August 2018
  • Day1

    Nordwärts - 1. Etappe

    August 2, 2018 in Germany ⋅ ☀️ 29 °C

    Auf geht's! Nachdem wir in den letzten Tagen primär mit Urlaubsvorbereitungen und -besorgungen beschäftigt waren, sollte es heute endlich los in den hohen Norden gehen. Gegen 9uhr machen wir uns vollgepackt auf den Weg Richtung Bremen - unser erstes Etappenziel. Die Fahrt verläuft recht unspektakulär, zweimal kurze Staus und etliche Baustellen lassen die 660km recht zäh wirken, aber mit unserem wunderbaren, neuen Auto macht selbst diese lange Strecke Spaß. 😊 Gegen 17uhr kommen wir schließlich in Lilienthal bei Momo und Klaus an (Sandra ehemalige Gesangslehrerin an der Hochschule). Mit gutem Essen, süffigen Wein (natürlich nicht für Sandra) und netten Gesprächen lassen wir den Tag im Garten entspannt ausklingen, tauschen die ein oder andere Anekdote aus und genießen die lauen Sommerabendtemperaturen. Gegen Mitternacht beschließen wir, schlafen zu gehen. Am nächsten Tag soll es schließlich früh Richtung Dänmark weitergehen.Read more

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  • Day2

    Nordwärts - 2. Etappe

    August 3, 2018 in Norway ⋅ ⛅ 21 °C

    Nach einer recht kurzen Nacht sollte es heute weiter in den Norden gehen. Wir frühstückten zunächst gemütlich im verglasten Wintergarten mit angenehmer Morgensonne und hatten dadurch ein wenig die Zeit aus den Augen verloren - bei guter Gesellschaft in tollem Ambiente kann das schon mal passieren. Aber weiter schlimm war es nicht, denn alle Autobahnen waren frei und die Fahrt sollte ohne Komplikationen verlaufen. Tatsächlich kamen wir schnell vorwärts, vorbei an Hamburg und Flensburg passierten wir die dänische Grenze und fuhren schließlich durch unser recht unspektakuläres Nachbarland bis in den nördlichen Zipfel nach Hirtshals, von wo aus wir die Fähre nach Norwegen nehmen wollten. Da wir fast eine Stunde vor Check-in da waren, ließen wir es uns noch etwas am Strand gut gehen und aßen unseren Wegproviant. Gegen 16Uhr reihten wir uns in die Check-in-Schlange ein, um wenig später im Schlund des großen Katamarans zu verschwinden. Da dort alles auf Platzsparen ausgelegt ist, waren wir dankbar für die Platzanweiser, die uns gekonnt rein und anschließend wieder rausmanövrierten. Als alle Passagiere an Bord waren, donnerte die Fähre auch gleich mit ca. 76km/h über die raue Nordsee. Die Fahrt war ein wenig schauklig, aber nicht weiter besorgniserregend. Nach gut 2h (eine Stunde weniger Fahrzeit als die "normale" Fähre) legten wir in Kristiansand an. Dort suchten wir erstmal einen Supermarkt und deckten uns mit Lebensmitteln für das Abendessen und nächste Frühstück ein. Anschließend ging es weiter zu unserer ersten Unterkunft im nahe gelegenen Søgne. Als wir dort ankamen, stellte sich schnell heraus, dass unsere Gastgeber Deutsche sind, die vor 10 Jahren ausgewanderten - und das witzige: sie kommen ursprünglich aus Erfurt. Da war recht schnell eine Verbindung hergestellt. Wenig später erfuhren wir dann noch, dass deren älteste Tochter, die gerade zu Besuch war, 2 Wochen nach mir ihren Entbindungstermin hat. Verrückt... Wir plauderten also eine ganze Weile über Thüringen, Norwegen und Schwangerschaften. Nach dieser netten Überaschung machten wir noch einen kleinen Spaziergang am Meer (empfohlen von unseren Gastgebern) und genossen die untergehende Sonne (hier wirds ja gerade erst gegen 22.15 Uhr dunkel). Zurück in unserer kleinen, aber gemütlichen Hütte kochten wir uns noch etwas zu essen und gingen recht bald schlafen.Read more

  • Day3

    weiter gen Norden

    August 4, 2018 in Norway ⋅ ⛅ 17 °C

    Heute sollte es von Søgne an der Küste entlang weiter nach Sandnes gehen. Damit wir unterwegs auch Zeit haben, mehrmals anzuhalten, wollten wir spätesten um 10uhr aufbrechen. Nach einer wirklich erholsamen Nacht frühstückten wir bei herlicher Sonne auf der Terrasse und packten anschließend unseren ganzen Kram wieder zusammen. Ganz so pünktlich sind wir leider nicht weitergekommen, denn bei so netten Thüringer Gastgebern verquatscht man sich schon mal... 
    Unsere erste Station auf der Strecke war der kleine Küstenort Mandal. Sehr malerisch reihen sich die weißen Holzhäuser aneinander und die Boote schaukeln im dunkelblauen Hafenwasser. Wir schlendern ein wenig durch die kleine  Fussgängigerzone und entdecken schließlich den Aufstieg zu einem Aussichtspunkt. Vom sogenannten Uranienborg hat man eine fantastische Sicht auf die Stadt und das Meer. Der Wind weht hier zwar ordentlich, aber die Sonne scheint kräftig.
    Zurück am Auto fahren wir weiter bis Flekkefjord. Auch hier ist das Zentrum sehr malerisch gelegen. Das besondere an dieser kleinen Stadt ist das alte holländische Viertel. Die Häuser sind klein und reihen sich dicht aneinander. Manche dieser Gebäude sind über 250 Jahre alt - nicht schlecht für ein Holzhaus.
    Nach einem Ründchen durch Zentrum und am Hafen entlang geht die Fahrt weiter. Nun beginnt der spannendste Teil, denn die Straße führt durch eine überaus reizvolle Landschaft aus Felsen und Seen. Immer wieder windet sich die Straße in engen Kurven die Felsen rauf und runter, die Landschaft wirkt karg und völlig unberührt, aber wunderschön. Eine Aussicht ist hier spektakulärer als die andere und so halten wir oft, um Fotos zu machen.
    Am Ende eines Fjords schauen wir uns die Helleren an, ein Überbleibsel einer ehemaligen Siedlung. Die zwei Holzhäuser stehen unter einem riesigen Felsvorsprung und waren deswegen vor Regen und Wind weitestgehend geschützt - sozusagen eine Riesenboofe. Heute sind sie der Öffentlichkeit frei zugänglich.
    Je weiter wir Richtig Nordwesten kommen, umso mehr flacht die Landschaft wieder ab. Inzwischen hat sich der Himmel auch zugezogen und das Wetter wird immer ungemütlicher. Als wir in unser Unterkunft in Sandnes ankommen, regnet es. Kein sehr schöner Empfang... Dafür ist die kleine, umgebaute Hütte ein Traum. Alles wurde erst kürzlich renoviert und ist stilvoll eingerichtet. Wir sind sofort begeistert und ärgern uns nicht zum letzten Mal, dass wir hier nur eine Nacht gebucht haben. Auch die Gastgeber sind sehr nett. Wir plaudern ein wenig und erfahren einiges über ihre kleine Farm. Zum Schluss bieten sie uns an, ihren Hot Smoker zu leihen. Keine Ahnung wie es funktioniert, aber es hört sich gut an. Wir machen uns schließlich nochmal auf den Weg zum Supermarkt und kaufen frischen Lachs und noch andere Zutaten für ein leckeres Abendessen. Der Smoker ist dann doch recht leicht zu bedienen. Über einem kleinen Feuer wird der Lachs heiß geräuchert, dazu braucht man eine Art Holzspäne, die das Aroma geben. Nach gut 15min ist der Lachs gar und hat einen herb rauchigen Geschmack, schmeckt ein bisschen wie am offenen Feuer gegarrt. Dazu gibt es Kartoffelecken und bunten Salat. Was für ein leckeres Essen! Wir sind von dem Smoker total begeistert und beschließen, uns auch so ein Ding zuzulegen. Die gibt es, laut unserer Gastgeberin, hier auch überall.
    Nach unserem guten Mahl entspannen wir noch etwas auf dem Sofa, gehen aber recht schnell schlafen. Das Bett auf dem Schlafboden ist zu verlockend.  Tatsächlich sinkt mal förmlich in ein Meer aus flauschigen Kissen und Decken. Es scheint eine sehr gute Nacht vor uns zu liegen... 😊
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  • Day4

    Auf zum Preikelstolen

    August 5, 2018 in Norway ⋅ ⛅ 13 °C

    Nach einer erholsamen Nacht wachen wir gegen 8 Uhr bei strahlendem Sonnenschein auf. Dieses Bett ist so bequem, dass wir gar nicht aufstehen wollen. Und da wir diese tolle Hütte heute sowieso verlassen müssen, beschließen wir, uns viiieel Zeit zu lassen. Unsere Gastgeber haben uns auch zugesagt, dass wir etwas später als üblich auschecken können, warum das also nicht ausnutzen?
    Nachdem wir das Aufstehen etwas hinausgezögert haben, gibt es erstmal ein ausgedehntes Frühstück - fast so gut wie zu Hause. Danach packen wir mal wieder alles zusammen und verlassen diese tolle Hütte gegen 13.30 Uhr. Am liebsten wären wir gern noch eine Nacht geblieben, aber die nächste Unterkunft ist schon gebucht. 😒
    Weiter geht es also Richtung Osten, zum Preikelstolen. Diese recht bekannte Felskanzel verspricht eine atemberaubende Aussicht in den Lysefjord. Eine zweistündige Wanderung führt zum Fels, der 600m über dem Fjord aufragt. Bevor wir uns aber auf den Weg machen, bringen wir unser Gepäck erstmal zur Unterkunft - diese befindet sich nur 17min vom Preikelstolen-Parkplatz entfernt. Schon auf dem Weg dorthin schreibt uns die Gastgeberin, dass sie nicht zum Reinigen der Unterkunft gekommen ist, lediglich Bettwäsche und Handtücher kann sie wechseln. Hmmm... hoffentlich wird das mit dem Putzen noch was, wenn wir nachmittags unterwegs sind. Tatsächlich ist in der Unterkunft noch gar nichts gemacht. Die Handtücher der Vormieter hängen noch zum trocken rum und auch die Bettwäsche scheint nicht gewechselt.  Wenig begeistert machen wir uns erstmal auf den Weg zum Preikelstolen. Gegen 15.30Uhr kommen wir am Parkplatz an. Wir beginnen extra später mit der Wanderung, da wir hoffen, dass der größte Touristenstrom schon vorbei ist. Tatsächlich ist die Anzahl der Wanderer die uns entgegen kommen höher, als die, die mit uns nach oben laufen. Der Weg führt über viele kleine und große Felsen nach oben. Auf 2km gibt es immer wieder steile und anstrengende Passagen, Trittfestigkeit und festes Schuhwerk sind dabei unerlässlich. Gegen Ende kommt man auf ein Hochplateau und wird auf die letzten hundert Metern schon mit fantastischen Aussichten belohnt. Nach ca. 2 Stunden haben wir es dann geschafft (für Phillipp ein leichter Fussmarsch, für mich eine durchaus anstregende, aber immer noch gut machbare Wanderung): der Preikelstolen bietet eine atemberaubende Aussicht auf den Fjord und die umliegenden Berge. Man kann sich an der tollen Szenerie gar nicht genug satt sehen. Ganz überwältigt von so viel schöner Natur genießen wir erstmal - die Füße 600 Meter über dem Abgrund baumelnd - unseren Wegproviant und machen tonnenweise Bilder. Anschließend klettern wir noch ein bisschen weiter nach oben, von da kann man den Preikelstolen noch von oben bewundern. Nach gut 90min treten wir den Rückweg an. Die vielen Stufen und das Bergablaufen gehen mir nach einer gewissen Zeit ganz schön auf Knie und Oberschenkelmuskulatur, außerdem drücken die Zehen langsam in meinen Wanderschuhen. Deswegen bin ich froh nach der fast 2 stündigen Rückwanderung wieder am Auto zu sein. Ich bin dankbar, die Strecke gut gemeistert zu haben, merke aber auch, dass es mich einiges an Anstrengung und Schweiß gekostet hat.
    Wir machen uns schließlich auf den Weg zurück zur Unterkunft. Tatsächlich ist inzwischen alles sauber und gereinigt. Unsere Gastgeberin klopft auch wenig später noch einmal an unserer Tür und entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten. Sie war selbst auf einer Wanderung und der Rückweg dauerte länger als erwartet. Wir plaudern noch etwas mit ihr (was für eine nette Frau) und machen uns anschließend noch etwas zu essen. Der Tag war schön, aber auch anstrengend (zumindest für mich) und deswegen gehen wir früh schlafen. Morgen geht es weiter - natürlich Richtung Norden - und da wollen wir nicht allzu spät aufbrechen. 
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  • Day5

    Immer weiter nordwärts

    August 6, 2018 in Norway ⋅ 🌧 9 °C

    Heute geht es wieder eine größere Etappe gen Norden ins ca. 180 km entfernten Håra. Gut, dass wir eine längere Fahrt vor uns haben, denn es ist alles grau in grau und regnet. Also wird es nichts mit dem Frühstück auf der Terasse mit Blick auf die Küste. :-(
    Naja, dann halt vom Fenster aus. Wir packen also mal wieder alles zusammen und nach einem etwas längeren Plausch mit unserer netten Gastgeberin starten wir gegen 11 Uhr unsere Tour. Sie führt uns entlang der Rv. 13 durch die vielseitige und wunderschöne Landschaft Norwegens. Da heute leider alles so wolkenverhangen und neblig ist, bleiben uns einige atemberaubende Ausblicke verwehrt. So ist das halt. Dennoch halten wir immer mal wieder an, um die Aussicht zu genießen, Wasserfälle anzuschauen oder ein paar Fotos zu schießen. So zieht sich die Fahrt in die Länge, was uns aufgrund des Regens nicht weiter stört. Wir hoffen aus besseres Wetter in Håra. Leider wurde es allerdings immer schlechter und kälter, was auch damit zusammen hängt, dass der Ort auf 700 Höhenmetern liegt und wir bisher meist auf Meeresspiegel-Niveau waren. Wir erreichen gegen 16 Uhr unser am Berg gelegenes Feriendorf und wollten schon ausladen, mussten jedoch feststellen, dass die Wohnung (schon wieder) nicht fertig gesäubert wurde. Sämtliche Putzuntensilien und Bettlaken liegen noch herum. Wir gehen zur Rezeption und wollen nachfragen, da die Wohnung jedoch privat über Airbnb vermietet wurde, konnte uns erstmal keiner so wirklich helfen. Auch unsere Vermieterin konnten wir nicht erreichen. Da die Betreiber der Wohnanlage jedoch oftmals die Reinigung der privaten Unterkünfte übernehmen, sollen wir auf die Managerin warten. Also nehmen wir in dem dazugehörigen Resturant Platz und gönnen uns jeder einen Bürger für 210 Kronen (22€ 🤑 ). Wir wurden dann informiert, dass es ein Missverständnis gab und die Wohnung jetzt fertig gereinigt wird. Allen Beteiligten tat der Vorfall sehr leid und so bekamen wir jeder ein Stück Kuchen und einen Tee auf Kosten des Hauses und die Vermieterin erstattet uns die Reinigungsgebür zurück. Faires Angebot!
    18:30 Uhr können wir dann endlich unsere Wohnung betreten und müssen feststellen, dass zwar sauber gemacht wurde, jedoch nicht besonders gründlich. Hilft ja alles nichts, also saugen wir selber nochmal durch und putzen ein bisschen die verklebten Küchenamaturen. Ansonsten ist die Wohnung sehr schön, besonders der Ausblick ins Tal. Im Moment sehen wir jedoch nur eine graue Nebelwand. Nachdem wir uns etwas eingerichtet haben fahren wir nochmal los, um ein paar Lebensmittel für morgen früh einzukaufen. Nach kurzer Suche finden wir einen kleinen coop. Eigentlich wollten wir nach dem Einkauf noch etwas die Gegend erkunden, aber der Regen hört einfach nicht auf. Wir erinnern uns, dass in der Nähe unserer Unterkunft die Bergstraße R520, die wir eigentlich ab Sand alternativ zur Rv. 13 nehmen wollten, endet. Da jedoch die Autofähre in Sand eingestellt wurde, konnten wir den Plan nicht ohne größeren Umweg umsetzen und da beide Strecken sehr schön sein sollen, fanden wir dies auch nicht weiter schlimm. Alls wir jedoch am Abend einen Teil der Strecke gefahren sind, mussten wir feststellen, dass wir am Nachmittag die deutlich langweiligere Route gefahren sind. Die R520 ist zwar schlecht ausgebaut, oft nur einspurig und von vielen Schafen belagert, aber dafür landschaftlich atemberaubend. Sie windet sich auf fast 1000 Meter über Null und fasziniert mit ihrer imposanten Schönheit. Wegen der Höhe ließ der Nebel irgendwann nach, der Regen und die dichte Wolkendecke jedoch nicht. Wir erkundeten ca. 25 km der Straße und ließen bei den zahlreichen Stops die Landschaft auf uns wirken. Wir hoffen, dass die nächsten Tage das Wetter besser wird und wir vielleicht noch Zeit haben, die Straße unter schöneren Bedingungen kennen zu lernen...
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  • Day6

    Auf zum Gletscher

    August 7, 2018 in Norway ⋅ ☁️ 9 °C

    Als wir heute aufwachten war das Wetter schon viel besser. Die Berge waren immernoch etwas wolkenverhangen, aber zumindest sahen wir sie und der Regen hatte auch aufgehört. Wir machten uns also startklar. Heute mussten wir endlich mal nicht alles zusammenpacken. Gegen 10uhr ging es los Richtung Odda. Dafür mussten wir auf die andere Seite des Berges. Zwei lange Tunnel führten auf schnellem Weg hinüber. Da wir allerdings Zeit hatten, entschieden wir uns für die alte Passstraße über den Røldalfjellet, die sicherlich sehnswerter ist als die Tunnel. Anfänglich waren wir skeptisch. Die Straße wirkte eher wie ein besserer Feldweg. Als die Straßenbedingungen allerdings nicht schlechter zu werden schienen, fuhren wir weiter und wurden dafür mal wieder mit einer fantastischer Landschaft und Aussicht belohnt - Norwegen eben.
    Auf der anderen Seite angekommen, fuhren wir weiter auf der Hauptstraße. Diese führte am bekannten Wasserfall Låtefossen vorbei, an dem wir natürlich anhalten mussten. Ein Felsvorsprung teilt die hinabstürzenden Wassermassen, so dass man am Fusse des Wasserfalls eigentlich zwei Wasserfälle bestaunen kann. Die Zwillingswasserfälle bieten dann auch ein beeindruckendes Schauspiel, das man im Prinzip vom Auto aus bequem beim Vorbeifahren bestaunen könnte.
    Danach geht es weiter zum Buarbreen. Im Reiseführer ist die insgesammt 3-4 stündige Wandertour zum Rand einer Gletscherzunge als abwechslungsreich und sehenswert angepriesen. Wir sind nicht sicher, ob das Wetter tatsächlich halten wird, aber momentan sieht es gut aus. Deswegen beschließen wir es zu versuchen - umkehren kann man ja immer noch. Was als kleiner felsiger Anstieg begann, entpuppte sich als anspruchsvolle Kletterpartie. Man durchquert kleine und größere Wasserströme, hangelt sich auf Stegen enge Furchen entlang und zieht sich an Seilen steile Felswände hoch. Das Gekracksel geht mit der Zeit ganz schön auf die Muskulatur, sowohl auf die Arme beim Hochziehen, als auch auf die Beine beim Hochstemmen auf höhere Felsstufen. Ich bin froh, dass ich immer noch Krafttraining machen, sonst wären meine Muskeln schnell ermüdet - von meiner Kondition mal ganz abgesehen. 😩 Trotz allem bin ich natürlich vorsichtig, wohin ich trete und ob ich genug Halt habe, schlieslich bin ich nicht mehr nur für mein Leben verantwortlich. Es geht aber alles gut, Phillipp hilft mir des öfteren (er muss ja eh mehrmals auf mich warten) und somit haben wir den Aufstieg dann auch in guten 2 Stunden geschafft, in denen wir auf 3km 600 Höhenmeter überwinden. Oben angekommen wird man für die strapaziöse Tour mehr als belohnt. Die Gletscherzunge reicht fast bis zur Aussichtsplattform, es ist atemberaubend, wie nah man den Eismassen kommt. Es gibt auch Gletscherführungen (die man im Vorfeld allerdings buchen muss), denn ohne fachkundige Begleitung den Gletscher zu betreten ist lebensgefährlich. Der Buarbreen ist auch nur ein kleiner Teil des sehr viel größeren Folgefonna-Gletschers. Sehr beeindruckend sind auch die Berge rundherum. Wir erkunden ein wenig die Gegend, machen die obligatorischen Bilder und verspeisen in schöner Szenerie unsere belegten Schnitten. Nach gut einer Stunde machen wir uns auf den Rückweg, denn dort oben pfeift uns der Wind ganz schön um die Ohren. Der Abstieg erweist sich wider Erwarten einfacher als der Aufstieg. Wir wissen, was auf uns zukommt und die Etappen, auf denen man sich abseilen muss, erfordern nicht mehr so viel Kraft. Wir meistern den Rückweg fast schon souverän. Zwei Stunden später sind wir zurück am Auto und bestaunen den Gletscher nochmal von unten. Da sind wir tatsächlich hochgelaufen?
    Etwas unentschlossen darüber, was wir nun unternehmen wollen, fahren wir zunächst in die kleine Stadt Odda. Schon beim Hinunterfahren ist schnell ersichtlich, dass der Ort nicht allzu sehenswert ist. Odda ist eine recht schnörkellose Industriestadt. Wir gehen also nur schnell zur Touristeninformation und erfragen einige mögliche Wanderrouten für den morgigen Tag.
    Da es morgen recht früh losgehen soll, beschließen wir, nur noch etwas fürs Abendessen einzukaufen und dann zurück zur Unterkunft zu fahren. Der Abend verläuft dann auch unspektakulär, wir machen uns ein leckeres Abendessen mit mariniertem Hühnchen, Reis und Gemüse, und kochen für morgen schon mal eine Kartoffel-Gemüse-Suppe vor. Gegen 23Uhr gehen wir schlafen, schließlich klingelt der Wecker morgen etwas zeitiger als sonst. 
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  • Day8

    Über Umwege nach Bergen

    August 9, 2018 in Norway ⋅ ⛅ 13 °C

    Heute geht es weiter nach Bergen. Wir packen mal wieder alles zusammen - haben wir wirklich so viel Kram? - und brechen gegen 10.15Uhr auf. Unterwegs wollen wir noch ein paar Mal anhalten, um auf den Weg liegende Wasserfälle zu bestaunen. Es ist auch noch nicht ganz klar, welche Route wir nehmen, denn viele Wege führen nach Rom - oder in dem Fall Bergen. Aber geplant ist eine lange Route, die durch landschaftlich schöne Gegenden führt. Mal schauen, ob wir das schaffen.
    Die erste Station ist auf jeden Fall sicher. Wir nehmen einen kleinen Umweg in Kauf und fahren zum Langfossen, dieser stürzt sich direkt neben der Straße hinunter. Die komplette Höhe des Wasserfalls sieht man gar nicht, wenn man direkt am Fusse steht. Trotzdem bietet der Langfossen ein beeindruckendes Schauspiel. Leider regnet es und das schmälert das Vergnügen ein wenig. Blöd ist auch, dass sich direkt vor dem Wasserfall eine Mautstation befindet. Als wir zurück fahren, kommt das ganze nochmal. Umgerechnet 10€ für ein kurzes Vergnügen erscheint uns schon recht viel. Naja, was soll's. Weiter geht es Richtung Odda. Dort müssen wir uns entscheiden, auf welcher Seite des Fjords wir langfahren wollen. Auf östlicher Seite gibt es für einen kurzen Abschnitt eine Straßensperrung, die erst um 12.45Uhr wieder aufgehoben wird, das hieße, wir müssten eventuell warten. Darauf haben wir keine Lust und fahren auf der westlichen Seite des Fjords entlang. Vorbei an Obstbaumplantagen (wir kaufen ein paar Äpfel und Pflaumen an kleinen Straßenständen) führt die Straße bis in den kleinen Ort Utne. Von da aus soll es mit der Fähre auf die andere Seite des Fjords nach Kinsarvik gehen. Gerade läuft auch eine Fähre ein. Als wir allerdings fragen, ob sie nach Kinsarvik fährt, verneint der Lotse. Eigentlich fährt wohl jede Stunde ein Schiff nach Kinsarvik, nur gerade ist Mittagspause. Echt jetzt? Eine Stunde müssten wir warten. Wir beratschlagen und wägen die Optionen ab. Schließlich entscheiden wir uns für eine Alternativroute, die ähnlich lang ist. Dafür nehmen wir die Fähre, die noch immer auf Passagiere wartet und fahren auf die Seite eines anderes Fjords  (an dieser Stelle treffen 3 Fjorde aufeinander). Durch einen langen Tunnel, der sogar über unterirdische  Kreisverkehre verfügt und über eine sehr imposante Brücke gelangen wir schließlich auf die richtiges Fjordsseite und sind endlich wieder auf der richtigen Route zum Vøringfossen, der meistbesuchte Wasserfall in Norwegen. Die Straße windet sich langsam nach oben in das Hochplateau Hardangervidda, wir streifen es leider nur kurz, für längere Ausflüge hatten wir leider keine Zeit. Der Vøringfossen ist von zwei Punkten gut sichtbar. Eine Wanderung von 1,7km führt zum Fusse des Wasserfalls und ein anderer befindet sich ein wenig weiter oben und bietet einen tollen Blick auf die Wasserfallkante und das Tal, in das sich die Wasser stürzt. Da wir bisher nur im Auto saßen, entschließen wir uns für die Wanderung. Für die 1,7km sind 30-45min veranschlagt. Das erscheint uns etwas lang, aber nach den ersten 700 m wird schnell klar, warum man so lang braucht. Auch hier müssen wir wieder über Steine und Felsbrocken klettern und uns teilweise den Weg suchen. Die Krackselei macht sich dann doch bezahlt, denn der Wasserfall bietet ein beeindruckendes Schauspiel. Von unten sieht man auch den höheren Aussichtspunkt. Nachdem wir zurück zum Auto geklettert sind, fahren wir dort auch noch hin und schauen uns das Spektakel von oben an. Sehr sehenswert ist der Vøringfossen allemal, aber die anderen Wasserfälle, die wir bisher gesehen haben, stehen ihm in nichts nach.
    Auf der gleichen Strecke geht es schließlich zurück. Ein kleiner Abstecher zum Vedalfossen erweist sich dann noch als sinnlos, da der Wasserfall zwar hoch, aber eigentlich nur ein kleiner Rinnsal ist.
    Nun müssen wir aber wirklich mal Richtung Bergen. Unsere ursprüngliche Route verwerfen wir auf Grund der vorangeschrittenen Uhrzeit. Wir haben durch Fähre und Straßensperrung so viel Zeit verloren, dass wir uns für eine schnellere Strecke entscheiden.
    Mit ein paar Stops unterwegs kommen wir gegen 21uhr endlich an unserer Unterkunft in Bergen an. Die Mutter unserer Gastgeberin empfängt uns schon und zeigt uns die Wohnung. Wir hatten uns ein gemütliches, modern eingerichtetes Apartment vorgestellt. Leider hat sich an der Inneneinrichtung im Vergleich zu den airbnb Bildern ein bisschen was geändert. Unsere Gastgeberin scheint alte Möbel sehr zu mögen - bevorzugte Epoche 70er Jahre. Naja, unsren Geschmack trifft es leider überhaupt nicht und wir sind beide wenig begeistert von der Wohnung. Das hatten wir uns etwas anders vorgestellt. 😒 Zumindest ist alles sauber und ordentlich - auch nicht so selbstverständlich, wie wir ja schon erfahren mussten.
    Nachdem wir - hauptsächlich jedoch phillipp - alles in den 4. Stock geschleppt hatten, kochten wir uns noch etwas, planten die nächsten Tage und gingen früh schlafen.
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  • Day9

    Waschtag!

    August 10, 2018 in Norway ⋅ 🌧 13 °C

    In jedem Urlaub gibt es wohl mindestens einen Tag, am dem nichts zu klappen scheint. Nun, das ist unserer. Hoffen wir mal, dass es bei dem einem Tag bleibt. 😒
    Schon am Morgen ging es großartig los, denn Bergen machte seinen Ruf, die regenreichste Großstadt Europas zu sein, alle Ehre. Es regnete ununterbrochen und die graue Wolkendecke verhieß auch keine Besserung. Die Wetter-App sagte zwar für den ganzen Tag leichten bis mäßigen Regen voraus, aber solche Vorhersagen müssen ja nicht immer eintreffen. Nun, am Morgen stimmte die Prognose zumindest mit der aktuellen Wetterlage überein. Wir ließen es also etwas ruhiger angehen - wer will schon im Regen draußen durch eine Stadt spazieren? Wir hatten sowieso geplant, zwei Ladungen Klamotten zu waschen. Wir suchten also alles zusammen und Phillipp stellte die Maschine, die sich 4 Stockwerke tiefer im Waschkeller befand, an. Während unsere Sachen wuschen, frühstückten wir und machten uns soweit startklar. Nach 1 1/2h ging Phillipp das erste Mal nach unten, um nach unseren Sachen zu schauen. Die Maschine wusch immer noch. Also warteten wir.... und warteten. Das dumme Ding wurde einfach nicht fertig, sie spülte und schleuderte nicht mal. Nach 4 Gängen in den Keller und 3h später wurde es uns zu bunt. Phillipp wurde mit jedem Gang wütender und hätte die blöde Waschmaschine am liebsten in kleine Stücke gehackt. Aber das hilft ja alles nix. Wir beschlossen also, das dumme Dinge weiter waschen zu lassen und erstmal in die Stadt zu fahren. Inzwischen war es 14uhr und wir wollten noch etwas anderes unternehmen, als die ganze Zeit auf eine Waschmaschine zu warten.
    Mit dem Bus fuhren wir in 10min in die Stadt. Leider regnet es immer noch - mal mehr, mal weniger, aber doch sehr beständig. Wir schauten uns ein wenig in der Innenstadt um, doch mit diesem ständigen Regen machte das einfach keinen Spaß. Phillipp versuchte sich mit Kapuze und Lederschuhen, ich mit Wanderschuhen und Schirm durhzuschlagen. Irgendwann liefen wir beide unter dem Schirm (ich hatte Phillipp noch gefragt, ob er einen Schirm mitnehmen wolle. Natürlich wollte er nicht 😒) und keiner blieb so richtig vom Regen verschont. Im alten Stadtteil Brygge hangelten wir uns schließlich von Souvenirshop zu Souvenir-Shop, um wenigstens für einige Minuten im Trocknen zu sein. Inzwischen waren auch unsere Hosen ziemlich nass und uns war kalt - so ein ekliges Wetter. Wir setzten uns schließlich in ein Bäcker-Café, tranken heißen Tee, aßen einen Scone und warteten, dass der Regen vielleicht etwas nachlassen würde. Währenddessen recherchierten wir, was man im Bergen bei Regen unternehmen könnte. Ein Museum vielleicht? Tatsächlich gibt es neben den 4 Kunstmuseen auch die Villa des norwegischen Komponisten Edvard Grieg. Das hätte mich sehr interessiert. Allerdings müsste man nach einer Fahrt mit der Tram einen 20min Fussweg in Kauf nehmen. Hmmm, also wieder durch dem Regen laufen. Außerdem wär die Villa soweit außerhalb gewesen, dass wir es zeitlich nicht mehr geschafft hätten. Wir haben unsere Zeit ja mit Warten auf die Waschmaschine verplempert.
    Wir verließen den Bäcker also - der Regen scheint nachgelassen zu haben - und begaben uns wieder nach draußen. Dieses Mal zog ich allerdings mein Regencape an und überließ Phillipp den Schirm. Der Regen hatte natürlich nicht nachgelassen und es war trotz Regencape genauso eklig wir zuvor. Wir gingen schließlich noch zur Touristeninformation und holten ein paar Informationen ein. Danach fuhren wir zurück zur Unterkunft, Bergen im Dauerregen macht einfach keinen Spaß. Außerdem wartet ja noch immer unsere Wäsche auf uns.
    Als wir in der Unterkunft ankamen und unsere Sachen aus der Maschine nehmen wollten, trauten wir unseren Augen nicht: 7 Stunden und das Ding wusch immernoch! Das erschien uns nun wirklich richtig falsch. Langsam machten wir uns ersthaft um unsere Klamotten Sorgen.
    Wir riefen daraufhin unsere Gastgeberin an, als die nicht ran ging ihre Mutter. Wie wir vermutet hatten, lief da absolut was verkehrt, normalerweise braucht die Maschine wohl nicht länger als 1 1/2 Stunden. Und was nun? Sie versprach jedenfalls, sich darum zu kümmern. Nach ein bisschen rumprobieren - Programm anhalten, Maschine ausmachen, warten - haben wir zumindest den Schleudergang aktivieren können. Aber auch hier, gab's für die Maschine keine Halten mehr. Sie schleuderte und schleuderte und schleuderte, und das mit der höchsten Umdrehungszahl. Jetzt hatten wir richtig Angst um unsere Sachen. Wir hielten das Ding also wieder an und stellten sie dann komplett aus. Wir hatten keine Lust, die Maschine so lange schleudern zu lassen, bis unsere Gastgeberin mal auftaucht. Glücklicherweise entriegelt die Maschine nach einigen Minuten selbstständig die Tür und wir bekamen endlich unsere Sachen wieder. Gewaschen und geschleudert waren sie ja inzwischen genug, dummerweise allerdings nicht gespült. Naja egal, durch das heftige Schleudern wird schon genügend Waschmittel mit herausgeschleudert worden sein. Unsere geplante 2. Waschladung wuschen wir verständlicherweise nicht mehr.
    Nun hingen wir alles zum trocknen auf und wartet bis der Regen nachließ. Tatsächlich hörte es gegen 19.30Uhr komplett auf und wir fuhren nochmals in die Innenstadt, um etwas essen zu gehen. Zuvor hatten wir schon die Markthallen mit angeschlossenen Fisch-Restaurants entdeckt. Dort versuchten wir unser Glück. Allerdings erhielten wir einen blöden Platz. Wir saßen mitten im Luftzug und hatten kaum Platz. Der Fisch war leider etwas trocken und für den Preis waren die Portionen ein Witz. Als wir dann erfuhren, dass man für die Toilette nach draußen gehen und mit Kreditkarte (nein, Bargeld war keine Option) 1 Euro bezahlen musste, waren wir endgültig bedient. Besonders Phillipp war total genervt von dem blöden Tag.
    Wir liefen noch etwas durch die Stadt, aber Spaß hatten wir daran auch nicht mehr. Mit dem Bus ging es zurück zur Unterkunft und dann recht schnell schlafen - man muss einen miesen Tag ja nicht noch in die Länge ziehen.
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  • Day10

    Auf den Bergen von Bergen

    August 11, 2018 in Norway ⋅ ⛅ 10 °C

    Nachdem der letzte Tag so unschön verlief, hofften wir heute auf Besserung.  Es regnete zwar, als wir aufwachten, aber zum Glück hörte es bald auf. Auch die Prognosen für heute sahen besser aus; lediglich am Nachmittag sollte es zwischen 15 und 17 Uhr leichte Regenschauer geben. Wir entschieden uns also dafür, am Vormittag eine "kleine" Wanderung in Bergens Hausbergen zu unternehmen. Die Strecke vom Ulriken zum Fløyen wird in mehreren Reiseführern angepriesen und soll eine fantastische Sicht auf Bergen und das Umland bieten. Eher durch Zufall wählten wir die richtige Buslinie, die uns in die Nähe des Ulriken brachte. Mit einer Schwebeseilbahn kommt man in wenigen Minuten auf den 642m hohen Berg. Da wir die eigentliche Wanderung zwischen den Bergen geplant hatten, fuhren wir entspannt mit der Bahn. Von oben hat man tatsächlich eine hervorragende Sicht auf alle Buchten, Berge und natürlich die Stadt. Wir schauten uns ein wenig um und brachen dann zur eigentlichen Wanderung auf. Diese führte mal wieder über Stock und Stein - oder eher nur Stein - durch die karg wirkende Heidelandschaft. In einem großen, U-förmigen Bogen läuft man vom Ulriken zum niedrig gelegeren Fløyen. Am Anfang waren wir noch motiviert, die 14km schnell zurückzulegen, aber je weiter wir kamen, desto endloser erschien uns die Strecke. Wenn wir eins über Wandern in Norwegen gelernt haben, dann ist es, dass man nicht auf ebene, angenehm zu laufende Waldwege hoffen sollte. Und so zog sich der Weg und das Ende war nicht in Sicht. Wir sahen nur ein weites Hochplateau voller Felsbrocken und Felstürmchen, die den Weg markierten. Nach den ersten Kilometern kamen wir dann noch in einen Regenschauer und wurden mal wieder ordentlich nass. Rings um uns war dann plötzlich so viel Nebel, dass wir nichts mehr gesehen haben. Glücklicherweise zog die Schlecht-Wetter-Wolke nach 30 min weiter und wir hatten wieder strahlend blauen Himmel. Schon krass, wie schnell das Wetter in den Bergen umschlagen kann.
    Nachdem wir eine Weile gelaufen waren und für unsere Verhältnisse bald da sein müssten, sagte uns ein Wanderzeichen, dass es immer noch 8km waren. Wir hatten nicht mal die Hälfte geschafft? Langsam verlor ich echt die Lust an dieser Strecke. Dieses ständige Geklettere ging mir nur noch auf die Nerven, einen Waldweg oder zumindest einen ebenen Untergrund hätte ich nett gefunden, damit man nicht ständig jeden Schritt bedenken muss und schneller voran kommt. Je weiter wir kamen, umso mehr taten mir dann auch Füße und Beine weh. Auf den letzten 2km wurde der Weg dann doch ganz angenehm und führte nur noch bergab. Nach 4 1/2 Stunden kamen wir endlich in Fløyen an. Fløyen befindet sich zwar 300m tiefer als der Ulriken, aber das machte die angeblich 14km (wir hatten beide den Eindruck, dass es mehr waren) nicht weniger anstrengend. Jetzt gönnten wir uns erstmal einen Muffin und eine Zimtschnecke und genossen die Sicht auf das sonnige Bergen. Der prognostizierte Regen blieb am Nachmittag glücklicherweise aus.
    Nach unserer wohlverdienten Pause machten wir uns auf zum Abstieg. Die 3km zurück ins Zentrum würden wir nun auch noch schaffen. Der Weg ist laut Beschilderung auch für Kinderwagen geeignet, das würde im Vergleich zur vorherigen Strecke also wirklich ein Spaziergang.
    Unten angekommen fuhren wir erstmal zurück zur Unterkunft, duschten und legten die Beine für eine Weile hoch. Dann fuhren wir zurück in die Stadt und aßen in einem guten, recht günstigen Restaurant Pizza (ja, sehr norwegisch 😆). Anschließend liefen wir noch etwas herum, aber ich war so fertig von unserer Wanderung, dass ich schnell zurück wollte. Mir schmerzte von der Hüfte abwärts gefühlt jeder Muskel, außerdem war ich müde. Gegen 23.15Uhr waren wir wieder in unserer Unterkunft und gingen bald darauf schlafen.
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  • Day11

    Weiter in den Norden

    August 12, 2018 in Norway ⋅ ⛅ 10 °C

    Heute erwachten wir in einem sonnigen Bergen - wer hätte das gedacht?! Zu dumm nur, dass wir heute weiterziehen. Wir packten alles zusammen und brachten unser Gepäck die 4 Etagen nach unten (Phillipp ist bestimmt 6 Mal gelaufen). Gegen 9.30Uhr waren wir unterwegs und fuhren zunächst in die entgegengesetzte Richtung, nämlich nach Süden zu Edvard Griegs Villa Troldhaugen. Das hatten wir am Vortag nach unserer Wanderung nicht mehr geschafft. Ich wollte mir den ehemaligen Wohnsitz Norwegens bedeutendsten Komponisten aber doch gern anschauen. Phillipp hatte nicht allzu viel Interesse und erkundete stattdessen die Gegend um die wirklich traumhaft gelegene Villa. Ich sah mir derweil das Museum und die Villa an. Durch Zufall wurde gerade eine geführte Tour angeboten, der ich mich gern anschloss. Der Tour Guide war sehr euphorisch und freute sich, dass so viele musikinteressierte Besucher dabei waren und erklärte dementsprechend alles sehr detailliert. Ich fand die Anekdoten zu Grieg sehr interessant, vor allem wie er, Tschaikowsky und Brahms sich auf einer Silvester-Gala trafen und gute Freunde wurden. Dank des originalen Mobiliars bekommt man zudem einen guten Eindruck, wie Grieg gelebt hatte. Seine Frau Nina überlebte ihn um viele Jahre und war noch bei der Umgestaltung zu einem Museum maßgeblich beteiligt.
    Nach der ausführlichen Tour ging es aber nun endlich los Richtung nordosten ins 400km entfernte Loen. Zuerst sind wir zügig durchgefahren, da wir die Strecke schon kannten. Den ersten Stopp machten wir dann am Ende des wunderschönen Nærøyfjords. Sehr eng schlängelt sich hier der Fjord ins Tal, kein Wunder, dass viele Schiffe auf dem Fjord zu sehen sind. Dann gehts weiter über den Aurlandsfjellet (Pass). Alternativ führt heute ein 24km langer Tunnel (der längste Tunnel Europas) durch das Bergmassiv. Wir wollen aber natürlich die Landschaft bewundern und fahren über die alte Passstraße. Am Stegastein halten wir kurz, dort ist eine Art Holzsteg am Berg angebracht, der wie eine Schanze nach vorn ragt. Von dort hat man eine tolle Sicht ins Tal - das sind wir in Norwegen ja inzwischen fast schon gewöhnt. Danach geht's weiter den Berg hinauf. Der Pass ist dann auch wirklich beeindruckend - ein weitläufiges Hochplateau aus Felsen und Heidekraut. Wir müssen mehrmals halten, weil die Szenerie so atemberaubend ist - das kann man eigentlich nicht wirklich beschreiben, muss man selbst gesehen haben.
    Nach dem Pass setzen wir mal wieder mit einer der vielen Fähren über und weiter geht's an Fjorden und Bergen entlang. Unterwegs entdecken wir durch Zufall noch den Bøyabreen, eine Gletscherzunge des sehr viel größeren Jostedalsbreen, des größten Gletschers auf dem europäischen Festland. Die Gletscherzunge reicht soweit ins Tal, dass man gemütlich mit dem Auto hinfahren kann und dann nur noch durch einen See vom Gletscher entfernt ist - ein drive-in-Gletscher sozusagen. 😅 Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass drei Reisebusse mit asiatischen Touristen halten. Alle stürmen wie aufgeschreckte Hühner zum Gletschersee, machen kurz ihre 1001 Fotos und sind wenig später wieder verschwunden - die haben eben ein andres Verständnis von Urlaub.
    Wir haben zwar auch nicht unbegrenzt Zeit, aber wir lassen die Schönheit der Umgebung wenigsten etwas länger auf uns wirken.
    Zurück auf der Straße fahren wir zügig weiter und kommen gegen 20.30Uhr endlich auf unserem Campingplatz an. Sande Camping ist wunderschön an einem See gelegen. Rechts und links sind hohe Berge und in etwas Entfernung kann man den Jostedalsbreen sehen - was für eine idyllische Aussicht.
    Nachdem wir uns an der Rezeption angemeldet haben, essen wir zunächst im dazugehörigen Café (Küchenschluss ist bereits 21uhr). Nach leckerem Fisch beziehen wir unsere kleine Hütte und richten uns ein.
    Bad und Küche besitzt das Hüttchen zwar nicht, aber dafür ist auf dem Campingplatz alles vorhanden - sogar eine gut ausgestattete Küche, die jeder nutzen kann - nur Lebensmittel muss man selbst mitbringen. Das hätten wir uns komplizierter vorgestellt.
    Trotz allem ist es eben nur eine einfache Hütte und unsere Euphorie hält sich in Grenzen - wir sind halt keine passionierten Camper. Wir beziehen unser Bett und gehen früh schlafen. Mal schauen, wie die erste Nacht wird. Da die Matratze zu groß für das Gestell ist und sich an beiden Seiten nach oben wölbt, vermuten wir mal, dass wir irgendwann beide in die Mitte rollen 😆 - dabei ist sowieso alles recht eng und schmal. Na, mal schauen... it's all part of the experience. 😄
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