwegs sind, angesprochen. Ein Porschefahrer fragt, ob wir uns verfahren haben, diese Straße sei ungenutzt. Auf die Steigung werden wir hingewiesen und vor Hunden gewarnt. Wir erklären, dass wir die kleinen Straßen der befahrenen Hauptstraße vorziehen und lassen uns nicht beirren. Ein Mann möchte uns in "sein" Dorf einladen oder zumindest von dem Dorf Fotos mit uns machen. Dafür müssten wir jedoch ein Stück zurück, also abwärts, fahren und später wieder rauf. Auf keinen Fall! Fotos gerne, aber nur hier vor Ort. Der Mann erkundigt sich noch nach unserem Instagram-Account, über welchen er uns die Bilder später auf Heikos Anfrage hin zusenden wird. Die Zeit ist bjereits recht fortgeschritten, als wir den Gipfel im winzigen Ort Bağözü erklommen haben, viel Tageslicht für die Suche nach einem Schlafplatz werden wir nicht mehr haben. Eigentlich haben wir also gar keine Zeit dafür, mit dem älteren Ehepaar und dem jungen Mann an der Moschee zu quatschen und uns zu einem kalten Wasser einladen zu lassen. Wir tun es trotzdem und es soll sich lohnen. Während des Gespräches, in welchem wir unter anderem erfahren, dass der junge Mann als Krankenpfleger in der Stadt Batman arbeitet, werden wir schließlich auch nach unserem heutigen Übernachtungsort gefragt. "Wir wissen es noch nicht", erklärt Heiko. Der Mann weiß es! Er lotst uns abseits der Straße einen Hang hinauf, öffnet ein riesiges Tor und präsentiert uns ein großes ebenes Grundstück. Perfekt! Er signalisiert uns, dass wir hier unser Zelt aufschlagen dürfen und verabschiedet sich. Unser Lager ist schnell eingerichtet, mit Blick auf das grün beleuchtete Minarett der Moschee sitzen wir noch etwas auf den vorhandenen Gartenmöbeln im Abendlicht. Das kleine Haus, welches hier auf dem Grundstück steht, scheint derzeit nicht bewohnt zu sein so dass wir diesen "Campingplatz" ganz für uns allein haben. Müde und kaputt vom Tag liegen wir bereits in unseren Schlafsäcken, als wir das Öffnen des großen Tores hören. Der junge Mann taucht nochmal auf, bahnt sich mit einer Taschenlampe den Weg zu unserem Zelt und möchte uns zum Tee einladen. Wir sind froh, dass er Verständnis für unsere Müdigkeit zeigt und sich mit einem freundlichen "İyi geceler - Gute Nacht" verabschiedet.Les mer

  • Es geht endlich weiter, auf nach Midyat

    20. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 28 °C

    Es sind wieder hohe Temperaturen für den Tag angesagt, weshalb wir um halb fünf das Bett verlassen. Eine Kleinigkeit frühstücken wir noch und dann ist es soweit: nach fünf Tagen in Mardin verabschieden wir uns in aller Frühe von unserem Hotelgastgeber und rollen um viertel vor sechs aus der Stadt. Wir dürfen mit einer entspannten Abfahrt in die Etappe starten, so dass wir den Hügel mit der historischen Hangbebauung und der Festung schon bald nur noch aus der Ferne sehen. Und obwohl uns Mardin sehr gut gefallen hat, tut es gut, die Stadt hinter sich zu lassen und endlich wieder auf den Fahrrädern zu sitzen. Vor lauter Euphorie schaffen wir dann wohl auch den ersten Anstieg mit 400 zu bewältigenden Höhenmetern schneller als gedacht. Es ist erst acht Uhr, als wir kurz hinter dem Gipfelschild in einer Höhe von 1160m ein Päuschen einlegen und den ersten Tee bzw. Kaffee des Tages genießen. Insgesamt ist recht viel Polizei/Militär in dieser Gegend präsent, möglicherweise hat dieser Umstand mit der Nähe zur syrischen Grenze zu tun. Wir zumindest werden im Rahmen der Straßenkontrollen allenfalls mit interessierten Fragen konfrontiert. Wir kommen sehr gut voran und so verzeichnen unsere Tachos bereits 50 geradelte Kilometer und 650 erklommene Höhenmeter, als wir gegen 11 Uhr die nächste Pause einlegen. Eine köstliche Melone, die sogar stellenweise noch etwas kühl ist, löffeln wir aus und natürlich vergeht auch keine Rast ohne einen Tee. Die zwanzig Restkilometer bis zu unserem heutigen Zielort Midyat, der sich deutlich größer als von uns erwartet zeigt, sind schließlich flott abgeradelt. Midyat soll sich durch eine der schönsten historischen Altstädte der Region auszeichnen, was für uns Anlass genug ist, hier den Rest des Tages und auch die Nacht zu verbringen. Mitten in der Altstadt beziehen wir ein riesiges Gewölbezimmer mit zusätzlichem großem Vorraum. Wie es auch beim letzten Hotel in Mardin der Fall war, handelt es sich bei unserer Unterkunft um ein altes Steinhaus ohne Fenster. Wir erreichen unser Zimmer über einen großzügigen Innenhof, die Räder können direkt vor der Tür parken, was für ein Luxus. Dusche und ausruhen, soviel Zeit muss sein, dann rüsten wir uns für eine Erkundung der Altstadt. Auf relativ kleiner Fläche findet sich hier eine Vielzahl sehr schöner, safranfarbener Häuser mit aufwändig verzierten Fassaden. Midyat ist eine der ersten Städte des Tur-Abdin Plateaus gewesen, in der sich christliche Siedler niederließen. Und auch wenn die Stadt seit dem Ende des Byzantinischen Reiches im 7. Jahrhundert unter muslimischer Herrschaft steht, sind Midyat und Umgebung doch vorrangig durch christliche Bauten geprägt. Die gepflasterten Straßen, die hohen Mauern und die alten massiven Holztore versprühen fast mittelalterlichen Charme. Sehr lebendig ist es vor allem um das Midyat Konuk Evi herum. Das ehemalige Gasthaus mit den vielen außenliegenden Treppen mit aufwändig gestalteten Geländern, verzierten Fensterbögen und kleinen Balkonen gilt als das schönste Gebäude der Stadt. Gegen einen geringen Eintrittspreis ist es möglich, sich überall in diesem beeindruckenden Gebäude frei zu bewegen. Nach einem Kaltgetränk auf einer benachbarten Dachterrase zahlen wir gerne die 100 Lira und besichtigen die eingerichteten Zimmer, klappern die verschiedenen Terrassen und Bslkone ab und nutzen natürlich die Gelegenheit, den Blick über die Dächer von Midyat schweifen zu lassen. Im Anschluss lassen wir uns noch etwas durch die Gassen der Altstadt treiben, erledigen in einem Supermarkt den Einkauf für unsere morgige Etappe und lassen uns im Innenhof eines netten Restaurants Pide und Lahmacun schmecken. Satt und zufrieden erfolgt der Rückzug in unser Steingewölbe, und zwar quasi auf direktem Wege ins Schlafgemach.Les mer

  • (Zwangs-) Urlaub im Urlaub Tag 4

    19. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 30 °C

    Nach dem Obstfrühstück auf der Hotelterrasse haben wir uns für den heutigen Vormittag wieder ein kleines Kulturprogramm vorgenommen. Wir spazieren zu der etwa zwei Kilometer entfernten Kasımiye-Medresse, die aus dem 15. Jahrhundert stammt und eine der besten Bildungseinrichtungen ihrer Zeit war.
    Sie besteht aus zweistöckigen Räumen, die um einen Innenhof angeordnet sind sowie einer unabhängigen Moschee. Die Türen der Klassenzimmer im Hof ​​sind nur etwas über einen Meter hoch. Wir finden bei unserer Recherche folgenden Grund dafür: „Beim Betreten in der Gegenwart des Lehrers sollte der Schüler den Kopf neigen und Respekt zeigen.“ Der Herr, der uns mit einer blutenden Stirn entgegenkommt, hat das mit dem Respekt wohl nicht ernst genug genommen...! Eine Weile lassen wir uns in einer überdachten und somit schattigen Sitzgruppe vor der Medresse nieder. In der Ferne können wir deutlich erkennen, dass es brennt, dunkle Rauchschwaden steigen auf. Wir fragen uns, ob es sich bei dem Brandort noch um die Türkei handelt oder das Feuer in Syrien lodert. Ist es eines der Felder, das abbrennt, wie wir es in diesem Urlaub anderenorts bereits gesehen haben, oder ist die Ursache eine andere. Wir werden es nie erfahren, aber es sind keine guten Gedanken, die einem durch den Kopf gehen, wenn man in dieser grenznahen Region einen Brand am Horizont sieht. Nachdem wir ein kaltes Getränk geschlürft und eine kleine Echse beobachtet haben, machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Hier chillen, schlafen, essen, lesen, kniffeln wir in den kommenden Stunden. Wie schon in den letzten Tagen zieht es uns am Abend noch einmal hinauf in die Altstadt, wo wir bei Kaffee und Kuchen der Sonne beim Untergehen zuschauen. Ein letztes Mal nehmen wir schließlich den Abstieg über die etwa 200 Steinstufen zurück zum Hotel in Angriff. Hier angekommen steht Packen auf dem Programm, denn bevor die Fahrräder endgültig einstauben, soll unsere Reise morgen endlich weitergehen. Claudias Antibiotika-Therapie ist abgeschlossen, die Haut hat noch einen Ruhetag erhalten, nun werden wir es wagen. Um nicht gleich in der Hitze loszuradeln, stellen wir den Wecker auf halb fünf, also Zeit zu schlafen: Gute Nacht!
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  • (Zwangs-) Urlaub im Urlaub Tag 3

    18. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 26 °C

    Wir machen uns heute unser Frühstück mal nicht selbst, sondern stapfen als Frühsport die vielen Steintreppen in die Altstadt hinauf und essen in einem Lokal auf einer der vielen Dachterrassen. Nicht satt sehen können wir uns auch heute sowohl an der faszinierenden Fernsicht als auch den wie verschachtelt und gestapelt aussehenden antiken Steinbauten. Und über allem thront die alte Festung, das sogenannte Adlernest. Von dort aus hätte man sicher auch einen großartigen Blick über die Dächer der Stadt und die sich anschließende anatolische Ebene. Leider ist die Festung aber für Besucher gesperrt, da sie zum Sperrgebiet der NATO zählt. Sie dient als Militärstützpunkt und beherbergt aufgrund ihrer Lage eine Radarstation. Nicht viel tiefer als die Burg steht die 1385 erbaute Zinciriye Medrese, eines der schönsten Gebäude der Stadt. Genau dieses steuern wir nun an und sind schon vom Anblick des monumentalen Eingangsportals beeindruckt. Der Komplex der islamischen Bildungseinrichtung besteht aus einer Kuppelmoschee, einem Mausoleum und zwei Innenhöfen. Das Beste, was Mardin in unseren Augen zu bieten hat, offenbart sich beim Aufstieg auf das Dach. Ehrfürchtig staunend stehen wir hier und der erste Gedanke ist: "Wow"! Es ist eine einzigartige Atmosphäre, hier oben auf dem Dach zwischen den großen Kuppeln zu stehen und das atemberaubenden Panorama auf sich wirken zu lassen. Wir haben zudem das Glück, diesen Ort während unseres Besuches nur mit sehr wenig anderen Menschen teilen zu müssen, zwischendurch sind wir für eine kurze Zeit sogar komplett allein auf dem Dach. Mit vielen Bildern in unseren Köpfen sowie Kameras verlassen wir schließlich die Zinciriye Medrese und ziehen weiter. Unser nächster planmäßiger Halt führt uns in die ehemalige Hauptpost. Das Gebäude wird heute als Hotel genutzt, gegen Zahlung von 20 Lira kann aber der wunderschöne Innenhof besichtigt werden. Das lassen wir uns nicht entgehen und sind auch hier sehr angetan von der Architektur. Nach einer kleinen Pause in einem Teegarten wählen wir für den Rückweg zum Hotel, die Gassen, die unterhalb der Hauptstraße verlaufen. Hier befindet sich der weitläufige Basar, auf dem lokale Produkte, Kunsthandwerk, Textilien und Souvenirs wie z.B. Seifen angeboten werden. Wir durchqueren das bunte Treiben, kaufen an einem Stand eine kleine Auswahl syrischer Kekse und erreichen dann auch bald unsere Unterkunft. Hier stehen nun Tee trinken, Kekse essen und ausgiebiges Chillen auf dem Programm. Zum Ausklang des Tages gehen wir natürlich nochmal lecker essen und mit dieser Mahlzeit beendet Claudia mit der Einnahme der letzten (!) Tablette ihre Antibiotika-Therapie, juhuuu! Kaffee, Kuchen und Sonnenuntergang runden den heutigen Tag ab.Les mer

  • (Zwangs-) Urlaub im Urlaub Tag 2

    17. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 25 °C

    Wir verbringen einen echten Faulenzertag: Lange schlafen, frühstücken, chillen im Hotelzimmer, Chips essen (...weil der Syrer mit den leckeren Falafel-Dürüms geschlossen hat), abendlicher zielloser Spaziergang, Freude an der schönen Stadt, Pide und Lahmacun essen, Kaffee bei milden Temperaturen und einer leichten Brise auf einer Dachterrasse mit Aussicht schlürfen. Schön!Les mer

  • (Zwangs-) Urlaub im Urlaub Tag 1

    16. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 29 °C

    Heute klingelt mal kein Wecker, sondern es wird nach allen Regeln der Kunst ausgeschlafen. Ausgiebig frühstücken wir auf der Terrasse, es gibt frisches Obst mit Joghurt. Da unsere Hotel selbst kein Frühstück anbietet, haben wir uns im Rahmen unseres gestrigen Altstadt-Spaziergangs bereits mit den nötigen Dingen eingedeckt. Am heutigen Morgen fällt auch die endgültige Entscheidung, dass wir einen (Zwangs-) Urlaub im Urlaub einlegen. Das heißt, dass wir hier in Mardin bleiben werden, bis Claudia mit der Einnahme des Antibiotikums fertig ist. Die Nebenwirkung der Sonnen-Empfindlichkeit ist einfach zu stark und das Verweilen an diesem schönen Ort ist deutlich attraktiver als die täglichen, mehrstündigen Pausen auf irgendwelchen Tankstellen. So richtig viel passiert dann heute auch nicht mehr. Gegen Mittag holt Heiko zwei Falafeldürüm vom Syrer, den wir schon gestern für gut befunden haben, während Claudia die Sonne meidet und in der Hotel-Steinhöhle ihr Buch liest. Am frühen Abend geht's dann für uns beide raus zu einem Spaziergang. Von einem nahegelegenen Friedhof aus genießen wir den Blick in die schier endlose Weite, auch die Drohne wird von Heiko über die mesopotamische Ebene in Richtung Syrien geschickt. Auf der anderen Seite begeistert uns das unheimlich stimmungsvolle Bild der Altstadt in der Abenddämmerung. Wir schlendern vorbei an alten und renovierten Steinhäusern, die häufig mit kunstvollen Verzierungen dekoriert sind. Fast von jedem Standort aus zu sehen ist das Minarett der Großen Moschee (Ulu Cami). Die Moschee stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert und gilt als ein Wahrzeichen von Mardin. Die Stadt ist als multiethnischer Grenzort bekannt: Seit Jahrhunderten mischen sich hier verschiedene Kulturen und Religionen. Muslime wohnen Tür an Tür mit Christen und neben Türkisch sprechen die Menschen hier Arabisch, Aramäisch und Kurdisch. Wir spazieren durch die Straßen und Gassen und lassen die Eindrücke auf uns wirken, bis es mal wieder Zeit wird, für unser leibliches Wohl zu sorgen. Auf einer der vielen Dachterrassen lassen wir uns Adana-Kebab und Mardin-Teller schmecken, bevor wir uns nach einem Zwischenstopp im Supermarkt, wo wir uns für das morgige Frühstück eindecken, an den Abstieg zum Hotel machen. Eine Weile sitzen wir noch auf der Terasse, trinken Tee, erfreuen uns mal wieder an dem kleinen Hotel-Kätzchen und schauen einen Tatort.Les mer

  • Hoch hinauf nach Mardin

    15. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 30 °C

    Noch früher als sonst zieht es uns heute aus den Schlafsäcken. Damit wir es im Optimalfall vor der großen Hitze bis nach Mardin schaffen, stehen wir um viertel nach drei in der Nacht auf. Nach einem kleinen Frühstück machen wir uns in der Dämmerung auf den Weg. Es ist eine herrliche Stimmung an diesem Morgen und radelt sich wunderbar. Neben dem Staub der Ernte zieht noch ein feiner Nebel durch die Felder, als wir dem Aufgang der Sonne entgegenfahren. Es ist ein toller Anblick wie sie leuchtend rot über dem Berg hervorkriecht. Bei diesen perfekten Bedingungen kommen wir sehr gut voran, werden aber leider durch die erste (und hoffentlich einzige...) Panne ausgebremst. Der Platten an Heikos Hinterrad ist schnell behoben, so dass die Fahrt weitergehen kann.
    Von "flott" kann ab sofort allerdings keine Rede mehr sein, denn es geht aufwärts. Mardin liegt im türkischen Teil Mesopotamiens etwa 20km von der syrischen und ebenfalls nicht weit entfernt der irakischen Grenze auf einem Berg in gut 1000m Höhe. Ja, und da sollen wir nun rauf. Teilweise biestig steil windet sich die Straße hinauf in Richtung der historischen Altstadt. Belohnt werden wir für die Mühe mit wirklich spektakulären Ausblicken auf sowohl die "Neustadt" und die näherkommende Altstadt mit ihrem Festungshügel Mardins als auch die weite Tiefebene Mesopotamiens bis nach Syrien. Mardins Altstadt ist berühmt für ihre antiken Steinhäuser, die so gebaut sind, dass kaum ein Sonnenstrahl eindringen kann. Der verwendete lokale Kalkstein sorgt im Sommer für Kühle und im Winter für relative Wärme. Auch das von uns gewählte Hotel, welches wir gegen 11 Uhr nach gekraxelten knapp 600 Höhenmetern erreichen, ist ein solches Steinhaus. Wir beziehen ein uriges, gewölbeartiges Zimmer und machen nach ausgiebiger Dusche erstmal ein Mittagsschläfchen. Erst am frühen Abend, als die Sonne keinen Schaden mehr auf Claudias Haut anrichten kann, verlassen wir unsere Steinhöhle. Bereits der Rundumblick von der Hotelterrasse lässt uns staunen. Der Anblick der Altstadt, die in den steilen Südhang gebaut wurde und auf dessen Gipfel die Festung thront, ist einzigartig. Die Häuser wirken wie ineinander gestapelt, der gelbe Kalkstein verleiht der Stadt im Abendlicht einen fast goldenen Glanz. Knurrende Mägen lassen uns das Hotel verlassen und auf Nahrungssuche gehen. Durch die engen Gassen, die sich über viele Treppen in alle Richtungen wie ein verwinkeltes Labyrinth durch die Stadt schlängeln, arbeiten wir uns nach oben. Der Vorteil dieser "Treppenstraßen" ist, dass Autos ausschließlich auf der die Durchgangsstraße fahren können, die wir nun erreichen. In einem winzigen Lokal lassen wir uns von einem Syrer aus Damaskus Falafel und Humus servieren, was uns ausgesprochen gut schmeckt. Wir schlendern die bunte Hauptstraße mit den vielen Läden entlang und kehren schließlich noch in einem Café ein. Auf der Terrasse mit toller Aussicht genießen wir Kaffe und Kuchen sowie einen stimmungsvollen Sonnenuntergang. Nachdem wir uns den Weg durch die verwinkelten Gassen zurück zu unserer Unterkunft gebahnt haben, schlürfen wir noch ein Kaltgetränk auf der Hotelterrasse. Der Gastgeber bringt uns noch ein Tablett mit Tee und süßen Backwaren und eine seeehr niedliche kleine Katze leistet uns Gesellschaft. Herrlich!
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  • Restaurant "Stoppelfeld"

    14. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 37 °C

    Auch heute stehen wir im Morgengrauen auf, doch wir sind bei weitem nicht die ersten. Auf den Feldern wird bereits gearbeitet, wovon wir sogar profitieren dürfen: Ein Mann kommt vom Nachbarfeld zu uns rüber und schenkt uns einge frisch geerntete..., ja, was eigentlich? Wir Banausen kennen diese Früchte (oder das Gemüse...) nicht, die wie Miniatur-Melonen aussehen. Laut Google-Bildesuche könnten es tatsächlich sogenannte Melonengurken oder Gurkenmelonen sein, sicher sind wir aber nicht. Vielleicht wird der Geschmackstest zu einem späteren Zeitpunkt Klarheit bringen.
    Halb sieben ist es, als wir wieder auf der Straße sind. Wir kommen flott voran, die äußeren Bedingungen in den frühen Morgenstunden machen das Radeln deutlich einfacher. Wie schon in den letzten Tagen setzen wir auch heute unser Tankstellen-Hopping fort, das erste Kaltgetränk des Tages gönnen wir uns an einer solchen modernen Oase. Später stellen wir uns im Schatten des Daches einer Werkstatt unter, wo ein freundlicher Herr sich mehrfach dafür entschuldigt, dass er uns mangels Elektrizität keinen Tee anbieten kann. Die Erfrischung an seinem Waschbecken ist aber durchaus eine Wohltat. Sehr viel weiter kommen wir heute zunächst nicht. Nach knapp 40 Kilometern schreit Claudias Haut danach, die direkte Sonneneinstrahlung zu beenden. Die einzigen noch der Sonne ausgesetzten Hautareale, also Teile des Gesichts und die Daumen brennen furchtbar, so dass an ein Weiterfahren aktuell nicht zu denken ist. Wir verkriechen uns in einem halbfertigen Gebäude, gegenüber gibt es einen kleinen Supermarkt und ein paar Kebab-Buden, etwas zurückgesetzt ist eine Tankstelle mit WC. Die Bedingungen für eine lange Pause sind also nicht soooo schlecht. Sage und schreibe 9 (!) Stunden schlagen wir uns hier um die Ohren. Wir lesen, kniffeln, sitzen dumm rum, kochen, essen, trinken. Zwischendurch werden wir Zeugen eines lautstarken Tumults auf der Tankstelle mit Polizeieinsatz. Später bekommen wir Besuch von einem LKW-Fahrer, dessen türkisch kaum zu verstehen ist. Ansonsten passiert nix, bis wir uns um viertel vor sieben wieder auf die Straße begeben. Kurz vor dem Sonnenuntergang schwenken wir von der Straße in einen Feldweg und suchen uns die Ecke eines Stoppelfeldes als Übernachtungsplatz aus. Wir fragen noch drei Männer, die in einem weißen Auto vorbeikommen, ob es okay wäre, hier zu zelten, was natürlich bejaht wird. Nicht ohne vorher ihre Hilfe anzubieten fahren die Männer, die in unmittelbarer Nähe unseres Zeltplatzes wohnen, schließlich weiter. Wir widmen uns dem Aufbau unseres Zeltes und kaum, dass dieses steht, taucht das weiße Auto wieder auf. Einer Männer, er heißt Serdad, spricht von "Yemek, yemek" (Essen, essen) und öffnet daraufhin den Kofferraum des Wagens. Wir trauen unseren Augen nicht: Im Auto stehen fertige Salate in kleinen Schüsseln, eine große Platte Reis mit Hähnchen und gekühlte Orangenlimonade. Außerdem habe die drei eine rosa Blümchendecke dabei, die sie jetzt vor unserem Zelt ausbreiten. Wir essen gemeinsam und es wird über dies und das geplaudert. Wie schon des öfteren in diesem Urlaub ist es extrem schön und hilfreich, dass Heiko zumindest Grundkenntnisse der türkischen Sprache anwenden kann. Leider sind an diesem Abend wahnsinnig viele Mücken unterwegs, die möglicherweise auch ein Grund dafür sind, dass die drei Jungs nach dem Essen so schnell wie sie gekommen sind auch wieder alles im Auto verstauen und in einer Staubwolke winkend davondüsen. Sachen gibt's! Um nicht völlig zerstochen zu werden, beeilen wir uns mit der Vollendung der Einrichtung unseres Lagers und finden dann in unserem kleinen Zelt Schutz vor den fiesen Mücken. Um uns herum werden noch bis tief in die Nacht die Erntearbeiten fortgeführt, die Geräusche und Lichtkegel der Erntemaschinen begleiten uns beim Einschlafen.
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  • Die Pausen werden (leider) länger...

    13. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 33 °C

    Wir frühstücken bei herrlichem Sonnenaufgang, nachdem der Wecker uns um viertel vor fünf aus den Schlafsäcken geklingelt hat. Halb sieben ist es, als wir auf den beladenen Rädern sitzen. Die Temperaturen sind sehr angenehm zu dieser frühen Stunde, in der Ferne sind die Rufe von Schafen und ihrem Hirten zu hören, schön! Leider verschlägt es uns bald wieder auf Hauptstraße und es ist erstmal vorbei mit der Idylle. Die weitere Fahrt ist erneut gekennzeichnet durch das Entlanghangeln von einem Schattenplatz zum nächsten, dazwischen werden Hauptstraßenkilometer gefressen. Während sich unsere Pausen an einem halbfertigen Haus und bei einer späteren Einkaufsgelegenheit noch zeitlich im Rahmen halten, entwickelt sich die nächste Rast zur "Dauerpause". Sechs Stunden verbringen wir am Ende zwischen parkenden Autos auf einer Tankstelle, was vor allem Claudias antibiotikabedingt extrem empfindlicher Haut geschuldet ist. Die einzigen Stellen, die dank langer Kleidung noch der Sonne ausgesetzt sind, machen trotz mehrfachen Eincremens mit Lichtschutzfaktor 50 arge Probleme: Das Gesicht und die Daumen, alles brennt und schmerzt. Es ist zum Verzweifeln, aber wir müssen irgendwie damit umgehen. Also vertreiben wir uns die Zeit auf der Tankstelle, selbst das Kochen und Vertilgen des Abendessen ziehen wir auf diesen Ort vor. Erst um viertel vor sechs, als die Sonne bereits sehr tief steht, wagen wir die Weiterfahrt. Seit dieser Pause trägt Claudia nun als zusätzliches Kleidungsstück auch noch ein Kopftuch, welches Teile des Gesichts und den Hals bedeckt. Noch etwa zwanzig Kilometer radeln wir und lassen die Stadt Viranşehir hinter uns, bevor wir nach einem Schlafplatz Ausschau halten. Etwas Zeitdruck spüren wir inzwischen, da die Sonne bereits untergeht und es dann auch sehr schnell dunkel wird, die relativ dichte Bebauung in dieser Gegend macht es aber alles andere als leicht. Wir biegen schließlich in einen Feldweg ab und winken einen Bauern heran, der gerade seinen Acker pflügt. Wir gehofft und auch wie erwartet ist es überhaupt kein Problem, auf dem gegenüberliegenden Feld unser Lager aufzuschlagen. Während wir das tun, ziehen wir noch das Interesse von drei jungen Männern auf uns. Die drei besuchen uns gleich doppelt und wie immer ist man sehr bemüht um unser Wohlergehen. Und mal wieder bestätigen wir, dass es uns gut geht und wir mit allem Nötigen versorgt sind. Wir bekommen noch den Hinweis, wo wir die Männer finden können, falls wir doch noch etwas brauchen, dann dürfen wir Feierabend machen. Gute Nacht!Les mer

  • (Fast) Stille

    12. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 39 °C

    Nach dem Frühstück verlassen wir das schöne Hotel in Şanlıurfa und machen unsere Räder startklar. Beim benachbarten Obst- und Gemüsehändler laden wir noch etwas Proviant ein, bevor wir auf die Straße rollen.
    Die Ausfahrt aus der Stadt gestaltet sich deutlich entspannter als die Einfahrt vor zwei Tagen, nach etwa 8 Kilometern sind die Ausläufer der Millionenmetropole erreicht. Eigentlich hatten wir vor, einen Schlenker über die antike Stadt Harran zu fahren, die südöstlich von Şanlıurfa kurz vor der syrischen Grenze liegt und für ihre bienenstockähnlichen Lehmbauhäuser berühmt ist. Wir verwerfen diese Idee, da es nach wie vor extrem heiß ist. Stattdessen begeben wir uns auf die direkte Route nach Mardin, auf welcher tatsächlich auch schon die Stadt Habur im Irak ausgeschildert ist. Es ist zwar schade, dass wir Harran nicht sehen werden und nun ein erheblicher Abschnitt auf der Hauptstraße vor uns liegt, aber an dieser Stelle muss einfach die Venunft siegen. Der Vorteil und unsere Hoffnung ist, dass wir so schneller das heiße Gebiet Mesopotamiens verlassen und etwas kühlere Regionen erreichen werden. Der erste Pausenwunsch des Tages führt uns mal wieder an eine Tankstelle. In netter Gesellschaft freundlicher Herren, von denen einer recht gut englisch spricht, kühlen wir uns im Schatten mit kalten Getränken etwas ab. Nachdem wir uns dann erneut für einige Zeit dem Lärm der Hauptstraße ausgesetzt haben, wollen wir uns einen ruhigen Platz, am besten im Schatten großer Bäume, abseits der Straße suchen, um der Mittags- und Nachmittagshitze zu entkommen. Tatsächlich finden wir das ersehnte ruhige Fleckchen und freuen uns schon auf die ausgiebige Pause. Diese Rechnung haben wir aber mal wieder ohne die gastfreundlichen Einheimischen gemacht. Als wir gerade unsere Räder abstellen und unsere Stühle aufstellen wollen, spricht uns ein Mann an, der hier mit seinen zwei Kühen, oder vielmehr Kälbern, unterwegs ist. Er lässt nicht locker, bis wir uns von ihm auf sein nahegelegenes Grundstück einladen lassen. Die Kälber traben vorweg, wir rumpeln das kleine Stück bis zum Haus hinterher. Wir dürfen an einem Tisch im großzügigen Garten Platz nehmen und bekommen Tee serviert. Wenige Meter von uns entfernt backt die Frau unseres Gastgebers mit zwei Töchtern Brot. Während die Mutter und eine Tochter auf dem Boden sitzend den Teig zu großen flachen Fladen ausrollen, backt die zweite Tochter diese Fladen über dem offenen Feuer. Wir erfahren, dass unser Gastgeber nicht nur diese eine Frau hat, sondern noch eine zweite, die nebenan wohnt, zudem habe er insgesamt zwanzig Kinder. Es wird schnell klar, dass es hier nicht bei einem Tee bleibt. Als der Teig sich in einen riesigen Berg Fladenbrote verwandelt hat, wird ein Essen vorbereitet. Wir lassen indes den Blick durch den Garten streifen. Gemüse wird angebaut, Hühner und Gänse laufen hier rum, außerdem weitere Kühe. Eines der Hühner habe unser Gastgeber lange aufpäppeln müssen, nachdem es von einer Schlange in den Hals gebissen worden war. Auch kümmert er sich um vier sehr niedliche Hundewelpen, deren Mutter überfahren wurde. Während wir dann ein sehr leckeres Gericht mit Reis, Auberginen, Fleisch und Salat essen, kommt noch ein deutsch sprechender Freund der Familie dazu. Er ist Rentner und kann nun entsprechend viel Zeit in der Türkei verbringen. Er war in Deutschland als LKW-Fahrer beschäftigt, wohnt aktuell im Ort Gescher in NRW, hat aber tatsächlich auch mal drei Jahre in Eckernförde gelebt und ist auch mehrfach in Kiel gewesen. Als unser Gastgeber uns nach dem Essen einen Teppich im Garten ausrollt, damit wir uns hinlegen können, beschließen wir, doch eher den geordneten Rückzug anzutreten. Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft und machen uns wieder auf den Weg. Nach wie vor ist es sehr heiß, weshalb wir den nächsten geeigneten Schattenplatz für eine Fortsetzung unserer Pause, diesmal gerne in trauter Zweisamkeit, ansteuern. Schatten finden wir nach etwa vier Kilometern, so richtig allein sind wir aber nicht. Zwei kleine Kinder auf Dreirädern machen Faxen mit uns (oder wir mit ihnen...), ein Mann schaut vorbei und will uns in sein Haus einladen und eine alte Frau, die wir leider nicht verstehen können, schenkt uns eine Tüte mit zwei Lahmacun. Wir verweilen nicht allzu lange an diesem Ort, recht bald geht es zurück auf die Hauptstraße, unterbrochen nur noch von einer kurzen Tankstellen-Rast und einer Tee-Pause am Straßenrand. Wir freuen uns, als wir dann die Hauptstraße verlassen dürfen. Auf einer kleinen Nebenstraße wartet zum Abschluss des Tages noch ein Anstieg auf uns. Wir radeln aufwärts und freuen uns über die Stille, endlich kein Dauerrauschen der Autos und LKW mehr, hoffentlich wird das auch für unser heutiges Nachtlager zutreffen. Durch karge und zunehmend vegetationarme Landschaft führt unser Weg, Schafherden sind unterwegs, die Abendsonne taucht die Berge in herrliches Licht. Kurz hinter dem Gipfel finden wir ihn, unseren einsamen, stillen Zeltplatz. FAST einsam und FAST still, wie sich dann doch herausstellt. Mehrfach bekommen wir Besuch von einigen jungen Männern, die uns unbedingt einladen möchten. Der zweite Besuch sei im Auftrag ihres Vaters erfolgt, der unbedingt sichergestellt haben möchte, ob wir nicht doch etwas brauchen. "Danke, sehr nett, wir brauchen nichts, wir haben alles, ja, wir haben auch Wasser und etwas zu essen und wir schlafen gerne im Zelt...!" Als die Jungs irgendwann überzeugt waren, dass es uns wirklich an nichts fehlt, brausen sie davon und wir genießen Sonnenuntergang und STILLE.
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  • Sightseeing in Şanlıurfa

    11. juni 2025, Tyrkia ⋅ 🌙 28 °C

    Ab halb neun gibt es Frühstück im Hotel, zu dieser Zeit sitzen wir dann auch am Tisch und lassen uns die Leckereien schmecken. Im Anschluss wollen wir Şanlıurfa erkunden. Ruhig lassen wir es angehen, haben uns angesichts der weiterhin hohen Temperaturen kein Tagesprogramm erstellt, das es abzuarbeiten gilt. Vielmehr lassen wir uns einigermaßen spontan durch die Straßen treiben. Schnell erreichen wir eine der bedeutensten Pilgerstätten der Muslime:
    Der Abraham-Teich, oder Balıklıgöl ("Fisch im See". Es wird angenommen, dass dies der Ort ist, an dem der Prophet Abraham von König Nimrod ins Feuer geworfen wurde. Der Legende nach verwandelte Gott das Feuer in Wasser und die brennenden Holzscheite in Fische, wodurch der Teich zu einem Wallfahrtsort wurde. Die Karpfen gelten als heilig, sie zu füttern als gute Tat. Artig vollbringen wir diese gute Tat, vielleicht verhilft sie uns ja zu etwas Glück für den weiteren Verlauf unserer Reise. Wir schlendern durch den an den Teich angrenzende Park, beobachten Katzen während einer Kaltgetränkpause, spazieren durch die Anlagen der Moscheen vor Ort und erfreuen uns an diesem Fleckchen der Stadt, der in seiner Gesamtheit wirklich schön ist. Interessant stellt sich noch ein kurzer Besuch in einer Postfiliale dar. Wir Trottel haben dummerweise den Schlüssel unserers Zimmers vom Hotel am Nemrut dağı nicht abgegeben, sondern versehentlich. mitgenommen. Kurz in die Post, dachten wir, und den Schlüssel an das Hotel schicken..., sooo einfach ist es aber dann doch nicht. Heiko muss sich mit seinem Pass ausweisen, damit er etwas verschicken darf, außerdem ist die Angabe eines aktuellen Wohnortes sowie der Mobilfunknummer in der Türkei erforderlich. Puuh, warum so kompliziert? Wir wollen doch nur einen Schlüssel zurückschicken. Naja, am Ende klappt es (hoffentlich) und wir können wieder zu anderen Dingen übergehen. Dazu gehört dich der Besuch des großen überdachten Basars. Hier halten wir uns eine ganze Weile auf, denn neben dem Bestaunen der farben- und glitzerreichen Stände und dem Wahrnehmen der Düfte unterschiedlicher Gewürze soll es vor allem auch darum gehen, Claudias Bekleidungskonzept zu optimieren. Auf der Liste der benötigten Dinge: Lange Hose, Hemd/Bluse mit langen Ärmeln, zusätzliche Socken oder im besten Fall dünne Handschuhe. Bis auf die Handschuhe werden wir fündig, so dass wir uns nun mal wieder um unser leibliches Wohl kümmern können. Wir erwerben eine Melone und zwei Becher Joghurt und lassen uns beides im gut klimatisierten Hotelzimmer schmecken. Am frühen Abend zieht es uns wieder raus, gerne möchten wir die Stadt von oben sehen. Zu diesem Zweck begeben wir uns auf den Festungshügel der Stadt. Die Festung selbst ist leider derzeit geschlossen, so dass eine Besichtigung nicht möglich ist. Wir bereuen den Aufstieg aber auf keinen Fall, sondern genießen die Aussicht auf die Stadt aus verschiedenen Perspektiven im Abendlicht und am Ende auch beim Untergang der Sonne. Zum Abschluss des Tages gehen wir noch einmal an den heiligen Karpfen vorbei und steuern dann ein Restaurant an. Die gewählten Pide und Lahmacun schmecken uns ausgesprochen gut. Für heute ist Feierabend, morgen geht es auf dem Fahrrad weiter.
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  • Şanlıurfa

    10. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 36 °C

    Der Wecker klingelt mal wieder um kurz vor fünf, damit wir zeitig auf dem Rad sitzen und vor der schlimmsten Hitze schon ein paar Kilometer auf dem Tacho haben. Eine kleine Verzögerung erfährt unsere Abfahrt allerdings, da Heiko in einen rostigen Nagel tritt, der sich durch die Sandale in seinen Fuß bohrt. Als die Wunde gesäubert und verpflastert ist, räumen wir unser Lager vor der verlassenen und etwas unheimlichen Rettungsstation und starten um kurz vor sieben in die heutige Etappe. Wir folgen der leicht hügeligen Hauptstraße, die Verkehrsdichte hält sich glücklicherweise in Grenzen. Schnell ist es wieder sehr heiß, so dass wir viele Pausen im Schatten einbauen. Nach etwa 20km kühlen wir uns an einer Tankstelle etwas runter, bald darauf pausieren wir in einer Art Garten-Café im Schatten vieler Bäume. Eine ganze Weile verbringen wir hier, genießen Tee, Kaffee und Eis. Die ausgesprochen netten Gastgeber des Cafés meinen es sogar etwas zu gut. Nachdem bekannt ist, wo wir herkommen, wird eine Playlist mit ziemlich schrecklichem Deutsch-Rap angeschmissen. Das ist sicher gut gemeint, aber für unsere Ohren eine echte Belastungsprobe. Als wir nach geraumer Zeit zahlen und uns verabschieden wollen, möchte die Café-Betreiberin kein Geld von uns annehmen. Egal, was Heiko sagt, sie besteht darauf, dass wir ihre Gäste sind. Wir bedanken uns und verlassen diesen (trotz Musik) netten Pausenplatz. Als ziemliches Problem, vor allem für Claudia, erweist sich die Sonne. Als Nebenwirkung des Antibiotikums Doxycyclin, welches sie nach wie vor wegen der Borreliose nimmt, werden unter anderem phototoxische Reaktionen ähnlich starkem Sonnenbrand beschrieben. Entsprechend wird dazu geraten, während sowie bis eine Woche nach der Einnahme die Sonne zu meiden. Leider machen sich die Nebenwirkungen bei Claudia deutlich bemerkbar, gleichzeitig lässt sich aber die Sonne nicht ausknipsen. Also bleibt nur eins: Lange Klamotten anziehen und möglichst keine bloße Haut der Sonne aussetzen. Sogar die Hände werden geschützt, indem ein Paar Socken ein "Daumenloch" erhalten und dadurch zu Handschuhen umfunktioniert werden. Um die Hitze trotzdem einigermaßen aushalten zu können, werden "Handschuhe" und Strümpfe regelmäßig zum Zwecke der Kühlung nass gemacht. Not macht eben erfinderisch...! Wir hangeln uns weiter von Schattenplatz zu Schattenplatz, während einer dieser Pausen kommt ein Mann mit zwei Bechern auf uns zu und schenkt uns kalte Cola ein. Wie nett und was für eine Wohltat. Schon 10km vor der Stadt ist das Häusermeer von Şanlıurfa in der Ferne zu sehen, in welches wir bald darauf eintauchen. Die Einfahrt auf der Stadtautobahn wird uns irgendwann zu gefährlich, weshalb wir uns auf kleineren, dafür aber sehr quirligen Straßen zum Hotel durchwurschteln. Wir beziehen nach fast 80 geradelten Kilometern und 650 erklommenen Höhenmetern ein Zimmer im Hanimağa Konağı Butik Hotel, einem alten Herrenhaus mit Innenhof und Dachterrasse. Hierher hatten wir auch die Fahrradtaschen liefern lassen, die wir in Gaziantep bestellt haben und nun in Empfang nehmen können. Das Hotel ist wirklich toll und selbst unsere Räder bekommen einen perfekten Platz im fast prunkvoll wirkenden Innenhof. Zudem ist die Lage unserer Unterkunft wirklich grandios: Fast alle Sehenswürdigkeiten sind in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Ob es die historische Altstadt, der Basar oder die bedeutenden Kulturstätten sind – alles liegt praktisch vor der Tür. Am heutigen Abend führt uns unser Weg allerdings nach ausgiebiger Dusche lediglich noch in ein Restaurant, wo wir leider nur mäßig zufrieden sind, und dann beenden wir diesen Tag. Sightseeing steht morgen auf dem Programm.Les mer

  • Lost Place

    9. juni 2025, Tyrkia ⋅ ☀️ 32 °C

    Um 4:30, also quasi vor dem Aufwachen, sind wir bereit für den zweiten Besuch auf dem Nemrut dağı. Diesmal lassen wir uns allerdings im Auto mitnehmen, so dass wir zügig am Ziel sind. Auch zu dieser frühen Stunde sind wir bei weitem nicht allein, sondern teilen uns die Ostterrasse mit vielen weiteren Schaulustigen. Einige sitzen auf den Steinstufen des Plateaus, manche haben sich Campingstühle mitgebracht und wiederum andere machen es sich an einem kompletten Picknick-Arrangement gemütlich. Reges Geplapper dringt von allen Seiten in unsere Ohren, erst als die Sonne rot hinter dem Berg hervorkriecht, hält die Menge kurz inne. Wir verfolgen den wahrlich schönen Sonnenaufgang, drehen noch einmal eine Runde um den Nemrut, futtern ein paar Kekse und kehren dem Götterberg schließlich endgültig den Rücken zu. Den Rückweg zum Hotel bestreiten wir zu Fuß, belohnt werden wir mit einem guten Frühstück. Es ist ungefähr halb neun, als wir dann den Transporter besteigen, um uns vom Hotelbetreiber wieder zurück nach Adıyaman fahren zu lassen. Wir haben bereits sehr viel an Höhe verloren, als unser Fahrer einen kurzen Stopp einlegt, um uns die Besichtigung einer alten Römerbrücke, der Cendere-Köprüsü, zu ermöglichen. Wir spazieren über die Brücke, machen Bilder und sind überrascht, wieviele Menschen sich hier zum Baden und Picknicken tummeln. Wenig später setzen unsere Fahrt fort und erreichen gegen Mittag das Hotel Whitestar in Adıyaman, wo unser kleiner Nemrut-Ausflug endet. Man empfängt uns freundlich mit einem Tee (womit auch sonst...?), danach nehmen wir unser verwahrtes Gepäck in Empfang. Wir beladen die Fahrräder, wechseln unsere Kleidung und dann ist es endlich soweit: Wir sitzen wieder auf dem Rad! Einen kleinen Einkauf erledigen wir nach wenigen Metern noch, bevor wir auf der Hauptstraße endgültig aus Adıyaman hinausrollen. Sehr heiß ist es heute, die Etappe ist geprägt davon, dass wir uns von Schattenplatz zu Schattenplatz hangeln. Mal erholen wir uns unter einem Baum von der Sonne und mal genehmigen wir uns an einer Tankstelle eine Pause mit Eis und kühlem Getränk. Auch unterwegs scheint man uns unsere dringendsten Bedürfnisse anzusehen: Eine Frau hält mit ihrem Auto neben uns an und schenkt uns zwei Bananen und zwei Dosen herrlich erfrischenden Zitronen-Eistee. Die ganze Zeit fahren wir entlang der Hauptstraße, sanfte Anstiege und Abfahrten wechseln sich ab. Auch wenn Hauptstraßen eigentlich nicht zu den von uns favorisierten Strecken gehören, verspüren wir dennoch ein gutes Gefühl des "Vorankommens". Die Radreise geht weiter, endlich! Ab halb sechs halten wir Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz, was sich allerdings als nicht ganz einfach erweist. Aus dem Augenwinkel sehen wir in dem kleinen Ort Kuyulu im Vorbeifahren ein Grundstück, welches vielleicht in Frage kommen könnte. Das Haus auf dem Grundstück ist eine ehemalige Rettungswache, kurz davor sind wir am Gebäude der neuen Rettungswache vorbeigefahren. Hier sehen wir auch Menschen und beschließen, umzukehren und zu fragen, ob wir auf dem Nachbargrundstück die Nacht verbringen dürfen. Zuallererst werden wir aber, wie sollte es anders sein, von den drei Mitarbeitern zum Tee eingeladen. Bezüglich unserer Anfrage äußern die drei sich allerdings skeptisch. Das benachbarte Grundstück sei nicht ungefährlich, es gäbe dort Schlangen und Skorpione. In Ermangelung an Alternativen nehmen wir dann aber doch alle gemeinsam das Areal in Augenschein und speziell Claudia ist gar nicht mehr so wohl bei dem Gedanken, hier zu zelten. Aus dem Augenwinkel sah das deutlich einladender aus als bei genauerem Hinsehen. Immerhin entsorgt einer der Mitarbeiter den Tierkadaver, der dort herumliegt. Das dreistöckige Haus ist offensichtlich dem Verfall geweiht. Aus einem Fenster im oberen Stockwerk schaut ein Hund heraus, was auch die Leute von der Rettungswache überrascht, ein anderer kommt aus der nicht mehr vorhandenen Tür. Die verschiedenen Geräusche, die zu hören sind, können wir nicht genau einordnen. Dieses Haus könnte gut der Drehort für einen Horrorfilm oder zumindest einen Tatort sein, man will sich gar nicht wirklich vorstellen, was sich hinter den Mauern im Inneren verbirgt. Jedem Zweifel zum Trotz steht kurze Zeit später unser Zelt vor dem "Geisterhaus", es gibt noch einen Gemüsetopf vom Gaskocher und dann geht's ab in die Schlafsäcke. Immerhin wissen wir, dass die benachbarte Rettungswache 24/7 besetzt ist, sehr beruhigend...Les mer

  • Nemrut dağı

    8. juni 2025, Tyrkia ⋅ 🌩️ 20 °C

    Nach unserem letzten Frühstück im Hotel Whitestar ist es nun an der Zeit zu packen. Wir bereiten jeder einen Rucksack für den anstehenden Nemrut-Ausflug vor, der Rest unseres Gepäcks wird bis morgen hier im Hotel verwahrt. Zeitig sind wir fertig, so dass wir vor dem Auschecken noch ein Stündchen lesen können. Sehr pünktlich werden wir dann von von unserem Fahrer, sein Name ist Mehmet, abgeholt. Wir sind gespannt, was uns erwartet und tatsächlich ist bereits die Fahrt in die Bergwelt beeindruckend. Die Landschaft sieht fantastisch aus und wird mit jeder Serpentine, die Mehmet das Auto weiter in die Höhe schraubt, noch spektakulärer. Auf sehr kleinen Straßen geht es über viele Kilometer in die schroffe, felsige Gebirgswelt. Auch der Gipfel des Nemrut dağı ist in der Ferne bereits auszumachen. Nach einem kurzen Stop an seinem Haus, wo Mehmet einen großen gefüllten Kochtopf von seiner Frau übergeben bekommt, gibt es Probleme mit dem Auto. Die Öl-Leuchte blinkt, eine Weiterfahrt in diesem Auto ist nicht mehr möglich. Also werden wir erstmal auf die Terrasse gebeten und mit Tee und türkischem Kaffee versorgt. Es dauert nur etwa eine Viertelstunde, da trifft der Betreiber unseres gebuchten Hotels mit einem Transporter ein. Kurz wird das Gepäck umgeladen und schon kann es weitergehen. In dem kleinen Hotel an der Nordseite kurz unterhalb des Gipfels beziehen wir ein Zimmer mit Blick auf den Nemrut. Im großen Speisesaal wird uns ein Willkommenstee serviert und wir erfahren, dass dieses Hotel bereits 40 Jahre alt ist und, je nach Schneesituation, ungefähr von März bis Oktober betrieben wird. Als unsere Gläser leer sind, wollen wir keine Zeit mehr verlieren, sondern endlich den Gipfel erklimmen. Etwas Proviant und warme Kleidung packen wir ein, da wir auf jeden Fall den Sonnenuntergang dort oben erleben möchten. Nachdem wir dann noch das erforderliche Ticket gelöst haben, machen wir uns an den drei Kilometer langen Aufstieg. Wir sind fasziniert von dieser Gegend, können uns kaum satt sehen an den imposanten Felsen, dem Bergpanorama am Horizont, den schillernden Heuschrecken, den über uns kreisenden Vögeln, einfach dem Gesamteindruck, eine Umgebung wie gemalt. Kurz vor den letzten Kehren zum Gipfel machen wir eine kleine Rast und Heiko fängt Erinnerungen mit der Drohne ein. Und dann stehen wir tatsächlich in 2150m Höhe auf dem "Götterberg", dem Nemrut dağı, was soviel bedeutet wie "der Berg auf dem Berg". Das sog. Hierothesion, eine Kombination aus monumentaler Grabanlage und Heiligtum, auf dem Gipfel ist seit 1987 UNESCO Weltkulturerbe. Das Grabmal von König Antiochos I. besteht aus einer Geröllaufschüttung mit einem Durchmesser von 150 m und einer Höhe von 50 m. Antiochus I. erklärte sich selbst zum Gott (Theos) und ließ noch zu Lebzeiten auf dem Gipfel des Nemrut ein Heiligtum errichten, um seinen Namen zu verewigen.
    Dieser Hügel darf nicht betreten werden, umgeben wird er von steinernen Zeugnissen menschlichen Geltungsdranges, den Terassen der Götter. Hier verteilen sich die ehemals 8-10m hohen, monumentalen Statuen, von denen jedoch keine mehr vollständig erhalten ist. Erdbeben haben die Köpfe herabfallen lassen und die Gesichtszüge sind durch die klimatischen Verhältnisse stark beschädigt. Dennoch sind die Figuren ein beeindruckender Anblick, die gigantischen Köpfe geben Anlass zum ehrfürchtigen Staunen. Leider staunen nicht nur wir, sondern auch jede Menge andere Besucher dieser heiligen Stätte. Es ist unbestritten ein sehr besonderer Ort hier oben auf dem Gipfel, die Besonderheit des Moments geht dennoch leider etwas verloren angesichts der vielen Menschen und des damit einhergehenden Stimmengewirrs und des "Wie posiere ich am besten für das perfekte Foto Wahnsinns". Wir beobachten das Treiben uns sind froh, immerhin nicht einer geführten Tour anzugehören. So sind wir wenigstens unabhängig und müssen nicht auf Kommando gemeinsam mit den Massen den Hauptaubstieg nehmen. Stattdessen steigen wir, nachdem wir der Sonne beim Verschwinden hinter den Bergen zugeschaut haben, über die nur sehr spärlich frequentierte Route über die Ostterrasse auf der anderen Seite des Berges hinab und spazieren zurück zum Hotel. Dort angekommen erwartet uns ein köstliches Abendessen, welches zum Teil aus dem Topf stammt, den Mehmet auf der Fahrt zum Berg von seiner Frau in Empfang genommen hat. Insgesamt sind wir sehr angetan von der herzlichen und familiären Atmosphäre in dem kleinen Hotel. Satt und zufrieden begeben wir uns dann auch zügig ins Bett. Die Nacht wird kurz, möchten wir doch zum Sonnenaufgang bereits wieder oben auf dem Gipfel sein.
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