Reparaturodyssee und Inselglück
10月16日〜22日, ベトナム
⛅ 31 °C
Nach dem Grenzübertritt holt mich erst einmal das vertraute Tief ein, das mich nach dem Abschluss eines großen Reisekapitels zuverlässig erwischt. Der Kopf braucht eine Pause und die Motivation für den nächsten Streckenabschnitt muss sich erst noch sortieren.
Um die eher unspektakuläre Etappe bis zur Küste zu überspringen, steige ich kurzentschlossen in einen Kleinbus. Noch vor der stundenlangen Fahrt, die über spürbare Umwege fast bis nach Hanoi führt, nutze ich die Wartezeit am Busbahnhof für eine längst überfällige Wartung. Ich rüste an beiden Rädern das zu Beginn vergessene Felgenband nach und bin noch mehr überrascht, dass ich bei den teils rauen Straßen bislang nur einen einzigen Platten hatte. Doch beim Ausbau des Hinterrades passiert mir ein Missgeschick und mein Schaltwerk wird beschädigt.
Das ganze Ausmaß wird mir erst bewusst, als ich in Bai Chay wieder aus dem Bus steige. Eigentlich wollte ich direkt am nächsten Morgen die Fähre nach Cát Bà nehmen, aber stattdessen geht es per Taxi weiter in die nächste Großstadt Hai Phong, um nach passenden Ersatzteilen zu suchen.
Das Wochenende stellt mich allerdings vor eine weitere Herausforderung, denn ich habe nicht genügend Bargeld dabei und die Banken arbeiten erst am Montag wieder. Ein einfacher Geldautomat nützt mir leider nicht viel, da ich seit Bulgarien ohne Kreditkarten unterwegs bin.
Ich nutze die unfreiwillige Pause in Hai Phong zum Entspannen und beobachte fasziniert das vietnamesische Stadtleben. Die Atmosphäre hier unterscheidet sich drastisch von China. Auf den Straßen geht es spürbar chaotischer und lauter zu, da kaum Elektrofahrzeuge unterwegs sind und die omnipräsente Kameraüberwachung komplett fehlt. Gleichzeitig fasziniert mich die offene und liberale Stimmung. Das Leben spielt sich auf den Bürgersteigen ab, Wohnzimmer gehen nahtlos in winzige Garküchen über und der private Raum vermischt sich ganz natürlich mit dem öffentlichen.
Am Sonntag schaffe ich es dann doch noch über eine Drittanbieter-App die Reparatur in einer kleinen Werkstatt digital per QR-Code zu bezahlen. Als ich dort ankomme, legt der freundliche Besitzer sofort los und montiert mir aus seinem Fundus ein passendes Ersatzteil. Statt elf Gänge habe ich ab sofort zwar nur noch zehn, doch auf den größten Gang kann ich auf einem schwer beladenen Reiserad problemlos verzichten. Zusammen mit einer neuen Kassette ist mein Antrieb nach allen Hürden wieder bestens für die nächsten Kilometer gerüstet.
Nachdem ich am Montag mein Bargeld abgeholt habe, breche ich endlich Richtung Küste auf. Die ersten Kilometer durch dichte Industriegebiete und Hafenanlagen sind zwar noch zäh, doch nach einer kurzen Fährüberfahrt auf die Insel Cát Bà verändert sich die Szenerie schlagartig. Ich rolle über fast menschenleere Straßen durch ruhige Inseldörfer und gelange schließlich auf eine traumhafte Küstenstraße. Hier blicke ich nach langer Zeit erstmals wieder auf das offene Meer. Seit meiner letzten Begegnung mit dem Schwarzen Meer Ende Juni in Georgien sind knapp vier Monate vergangen und nun stehe ich am Pazifik.
Im Hauptort Cát Bà Town im Süden der Insel folgt am Abend allerdings die Ernüchterung. Der Ort schockiert mich mit seiner extremen touristischen Überprägung. Überall reihen sich Hotelklötze und Touristen-Lokale aneinander und für noch mehr Infrastruktur wurde sogar Land ins Meer aufgeschüttet. In dem kleinen Ort sieht man fast ausschließlich westliche Gesichter, während die Einheimischen vor allem im Hinterland der Insel leben.
Dafür hat die Insel einige Naturschönheiten zu bieten. Am nächsten Tag lasse ich das Gepäck im Hotel, fahre mit dem Rad zehn Kilometer zum Nationalpark und wandere auf den Gipfel Ngu Lam. Der steile Pfad führt über feuchte Felsen durch dichten Dschungel und bringt mich in der tropischen Schwüle ordentlich zum Schwitzen. Oben bietet sich mir ein phänomenaler Blick über ein schier endloses Meer aus grün bewachsenen Karstgipfeln. Auf dem Rückweg entfliehe ich den Menschenmassen auf einen ruhigen Nebenpfad, wo mich unzählige bunte Schmetterlinge begleiten, bevor ich noch die idyllisch beleuchtete Trang-Trung-Höhle erkunde.
Das absolute Highlight wartet schließlich am Folgetag mit einer selbstgeführten Kajaktour durch die Lan-Ha-Bucht. Bereits die Anreise mit dem Wassertaxi ist spektakulär, denn auf dem Weg zum Startpunkt passiere ich faszinierende schwimmende Dörfer, wo Fischerfamilien auf hölzernen Pontons mitten auf dem Wasser leben.
An einem abgelegenen Strand setzt mich das Boot schließlich samt professionellem Seekajak ab. Von dort aus paddele ich elf Kilometer lang vollkommen auf mich allein gestellt durch ein stilles Labyrinth aus steil aufragenden Kalksteinfelsen, die wie grüne Skulpturen aus dem Wasser ragen. Die Umgebung wirkt vertraut und doch völlig neu im Vergleich zur Karstlandschaft an Land, die ich in China intensiv erlebt habe.
Zur Mittagspause steuere ich einen kleinen, einsamen Sandstrand an, esse meine mitgebrachten Bánh Mì im Schatten der Felsen, bade im 29 Grad warmen Wasser und genieße die absolute Stille. Nach der ausgedehnten Pause mache ich mich auf den Rückweg zum Ausgangspunkt, wo mich das Wassertaxi pünktlich zum Sonnenuntergang wieder abholt.
Eine rundum versöhnlicher Ausgleich für die Aufregung der ersten Tage in Vietnam.もっと詳しく
Abschied von den vielen Gesichtern Chinas
10月11日〜15日, 中国
☀️ 32 °C
Im Anschluss an die entspannten Tagen in Nanning rolle ich weiter gen Westen und fahre zunächst noch durch die vertrauten, endlosen Zuckerrohrplantagen. Doch die Landschaft verändert sich spürbar, als am Horizont die ersten spektakulären Felsnadeln auftauchen. Ich habe mir bewusst dieses Grenzgebiet zu Vietnam als landschaftliches Finale ausgesucht, um noch einmal in die faszinierende Karstwelt einzutauchen. Auch wenn der Überraschungseffekt nicht mehr ganz so überwältigend ist wie bei meiner ersten Begegnung am Yulong, begeistert mich diese Region sehr. Sie ist spürbar untouristischer, ursprünglicher und damit auf eine ganz andere Art wunderschön.
An meinem Geburtstag entscheide ich mich ganz bewusst gegen einen Pausentag und wähle stattdessen die lange Genussroute. Statt von Anping auf direktem Weg nach Mingshi zu fahren, nehme ich einen ausgiebigen Umweg in Kauf. Entlang des Heishui He fahre ich flussaufwärts durch herrlich naturnahe Abschnitte. Es folgt eine kleine Kletterpartie mitten durch die aufragenden Felsen, die mich mit grandiosen Ausblicken und schnellen Abfahrten belohnt.
Vorbei an leuchtenden Reisfeldern folge ich schließlich dem Mingshi-Fluss hinab bis in den gleichnamigen Ort. Obwohl das Dorf selbst stark touristisch ausgebaut ist, stört mich das kaum. Auf dem Fahrrad habe ich die eigentliche, unberührte Schönheit der Kulisse abseits der Zentren bereits ausgiebig aufgesaugt. Eine schönere Geburtstagsetappe hätte ich mir kaum schenken können.
Über ruhige Betonstraßen zwischen Zuckerrohr- und Bananenplantagen fahre ich am nächsten Tag weiter nach Longzhou. Den Stopp nutze ich ganz pragmatisch, um mir über Taobao rechtzeitig Fahrradersatzteile direkt ins Hotel zu bestellen.
Auf den letzten Kilometern zur Grenze komme ich ins Nachdenken über die vergangenen Wochen. In der Rückschau hatte ich in China überraschend wenig direkten Kontakt zu den Menschen und war oft hin und her gerissen, wie ich manche Blicke deuten sollte, ob es Schüchternheit war, die gewaltige Sprachbarriere oder einfach eine Distanz gegenüber Fremden. Ausgerechnet mein letzter Tag zeigt mir noch einmal das Gegenteil. An einer malerischen Straße entlang des Flusses Ping'er treffe ich auf eine Gruppe chinesischer Motorradfahrer, die ihren Gaskocher anwerfen und mich spontan mit Tee bewirten. Wenig später bei der Mittagspause in Pingxiang werde ich vom Nachbartisch ebenso herzlich in ein Gespräch verwickelt. Ein wunderbar warmer Abschluss, bevor es über den geschichtsträchtigen Freundschaftspass und dreimaliges Scannen meiner Taschen hinüber nach Vietnam geht, dem 16. Land dieser Reise.
Wenn ich nach sieben Wochen zurückblicke, fällt es mir erstaunlich schwer, Worte für dieses Land zu finden. Nach Monaten auf dem Rad dachte ich eigentlich, mich schockiert oder überrascht so schnell nichts mehr. Doch China hat mich sprachlos gemacht, immer wieder begeistert und von Grund auf gefordert. Für mich hat sich diese Zeit nicht wie ein einzelnes Land angefühlt, sondern wie mehrere komplett verschiedene Welten. Da war der lange ÖPNV-Transit aus Kirgistan, gefolgt von der Weite und Einsamkeit auf dem tibetischen Plateau verbunden mit der Begegnung mit dem dem tibetischen Buddhismus. Dann der radikale Umschwung ins feuchtwarme Brodeln der 20-Millionen-Metropole Chengdu, bevor es in den Süden zu den Reisterrassen der Dong-Minderheit und in die atemberaubende Karstwelt rund um Guilin und Mingshi ging.
Um diese gewaltigen Dimensionen überhaupt bewältigen zu können, musste ich lernen mich anzupassen und trotz Aufenthaltsverlängerung auch mal lange Strecken mit der Bahn zu überbrücken.
Aus landschaftsarchitektonischer Sicht hat mich China tief inspiriert, denn die jahrtausendealte Gartenkunst bewegt sich hier auf einem Niveau, das ich so noch nie erlebt habe.
Auch kulinarisch war es eine Reise für sich, denn so vielseitig, lecker und preiswert habe ich mich wohl auf der gesamten Strecke noch nicht durch die Straßen probiert.
China verlasse ich mit tiefem Respekt vor seinen Gegensätzen und der Gewissheit, ein gewaltiges Kapitel meiner Reise abgeschlossen zu haben.もっと詳しく
Von Monokulturen zu Gartenkunst
10月3日〜11日, 中国
⛅ 32 °C
Nach den spektakulären Flusslandschaften entscheide ich mich spontan für einen Kurswechsel. Ich höre auf mein Bauchgefühl, verwerfe den geplanten Schlenker nach Südosten und fahre ein paar Kilometer zurück nach Pingle, um auf direktem Weg Richtung Westen zu gelangen.
Die folgenden Tage werden für mich zu einer reinen Transit-Etappe. Nach den Wochen, in denen für mich ein landschaftliches Highlight das nächste jagte, ist dieser Umschwung erst einmal gewöhnungsbedürftig. Er lenkt meinen Fokus aber wieder ganz aufs Fahrradfahren, was mir bei Rückenwind, flachem Profil und gutem Vorankommen eine fast schon meditative Abwechslung bietet.
Die Landschaft wird geprägt von endlosen Zuckerrohrplantagen und Eukalyptusforsten. Diese landwirtschaftlichen Monokulturen bügeln jegliche natürliche Struktur völlig glatt und wenn das Zuckerrohr meterhoch aufragt, fahre ich wie durch einen grünen Tunnel. Rechts und links stehen dicht an dicht die Halme, während mir die Sicht auf die Umgebung fast komplett genommen wird.
Umso spannender finde ich es, das echte ländliche Leben in den kleinen Dörfern zu beobachten, was für mich einen tollen Kontrast zum Trubel der Metropolen bildet.
Dazu bringt der Wetterumschwung mit kühleren Temperaturen und feuchtem Nieselregen eine sehr angenehme Erfrischung nach der Hitze der letzten Tage.
Das einzig wirkliche Erwähnenswerte dieser Etappe ist, dass mich nach über 9.000 Kilometern der erste Platten der Reise ereilt. Den nutze ich gleich als Anlass, um den überfälligen Wechsel der Kette mit zu erledigen.
Ein deutlich schöneres Erlebnis habe ich an meinem Nachtlager im winzigen Dorf Laopaoshui. Direkt am Flussufer finde ich eine kleine Stufenanlage unter einem großen Baum, der mir Schatten spendet. Erst schauen ein paar Dorfbewohner neugierig beim Angeln vorbei, doch am Abend wird es richtig herzlich. Als ich gerade meinen Campingkocher anwerfen will, tauchen drei Teenager aus dem Dorf auf. Sie sind völlig aufgeregt mich zu treffen, da ich für sie der erste Ausländer überhaupt bin. Nach ein paar gemeinsamen Fotos flitzen sie kurz nach Hause und kommen wenig später mit Mitbringseln zurück. Sie schenken mir Mondkuchen, der in China traditionell rund um das Mondfest und die Goldene Woche als Symbol für Zusammenhalt geteilt wird, sowie selbstgebackenen Kuchen aus Klebreis und braunem Zucker. Wir unterhalten uns ausgiebig über Übersetzung-Apps und sie löchern mich mit Fragen, was diesen Abend zu einer wunderbaren Erinnerung macht.
Mit der Einfahrt in den Ballungsraum von Nanning ändert sich die Szenerie schlagartig. Der Abschnitt durch den dichten Stadtverkehr zieht sich zwar spürbar hin, verläuft dank der baulich getrennten Spuren für Zweiräder aber gewohnt entspannt.
In der Metropole am Yong-Fluss leben knapp neun Millionen Einwohner und im modernen Stadtteil Wuxiang nehme ich mir ein Hochhaus-Appartement mit tollem Ausblick auf die Skyline.
Bevor ich mich auf den Weg Richtung Südostasien mache, nutze ich die Tage hier ausgiebig für die Vorbereitung. Ich verpacke über vier Kilogramm meiner Kaltwetter-Ausrüstung und schicke sie per Post zurück nach Deutschland, während ich mich bei Decathlon mit Regenschutz und einem leichten Sommerschlafsack für das feuchtwarme Klima eindecke.
Auch hier in Nanning werde ich wieder besonders von der meisterhaften chinesischen Gartenkunst fasziniert. Im belebten Volkspark begeistert mich unter anderem ein artenreicher Seerosenteich, der über Trittsteine und Holzdecks eine direkte Nähe zum Wasser und den Blüten ermöglicht. Mein absolutes Highlight ist jedoch der Qingxiu-Berg, ein gigantischer Landschaftspark, der mit über 13 Quadratkilometern fast viermal so groß ist wie der Große Tiergarten in Berlin. Zwischen üppigen Regenwald-Passagen schlendere ich von einem Themengarten zum nächsten.
Der Orchideengarten beeindruckt mich mit einer enormen Pflanzenfülle, die zwar manchmal an der Grenze zum Kitsch kratzt, mir aber wunderschöne Fotomotive bietet. Von der hoch aufragenden Longxiang-Pagode genieße ich schließlich einen spektakulären 360-Grad-Blick über den Park, die geschwungenen Flussläufe und das Häusermeer der Stadt.
Einen rundum gelungenen Abschluss findet meine Zeit in Nanning im Ethnologischen Museum von Guangxi. Das architektonisch an eine traditionelle Bronzetrommel angelehnte Gebäude beherbergt eine eindrucksvolle Ausstellung über die Kultur der Zhuang und weiterer Minderheiten der Region. Neben interaktiven Medien und Eins-zu-Eins-Nachbauten traditioneller Architektur, unter denen ich sogar die Wind- und Regenbrücken der Dong wiedererkenne, fasziniert mich vor allem die riesige Sammlung historischer Bronzetrommeln.
Abends düse ich mit den günstig geliehenen E-Rollern entspannt zu verschiedenen Nachtmärkten, probiere mich durch lokale Spezialitäten und genieße die lebendige Straßenatmosphäre, bevor für mich bald die letzte Etappe auf chinesischem Boden beginnt.もっと詳しく
Zwischen Karstkegeln und Flussidylle
9月30日〜10月2日, 中国
⛅ 35 °C
Die Fahrt durch die Metropole Guilin überrascht mich extrem positiv, denn auf baulich getrennten Radspuren rolle ich im dichten Gewusel aus lautlosen Elektrorollern schattig durch das Stadtgebiet. Dazwischen blitzen immer wieder die ersten markanten Karstfelsen mitten aus dem Häusermeer durch das Blätterdach der Bäume.
Kurz danach führt mich ein kleiner Abstecher nach Daxu, einer alten Handelsstadt, deren charmante Holzarchitektur mit ehemaligen Lagerräumen im Erdgeschoss eine herrlich entspannte Ruhe ausstrahlt. Anschließend folge ich einem wunderschönen Radweg direkt am Flussufer des Li, von wo aus sich die Felsnadeln im ruhigen Wasser spiegeln.
Ein knackiger Anstieg in der glühenden Mittagshitze bringt mich bei über 35 Grad ohne Schatten zwar an meine Grenzen, belohnt mich oben aber mit einem phänomenalen Panoramablick auf die im Grün eingebetteten Felsformationen, Flüsse und Seen. Umso größer ist die Erleichterung, als ich schließlich das klimatisierte Hotelzimmer im Etappenziel Xingping erreiche und mir nach den schweißtreibenden Tagen eine kalte Dusche gönnen kann.
Der Pausentag in Xingping zeigt mir schließlich das genaue Gegenteil der idyllischen Ruhe von Daxu. Durch den Beginn der Goldenen Woche rund um den chinesischen Nationalfeiertag, an dem hunderte Millionen Menschen im ganzen Land verreisen, quellen die dicht bebauten Gassen der Altstadt förmlich über. Da es mir jedoch nicht um die Architektur, sondern um die weltberühmte Naturlandschaft geht, die unter anderem die 20-Yuan-Note ziert, genieße ich das Spektakel entspannt von der Wasserseite aus. Auf einer anderthalbstündigen Bootstour folge ich den sanften Biegungen des Li-Flusses, genieße immer neue Blickwinkel auf die steil aufragenden Felsgruppen und tanke bei lokaler Kulinarik und frischer Kühle im Hotel neue Kräfte für die Weiterfahrt.
Am nächsten Morgen setze ich mit einer kleinen Fähre über den Fluss und schlängele mich auf ruhigen Pfaden mitten durch die aufragenden Karstberge bis zum Yulong-Fluss. Hier erreichen die Besucherströme zwar noch einmal eine ganz neue Dimension, doch das bunte Treiben schadet der imposanten Kulisse kaum. Auf dem idyllischen Uferweg teile ich mir den Platz mit zahllosen Ausflugstouristen, während auf dem Wasser hunderte Bambusflöße vorbeigleiten, die von den Flößern mit langen Stangen ganz ohne Motor wie venezianische Gondoliere geschoben werden.
Das Zusammenspiel aus leuchtend grünen Reisfeldern, schimmernden Wasserläufen und den dahinter aufragenden Felsformationen wirkt wie gemalt. Da der Weg reich an Fotomotiven und entsprechend voll ist, schalte ich bewusst einen Gang zurück und genieße die faszinierende Atmosphäre im Schneckentempo.
Gegen Nachmittag verabschiede ich mich schließlich aus der touristischen Kernzone und folge dem breiten Guijiang-Fluss in eine spürbar ruhigere Landschaft. Über eine schmale Nebenstraße finde ich ein verlassenes Holzdeck direkt über dem Wasser, wo mir ein alter Pavillon aus Kunststoff als perfekter Regenschutz für mein Innenzelt dient.
Mit dem friedlichen Blick auf den Fluss schließe ich diese drei Etappen ab, die mich mit ihrer ganz eigenen landschaftlichen Schönheit sehr beeindruckt haben.もっと詳しく
Im Reich der Dong durch Reisfelder und Teegärten
9月26日〜29日, 中国
☀️ 35 °C
Nach den intensiven Tagen in Chengdu steige ich wieder einmal in den Zug, um meine Reise im feuchtwarmen Süden Chinas fortzusetzen. Obwohl mir der gigantische Ostbahnhof in Chengdu im Vorfeld etwas Respekt einflößt, verläuft das Verladen meines in Pappe gehüllten Fahrrads vollkommen reibungslos.
Die knapp 1.000 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Congjiang lege ich in knapp sechs Stunden zurück und werde schon beim Verlassen des Bahnhofs von einer opulent beleuchteten Architektur empfangen, die mir einen ersten Eindruck von der besonderen Baukunst der hier ansässigen Dong-Minderheit vermittelt.
Als ich am nächsten Morgen endlich wieder aufs Rad steige, führt mich mein Weg in das wenige Kilometer entfernte Dorf Zhaoxing. Obwohl der Ort stark touristisch geprägt ist und Eintritt verlangt, begeistert mich das wunderschöne Bild aus leuchtend grünen Reisfeldern am Dorfeingang und der einzigartigen Holzarchitektur im Ortskern.
Diese traditionelle Baukunst kommt komplett ohne Nägel aus und zeigt sich besonders eindrucksvoll in den vielgeschossigen Trommeltürmen sowie den reich verzierten überdachten Holzbrücken, die auch als Wind-und-Regen-Brücken bezeichnet werden. Beide Bauwerkstypen werden traditionell als soziale Treffpunkte genutzt.
Unter einem dieser Türme komme ich sogar in den Genuss des charakteristischen polyphonen Chorgesangs der Dong, den einheimische Frauen und Männer in bunten Trachten und mit traditionellen Instrumenten vortragen.
Anschließend schlängelt sich meine Route über schmale, teils sehr steile Bergstraßen immer tiefer in die hügelige Landschaft hinein, wo die Erntezeit auf den terrassierten Reisfeldern in vollem Gange ist. Überall sehe ich die Menschen beim Ernten und Dreschen auf den Feldern arbeiten, während manche Parzellen noch unter Wasser stehen und den Himmel spiegeln oder der geerntete Reis großflächig zum Trocknen auf der Straße ausgebreitet liegt.
Bei der Schlafplatzsuche wechsele ich ganz entspannt in den Modus, den ich bereits in der Türkei praktiziert habe und schlage mein Zelt mitten im Dorf Zuolong völlig ungeniert auf einem Sportplatz direkt am Fluss auf, was von den Einheimischen mit Gelassenheit aufgenommen wird.
Am nächsten Tag geht es auf ruhigen Wirtschaftswegen weiter, die zwar kaum Verkehr aufweisen, mich aber erneut mit einigen Höhenmetern fordern. Die feuchte Hitze mit Temperaturen um die 35 Grad macht das ganze zu einer extrem schweißtreibenden Angelegenheit, wodurch sowohl ich als auch meine Kleidung permanent feucht sind.
Die schmalen Straßen führen durch weitläufige Teeplantagen, an deren Steilhängen Pflückerinnen mit den typischen kegelförmigen Strohhüten arbeiten und zeitlos schöne Motive bieten.
Nach einer rasanten Abfahrt folge ich dem Fluss Xun flach weiter und statte der Stadt Sanjiang, dem kulturellen Zentrum der Dong, einen kurzen Besuch ab. Hier kann ich einige besonders große und opulente Beispiele ihr charakteristischen Architektur bewundern.
Mein Zelt stelle ich schließe gut sichtbar am Flussufer im Dorf Tanjiawan auf und führe kurze, nette Gespräche mit neugierigen Anwohnern.
Zudem markiert dieser Tag den Abschluss des sechsten Monats meiner Reise. Ein halbes Jahr bin ich nun schon unterwegs und trotzdem gibt es noch Momente, in denen es sich unrealistisch anfühlt, dass ich gerade mit meinem Fahrrad durch China fahre.
Auf der Etappe nach Wutong verlasse ich schließlich das Kerngebiet dieser Volksgruppe, sodass die charakteristischen Holzbauten langsam aus der Landschaft verschwinden.
Mein persönliches Highlight dieses Tages ist ein kleiner Umweg über eine fast verkehrsfreie Bergstraße, die mich mitten durch einen artenreichen subtropischen Mischwald führt.
Für die Nacht finde ich schließlich einen außergewöhnlichen Schlafplatz im oberen Stockwerk eines verlassenen Aussichtsturms, wo ich mein Zelt aufschlage und vollkommen ungestört den weiten Blick über die sanften Berge genießen kann.もっと詳しく
Chengdu Teil 2
9月23日〜26日, 中国
☁️ 26 °C
Nach meiner Rückkehr aus Leshan stehe ich am nächsten Morgen früh auf, um rechtzeitig zur Öffnung an der Chengdu Panda Base, einer Aufzucht- und Forschungsstation für Große Panda, zu sein. Das frühe Ankommen lohnt sich doppelt, da ich so die größten Besucherströme umgehe und die Tiere in ihrer aktivsten Phase sehe. Die weitläufige Anlage fügt sich wie ein riesiger, naturbelassener Bambuswald in die Landschaft ein. Auf dem Areal leben über 250 Pandas, von denen etwa 100 für Besucher in großzügigen Gehegen zu sehen sind. Während die älteren Tiere gelassen Bambus fressen oder entspannt schlafen, klettern die jüngeren durch das Unterholz. Ein besonderes Highlight ist ein erst wenige Monate altes Exemplar im Innenbereich, das noch extrem ungewandt seine ersten Kletterversuche unternimmt.
Sogar die scheueren Roten Pandas lassen sich im dichten Blätterdach beobachten, sodass sich der mehrstündige Streifzug durch den Park vollends lohnt.
Direkt im Anschluss fahre ich zum Wenshu-Kloster, der größten und am besten erhaltenen buddhistischen Tempelanlage der Stadt. Ihre Ursprünge reichen bis in die Sui- und Tang-Dynastie zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert zurück, bevor der Komplex im Jahr 1697 unter der Qing-Dynastie neu errichtet wurde. Wie schon im Daci-Tempel fasziniert auch hier die meditative Ruhe inmitten der geschäftigen Großstadt.
Den Abend lasse ich schließlich am Ufer des Flusses Jin ausklingen. Die sanft beleuchtete Uferpromenade, das Glitzern der Wolkenkratzer im Wasser und die prachtvoll illuminierte, überdachte Anshun-Brücke verleihen dem Flusslauf eine zauberhafte Kulisse.
Am nächsten Morgen gönne ich mir einen kleinen Luxus und besuche das Frühstücksbuffet im 31. Stock eines Fünf-Sterne-Hotels nahe dem Tianfu-Platzes. Für europäische Verhältnisse spottbillig, bietet sich hier eine grandiose Auswahl an chinesischen und westlichen Speisen mit Live-Cooking-Stationen. Nach Wochen benutze ich zum ersten Mal wieder Messer und Gabel und genieße dabei den spektakulären Panoramablick über das schier endlose Meer aus Wolkenkratzern, das sich bis zum Horizont erstreckt. Gestärkt besuche ich das nahe gelegene, kostenfreie Chengdu-Museum, um in die reiche Geschichte der Region einzutauchen, bevor der Nachmittag ganz im Zeichen der Grünanlagen steht.
Ein Streifzug durch drei sehr unterschiedliche Parks offenbart die faszinierende Bandbreite der chinesischen Gartenkultur. Der Kulturpark präsentiert sich voller Leben mit vollen Teehäusern, Musik und Sporttreiben. Im Baihua-Teich-Park begeistert mich ein aufwendig gestalteter Bonsaigarten, dessen meisterhafte Miniaturbäume durch kunstvolle Wandöffnungen und architektonische Rahmen in Szene gesetzt werden. Der Huanhuaxi-Bach-Park zeigt sich schließlich von seiner naturnahen Seite mit dichten Bambushainen, großen Teichen und einem Koibecken mit zahllosen Fischen.
Aus meiner fachlichen Perspektive ist diese Parkgestaltung eine absolute Offenbarung. Statt weitläufiger, auf einen Blick überschaubarer Flächen basiert die Konzeption auf dem Prinzip Yībù Yījǐng (Szenenwechsel bei jedem Schritt). Durch geschickte Untergliederungen, Wände aus Pflanzen und geschwungene Pfade entstehen selbst bei hohem Besucherandrang intime Rückzugsorte. Die extrem akribische Pflege und der tief verwurzelte Respekt der Bevölkerung ohne jeglichen Vandalismus heben diese öffentlichen Räume auf ein beeindruckendes Niveau.
Abgerundet wird das Erlebnis Chengdu durch die einzigartige Gastronomie, deren enorm hohe Dichte an Restaurants und Straßenständen der Stadt den Titel einer UNESCO-Stadt der Gastronomie eingebracht hat. Die traditionell sehr scharfe Sichuan-Küche lässt sich mit dem Hinweis auf eine milde Schärfe wunderbar genießen. Eine ganz besondere Entdeckung ist dabei der berühmte Sichuanpfeffer, der kein echter Pfeffer ist, sondern für ein faszinierendes, leicht betäubendes und prickelndes Gefühl auf der Zunge sorgt.
Mit diesen reichhaltigen Eindrücken aus Natur, Kultur und Kulinarik schließe ich das Kapitel Chengdu ab und bereite mich auf die Weiterfahrt gen Süden vor.もっと詳しく
Leshan
9月20日〜23日, 中国
☁️ 26 °C
Der Abstecher nach Leshan ist eigentlich ein erzwungener Zwischenstopp, da die Verlängerung meiner Aufenthaltsgenehmigung vor den anstehenden Feiertagen erledigt werden muss. Berichte anderer Reisender sprechen dafür, diesen Schritt nicht in Chengdu, sondern im kleineren Leshan zu wagen, wo die Behörden als deutlich schneller und unkomplizierter gelten. Das Fahrrad und mein Gepäck lasse ich an der Rezeption in Chengdu und nur mit einem leichten Tagesrucksack besteige ich den Hochgeschwindigkeitszug und erreiche die Stadt in nicht einmal einer Stunde.
Am nächsten Morgen geht der Plan voll auf, denn die Beamten der Immigrationsbehörde leiten mich äußerst zuvorkommend durch die Antragstellung und fertigen vor Ort sogar die benötigten Passfotos kostenlos an. Bereits nach 48 Stunden ist das Dokument abholbereit, sodass mir zwei freie Tage bleiben, die sich rückblickend als glückliche Fügung erweisen.
Die verbleibende Zeit nutze ich für das berühmteste Wahrzeichen der Region. Der Große Buddha von Leshan ist eine gigantische, 71 Meter hohe Statue aus dem 8. Jahrhundert, die direkt in die rote Sandsteinfelswand des Berges Lingyun gemeißelt wurde. Das Monument thront genau am Zusammenfluss dreier Ströme, dem Min He, dem Dadu He und dem Qingyi He, um mit seiner Präsenz die einst tückischen Wasserströmungen für die Schifffahrt zu besänftigen.
Vor Ort drängen sich allerdings riesige Besucherströme auf den schmalen Aussichtsplattformen. Da der Platz oben extrem begrenzt ist, gestaltet sich der Blick auf den Koloss eher schwierig, da man sehr nah an der Kante steht und die Figur nur schräg von der Seite betrachten kann. Auf die gebührenpflichtige Bootsfahrt, die eine freie Sicht vom Wasser aus geboten hätte, verzichte ich jedoch bewusst.
Als überraschendes Highlight entpuppt sich dafür der direkt angrenzende Orient-Buddha-Park. Diese weitläufige Anlage aus den 1990er-Jahren erstreckt sich über bewaldete Hügel und unterscheidet sich grundlegend von den bisherigen Tempeln im kargen Hochland. Hier wandere ich durch das dichte Grün eines subtropischen Bergwaldes, in dem sich die Menschenmassen schnell verlaufen. Außen an der grünen Hangflanke erstreckt sich ein gigantischer, über 170 Meter langer liegender Buddha, aber der eigentliche Kern der Anlage liegt verborgen unter der Erde in weitverzweigten, gewaltigen Höhlensystemen. Im Inneren dieser kühlen Felsenräume befinden sich riesige Hallen voller feiner Wandreliefs und spektakulärer Statuen. Besonders im gedämpften, kunstvollen Licht beeindrucken die direkt aus dem Fels gehauenen, bis zu 50 Meter hohen Buddhas. Die erhabene Ruhe tief unter der Erde verleiht dem Park eine fast magische Stimmung.
Den übrigen Aufenthalt verbringe ich entspannt an der südlichen Spitze der Stadt direkt gegenüber dem Felsen des großen Buddhas. Die Gegend abseits des Zentrums überzeugt durch grüne Promenaden entlang des Flussufers, an denen Angler im Schatten uralter Banyan-Bäume sitzen, deren Luftwurzeln pittoresk gen Boden hängen.
Zurück an der Immigrationsbehörde nehme ich meinen Reisepass entgegen und treffe zufällig auf ein belgisches Paar, das mit seinem Reisemobil auf dem Landweg bis nach China gereist ist. Der Austausch mit anderen Fernreisenden tut nach langer Zeit wieder richtig gut, bevor ich mich im Schnellzug auf den Rückweg nach Chengdu mache.もっと詳しく

旅行者Ich finde das so faszinierend, was du alles erlebst. Ich verfolge es und freue mich darüber. Es ist sooo spannend und man kann viel lernen lernen

旅行者Hallo Aaron, das geht ja Schlag auf Schlag mit deiner Reise. Das liest sich wie ein spannender Roman mit deinen Reiseberichten. Ich schaue immer wieder gespannt in deine neuen Storys und finde es genial wie und was du so machst und natürlich auch schreibst. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg auf deinem weiteren Weg und bin natürlich auch gespannt wohin es dich am Ende verschlägt. Es bleibt also spannend ✌️
Chengdu Teil 1
9月18日〜20日, 中国
☁️ 25 °C
Nach dem schnellen Abstieg über 3.000 Höhenmeter vom kühlen Plateau erreiche ich am Abend die gigantische Metropole Chengdu mit über 20 Millionen Einwohnern. Es ist inzwischen dunkle Nacht, als ich vom Ostbahnhof aus in den Sattel steige, um zu meiner Unterkunft im Zentrum zu rollen. Es knüpft an eine kleine Tradition meiner Reise an, große Städte erst nach Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Der Kontrast zwischen den bunten Leuchtreklamen und dem schwarzen Nachthimmel verleiht den geschäftigen Straßen eine ganz eigene, magische Atmosphäre. Dank der breiten und gut genutzten Radwege, auf denen vor allem ein dichtes Gewusel aus lautlosen Elektromopeds und Essenslieferanten herrscht, lässt sich die Fahrt trotz des quirligen Treibens erstaunlich entspannt meistern. In einem Hochhaus nahe dem Tianfu Platz beziehe ich schließlich mein Apartment im 19. Stock, von wo aus sich ein spektakulärer Ausblick auf die beleuchteten Hochhäuser eröffnet.
Nach einem verregneten Morgen schlage ich am Nachmittag zu Fuß den Weg durch die Stadt ein. Nur wenige Schritte von meiner Haustür entfernt liegt der Mohe-Teich-Park, dessen liebevoll gepflegter Seerosenteich im Kontrast zu den aufragenden Glasfassaden im Hintergrund steht. Gleich nebenan entfaltet der berühmte Volkspark die ganz besondere Lebensart Chengdus. Hier trinken Hunderte Menschen in voll besetzten Teehäusern unter schattigen Bäumen ihren Grüntee, schlendern an Kunsthandwerksständen vorbei oder betrachten die filigranen Gewächse im Bonsaigarten. In den dichten Menschenmassen fallen mir zudem zum ersten Mal seit meiner Einreise nach China wieder andere westliche Gesichter auf. Nach all den Wochen, in denen ich als einziger Ausländer unterwegs war und überall aufmerksame Blicke auf mich zog, teile ich das Staunen über die Stadt nun wieder mit internationalen Besuchern. Ein absolut faszinierendes Highlight bildet die dortige analoge Partnerbörse, an deren geschwungenen Metallgestellen unzählige blaue und rosa Zettel mit Steckbriefen zur Partnersuche hängen. Dass inmitten einer durchdigitalisierten Gesellschaft im Park noch ganz analog nach der großen Liebe gesucht wird, sorgt für ein dichtes, neugieriges Treiben.
Einen völlig anderen Eindruck vermitteln die Kuanzhai Xiangzi, ein restauriertes Viertel mit Höfen im traditionellen Stil der Qing-Dynastie aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Die dicht gedrängten Menschenmassen schieben sich hier durch historische Gassen voller feiner Boutiquen, Teeläden und Spezialitätenstände. Das Viertel wirkt wie eine hochglanzpolierte Open-Air-Mall, bietet aber die wunderbare Gelegenheit, sich treiben zu lassen und an den Ständen zahllose lokale Snacks und Leckereien zu probieren. Den Abend lasse ich nach einer unkomplizierten Fahrt mit der blitzsauberen, spottbilligen U-Bahn auf dem Fuqin Nachtmarkt ausklingen, wo mir die riesige Auswahl an gedämpften, frittierten und scharf gewürzten Straßenspeisen die Entscheidung schwer macht.
Der Folgetag steht ganz im Zeichen des modernen Zentrums. Am weitläufigen Tianfu Platz, der von der mächtigen Statue Mao Zedongs beherrscht wird, spürt man vor allem die repräsentative Wucht der Großstadt. Wenige Schritte weiter tauche ich in die schier endlosen Menschenströme der Chunxi Road ein, einer riesigen Einkaufsmeile für jedes Budget. Chengdu offenbart hier auch seine tierische Leidenschaft, denn die Stadt ist regelrecht besessen von Pandas. Egal ob als Fassadendeko, auf Bussen, in Form von Souvenirs oder sogar als Gebäck, das schwarz-weiße Gesicht ist überall präsent. Das imposanteste Beispiel dafür wartet im angrenzenden, edel gestalteten Taikoo Li Shopping-Areal, wo eine gigantische Pandaskulptur spektakulär die Fassade eines Einkaufszentrums hochklettert, während riesige 3D-LED-Leinwände die Straßen erhellen.
Mitten zwischen diesen glitzernden Konsumtempeln öffnet sich eine unerwartete Oase der Stille. Der historische Daci-Tempel, dessen Ursprünge auf das 7. Jahrhundert während der Tang-Dynastie zurückgehen, bildet einen erstaunlichen Ruhepol. Die traditionellen Holzpavillons und geschwungenen Dächer des Tempels stehen in einem spektakulären Kontrast zu den direkt dahinter aufragenden Stahl- und Glasriesen der Moderne. Während draußen das geschäftige Stadtleben tobt, beobachten Besucher im Inneren die gläubigen Menschen bei ihren spirituellen Riten und genießen eine fast meditative Pause. Mit diesen Eindrücken im Gepäck breche ich schließlich zum Bahnhof auf, um die kurze Zugfahrt nach Leshan anzutreten, wo die bürokratische Verlängerung meiner visafreien Aufenthaltsgenehmigung ansteht.もっと詳しく
Abschied vom Hochland im Schnelldurchlauf
9月17日〜18日, 中国
☁️ 15 °C
Nach der Pause in Langmusi beginnt der Tag bei bestem Wetter mit einem entspannten Anstieg in einer imposanten Bergkulisse. Um die verkehrsreiche Hauptstraße zu meiden, biege ich bewusst auf eine schmalere Ausweichroute ab, die zwar länger und anstrengender ist, aber mich dafür quer durch das weite Zoige-Feuchtgebiet entlang des Hui He führt, das zu den größten Hochmooren der Welt zählt. Während die Silhouetten der Berge am Horizont langsam zurückweichen, eröffnet sich eine schier unendliche Flusslandschaft, übersät von zahllosen Nomadenzelten und einer unglaublichen Menge zotteliger Yaks.
Mit der Zeit wandelt sich der Asphalt in immer schmalere Wege und schließlich in feuchten Schotter, der durch die anhaltende Regensaison an vielen Stellen nur noch aus riesigen Pfützen besteht.
Als sich am späten Nachmittag der Himmel bedrohlich dunkel zuzieht, möchte ich nach knapp 100 Kilometern im Sattel unbedingt noch eine letzte Nacht im Zelt auf dem tibetischen Plateau verbringen. Die Suche gestaltet sich jedoch schwierig, da fast alle Wiesen entlang der Strecke durch Zäune abgesperrt sind.
An einem Hof am Straßenrand frage ich die Tochter einer Hirtenfamilie, ob ich mein Zelt in der Nähe aufschlagen darf, werde nach einem kurzen Anruf bei ihren Eltern jedoch überraschend abgewiesen. Wenige Kilometer weiter finde ich glücklicherweise doch noch eine Weide ohne Zaun direkt am Hui He. Kaum steht das Zelt und das Abendessen ist verzehrt, bricht eine extrem feuchte Nacht herein, in der der Regen pausenlos auf das Zelt prasselt.
Als ich am nächsten Morgen in den tief hängenden Wolken aufwache, reift der endgültige Entschluss zur Planänderung. Die Aussicht auf weitere Tage mit klammer Kälte und Regen macht mir die Entscheidung leicht, das Plateau früher als geplant zu verlassen. Dazu kommt der Blick auf den Kalender, denn weil vor den arbeitsfreien Feiertagen der Goldenen Woche noch die bürokratische Verlängerung meines visafreien Aufenthalts ansteht, beschließe ich, auf direktem Weg in das über 3.000 Meter tiefer gelegene und deutlich wärmere Chengdu zu reisen.
Ich rolle die letzten Kilometer bis ins nahe Zoige, wo der morgendliche Bus nach Chengdu allerdings bereits abgefahren ist. Spontan organisiere ich mir Stift und Pappe, lasse mir von Einheimischen das Ziel in chinesischen Zeichen aufschreiben und versuche mein Glück per Anhalter an der Ausfallstraße. Nach knapp 45 erfolglosen Minuten hält derselbe Taxifahrer, der mich am Busbahnhof schon angesprochen hatte, erneut an und nimmt mich schließlich zum halben Preis mit nach Songpan.
Diese ungeplante Taxifahrt erweist sich als Glücksfall, denn so erhalte ich die Gelegenheit, die historische Festungsstadt Songpan zu erkunden, was mir mit der direkten Busverbindung nicht möglich gewesen wäre. Die Stadt war jahrhundertelang ein bedeutender Handelsplatz der alten Tee-Pferde-Straße zwischen Tibet und China. Die mächtigen Tore der beeindruckenden Stadtmauer aus der Ming-Dynastie bilden einen spektakulären Rahmen für die liebevoll restaurierte, wenn auch stark von chinesischen Reisegruppen frequentierte Altstadt.
Für die finale Etappenreise nach Chengdu fällt die Wahl trotz früherer Strapazen erneut auf den Hochgeschwindigkeitszug. Im örtlichen Schreibwarenladen organisiere ich mir Klebeband sowie alte Kartons und verpasse damit dem zerlegten Fahrrad direkt am Bahnhof eine maßgeschneiderte Schutzhülle aus Pappe. Das provisorische Konstrukt passiert die strengen Sicherheitskontrollen problemlos und wenig später geht es in rasender Fahrt durch unzählige Tunnel hinab in die tropisch-schwüle Riesenmetropole Chengdu.もっと詳しく
Durch die endlosen Weiden des tibetischen Plateaus
9月13日〜17日, 中国
☁️ 15 °C
Nach dem verregneten Pausentag in Tongren geht es endlich richtig hinauf auf das tibetische Plateau. Der erste Tag fordert mich direkt heraus, denn ein ewig langer, wenn auch nicht allzu steiler Anstieg schraubt mich bis auf knapp über 3.700 Meter Höhe hinauf und beschert mir die bisher meisten Höhenmeter an einem einzigen Tag. Der lange Anstieg lässt sich erstaunlich gut fahren und führt rasch in eine völlig neue Landschaftsform.
Auf den Höhen zwischen 3.000 und 4.000 Metern wiederholt sich in den folgenden Tagen das majestätische Panorama des Plateaus. Endlose, sanft geschwungene grüne Hügel erstrecken sich bis zum Horizont, komplett baumlos und übersät mit unzähligen Nutztieren. Vor allem die zotteligen Yaks mit ihren mächtigen Hörnern dominieren das Bild, meist in Schwarz, manchmal aber auch in überraschend hellen Schattierungen. Dazwischen stehen immer wieder die einfachen Zelte der Nomaden, die hier oben ihre Sommerlager aufschlagen und einen unaufgeregten, traditionellen Alltag fernab der Moderne leben.
Die endlose Weite erinnert mich stark an das Hochplateau in Tadschikistan, auch wenn das Landschaftsbild ein völlig anderes ist. Während dort karge Felsen, Geröll und staubige Erdtöne die Einsamkeit prägten, erstreckt sich hier ein schier unendliches Meer aus dichtem Grün. Und doch ist die Wirkung auf dem Rad ganz ähnlich. Eine faszinierende, aber auch monotone Gleichförmigkeit, in der die Zeit unter dem riesigen Himmel langsam zu verstreichen scheint.
Das Wetter zeigt sich zwiespältig, denn tagsüber bleibt es bei einer kühlen Übergangstemperatur meist trocken mit Wolken und gelegentlicher Sonne. Durch die körperliche Anstrengung komme ich an den Anstiegen rasch ins Schwitzen, woraufhin die feuchte Kleidung im Fahrtwind nicht mehr richtig trocknet, was ein nasskaltes und unangenehmes Gefühl hinterlässt. Der Regen setzt glücklicherweise meist erst am späten Nachmittag oder nachts ein.
Das Umschlagen des Wetters am späten Nachmittag ist auch einer der Gründe, warum ich mich auf diesen Etappen wiederholt für ein Hotel und gegen das Wildcampen entscheide. Auf dem Plateau wäre das Zelten durch die schiere Weite zwar theoretisch möglich, allerdings verlaufen rechts und links der Straßen oft kilometerlange Zäune, die das Verlassen der Fahrbahn fast unmöglich machen. Dazu kommt, dass die Hotelpreise in China derart günstig sind, dass die Entscheidung für ein trockenes Bett am Abend extrem leichtfällt.
Während die ersten beiden Etappen über ruhige, schmale Landstraßen und Betonpisten durch die Einsamkeit führen, wird der letzte Abschnitt nach Langmusi mental extrem zäh. Die monoton wirkende Landschaft unter grauem Himmel, spürbarer Gegenwind und der dichte Lkw-Verkehr auf der Hauptstraße machen das Vorankommen mühsam. In China wird ununterbrochen gehupt, meist als gut gemeinter Hinweis oder Gruß, doch als Radfahrer schrickt man neben den massiven Lastern jedes Mal aufs Neue zusammen.
Erst kurz vor Langmusi wandelt sich das Landschaftsbild spürbar, denn aus den weichen Hügelformationen ragen plötzlich schroffe, markante Felsspitzen empor. Rötliche Sandsteinfelsen und graue Granitgipfel stehen im Kontrast zu kleinen Nadelwäldern, während dichte Wolken tief zwischen den Bergen hängen und dem Tal eine fast mystische Atmosphäre verleihen.
In Langmusi angekommen, erreiche ich ein kleines Bergdorf mit einer geografischen Besonderheit, da ein kleiner Bach mitten durch den Ort die Provinzgrenze zwischen Gansu und Sichuan markiert. Auf der Gansu-Seite besuche ich das Sertri-Kloster, ein 1748 gegründetes Zentrum der Gelbmützen-Sekte. Zwischen den imposanten Hallen bietet sich mir eine vertraute Kulisse aus tiefroten Mönchskutten, bunten Wandmalereien und Gebetsmühlen. Anders als in den Klöstern zuvor wird hier jedoch zum ersten Mal Eintritt verlangt und auch das Straßenbild zeigt ein neues Gesicht. Der Tourismus dominiert den Ort vollständig, Reisebusse schieben sich durch die Gassen und Hotels reihen sich aneinander. Das geschäftige Treiben nimmt dem Bergdorf ein Stück seiner ursprünglichen Ruhe, lässt die felsige Kulisse dahinter aber nicht weniger eindrucksvoll wirken.もっと詳しく
Das Zentrum der tibetischen Sakralkunst
9月10日〜12日, 中国
☁️ 15 °C
Endlich rollen die Reifen wieder und der Weg hinaus aus Xining verläuft überraschend entspannt. Sobald ich das dicht besiedelte Tal des Huang Shui verlasse, schwenkt die Straße unmissverständlich nach Süden und schraubt sich stetig in die Höhe. Obwohl der lange Anstieg bis auf über 3.200 Meter Höhe bei kühl-feuchtem Herbstwetter ordentlich Kraft kostet, greift die vertraute Routine nach der zwölftägigen Pause erstaunlich schnell wieder.
Auf dem Weg nach oben kehre ich in ein kleines Straßenrestaurant ein, wo mich der Besitzer und seine Familie neugierig empfangen und mir am Ende die Bezahlung strikt verweigern. Stattdessen geben sie mir noch verschiedene Getränke für die Weiterfahrt mit.
Eine eiskalte Abfahrt bringt mich schließlich hinunter zum Huang He (Gelber Fluss), an dessen Ufer ich mein erstes Nachtlager in China aufschlage. Auch wenn das Zelt nicht völlig versteckt steht und von einigen Anwohnern bemerkt wird, verläuft die Nacht absolut friedlich und nimmt mir die anfänglichen Bedenken zum Thema Wildcamping.
Am nächsten Morgen folge ich dem Huang He noch ein Stück und komme an ersten buddhistischen Heiligtümern am Straßenrand vorbei. Kurz darauf biege ich ins schmale Tal des Longwu He und weil die Straße wegen umfangreicher Bauarbeiten für den regulären Verkehr gesperrt ist, habe ich sie abgesehen von vereinzelten Baustellen-Lkw fast völlig für mich alleine.
Die Schlucht wird immer enger und dramatischer, während der Fluss direkt neben der Fahrbahn durch die Felsen rauscht. An deren Wänden tauchen immer wieder farbenfrohe buddhistische Wandgemälde und Schriften auf, die der Landschaft eine einzigartige Atmosphäre verleihen.
Mein Tagesziel ist die Stadt Tongren (auf Tibetisch Rebkong), wo mich anhaltender Dauerregen zu einem spontanen Pausentag zwingt. Das erweist sich jedoch als absoluter Glücksfall, denn der Ort gilt als das kulturelle Zentrum der tibetischen Sakralkunst. Dass ich hier in einer ganz anderen Kulturregion angekommen bin, zeigt sich sofort im Stadtbild. Auf den Straßen- und Ladenschildern sowie Restaurantmenüs stehen die geschwungenen tibetischen Schriftzeichen nun gleichberechtigt neben den chinesischen Schriftzeichen.
Ich beginne meine Erkundung im Ortsteil Wutun mit dem Oberen und Unteren Kloster, deren Ursprünge auf das späte 14. Jahrhundert zurückgehen. Die Anlagen gehören zur Gelbmützen-Sekte des tibetischen Buddhismus und beherbergen heute jeweils etwa 150 aktive Mönche. Überall bieten sich eindrucksvolle Bilder. Mönche in ihren leuchtend roten Kutten schreiten durch die Höfe, vergoldete Dächer und Statuen glänzen im Licht und Gläubige ziehen bedächtig an den langen Reihen von Gebetsmühlen vorbei.
Gleich neben den Klöstern schaue ich in einer der Werkstätten den Künstlern der Thangka-Malerei über die Schulter. Thangkas sind rollbare, nach strengen ikonografischen Regeln gezeichnete Meditationsbilder auf Leinwand oder Seide.
Um die Hintergründe dieser Tradition besser zu verstehen, besuche ich in Tongren das Museum der Regong-Kunst, das mir einen umfassenden Einblick in diese von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannte Kunstform bietet. Im Vergleich zu den monotheistischen Religionen wie dem Christentum oder Islam wirkt der tibetische Buddhismus mit seiner verzweigten Götterwelt aus friedvollen und zornvollen Schutzgottheiten, historischen Meistern und symbolischen Manifestationen immens vielschichtig und fast unfassbar komplex.
Das Museum schafft es trotzdem mir einen groben Überblick über die Grundprinzipien und die verschiedenen religiösen Kunstformen zu geben.
Zur Mittagszeit kehre ich in ein tibetisches Restaurant auf der gegenüberliegenden Flussseite ein, genieße dort traditionelle Spezialitäten und nutze den fantastischen Weitblick hinüber auf das gewaltige Longwu Kloster. Es wurde 1301 gegründet, ist ebenfalls ein Hauptzentrum der Gelbmützenschule und beherbergt heute bis zu 800 Mönche.
Als ich den Komplex anschließend aus der Nähe erkunde, wird die Dimension erst richtig greifbar. Longwu ist keine einzelne Tempelanlage, sondern gleicht einer eigenen Klosterstadt, in der sich mächtige Gebetshallen, Studienakademien und ein dichtes Labyrinth aus Wohnquartieren für die Mönche abgestuft über den Berg erstrecken.もっと詳しく
Angekommen im Herzen Chinas
9月7日〜10日, 中国
🌧 16 °C
Der Morgen meines Aufbruchs aus Ürümqi stellt meine Nerven auf eine harte Probe. Um den Transfer stressfrei zu gestalten, verpacke ich das Fahrrad bereits am Hotel transportfertig, doch das geht nach hinten los. Ein normales Taxi fasst das Paket nicht und Großraumtaxis sind um 6 Uhr morgens unauffindbar. Also fährt der Zug um 7 Uhr ohne mich ab.
Ich kaufe mir ein neues Ticket für den nächsten Zug eine Stunde später, baue das Rad wieder zusammen und fahre die 11 Kilometer zum Bahnhof selbst. Ich bin eigentlich früh genug da, aber diesmal scheitert es an der Akribie der Sicherheitskontrolle. Es ist zwar knapp, aber das Gate schließt auf die Sekunde genau und auch Zug Nummer zwei ist weg.
Um kurz vor acht stehe ich ziemlich genervt in dieser gigantischen Bahnhofshalle, die in ihren Ausmaßen eher einem internationalen Flughafen gleicht. Es hilft alles nichts, das dritte Ticket muss her und diesmal bleibt nur noch der doppelt so teure Highspeed-Zug. Am Ende erweist sich dieses unfreiwillige Upgrade als Glücksfall. Der Zug schießt in nicht einmal zehn Stunden über die knapp 1.600 Kilometer lange Strecke nach Xining in der Provinz Qinghai. Aber selbst mit drei gelösten Tickets bleibt das Ganze im Vergleich zu europäischen Bahnpreisen erstaunlich erschwinglich.
Auch meine Sorge wegen des sperrigen Radpakets im modernen Schnellzug löst sich dank des äußerst hilfsbereiten Zugpersonals rasch in Luft auf.
In Xining angekommen, fühlt sich die Stadt nach dem gewaltigen Ürümqi fast intim an, obwohl hier immer noch rund 2,5 Millionen Menschen leben, während Ürümqi über 4 Millionen zählt. Das Wetter zeigt sich kühl und regnerisch und das bestätigt mich nocheinmal in meiner Entscheidung, die Flachlandpassage bis hierher im Eiltempo überbrückt zu haben. Auf über 2.200 Metern Höhe hat der Herbst längst Einzug gehalten.
Ich nutze die trockenen Momente zur Erkundung der Stadt und so steige ich im Nanshan Gongyuan (Südberg Park) zu den Tempelanlagen hinauf. Die historischen Bauten, deren Wurzeln bis in die Song-Dynastie zurückreichen, vereinen Elemente des chinesischen und tibetischen Buddhismus.
Hier oben bietet bei sich ein fantastischer Ausblick auf die Stadt, die sich sanft in die umliegenden Täler schmiegt.
Ein Nachmittag im Kino bei The Odyssey auf Englisch sorgt für etwas Abwechslung, ehe mich das Straßenleben wieder anzieht.
Besonders der Xia Nanguan Straßenmarkt fasziniert mich. Anders als reine Nachtmärkte herrscht hier von morgens bis spät in die Nacht reges Treiben. Wenn abends die Lichter angehen, drängen sich die Menschen an den unzähligen winzigen Garküchen. Der Duft von frischem Fladenbrot, Lammspießen und dampfenden Nudeln liegt in der Luft und bei der großen Auswahl fällt die Entscheidung schwer.
Mitten im selben Viertel steht die Dongguan Moschee. Sie stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert und fällt durch ihren Architekturmix auf. Statt klassisch orientalischer Kuppelbauten dominiert hier eine meisterhafte Verschmelzung aus chinesischer Pagodenarchitektur und islamischen Stilelementen. Die geschwungenen Ziegeldächer und filigranen Holzarbeiten der Gebetshallen wirken wie ein fernöstlicher Palast.
Diese ungewöhnliche Architektur spiegelt die Seele Xinings wider, denn die Stadt ist ein faszinierender kultureller Schmelztiegel. Hier leben Han-Chinesen, muslimische Hui, Tibeter und Mongolen direkt nebeneinander.
Bevor es endlich wieder auf zwei Rädern weitergeht, steht ein Großeinkauf an. In einem gigantischen Supermarkt verliere ich fast die Orientierung vor den endlosen Regalreihen voller unbekannter Lebensmittel. Dank der geduldigen Hilfe der Angestellten decke ich mich mit allem Nötigen ein. Auch ein neues Messer wandert in die Tasche, als Ersatz für das Exemplar, das mir die Sicherheitskontrolle am Bahnhof kompromisslos abgenommen hatte.
Nach 8.000 im Sattel zurückgelegten Kilometern Richtung Osten dreht sich mein Kompass in Xining nun nach Süden und von hier aus mache ich mich nauf den Weg hinauf zum tibetischen Plateau.もっと詳しく
Der große Schnitt
9月3日〜7日, 中国
⛅ 21 °C
In Almaty steige ich in einen weiteren Fernbus und die Fahrt durch die kasachische Steppe verläuft überraschend entspannt. Mein Fahrrad hat im Gepäckraum reichlich Platz und die Ausreise ist schnell erledigt.
An der chinesischen Grenzkontrolle erwartet mich dann ein komplett anderes Bild. Die Uhren springen auf einen Schlag um drei Stunden vor auf Peking Zeit und Kamerasysteme sind aufeinmal omnipräsent. Die Grenzbeamten geben Anweisungen mit militärischer Präzision, erweisen sich beim Umgang mit dem Rad aber als erstaunlich hilfsbereit. Als nach einigen Fragen und der Erfassung der Fingerabdrücke der Stempel endlich in meinem Pass landet, fällt bei mir die Anspannung spürbar ab. Damit habe ich es in das 15. Land der Reise geschafft.
Weiter geht es im selben Bus nach Yining, der ersten größeren Stadt hinter der Grenze. Da der anschließende Zug nach Ürümqi erst spät am Abend geht, bleiben mir ein paar Stunden Zeit, um mich planlos mit dem Fahrrad durch die Stadt treiben zu lassen.
Die mittlerweile gewohnten kyrillischen Buchstaben sind hier komplett verschwunden. Stattdessen dominiert ein Meer aus chinesischen Schriftzeichen, die wie kleine Bildchen wirken und keinerlei Orientierung bieten. Es riecht überall nach leckerem Essen, rote Lampions hängen über den Straßen und erste Pagodendächer tauchen auf.
In einer schönen, weitläufigen Fußgängerzone bringt mir eine dampfende Nudelpfanne auf einem flachen Hocker die erste kulinarische Erfahrung. Keine Minute später sitzen bereits Einheimische mit an meinem Tisch und begrüßen mich herzlich in ihrem Land und ihrer Stadt.
Die echte Zerreißprobe wartet allerdings am Bahnhof von Yining. Mein Fahrrad muss teilweise zerlegt und in Plastikfolie eingewickelt werden, um überhaupt in den Bahnhof hinein zu kommen. Die anschließende Sicherheitskontrolle stellt fast alles in den Schatten, was ich bisher auf Reisen erlebt habe. Meine Taschen werden komplett durchleuchtet und zum Großteil ausgepackt, jede Flüssigkeit wird genauestens kontrolliert und mein treues Opinel Klappmesser wird eingezogen.
Erst als das verpackte Rad im Zug sicher verstaut ist, komme ich zur Ruhe und die Nachtfahrt im Schlafwagen verläuft erstaunlich friedlich und erholsam.
Als am nächsten Morgen am Bahnhof von Ürümqi die Sonne hinter den glänzenden Hochhäusern aufgeht, durchströmt mich ein tiefes Gefühl von Glück und Dankbarkeit. In diesem Moment wird mir das Ausmaß dieses Neuanfangs erst richtig bewusst. Ich glaube, im Reiseleben hat man nur selten diese Möglichkeit, eine so seltene Intensität an Veränderung zu verspüren. Wenn man die Welt erkundet, gibt es kaum Momente, in denen der Schnitt so hart, so neu und so unbekannt ist.
Der Sprung hierher nach China ist für mich noch einmal gewaltiger als meine Ankunft in der Türkei oder in Zentralasien. Er erinnert mich an meine allererste Reise außerhalb Europas, als ich damals in Rio de Janeiro landete und auch in eine völlig neue Welt eingetaucht bin.
Doch heute nehme ich es ganz anders wahr. Damals hat mich das Fremde fast unkontrolliert überrollt, doch heute bin ich durch meine Reiseerfahrungen geschult und gewachsen und kann diese tiefgreifende Veränderung mit einer geschärften Perspektive, viel mehr Achtsamkeit und tiefer innerer Zufriedenheit genießen.
Das Eintauchen in Ürümqi beginnt kulinarisch in einem kleinen Viertel gleich am Bahnhof. In einer kleinen Frühstücksstube dampfen frische Baozi, gefüllte Teigtaschen und dazu gibt es warmen Milchtee zu unglaublich günstigen Preisen. Mit gestärktem Magen geht die erste Fahrt mit dem Fahrrad durch die Schluchten dieser Metropole. Der Verkehr ist dicht und fordernd, ganz anders als im kleineren Yining, aber der Zustand der Straßen und Gehwege ist auffallend gut. Dazu kommt eine Sauberkeit, die sprachlos macht. Schon in den frühen Morgenstunden ziehen große Reinigungs-Kolonnen mit ihren Besen durch die Straßen und fegen wirklich jedes Blatt weg.
Auch die Anpassung an das digitale Ökosystem der Stadt verläuft komplett reibungslos. Die Mühe der Vorbereitung zahlt sich auf Anhieb aus, denn Bargeld spielt hier praktisch keine Rolle mehr. Egal ob für die Fahrkarte im öffentlichen Nahverkehr, beim Straßenhändler für einen schnellen Snack oder im Restaurant. Überall genügt ein kurzer Scan des QR Codes mit dem Smartphone. Im Restaurant scannt man den Code am Tisch, wählt das Essen aus der digitalen Speisekarte, bezahlt direkt per verknüpfter App und wenige Minuten später steht das Essen dampfend auf dem Tisch. Das fühlt sich extrem flüssig an und macht den Alltag überraschend unkompliziert. Selbst beim Check in im Hotel gibt es keine Hürden, auch wenn die behördliche Registrierung von ausländischen Gästen in abgelegeneren Regionen oft als kompliziert gilt.
Ein Besuch im Xinjiang Museum bringt mir die nötige kulturelle Einordnung für all diese Eindrücke. Der riesige, moderne Bau kostet keinen Eintritt und bietet erfreulicherweise auch einige Beschreibungen auf Englisch. Die Ausstellungen führen tief in die Geschichte der alten Seidenstraße und beleuchten die Vielfalt der autonomen Region. Besonders die ethnologischen Räume zeigen eindrucksvoll die Kultur der Uiguren, jener turksprachigen und muslimisch geprägten Volksgruppe, die historisch eng mit Zentralasien verbunden ist. Genau das erklärt auch, warum sich viele Gerichte auf den Straßen so vertraut anfühlen.
Ein starker Kontrast dazu offenbart sich beim Besuch des Internationalen Großen Basars. Architektonisch mit imposanten Kuppeln, einer Moschee und einem knapp achtzig Meter hohen Minarett Turm gestaltet, erinnert die Anlage äußerlich an das Erbe der Seidenstraße. Tatsächlich fühlt sich der Komplex jedoch an wie ein durchgestyltes Freilichtmuseum für Touristen aus dem chinesischen Kernland. Alles ist extrem durchkommerzialisiert, eingebettet in moderne Malls und voller Verkaufsstände. Es ist belebt und bunt, aber die echte uigurische Alltagsseele sucht man zwischen den Souvenirs vergebens.
Die wirklich faszinierenden Orte der Stadt offenbaren sich mir in den sehr schön angelegten Parks. Der Hongshan Gongyuan (Roter Berg Park) thront prominent über der Stadt und überrascht mich mit seiner ruhigen Atmosphäre mitten im Trubel des Zentrums. Während oben die historische Ziegelpagode von 1788 steht, beeindruckt im nördlichen Teil ein traditioneller Tempelkomplex. Es ist meine erste direkte Begegnung mit dem Buddhismus und Taoismus auf dieser Reise. Die bunten Holzdächer, die leuchtend roten Laternen und die kunstvollen Statuen wirken hier absolut authentisch und fügen sich harmonisch in die grüne Parklandschaft ein. Direkt gegenüber wartet mit einer der neusten Malls der Stadt der Gegenpol. Hier trifft futuristische Architektur auf technologische Spielereien, die bis zu vollautomatisierten, beheizten Toiletten im Design Badezimmer reichen.
Noch eindrücklicher ist der Ausflug ins etwas außerhalb gelegene Shuimogou Jingqu (Mühlgraben Schlucht Landschaftsgebiet). Entlang eines plätschernden Baches führen Spazierwege vorbei an historischen Mühlrädern und traditionellen Teehäusern. Auf einem Berg mitten im Park erhebt sich der mächtige Qingquan Si (Tempel der Klaren Quelle). Als größter han chinesischer Tempelkomplex in ganz Xinjiang strahlt er mit seinen tiefroten Toren und geschwungenen Dächern eine tiefe spirituelle Ruhe aus. Hier habe ich das Glück, auf eine Englisch sprechende Mitarbeiterin zu treffen, die mir einen kurzen Einblick in die Religiösen Figuren geben kann.
Den tollen Abschluss bildet schließlich der Sonntagabend im Renmin Gongyuan (Volkspark). Hier pulsiert das echte chinesische Gemeinschaftsleben unter riesigen alten Bäumen. In einem reich verzierten Holzpavillon spielen zwei Gruppen gleichzeitig auf traditionellen Instrumenten und werden von verschiedenen Sängern begleitet. Die exotischen Klänge hallen durch die Alleen, während Passanten völlig ungezwungen dazu tanzen. Nur wenige Meter weiter hat sich eine riesige Aerobic Gruppe auf einem befestigten Platz versammelt und gleich daneben trifft man sich zum Paartanz. Für Kinder gibt es dazwischen kleine Fahrgeschäfte wie auf einem Miniatur Jahrmarkt. Es ist ein faszinierendes, überaus friedliches Miteinander im öffentlichen Raum.
Was ursprünglich eher als eine Transit Etappe geplant war, hat sich zu deutlich mehr entwickelt. Ürümqi hat mich überrascht, gefordert und tief beeindruckt.もっと詳しく
Per Abkürzung nach Almaty
8月29日〜9月3日, カザフスタン
⛅ 23 °C
Der Abschied vom ruhigen Ufer des Yssyk Köl beginnt mit einer kleinen organisatorischen Herausforderung, denn Großbusse verkehren hier nicht, sondern nur vollgepackte Sprinter. Ein Reiserad inklusive kompletter Ausrüstung in einem dieser Kleinbusse unterzubringen, erfordert etwas Geduld. Nach einigem Suchen finde ich einen Fahrer, dessen Gepäckraum so umgebaut ist, dass das Rad nach der Demontage von Vorderrad und Pedalen halb unter die Sitzbänke geschoben werden kann. Schon auf den ersten Kilometern der Strecke wird mir klar, dass die Entscheidung gegen den Sattel richtig war. Der dichte Verkehr und die unruhigen Ausfallstraßen bieten kaum Reiz für eine Radetappe.
Am Rande von Bischkek steige ich frühzeitig aus, um die verbleibende Distanz zum Busbahnhof auf zwei Rädern zu überbrücken. Der geplante Bus um 14 Uhr ist bereits ausgebucht, sodass fünf Stunden Wartezeit entstehen, die ich in einem kleinen Café direkt am Terminal entspannt überbrücke. Um 18 Uhr geht es schließlich im Fernbus weiter Richtung Norden.
Der Grenzübertritt nach Kasachstan, dem 14. Land der Reise, folgt kurz darauf. Das Prozedere erfordert erneut Körpereinsatz, denn das gesamte Gepäck muss aus dem Bus geladen und das Rad soweit fahrbereit gemacht werden, dass es sich durch die Kontrollgebäude schieben lässt. Nach den Abfertigungen auf kirgisischer und kasachischer Seite wird alles wieder im Bus verstaut. Durch die Verzögerungen an der Grenze erreicht der Bus das Ziel erst tief in der Nacht.
Die verbleibenden zehn Kilometer vom Busbahnhof zu meiner Unterkunft quer durch das nächtliche Almaty werden zu einem unverhofften Highlight. Ähnlich wie bei meiner nächtlichen Ankunft im georgischen Batumi eröffnet die Dunkelheit einen völlig eigenen Blick auf die Stadt. Almaty präsentiert sich überraschend modern, aufgeräumt und extrem lebendig. Beleuchtete Fußgängerzonen, belebte Straßen und breite, baulich getrennte Radwege machen die Fahrt im späten Stadtverkehr erstaunlich entspannt.
Die folgenden Tage in Almaty stehen ganz im Zeichen der Erholung und der Vorbereitung. Die Stadt lädt weniger zu klassischem Sightseeing ein, als vielmehr zum treiben Lassen. Im schattigen Panfilow-Park ragt die farbenfrohe Zenkov-Kathedrale auf, eine der weltweit größten Holzkirchen, die komplett ohne eiserne Nägel errichtet wurde. Die weitläufigen Parkanlagen mit ihren Seen bieten ruhige Orte zum Spazierengehen, während der Grüne Basar mit seinen Düften und frischen Zutaten ideal ist, um selbst zu kochen und die Vorräte aufzufüllen.
Einen großen Teil der Zeit nimmt jedoch die organisatorische Vorbereitung auf den bevorstehenden Grenzübertritt nach China ein. Kein Land der bisherigen Reise erfordert im Vorfeld so viel digitale Umstellung. Neue Bezahlsysteme müssen auf dem Smartphone eingerichtet, spezielle Apps installiert und Zugänge konfiguriert werden. Es wird spürbar, dass mit dem Schritt über die nächste Grenze eine völlig neue Welt auf mich wartet. Wie tiefgreifend dieser System- und Kulturwechsel tatsächlich werden würde, ahne ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.もっと詳しく
Vom Herzen des Nomadenlandes ans kirgisische Meer
8月26日〜28日, キルギスタン
⛅ 18 °C
Bevor ich den rund 20 Kilometer langen Schotteranstieg hinauf zum Son Köl beginne, greife ich zu einem mittlerweile bewährten Handgriff und reduziere den Reifendruck um etwa zwei Bar, denn das bringt auf dem losen Untergrund sofort mehr Grip und Dämpfung. Zunächst führt der Weg sanft ansteigend durch eine spätsommerlich gelbe Steppenlandschaft, bevor er in ein saftig grünes Tal mündet. Es geht entlang eines klaren Gebirgsbach, der mir unterwegs mehrfach Erfrischung spendet.
Hier treffe ich bereits nach wenigen Kilometern auf den ebenfalls allein reisenden Italiener Eduardo, der bestens Deutsch spricht und gemeinsam nehmen wir den permanent ansteigenden Weg in Angriff.
Auf den ersten Kilometern verfliegt die Zeit im Gespräch, doch auf den letzten fünf Kilometern zieht die Steigung extrem an. Passagen mit 15 bis 20 Prozent verlangen alles ab und zwingdn uns immer wieder zum Schieben.
Auf über 3.250 Metern erreichen wir schließlich den Shibili-Pass. Bei einer gemeinsamen Mittagspause öffnet sich vor uns das gewaltige Plateau des Son Köl, das auf gut 3.000 Metern Höhe liegt.
Die Landschaft strahlt eine absolute Leere und Ruhe aus. Diese riesigen Sommerweiden werden im Kirgisischen als Jailoo bezeichnet und von Juni bis September ziehen die Hirtenfamilien traditionell mit ihren Herden auf das Hochland. In den Sommermonaten werden schätzungsweise bis zu 150.000 Nutztiere wie Pferde, Schafe, Ziegen, Rinder und Yaks auf die Hochweiden rund um den See getrieben.
Die anschließende Abfahrt Richtung See gibt ein tiefes Gefühl von Freiheit. Abseits fester Straßen geht es über kaum sichtbare Spuren quer durch die Wiesen direkt auf das Wasser zu und überall tauchen am Horizont weiße Jurten auf. Am Ufer finden wir nahe einer Quelle einen perfekten Zeltplatz hinter einem der Jurten-Camps. Auch wenn die Zeltansammlungen für Touristen in den letzten Jahren zugenommen haben, fügen sie sich optisch gut in die Landschaft ein und die Atmosphäre bleibt absolut friedlich. Die Nacht hier oben wird mit leichtem Frost sogar noch einmal spürbar kühler als im Pamirgebirge.
Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege wieder, denn Eduardo folgt einer anderen Route. Ich setzte meinen Weg entlang des Südufers nach Osten fort und das ständige Auf und Ab über holprigen Schotter kostet noch einmal viel Kraft.
Ein echtes Highlight auf dem Weg hinab vom Hochplateau bildet die serpentinenreiche Abfahrt über den Terskey-Torpok-Pass. Die 33 engen Kurven schängeln sich steil nach unten, sind jedoch extrem zerfahren und voll losem Geröll, was ständiges und kraftraubendes Bremsen erfordert. Weiter unten entschädigt die Fahrt entlang des Flusses Son Köl, der eingerahmt von Nadelwäldern durch das Tal fließt.
Nach einem weiteren kräftezehrenden Aufstieg und einer deutlich angenehmeren Abfahrt erreiche ich schließlich wieder den Asphalt der Schnellstraße.
Müde von den Anstrengungen der Schotterpisten schlage ich mein Lager in einem idyllischen Seitental abseits der Hauptstraße auf, wo nur das Rauschen eines Baches zu hören ist. Der Folgetag bringt eine lange Abfahrt bis nach Kochkor, wo mir ein ausgiebiges Mittagessen neue Energie schenkt. Der restliche Weg bis an das Westufer des Yssyk Köl zieht sich bei leichtem Gegenwind flach dahin.
Am späten Nachmittag erreiche ich über abgelegene Schotterwege durch ein Feuchtgebiet ein einsames Uferstück am größten See des Landes. Der Blick über das leicht salzige Wasser reicht nach Osten bis an den Horizont und erweckt das Gefühl, an einem kleinen Meer zu stehen, während am Nord- und Südufer schneebedeckte Gipfel aufragen. Trotz der späten Stunde tut ein Bad im angenehm warmen Flachwasser richtig gut.
An diesem friedlichen Abend reift der Entschluss, meine Etappe in Kirgistan genau hier auf dem Höhepunkt zu beenden und tags darauf bequem per Bus nach Bischkek weiterzureisen.
Gleichzeitig kommt hier der fünfte Monat der Radreise zum Abschluss. Sowohl in Sachen Fahrleistung, Anstrengung als auch Intensität bildet er den bisherigen Höhepunkt der Reise und er hat mir viel abverlangt und mich einiges gelehrt.もっと詳しく
Durch bunte Canyons und weite Flusslandschaften
8月22日〜26日, キルギスタン
⛅ 28 °C
Die Pause in Osch tut richtig gut, vor allem weil die Stadt so herrlich unaufgeregt ist. Statt Sightseeing steht bei mir reine Regeneration auf dem Programm, denn ich nutze die Zeit zum Entspannen und Kalorienauffüllen.
In einem Café treffe ich mich außerdem mit Laurence und Phoebe, die etwas später in der Stadt eintreffen. Bei Kaffee und Kuchen lassen wir den Pamir Highway Revue passieren und tauschen unsere Eindrücke aus, was das vergangene Abenteuer sehr schön abrundet.
Um danach die verkehrsreiche Hauptstraße rund um das kirgisische Ösgön zu umgehen, wähle ich für die Weiterfahrt nach Norden einen kurzen Abstecher durch Usbekistan. Die doppelten Grenzformalitäten kosten zwar Zeit, belohnen mich aber mit ruhigen Straßen und ich spare mir zudem noch einige Kilometer.
Am Nachmittag erreiche ich wieder kirgisischen Boden. Als ich am Fluss Kök-Art an einer Quelle Wasser auffülle, lädt mich der freundliche Besitzer eines angrenzenden Gartengrundstücks ein, mein Zelt in seinem kleinen und mit Teppich ausgelegtem Pavillon aufzubauen, wodurch der Tag perfekt ausklingt.
Am nächsten Morgen dämpft der Blick auf das bevorstehende Höhenprofil meine Motivation gewaltig, denn vor mir liegen 40 Kilometer Anstieg und 1.700 Höhenmeter hinauf zum Kök-Art-Pass. Kurzerhand entscheide ich mich fürs Trampen und werde dabei wieder von der Freundlichkeit der Kirgisien überrascht. Die Fahrt verläuft in zwei Etappen per Pritschenwagen. Zuerst nehmen mich zwei ältere Herren ein Stück mit und als die Straße einsamer wird und ich mich bereits darauf einstelle, den Rest aus eigener Kraft zu bewältigen, hält ein Imker mit seinem Sohn. Bei seinen Bienenstöcken am Straßenrand legen wir einen kurzen Stopp ein und er schenkt mir spontan eine Literflasche frischen Gebirgshonig. Ein ordentliches Zusatzgewicht in den Packtaschen, aber extrem lecker. Obwohl seine Bienen eigentlich das Ziel waren, fährt er mich freundlicherweise noch die letzten Kilometer bis hoch zum Kök-Art-Tunnel auf rund 3.300 Metern Höhe.
Dort wartet eine weitere Überraschung. Der Sicherheitsmitarbeiter lässt mich nicht durch die verkehrsreiche Hauptröhre rollen, sondern lotst mich in den parallelen, etwa drei Meter breiten Wartungstunel. Komplett ohne Verkehr, gut beleuchtet, kühl und leicht feucht fahre ich entspannt bergab durch den Berg.
Auf der Nordseite schließt sich eine lange Abfahrt an, bis ich in Kasarman am mächtigen Fluss Naryn ankomme und mir einen geschützten Zeltplatz unter einer neu gebauten Brücke suche.
Der Folgetag bringt ein unverhofftes Wiedersehen. Am Morgen treffe ich am Straßenrand erneut auf Laurence und Phoebe, die eigentlich zwei Tage hinter mir lagen, aber ein Teilstück mit dem Taxi überbrückt haben. Da die Chemie und das Fahrtempo perfekt harmonieren, setzen wir die Reise gemeinsam fort. Entlang des Flusses Kökömeren geht es durch spektakuläre Landschaften. Das rote und orangefarbene Gestein, das mich seit der Grenze begleitet, prägt weiterhin die Schluchten und ist mit grünen, grauen sowie weißen Schichten durchsetzt. Die Straßen sind hier in hervorragendem Zustand und teilweise frisch von chinesischen Bauunternehmen asphaltiert, was ein schnelles Vorankommen erlaubt. Am Nachmittag finden wir einen Traumplatz am Ufer, kühlen uns im Fluss ab und teilen uns eine herrlich süße Wassermelone.
Gemeinsam folgen wir tags darauf dem Verlauf des Kökömeren und später dem Jumgal-Tal, zuerst durch eine enge Felslandschaft und danach durch weite Hochtäler. In Kuyruchuk trennen sich unsere Wege schließlich wieder, da sich die beiden für eine andere Route entscheiden.
Während der makellose Asphalt nun schlagartig in Schotter übergeht, schlage ich am Fuß des Anstiegs zum Son Köl mein Zelt alleine im Schatten einer Weide neben einem Bach auf. Der Untergrund kündigt es bereits an, denn morgen wartet die Auffahrt zu einem der bekanntesten Gebirgsseen des Landes.もっと詳しく
Das Pamir-Finale und die Ankunft in Kirgistan
8月16日〜18日, キルギスタン
⛅ 16 °C
Hinter dem Ak-Baital-Pass empfängt mich mit dem Karakul-See auf knapp 3.900 Metern Höhe das nächste Highlight. Der tiefblaue See liegt eingebettet in ein gigantisches Becken, fast lückenlos umrahmt von schneebedeckten Gipfeln.
Ich folge dem Ufer ein Stück, bevor ich das gleichnamige Dorf erreiche. Es dient als letzter Versorgungsposten auf tadschikischer Seite und in den kleinen Läden decke ich mich aus dem bescheidenen Sortiment mit Lebensmitteln ein. Außerdem nutze die seltene Gelegenheit, wieder Mobilfunkempfang zu haben. Auf den entlegenen Etappen gab es tagelang kein Netz, weshalb solche Orte sehr praktisch sind, um die nächsten Kilometer zu planen.
Nach der Pause im Dorf geht es weiter am See entlang und von dort direkt zum Uy-Buloq-Pass auf 4.232 Metern. Während sich der Anstieg auf festem Belag noch gut fahren lässt, schlägt das Wetter auf der Abfahrt um. Peitschender Gegenwind bläst mir auf der unbefestigten Piste entgegen und bremst mich bis ins Schneckentempo aus. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Tageskilometer hinter mir habe, ist ans Zelten in dieser unwirtlichen Steinwüste gar nicht zu denken. Der Wind brüllt ununterbrochen, zerrt an der Kleidung und wird zu einer echten Belastungsprobe. Also gibt es nur eine Option, nämlich weiterzukämpfen.
Der anschließende Aufstieg zum Kyzyl-Art-Pass auf 4.280 Metern schraubt die Härte noch einmal nach oben. Die Straße ist mies, die Steigung steil und der Wind bläst mir von oben gnadenlos entgegen. Wunderschöne, rote sowie vielfarbig gestreifte Berge mit schneebedeckten Gipfeln säumen den Weg, doch ich bin viel zu erschöpft, um das Panorama wirklich zu genießen. Häufig schiebe ich mein Rad nur noch Schritt für Schritt aufwärts.
Kurz vor der Passhöhe erreiche ich erschöpft den tadschikischen Grenzposten. Die Abwicklung verläuft überraschend entspannt für einen so rauen Ort mitten im Nirgendwo.
Auf der anderen Seite der Passhöhe lässt der Wind endlich nach und es wird langsam wieder etwas grüner. Durch das Tal rollend, muss ich kurz vor dem Etappenende noch barfuß durch einen eiskalten Gebirgsbach waten, ehe ich im Niemandsland zwischen den Staaten im letzten Tageslicht mein Zelt aufschlage.
Das war der mit Abstand härteste Tag der gesamten Reise.
Am nächsten Morgen rollen die Reifen schließlich hinab zur kirgisischen Grenze. Der Übertritt verläuft auch hier reibungslos und Kirgistan, das 13. Land auf meiner Reise, empfängt mich mit einer Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Das riesige Alai-Tal öffnet sich mit saftig grünen Wiesen, freilaufenden Pferden und vereinzelten Jurten. Beim Blick zurück ragen die Eisriesen des Pamir auf, allen voran der imposante Pik Lenin mit seinen 7.134 Metern Höhe.
In Sary-Tash treffe ich dann auf andere Radreisende, mit denen ich in den kleinen Läden die spürbar bessere Auswahl an Lebensmitteln feiere.
Geschwächt von den Vortagen habe ich erst etwas Respekt vor dem nächsten Anstieg, zumal der schwere LKW-Verkehr schlagartig zurückkehrt. Doch der Taldyk-Pass auf 3.615 Metern läuft flüssiger als befürchtet, auch weil mir die tiefere Lage wieder spürbar mehr Sauerstoff schenkt. Hier im Alai-Gebirge überschreite ich zudem die unsichtbare Grenze der Riesengebirge. Der Pamir liegt nun endgültig hinter mir, während die Abfahrt mich direkt in die Ausläufer des Tian Shan führt.
Auf dem langen Weg hinab belohne ich mich in einem einfachen Straßenrestaurant am Wegesrand mit einer deftigen Mahlzeit, ehe ich später in einer Gebäuderuine mein Zelt aufstelle.
Am folgenden Tag zieht sich der letzte Aufstieg auf dem Pamir Highway zum Chyiyrchyk-Pass auf 2.402 Metern noch einmal gewaltig und die Hitze lässt mich nach langer Zeit mal wieder ordentlich schwitzen.
Die finalen Kilometer hinab nach Osch werden schließlich zu einer Fahrt der gemischten Gefühle. Beim Einrollen in die Großstadt stellt sich eine schlagartige Leere ein, denn monatelang war das Pamirgebirge ein wichtiger Meilenstein der Reise und plötzlich ist es einfach vorbei.
Doch die Wehmut weicht schnell der Vorfreude auf das, was in Kirgistan noch kommt.
Wenn ich in Osch auf die vergangenen Wochen zurückblicke, wird mir klar, dass die Fahrt über den Pamir Highway das Herausforderndste und Anstrengendste war, was ich in meinem Leben je gemacht habe. Gleichzeitig fühlt sich rückblickend jede Kehre in der Türkei und jeder mühsame Pass im Kaukasus wie ein monatelanges Training für diesen Abschnitt an. Mein Körper war fit, ich konnte mich in den extremsten Momenten auf meine Physis verlassen und weiß jetzt genau, was ich leisten kann.もっと詳しく
Über karge Hochebenen zum Ak-Baital-Pass
8月12日〜15日, タジキスタン
⛅ 16 °C
Nach den ruhigen Tagen auf einsamen Schotterpisten erreiche ich bei Jelondy schließlich wieder die relativ verkehrsreiche M41. Die ersten Meter auf dem glatten Asphalt fühlen sich nach dem ständigen Gerumpel wie der reinste Luxus an, doch die Erleichterung währt nur kurz. Schon am Aufstieg zum Koitezek-Pass (4.270 Meter) verwandelt sich die Piste erneut in eine unbefestigte, staubige Angelegenheit.
Fortan bewegt sich die Route fast durchgehend auf einem Hochplateau um die 4.000 Meter Höhe und so wird jeder kleine Gegenanstieg in dieser dünnen Luft zu einer spürbaren Belastung.
Die Landschaft um mich herum offenbart dabei eine phänomenale Leere und Weite. In einiger Entfernung zur Straße ragen Bergketten auf, deren teils schneebedeckte Gipfel weit über 5.000 oder gar 6.000 Meter in den Himmel steigen. Obwohl das Auge tagelang nur karges Gestein sieht, verändert sich die Szenerie permanent. Mal wirken die Hänge sanft und gerundet, mal schroff und gezackt wie der Rücken eines schlafenden Drachen.
In Alichur, einer einfachen Ansammlung von Lehmhütten, kann ich nach drei Tagen endlich wieder Vorräte auffüllen. Zudem genieße ich in einem kleinen Restaurant ein heiße Suppe aus Yakfleisch und Kartoffeln. Jedoch ist das Angebot in den kleinen Läden extrem überschaubar. Das Brot ist oft schon alt und hart, frische Lebensmittel fehlen fast völlig.
Wenn das Essen über Tage hinweg nur aus fad schmeckenden Konserven besteht, schraubt man seine Ansprüche gezwungenermaßen drastisch herunter und es verkommt zur reinen Pflichtübung.
Dass diese scheinbar tote Steinwüste auch Überraschungen bereithält, zeigt sich zum ersten Mal kurz hinter Alichur. Völlig unerwartet taucht neben der Piste ein kleiner Teich auf, dessen kristallklares Wasser in wunderschönen Blautönen schimmert und sogar einige Fische enthält. Ich nutze die Gelegenheit, um hier meine Wasservorräte aufzufüllen. Generell erfordert die Wasserversorgung hier oben vorausschauende Planung, lässt sich durch Flüsse und Gebirgsbäche und mit dem Filter aber gut organisieren.
Eine weitere grüne Oase entdecke ich am Ende der Abfahrt Richtung Murghob. Plötzlich öffnet sich ein idyllisches Tal mit kleinen Bäumen und Büschen am Flussufer, in dem ich mein Nachtlager aufschlage. Den Zeltplatz muss ich mir allerdings mit einer überraschend aggressiven Mückenplage teilen, womit ich in dieser Höhe nicht gerechnet hätte.
Murghob präsentiert sich im Vergleich zu Alichur als geschäftiges Zentrum mitten in der Einöde. Auf dem dortigen Markt dienen alte Schiffscontainer als Verkaufsstände, in denen überraschend viele Waren angeboten werden. Ich nutze die Chance, um endlich wieder frisches Obst und Gemüse zu kaufen und Abwechslung in den Speiseplan zu bringen. Ein Ruhetag hier ist verlockend, doch ich entscheide mich dagegen. Um den bevorstehenden Riesenanstieg besser einzuteilen, fahre ich am Nachmittag noch ein Stück weiter.
Die kühle Nacht verbringe ich geschützt hinter den dicken Mauern eines verfallenen Gebäudes, da die Temperaturen knapp über den Gefrierpunkt fallen und der kalte Wind über das Plateau pfeift.
Am nächsten Morgen steht die größte physische Hürde auf dem Pamir Highway bevor. Der Ak-Baital-Pass ist mit seinen 4.655 Metern der höchste Punkt der gesamten Strecke und schon seit Tagen begleitete mich der Gedanke an diesen Giganten.
Über Kilometer zieht sich die Anfahrt zunächst relativ flach dahin, bevor die finale Rampe beginnt. Dort lege ich eine kurze Pause ein und tausche ein paar Worte mit einigen Motorradfahrern, für die der Aufstieg keine große Herausforderung darstellt. Mich jedoch kostet der letzte Abschnitt meine ganze Kraft.
Es ist nicht primär die Steigung, sondern der akute Sauerstoffmangel, der den Körper an seine absoluten Grenzen bringt. Egal wie tief man die Luft einsaugt, es kommt gefühlt kaum Sauerstoff im Blut an. Die Lunge brennt und das Herz rast. Meine Taktik besteht darin, mich auf dem unbefestigten Untergrund immer wieder für ein paar hundert Meter bis zum Maximum zu pushen, bis das Gefühl drohender Ohnmacht einsetzt. Dann halte ich an, stütze mich auf den Lenker und hole tief Luft, bis sich der Puls wieder etwas beruhigt. Dieses wiederholte Ausreizen der Belastungsgrenze erfordert einiges an mentaler und physischer Härte.
Umso größer ist der Triumph, als ich die Passhöhe schrittweise bezwinge, ohne ein einziges Mal schieben zu müssen.
Auf der Kuppe entlädt sich die Anspannung in einer Welle aus Adrenalin und Endorphinen. Die Mühe wird sofort belohnt mit einer grandiosen Aussicht über die Nordseite des Passes und die umliegenden Eisriesen. Ich genieße meine Mittagspause an diesem erhabenen Ort in dem Wissen, den höchsten Punkt der Reise aus eigener Kraft bewältigt zu haben.
Doch die Erleichterung währt nur kurz. Kaum beginnt die Abfahrt, setzt ein peitschender Gegenwind ein. Zusammen mit holprigen Waschbrettpisten verlangt mir der Weg hinab zum Karakul-See noch einmal alles ab. Völlig erschöpft finde ich schließlich Schutz in einer kleinen Ruine am Straßenrand und stelle fest, dass ich an diesem besonderen Tag auch die 7.000 Kilometerarke geknackt habe.
In dieser Nacht kann ich einen beeindruckenden Sternenhimmel beobachten und bekomme sogar mehrere Sternschnuppen zu Gesicht.
Ich habe den Ak-Baital geschafft, doch das Härteste liegt, ohne dass ich es ahne, erst noch vor mir.もっと詳しく
Durch das Shakhdara-Tal in luftige Höhen
8月9日〜11日, タジキスタン
⛅ 21 °C
Wer das Pamirgebirge in Tadschikistan von West nach Ost durchqueren will, steht vor einer Entscheidung zwischen vier völlig unterschiedlichen Routen. Ganz im Norden verläuft das wilde Bartang-Tal, in der Mitte liegt die M41 als klassischer Pamir Highway, etwas südlicher erstreckt sich das Shakhdara-Tal und ganz im Süden zieht sich der Wakhan-Korridor an der afghanischen Grenze entlang. Ich entscheide mich ganz bewusst für den Umweg durch das Shakhdara-Tal. Die Strecke ist zwar etwas länger und verlangt mir körperlich viel mehr ab als die Hauptroute, gilt aber als unberührter Geheimtipp. Auf der gesamten Dreitagesstrecke begegne ich tatsächlich keinem einzigen anderen Reisenden.
Nach dem Ruhetag in Khorugh verlasse ich die Hauptstraße und der Abschied zeigt sich sofort im Verkehr. Die Lkws sind schlagartig verschwunden und nur noch gelegentlich rollt ein Auto aus den idyllischen Dörfern an mir vorbei. Was mich sofort begeistert und richtig guttut, ist das viele Grün entlang des Ufers. So viele Bäume habe ich auf meiner bisherigen Reise durch Tadschikistan noch nicht gesehen. Sie spenden wohltuenden Schatten und verleihen dem Tal eine überraschend lebendige Atmosphäre. Den ersten Tag gehe ich entspannt an, um meinem Körper auf dem Weg in die Höhe Zeit zum Akklimatisieren zu geben und genieße am Abend die Ruhe an meinem Zeltplatz direkt am Ufer des Shakhdara.
Am zweiten Tag endet der Asphalt nach wenigen Kilometern und weicht einer rauen Schotterpiste. Das Tal verengt sich zusehends und wird an vielen Stellen extrem schmal und schluchtartig. Die Felswände ragen steil empor, was dem Weg eine spektakuläre, wilde Kulisse verleiht. Mit der permanenten Steigung und dem groben Untergrund verlangsamt sich mein Tempo drastisch. Es ist nicht bloß ein einfaches Rütteln unter den Reifen, sondern ein ständiges, hartes Schütteln des gesamten Fahrrades und Körpers. Normalerweise beansprucht das Radfahren primär die Beine, aber hier arbeitet der ganze Oberkörper ununterbrochen mit. Arme, Schultern und Nacken müssen die Schläge abfangen, sodass ich mich abends nicht nur mit müden Beinen, sondern am ganzen Körper mürbe fühle.
Das Etappenende am zweiten Tag entschädigt jedoch für alle Strapazen. Auf rund 3.400 Metern Höhe erreiche ich natürliche Thermalquellen. Eine davon ist winzig, gerade groß genug, dass ich mich exakt hineinsetzen kann und hat die perfekte Temperatur. Völlig alleine liege ich am Abend in dem warmen Wasser und spüre, wie die Anspannung des Tages langsam von mir abfällt. Als ich aufblicke, bietet sich mir ein neuer, beeindruckender Kontrast. Die enge Schlucht ist einer endlosen, baumlosen Hochebene gewichen, über der im Hintergrund zwei gewaltige Giganten aufragen, nämlich der Pik Marx mit 6.726 Metern und der Pik Engels mit 6.510 Metern. Obwohl ihre eisigen Gipfel teilweise in dichte Wolken gehüllt sind, wirkt genau das unheimlich mystisch. Sie begleiten mich auch am nächsten Tag im Rücken über viele Kilometer und wirken mit jedem gewonnenen Höhenmeter nur noch mächtiger.
Am dritten Tag verlasse ich das Haupttal und biege ab, um den finalen Anstieg zum Maysara-Pass in Angriff zu nehmen. Während der Shakhdara langsam Richtung Gletscherquelle verschwindet, wird die Piste immer rudimentärer. Von einer Straße kann keine Rede mehr sein, es ist nur noch ein schmaler zweispuriger Schotterweg, ein klassischer Double-Track, der sich verlassen durch die endlose Berglandschaft zieht. Hier oben herrscht eine gewaltige Stille. Als mir ein Geländewagen mit ein paar Tadschiken entgegenkommt, blicken sie mich besorgt an. Ich kann sie beruhigen, dass alles unter Kontrolle ist, aber ehrlich gesagt fährt in dieser absoluten Isolation immer ein leiser Respekt im Hinterkopf mit. Es ist keine Angst, aber das klare Bewusstsein, dass hier oben nichts schiefgehen darf, weil ich komplett auf mich alleine gestellt bin.
Mitten in dieser kargen Einsamkeit sorgen nur die roten Murmeltiere für Abwechslung. Durch ihre perfekte Tarnung sieht man sie kaum, aber man hört ihre schrillen Warnrufe. In der absoluten Stille hallen diese Pfiffe so laut durch die Luft, dass man sich im ersten Moment richtig erschreckt. Sobald man den Laut geortet hat, sieht man sie oft schon auf Hunderte Meter Entfernung über die Steppe zu ihren Bauten flitzen, wo meist ein Posten Wache steht.
Der Weg hinauf zum Maysara-Pass auf 4.220 Metern Höhe wird zu einem zähen Kampf. Die dünne Luft raubt die Kraft, und steile Passagen mit losem Geröll zwingen mich immer wieder zum Schieben. Selbst zu Fuß rutschen die Sohlen auf dem grobem Schotter weg, während das schwere Rad nach unten zieht. Oben angekommen, treffe ich an einer einfachen Steinhütte überraschend auf eine Hirtenfamilie und ihre Yaks, gefolgt von einer etwa 20 Meter breiten Furt. In Sandalen, wate durch das gut 30 Zentimeter tiefe, eiskalte Wasser und schlüpfe auf der anderen Uferseite heilfroh sofort in trockene, dicke Socken und feste Schuhe.
Die anschließende Abfahrt zurück zur M41 ist steil und wegen des losen Gerölls extrem heikel. Sie verlangt noch einmal höchste Konzentration und volle Armkraft an den Bremsen. Als ich schließlich völlig erschöpft wieder das Hochtal auf rund 3.400 Metern erreiche und mein Zelt am Flussufer aufschlage, spüre ich nur noch tiefe Erleichterung und Erschöpfung.
Dieser Abstecher hat mir die raue, ungeschminkte Realität des Pamir gezeigt. Die Versorgung hier oben kennt kein Sicherheitsnetz und so muss das Benzin für den Kocher eine Woche halten, Dorfläden sind seltene Glückssache und ihr Sortiment beschränkt sich meist auf simple Konserven, Süßigkeiten und im besten Fall etwas Brot oder ein Stück Wurst. Frisches Obst oder Gemüse gibt es schlichtweg nicht. Doch genau diese Reduktion auf das Wesentliche, gepaart mit der gewaltigen Natur, macht diesen Weg durch das Shakhdara-Tal zu einer der intensivsten und authentischsten Erfahrungen meiner Reise.もっと詳しく
Entlang des Panj zwischen Pamir und Hindukusch
8月5日〜9日, タジキスタン
☀️ 31 °C
In Qalai Khumb erreiche ich schließlich den Panj, den mächtigen Grenzfluss zu Afghanistan. In der Kleinstadt nutze ich die Chance, meine Vorräte im Supermarkt aufzustocken und wie der Zufall es will, treffe ich dort Phoebe und Laurence wieder, das englische Pärchen, das ich bereits auf dem Flug von Georgien nach Usbekistan kennengelernt habe.
Auch der folgende Streckenabschnitt entlang des Panj wurde erst vor Kurzem von chinesischen Bautrupps komplett neu asphaltiert, allerdings haben stellenweise Felsstürze und Geröllabgänge den frischen Belag bereits wieder verschüttet oder zerstört, sodass kurze, behelfsmäßige Schotterumfahrungen eingerichtet werden mussten. Auf ansonsten zum Großteil feinstem Belag rollt es fantastisch, sodass ich nach den kurzen Etappen der Vortage endlich wieder ordentlich Kilometer machen kann.
Auch hier ist die Landschaft sehr beeindruckend. Links die steilen Felswände, rechts der rauschende Grenzfluss, oft abgetrennt durch einen Stacheldrahtzaun und dazu eine gigantische Kulisse mit dem Pamirgebirge auf der tadschikischen und dem Hindukusch auf der afghanischen Seite.
Die Atmosphäre entlang des Flusses ist allerdings spürbar angespannt und seltsam. Alle paar Kilometer liegt ein Militärstützpunkt und dazwischen patrouillieren immer wieder bewaffnete Soldaten. Die Bestimmungen am Ufer sind streng, Wildcamping ist hier völlig ausgeschlossen und selbst als ich eine kurze Mittagspause am Wasser einlegen will, um nach drüben zu schauen, werde ich direkt von Soldaten weggeschickt.
Es ist faszinierend und beklemmend zugleich, immer wieder die afghanischen Siedlungen auf der anderen Flussseite zu sehen. Sie wirken greifbar nah und liegen doch in einer völlig anderen Welt.
An diesem Tag bin ich Teil einer Gruppe aus insgesamt sechs Radreisenden, die immer wieder Streckenabschnitte und Pausen miteinander verbringen.
Am Nachmittag finde ich gemeinsam mit Phoebe und Laurence einen herrlichen Zeltplatz im Vanj-Seitental. Das absolute Highlight dort ist ein kleiner, mit Grundwasser gefüllter Pool, der für die perfekte Erfrischung sorgt.
Da Laurence am folgenden Morgen mit Magenproblemen zu kämpfen hat, setze ich meine Fahrt wieder alleine fort und es erwartet mich ein extrem anstrengender Tag. Nach wenigen Kilometern endet der frische Asphalt und weicht wieder rauem, staubigem Schotter. Zusammen mit reichlich Höhenmetern und entgegenkommenden Lkw, die mich in dichte Staubwolken hüllen, zieht sich der Weg wie Kaugummi. Auf unbefestigtem Grund komme ich nur quälend langsam voran, wodurch die Kilometer gefühlt kein Ende nehmen wollen.
Erst am letzten Tag vor Khorugh wird der Belag auf altem, löchrigem Asphalt wieder etwas besser und erlaubt ein schnelleres Vorankommen. In der Provinzhauptstadt Khorugh beziehe ich für zwei Nächte ein gemütliches Gästehaus und hier treffe ich auf drei weitere Radreisende, einen Deutschen und ein russisches Paar, mit denen ich mich intensiv austauschen kann. Die Kleinstadt dient mir als idealer Stützpunkt, um durchzuatmen, frische Lebensmittel einzukaufen und mich mental wie logistisch auf das vorzubereiten, was als Nächstes kommt, nämlich der Aufstieg in die extremen Höhen des Pamir-Hochplateaus.もっと詳しく
Auf dem Pamir Highway bis nach Qalai Khumb
7月31日〜8月5日, タジキスタン
☀️ 20 °C
Der Auftakt aus Duschanbe heraus hat es bei brütender Hitze von über 40 Grad und dichtem, stressigem Stadtverkehr direkt in sich. Doch mit jedem Kilometer bergauf weicht der Trubel langsam der immer imposanteren Bergwelt.
Ich folge von hier an der M41, besser bekannt als Pamir Highway. Er gilt als eine der spektakulärsten und höchstgelegenen Fernstraßen der Welt und verbindet Duschanbe quer durch das Hochgebirge mit dem kirgisischen Osch.
Um diese Region überhaupt bereisen zu dürfen, führt kein Weg an der autonomen Provinz Gorno-Badakhshan vorbei, die den gesamten Osten Tadschikistans einnimmt. Bereits in Duschanbe habe ich daher die bürokratischen Hürden genommen, um mir das zwingend erforderliche GBAO-Permit sowie die offizielle Registrierung zu beschaffen. Unterwegs passiere ich immer wieder Militär-Checkpoints, an denen Reisepass, Registrierung und Permit genau kontrolliert werden.
Um nach Qalai Khumb zu gelangen, stehen zwei Routen zur Auswahl. Die flachere Südroute und die anspruchsvollere, aber landschaftlich bedeutend reizvollere Nordroute. Ich entscheide mich ohne Zögern für den Norden.
Ab Obigarm nutze ich dann die neu gebaute Ausweichstrecke, die wie viele dieser massiven Infrastrukturprojekte in der Region von China finanziert und realisiert wird. Sie ersetzt die alte M41, auf der mehrere Brücken zerstört wurden und beschwerliche Flussdurchquerungen nötig gewesen wären.
Auf glattem Asphalt, durch drei gut beleuchtete Tunnel und mit tollen Ausblicken komme ich sehr gut voran. Dabei treffe ich zwei andere Radreisende aus Deutschland und den USA, mit denen ich immer wieder ein paar Kilometer und einige Pausen verbringe. Abends genieße ich auf einer Klippe mit Blick ins Flusstal nicht nur die Stille, sondern auch ein langes, schönes Gespräch mit einem deutschen Pärchen, das mit seinem Offroad-Camper unterwegs ist.
Wenig später biege ich wieder auf die alte M41 und das Khingov-Tal ab. Der Komfort des Asphalts endet abrupt und es folgt eine extrem holprige Piste aus festgefahrenem Grobschotter, tiefem Staub und löchrigem Belag, die jede Kurbelumdrehung erschwert. Gleich zu beginne lasse ich etwas Luft aus den Reifen, um den Fahrkomfort und die Bodenhaftung zu erhöhen.
Doch die Anstrengung lohnt sich, als der Aufstieg zum Khaburabot-Pass beginnt. Hier wird der Schotter spürbar feiner und lässt sich überraschend gut fahren. Genau an dieser Stelle komme ich auch geografisch im Pamirgebirge an. Bei bedecktem Himmel und angenehm kühlen Temperaturen erklimme ich die Passhöhe von 3.252 Metern erstaunlich entspannt und oben angekommen ist es sogar so kühl, dass ich mir seit Langem mal wieder etwas Wärmeres überziehen muss, bevor eine der spektakulärsten Abfahrten meiner bisherigen Reise folgt. Enge Schluchten öffnen sich zu riesigen, weiten Tälern, während die Piste teilweise ausgesetzt verläuft. Auf der einen Seite ragt die steile Felswand empor, auf der anderen geht es direkt neben der schmalen Fahrbahn tief hinunter zum Fluss. Ein gewaltiges Panorama und ein echter Adrenalinkick, bevor ich schließlich unten im Tal den Ort Qalai Khumb erreiche.もっと詳しく
Aufbruch nach Tadschikistan
7月26日〜31日, タジキスタン
⛅ 18 °C
Die letzten Kilometer auf usbekischem Boden ziehen sich flach und ziemlich monoton dahin. Für mich ist es genau das Gefühl, das mich noch einmal tief darin bestätigt, die weiten Distanzen im Land im Zug überbrückt zu haben.
Die Grenzabwicklung verläuft zum Glück völlig unkompliziert und kaum rolle ich auf meinen zwei Rädern über die Grenze nach Tadschikistan, dem 12. Land auf der Reise, zeichnen sich am Horizont bereits die ersten mächtigen Bergketten ab. In mir steigt augenblicklich eine riesige Vorfreude auf.
Schon kurz nach der Grenze treffe ich auf den Fluss Zarafshon. Er ist ebenso die Lebensader der usbekischen Oasenstädte Samarkand und Buchara und speist dort seit Jahrhunderten die fruchtbaren Felder.
Ich folge ihm nun eine ganze Weile lang stromaufwärts und wo er zu Beginn noch als breiter, schlammbrauner Strom träge durch das Tal zieht, verändert er sich mit jedem Kilometer deutlich. Das Tal wird enger, die Schluchten steiler und das stetige Auf und Ab entlang seines Ufers verlangt mir bei der brütenden Hitze einiges ab.
Dennoch entschädigen mich die Ausblicke für jede Anstrengung. Ich finde traumhafte Zeltplätze auf erhöhten Klippen, von denen aus ich abends begeistert hinunter ins Flusstal blicke. Und an ein paar Tagen habe ich sogar das Glück, mich in kühlen Gebirgsbächen vom Staub und Schweiß des Tages reinigen zu können.
Fasziniert beobachte ich auch die Geologie dieser Gebirgswelt. Die Steilhänge um mich herum bestehen aus gigantischen Schuttkegeln, kargen Geröllhalden und kahl geschliffenem Fels. Durch die extremen Temperaturschwankungen bröckelt das Gestein hier stetig ab, wodurch diese karge, aber unglaublich spektakuläre Kulisse entsteht.
In Ayni verlasse ich den Zarafshon und folge von nun an dem Fondaryo nach Süden, der sich als rauschender Gebirgsfluss immer tiefer durch die eng werdenden Schluchten gräbt.
Ganz oben auf rund 2.700 Metern liegt das entscheidende Nadelöhr der Etappe, der berüchtigte Anzob-Tunnel, der unter Radreisenden nicht ohne Grund als Tunnel des Todes bekannt ist.
Um mir die verbleibenden 1.000 Höhenmeter über die Serpentinen in der brütenden Mittagshitze ohne jeden Schatten zu ersparen, entscheide ich mich kurzerhand dafür, den gesamten Anstieg per Anhalter zu überwinden, statt mir erst oben eine Mitfahrgelegenheit für die Tunnelpassage zu suchen.
Wegen der verkehrsarmen Mittagszeit muss ich zwar eine Weile am Straßenrand warten, doch schließlich hält ein freundlicher junger Lieferwagenfahrer an und nimmt mich mit.
Als wir in die dunkle Röhre hineinfahren, bin ich extrem froh über meine Entscheidung. Der Tunnel ist unbeleuchtet, steht stellenweise voller Wasser, tiefste Schlaglöcher prägen die Fahrbahn und der dichte Abgasdunst des Zweirichtungsverkehrs steht in der Luft. Selbst als Beifahrer im Auto fühlt sich die Durchfahrt grenzwertig an.
Am Ausgang steige ich erleichtert wieder aufs Rad und genieße die Abfahrt durch das Tal des Varzob. Ganz ohne ist die Strecke zwar nicht, weil mich immer wieder dunkle Galerien und dichter Verkehr fordern, aber die Landschaft ist schlicht gewaltig.
Am Ufer des Flusses finde ich ein schönes Nachtlager und erlebe hier eine herzerwärmende Begegnung. Zwei ältere Tadschiken rufen mich direkt zu sich herüber und verköstigen mich mit ihren Speisen und Getränken.
Nach den heißen Tagen davor genieße ich hier oben die wunderbar kühle Nacht in vollen Zügen.
Ganz nebenbei fallen in diese Tage auch zwei persönliche Meilensteine. Ich bin nun seit vier Monaten unterwegs und habe die 6.000-Kilometer-Marke geknackt.
Am nächsten Morgen rollt es sich von ganz alleine bergab. Die Berge werden flacher, das Tal öffnet sich, die Bebauung wird dichter und schließlich spült mich der laute, autozentrierte Stadtverkehr hinein nach Duschanbe. Die Hauptstadt präsentiert sich mir als typische sowjetische Reißbrettstadt mit breiten Prachtalleen und monumentalen Bauten rund um den Rudaki-Park. Ich nutze meine Zeit hier vor allem für die organisatorischen Dinge wie die behördliche Registrierung, das Besorgen des GBAO-Permit und das Eindecken mit ausreichend Bargeld. Denn mein Blick richtet sich jetzt schon voll und ganz auf das, was als Nächstes kommt: das Abenteuer im Pamirgebirge.もっと詳しく
Samarqand
7月23日〜26日, ウズベキスタン
☀️ 34 °C
Auch die Etappe von Buchara nach Samarkand verlege ich auf die Schiene. Nach den bisherigen Erfahrungen verläuft das gesamte Prozedere am Bahnhof inzwischen völlig routineiert und entspannt. Nach reichlich zwei Stunden Fahrt erreiche ich die legendäre Oasenstadt und beziehe eine großzügige Wohnung, die sich in bester Lage direkt am berühmten Registan-Platz befindet.
Samarkand setzt der usbekischen Baukunst im Grunde die Krone auf und präsentiert sich als der architektonisch opulenteste Ort des Landes. Die Intarsien und Fliesenarbeiten an den Fassaden erreichen hier ein Ausmaß an Detailreichtum und Schmuckfreude, das alles andere in den Schatten stellt. Wenn man die Innenräume betritt, raubt die schiere Masse an Blattgold und tiefblauen Verzierungen schlichtweg den Atem.
Im Zentrum steht das Registan-Ensemble mit seinen drei gigantischen Medresen, deren Bauten im 15. und 17. Jahrhundert entstanden und durch ihre gewaltigen Dimensionen eine unvergleichliche Strahlkraft ausüben.
Gleich um die Ecke erhebt sich die mächtige Bibi-Khanum-Moschee aus dem späten 14. Jahrhundert, die nach ihrer Fertigstellung einst zu den weltweit größten und prächtigsten Gotteshäusern der islamischen Welt gehörte.
Ein Stück weiter außerhalb, vorbei am bunten Treiben des zentralen Basars, erstreckt sich die beeindruckende Nekropole Schah-i Sinda. Dieses Ensemble aus Mausoleen entwickelte sich zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert und gilt mit seinen leuchtend blauen Kacheln als eines der kunstvollsten Grabdenkmäler Zentralasiens.
Gleichzeitig ist Samarkand eine moderne, weitläufige Großstadt. Der Kontrast zwischen den breiten Boulevards, der teils nüchternen sowjetischen Architektur und diesen prachtvollen historischen Oasen erzeugt eine ganz eigene Spannung im Stadtbild.
Inmitten dieses imposanten Rahmens genieße ich vor allem die alltäglichen Momente. Der Besuch des geschäftigen Basars wird schnell zu einem persönlichen Highlight. Es macht unheimlich viel Freude, durch die schattigen Hallen zu schlendern, die lebendige Atmosphäre aufzusaugen und frische lokale Lebensmittel einzukaufen, um in der eigenen Unterkunft selbst zu kochen und den Tag in aller Ruhe ausklingen zu lassen.
Mit dem Abschied von Samarkand richtet sich mein Blick auf das nächste große Kapitel der Reise, das eine ganz eigene Dynamik in mir auslöst. Die bevorstehende Einreise nach Tadschikistan bringt eine Mischung aus positiver Anspannung und tief empfundener Vorfreude mit sich. Das legendäre Pamir-Gebirge war über Monate hinweg ein fast surrealer, unendlich weit entfernter Punkt auf meiner Routenplanung. Dass dieser Schlüsselabschnitt der gesamten Reise nun greifbar nahe ist und ich in Kürze tatsächlich in diese gewaltige Bergwelt aufbrechen werde, bewegt mich innerlich sehr.もっと詳しく
Buxoro
7月21日〜23日, ウズベキスタン
☀️ 34 °C
Angesichts der drückenden Sommerhitze und der eher eintönigen Wüstenlandschaft habe ich mich schon im Vorfeld dazu entschieden, längere Distanzen in Usbekistan mit dem Zug zu überbrücken. So lege ich auch die rund 450 Kilometer zwischen Xiva und meinem nächsten Ziel Buchara auf der Schiene statt im Sattel zurück.
Die Mitnahme meines Fahrrades erfordert beim Einstieg zwar ein kurzes Verhandeln mit dem Schaffner, doch schließlich findet sich ein passender Platz im Gangbereich des alten Sowjetzugs.
Im gemütlichen Vierer-Liegewagen, den ich mir nur mit einem Reisenden aus Südkorea teile, vergehen die sechs Stunden Fahrt bei guten Gesprächen erstaunlich schnell.
Da der Hauptbahnhof nicht direkt in Buchara liegt, muss ich am späten Abend noch ein paar Kilometer durch die Dunkelheit bis zum Hotel direkt im Zentrum fahren.
Im Vergleich zu Xiva zeigt sich Buchara von einer völlig anderen Seite. Während die Enge des kompakten Ichan-Kala ein fast intimes Wüstenflair erzeugt, prägen hier breite Boulevards, weitläufige Plätze und geschäftige Promenaden das Stadtbild.
Ein besonderes architektonisches Merkmal sind die historischen Kuppelbasare aus dem 16. Jahrhundert, die sich direkt über den zentralen Straßenkreuzungen wölben und bis heute als schattige Handelsplätze dienen. Trotz der beachtlichen Weitläufigkeit lässt sich das historische Zentrum hervorragend zu Fuß erkunden.
Die Architektur in Buchara wirkt an vielen Stellen noch pompöser und monumentaler. Die Handwerkskunst der filigranen Fliesenarbeiten, die riesigen Medresen und die mächtigen Moscheen zeugen von einer vielschichtigen Vergangenheit. Während in Xiva die meisten Bauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen, reichen die Zeitschichten in Buchara wesentlich weiter zurück. Das berühmte Samaniden-Mausoleum gehört als schlichtes Meisterwerk der Ziegelbaukunst bereits dem frühen 10. Jahrhundert an, während die imposanten Großbauten rund um den Poi-Kalyan-Komplex vor allem im 12. bis 16. Jahrhundert entstanden. Auch das Bild der gewaltigen Lehmfestung Ark mit ihren geschwungenen, mächtigen Außenmauern erinnert stark an die Festungswerke in Xiva und unterstreicht den wehrhaften Charakter der einstigen Emirs-Residenz.
Allerdings bringt die Größe der Stadt auch eine ganz andere Dynamik mit sich. Der Massentourismus ist spürbar präsent und die Straßen sind tagsüber wie abends von großen Menschenmengen gefüllt. Wenn bei Einbruch der Dunkelheit die historischen Fassaden kunstvoll angestrahlt werden, entsteht zwar eine beeindruckende Kulisse, doch die Atmosphäre wirkt oft weniger harmonisch. An vielen Plätzen und in den umliegenden Restaurants dröhnt laute, moderne Musik durch die Nacht, was im Kontrast zu den jahrhundertealten Bauwerken stellenweise etwas unstimmig erscheint.もっと詳しく
Der Sprung über das Kaspische Meer nach Xiva
7月19日〜21日, ウズベキスタン
☀️ 36 °C
Die Anreise von Tiflis nach Usbekistan erfordert zwar einiges an Vorbereitung, verläuft am Ende aber erstaunlich reibungslos.
Ein Transporter-Taxi bringt mich samt der wuchtigen Fahrradbox zum Flughafen, wo das Einchecken nach Taschkent recht unkompliziert klappt. In der usbekischen Hauptstadt angekommen, verläuft die Einreise zwar entspannt, stellt mich logistisch aber noch einmal vor eine kleine Aufgabe. Ich muss das Gepäck selbst zum Inlandsterminal transportieren, das allerdings gut fünfzehn Autominuten entfernt liegt. Ich treffe zufällig auf zwei Radreisende aus England und wir teilen uns spontan ein Taxi. Der Fahrer schnallt die drei riesigen Kartons kurzerhand mit dünnen Schnüren auf das Dach seines Familienvans, was zwar etwas abenteuerlich aussieht, uns aber sicher ans Ziel bringt.
Schon auf dem Weiterflug nach Urganch habe ich das Glück, neben einem Einheimischen aus Xiva zu sitzen. Er teilt voller Stolz erste wertvolle Tipps und Geschichten über seine Heimat mit mir, was die Vorfreude auf das Ziel noch vergrößert.
Ein wunderbarer erster Eindruck wartet schließlich am späten Abend direkt am Gepäckband auf mich. Als ich beginne, das Fahrrad noch im Flughafen aus dem Karton zu holen, steuert direkt ein Sicherheitsmitarbeiter auf mich zu. Statt mich aufzuhalten, packt er ohne zu zögern tatkräftig mit an. Seine unvoreingenommene, herzerwärmende Hilfsbereitschaft wird zu meiner allerersten richtigen Interaktion auf usbekischem Boden und prägt augenblicklich mein Bild von diesem gastfreundlichen Land. Nach einer kurzen nächtlichen Fahrt ins Stadtzentrum erreiche ich mein Hotel punktgenau vor Mitternacht, um nach diesem langen Transfertag noch das WM-Finale zu verfolgen.
Am nächsten Morgen trennen mich nur noch knapp dreißig Kilometer von meinem eigentlichen Ziel. Bereits die Einfahrt durch eines der massiven Stadttore von Xiva gleicht einer Zeitreise. Mein Gästehaus liegt direkt innerhalb der gewaltigen Lehmmauern der Altstadt Ichan Kala, die wie ein eindrucksvolles Freilichtmuseum wirkt.
Das orientalische Stadtbild vermittelt mir sofort das Gefühl, in eine Kulisse aus einer längst vergangenen Epoche einzutauchen. Obwohl die imposanten Bauten und kunstvollen Minarette ein sehr hohes Alter vermuten lassen, stammen die meisten der gut erhaltenen Strukturen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Ein prägendes Element des Zentrums bilden die zahlreichen Medresen, die einst als islamische Hochschulen dienten und heute mit ihren kunstvoll gefliesten Portalen das Straßenbild dominieren.
Lediglich die Fundamente der geschwungenen Stadtmauer reichen weiter zurück, da die ursprüngliche Stadt im Laufe der Geschichte, unter anderem durch die Eroberungen von Dschingis Khan, mehrfach zerstört wurde.
Zur Mittagszeit wirkt die Altstadt unter der brennenden Sonne zunächst fast gespenstisch ruhig und wie ausgestorben. Erst am späten Nachmittag füllen sich die verwinkelten Gassen langsam mit Leben. Da der historische Kern nahezu komplett autofrei ist, kann ich die Kulisse unheimlich entspannt zu Fuß erkunden. Zwar ist die Präsenz des Tourismus durch die vielen Souvenirstände, Restaurants und Hotels unübersehbar, dennoch fügt sich alles in ein optisch sehr stimmiges und faszinierendes Gesamtbild.
Nach der jüngsten Hitzewelle in Usbekistan kurz vor meiner Ankunft mit extremen Temperaturen von knapp unter 50 Grad sind die aktuellen 36 Grad eine spürbare Erleichterung für die Spaziergänge durch die Stadt.
Mit dem Sonnenuntergang wandelt sich die Atmosphäre in der Altstadt noch einmal komplett. Die kunstvoll beleuchteten Fassaden erstrahlen im Dunkeln, während ein erfrischender Regenschauer den Staub aus der warmen Luft wäscht. Der feuchte Lehm der alten Mauern verströmt augenblicklich einen ganz charakteristischen Duft und auf dem nassen Natursteinpflaster der Gassen spiegeln sich die illuminierten Bauwerke in warmen Farben.
Dass aus dem kurzen Schauer schließlich ein stundenlanger, kräftiger Sommerregen wird, grenzt hier an ein kleines Wunder. In einer Wüstenregion, die im Hochsommer statistisch gesehen kaum einen einzigen Regentag erlebt, verwandelt dieser seltene Guss die ausgetrocknete Stadt in ein ganz besonderes Spektakel.もっと詳しく

































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































