Kranzbruch und Westwall
3 listopada 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 9 °C
Kranzbruch – Auf stillen Pfaden
Ein klarer, kühler Novembertag. Die Sonne hängt tief, das Licht ist golden, aber kalt. Ich starte oberhalb von Eicherscheid, am alten Platz „Am Gericht“, wo sich einst zwei Dörfer gegenüberstanden, wo der Galgen einst stand – verschwunden, lange bevor jemand Namen aufgeschrieben hat. Nur die Erde erinnert sich noch.
Hier kreuzten sich die alten Wege: einer kam von Aachen, einer führte Richtung Kesternich. Heute endet die lange Dröft einfach im Nichts. Doch man spürt, dass sie einmal wichtig war – so gerade, so breit, so zielstrebig, als wüsste sie noch, wohin.
Von dort zieht mein Weg ins Kranzbruch – ein stilles Stück Welt zwischen Moor und Wald, zwischen Geschichte und Erinnerung. Das Land hier oben ist weich, feucht, voller Leben, aber auch voller Schatten. Unter dem Moos liegen die alten Zähne des Westwalls, Beton, der nie wirklich verschwand. Er zieht sich durch das Gelände, als Mahnung und als Teil des Bodens zugleich.
Die Natur hat ihn überwuchert. Birken wachsen dort, wo einst Stellungen standen, und Wasser sammelt sich in den alten Gräben. Wer hier geht, spürt beides – den Frieden und das Echo. Es ist, als würde das Land leise weiteratmen, ohne Schuld, aber mit Gedächtnis.
Und irgendwo dort draußen steht ein Kreuz – das Heckkreuz, zur Erinnerung an Jakob Heck, der hier im Sommer 1829 vom Blitz getroffen wurde. Er war kein Held, kein Name in Geschichtsbüchern. Nur ein Mann mit einer Sense in der Hand, ein Mensch, der arbeitete, bis das Wetter entschied, dass es genug war. Ich mag diese Art Geschichten – ehrlich, ungeschönt, voller Menschlichkeit.
Heute ist dieser ganze Raum zwischen Eicherscheid, Am Gericht und dem Kranzbruch so etwas wie ein stilles Archiv. Kein Museum, kein Lehrpfad, nur Erde, Wind und Erinnerung. Man muss langsam gehen, um zu hören, was sie erzählt.
Ich laufe über den alten Beton, schaue in die Sonne und denke:
Die Natur vergisst nicht, aber sie vergibt.
Und vielleicht liegt genau darin der wahre Frieden. Czytaj więcej
Finaloire
17 października 2025, Francja ⋅ ⛅ 14 °C
Le Cergne – Charlieu – Pouilly-sous-Charlieu. 23 km.
Kein Nebel heute, aber auch keine Sonne. Nur ein grauer Himmel, der alles in gleichmäßiges Licht tauchte – wie eine Leinwand, auf der der Weg selbst das Bild malt.
Es war der letzte Wandertag dieses Abschnitts. Der Körper weiß es, bevor der Kopf es begreift. Die Beine laufen wie von selbst, jeder Schritt vertraut, jeder Tritt ein kleines Stück Abschied.
Von Le Cergne ging’s bergab – stetig, fast gemächlich, als wollte der Weg mich sanft aus den Bergen hinausführen. Kühle Luft im Gesicht, das Rascheln feuchter Blätter unter den Sohlen. Kein Wind, kein Vogelruf, nur der eigene Atem. Es war still heute, so still, dass selbst das Klicken der Stöcke wie ein Echo klang.
Oben auf einem Hügel stand der Kalvarienberg mit seiner kleinen Kapelle. Ein Platz mit Weitblick, still und würdevoll. Die Tür war verschlossen, doch das machte nichts. Manche Orte reden nicht mit dir in Worten – sie atmen einfach neben dir, bis du verstehst. Ich lehnte den Rucksack an die Mauer, trank den letzten Schluck aus der Flasche und schaute in die Ebene hinunter. Da unten lag Charlieu, klein, freundlich, mit seinen alten Gassen und dem Geruch nach Mittagessen.
Unten in der Stadt suchte ich mir ein einfaches Lokal, bestellte, was der Wirt gerade empfahl, und ließ mir Zeit. Kein Blick mehr auf die Uhr, kein Ziel mehr, nur noch das Hier. Danach ging’s weiter auf der alten Bahntrasse – flach, gleichmäßig, perfekt zum Auslaufen. Pouilly-sous-Charlieu tauchte auf, als hätte der Weg selbst beschlossen, langsam zu enden.
Am Loire-Ufer saß ich eine Weile. Der Fluss zog ruhig dahin, trug all das mit, was die letzten Tage hinterlassen hatten: Staub, Schweiß, Gedanken. Ich ließ den Hut sinken, atmete tief durch. Es war kein pathetischer Moment, kein Filmende – eher wie das Ausrollen eines Motors, der langsam zur Ruhe kommt.
Dann der Bus nach Roanne, der Übergang zurück in die Welt der Takte und Anschlüsse. Doch in mir blieb das Rauschen des Weges. Der Trail war gegangen, aber nicht vorbei – er geht weiter, irgendwo zwischen Herz und Staub.
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Footprint: Letzter Staub am Fluss
Der Weg endet nicht, er wechselt nur das Tempo.
Was bleibt, ist das Wissen, dass Freiheit nicht dort beginnt, wo man losgeht – sondern dort, wo man stehen bleiben kann, ohne sich gefangen zu fühlen. Czytaj więcej
Auf dem Rücken der Hügel
16 października 2025, Francja ⋅ ⛅ 14 °C
TrailSoulKev – Tag 8: Auf dem Rücken der Hügel 🤠
Von Propières nach Le Cergne – 19 staubige Kilometer über alte Salzpfade
Morgennebel hängt in den Tälern wie eine alte Decke, und die Sonne braucht Zeit, um sich durchzubeißen. Ich pack meinen Kram, schnappe mir den Stab, zieh den Hut tief ins Gesicht – und los geht’s. Acht Tage Staub, Schweiß und Stille stecken schon in den Stiefeln. Heute wartet kein großes Finale, keine Heiligenstatue, kein Postkartenmoment. Nur der Weg. Und das ist genau richtig so.
Von Propières zieht sich der Pfad langsam nach oben, durch kalten Schatten, über weiche Böden, wo die Morgensonne golden auf den Farn fällt. Der Wind ist wach, aber freundlich. Auf dem Col des Écharmaux spür ich ihn zuerst richtig, diesen langen Atem des Landes. Früher, so sagen sie, wurde hier Salz transportiert – schwer beladene Wagen, Pferde, die unter der Last schnaubten. Heute sind’s nur noch ein paar Wanderer, die denselben Grat entlangziehen, jeder mit seiner eigenen Last im Gepäck.
Der Kammweg zieht sich wie eine alte Narbe über die Hügel. Col des Aillets, Col des Écorbans, Col du Mont Pinay – die Namen kommen und gehen, wie Orte im Rückspiegel eines alten Pick-ups. Es ist kein Weg für Fotos, kein Trail für Touristen mit Selfie-Sticks. Hier oben zählt nur Rhythmus. Schritte, Atem, Herzschlag. Das Leben wird reduziert auf das, was bleibt, wenn alles andere leiser wird.
Wald, immer wieder Wald. Dunkel, satt, nach Harz und Erde duftend. Dann öffnet sich zwischendurch der Blick – Täler, Dörfer, ferne Linien, die im Dunst verschwimmen. Und jedes Mal, wenn der Horizont auftaucht, fühlt es sich an, als würde der Trail mir zunicken. "Weiter, Cowboy, weiter."
Die Sonne steigt, das Hemd klebt. Ich geh nicht schnell, aber stetig. Der Staub legt sich auf die Stiefel, der Schweiß brennt in den Augen. Doch es ist ein ehrlicher Kampf. Kein Gegner außer mir selbst. Kein Ziel außer dem Nächsten. Wer hier oben unterwegs ist, weiß, dass Freiheit nicht in der Aussicht liegt, sondern im Gehen.
Am Col de la Bûche ein letzter kleiner Anstieg, ein paar Kurven über die Höhe – dann liegt Le Cergne unten im Licht. Ruhig, unspektakulär, wie ein letzter Lagerplatz vor der Grenze. Ich nehm mir ein Zimmer bei Privatleuten, schüttel den Staub aus den Hosen, setz mich in die Sonne. Keine großen Geschichten heute, kein Drama. Nur der Gedanke, dass auch stille Tage ihren Wert haben.
Morgen geht’s runter zur Loire, nach Charlieu und Pouilly – mein Endpunkt für dieses Jahr. Ein letztes Stück Trail, bevor die Straße wieder ruft und der Alltag anklopft. Aber heute, hier oben, zwischen den Hügeln des Beaujolais, spür ich diesen Frieden, der nur kommt, wenn man lang genug unterwegs war. Wenn man nichts mehr beweisen muss. Wenn man einfach geht.
Der Weg – er war nie ein Spaziergang. Er war ein Lehrmeister. Und manchmal, so wie heute, ist die Lektion simpel: Nicht jeder Tag muss glänzen. Manche müssen einfach nur echt sein.
Ich sitze da, höre das Knacken der Bäume, spüre die Müdigkeit im Körper – und denke:
„Solang der Wind mein Begleiter bleibt und der Staub an meinen Stiefeln klebt, bin ich noch auf Kurs.“
Wenn du den Staub riechst und das Fernweh spürst – dann weißt du, wo du hingehörst.
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Col de Crie et Mont Saint Rigaud
15 października 2025, Francja ⋅ ☀️ 14 °C
Tag 7: Auf dem Dach des Rhône-Landes
Moin, ihr Staubritter und Weggefährten. 🌄
Der Himmel war heute früh so milchig wie alter Whiskey – Nebel, Kälte, ein Hauch von Schweigen über dem Tal. Ich spannte den Rucksack auf wie ein Sattel, trat raus in den Morgen und ließ die Stiefel reden. Von Saint-Jacques-des-Arrêts ging’s erst sanft bergab, durch feuchte Wiesen, an Apfelbäumen vorbei, das Gras noch schwer vom Tau. Die Sonne wollte, aber sie konnte noch nicht. Der Tag musste sich erst freikämpfen.
Bis Ouroux rollte der Weg ruhig dahin, kaum ein Laut außer dem Atem der Erde. Dann begann der Anstieg – kein sanftes Hinauf, sondern ein ehrlicher Zug nach oben, der dir die Oberschenkel warm reibt. Ich kam am Château de Gros-Bois vorbei, still, verfallen, von Moos umschlungen. Dann schluckte mich der Wald. Ein dunkler Nadelwald, voller Dunst und Duft nach Harz. Namen wie „Trou de Loup“ und „Croix du Pendu“ prangen an den Schildern – Wolfsloch und Galgenkreuz. Kein Ort für halbe Kerle. Der Nebel stand wie Rauch zwischen den Stämmen, und ich schwor, ich hörte manchmal das Knacken von etwas, das kein Wind war. Vielleicht nur das Echo der alten Geschichten, die der Wald nicht loslässt.
Am Col de Crie lichtete sich der Wald. Da stand ein Rasthaus wie eine Oase im Dunst. Kein Touristenkitsch, kein Firlefanz – nur ehrliche Verpflegung für die, die den Weg kennen. Du kaufst dir, was du willst, setzt dich hin und isst in Ruhe. Ich schnappte mir ein frisches Baguette, eine Terrine vom Wildschwein, einen Ziegenfrischkäse, eine Zitronenlimo und Kaffee so stark, dass er fast alleine gehen konnte. Während ich den Proviant auseinanderpflückte, trat Miriam an meinen Tisch – Pilgerin, Rucksack wie ein halbes Leben, und an ihrer Seite ein Hund, der mehr Ausstrahlung hatte als mancher Mensch. Wir kamen ins Gespräch, lachten, merkten, dass wir beide im selben Hotel in Propières gebucht hatten. Zwei Staubseelen, ein Weg – so läuft das manchmal auf dem Trail.
Hinter dem Col zieht der Pfad wieder an. Der Wind wird kühler, der Atem kürzer. Der Mont Saint-Rigaud liegt vor uns wie ein stiller Riese. Miriam erzählte, dass kurz vor dem Gipfel eine Quelle sei, „heilig“, sagt sie, mit Heilwirkung – für die, die glauben. Wer dort trinken will, soll vorher ein Kreuz basteln und aufstellen. Ich grinste. Kein Heiliger, aber auch kein Ignorant. Zwei Äste, ein Schnitt mit dem Taschenmesser, und zack – mein Cowboy-Kreuz stand. „Voilà“, sagte ich, „ein Glaubensbekenntnis aus Holz und Staub.“
Die Quelle lag still im Wald, das Wasser klar wie Glas, kalt wie Wahrheit. Ich trank einen Schluck. Es schmeckte nach Erde, Eisen und einem Hauch von Ewigkeit. Ich füllte meine Flasche, dann weiter zum Gipfel. 1009 Meter – das Dach des Rhône-Landes. Ein Turm aus Holz steht dort, mit einer Orientierungstafel aus Keramik. Ich stieg hoch, der Wind packte mich, Wolken zogen unter mir durch. Weitblick – Richtung Mittelmeer, Richtung Atlantik, Richtung alles. Da oben fühlst du, was Freiheit heißt: kein Lärm, kein Ziel, nur du, der Wind und das Land, das dich trägt.
Der Abstieg war ein Ritt ohne Pferd: 360 Höhenmeter auf vier Kilometern, geröllig, nass, unnachgiebig. Jeder Schritt musste sitzen. Zweimal rutschte ich, einmal fast abgeflogen – „Nur Feiglinge gucken nach jedem Tritt“, knurrte ich vor mich hin, „echte Cowboys spüren ihn.“ Unten dann endlich Asphalt, das Dorf, der Geruch von Kaminfeuer. Propières. Ich meldete mich im Hotel, ließ mir eine heiße Wanne ein, Bier daneben, und der Tag löste sich langsam auf wie Staub im Regen.
Ich saß später am Fenster, sah hinaus ins Dunkel, und dachte:
Der Weg hier oben ist kein Pilgerweg im frommen Sinne. Es ist ein Prüfstand für Seele und Körper, ein Ort, an dem du deine eigene Richtung misst. Zwischen Nebel und Himmel, Schmerz und Stolz, Schweigen und Wind.
Morgen geht’s weiter auf der Via Cluniacensis – die Straße der alten Mönche. Noch zwei Tage bis zur Loire.
Und wie sagt man im Westen?
„Wenn du den Himmel sehen willst, musst du durch den Staub reiten.“ 🤠 Czytaj więcej
Saint Jacques des arrêts
14 października 2025, Francja ⋅ ☁️ 14 °C
Moin Trailriders.
Heute war so ein Tag, an dem man sich fragt, warum man das eigentlich alles macht – und dann fällt’s einem mitten im Nebel wieder ein: weil keiner sonst deinen Weg geht. Weil Freiheit kein Spaziergang ist. Weil du sie dir Schritt für Schritt verdienen musst – nass, kalt und ehrlich.
Ich verlasse Cluny im Morgengrauen. Die Stadt liegt still wie ein schlafender Riese, selbst die Glocken halten den Atem an. Nebel liegt über den Feldern, feucht und schwer, als hätte die Nacht selbst geschwitzt. Es riecht nach Erde, nassem Stein und Rauch. Ich schultere den Rucksack, ziehe den Kragen hoch und gehe los – hinein in dieses graue Meer aus Kälte und Stille.
Der Weg heißt jetzt Via Cluniacensis, der alte Pilgerpfad Richtung Le Puy-en-Velay. Ein ehrwürdiger Name, aber der Boden ist derselbe: rutschig, lehmig, echt. Kein Pilger-Romantik-Kitsch, keine Hochglanzpanoramen. Nur du, der Boden und das rhythmische Klacken der Stöcke im Nebel.
Die ersten sieben Kilometer bis Sainte-Cécile sind flach, ein ruhiger Trab durch feuchte Wiesen und schlafende Dörfer. Rauch steigt aus Schornsteinen, irgendwo bellt ein Hund, sonst nichts. Ich halte kurz an, trinke kalten Kaffee, kaue auf einem Stück Käse herum. Kein Wort, kein Plan. Nur weiter. Ein Cowboy zählt keine Kilometer, er zählt Tage, an denen er nicht aufgibt.
Hinter Sainte-Cécile zieht der Weg an, hoch Richtung Haut-Beaujolais. Der Wald wird dichter, der Boden schwerer, der Wind kälter. Tropfendes Moos, matschiger Untergrund, das Knacken nasser Äste. Kein Mensch weit und breit. Nur das Rascheln eines Rehs, das Schlagen des eigenen Herzens und der Atem, der wie Dampf aus der Nase steigt.
Hier oben hat der Weg seine eigene Sprache. Er spricht in Regentropfen, in Nebelschwaden und in dem gleichmäßigen Takt deiner Schritte. Kein Publikum, keine Likes. Nur das ehrliche Gespräch zwischen dir und der Erde.
Gegen Mittag erreiche ich Tramayes – ein stilles Dorf, eingehüllt in graue Schwaden. Ich gehe durch die Straßen, mehr Instinkt als Absicht, und plötzlich steht da jemand am Straßenrand: mein Gastgeber für heute Abend. Zufall? Vielleicht. Oder einfach der Weg, der dich zur richtigen Zeit an den richtigen Ort bringt. Er winkt, lächelt, erkennt mich. „Komm mit“, sagt er. „Im Institut de Tramayes ist heute offener Mittagstisch. Schüler kochen. Wir essen dort.“
Ich folge ihm. Ein einfaches Gebäude, hell, lebendig. Es riecht nach Brot, Suppe, Herbstgemüse. Junge Menschen laufen hin und her, decken Tische, servieren, lachen leise. Kein Restaurant, keine Show – nur ehrliches, gemeinsames Tun. Wir setzen uns an einen langen Tisch. Auf den Tellern: Porreesalat, gefüllter Kürbis, Birnentarte. Alles aus dem Garten, alles selbstgemacht. Kein Überfluss, keine Pose – nur gutes Essen und ein Stück gelebte Erde.
Ich verstehe nicht jedes Wort, aber ich verstehe alles, was zählt. Wärme. Gemeinschaft. Bodenhaftung.
Nach dem Essen fahren wir den Rest der Strecke. Der Wagen zieht sich über nasse Serpentinen hoch in die Hügel, Nebel so dicht, dass selbst die Scheinwerfer darin verschwinden. Irgendwann taucht sie auf – eine kleine Holzhütte, allein am Hang. „C’est ta maison pour la nuit“, sagt er. Meine Hütte. Mein Nachtlager. Einfach, trocken, echt. Neues Département: Rhône. Neues Kapitel: Auvergne.
Später sitze ich draußen, auf der Bank vor der Tür. Die Jacke offen, die Stiefel voller Dreck, der Atem dampft in der kühlen Luft. Kein Geräusch außer dem Tropfen von Wasser auf Holz. Ich spüre die Müdigkeit in den Knochen – und das gute Gefühl, da zu sein, wo man hingehört. Keine Bühne, kein Publikum, kein Applaus. Nur Stille.
Der sechste Tag war kein Tag für Heldenfotos. Er war ein Tag fürs Durchhalten, fürs Zuhören, fürs Atmen. Ein Tag, der nichts schenkt – aber alles gibt, wenn man genau hinschaut.
Resümee:
Der Weg hat heute nicht geschrien, er hat geflüstert. Und wer hinhört, hört mehr als Worte. Nebel, Regen, Erde – das sind keine Gegner. Das sind Prüfungen. Und jede davon bringt dich näher zu dir selbst.
„Wenn der Himmel dicht macht, reitet der Cowboy weiter. Denn wer auf Sonne wartet, verpasst den Weg.“ 🤠 Czytaj więcej
Cluny
12 października 2025, Francja ⋅ ☁️ 15 °C
TrailSoulKev – Tag 5 – Der Nebelritt nach Cluny
Howdy, Folks.
Manchmal hat der Himmel keine Lust auf Blau. Dann hängt da nur ein grauer Schleier über allem, dicht wie Rauch nach einem langen Feuer, feucht und schwer wie ein alter Mantel. So war’s heute. Der Tag begann im Dunst und blieb darin gefangen – ein stiller, langsamer Ritt durch den Nebel.
Früh in Buxy war die Straße noch nass vom Nachtregen, der Atem stand mir vor dem Gesicht. Kaum los, fand ich die alte Bahntrasse – mein Leitfaden für den Tag. Ein Streifen aus Schotter, eingesäumt von Hecken und alten Bäumen, still und endlos. Der Nebel nahm der Welt die Tiefe, ließ sie flach und nah erscheinen, fast wie eine Bühne mit zugezogenen Vorhängen. Jeder Schritt, jeder Atemzug klang lauter, dichter, echter.
Saint-Gengoux-le-National blieb irgendwo zur Seite hin verschwommen, kaum mehr als ein paar Dachkanten im Grau. Irgendwo da draußen, hinter Feldern und Bächen, lag auch Taizé – Ort der Stille, Ort der Einkehr. Ich sah ihn nicht, aber er war spürbar, wie ein leises Summen in der Ferne. Und dann, irgendwann, zeichnete sich Cluny ab. Nicht auf einmal, sondern in Andeutungen: ein Turm, ein Dach, der ferne Klang einer Glocke.
Als ich schließlich zwischen den Häusern stand, war die Welt wieder fester unter meinen Stiefeln. Der Nebel blieb, aber er war jetzt Begleiter, nicht Gegner. Ich suchte die Touristeninformation auf, besorgte mir den Pilgerführer für die nächsten Etappen – die Via Cluniacensis. Ein neues Kapitel. Der Chemin des Allemands, dieser alte Burgunderweg, hatte mich seit Trier hierher geführt – durch Sonne, Staub, Regen, Wind und heute eben durch den Nebel.
Die Unterkunft: schlicht, ehrlich, auf Spendenbasis. Zwei Nächte bleibe ich. Morgen will ich Cluny erkunden, Abtei und Stadt auf mich wirken lassen, bevor es auf den neuen Weg weitergeht. Heute Abend aber zählt nur eines: das Etappenbier. Der erste Schluck schmeckt nach Ankommen, nach Staub, der sich legt, und nach Freiheit, die bleibt.
Manchmal ist ein Tag wie dieser nicht laut, nicht spektakulär. Er zeigt dir keine großen Bilder, keine Pässe, keine Sonne. Aber er zieht eine Linie weiter, unscheinbar und echt. Und wer lang genug unterwegs ist, weiß: Gerade solche Tage schreiben die ehrlichen Kapitel im Trailbuch.
Ich sitze auf meiner Pritsche, Stiefel unterm Bett, das Geräusch der Heizung wie fernes Knistern. Draußen hat sich die Welt in Watte gelegt, und ich grinse leise.
Der Trail hat mich wieder ein Stück getragen – irgendwie, irgendwo, irgendwie genau richtig.
🤠 Ride on, Pilgrim. Der Chemin des Allemands endet hier. Ab morgen heißt die Spur Via Cluniacensis. Czytaj więcej
Fünf Berge und französische Hobbies
11 października 2025, Francja ⋅ ☀️ 17 °C
Tag 4: Chagny → Buxy
Ein Ritt durch den Nebel, fünf Berge und eine Handvoll französischer Hobbys
Howdy, Folks.
Der vierte Tag auf dem Trail – kein Spaziergang, kein Sonntagstrip. Ein grauer Morgen, zäher Hochnebel, die Sonne irgendwo da oben, faul wie ein alter Gaul. Ich schnall den Rucksack, zieh den Hut tiefer und stapf los. Von Chagny raus, das Pflaster hinter mir gelassen, der Staub wartet schon. Der Himmel hängt tief, aber die Luft ist klar – so klar, dass du jeden Atemzug schmeckst, als wär er durch Eisen gezogen.
Der Trail zieht sich heute anders – weniger Wein, mehr Wiese, mehr Wald. Die Reben treten zurück, die Erde wird dunkler, feuchter, schwerer. Der Chemin des Allemands, dieser alte Pfad durch Burgund, bleibt mein Begleiter. Ein Weg, der seine Spuren nicht nur im Boden trägt, sondern in der Seele derer, die ihn gehen. Er redet nicht viel, dieser Weg, aber er prüft dich, jeden Tag neu.
Fünf Berge stehen heute auf der Liste. Fünf Prüfungen, jede mit eigenem Charakter. Der erste lässt dich aufwärmen, der zweite täuscht dich mit falscher Milde. Der dritte – die Chaume de Givry – ist ein zäher Hund. Der zieht sich, Meter für Meter, zieht dir das Feuer aus den Waden. Aber oben wartet keine Aussicht, kein heroischer Blick in die Ferne – nur Nebel, Wind und der Dampf deines eigenen Atems. Dafür steht da eine Rinderherde mitten auf dem Grat, schön und ruhig, Charolais, weiß wie Wolken, die zu Boden gefallen sind. Ich geh einfach mitten durch. Die Viecher glotzen, ich nicke, wir verstehen uns ohne Worte. „Ihr fresst Gras, ich fress Kilometer“, sag ich leise, und geh weiter.
Der vierte Berg, Mont Avril – steiler, kantiger, härter. Der lässt keinen Platz für Gedanken. Da zählt nur Schritt für Schritt, Atem für Atem, bis der Kopf wieder frei wird. Und oben? Nichts. Kein Gipfelkreuz, kein Panorama, kein Lohn – nur der Wind, der dir durchs Hemd pfeift und dir sagt: Du bist noch da, Cowboy. Das reicht.
Rully, Mercurey, Jambles – die Dörfer, die ich passiere, wirken wie ausgestorben. Schöne Fassaden, geschlossene Fensterläden, das Leben dahinter bleibt verborgen. Vielleicht Weinbauern beim Mittag, vielleicht einfach Wochenende. Nur irgendwo weiter hinten knattern Motoren durch den Wald. Franzosen bei ihren Hobbys – die einen jagen Wild, die anderen jagen sich selbst auf Motocrossmaschinen. Der Trail hat viele Gesichter, und manchmal donnert er dir einfach vorbei.
Das offizielle Etappenziel, Moroges, lass ich links liegen. Kein Bett, kein Zimmer, kein Grund zu bleiben. Ich halte Kurs auf Buxy – ein paar Kilometer extra, aber dafür wenigstens ein Dach überm Kopf. Am Ortseingang still die Füße, zieh die Stiefel aus, atme den Tag aus. Der Dreck klebt, die Muskeln brennen, aber das Bier im kleinen Café schmeckt nach Sieg. Ich sitze da, schau den Leuten zu, wie sie Samstagnachmittag leben, und denk mir: Die meisten wissen gar nicht, wie still Freiheit schmecken kann.
Der Trail war heute kein Freund, aber auch kein Feind – eher ein alter Weggefährte, der dich testet, bevor er dich wieder an den Tisch lässt. Ich hab fünf Berge hinter mir, ne Handvoll Blasen, und das Gefühl, dass der Staub in meinen Poren jetzt zu mir gehört. Der Nebel hat mich begleitet, aber nicht besiegt.
Am Ende des Tages bleibt der Satz, den ich mir selbst sage, während ich das Bier austrinke:
Manchmal siehst du den Mont Blanc nicht – und brauchst es auch nicht. Der Weg reicht, wenn er dich auf die Probe stellt.
Ein weiterer Tag, ein weiterer Ritt. Kein Held, kein Tourist – nur ein Reiter ohne Pferd, unterwegs auf einer alten Spur, irgendwo zwischen Himmel, Erde und Staub. 🤠 Czytaj więcej
Côte de Beaune
10 października 2025, Francja ⋅ ☁️ 18 °C
TrailSoulKev – Tag 3: Beaune → Chagny
Ein Ritt durch die Reben 🤠
Howdy, Freunde des Staubs und der weiten Wege.
Wenn der Morgen nach kaltem Metall riecht und der Atem dampft wie die Auspuffluft alter Trucks, dann weißt du: Der Trail wartet. Kein Sonntagsspaziergang, kein Wandergruppen-Smalltalk – nur der Weg, die Sonne, der Wind. Heute: Beaune nach Chagny.
Die Sonne bricht golden über den Rebenhügeln hervor, und ich schultere den Rucksack wie ein Sattel. Der Pfad zieht sich raus aus Beaune, hinein in eine Landschaft, die aussieht, als hätte jemand die Erde mit Kupfer und Gold bepinselt. Weinreben, soweit das Auge reicht. Herbstfarben, die brennen. Jeder Schritt knirscht, jeder Atemzug schmeckt nach Erde und Leben.
Pommard kommt früh, still, ernsthaft. Ein Ort, in dem Männer und Frauen mit wettergegerbten Gesichtern in den Hangreihen arbeiten. Sie nicken kurz, mehr braucht’s nicht. Worte sind hier überbewertet. Der Wind trägt den Geruch von Trauben, Most und Metall mit sich. Ich ziehe den Hut tiefer ins Gesicht und halte die Spur.
In Volnay schläft der Morgen noch. Katzen dösen in der Sonne, irgendwo klappert ein Fensterladen. Ich gehe weiter, immer nach Süden, dem Licht entgegen. Dann Meursault – wie eine Filmkulisse in Burgund. Weiß getünchte Häuser, alte Schilder, Kopfsteinpflaster, das Geschichten erzählt. Ich setze mich in ein kleines Café, bestelle einen starken Kaffee, kaufe auf dem Wochenmarkt etwas Obst und Käse. Und weil der Trail seine Spuren hinterlässt, marschiere ich danach in die Apotheke und stocke meine Blasenpflaster auf. Ein Cowboy kümmert sich selbst um seine Wunden – wer sich beklagt, verliert den Respekt seiner Stiefel.
Hinter Meursault wird der Himmel weit, der Weg schmal. Ich laufe über Wirtschaftswege zwischen Reben, die im Licht glühen. Der Wind drückt warm von der Seite, die Sonne knallt – der Trail prüft dich, ob du’s ernst meinst. Ich atme tief, lasse den Schweiß laufen. Der Boden staubt, die Stiefel sind schwer, aber das Herz schlägt ruhig. Ich bin nicht unterwegs, um anzukommen – ich bin unterwegs, um zu leben.
Kurz vor Chagny dann die Herausforderung: Ein gesperrter Bahnübergang. Schranken unten, Absperrband, Sackgasse. Ich fluche leise – so läuft’s eben, wenn du dich auf die Straße des Lebens eingelassen hast. Statt umzudrehen, schlage ich mich quer durchs Gelände, suche mir den nächsten Weg, folge den Schienen, bis endlich eine Brücke kommt. Ein paar Extra-Kilometer, ein bisschen mehr Staub – aber der Trail wäre keiner, wenn er’s dir leicht machen würde.
Chagny empfängt mich am späten Nachmittag. Ich bin müde, hungrig, aber glücklich. In der kleinen Stadt finde ich eine Bar, stelle den Rucksack ab, bestell ein kaltes Bier und ein Omelett jambon fromage – pas salade, Cowboy-Stil. Das Bier beschlägt, der erste Schluck geht tief, und plötzlich ist da dieses Gefühl: Frieden. Kein großer, kitschiger Frieden – eher der schlichte, ehrliche Frieden eines Mannes, der weiß, dass er getan hat, was er konnte.
Später beziehe ich auf dem Campingplatz eine kleine Holzhütte. Ein Dach, ein Bett, vier Wände aus Holz – mehr Luxus, als ich brauche. Draußen zirpen Grillen, die Sonne taucht den Himmel in Feuerfarben. Ich sitze auf der Stufe vor der Tür, Stiefel im Staub, und lasse den Tag in den Abend kippen.
Der Chemin des Allemands – dieser alte Jakobsweg zwischen Dijon und Cluny – trägt seinen Namen mit Stolz. Kein Weg für Touristen, kein Selfie-Trail. Es ist ein ehrlicher Pfad für Menschen, die mehr suchen als Aussichtspunkte. Wer hier läuft, kämpft – gegen Sonne, Wind, Müdigkeit, und manchmal gegen sich selbst. In Beaune wimmelte es von Hochglanzmenschen mit Designer-Sonnenbrillen, die ihren Pinot nippten, als wäre das Leben ein Weintasting. Schön für sie. Ich dagegen hatte Staub auf den Lippen – und genau da schmeckt Freiheit am besten.
Als die Dunkelheit kommt, murmle ich leise in den Abend:
Der Wind ist mein Gefährte, der Staub mein Mantel – und der Weg mein Zuhause.
Bis morgen, ihr Staubreiter. 🤠🌄 Czytaj więcej

PodróżnikWenigstens scheinst Du von der E-Bike Fraktion verschont geblieben zu sein, die zuvor die Gegend unsicher gemacht hatte. ich hoffe, die Nacht im Hobbit Haus wird erholsam.
Rose de Bourgogne - Blut der Erde
9 października 2025, Francja ⋅ ⛅ 17 °C
Tag 2: Nuits-Saint-Georges → Beaune
Ein Ritt durch Reben, Stein und Staub
Tag 26
20 km
670 km gesamt
Morgen, Freunde des Staubs und der offenen Wege.
TrailSoulKev wieder im Sattel – zweiter Tag auf dem Chemin des Allemands, irgendwo zwischen Nuits-Saint-Georges und Beaune. Der Wind steht günstig, die Sonne trägt noch ihren Herbstmantel, und ich ziehe weiter, Schritt für Schritt, wie ein alter Cowboy ohne Pferd, der sich von der Spur leiten lässt, nicht vom Ziel.
Der Trail heute? Unspektakulär, sagen manche. Ich nenne es ehrlich. Kein Postkarten-Panorama, kein großes Drama – nur Weite, Wind und der ewige Rhythmus der Schritte. Es geht raus aus Nuits-Saint-Georges, vorbei an stillen Weinkellern, über weite Felder aus Stein und Erde. Der Boden knirscht unter den Sohlen wie feiner Schotter in einer alten Westernstadt. Rechts und links nichts als Reben, Reihen so gerade, als hätte jemand mit dem Lineal durch die Landschaft gezogen. Der Himmel weit, die Sonne flach, das Licht golden – Burgund im Oktober, ein Meer aus Glut und Staub.
Hinter Comblanchien verändert sich die Stimmung. Die Erde reißt auf – große Wunden, alte Narben, in denen der Mensch gebuddelt hat. Der Marmorabbau hat hier tiefe Spuren hinterlassen. Ganze Hänge sind aufgeschlitzt, weiß und rosa leuchten die Brüche in der Sonne. Der „Rose de Bourgogne“, wie sie ihn nennen – schöner Name für ein Gestein, das so hart ist, dass selbst die Zeit dran zu kauen hat. Manche Stollen führen tief unter die Weinberge. Verrückt, denke ich, während ich an einem zerbrochenen Stein lehne – oben wachsen Reben, unten wird die Erde selbst geerntet. Ein Land, das doppelt Früchte trägt: Wein und Stein.
Der Weg zieht weiter, wie ein alter Pfad durchs Niemandsland. Kein Schatten, kein Bach, nur das Knirschen meiner Stiefel im Staub. In Ladoix-Corton komme ich doch noch unter Menschen – kurz zumindest. Eine kleine Bäckerei, der Duft von frischem Brot zieht mich rein wie ein Lasso. Drinnen eine Frau, die aussieht, als hätte sie den Laden schon geführt, bevor es überhaupt Brot gab. Ich nehm ein Sandwich – rustikal belegt, ehrlich gewürzt, genau das, was ein Trail-Rider braucht. Draußen im Weinberg such ich mir meinen Platz, setz mich in die Sonne, Blick aufs Château Aloxe-Corton. Brot, Käse, Wind, Stille – mehr braucht kein Mensch.
Dann weiter. Die Sonne brennt jetzt tiefer, der Wind bläst mir den Staub ins Gesicht. Ich spür, wie die Müdigkeit in den Beinen kriecht. Aber ich kenn das Spiel – das ist der Punkt, wo du entweder einknickst oder dich reinlehnst in den Schmerz. Ich wähle Letzteres. „Ein Cowboy reitet nicht, weil’s leicht ist. Er reitet, weil’s ihn ruft.“ So oder so ähnlich.
Als ich Beaune erreiche, ist der Tag schon weich geworden. Die Stadt empfängt mich mit Kopfsteinpflaster und dem Geruch von Wein und Geschichte. Ich quartiere mich in einem kleinen Hotel ein, wo das Bett nach Holz riecht und das Fenster in einen stillen Innenhof zeigt. Später ziehe ich durch die Gassen, seh mir die Hospices an – dieses alte, bunte Dach, das schon mehr Pilger gesehen hat als der Himmel Sterne. Und dann sitz ich in einem Bistro, vor mir ein Teller mit warmem Essen, in mir dieses Gefühl von Frieden, das nur ein langer Tag auf der Straße bringt.
Der Chemin des Allemands zieht weiter – sechs Etappen bis Cluny, sagen sie, und wenn mich der Wind trägt, vielleicht noch fünf mehr bis zur Loire. Ich weiß nicht, ob ich’s tue. Aber ich weiß, dass ich weitergeh.
Am Ende dieses Tages bleibt Staub an meinen Stiefeln, Sonne auf der Haut und die Erkenntnis, dass Freiheit manchmal so still sein kann, dass man sie erst hört, wenn man nichts anderes mehr hört.
Fazit: Kein Heldentag. Kein Gipfel. Nur ein ehrlicher Ritt durch ein ehrliches Land. Und manchmal ist genau das der Stoff, aus dem Freiheit gemacht ist.
Oder wie ein alter Trail-Rider sagen würde:
„Manchmal ist der schönste Sieg einfach, wenn du den Sonnenuntergang noch gehen siehst – und nicht er dich.“ 🤠
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PodróżnikDas war die Etappe meiner Schlammschlacht mit Gewitter. Bei dir war der Trail offensichtlich milder gestimmt.

PodróżnikDurchaus, aber in Corgoloin in den Zug zu steigen, war wahrscheinlich nicht die schlechteste Wahl. Ab da nur noch Asphalt, platt durch die Ebene, bis auf das Schloss Aloxe-Corton nix sehenswertes.
360° Grand Cru
8 października 2025, Francja ⋅ ☁️ 17 °C
Tag 1 – Von Dijon nach Nuits-Saint-Georges
Aufbruch im Nebel
Tag 25
22 km
650 km gesamt
Morgen, ihr staubgeborenen Seelen.
Hier ist TrailSoulKev – zurück auf dem Sattel, die Stiefel im Staub und den Blick nach vorn. Der erste Tag auf dem Jakobsweg liegt hinter mir – und der hatte alles, was ein richtiger Trail braucht: Nebel, Staub, Sonne, Müdigkeit, Reben, Wind. Und irgendwo dazwischen – dieses leise Gefühl, dass der Weg mehr mit dir macht, als du mit ihm.
Der Tag begann, wie solche Tage beginnen müssen – mit einem Ritt durch die Nacht. Ich steige abends in Aachen in den Zug, rolle bis Essen, wo ich noch was Warmes zwischen die Zähne kriege, bevor ich in denselben Flixbus steige, der zwei Stunden später erst in Bonn losgefahren wäre. Ein alter Cowboy-Trick: lieber satt und wach, als hungrig und müde.
Im Bus – erwartungsgemäß kein Zuckerschlecken. Rücken durch, Beine eingeklemmt, Kopf gegen die Scheibe. Schlaf ist hier kein Zustand, sondern ein Kampf. Aber irgendwann siegt die Müdigkeit, und als ich die Augen öffne, ist Frankreich schon wach. Dijon, Punkt sieben. Ich stolpere raus, wie einer, der nach einer langen Nacht endlich wieder festen Boden spürt.
Die Tram bringt mich raus nach Chênove – letzter Außenposten vor der Wildnis der Reben. Der Himmel hängt tief, die Luft ist feucht, Nebel schiebt sich über die Dächer wie kalter Atem. In einer kleinen Bäckerei gibt’s ein Croissant, einen Café, und für ein paar Minuten fühlt sich alles friedlich an. Danach: Rucksack hoch, Gurt stramm, und raus aus der Stadt.
Der Jakobsweg hier – der Chemin des Allemands, der alte Burgunderweg – ist kein Trail für Romantiker. Er führt nicht durch hübsche Dörfer, sondern an ihnen vorbei, als hätte er keine Zeit für Postkartenmotive. Marsannay-la-Côte, Couchey, Fixin – sie bleiben am Rand, ein paar Dächer, ein Kirchturm in der Ferne. Kein Café, kein Laden, kein Schild mit „Bienvenue“. Nur Erde, Reben und der Wind.
Die Sonne lässt sich Zeit. Gegen Mittag bricht sie durch, und der Nebel löst sich auf wie ein alter Vorhang. Plötzlich liegt Burgund in voller Pracht vor mir – goldene Reihen von Rebstöcken, sauber gezogen, wie mit dem Lineal der Götter. Grand Cru, sagen sie hier. Ich sag: ehrlicher Boden.
Zwischen Gevrey-Chambertin und Morey-Saint-Denis schneidet sich der alte Bahndamm der Tacot-Bahn durch die Hänge – eine vergessene Schmalspurbahn, die einst Wein und Menschen von Dorf zu Dorf brachte. Heute ruht sie, still und bemoost. Der Tunnel liegt halb versteckt zwischen Brombeersträuchern, sein Eingang dunkel wie ein Maul. Ich bleibe stehen, atme den kühlen Hauch, der herausströmt. Alte Schienenwege haben ihre eigene Magie – sie erzählen von Zeiten, als Reisen noch Arbeit war. Ich streiche über den Mauerstein, rau wie alter Sattelgurt. Dann gehe ich weiter.
Hinter dem Tunnel steigt der Weg an. Oberhalb von Morey-Saint-Denis öffnet sich die Landschaft plötzlich, als hätte jemand den Vorhang aufgerissen: Heideflächen, golden und weit, das Licht klar, der Blick frei. Hier oben weht ein anderer Wind. Er trägt die Stille in sich, aber auch diese raue Größe, die dich Demut lehrt. Ich setze mich auf einen Stein, sehe über die Hänge, über all die Reben, die sich wie grüne Wellen bis zum Horizont ziehen. Ein paar Krähen kreisen, sonst nichts. Wenn du hier sitzt, brauchst du kein WLAN, kein Publikum, kein Ziel. Nur den Atem und den Moment.
Der Abstieg nach Vougeot, Vosne-Romanée, schließlich Nuits-Saint-Georges zieht sich. Das Licht wird weich, die Sonne müde. Meine Beine spüren jeden Kilometer, aber mein Kopf ist still – leer im besten Sinn. Ich komme an, wie man ankommt, wenn man nichts mehr sucht. Auf dem Stadtplatz ein kühles Bier – das erste Burgunder des Tages, und das ehrlichste.
Mein Quartier liegt etwas außerhalb – ein privates Haus, Jakobsfreunde, Spendenbasis. Einfach, warm, echt. Ein paar Sätze auf Französisch, ein Teller Suppe, ein Stück Brot. Ich erzähle ein bisschen, höre zu, und merke, wie mir die Lider schwer werden. Der Wind rüttelt am Fenster, und in meinem Kopf hallt noch das rhythmische Knirschen meiner Schritte.
Resümee:
22 Kilometer durch das Herz Burgunds – von Nebel zu Sonne, von Asphalt zu Erde, von Müdigkeit zu Frieden. Der Jakobsweg hier ist kein Wanderweg, er ist eine Prüfung. Du kriegst keine hübschen Dörfer, keine Souvenirläden, keine Schirme gegen den Regen. Du kriegst Staub, Wind, Sonne und Stille. Und genau das macht ihn echt.
Heute hab ich wieder gespürt, warum ich das tue. Nicht, weil ich irgendwo ankommen will – sondern weil ich unterwegs sein will. Weil ich wissen will, wie weit mein eigener Staub reicht.
Wie man hier sagt:
„Der Weg schenkt dir nichts – aber er nimmt dir alles, was du nicht brauchst.“
Bis morgen, Freunde.
Euer TrailSoulKev,
Lone Rider auf dem Chemin des Allemands. Czytaj więcej

PodróżnikLone Rider… Wäre gut, wenns dabei bleibt. Bei mir haben (meist französische) Pilger die wenigen donativo Herbergen besetzt, so dass ich auf konventionelle Übernachtungsoptionen zurückgreifen musste. Ich wünsche Dir weiterhin einen bon Chemin.

Podróżnik
Ich hab genau das gleiche Bild aus exakt gleicher Perspektive gemacht 🤭
Zug nach nirgendwo
1 października 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 14 °C
Der Morgen begann dort, wo die Züge langsam werden – am Bahnhof Blankenheim-Wald, einem Stück Einsamkeit mitten im Nirgendwo. Die Schienen ziehen sich still durch die Wälder, und wer hier parkt, der weiß: Zurück geht’s nur zu Fuß.
Ein kurzer Ritt mit dem Zug nach Nettersheim, dann hieß es: Sattel anziehen, Staub schlucken, Schritte zählen. Der Pfad zieht erst aus dem Genfbachtal hinauf – trailig, wurzlig, so wie ein Cowboy es mag, wenn der Tag jung ist. Oben öffnet sich die Hochfläche, Wirtschaftswege ziehen schnurgerade durch Felder und Dörfer. Engelgau, Frohngau – Orte, die still im Sonnenlicht liegen. Der Dorfladen in Frohngau hatte geschlossen, also Rast auf einer Bank, nur der Wind als Gesellschaft.
Dann zurück Richtung Urfttal. Wald nimmt dich auf, das Haubachtal – ein stilles Naturschutzgebiet, in dem die Zeit langsamer läuft. An einem Weiher sitze ich zum zweiten Mal. Ein Karpfen starrt mich an, Libellen tanzen übers Wasser, eine Eidechse huscht zu schnell fürs Auge der Kamera. Die Stiefel ruhen, die Seele schweift.
Weiter, über Wiesen voll blühender Herbstzeitlosen. Ein giftig-schönes Meer in Pink, das wie ein Teppich am Rand des Trails liegt. Noch einmal die Urft gekreuzt, dazu die Bahnlinie, dann zieht der Weg wieder pfadig hinauf in den Wald.
Die Überraschung kommt an einer großen Schutzhütte: Ein Hinweis – im Erdkeller hinter der Hütte kühles Bier, Kasse des Vertrauens. Schön, dass es so etwas noch gibt. Ich gönne mir eine Flasche, die Sonne wärmt schon kräftiger, und per Handy wandert das Geld in die Kasse. Ein Moment Freiheit, ein Gruß an die Ehrlichkeit.
Der Rest des Weges führt zurück in die Einsamkeit, durch Wälder, bis wieder der Bahnhof auftaucht. Blankenheim-Wald. Noch immer still, noch immer verlassen. Der Kreis schließt sich. Czytaj więcej
Zug von Rom nach Paris
27 września 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 15 °C
Howdy, Freunde der staubigen Wege. TrailSoulKev ist zurück aus dem Westerwald, der Körper noch frisch von der Reha, die Seele aber gierig nach Freiheit. Jetzt ruft wieder die Eifel – rau, herbstlich, ehrlich. Ende September, die Luft kühl bei neun bis vierzehn Grad, wolkig und feucht. Das Gras tropft noch vom Morgen, der Boden saugt sich schwer unter den Stiefeln fest. Kein Spaziergang, sondern ein Ritt durch die Elemente.
Am Bahnhof von Urft stelle ich meinen Wagen ab. Ein schmuckloser Klotz am Gleis, aber das Tor zu meinem heutigen Trail. Schon nach den ersten Schritten entlang der Urft wird klar: dieser Abschnitt ist nicht nur für harte Kerle. Märchenstationen säumen den Pfad, Figuren aus Holz, kleine Geschichten für Kinder. Ein hübscher Kontrast zu meinem staubigen Cowboyfilm, fast wie ein fremder Soundtrack auf meiner Spur. Doch auch das gehört zur Wahrheit des Trails.
Kurz darauf quere ich die Gleise der wieder aufgebauten Bahn, die sich wie eine Narbe durchs Tal zieht, und stoße auf den Grünen Pütz. Ein unscheinbares Brunnenhaus, doch von hier aus zog einst das Wasser über die römische Leitung bis nach Köln. Ich stelle mir Legionäre vor, die hier schufteten, Stein um Stein. Freiheit ist flüchtig, aber Bauwerke wie dieses sind eiserne Spuren.
Von hier geht’s auf der Via Agrippa bergauf – ja, auf einer echten römischen Straße, die heute als steiler Waldweg durchzieht. Kein Asphalt, keine Schonung, nur Steine und feuchtes Laub, das unter den Stiefeln rutscht. Der Anstieg brennt kurz in den Waden, aber oben lockert sich das Gelände. Der Weg zum Königsberg ist kein Kampf mehr, eher ein gleichmäßiges Ziehen. Auf einer Bank mit Blick hinüber zum Kloster Steinfeld gönne ich mir meine Frühstückspause. Ein Brot, ein Schluck Wasser – einfach, aber es schmeckt wie Gold in diesem Moment. Das Kloster steht da wie eine Bastion gegen die Zeit, und ich sitze davor wie ein einsamer Reiter, der kurz die Zügel lockerlässt.
Vom Grünen Pütz bis hier laufe ich übrigens wieder auf dem Eifelsteig – nur diesmal in Gegenrichtung. Das ändert sich bald, denn der Trail zieht mich ins Gillesbachtal, eine enge, wilde Kerbe im Gelände. Der Aufstieg fordert mich noch einmal richtig. Letzte steile Rampe hinauf zum Mertesberg, Schweiß im Gesicht, Atem schwer. Oben die Fuchshöhle, kühl, dunkel, geheimnisvoll. Für einen Moment lehne ich mich hinein, spüre den Stein, der nach Jahrhunderten immer noch dieselbe Kälte ausstrahlt.
Dann Marmagen. Heute ein ruhiges Eifeldorf, einst Marcomagus, ein römischer Verkehrsknotenpunkt. Kaum zu glauben, dass von hier aus Spuren bis nach Paris führen: Der Stammbaum des großen Ingenieurs Gustave Eiffel reicht zurück nach Marmagen, sein Vorfahr Leo Alexander Bönickhausen stammte von hier. Der Mann, dessen Turm heute die Skyline von Paris prägt, trägt also ein Stück Eifel in sich.
Ich gönne mir dort eine Rast im Café: zwei Stück Kuchen, ein Kännchen Kaffee. Süßer Luxus nach all dem Staub und Schweiß – so etwas gönnt sich auch ein Cowboy mal, wenn er’s verdient hat.
Gestärkt ziehe ich weiter. Vorbei am Matronenheiligtum Görresburg, drei Göttinnen, drei Zeichen für Schutz und Fruchtbarkeit. Ich sehe die rekonstruierten römischen Langhäuser, das kleine Kastell am Hang. Geschichte liegt hier nicht hinter Glas, sie steht einfach so am Weg, rau und ungeschönt.
Schließlich Nettersheim. Der Bahnhof wirkt wie ein Außenposten am Ende des Trails. Ich setze mich auf die Bank, beiße in mein zweites Brot und trinke das letzte Wasser. Vierzig Minuten Wartezeit bis zum Zug. Sechs Minuten Fahrtzeit zurück nach Urft. Kein Spektakel, kein Publikum. Nur ich, die Stiefel voller Staub, der Rücken schwer und der Kopf leergezogen von einem Tag auf dem Trail.
Resümee: Der Eifelbahnsteig zeigt sein Gesicht, wenn der Herbst die Kanten schärft. Nasser Boden, kühle Luft, steile Anstiege. Märchen am Anfang, Geschichte in der Mitte, stille Rast am Ende. Kein Trail für Touristen, sondern ein rauer Ritt für alle, die wissen wollen, wie Freiheit schmeckt. Wer hier geht, ist kein Spaziergänger. Wer hier geht, ist ein Lone Rider. Und ich sage es euch: Der Eifelbahnsteig ist wie ein alter Colt – schwer, ehrlich, ohne Schnickschnack. Führen musst du ihn selbst. Czytaj więcej
Rückschlag
24 września 2025, Belgia ⋅ 🌧 9 °C
Der Morgen begann nicht mit Pferd und Sattel, sondern mit einem nüchternen Arztbesuch im Nachbardorf. Doch wenn der Doc schon die Marschrichtung vorgibt – „viel Spazierengehen, Cowboy“ –, dann sattelt man eben anders: den Wagen ein Stück weiter auf den alten Bahnhof von Konzen verlegt, Motor aus, Zündschlüssel abgezogen, und los. Dort, wo früher Züge rollten, beginnt heute mein Jagdrevier.
Kaum die Stiefel geschnürt, zieht’s mich nach Nordost, hinein ins Gebiet, das die Leute hier „Om Schöllche“ nennen. Ein schmaler Fahrweg, längst überwuchert, als hätte die Natur ihn zurückerobert. Bald nur noch ein Pfad, dann eine Trittspur bis hinauf zu einem Hochsitz – und schließlich eine kleine Wildkamera, die mir wie ein stummer Sheriff den fotografischen Beweis liefert: Der Cowboy war hier. Vier Squadratinhos sacke ich dabei ein, mitten in dem widerspenstigen Revier namens „Hoscheit“. Ich weiß jetzt schon, das wird mir noch ein paar Mikroexpeditionen abverlangen, teils bei Nacht und Nebel um vom nahegelegenen Bauernhof nicht gesehen zu werden. So wie ein störrischer Mustang, den man nicht beim ersten Versuch zähmt.
Zurück zum Bahnhofspfad, dann schwing ich mich auf die alte Bahntrasse gen Süden. Ein paar Feldwege zweigen ab, ziehen mich hinaus ins Venn, wo die Luft klarer und der Boden weicher wird. Unterwegs stoße ich auf eine Besonderheit, die nur die Grenzländer kennen: Rückschlag, die kleinste der sechs deutschen Exklaven.
Nun, was ist so ’ne Exklave? Stell’s dir vor wie ’ne kleine Ranch, die zwar dem Sheriff deiner Stadt gehört, aber weit draußen mitten im Territorium der Nachbarn liegt. Abgeschnitten, umzingelt, aber doch immer noch dein eigenes Stück Land. Rückschlag ist so ein verirrtes Stückchen Deutschland, eingeklemmt zwischen Belgien und Grenzgeschichten.
Mit weiten Haken ziehe ich weiter, sammel ein Squadratinho nach dem anderen ein, wie ein Trapper seine Fallen kontrolliert. Und dann tritt das Schmuggelpäddje in mein Blickfeld – ein alter Pfad, der sich über Wiesen und durch Wald zieht, direkt nach Belgien. Hier schleppten sie einst Zentner um Zentner Kaffee über die Grenze, in Nächten voller Risiko. Heute trag ich nichts außer einer digitalen Landkarte im Kopf und der Gier nach Quadraten unter den Stiefeln.
Schließlich stehe ich am Rand des Hohen Venns, dieser stillen, wilden Weite. Strenges Naturschutzgebiet – hier bleibt manches Squadratinho unberührt, wie ein verbotenes Goldvorkommen hinterm Zaun. Ich umrunde, nehme mit, was geht, und markiere im Herzen die Lücken: ein andermal, Cowboy, ein andermal. Für das Übersquadratinho ist hier jedenfall Schluss.
Nach gut 8,5 Kilometern, 44 Squadratinhos und zwei brandneuen Squadrats kehre ich heim zum Ausgangspunkt: der alte Konzener Bahnhof. Ein Yard, der gewachsen ist. Ein Cowboy, der seinen Auftrag erfüllt hat. Und ein Doc, der wohl zufrieden wäre: Bewegung verordnet, Abenteuer geliefert. Czytaj więcej
Wollerscheid und Kämpchen
23 września 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 12 °C
Zurück auf heimischem Boden. Heute ging’s raus vor die Tür, rein in die kühle Herbstluft, um die ersten Spuren im Eifelstaub zu ziehen.
Gleich vor der Haustür hab ich mir die ersten zwei Squadratinhos geschnappt – direkt an der belgischen Grenze, da wo der Wind über das Venn fegt und noch ein bisschen wallonisch spricht.
Danach hab ich mein Pferd, äh meine Beine, über die Wollerscheider Wiesen getrieben, hoch zum Fernsehsender-Turm, am Glaskreuz vorbei und rein in die Wälder.
Ein schmaler Pfad hat mich Richtung Kämpchen geführt, durch die Siedlung und hinaus zu einem einsamen Wiesenweg – nur weil am Ende dieses Trails noch ein letzter kleiner Quadrat-Schatz auf mich gewartet hat. Cowboy-Ehre verpflichtet: Den musste ich mir holen.
Nach gut einer Stunde stand ich wieder vorm eigenen Saloon. 5,88 Kilometer in den Beinen, 14 frische Squadratinhos in der Satteltasche, das avisierte Gebiet lückenlos gefüllt. Mein Yardinho und das große Übersquadratinho sind zwar noch im Westerwald geparkt – aber der Anfang für den Eifel-Stützpunkt ist gemacht.
🍂 Kühle Herbstluft, trockener Boden, klare Gedanken. Genau so muss ein Cowboy den Heimritt beginnen. Czytaj więcej
Homebase
22 września 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 9 °C
Zu Hause siehts, nachdem ich meine Wanderungen auf dem Eifelsteig hochgeladen habe und ein paar Radtour en, die noch auf Strava waren, so aus. Wird Zeit, die Ranch aufzuräumen.
Waldbreitbach / Westerwald
22 września 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 11 °C
„Während ich auf Kur war, hab ich rund um Waldbreitbach meine Quadrate eingefangen. Die Beweisfotos liegen im Westerwaldsteig-Album. Mein kleines Revier – der Yardinho – zählt dort jetzt gut siebzig Squadratinhos. Ein Outpost, eine Art Fort mitten im Westerwald. Auch mein großes Übersquadratinho, ein sattes 7x7, hockt im Westerwald.
Aber das gehört alles wieder heim – zurück in die Eifel.“ Czytaj więcej

PodróżnikOh, Du sprichst in einer mir völlig unbekannten Sprache. Ich bitte um Erklärung, woher das Jagen nach Quadraten kommt.

PodróżnikErkläre ich doch gerne. Ein online Spiel, das ich per Zufall gefunden habe. Die Welt ist in Squadrats unterteilt, je ca. 1,6*1,6 km2 groß. Versuche so viele wie möglich aus Muskelkraft zu erreichen (aufzeichnen geht zur Zeit mit Strava, eigene App soll folgen). Squadratinhos ist das ganze in klein, nur 200*200 m2 groß. Auf www.squadrats.com gibt's mehr Infos, was ein Yard oder ein Übersquadrat ist. Nette kleine Spielerei, um mal vor die Tür zu gehen, und was am Ende des Weges liegt, an dem man sonst immer vorbei geht.

PodróżnikCool, werde ich in Krefeld mal ausprobieren. Ich kenne nur, an Kreuzungen immer nach rechts oder links abbiegen. Da lernt man auch Neues um die Ecke kennen.
Von Regen, Reha und Rückkehr
21 września 2025, Niemcy ⋅ 🌧 15 °C
Eigentlich sollte der heutige Ritt in Oberlahr beginnen, am Westerwald-Treff, hinüber nach Flammersfeld und weiter nach Weyerbusch. Doch seit gestern Abend trommelt der Regen ununterbrochen auf Dächer, Straßen und Wälder. Kein Aufhören in Sicht, nur graue Vorhänge, die den Westerwald in eine triefende Wildnis verwandeln. Heute also kein Wandern.
In zwei Tagen endet meine Zeit hier. Die Reha schließt sich wie ein Kapitel, und es geht zurück in die Eifel, dorthin, wo meine Spur zuhause beginnt. Aber das Ende ist nur ein Komma, kein Punkt. Der Westerwaldsteig liegt noch vor mir, und meine Pläne sind so klar wie ein Kartenblatt:
Ein Basislager in Altenkirchen – von dort lassen sich die Etappen von Oberlahr bis Hachenburg mit Bus und Bahn bequem erreichen. Und wenn ich später tiefer ins Land reite, wird Hachenburg selbst zur neuen Zentrale. Von dort ist es ein Katzensprung nach Bad Marienberg, zur Westerwälder Seenplatte oder weiter nach Westerburg.
Heute zwingt mich der Regen zur Ruhe. Doch ich weiß: Der Trail läuft mir nicht weg. Er liegt da draußen, nass, rau, geduldig. Und wenn die Zeit reif ist, sattel ich wieder auf. Der Westerwaldsteig geht weiter – irgendwann. Czytaj więcej
Von Herrlichkeiten und Dämlichkeiten
14 września 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 18 °C
Der Tag begann nicht auf dem Trail, sondern auf der Landstraße. Kaum losgefahren, stand plötzlich eine Rinderherde quer über die Fahrbahn. Hörner, große Augen, dampfende Nüstern – und ein Bauer, der verzweifelt hinterherlief. Für andere ein Stau, für mich eine Gelegenheit. Ein Cowboy tut, was ein Cowboy tun muss: Also raus aus dem Wagen, Arme breit, Stimme fest, und die Rinder zusammengetrieben. Ein kurzer Job, ein dankbarer Handschlag vom Bauern, und weiter nach Neustadt (Wied), wo der eigentliche Ritt des Tages begann.
Die Luft war noch feucht vom Regen, die Sonne blinzelte zaghaft durch Wolkenlücken. Knapp zwanzig Grad – ideales Wetter, um den Körper anzutreiben. Der Anstieg zog gleich kräftig an, hoch zum Bertenauer Kopf. Oben belohnte mich die Aussicht: Basaltblöcke, stumm und schwarz, ragten in den Himmel, und das Wiedtal breitete sich unter mir aus wie eine riesige Landkarte. Weiter östlich kam die sogenannte Mettelshahner Schweiz – eine Landschaft wie aus einem Bilderbuch: schroffe Felsen, dichtes Grün, unten der Fluss, der sich durch das Tal wand. Für einen Moment hielt ich inne, atmete tief, und spürte, dass der Westerwald auch schön kann, nicht nur hart.
Der Trail führte weiter, Wald auf, Wald ab, bis zum alten Eisenbahntunnel und damit in die Lahrer Herrlichkeit, so nennt sich dieser Abschnitt des Wiedtals. Heute ist er beleuchtet, ein Knopfdruck, und die Röhre erstrahlt in kaltem Neonlicht. Kein Platz für Abenteuer im Dunkeln, kein Risiko. Also zog ich zügig hindurch, die Schritte hallten, Tropfen fielen von den Wänden. Kaum wieder draußen, erwischte mich meine kleine Dämlichkeit des Tages: Ich hatte die falsche Abzweigung genommen, marschierte gut einen halben Kilometer in die falsche Richtung, ehe ich den Irrtum bemerkte. Fluchend drehte ich um. Kein Beinbruch, aber diese Extra-Schritte sind wie ein höhnisches Grinsen vom Trail: „Bleib wach, Cowboy, sonst spiel ich mit dir.“
In Peterslahr schüttelte ich den Ärger ab. Der Weg zog wieder hoch nach Horhausen, vorbei an Infotafeln über große Männer wie Krupp, der hier Erz fördern ließ, und Raiffeisen, der mit seinen Ideen Straßen und Brücken in den Westerwald brachte. Die Geschichte hängt hier nicht im Museum, sie steht am Wegrand, verankert im Boden.
Im Grenzbachtal wartete der Holderstein-Klettersteig. Stahlseile, Eisenstufen, eine kleine Herausforderung. Ich hätte Lust gehabt, die Wand hochzugehen, doch dort kletterte gerade eine Frau mit ihrem Sohn – beide ordentlich ausgerüstet, Helm und Gurt. Ich blickte auf meine leeren Hände, keinen Helm, keinen Gurt. Da packte mich der Gedanke: Vorbildfunktion. Kein Cowboy klettert ohne Sicherung, wenn ein Kind zusieht. Also weiter, den Hang entlang, die Entscheidung im Rücken, aber ohne Reue.
Die letzten Kilometer führten nach Bürdenbach/Bruch. Am Sportplatz lief ein Kreisliga-Kick, SC Sayn-Bendorf gegen VfL Oberlahr-Flammersfeld. Rufe hallten, der Geruch von Bratwurst lag in der Luft. Ich setzte mich an die Bushaltestelle, gönnte mir eine Grillwurst und ein kaltes Bier, und ließ die Minuten bis zur Abfahrt vergehen. Kurios am Ende: dieselbe Haltestelle trägt zwei Namen – für den Bus 125 heißt sie Westerwaldtreff, für den 120er Bürdenbach Bruch.
Der Bus brachte mich zurück nach Neustadt. Im Fenster spiegelten sich Staub und Schweiß, und irgendwo im Hinterkopf lachte der Trail über meinen Umweg. Herrlichkeiten in der Landschaft, Dämlichkeiten in den Füßen – so läuft das Leben auf der Spur. Czytaj więcej
MONsentier
13 września 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 14 °C
🌿 MONsentier – Ein Kreis um Monschau
Überall sprießen gerade neue Rundwege rund um Städte hervor: Kölnpfad, Rund um Düsseldorf, der TROPfad bei Troisdorf. Jetzt ist auch Monschau dran – mit dem MONsentier.
Der MONsentier führt einmal rund um die Stadt Monschau, so nah wie möglich an der Stadtgrenze entlang. Er ist rauer und wilder als seine „urbanen Geschwister“: Statt Straßen und Vororten erwarten mich Moore, Wälder, Grenzpfade und stille Täler. Wer hier unterwegs ist, erlebt das Monschauer Land von allen Seiten – Belgien zum Greifen nah, das Hohe Venn im Rücken, die Rur als ständiger Begleiter.
👉 57 Kilometer misst der Kreis insgesamt.
Aufgeteilt ist er in drei große Etappen – jede beginnt und endet an einer Bushaltestelle, damit der Weg auch für Wanderer ohne Auto machbar bleibt. Die Königsetappe führt von Kalterherberg (Kleinfrankreich) bis nach Widdau und verlangt mit knapp 26 Kilometern echte Ausdauer. Wer den ganzen MONsentier an einem Stück gehen oder laufen will, darf sich auf ein echtes, 57 km langes Abenteuer einstellen.
Der MONsentier ist kein Wohlfühlweg, sondern ein ehrlicher Pfad. Er fordert, schenkt aber auch viel: Grenzlandschaften, das Kreuz im Venn, wilde Bachtäler, den Hexenplatz, das Paustenbacher Venn und immer wieder stille Ausblicke auf Monschau.
So reiht sich der MONsentier ein in die neue Bewegung der Stadtumrundungen – aber eben auf Cowboy-Art: weniger Asphalt, mehr Natur, weniger Komfort, mehr Seele.
Ein Kreis um Monschau – rau, wild, echt. 🌲🤠 Ich gehe ihn an, sobald ich wieder in meiner Heimat bin. Czytaj więcej

PodróżnikNie von gehört, aber die dortige Landschaft gibt viel her. Ich setze den mal auf meine Liste für ein (verlängertes) Wochenende.

PodróżnikSuper und dann vielleicht auch offiziell an den Start bringen. Ich bin gespannt, welche Ideen Du hast.

PodróżnikIdeen hab ich einige, lässt sich schön mit existierenden Wegen verknüpfen. Offiziell hab ich keine Ahnung mit, und das wird auch nicht einfach sein, da das Wanderwesen in Monschau in fester Hand ist (Eifel Tourismus, Eifelsteig, Eifelverein). Und gerade die Südostflanke ist alles andere als tourifreundlich. Das sind echt 26 harte Eifelkilometer, nur durch Wald, durch mehrere Talquerungen. Eine Einkehr gibt's erst bei km 22.

PodróżnikDas hört sich wirklich heftig an. Hoffentlich gibt es auf dem Stück wenigstens Bänke.

PodróżnikIch werde sie zählen, wenn ich den Weg gehe, aber ein Blick auf OSM lässt mich erahnen : eine Hand reicht aus.

PodróżnikIst Naturschutzgebiet, oder? Damit fällt Wildcampen wohl flach…?

PodróżnikDas muss man wohl respektieren. Wäre nett, wenn’s da einen offiziellen Trekking Platz gäbe…
Von Wackes und Wällern
7 września 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 24 °C
Morgens in Roßbach, die Sonne noch mild, der Himmel klar. Ich wusste schon: Das wird ein langer, heißer Tag. Die Temperaturen sollten von 20 bis 28 Grad klettern – kein Wetter, das dir etwas schenkt, aber genau richtig, um sich den Staub auf die Haut schreiben zu lassen.
Gleich nach dem Ortsausgang kam der Anstieg, der steile Zahn, der mich hinauf aufs Roßbacher Häubchen brachte. Die Basaltsäulen standen da oben wie schwarze Wackes, kantig und störrisch, als hätte der Westerwald selbst seine Muskeln spielen lassen. Oben auf dem Kegel wehte ein trockener Wind, und der Blick über das Wiedtal war scharf wie ein Messer – Wälder, Felder, Dörfer, alles klein und klar unter mir. Ich blieb kurz stehen, nahm den ersten Schluck Wasser, und dachte: „Das hier ist kein Sonntagsspaziergang. Das ist ein Pakt mit dem Trail.“
Der Weg führte runter, wieder hoch, immer am Rand des Wiedtals entlang. Die Sonne brannte inzwischen kräftiger, der Schweiß lief, und ich spürte, wie jeder Schritt Gewicht bekam. Hinter Strauscheid traf ich einen Mann mit Astschere und orangefarbener Weste. Ein Wegewart, wie er sich nannte. Er schnitt die Markierungen frei, damit Leute wie ich nicht vom Pfad abkommen. Wir plauderten kurz über den Steig, über die Mühen, ihn in Schuss zu halten. Zum Abschied drückte er mir einen kleinen Pin vom Westerwaldsteig in die Hand – ein stilles Abzeichen, das mir zeigte: Ich gehöre jetzt dazu.
Danach öffnete sich die Landschaft. Ein langer Abschnitt über Wiesen, der Waldrand links, die Sonne von oben – kein Schatten, nur dieser endlose, heiße Teppich aus Gras. Ich biss die Zähne zusammen, setzte einen Schritt vor den anderen. Dann über die Autobahn A3, der Lärm donnerte wie ein Kontrastprogramm zum Schweigen der Wälder. Hinter der Brücke lag der Jungfernhof, eine kleine Oase mit weitem Blick, und kurz danach der stille Manrother See, dunkelgrün, mit Libellen, die knapp über der Wasseroberfläche tanzten.
Dort fand ich etwas, das mich innehalten ließ: ein kleiner bemalter Glücksstein, auf die Rückseite ein Schutzengel gekritzelt. Einfach, unscheinbar – aber manchmal sind es genau diese Dinge, die dir den Rücken stärken. Der Stein kommt mit in die Eifel, als Erinnerung daran, dass man nie ganz allein unterwegs ist.
Der Abstieg nach Neustadt (Wied) war lang und heiß, die Sonne stand jetzt gnadenlos hoch. Die Felsen im Tal wirkten wie ein Canyon, scharfkantig, eng, und unten rauschte die Wied. In der Stadt ließ ich mich schließlich in ein Bistro fallen, bestellte einen ordentlich gefüllten Wrap mit Fleisch und Gemüse und dazu ein kaltes Bier. Es schmeckte nach Freiheit, nach Staub, nach einem Tag, an dem ich mir den Weg verdient hatte.
Mit schwerem, aber zufriedenen Schritt stieg ich in den Bus 130, der mich zurück nach Roßbach brachte. Durchs Fenster glitten die Höhen vorbei, über die ich vor Stunden noch gegangen war. Sonne, Basalt, Schweiß, Gespräche, ein Stein in der Tasche – der Tag hatte mir alles gegeben, was ein Cowboy braucht. Czytaj więcej

Podróżnik
Was der Weg Dir schenkt, solltest Du mit Dir tragen. Der Schutzengel ist ja allerliebst.

Ernie und BertCool! "I´m just another Cowboy on the run" (Quicksilver Messenger Service)
Von Römern und ihren Grenzen
31 sierpnia 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 23 °C
Es war einer dieser Tage, an denen der Morgen noch nicht wusste, ob er Regen oder Licht bringen wollte. Am Ufer des Rheins in Bad Hönningen stand ich, der Strom tief und gleichgültig, als ob er sagen wollte: „Komm, Junge, geh deinen Weg, ich fließ weiter.“ Gleich daneben der Limesturm I, steinerner Wächter einer Grenze, die längst keiner mehr braucht. Und doch, als ich die ersten Schritte auf den Westerwaldsteig setzte, spürte ich diesen Hauch von Geschichte. Hier ritten schon andere vor mir – Legionäre, Händler, vielleicht auch ein paar verlorene Seelen, die wie ich den Kopf freikriegen wollten.
Der Trail nahm mich nicht freundlich auf. Schon hinter dem Ort zogen sich die Wege an, der Wind stand quer, und die feuchte Luft hing wie ein schwerer Mantel über mir. Kein Sommerduft, kein sanftes Licht – nur ein grauer Himmel und der Geruch von nassem Basalt. Aber weißt du was? Ich mochte das. Der Westerwald ist kein Zuckerschlecken. Er testet dich gleich am ersten Tag, ob du wirklich hierher gehörst oder nur spazieren willst.
Kurz hinter Bad Hönningen lag die RömerWelt. Ein Ort, an dem man sich für ein paar Euro anschauen kann, wie die Jungs vom Limes damals gelebt haben. Ich blieb nicht lang, nur ein kurzer Blick auf die Tafeln, dann weiter, den Pfad hinauf, raus aus dem Tal. Ein zweiter Limesturm stand wie ein Mahnmal am Wegrand. Stumm, aber unübersehbar.
Oben, am Malberg, öffnete sich die Landschaft. Ein alter Vulkankrater, stillgelegt seit Jahrmillionen, als Basaltbruch genutzt, heute überwachsen, aber immer noch mit dieser wuchtigen Präsenz. Ich setzte mich auf eine Bank, trank einen Schluck Wasser, spürte den Wind im Gesicht. Es war kein freundlicher Wind, sondern einer, der dich prüft – rau, kühl, unbarmherzig. Aber das gehört dazu. Auf einem Trail wie diesem bist du nicht der Herr, sondern nur ein Gast.
Der Abstieg nach Hausen (Wied) tat gut. Der Boden weich, die Wege gesäumt von Wiesen und Gärten. Für einen Moment war der Westerwald sanft, fast freundlich. Aber nur kurz. Hinter dem Ort ging es wieder hoch, rauf in die Wälder, die sich wie ein Dach über mich spannten. Stille. Nur das Knirschen meiner Stiefel und das gleichmäßige Ziehen des Rucksacks.
Als der Weg nach Waldbreitbach führte, weichte der Himmel kurz auf, und für ein paar Minuten war da dieses fahle Licht, das die Wied zum Glitzern brachte. Am Ufer entlang zu laufen, den Fluss neben sich, war wie eine kleine Geste des Friedens – der Trail gibt dir immer wieder diese Momente, bevor er dich wieder fordert. Hinter dem Ort führte er hoch zu Schloss Walburg, ein stiller Zeuge vergangener Zeiten, und dann wieder steil hinab nach Roßbach.
20 Kilometer. Wolken, Wind, ein kurzer Schauer, aber kein Aufgeben. Der Westerwaldsteig hat keine Lust auf Weicheier, und das ist gut so. Am Ende des Tages, die Schuhe staubig, die Beine schwer, war ich nicht nur unterwegs gewesen. Ich war auf dem Weg – Teil dieses rauen Landstrichs, in dem Freiheit nicht geschenkt wird, sondern erkämpft.
Wer diesen Trail geht, ist kein Tourist. Er ist ein Lone Rider ohne Pferd, der weiß, dass der Weg manchmal der einzige Ort ist, an dem man wirklich ankommt. Und heute, da draußen zwischen Rhein, Basalt und Wied, war ich genau da, wo ich sein sollte. Czytaj więcej
Kick-Off
30 sierpnia 2025, Niemcy ⋅ ⛅ 17 °C
Wer glaubt, Cowboy Kev würde während der Reha die Füße stillhalten, der kennt mich schlecht. Waldbreitbach mag ein ruhiges Krippendorf im Wiedtal sein, mit ner großen Kurklinik aufm Berg; aber drum herum ruft der Westerwald – laut und verlockend. Zwischen steilen Hängen, stillen Waldpfaden und diesem steten Rauschen der Wied liegt ein Trail, der mich packt: der Westerwaldsteig.
Ich laufe ihn gegen den Strich, von Bad Hönningen am Rhein ostwärts, hinein in den Westerwald. Da draußen stehen römische Limestürme wie steinerne Sheriffs am Weg, Basaltkuppen ragen über die Wälder, und an guten Tagen weht der Wind vom Rhein herauf, als wollte er sagen: „Junge, das hier ist mehr als ein Wanderweg.“
Logistisch? Sagen wir’s so: Es geht … schlecht, aber es geht. Die Busse fahren, aber nicht immer dahin, wo ich gerade stehe. Also trickse ich: Ich weiche ein wenig von den offiziellen Etappenorten ab, plane nach den Linien 146, 130, 125 und 120. Vier Etappen sollen es werden – jeweils gut 15 bis 20 Kilometer, perfekt für ein paar freie Tage zwischen den Therapien.
Hier draußen, im Rhein-Westerwald, finde ich wieder den Rhythmus. Die ersten Schritte sitzen, der Plan steht – jetzt kann der Trail kommen. Czytaj więcej

PodróżnikIch wünsche Dir eine erfolgreiche Reha und schöne Auszeiten zwischendurch.

PodróżnikDir eine gute Erholung. Am Wochenende sind die Öffies im Westerwald genauso häufig anzutreffen wie in der Eifel…

PodróżnikAlle zwei Stunden auf den Hauptstrecken. Damit bekomme ich etappe 16 bis 12 gut abgedeckt. Geht schon irgendwie
Ritt und Zug in einem
23 sierpnia 2025, Niemcy ⋅ ☀️ 14 °C
Ich steh früh in Gemünd, der Rucksack sitzt, die Stiefel sind geschnürt, und der erste Kaffee brennt mir noch warm im Bauch. Der Eifelsteig startet hier, also setz ich meine Spur am Rand des Nationalparks. Die Etappen sind heute bis auf die ersten Kilometer identisch. Wer den Eifelbahnsteig läuft, startet am Bahnhof in Kall und muss erst vier, viereinhalb Kilometer durch Wohngebiet und Nutzwald – das spar ich mir. Mein Trail beginnt gleich richtig.
Der Weg zieht pfadig am Hang entlang, oberhalb von Gemünd, die Olef tief unten gluckert leise. Der Wald riecht nach Tau, nach diesem feuchten Grün, das dir sagt: „Cowboy, du bist draußen.“ In Olef selbst bleib ich kurz stehen, mitten auf dem Platz, wo die Bahnstrecke quer durch den Ort läuft – oder besser lief. Seit der Flut 2021 ist hier Ruhe. Die Gleise sind noch da, aber kein Zug mehr, kein Rattern, nur ein leiser Hauch von Vergangenheit.
Hinter Olef ändert sich der Takt. Der Trail wird zum breiten Fahrweg, frisch geschottert, damit die Rettungsfahrzeuge hier hochkommen. Schilder erklären den alten Pingenbergbau. Hunderte kleine Dellen links und rechts im Waldboden – stumme Zeugen einer Zeit, in der hier malocht wurde, bis die Hände blutig waren. Spannend, ja. Aber ehrlich gesagt: Ein Wandertraum ist das nicht. Kilometerlang zieh ich durch den Wald, eintönig, immer geradeaus.
Vom in den Medien so angepriesenen „Pferdskopf“ mit Aussicht krieg ich nichts zu sehen. Vielleicht war ich blind, vielleicht auch einfach zu sehr im Rhythmus meiner Schritte, um den Abzweig zu bemerken. In Golbach dann der nächste Dämpfer: die „Golbacher Oase“, ein Bistro, das angeblich der Rastplatz schlechthin sein soll, hat an einem Samstagmittag die Türen verrammelt. Na danke.
Hinter Golbach zieht der Weg in ein Tal, breit wie eine Schafsweide, immer leicht bergan, auf einem Fahrweg, der keinen Charme hat. Erst kurz vor Steinfelderheistert wird der Pfad wieder schmal, ein Wiesenweg, weich und ruhig, die Stiefel endlich wieder im Gras statt im Schotter. Und dann, endlich: Kloster Steinfeld. Die alten Mauern strahlen Würde aus, das Tor knarzt leise, und ich gönn mir meinen Lohn: einen Kaffee, ein Stück Käsekuchen, und als Souvenir ein paar Flaschen Klosterbier im Rucksack.
Hier endet die Eifelsteig-Etappe. Der Eifelbahnsteig dagegen zieht noch zwei Kilometer weiter, hart auf Asphalt, runter zum Bahnhof Urft. Ich folge ihm, weil der Tag rund sein soll. Am Bahnhof treffe ich eine junge Lady, die schon ein Taxi nach Gemünd bestellt hat. Wir teilen uns den Wagen, lachen über die Stunde, die wir uns gespart haben, und ich schließe den Tag ab – müde Beine, aber ruhiger Kopf.
Und doch, Partner, fühlte sich diese Etappe irgendwie nach Zwischenetappe an. Für den Eifelsteig gab’s zu wenig zu sehen, kein echtes Highlight, das hängenbleibt. Und für den Eifelbahnsteig war es zu brav, zu wenig naturverbunden, der Pfadanteil, der sonst so hoch ist, fehlte mir hier einfach. Kein Trail, der dein Herz schneller schlagen lässt – eher ein notwendiges Stück Weg, um weiterzukommen.
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Zeit für den Vergleich
Der Eifelsteig bleibt der geradlinige, schnelle Bruder. Er bringt dich zügig voran, zeigt dir viele Gesichter der Eifel und lässt dich Kilometer fressen, bis die Stiefel heißlaufen. Aber er bringt eben auch Gesellschaft mit: Du bist selten allein, gerade an Wochenenden. Mal ein Grüppchen aus Holland, mal ein Pärchen aus Belgien, mal ein deutscher Wanderclub mit Schellen am Stock – auf dem Eifelsteig bist du Teil eines stillen Karawanenzugs, ob du willst oder nicht. Logistisch macht er’s dir einfach: Busse fahren zuverlässig, Parkplätze gibt’s fast überall, auch wenn sie oft ein paar Euro kosten, und Einkehr- sowie Übernachtungsmöglichkeiten sind an jedem Etappenort drin.
Der Eifelbahnsteig dagegen bleibt der wilde, stille Bruder. Die Pfade gehören dir allein, höchstens mal ein Reh, das kurz den Kopf hebt, oder ein Bauer, der nickt, wenn du an seinem Feld vorbeigehst. Menschenseelen? Kaum. Dafür absolute Ruhe. Logistisch ist er fast unschlagbar: Start und Ziel direkt an Bahnhöfen, P+R oft kostenlos, und mit ein bisschen Planung kriegst du selbst spontane Touren gut hin. Nur einkehren? Vergiss es oft. Wer hier unterwegs ist, packt sein Vesper selber.
Nur diesmal, Partner, war auch der Bahnsteig nicht in Bestform. Die Magie seiner einsamen Pfade fehlte auf weiten Strecken. Statt Naturverbundenheit gab’s breite Forstwege – zweckmäßig, aber ohne Seele
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Für mich heißt es jetzt: Erstmal Schluss für ’nen Monat. Reha ruft, und der Trail muss warten. Aber er wartet geduldig. Danach geht’s weiter Richtung Süden, immer tiefer in die Eifel. Die nächsten Etappen? Da schlängeln sich die beiden Brüder weiter umeinander, bis Blankenheim. Ich folge dann dem Bahnsteig über Nettersheim bis nach Blankenheim(Wald) und such mir von dort meinen eigenen Weg runter nach Blankenheim(Stadt). Der Bahnhof liegt gut sieben Kilometer draußen, aber Cowboy Kev mag Umwege – solange sie nach Abenteuer riechen. Czytaj więcej
Zug nach Hengasch
21 sierpnia 2025, Niemcy ⋅ ⛅ 21 °C
Der Morgen beginnt in Mechernich. Das Auto parke ich wie gewohnt am Bahnhof – mein treuer Begleiter, der mich am Ende des Tages wieder aufnimmt. Noch ist es früh, die Stadt döst, aber im Rathaus Bistro brummt schon die Kaffeemaschine. Ein starker Kaffee, zwei frische Brötchen – einfach, ehrlich, so wie’s sein muss, bevor der Trail ruft.
Dann raus, den Asphalt unter den Stiefeln, vorbei an den letzten Häusern, hinein in den Wald. Hier riecht’s nach Geschichte – nach Erde, Metall und Staub. Die Relikte des alten Bleibergbaus stehen wie stille Zeugen zwischen den Bäumen. Rostige Konstruktionen, ein alter Wasserturm, der wie ein vergessener Wachposten zwischen den Stämmen hockt. Der Wind rauscht durch die Kronen, und für einen Moment ist’s, als würden die Stimmen der Männer noch durch den Wald hallen, die hier ihr Leben gelassen haben.
Weiter hinaus, raus aus dem Schatten in die Weite. Die Sonne brennt, der Himmel ist weit, Wolken ziehen wie träumende Rinder über die Steppe. Am Eifelblick Galgennück bleibe ich stehen. Vor mir breitet sich das Land aus, Felder, Waldstücke, Dörfer wie verstreute Spielzeuge. Hier oben spürst du, was Freiheit bedeutet – kein Lärm, keine Hektik, nur du, der Wind und das offene Land.
Der Trail zieht weiter, immer am Wiesenrand entlang, ein grünes Band, das sich durch sanfte Hügel schlängelt. Am Engelberg steht ein Gipfelkreuz. Ich lehne mich an den rauen Stamm, blicke hinüber zur Kirche von Weyer, die mich morgen auf der nächsten Etappe erwartet. Ein stiller Moment, fast wie ein Gruß aus der Ferne.
Dann wieder ein Sprung in die Geschichte: die Römische Brunnenstube. Ein massives Bauwerk, kalt, steinern, trocken. Der Römerkanal lässt mich einfach nicht los – schon seit der ersten Etappe taucht er immer wieder auf, wie ein alter Freund, der plötzlich neben dir reitet. Ich stehe da, streiche mit den Fingern über die Jahrhunderte alten Steine, und denke: Wir sind nur Staub im Wind, die Spur, die wir hinterlassen, verblasst schneller, als wir glauben.
In Kallmuth wird’s plötzlich filmreif. „Hengasch“ – Drehort von Mord mit Aussicht. Ich erkenne das Bürgerhaus, so unscheinbar, dass man fast vorbeilaufen würde. Kein Blitzlicht, kein Glanz, nur das echte Dorf, still und ein bisschen aus der Zeit gefallen.
Dann wieder raus ins Offene, die Sonne hoch, die Stiefel längst vom Staub überzogen. Am Pflugberg begegne ich einem Typen auf einem alten Mofa. Lederjacke, Helm unterm Arm, die Augen voller Geschichten. Wir wechseln ein paar Worte – zwei Reisende, die den Drang teilen, unterwegs zu sein. Sein Mofa knattert wie ein störrisches Pferd, meins sind die eigenen Füße. Dann zieht er davon, ich schwinge meinen Rucksack wieder hoch, und der Trail frisst uns beide in verschiedene Richtungen.
Später zieht der Weg an einer alten Abraumhalde des Bergwerks vorbei, karg, rau, fast wie eine Mondlandschaft. Ein stiller Ort, an dem man spürt, wie sehr der Mensch hier gegraben, geformt, gewütet hat. Kurz danach kreuze ich noch die Römische Agrippastraße – einst die wichtigste Verbindung nach Süden, heute nur noch eine unscheinbare Spur in der Wiese. Ein letzter Gruß der Geschichte, bevor mich die Gegenwart wieder einholt.
Dann endlich Scheven. Ein winziger Bahnhof, halb verfallen, so leise, dass du denkst, hier käme nie wieder ein Zug. Aber dann rollt er doch ein, pünktlich wie ein alter Freund. Ich steige ein, lasse mich in den Sitz fallen, und während die Landschaft rückwärts an mir vorbeizieht, spüre ich diese Ruhe, die nur ein Tag draußen bringt.
Resümee: 17 Kilometer, und keiner davon verschenkt. Alte Stollen, weite Blicke, stille Kreuze und leise Gespräche. Ein Trail, der dich Demut lehrt – vor der Natur, vor der Geschichte, vor der Zeit. Der Eifelbahnsteig bleibt das, was er an Tag eins versprochen hat: ein rauer, ehrlicher Ritt für alle, die mehr suchen als nur Kilometer. Czytaj więcej
Im Zug zu Kapellen und Katzen
19 sierpnia 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 27 °C
Morgen, Freunde des weiten Trails. TrailSoulKev wieder im Sattel. Zweiter Tag auf dem Eifelbahnsteig, zweiter Ritt durchs Land der Burgen, Wälder und stillen Spuren. Heute keine halben Sachen: 22 Kilometer von Satzvey nach Mechernich, die Sonne im Nacken, den Staub auf den Stiefeln und das unruhige Herz eines Cowboys, der weiß: Jeder Tag draußen ist ein Tag gewonnen.
Los geht’s in Satzvey, gleich raus aus dem Ort, und wie’s der Teufel will, führt der Trail erst mal neben der Autobahn entlang. Der Lärm rauscht wie ein endloser Sturm, Motoren statt Wind – aber das gehört auch zum Ritt: nicht immer Freiheit pur, manchmal musst du den Dreck der Zivilisation fressen, bevor dich wieder das offene Land schluckt. Durch Wiesen führt der Weg, am Waldrand entlang, ein schattiger Laubenweg, dazu ein alter Kreuzweg aus Natursteinen. Er endet an einer Gedenkstätte für Kriegsopfer – still, ernst, schwer. Ich verweile einen Moment, ziehe den Hut, denke an all die, die hier ihre Spuren verloren haben. Der Trail erinnert dich daran: Freiheit ist nie selbstverständlich.
Dann geht’s weiter, raus ins offene Land, Wiesen, soweit das Auge reicht. Fahrwege, die sich verlieren, manchmal nur eine Trittspur am Rand des Feldes. Das Land liegt still, die Sonne brennt, und wenn das Getreide hoch steht, tanzen Korn- und Mohnblumen wie rotes und blaues Feuer im Wind. Da spürst du, dass du lebst – kein Highway, keine Stadt, nur du, die Spur und das weite Feld.
Die Bruder-Klaus-Kapelle liegt mitten im Nichts, ein steinerner Block im offenen Feld. Von außen streng und abweisend, von innen hell und strahlend, aber keine Spur von Ruhe. Eine koreanische Touristengruppe wird gerade durchgeschleust – nix mit Einkehr oder Stille. Ich lehne im Schatten und denke: Auch Pilgerorte verlieren ihre Seele, wenn der Tross sie überrollt. Ein Cowboy zieht weiter, bevor er zu lange bleibt.
Dann wird der Trail endlich wieder rau und wild. Hinter der Autobahn biege ich in den Wald, und der Weg verwandelt sich in einen echten Pfad, schmal, ungezähmt, flankiert von Ilex-Büschen und hohen Birken. Eine Stunde lang fühle ich mich hier wie im Sattel auf einer Waldtraverse, das Licht fällt gefleckt durch die Blätter, der Boden weich, der Wind frisch. Mehrfach treffe ich auf Aufschlüsse des alten Römerkanals. Stein für Stein ziehen sich die Überreste durchs Land, und ich erkenne die alte Trasse noch gut. Da begreifst du, dass schon 2000 Jahre vor dir Männer hier unterwegs waren, nur mit anderen Zielen – und dass der Boden alles speichert.
Dann die Katzensteine – mächtige Sandsteinfelsen, aufgetürmt wie ein zerfallenes Fort. Sie stehen da, roh und erhaben, als hätten Riesen ihre Würfel über das Land gestreut. Ich halte inne, lege die Hand auf den warmen Fels und denke: Das hier ist Natur, wie sie sein soll – ungezähmt, ehrfurchtgebietend.
Auf Mechernich zu führt der Trail weiter durch ein ruhiges Nebental, vorbei an einer 1000-jährigen Eiche – uralt, knorrig, standhaft wie ein alter Revolverheld, der alle Stürme überlebt hat. Eine kleine Kapelle zu Ehren der heiligen Barbara lädt zur Rast. Ich setze mich auf eine Bank, blicke Richtung Kommern, die Weite liegt vor mir. Ein Schluck Wasser, ein tiefer Atemzug – das ist alles, was ich jetzt brauche.
Mal Waldrand, mal Wiesen, der Trail bleibt abwechslungsreich, hält dich wach, lässt dir keine Routine. Schließlich führt er noch mal in den Wald, und plötzlich, unvermittelt, stehe ich auf Treppenstufen. Ich steige abwärts, trete hinaus – und da steht er, schräg gegenüber, ganz unvermittelt: der Bahnhof von Mechernich. Keine lange Ansage, kein feierlicher Schluss – einfach da. Wie ein Saloon am Ende eines langen Ritts.
22 Kilometer, und ich sag euch: Dieser Tag hatte alles. Den Lärm der Autobahn, die vermeintliche Stille an der Bruder Klaus Kapelle, die Weite der Felder, die Enge des Waldes, die uralte Kraft der Römer und die rohe Wucht der Katzensteine. Mein Highlight? Ganz klar: die Kapelle im Feld, so widersprüchlich wie das Leben selbst, und die Katzensteine, Monumente einer Natur, die keinen Respekt verlangt, sondern ihn erzwingt. Czytaj więcej
In zwei Zügen zu vier Burgen
17 sierpnia 2025, Niemcy ⋅ ☁️ 21 °C
Howdy, Freunde des staubigen Pfads. TrailSoulKev sattelt wieder auf. Heute hab ich die Zügel in die Hand genommen und bin losgezogen auf eine neue Spur – den Eifelbahnsteig. Ein Name, der nach Schienen klingt, aber in Wahrheit mehr nach Wildnis schmeckt, nach Schweiß und Staub und dem endlosen Takt von Stiefeln auf hartem Grund. Ich sag’s gleich: Wer hier unterwegs ist, der ist kein Spaziergänger. Das ist ein Trail, rau und ehrlich, und du musst mit dir selbst klarkommen, wenn die Sonne brennt und der Wind dir den Staub ins Gesicht treibt.
Ich hab mein Pferd – sprich, den Wagen – in Satzvey stehen lassen, dem Ziel für heute, und hab mir per Zug den Ritt zurück nach Stotzheim gegönnt. Naja, eher per Schienenersatzverkehr, was ungefähr so viel Abenteuer in sich trägt wie ein lahmer Muli. Egal, der Trail ruft, und ich folge.
Von Stotzheim aus geht’s gleich raus in die Wiesen, die Erft an meiner Seite, so still wie eine alte Gefährtin. Ein paar Gärten, ein Stück Straße, und dann verschluckt mich der Wald. Da liegt ein verlassenes Fabrikgelände, rostig, verfallen, wie ein alter Outlaw, der seine besten Zeiten hinter sich hat. Gleich daneben führt ein schmaler Pfad bergauf zur Hardtburg. Versteckt liegt sie da, hinter Büschen und Bäumen, wie ein alter Schatz, den keiner mehr hebt. Ich umrunde sie einmal, schnuppere an den alten Steinen, dann weiter, pfadig, immer tiefer in den Wald.
Da draußen stößt man auf Relikte, die wirken wie Geister aus der Vergangenheit – die ehemalige Sendestelle vom Regierungsbunker, überwuchert, einsam, still. Beton mitten im Wald, wie ein Fremdkörper. Der Wind rauscht drüber hinweg, und ich denke: Auch Festungen werden irgendwann zu Ruinen.
Über den Alten Burgberg geht’s weiter. 272 Meter klingen nicht nach viel, aber die Serpentinen ziehen mir Schweiß auf die Stirn. Der Abstieg nach Kreuzweingarten ist steil, der Boden lose, und die Sonne brennt von oben. Unten grüßt der Bahnhof – außer Betrieb, so wie vieles hier, was mal Bedeutung hatte. Aber die Römer, die wussten, wie man Spuren hinterlässt. Ein kleiner Tempel steht noch, und die Reste der alten Wasserleitung nach Köln. Ich streiche mit den Fingern über die Steine – kalt, rau, uralt. Männer wie wir sind nur Staub im Wind gegen solche Zeit.
Die Mittagspause krön ich in Maria Rast – Käsekuchen und Fassbrause. Freunde, glaubt mir: Nach einem staubigen Marsch schmeckt das wie der erste Schluck Whiskey nach einer endlosen Wüstenetappe. Ich sitze da, schweigend, lasse den Blick übers Land schweifen, und spüre, wie der Trail in mir arbeitet.
Dann wieder raus, immer am Waldrand entlang, die Sonne im Rücken, das Land weit vor mir. An einem Golfplatz vorbei – ich sag euch: komischer Sport, wenn Männer in feinen Hosen Bälle über grüne Wiesen jagen, während ich hier mit staubigen Stiefeln den Boden prügle. Aber gut, jeder hat seinen Ritt.
Haus Zievel taucht auf, ehrwürdig, still. Burg Veynau lass ich links liegen – unzugänglich, die Brücke über den Veybach zerstört. Kein Durchkommen, kein Blick, nur Ahnung. Der Trail ist eben kein Zuckerschlecken. Manchmal musst du verzichten, manchmal den Kopf senken und weiterziehen.
Und so lande ich schließlich in Satzvey, wo mein Auto wartet. 20 Kilometer auf harten Sohlen, drei Burgen, ein Römerheiligtum und ein verdammt guter Käsekuchen – das ist meine Bilanz.
Heute hat mir der Trail gezeigt, was er ist: kein gemütlicher Spaziergang, sondern ein Ritt über alte Spuren, zwischen Burgruinen, Waldpfaden und verlorenen Geschichten. Die Sonne hat mir den Nacken verbrannt, der Staub klebt an den Stiefeln, und doch fühle ich mich leichter als am Morgen. Denn eins ist klar: Hier draußen zählt nicht, was du besitzt, sondern nur, ob du durchhältst.
Am Ende des Tages bleibt ein kerniger Satz hängen: Der Eifelbahnsteig ist wie ein alter Revolver – schwer, ehrlich, ohne Schnickschnack. Wer ihn führen will, muss wissen, was er tut. Czytaj więcej

PodróżnikDen Aquädukt und die sanitären Einrichtungen. Und die schönen Straßen - aber das mit den Straßen versteht sich ja von selbst. Und der Wein!

SchönwetterwandererFür einen verdammt guten Käsekuchen kann man schon mal zwanzig Meilen Staub schlucken. 🤠





































































































































































































PodróżnikBist Du auf einem Teil der Moorroute unterwegs gewesen?
PodróżnikDie verläuft da auch irgendwo lang, war aber für mich nicht interessant... Ich hab mir meinen Weg frei schnauze gesucht, bzw so gelegt, dass ich möglichst viele Squadratinhos erreiche
PodróżnikDas war meine zweite Vermutung.
PodróżnikDie Geschichte vom Heckkreuz… so etwas kann nur die Eifel schreiben.